Große Frauen in Astronomie und Wissenschaft – Zum Frauentag 08.03.2020


Liebe Leserinnen und Leser,

auch in diesem Jahr möchte ich der Tradition treu bleiben, zum morgigen Weltfrauentag, 08.03.2020, einen Beitrag zu veröffentlichen, in welchem eine Astronomin als Beispiel für große Frauen gewürdigt werden soll

Prolog

Noch immer ist die Gleichstellung von Frauen in Forschung, Wissenschaft, aber leider auch noch in so vielen anderen Dingen längst nicht erreicht.

Die Welt blickt momentan fassungslos, sprachlos, vielleicht auch ratlos und im Falle Europas für meine Begriffe tatenlos auf die tragischen Geschehnisse in Syrien und auf die daraus resultierenden menschenverachtenden und unwürdigen Zusammenstöße zwischen Militär und fliehenden, die woanders Hoffnung auf Ruhe, Frieden und ein besseres Leben suchen. Ihren Familien entrissen, der Heimat entwurzelt, verletzt, gequält und geschunden, erleben sie Ablehnung, Gewalt und Hass. Und das leider auch von den reichsten Ländern der Welt.

Auch hier im Land rüsten Faschisten in Wort und Tat auf, gegen den eventuellen Anstieg der Flüchtlingswelle. Und die Gegenwehr von Politik und Gesellschaft ist schwach, verhalten und toleriert diese Kräfte, die unseren freiheitlichen Staat bis in die obersten Ebenen hinein mittlerweile durchsetzen, und diesen von innen her zerstören versuchen.
Selbiges gilt auch für viele weitere Länder Welt weit.

Für “Wehret den Anfängen” ist es längst zu spät. Dazu ist dieses Gift schon viel zu tief in unsere Gesellschaft gesickert, aber für Widerstand ist es dennoch nie zu spät.
Aus diesem Grunde geht es heute um eine Astronomin, die um das Jahr 1000 in Syrien lebte und wirkte.
In Syrien mit seiner jahrtausend alten Kulturgeschichte, ein wesentlicher Teil der Wiege Europas.

Das Portrait von Mariam al-Asturlabi

Mariam al-Asturlabi lebte und wirkte um 944 – 967, also um 1000 nach Christus in Aleppo im Norden Syriens. Ich bin nicht ganz sicher, ob sich diese Zahlen auf ihr, oder ihres Vaters leben beziehen. Sagen wir also um 1000 herum.
Sie entwickelte und fertigte im 10. Jahrhundert Astrolabien.
Das sind Messinstrumente, mit denen man sich am Himmel orientieren kann. Weiter unten im Artikel werde ich versuchen zu beschreiben, wie so ein Instrument funktioniert und ungefähr aussieht.
In diesem Sinne war ihr Nachname Programm. Kann sein, dass der vor ihren Erfolgen anders lautete…

Ein gewisser Muhammad Al-Fazari soll der erste gewesen sein, der im achten Jahrhundert beim Bau eines Astrolabiums in der islamischen Welt geholfen hat.
Sie griff es auf und entwickelte es weiter und perfektionierte dieses Astrolabium.

Ihre Arbeit war sowohl kreativ als auch innovativ. Ihr Vater war Lehrling bei einem bekannten Astrolabium-Hersteller, und sie studierte bei ihm als seine Schülerin.
Sie entwarf offensichtlich auch neue Astrolabien

Der Damalige Herrscher Aleppos, Sayf Al Dawla, wurde auf sie und ihre Fähigkeiten aufmerksam und stellte sie als Astrolabien-Bauerin an seinem Hofe ein.
Darüber hinaus half sie auch bei der Weiterentwicklung von Navigations- und Zeitmessungstechniken.
Was mit “Messtechniken” an dieser Stelle gemeint ist, konnte ich leider nicht klären.
Al-Ijliya, wie sie auch genannt wird, ist ein Beispiel dafür, dass das Streben nach Wissen im Islam gefördert und Frauen zu dieser Zeit offensichtlich nicht von Forschung und Wissenschaft ausgeschlossen wurden. Sie galt als eine bedeutende Wissenschaftlerin dieser Zeit.

Tatsachen aus Religion und Gesellschaft

Auf jeden Fall ist es sehr bemerkenswert, dass es offensichtlich möglich war, sich als Frau und Wissenschaftlerin in der Hochkultur des Islam zu behaupten, zu bewähren, und auch Würdigung und Anerkennung zu erfahren. Das war die Zeit, in der Gelehrte des Islam Europa, im ersten Jahrtausend in tiefsten Mittelalter versunken, Astronomie, Geschichte, Philosophie und Kultur bewahrte und zurück gab.
Vieles aus Mathematik und Medizin verdanken wir dieser Hochkultur, die offensichtlich frauenfreundlicher war, wie dem Islam es heute oft unterstellt wird. Ich bin kein Kenner des Islam, aber es scheint so zu sein, dass der Ur-Islam gar nicht so frauenfeindlich war, wie wir immer denken, dass der Islam es sei. Wahrscheinlich ist das, was wir heutzutage in manchen islamischen Ländern erleben, und was wir berechtigt als frauenfeindlich bezeichnen, gar nicht die Schuld des Islam an sich, sondern resultiert aus der dort vielerorts gelebten Kultur und Regierungsform. Auch wir Christen sollten das bedenken, dass im Mittelalter Kreuzzüge, Hexenverbrennungen und mehr Unrecht im Namen Gottes geschehen sind. In der heutigen Zeit ist ein christliches Land, wie Deutschland, einer der größten Waffenexportöre der Welt, obwohl das neue Testament rät, die andere Backe hin zu halten, wenn dir einer auf die eine Backe schlägt, obwohl es das Gebot gibt, dass man nicht töten soll,
obwohl Jesus im Gleichnis mit der Hure denjenigen aufforderte, welcher ohne Sünde sei, den ersten Stein zu werfen.
Es gibt also genügend Vergleiche, die dem kriegerischen Tun mancher Muslime sehr ähnlich sind. Und noch eines. Auch in unserer christlichen Welt sind Frauen noch immer in nahezu allen gesellschaftlichen und vor allem in beruflichen Bereichen nicht gleichberechtigt, von der Bezahlung angefangen, bis hin zu Aufstiegschancen im Beruf und anderen gesellschaftlichen bereichen.
Den Zöllibat, die Beichte und die Verehrung von Heiligen, gibt es sowohl in der Bibel, als auch im Koran nicht.
Ein Satz der Aufklärung noch zum Schluss dieses Abschnittes:
Ein sprachliches unhaltbares Ungleichgewicht ist meiner Meinung nach, dass ein Muslime, der sich, wodurch auch immer motiviert, terroristisch benimmt, ein Islamist genannt wird. Ein Pendant für einen Menschen, der in gleicher Weise als Christ sich schuldig macht, gibt es nicht. Das führt zu einer sprachlichen Verzerrung, die letztlich jeden, der dem Islam angehört, zu einem Islamisten macht. Wenn dieser Unterschied zwischen Muslim und Islamist sprachlich mehr und mehr verwischt, dann öffnet das allem Hass Tor und Tür. Dann verbinden wir mit dem Islam nur noch Terror, obwohl der größte Teil der Mitglieder dieses Glaubens ebenso friedlich ist, wie der größte Teil der “Christenheit”. “Christisten”, also gewalt bereite und Terror ausübende Anhänger der christlichen Religion, gibt es reichlich auf der Welt, und dennoch fehlt sprachlich ein Wort, diese zu bezeichnen. Zumindest ihr Gedankengut hat in einigen Ländern Europas, den USA und dem Rest der Welt, längst Einzug in die höchsten Regierungsinstanzen gehalten.
Aber belassen wir es an dieser Stelle mit dieser kontroversen Diskussion, und wenden uns wieder unserer Astronomin zu.

Weitere Tatsachen

Tatsache ist auch, dass vieles, was wir heute bis weit vor Christi Geburt über die Wiege Europas wissen, unrettbar verloren gegangen wäre, hätten islamische Gelehrte sich nicht um den Erhalt dieses Wissens- und Kulturschatzes bemüht.

Datenlage

Ab hier wird die Datenlage der Geschichte ihres Lebens etwas dünn. Zumindest habe ich nicht viel gefunden.
Was ich brauchbares fand, waren Quellen auf Englisch. Schon irgendwie seltsam, dass es wenig Materialien auf Deutsch zu geben scheint.

Auszeichnungen

Ihre Erfolge in Instrumentenbau müssen gewaltig gewesen sein, denn bis heute ist so einiges nach ihr benannt.

Der Hauptgürtel-Asteroid 7060 Al-‘Ijliya, der 1990 von Henry E. Holt am Palomar-Observatorium entdeckt wurde, wurde ihr zu Ehren benannt. Die Nennung des Namens wurde am 14. November 2016 veröffentlicht (M.P.C. 102252). Dieses Kürzel bezeichnet vermutlich einen jener zahlreichen Sternenkataloge. Ich kenne ihn gerade nicht.

Sie inspirierte eine Figur in dem 2015 preisgekrönten Buch Binti.

Im Buch der “1001 Erfindungen” wurde sie als eine außergewöhnliche Frau aus dem Goldenen Zeitalter der muslimischen Zivilisation bezeichnet, was eine große Ehre war.

Die @Riffreporter würdigten sie in ihrem Weihnachtskalender 2019, hinter dessen jedem Türchen sich eine berühmte Astronomin versteckt, die sich in der meist von Männern dominierten Wissenschaft behaupten konnten.

Exkurs über das Astrolabium

Nun gehe ich zum Schluss dieses Beitrages noch kurz darauf ein, was ein Astrolabium ist, wie es funktioniert und wozu man es verwendet.
Wir wollen ja schließlich wissen, was der Inhalt des Lebenswerkes dieser bemerkenswerten Forscherin und Entwicklerin war.

Zitat aus Wikipedia:

Ein Astrolabium (auch Astrolab, griechisch für „Stern-Nehmer“) oder Planisphärum ist ein scheibenförmiges astronomisches Instrument. Mit ihm kann der sich drehende Himmel nachgebildet werden.
Auf einer festen Scheibe (Tympanon) sind der Horizont und Kreise des horizontalen Koordinatensystems abgebildet. Darüber liegt die drehbare Rete, die als Himmelskörper einige Sterne und die Jahresbahn der Sonne (Ekliptik) enthält.

Meistens befindet sich auf der Rückseite ein Diopter, mit dem der Höhenwinkel eines Objekts auf der Erde oder am Himmel (zum Beispiel Stern oder Sonne) über dem Horizont gemessen werden kann. Die überkommene griechische Bedeutung als „Sternnehmer“ oder „Sternhöhenmesser“ stammt von dieser Zusatzeinrichtung, die vor dem Sextanten auch in der Seefahrt zur Bestimmung des Breitengrads benutzt wurde.

Einige von vielen Anwendungsmöglichkeiten sind folgende: Wird die Rete auf Datum und Uhrzeit eingestellt, so lassen sich die Positionen der Sterne ablesen. Umgekehrt lassen sich aus dem Datum und der Position eines Sterns oder der Sonne die Uhrzeit oder die Himmelsrichtungen bestimmen.

Wir kennen Astrolabien bis Heute in Form von runden drehbaren Sternkarten, mit denen Sternegucker nachts am Himmel versuchen, sich zu orientieren.
Auch bei diesen ist am Rand der Ring zur Einstellung von Zeit und Datum angebracht. Auf der unteren Scheibe sind die wichtigsten Sternbilder eingezeichnet. Die obere drehbare Scheibe hat einen Ausschnitt, der gerade immer die Sterne frei gibt, die für die eingestellte Uhrzeit und das Datum sichtbar sein sollten. Der Mittelpunkt der Karte, wo beide Scheiben drehbar miteinander verbunden sind, zeigt auf den Nordstern. Eine nach dem Nordstern orientierte Sternenkarte funktioniert natürlich auf der Südhalbkugel nicht.
Ich habe eine tastbare Sternenkarte in meinem Archiv, so dass ich auch als blinder Mensch deren Funktionsweise begreifen kann. Der Umgang damit bedarf aber einiger Übung.

Taktile Sternenkarte
Sternenkarten-Selfi

Eine weitere sogar Sprechende Himmelsscheibe wurde in Zusammenarbeit des Vereines Andersicht von einem blinden Physikstudenten entworfen und gemeinsam mit einer Firma entwickelt. Auch bei diesem modernen Gerät stellt man klassisch Zeit und Datum ein. Die Sterne sind als leuchtende Knöpfchen realisiert. Drückt man sie, erfährt man via Sprache akustische Informationen über den Stern.

Nun wünsche ich allen Frauen Morgen einen schönen und würdigen Weltfrauentag. Möge er dafür sensibilisieren, dass vor allem in Forschung und Wissenschaft Frauen noch immer deutlich unterrepräsentiert sind.

Es bedarf hierzu ein Umdenken vor allem in den Köpfen von uns Männern. Nur Quoten helfen hier wenn überhaupt, nur maginal…

Es grüßt euch herzlich

Euer Blindnerd.

Auf der Jahrestagung der Deutschen Astronomischen Gesellschaft 2019


Seid herzlich gegrüßt,
Manche von euch könnte beim Lesen dieses Artikels das Gefühl überkommen, den schon mal gelesen zu haben. Das Gefühl stimmt exakt. Ich habe den Artikel über die Jahrestagung der AG tatsächlich im Rahmen meines Jahresrückblickes 2019 schon mal veröffentlicht. Da aber der Jahresrückblick durch diesen Artikel sehr länglich wurde, beschloss ich, ihn auszugliedern und als separaten Artikel zu veröffentlichen. Außerdem war dieses Event so wichtig und schön für mich, dass es eine separaten Artikel wert ist. Und es geht los:

“Outreach” bedeutet, die Astronomie nach außen in Schulen, Bildungsinstitute, halt in die Öffentlichkeit zu tragen. Unterstützt wurde ich vom Vorstand des EBS-Baden, indem der EBS dankenswerter Weise die Konferenzgebühr für mich übernahm. Schon in Kiel unterstützte mich der alte Vorstand in dieser Sache.
So fuhr ich also mit meiner Arbeitsplatzassistenz als Begleitung am 19.09.2019 nach Stuttgart an die Universität, wo die Tagung stattfand. Am Vormittag dieses Tages besuchten wir zunächst noch einige astronomischen Vorträge und eine Preisverleihung für die beste Doktorarbeit im vergangenen Jahr. Etwas grafischeres, wie eine Vorlesung eines gestandenen Astronomen, gibt es nicht. Wahnsinn, wie viele bunte Diagramme, Tabellen und sonstige Grafiken, die einem in 90 Minuten um die Ohren hauen können. Hätte ich mir in den letzten Jahrzehnten kein so fundamentales Grundwissen in Astronomie, Astrophysik und Weltraumforschung erarbeitet, würde ich nichts, aber auch gar nichts verstehen. Ich bin nicht sicher, ob man als blinder Student ein Astronomie-Studium schaffen könnte. Auf jeden Fall hat mich der Vortrag der ESA sehr beeindruckt in welchem in einer Art Rundumschlag mal alle aktuellen wesentlichen Projekte angerissen wurden, was so im Weltall von Europa aus erforscht wird und welche Raumsonden gerade fliegen, bzw. in Planung sind. Danach ging es dann auch schon nach der Mittagspause in den Workshop, in dessen Rahmen auch mein Vortrag stattfinden sollte.
Zum Glück ist der Outreach-Workshop immer in Deutsch, weil man sich deutsche Astronomie-Projekte zeigt, mit denen man Menschen erreichen möchte. Also, um es vorweg zu nehmen. Es rührt einen manchmal zu Tränen, wenn man erleben darf, wie z. B. das Thema Astronomie Kindern nähergebracht wird. Im ersten Vortrag wurde anhand einiger Videos vorgestellt, wie das DLR Kindern sowie Lehrern die Wissenschaft und die Astronomie näherbringen. Hunderte bis tausende von Kindern verschiedener Schulen versammeln sich in großen Hallen, bzw. sogar in Stadien, um eine riesige Wissenschafts-Show mit Komik, Experimenten, Astronaut Alexander Gerst, mit Modellen von Erde, Mond, Mondlander etc. zu erleben. Es ist, wie gesagt, sehr rührend, mit wie viel Herzblut die Wissenschaftler des DLR_Next hier zu Werke gehen.
Im nächsten Vortrag wurde 100 Jahre Astronomische Union gewürdigt. Durch die Wirrnis zweier Weltkriege hindurch, Inflation, NS-Regime etc. musste sich die AG hindurch manövrieren, um zu überleben. Von Zerschlagung der AG, Enteignung und Verboten war alles dabei. Dennoch überlebte sie, was in diesem Vortrag eindrucksvoll und geschichtlich spannend, dargelegt wurde.
Nun war ich an der Reihe. Wie sollte ich bloß diesen Spagat schaffen, rüber zu bringen, was Wichtiges in den letzten vier Jahren lief, ohne mich selbst zu sehr zu bauchpinseln und zu beweihräuchern. So redete ich mich erst mal warm, in dem ich mich, das Institut, an welchem ich arbeite, den EBS-Baden vorstellte und mein Buch zurück in Erinnerung rief.
Nun gliederte ich den Vortrag in verschiedene Themenbereiche, um parallele Entwicklungen besser und getrennt voneinander darstellen zu können.

So zeigte ich beispielsweise meine Planeten-Modelle aus dem 3D-Drucker. Diese entstanden dadurch, dass die Astronomische Gesellschaft mir eine Anfrage aus Spanien weiterleitete. Da wollte jemand Astronomie für Blinde machen, hatte gute 3D-Modelle am Rechner erstellt, hatte aber wegen Armut keinen 3D-Drucker, um die Modelle zu drucken. Die hatten die Daten und ich druckte sie hier. Außerdem übersetzte ich meine taktilen Astronomie-Mappen, mit denen wir teilweise auf den Freizeiten schon gearbeitet haben ins Spanische, so dass die nun auch damit arbeiten können, und ich habe die Modelle von diesem Kontakt, dank der Astronomischen Gesellschaft.
Natürlich durfte passend zum Jubiläum der Mondlandung meine Lego-Rakete und meine Mondkarte nicht fehlen.

Leider fiel eine Mondveranstaltung aus, weil ich eine Sommergrippe hatte und es absolut nicht ging. Ein Highlight war sicherlich die Präsentation unseres sprechenden Handplanetariums “Universe to Go”. An der Anpassung für Blinde war ich beratend beteiligt und bin mit dem Entwickler bestens befreundet. Mit diesem Gerät können blinde Menschen mit etwas Übung den Sternenhimmel akustisch erkunden.

Nun stellte ich vor, welche Netzwerke ich in den letzten Jahren knüpfen konnte. Diese Universität in Spanien erwähnte ich schon. Auf Blindnerd schrieb ich über den Inklusionstag der Internationalen Astronomischen Union, dem höchsten Gremium der Welt, die mich als Experten eingeladen hatten, um dort zu sprechen und meine Modelle auszustellen.
Das alles ist auf meinem Blog „Blindnerd“ ausführlich beschrieben.

Nun stellte ich noch einige unserer Freizeiten vor.” Die Sonne, der Stern von dem wir leben”, “Kalender und Uhren im Wandel der Zeiten”, “Die Bibel unterm Sternenzelt”, sind vielleicht noch Themen, an welche sich manche noch erinnern könnten.

Der letzte Block zeigte auf, wie verschieden meine Vorträge und Workshops sind. Blindenschulen, Brennpunktschulen, Berufsbildungseinrichtungen, Kinder-Krebs-Station im Krankenhaus, Landfrauen und vor ausgewachsenen Astronomen, sind alles Orte, an denen ich schon gewirkt habe. Unterschiedlicher geht es nicht.

Sogar für die Bahnhofsmissionen Badens, durfte ich schon tätig sein, die wohl alle blinden Leser*innen schon mal in Anspruch genommen haben.

Ich könnte mit den Erfahrungen aus den verschiedenen Veranstaltungen Bücher füllen. In der Kaffeepause wurde ich von einigen interessanten Personen in Beschlag genommen, die sich für meine Themen und den EBS interessieren. So zeigte der Direktor der Ausstellung Experimenta in Heilbronn großes Interesse, mit mir gemeinsam etwas für blinde Menschen anzubieten. Es folgten nun noch bis 18:00 Uhr weitere Vorträge. Einen fand ich hier besonders spannend.

Den letzten Referenten fand ich auch äußerst spannend.
Immer, wenn ein neuer Kinofilm mit Weltraum-Kram herauskommt, lädt er zu einem Vortrag und dem anschließenden Film ein. Im Vortrag wird dann die Physik des Weltraumfilmes erklärt, z. B. “Kann man in die Zukunft oder in die Vergangenheit reisen?” “Funktioniert Beamen?” “Können Waffen im Weltraum überhaupt so einen Lärm machen, wie im Film?” etc. Dabei geht es nicht darum, den Besuchern den Film madig zu machen, aber man kann sich ja mal über die Physik des Filmes unterhalten und danach trotzdem Beamen etc.

Fazit:
Die Veranstaltung war für mich eine großartige Möglichkeit, meine Mission zu präsentieren.
Ich bin sicher, dass wir hier mittlerweile gute Kontakte haben, die auch mal weit bis in den EBS und die Freizeiten hineinwirken können. Es lohnt sich wirklich alle paar Jahre sich dort mal mit einem Vortrag zu zeigen.

Mein Astronomischer Jahresrückblick 2019


Liebe Leserinnen und Leser,

wieder liegt ein ereignisreiches Jahr hinter uns. Astronomisch begleitete uns natürlich die Mondlandung mehr oder weniger das ganze Jahr hindurch.
Es gab aber, zumindest für mich, auch noch großartige andere astronomische Erlebnisse.
Wie immer teile ich diese in Form eines obligatorischen Jahresrückblickes gerne mit euch.
Und das gewiss nicht, weil ich mich bauchpinseln wollte, sondern weil diese Arbeit einfach viel Freude bereitet. Ich merke, dass meine Mission der Inklusion am Himmel, langsam immer mehr Anhänger*innen findet.
Dann fangen wir mal an:

Artikel bei Spektrum

Zunächst kommt ein Nachtrag von 2018; eine Überraschung, von der ich erst Anfang 2019 erfuhr und die mich sehr freute.
Es gab im November 2018 einen Artikel über mich in der Spektrum der Wissenschaft. Der ist allerdings hinter einer Paywall
https://www.spektrum.de/magazin/wir-wollen-den-himmel-zu-allen-bringen/1606172
Davon habe ich nur zufällig erfahren. Sollte jemand die Möglichkeit haben, diesen Artikel zu laden, dann wäre ich für eine, ja ich weiß, … Kopie sehr dankbar.
Immerhin habe ich die Spektrum als Hörzeitschrift abonniert. Dort war der Artikel aber nie drin, sondern scheinbar nur online.

Jetzt aber zu den Ereignissen von 2019
Wie wir nachher noch sehen werden, war dieses Jahr für mich irgendwie das Jahr der Medien.

Jahresbeginn mit Big-FM

Der Radiosender BigFm strahlte am 13.01. einen Beitrag mit mir in “Zwischen Himmel und Erde” aus. Das war eine Wiederholungstat, denn der Artikel wurde vor einigen Jahren schon mal gesendet.
Das macht aber nichts, denn bei den meisten Sachen im All kommt es nicht darauf an, wie abgehangen ein Artikel ist.
Diese Ausstrahlung hatte, wie wir später sehen, weitreichende positive Folgen.
Beitrag anhören

Optic Students

Mein erster Vortrag 2019zu Audio-Astronomie war bei einem Verein am KIT, der sich Optic Students nennt. Diese forschen an allem, was mit Optik zu tun hat. Ob Laser, Linse, Spiegel etc. Ausgerechnet dieser Verein wollte von mir einen Vortrag ohne Optik haben. Ich finde das eine gute Sache, wenn man seine Sensoren mal anders ausrichtet.
Rein zufällig traf ich mal ein Mitglied des Vereins auf der Straße. Ich wurde gefragt, ob ich derjenige blinde sei, der mit Sternen und so…
Vermutlich hatte er was in den Medien aufgeschnappt.
Und dann war die Idee geboren.
Der Vortrag war sehr gut besucht und danach gab es auch noch viel Gespräche und leibliches Wohl. Den Vortrag musste ich auf Englisch halten. Zum Glück habe ich schon teilweise englische Folien, so dass ich nicht alles neu erfinden musste.
Für mich war es der erste Vortrag am KIT. Da ist man zwanzig Jahre beschäftigt, taucht mindestens zwei mal jährlich in einem KIT-Medium zum Thema Astronomie auf, kommt in anderen großen überregionalen Zeitungen etc., und dennoch keine Vorträge.
Es ist schon irgendwie so, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt.
Wie auch immer.

Artikel beim Evang. Pressedienst

Die oben erwähnte Radiosendung schnappte offenbar eine Reporterin des Evang. Pressedienstes auf. Schon am 18.01. durfte ich ein großartiges Interview mit ihr führen.
EPD ist für die Kirche das, was für alle die DPA darstellt. Jede Zzeitung darf sich bei den Artikeln bedienen. Ein super Multiplikator also.
Und tatsächlich. am 06.02. veröffentlichte der EPD einen sehr langen respektvoll geschriebenen großartigen Artikel.
Hier geht es zum Artikel.

Noch am gleichen Tag rief die Landesschau des SWR bei mir an. Die wollten unbedingt, angeregt durch den EPD-Artikel mit mir eine Sendung aufzeichnen.
Das letzte finale Ereignis in diesem jahr war dann diese Sendung. Siehe gaaaanz unten.

Sendung bei SWR4 Baden-Württemberg

Am 07.02. rief mich spontan ein wohl bekannter Reporter, Herr Essig, des SWR4 an. Wenn es etwas am KIT oder vom KSC zu berichten gibt, das für SWR4 interessant sein könnte, ist Herr Essig nicht weit.
Er meinte: “I bin grad uf am Weg zum KSC. I könnt kurz vorbei komme. Mache ma doch e schönes Beiträgle.”
Auch er fand über den EPD-Artikel zu mir.
Baden-württemberg Aktuell

Ambasador-Club Baden-Baden

Von langer Hand geplant war ein Vortrag im Kurhaus Baden-Baden beim Ambasador-Club.
Die waren alle sehr interessiert. Es ist praktisch, auch mal bei so einem Verein einen Vortrag zu haben, denn die haben, was man eventuell mal für ein Astronomie-Projekt brauchen könnte, Geld, das sie gerne für gute Zwecke einsetzen wollen.

Fünfzig, was jetzt schon?

Oh, was hatte ich Glück, wie ich mich um eine große Feier meines fünfzigsten Geburtstags drücken konnte.
Vom 22.02. – 24.02. nahm ich für den Evang. Blinden- und Sehbehindertendienstes Baden an der Jahrestagung des Dachverbandes teil
Das Motto war lustig: “Hast Du schon die App, oder fragst Du noch Menschen”.
Gemeinsam mit einer aus Pfarrern bestehenden Folk-Band durfte ich mich mit zwei kleinen Lesungen am Abendprogramm beteiligen. Ich muss schon sagen. So Folk und Astronomie passen schön zusammen.
Außerdem gab ich zwei mal einen Workshop zum Thema “Wenn Dinge plötzlich denken lernen”. Es ging um Haushaltsroboter, Alexa & Co. Trotz aller Vorteile als Hilfsmittel und Assistenzsystem gab es viele Ängste und Bedenken, die im Workshop ausgesprochen und bearbeitet werden durften.
Die Tagung war wirklich ein ganzheitliches Highlight für mich und hat mich, wie gesagt, über meinen Fünfziger getragen.

Interview beim Evangeliumsrundfunk

Mein großartiger blinder Freund ist Journalist beim Evangeliumsrundfunk Baden. Der ist sprachlich der Hammer und keiner kann Elvis so gut wie er. Für das Bestehen seiner Matheklausuren empfahl ich ihm stets Kerzen zum Gebet…
Er hatte vor einigen Jahren den Take initiiert, der oben von BigFM erwähnt wurde.
Der führte mit mir am 12.03. mal ein richtiges langes Interview mit mehreren Takes durch.
Es war wie in guten alten Zeiten, als wir Brüder im Geiste quasi unter einer roten Fahne die Welt verändern wollten.
Link zur Sendung

Podcasts

Ich schrieb in Podcasts – ein Tor zu Wissen und Bildung darüber, welch ein wunderbares Tor zu Wissen und Bildung insbesondere für mich als Mensch mit Blindheit, Podcasts sind.
Ein in der Community und weit darüber hinaus strahlender Stern am Podcast-Himmel ist der Technikpodcast von Stephan Merk.
Es war mir eine große Ehre, dass er am 29.03. mit mir eine Folge aufzeichnete.
Für alle, die sich für Audiozubehör interessieren, ist dieser Podcast ein Muss.
Zur Folge

Sternenfrühstück

Auf der oben erwähnten Fachtagung des DEBESSwurde mit der Leiterin des Evang. Blinden- und Sehbehindertendienstes Rheinland-Pfalz abends beim Wein die Idee geboren, mich zu deren Frauenfrühstück in die Diakonie als Referent einzuladen, denn man kann ja nicht immer ein medizinisches oder sonstiges Schwurbelthema nehmen.
Das war für mich eine gewisse Herausforderung, denn ich hatte mit so einem Publikum noch wenig Erfahrung.
Hier kam mir dann allerdings die Zeit zu pass. Ostern stand vor der Tür und diesmal sogar noch mit dem
Oster-Paradox
Da lies sich dann was daraus machen.
Die wunderbaren Damen schmierten mir Brötchen und versorgten mich vortrefflich und ich erzählte ihnen von Ostern.

Podcast mit Folgen

Schon lange bin ich mit den freien Journalisten der @Weltraumreporter auf Twitter unterwegs und habe auch deren Flatrate abonniert, um alle Artikel der @Riffreporter lesen zu können.
Und so besuchten mich am 24.06. Karl Urban und Felicitas Mogler in meinem Büro, um gemeinsam eine Sendung aufzunehmen.
Keiner von uns wusste vorher, wer den Weltraumreportern die Sendung abkaufen würde. Es versprach somit, spannend zu werden.
Einige Radiosender kauften dann den Artikel und bastelten sich eigene kurze features daraus.
Zur Podcast-Folge der @weltraumreporter

Inklusion

Aufmerksam geworden durch den EPD-Artikel oder einer anderen Zeitung, die sich dort bediente, rief mich die Inklusionsbeauftragte der Gemeinde Gundelfingen an, und bat mich, in deren Bibliothek einen inklusiven Abend zu gestalten.
Im Vorfeld dafür durfte ich am 02.07. der Badischen Zeitung ein Interview geben.
Ich schrieb gesondert über diese Veranstaltung in

Inklusiv von allen Seiten – mein Auftritt in Gundelfingen

Am selben Tag strahlte DLF-Nova ein Feature aus, welches aus der Sendung extrahiert wurde, das die Weltraumreporter mit mir aufgenommen hatten.

Hatte also diesmal der Große Fisch DLF angebissen. Wahnsinn!!!

Nach gezogen hat dann mit quasi der gleichen Sendung SWR2-Impuls.

Endlich geschafft. Ein Traum ging in Erfüllung. Ich wollte schon immer gerne ins Radio. Lieber, als ins Fernsehen, obwohl man das natürlich auch mit nimmt, wenn es sich anbietet.

Besuch von Alexander Gerst

12.07. Ehrendoktor Alexander Gerst.
Zu gerne hätte ich ihm mein Buch geschenkt, aber er wurde von Großkopferten derart abgeschirmt, dass das nicht möglich war. Dennoch. Es war für mich ein großer Tag, bei dieser Feier dabei gewesen zu sein.
Über diesen ganz besonderen Vortrag berichtete ich bereits in

Alexander Gerst am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – meine Impressionen

Mond verpasst

Ausgerechnet am 20.07.2019, 50 Jahre Mondlandung, lag ich krank zu Bette.
Noch nie musste ich wegen Krankheit eine Astro-Veranstaltung absagen. Eigentlich wollte ich mich mit unseren Studierenden treffen. Wir wolten Mond-Videos schauen, Pizzamond bestellen und Legorakete aufmachen, und auseinander nehmen, um den Flug zu erleben.
Ging nicht. War nix zu machen. So habe ich dann halt meine Videos im Bett geschaut, und irgendwie wurde es dann doch noch ganz feierlich.

Astronomie für die Kirche

Mitten am Tage, als die Sonne hoch am Zenit stand, war ich von den Mitarbeitern des EOK eingeladen, im Rahmen ihrer Mittagspause mal etwas über Astronomie mit vier Sinnen zu erzählen.
Die haben im Sommer so ein Programm, wo entweder Mitarbeitende ihr ungewöhnliches Hobby präsentieren, bzw. in meinem Falle, auch mal jemand von außerhalb eingeladen wird.
Und so hörten wir uns viele Weltraumsounds an, man war sehr an meinen Modellen interessiert, und einige Büchlein wechselten ihre Besitzer.
Am gleichen Tag sendete SWR2-Wissen ein aus dem Podcast der Weltraumreporter abgeleitetes Feature, dem des DLF sehr ähnlich,
Allerdings nur irgendwie online, denn im SWR2-Wissen-Podcast lief es nie.

Am 12.09. veröffentlichten nun die @Riffreporter das ganze Interview als Schriftinterview und auf ihrem Podcast. Weil die anderen Radios Teile vom ganzen verwendeten hier der Link zum ganzen Interview.
Direkt zum Audio auf Blindnerd

Zum Podcast und Schriftinterview auf der Seite der Riff-Reporter

Outreach-Workshop bei der Astronomischen Gesellschaft

Vor vier Jahren stellte ich bei der Deutschen Astronomischen Gesellschaft auf der Jahres-Hauptversamlung in Kiel mein Buch vor. Ich dachte mir, dass die Gelegenheit günstig sei, am 19.09. mal wieder einen Vortrag darüber zu halten, was sich seitdem entwickelt hat. Da die Versammlung diesmal an der Uni Stuttgart stattfand, war es für mich ein Heimspiel.

Vier Jahre, in welchen sich unheimlich viel für mich und die Astronomie getan hat. Über einhundert Veranstaltungen und Vorträge, zahlreiche Berichte und Interviews in den Medien, Entwicklung neuer Modelle und Zugänge zu Astronomie und vieles mehr, nahm ich in diesem Herbst zum Anlass, mal wieder im Outreach-Workshop der Jahreshauptversammlung der Deutschen Astronomischen Gesellschaft, diesmal in Stuttgart, einen Bericht abzuhalten, wie sich meine Öffentlichkeitsarbeit in Sachen inklusiver Astronomie, in den letzten Jahren entwickelte.
Zum Event

Der Ritterschlag

Wie genau weiß ich nicht, aber es hat tatsächlich eine Reporterin der Deutschen Presseagentur zu mir gefunden.
Am 30.09. fand ein Interview mit ihr statt, aus welchem ein großartiger DPA-Artikel entstanden ist.
Hier haben sich bis Mitte Oktober schon das schwäbische Tagblatt, die BNN und das Badische Tagblatt bedient.
Und das sind nur die, von denen ich weiß. Ich bin gespannt, welche Früchte dieser DPA-Artikel noch tragen wird.

Astronomieurlaub Inklusiv

Über meinen Kurzurlaub Ende Oktober im Sternenpark Havelland schrieb ich gesondert.
Ich bin davon überzeugt, dass sich hier etwas sehr schönes entwickeln wird.

Finale zu guter letzt

Und da sind wir zum Schluss wieder beim Anfang, wo der Prophet nichts gilt im eigenen Lande. Vor der Haustüre hatte ich bisher nur extrem wenige Vorträge. Am Rande der Welt dagegen schon.
Mit ungefähr einem Jahr Vorplanung war klar, dass ich am 09.12.2019 um 20:00 Uhr einen Vortrag für die Karlsruher Astronomische Vereinigung im Rahmen ihres monatlichen Programms im Naturkundemuseum halten würde. Das freute mich sehr, weil dann endlich mal meine Freunde hier die Möglichkeit hatten, mich zu besuchen, ohne mir hinterher reisen zu müssen.

Was sich relativ kurzfristig ergab war, dass die Landesschau des SWR dabei sein würde, um einen Beitrag mit mir zu drehen.
Oben erwähnte ich schon, dass ich ob des EPD-Artikels eine Anfrage der Landesschau hatte. Nun ist es aber so, dass nicht jeder Vortrag oder Workshop sich für die großen Medien eignet. Bei Kinder-Workshops dulde ich große Medienanstalten meist nicht. Außer einer kleinen Lokal-Zeitung, die z. B. wichtig für die Schule ist, darf da niemand glotzen.
Menschen mit Einschränkung führe ich auch nicht gerne bei den Medien vor, um eventuell Klischees zu befeuern und zu verstärken.
Dieser öffentliche Vortrag zum Jahresabschluss war für das Fernsehen super geeignet. Es ergab sich, dass ein Früherer Kollege und Freund sich bereit erklärte, mir ab dem Nachmittag den ganzen Abend als Assistenz zur Verfügung zu stehen.

Das erleichtert mir alles so ungemein.
Meinen Beitrag könnt ihr euch hier ansehen.

So, ihr seht, das war ein turbolentes Jahr. Ich bin schon neugierig, was das nächste Jahr bringen wird. Der astronomische Terminkalender füllt sich bereits langsam.
Mit diesem Artikel verabschiede auch ich mich in meinen Weihnachtsurlaub.
Ich wünsche euch allen eine schöne und besinnliche Weihnacht und einen guten Start in das neue Jahr 2020.
Es grüßt euch herzlich
euer Blindnerd Gerhard.
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Meine Jahres-Mondfeier


Liebe Leserinnen und Leser,

noch ist es nicht ganz zu Ende, das Jubiläumsjahr zu 50 Jahre Mondlandung. Das hat uns alle, bzw. hält vielleicht manche von euch auch noch in Bann.
am 11.12.1972 landeten bisher das letzte mal drei Menschen mit Apollo XVII (17) auf dem Mond. Diesen Tag nehme ich nun zum Anlass, meinen Mond-Artikel, der mich das ganze Jubiläum lang begleitet hat, zu veröffentlichen.

Was ich hier mit euch im wesentlichen teile ist all das, was ich im Laufe des Jahres gehört und gelesen habe, um dieses Ereignis zu feiern und zu würdigen.

Ich selbst lag am 20.07. mit einer Sommergrippe danieder, so dass ich eine Nerd-Veranstaltung zum Thema nicht durchführen konnte. Aber genossen habe ich meine Mond-Videos, Texte und Bücher dennoch und es wurde dann auch im Bett etwas feierlich.

Bereits Anfang des Jahres startete ich meine Mondreise mit einem sehr empfehlenswerten Buch “A man on the Moon” Das ist in Englisch auf Audible hier verfügbar.
Angefangen vom Mercury- über das Gemini-Programm wird die ganze Geschichte des Apollo-Programms mit Original-Zitaten und allem entrollt.

Man kann schon sagen, dass die meisten Quellen zu Apollo in Englisch besser sind. Was ich leider auch feststellen musste ist, dass meine Haus- und Hof-Blindenhörbücherei und andere auch erstaunlich wenig zum Thema haben. Ich hätte erwartet, dass hier etwas zum Jubiläum aufgelesen würde. Vielleicht tue ich da anderen Hörbüchereien Unrecht, und ich habe etwas übersehen, aber gerade Themen wie Luft- und Raumffahrt und Astronomie sind für meinen Geschmack in unseren Hörbüchereien unterrepräsentiert…

Nach, bzw. Parallel zu diesem Buch hörte ich mir drei phantastische Folgen vom @omegataupodcast an.
The Saturn V launch Vehicle
How Apollo Flew to the Moon
How Apollo explored the Moon
Die Bücher des in den Folgen interviewten Gastes habe ich leider noch nicht gelesen.
Ich finde Ebooks am Computer oder mit einem Player zu lesen ziemlich mühsam.

Lesenswert und hörenswert sind die Riffreporter-Artikel. Manches gibt es kostenfrei, anderes gibts per Abo.
Zugegeben, deren Seiten sind für unsereiner nicht ganz zugänglich, aber nach etwas Gewöhnung gehts.
Hier gehts zu deren wunderbaren Mond-dossier. Leider muss man hier abonnieren, um den ganzen Artikel lesen zu können.
Dossier Mond

Die Idee zum Mond zu reisen ist alt und wurde in den letzten Jahrtausenden immer mal wieder aufgegriffen.
Ich schrieb darüber in Eine Mondgeschichte und Eine Mondfinsternis als Lebensretterin.

Ohne zuviel spoilern zu wollen, kann ich euch verraten, dass noch in diesem Jahr noch ein Artikel dazu erscheinen wird.
Aber wusstet ihr, dass Edgar Allan Poe auch eine Mondgeschichte hat? Also ich nicht.
Edgar Allan Poe – Das unvergleichliche Abenteuer eines gewissen Hans Pfaall

Wie viele von euch wissen, beziehe ich ganz viel Informationen aus Wissenschaftspodcasts.
Einer meiner Favorites ist ohne zweifel der oben schon erwähnte @omegataupodcast, aber ich liebe ebenso den @minkorrekt.
In Folge 148 geht es auch sehr viel und interessant um den Mond.
Es lohnt sich hier auch die Shownotes zu lesen, damit man an die saftigen Mond-Links kommt.

Lars Naber macht den Aufdistanz-Podcast. in Folge 46, Take me to the Moon unterhielt er sich mit Astronauten über die Rückkehr zum Mond.

Nicht alle Gäste, die SWR1-Leute so einlädt finde ich gleichermaßen spannend. Zum Jubiläum hatten die am Tag vorher die beiden Ex-Astronauten, Reinhold Ewald und Ulf Merbold eingeladen, um über die Mondlandung und die Rückkehr zum Mond zu sprechen. Sehr hörenswert Zwei Ex-Astronauten bei SWR1-Leute

Es ist unglaublich, wie früher Life-Sendungen aufgebaut waren. Es wurden im ZDF mehrere Stunden zur Mondlandung life gesendet. Es lohnt sich schon alleine wegen der zu heute völlig unterschiedlichen Sprechweise der Moderatoren, da mal rein zu hören.
ZDF und Mondlandung

Zu meinem Frühstücksprogramm gehören immer kurz vor den Nachrichten die Sternzeit-Folgen des Deutschlandfunks. Sehr hörenswert und kurzweilig.
Zu den Sternzeit-Folgen

Ein Juvel am astronomischen Podcast-Himmel sind die @sternengeschichten von Florian Freistetter.
Es lohnt sich wirklich diesen kurzweiligen Podcast zu abonnieren.
Ich bin sicher, dass sich auch hier einiges zum Mond findet.

Zum Jubiläum hat die BBC sehr aufwändig und pompös einige geschichtliche Folgen zur Mondlandung produziert. Sie sind unbedingt hörenswert, weil ganz viele Zeitzeugen-Interviews im O-Ton von noch lebenden Personen drin sind.
13 Minutes to the Moon

Viele von uns wissen, dass es auch Rückschläge im Apollo-Programm gab. Drei Astronauten verbrannten am Boden beim Test der Kapsel von Apollo I.
Ein weiterer Schlag war Apollo13. Viele kennen wahrscheinlich den Film.
Brady Heywoods schildert in seinem Podcast ab Folge 21
diese Mission so dramatisch gut, dass man Pippi in die Augen und Schnappatmung bekommt. Ein Muss, um auch diese Schattenseite zu würdigen. Die Besatzung hat Apollo13 schließlich überlebt.

Einfach großartig und anrührend sind die Wissenschaft-Shows, die der DLR_Next veranstaltet. Da kommen dann auch sehende Leserinnen und Leser dieses Artikels voll auf ihre Kosten.
Für Kinder sehr lohnenswert, aber auch großartig für Erwachsene ist der Blog von @Astrozwerge. Dort gibt es z. B. ganz viel Mondlandung mit der Lego-Rakete, die ich auch besitze.

Hier kommen nun noch einige Links, die sich rund um die Mondlandung ranken. Ich kommentiere jetzt nicht alle im einzelnen. Selbst hören und sehen ist doch sowieso viel spannender.

https://www.srf.ch/news/regional/aargau-solothurn/50-jahre-mondlandung-die-astronauten-von-gretzenbach

https://www.firstmenonthemoon.com/

https://www.dlr.de/next/desktopdefault.aspx/tabid-13659/23721_read-54413/

Jetzt hoffe ich natürlich, dass alle Links funktionieren.
Viel Freude bei dieser Mondfeier wünscht euch
Euer Blindnerd Gerhard.

Inklusivurlaub am dunkelsten und stillsten Ort Deutschlands


Liebe leserinnen und leser,
heute teile ich mit euch mal wieder ein Urlaubserlebnis. Aber keine Angst, bissel Astronomie kommt auch vor, denn ein Urlaub ganz ohne, wäre kein Urlaub für mich…

Urlaub am dunkelsten Ort Deutschlands?

das kann mir doch eigentlich egal sein, wie dunkel es wo ist, denn bei mir ist auch tags über der dunkelste Ort, wo ich mich gerade befinde, weil ich zu 100 % blind bin.
Für Sehende bedeutet Blindheit immer Dunkelheit und Hilflosigkeit. Das ist absolut verständlich und nachvollziehbar.
Aber, wer nie Helligkeit gesehen hat. Wie kann es für so jemanden dunkel sein?
Ich habe Helligkeit gesehen, ohne Farben und doch etwas. Das ist jetzt aber meistens weg, obwohl ich manchmal Tage habe, wo ich noch etwas Licht sehen kann. Nützen tut mir das aber leider meistens nichts mehr. Niemals habe ich mich aber trotz des Verlustes meiner wenigen Sehkraft im Dunkeln gefühlt.
Dennoch hat mir mein früheres Sehen sehr geholfen. Ich sah doch so manches Hindernis, welchem ich ausweichen konnte.
Wie auch immer.
Wir blinden leben nicht in Finsternis. Und aus diesem Grunde bin ich Hobby-Astronom. Und darum ist es mir wichtig, dass es nachts dunkel ist, damit die Tierwelt die Nacht nutzen  und ich mit Astronomen Sterne beobachten kann. Damit Ruhe einkehrt, denn Lärm ist letztlich eine negative Seite des Sehens, weil Sehen oft überbewertet wird und unser Ohr zum Hilfsorgan degradiert wird, was wir am erbärmlichen Ton all abendlich erkennen können, indem wir dem extrem schlechten Klang unserer Fußballfeld großen Flachfernsehern lauschen, obwohl wir in einer Zeit höchst entwickelter Hifi-Technologie leben. Beobachtet mal mit den Ohren. Ihr werdet feststellen, dass nahezu alle Statussymbole, die zu ANSEHEn verhelfen, wie Sportwagen und Motorräder extrem viel Lärm produzieren…
Diese Tatsachen sind Grund genug, sich auf das Abenteuer, ohne Begleitperson zu begeben, und an den dunkelsten und auch einer der stillsten Orten Deutschlands zu fahren,
sich auf eine Familie einzulassen, die ich nur per Mail kannte,
sich hinein zu wagen, auf eine ungewisse Reise.
“Wird das mit der Umsteigehilfe funktionieren?”
“Ist Familie Zemlin auch nett, sensibel genug und respektvoll  zu mir?”
“Komme ich im Haus alleine ohne Begleitperson zurecht?”
Ja, derlei Fragen und noch viele mehr stellt man sich vor so einem Abenteuer. Da geht dann schon mal der Atem schneller, und trotzdem habe ich es gemacht.
aber alles der Reihe nach.

Wie alles begann

Schon seit vielen Jahren bin ich sehr gut mit dem Entwickler des mittlerweile sprechenden Handplanetariums
Universe to Go befreundet.
Ich stehe ihm beratend zur Seite, wenn es darum geht, dieses Handplanetarium so zu entwickeln, dass auch blinde Menschen den Sternenhimmel akustisch erfassen können. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas grafisches für unseren Personenkreis umsetzbar wäre, aber es geht…
Dieser Freund kennt Familie Zemlin aus Lochow bei Rathenow, die einige Ferienhäuser betreiben.
Fam. Zemlin ist es ein Herzensanliegen, auch barrierefreie Angebote für Menschen mit Behinderung vor zu halten. So vermittelte mein Astrofreund Martin den Kontakt zwischen mir und den Zemlins, in der Hoffnung, ich könnte hier vielleicht etwas beratend bei Seite stehen.

Nun wurde ich vor einiger Zeit von Fam. Zemlin eingeladen, bei Ihnen mal einen Probeurlaub sozusagen zu erleben. Ziel war und ist es, herauszufinden, was im Bereich der Barrierefreiheit in meinem Fall für blinde Menschen noch verbessert werden könnte.
Es sind ja oft nur Kleinigkeiten, die nicht viel Geld kosten, die eventuell aus quasi Abfällen gebastelt werden können, die nicht technisch kompliziert sind und die doch manchmal wirkungsvoll, nützlich und im Extremfall vielleicht sogar lebens rettender sein können, als ein hoch technisches unbezahlbares Hilfsmittel.
Ein Aufkleber, um etwas zu kennzeichnen, ein markierter Schalter, Markierungen an Kochherd oder Spülmaschine, ein Läufer auf dem Fußboden, der einem z. B. davor bewahrt, in eine große Pflanze hinein zu laufen, können so hilfreich sein und bedürfen keines besonderen Wissens oder technischer Kunstgriffe.
Um es vorweg zu nehmen. Ich bin der Überzeugung, dass wahrscheinlich 90 % der Barrieren durch Empathie und Brücken der Liebe überwunden werden, weil man sich in dem Fall in sein Gegenüber hinein versetzt und selbst auf Ideen kommt, wie die Welt barrierefreier werden könnte.
Es muss überhaupt nicht perfekt sein. Es muss nur eben gemacht werden.
Bei Fam. Zemlin ist diese Nächstenliebe absolut vorhanden und auch die Beobachtungsgabe und Sensibilität, sein Gegenüber ganzheitlich wahrzunehmen mit allen Eigenschaften, also auch mit der Einschränkung, die lediglich eine Eigenschaft von vielen anderen ist…

Die Ankunft

So organisierte ich also die Fahrt nach Rathenow, wo Detlef mich abholen sollte. Für die Züge hatte ich Umsteigehilfen bei der Bahn gebucht. Großartig, dass das jetzt alles so online geht.
Die Fahrt nach Rathenow war lang, aber nicht langweilig. Viel Zeit für Hörbücher.
Detlef und seine liebe Frau, Liane, standen schon am Gleis und nahmen mich direkt herzlich und liebevoll in Empfang. Überhaupt sind die beiden so, als hätten sie täglich mit Menschen zu tun, die blind sind. Das ist es eben, was ich mit Brücken der Liebe meinte. Es gibt Menschen, die können mit uns von Natur aus umgehen, und solche, die trotz fachlicher Qualifikation, Lehrgängen und Dunkelseminaren, es nie schaffen. Für alle, die Scheu und Berührungsängste mit uns haben, sei gesagt:
Es geht einfacher, als man denkt.
Wenn ihr die drei Punkte, “Fragen, Denken und helfend handeln” beachtet, könnt ihr nur noch wenig falsch machen.

Zunächst gingen wir erst mal einkaufen, weil man sich in Lochow selbst versorgen muss. Schnell hatten wir uns darüber abgestimmt, was wir frühstücken und zum Abendbrot essen würden.
Es war klar, dass wir unser Mittagessen irgendwo draußen während unserer Ausflüge, einnehmen würden.
Das Angebot, mit Fam. Zemlin gemeinsam essen zu dürfen und nicht alleine im Ferienhaus, nahm ich gerne an. Das machte vieles einfacher und mir blieb kochen, spülen etc. erspart. Von der Ausstattung her wäre es aber kein Problem gewesen, dass man sich als blinder Mensch, bzw. mit einer Gruppe im Haus selbst bekocht. Dazu nachher mehr.

Die Unterkunft

Angekommen an meinem Ferienhaus fand mein Blindenstock gleich tastbare Leitlinien am Boden und eine Rampe als Alternative zur Treppe. Die Rampe hat seitliche Ränder, so dass man nicht daneben treten kann.

Blindnerd auf der Rampe vor dem Ferienhaus
Vor dem Haus auf Rampe

Die Türklingel ist mit Punktschrift beschriftet, so dass man nicht ausversehen Licht macht, das man nachher zu löschen vergisst, weil man es nicht sieht.
Im Haus fielen mir zunächst die Schiebetüren auf. Ich liebe Schiebetüren. Der Feind eines jeden Blinden sind halb geöffnete Klapptüren oder Fenster, in welche man hinein laufen und sich ernstlich verletzen kann.
Alle Türen waren in der Nähe der Klinken und zusätzlich noch weiter oben, wo in der Regel die Schilder für Sehende angebracht sind, in Punktschrift beschriftet, so dass man weiß, welches Zimmer dahinter liegt.
OK, beim ersten Betreten des Hauses rennt man erst mal in eine Insektentür, weil man die durch ihre feine Netzstruktur nicht hört. Daran tut man sich aber nicht weh, und nach dem ersten mal weiß man es ja dann. Und keine Schnaken im Haus zu haben weiß jeder zu schätzen, der am Wasser wohnt…
Der Grundriss des Hauses ist sehr einfach und ich konnte mich sehr leicht und ohne Barrieren orientieren. Das Haus hat nur ein Stockwerk.
Der Wohnbereich ist super gemütlich.
Ob der Fernseher blind bedienbar ist, weiß ich leider nicht, weil ich ihn nicht benutzt habe.

die Küche ist besser eingerichtet, als die meine.
Der Herd ist ohne Markierungen bedienbar, weil die Knöpfe so geformt sind, dass man ungefähr an deren Stellung erkennt, wie hoch man ihn gedreht hat.
Die Spülmaschine habe ich nicht benutzt. Vermutlich müsste man hier noch Tasten markieren, um sie bedienen zu können.

die Schlafräume sind klasse und das Badezimmer ist vollkommen barrierefrei.

Die Wege zwischen den Häusern und zum Haus der Zemlins sind momentan für blinde Menschen noch schwierig, ohne Begleitung zu gehen, weil man sie nicht wahrnimmt. Das Gehen fühlt sich an, als wäre man am Strand, weil der Boden sehr sandig ist. Ein großartiges Geh-Gefühl.
Das sollte, wenn es wärmer ist, eine wunderbare Barfuß-Erfahrung sein.
Hier könnte man sich z. B. mit einigen Markierungen mit dem Handy und der App Myway behelfen.
Die Außenorientierung ist noch in der Planungs- und Entwicklungsphase.

Die erste Nacht

Überwältigend war für mich die absolute Stille in der Nacht. In der ersten Nacht war es für mich etwas unheimlich. Zum einen deshalb, weil ich eben alleine in diesem Haus war und wusste, dass ich mich draußen nicht auskenne. Naja, es war ein Telefon vorhanden, mit dem ich Fam. Zemlin hätte anrufen können.
Die Stille war wirklich, naja, was soll ich sagen, sehr laut und erdrückend. Wir sind das nicht gewohnt, dass es wo so still sein kann. Ich musste leise Hörbuch an machen, damit ich etwas hören kann. Obwohl ich selbst auf dem Lande wohne, wo es schon sehr still im Vergleich zur Stadt ist, muss ich sagen, dass ich im Gegensatz zu dort, in purem Lärm lebe. In der zweiten Nacht war die Beklemmung dann verflogen. Ich hatte mich daran gewöhnt. Ich zog sogar in Erwägung, die Batterie aus der Wanduhr des Wohnbereichs zu nehmen, weil ihr Ticken durch das ganze Haus “hämmerte”.
Ach ja, in der ersten Nacht hatte ich einen kleinen Störenfried im Haus. Ein Rauchmelder meinte, er müsste mir so ab 04:00 Uhr Morgens mitteilen, dass seine Batterie am Ende wäre. Dieses Geräusch dürften viele von euch kennen. Das kann man nicht voraus sehen. Das kommt halt, wenn es kommt. Detlef schaffte dann am nächsten Morgen diese Unruhe rasch aus dem Haus.
Was ich bei dieser Stille absolut bestätigen kann, ist, was viele Mönche sagen. Man hört die eigenen Gedanken unheimlich laut. Sie springen, will man sie stumm schalten, wie Kinder jauchzend und schreiend ins Schwimbecken des eigenen Kopfes, tummeln sich und machen unglaublichen Lärm. Das wird aber nach einiger Zeit besser. Auch dieses ist ein Grund, sich mal hier in Urlaub zu begeben. Ich kann mir keinen Ort vorstellen, wo man sich besser entschleunigen könnte.
Als ich dann in der zweiten Nacht empfänglich und offen für diese Stille war, hörte ich unheimlich viel.
Das Knistern meiner brennenden Zigarette tönte, wie ein prasselndes Kaminfeuer. Dazwischen hörte ich noch einige Nachtvögel und den Fuchs bellen. Kann sein, dass auch noch ein Marder oder Waschbär raschelte. Zumindest habe ich so was gehört.

Freizeit mit Fam. Zemlin

Neben intensiven Gesprächen über Barrierefreiheit und weitere Themen durfte ich mit Detlef zwei wunderbare Ausflüge machen.
Wir besuchten das Otto-Lilienthal-Museum, die Theodor-Fontane-Ausstellung und ein sehr spannendes Optik-Museum, wo man viel anfassen konnte.

Zeigt mich mit einem Gleiter-Modell in Händen
Betasten eines Gleiters

Gleiter mit Puppe
Gleiter mit Puppe

Lilienthal war der Flugpionier der Menschheit.
Fontane kennen wir noch durch sein Gedicht “Der Birnbaum” und durch vielleicht den Roman Effi Briest, durch den viele von uns auf dem Gymnasium hindurch sich noch quälen mussten. Für mich war das damals schwer, weil ich mit derlei Literatur so absolut nichts anfangen konnte, aber mit zunehmendem Alter, finde ich das gar nicht mehr so schlimm…
Das Optik-Museum lohnt sich auch sehr. Unglaublich, wie man damals optische Elemente herstellen musste, und wieviel handarbeit alleine schon für eine Brille nötig war.
Betasten eine Glasschleif-Maschine von 1915
Glasschleif-Maschine von 1915

Mehr will ich aber hierzu nicht verraten, denn ihr sollt ja nach Lochow in Urlaub fahren, und das alles selbst erleben.

Ein Highlight war zweifellos der Besuch eines Sees bei Sonnenuntergang, an und auf welchem tausende Kraniche und Gänse landeten um dort zu nächtigen. Das war ein Geschnatter und Geflatter. Großartig!!!
Hört mal, Kraniche über Lochow.
Und so klingen die Gänse:
Audio, Gänseeinfall über dem Gülper See

Zu Tränen gerührt war ich, als Detlef mir nachts den Sternenhimmel beschrieb. Alle verdächtigen Sterne waren am Himmel. Die Milchstraße war quasi von Horizont zu Horizont sichtbar. Unglaublich, wie dunkel es hier ist. Ich fühlte mich unter diesen Sternenhimmel mit Detlefs Beschreibungen, wie in einer Kathedrale, Irgendwie der Schöpfung ganz nah und verbunden.
Natürlich kommen hier viele Astronomen genau deshalb her, weil man hier so wunderbar den Sternenhimmel beobachten kann.

Meine große Bitte zu Weihnacht und darüber hinaus

Bitte, liebe Leserinnen und Leser, überlegt euch wirklich, gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit, welche Lichter ihr wirklich die ganze Nacht durch brennen lassen wollt. Es ist absurd, aber ich kenne Sehende, die zur Weihnachtszeit ihr ganzes Anwesen weihnachtlich beleuchten, um dann das eigens erzeugte unnötige Licht mittels Rollläden des nächtens auszusperren. Aber auch ohne Weihnachten. Macht es bitte so dunkel, wie ihr könnt. Tiere, Astronomen, aber auch unsere Gesundheit, werden es uns danken.
Vielen Dank.

Fazit

Momentan würde ich blinden Menschen eher noch nicht empfehlen, ganz ohne Begleitperson dort hin zu reisen. Beim Einkauf etc. sind aber Fam. Zemlin gerne mit dem Auto behilflich, denn manch andere Gäste, auch ohne Einschränkung, kommen auch ohne Auto.
Eine Gruppe von blinden Menschen mit einer sehenden Begleitung könnte sich aber in so einem Ferienhaus sehr wohl fühlen. Man kann viel laufen, kann sich Tandems leihen, kann die Stille genießen und vieles mehr.
Ich bin davon überzeugt, dass sich hier noch etwas ganz wunderbares entwickeln wird und weiß für mich, dass ich nicht zum letzten mal bei den Zemlins war.
Ich möchte dort etwas inklusives zu Astronomie anbieten.
Einige Tage Klausur, um in aller Ruhe Musik zu machen, wäre auch ein denkbarer Urlaub für blinde Menschen.

Wer sich für mehr interessiert, findet hier Befriedigung.
Naja, vielleicht trifft man sich ja mal an diesem wunderbaren Ort.

Bis zum nächsten mal grüßt euch herzlich
Euer Blindnerd Gerhard Jaworek.

Inklusiv von allen Seiten – mein Auftritt in Gundelfingen


Liebe Leserinnen und Leser,
Nein, jetzt kommt kein Artikel über 50 Jahre Mondlandung, aber sie kommt durchaus darin vor. Wieso sollte ich hier wiederholen, was andere schon in Presse, Büchern, Rundfunk, Fernsehen und Podcasts darüber erzählten. Es gibt so wunderbare Quellen zur Mondlandung, die kann man nicht toppen und muss es auch nicht.
Ihr bekommt schon noch was zum Mond, aber heute teile ich etwas anderes mit euch:

Von langer Hand geplant, von der kommunalen Inklusionsvermittlerin Gundelfingen koordiniert und organisiert, von Medien begleitet etc. durfte ich am Vorabend zur Mondlandung einen ganz wunderbaren Vortrag in der Mediathek Gundelfingen halten
Dieses Event lief so beispielhaft inklusiv ab, dass ich darüber schreiben möchte, obwohl ich ansonsten kaum über meine Veranstaltungen schreibe. Das wäre dann auch zu viel Bauchpinselei.
Hier erscheint der Artikel zunächst ohne Bilder. Die werden nach und nach ergänzt. Deshalb lohnt es sich, auch später nochmal auf den Artikel zu gehen.

Aufmerksam wurde die Organisatorin durch eine
Radiosendung die der Evang. Rundfunk im Januar um Dreikönig herum ausstrahlte.
Dank an dieser Stelle an meinen blinden Freund, der Journalist ist und dort arbeitet und mir das ermöglicht hat.
Sie rief mich an und fragte mich, ob ich zu einer Veranstaltung bereit wäre. Sofort sagte ich zu, denn meine Erfahrung ist, dass meine Veranstaltungen im ländlicheren Raum tendenziell besser besucht, und organisiert sind und familiärer ablaufen.
Die Organisatorin des ganzen sitzt selbst im Rollstuhl und arbeitet am Max-Plank-Institut in Freiburg.
Schon im Vorfeld des Vortrages wurde mir klar, dass diese Veranstaltung ein Highlight werden könnte.
Es war selbstverständlich, dass ich vom Gleis in Freiburg abgeholt werden muss, weil ich mit Astrokoffer in einer unbekannten Umgebung nicht öffentlich fahren kann.
Die Mutter der Macherin stand mir hier auch über die ganze Zeit meines Aufenthaltes in Gundelfingen zur Seite.
Nun ging es darum, den Vortrag dort zu bewerben. Hierfür wurde organisiert, dass mich eine freischaffende Journalistin anrief, um mit mir ein Telefoninterview für die Badische Zeitung zu führen.
Natürlich mache ich bei so etwas mit, schraube aber meine Erwartungen über die Qualität und den Inhalt der Presseartikel eher nicht so hoch.
Meist geht Presse so, dass man interviewt wird und dann mit schmerzverzerrtem Gesicht in der Zeitung lesen muss, was man gesagt haben soll, welche Meinung man zu etwas angeblich habe und in meinem Fall konnt dann natürlich die Blindheit und die Astronomie dazu. Da passiert es dann schon mal, dass dem Schreiber die Sache entgleist.
Nicht so bei der Badischen Zeitung.
Die Reporterin war sehr sensibel. Sie stellte hervorragende Fragen, war super vorbereitet, hatte gut im Vorfeld recherchiert und wahrnehmbar in mein Buch geschaut.
Ich schreibe das an dieser Stelle, weil ganz besonders über Menschen mit Behinderungen oft respektlos, falsch, bemitleidend oder sonst wie bevormundend geschrieben wird.
Dieser sehr lange Artikel ist so inklusiv und würdig, wie ich das noch niemals erlebt habe, und ich habe viel erlebt. Meine Pressemappe ist mit den Jahren dick geworden.
Ganz besonders war hier auch, dass ich den Text gegenlesen durfte, und Vorschläge oder Korrekturen einbringen durfte.
Leider steht der Artikel verständlicher Weise hinter der Paywall für die Abonnenten, so dass ich ihn hier nicht bringen kann, aber vielleicht hat ja die eine oder andere Person die Gelegenheit ihn zu lesen.
Kurz vor dem Vortrag gab es dann noch eine Ankündigung für die Veranstaltung, bei der im wesentlichen der Klappentext meines Buches zu lesen war.
Nun zur Veranstaltung selbst.
Es lief schon extrem gut an. Meine Züge waren super pünktlich, die Klimaanlagen funktionierten und die Umsteigehilfe lies mich nicht mit Rucksack und Astrokoffer im Regen stehen.
Sogar die Legorakete hat den Transport und den Vortrag überstanden. Ich habe allerdings nicht die ganze Rakete dabei gehabt, sondern nur Brennstufe drei mit Servicemodul, Mondlandefähre und weils schöner aussieht mit der Rettungsrakete an der Spitze, die zum Zeitpunkt der Abtrennung von Stufe II,  dort nicht mehr hin gehört.
Wenn man die Kleinteile außen abbaut, kann man die einzelnen Brennstufen wie Dosen mit Blasensack-Folie einschlagen. Klappt super gut.
In Freiburg hat mich die Organisatorin der Veranstaltung mit ihrer Mutter abgeholt. Mutter und Tochter haben ein  gemeinsames Auto, was die Rollstuhlfahrerin per Hand lenken, bremsen etc. kann, oder die Mutter auf herkömmliche Art fährt. Ein Roboterarm hilft, den Rollstuhl zu verstauen und auch wieder auszupacken.
Man wünscht sich das nicht, aber es funktioniert richtig cool. Super, dass die Technik heute für die Rollstuhlfahrer so etwas bereit hält.
Zunächst brachten  sie mich in meine kleine Pension, damit ich mich einrichten konnte. Die haben nur zwei Zimmer, die sie vermieten. Die Frau des Hauses fragte mich, was ich gerne frühstücken wolle, denn sie geht jetzt einkaufen.
Naja, ich bin da anspruchslos, aber für hausgemachtes Rührei nach quasi “badischer Hausfrauenart”, habe ich mich dann doch entschieden, weil ich das sonst nie bekomme.
Gegen 16:00 Uhr haben mich dann die beiden Damen ohne Auto abgeholt. Die Mutter schob die Tochter im Rollstuhl und ich hing mit dem Astrokoffer hinten dran.
Ich denke, dass das ziemlich cool ausgesehen haben könnte.
Wir sind dann noch was essen gegangen. Habe mir Schweinelendchen gegönnt.
Danach ging es dann zur Gundelfinger Mediatek. Ein Neubau mit allen Vor- und Nachteilen, die ein Neubau so haben kann. Ich will mal ehrlich einen Architekten sehen, der Gebäude plant, die nachher ihren Zweck optimal erfüllen, die man gut belüften kann, wo die Beschallung stimmt, der Sonnenschutz dann zu geht, wenn Sonne da ist etc.
Wir haben uns darüber amüsiert, weil es bei jedem Neubau irgendwie immer dasselbe ist und es irgendwo klemmt.

Mein Saal war wie ein Treibhaus, aber es war genug zum trinken da.
Nachdem ich aufgebaut hatte, füllte sich der Raum auch schon langsam.
Beim Aufbau und auch beim Abbau musste ich leider den Aktionismus mancher “Landfrauen” bremsen, die meinten, mir helfen zu wollen.
Mir kann man aber am Astrokoffer nicht helfen, weil sonst die Katastrophe ausbricht und ich den Überblick verliere. Stellt euch vor, jemand hätte die Rakete herunter geworfen.
Die bekommt man ohne Handbuch nicht mehr zusammen.
Das tut mir ja dann immer Leid, dass ich so abweisend sein muss, aber es geht wirklich nicht anders.
Und leider ist es aus gut gemeinten Gründen dann oft so, dass durch das Helfersymdrom leider bei manchen, Entschuldigung, dass ich das jetzt so sage, “das Hirn ausfällt”.
Vom Beschützerinstinkt eines Sehenden dann doch zielsicher in das Hindernis und nicht wie der Plan des Helfers war, darum herum geführt zu werden,
Bis hin zu einem Totalschaden einer Gitarre die ein Guckling mir auf der Bühne reichen sollte,habe ich hier schon viele vermeidbare Katastrophen erlebt…
Deshalb hier meine drei Schritte, für ein erfolgreiches Helfen:
Fragen, denken, helfen. So klappts meistens…
Ich vertröste sie dann immer und sage, dass es schon noch genügend gibt, wo ich gerne Hilfe annehme. Nämlich dann, wenn es nur noch darum geht, die Modelle und Bücher zu drapieren.
Kurz vor dem Vortrag war noch Zeit, um mit den ankommenden einen Sekt zu trinken. Ich liebe Sekt vor Auftritten.
Den gab es in der Pause und danach auch noch.
Die Gundelfinger Gemeinde hat die Sektbar etc. gesponsert. Das hat die Veranstaltung unheimlich aufgewertet und verlieh ihr etwas edles und exklusives und für mich etwas wertschätzendes.
Nun ging es also los.

Einführung

Der Raum war mit etwa 50 Personen voll besetzt.
Wahnsinn, und das an einem heißen Freitag Sommerabend.

Zeigt von hinten, dass der Vortragsraum voller Publikum sitzt.
Bild Raumansicht voller Publikum

Wie immer führte ich provokant mit der Frage ins Thema ein, was es überhaupt für einen Sinn macht, sich mit Astronomie zu beschäftigen, wenn man keine Sterne sehen kann.
Es macht einen Sinn, denn man kann sich hier mit Grundsatzfragen beschäftigen, die uns alle angehen.
Selbst dann, wenn man einen Schöpfer zugrunde legt, kann man sich fragen, wie er alles geschaffen hat.
Dann lieferte ich Thesenartig Gründe, wo auch sehende Astronomen nichts sehen können, z. B. dunkle Materie, schwarze Löcher etc.
Daten von Infrarotteleskopen, wie dem Hubble, müssen auch für sehende Astronomen aufbereitet werden. Wieso dann nicht auch akustisch? Ist in dem Fall fast dasselbe.

Erlebnis Astronomie Inklusiv

Nun stieg ich in die Inklusion ein, indem ich Beispiele aufführte, wie ich Astronomie inklusiv erlebe, z. B.
Die Sonnenfinsternis vom 11.08.1999wie ich derlei mit Universe2Go, dem sprechenden Handplanetarium erlebe und wie ich einmal eine Einführungsveranstaltung darüber hielt, welches Instrument man sich für welche Beobachtung anschaffen könnte. Ja, da fragte mich mal ein Veranstalter, ob ich so einen Vortrag halten würde. Ich fand es spannend und sagte zu. Ist doch nur bissel Optik, die uns übrigens in der Hauptschule vorenthalten wurde, weil wir Licht nicht sehen könnten. Wie unverschämt, denn in meinem Nebenfach Physik, stellte ich fest, dass Optik super logisch und erklärbar ist, auch wenn man das Licht nicht sieht… Vier Wochen später rief er mich wieder an und entschuldigte sich und bedauerte, was ihm da schlimmes peinliches passiert sei, einen Blinden nach derlei zu fragen.
Ich war noch nicht lange dabei und somit hatte er das nicht auf dem Schirm. Er kannte mich wahrscheinlich nicht mal.
Naja, wass sollte ich ihm sagen. Die Sache war noch schlimmer, denn der Vortrag war schon fertig…
Ich machte mir den Spaß und deckte meine Blindheit erst mit der letzten Folie auf. Inklusiv war das allemal.
Klar habe ich für die Erstellung der Folien, wie immer sehende Hilfe benötigt.
In meinem Buch gibt es noch weitere Beispiele für gelebte Inklusion in der Astronomie.

Die Leiterin der Mediathek hält eine taktile Sonnenfinsternis ins Publikum
Taktile Sonnenfinsternis ins Publikum halten

Hörastronomie

Nach diesem Lesungsblog wechselte ich das Medium und wir legten unser Ohr ans Teleskop. Über den Erden- oder Sonnenton der alten Völker, der Kakophonie aller verklanglichten Planetenbahnen, das Radioprogramm von Sonnenwind und Polarlichtern bis hin zum Klang des Jupiter, Pulsaren und verschmelzenden schwarzen Löchern, zeigte ich auf, wie viele Dinge im All hörbar gemacht werden können.
Ich schrieb darüber in
Mit dem Ohr am Teleskop
und in Klingende Planetenbahnen
Weitere Artikel zu Hörastronomie werden folgen.
Nach dem Ohr am Teleskop kam dann ein Novum, was ich so noch nie gemacht hatte, aber künftig immer tun werde.

Aktivpause

Ich setzte das haptische Erlebnis mit meinen Modellen und den Buchverkauf nicht mehr, wie bisher ans Ende der Veranstaltung, sondern machte quasi eine Aktivpause mit den Teilnehmenden. So können mir die Leute nicht so weg rennen, und der Buchverkauf läuft deutlich besser.
Ich verkaufe mein Buch so, dass jeder gibt, was es ihm wert ist. Größer sieben Euro sollte es aber schon sein.
Der Vorteil ist, dass die Leute die Hemmschwelle nicht haben, sich mit mir und Geld etc. einlassen zu müssen.
Viele hält das vom Buchkauf ab, bzw. sie bestellen es dann bei Amazon, oder gar nicht, wenn man wieder im Alltag steckt.
Der Buchverkauf ist ja nicht das primäre Ziel des Abends, aber diesmal habe ich bei 50 Teilnehmern um 20 Bücher verkauft. Der Schnitt ist genial.
Und die Kasse stimmt auch einigermaßen. Viele geben dann halt nur 10 anstelle von 14 Euro, aber andere auch mehr. Das passt schon.
Dieser etwas anarchistische Buchverkauf funktioniert und ist ganz nach meinem Geschmack.

Publikum am Astrotisch beim Tasten und Buchkauf
Publikum vor dem Astrotisch

Und noch einen Vorteil hat diese Aktivpause. Das Eis für Fragen und Gespräche nach der Veranstaltung ist dann schon mal gebrochen. So baut man barrieren ab.
Manchmal müssen wir uns halt mit derlei Tricks inkludieren. Das ist OK so.
Nachdem diese Aktivpause vorbei war, fanden wir uns zu einem letzten Block ein.

Astronomie, Wissenschaft in Inklusion

Jetzt zog ich nochmal alle Register zur Inklusion, indem ich das Auditorium damit verblüffte, dass Astronomie traditionell schon immer auch eine wissenschaft für Menschen mit Einschränkungen war.

Johannes Kepler war stark seheingeschränkt. Hätte er nicht die Daten seines Beobachters Tycho Brahe gehabt, ist es fraglich, ob er zu seinen drei keplerschen Gesetzen gefunden hätte, die bis heute in der Himmelsmechanik grundlegend sind.

John Goodricke, der Entdecker hellichkeitsveränderlicher Sterne (Cepheiden) war taub. Diese Dinger spielen eine erheblich wichtige Rolle als Standardkerzen zur Entfernungsbestimmung in der Astronomie.
Da gehörlose Menschen mit visuellen Gesten kommunizieren, sind sie vielleicht tendenziell generell gute Beobachter, was Goodricke am Sternenhimmel zu gute gekommen sein dürfte.

Stephen Hawking war vollständig gelähmt.
“Eingesperrt” in diesen Körper blieb seinem Geist vielleicht nur die Flucht in die Physik.
Zum Glück hatte er die Infrastruktur für sein inklusives Leben.

Danach berichtete ich vom Inklusionstag der IAU in Wien. Ich schrieb darüber in Inklusionstag der IAU in Wien
Dort lernte ich beispielsweise Astronomen kennen, die sehend in Astronomie promovierten, dann erblindeten, und einfach weiter machten, nur anders.
Aus jedem anderen Beruf hätte es jemanden raus gehauen, der plötzlich mit so einer Einschränkung konfrontiert wird.
Schrägansicht Astrotisch und Personen dahinter

Astronomie Inklusiv – Fallbeispiele

Als nächstes brachte ich einige Beispiele, wie ich Inklusion am Himmel treibe.

Blinde lesen sehenden Sternenguckern nachts vor,

Rollstuhlfahrer sind der Mittelpunkt, einer Tanzübung, etc.

ADHS-Kinder werden Ruhig auf einer wiese, bzw. derart in den Vortrag eingebaut, dass sie beschäftigt und wichtig sind.

In meinem Buch gibt es ein ganzes Kapitel darüber und für den Blog Lydiaswelt durfte ich über Astronomie für benachteiligte Kinder schreiben.
Frontalansicht

Manchmal möchte ich bewusst blind sein und es leben dürfen

Beendet habe ich die Lesung dann damit, dass für mich zur Inklusion auch mal gehört, dass ich ein Refugium für mich finde, wo ich ganz bewusst meine Einschränkung leben darf.
Im Kapitel “Mein Weg zur Inklusion” und hier in
Urlaub vor den Sehenden machen
schrieb ich ausführlich darüber.

Nun kamen wirklich viele Fragen. Die neue Struktur mit der Aktivpause, die Grenzen und barrieren überwindet, zeigte ihre volle Wirkung.
An dieser Stelle konnte ich unheimlich vieles einbringen, was Alexander Gerst uns bei seinem
Besuch in Karlsruhe erzählte. Danke @astro_alex. Dein Vortrag bereichert nun auch meine.
Wer mag, kann hier nachlesen, wie eindrücklich diese Veranstaltung für mich war.

So, wie der Vortrag  in Gundelfingen lief. Da kann man keine Schaufel mehr drauf packen.
Nicht mal meine sich im Anmarsch befindende Sommer-Erkältung konnte etwas daran ändern. Die Veranstaltung war großartig und Gundelfingen ist es auch.

Bei meiner Gastfamilie

Am Nächsten Tag verbrachte ich dann noch das Frühstück und einen Teil des Vormittages mit meiner Gastfamilie.
Das sind großartige Menschen. Er auch Informatiker und Physiker, der sogar am Retina-Implantat mit entwickelt hat, der auch Gitarre spielte wie seine Frau, die sogar Lieder schreibt und dazu gab es noch einen wunderbaren Enkelsohn.
Der Gastvater kam auch zum Vortrag.
Wir fanden am Frühstück sofort hunderte Themen, über welche wir reden konnten.
Danach spielte ich der Gastfamilie noch etwas auf der Gitarre vor, weil der Herr des Hauses dieses wünschte.
Mit dem Enkel spielte ich dann noch Mondlandung mit der dritten Brennstufe meiner Legorakete.
Der Opa durfte am Tablet die Bilder von der Legorakete, die auf Blindnerd in
Auf den Mond und zurück mit Lego
zu finden sind,  nicht mehr schließen.
Außerdem war der Opa so begeistert über das Scheeme, das ich bei WordPress für meinen Blog verwende, dass er mich danach fragte.
Ist das alles nicht auch unglaublich inklusion?

So, und dann war es auch schon wieder Zeit. Die Organisatorin des ganzen und ihre Mutter holten mich mit dem Auto ab und fuhren mich nach Freiburg. Dort wurde ich in die Hände des Umsteigeservices der Bahn  übergeben und auch diese Zugfahrt klappte
wunderbar.

Und wer jetzt sagt: Klar, hat das mit der Inklusion so gut geklappt, weil die Organisatorin selbst betroffen sei. Dem sage ich, dass das nur zu einem kleinen Teil vielleicht stimmt. Ich kenne Menschen, die tag täglich beruflich z. B. mit Blinden zu tun haben, und die nicht lernen wollen oder können, wie man mit uns umgeht.
Da nützen auch Dunkelseminare etc. nichts.
Und andere kenne ich, die noch nie einen blinden Menschen gesehen haben, und es durch Emphatie, besonnenes Denken und Handeln einfach hin bekommen.
Inklusion ist oft einfach machen. Wer die Wie-Frage zu oft stellt, der wird über die Integration nicht hinaus kommen.

Beitrag zur Blogparade Wie Technik mein Leben verändert


Seid herzlich gegrüßt,

Zu diesem Thema läuft derzeit eine hoch interessante Blogparade auf dem Blog Anders und doch gleich . An einer Blog-Parade beteiligt man sich, indem man ein zum Thema passenden Artikel auf seinem Blog veröffentlicht, dann auf die Parade verlinkt und dort in der Kommentarfunktion auf den Artikel aufmerksam macht.
Nach der Parade fasst der Veranstalter dann alles zusammen, verlinkt alles und veröffentlicht das Ergebnis.
Das soll dazu führen, dass Blogger sich kennen lernen und dass man eventuell noch mehr interessierte Folger findet. Außerdem fasst so eine Parade die gesammelten Aspekte zum Thema zusammen und hilft beim Netzwerken.

Dieses Thema spricht mich im höchstmaße an, weil Technik, vor allem Hilfstechnologie mein Leben als Mensch mit Blindheit in meinen fünfzig Lebensjahren, vor allem in den letzten dreißig, extrem verändert und gewandelt hat.

Würde ich hier alle Aspekte ansprechen, wo in meinem Leben Hilfstechnologie zum Einsatz kommt, sprengte dieses jeden Blog. Man könnte damit Bücher füllen.
Und außerdem. Die anderen, die sich an der Parade beteiligen, sollen ja auch noch Themen für sich finden.

Ein naheliegendes Blindnerd-Thema ist der Zugang zu Bildung und Wissenschaft.
Schon als Kind, war ich ein kleines wissensdurstiges Wesen. Gerne schnappte ich aus Rundfunk und Fernsehen alles auf, was irgendwie mit Technik und Wissenschaft zu tun hatte. Vor allem Tier-Dokumentationen und der Weltraum sowieso faszinierten mich schon immer. Oft trieb ich Personen meines Umfeldes in Verzweiflung, weil ich sie mit Fragen löcherte.

Leider gab es über Wissenschaft, vor allem über den Weltraum und Astronomie quasi keine Bücher in Punktschrift, die ich mir in den Blindenbüchereien hätte ausleihen können. Bis heute sind diese Themen in der Punktschriftliteratur absolut unterrepräsentiert. Das hängt damit zusammen, dass die Produktion eines Punktschriftbuches sehr kosten- und zeitintensiv ist. Somit muss schon im Vorfeld selektiert werden, was sich lohnt, in Punktschrift aufzubereiten. Da nimmt man dann verständlicherweise Themen, die größere Mehrheiten ansprechen, als blinde Nerds.
Etwas besser sah es in unseren Hörbüchereien aus. Ein Buch aufzulesen ist deutlich einfacher, als es in Punktschrift zu produzieren.
Aber auch hier war für mich bald alles abgegrast.
Ein weiterer Notstand zur inklusiven Teilhabe an Bildungs-Themen war der mangelnde Zugang zu Zeitungen.
Es blieben mir im wesentlichen bis auf wenige Hörzeitschriften oder die vorselektierte Zusammenstellung von Artikeln aus Stern und Zeit in Punktschrift nur Rundfunk und Fernsehen.
Somit war es im Grunde genommen nicht möglich, sich umfassend und gleichberechtigt zu informieren.
Eine Tageszeitung in Blindenschrift oder als Audio aufzubereiten ist zu zeitaufwändig und wäre somit nie aktuell.
Somit war die Situation so.
Man nahm, was man kriegte. Man las und hörte, was andere für einen zusammenstellten und somit auch für gut befanden. Anderes las man nicht, weil gewisse Gruppen meinten, das bräuchten blinde Menschen nicht, bzw. man solle uns doch vor diesem oder jenem bewahren, anderes wurde uns vorenthalten, bzw. war einfach nicht umsetzbar.
Dies änderte sich für mich vor ungefähr fünfundzwanzig Jahren mit einem Schlag und verbessert sich bis heute durch neue Technologien mehr und mehr.

1995 erhielt ich mein erstes Vorlesesystem, mit dem man ein Buch einscannen und sich anschließend per Sprachausgabe vorlesen lassen konnte. Dafür opferte ich ein ganzes Studiensemester, in welchem ich täglich viele Stunden vor diesem Gerät verbrachte und manchmal mehrmals wöchentlich Kunde der Stadtbibliothek war. In diesem halben Jahr las ich quasi nur. Es war, als stünde ich am Brunnen des Wassers des Lebens. Tröpfelte bisher nur wenig Literatur durch unsere Hörbüchereien und noch viel weniger in Blindenschrift zu mir, so ergoss sich nun dieser unerschöpfliche Quell. Ich konnte lesen, was ich wollte. Das war eine Befreiung.
Das machte mich selbstständiger, und deutlich mündiger.

Ich hatte nun Zugriff auf meine Themen. Es gab jetzt nicht mehr ein oder zwei Weltraumbücher in Punktschrift, bzw. vielleicht 20 auf Casette gelesene, sondern gefühlt hunderte.
Lediglich Bilder und Mathematik können derartige Systeme bis heute nicht beschreiben oder vorlesen.

Einen Computer mit Sprachausgabe und Braillezeile hatte ich Anfang der 90er Jahre auch schon. Mit dessen Hilfe konnte ich überhaupt erst studieren, denn die Studienliteratur wurde mir vom Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS) des Karlsruher Institutes für Technologie (KIT) elektronisch umgesetzt.
An diesem Institut bin ich nunmehr seit zwanzig Jahren beschäftigt.

Das Internet verbesserte dann den Zugang noch mehr und tut das bis heute. Ich informiere mich auf den Seiten von Zeitungen, lese und abonniere Blogs und bin begeisterter Hörer von Podcasts.
Besonders Podcasts sind ein wunderbarer Zugang zu Bildung und wissenschaft, weil sie zunächst ohne Bilder auskommen. Alles muss beschrieben werden, was für uns einen enormen Vorteil bietet.

Ich schrieb darüber in Podcasts ein inklusives Tor zu Bildung, Wissen und der Welt.

Aktuell ist die Situation so, dass die großen “Datenkraken” sogar schon versuchen, Bildmaterial automatisch zu beschreiben. Das funktioniert manchmal schon erstaunlich gut und stellt vor allem in sozialen Netzwerken manchmal schon einen großen Mehrwert dar.

Durch moderne Technologien, wie 3D-Druck, Lasercutter, graphikfähige Braille-Drucker und in balder Zukunft hoffentlich auch durch flächige taktile Displays, verbessert sich der Zugang zu Wissenschaft und Bildung mehr und mehr.

Ich habe großes Glück, am SZS zu arbeiten, denn dort halten wir derartige Technologie vor, erforschen und entwickeln sie weiter und setzen sie für unsere Studierenden mit Sehbeeinträchtigung ein.

Insbesondere meine Vorträge, Seminare und Freizeiten zu Themen der Astronomie haben durch derlei Entwicklungen viel an Wert und Qualität gewonnen.
So nutze ich beispielsweise mein Smartphone, um mich mit dem sprechenden Handplanetarium Universe2Go gemeinsam mit sehenden Astros zu orientieren. Ich hab jetzt quasi auch mein eigenes Instrument und kann bei Teleskop-Treffen inklusiv mit dabei sein.
In meinem Buch, “Blind zu den Sternen” habe ich dem Thema, welche neuen Möglichkeiten neue Technologien für den Zugang zu Astronomie bieten, ein ganzes historisches Kapitel gewidmet.
Das gibt es als Papierversion, Ebook und ist über die Blinden-Hörbüchereien als Daisy-Buch ausleihbar.

So, dann denke ich, dass ich die wesentlichen Punkte beschrieben habe, was den Zugang zu Wissenschaft und Bildung betrifft und wie technologische Entwicklungen diesen stets verbessern und mein Leben verändern und bereichern.
Schaut doch mal auf der Blogparade vorbei. Dort gibt es weitere Artikel zum Thema. Außerdem sind dort alle Informationen, wie Frau oder Mann sich auch an der Blogparade beteiligen können.

Vielen Dank an die Betreiberin dieses Blogs für diese schöne Einladung, mich dort beteiligen zu dürfen. Es war mir eine große Ehre und Freude.

Astroplauderei


Seid herzlich gegrüßt,

heute möchte ich euch mal wieder etwas für die Lauscherchen anbieten.
Es hat durchaus mit “Das Ohr am Teleskop” zu tun.
Und das erwartet euch:

Nach einer kurzen Einführung geht es zu einer Podcast-Folge von Merkst.de, die Stephan Merk, der Macher dieses sehr hörenswerten Podcastes, mit mir aufgenommen hat.
“Vielen Dank, lieber Stephan für diese Ehre. Es hat mir sehr viel Freude bereitet.”
Er ist einer der größten Blogger und Podcaster, der mir in der Blinden- und Sehbehindertenwelt, bekannt ist. Meistens podcastet er über Audio- und andere Technologien, aber nun hat er sich entschlossen, mal einige Interviews mit Menschen aus der Community zu führen, die irgendwie etwas außergewöhnliches machen. Da liegt es natürlich nahe, dass er mal auf mich mit meinem seltsamen Hobby stieß.
Eigentlich gehört hier der Link zu Stephans Projekten hin, aber dann lest ihr vielleicht hier nicht mehr weiter, also später…

Bevor es los geht:
Ich möchte an dieser Stelle für alle, die vielleicht nicht so mit dem Format des Podcasts vertraut sind darauf hinweisen, dass ein Podcast etwas viel freieres, als ein Interview ist.
Das werdet ihr beim Hören merken. Da wird manchmal abgeschweift, man hört Gedankensprünge und manchmal werden Sätze vor Begeisterung und im Überschwang vielleicht nicht ganz zuende gesprochen. Aber das ist eben Podcast. Man ist hier nicht in ein enges Korsett einer Radiosendung zwischen Musik, Werbung und Zeitvorgaben gepackt.
Was Podcasts sind und wieso ich sie so sehr liebe, verlinke ich weiter unten nochmal.
Also trafen wir uns virtuell und plauderten über Astronomie.
Als Einführung und Vorspann, als Vorstellungsrunde sozusagen, hört ihr ein Interview, das Stephan im letzten Frühjahr auf der Sightcity 2018 in Frankfurt mit meinem Arbeitskollegen führte. Der erzählt darüber, was unser Studienzentrum für Sehgeschädigte ist, welche Unterstützung wir anbieten, was bei uns studiert wird, und welche Hilfsmittel und Technologien bei uns eingesetzt werden, um ein Studium in Inklusion zu ermöglichen.
Diese Einführung mit meinem Freund und Kollegen ist mir ganz wichtig, denn ohne das Zentrum, an dem ich seit nun mehr zwanzig Jahren tätig bin, könnte ich meine Vorträge, Seminare und Freizeiten niemals in dieser Qualität anbieten.

“Dank an unser ganzes Team, dass ihr mich mit eurer Kraft und Arbeit hier unterstützt.”

Nach diesem Vorspann, der dauert etwa 13 Minuten, geht es dann ungefähr 90 Minuten auf meine Sternenreise mit Stephan.

Unten in dem Blogbeitrag findet ihr dann noch einige Links die die angesprochenen Themen etwas vertiefen und natürlich auch zu Stephans Projekten führen.

Nun Mixe sich wer mag, einen pan galaktischen Donnergurgler, oder auch was anderes,
lehnt euch zurück, klickt auf den Podcast und habt Freude mit dem Interview.
Zur Podcast-Folge auf Merkst.de
Interview als herunterladen.

Zu Stephan und seinen Projekten findet ihr hier.

Link Wieso ich Astronom wurde, erklärte ich euch
in Wieso ich Astronom wurde

Wer sich für mein Buch interessiert, hier in Kürze die wichtigsten Daten.
Titel:
“Blind zu den Sternen – Mein Weg als Astronom”

Autor: Gerhard Jaworek
Erschienen im Aquensis-Verlag Baden-Baden unter der Rubrik Menschen am 01. Oktober 2015
ISBN: ISBN: 978-3-95457-134-5

Buchrückseite:
Wie kann ein blinder Mensch eine Liebe zur Astronomie entwickeln, ohne je einen Stern gesehen zu haben? Gerhard Jaworek, Diplom-Informatiker am Karlsruhe Institut für Technologie (KIT), gilt medizinisch als vollblind.
Trotzdem ist Astronomie seine Leidenschaft. In diesem Buch beschreibt er lebendig und anschaulich, wie sein naturwissenschaftliches Interesse und seine Neugierde schon im Kindesalter geweckt wurden, wie er sich diese Welt mit seiner Blindheit erobern konnte und welche Chancen die Astronomie für gelebte Inklusion bietet.

Das Buch ist im Handel für 14 Euro erhältlich es gibt es als Papier-Version, als Ebook und für mitglieder der Blindenhörbüchereien wurde es in Marburg aufgelesen.

“Mit dem Ohr am Teleskop” heißt eine Serie auf meinem Blog die Astronomie unter dem Höraspekt betrachtet.
Mit Mit dem Ohr am Teleskop führte ich allgemein in das Thema ein.

Im Artikel Klingende Planetenbahnen könnt ihr hören, was ich mit dem Klang der Planetenbahnen meinte.

Nun hoffe ich, dass ihr nicht völlig erschlagen seid von dieser Fülle an Informationen.

Alles gute und bis zum nächsten mal grüßt euch
euer Gerhard.

Große Frauen in Astronomie und Wissenschaft


Liebe Leserinnen und Leser,

auch in diesem Jahr möchte ich meiner Tradition treu bleiben und zum Weltfrauentag eine der zahlreichen Vorkämpferinnen in Astronomie und Naturwissenschaften würdigen.
Bis heute sind Frauen in naturwissenschaftlich-technischen Berufen leider noch immer unterrepräsentiert. Die Statistiken sprechen hier eine sehr deutliche Sprache. Trotz Frauenbewegung, Emanzipation, Erziehungsurlaub auch für Männer, gesetzliche Gleichberechtigung und dafür aufgeschlossene Männern, ist es noch nicht gelungen, diesen Missstand in den Griff zu bekommen.
Dennoch hat es immer wieder Frauen gegeben, die trotz Benachteiligung, Unterdrückung, Bildungsverbot und Leben in einer streng patriarchaisch dominierten Gesellschaft, großartiges in Wissenschaft, z. B. der Astronomie, geleistet haben. Sie setzten sich in einer harten Männerwelt durch und waren vielleicht sogar öfter, als man denkt, die schlaueren Köpfe. Zumindest zeugen einige Dokumente davon, dass viele starke kluge Frauen die Fäden ihrer Professoren-Männer in Händen hielten…
Bis in biblische Zeiten hinein, kann man diese Phänomene beobachten. Somit scheint der Satz “Der Mann kann noch so viele Dinge bauen – Es steht und fällt ein Volk mit seinen Frauen” mehr Wahrheitsgehalt zu haben, als manchen lieb ist.
So lasst uns den Weltfrauentag 08.03.2019 damit begehen, indem wir die Person und das Lebenswerk von
Maria Mitchell betrachten und würdigen.

Maria Mitchell (* 1. August 1818 in Nantucket, Massachusetts; † 28. Juni 1889 in Lynn, Massachusetts) war eine US-amerikanische Astronomin und Vorkämpferin für die Frauenrechte.

Ich kam auf Maria Mitchell, weil sie mir in der Adventszeit großes Kopfzerbrechen bereitete, denn sie war in einem Weihnachtsrätsel der @Weltraumreporter so gut versteckt, dass sogar Google zumindest am Anfang völlig nutzlos war. Ich fand sie dann im Buch “Die Planeten” von Dava Sobel. In diesem Buch ist ein ganzes Kapitel ihr und Frau Herschel gewidmet, die zum Frauentag 2018 hier geehrt wurde.
Wer das nochmal nachlesen möchte, kann dies hier gerne tun.
Das Kapitel in Dava Sobels Buch ist in einen wunderschönen Briefwechsel zwischen den beiden Astronominnen eingebettet. Leider konnte ich nicht recherchieren, ob es diesen Briefwechsel tatsächlich gab, oder ob es künstlerische Freiheit der Autorin war. Auf jeden Fall ist es ein sehr gelungenes Kapitel.

Also, wer war nun Maria Mitchel.
Maria Mitchell gehörte zu den Frauen, bei denen viele positive Faktoren zusammen kamen, so dass sie zu den wurde, was sie war, und das sie erreichte, was Frauen in der damaligen Zeit eher unzugänglich war.
Eine der ersten Grundvoraussetzungen, die ihr ihre Laufbahn ermöglichten war, dass ihre Eltern Quäker waren.
Diese Religionsgemeinschaft vertritt, dass Frauen dasselbe Recht auf Bildung haben, als Männer.
Ihr Vater, William Mitchell, war Lehrer und Hobbyastronom. Bald schon bemerkte er die naturwissenschaftliche Begabung seiner Tochter und unterrichtete sie in Astronomie und Mathematik.
Er ermunterte sie auch, eigene Untersuchungen anzustellen.
Normalerweise wurden Töchter aus derlei Elternhäusern höchstens in hauswirtschaftlichen Dingen oder den schönen Künsten, wie Musik, unterrichtet.
Somit stellte Maria Mitschel schon bald eine Ausnahme dar.

Ein weiterer Umstand, der sie quasi zwangsläufig zur Astronomie brachte war, dass ihr Wohnort astronomischer nicht sein konnte.
Sie wurde 1818 auf Nantucket geboren, einer kleinen von Seefahrt geprägten und rund 50 Meilen vor der Küste Massachusetts gelegenen Insel. Hier ankerte die weltweit größte Walfangflotte und von hier aus stachen Seefahrer in See, deren Wissen um den Sternenhimmel als Navigationshilfe unabdingbar war.
Somit gab es in allen Haushalten astronomische Instrumente, wie Sextanden, Efimeriden (Sternkarten), Teleskope und Schiffsuhren.
Letztere durfte sie schon mit vierzehn Jahren eichen. Es ist unglaublich wichtig, dass diese Uhren genau geeicht waren, denn man brauchte sie zur Bestimmung des Längengrades auf hoher See. Alleine mit der Geschichte über diese Uhren, könnte man irgendwann mal einen eigenen Artikel verfassen.

Man kann davon ausgehen, dass die Bedingungen der Sternbeobachtung von dieser Insel aus all nächtlich prächtig gewesen sein sollte. Die Insel war weit genug vom Festland entfernt, so dass keinerlei Lichtverschmutzung vorhanden gewesen sein dürfte.
Der Name der Insel, Nantucket,bedeutet weit entferntes Land. Klarer, schwarzer stockfinsterer Sternenhimmel also.

Bald schon war Maria in der Bedienung nautischer Instrumente besser, als so mancher Seebär.
Aber auch sonst verlief ihr Leben ereignisreich und sehr ungewöhnlich.

Schon mit 14 Jahren kalibrierte sie Chronometer für Seefahrer oder unterwies sie im Gebrauch von Sextanten. Mit 17 Jahren gründete Maria Mitchell auf Nantucket eine Mädchenschule und unterrichtete Mathematik. Mit 18 Jahren wurde sie zur Leiterin der Bibliothek von Nantucket ernannt. Hier liegt auch die Wiege ihrer Bildung. Fast täglich hielt sie sich in dieser Bibliothek auf, in der auch Frauen willkommen waren – anders als in den meisten anderen Bibliotheken der USA.

Berühmt wurde Maria Mitchell mit 29 Jahren durch die Entdeckung eines Kometen:
Am 01. Oktober 1847 entdeckte sie vom Observatorium ihres Elternhauses aus den später nach ihr benannten Mitchell-Kometen.
Bereits ein Jahr später, 1848, wurde sie als erste Frau in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen sowie 1850 in die American Association for the Advancement of Science.

Sie leitete die Bibliothek von Nantucket, bildete sich mit Hilfe der ihr anvertrauten Bücher weiter, arbeitete gemeinsam mit ihrem Vater an astronomischen Fragestellungen und unterhielt umfangreiche wissenschaftliche Korrespondenz mit den großen amerikanischen Universitäten. Maria Mitchell las Deutsch und Französisch im Original und war der Überzeugung, dass der Zugang zur Astronomie durch Mathematik erfolgt.[2] Sie wurde als Rednerin zu vielen Vorträgen und Konferenzen eingeladen und

1865 eröffnete mit dem Vassar College in Poughkeepsie, New York, eine der ersten amerikanischen Frauen-Universitäten. Maria Mitchell erhielt den Ruf und wurde mit 47 Jahren die erste Astronomieprofessorin Amerikas – ohne jemals selbst eine Universität besucht zu haben.

Sie setzte sich dafür ein, dass Frauen die gleichen Rechte erhielten, wie sie die Männer an den Universitäten Yale und Harvardinne hatten und dass die Frauen auch fachlich gleich zogen.

So verteidigte sie ihre Studentinnen gegen herrschende Konventionen, die beispielsweise Frauen untersagten, nach 22 Uhr vom Observatorium aus zu beobachten.

1873 gründete sie die American Association for the Advancement of Women und wurde zwei Jahre später deren Präsidentin. Nicht nur in Vorträgen, sondern in der täglichen Arbeit als Professorin und Direktorin des Vassar-College-Observatoriums setzte sie sich beständig für die Gleichberechtigung von Frauen ein.

Ein Kredo von ihr war:
„We especially need imagination in science. It is not all mathematics, nor all logic, but is somewhat beauty and poetry.
In der Wissenschaft brauchen wir vor allem Fantasie. Es geht nicht nur um Mathematik oder um Logik, sondern auch ein wenig um Schönheit und Poesie“
Es braucht nicht viel Interpretationsgabe, um das Kredo auch so zu lesen”In der Wissenschaft braucht es auch weibliche Faktoren”.

Mitchell war eine der berühmtesten Wissenschaftlerinnen (Männer und Frauen) in den USA des 19. Jahrhunderts.
Mitchell galt als ausgezeichnete Professorin, die sich für ihre Studentinnen einsetzte und sie dabei unterstützte, wirklich gute Wissenschaftlerinnen zu werden, obwohl sie „nur“ Frauen waren.

Praxiserfahrung war ihr ganz wichtig. Mit der Frage „Did you learn that from a book or did you observe it yourself?“, ging sie in die Analen der amerikanischen Wissenschaft ein.

Maria Mitchell beschäftigte sich auch mit grundlegenden mathematischen Fragen, etwa mit dem ´Großen Fermatschen Satz`. Eine harte Nuss, die im 17. Jahrhundert von Pierre de Fermat formuliert, aber erst 1994 von dem britischen Mathematiker Andrew Wiles bewiesen wurde.

Hier noch einige Ehrungen zum Schluss:
Für die Entdeckung des Mitchell-Kometen wurde sie vom König von Dänemark mit einem Orden ausgezeichnet.

1905 wurde sie in die Hall of Fame for Great Americans aufgenommen.

Nach ihrem Tod wurde zu Ehren Maria Mitchells die Maria Mitchell Astronomical Society gegründet.

Der Hauptgürtelasteroid (1455) Mitchella, den der Heidelberger Astronom Alfred Bohrmann (1904-2000) am 5. Juni 1937 entdeckte, ist nach ihr benannt.

Auch auf dem Mond erhielt sie einen Platz.
Schon im Amateurteleskop kann man auf dem Mond den an den Krater Aristoteles grenzenden Einschlagkrater Mitchell erkennen, der 1935 von der Internationalen Astronomischen Union nach der großen Forscherin und Frauenrechtlerin benannt wurde. Sein Durchmesser beträgt etwa 30 Kilometer. Er zeigt deutliche Erosionsspuren und sein Ringwall ist vom später entstandenen, etwa 80 Kilometer großen Krater Aristoteles teilweise überdeckt.

Sie war eine großartige Wissenschaftlerin und Vordenkerin für Frauenrechte. Einige ihrer Themen sind bis heute Aktuell.
Gerade in der heutigen Zeit, wo Raubbau an Natur, Mensch und sozialen Errungenschaften im Namen des Fortschritts getrieben wird, sollten wir uns derer erinnern, die VorkämpferInnen und VorReiterinnen für viele Menschenrechte waren.

Quellen:
Wikipedia
Die Planeten von Dagmar Sobel
Weihnachtsrätsel 2018 der @Weltraumreporter

Barrierefreie Dokumente nützen allen Menschen


Liebe Leserinnen und leser,

heute kommt in Blindnerd mal wieder ein Artikel, der nichts direkt mit Astronomie zutun hat.
Allerdings ist das Thema durchaus auch für Astronomie-Schreiber interessant. Es geht um barrierefreie Dokumentengestaltung. Gerade uns Astronomen gelingt wegen der graphischen Eigenschaften der Astronomie, dies leider nicht immer. So habe ich beispielsweise noch nirgendwo so viele unbeschriftete Bilder gesehen, wie in astronomischen Artikeln.
Für die Facebook-Seite meines Arbeitgebers, dem Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS) des Karlsruher Institutes für Technologie (KIT) durfte ich einen Artikel zu diesem Thema schreiben, den ich sehr gerne auch mit Ihnen und euch teile.
Hier ist er:

Einführung

die Allgemeinheit spricht meist von Barrierefreiheit, wenn z. B. ein Ort für Rollstuhlfahrer nicht erreichbar ist, weil ein Aufzug fehlt oder sonstige Unwegsamkeiten dies verhindern.
Manchmal spricht man auch von Sprachbarriere, die irgendwie überwunden werden muss, wenn Menschen die Sprache des anderen nicht sprechen.
Es gibt noch zahlreiche andere Barrieren in unserem Alltag. In diesem Artikel geht es um Barrieren in Dokumenten, welche die Zugänglichkeit für verschiedene Menschengruppen erschweren oder verhindern.
Es soll Sie sensibilisieren und Ihren Sinn dafür schärfen, wie nützlich und wichtig barrierefreie Dokumente für uns alle sind.

Am Beispiel von Menschen mit Blindheit oder Sehbeeinträchtigung werden einige Barrieren und deren Beseitigung näher beleuchtet.
Es gibt noch sehr viel mehr Einschränkungen, die den Zugang zu Print-Medien etc. erschweren. Aus diesem Grunde spricht man häufig von Print-Disability, weil sich das nicht nur auf papierene Dokumente beschränkt.

Papierene Barrieren

Da man es häufig trotz Internet mit papierenen Dokumenten zu tun hat, setzt das Dokument voraus, dass man mit den Augen lesen können muss, um dessen Inhalt zu erfassen. Trotz elektronischer Vorlesesysteme sind somit Menschen mit Blindheit oder Sehbeeinträchtigung eventuell davon ausgeschlossen. Handschrift ist beispielsweise nahezu unzugänglich, auch als Druckschrift. Elektronische Verfügbarkeit hilft, diese Barriere zu überwinden.
Gehen wir nun einen Schritt weiter.

Elektronische Barrieren

Elektronisch verfügbar heißt nicht unbedingt, dass Ihr Dokument dadurch zugänglicher wird, dass es elektronisch verfügbar ist.
Im schlimmsten Fall ist Ihr Text ein digitales Photo. Das verbessert die Situation nicht wirklich.
Für die Hilfstechnologie blinder Menschen unterscheidet sich das Dokument in diesem Falle nicht von jeder anderen Grafik.
Grafiken und Bilder können Bildschirmleser momentan noch nicht beschreiben. Facebook, Google etc. weisen aber in eine Richtung, dass dieses möglicherweise in naher Zukunft funktionieren wird.
Für Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung kann so ein Text in einer Grafik bedeuten, dass die Grafik durch die Vergrößerung pixelig, unscharf und somit ebenfalls unleserlich wird.

Schon besser, aber noch nicht gut

Im nächsten Schritt, der unser Dokument barrierefreier machen soll, geben wir den Text über die Tastatur ein und erzeugen ein elektronisches Dokument in der Textverarbeitung Ihrer Wahl.

Ob Ihr Text nun barrierefrei ist, hängt stark von der Größe des Dokumentes und seiner Struktur ab.
Zumindest kann Ihr Dokument nach diesem Schritt als Fließtext von Hilfstechnologie vorgelesen werden. Auch Vergrößerungsprogramme verpixeln ihn nicht, weil der Font (Schrifttyp) direkt vergrößert wird.
Und wenn wir schon beim Schrifttyp sind. Verschnörkelte, verspielte oder Schriften mit Serifen sind für viele Menschen, vor allem mit Seheinschränkung sehr schwer lesbar. Eine gerade klare Schrift ohne Schnickschnack ist immer barrierefreier.

Als Nudelgericht Spaghetti-Code

Eine Barriere ist für alle, wenn der Text sehr lang ist, und keine Struktur hat. z. B. keine Überschriften, Inhaltsverzeichnis, Abschnitte und Seitenzahlen. Diese Tatsache ist unabhängig vom Inhalt des Textes.
In so einem Spaghetti-Dokument können Sie sich nur zurecht finden, wenn Sie wissen, wonach Sie suchen. Dann finden Sie die Stelle eventuell mit der Suchfunktion ihrer Software.

Trotz Mühe eine Sechs

OK, setzen wir nun Überschriften, indem wir an passender Stelle die Schrift fett darstellen, bzw. eine andere Schriftgröße wählen.
Sehende Menschen finden sich nun schon etwas besser in unserem Dokument zurecht, weil ihnen die Überschriften beim Drehen des Mausrades direkt ins Auge springen.
Für blinde Leser, ändert sich zunächst nichts, weil ein Bildschirmleseprogramm etwas fettgedrucktes nicht als Überschrift erkennt. Ist es auch nicht, denn Fettdruck wird auch an anderer Stelle, z. B. bei Hervorhebungen, eingesetzt.
Das bedeutet, dass der Text für blinde Leser ebenso unstrukturiert und unübersichtlich bleibt, wie zuvor.

Gänende Leere

Was glauben Sie, was passiert, wenn sie mit dieser Art von Dokument von ihrer Textverarbeitung ein Inhaltsverzeichnis erstellen lassen möchten?
Genau. Es passiert nichts. Im günstigsten Fall erhalten Sie eine leere Seite mit der Überschrift “Inhalt”.
Nicht mal ihr Textverarbeitungsprogramm weiß, wo in Ihrem Dokument die Überschriften sind, obwohl es die ganze Zeit “dabei” war, als der Text entstand.

Zum Layout noch Struktur

Dieses Problem beseitigen Sie, indem Sie Formatvorlagen verwenden. Jetzt weiß plötzlich ihr Textprogramm, wo die Überschriften sitzen, und kann ein navigierbares Inhaltsverzeichnis erstellen.
Auch Bildschirmleser für blinde – und Vergrößerungssoftware für seheingeschränkte Menschen wissen es jetzt, denn sie verstehen die Struktursprache der gängigen Textverarbeiter. Nun kann man im Text springen, man kann sich nur die Überschriften anzeigen lassen, um erst mal in das Dokument hinein zu finden etc.
Das gilt für alle Strukturelemente, die ein Dokument enthalten kann. Überschriften, Aufzählungen, Nummerierungen, Tabellen, Seitenumbrüche, Kopf- und Fußzeilen, etc. können in allen Textprogrammen ausgezeichnet werden. Insbesondere Tabellen, die mittels der Tab-Stop-Taste erzwungen werden, sind keine und treiben Menschen mit Hilfstechnologie in die Verzweiflung.
Dasselbe gilt auch für unbeschriftete Grafiken, Formeln, die nur als Bildchen im Dokument stehen, und vieles mehr.
Desto mehr die Struktur eines Textes vom Text selbst getrennt wird, desto barrierefreier ist ihr Dokument tendenziell auch.

Zum Merken und weiter sagen

Merksatz:

Das Credo eines barrierefreien Textes ist die Trennung von Layout und Struktur.

Dass man eine Überschrift für ein späteres Inhaltsverzeichnis setzen möchte, ist das eine. Wie sie in Schriftgröße, Schrifttyp, Abstand zum Text, Einrückung etc. aussehen soll, ist eine ganz andere Sache.
Bildschirmleser kümmern sich nicht um ihr schönes Layout. Sie transportieren lediglich die Textstruktur und seinen Inhalt. In der Blindenschrift gibt es sowieso nur eine Schriftgröße, weil taktile Braille-Zeilen nur eine Größe ausgeben können.
Wie ist es aber derzeit um die Barrierefreiheit von Dokumenten im Netz bestellt?
In Ebooks beispielsweise, findet man ganz unterschiedliche Qualitäten, von einer nicht navigierbaren Textwurst mit einer Million Zeichen, bis hin zu super navigierbaren Dokumenten mit allen Auszeichnungen, die man benötigt, ist alles drin.
Das gilt für E-Zeitungen, Webseiten und alles, was so als Dokumente im Netz herumschwirrt gleichermaßen.

Wem nützt das

Glauben Sie mir. Es ist kein Hexenwerk, ein Dokument einigermaßen barrierefrei zu gestalten.
Da Sie nie wissen können, wer Ihr Dokument mal lesen wird, sollten Sie für den Fall der Fälle immer die Zugänglichkeit für alle im Hinterkopf behalten.
Ach ja, auch Sie selbst gehen eventuell in ihrem Dokument verloren, wenn es keine Struktur hat.

Folgende Links soll Ihnen den Einstieg in barrierefreie Dokumentengestaltung erleichtern.
Bitte tragen Sie mit dazu bei, dass Wort und Schrift für alle zugänglicher werden.
Die Fähigkeit, lesen und schreiben zu können, hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir hier in Frieden, Freiheit und Demokratie leben können. Dies hat uns zu mündigen Bürgern gemacht, die nicht mehr darauf angewiesen sind, nur glauben zu müssen.

Checkliste Barrierefreiheit
Praxishilfen Barrierefreie PDF-Dokumente