Eine Lanze für die Space Shuttles


Heute vor 50 Jahren, am 05.01.1972 gab der amerikanische Präsident Richard Nixon bekannt, ein Space Shuttle bauen zu lassen, das die Raumfahrt revolutionieren sollte. Unter anderem sollte es durch seine Wiederverwertbarkeit sehr günstige Weltraumflüge ermöglichen. Es war sogar von Weltraum-Taxi die Rede. Bis zu 100 mal sollte jedes Shuttle fliegen. OK, wir wissen heute, dass:

  • Es wurde alles sehr viel teurer, wie geplant.
  • kein Shuttle flog mehr als 37 Flüge.
  • Es gab zwei Unfälle bei welchen insgesamt vierzehn Menschen ums Leben kamen.

Auf jeden Fall wird das Space Shuttle häufig aus verschiedensten Gründen als historischer Fehlschlag der Raumfahrt bezeichnet. So geschehen in der heutigen Sternzeit-Folge des DLF.

Auch der Countdown Podcast , der momentan nicht mehr produziert, lässt leider kaum ein gutes Haar am Shuttle. Einen schönen Abriss über die Geschichte der Shuttles gibt es bei Weltraumwagner.

Es mag schon sein, dass einige der dort angeführten Argumente zutreffend sind. Hinterher ist man immer schlauer. Ich möchte aber jetzt mal hier kurz eine Lanze für die Shuttles brechen.

Ich kann mich noch sehr gut an den Jungfernflug der Columbia, des ersten ausgelieferten Space-Shuttles, im April 1981 erinnern. Ich glaubte, wie viele andere auch, dass es bald mit den wiederverwendbaren Raumfahrzeugen für jeden möglich sein würde, einen Ausflug ins All zu machen. Unsere ganze Familie saß vor dem Fernseher und meine Mutter versuchte, mir das Raumschiff zu erklären. Besonders merkwürdig erschien mir die Tatsache, dass es an seiner Außenseite gekachelt war. Dann fühlte es sich offensichtlich so an, als ertaste man Fliesen an einer Wand.
Mittlerweile besitze ich ein sehr schönes hölzernes Modell des Spaceshuttles mit dem großen Tank in der Mitte, den seitlichen Boostern und dem kleinen Shuttle auf dem Rücken.

Hier nun kurz meine Erlebnisse zu den Shuttles, die die Liebe in mir für dieses Projekt entfachen ließen.

  • Mir gefiel, dass es trotz des kalten Krieges möglich wurde, dass es durchaus Missionen von Amerikanern und Soviets gemeinsam gab. Das gab Hoffnung. Ich meine mich zu erinnern, dass ein Shuttle sogar mal an eine russische Raumstation angekoppelt wurde.
  • Natürlich war der Unfall von 1986 ein absoluter Tiefschlag für die amerikanische Raumfahrt. Bei der Analyse des Unfalls, mit welcher der Physiker Richard Feynman beauftragt wurde, stellte sich heraus, dass diese Katastrophe durchaus hätte vermieden werden können. Ingenieure warnten, dass die Dichtungsringe in den Boostern eventuell die Kälte des Winters nicht überstehen könnten. Dem war dann leider auch so.
  • Für mich traten die Shuttles Anfang der 90er Jahre wieder in den Vordergrund, als das Hubble-Teleskop damit in den Weltraum gebracht wurde. Wir erinnern uns an das Desaster, dass Hubble zunächst unscharfe Bilder lieferte, was an einem Fehlschliff des Hauptspiegels lag. Schließlich entschloss man sich, Hubble zu reparieren. Ein Shuttle flog hin, zog das Teleskop in seine Ladebucht und es wurde ihm eine Brille verpasst, welche den Fehlschliff ausglich. Bei der Gelegenheit wurden auch noch eine Kamera und ich meine auch Batterien erneuert. Fünf mal insgesammt flog ein Shuttle zu Hubble, um es technisch zu überholen. Nur diesen Flügen verdanken wir, dass Hubble bis heute nach 30 Jahren noch immer zuverlässig arbeitete und unglaubliche Bilder liefert. Hätten wir heute noch ein Shuttle zur Verfügung, dann wäre ein weiteres Update von Hubble vermutlich durchführbar.
  • Legendär war auch der Weltraumspaziergang und der Flug zum Sonnenobservatorium SMM.
    Ich schrieb darüber in Abenteuer der Reparatur von SMM.
  • Der Bau der Raumstation wäre ohne die Shuttles niemals gelungen, denn niemand sonst besaß auf der Welt eine Raumfähre mit einer so großen Ladebucht und einem so starken Antrieb, um derart schwere Nutzlasten ins All zu befördern. Diese Raumstation fliegt nun auch schon seit über zwanzig Jahren über unseren Köpfen.
  • Schon vor der Raumstation wurde die Ladebucht der Shuttles für Versuche in Schwerelosigkeit genutzt. Man baute hierfür einfach ein modulares Labor mit den Versuchen ein.
  • Ein Flug diente zur Kartierung der Erdoberfläche.
  • Zahlreiche Sonden und Satelliten wurden mit den Shuttles ins All gebracht.
  • Selbst die neuesten Raketen, die uns in einigen Jahren wieder zum Mond bringen sollen, enthalten unglaublich viel Technologie, z. B. Triebwerke, aus den alten Shuttles. Somit kann hier von Fehlschlag keine Rede sein. Viele Erkenntnisse und robuste Technologie aus diesem Programm begleiten die Raumfahrt bis heute. Selbst das Aussehen der neuen Raketen ähnelt dem Shuttle, wie oben beschrieben.

Das Ende des Programms mit dem Unfall 2003, bei welchem leider alle sieben Astronauten ums Leben kamen, war sehr traurig und hart.

Sicher kann man, wenn man in die Geschichte der Shuttles geht, Haare in der Suppe finden, aber so schlecht, wie die Shuttles teilweise gemacht werden, waren sie durchaus nicht. Und wenn auch. Sie waren das einzige, was wir hatten…

Wer mehr über die Shuttles wissen möchte, findet auf Wikipedia alles.

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