Test Zeit- und Datumsgesteuerte Veröffentlichung

Meine lieen,

dieser kleine Artikel ist ein Test. Ich kann hier schon mal spoilern, dass es in diesem Jahr ein Novum auf dem Blog geben wird. Ich plane einen Adventskalender. Dafür ist es wichtig, dass die kleinen Artikel, Kalenderblätter sozusagen, datums- und zeitgesteuert automatisch veröffentlicht werden, damit ich das nicht jeden Tag selbst machen muss und dass ich die Artikelchen in einem Rutsch online stellen kann.
Alles weitere zu meinem Adventskalender erfahrt ihr zeitnah in den nächsten Tagen.
Bis da hin, lasst euch überraschen.

Vier Raumsonden, ein Astronaut und eine sehr alte Bronze-Scheibe


Liebe Mitlesenden,

endlich ist es so weit. Hier kommt Artikel Nr. 151 auf Blindnerd.

Worum es heute geht:
Sicher habt ihr von der neuen ESA-Mission “Cosmic Kiss” gehört, zu welcher der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer, vor kurzen zur ISS aufgebrochen ist. Über diese Mission werde ich hier jetzt aber nicht schreiben. Das können andere besser und haben sich auch schon dazu geäußert. Hierzu kann ich die letzte Folge des Podcasts WeltraumWagner vom 25.10.2021 sehr empfehlen.
Diese Folge regte mich zu unserem heutigen Thema an. Matthias Maurer durfte sich den Namen der Mission ausdenken. Er entschied sich eben für “Cosmic Kiss”. Außerdem durfte er das Logo der Mission gestalten.

Dafür ließ er sich von fünf Dingen inspirieren.

  • Die ersten beiden sind die Raumsonden Pionir1 und Pionier2. Diese hatten Plaketten auf ihrer Außenseite, die anhand von Bildern auf uns Menschen und auf unser Sonnensystem aufmerksam machen sollten, für den Fall, dass die Sonden von außerirdischen Wesen aufgelesen werden sollten.
  • Die beiden Raumsonden Voyager1 und Voyager2 hatten bebilderte Schallplatten, die “Golden Records” mit. Diese Platten enthalten irdische Geräusche, die Außerirdische anhören können, sofern sie die Gebrauchsanleitung für den Bau und die Inbetriebnahme des dafür nötigen Plattenspielers verstehen.
  • Mit der fünften Sache, die ihn zu seinem Logo führten, werden wir uns heute beschäftigen, mit der Entdeckung der Himmelsscheibe von Nebra.

Was ist sie?

Wikipedia sagt:

Die Himmelsscheibe von Nebra ist eine kreisförmige Bronzeplatte mit Applikationen aus Gold, das als die älteste bisher bekannte konkrete Himmelsdarstellung gilt. Ihr Alter wird auf 3700 bis 4100 Jahre geschätzt. Das Artefakt der Aunjetitzer Kultur aus der frühen Bronzezeit Mitteleuropas zeigt astronomische Phänomene und religiöse Symbole.
Längere Zeit nach der Entstehung eingearbeitete Gold-Tauschierungen und die vermutlich bewusste Vergrabung vor etwa 3600 Jahren lassen den Schluss auf einen längeren, möglicherweise religiösen Gebrauch zu. Seit Juni 2013 gehört die Himmelsscheibe von Nebra zum UNESCO-Weltdokumentenerbe in Deutschland.

Ihre Fundgeschichte

Es beginnt, dass kennt ihr ja schon von eurem Astro-Märchenonkel mit einer Geschichte, mit einer Räubergeschichte, einem Krimi.

Versetzen wir uns in das Jahr 1999. Dort machen sich am 04. Juli die beiden Männer Henry Westphal und Mario Renner, auf einen Raub-Zug.
Sie vermuten in der Gegend von Nebra vergrabene alte Gegenstände aus der Bronzezeit. Also gehen sie die Gegend ähnlich, wie zwei Wünschelrutengänger mit einem Metalldetektor ab, der plötzlich ausschlägt und vergrabenes Metall anzeigt.
Und so begannen die beiden zu buddeln und ihr Raubfund konnte sich sehen lassen.

Bereits einen Tag nach der Ausgrabung der Gegenstände erhielten Westphal und Renner 31.000 DM von einem Kölner Händler für den gesamten Hort (Zwei Bronzeschwerter, zwei Beile, ein Meißel und Bruchstücke spiralförmiger Armreifen). Über Mittelsmänner sollte der Fund 1999 in Berlin, später auch in München für eine Million DM verkauft werden, doch es sprach sich herum, dass er rechtmäßig dem Land Sachsen-Anhalt gehörte. Dort galt zu dieser Zeit zumindest noch ein Gesetz für Funde, wonach Bodenfunde nach ihrer Entdeckung Eigentum des Landes werden
Damit war der Schatz für den seriösen Kunsthandel wertlos. Bis 2001 wechselte er mehrmals den Besitzer, zuletzt für über 200.000 DM an ein Hehlerpaar, die Museumspädagogin Hildegard Burri-Bayer und den Lehrer Reinhold Stieber.
Auf Initiative des Kultus- und des Innenministeriums sowie des Landesamtes für Archäologie von Sachsen-Anhalt wurde Kontakt zu den Hehlern, die die Scheibe für 700.000 DM auf dem Schwarzmarkt angeboten hatten, aufgenommen. Der Landesarchäologe Harald Meller traf sich am 23. Februar 2002 als vermeintlicher Kaufinteressent mit ihnen in einem Hotel in Basel. Dort stellte die Schweizer Polizei die Himmelsscheibe sicher. Die Hehler wurden verhaftet. Auch die Begleitfunde wurden gesichert.
Der Wert der Himmelsscheibe ist unschätzbar; ihr Versicherungswert lag 2006 bei 100 Millionen Euro.

Die Raubgräber Westphal und Renner wurden am 10. September 2003 vom Naumburger Amtsgericht zu 4 bzw. 9 Monaten Haft (jeweils auf Bewährung) verurteilt.
Wegen Hehlerei wurden Burri-Bayer und Stieber am 19. September 2003 von einem Schöffengericht am Amtsgericht Naumburg (Saale) zu 12 bzw. 6 Monaten Haft (jeweils auf Bewährung) verurteilt. Als Bewährungsauflage hatte Burri-Bayer 5000 Euro zu zahlen und Stieber 150 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Beide legten Berufung ein, diese wurde im September 2005 von einer kleinen Strafkammer am Landgericht Halle verworfen. Das Revisionsverfahren bestätigte 2007 die Urteile, diese waren damit rechtskräftig.

Nun mag mancher denken, dass die Urteile doch sehr milde ausgefallen waren. Aus heutiger Sicht, wo man weiß, wie wertvoll die Himmelsscheibe nebst ihren Beifunden ist, kann man das tatsächlich so sehen, aber von der Schwere des Verbrechens, einfach mal graben und finden, eben nicht.

So weit erst mal die Geschichte.

Aussehen der Himmelscheibe von Nebra

Die annähernd kreisrunde, geschmiedete Bronzeplatte hat einen Durchmesser von etwa 32 Zentimetern und wiegt ca. 2050 Gramm. Ihre Dicke nimmt von innen nach außen ab, von 4,5 Millimetern in der Mitte bis 1,7 Millimetern am Rand.

Ungewöhnlich für ein archäologisches Artefakt ist die Tatsache, dass an der Scheibe in der Zeit ihrer Nutzung mehrfach Änderungen vorgenommen wurden, was anhand der Überlagerungen von Bearbeitungen rekonstruiert wurde.

  • Anfänglich bestanden die Goldapplikationen aus 32 runden Plättchen, sowie einer größeren, runden sowie einer sichelförmigen Platte. Sieben der kleinen Plättchen sind etwas oberhalb zwischen der runden und der sichelförmigen Platte eng gruppiert.
  • Später wurden am linken und rechten Rand die so genannten Horizontbögen angebracht, die aus Gold anderer Herkunft bestehen, wie dessen chemische Begleitbestandteile zeigen. Um Platz für die Horizontbögen zu schaffen, wurde ein Goldplättchen auf der linken Seite etwas zur Mitte versetzt, zwei auf der rechten Seite wurden überdeckt, so dass jetzt noch 30 Plättchen zu sehen sind.
  • Die zweite Ergänzung ist ein weiterer Bogen am unteren Rand, wiederum aus Gold anderer Herkunft. Diese so genannte Sonnenbarke ist durch zwei annähernd parallele Linien strukturiert, an ihren Außenkanten wurden feine Schraffuren in die Bronzeplatte gekerbt.
  • Bevor die Scheibe vergraben wurde, war sie ein drittes Mal modifiziert worden: Es fehlte bereits der linke Horizontbogen und die Scheibe war am Rand mit 39 sehr regelmäßig ausgestanzten, etwa 3 Millimeter großen Löchern versehen.
  • Die Rückseite der Himmelsscheibe enthält keine Applikationen.

Die Himmelsscheibe wurde nicht gegossen, sondern aus einem Bronzefladen kalt geschmiedet, wie aus den Hammerspuren auf der nicht verzierten Rückseite der Himmelsscheibe erkennbar ist. Der Bronzerohling wurde dabei vermutlich wiederholt erhitzt, um Spannungsrisse zu vermeiden bzw. zu beseitigen.
Die ursprüngliche Farbe dürfte nicht grünlich gewesen sein: Die von einer Korrosionsschicht aus Malachit verursachte heutige Grünfärbung ist erst durch die lange Lagerung in der Erde entstanden. Da die goldenen Sterne nur einen geringen Kontrast gegenüber polierter Bronze gehabt hätten, vermutet der Chemiker und Restaurator Christian-Heinrich Wunderlich, dass die bronzezeitlichen Schmiede die Bronze behandelt haben. So zeigen Versuche, dass eine zinnarme Bronze wie die Himmelsscheibe nach einer Behandlung mit einer Lösung aus Urin und Kupferverbindungen eine schwarz-blaue bis schwarz-violette künstliche Patina erhält. Ist die Scheibe vorher poliert, erhält die Patina einen guten Glanz. Die eingelegten Applikationen aus Gold bleiben durch die Behandlung unverändert und bilden einen guten Kontrast.

Und jetzt kommt zum Schluss dieses Kapitels noch ein Bild der Scheibe, damit sich auch die Sehlinge unter uns in etwa vorstellen können, wie sie aussieht.

Darstellung der Himmelsscheibe
Himmelsscheibe

Was stellt die Scheibe dar

Nach der Interpretation zweier Forscher stellen die goldenen Plättchen Sterne dar, die Gruppe der sieben kleinen Plättchen vermutlich den Sternhaufen der Plejaden, die zum Sternbild Stier gehören. Die anderen 25 sind astronomisch nicht zuzuordnen und werden als Verzierung gewertet. Die auf ihr befindliche große Scheibe wurde zunächst als Sonne, mittlerweile auch als Vollmond interpretiert und die Sichel als zunehmender Mond.

Nach der Meinung mancher Forscher stehen Mond und Plejaden für zwei Termine der Sichtbarkeit der Plejaden am Westhorizont.
Wenn am März-Termin der Mond in Konjunktion mit den Plejaden stand, war er eine schmale Sichel kurz nach dem Neumond. Im Oktober war bei einer etwaigen Konjunktion der Mond voll. Damit könnte die Himmelsscheibe als Erinnerungshilfe (für die Bestimmung des bäuerlichen Jahres von der Vorbereitung des Ackers bis zum Abschluss der Ernte gedient haben.
Eine im Jahr 2006 entwickelte andere Interpretation der ersten Phase vertritt der Astronom Rahlf Hansen vom Planetarium Hamburg. Demnach soll schon in der Bronzezeit der Versuch einer Angleichung des Mondjahres (354 Tage) und des Sonnenjahres (365 Tage) vorgelegen haben, um die beiden Jahre miteinander zu synchronisieren. Damit wäre das Wissen, das auf der Bronzescheibe festgehalten ist, ein weiteres frühbronzezeitliches Äquivalent neben den babylonischen und altägyptischen Schaltmonaten.
Die später hinzugefügten Horizontbögen überstreichen jeweils einen Winkel von 82 Grad, ebenso wie Sonnenauf- und -untergang zwischen Winter- und Sommersonnenwende am Horizont auf dem Breitengrad des Fundorts. Wurde die Scheibe waagerecht so auf dem Mittelberg im Harz positioniert, dass die gedachte Linie vom oberen Ende des linken Bogens zum unteren Ende des rechten Bogens auf die Spitze des etwa 85 km entfernten Brocken zeigt, konnte die Scheibe als Kalender zur Verfolgung des Sonnenjahrs genutzt werden. Vom Mittelberg aus gesehen geht die Sonne zur Sommersonnenwende hinter dem Brocken unter. Für die Vermutung, dass der rechte Bogen der westliche, den Sonnenuntergang markierende sei, spricht seine Nähe zur geneigten Mondsichel, die in der erwähnten Konstellation von der untergehenden Sonne erleuchtet ist. Ob die Scheibe in diesem Zustand als Instrument zur Bestimmung der Sonnenwenden genutzt wurde, oder ob sie das Wissen über diese Bestimmungsmöglichkeiten lediglich darstellt, ist ungewiss.

Als letzte Ergänzung kam ein weiterer goldener Bogen mit zwei annähernd parallelen Längsrillen hinzu, der als Sonnenschiff gedeutet wird, wie man sie aus ägyptischen oder minoischen Abbildungen kennt. Umgeben ist der Bogen an den Längsseiten von kurzen Einkerbungen in der Bronzeplatte, vergleichbar der Darstellung von Rudern auf anderen bronzezeitlichen Schiffsdarstellungen aus Griechenland und Skandinavien. Diese Ergänzung hat vermutlich keine kalendarische Funktion, sie könnte die allnächtliche Überfahrt der Sonne von West nach Ost darstellen. Ob damit auf einen bronzezeitlichen kulturellen Austausch zwischen Mitteleuropa und dem Nahen Osten geschlossen werden kann, ist bislang ungewiss. Der Zweck der Löcher am Rand der Scheibe ist ungeklärt, Wahrscheinlich dienten sie zur Befestigung. Besonders diese letzte Ergänzung legt eine Verwendung der Scheibe auch für kultische Zwecke nahe.

Abspann

Was man auf jeden Fall sagen kann ist, dass die Himmelsscheibe einer Hochkultur entstammt, die regen Handel trieben. Das erkennt man z. B. an den Orten, von welchem die Bronze und das Gold stammen.

Was jetzt noch zu klären wäre ist, woher man das Alter der Scheibe kennt. Dies führt uns aber in dem ohnehin schon länglichen Artikel zu weit. Zum Thema Altersbestimmung wird es bei Gelegenheit einen eigenen Artikel geben, in welchem ich dann die Himmelsscheibe von Nebra gerne als Beispiel erneut aufgreife.