Women Science Day


Liebe Leser*innen,

Am 10.02.2021 war Women Science Day. An diesem Tag finden viele Veranstaltungen statt, die ganz besonders das Lebenswerk von Frauen in Natur- und Technikwissenschaften würdigen. Bis heute sind, wie wir alle wissen, Frauen in MINT-Berufen noch immer sehr unterrepräsentiert. Diejenigen, welche die Flugbahn für das gesammte Mond-Programm berechneten, waren diskriminierte Frauen schwarzer Hautfarbe. Der sehr empfehlenswerte Film Hidden Figures zeigt das alles sehr gut.
Seit Anfang der 1960er Jahre flogen Menschen in den Weltraum. Die erste Frau im All war keine “weiße” Amerikanerin, sondern Frau Walentina Tereschkowa, die 1962 im Rahmen des soviettischen Weltraumprogramms in eine Umlaufbahn um die Erde geschickt wurde. Bis heute ist sie übrigens die einzige Frau, die ohne männliche Begleitung flog.
Die zweite Frau im All war ebenfalls eine Kosmonautin, Swetlana Sawizkaja.

1983 startete die erste Amerikanerin ins all.
Sally Ride war die erste US-Amerikanerin im Weltraum und nach den Kosmonautinnen Walentina Tereschkowa und Swetlana Sawizkaja die dritte Frau, die einen Raumflug absolvierte.
Im Zusammenhang mit Sally Ride gibt es übrigens eine sehr nette Geschichte die gut dokumentiert, wie sich Ingenieurs-Männer mit “Frauen-Sachen” auskennen. Sie geht um einhundert Tampons im All. Ihr könnt ja mal selbst danach im Netz suchen.
In einer der letzten Folgen von @Mincorrect wurde sogar ein Song zu dieser Geschichte abgespielt.

Heute scheint mir, hat sich zumindest bei der Auswahl von Astronaut*innen ein etwas besseres Gleichgewicht eingestellt.
Bei der letzten Auswahl von Astronaut*innen der NASA 2017 wurden immerhin schon fünf Frauen von zwölf Bewerber*innen ausgewählt. Das sind

  1. Zena Cardman, U.S. Marine Corps Maj
  2. Jasmin Moghbeli, U.S. Navy Lt
  3. Kayla Barron
  4. Loral O’Hara
  5. Jessica Watkins

Die Europäische Raumfahrtagentur ESA scheint da zumindest nach meinen Recherchen noch nicht ganz so weit und fortschrittlich zu sein. Im aktuellen Astronauten-Korps scheint es momentan nur eine Frau zu geben, nämlich
Samantha Cristoforetti aus Mailand, Italien.

Im Podcast @Raumzeit von Tim Pritlove berichtet sie in Folge 11 über ihre Ausbildung zur Astronautin. In Folge 64 erzählt sie über ihren Aufenthalt auf der ISS.

Es ist hier offenbar noch viel zu tun bei der ESA und ihren Astronaut*innen.
Ab dem 31.03. sucht die ESA wieder neue Astronaut*innen. Hoffentlich bewerben sich viele Frauen und hoffentlich werden einige aufgenommen.

Wie die Situation im japanischen und chinesischen und den anderen Raumfahrtprogrammen aussieht, weiß ich momentan nicht.

Und jetzt gibt es zum Schluss des Artikels noch einen kurzen Beitrag, um eine große Astronomin zu würdigen.

Es geht um Henrietta Swan Leavitt
Henrietta Swan Leavitt, geboren am 4. Juli 1868 in Lancaster, Massachusett, gestorben am 12. Dezember 1921 in Cambridge, Massachusetts war eine US-amerikanische Astronomin. Sie entdeckte 1912 die Perioden-Leuchtkraft-Beziehung, das heißt den Zusammenhang zwischen der absoluten Leuchtkraft der Sternklasse der Cepheiden (Helligkeitsveränderliche Sterne) und deren Perioden unterschiedlicher Helligkeit. Sie legte damit den Grundstein zur Verwendung der Cepheiden als Standardkerzen, um zunächst Entfernungen zu nahe gelegenen Galaxien bestimmen zu können.
Ich finde es äußerst bemerkenswert, dass es einen zuverlässigen Zusammenhang zwischen der Periode in welcher so ein Stern heller und dann wieder dunkler wird und der absoluten Helligkeit gibt. Somit eignet sich dieser Zusammenhang tatsächlich zur Entfernungsbestimmung, denn die Helligkeit konnte man schon ganz gut messen, und wenn man jetzt noch die “Blink-Periode” betrachtet, dann klappt das mit der Entfernungsbestimmung schon ganz gut. Im Artikel Was haben Kerzen mit Astronomie zu tun beschrieb ich eine andere Art von Standardkerze, die auch zur Entfernungsbestimmung verwendet wird, wer das nochmal nachlesen möchte.
Levitts Methode reicht bis zu einer Entfernung von 20 Millionen Lichtjahren. Bevor Levitt diese Beziehung bemerkte, benutzten Astronomen Parallaxe und Triangulation die bis zu einigen hundert Lichtjahren benutzt werden können. Unsere Galaxie, die Milchstraße, ist aber schon 105700 Lichtjahre groß. Für das Messen von größeren Entfernungen benutzt man auch die maximale Masse von weißen Zwergen. Das ist aber eine andere Geschichte…

Für Astronomie interessierte sie sich bereits schon in der Schule. Durch eine Krankheit wurde sie fast vollkommen taub. Trotzdem bekam sie 1895 am Harvard College Observatory eine Volontärstelle, und sieben Jahre später wurde ihr eine feste Anstellung angeboten (für 30 Cent die Stunde). Dort beobachtete und katalogisierte Leavitt veränderliche Sterne, allein 1904 konnte sie 172 veränderliche Sterne in der großen und 59 in der kleinen Magellanschen Wolke entdecken. Ihre Beobachtungen musste sie auf die Auswertung von Fotografien beschränken, weil Frauen der Gebrauch des Teleskops verboten war.
Interessant ist an dieser Stelle, dass der gehörlose Astronom John Goodricke sich mit ganz ähnlichen Dingen beschäftigte. Die beiden konnten sich nicht gekannt haben.
Über ihn schrieb ich in meinem Buch in “Wissenschaftler mit vier Sinnen”.
Ein Jahr darauf berichtete sie von 843 neuen veränderlichen Sternen in der kleinen Magellanschen Wolke. 1912 entdeckte Leavitt die Perioden-Leuchtkraft-Beziehung bei Cepheiden.
1913 gelang dem Astronomen, Ejnar Hertzsprung dann die Bestimmung der Entfernung einiger Cepheiden der Milchstraße, womit die Entfernung zu allen Cepheiden kalibriert werden konnte. Als 1920 durch Edwin Hubble Cepheiden identifiziert wurden, die Millionen Lichtjahre entfernt lagen, wies er mit Hilfe des Modells von Leavitt nach, dass es sich dabei um Sterne in anderen Galaxien wie in der Andromedagalaxie handelte. Auch konnten erstmals Entfernungen zwischen verschiedenen Galaxien bestimmt werden. Vor diesen Entdeckungen konnte man nur mit Entfernungen bis zu 100 Lichtjahren rechnen, danach stellten Distanzen bis zu 10 Millionen Lichtjahren kein Problem mehr dar.
In all den Jahren der Beobachtung des Sternenhimmels konnte Leavitt vier Novae beobachten und über 2400 neue veränderliche Sterne entdecken. Außerdem entwickelte sie eine neue photographische Messtechnik, die 1913 internationale Anerkennung fand und unter dem Namen Harvard-Standard bekannt ist.
Henrietta Swan Leavitt gilt als Pionierin der Wissenschaft, und das nicht nur, weil sie eine der wenigen und ersten Frauen in höheren Wissenschaften war. Sie war Mitglied in diversen Verbindungen wie

  • Phi Beta Kappa, der American Association of University Women,
  • der American Astronomical and Astrophysical Society,
  • der American Association for the Advancement of Science
  • und ein Ehrenmitglied der American Association of Variable Star Observers.

1921 starb Henrietta Swan Leavitt an Krebs. Zu ihren Ehren tragen der 1973 entdeckte Asteroid (5383) Leavitt und ein Mondkrater (Mondkrater Leavitt) ihren Namen. In Unkenntnis ihres Todes erwog der schwedische Mathematiker Gösta Mittag-Leffler 1925, Leavitt für einen Nobelpreis vorzuschlagen. Da dieser jedoch nicht postum verliehen wird, ging sie letztlich leer aus.

Astronomie aus dem Baumarkt – Mein schönstes Weihnachtsgeschenk 2020


Liebe Leser*innen,

nun meldet sich auch der Blindnerd mit einem etwas länglichen Artikel zurück im Jahre 21. Ich hoffe, ihr konntet alle das etwas andere Weihnachten und das etwas andere Silvesterr trotz allem genießen. Ich hatte es mit einem Freund und seiner Familie in Saarbrücken sehr schön. Es war beschaulich, gemütlich und sehr entspannt.
Dank an ihn und seine Familie, dass sie mich für zehn Tage beherbergt haben, ansonsten wäre die Zeit im Lockdown sehr einsam für mich geworden. Selbstverständlich lief hier alles im Rahmen des Erlaubten und ggf. unter der Maske ab.

OK, die Weihnachtszeit liegt hinter uns. Hoffentlich können und dürfen wir die nächste Weihnachtszeit wieder etwas lockerer in gewohnter Weise feiern.
Es ist zwar etwas spät, wenn ich euch heute von einem Weihnachtsgeschenk, von einem sehr astronomischen Weihnachtsgeschenk erzähle, zumal das neue Jahr quasi schon im Gange war, als ich es per Post zugestellt bekam, aber das ist in der Geschichtsschreibung nichts ungewöhnliches, dass Ereignisse, z. B. Kriege, deren Siege oder Niederlagen, Naturkatastrophen, ja auch Ausbrüche von Pandemien oder Feuersbrünsten später im Nachhinein astronomischen Ereignissen oder Gegebenheiten zugeordnet wurden. Daten werden hierzu beispielsweise Erscheinungen von Kometen oder Sonnen- und Mondfinsternissen zugeordnet. Da wird dann halt noch etwas an der Geschichte geschraubt, dass es wieder passt. Das tue ich heute auch, indem ich ein quasi sagen wir Geschenk, dass ich eher zu Dreikönig als zu Weihnachten bekam, als mein schönstes Weihnachtsgeschenk bezeichne. Später werden die Geschichtsschreiber die zeitliche Lücke vielleicht Problemen der Paketzustellung zuschreiben, denn dass mein Geschenk kein Weihnachtsgeschenk gewesen sein soll, wo doch noch die große Konjunktion, quasi der Weihnachtsstern am Himmel stand, wird niemand im nachhinein behaupten wollen. Vielleicht wird man dereinst Corona der Erscheinung des Kometen Neowise zuordnen. Ich schrieb in meinen Kometengeschichten 4 darüber.
So einfach geht es, dass man, in meinem Fall harmlosen Schwurbel erzeugt. Hüten wir uns vor bösem Schwurbel, der sehr gefährlich sich schlimmer noch, wie das Virus selbst, auf der Welt momentan verbreitet und weit größeren Schaden hinterlassen kann, als das Virus, aber lassen wir das für den Moment und wenden uns dem Geschenk nun zu…

Die Ankunft

am 04. Januar erhielt ich plötzlich einen Anruf von meinem ehemaligen Geschichtslehrer, Freund, Mentor und bis heute Chorleiter, dietmar. Das ist an sich nichts ungewöhnliches, dass der mich anruft, da uns vor allem musikalisch viel verbindet. Ich singe voll Begeisterung in seinem Ehemaligenkor der Blindenschule, in welcher er vierzig Jahre lang unterrichtete und mittlerweile seit ungefähr anderthalb Jahrzehnten seinen wohlverdienten Ruhestand genießt. Er leitet diesen Chor bis heute, unterstützt unsere Folk-Gruppe Soultouch, die sich aus diesem Chor gebildet hat, ich darf bei Auftritten und Proben stets die Tonaufnahmen ziehen und dann versuchen, sie am PC so hin zu bekommen, dass man sie durchaus auch mal auf die eine oder andere Weise veröffentlichen kann, z. B. auf CD.
Es ist also nichts besonderes, dass er mich anruft, zumal ich hier noch einige Abmischungen in der Pipeline habe und wir eine Oster-CD planen.
Anstatt musikalischer Dinge fragte er mich plötzlich, an welche Adresse er mir etwas schicken könnte. Er habe ein etwa 50 cm im Quadrat großes Paket für mich und würde mir das gerne schicken. “Du liebe Güte”, dachte ich. Was soll das denn sein. Liedtexte in Punktschrift schieden aus, denn die schickt er mir elektronisch und ich drucke sie dann. Verstärkt wurde die Spannung noch dadurch, dass er darum bat, dass wir das Paket gemeinsam öffnen, also ich solle ihn anrufen, und er leitet mich an, wie das Teil zu öffnen sei.

Er nannte seine Verpackung “Böhringer-Verpackung”, so heißt er, und ich kann euch sagen, das ist sie auch.
Am Donnerstag nach Dreikönig erhielt ich nun dieses große, flache Etwas.
“Will er mir jetzt ein Bild schenken?” war mein erster Gedanke. Das wäre ja dann vielleicht nicht ganz das passende Geschenk für einen Blinden. “nein, das kann ich mir nicht vorstellen”, aber wie ein gut verpacktes Bild fühlte es sich tatsächlich an. Die Verpackung besteht aus einem Holzrahmen aus vier Leisten, einer Rückwand aus Karton, einem Deckel auch aus Karton und alles war äußerst raffiniert und kunstvoll mit hochwertigem Tape verklebt. Nicht zuletzt hatte das Paket noch eine Trageschnur. Ich hielt meine Neugierde aus und wartete auf seinen Anruf, damit wir den Schatz gemeinsam heben würden, wie ich es ihm versprochen hatte.

Die Schatzhebung

Sein Anruf kam am Freitag Abend. Allerdings zunächst etwas ungünstig, da mir wenige Minuten vorher ein Bote etwas anderes flaches in einem Karton vorbei brachte, eine Pizza. So vertröstete ich Dietmar auf später, öffnete ein Fläschchen wein und versorgte die Pizza in meinem Bauch. Dann suchte ich meine Ausrüstung,

  • Messer,
  • Schere,
  • Headset für die freien Hände,
  • Telefon,
  • mein Weinglas, das Teleskop des blinden Astronomen
  • das Paket

zusammen, setzte mich aus Platzgründen auf meinen Wohnzimmerteppich und rief ihn an. Ich hatte mir schon ausbedungen, wo ich das Messer zuerst ansetzen würde. Sofort kam von ihm die Warnung, dass ich um Himmels willen nichts und nirgendwo schneiden solle. “Wie soll das dann aufgehen”, dachte ich mir. “Hat er dafür einen Zauberspruch?”
Nein, den hatte er nicht, sondern etwas viel besseres. Er dirigierte meine Hände über den Deckel des Paketes, indem ich zuerst den Ausgangspunkt, den Adressaufkleber finden sollte. Von dort aus ging es dann in verschiedene Richtungen an die Ränder des Paketes, wo ich die Verklebung fühlen konnte. Und was war das. Da gab es wirklich nichts zu schneiden. Dietmar hatte die Tapestreifen so verlängert, dass er sie zu Laschen umschlagen konnte. Ein kurzer Ruck an jedem, ein deutlich hörbares Ratschen und der Klebestreifen ließ sich rückstandsfrei öffnen. Es war halt sehr gutes Klebeband. Ich erkannte es sofort. Damit verklebten wir über dreißig Jahre unsere Kabel am Boden unterschiedlichster Bühnen, wo ich mit verschiedensten Bands auftrat. Ob Hochzeit, Tanzabend, Schulfest, Folk-Fest etc. dieses Klebeband hielt quasi unsere Bands, zumindest unsere Ausrüstung zusammen und niemand stolperte über seine eigenen Kabel und Füße. Übrigens war ich von 1986 – 1989 Gründungsmitglied, Bassist und Sänger in der Schulband, der Schule, an welcher Dietmar unterrichtete und ich Schüler war. Abends und nachts schrien wir unsere Seelen in die Mikros, und tagsüber mussten wir uns dann müde und verkatert durch Dietmars Geschichtsunterricht quälen, der aber meistens ganz interessant war.

Die Schule, um die es ging, ist die Nikolauspflege Stuttgart, eine Ausbildungsstätte für Menschen mit Blindheit oder Sehbeeinträchtigung.

Tja, solche Erinnerungen kommen einem, wenn sich Freunde so lange kennen, miteinander telefonieren und man dieses Klebeband in Händen hält. Also, nun waren alle Laschen gelöst und ich konnte den Deckel von mir weg aufklappen.

Die Erkundung

Nun tastete ich und tastete, fühlte dicke und dünnere Punkte auf Folie, manche davon waren durch Striche miteinander verbunden, und bei genauerem Tasten fand ich sogar Beschriftungen in Punktschrift.
Und da durchfuhr es mich. Ähnlich dem klaren und lauten C-Dur-Akkord, der in Joseph Haydns Schöpfung heraus bricht, als “Es werde Licht” gesprochen wird, bei dem es mir immer, wenn ich nur an diesen Klang denke, kalt den Rücken herunter läuft, so geschah es mir auch jetzt. Mit Wucht und Klarheit traf es mich. Was hier vor mir auf dem Boden lag, ist eine taktile Sternnkarte. “Wo hat er die denn jetzt wieder ausgegraben” fragte ich ihn. Ihr müsst wissen, dass solche tastbaren Sternenkarten äußerst selten sind, fast so selten wie die Zauberringe der Elben aus Herr der Ringe und aus dem kleinen Hobit.

Sie sind äußerst schwer herzustellen.

Exkurs über die Herstellung der Sternkarte

Man musste damals, als es noch keine 3D-Drucker, keine graphikfähigen Braille-Drucker und keine Lasercutter gab, mühsam das Modell der Karte auf einem Brett erstellen. Zunächst muss man die Karte zeichnen, bzw. eine auf das Brett kleben, was meist ob der Größe, die man zum Ertasten benötigt nicht ausreicht, also muss man sie skalieren, vergrößern und irgendwie für die Modellierer*in sichtbar auf das Brett aufbringen. Dann werden die Löcher für die Sterne gekörnt (angebohrt). Danach müssen Alle Verbindungsdrähte geschnitten werden, welche dann mit den Sternen als Ecken die Sternbilder ergeben sollen. Linien, die es am Himmel nicht gibt, aber die wir uns in unserer äuropäischen Kultur schon seit der Antike so ausgedacht haben, um Orientierung am Himmel zu haben. Und da ist gleich noch ein Problem. Der Himmel befindet sich an der Innenseite einer Halbkugel, die sich über uns wölbt. Das Brett aber ist flach. Hat jemand von euch schon mal versucht, z. B. einen abgeblasenen Ball flach auf einen Tisch zu legen? Es wird niemals ohne Falten gehen, weil eine Kugel einfach eine Kugel ist. Auf ihr herrscht eine völlig andere Geometrie als auf einem Brett. Dort ist die Ggeometrie flach. Das bedeutet, dass ein Dreieck eine Winkelsumme von 180 Grad besitzt.
Auf einer Kugel kann man drei Linien sich rechtwinklig so schneiden lassen, dass man ein Dreieck mit drei rechten Winkeln, also 270 Grad als Winkelsumme bekommt.
Stellt euch z. B. einen Globus mit seinem Äquator vor. Nun wählen wir uns einen Längengrad, z. B. den Null-Meridian. Wir führen ihn auf dem Globus weiter, bis sich die Linie schließt. Nun nehmen wir einen weiteren Längengrad, der an den Polen mit dem ersten einen Winkel von 90 Grad bildet. Das tuen die beiden Längengrade mit dem Äquator auch,
Und siehe da. Wir haben Dreiecke mit drei rechten winkeln.

Also muss auch das immer dann beachtet werden, wenn man flache Karten zeichnet. Erstellt man einen Grundriss einer Wohnung, oder vielleicht noch eines Hauses, dann schlägt die Erdkrümmung noch nicht so sehr zu, aber Geodäten (Weltvermesser) bekommen es dann schon mit der Kugelform der Erde zu tun, vor allem auch bei Seekarten etc.
Wer einen Globus mit einer flachen Weltkarte vergleicht, auf welcher noch die Längen- und Breitengrade eingezeichnet sind, wird die Verzerrung deutlich fühlen. Das schlägt am Himmel natürlich auch zu.

Nun werden einzeln die Sterne genagelt, verschraubt und miteinander mit den Drähten verbunden, dass sich langsam die Sternbilder aufbauen. Das ist sehr kniffelig, denn die Drähtchen sollen sich ja auch nicht verbiegen und die Nägel oder Schrauben nicht krumm sein. Bei meiner Karte hier hat sich der Schöpfer sogar die Mühe gemacht, dickere und dünnere Nägel für unterschiedlich helle Sterne zu verwenden. So ist z. B. der Sirius sehr dick. Nun müssen die Schildchen für die Blindenschrift geschrieben werden. Ohne Computer war das früher nur so möglich, dass die sehende Modellierer*in die Punktschrift selbst mit einer Punktschrifttafel oder Punktschriftmaschine erzeugen kann, bzw. es muss eine blinde Person zu Rate gezogen werden, die das erledigte.

Sorry, ihr Lehrer*innen, die ihr blinde Menschen unterrichtet. Wer von euch kann das noch ohne Computer und Punktschriftdrucker?

Ich kenne sogar blinde Menschen, die nicht mehr auf einer Punktschrift-Tastatur klar kommen. Ist ja dank der modernen Technik auch nicht mehr so wichtig, aber ich denke doch, dass zumindest geburtsblinde Menschen, oder solche, die die Beeinträchtigung relativ jung erwerben, das noch lernen sollten. Ohne Punktschrift auf Papier schreiben zu können, hätte ich, nur an der Braille-Zeile arbeitend, meine Mathematik-Studien an der Uni niemals geschafft.

Nun ist das Modell, die Vorlage fast fertig.
Es muss nun noch für die Vakuum-Maschine präpariert werden, damit man mit dem Tiefzieh-Verfahren Folienabzüge davon anfertigen kann.

Exkurs über das Tiefzieh-Verfahren in der Welt der Blinden

Das Tiefzieh-Verfahren funktioniert so, dass man eine Folie auf das Modell legt, und beides dann in den Tiefzieh-Ofen schiebt. Ein Klapprahmen am Rand verhindert das Verrutschen der Folie. In diesem Apparat wird nun die Folie durch Erwärmung weich gemacht. Gleichzeitig wird von unten die Luft aus dem Ofen gesaugt. Dieses Vakuum zieht nun die weiche heiße Folie über das Modell. Kühlt man das ganze dann ab, bleibt ein Folienmodell der Sternenkarte zurück. Dies kann man nun mit neuen Folien wiederholen, und erhält dann mehrere Kopien des Modells.
Der Teufel steckt aber auch hier im Detail. Durch ein hartes Brett lässt sich kein Vakuum ziehen. Das muss die Modellierer*in bedenken und kleine Löcher in die Platte bohren, damit durch diese die Luft abgesaugt werden kann. Verteilt man diese Löcher nicht richtig auf dem Brett, dann passiert es, dass das Vakuum ungleichmäßig gezogen wird, die Folie dann falten wirft, die man im Nachhinein nimmermehr heraus bekommt und die Folie ist dann kaputt. Auf diese Weise haben unsere Lehrer früher mit Punktschrift-Vorlagen auf Papier, die sie von Hand mit einer Punktschriftmaschine abschreiben mussten, Folienkopien für uns erstellt. Normalerweise durften wir diese Folientexte natürlich behalten, denn wir mussten deren Inhalt ja noch lernen… Zu Zeiten der Ölkrise Anfang der 70er Jahre wurden die teuren Folien aber wieder gesammelt und neu eingeschmolzen. Daran kann ich mich noch als kleiner sechs oder siebenjähriger Schüler erinnern, das das gemacht wurde.

Der Fund

Also, nun lag dieses sehr aufwändig hergestellte Geschenk vor mir und ich war den Tränen vor Rührung nahe und musste erst mal an meinem Weinchen nippen.

  • Wie kam ich zu der Ehre, dass mein Freund mir eine solche Karte schenkt?
  • Wo hat er sie gefunden?
  • Wie alt mag sie sein?
  • Gibt es die Vorlage dafür noch?
  • Lebt der Hersteller der Vorlage noch?
  • Wie kann ich demjenigen danken, der die Kopie für mich gezogen hat
  • Wie kann ich Dietmar und den hilfreichen Personen das je danken?

Das waren so Fragen, die mir da demutsvoll durch den Kopf gingen.
Es ist so, dass es vermutlich an nahezu allen Blindenschulen noch Speicher, Keller und Abstellräume gibt, wo noch derlei Schätze lagern. Heute lagern die Modelle nur noch auf Festplatten von Computern oder in Clouds, damit sie für die Nachwelt verfügbar bleiben.
Dietmar interessiert sich schon immer, schon auch als Historiker, für alte Sachen. Er findet solche Schatzgruben und hütete sie auch, als er noch nicht pensioniert war.
Er hütete sie nicht nur, sondern verwendete sie in seinem Unterricht. Einmal, als ich in einer Pause entweder einem Mädchen nachgehen wollte, eine Zigarette rauchen oder einfach nur ein biologisches Grundbedürfnis hatte, rief er mich plötzlich in seinem schwäbischen Dialekt an.

Kosch Dur mir amol helfe, ebbes zum trage? Mir brauche des bei euch in der nächste Stond.

Willig und damals noch den Lehrern hörig, ließ ich von meinem geplanten Vorhaben ab, erklärte mich freundlich bereit und folgte ihm in seinem schnellen Schritte in einen Raum, in dem ich vorher noch nie gewesen war. Moderig und stickig war dort die Luft. Besonders viel Licht gab es dort auch nicht, was ich damals noch sehen konnte. Was er getragen haben wollte war ein etwar 120 auf 80 cm großes Modell eines Schützengrabens, dessen Funktionsweise er uns in seinem Geschichtsunterricht näher bringen wollte. “Um Gottes Willen”, mag da mancher pazifistisch orientierte Alt-Achtundsechziger Pädagoge gedacht haben. “Wieso muss man Blinden so etwas zeigen”. Ich denke, man muss schon. Dinge werden nicht dadurch besser, indem man sie verschweigt. Auf jeden Fall war das Ding aus Gibs gemacht, aus sehr vielen Kilo Gibs. Mein Rücken erinnert mich vermutlich manchmal noch heute an diese eine kleine Pause, an diese einen schneidendenSchmerzen in meinem Rücken. Zumindest kommt die Erinnerung daran, wenn er mal wieder zickt. Die Liebe zu Dietmar ist es aber Wert, sich auch mal über seinen Rücken an ihn zu erinnern. Nein, Quatsch, aber ich glaube, ich hatte bis da hin noch nie so etwas schweres in meinem leben getragen.
Aber zurück zum Archiv, Du alter Schwätzer…

In solch einem Archiv stieß er wohl auf die Vorlage zu dieser Sternenkarte. Da das Modell noch in Takt schien, wendete er sich an einen Lehrer, einem Bruder im Geiste, der noch an dieser Schule arbeitet und bat ihn, einen Folienabzug von dieser Karte extra für mich zu erstellen.

Wer das Modell, ich vermute mal in den siebziger Jahren des letzten jahrhunderts erstellt hatte, lässt sich leider nicht mehr genau sagen. Dieser Lehrer lebt mit Sicherheit auch nicht mehr. Es gibt mehrere Kandidaten, die dafür in Frage kämen, von denen mein pensionierter Freund noch welche kannte. Entweder ein Lehrer hat das Modell in seiner Freizeit erstellt, wie das noch zu meiner Zeit oft geschah, oder es gab auch Angestellte, die als Modellbauer an Blindenschulen arbeiteten. Heute heißen diese Zentren Medienzentren und deren Hauptwerkzeuge sind Computer und Spezialdrucker.

Diese technischen Entwicklungen haben natürlich den enormen Vorteil, dass man Modelle über Dateien leicht austauschen und auf Plattformen für alle zugänglich speichern kann, welche über die entsprechende Ausrüstung verfügen.

Das hat den Vorteil, dass diese so erstellten Modelle gleich allen zur Verfügung stehen. Früher haben sperrige Holz-Modelle u. Ä. die Mauern einer Blindenschule nie verlassen. Wollte beispielsweise eine andere Blindenschule auch eine Sternenkarte haben, dann wurde das Rad eben neu erfunden.

Der Pädagoge erwacht

Nun erzählte mir Dietmar, wie die Karte funktioniert. Zum Glück habe ich schon viel Erfahrung mit taktilen Sternkarten. Ich suchte sofort in ihrem Zentrum den Nordstern, den großen Wagen, der zum großen Bären gehört, die nördliche Krone und dann nach und nach die verschiedenen Sternbilder weiter außen. Bei den Tierkreis-Zeichen ist neben der Beschriftung in Punktschrift weiter außen noch ein Ring mit kleinen Modellen der Tiere angebracht, z. B. ein Fisch, ein Widder etc. So sprachen wir noch lange und erzählten uns auch gegenseitig unsere Eindrücke und auch Geschichten zu den verschiedenen Konstellationen. Mein Freund wollte absolut sicher gehen, dass ich alles auf dieser Karte erkenne. Er wollte sicher gehen, dass die Karte mich nicht enttäuscht. Ja, das dachte er wirklich. Ich weiß nicht wieso. Er ahnt nicht, oder vielleicht langsam, was für eine ungeheure Freude er mir da gemacht hat. Diese Karte ist weit mehr, als nur eine Sternkarte.

  • Sie verbindet mich mit ihm.
  • Sie verbindet mich mit dieser Schule. Ohne auf diese Schule gegangen zu sein, wäre ich niemals Astronom geworden.
  • Sie verbindet mich mit dem besten Physik- und Chemieunterricht, den ich je hatte. Ein ganzes Kapitel in meinem Buch, Blind zu den Sternen widmete ich diesem Unterricht, den ich an dieser Schule genießen durfte. Leider kann auch diese Lehrerin nicht mehr erleben, was sie mit ihren Stunden für einen Samen in mein Herz gesäht hat, und wie der aufgegangen ist.

Zusammenfassung, wie die Karte nun aussieht

Es gibt ganz unterschiedliche Sternkarten. Je nach dem, was man damit machen möchte. Ich besitze derlei vier, wenn ich die digitale Universe2Go-App dazu zähle.

Die einfachste Sternkarte, die ich besitze, kann ich eigentlich nicht nutzen. Man kann zwar die Leuchtfarbe und somit die Sternbilder ertasten, aber damit macht man sie auf Dauer kaputt, weil der Fingerschweiß sicherlich das Papier und diese spezielle Farbe zerstört.
Sie ist eine Tabelle aller Sternbilder. Sie ist auch ein wertvolles Stück aus der Zeitschrift Yps, die mein Jahrgang vielleicht noch kennt. Da waren immer so lustige Bastel-Sachen drin. Die Sternbilder auf dieser Karte leuchten nachts, wenn man sie z. B. mit einer Taschenlampe dazu anregt. Damit kann man eigentlich nur vergleichend nach dem suchen, was man am Himmel gerade gesehen hat. Somit ist sie eher nicht zur Orientierung günstig, denn aufgehende Sternbilder verändern ihre Winkel und welche, die nicht unter gehen, sieht man sogar auf dem Kopf. Wertvoll ist mir dieses gute Stück, weil ich es von einem Freund und ehemaligen Arbeitskollegen erhalten habe, der meinte, bei mir wäre es besser aufgehoben. Er liest hier mit, und somit brauche ich seinen Namen, er heißt Michael, hier nicht zu nennen. Ich bin stolz auf unsere Freundschaft und auf die Sternkarte natürlich auch. Leider habe ich noch kein Foto davon für euch. Müsste ich mal nachts machen lassen, wenn sie leuchtet. Ob das geht?

Die üblichsten Sternkarten sind rund und drehbar. die untere Scheibe zeigt, z. B. wie die Karte von Dietmar, den Nordhimmel. Damit man sich in diesem Wimmelbild besser zurecht findet, ist die Sternkarte mit einer Deckscheibe versehen, die eine Öffnung hat. Außen, wo sich die Tierkreiszeichen befinden, verfügt so eine Planasphäre noch zwei ringförmige sie umlaufende Skalen. Hier kann man Monat, Tag und Urzeit der Beobachtung einstellen. Oft auch nur Monat und Tag. Dann werden von der oberen Scheibe alle Sterne abgedeckt, die man zu dieser Einstellung eben nicht sehen kann. Dann findet man sich schon etwas besser zurecht.

Solch eine alte taktile Karte besitze ich auch. In der Schweiz hat sich vor sicher mehr als vierzig Jahren mal jemand die Mühe gemacht, so etwas für uns Blinde zu erstellen. Auch ich habe diese Karte aus dem Speicher unseres Institutes vor vielen Jahrzehnten gerettet. Ansonsten wäre sie längst schon verfallen. Ihre Folie wird schon langsam brüchig, und ich zeige sie nur noch ganz Hand verlesenen leuten.
Ihr, liebe Leser*innen gehört natürlich dazu. Hier ein Foto, wie ich mit der Karte arbeite.
Wie ich die Sternenkarte abtaste

An der Sternwarte St. Andreasberg ist eine sprechende Himmelsscheibe entstanden, die auf so einer Karte beruht. An deren Entwicklung war ich nicht beteiligt, aber ein blinder Physiker aus Kiel und der Verein Andersicht e. V., dessen Mitglied ich bin.

Nun ja, und jetzt haben wir eben noch die neueste wunderbare historische Karte aus der Nikolauspflege, gefunden von Dietmar, Kopiert für mich von einem Lehrer, der noch an dieser Schule arbeitet und gezeigt und präsentiert von mir.

Ihr könnt sie euch so vorstellen, wie das untere Blatt einer drehbaren Sternkarte. Sie hat außen keine Zahlen, um Datum und Urzeiten einzustellen und auch kein rundes Deckblatt, was einem den gewünschten Himmelsausschnitt zeigt.

Ich hoffe, dass man sie auf den Fotos gut sehen kann, denn sie ist ja nur taktil und einfarbig.
Ausschnitt Kartenzentrum

Ganze Karte

So, meine lieben.
Das war alles, ihr Leute,
das war alles für heute,
das war ein teil aus meinem Repertoire.

Dieser Artikel gebührt der Ehre für

  • Dietmar Boehringer, der die Idee hatte, mir von seinem Fund eine Kopie ziehen zu lassen.
  • Sie gebührt auch dem Lehrer, der die Kopie zog, und deshalb noch mein signiertes Buch erhalten wird,
  • meinem Freund Michael, der mir die Yps-Karte überlies,
  • dem Speicher unseres Institutes, der die drehbare Karte für mich bewahrte
  • vielen Mitarbeitern unseres Institutes, die mit mir gemeinsam meine taktilen Astromappen und Modelle entwickelten
  • meinen Vorgesetzten, die das alles mit tragen
  • Martin, der mit mir gemeinsam Universe2Go auf eine Ebene hebte, dass Orientierung am Himmel für uns nun klare Wirklichkeit ist.

Diese alle haben für uns blinde Menschen ein Tor geöffnet, das Tor zum Himmel.

Großes Finale – Jahresrückblick 2020


Liebe Leser*innen,
Ungewöhnliche Zeiten erzeugen ungewöhnliche Workflows. Noch nie habe ich einen Artikel geschrieben, veröffentlicht, verändert, und aktualisiert, um ihn dann wieder vom Netz zu nehmen, um euch eine komplett neue und überarbeitete Version anzubieten. Genau das ist mit meinem Jahresrückblick 2020 geschehen. Wer also schon den alten Artikel von vor drei Tagen gelesen hat, wird hier, in der neuen Version noch viele schöne weitere Dinge finden.
Also, was lernen wir daraus? Ein Schritt zurück kann manchmal viel bringen.
Genug der vorrede. Auf zum Artikel.

lange habe ich mir überlegt, wie sich mein Jahresrückblick in diesem schwierigen Jahr gestalten soll. Ich musste Ersatz dafür finden, wo ich sonst reichlich von meinen Veranstaltungen berichten konnte. Somit wird dieser Jahresrückblick ein etwas anderer werden, wie so vieles in diesem Jahr anders ist. Keine Sorge, es wird ein positiver Rückblick sein, denn im Rückblick konnte ich genügend Inhalte finden, dass es hoffentlich für einen schönen Jahresabschluss reicht.

Also los:
Das Jahr 2020 fing eigentlich ganz positiv an.
Im Grunde wäre ich bis Ende November 2020 mit ungefähr 20 Workshops und Vorträgen an unterschiedlichsten Orten reichlich ausgebucht gewesen. Geplant war, das 2020 das Jahr der Schulen werden würde. Ganz viele Veranstaltungen sollten in verschiedenen Schulen stattfinden. Nun ja, es kam eben anders, aber einige Lichtblicke gab es doch. Daran muss man sich in schweren Zeiten erfreuen, und mit etwas Übung gelingt das auch, zumindest durfte ich diese Erfahrung machen.

Verpacke mich doch als Geburtstagsgeschenk

Ende 2019 erhielt ich eine besondere Anfrage aus Baden-Baden. Eine ganz liebe Frau wollte ihrem Mann zu seinem 50sten Geburtstag eine besondere Freude bereiten. Sie bat mich, dass ich ihrem Mann einen Abend lang für seine astronomischen Fragen zur Verfügung stünde. Sie meinte, dass er sich so sehr dafür interessiere, und in seinem Umfeld niemanden hätte, mit dem er sich in diesen Dingen austauschen könne. Zunächst konnte ich mir nicht richtig vorstellen, wie das ablaufen soll, aber das war für mich ein Grund, dieses Ereignis zu wagen. Also sagte ich zu. Wir trafen uns somit in relativ kleinem Rahmen in einem Nebenraum im Kurhaus Baden-Baden Wer dort schon mal war weiß, dass das Buffet und der Wein dort legendär sind. Und so fragte mich das Geburtstagskind Kreuz und quer astronomische schwarze Löcher in den Bauch. Das war eine große Herausforderung, denn der Mann wollte sehr schwierige Dinge wissen, die für sich genommen alleine schon ein abendfüllendes Programm gewesen wären. Außerdem musste ich immer wieder mit scheinbaren Zusammenhängen aufräumen, die er sich so gemacht hatte. Das reichte teilweise von Fehlinformation bis hin zu Schwurbel.
Wie auch immer. Ich durfte einen Menschen sehr glücklich machen. Und so konnte ich viele Fragen zwischen den verschiedenen Gängen zum Buffet und reichlich Wein beantworten. Ich sage es ja immer.

Das beste Teleskop des blinden Astronomen ist das Weinglas.

Ein Astronom und ein Mediziner

Ende Januar hatte ich einen Auftritt ganz besonderer Art. Ich durfte gemeinsam mit einem Schlaf-Forscher einen Informationsabend über die zyklische Schlaf-Wach-Störung Non-24, die manche zu 100 % von Geburt an erblindeten Menschen haben, gestalten. Mondphasen gleich verschiebt sich das Wach-Fenster in wenigen Wochen durch den 24 Stunden tag, was das Leben sehr einschränken kann. Und hier konnte ich z. B. mit den Mond-Phasen und anderen zeitlichen Phänomenen anhand der Astronomie die Krankheit gut veranschaulichen. Teil eines medizinischen Vortrages zu sein war wirklich etwas ganz speziell eigenes. Es hat aber sehr gut funktioniert. Der Mediziner und ich ergänzten uns perfekt.
Ich schrieb darüber ausführlich in Wenn alles aus dem Takt gerät.

Was bei Kindern immer geht

Ende Februar war ich zu einem Kindergeburtstag geladen. Das Geburtstagskind ist sehr weltraumbegeistert. Seine Mutter backte eine Donauwelle die so gestaltet war, wie eine Spiralgalaxie. Workshops bei Kindern begeistern mich immer sehr. Es gibt nichts schöneres als Kinderfragen. Außerdem hatten die Kinder im Vorfeld Raketen und Raumschiffe gebastelt. Daraus machten wir dann einen kleinen Wettbewerb. Die Legorakete und mein Leuchtmond wollten sie gar nicht mehr her geben, aber ich konnte sie dann doch überzeugen, dass ich die Sachen ja auch noch anderen Kindern zeigen wolle. Die Kinderfragen waren so zahlreich und so verschieden, dass ich sie hier gar nicht aufzählen kann. Ich bin immer wieder darüber verblüfft, wie viel astronomisches Wissen die Kinder in ihre Kinderwelt einbauen.
Astronomie ist ein fairer und inklusiver Zugang zu Kindern aller Schichten und sonstiger Unterschiede. Alle, die vielleicht mal erwägen, derlei mit Kindern zu versuchen, sei mein Artikel Astronomie für benachteiligte Kinder wärmstens ans Herz gelegt. Astronomie lässt sich auch hervorragend mit Kindern wunderbar mit Sport verbinden. In meinem Artikel Astrosport beschrieb ich, wie Sportstudenten so etwas inklusiv realisierten.
Anmerken möchte ich an dieser Stelle noch, dass es, wenn das vielleicht auch manche vermissen werden, in meinen Vorträgen trotz Einverständnis der Eltern, niemals Kinderfotos geben wird. Das ist mit den heutigen Möglichkeiten einfach zu gefährlich, was damit alles werden kann. Das Internet vergisst nichts und Kinder sind dagegen wehrlos, wenn man sie im Netz präsentiert. Dafür bitte ich um Verständnis.

Ich bin dann mal wech

Dieser Vortrag war dann erst mal der letzte vor Lockdown1.
Der zwang mich natürlich auch zunächst mal in eine gewisse, nennen wir es mal positiv “Kreativ-Pause”. Ich musste die ganzen Konferenz-Tools bedienen lernen. Dann konnte ich mir erst darüber Gedanken machen, ob mein Angebot zumindest in Gewissem Umfang nicht auch online möglich wäre.
Dass mir der Lockdown durchaus nicht nur so leicht von der Hand ging, beschrieb ich ausführlich in meinem Corona-Report.

Gehversuche Rampensau Online

Gesagt, getan. Gemeinsam mit einem befreundeten Astronomen und Familienvater, im Hauptberuf Lehrer, planten wir zu Ostern zwei Kindervorträge. Wir sprachen vor allem darüber, wie Ostern astronomisch funktioniert, über Frühlingsbeginn und vieles mehr. Der Vater unterstützte mich tatkräftig. Er zeigte auf seinem geteilten Bildschirm Fotos, spielte Videos ein und somit hatten wir fast ein kleines Planetarium am Start. Natürlich hielt auch ich Dinge in die Kamera. Leider waren die meisten Modelle im Büro, so dass ich mich mit dem wenigen begnügen musste, was eben gerade verfügbar war. Die Kinder hatten großen Spaß daran, mich mit Richtungsangaben so zu dirigieren, dass das Modell gut für alle zu sehen war. Ich setzte die Anweisungen manchmal absichtlich etwas falsch um. Dann schrien sie durcheinander und es wurde ein lustiges Spiel daraus. Auf jeden Fall war das ganze dann so richtig inklusiv und hat sich wirklich für alle gelohnt.
Aus diesem Vorträgen hier mal als Beispiel eine Kinderfrage:

Gibt es auch das Gegenteil zum Supermond?

Zum Schluss gab es dann auch noch eine virtuelle Ostereier-Sternensuche, die mein Freund vorbereitet hatte.
Um ein Osterei der besonderen Art drehte sich dann schließlich auch mein Oster-Artikel 2020, Das Kosmische Ei.

Geht doch!!!

Sehr bald schon stellte sich heraus, dass der Lockdown meiner Kreativität für den Blog sehr gut tun würde. Ich konnte zu vielen Themen schreiben. Ganz besonders stolz war ich, als ich mit euch den einhundertsten Artikel feiern durfte. Scheinbar hat sich das auch auf große Zeitungen übertragen. Völlig überrascht war ich, als ich plötzlich von einem Freund erfuhr, dass ich einen Artikel in den Badischen Neuesten Nachrichten hatte. Und das in diesen Zeiten, wo an Vorträge etc. nicht zu denken ist. Ich war und bin also trotz aller sozialen Isolation doch noch nicht ganz vergessen. Das hat mir in dem Moment außerordentlich gut getan.

Der große bringer Neowise

Und nun nahte der Sommer. Alles stand im Zeichen des Kometen Neowise. Das war für mich natürlich ein extremer Ansporn, auch mal über Kometen zu schreiben. Artikel um Artikel mit wichtigen Themen rund um Kometen erschienen und es ist längst noch nicht alles über sie erzählt.
Hier meine Kometen-Geschichten in chronologischer Reihenfolge:

  1. Der Jupiter-Crash
  2. Mein erster Kontakt
  3. Kometensuche Inklusiv
  4. Abschied von Neowise
  5. Kometenangst und Kometenbahnen
  6. Kometenschweife und Sternschnuppen

Im Zeichen des Kometen lockerte sich dann langsam wieder alles, und mein wunderbarer Urlaub in Schwarzach, Österreich- Vorarlberg im Haus im Grüne durfte angetreten werden.
Besonders nach dem schweren Lockdown1 war dieser Urlaub um sowichtiger für mich.
Wie wichtig mir dieses Refugium, meinen Urlaub mit blinden Menschen zu teilen ist, beschrieb ich ausführlich in Urlaub von der Blindheit nehmen.
Da ich diesen auf vier Wochen ausdehnte, hielt ich natürlich auch einige Vorträge für die Gäste. Es ging um eine akustische Reise durch unsere Galaxis (Das Ohr am Teleskop)
um Sternschnuppen im Juli (Stichwort Sternschnuppen Hören und Sehen), um die Hundstage im August, über die ich auch
schon ausführlich in (Die Hundstage)
und selbstverständlich auch um den Kometen Neowise. Beim letzten Vortrag brachten die Angestellten des Hauses sogar Kinder mit. Aus Transportgründen gab es diesmal zwar keine Modelle zu bestaunen, weil der mobile Service der Bahn wegen Corona nichts ins Ausland transportieren wollte. Aber dafür fanden sich im Haus noch einige Flaschen mit Resten von Helium, so dass die Kinder wie die Micky Maus sprechen und Ballons fliegen lassen durften. Das war eine großartige Erholungspause für mich. Endlich mal wieder astronomische Rampensau und Liedermacher am Lagerfeuer sein dürfen…

Große Aufregung – Mein erstes Webinar

Im Oktober bahnte sich dann ein hoch offizielles Ereignis an. Ich sollte für ein Seminar zur Fortbildung für Personen, die in der Jugendfortbildung tätig sind, ein Webinar zum Thema Astronomie im inklusiven Unterricht halten. Das war ein spannendes Ereignis, denn für dieses Webinar durfte ich zum ersten mal mein neues Mischpult und meine Studio-Headsets und Mikrofone in Betrieb nehmen. Den Kram hatte ich mir im Lockdown gekauft, weil ich mir einfach mit so etwas schönem was gutes tun wollte. Außerdem verfolge ich noch immer den Traum, diesen Blog hier noch um einen Podcast zu erweitern. Dafür braucht man bissel krasse Technik. Dieses Webinar orientierte sich in erster Linie an meinem Buch. Die Technik funktionierte perfekt. Ich fand heraus, dass Rampensau auch ganz gut online funktionieren kann. Die Veranstaltung wurde sehr gut besucht, sehr gut angenommen und es wurden am Ende sehr viele spannende Fragen gestellt. Ich bin sicher, dass sich hieraus noch weitere Veranstaltungen ergeben werden, wenn wir mal wieder dürfen. Dieses Event hat meinem Netzwerk sehr geholfen. Ich bin schon sehr auf das Video gespannt, wenn das veröffentlicht wird.

Geisterstunde

Vollmond an Halloween, der gleichzeitig noch ein “Supermond” ist, haben wir auch nicht so oft. Von da her nutzte ich die Gelegenheit, mit oben genanntem Astro-Vater eine kleine Halloween-Party online zu versuchen. Das war sehr lustig. Wir sprachen über das Vollmond-Ereignis an sich, aber auch über Werwölfe etc. Ich führte dann mit den Kindern noch ein kleines Geräusche-Rätsel mit Grusel- und Tiergeräuschen durch.
Letztlich ist dann für uns erwachsene dieser Artikelauf dem Blog entstanden.

Weihnacht online

Normalerweise habe ich von Oktober bis Anfang Dezember die meisten Vorträge und Freizeiten. All dieses musste natürlich auf eine andere Zeit verschoben werden. Ein Highlight gab es aber dennoch Anfang Dezember. Wir entschlossen uns im Vorstand des Evang. Blinden- und Sehbehindertendienstes unsere traditionelle Weihnachtsfeier in diesem Jahr online anzubieten. Das war eine große Herausforderung, denn zum einen sind vor allem unsere älteren Mitglieder*innen technisch nicht so versiert, und zum anderen funktionieren Dinge, wie gemeinsam zu singen, online einfach nicht. Ganz erstaunlich war, dass sich dann doch mit einigen Anfangsproblemen um zehn Personen zu dieser Feier versammelten. Es gab viele zahlreiche Beiträge. Wenn wir gemeinsam singen sollten, dann wurden alle außer ich stumm geschaltet. Ich gab mit der Gitarre, meiner Stimme und auch mit Mundharmonika die Lieder vor, und so konnte jeder für sich im Bewusstsein, dass auch die anderen das tun, mit singen. Erstaunlicher Weise entwickelte sich die Feier auch online ganz wunderbar. Jeder hatte sich seine Weihnachtsumgebung aufgebaut und wir waren uns vielleicht sogar näher, als bei so mancher Feier, die gemeinsam in einem Raum stattgefunden hatte. Natürlich berichtete ich auf dieser Feier über die große Konjunktion und erörterte die Frage, “Was war der Stern von Betlehem“. Somit leuchtete dann auch der Weihnachtsstern über dieser Feier. Sie war ein großer Erfolg und alle loggten sich anschließend voller Weihnachtsstimmung und zufrieden wieder aus.

Fazit

Ansonsten war ja das Jahr 2020 trotz allem ein aufregendes Jahr. Da wurde Staub eines Asteroiden auf die Erde gebracht. Auch die Rückkehr zum Mond glückte, indem eine Sonde um zwei Kilo Mondgestein nach hause brachte und vieles andere mehr.
Pünktlich zu Weihnachten explodierte dann auch noch ein recht ordentlicher Brocken über der chinesischen Mongolei und bildete einen leuchtenden Feuerball.
Das findet ihr alles leicht im Netz, denn die Profis haben hier sehr ausführlich über all diese Dinge geschrieben. Bevor ich etwas nicht ganz richtig schreibe, verweise ich an dieser Stelle lieber auf jene, die das beruflich machen…

Als Fazit kann ich trotz aller Abstriche und Einschränkungen für mich sagen, dass das Jahr 2020 auch seine schönen Seiten hatte. Man muss sich immer ein Fensterchen für Sonnenstrahlen auf halten, um nicht in allem anderen zu ersticken.
Jetzt wünsche ich uns allen, dass das Jahr 2021 wieder etwas mehr Normalität in unser Leben bringen möge. Immerhin werden die Tage wieder Länger, die Welt wird wieder heller und auch bald wärmer.
Bis da hin mag sich vielleicht die eine oder der andere an meinen Artikeln über unseren Lebensstern wärmen.
Zum Sonnenstrahl bitte hier lang.

Nachruf auf einVorbild und einen großartigen Wegbegleiter – Professor Dr. Rudolf Kippenhahn


Liebe Leser*innen

bevor wir in unseren Themen zu Astronomie weiter machen, möchte ich hier sehr gerne einen kleinen Nachruf auf einen großartigen Astronomen und Sonnenforscher einfügen, der mir seit Mitte der 80iger Jahre des letzten Jahrtausends ein großer Wegbereiter war.

Am 15.11.2020 ist der große Forscher Professor Doktor Rudolf Kippenhahn mit vierundneunzig erfüllten Jahren von uns gegangen.

im Grunde zeichnet meine Physik- und Chemielehrerin dafür verantwortlich, dass ich mich ganz und gar 1987 der Wissenschaft und Astronomie verschrieb, und dass ich mich nach meiner mittleren Reife zu Abitur und Studium über den zweiten Bildungsweg entschloss. Da sie mich mit Prof. Kippenhahn in Verbindung brachte, ehre ich an dieser Stelle auch diese Wegbereiterin, die leider auch schon nicht mehr unter uns weilt.

Ein Samenkorn der Wissenschaft erblüht

Da die gesamten Rechte meines Buches wieder bei mir liegen, zitiere ich hier daraus:

Ausschlaggebend hierfür war der naturwissenschaftliche Unterricht in Physik und Chemie, den ich dort besuchte. Er wurde von einer Anthroposophin gegeben, die ich bis heute für die beste Blindenpädagogin in meinem Leben halte. Die Versuche und Experimente durften wir alle selbst durchführen. Der Umgang mit Säuren, Laugen, Bunsenbrenner und Elektrizität war nie ein Tabu, nur weil wir nicht sehen konnten. Die Versuche wurden so adaptiert, dass wir in der Lage waren, selbst zu den gewünschten Ergebnissen zu gelangen. Hierbei halfen oft ganz einfache Tricks, denn es gab noch keine sprechenden Messgeräte.
Bildete sich beispielsweise bei einem chemischen Versuch ein Niederschlag im Filter, wiesen wir ihn nach, indem wir das Substrat in eine alte Blechdose tropfen ließen. So konnten wir die einzelnen Tropfen gut auf dem Blech aufschlagen hören und merkten genau, dass der Filter sich zusetzte, wenn die Tropfgeschwindigkeit abnahm. Bald schon wurde ich davon gepackt und brachte mich aktiv in den Unterricht ein, indem ich Möglichkeiten entwickelte, Versuche für Blinde zugänglicher zu machen. Außerdem durfte ich mich an der Entwicklung einer Tafel beteiligen, mit deren Hilfe es Blinden möglich wurde, chemische Formeln mittels spezieller Formelbausteine zu legen.
Überhaupt war dieser Unterricht weit mehr als nur Physik und Chemie. Er eröffnete uns eine ganzheitliche Sicht auf die Welt. Diese Stunden waren gespickt mit Bezügen zu Philosophie, Religion und auch mit geschichtlichen Hintergründen.

Der erste Kontakt mit Rudolf Kippenhahn

Ich zitiere weiter aus meinem Buch

Bald schon merkte diese Lehrerin, dass ich für diese ganzheitliche Weltsicht sehr empfänglich war. Somit durfte ich oft mit ihr naturwissenschaftliche Vorträge in Stuttgart besuchen. Ganz eindrücklich in Erinnerung ist mir ein Vortrag über die Sonne von Rudolf Kippenhahn geblieben. Bis dahin wusste ich zwar, dass in der Sonne Wasserstoff zu Helium verbacken wird und darüber hinaus weitere schwerere Elemente entstehen, aber von Sonnenflecken, der Korona, den magnetischen Stürmen und Flares, wusste ich noch nichts.

Zur Erklärung: Flares sind riesige Explosionen auf der Sonnenoberfläche, bei welchen große Mengen an Teilchen in den Weltraum geschleudert werden können. Erreicht ein solcher Teilchenausbruch die Erde, so entstehen Nordlichter und magnetische Stürme.

Im Anschluss an den Vortrag fand eine Ausstellung statt, auf der unter anderem eine Weltraumkamera und vor allem ein recht großer Meteorit ausgestellt waren, den ich dann – von Prof. Kippenhahn ausdrücklich erwünscht! – anfassen durfte. Von diesem Moment an gab es für mich kein Halten mehr. An diesem Tag – es muss im Jahr 1988 oder 1989 gewesen sein –bin ich in meinem Herzen Astronom geworden.

Die zweite Begegnung

Meinen zweiten Kontakt zu Prof. Kippenhahn hatte ich Mitte der 90er Jahre.
In der Blindenhörbücherei entdeckte ich – auf ungefähr 20 Kassetten aufgelesen – das Buch
Der Stern von dem wir leben – den Geheimnissen der Sonne auf der Spur
Von Rudolf Kippenhahn, dem dieser Nachruf gilt und dessen Vortrag ich schon erwähnt habe. Mich faszinierte an diesem Buch vor allem, dass alle darin enthaltenen grafischen Elemente zusätzlich mit einer derart ausführlichen Texterklärung versehen waren, wie ich es selten bei anderen Autoren erlebt habe. Es schien fast so, als würde er auch an blinde Menschen denken, die auf derlei Beschreibungen angewiesen sind.
Vieles, was ich über die Sonne weiß, kam aus diesem Hörbuch und hat sich mit vielen anderen Quellen vermischt, so dass sich das gar nicht mehr ganz klar sagen lässt, aber er war der Türöffner und lies die Sonne in mein Herz, meinen Geist und meine Seele.

Kontakt Sonnenfinsternis

Ein großartiges Begleitbuch von Rudolf Kippenhahn war mir das Buch Schwarze Sonne, roter Mond das er quasi als Vorbereitung auf die Sonnenfinsternis, die am 11.08.1999 gut über Süddeutschland zu sehen war.
Hier nochmal ein kurzes Zitat aus “Blind zu den Sternen”

Aber lassen Sie mich an dieser Stelle erneut einen meiner größten Wegbereiter würdigen: Eine große Hilfe im Verständnis einer Sonnenfinsternis waren für mich zwei Bücher von Rudolf Kippenhahn: “Der Stern, von dem wir leben – den Geheimnissen der Sonne auf der Spur” und “Schwarze Sonne, Roter Mond”. Seine Bildbeschreibungen sind so, als wären sie ganz speziell für blinde Menschen eingefügt worden: klar, verständlich und präzise.

Ohne diese Bücher hätte ich die Sonnenfinsternis niemals so lebendig und anschaulich erleben können.
Lassen Sie mich hier noch kurz eine kleine Begebenheit erzählen, die sich so tatsächlich mit seinem Buch zu trug:

Die Finsternis auf der Flugroute

Anfang Januar 2015 unternahm ich mit meiner sehenden Arbeitsplatzassistenz
eine Dienstreise nach Istambul.
Folgendes ist dort auf dem Hinflug geschehen:
Der Pilot erklärte die Flugroute, indem er wichtige Länder, Städte und Meere aufführte, die wir nacheinander passieren würden.
Da kam mir die Reihenfolge und Aufzählung der Städte gleich irgendwie bekannt vor.
Und dann durchfuhr es mich wie ein Blitz.
Wir flogen fast exakt die Route entlang derer am 11.08.1999 die totale Sonnenfinsternis beobachtet werden konnte.
Ich fand dieses unglaublich schön. Glücklicherweise hatte ich noch das Buch “Schwarze Sonne, roter Mond” von Rudolf Kippenhahn zur Sofi 1999 auf meinem MP3-Player als aufgelesenes Hörbuch. So konnte ich gleich noch im Flieger meine Vermutung überprüfen. Ein Blick auf den Fahrplan dieser Sf ergab, dass ich im wesentlichen Recht hatte.
Dieses Heureka erlebte glaube ich der halbe Flieger mit, weil es mich unglaublich freute, in welchem Zusammenhang diese alte Sofi nochmal auftauchte.

Sein phänomenales Gedächnis

Ein mal durfte ich Prof. Kippenhahn noch vor einigen Jahren bei einem Vortrag erleben. Danach sprach ich ihn an, und er konnte sich noch an mich erinnern. Leider konnte ich ihm noch keine signierte Version meines Buches schenken, da es erst wenige Monate später erschien.

Auf jeden Fall danke ich ihm herzlich für den Weg, den er mir durch seine Bücher und seine Persönlichkeit öffnete. Er, meine erwähnte Lehrerin und noch viele andere führten mich zu dem, was ich heute in Astronomie lernen durfte, ermunterten mich zu meinem Buch und meinen sonstigen Astronomie-Veranstaltungen. Er entzündete in mir 1987 ein Feuer, das niemals erlöschen wird.
Die Sternwarte Peterberg in deren Vorstand und Leitungsteam ebenfalls eine Person mit starker Sehbeeinträchtigung sitzt, hat einen schönen und sehr lesenswerten Lebenslauf von ihm veröffentlicht.

Gehabt euch wohl und bleibt gesund.

Mein Corona-Report


Mein Corona-Report
Liebe Leser*innen,
eigentlich wollte ich nichts mehr in meinem Blog von Corona hören lassen, aber es haben sich doch einige Leser*innen fragend an mich gewandt, wie es mir in dieser Situation so geht. Somit habe ich mich entschlossen, hier mal abseits der Astronomie, einen Artikel zu veröffentlichen, der sich mit meiner Erfahrung mit Lockdown 1 beschäftigt. Hir also mein Corona-Report:

Der Anfang

Es bahnte sich an im März, dass wir bald alle ins Homeoffice verschwinden würden, dass Gastronomie und Schulen geschlossen, Einkauf ohne Assistenz unmöglich und auch kein Sport mehr stattfinden würde.
Und so ging ich zunächst meine Situation doch noch voller Kraft und Zuversicht an.

Beruflich konnte ich in der Tat vieles im Homeoffice erledigen, aber meine Arbeitsassistenz und ich, hatten zunächst keine Basis mehr, wie wir gemeinsam arbeiten konnten. Ich musste ihm schreiben:

Liebe Assistenz,
aufgrund des Corona-Virus sind fast alle von SZS ab morgen im Homeoffice. Das bedeutet, dass wir uns die nächsten Wochen nicht treffen können.
Wir können momentan online noch nicht zusammen arbeiten, weil noch nicht klar ist, welche Software eingesetzt werden darf und soll. Ich muss erst mal ohne Assistenz das alles selbst erlernen, was die Hölle wird.
Sollte ich eine Aufgabe für Dich finden, die Du von daheim aus machen kannst, lasse ich Dich das wissen.

Ich konnte Aufgaben und Wege finden, dass wir schon nach wenigen Wochen wieder langsam online zusammenarbeiten konnten.

Und dann ging es los mit Lockdown und Homeoffice

Zunächst sah alles ganz positiv aus.
“Beim Einkaufen wird mich jetzt zwei mal pro Woche, wenn es reicht, auch nur einmal, die Nachbarschaftshilfe unterstützen.”
So dachte ich mir das. Allerdings stellte sich bald heraus, dass die Helferin zur Risikogruppe gehörte und somit ausfiel.
“Außerdem werde ich mir für die Zeit vier mal die Woche über den ASB Essen auf Rädern bestellen, um nicht noch mehr einkaufen zu müssen. Ab wann das klappt, ist noch nicht ganz sicher. Da warte ich auf einen Rückruf.”
Auch dieses gestaltete sich schwierig, weil das System sehr stark belastet war im Lockdown. So entschied ich mich, den ASB nicht fürs erste zusätzlich zu belasten.
Zum Glück gibt es in unserer Gegend reichlich Restaurants, die auch in recht hoher Qualität liefern. Mit Liferando geht das alles sogar bargeld- und kontaktlos.
Allerdings mussten die Fahrer und ich uns erst aneinander gewöhnen. Am Anfang kam es vor, dass die Fahrer das Essen außen unten vor die Haustür stellten und nicht vor meine Wohnungstür. Da krabbelt man dann vor dem Haus herum, riecht sein Essen und findet es dennoch nicht, weil der Fahrer es irgendwo hin stellte, wo man es niemals vermutet hätte. Die Nachbarn gegenüber schauen zu, helfen aber nicht. Sehr demütigend… Dann entdeckte ich in der Liferando-App ein Kommentarfeld. Dort schrieb ich hinein, dass ich ob meiner Blindheit das Essen vor die Wohnungstür gebracht haben sollte. Ab da wurde das besser.
Zum Glück habe ich einen Mitbewohner, so dass ich nicht immer alleine bin und der mir auch mal hilft.

Ich hatte mir auch fest vorgenommen, jeden Abend einen lieben Menschen anzurufen oder auch mal mit mehreren z. B. online zu Abend zu essen. Das klappte auch einige Zeit ganz gut, bis ich langsam im Lockdown-Strudel versank.

Die nächste Klatsche war, dass mein Osterurlaub in Österreich auch abgesagt wurde.
Fast täglich erreichten mich nun Absagen von Vorträgen über Astronomie, die ich an Schulen und anderen Einrichtungen halten wollte. Bis Jahresende sind es um zwanzig Veranstaltungen gewesen.
Was sollte man machen. Ich dachte, jetzt kommt der Frühling und ich werde mit verschiedenen Navi-Programmen einfach üben, selbst spazieren zu gehen.
Der erste Spaziergang war dann auch fast der letzte. Als ich mich gerade dem Wald näherte, schrie mich plötzlich jemand an:

Hau ab in Deine Wohnung, willst Du krüppel uns anstecken? Verrecke lieber selbst an diesem Scheiß.

So war das. Das lasse ich jetzt einfach mal hier so stehen.
Bald schon wurde mir klar, dass man in diesen schweren Zeiten immer nur von einem auf den anderen Tag planen kann und dass man froh sein muss, wenn es einem gelingt, in seiner Tagesstruktur zu bleiben und nicht beispielsweise am Nachmittag schon sein erstes Bierchen öffnet. Rauchen tue ich allerdings leider seit Corona deutlich mehr, leider.
Aber so ganz allmählich fraß der Lockdown und die Lockerungen danach fast noch mehr, an meiner Seele.
In einem langen Hilferuf an einen Freund schrieb ich:

Ich muss schon sagen, dass es mir langsam reicht. Ich halte das psychisch nur noch wenige Wochen durch.
Die Probleme damit sind noch überschaubar, steigen aber gleichfalls langsam mehr als nur linear an.
Wahrscheinlich steigt gar nix an, ich kanns nur langsam immer schwerer ertragen.
Die ganzen Kämpfe mit bis zu sieben Team-Software-Programmen sind sehr schwierig. Da muss ich mich in diesen Dreck einarbeiten ohne Assistenz und Schulung. Das geht bei Teams z. B. quasi nicht. Öffnet man das zum ersten mal, sitzt man als Blinder weinend davor, weil nichts intuitiv geht, obwohl die Software an sich recht gut zugänglich ist.
Microsoft hat bei Teams die Barrierefreiheit wirklich gut durch dekliniert, aber ohne Anhaltspunkt, ohne eine visuelle Beschreibung, ohne einen Einstieg ist das verdammt schwierig.
Außerdem werde ich langsam für so einen Mist auch zu alt. Ich will, dass meine Kiste läuft, wenn ich den “Zündschlüssel” umdrehe.
Und dann vergessen Sehende stets, einem alles für den Einstieg zu erklären. Rings rum höre ich nur: “Bei mir war alles kein Problem” und der @Blindnerd fühlt sich als einziger Mensch auf der Welt, bei dem es, wie immer halt, mal wieder nicht funktioniert.
Die meisten dieser Programme sind nur teilweise bis gar nicht zugänglich. Und wenn sie es sind, dann muss man wissen wie, was ohne Einführung sehr mühsam zu erlernen ist.
Selten habe ich mich so oft als Idiot gefühlt, obwohl die Dummheit bei anderen lag. Selten in meinem Leben knallte ich dermaßen an die Barrieren meiner Behinderung.
Und ja, ich bin es nicht gewohnt, so rum eiern zu müssen. Nicht dass ich immer bei den besten und ersten sein muss, aber den Platz, auf den mich Corona in manchen, vor allem beruflichen Situationen verweist, verzeih die Arroganz, ist meiner nicht würdig. Du verstehst schon, was ich und wie ich es meine.
Ich hatte jetzt immerhin im April und Mai zwei Workshops zu Astronomie mit Kindern und deren Eltern online. Das hat gut funktioniert. Ich hielt den Vortrag und beantwortete die Kinderfragen und ein sehender Astronom spielte Fotos etc. in die Videokonferenz ein oder hielt Modelle in die Kamera.
Wir haben uns da vorher abgesprochen.
Betrüblich ist daran nur, dass ich mit diesem Angebot sicherlich nur Kinder von Bildungsbürgern erreiche und nicht die, die es so nötig hätten.
Daran kann ich aber leider nichts ändern. Die Welt ist, wie sie ist, manchmal ungerecht, und leider nicht so, wie wir sie gerne hätten.
Mir fehlt auch Sport und alles.
Ich merke auch, dass meine Fertigkeiten in Orientierung und Mobilität abnehmen und dass meine Ängstlichkeit größer wird, weil ich so selten raus komme. Nach dieser Krise werde ich ein anderer Mensch sein. Ich bin nicht sicher, ob die Rückkehr ins normale Leben ohne Therapie oder eventuelle Unterstützung von Seiten der Mobilitätstrainer stattfinden kann. Die werden aber dann auch völlig überlastet sein.
Naja, ansonsten behalte ich meinen Rhythmus schon bei und kriege die wesentlichen Dinge geregelt. Es wird halt alles immer mühsamer. Ich habe Angst, in eine Depression zu fallen. Das wollte ich eigentlich nie mehr erleben müssen. Das hatte ich schon über Jahre, wie Du vielleicht noch weißt.

Eine Bekannte, die beruflich coachings anbietet, bietet wöchentliche Krisengespräche online an. Davon mache ich Gebrauch. Das tut sehr gut.
Außerdem hält meine Psychotherapeutin mit mir ab nächster Woche Video-Sitzungen ab. Normalerweise hasse ich Video-Sitzungen, weil einem da jeder über die Kamera in die Wohnung, in den eigenen Saustall glotzt, und ich das bei anderen nicht kann, aber ich denke, dass für meine Therapeutin der Sichtkontakt auf mich, mein Verhalten und meinen Gestus wichtig ist.
Ich könnte mein Antidepressivum unter ärztlicher Kontrolle wieder hoch fahren, aber das will ich wirklich nur dann tun, wenn die innere Unruhe uferlos wird, weil ich die Nebenwirkungen scheue.
Es wird halt ab dem Zeitpunkt  bedenklich, wo einem nicht mal mehr die Dinge Freude machen, an denen man ansonsten Spaß hat.
Das ist bei mir noch nicht der Fall, ich komme dem aber näher.

Ab Montag, Mitte April, startet unser Sommersemester online. Ich bin gespannt, was das wird. Es kann sein, dass ich da mit unseren Studierenden viel zu tun bekommen werde, weil eben am Anfang erst mal nichts geht…

Naja, aber gerade diese Umstellung auf Online-Lehre bitet auch viel positives Potential.
Ich glaube schon, dass diese Online-Umstellungen gerade auch für unsere Studierenden eine Chance sein können, wenn die Angebote gut gemacht werden. Das wird in diesem Semester sicherlich noch nicht so sein, weil vieles mit heißer Nadel gestrickt sein wird. Das bedeutet dann für uns meist unüberwindbare Barrieren.

Sicherlich werde ich für diese Dinge ein Schulungskonzept für unsere Studierenden entwickeln, dazu muss ich die Werkzeuge für Online-Vorlesungen wie Teams, Zoom Skype und wie sie alle heißen, aber erst mal selbst beherrschen.
Die Frage ist, wer mich das lehren soll und kann.
Also bei Teams z. B. nutze ich mittlerweile nur noch die Iphone-App, weil die übersichtlicher ist.
Es wäre nicht auszudenken, wenn mich vor allem jetzt in der Krise ausgerechnet dieses Gerät verlassen würde.

Stell Dir mal vor, die Krise wäre in unserer Kindheit ausgebrochen.
Bei mir daheim hätte das Mord und Totschlag gegeben.
Außerdem hatte ich ja alle meine Freunde im Internat und nicht daheim. Von Telefon und Internet natürlich keine Rede.
Daheim war ich als Kind immer ein Fremder, weil ich nie da war. “Le métèque”

Die Lockerungen

Mittlerweile fühlte ich mich schon sehr gefangen in meiner Wohnung. Ich langweilte mich, wahr beruflich unterfordert, hatte kaum soziale Kontakte und fühlte mich sehr einsam und verblüht. Da freute ich mich auf die Lockerungen. Einfach mal wieder ins Büro fahren, wenn sich auch die anderen Mitarbeitenden noch zögerlich verhielten. Wir waren in Grunde nie wirklich richtig aus dem Homeoffice draußen bis der zweite Lockdown kam, mit all seinen Vor und Nachteilen…

Ich schrieb an einen Freund:

Heute bin ich mal wieder, natürlich unter der Maske, ins Büro gefahren. Ich konnte mir dort einen Arbeitsplatz zusammen stöpseln, so dass ich im Büro und daheim quasi gleichwertig arbeiten kann, sofern ich keine Punktschriftausdrucke erzeugen, oder was vom Labor brauche.
Ohne diese soziale Isolation könnte ich mich mit dieser Konfiguration direkt an eine Kombi zwischen Homeoffice und Büro gewöhnen.
Auf jeden Fall tut es gerade unheimlich gut, mal wieder draußen zu sein.
Es tut auch gut, Deinen Ärger mal zu erleben und wie Du ihm freien Lauf lässt. Ich verlange nicht, dass ein Land ohne Probleme mit so einer Situation fertig wird. So was kann man nicht vorher einplanen. Allerdings zeigt es uns deutlich, wie gefühlte fünfzig Jahre rückwärts gewandte Politik sich nun auswirken. Corona ist wie ein Vergrößerungsglas, wo durch wir jetzt sehen, was auch vorher schon im argen lag.

Die Religion des wildgewordenen Kapitalismus und Neoliberalismus hat kläglich versagt. Alles, aber auch wirklich alles, was wir Friedensbewegler schon Anfang der Achtziger Jahre sagten, tritt nun ein.
Und auf eine machtlose Konstruktion, wie die EU es ist, können wir wirklich scheißen, wenn zu Beginn der Krise einfach jedes Land unkoordiniert die Grenzen für lebenswichtige Wahren schließt und wenn der lupenreine Diktator von Ungarn mehr EU-Gelder erhält, als Italien in seiner großen Not…
Hach, man könnte sich am Stück aufregen und abkotzen.
Das ist eben der Vorteil an der Astronomie: “Sterne lügen nicht; sie schweigen.”

Ja, es ist momentan nicht ganz einfach, aber wenn ich jetzt, sagen wir ein zwei mal die Woche als Abwechslung ins Büro kann, dann geht es mir glaube ich schon viel besser.
Es tat heute richtig gut, mal wieder meine ganzen Modelle zu streicheln, die Planeten, die ISS, die Mondkarte und die Apollo.
Ich bete diese Dinge nicht an, aber sie fehlen mir sehr, wenn ich sie nicht spüren kann.
Schon die Gewissheit, dass meine Modelle mit im selben Raum sind, tut gut. Das geht mir übrigens mit meinen Gitarren ähnlich. Ich habe irgendwie überall in meinem Umfeld Gitarren. Bei meinem Freund steht eine, im Büro zwei, in Stuttgart auch eine und daheim sind auch noch so fünf sechse.
Das erspart viel Schlepperei.

Was mich allerdings, und das gilt jetzt nicht für Dich, etwas traurig macht ist, dass selbst jetzt in der Krise meine Arbeit in den sozialen Netzwerken nicht sichtbar gewürdigt wird. Ich teile, like und kommentiere jetzt vor allem Projekte, die wirklich wichtige Arbeit machen.
Das würde ich mir für meinen Blog auch wünschen.
Aber wer weiß. Vielleicht lesen ihn ja doch viele heimlich.
Diejenigen mit den vielen Likes sind meistens Mainstream und kaufen sich diese Likes vielleicht sogar.
Ich bin Stolz darauf, nicht Meinstream, nicht zeitgemäß und schon gar nicht zeitkonform zu sein.

OK, gelockert war jetzt vieles gutes. Man traf sich langsam wieder und das Leben nahm wieder Fahrt auf. Das galt allerdings nicht für uns menschen mit Blindheit.
bis auf die Schreibblockade, die eine blinde Bloggerin beschreibt, erlebte auch ich die Krise so, wie sie es sehr lesenswert und treffend formuliert hat.
Schlimmer noch. Ich habe keine sehenden Kinder, und keine sehende Partnerin,wie sie, die ich mit dem Auto einkaufen schicken kann.
Ich werde asozial beschimpft, wenn ich mal einen Abstand nicht einhalten kann.
Selbst der Gang zum Bäcker ist durch die Lockerungen zum Überlebenstraining geworden.
Nichts, aber auch gar nichts geht mehr selbstständig außerhalb der eigenen Wohnung.
Als alle im Lockdown waren, war das für alle klar, dass man sich hilft. Jetzt ist nichts mehr klar.
Trotz allem komme ich mit meinem Tonstudio, meiner Astronomie, meinen Gitarren und allem ganz gut durch.
Aber wir als Gesellschaft müssen uns schon langsam Gedanken darüber machen, wie menschenunwürdig ehemals selbstständige Menschen mit Einschränkung momentan leben müssen. Und ich jammere hier absolut auf sehr, sehr, sehr hohem Niveau.
Wie auch immer. Ich finde den Artikel sehr gut. Er zieht mich nicht runter. Ganz im Gegenteil. Es tut gut, von anderen zu lesen, wie sie das ganze erleben.
Hier findet ihr den erwähnten Artikel.

Und nun nahten die Sommerferien.

Wie immer wird die Zeit genutzt, um wichtige Ausbesserungen etc. am Schinennetz der Straßenbahnen vorzunehmen. Nicht zuletzt befindet sich Karlsruhe derzeit noch immer im Bann des Baues der kleinsten U-Bahn der Welt…
Ich informierte mich im Netz und begriff, dass ich in unfreiwilligem zweiten Lockdown sein würde für sieben Wochen.

Ich schrieb dazu an die Schwerbehindertenvertretung meines Arbeitgebers:

die geplanten Linienänderungen des KVV für die Sommerferien machen mir Angst. Ich bin in Rheinstetten quasi abgeschnitten. Es gibt eine Buslinie 14, aber das ist für uns in Corona-Zeiten wirklich schwierig. Man muss hinten einsteigen und kann den Fahrer nicht nach der Linie fragen. Wegen des Abstandes und der Maskenpflicht kommunizieren die Leute nicht mehr. Oft bekomme ich keine Antwort, wenn ich was frage oder Personen werden asozial und übergriffig, wenn ich versehentlich einen Abstand unterschreite. Ja, es ist schon so, dass die Lockerungen für uns Blinde manchmal die Hölle sind.

Kurz um. Vom 01.08. – 24.08. bin ich in Urlaub. Aber danach habe ich keine Ahnung, wie ich auch mal ins Büro kommen soll. Es müsste ja nicht jeden Tag sein. Wir machen alle noch Homeoffice, aber so zwei mal die Woche würde ich schon auch gerne mal ins Büro fahren. Haben Sie eine Idee, wie ich das lösen könnte, ohne um 120 Euro Taxi pro Woche ausgeben zu müssen?
Könnte das die KVV irgendwie unterstützen?

Niemand hat sich meiner Sache angenommen. Man hat es ausgesessen. Ich hatte vor meinem Urlaub nicht mehr die Kraft für irgend etwas zu kämpfen. Wäre dieser Urlaub nicht in Aussicht gestanden, hätte ich mich vielleicht sogar zum Selbstschutz in eine Klinik begeben müssen.
Gerade jetzt war es für mich ganz wichtig, mich mal wieder in mein Refugium mit blinden Menschen zurück zu ziehen.
In diesem Zusammenhang darf ich auf meinen Artikel Urlaub von der Welt der Sehenden aufmerksam machen.

Im Nachhinein

Baustellentechnisch liegt eine extrem harte Zeit hinter mir, wie ich das in 20 Jahren Rheinstetten noch nie erlebt habe. Ich war quasi völlig im Zwangs-Lockdown, komplett abgeschnitten. Die Ersatzhaltestelle für den Bus war für blinde Menschen nicht auffindbar. Dazu hätte es einiges an Training bedurft. Außerdem wäre es vom Lärm der Baustellen her kaum zu schaffen gewesen. Da man nicht vorne in Busse einsteigen darf, hätte ich auch den Fahrer nicht nach der Linie fragen können. Sicher wäre ich auch wieder einigen sehr diskriminierenden Situationen ausgesetzt gewesen, wenn ich z. B. den Abstand nicht einhalte, weil ich es nicht sehen kann. Ihr glaubt ja gar nicht, was man da sich manchmal anhören muss. Von verbalen Beschimpfungen, die an das Nazi-Regime erinnern, bis hin zu Übergriffigkeiten, dass man z. einfach mal weg geschoben wird, ist alles dabei.

OK, zwei der sieben Baustellen-Wochen war ich in Österreich in Urlaub.
Diesen habe ich dann spontan auf vier Wochen verlängern können, um dieser Situation zu entfliehen. Außerdem war an meinem Urlaubsort, einem Haus für Blinde in Österreich für mich gesorgt. Sogar Homeoffice konnte ich dort ohne Probleme machen. Somit blieben mir nur noch zwei Wochen, die ich überstehen musste, was mir auch gelungen ist. Hätte ich niemanden mit Auto gefunden, dann hätte ich nicht mal zum Rudern gehen können.
Ich kann gar nicht genug Dankbarkeit dafür empfinden, dass ich mir mit meinem Job so eine spontane Verlängerung leisten konnte und schließlich habe ich ja auch noch das Blindengeld. Das ist gerade in diesen Zeiten ein unverzichtbarer Partner…

Also wenn ich an die ganzen alten Menschen hier z. B. im Rösselsbrünnle-Altenheim denke, dann muss ich sagen, dass man in diesen Ferien den Bogen mit den Baustellen deutlich überspannt hat. In der Stadt war es ja auch nicht besser.
Ich dachte schon daran, die BNN in dieser Sache einzuschalten.
Mir lag aber vor allem vor dem Urlaub nichts an Kampf. Ich war am Ende und wollte einfach nur nach Österreich. Ich hatte keine Kraft mehr für gar nichts.
Nun ja, außen herum ist noch immer alles Baustelle bei uns, aber die Bahn fährt. Einkaufen geht deshalb momentan nur mit Assistenz oder online.

Ich kann euch sagen, dass ich keine Sekunde dieser vier Wochen und keinen Euro bereue. Noch nie war ich vor einem Urlaub so ausgebrannt, weil mir soziale Kontakte so sehr fehlten. Ich war auch ausgehungert nach gemeinsamen Musizieren und nach astronomischer Rampensau. Drei Singabende mit Lagerfeuer und drei astronomische Vorträge konnte ich in diesem Urlaub halten. Schon klar. Wir Blinden konnten natürlich den Mindestabstand nicht immer einhalten. Das geht unter blinden Menschen einfach nicht. Wie auch immer. Es war großartig. Ich bin sogar Segelfliegen und Gleitschirmfliegen gewesen.

Und es reißt nicht ab:

Wir haben es mittlerweile Anfang Oktober.
Ja, und wieder ist eine Urlaubswoche ausgefallen.
Zuerst eine Osterwoche in Österreich, dann eine Chorfreizeit und jetzt meine Herbst-Astro-Woche, wo ich immer zu verschiedenen Sternwarten fahre, um dort barrierefreie Angebote zu planen und zu beraten.
Eine christliche Freizeit, des EBSB, EBSBW und des EBS Rheinlandpfalz, die am Wochenende hätte stattfinden sollen, und die ich mit leiten sollte, ist auch abgesagt worden.
Gerade jetzt wäre eine solche Freizeit zum gemeinsamen Austausch und Trost für viele sehr wichtig.
Von meinen vielen ausgefallenen Vorträgen und Workshops ganz zu schweigen. Ganz viele Schulen etc. habe ich verloren. Nach der Pandemie kann ich mit meinen Netzwerken, die ich mir über Jahre aufgebaut habe, ganz von vorne anfangen. Jetzt, wo ich das Alter hätte, dass es mir langsam mit den Früchten meiner Arbeit gut geht, verliere ich wieder alles. Es ist bissel wie bei Hiob.
Und ich jammere hier noch auf sehr hohem Niveau. Trotz allem habe ich es ja noch gut.
Es ist schon biblisch bemerkenswert, wenn gerade durch die Pandemie Menschen wie ich ausgebremst werden, die den anderen Menschen so viel zu geben hätten.

Vor allem, wenn ich an die ausgefallene Chorfreizeit über Pfingsten denke, tut mir das Herz weh. Auf dieser Freizeit sind einige Menschen mit mehrfacher Behinderung. Diese Chorfreizeit sind quasi die einzigen vier Tage im Jahr, wo sie mal aus ihrem Wohnheim und Werkstatt heraus kommen.
Vor diesem Hintergrund gehe ich jetzt den zweiten Lockdown mit mehr Gelassenheit an. Demutsvoll denke ich, dass es mir ja noch gut geht bei all dem…
Ich wünsche euch, dass ihr gesund bleibt und gut durch diese schweren Zeiten kommt
Euer Blindnerd, der gegen die Dunkelheit anschreibt.

Kometengeschichten 3 – Kometensuche Inklusiv


Liebe Leserinnen und Leser,

Derzeit wird auf allen Kanälen der Astronomie im Grunde fast nur darüber gesprochen, dass der Komet Neowise momentan gut über Deutschland zu sehen ist. Es kommt durchaus nicht oft vor, dass man Kometen mit bloßen Augen sehen kann. Die meisten lassen sich nur in Fotos erkennen. Aber diesmal ist es eben so, dass man ihn einschließlich seiner Koma und seinen zwei Schweifen mit den Augen sehen und sogar mit dem Smartphone brauchbare Bilder schießen kann, was man so hört.

“Quengel, Ich will auch mitmachen…” denke ich mir da oft. Und ja, was soll ich sagen. Dank einer “Wunderapp” kann ich auf meine Art tatsächlich mitmachen. Darum geht es heute.

Auch ich habe meinen Kometen am Himmel. Ich kann ihn nicht sehen, kann ihn nicht hören, aber ich kann zu ihm finden und in seine Richtung schauen. Wie er aussieht etc. erklären mir die anderen und wie so ein Eiswürfel funktioniert, weiß ich eh ungefähr.
Mit bissel assistiver Technologie wird der Sternenhimmel auch für blinde Augen und Ohren transparent und super inklusiv.
Der Schlüssel zu diesem Erlebnis trägt den Namen Universe to Go.
Mein Erlebnis ist ein Beispiel dafür, wie moderne Kommunikations- und assistive Technologie uns ganz neue Türen öffnen.

Was ist U2G?

Das System besteht aus zwei Komponenten, einer App für IOS und einer Art Brille, in die man das Smartphone mit dem Bildschirm nach unten einlegt. Über Spiegel bekommen Sehende zusätzliche Informationen in ihre Welt der Sternenbeobachtung eingespielt. Unten im Artikel noch etwas mehr dazu.
Hier nun, wie ich Neowise fand:

Auf inklusiver Kometensuche

Im ersten Schritt ging ich die Einstellungen von U2G durch und überprüfte, ob z. B. Audioguide eingeschaltet ist. Den braucht man nämlich, damit der Sternenhimmel spricht. OK, alle Checklisten waren erledigt “We are ready for lounch.”

Als nächstes öffnete ich U2G und wählte den Astrobrillen-Modus. Nun forderte mich mein Smartphone auf, dass ich es oben mit der Kamera nach links kopfüber in die Brille einlegen solle. OK, Iphone rein und Klappe zu.
Da ich die App aus verschiedenen Gründen mal neu installieren musste, wurde meine Geduld nun etwas auf die Probe gestellt, denn ich erhielt die Einführung, obwohl ich schon weiß, wie man dieses “Raumschiff fliegt”. Naja, hatte ich bei den Einstellungen übersehen.

Jetzt ist U2G im Erkundungsmodus. Das bedeutet, dass ich mich drehen und meinen Kopf anheben oder senken kann. Dabei werden mir auch am Tage ungefähr die Sterne oder Deepsky-Objekte angesagt, in deren Richtung ich schaue. Was man angesagt bekommt, ist mit reichlichen Parametern einstellbar. Das führt jetzt aber hier zu tief in U2G.

Und jetzt wirds bissel difizil. Es geht nun darum, U2G in den Suchmodus zu bringen. Dazu senkte ich meinen Kopf ganz tief und hob ihn dann wieder wagerecht. Diese Geste öffnet und entsichert das Menü. Sehende haben nun eine Hand als Cursor und die Menüeinträge. Gesteuert wird nun mit dem Kopf.
Ganz vorsichtige kleine Nickerchen nach unten bringen mich zum Such-Menü. Ein entschlossenes Nickerchen nach rechts öffnet das Untermenü. Nun suchte ich nach dem Unterpunkt “Kometen”, denn man kann auch nach Sternen, Planeten, der ISS oder sonst was suchen.
Ich gebe zu, die Bedienung dieses Menüs muss mit viel Übung erlernt werden.
Und nun öffnete sich eine Liste mit seeeeehr vielen Kometen, die gerade mit Instrumenten oder im Fall Neowise auch ohne, am Himmel zu sehen sind.
Das strapazierte zugegeben die Geduld sehr stark, da das N ungefähr in der Mitte der Liste liegt. Bisher ist es leider so, dass man sich die ganze Liste vorlesen lassen muss. Ich setzte die Brille ab, unterlegte sie mit etwas, das auf dem Schreibtisch herum lag, damit U2G die Liste weiter durchgeht, und holte mir erst mal einen Kaffee. Als ich zurück kam, war die Liste schon beim H. Gefühlt Stunden später, kam er dann endlich, ich hörte den Namen “Neowise”. In wahrheit war es nur eine viertel Stunde…
Vorsichtig kippte ich die Brille nach rechts, um die Auswahl von Neowise zu bestätigen, denn verlieren wollte ich ihn jetzt nicht mehr. U2G akzeptierte meine Geste und begann mich zu Neowise zu führen.

Ich wusste von sehenden Astronom*innen auf twitter, dass ich ihn ungefähr beim großen Wagen oder dem Bären suchen sollte. Ich weiß natürlich, wo Norden in meinem Büro ist. U2G dirigierte mich mit Sprachkommandos wie Links, Rechts, Hoch und Runter zum Neowise. Kurz bevor man ihn hat, wirds ganz schön frickelig
Durch viel Übung mit U2G weiß ich ungefähr, wo ich hin muss, wenn ich ein Sternbild als Start habe. Das verkürzt die Suche natürlich sehr. Vielleicht das noch am Rande. Wenn ich mit U2G auf die Sternenreise gehe, dann gehen über mir die Lichter an. Allerdings reduziere ich im Kopf jedes Sternbild auf einen einzigen Lichtpunkt, weil das für mich keine große Rolle spielt, wie ein Sternbild aussieht. Das erschließe ich mir mit taktilen Abbildungen, wenn ich das genauer wissen möchte.

Es ist zwar kein Video, aber ich habe hier mal eine Aufnahme eingestellt, wie das klingt, wenn ich als blinder Sternengucker mit U2G etwas suche.
Zum Hörbeispiel geht es hier lang.

Fazit

  • Wie gesagt, konnte ich lediglich zum Kometen finden, aber sich erklären zu lassen, wo er ungefähr ist, ist eine Sache. Es selbst zu tun, ihn selbst zu suchen und dann auch zu finden ist etwas viel größeres. Selbst machen und erleben ist ein deutlich stärkerer Eindruck, als wenn einem das verbal beschrieben wird.
  • Die totale Mofi von 2015 konnte ich mit U2G ebenfals nachvollziehen.
  • Den Merkurtransit habe ich mit U2G hautnah selbst erlebt. Darüber durfte ich für Universe2Go einen Artikel über mein ersten Merkurtransit schreiben.
  • der Weihnachtsvollmond 2015 war auch ein Erlebnis, das ich mit U2G nachvollziehen konnte.
  • Verfolge ich die ISS, dann merke ich genau, wie schnell sie sich durchs Bild bewegt, indem ich einfach die Suche nach ihr wiederhole. Ich merke dann, wie sich meine Position im Raum rasch ändert.
  • Die Überraschung, wieviele Kometen immer irgendwo fliegen, ist der Hammer.
  • Grundsätzlich kann ich sagen, das U2G mein räumliches Himmelsverständnis erheblich verbessert hat.
    Natürlich muss ich auch erst mal suchen und mich zurecht finden, denn ich weiß auch nicht zu jeder Urzeit und Jahreszeit den passenden Himmel und was genau über oder unter dem Horizont ist. Aber nach kurzer Orientierung, Finden des Polarsterns und des großen Bären, weiß ich schon ungefähr, wie ich von einem zum anderen Sternbild gelange.
    Vor allem erlebt man über das Jahr wirklich sehr gut die Neigung der Erdachse zur Ekliptik und zum Zodiak.
  • Nun ja, bei all den wunderbaren Möglichkeiten darf man nicht verschweigen, dass die Benutzung von U2G nicht ganz trivial ist. Wie das bei einem sich entwickelnden System so ist, läuft noch nicht alles ganz rund, oder ist noch nicht fertig entwickelt. Es war ein steiniger Weg, den Martin und ich gegangen sind, bis alles so lief, wie es zumindest derzeit möglich ist. Früher gab es beispielsweise nach jedem IOS-Update Probleme. Dieser erhebliche Frustfaktor scheint seit einigen IOS-Versionen behoben zu sein.
  • Also ich würde schon sagen, dass man gute Chancen hat, U2G kennen und lieben zu lernen, wenn man es mag, mit Technik und Software zu spielen, und wenn man etwas ein Nerd ist.
    Ohne etwas Biss und Durchhaltevermögen, kann es leicht zäh werden, oder man muss sich halt etwas mehr helfen lassen.
    Hilfreich könnte zumindest am Anfang sehende Unterstützung sein, oder, dass man es in einem Workshop mit Mehreren kennenlernt.
  • Die Funktionsweise von U2G zeigt, dass diese Technologie der augmented reality durchaus Potential hat, auch für uns blinde Menschen sehr hilfreich zu sein. U2G spannt einen virtuellen sphärischen Sternenhimmel auf. Es wäre denkbar, auch andere Dinge in so einen Raum zu packen, um uns die Welt zu erschließen.

Nun folgt noch zum Schluss ein kleiner historischer Abriss darüber, wie es dazu kam, dass U2G sprechen lernte.

Wie alles begann:

Wie einige von euch wissen, durfte ich im Februar 2015 im Rahmen eines Vortrages mein Buch auf dem Literatursalon des BVN in Hannover vorstellen, das im Oktober 2015 erschien.
Zur Veranschaulichung der astronomischen Inhalte bestand im Anschluss an meinen Vortrag die
Möglichkeit, taktile Modelle und Grafiken abzutasten und anzusehen. An dieser kleinen Ausstellung beteiligte sich auch Utz Schmidtko, der damalige Leiter der barrierearmen Sternwarte St. Andreasberg der indem er einige wunderbare taktile Modelle der Mondscheibe und verschiedener Sternbilder beisteuerte.
Utz brachte mich mit dem Entwickler, Martin Neumann, von Universe2Go in Kontakt.
Auch Martin war anwesend und zeigte mir sein Projekt.
Wir fragten uns, ob es möglich sei, U2G für Menschen mit Blindheit zugänglich zu machen, was ich mir ehrlich gesagt erst mal nicht vorstellen konnte, denn Astronomie-Apps sind in der Regel höchst grafisch und nicht zugänglich.
Nun ja, wir brainstormten das ganze und es war sofort klar, dass wir uns hervorragend ergänzen und beflügeln würden.
Universe2Go besteht aus einer Art Brille, einem Iphone und einer App. Das Iphone wird in die Brille eingelegt und ermöglicht es so, den Sternenhimmel zu erkunden, indem man die auf dem Handy dargestellten Sternkonstelationen mit dem sichtbaren Sternenhimmel abgleichen kann. Interessanter weise bietet diese App auch sehr viel akustische Erlebnisse, die das Projekt extrem attraktiv auch für unseren Personenkreis macht.
Zu vielen Himmelsobjekten sind gesprochene Texte zur Erläuterung hinterlegt. So kann man sich über Entfernung, Helligkeit, Größe und viele weitere Parameter informieren. Außerdem sind schöne Geschichten, z. B. aus der Griechischen Mythologie hinterlegt.

Bis heute stehe ich mit Martin in gutem Kontakt und trage beratend zur Barrierefreiheit der weiteren Versionen bei und wir sind mittlerweile sehr gute Freunde geworden.

Universe2Go ist aber nicht mehr der einzige akustische Sternenhimmel, der Menschen mit Blindheit oder Restsehvermögen, Astronomie zugänglich macht.
Es gibt seit einigen Jahren auch noch die wunderbare Sprechende Himmelsscheibe das Projekt eines blinden Physikers, der auch hier mitliest. Realisiert wurde dieses Unikat über den Verein Andersicht e. V.

Nun soll aber zum Schluss der Entwickler von U2G selbst zu Wort kommen. Er wird uns nun berichten, wer er ist, was das Projekt will, wie er dazu kam und er wird damit den Artikel abrunden.
Bühne frei für Martin:

Die Astronomie hat mich schon als kleine Junge fasziniert. Daher regte sie meinen Erfindungsreichtum schon oft an und ich überlegte mir, wie man Menschen wieder häufiger dazu bringen kann, sich mit dem Sternenhimmel zu befassen. Seit der Einführung des iPhone sind viele Astronomie-Anwendungen für Smartphones entwickelt worden, die quasi wie eine interaktive (Kosmos-)Sternenkarte immer jeweils den Himmelsausschnitt auf dem Bildschirm anzeigen, der auf einer gedachten Linie dahinter liegt. Doch diese Anwendungen verleiten oft dazu, nur auf den Bildschirm zu starren und vom eigentlichen Erleben des Sternenhimmels abzulenken. Daher habe ich universe2go entwickelt. Dies funktioniert im Prinzip ähnlich, aber statt auf einen Bildschirm schaut man durch eine transparente Scheibe an den Sternenhimmel und bekommt zusätzlich Informationen zu den beobachteten Sternen, Sternbildern, Planeten und Deep-Sky-Objekten wie Galaxien, Sternhaufen und Nebel angezeigt. Das Projekt habe ich übrigens auf meinem 3D-Drucker entwickelt und eine Anschubfinanzierung über Crowd Funding (StartNext) und Crowd Financing (Zencap) eingeholt.

Utz Schmidtko von der Sternwarte Sankt Andreasberg hat mich kontaktiert und dadurch wurde ich überhaupt erst einmal darauf aufmerksam gemacht, dass sich auch blinde und sehbehinderte Menschen für Astronomie interessieren. Dann habe ich einen ganz tollen Vortrag von Gerhard im Februar 2015 in Hannover gehört, bei dem er aus seinem autobiografischen Buch vorgelesen hat. Das hat mich sehr beeindruckt und ich habe sofort beschlossen, universe2go auch für sehbehinderte Menschen nutzbar zu machen. Zum Glück machte meine Erfindung auch Gerhard neugierig und war schnell begeistert von den Möglichkeiten, die darin stecken auch wenn der bisherige Weg zur Nutzung des Programms für ihn noch sehr steinig war. Ich bin daher sehr froh, dass mich Gerhard nun mit seinem Enthusiasmus und mit Vorschlägen und Kritik dabei unterstützt universe2go für blinde Menschen leicht nutzbar zu machen.“

Hier kommen jetzt noch einige Links zu Universe2Go. Ich hoffe, die funktionieren noch alle, denn ich habe sie aus einem alten Text recycelt.

  • Käuflich erwerben kann man universe2go bei Astroshop.
  • Hier lang geht es zu häufig gestellten Fragen.
  • Herunterladen kann man sich universe2go hier:
    Für Android
    Für IOS
  • Zur Homepage von U2G geht es hier lang.
  • universe2go wurde teilweise über Crowd Funding finanziert:
    Die Crowd-Funding Kampagne bei StartNext: gibt es hier.
  • Mehr über den Hintergrund und die Entstehungsgeschichte von universe2go:
    Zeitungsartikel im Kölner Stadtanzeiger Blog-Artikel
    ZauberDerSterne-Blog schrieb hier.
    Clear Sky Blog verewigte U2G hier.

Kometengeschichten 2 – Mein erster Kontakt


Liebe Leserinnen und Leser,

Um 7000 Jahre müssen wir warten, bis der momentan sichtbare Komet Neowise wieder erscheint. So lange braucht der Komet, mit dem ich quasi meinen ersten Kontakt zu Kometen hatte, nicht.
In den ersten siebzehn Jahren meines lebens habe ich wohl mal das Wort Komet gehört, wusste aber wenig bis gar nichts über sie. Meine Flamme und Liebe zu ihnen entzündete sich 1986 an folgender Geschichte:
Zitat aus Blind zu den Sternen:

Glücklicherweise war am nächsten Tag schulfrei, sonst hätte ich im Fernsehen nicht erleben dürfen, wie die Raumsonde Giotto durch den Kometenschweif des Halleyschen Kometen flog. Hier waren sogar die auftreffenden Partikel zu hören, denn die Sonde hatte einen Sensor dafür hinter ihrem Schutzschild. Bedauerlicherweise erblindete die Kamera leider recht früh, weil ein Partikel den Schutzschild durchschlug. Nichtsdestotrotz gibt es Bilder des Kometenkerns, der Koma und seines Schweifes. Diese Mission war eine Glanzleistung der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Hätte sie nicht funktioniert, böte sich erst wieder das Jahr 2061 an, da der Komet nur alle 76 Jahre erscheint. Sein Auftauchen war durchaus nicht immer willkommen. Im Jahre 1910 fand man mittels Spektralanalyse des Schweifes Blausäure darin. Panikmacher dachten, jetzt würden alle eines Todes durch Blausäure sterben, wenn die Erde durch den Schweif fliegt.
Ein Englischer König wurde gekrönt, als der Komet gut sichtbar am Himmel stand. Es war kein gutes Omen für ihn, denn er verstarb noch im selben Jahr.
Der Fernsehsprecher erklärte sehr ausführlich, wie ein Komet aussieht, in welche Richtung sein Schweif zeigt und dass der Sonnenwind den Kometenschweif stets von der Sonne weg wehen lässt. Bis dahin wusste ich gar nicht, dass es einen Sonnenwind aus geladenen Teilchen gibt. Dieses Wissen hat mich damals sehr bereichert: der Schweif, der einer Fahne gleich im Sonnenwind weht.
Für jemanden, der einen Kometen zeichnet, ist das selbstverständlich, weil man ihn immer so sieht. Für einen Menschen mit Blindheit ist das keinesfalls selbstverständlich: Beschreibt oder zeigt man ihm das nicht, wird er es nie erfahren. Es ist ein schönes Gefühl, an den Sonnenwind zu denken. Die Vorstellung passt gut zur Wärme, die wir von ihr empfangen.
Aber auch hier wieder das schon bekannte Bild, dass wir Blinden keinerlei Zugang zu Astronomie hatten.
Da war ich quasi ein Einser-Schüler und wusste dennoch mit meinen 17 Jahren nicht, wie ein Komet aussieht.

Ich wusste nicht, dass sie aus Eis und Staub bestehen. Ich wusste nicht, dass sie einen Gas-Schweif und einen Teilchen-Schweif besitzen und wusste auch nichts über ihre Bahnen.
Spannend war für mich natürlich auch, dass bis heute Kometen nicht nur als Unheilsbringer dienen, sondern eventuell Kandidaten dafür sind, wie das Wasser auf die Erde gekommen sein könnte. Es wäre sogar möglich, dass sie die chemischen Formeln auf die Erde brachten, welche letztlich Leben ermöglichten.
Zu dieser Weltraum-Chemie hat Tim Pritlove noch nicht lange her, eine Raumzeit-Folge veröffentlicht, die ich wärmstens empfehle.
In Folge 79 interviewte Tim eine Professorin, die maßgeblich an den Missionen Giotto und der Nachfolgemission Rosetta beteiligt war und viel zum Thema Kosmische Chemie erzählt. Im gleichen Podcast werden in Folge 20 die beiden Missionen Giotto und Rosetta genauer behandelt. Der DLF brachte eine wunderbare Folge in Wissenschaft im Brennpunkt zu Rosetta heraus, die ich aber leider wegen Urheberrechten nicht hier teilen darf.
die @Riffreporter haben in ihren @Astrogeo-Podcast vor einigen Jahren auch maleine Folge mit der Dame aufgenommen. Zu dieser sehr hörenswerten Folge geht es hier lang.

So, meine lieben, das war meine zweite Kometengeschichte, mein erster Kontakt. Wenn sie gefallen hat, dann lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen. Und wer durch meinen Auszug aus meinem Buch vielleicht jetzt darauf aufmerksam und neugierig wurde, der oder demjenigen sei gesagt: “Ja, das Buch gibt es noch.” In der Menüleiste des Blogs oder gleich hier findet ihr alle wichtigen Informationen zu meinem Buch.
Bis zum nächsten Mal grüßt euch ganz herzlich
euer Blindnerd.

Wenn Sehende blinde Menschen fragen


Liebe Leserinnen und Leser,

nicht selten kommt es vor, dass ich als blinder astronomisch interessierter Mensch Dinge gefragt werde, die ich selbst noch nie gesehen habe. Wen wunderts. Im all hat fast niemand noch viel gesehen. Außer einigen Sternen hat auch der Mensch mit den besten Augen und Messinstrumenten nicht viel auf dem Konto. Etwa vier Fünftel des Universums sind für Licht-Augen nicht sichtbar. Und von dem Fünftel, was wir sehen, verbirgt sich noch so einiges hinter Staubwolken. Die Astronomen haben mittlerweile zwar Tricks, auch für Augen unsichtbare Dinge sichtbar, und auch hörbar zu machen, aber sehen ist das halt nicht.

Vor einigen Jahren, als ich gerade neu in einen Astronomie-Verein eingetreten war, wollte dieser im Rahmen eines Tag der offenen Türs einen Workshop für Neueinsteiger anbieten. Hier sollte in einem Vortrag erklärt werden, was man mit verschiedenen Messinstrumenten, Fernglas, Linsenteleskop, Spiegelteleskop etc. sehen kann und womit man finanziell tragbar einsteigen könnte.

Der Macher dieses Workshop fiel leider aus. In seiner Not rief der Organisator der Veranstaltung mich an. Er fragte mich, ob ich diesen Workshop und Vortrag übernehmen würde. Spontan sagte ich zu und bereitete mit meiner sehenden Assistenz die Folien für den Vortrag vor.
Einige Wochen später rief er mich bestürzt an und entschuldigte sich überschwänglich und herzzerreißend dafür, dass er mich als blindes Mitglied um so einen visuellen Gefallen gebeten hatte. Ich war noch so neu im Verein, dass er meine Blindheit einfach nicht auf dem Schirm hatte. Dann musste ich diesem sehr netten Menschen leider sagen, dass das Kind quasi schon in den Brunnen gefallen sei, weil der Vortrag mit seinen Folien und allem schon fertig war. Ich tröstete ihn, indem ich ihm sagte, da wir den Vortrag am hellichten Tage halten, kann niemand etwas von dem ausprobieren, was ich erzähle. Wie auch immer. Ich hielt den Vortrag unter einer sehr dunklen Sonnenbrille und verriet erst auf der vorletzten Folie, dass ich blind bin. Das war äußerst inklusiv und großartig.

In der Hauptschule sparte man das Thema Optik aus, weil wir blind sind und viele von uns mit Licht nichts anfangen könnten. Außerdem wäre es dann auch zu kompliziert für uns, meinten die Lehrer*innen. Zum Glück hatte ich später Anfang der 90er Jahre im Rahmen meines Physik-Nebenfachs im Studium nochmal die Möglichkeit, Optik zu lernen. Ich fand Optik eines der leichtesten Themen in diesem Studium. Wenn ich da an die Thermodynamik oder die Quantenmechanik mit ihren vielen langen Gleichungen denke, dann bin ich heute noch froh, die Klausuren bestanden zu haben.

Ich erzähle euch das alles, weil es immer wieder vorkommt, dass ich über an sich nur sehbare Phänomene befragt werde. Und wisst ihr was, das ist überhaupt nicht ungewöhnlich. Ich lebe ja in unserer gemeinsamen Welt, die nun mal einfach eine Welt des Sehens ist, mit allen vor- und Nachteilen, die das mit sich bringen kann. Im Gespräch darf ich immer wieder feststellen, dass unsere Welten gar noch so weit voneinander entfernt liegen. Es geschieht quasi nie, dass ich völlig daneben liege, wenn ich mir etwas visuelles vorstelle.

Deshalb schreibe ich heute mal über Seh-Fragen, die Sehende an den Blinden stellen.

Wie sieht der Himmel anderswo aus, fragte mich neulich eine blinde wunderbare Freundin. Gute Frage dachte ich. Wie sieht der Himmel denn bei uns aus?
Auf der Erde haben wir die helle Sonne, manchmal Wolken, die sehr unterschiedlich aussehen können, z. B. Regenwolken, Schäfchen, Gewitterwolken etc. Und Dann ist da irgendwo überuns der Himmel, der blaue Himmel. Und wenn man in die Ferne blickt, dann stößt der Himmel an der Horizont-Linie mit der Erde zusammen.
Und es ist bei uns auch an bewölkten Tagen, wo man keine Sonne sieht, überall ungefähr gleichmäßig hell.
Und nachts haben wir natürlich unseren Mond, der zu und abnimmt und manchmal einen Hof hat, wenn ein Vulkan gerade mal wieder viel Staub und Asche in die Atmosphäre geblasen hat.
Und dann sind da natürlich unsere Planeten, die ihre Stellungen zueinander ändern und gemeinsam mit unseren Sternen viel Raum für astrologische Schwurbelei bieten.
Manchmal huscht die internationale Raumstation durchs Bild und die vielen hunderte Kleinsatelliten verschmutzen unseren Nachthimmel und unsere Stadtbeläuchtungen etc. tun das auch, so dass der Himmel nachts an manchen Orten gar nicht mehr ganz dunkel wird.

Es ist noch gar nicht lange her, als man noch nicht wusste, dass die galaktischen Nebel auch Gebiete mit Sternen sind, die aber unser Sehsinn nicht einzeln auflösen kann.

Manchmal haben wir Glück und es ereignen sich Sonnen- und Mondfinsternisse. Nicht selten kann man auch Kometen erspähen, die von weit her kommen und u. U. tausende Jahre zu uns unterwegs waren.
Manche Haarsterne waren vielleicht da, als es uns Menschen noch gar nicht gab.

Zum Leidwesen aller Astronomen flackern und romantischer ausgedrückt funkeln die Sterne. Schuld daran ist die wabernde störende Atmosphäre, deren Dichte und Dicke sich dauernd blubbernd ändert. Sie ist halt nicht ganz durchsichtig. Sie ist der Grund dafür, dass unser Himmel blau ist. Wenn morgens und abends das Sonnenlicht in flachem Winkel durch dickere Luftschichten dringen muss, wird der blaue Anteil des Lichtes ausgefiltert, weshalb wir Morgenrot und Abendrot wahrnehmen. Ja, in Wirklichkeit haben wir dauernd nahezu alle Farben des Lichts. Das verrät sich in der Wunderbaren Ansicht eines Regenbogens. Kleine Wassertropfen in der Atmosphäre wirken wie Prismen und fächern das weiße Licht in seine einzelnen Farben auf.
So sieht grob der Himmel auf der Erde aus.

Wie sieht er aber woanders aus?
Die ersten, die ein Blick durch dieses Fenster hatten, waren unsere Mondfahrer. Da ist zunächst der Mondtag. Er dauert einen Monat lang. Das bedeutet, dass es ungefähr 14 Tage lang hell, und 14 Tage lang dunkel auf dem Mond ist. Der Mond hat keine Atmosphäre. Das hat weitreichende Konsequenzen, was den Anblick des Himmels vom Mond aus betrifft. Auffällig ist, dass der Himmel auf dem Mond nicht mehr blau, sondern schwarz ist. Man sieht die gleißende Sonne oder nachts auch Sterne. Diese flackern auf dem Mond nicht mehr, weil man nicht durch eine wabernde Atmosphäre blicken muss, um sie zu sehen. Es ist auf dem Mond auch nicht gleichmäßig hell, wie bei uns, da er keine Atmosphäre besitzt, an deren Teilchen das Tageslicht gleichmäßig gestreut wird. Das bedeutet, dass es in Blickrichtung dunkel ist, wenn man die Sonne im Rücken hat. Schattenwürfe auf dem Mond sind viel klarer und deutlicher. Selbstverständlich gibt es auf dem Mond durch die fehlende Atmosphäre und Wasserdampf auch kein Wetter. Der Mond hat kein Magnetfeld. Das bedeutet, dass jeder Kompass dort nicht funktioniert. Auch Polarlichter gibt es aus diesem Grunde auf dem Mond nicht zu sehen.

Astronauten berichten, dass man dort alles ganz nah sieht, weil keine Atmosphäre vorhanden ist. Man kann also Entfernungen nicht mehr so einschätzen. Bemerkenswert ist auf dem Mond der nahe Horizont. Der Mond ist viel kleiner als die Erde. Das bedeutet, dass sich seine Krümmung (Kugelform) deutlich früher bemerkbar macht, wenn man den Blick in die Ferne schweifen lässt. Man hat also auf dem Mond immer das Gefühl, gleich am Rande der “Scheibe” zu stehen. Wo auf dem Mond keine Sonne hin kommt, z. B. in einen Krater, dort ist es auch dunkel, weil es kein Zwielicht auf ihm gibt. Das macht sich auch in den Temperaturen auf dem Mond bemerkbar.

Es ist natürlich klar, dass man auf dem Mond keinen Mond sieht, weil man sich ja auf ihm befindet. Ein Foto ging um die Welt, dass ein Astronaut von Apollo8 aus schoss. Dort ist die Erde in ihrer blauen Luftblase zu sehen. Man sieht Wolken, Wasser und Kontinente. Auch Wüsten und große Städte kann man sehen. Das Foto zeigt, wie zerbrechlich unser Raumschiff Erde ist. Vergleicht man sie mit einem Apfel, so ist die Atmosphäre nicht dicker als seine Schale. Mondfinsternisse sollten ein beeindruckendes Schauspiel bieten. Ohne die helle Sonne würde man auf der der Erde zugewandten Seite beleuchtete Städte sehen, die sich langsam am Mond vorbei drehen. Sonnenfinsternisse dürften sich auf dem Mond kaum von normalen monatlichen Neumond-Ereignissen unterscheiden. Die sehen auf Erden deutlich spektakulärer aus.

Und naja, hören kann man auf dem Mond auch nichts. weil es keine Luft dort gibt, die den Schall transportieren würde. Die Astronauten hörten dort ihre eigenen Schritte nicht. Wahrscheinlich hörten sie schon etwas, weil ihr Raumanzug voll Luft gepumpt war. Vielleicht ein Rascheln, ein Klopfen, ein Rauschen der Überlebenssysteme etc. Aber etwas vom Mond hörten sie leider sicher nicht. Ich denke, es sollte sich im Mondstaub ungefähr so anhören, wie wenn man durch guten Schnee läuft, wenn es dort eben eine schalltragende Atmosphäre gäbe.

Physisch muss es auf dem Mond aber genial sein. Man wiegt dort nur ein sechstel seines normalen Körpergewichtes. Das bedeutet, dass unsere Muskeln, die zur Fortbewegung unseres Körpers auf Erden ausgebildet sind, ganz viel Kraft haben. Damit können wir beispielsweise sehr hoch springen. Auch wenn man hin fällt, tut es vermutlich auf dem Mond nicht mehr so weh. Also, bei allem wunderlichen Anblick auf dem Mond. Man kann dort nicht leben.
Interessant ist es aber schon mal, sich Gedanken darüber zu machen, wie dort so die Perspektive ist. Der erste, der das versuchte, war Johannes Kepler in seiner Mondgeschichte, über die ich vor Jahren schon schrieb.

Auf unserem inneren Planeten, dem Merkur, über dessen Mysterium mit den zwei Sonnenaufgängen ich schon schrieb, sind die Verhältnisse ähnlich. Keine Atmosphäre, große Hitze und sehr lange Tage. Der Merkur hat keine Monde. Was man allerdings interessantes sehen könnte ist, dass die Sonne unterschiedlich groß erscheint. In seinem sonnennächsten Punkt ist der Merkur etwa nur ein Drittel so weit von ihr entfernt, wie die Erde. Das bedeutet, dass man die Sonne dann neun mal so groß wahrnehmen sollte. Selbst in seinem sonnenfernsten Punkt ist der Merkur noch so nahe an der Sonne, dass man sie vierfach so groß sehen sollte, wie auf der Erde, da sein Abstand von ihr ungefähr die Hälfte des Erdabstandes beträgt.
Natürlich könnte man auf dem Merkur auch sehen, wie die anderen Planeten kreisen. Hören kann man auf dem Merkur natürlich auch ohne Atmosphäre nichts. Vielleicht kleinere beben, wenn man das Ohr an ihn legte. Ein Ruf in das Vakuum würde auf Merkur leider auch ungehört verhallen.

Auf der Venus wäre es ganz davon abgesehen, dass es an ihrem Boden um 400 Grad heiß ist, ziemlich interessant. Sie hat eine Atmosphäre, die 100 mal schwerer ist, als die bei uns. Das bedeutet, dass ein laues Lüftchen, das wir auf Erden angenehm empfinden würden, uns auf der Venus glatt umhauen würde. Die Venus erlebt momentan einen unglaublichen Treibhauseffekt. CO2, Schwefelsäure und andere unschöne und lebensfeindliche Gase würden uns das leben schwer machen. Die Sonne würde man vermutlich in dieser dicken und wolkigen Atmosphäre nie sehen. Man hätte nur ein fahles rötliches Zwielicht. An Sterne und den Mond ist auf der Venus nicht zu denken. Immer wolken verhindern den Blick auf die Sterne und einen Mond hat die Venus leider nicht.

Allerdings dreht sich die Venus falsch herum. Sie steht quasi auf dem Kopf. Vermutlich hat ein Einschlag sie auf den Kopf gekippt und möglicherweise auch den Treibhauseffekt auf ihr ausgelöst, weil z. B. alle Vulkane auf ihr gleichzeitig hoch gegangen sein könnten. Die Sonne auf Venus zieht also von West nach Ost.

Klingen würde in dieser dicken Atmosphäre alles viel tiefer wie bei uns. Helium, davon hören wir später, macht eine Micky Maus Stimme. Die dicke Venus-Luft macht alles tiefer.

Wo momentan jeder hin will, na klar, auf dem Mars.
OK, wirklich gut leben kann man auf dem Mars auch nicht. Die Luft dort ist sehr dünn und ihr fehlt das für uns wichtige Gas, der Sauerstoff. Ohne Treibhaus ist es auf dem Mars auch recht kühl. Immerhin hat der Mars zwei Monde, die Angst und Schrecken heißen, (Phobos und Deimos).
Auf dem Mars wögen wir auch ungefähr nur 1/3 unseres Gewichtes auf der Erde und durch die dünne Atmosphäre würden wir alles ganz leise hören. Es gab in der Vergangenheit schon Mars-Missionen, die ein Mikrophon dabei hatten, aber die sind leider dort nie angekommen.
Naja, momentan gibt es eine große Diskussion, ob es tatsächlich Metan auf dem Mars geben könnte. Metan wäre ein Bioindikator für eventuelles Leben. Tja, wie es aussieht, hat der Rover auf dem Mars seine eigenen Abgase gemessen. Das übertrage ich jetzt mal besser nicht auf menschliche Ausdünstungen…

Jetzt überschreiten wir die Schneegrenze unseres Sonnensystems und überlegen uns, wie das alles auf einem unserer großen Gasplaneten sein könnte.

Zunächst mal ist es schwierig, bei einem Gasplaneten die Atmosphäre zu bestimmen. Er besteht ja aus fast nichts anderem. Naja, da orientiert man sich an der Erde. Bei einem Gasplaneten, wie dem Jupiter, Saturn Uranus und Neptun definiert man einfach den Boden der Atmosphäre dort, wo auf der Erde Normaldruck herrschen würde. Boden hat man bei einem Gasplaneten zwar dann noch nicht unter den Füßen, weil es noch viele Kilometer weiter gasförmig weiter geht, aber man kann dann die Situation einfach vergleichen. Also der Jupiter hat viele Wolken und es herrschen häftige Stürme auf ihm. Die Wolken zeigen sich als sichtbare Bänder. Er dreht sich sehr schnell. Einer der großen Stürme auf Jupiter bilden den roten Fleck in der Nähe des Südpols. Das ist ein unglaublicher Sturm, wie er hier auf Erden vermutlich nie stattfinden kann. Jupiter hat ein enormes Magnetfeld. Das bedeutet, dass auf ihm enorme Polarlichter herrschen sollten. Das Wetter sollte viele Gewitter mit großartigen Blitzen und Gewittern erzeugen. Selbiges haben Raumsonden wohl auch schon gesehen. Die Sonne auf Jupiter wirkt schon deutlich kleiner als bei uns auf der Erde. Das wird natürlich nach außen hin zum Saturn, wo die Sonne nur noch die Größe eines Stecknadelkopfes hat, noch dramatischer. Ein Gasplanet und unsere Sonne auch rotiert nicht gleichmäßig, wie ein Starrer Körper. Die Sonne rotiert beispielsweise am Äquator rascher, als in ihrem Polregionen. So etwas geschieht bei Gasplaneten auch. Das bedeutet, dass die Lebewesen auf so einem Gasplaneten unterschiedliche Tageslängen hätten. OK, beim Jupiter-Jahr könnte man dann alle wieder einfangen, weil sich dieses durch seinen Umlauf um die Sonne definiert. Naja, auf einem Planeten wie Jupiter oder Saturn hätte man schon Probleme mit dem Mondkalender. Nach welchem Mond soll man ihn denn schreiben? Io, Europa, Ganymed und Kallisto.

Die Monde dieser Planeten sind durchaus interessant. Jupiters Europa oder Saturns Titan geben schon interessante rätselhafte Aufgaben auf. Es gäbe hier noch viel zu schreiben. Ich wollte in diesem Artikel einfach mal zeigen, wie interessant es ist, sich auch als blinder Mensch damit zu beschäftigen, was normalerweise einfach nur zu sehen ist.

Es kann gut sein, dass dieser Artikel sich noch weiter entwickeln wird. Ich stelle jetzt einfach mal die erste Version davon online.

Gehabt euch wohl, tragt fleißig eure Schnutendeckel und bleibt gesund.

Es grüßt euch herzlich

Euer Blindnerd.

Ein “Stern” der Arbeiterbewegung


Liebe Leserinnen und Leser,
So, die Feier zum einhundertsten Artikel ist vorbei. Heute erscheint nr. 101.
Eines ist aber noch nicht vorbei. Das Gewinnspiel.
Wer mag, darf gerne noch nachfeiern auf
Hundert Artikel auf Blindnerd mit Gewinnspiel
Nun aber zum heutigen zum Tag der Arbeit passenden Thema:

Einleitung

wer mich besser kennt weiß, dass ich immer in meinem Herzen für Freiheit und Gerechtigkeit brenne. Somit stehe ich bis heute für jemanden, dem sozialdemokratisches Gedankengut ein großes Anliegen sind.
Ganz besonders jetzt zeigt sich, dass es im Krisenfall vielleicht nicht die beste Idee war, alles, aber auch wirklich alles, dem Neoliberalismus und einem wildgewordenen Kapitalismus zu überlassen.

Ich bin davon überzeugt, dass ein System, das uns und unserer Welt nachhaltig dienlich sein soll, eher ein sozialdemokratisches linkes System sein muss, denn Kapitalismus betreibt immer Raubbau an der Schöpfung, wird immer in Ausbeutung, Krieg und Ungerechtigkeit münden.
Vielleicht finden wir ja gerade durch die Krise zurück zu wahrer Menschlichkeit, zu einer gesunden nachhaltigen Sozialdemokratie und zurück zu humanistischen Werten. Und vielleicht dient das dann alles auch der Rettung unseres Klimas.
Nun ist dieses Blog aber alles andere als ein politisches Blog. Das können andere besser.
Da aber die Astronomie etwas ganzheitliches ist, lässt sich das nie ganz vermeiden, was auch gut so ist.
So machte ich mich mal auf die Suche nach Astronomen, die sich auch, passend zum Tag der Arbeit, neben ihrer Forschung auch politisch im linken Spektrum engagierten.
Zugegeben. Viel habe ich nicht gefunden, aber das wenige, werde ich nun mit euch teilen.

Die Fundgrube Namens Florian

Jahrelang lese ich schon die Bücher des Astronomen, Buchautors und Science Busters, Florian Freistetter. Er führt auch das Blog Astrodicticum Simplex und publiziert auf allen Medien. Ganz herausragend ist sein Podcast Sternengeschichten.
In der Spektrum der Wissenschaft schreibt er die Serie “Freistetters Formelwelt”. Nicht zuletzt, und das dürfte vor allem den Hörbuchleser*innen die es ja unter uns Menschen mit Sehbeeinträchtigung reichlich gibt, gefallen;
Ganz viele Bücher von ihm gibt es ungekürzt auf Audible, meist sogar von ihm selbst gelesen. Ich kann alle empfehlen.
Gebt einfach seinen Namen auf Audible ein, und ihr werdet fündig.

Aber nicht er ist der gesuchte linke Astronom, oder vielleicht doch auch einer, so wie ich?
Es geht aber hier um einen Facebook-Artikel von ihm.
Zum 01.05.2015 veröffentlichte er einen großartigen Artikel zu einem kommunistischen Astronomen auf Facebook.

Zugänge zum gemeinten Artikel

Da Dokumente auf Facebook für viele von uns mit Hilfstechnologie nicht flüssig zu lesen sind,
folgt nun zunächst der Link zu Florians Artikel in zwei Versionen.
Einmal so, dass sich die große Facebook-seite mit Bildern und allem für Sehende öffnet, und einmal so, dass die mobile FB-Seite erscheint, die für uns Blinde besser zu lesen ist.

Zur großen Facebook-Seite
Zur mobilen Facebook-Seite

Ganz unten im Artikel, unter die Grußformel, kopiere ich den unveränderten und unbebilderten Text rein, damit ihn auch alle, die nicht Facebook machen, ohne Probleme mit ihrer Hilfstechnologie lesen können.

Ich wünsche euch, dass ihr mit mir empfindet, wie großartig die Astronomie hier uns wieder über den Tellerrand blicken lässt.
Wer noch mer über den Astronomen Pannekoek wissen möchte, findet alles auf
Dem Wiki-Eintrag.
Wenn es heute keine Maibummel geben kann, so wenigstens ein zum Anlass passender Artikel mit dem Wunderbaren Text von Florian Freistetter.
Und wenn es heute auch nur Online-Kundgebungen gibt, dann lasst mich jetzt dem Blog zum Trotze doch noch kurz persönlich politisch werden:
Wir müssen darauf achten, dass wir nach der Krise wirklich alle Freiheiten auch wieder zurück bekommen und vor allem, dass wir nicht aufgrund von Überkonsum aufgrund des langen Verzichtes, in unsere alten egoistischen, neoliberalistischen und Kapitalistischen Grundhaltungn und Gewohnheiten verfallen.
Die Hoffnung hege ich durchaus auch, dass unser Staat beispielsweise erkennt, dass es vielleicht doch nicht ganz klug war, alles zu privatisieren, um das Geschehen einem sinnlosen wildgewordenen Neoliberalismus und Kapitalismus zu überlassen. Es wird nun Zeit für eine neue Generation von Politikern. Gefühlte 40 Jahre Konservativismus reichen jetzt wirklich. Wer konservativ in der Vergangenheit lebt, kann nicht in die Zukunft denken. Weg mit diesem ganzen gescheiterten Leerer- und Juristenpack im Bundestag. Für Corona und Klimawandel bräuchten wir ein Drittel Ingenieure und Naturwissenschaftler im Parlament. Es reicht jetzt wirklich. Tragt Masken in der Farbe eurer wahl, aber rot in euren Herzen…

Auf gehts, Genossinnen und Genossen.

In diesem Sinne,
gehabt euch wohl,
passt auf euch und andere auf,
tragt brav eure “roten” masken
und bleibt gesund.
Euer Blindnerd.

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Anton Pannekoek: Zwischen Astronomie und Kommunismus
Von Florian Freistetter / 1. Mai 2015

Eigentlich muss man sich ja gar keine große Mühe geben um nach Anlässen für Artikel über Astronomie zu suchen. Jeden Tag veröffentlichen Forscherinnen und Forscher neue Erkenntnisse über das Universum. Teleskope, Raumsonden und Satelliten sammeln mehr Daten, als man auswerten oder verstehen kann und wenn man wollte, könnte man rund um die Uhr neue Texte über neue Forschung schreiben. Aber ich lasse mich bei der Recherche nach den Themen für mein Blog auch gerne mal vom Zufall treiben. Und probiere, Verbindungen zu finden, nach denen man normalerweise nicht sucht. Das ist vielleicht nicht immer unbedingt sinnvoll – aber man entdeckt dabei meistens Themen, auf die man sonst nie gestoßen wäre! Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass man von Zwiebelkuchen zur Entstehung des Lebens auf der Erde gelangen kann? Oder vom Tag des deutschen Biers zum Begründer der Mond-Kartografie? Es lohnt sich also (das ist zumindest meine Meinung) auch den absurden Verknüpfungen zu folgen. Das habe ich mir auch an diesem Morgen gedacht und weil ja heute der erste Mai, der “Tag der Arbeit” bzw. “Kampftag der Arbeiterbewegung” ist, habe ich mich mal umgesehen, was das Thema “Astronomie und die Arbeiterbewegung” so hergibt. Und bin dabei auf Anton Pannekoek gestoßen.
Maifeier_Volksstimme_Frankfurt_1901
Pannekoek wurde 1873 in den Niederlanden geboren. Er studierte Astronomie an der Universität Leiden und wie das oft so ist während eines Studiums, begann er sich dabei für Politik zu interessieren. Pannekoek beschäftigte sich um 1900 herum nicht mehr nur mit Astronomie, sondern auch immer mehr mit Marxismus und Sozialismus. Er machte nicht nur seinen Doktor in der Astronomie, sondern entwickelte sich auch zu einem anerkannten marxistischen Theoretiker, dessen Schriften in deutschen und niederländischen Zeitungen publiziert wurden. 1906 ging Pannekoek nach Deutschland, trat in die SPD ein und wurde Dozent an deren Parteischule. Das durfte er aber nur kurz tun; dann wurde es ihm verboten – mit der Drohung, ihn aus Deutschland auszuweisen, wenn er weiter dort unterrichten würde. Pannekoek engagierte sich weiter in der sozialistischen Bewegung, musste bei Ausbruch des ersten Weltkriegs aber zurück in die Niederlande gehen. Dort begann er sich für den Rätekommunismus einzusetzen (das ist – einfach gesagt – eine Gesellschaft, die weder von einem Parlament, noch einer einzigen Partei regiert wird, sondern sich nach basisdemokratischen Prinzipien kollektiv selbstverwaltet und in vielen kleinen Räten organisiert). Damit stand Pannekoek nicht mehr nur im Widerspruch zum Kapitalismus und der parlamentarischen Demokratie, sondern auch zum Marxismus-Leninismus (und zu Stalin sowieso). Er trat verschiedensten linken Vereinigungen und Parteien bei; ebenso oft wieder aus und publizierte seine Theorien zum Rätekommunismus, die in den 1920er Jahren durchaus großen Einfluss auf die politisch linke Szene hatten. In den 1930er Jahren und dann nach dem zweiten Weltkrieg zog er sich aus der politischen Theorie aber immer weiter zurück und veröffentlichte nur noch selten etwas (privat arbeitete und korrespondierte er aber weiter zu diesen Themen).
Seine astronomische Arbeit vernachlässigte Pannekoek bei all der Politik aber keineswegs. In seinen frühen Arbeiten beschäftigte er sich vor allem mit veränderlichen Sternen und publizierte Beobachtungen zu ihren Helligkeitsänderungen. Später ging er dann auch fundamentalere Themen an. 1919 erschien zum Beispiel eine Arbeit mit dem Titel “The Distance of the Milky Way”. Darin ging er der Frage nach, wo sich die Sonne (und mit ihr die Erde) in Bezug auf den Rest der Milchstraße befindet. Das war damals ein wichtiges und vor allem ungeklärtes Problem! Weder wusste man zu Beginn der 1920er Jahre, ob es neben der Milchstraße noch andere Galaxien im Universum gibt oder die Milchstraße das Universum ist, noch war man sich über die Struktur der Milchstraße im klaren. Erst die nächsten Jahre brachten hier Aufklärung, als Edwin Hubble und seine Kollegen zeigen konnten, dass es neben der Milchstraße tatsächlich noch viele andere Galaxien gibt und das wir uns in unserer Galaxis am Rand befinden.

Das war zur Zeit Pannekoeks noch alles andere selbstverständlich. In seinem Artikel schreibt er über Beobachtungen des Astronomen Harlow Shapley, die nahelegen, dass sich die Sonne nicht im Zentrum der Milchstraße befindet:
“Now, Shapley’s result, that in the universe of globular clusters the sun occupies a very eccentric position, is contrary to the common view, which places the sun in our galactic system not far from the center.”
Die Beobachtungen, nach denen die Sonne also eher am Rand der Milchstraße sei, würden – so Pannekoek – der “allgemeinen Ansicht” widersprechen, dass wir in der Nähe des Zentrums beheimatet wären. Pannekoek ist aber von der Korrektheit der Messungen überzeugt und kommt in seiner Arbeit ebenfalls zu dem Schluss, dass wir uns am Rand befinden:
“The sun must then be situated near to the limit of the system in the direction of Perseus.”
Später wechselte Pannekoek von der reinen Beobachtung der Sterne zur Erforschung ihrer Eigenschaften und Entwicklung und war maßgeblich daran beteiligt, diese damals noch neue Disziplin der “Astrophysik” in den Niederlanden zu etablieren. Noch später begann er sich dann auch für die Geschichte der Astronomie zu interessieren und sein Buch auf diesem Gebiet gehörte lange Zeit zur Standardlektüre (und ist immer noch erhältlich*!). Zu seinen vielen Veröffentlichungen über historische Astronomie gehört auch ein interessanter Artikel aus dem Jahr 1930 mit dem Titel “Astrology and its Influence upon the Development of Astronomy”. Darin stellt Pannekoek die Sonderstellung der Astronomie heraus, als Wissenschaft, die im Gegensatz zu den meisten anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen eine viel längere Geschichte hat. Wo die anderen Wissenschaften quasi erst vor ein paar Jahrhunderten in den Universitäten entstanden, so Pannekoek, stammt die Astronomie noch aus einer viel älteren Zeit, in der die Suche nach Erkenntnis von deutlich unwissenschaftlicheren Motiven gesteuert wurde. Die Astronomie musste sich erst mühsam davon lösen und dabei die Astrologie abschütteln. Gleichzeitig betont er aber auch, dass die Astrologie den Babyloniern und später auch noch einmal in der Renaissance als Motivation diente, jede Menge Daten über die Himmelskörper zu sammeln, die dann zur Grundlage großer astronomischer Erkenntnisse wurden. Sein Text endet mit folgenden Worten:
“Astrology did not at once disappear, but its practice and theory are now only possible as a superstition, outside of science and beneath it. The astronomers now see new and other larger aims before them. The principle of which it once was the expression, the conception of the unity of the whole world, had now to take a new form; to find not the connection of universe and man – for man is now only a small and accidental attribute to one small planet – but to find the laws of the universe itself. On this new path astronomy has gone upward during the following centuries.”

Nach Pannekoek wurden ein Krater auf dem Mond und ein Asteroid benannt, er bekam die Goldmedaille der Royal Astronomical Society und das Astronomische Institut der Universität Amsterdam trägt heute seinen Namen.
Pannekoek starb am 28. April 1960 und auch wenn er mit seinen politischen Überzeugungen die Welt nicht verändert hat: Mit seinen wissenschaftlichen Leistungen hat er auf jeden Fall dazu beigetragen, dass wir sie besser verstehen können!
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Große Frauen in Astronomie und Wissenschaft – Zum Frauentag 08.03.2020


Liebe Leserinnen und Leser,

auch in diesem Jahr möchte ich der Tradition treu bleiben, zum morgigen Weltfrauentag, 08.03.2020, einen Beitrag zu veröffentlichen, in welchem eine Astronomin als Beispiel für große Frauen gewürdigt werden soll

Prolog

Noch immer ist die Gleichstellung von Frauen in Forschung, Wissenschaft, aber leider auch noch in so vielen anderen Dingen längst nicht erreicht.

Die Welt blickt momentan fassungslos, sprachlos, vielleicht auch ratlos und im Falle Europas für meine Begriffe tatenlos auf die tragischen Geschehnisse in Syrien und auf die daraus resultierenden menschenverachtenden und unwürdigen Zusammenstöße zwischen Militär und fliehenden, die woanders Hoffnung auf Ruhe, Frieden und ein besseres Leben suchen. Ihren Familien entrissen, der Heimat entwurzelt, verletzt, gequält und geschunden, erleben sie Ablehnung, Gewalt und Hass. Und das leider auch von den reichsten Ländern der Welt.

Auch hier im Land rüsten Faschisten in Wort und Tat auf, gegen den eventuellen Anstieg der Flüchtlingswelle. Und die Gegenwehr von Politik und Gesellschaft ist schwach, verhalten und toleriert diese Kräfte, die unseren freiheitlichen Staat bis in die obersten Ebenen hinein mittlerweile durchsetzen, und diesen von innen her zerstören versuchen.
Selbiges gilt auch für viele weitere Länder Welt weit.

Für “Wehret den Anfängen” ist es längst zu spät. Dazu ist dieses Gift schon viel zu tief in unsere Gesellschaft gesickert, aber für Widerstand ist es dennoch nie zu spät.
Aus diesem Grunde geht es heute um eine Astronomin, die um das Jahr 1000 in Syrien lebte und wirkte.
In Syrien mit seiner jahrtausend alten Kulturgeschichte, ein wesentlicher Teil der Wiege Europas.

Das Portrait von Mariam al-Asturlabi

Mariam al-Asturlabi lebte und wirkte um 944 – 967, also um 1000 nach Christus in Aleppo im Norden Syriens. Ich bin nicht ganz sicher, ob sich diese Zahlen auf ihr, oder ihres Vaters leben beziehen. Sagen wir also um 1000 herum.
Sie entwickelte und fertigte im 10. Jahrhundert Astrolabien.
Das sind Messinstrumente, mit denen man sich am Himmel orientieren kann. Weiter unten im Artikel werde ich versuchen zu beschreiben, wie so ein Instrument funktioniert und ungefähr aussieht.
In diesem Sinne war ihr Nachname Programm. Kann sein, dass der vor ihren Erfolgen anders lautete…

Ein gewisser Muhammad Al-Fazari soll der erste gewesen sein, der im achten Jahrhundert beim Bau eines Astrolabiums in der islamischen Welt geholfen hat.
Sie griff es auf und entwickelte es weiter und perfektionierte dieses Astrolabium.

Ihre Arbeit war sowohl kreativ als auch innovativ. Ihr Vater war Lehrling bei einem bekannten Astrolabium-Hersteller, und sie studierte bei ihm als seine Schülerin.
Sie entwarf offensichtlich auch neue Astrolabien

Der Damalige Herrscher Aleppos, Sayf Al Dawla, wurde auf sie und ihre Fähigkeiten aufmerksam und stellte sie als Astrolabien-Bauerin an seinem Hofe ein.
Darüber hinaus half sie auch bei der Weiterentwicklung von Navigations- und Zeitmessungstechniken.
Was mit “Messtechniken” an dieser Stelle gemeint ist, konnte ich leider nicht klären.
Al-Ijliya, wie sie auch genannt wird, ist ein Beispiel dafür, dass das Streben nach Wissen im Islam gefördert und Frauen zu dieser Zeit offensichtlich nicht von Forschung und Wissenschaft ausgeschlossen wurden. Sie galt als eine bedeutende Wissenschaftlerin dieser Zeit.

Tatsachen aus Religion und Gesellschaft

Auf jeden Fall ist es sehr bemerkenswert, dass es offensichtlich möglich war, sich als Frau und Wissenschaftlerin in der Hochkultur des Islam zu behaupten, zu bewähren, und auch Würdigung und Anerkennung zu erfahren. Das war die Zeit, in der Gelehrte des Islam Europa, im ersten Jahrtausend in tiefsten Mittelalter versunken, Astronomie, Geschichte, Philosophie und Kultur bewahrte und zurück gab.
Vieles aus Mathematik und Medizin verdanken wir dieser Hochkultur, die offensichtlich frauenfreundlicher war, wie dem Islam es heute oft unterstellt wird. Ich bin kein Kenner des Islam, aber es scheint so zu sein, dass der Ur-Islam gar nicht so frauenfeindlich war, wie wir immer denken, dass der Islam es sei. Wahrscheinlich ist das, was wir heutzutage in manchen islamischen Ländern erleben, und was wir berechtigt als frauenfeindlich bezeichnen, gar nicht die Schuld des Islam an sich, sondern resultiert aus der dort vielerorts gelebten Kultur und Regierungsform. Auch wir Christen sollten das bedenken, dass im Mittelalter Kreuzzüge, Hexenverbrennungen und mehr Unrecht im Namen Gottes geschehen sind. In der heutigen Zeit ist ein christliches Land, wie Deutschland, einer der größten Waffenexportöre der Welt, obwohl das neue Testament rät, die andere Backe hin zu halten, wenn dir einer auf die eine Backe schlägt, obwohl es das Gebot gibt, dass man nicht töten soll,
obwohl Jesus im Gleichnis mit der Hure denjenigen aufforderte, welcher ohne Sünde sei, den ersten Stein zu werfen.
Es gibt also genügend Vergleiche, die dem kriegerischen Tun mancher Muslime sehr ähnlich sind. Und noch eines. Auch in unserer christlichen Welt sind Frauen noch immer in nahezu allen gesellschaftlichen und vor allem in beruflichen Bereichen nicht gleichberechtigt, von der Bezahlung angefangen, bis hin zu Aufstiegschancen im Beruf und anderen gesellschaftlichen bereichen.
Den Zöllibat, die Beichte und die Verehrung von Heiligen, gibt es sowohl in der Bibel, als auch im Koran nicht.
Ein Satz der Aufklärung noch zum Schluss dieses Abschnittes:
Ein sprachliches unhaltbares Ungleichgewicht ist meiner Meinung nach, dass ein Muslime, der sich, wodurch auch immer motiviert, terroristisch benimmt, ein Islamist genannt wird. Ein Pendant für einen Menschen, der in gleicher Weise als Christ sich schuldig macht, gibt es nicht. Das führt zu einer sprachlichen Verzerrung, die letztlich jeden, der dem Islam angehört, zu einem Islamisten macht. Wenn dieser Unterschied zwischen Muslim und Islamist sprachlich mehr und mehr verwischt, dann öffnet das allem Hass Tor und Tür. Dann verbinden wir mit dem Islam nur noch Terror, obwohl der größte Teil der Mitglieder dieses Glaubens ebenso friedlich ist, wie der größte Teil der “Christenheit”. “Christisten”, also gewalt bereite und Terror ausübende Anhänger der christlichen Religion, gibt es reichlich auf der Welt, und dennoch fehlt sprachlich ein Wort, diese zu bezeichnen. Zumindest ihr Gedankengut hat in einigen Ländern Europas, den USA und dem Rest der Welt, längst Einzug in die höchsten Regierungsinstanzen gehalten.
Aber belassen wir es an dieser Stelle mit dieser kontroversen Diskussion, und wenden uns wieder unserer Astronomin zu.

Weitere Tatsachen

Tatsache ist auch, dass vieles, was wir heute bis weit vor Christi Geburt über die Wiege Europas wissen, unrettbar verloren gegangen wäre, hätten islamische Gelehrte sich nicht um den Erhalt dieses Wissens- und Kulturschatzes bemüht.

Datenlage

Ab hier wird die Datenlage der Geschichte ihres Lebens etwas dünn. Zumindest habe ich nicht viel gefunden.
Was ich brauchbares fand, waren Quellen auf Englisch. Schon irgendwie seltsam, dass es wenig Materialien auf Deutsch zu geben scheint.

Auszeichnungen

Ihre Erfolge in Instrumentenbau müssen gewaltig gewesen sein, denn bis heute ist so einiges nach ihr benannt.

Der Hauptgürtel-Asteroid 7060 Al-‘Ijliya, der 1990 von Henry E. Holt am Palomar-Observatorium entdeckt wurde, wurde ihr zu Ehren benannt. Die Nennung des Namens wurde am 14. November 2016 veröffentlicht (M.P.C. 102252). Dieses Kürzel bezeichnet vermutlich einen jener zahlreichen Sternenkataloge. Ich kenne ihn gerade nicht.

Sie inspirierte eine Figur in dem 2015 preisgekrönten Buch Binti.

Im Buch der “1001 Erfindungen” wurde sie als eine außergewöhnliche Frau aus dem Goldenen Zeitalter der muslimischen Zivilisation bezeichnet, was eine große Ehre war.

Die @Riffreporter würdigten sie in ihrem Weihnachtskalender 2019, hinter dessen jedem Türchen sich eine berühmte Astronomin versteckt, die sich in der meist von Männern dominierten Wissenschaft behaupten konnten.

Exkurs über das Astrolabium

Nun gehe ich zum Schluss dieses Beitrages noch kurz darauf ein, was ein Astrolabium ist, wie es funktioniert und wozu man es verwendet.
Wir wollen ja schließlich wissen, was der Inhalt des Lebenswerkes dieser bemerkenswerten Forscherin und Entwicklerin war.

Zitat aus Wikipedia:

Ein Astrolabium (auch Astrolab, griechisch für „Stern-Nehmer“) oder Planisphärum ist ein scheibenförmiges astronomisches Instrument. Mit ihm kann der sich drehende Himmel nachgebildet werden.
Auf einer festen Scheibe (Tympanon) sind der Horizont und Kreise des horizontalen Koordinatensystems abgebildet. Darüber liegt die drehbare Rete, die als Himmelskörper einige Sterne und die Jahresbahn der Sonne (Ekliptik) enthält.

Meistens befindet sich auf der Rückseite ein Diopter, mit dem der Höhenwinkel eines Objekts auf der Erde oder am Himmel (zum Beispiel Stern oder Sonne) über dem Horizont gemessen werden kann. Die überkommene griechische Bedeutung als „Sternnehmer“ oder „Sternhöhenmesser“ stammt von dieser Zusatzeinrichtung, die vor dem Sextanten auch in der Seefahrt zur Bestimmung des Breitengrads benutzt wurde.

Einige von vielen Anwendungsmöglichkeiten sind folgende: Wird die Rete auf Datum und Uhrzeit eingestellt, so lassen sich die Positionen der Sterne ablesen. Umgekehrt lassen sich aus dem Datum und der Position eines Sterns oder der Sonne die Uhrzeit oder die Himmelsrichtungen bestimmen.

Wir kennen Astrolabien bis Heute in Form von runden drehbaren Sternkarten, mit denen Sternegucker nachts am Himmel versuchen, sich zu orientieren.
Auch bei diesen ist am Rand der Ring zur Einstellung von Zeit und Datum angebracht. Auf der unteren Scheibe sind die wichtigsten Sternbilder eingezeichnet. Die obere drehbare Scheibe hat einen Ausschnitt, der gerade immer die Sterne frei gibt, die für die eingestellte Uhrzeit und das Datum sichtbar sein sollten. Der Mittelpunkt der Karte, wo beide Scheiben drehbar miteinander verbunden sind, zeigt auf den Nordstern. Eine nach dem Nordstern orientierte Sternenkarte funktioniert natürlich auf der Südhalbkugel nicht.
Ich habe eine tastbare Sternenkarte in meinem Archiv, so dass ich auch als blinder Mensch deren Funktionsweise begreifen kann. Der Umgang damit bedarf aber einiger Übung.

Taktile Sternenkarte
Sternenkarten-Selfi

Eine weitere sogar Sprechende Himmelsscheibe wurde in Zusammenarbeit des Vereines Andersicht von einem blinden Physikstudenten entworfen und gemeinsam mit einer Firma entwickelt. Auch bei diesem modernen Gerät stellt man klassisch Zeit und Datum ein. Die Sterne sind als leuchtende Knöpfchen realisiert. Drückt man sie, erfährt man via Sprache akustische Informationen über den Stern.

Nun wünsche ich allen Frauen Morgen einen schönen und würdigen Weltfrauentag. Möge er dafür sensibilisieren, dass vor allem in Forschung und Wissenschaft Frauen noch immer deutlich unterrepräsentiert sind.

Es bedarf hierzu ein Umdenken vor allem in den Köpfen von uns Männern. Nur Quoten helfen hier wenn überhaupt, nur maginal…

Es grüßt euch herzlich

Euer Blindnerd.