Ein Hund auf einem Mond


Meine lieben,

manchmal beginnt eine spannende astronomische Geschichte mit einer ganz einfachen Frage.
In unserem Fall lautete sie:
Was ist eigentlich MMX, die Mission, welche da letzte Woche startete und durch die Medien geisterte?
Und ehe ich mich versah, war ich mitten in die Recherche abgetaucht, und draußen hämmerte der Regen auf meine Dachfenster nieder. Perfektes Wetter für so was.
Gerne teile ich meine Begeisterung mit euch. Vielleicht könnt ihr ja auch was empfinden…

Am 19. Oktober 2026 um 21:41 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit startete vom japanischen Weltraumbahnhof Tanegashima eine H3-Rakete. An ihrer Spitze befand sich die Raumsonde MMX, was für „Martian Moons eXploration“ steht.

Das Ziel dieser japanischen Mission sind nicht etwa die Oberfläche des Mars, sondern seine beiden kleinen Monde Phobos und Deimos. Und ein besonders sympathischer Passagier ist auch dabei: ein kleiner deutsch-französischer Rover namens Idefix.

Zwei Monde und ein großes Rätsel

Mars besitzt zwei Monde. Der größere heißt Phobos, Angst, der kleinere Deimos, Schrecken. Passend zu einem Planeten dessen Name für Blut und Krieg steht.
Verglichen mit unserem Erdmond sind beide winzig. Phobos misst in seiner größten Ausdehnung ungefähr 27 Kilometer, Deimos etwa 15 Kilometer.
Beide sind unregelmäßig geformt. Statt beinahe kugelrunder Himmelskörper haben wir es eher mit kosmischen Kartoffeln zu tun.
Aber sie umkreisen den Mars, und sind somit eindeutig Monde.
Die Mission soll nun die Frage klären helfen, woher diese Monde überhaupt stammen. Endlich mal keine Suche nach Wasser oder Leben auf und um den Mars herum, wenn ihr mich fragt.
Es gibt mehrere Theorien, die es hoffentlich zu beweisen gelingt.

  • Eine Möglichkeit lautet, dass es sich ursprünglich um Asteroiden handelte, die vom Mars eingefangen wurden.
  • Eine andere Theorie geht davon aus, dass bei einer gewaltigen Kollision in der Frühzeit des Mars Material ins All geschleudert wurde, aus dem sich später die Monde bildeten.

Von solch einem Szenario gehen heutzutage die meisten Astronomen auch bei der Entstehung unseres Mondes aus.

Beide Erklärungen haben ihre Schwierigkeiten. Gerade deshalb wollen die Forschenden die Monde nicht nur aus der Ferne fotografieren, sondern ihre Zusammensetzung möglichst genau untersuchen.
Vor allem die „Einfang-Theorie“ ist relativ unwahrscheinlich. Es muss schon verdammt viel passen, wenn ein relativ leichter Himmelskörper, wie der Mars, etwas einfangen will. Meist gelingt das nicht, bzw. der Asteroid stürzt ab…

Zehn Gram Mondstaub für die Wissenschaft

Die japanische Raumfahrtagentur JAXA hat mit MMX eine außerordentlich ehrgeizige Mission auf den Weg gebracht.

Die Sonde soll im Sommer 2027 das Marssystem erreichen, Phobos aus der Nähe untersuchen, später auch Deimos beobachten und schließlich auf Phobos landen.

Dabei soll sie mindestens zehn Gramm Oberflächenmaterial einsammeln und zur Erde zurückbringen. Die Rückkehr ist für 2031 vorgesehen.
Zehn Gramm! Das klingt zunächst nach herzlich wenig. Nicht einmal ein ordentlich gehäufter Teelöffel.
Aber für die Wissenschaft können solche Proben von unschätzbarem Wert sein. Auf der Erde stehen schließlich Laborgeräte zur Verfügung, die man unmöglich alle auf einer Raumsonde unterbringen könnte. Außerdem lassen sich die Proben über viele Jahre mit neuen Methoden erneut untersuchen.

Dass dieses Prinzip funktioniert, haben die japanischen Missionen Hayabusa und Hayabusa2 bereits eindrucksvoll gezeigt.

Drei Module und eine Heimkehrkapsel

Die MMX-Sonde ist kein einzelner kompakter Flugkörper. Sie besteht aus mehreren Teilen, die während der Mission unterschiedliche Aufgaben erfüllen.

Da ist zunächst das Antriebsmodul mit den Triebwerken und Treibstofftanks. Es sorgt für wesentliche Bahnmanöver auf dem Weg zum Mars und im Marssystem.
Und damit ist nicht die Rakete gemeint, welche die ganze Mission aus dem Schwerefeld der Erde auf ihren Weg zum Mars bringt.

Über diesem Antriebsmodul befindet sich das Rückkehrmodul. Es soll später die wertvolle Fracht in Richtung Erde zurück bringen.

Schließlich gibt es das Erkundungsmodul mit den wissenschaftlichen Instrumenten, Landebeinen, Probenentnahmesystemen und unserem kleinen Idefix.
Hinzu kommt eine eigene Rückkehrkapsel, in der die Bodenproben den letzten Teil ihrer Reise antreten sollen.
Die Rückkehrkapsel ist ungefähr 60 Zentimeter groß und besitzt einen Hitzeschild. Sie soll sich vor den Eintritt in die Erdatmosphäre vom Rückkehrmodul trennen, in die Erdatmosphäre eintreten und in Australien an einem Fallschirm hängend landen.

Die Proben werden anschließend in einem speziellen Labor in Japan untersucht.

Während die Kapsel die Reise nach Hause schafft, ist für die anderen Teile der Sonde keine Landung auf der Erde vorgesehen.

Die Sonde auf der Rakete

MMX ist mit einer Startmasse von ungefähr vier Tonnen alles andere als ein Winzling. Ihre ausgebreiteten Solarpaneele erreichen eine Spannweite von mehreren Metern.

Natürlich passt ein solches Gebilde nicht einfach mit ausgeklappten Solarzellen und ausgestreckten Landebeinen auf eine Rakete.

Deshalb wird alles zusammengefaltet und verstaut.
Sie tritt ihre Reise sogar mit den Landebeinen nach oben an. Das leuchtet sehr ein, wenn man bedenkt, dass sich die Rakete nach oben hin verjüngt.
darum herum befindet sich die Nutzlastverkleidung, auf Englisch *Payload Fairing*. Sie schützt die empfindliche Raumsonde während des Starts vor Luftströmungen, Schall und anderen Belastungen.
Ich erinnere mich, wie wichtig diese Nutzlastverkleidung ist.
Beim Start des James-Webb-Weltraumteleskops musste man darauf achten, dass die Luft innerhalb dieser Verkleidung beim Aufstieg kontrolliert entweichen konnte.
Denn mit zunehmender Höhe sinkt der äußere Luftdruck. Würde die eingeschlossene Luft nicht ausreichend entweichen, könnten gefährliche Druckunterschiede entstehen. Gerade für die empfindlichen Strukturen und die hauchdünnen Schichten des Sonnenschutzschildes von Webb wäre das keine gute Sache gewesen. Die Folien hätten durch sich zu rasch ausdehnende Restluft reißen können.
Solche scheinbaren Nebensächlichkeiten zeigen, wie viele Dinge bei einem Raketenstart bedacht werden müssen.

Aber zurück zu unserem Marsmond.

Landen ohne Fallschirm

Auf allem, was eine Atmosphäre besitzt kann man mit Fallschirmen mehr oder weniger gut landen. Selbst auf dem Mars, wo ihre Dichte nur ein Hundertstel der Erdatmosphäre beträgt, helfen Fallschirme noch beim Abbremsen.

Phobos dagegen besitzt praktisch keine Atmosphäre.
Ein Fallschirm wäre dort völlig nutzlos. Es gibt schlicht keine Luft, gegen die er sich stemmen könnte.
Deshalb muss MMX ihre Annäherung an die Oberfläche mit Triebwerken kontrollieren. Und dabei wartet eine Schwierigkeit, die auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so offensichtlich ist, die unglaublich geringe Schwerkraft.
Auf Phobos beträgt die Schwerkraft nur ungefähr ein Zweitausendstel der Erdschwerkraft.

Das bedeutet, dass ein Körper dort etwa 2000-mal weniger Gewichtskraft erfährt als auf der Erde.
Ein Mensch mit einer Masse von 80 Kilogramm würde auf Phobos nur eine Gewichtskraft spüren, die ungefähr dem Gewicht von 40 Gramm auf der Erde entspricht.
Ihr könnt ja mal ausrechnen, was das für unsere fünfundzwanzig Kilo schwere Sonde bedeutet…

Wer auf Phobos einen schweren Gegenstand anschiebt, muss immer noch dessen gesamte Masse beschleunigen. Aber die Schwerkraft hält weder den Gegenstand noch den Menschen besonders fest am Boden.

Warum man nicht einfach aufsetzen kann

Bei einer gewöhnlichen Landung hilft die Schwerkraft dabei, ein Fahrzeug auf dem Boden zu halten.
Auf Phobos ist das anders.
Die Sonde könnte beim Aufsetzen zurückprallen. Schon kleine Bewegungen oder Kräfte können dazu führen, dass sie wieder abhebt.
Je nach Stärke des Aufpralls könnte die Sonde sogar im All verloren gehen.

Und wenn ich daran denke, muss ich schon wieder etwas abschweifen, aber ihr kennt das ja vom Sternenonkel.
Im November 2014 landete der europäische Lander Philae, teil der Rosetta-Mission, auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko.
Eigentlich sollte sie sich mit Harpunen und Schraubmechanismen an der Oberfläche festhalten. Doch die Harpunen lösten nicht aus.
Eine kleine Düse sollte helfen, die Sonde auf den Kometen zu drücken. Aber leider versagte dieses Andrucksystem auch.
Philae prallte ab, hüpfte über die Kometenoberfläche und kam erst nach mehreren Bodenkontakten an einem viel zu schattigen Ort zur Ruhe.
Dort bekam sie zu wenig Sonnenlicht. Nach der ersten wissenschaftlichen Arbeitsphase erschöpften sich ihre Batterien.
Die Landung war also einerseits ein großer Erfolg, andererseits zeigte sie, wie tückisch die Verhältnisse auf kleinen Himmelskörpern sind.
Im September 2022 schlug die amerikanische NASA-Sonde DART absichtlich auf Dimorphos ein und veränderte dadurch dessen Umlaufbahn um Didymos. Die Umlaufzeit verkürzte sich um rund 33 Minuten.
Derzeit ist die ESA-Mission Hera zu Dimorphos unterwegs. Sie soll nachsehen, welchen Schaden die Dart-Mission dort hinterlassen hat, z. B. Trümmerwolke, Krater o. Ä.
Hera startete am 7. Oktober 2024 und soll das Asteroidensystem im November 2026 erreichen.
Und diese Erfahrungen spielen auch bei MMX eine Rolle.

Der SuchHund namens Idefix

Bevor die große MMX-Sonde selbst auf Phobos landet, soll der kleine Kundschafter, Idefix, vorausgeschickt werden.
Er wurde gemeinsam vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, kurz DLR, und der französischen Raumfahrtagentur CNES entwickelt und wiegt ungefähr 25 Kilogramm.

Seine Aufgabe besteht darin, Phobos direkt auf der Oberfläche zu untersuchen. Er soll den geeigneten Landeplatz finden.
Idefix soll etwa zum Jahreswechsel 2028/2029 aus einer Höhe von ungefähr 40 bis 100 Metern über der Oberfläche ausgeklinkt werden.
Kein Fallschirm, Keine Bremsraketen.
Der kleine Rover wird von einem Mechanismus ausgestoßen und fällt anschließend frei auf den Mond.
Wegen der winzigen Schwerkraft geschieht das wesentlich langsamer, als wir es von einem freien Fall auf der Erde gewohnt sind.
Trotzdem muss Idefix den Aufprall aushalten. Möglicherweise wird er mehrfach abprallen und schließlich irgendwie und irgendwo liegen bleiben.
Aber damit rechnen die Konstrukteure.

Idefix kann sich selbstständig auf seine Räder aufrichten. Anschließend entfaltet er seine Solarzellen und beginnt seine Erkundung.
Für die Arbeit auf Phobos sind ungefähr 100 Tage vorgesehen.

Autofahren mit einem Zweitausendstel Schwerkraft

Man könnte nun meinen, das Schwierigste sei überstanden, sobald Idefix auf seinen Rädern steht.
Aber weit gefehlt.

Wie fährt man eigentlich auf einem Boden, der die Räder kaum nach unten zieht?
Ein Rad braucht Haftung, um eine Antriebskraft auf den Boden zu übertragen. Auf der Erde sorgt die Schwerkraft für einen großen Teil der dafür notwendigen Anpresskraft.

Auf Phobos ist diese Kraft winzig.
Gibt der Rover zu kräftig Gas, können die Räder durchdrehen. Im schlimmsten Fall könnte das ganze Fahrzeug vom Boden abheben.
Stellt euch einen Autofahrer vor, der an einer Kreuzung unbedingt mit quietschenden Reifen losfahren möchte. Auf Phobos würde aus der Angeberei möglicherweise ein unfreiwilliger kleiner Raumflug, eine riesige Staubwolke, und eventuell keine Rückkehr mehr.
Idefix muss deshalb extrem vorsichtig fahren.
Als typische Geschwindigkeit ist etwa ein Millimeter pro Sekunde vorgesehen.
Das sind gerade einmal 3,6 Meter in einer Stunde, sofern er ohne Unterbrechung fährt.
Da ist selbst eine gemütliche Schnecke ein ernst zu nehmender Konkurrent.
Doch diese Langsamkeit ist kein Konstruktionsfehler. Sie ist eine notwendige Anpassung an die Verhältnisse.

Hüpfen anstatt Rollen

Ganz unbekannt ist das Problem nicht.
Die japanische Mission Hayabusa2 brachte bereits kleine Rover zum Asteroiden Ryugu.
Zumindest einer der drei Minerva-Rover bewegte sich hüpfend vorwärts.
Er benutzte bewegliche Massen im Inneren, um kleine Sprünge auszuführen.
Auch der deutsch-französische Lander MASCOT, der mit Hayabusa2 auf Ryugu landete, konnte sich mithilfe eines beweglichen Mechanismus im Inneren aufrichten und seine Position verändern.
In einer Umgebung mit extrem geringer Schwerkraft kann Hüpfen tatsächlich sinnvoller sein als Fahren.

Was untersucht Idefix?

MMX führt nicht nur unseren kleinen Hund Gassi.
Er trägt mehrere wissenschaftliche Instrumente, die sich gegenseitig ergänzen.

  1. Zunächst gibt es seine Navigationskameras.
    Zwei Kameras ermöglichen stereoskopische Aufnahmen. Aus ihren leicht unterschiedlichen Blickwinkeln lassen sich räumliche Informationen über die Umgebung gewinnen.
    Damit kann der Rover Hindernisse erkennen und seine Fahrstrecke planen.
  2. Dann besitzt er Kameras, die seine Räder beobachten.
    Sie schauen dorthin, wo die Räder mit dem Boden in Berührung kommen.

    • Wie tief sinkt ein Rad ein?
    • Wird Material zur Seite geschoben?
    • Verdichtet sich der Boden?
    • Rutscht das Rad durch?

    Solche Beobachtungen verraten viel über die mechanischen Eigenschaften der Oberfläche.
    Und genau diese Fragen sind auch für die spätere Landung der großen MMX-Sonde wichtig.

  3. Ein weiteres Instrument ist das Raman-Spektrometer RAX.
    Es untersucht die mineralogische Zusammensetzung des Bodens.
    Dazu beleuchtet es Material mit Laserlicht und analysiert die winzigen Veränderungen im zurückgestreuten Licht.
    Bestimmte Moleküle und Mineralstrukturen hinterlassen dabei charakteristische Signaturen.
    Auf diese Weise kann man etwas über die chemischen und mineralogischen Bestandteile des untersuchten Materials erfahren, ohne es in ein Labor auf der Erde bringen zu müssen.
  4. Schließlich trägt Idefix das Radiometer miniRAD. Es misst die Wärmestrahlung der Oberfläche.
    Damit lässt sich untersuchen, wie sich der Boden erwärmt und abkühlt. Daraus können die Forschenden Rückschlüsse auf seine thermischen Eigenschaften ziehen.
    Lockeres, poröses Material verhält sich thermisch anders als massives Gestein.

Gemeinsam liefern die Kameras, das Spektrometer und das Radiometer also Informationen darüber, wie Phobos aussieht, woraus seine Oberfläche besteht und wie sie sich verhält.
Idefix ist damit ein kleines geologisches und geotechnisches Forschungslabor auf vier Rädern.

Ist Phobos ein großer Geröllhaufen?

Eine weitere Frage, wenn man worauf auch immmer landen möchte ist, Wie fest ist der Boden überhaupt?
Viele kleine Himmelskörper bestehen nicht aus einem einzigen massiven Gesteinsblock. Manche sind vielmehr Ansammlungen aus Geröll, Staub und größeren Brocken, die durch ihre gegenseitige Schwerkraft zusammengehalten werden.
Man spricht dann von einem *Rubble Pile*, also sinngemäß einem Geröllhaufen.
Auch bei Phobos sind Aufbau und Beschaffenheit des Inneren noch nicht vollständig geklärt.
Auf der Oberfläche könnte lockeres Material liegen, in das ein Fahrzeug einsinkt. Andere Bereiche könnten deutlich fester sein.
Für eine Landung ist das keineswegs nebensächlich.
Zu weicher Boden kann problematisch sein, weil die Landebeine einsinken könnten. Auf hartem Boden besteht dagegen die Gefahr des Abprallens.
Und wenn die Oberfläche geneigt ist, kommt noch das Rutschen hinzu.

Hier zeigt sich, warum Idefix mehr ist als eine nette Zugabe zur Mission.
Er soll Informationen liefern, die der Muttersonde bei ihrer späteren Landung und Probenentnahme helfen können.

Was geschieht mit der Muttersonde?

Nachdem MMX Phobos aus der Nähe erkundet und Idefix abgesetzt hat, soll die große Sonde selbst auf der Oberfläche auf ihren Landebeinen landen.
Dabei sollen zwei unterschiedliche Probenentnahmesysteme zum Einsatz kommen.

  • Eines kann kleine Bohrkerne aus einer Tiefe von ungefähr zwei Zentimetern gewinnen.
  • Das andere nutzt Gas, um loses Oberflächenmaterial aufzuwirbeln und aufzufangen.
  • Zusammen sollen sie mindestens zehn Gramm Material für die Rückreise sichern.

Nach Abschluss der Arbeiten wird das Rückkehrmodul den Weg zur Erde antreten. Das Erkundungsmodul mit den Landebeinen bleibt zurück, weil man sich dadurch Startgewicht spart und es nur unnötiger Ballast wäre, der nicht mehr gebraucht wird.

Die Rückkehrkapsel mit den Proben wird schließlich vor dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre abgetrennt und soll 2031 in Australien an einem Fallschirm landen.
Der Rest des Raumschiffs wird in der Erdatmosphäre verglühen.

Und dann beginnt für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein neues Abenteuer: die Untersuchung von Material, das noch nie zuvor in einem irdischen Labor gelegen hat.

Warum mich diese Mission so fasziniert

An MMX gefällt mir besonders, dass hier ganz unterschiedliche Bereiche der Raumfahrt zusammenkommen.

  • Da ist zunächst die große wissenschaftliche Frage nach der Herkunft der Marsmonde.
  • Dann die anspruchsvolle Himmelsmechanik, mit der eine Sonde nicht nur zum Mars fliegt, sondern sich einem winzigen Mond nähert, dort landet und anschließend wieder zur Erde zurückkehrt.
  • Hinzu kommen die Materialwissenschaft, die Robotik und die Physik extrem geringer Schwerkraft.
  • Und schließlich ist da die internationale Zusammenarbeit: Eine japanische Raumsonde trägt einen deutsch-französischen Rover, während zahlreiche weitere internationale Partner Instrumente und Unterstützung beisteuern.
  • Und vielleicht ist das eine der schönsten Seiten dieser Mission.
    Ein kleiner Rover, der kaum schneller fährt als eine Schnecke, soll uns helfen, ein Rätsel aus der Frühzeit unseres Sonnensystems zu lösen.

Mehr über meine Begeisterung an dieser Mission muss ich euch wohl nicht erklären. Das seht ihr schon an der Überlänge dieses Artikels. Verzeihung.
Ich wünsche Idefix eine gute Reise und vor allem eine glückliche Landung.
Seid herbstlich gegrüßt
Euer geschwätziger Sternenonkel.

Wissenspaket Sonnenfinsternis


Meine lieben,

es ist nun so weit. An kommendem Mittwoch, 12.08.2026 werden wir eine in europa mehr oder weniger sichtbare Sonnenfinsternis in den Abendstunden, leider, haben.
Leider deshalb, weil sie einfacher und für mehr Menschen beobachtbar wäre, fände sie beispielsweise in den Mittagstunden statt, wo die Sonne hoch am Himmel steht. An vielen Orten wird die Beobachtung schwierig bis unmöglich, wenn z. B. Berge die Sicht auf den Sonnenuntergang und den Horizont versperren. Aus diesem Grunde werden viele die Finsternis von der Wasserseite hert von Schiffen aus beobachten.
Wünschen wir allen einen klaren Himmel und eine gute Sicht.
Eine Sonneninsternis lässt natürlich den Sternenonkel nicht kalt. Und das, obwohl Sonnen- und Mondfinsternisse gar nicht so selten vorkommen, wie es den Anschein hat. Bis zu sieben Finsternisse können pro Jahr stattfinden, aber nicht in beliebiger Reihenfolge, und nicht nur entweder Sonnen- oder Mondfinsternisse. Dazu kommt, dass Sonnenfinsternisse immer nur auf einem wenige hundert Kilometer breiten Streifen zu sehen sind, und das je nach Standort oft nur wenige Sekunden bis wenige Minuten lang. Nicht zuletzt ist unsere Erde zu 3 Fünftel von Wasser bedeckt, so dass ein Großteil der Finsternisse ins Wasser fallen, bzw. dort stattfinden, wo einem eventuell Krokodile in die Füße zwicken könnten, und wo vor allem keine komfortablen Hotels stehen.

Mondfinsternisse scheinen öfter aufzutreten als Sonnenfinsternisse, aber das kommt einem nur so vor, weil sie viel länger dauern und von deutlich mehr Menschen auf der Erde gesehen werden können.
Die Erde vermag es ob ihrer Größe, den Mond viel länger hinter sich zu verstecken. Und da sie sich in der Zeit der Verfinsterung unter dem Mond hinweg dreht, erhalten viel mehr Menschen die Chance, die Mondfinsternis zu beobachten.

Über vieles, was hier zur Sprache kommen wird, habe ich an anderer Stelle schon geschrieben. Damit ihr nicht mühsam danach suchen müsst, trage ich die wesentlichen Punkte hier zusammen und werde an gegebener Stelle auf diverse Artikel verweisen.

Nichts desto Trotz haben wir diesmal Glück. Lasst mich deshalb nochmal einen Rundumschlag zum Thema Finsternisse machen.

Rückschau

Manche von uns haben die Finsternis vom 11.08.1999 erleben dürfen. Andere von uns fuhren vielleicht im Urlaub einer Finsternis entgegen. Halten wir doch einfach mal kurz inne, und erinnern uns an unsere „finsteren Erinnerungen“. Der Sternenonkel würde sich sehr darüber freuen, einige eurer Geschichten in den Kommentaren zu finden.
Lasst euch mit folgendem Link durch meine Erinnerungen an diese alte Sonnenfinsternis vielleicht inspirieren.
Finstere Erinnerungen

Fahrplan der Finsternis

So, nachdem wir nun alle voll Erinnerungen schwelgend wieder hier zurück sind, schauen wir uns an, wie die bevorstehende Finsternis grob verläuft.
Wundert euch nicht, dass ich mich hier auf Bozen beziehe, aber ich mache zum Zeitpunkt der Finsternis dort Urlaub und werde die Sofi mit unseren Hausgästen gebührend feiern und würdigen.

Verlauf

Der Kernschatten beginnt seine Reise im hohen Norden Russlands, überquert das Nordpolarmeer und Grönland, streift Island und erreicht schließlich Europa. Nach der Überquerung Nordspaniens zieht er weiter über das Mittelmeer. Für viele Beobachter in Deutschland, Österreich und Norditalien bleibt es bei einer sehr tiefen partiellen Sonnenfinsternis – in Bozen beispielsweise werden über 91 % der Sonnenscheibe vom Mond bedeckt, während nur wenige Kilometer weiter südwestlich bereits die vollständige Verdunkelung zu erleben ist.

Was ist in Bozen zu sehen?

Bozen liegt knapp außerhalb der Totalitätszone, bekommt aber eine außergewöhnlich tiefe partielle Finsternis:
Beginn: 19:25 Uhr
Maximum: 20:18 Uhr
Ende: 20:29 Uhr
Magnitude: 0,918
Das bedeutet, dass über 91 % des Sonnendurchmessers vom Mond bedeckt werden. Die verbleibende Sonnensichel ist sehr schmal, dennoch wird es keine Totalität geben – die helle Photosphäre bleibt sichtbar, sodass eine Finsternisbrille während der gesamten Beobachtung erforderlich ist.
Wer den Fahrplan genauer studieren möchte, findet ihn sicher in Wiki und auf einschlägigen Astronomie-Seiten.

Wie funktionieren Sonnenfinsternisse

Lasst uns nun einen Blick darauf werfen, wie Sonnenfinsternisse überhaupt zustande kommen.
Der Trick besteht darin, dass für eine Finsternis gleich drei verschiedene Zyklen des Mondes gleichzeitig nahezu wieder am Anfang stehen müssen.
Es gibt nämlich neben dem typischen Mondzyklus, den wir in unserem Kalender üblicherweise, z. B. zur Berechnung unseres Osterfestes benutzen noch weitere Mondzyklen, die wir zur Erklärung von Finsternissen betrachten müssen.

  1. Der synodische Monat
    Das ist die Zeit von einem Neumond bis zum nächsten Neumond.
    Ein synodischer Monat dauert etwa 29,53059 Tage
    Eine Sonnenfinsternis kann nur bei Neumond stattfinden, eine Mondfinsternis nur bei Vollmond.
  2. Der drakonitische Monat – die Bahnknoten
    Die Mondbahn ist gegenüber der Erdbahn um etwa fünf Grad geneigt. Deshalb läuft der Mond meistens oberhalb oder unterhalb der Sonne vorbei.
    Die beiden Schnittpunkte der Mondbahn mit der Erdbahnebene heißen aufsteigender und absteigender Bahnknoten.
    Der Mond benötigt 27,21222 Tage,
    um wieder denselben Bahnknoten zu erreichen.
    Nur wenn Neumond oder Vollmond in der Nähe eines solchen Knotens auftreten, kommt es überhaupt zu einer Finsternis.
  3. Der anomalistische Monat – der Abstand zur Erde
    Die Mondbahn ist elliptisch. Deshalb ist der Mond einmal etwas näher an der Erde (Perigäum) und einmal weiter entfernt (Apogäum).
    Von Perigäum zu Perigäum vergehen 27,55455 Tage.
    Dieser Zyklus bestimmt unter anderem die scheinbare Größe des Mondes. Daher entscheidet er mit darüber, ob eine Sonnenfinsternis total oder ringförmig wird.
    Ist der Mond zum Zeitpunkt einer Finsternis (Neumond und Mond in Knotenpunkt) gerade etwas weiter entfernt von der Erde, vermag sein Shatten es nicht, die Sonnenscheibe vollständig zu verdecken. Er erzeugt in der Sonnenscheibe ein „Loch“, ein Ring aus Licht bleibt bestehen. Eine ringförmige Finsternis ist entstanden. Bei nahem Mond verdeckt er die komplette Sonnenscheibe, so dass die Finsternis total ist.

Das erstaunliche Zusammentreffen nach einer Sonnenfinsternis im Detail

Nacheiner Sonnenfinsternis nach

  • 223 synodischen Monaten
  • 242 drakonitischen Monaten
  • 239 anomalistischen Monaten

sind fast genau dieselbe Mondphase, dieselbe Knotenlage und nahezu derselbe Abstand des Mondes wieder erreicht.
Rechnet man das aus:

  • 223 mal 29,53059 = 6585,32 Tage (Synodischer Monat)
  • 242 mal 27,21222 = 6585,36 Tage (Drachenmonat)
  • 239 mal 27,55455 = 6585,54 Tage ( (Anomalistischer Monat)

Alle Werte liegen nur wenige Stunden auseinander.
Lässt man nun beginnend bei einer Sonnenfinsternis diese drei Mondzyklen gegeneinander laufen, so dauert es 18 Jahre, 11 Tage und acht Stunden, bis sich alle drei mal wieder treffen, um gemeinsam für eine weitere Sonnenfinsternis zu sorgen.
Das ist der Saros-Zyklus.
Er dauert 6585,32 Tage
also ungefähr
18 Jahre, 11 Tage und 8 Stunden.
Die zusätzlichen acht Stunden bedeuten, dass sich die Erde währenddessen um ein Drittel ihrer Achse weitergedreht hat.
Dadurch findet die nächste Finsternis derselben Saros-Serie etwa 120 Längengrade weiter westlich statt.
Deshalb sieht man zwei aufeinanderfolgende Finsternisse derselben Serie meist nicht vom gleichen Ort aus.

Erst nach drei Saros-Zyklen – dem sogenannten Exeligmos – ist auch diese Verschiebung nahezu ausgeglichen.
Der Exeligmos dauert etwa 54 Jahre und 34 Tage.
Eine einzelne Saros-Serie beginnt, wenn der Mond den Erdschatten oder die Sonne zunächst nur ganz am Rand trifft.
Dann folgen über viele Jahrhunderte immer zentralere Finsternisse.
Später wandern sie wieder zum Rand zurück, bis die Serie endet.
Eine typische Saros-Serie umfasst ungefähr
70 bis 73 Finsternisse
über einen Zeitraum von rund 1200 bis 1300 Jahren.

Mehrere Saros-Serien laufen gleichzeitig nebeneinander.
Ich finde es ganz erstaunlich, dass dieser Zyklus schon den alten Babyloniern bekannt war. Aus solch einem Durcheinander Strukturen und Regelmäßigkeiten zu erkennen ist eine unfassbare Leistung.

Spielarten von Finsternissen

Nun kommen wir dazu, welche verschiedenen Arten von Sonnenfinsternissen es gibt.

  1. Je nach Sonnenstand, Erdenstand und Mondstand ist der Mond perspektivisch ungefähr so groß, wie wir auch die Sonnenscheibe wahrnehmen. Die Sonne ist zwar unvergleichlich viel größer, als der Mond, aber dafür ist sie auch viel weiter von uns weg, 150 Mio Kilometer, wo hingegen der Mond grob nur 380.000 Kilometer von der Erde entfernt ist.
    Schafft es die Mondscheibe, die Sonne zu verdecken, spricht man von einer totalen Sonnenfinsternis. Die gleißend helle Sonne wird vom schwarzen Mond bedeckt. Nun tritt die wunderbare schwach leuchtende Korona hervor, Blüten schließen ihre Kelche, Vögel stellen ihren Gesang ein, bzw. stimmen ihr Morgenlied an, Nachtluft scheint zu wehen
    und Protuberanzen am Rand der Mondscheibe werden sichtbar. So ein Spektakel kann niemals länger als 8 Minuten dauern, weil die gegenseitige Drehung der Körper, deren Abstände zueinander und deren Größenverhältnisse bezüglich des Schattenwurfs nicht mehr zulassen.
    Die Corona und die Flammenzungen kann man bei unverdeckter Sonne nur mit speziellen Instrumenten erblicken, weil sie vom Licht der Sonne überstrahlt werden. Dieser Lichtkranz entsteht durch Plasma-Ballen, die in den Magnetfeldern der Sonne hängen. Wie genau, wäre ein extra Artikel wert.
  2. Die Erde bewegt sich elliptisch um die Sonne. Das bedeutet, dass sie im Jahreslauf mal der Sonne etwas näher (149 Mio km) und mal etwas weiter (152 Mio km) steht.
    Somit erscheint sie uns leicht größer bei nahem Abstand und etwas kleiner bei fernem Abstand.
    Der Mond tut das ebenso. Er bewegt sich elliptisch um die Erde. Auch er erscheint uns bei größerer Entfernung etwas kleiner und bei Erdnähe etwas größer.
    Nun überlegen wir uns die Kombination dieser Tatsachen.
    Ist die Sonne eher fern von uns, also kleiner, und der Mond eher nahe bei uns, also größer, kann er ganz wunderbar die Sonnenscheibe abdecken. Eine totale Sonnenfinsternis findet statt.

    Ist die Sonne erdnah und der Mond erdfern, vermag der perspektivisch kleinere Mond es nicht, die ganze Sonnenscheibe zu verdecken. Er erzeugt lediglich ein Loch in der Sonnenscheibe. Eine ringförmige Finsternis ist entstanden.

  3. Ich schrieb oben über die Tatsache mit der leicht gekippten Mondbahn. So kommt es vor, dass der Mond etwas oberhalb oder unterhalb der Sonne steht. Auch hier vermag er nicht, die ganze Scheibe abzudecken. Er beißt nur quasi ein Stück ab, wie man das ungefähr vom Logo des Apfels her kennt. Das ist dann eine partielle Finsternis, oder in den meisten Fällen ein ganz gewöhnlicher unspektakulärer Neumond.

Jede Sonnenfinsternis beginnt und endet als partielle Finsterniss. Ob sie dann totalitär oder ringförmig im Kern wird, hängt, wie beschrieben von den Abständen, Erde, Sonne Mond, ab.

Es gibt auch Finsternisse, die alle drei Arten durchlaufen (Partiell, Ringförmig und total).

Kurz vor der totalen Bedeckung bei einer totalen Finsternis tritt ein Phänomen auf, das man Perlenkette nennt. Der Mond als Scheibe gedacht ist etwas leicht ausgefranst, weil er ja auch Berge und Täler hat und nicht Rund, wie ein Kreis ist.
Das bedeutet, dass zwischen den Bergen am Rand der Mondscheibe kurz vor der totalen Bedeckung der Sonne perlenartig noch die Sonne durchscheinen kann, bis sich dann der ganze Mond davor schiebt.
Die letzte „Perle“ vor der absoluten Totalität, nennt man den Diamantring.

Klingende Finsternisse

Schon ganz schön verwirrend, diese Mondzyklen und die gemeinsamen Treffen aller zur Finsternis. Ohne Bilder alles nur schwer vorstellbar. Aber bilder gibt es beim Sternenonkel nur selten. Dennoch gibt es eine inklusive Art, sich Finsternisse zu vergegenwärtigen.
Jeder weiß, dass Kirchenglocken sehr chaotisch und unregelmäßig durcheinander klingen. Das liegt daran, dass die großen Glocken langsamer in ihrem Turm schwingen, als das kleine Betzeit-Glöckchen, das ganz aufgeregt auch noch mitbimmeln darf.
Manchmal hört man auch, dass zwei Glocken ab und zu gleichzeitig erklingen, um dann wieder auseinander zu driften.
Im Grunde genommen ist das genau, wie mit den unterschiedlichen Monatslängen, die mehr und mehr auseinander driften, um irgendwann mal wieder für eine Finsternis zusammen zu kommen, gemeinsam zu erklingen.
Versucht einfach mal, wenn ihr das nächste mal ein volles Glockengeläut, am besten eines mit drei Glocken hört, euch vorzustellen, dass jede Glocke einem der drei Mondzyklen gehört. Manchmal erklingen alle drei gemeinsam. Dann habt ihr eine Finsternis im Kirchturm gehört.

Fünf entscheidende Sonnenfinsternisse

So weit, so gut. Das ist ja alles ganz nett, aber nützt das auch jemandem, z. B. der Wissenschaft? Hier rufe ich ein ganz klares und entschiedenes „ja“ aus.

Im vorletzten Jahrhundert fanden mindestens fünf totale Finsternisse statt, die Wissenschaftsgeschichte schrieben.

Finsternis 1

Gehören die schönen Flammenzungen am Mondrand, die Protuberanzen, die bei einer totalen Sonnenfinsternis sichtbar werden, zur Sonne oder zum Mond?

Die Antwort gab die Finsternis vom 18. Juli 1860 in Spanien.
Zwei Gelehrte zogen mit ihren Instrumenten an den Ebro und an die spanische Mittelmeerküste.
Zum ersten Mal wurde die Fotografie, damals hieß sie noch Daguerreotypie, eingesetzt.
Der Engländer Warren de la Rue, 1815 bis 1889, ein reicher Papierfabrikant,
war ein Pionier in der Fotografie astronomischer Objekte.
Der Jesuitenpater Angelo Secki, 1818 bis 1887, Direktor des Collegio Romano,
widmete sich in der zweiten Hälfte seines Lebens dem Studium der Sonne.

Beide fotografierten in Spanien die Protuberanzen von Orten aus, die mehrere hundert Kilometer auseinander lagen.
Die Bilder glichen sich wie ein Ei dem anderen.
Die roten Flammenzungen waren also reell.
Mehr noch, rasch nacheinander aufgenommene Platten zeigten, dass sich der Mond vor den Protuberanzen vorbei bewegt.

Damit wusste man, die Protuberanzen gehören zur Sonne.

2. Die eiserne Finsternis

Die Finsternis vom 7. August 1869 konnte längs eines schmalen Streifens beobachtet werden,
der sich von der Beringstraße quer durch Nordamerika nach North Carolina erstreckte.
Diesmal rückte man der Corona zu Leibe.
Es war nicht leicht, das Spektrum dieses schwachleuchtenden Lichtschleiers zu erhalten.

Anfangs schien es nicht allzu aufregend zu sein. Das Licht war anscheinend über das ganze Spektrum gleichmäßig verteilt.
Die dunklen Fraunhofer-Linien des Sonnenspektrums fehlten.
Doch im grünen Bereich entdeckte man eine helle Linie, die man noch nicht kannte.
Welche Atome waren dafür verantwortlich?
Die genaue Vermessung zeigte, dass bei dieser Wellenlänge kein bekanntes Atomlicht aussendet.
Sollte in der Corona der Sonne ein auf der Erde unbekanntes Element den Sonnenphysikern von seiner Existenzkunde geben?

Ende des vorletzten Jahrhunderts gab man dem unbekannten Stoff den Namen Koronium.
Nicht einmal auf der Sonne selbst schien dieses rätselhafte Element vorzukommen, denn es verriet sich auch nicht durch eine Fraunhofer-Linie im Sonnenspektrum. Lediglich in der Korona tauchte es auf.
Erst Mitte unseres Jahrhunderts gelang es, das Geheimnis der grünen Corona-Linie zu lüften.
Sie rührt von Atomen des Eisens her.
Das Eisengas ist dort so heiß, dass den Atomen, deren Kerne normalerweise von einer Wolke von 26 Elektronen umgeben sind, 13 verloren gegangen sind, sodass nur noch 13 Elektronen den Kern umschwirren.
Das ist nur bei unglaublich hohen Temperaturen möglich.
Wir wissen heute, dass die Sonnen-Corona Millionen von Grad heiß ist.
Doch das hatte zur Zeit der Finsternisse des vorletzten Jahrhunderts niemand geahnt.

3. Die indische Finsternis

Am 18.08.1868 bewegte sich der Kernschatten einer Sonnenfinsternis über die indische und die malaiische Halbinsel.

Der Astronom und Fotograf Pierre Jules César Janssen nahm also die beschwerliche Reise auf sich, um von Guntur in Indien aus diese Finsternis zu beobachten und zu fotografieren.

Während der kurzen Dunkelheit erkannte er im Spektroskop, dass die Protuberanzen hauptsächlich bei den Wellenlängen des Lichtes des Wasserstoffs abstrahlen. Man bedenke, dass es damals durchaus noch nicht klar war, woraus die Sonne hauptsächlich besteht. Das erklärte uns erst die Frau mit dem Sonnenstoff.
https://blindnerd.de/2022/03/08/die-frau-mit-dem-sonnenstoff-weltfrauentag-2022/
Man ging davon aus, dass die Sonne sich in ihrer Zusammensetzung unwesentlich von der irdischen unterscheiden sollte.
Aber Spektralaparate waren bereits erfunden und man entdeckte auch die Lichtsignaturen nahezu aller chemischen Elemente in der Sonne, welche sie sich bei ihrer Entstehung einverleibt hatte.

Als nach kurzer Zeit die Sonne wieder hinter der Mondscheibe hervortrat und die Protuberanzen verblassten, soll Janssen ausgerufen haben:
„Diese Linien will ich auch außerhalb der Finsternisse beobachten.“
Am nächsten Tag richtete er sein mit einem Spektroskop ausgestattetes Fernrohr gleich nach Sonnenaufgang auf die Stelle des Sonnenrandes, an der er während der Finsternis eine besonders helle Protuberanz gesehen hatte.

Wenn janssen in seinem Spektroskop nur auf die Alpha-Linie des
Wasserstoffs schaute, dann war er für nahezu alles andere Licht blind. Sonnenbeobachter bis heute betrachten die Sonne gerne in diesem Licht und blenden alles andere mit Filtern weg.

Tatsächlich konnte er das Licht der Spektrallinien der Protuberanzen auch am hellen Taghimmel ausmachen. Durch den Spalt des Spektroskops
am Fernrohr sah er im Licht der roten Wasserstofflinie einen schmalen Streifen der über den Rand der Sonnenscheibe herausragenden leuchtenden Gasmassen. Wenn er das Fernrohr leicht bewegte, dann verschob sich der Spalt und bot den Anblick eines benachbarten schmalen Streifens der Protuberanz. So konnte janssen am Spektroskop Streifen
für Streifen des Sonnenrandes abtasten, zeichnen und zu einem Bild der gesamten Protuberanz zusammensetzen.
Die beiden konnten zwar Protuberanzen mit ihren Spektrographen und Teleskopen beobachten, die sich am Rand der Sonnenscheibe befanden, aber Protuberanzen auf der hellen Sonnenscheibe blieben einem anderen großen Astronomen vorbehalten.

Der erst 21jährige George Ellery Hale grübelte darüber nach, wie man trotz des störenden Lichtes der Sonne bessere otografien gewinnen und damit mehr auf der Fotoplatte festhalten konnte.

Zur Idee seines neuen Instrumentes soll er gesagt haben, dass sie ihm in der Straßenbahn gekommen sei, als er aus dem Wagen heraus auf die Latten eines Lattenzaunes blickte und sich der dahinterliegende Garten scheinbar an den Zwischenräumen vorbei bewegte. Das war die Geburt des Spektroheliographen, wie Hale das Gerät nannte, das in diesem Augenblick in seinem Kopf entstand.
Siehe: Eine Finsternis, ein Sonnenforscher und ein Lattenzaun

4. Einsteins Finsternis

Am 14.12.1919 brachte die Berliner ilustrierte Zeitung auf ihrer Titelseite das Portrait Albert Einsteins und schrieb:

„Eine neue Größe der Weltgeschichte, Albert Einstein, dessen Forschungen eine völlige Umwälzung unserer Naturbetrachtung bedeutet, und den Erkenntnissen eines Kopernikus, Kepler und Newton gleichwertig sind,“
Dieser Einstein war in das Interesse der Medien gerückt. Schuld daran war eine Sonnenfinsternis.

Wenn es stimmt, dass große Massen den Raum, bzw. die Raumzeit krümmen, sollte sich das anhand von Licht in der Nähe großer Massen, nachweisen lassen.
Gesucht wurde ein Objekt, das eine große Masse besitzt, aber entweder selbst nicht leuchtet, bzw. dessen Licht durch etwas anderes verdeckt wird.

Eine Sonnenfinsternis schien dazu geeignet, weil die Sonne eine große Masse besitzt und der mond manchmal dazu in der Lage ist, ihren alles überstrahlenden Lichterglanz abzudecken, damit zum Vorschein kommt, was in ihrer unmittelbaren Umgebung leuchtet und normalerweise durch ihren Glanz nicht sichtbar ist. Das sind die Korona und die Sterne am Taghimmel.

Ihr eigenes Licht wird zum Zeitpunkt der Totalität komplett vom Mond verdeckt. Aber ihre im Vergleich zur Erde riesige Masse, sollte das Sternenlicht, das in ihrer Nähe vorbei geht, leicht verzerren, weil in ihrer Nähe durch ihre Masse die Raumzeit oder auch der Raum gekrümmt werden sollte.
Einstein schlug diese Idee des Nachweises vor und gab sogar eine Grad-Zahl an, um wie viel Bruchteile einer Bogensekunde die Sterne zu ihrer sonstigen Position verschoben sein sollten. Er gab zunächst 0,875 Bogensekunden an. Betrachtete man ein Eurostück aus einer Entfernung von fünf Kilometern, betrüge sein Winkel von Rand zu Rand ungefähr diesen Wert.

Die erste Möglichkeit der Beobachtung einer Sonnenfinsternis, ergab sich 1912 in Brasilien. Diese viel aber wegen Wolken und Regen ins Wasser.

Die nächste war am 21.08.1914 in Russland. Doch drei Wochen zuvor brach der erste Weltkrieg aus. Die deutschen Astronomen, die mit ihrem Gerät bereits in Russland waren, wurden interniert und deren Geräte beschlagnahmt.

1915 hatte Albert Einstein seine relativitätstheorie vervollkommnet und bemerkt, dass die Ablenkung ungefähr doppelt so hoch sein könnte.

Die Möglichkeit einer Überprüfung, einsteins neuestem Werts ergab sich am 29.05.1919 von der Insel Principe vor der Küste spanisch Guineas aus.
Wenn man bedenkt, dass der deutsche Einstein für die Engländer ein Feind war, ist es um so bemerkenswerter, dass sie diese Expedition vorbereiteten und durchführten.

Unter der Leitung des großen britischen Astronomen Athur Edington, wurde das Sternenfeld, in welchem die Finsternis stattfinden würde, bereits ein halbes Jahr vor dem Ereignis fotografiert, als es noch am Nachthimmel zu sehen war, um Vergleichsaufnahmen für die während der Finsternis gemachten Bilder zu haben.

Eine weitere englische Expedition beobachtete das Ereignis von Brasilien aus.
Beide Expeditionen fanden die Ablenkung des Sternenlichts und somit Einsteins Theorie bestätigt.
Und so war spätestens im November 1919 Einstein ein berühmter Mann geworden, dass sogar die Newyork Times über seine Entdeckung berichtete..

Mythen rund um Finsternisse

Es liegt nahe, dass Finsternisse und Kometen für zahlreiche Geschichten und Mythen sorgten. Und wenn die Daten nicht ganz aufeinander passten, dann wurden sie mit der Zeit eben passend gemacht. Außerdem werden Geschichten immer besser, um so öfter sie erzählt werden. Lassen wir hier einige davon erklingen.

  1. Die Schlacht, die plötzlich im Dunkeln endete – 585 v. Chr.
    Die Meder und Lyder kämpften in Kleinasien bereits seit Jahren gegeneinander. Während einer Schlacht am 28. Mai 585 v. Chr. wurde es plötzlich mitten am Tag dunkel: eine totale Sonnenfinsternis.
    Beide Heere interpretierten das Ereignis offenbar als Zeichen der Götter und stellten den Kampf ein. Schließlich schlossen die verfeindeten Parteien Frieden. Der griechische Philosoph Thales von Milet soll die Finsternis sogar vorhergesagt haben – wobei Historiker heute bezweifeln, dass wir wirklich wissen, wie er das hätte berechnen können.
  2. Der König, der sich vor der Finsternis verstecken musste
    Im alten Mesopotamien waren Sonnen- und Mondfinsternisse besonders gefährliche Omen für den König. Die Priester beobachteten den Himmel und deuteten die Finsternis als mögliche Ankündigung von Tod oder Unheil für den Herrscher.
    Und jetzt wird es ziemlich makaber:
    Wenn eine gefährliche Finsternis bevorstand, konnte ein „Ersatzkönig“ eingesetzt werden. Ein anderer Mann wurde zum König erklärt, bekam königliche Kleidung und sogar eine Königin. Der echte König verschwand währenddessen aus der Öffentlichkeit.
    Nach Ablauf der gefährlichen Zeit wurde der Ersatzkönig getötet – das vorhergesagte Unheil sollte ihn treffen, nicht den wirklichen Herrscher.
    Das ist tatsächlich historisch belegt und keine bloße Legende.
  3. Der chinesische Drache frisst die Sonne
    Eine sehr verbreitete chinesische Vorstellung erzählt von einem Himmelsdrachen, der die Sonne verschlingt.
    Wenn die Sonne während einer Finsternis verschwand, versuchte man, das Ungeheuer zu vertreiben: Man machte Lärm, schlug Trommeln und veranstaltete allerlei Krach.
    Die beiden Hofastronomen Hi und Ho, welche über Trunk und Feiern vergaßen, eine Finsternis anzukündigen, kostete dieses Versäumnis ihre Köpfe.
    Der Drakonistische, Drachenmonat, verdankt seinen Namen dieser Legende.
  4. Die Wölfe der Wikinger
    In der nordischen Mythologie verfolgen die beiden Wölfe Sköll und Hati die Himmelskörper Sonne und Mond.
    Sköll jagt die Sonne, Hati den Mond. Wenn einer der Wölfe sein Ziel erreicht und den Himmelskörper verschlingt, kommt es zur Finsternis.
    Im Zusammenhang mit Ragnarök, dem Untergang der alten Welt, gelingt es den Wölfen schließlich tatsächlich, Sonne und Mond zu verschlingen.
    Man kann sich also eine Sonnenfinsternis als einen kurzen Moment vorstellen, in dem der Wolf die Sonne beinahe erwischt.
  5. Die Bibel: „Die Sonne wurde dunkel“
    Hier wird es besonders interessant, weil die Finsternis direkt in der Passionsgeschichte vorkommt.
    Die Evangelien des Neuen Testaments berichten, dass während der Kreuzigung Jesu von etwa der sechsten bis zur neunten Stunde Dunkelheit über das Land kam. Lukas formuliert sogar, dass die Sonne ihr Licht verlor.
    Das ist allerdings keine normale Sonnenfinsternis: Eine totale Sonnenfinsternis dauert an einem bestimmten Ort höchstens wenige Minuten, nicht drei Stunden.
    Siehe: Die Finsternis an Karfreitag und der zerrissene Tempelvorhang

    Dazu kommen zwei interessante alttestamentliche Stellen:
    Bei Amos 8,9 heißt es sinngemäß, Gott werde die Sonne am Mittag untergehen lassen und die Erde am hellen Tag verdunkeln.
    Und Joel 2,31 sagt:
    Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut.

    Noch eine bemerkenswerte Bibelstelle findet sich im Buch Josua.
    Josua soll bei der Schlacht von Gibeon gesagt haben:
    „Sonne, steh still!“
    und der Mond solle ebenfalls stillstehen.

    Das wurde immer wieder mit einer außergewöhnlichen Himmelserscheinung in Verbindung gebracht. Moderne astronomische Untersuchungen haben sogar versucht, eine konkrete historische Sonnenfinsternis damit zu identifizieren. Eine Forschungsarbeit kommt als Kandidaten auf den 30. September 1131 v. Chr.
    Ob das tatsächlich die historische Grundlage der Erzählung war, ist allerdings keineswegs gesichert.

  6. Kolumbus und der „Blutmond“ von 1504
    Das ist eine der berühmtesten Geschichten über eine Mondfinsternis.
    Christoph Kolumbus saß 1504 auf Jamaika fest. Die dortigen Taíno versorgten die Spanier zunächst mit Nahrung, weigerten sich aber schließlich.
    Kolumbus wusste aus seinen astronomischen Tabellen, dass bald eine Mondfinsternis stattfinden würde. Er soll angekündigt haben, dass sein Gott zornig sei und den Mond verschwinden lassen werde.

    Als der Mond tatsächlich dunkel und anschließend blutrot wurde, sollen die Taíno beeindruckt gewesen sein. Kolumbus konnte die Situation anschließend nutzen, um die Versorgung seiner Männer wieder sicherzustellen.

    Die Geschichte stammt allerdings aus späteren europäischen Berichten und sollte deshalb nicht völlig unkritisch als wortgetreuer historischer Tatsachenbericht erzählt werden. Die astronomische Finsternis vom 1. März 1504 ist dagegen eindeutig. Interessanterweise liegt sie ziemlich genau 521 Jahre vor der Mondfinsternis vom März 2025 – ein Hyper-Saros-Zyklus.
    Siehe: Eine Finsternis als Lebensretterin

Finsternisse in der Literatur

Betrachten wir nun zum Schluss noch einige Finsternisse in unserer Literatur.

Sonnenfinsternis bei Marc Twain

In einer Erzählung ließ Marc Twain einen Amerikaner durch einen Blitzschlag einen Zeitsprung vollführen. Dieser Mensch taucht nun am 19.06. des Jahres 528 in der Zeit des sagenhaften König Artus wieder auf. Durch zahlreiche Verwicklungen gerät dieser Mann schließlich in das Gefängnis und wurde zum Tode verurteilt.

Er verfügt jedoch über ein Wissen der besonderen Art.
Er sagt für den 21.06.528 eine totale Sonnenfinsternis voraus. Hierdurch erlangte er die Gunst des Königs und letztlich dann auch seine Befreiung. Er wird zum astronomischen Berater des Königs ernannt.
So weit, so gut, aber fand an diesem Tage überhaupt eine Sonnenfinsternis statt, die Atus und seine Mannen hätten sehen können?

Um dieses herauszufinden, müssen wir ein Verzeichnis oder einen Katalog bemühen, in welchem alle Finsternisse der letzten 2000 Jahre verzeichnet sind. Am besten eignen sich hier die Kataloge von Opolzer oder der von Mucke. Selbstverständlich kann man heutzutage auch kostenlose Software, wie Stellarium verwenden, obwohl die je früher man in der Zeit zurückgeht, ihre Grenzen hat.

Im Jahre 528 gab es vier Sonnenfinsternisse, am 06.02, 06.03, am 01.08. und am 30.08. Alle waren partieller Natur.
Da am 01.08. neumond geherrscht haben muss, denn ohne Neumond keine Sf war dies auch einen synodischen Monat vorher, also Anfang Juli der Fall. Der 21.06. war somit kurz nach Vollmond. Ein unmöglicher Zeitpunkt für eine Sf. Vermutlich erfand Twain das Datum einfach.
Schön und spannend bleibt diese Erzählung dennoch.

Jules Vernes Sonnenfinsternis

In dem zweibändigen Roman „Im Land der Pelze“ beschreibt Jules Vern, der Vater der Science Fiction Literatur, die Abenteuer einer Reisegruppe, die nach Alaska kommt.
Unter den Mitreisenden befindet sich ein Astronom. Verne beschreibt ihn als Menschen, der außer seine Sternbeobachtungen nichts zuwege bringt. Dieses jedoch macht ihm keiner gleich. Dieser Astronom, Namens Black, schließt sich der Reisegruppe an, um eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten. Diese soll am 18.06.1860 stattfinden. Gegen 09:30 beginnt die totale Phase der Finsternis. Black und seine Reisegefährten sehen die Sichel des Mondes immer dünner werden. Jeden Moment muss die totale Bedeckung anbrechen. Doch dann geschieht etwas ganz anderes. Black sieht, dass die Mondsichel plötzlich wieder breiter wird und somit die Phase der totalen Bedeckung überhaupt nicht stattfand. Was war hier geschehen? Waren die Kataloge und Voraussagen der Astronomen falsch? Keines Wegs. Die Lösung des Problems war entsätzlich.

Die Gruppe befand sich gar nicht an dem Orte, an welchem sie sich wähnte.
Die Reisegruppe hatte nicht bemerkt, dass die Eisscholle, auf welcher sie sich befand, sich vom Festland gelöst hatte und in südlicher Richtung in wärmere Gewässer durch die Beringsee trieb. Diese Drift brachte die Scholle außerhalb des Streifens der Totalität.
Der Rest des Romans handelt dann davon, wie die Gruppe auf dem Eis um ihr Überleben kämpfte.

Was hat es nun tatsächlich mit der Sonnenfinsternis von Verne auf sich?
Tatsächlich gab es an besagtem Tage eine Sonnenfinsternis, deren Streifen der Totalität sich, wie bei Jules Verne beschrieben, von Alaska, über Kanada und den Atlantik ins Mittelmeer erstreckte.Es ist aber nicht verwunderlich, dass Verne im Gegensatz zu Twain eine tatsächlich stattgefundene Finsternis beschrieb. Der Roman erschien 1873, also 13 Jahre nach der Finsternis. Verne musste sich somit nicht auf Vorausberechnungen stützen, sondern konnte sich auf sicher fundamentiertes gewesenes verlassen.

Sonnenfinsternis bei Adalbert Stifter

Wenn man Sonnenfinsternisse literarisch betrachtet, dann kommt man an Adalbert Stifters Beschreibung einer von ihm selbst beobachteten Sonnenfinsternis nicht vorbei. Für mich stellt sie die schönste deutschsprachige Beschreibung einer Sonnenfinsternis dar, die ich kenne.
Siehe: Eine literarische Erinnerung
Anhören könnt ihr euch diesen wunderbaren Text ebenfalls. Siehe untenstehende Linkliste von Eberhard.

Weitere Links zur Sonnenfinsternis

Eberhard, auf dessen Newsletter ich schon mehrfach Gastbeiträge veröffentlichen durfte, hat hier eine ganz wunderbare Linkliste zum Thema Sonnenfinsternis zusammengestellt. Diese teile ich hier gerne mit euch.
Eberhard sagt.
Vor allem der erste Beitrag in der ARTE-Mediathek ist besonders gut:
Die Sofi bei ARTE:
https://www.arte.tv/de/videos/125674-000-A/totale-sonnenfinsternis-europa-im-mondschatten/

Die Sonnenfinsternis wird LIVE übertragen von
https://www.digitalfernsehen.de/news/inhalte/fernsehen/zdf-uebertraegt-totale-sonnenfinsternis-live-aus-mallorca-1184934/

Harald Lesch „Was ist eine Sonnenfinsternis?“ in BR alpha centauri:
https://www.ardmediathek.de/video/alpha-centauri/was-ist-eine-sonnenfinsternis/ard-alpha/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9GMjAxNldPMDExODIzQTA

und seine persönliche Sofi-Beobachtung:
https://www.youtube.com/watch?v=jP84qOF77S0

Sonnenfinsternis beweist Relativitätstheorie, Harald Lesch
https://www.reddit.com/r/de/comments/6ual60/sonnenfinsternis_beweist_relativit%C3%A4tstheorie/

Totale Sonnenfinsternis in der MAUS:
https://youtu.be/pxWb10AZ-NA?is=gNkyd0UJgoMNDH4G

„Die Sonnenfinsternis“ von Adalbert Stifter
Die meisten Sonnenfinsternis-Experten kennen ja die wunderbare Schilderung der Sonnenfinsternis vom
8. Juli 1842 von Adalbert Stifter, die er auf der Aussichtsterrasse des Kornhäuslturms über den Dächern von Wien beobachten konnte.

Das „Schmankerl“ ist nun, dass ich Christian Baumann dafür gewinnen konnte, diesen Text zu lesen.

Christian Baumann ist als Schauspieler und Sprecher seit 1996 auf zahlreichen Theaterbühnen und in TV-Produktionen zu sehen. Er ist bekannt als Sprecher in Funk und Fernsehen, beispielsweise auch bei Bayern 2, sowie aus unzähligen Hörbuchproduktionen.
Seine Filmografie und Produktionsübersicht sind hier zu finden: http://www.baumannchristian.de/
Weitere Infos auch hier:
In Wiki

Seine Lesung von Stifters Text
Dauer: 21 Minuten
Ich empfehle diese Datei vor dem Beginn der Sofi abzuspielen. Das ist die perfekte Einstimmung zur Sofi.

Aus dem Blog des blinden Astronomen Gerhard Jaworek erfahren wir zu dieser Schilderung von Adalbert Stifter Folgendes:
„Der Aufsatz „Sonnenfinsternis“ von Adalbert Stifter erschien zuerst in der „Wiener-Moden-Zeitung und Zeitschrift für Kunst, schöne Literatur und Theater“ 1842 III. Quartal.“

Frag, und es wird Tag – Ein Mondpipser


Meine lieben,
Lasst uns mal wieder eine eurer Fragen beantworten. Gerne mehr davon.
Diesmal erreichte sie mich über den Newsletter von Eberhard, für den ich mittlerweile schon drei mal schreiben durfte.
Eberhard schreibt:
…

Etwa 20 % meiner Newsletterleserinnen und -leser sind blind oder sehbehindert.
Häufig waren sie Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Workshops „Astronomie für blinde und sehbehinderte Menschen“
von Birgit, Harald und mir als Referenten und Mitglieder der Beobachtergruppe Sternwarte Deutsches Museum.
Deshalb tauchen hier auch Fragestellungen auf, die für diese Lesergruppe, aber auch für Sehende interessant sind, denn einer lernt vom anderen.
Nachdem ich im letzten Newsletter die Mondfinsternis thematisiert habe, stellen Gabi und Dieter – beide sehbehindert oder blind (so genau weiß ich das gar nicht) – folgende Mond-Frage:

„Lieber Eberhard,
ist es möglich, von irgendeiner Quelle mittels einer Fotodiode mit einem Tongeber einen Pieps zu bekommen?
Damit könnte man als Vollblinder in der Nacht schon mal neugierigerweise den Mond und vielleicht auch einen ähnlich hellen Himmelskörper hörbar machen.
Könnt ihr uns da weiterhelfen? “

Da ich diese Frage gerne von einem Experten beantworten lassen möchte, habe ich diese Frage an Gerhard Jaworek weitergeleitet,
der hier schon mehrere ausführliche Artikel zur Astronomie für blinde Menschen geschrieben hat.
Er hat sich auch gleich daran gemacht, die Frage zu beantworten:

Hier also nun meine Antwort:
Lieber Eberhard,
Das ist eine spannende Frage.

Grundsätzlich gibt es Lichtdetektoren für blinde Menschen, die man sogar punktgenau ausrichten kann.
Die meisten Geräte zur Erkennung von Farben, enthalten diese Funktion. Desto mehr Licht in solch einen Detektor fällt, desto höher pipst dieser. Bei Dunkelheit schweigt er.
Lichtdetektoren brauchen blinde Menschen vor allem dann, wenn Sehende zu Besuch waren und wenn z. B. Kerzen an waren. Auch für Kontrolllämpchen etc. kann man das gut einsetzen.
Es gab mal einen Lichtdetektor, Bontlight007, der so punktgenau und empfindlich war, dass man mit dessen Hilfe sogar die Aussteuerung der Kanäle eines Mischpultes kontrollieren konnte.
Nicht zuletzt gibt es Apps für das Handy, die über Audio Licht signalisieren. Ich finde aber, dass die oft nicht viel taugen, weil die Handykamera einen zu großen Einfallswinkel hat,
so dass die Richtung, aus der das Licht kommt, eventuell nicht so gut ortbar ist.
Aber nähern wir uns langsam dem Mond:
Es mag für sehende Menschen unbegreiflich erscheinen, aber ich habe noch mit keinem Lichtdetektor, sei er noch so teuer (wir sprechen hier von mehreren hundert Euro)
den Vollmond anvisieren können.
Die Dinger sind einfach nicht empfindlich genug. Außerdem ist der Mond ja schon recht klein. 30 Bogenminuten sind halt einfach verdammt wenig.
Da müsste man mit so einem Sensor schon genau zielen können. Das schafft man blind nicht. Sehende fixieren den Mond ja dauernd mit den Augen ganz automatisch, indem sie es nachführen.
Ich abe bei der Sofi von 1999 versucht, mit meinem Lichtdetektor die Korona zu erwischen. Ging natürlich nicht. Aber die Verdunkelung, die Totalität und den Lichtausbruch danach, konnte ich mit dem Gerät ganz wunderbar erleben. Ich weiß noch genau, wie interessiert die Umstehenden daran waren, wie ich die Sonnenfinsternis jetzt als blinder Mensch erleben möchte.

Für Polarlichter reichen diese Sensoren leider auch nicht, geschweige denn für andere Sterne außer unserer Sonne.
Schade eigentlich, aber Polarlichter machen wenigstens Radioprogramm…
Aber zurück zum Mond.
Als ich noch in der Schule war, vor mehr als vierzig Jahren, und noch einen Sehrest hatte, machten wir mal ein Mondexperiment.
Für Menschen mit Restsehvermögen gibt es bis heute Bildschirmlesegeräte. Man legt das Lesegut auf einen Kreuztisch unter eine Kamera, die das ganze dann vergrößert am Bildschirm darstellt.
Meines aus Mitte der 70er Jahre, war ein umgebauter Schwarz-Weiß-Fernseher. Das konnte man noch am Lautsprechergitter deutlich sehen.
Oh Mann, waren das damals Flimmerkisten. Kein Vergleich zu heute.
Wenn man nicht schon blind war, dann wurde man es bestimmt davon. Aber nein. Wir wollen nicht undankbar sein. Es war der Anfang…
Ich weiß noch, als wir an der Blindenschule Ende der 70er Jahre das erste farbige Bildschirmlesegerät bekamen. Das wurde gehütet wie ein Gral.
Man musste quasi bei der Biologielehrerin Beobachtungszeit wie bei einem großen Teleskop buchen. Und wer sich mit dieser Lehrerin nicht gut stand, hatte ein Problem…
Also. Wir kippten eines Nachts die Kamera solch eines Gerätes so um, dass der Vollmond ins Bild kam.
Ich war total erstaunt, wie rasch der Mond über den Bildschirm huschte und verschwand. Wir hatten ja keine Nachführung oder Montierung. Das war sehr beeindruckend, aber auch für mich gut nachvollziehbar, wie rasch sich der Mond, nein halt, sonst wirds falsch, die Erde unter dem Mond hinweg dreht.

Also. Leider kenne ich derzeit keine Möglichkeit, den Vollmond mit einem Lichtdetektor zu erwischen.
Man kann ihn höchstens mit der Astro-App „Universe2Go“ suchen und finden.
Die installiert man sich auf sein Handy, und legt dieses dann in eine Art Brille.
Vor vielen Jahren durfte ich dem Entwickler dieser App beratend zur Seite stehen, und viele Stunden immer und immer wieder testen und Vorschläge einbringen. Sogar Schulungen auf verschiedenen Computercamps bot ich sogar mehrsprachig dafür an.
Es ist die einzige Sternen-App, die für uns blinde momentan funktioniert.
Ich schicke hier mal zwei Links, wo ich beschreibe, wie ich damit arbeite.
Ich sag’s aber gleich. Das ist, ohne mich loben zu wollen, ganz hohe Schule. Ich kann das nicht ohne schlechtes Gewissen einem Blinden empfehlen. Man braucht dafür eine sehr hohe Frust-Toleranz, und ohne Schulung sich da einarbeiten, geht kaum…
Merkurtransit mit U2G

Kometenjagt mit U2G

Und damit die Geschichte trotz, dass der Mond momentan nicht angepipst werden kann, doch noch schön endet, kommt hier noch meine ganz persönliche Mondgeschichte für euch.

Ich hatte die Möglichkeit, 1993 eine Sternwarte zu besuchen, die auf dem Dach eines Gymnasiums installiert war. Schon aus purem Interesse nahm ich daran teil. Damals verfügte ich zwar noch über einen ganz kleinen Sehrest, konnte etwas hell und dunkel sehen, glaubte aber nicht im Traum daran, dass ich etwas im Teleskop sehen könnte.
Bis jetzt hatte ich weder einen Stern, außer natürlich unsere Sonne, noch den hellsten Vollmond am Meer oder in den Bergen sehen können, aber das war mir nicht wichtig. Da bei dieser Führung in erster Linie Sehende und Menschen mit Restsehvermögen anwesend waren, öffnete der Astronom das Teleskop und richtete es zunächst auf den Vollmond aus.
Nur aus Neugier, wie es sich physisch anfühlt, durch ein Teleskop zu sehen, legte ich mein linkes Auge mit der Helldunkel-Fähigkeit an. Und da geschah es: Ganz schwach, aber sehr deutlich konnte ich die Scheibe des Mondes erkennen. Ein Aufschrei, ein Hüpfer. Dann verifizierten wir das Ganze. Der Astronom verstellte das Teleskop und ich konnte ihm jeweils sagen, wann der Mond zu sehen war und wann nicht. Einbildung war somit ausgeschlossen.
Nur dieses eine Mal gewährte mir mein Leben den Blick durch dieses Fenster. Diese Mondscheibe liegt noch immer wie ein leuchtender Schatz in meinem Herzen und wird mich das ganze Leben lang begleiten. Erinnerungen verwischen mit der Zeit. Diese ist aber bisher unverändert klar und deutlich präsent. Schon wenige Monate nach diesem Ereignis verschlechterte sich mein Sehvermögen derart, dass ich den Vollmond mit dem stärksten Teleskop der Welt nicht mehr hätte sehen können. Betrübt bin ich darüber nicht, denn ich habe ihn ja gesehen. Einmal und nie wieder.

Ein kleines Land mit großer Wirkung


meine lieben,
was macht ein Sternenonkel in einem fremden Land, einer frenden Stadt und in einem Hotelzimmer, wo er keinen Schlaf findet? Genau. Er beginnt darüber nachzudenken, was es astronomisches an dem Ort gibt, wo er sich gerade befindet.

wie sagt das Sprichwort so schön?

Und wenn man eine Reise tut, dann kann man was erzählen.

Nach langer Zeit, bin ich mal wieder auf einer dreitägigen Konferenz in Amsterdam. Dort geht es um alles rund um tastbare Grafiken, Blindenschrift und neue Technologien dazu. Ich habe u. A. einen sprechenden großen Wagen im Rucksack. Wer mal zu mir in meine Vorträge kommt, kann ihn mal erleben. Für jetzt habe ich mich darauf verlegt, mal zusammen zu tragen, was dem Sternenonkel an fremden Orten in einer schlaflosen Nacht so alles einfallen kann.
was das kleine Ländchen Niederlande so in Sachen Astronomie zu bieten hat. Und schnallt euch an. Das ist nicht wenig, und bestimmt habe ich auch noch einiges vergessen.
Also los:

Vorwort

Die Niederlande – ein kleines Land mit großer Geschichte, besonders wenn es um das Verstehen der Welt und des Himmels geht. Kaum ein anderer Ort hat in den letzten Jahrhunderten so viele Denker, Bastler, Philosophen und Sternengucker hervorgebracht, die in enger Beziehung zueinander standen. Hier treffen sich Astronomie, Navigation, Optik und Geist – eine faszinierende Mischung.

Der neue Weitblick

Um 1608 soll ein Brillenmacher aus Middelburg namens Hans Lipperhey das erste Fernrohr gebaut haben. Ob er tatsächlich der Erste war, darüber streitet sich die Fachwelt. Doch fest steht: Das Prinzip des Fernrohrs wurde in den Niederlanden geboren – und es veränderte alles.

Wenig später richtete Galilei ein verbessertes Modell gen Himmel.
Er entdeckte damit Sonnenflecken, die vier Jupitermonde Europa, Ganimet, Kalisto und IO, das unser Mond Krater besitzt, welche er Meere nannte und dass das Kopernikanische Weltbild stimmen muss.
aber der Impuls und das Instrument dazu kamen von niederländischem Boden. Ohne diese bescheidene Linse hätten wir vielleicht viel später in die Krater des Mondes und in die Ringe des Saturn geschaut.

Straßen, Wellen und Monde

Christian Huygens war das niederländische Universalgenie des 17. Jahrhunderts:. Mit einem selbstgebauten Fernrohr entdeckte er 1655 den größten Mond des Saturn, Titan. Er erkannte die wahre Natur der Saturnringe – kein fester Ring, sondern ein System aus zahllosen Partikeln.

Doch Huygens war nicht nur Himmelsbeobachter. Mit seiner Wellentheorie des Lichts legte er den Grundstein für unser modernes Verständnis von Optik. Und seine Erfindung der Pendeluhr revolutionierte die Zeitmessung – ein entscheidender Fortschritt für Astronomie und Navigation.

Orientierung auf hoher See

Im sogenannten Goldenen Zeitalter eroberten niederländische Schiffe die Weltmeere. Doch ohne Orientierung am Sternenhimmel wäre das gar nicht möglich gewesen. Navigiert wurde mit Jakobsstab, Sextant, Astrolabium – und später, dank präziser Uhren, auch mit Längengradberechnung.

Zwar war es John Harrison, der später mit seinem Chronometer wirklich schiffstaugliche Uhren baute, doch Huygens war der erste, der eine grundsätzlich seetaugliche Uhr mit Federantrieb entwarf. Ich schrieb dazu bereits in meinem Beitrag
Ein Uhrmacher revolutioniert die Seefahrt

Weldkarten

Die Kartografie florierte parallel zur Seefahrt:

  • Gerardus Mercator entwickelte die nach ihm benannte Mercator-Projektion, die Kurslinien zu Geraden machte – ein Meilenstein für die Navigation.
  • Willem Blaeu, Schüler von Tycho Brahe, wurde Hofkartograf der VOC. Er erstellte prächtige Stern- und Seekarten, die bis heute beeindrucken.

Die niederländischen Kartografen verschmolzen Wissenschaft, Kunst und praktischen Nutzen – das war europäische Spitzenklasse.

Struktur des Kosmos

In modernerer Zeit leisteten niederländische Astronomen entscheidende Beiträge zur Struktur des Kosmos:

  • Jacobus Kapteyn modellierte anhand von Sternzählungen die erste realistische Vorstellung der Milchstraße.
  • Der Kuipergürtel, dieses riesige Reservoir eisiger Himmelskörper jenseits der Neptunbahn, ist nach dem niederländisch-amerikanischen Astronomen Gerard Kuiper benannt.
    In ihm befinden sich unzählige kleine, eisige Körper, darunter Zwergplaneten wie Pluto, Haumea, makemake und möglicherweise sogar noch größere Objekte, die noch unentdeckt sind. Wegen dieser Entdeckungen wurde eine neue Definition nötig, was ein Planet überhaupt ist. Ansonsten hätten wir nicht nur acht Planeten zu lernen, sondern vielleicht hunderte..
  • Jan Hendrik Oort zeigte, dass sich die Galaxis dreht – und postulierte die heute so bekannte Oortsche Wolke, ein Kometen-Reservoir am Rande des Sonnensystems.

Beide zeigten: Auch die ferne Milchstraße kann man mit Daten und Logik zum Sprechen bringen.

Die erweiterte Bedeutung einer Linse

Man könnte meinen, Baruch Spinoza habe nur mit Worten gearbeitet. Doch der große Aufklärungsphilosoph war auch Linsenschleifer – und ein herausragender noch dazu. Seine feinen Linsen gingen an Mikroskopbauer, Astronomen und Naturforscher.

Spinoza sah die Welt als ein einziges zusammenhängendes System – seine Philosophie und sein Handwerk spiegeln ein Weltbild, in dem Wahrnehmung, Denken und Materie untrennbar verbunden sind.

Der Astronom mit gesellschaftlichem Blick

Anton Pannekoek war einer der eigenwilligsten niederländischen Denker: Astronom und sozialistischer Theoretiker. Tagsüber erforschte er Sternatmosphären, abends schrieb er über Gesellschaft, Macht und Emanzipation.

Für ihn gehörten Wissenschaft und Gesellschaft zusammen – ein Beispiel dafür, wie Denken über Sterne und Menschen Hand in Hand gehen kann.

🏛️ Forschungseinrichtungen mit Weitblick

Die niederländische Forschung ist auch heute bedeutend:

  • Die Sterrewacht Leiden ist eines der ältesten Observatorien der Welt.
  • Das Institut ASTRON betreibt mit LOFAR eines der fortschrittlichsten Radioteleskope Europas.
  • In Noordwijk sitzt das technische Zentrum der ESA, ESTEC – das Herzstück vieler europäischer Weltraummissionen.

✨ Fazit:

Die Niederlande haben uns nicht nur Tulpen, Käse und Kunst geschenkt – sondern auch neue Augen für das Universum.

Von der ersten Linse bis zur Radiogalaxie reicht ihr Vermächtnis. Ein Land zwischen Deich und Daten, zwischen Philosophie und Fernrohr, das gezeigt hat:

Man kann Himmel und Erde zugleich im Blick haben.

Ihr seht es ja selbst. Alleine in diesem Artikel sind schon wieder so viele Türchen für weitere aufgegangen. Hört denn das niemals auf?

Das Jahr der Schlange


Meine lieben,

gestern, am 29.01.2024, wurde das chinesische Neujahrsfest gefeiert.
Da bei uns einige Asiaten promovieren, bekommt man das meistens mit. Im letzten Jahr stand das chinesische Jahr im Drachen. Über diesen Glücksbringer schrieb ich in
Ein Chinesischer Glücksbringer.
Womit wir uns noch gar nicht befasst haben ist, wie sich dieses Neujahrsfest berechnet.

Wann

Das chinesische Neujahrsfest richtet sich nach dem chinesischen Lunisolarkalender und fällt auf den Neumond zwischen dem 21. Januar und dem 20. Februar.
Es findet immer am zweiten Neumond nach Wintersonnenwende statt.

Wir erinnern uns:

Auch wir benutzen solch einen Kalender, der sich nach Sonne und Mond richtet, zur Berechnung unseres Osterfestes. Daraus leiten sich dann viele andere Kirchenfeste und Feiertage ab.
Damit uns Ostern nicht durch das ganze Jahr läuft, hängen wir es an den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem astronomischen Frühlingsanfang.
Dieses erklärte ich in
Wieso ist Ostern manchmal so früh, und manchmal so spät.
Da der Islan zur Berechnung seines ramadan nur den Mond verwendet, passiert genau das. Mal ist Ramadan im Sommer, und einige Jahre später wieder im Winter.
Darüber sprachen wir in
Eine Ostergeschichte für Respekt und Toleranz

Aber zurück zum chinesischen Neujahrsfest.
Das Chinesische Neujahr fällt, wie gesagt, immer auf den zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende
Die Wintersonnenwende ist immer am 21. oder 22. Dezember.
Der erste Neumond danach tritt meist im Januar auf.
Der zweite Neumond folgt dann zwischen dem 21. Januar und 20. Februar. Genau in diesen Zeitraum fällt also das chinesische Neujahr.

Schaltmonate im chinesischen Kalender

Ein Mondjahr hat etwa 354 Tage, also 11 Tage weniger als das Sonnenjahr.
Um den Kalender mit dem Sonnenjahr zu synchronisieren, wird etwa alle drei Jahre ein zusätzlicher Schaltmonat eingefügt.
Dadurch kann sich das Neujahrsdatum leicht verschieben.

Beispiele

Beispiel für 2024, dem Drachenjahr:
Die Wintersonnenwende war am 22. Dezember 2023.
Der erste Neumond danach war am 11. Januar 2024.
Der zweite Neumond fiel auf den 9. Februar 2024 → Chinesisches Neujahr am 10. Februar 2024.

Wie es dieses Jahr war:
der benötigte Neumond begann bei uns am 29.01. gegen 13:30 Uhr, 12:30 UTC. Peking ist uns ungefähr 7 Stunden, bzw 8 Stunden zur UTC voraus. Diese Zeit wird als Grundlage genommen. Somit begann in Peking der Neumond gegen 20:30 ihrer Zeit.

Das Fest

Das chinesische Neujahrsfest, auch Frühlingsfest (Chūnjié, 春节) genannt, ist das wichtigste traditionelle Fest in China und wird über mehrere Tage hinweg gefeiert. Es beginnt am ersten Tag des chinesischen Mondkalenders und endet mit dem Laternenfest am 15. Tag.
Hier nun die wichtigsten Bräuche zum Fest:

  1. Vorbereitungen (Tage davor)
    Hausputz: Alte und schlechte Energien und Unglück werden entfernt.
    Dekoration: Rote Laternen, Glückssymbole und Spruchbänder mit Segenswünschen werden aufgehängt.
    Einkauf: Geschenke, Speisen, Süßigkeiten und rote Umschläge für das ((Hóngbāo, 红包) werden besorgt.
    In diesen Umschlägen werden Kindern und nichtverheirateten Personen Geld überreicht.
  2. Silvesterabend (Chúxī, 除夕)
    Die Familien kommen zusammen und verspeißen traditionelle Gerichte, wie Jiaozi (Teigtaschen) im Norden und Fisch im Süden Chinas.
    Fernseh-Gala: Die CCTV-Neujahrsgala ist ein TV-Highlight.
    Mitternachtsfeuerwerk: Vertreibt böse Geister und bringt Glück.
  3. Neujahrstag (Chūyī, 初一)
    Besuche bei Verwandten: Man wünscht sich Glück und Gesundheit.
    Rote Umschläge: Kinder und unverheiratete Erwachsene erhalten Hóngbāo mit Geld.
    Kein Putzen und keine negativen Worte: Damit das Glück nicht „weggefegt“ wird.
  4. Folgetage (bis zum Laternenfest)
    Besuche bei Freunden und Ahnenverehrung.
    Tanz der Löwen und Drachen: Bringt Glück und vertreibt böse Geister.
    Verzehr von traditionellen Speisen: Tangyuan (süße Reisbällchen), Reiskuchen (Niangao) und andere Spezialitäten.
  5. Laternenfest (Yuánxiāojié, 元宵节)
    Bunte Laternen werden angezündet.
    Rätselwettbewerbe: Gäste müssen Rätsel auf Laternen lösen.
    Abschluss der Feierlichkeiten.

Das Jahreszeichen

Und nun gibt es noch den astrologischen Schwurbel dazu:
Das Jahr 2025 steht im chinesischen Sternzeichen Schlange (Holz-Schlange). Es beginnt am 29. Januar 2025 und endet am 16. Februar 2026. Demnach sollte der 27.02.2026 Neumond sein.
Die Schlange wird im chinesischen Tierkreis als intelligent, weise und geheimnisvoll beschrieben. Das Element Holz bringt zudem Kreativität, Wachstum und Flexibilität mit sich.

Und hier noch ein Fazit

Das folgende fazit hat mit dem chinesischen Jahr zwar nichts zu tun, aber durchaus mit der Entstehung dieses Artikels.
Dabei hat nämlich die Alexa einen erheblichen Mist zusammengeschwurbelt. Sie behauptete steif und fest, dass es dreizehn Stunden unterschied zwischen Peking und uns wären. Dreizehn Stunden voraus würde doch sowieso niemand sagen, sondern eher elf Stunden zur anderen Richtung.
Das war mir gleich suspekt. Sofort stellte ich mir einen Globus vor, der mit Europa zu mir zeigt. Und wenn ich dort dreizehn Stunden weiter drehe, bin ich ganz auf der anderen Seite, wo China ganz bestimmt licht liegt. Ich kam in meiner Vorstellung irgendwo im Pazifik oder sonst einem Meer heraus. Das habe ich heute im Büro, wo ein 3D gedruckter taktiler Globus steht, ausprobiert, und recht behalten.
Zum Glück kann ich mir einen Globus auch dann 3D vorstellen und ihn drehen, wenn keiner da ist.

Mein Fazit für heute ist also:


Frage die KI niemals etwas, wo von Du überhaupt keine Ahnung hast.

Frag, und es wird Tag – Alles rund um die Mondbahn


Meine lieben,
Es wird langsam aufregend. Dies hier ist der Artikel mit der Nummer 298, ja in Worten zweihundertachtundneunzig. Das bedeutet, dass wir bald miteinander feiern werden. Lasst euch überraschen. Ich habe mir etwas schönes und ganz besonderes für euch überlegt. Und dann startet nach der Dreihundert ja auch schon wieder unser Blindnerd-Adventskalender 2024. Darauf freue ich mich auch schon sehr.
Aber nun zum heutigen Thema:

ihr seht es schon. Es wurde weiter zum Mond gefragt. Es sind eigentlich mehrere Fragen gleichzeitig, die ich aber in einem Aufwasch beantworten werde.
Heute geht es rund um die Mondbahn und deren Konsequenzen.
Diese ganzen Drehungen, Bahnen, etc. können einen ganz schön verwirren, weil das ja irgendwie alles gleichzeitig und überlappend passiert. Da steigen auch gut sehende Menschen mal aus. Trotzdem. Versuchen wir mal Ordnung in den Wirbel zu bringen.
Fangen wir mal hinten an.

Es spielen mit

Planeten, Monde, Sterne.

  • Was ist ein Planet?
    diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn es gibt da auch noch Zwergplaneten und Asteroiden. Nur so viel. Eine neue Definition, was denn ein Planet sei, hat 2006 dafür gesorgt, dass Pluto jetzt nur noch als Zwergplanet mitmachen darf.
    Die genaue Definition findet ihr in Der Planet, der keiner mehr sein darf.

    Für uns ist heute nur eine Eigenschaft wichtig. Planeten kreisen durch die Gravitation ihrer Sterne gehalten, um diese. Desto näher ein Planet an seinem Stern ist, desto schneller muss der Planet diesen umkreisen, wenn er nicht hinein fallen soll. Alle Planeten umkreisen ihre Sterne auf elliptischen Bahnen. (Keplersche Gesetze)

  • Ein Trabant, oder wie wir sagen, ein Mond ist ein Himmelskörper, der einen Planeten umkreist, der, wieerum gemeinsam mit seinem oder seinen Monden einen Stern umkreist.
    Ob es Monde von Monden gibt, ist nicht ganz klar. Es wäre theoretisch möglich, wird aber leicht chaotisch bei sich so vielen anziehenden und umkreisenden Körpern.

    Merkur, und Venus haben keine Monde, die Erde einen, der Mars zwei und die anderen Planeten viele.
    Wer mal eine spannende Geschichte über die Entdeckung von Monden lesen möchte, findet Befriedigung in
    Theater und Schauspiel am Himmel.

Der Weg

Und jetzt stellt sich noch die Frage, wie Monde ihre Planeten umkreisen. Verläuft deren Bahn eher in der Ebene, in welcher sich der Planet um seinen Stern bewegt, oder bewegt sich der Mond eher am Äquator seines Planeten entlang, auch dann, wenn die Drehachse des Planeten nicht senkrecht zu seiner Ekliptik steht?
Die Antwort ist, sowohl als auch. Der Erdmond bewegt sich nicht entlang des Erdäquators, sondern eher in der Ebene, in welcher die Erde um die Sonne läuft. Eher deshalb, weil die Ebene der Mondbahn um etwa um 5 Grad gegen die Ebene der Erdbahn gekippt ist. Das bedeutet, dass der Mond einen halben Monat lang etwas oberhalb der Erdbahn und während der zweiten Hälfte unterhalb dieses quasi Tellers seine Bahn zieht. Es gibt also zwei Schnittpunkte von Mond- und Erdbahn. Und jetzt kommt es noch schlimmer. Der Mond-Teller auf dessen Rand der Mond entlang läuft, dreht sich mit der Zeit, so dass sich diese Schnittpunkte gegen den Sternenhimmel mit der Zeit verschieben. Das ist ganz wichtig, wenn man Sonnen- und Mondfinsternisse berechnen möchte. Diese finden nämlich tatsächlich nur dann statt, wenn Sonne, Erde und Mond auf einer Linie mit dem Schnittpunkt von Erde- und Mondbahn sich befinden.
Und nun fehlt nur noch eins:

Die Mondbahn um die Erde ist selbstverständlich wie alles, elliptisch.
Das bedeutet, dass der Mond manchmal der Erde etwas näher ist, und manchmal etwas ferner.
Das bewirkt eine scheinbare Größenveränderung des Mondes um etwa 13 %. Natürlich ist das mit bloßem Auge nicht sichtbar. Und dennoch nennen die Medien einen Vollmond, bei welchem der Mond erdnah ist, einen Supermond. Ich schrieb darüber in Was ist der Supermond.
Für uns ist der Super Neumond, also Neumond bei Erdnahem Mond wichtig super, wenn die Mondbahn genau zu diesem Zeitpunkt die Erdbahn schneidet. Dann haben wir nämlich garantiert eine totale Sonnenfinsternis. Jetzt muss man also nur noch zur rechten Zeit am rechten Ort sein, um das zu beobachten.
Über diesen Super-Neumond schrieb ich in Kinderfrage zum Supermond.

Je nach Kombination von Abstand Erde-Sonne und Abstand Erde-Mond schafft es der Mond tatsächlich nicht, die komplette Sonnenscheibe abzudecken. Der Mondschatten bohrt in dem Fall nur ein Loch in die sonne, was zu einer ringförmigen Finsternis führt.

Der Tänzer

Und eine Bewegung haben wir noch gar nicht betrachtet. Monde können sich natürlich außer um ihre Planeten auch um sich selbst drehen, wie das Planeten ebenfalls unabhängig davon tun, wie sie sich um ihre Sterne bewegen.
So gibt es dann vom Mond aus gesehen, einen Tag-Nacht-Rhythmus, einen Planetauf- und untergang. Und das zusätzlich zum Sonnenauf- und Sonnenuntergang, , da der Mond ja manchmal vor- und manchmal hinter seinem Planeten sich befindet.

Als der Mond vor 4,5 Milliarden Jahren entstand, war er mit Sicherheit näher an der Erde. Das bedeutete, dass die Monate damals kürzer waren. OK, die Erde drehte sich auch noch rascher um sich selbst, so dass auch die Tage und Nächte kürzer waren.
Mond und Erde bremsen sich gegenseitig ab. Die größte Bremswirkung ist, dass der Mond mit seiner Anziehungskraft zweimal täglich Ebbe und Flut verursacht. Die Anhebung des ganzen Meeres kostet Energie.
Die Tage auf Erden werden von da her langsam länger. Die Drehung des Mondes hat sich mittlerweile derart verlangsamt, dass er, wie man wissenschaftlich sagt, eine einfach gekoppelte Bewegung durchführt. Die Zeit einer Monddrehung um die eigene Achse entspricht bei dieser Art von Bewegung genau der Umlaufzeit um die Erde.
Die kontinuierliche gegenseitige Abbremsung führt neben der schrittweisen Verlängerung der Tage auch dazu, dass der Mond sich auf seiner Bahn verlangsamt, und dadurch sich pro Jahr um etwa vier Zentimeter von der Erde entfernt. Darum müssen wir uns aber keine Sorgen machen, denn bei einem derartigen Abstand von ungefähr 384000 Kilometern Abstand fallen 4 Centimeter pro Jahr nicht ins Gewicht.
Das Erde-Mond-System kommt dann zur Ruhe, wenn der Mond eine doppelt gekoppelte Bewegung mit der Erde eingegangen ist. Dann wird sich die Erde nicht mehr unter dem Mond hindurch drehen. Der Mond wird dann nur noch von ein und derselben Stelle auf der Erde zu sehen sein.

Und jetzt haben wir mehr als das Rüstzeug zusammen, was wir brauchen, um die Frage mit der „Dunklen Seite“ anzugehen.

Die dunkle Seite

Die Menschheit dürfte sehr bald bemerkt haben, dass der Mond sich uns immer gleich präsentiert. Seine Strukturen, z. B. das Mondgesicht, sind uns immer zugewandt. Wenn das so ist, dann kann das nur bedeuten, dass der Mond sich ein mal pro Umlauf um die Erde, ein mal pro Monat also, um sich selbst dreht. Drehte sich der Mond zwei mal pro Monat um sich selbst, dann bekämen wir auch mal seine Rückseite zu sehen. So aber, wendet er uns immer dieselbe Seite zu und entzieht die andere unserem Anblick.
Nur wenigen Menschen war es bisher vergönnt, einen Blick auf diese Mondrückseite zu werfen, und zwar genau denjenigen, die entweder auf dem Mond landeten, oder mindestens um ihn herum geflogen sind.
Und damit haben wir wieder eine eurer Fragen beantwortet. Die Rückseite des Mondest ist diejenige, welche von uns abgewendet ist.
Ist aber diese Rückseite auch die dunkle Seite des Mondes?
Hier muss man ein ganz klares „nein“ aussprechen. Dunkel wird eine Sache nicht dadurch, weil wir sie nicht sehen. Betrachten wir die Höhepunkte eines Mondumlaufes, Vollmond und Neumond, dann wird das sofort klar.
Voll ist der Mond dann, wenn er von der Sonne beschienen wird. Das passiert genau dann, wenn die Sonne ihn an der Erde vorbei anstrahlt. Wir erinnern uns, dass die Mondbahn etwas gekippt gegen die Erdbahn ist.
Wenn die Sonne also die Vorderseite des Mondes beleuchtet, dann sehen wir ihn als Vollmond. Und was passiert dann mit der Rückseite? Ganz genau. Sie liegt im dunkeln,
Bei Neumond ist es genau umgekehrt. Dann steht der Mond zwischen Erde und Sonne. Wir können ihn dann nicht sehen, weil die Sonne alles überstrahlt. Aber die Sonne knallt dann natürlich voll auf die uns immer abgewandte Seite. Somit gibt es also keine „Dark Side of the Moon“. Jede Seite des Mondes hat einmal pro Monat „Vollsonne“ und dazwischen verdeckt die Erde Teile der Mondscheibe. Stellt euch zwei runde Bierdeckel vor, die sich langsam übereinander hinweg schieben. Dann könnt ihr fühlen, wie sich die Tag-Nacht-Grenze, der Terminator langsam über die Mondscheibe bewegt.
Mit diesem Experiment könnt ihr dann auch begreifen, dass der Mond nicht so abnimmt, als würde man Stück für Stück von einer runden Pizza schneiden, bzw. diese bei zunehmendem Mond wieder zusammen zu setzen. So sieht also ein Dreiviertel-Mond nicht aus, wie eine Torte, bei welcher ein viertel schon verspeißt wurde, sondern eher wie eine Banane. Die bei zunehmendem Mond zur einen, und beim abnehmendem Mond zur anderen Seite hin gebogen ist.
Denkt an die Kreisscheiben. Gerade Menschen, die den Mond noch nie gesehen haben, stellen sich meist die falsche Analogie zum Kuchen vor.

Die Mondbanane

Mit er Mondbanane hat es eine seltsame Bewanntniss, nach welcher ich schon oft befragt wurde.
Je nach dem, wo man sich gerade auf der Erde befindet, z. B. im Urlaub weit im Süden, fällt dem aufmerksamen Urlauber oder Urlauberin auf, dass die Mondsichel eher liegend oder eher aufrecht steht.
Und ja, das stimmt. Wie die Mondsichel steht, ist ein perspektivisches Problem. Die Erdachse ist um etwa 23 Grad gegen die Ekliptik geneigt. Der Mond läuft nicht genau auf dem Äquator lang, und der Winkel ändert sich täglich durch die Mondphasen hindurch, und die Erde dreht sich pro Tag einmal unter dem Mond hindurch, und nicht zuletzt ist die Erde eine Kugel, so dass es einen Horizont gibt, hinter welchem der Mond auftauchen, bzw. verschwinden kann.
Dieses alles führt dazu, dass einem je nach Breitengrad, auf welchem man sich befindet und wo man gerade in der Mondphase sind, die Mondsichel etwas gekippter erscheint, als woanders. Das ist schwer in Worte zu kleiden. Dazu braucht es fast Bilder oder Modelle.
ChatGPT erklärt das ganz gut so:

Die Neigung der Mondsichel, die wir von der Erde aus sehen, variiert tatsächlich je nach Standort auf dem Globus. Das liegt an der Kombination von Erdrotation und der individuellen Position auf der Erde.

Hier sind die wichtigsten Faktoren:

  1. Erdkrümmung und Perspektive:
    Da die Erde eine Kugel ist, verändert sich der Blickwinkel auf den Mond, je nachdem, wo man sich befindet. Menschen nahe des Äquators sehen die Mondsichel anders als Menschen in höheren Breitengraden. Für jemanden am Äquator steht die Mondsichel oft eher „liegend“ oder fast horizontal. In mittleren und hohen Breiten ist die Sichel dagegen mehr „aufrecht“ bzw. vertikal geneigt.
  2. Position des Mondes am Himmel:
    Der Mond wandert durch verschiedene Himmelspositionen, je nach Jahreszeit und Breite. Diese Positionen beeinflussen ebenfalls, wie die Sichel erscheint. In der Nähe der Pole kann sich die Ausrichtung der Sichel sehr stark verändern, besonders bei Mondaufgang oder -untergang.
  3. Ekliptik und Neigung der Mondbahn:
    Der Mond bewegt sich nahe der Ekliptik, der scheinbaren Sonnenbahn, die gegen die Erdachse geneigt ist. Dadurch kann sich die Ausrichtung der Mondsichel bei verschiedenen Mondphasen und in verschiedenen Jahreszeiten ändern, was vor allem in tropischen Gebieten zu auffälligeren Variationen führen kann.

Zusammengefasst ist die „Kippung“ der Mondsichel eine Kombination von der eigenen Position auf der Erdoberfläche und der relativen Position des Mondes zur Ekliptik.

So, meine lieben, ich glaube, jetzt haben wir erst mal die wichtigsten Fakten zur Mondbahn und deren Konsequenzen zusammengetragen.
Ich bin gespannt, wo uns unsere Reise nächstes mal hin führt.

Frag, und es wird Tag – Woher kommt der Mond?


Meine lieben,

es sind von euch nun einige Fragen zum Mond eingegangen. Der Mond beschäftigt uns alle irgendwie auch dann, wenn man, wie in diesem Blog, sich nicht mit irgendwelchen astrologischen oder sonstigen übersinnlichen Kräften befasst. An einigen Fragen sieht man auch, dass sie von Menschen gestellt wurden, die den Mond mit seinen Phasen noch nie gesehen haben. Auch ich musste mir vieles vom Mond mühsam erklären lassen oder selbst erarbeiten, weil ich, wie ihr wisst, auch zu jenen Menschen gehöre, die den Mond nicht sehen können.

So ganz stimmt das bei mir nicht, denn ich durfte ihn einmal in meinem Leben tatsächlich sehen. Hier meine kurze Mondgeschichte zum Anfang.

Einmal und nie wieder

Ich hatte vor etwa 30 Jahren die Möglichkeit, eine Sternwarte zu besuchen, die auf dem Dach eines Gymnasiums installiert war. Schon aus purem Interesse nahm ich daran teil. Damals verfügte ich zwar noch über einen ganz kleinen Sehrest, konnte etwas hell und dunkel sehen, glaubte aber nicht im Traum daran, dass ich etwas im Teleskop sehen könnte.

Bis jetzt hatte ich weder einen Stern, außer natürlich unsere Sonne, noch den hellsten Vollmond am Meer oder in den Bergen sehen können, aber das war mir nicht wichtig. Da bei dieser Führung in erster Linie Sehende und Menschen mit Restsehvermögen anwesend waren, öffnete der Astronom das Teleskop und richtete es zunächst auf den Vollmond aus.

Nur aus Neugier, wie es sich physisch anfühlt, durch ein Teleskop zu sehen, legte ich mein linkes Auge mit der Helldunkel-Fähigkeit an. Und da geschah es: Ganz schwach, aber sehr deutlich konnte ich die Scheibe des Mondes erkennen. Ein Aufschrei, ein Hüpfer. Dann verifizierten wir das Ganze. Der Astronom verstellte das Teleskop und ich konnte ihm jeweils sagen, wann der Mond zu sehen war und wann nicht. Einbildung war somit ausgeschlossen.
Nur dieses eine Mal gewährte mir mein Leben den Blick durch dieses Fenster. Diese Mondscheibe liegt noch immer wie ein leuchtender Schatz in meinem Herzen und wird mich das ganze Leben lang begleiten. Erinnerungen verwischen mit der Zeit. Diese ist aber bisher unverändert klar und deutlich präsent. Schon wenige Monate nach diesem Ereignis verschlechterte sich mein Sehvermögen derart, dass ich den Vollmond mit dem stärksten Teleskop der Welt nicht mehr hätte sehen können.
Und wer sich jetzt fragt, ob ich darüber traurig bin, dem rufe ich ein freudiges „nein“ zu.
Ich habe ihn ja gesehen. Einmal und nie wieder.

Nun aber zurück zu euch und euren Fragen
Ich habe die Fragen so sortiert, dass eine zusammenhängende Geschichte daraus wird. Diese wird sich auf mehrere Artikel verteilen, damit das hier nicht explodiert.
Beginnen wir also mal mit der Mondfrage von Johanna.

Woher kommt der Mond

Das ist, wie alle eure Fragen, eine sehr gute. Und geklärt ist sie noch nicht zu 100 %. Aber vieles, was wir über die Entstehung des Mondes wissen, haben wir erst gelernt, als wir selbst dort waren, und Mondgestein mitgebracht haben.

Es gibt mehrere Theorien über die Entstehung des Mondes.

  1. Kollisionstheorie oder Theia-Hypothese
    Diese Theorie ist momentan die am weitesten verbreitete und akzeptierte Möglichkeit.
    Sie besagt, dass der Mond vor etwa 4,5 Milliarden Jahren durch einen riesigen Zusammenstoß zwischen der frühen Erde und einem marsgroßen Himmelskörper namens Theia entstanden ist.
    Das ganze könnte sich ungefähr folgendermaßen zugetragen haben.

    • Der Zusammenstoß:
      Vor etwa 100 Millionen Jahren nach der Entstehung des Sonnensystems kollidierte die junge Erde mit einem Himmelskörper der Größe des Mars, Namens Theia. Dieser Einschlag war so gewaltig, dass Teile der Erdkruste und des Erdmantels sowie Theia-Material in den Weltraum geschleudert wurden.
    • Bildung einer Trümmerscheibe:
      Die Überreste dieses gewaltigen Einschlags formten eine Trümmerscheibe um die Erde. Diese Materialscheibe bestand aus Staub, Gas und Gesteinsbrocken von Theia und der Erde. Aus ähnlichen Trümmerscheiben um Sterne, entstehen auch Planeten. Man konnte derlei schon beobachten. Ringe um Planeten, wie dem Saturn, könnten so etwas ähnliches sein.
    • Verklumpung:
      Mit der Zeit begannen diese Überreste, sich aufgrund der Schwerkraft zu verklumpen. Nach und nach bildete sich aus diesem Material der Mond.
    • Abkühlung:
      Der neu entstandene Mond war zunächst ein glühender Himmelskörper, der sich über Millionen von Jahren abkühlte und eine feste Oberfläche bildete.

    Die Kollisionstheorie wird durch viele Beweise gestützt, z. B. durch die Ähnlichkeiten in der chemischen Zusammensetzung der Erde und des Mondes.
    Und diese fand man, wie schon gesagt, als man Mondgestein vom Mond mitbrachte, und dieses untersuchen konnte.

  2. Einfangtheorie:
    Diese besagt, dass der Mond ursprünglich ein eigenständiger Körper war, der von der Schwerkraft der Erde eingefangen wurde.
  3. Abspaltungstheorie:
    Diese Theorie geht davon aus, dass sich der Mond von der Erde abgespalten hat, als die Erde noch flüssig und rotierend war. Das kann man sich so vorstellen, als drehte man eine nasse Kugel sehr schnell. Dann fliegen auch Tropfen davon. So ein Tropfen wäre dann nach dieser Theorie unser Mond.
  4. Koinformationstheorie:
    Was für ein komplizierter und unverständlicher Name.
    Diese Hypothese besagt, dass der Mond und die Erde zur gleichen Zeit aus dem gleichen Material, das um die Sonne kreiste, geformt wurden.
    Damit wären beide dann auch gleich alt.

Ja, meine lieben, es stimmt.
Der Mond war damals deutlich näher bei der Erde und zeigte uns mit Sicherheit auch nicht immer nur dieselbe Seite. Diese Fragen zu all dem müssen wir uns aber für einen weiteren Artikel aufsparen, damit niemand müde beim Lesen wird.
Eins noch:
Übrigens gibt es auf Blindnerd die Kategorie
Dem Mond entgegen
Dort sammeln sich alle Beiträge rund um den Mond und die Mondfahrt.

Fußballfieber

meine lieben,
Was könnte passender zur Fußball-Em 2024 sein, als sich mal darüber Gedanken zu machen, wie Fußball auf dem Mond so funktionieren würde. Immerhin will die Menschheit auf den Mond. Und einige davon werden sicher auch Fußballbegeisterte sein.
Ich muss ja ehrlich gestehen, dass ich mich mit und im Fußball kaum auskenne. Bis vor wenigen Jahren wusste ich nicht mal, wie ein Fußballfeld aufgebaut ist, z. B.

  • Wie verlaufen die Linien?
  • Wo ist der Strafraum?
  • Was ist der Sechzehner
  • Was ist ein Abseits
  • …

Es kann also gut sein, dass ich eventuell einige Fakten vergesse und unerwähnt lasse.
Wagen wir es trotzdem.
Hier sind einige Überlegungen dazu, wie ein Fußballspiel auf dem Mond ablaufen könnte:

Schwerkraft

Die Mondschwerkraft beträgt nur etwa ein Sechstel der Erdschwerkraft. Das bedeutet, dass Spieler und der Ball viel leichter sind und höher springen und weiter schießen könnten. Ein einfacher Schuss könnte den Ball mehrere hundert Meter weit schicken, und ein Sprung könnte den Spieler mehrere Meter in die Höhe katapultieren.

Aus einem Zuckerpass über 60 Meter würde schnell ein Schuss, der mehr als 350 Meter weit trägt. Der Ball erreichte dabei durchaus 50 Meter Höhe und bleibt viel länger in der Luft als in irdischen Stadien.
Und ja, in welcher Luft überhaupt? Auf dem Mond gibt es keine. Also bleibt der Ball länger oben und nicht in der Luft…

Das Spielfeld

Das Spielfeld sollte man sicher etwas größer gestalten, um genügend Platz für die weiten Pässe zu haben. Platz genug ist auf dem Mond, aber das reißt böse Lücken in die Abwehrketten…

Auch der Untergrund müsste speziell präpariert sein, um auf dem felsigen und staubigen Mondboden eine ebene Spielfläche zu schaffen.
Auf dem Mond wächst kein Gras, weil es zum einen dort keine Luft mit Sauerstoff und zum anderen kein Wasser gibt, um den Mondboden zu gießen.
Entweder man bringt Kunstrasen auf dem Mond auf, oder man versucht, im Mondstaub Fußball zu spielen.

Die Ausrüstung

Die Spieler müssten Raumanzüge tragen, um in der lebensfeindlichen Umgebung des Mondes zu überleben. Diese Anzüge wären jedoch schwer und sperrig, was die Beweglichkeit der Spieler einschränken würde. Außerdem müssten die Anzüge so gestaltet sein, dass sie ausreichend Flexibilität für schnelle Bewegungen und Sprünge bieten.

Das Leder

Beim Aufprall des Balles in den dicken Mondstaub geht viel Energie verloren. Der Ball springt im Verhältnis bei weitem nicht so stark wieder ab wie auf kurz geschorenem Rasen.

Ein herkömmlicher Fußball würde sich auf dem Mond anders verhalten. Der Ball müsste möglicherweise schwerer sein, um besser kontrolliert werden zu können, und vielleicht aus einem Material bestehen, das widerstandsfähiger gegen die extremen Temperaturen und Bedingungen auf dem Mond ist.
Ich weiß auch nicht, ob ein herkömmlicher Fußball aus Lederhülle und mit Gummilunge, im Vakuum des Alls überleben könnte, oder ob er vielleicht platzt.

Die Regeln

Die Spielregeln müssten angepasst werden, um den veränderten physikalischen Bedingungen Rechnung zu tragen. Beispielsweise könnte es notwendig sein, die Dauer eines Spiels zu verkürzen, da die Spieler durch die Anstrengungen in den Raumanzügen schneller ermüden würden. Auch die Regel für Einwürfe und Freistöße müsste überarbeitet werden, da der Ball bei geringerer Schwerkraft länger oben bleiben würde.

Ganz hart trifft es filigrane Techniker, Denn auf dem Mond gibt es keine Atmosphäre, somit bekommt der Fall nicht soviel Effet. Angeschnittene Bananenflanken sind leider nicht möglich. Kunstschüsse „um die Ecke“ wird es auf dem Mond nicht geben.

Ein Gutes hätte das Spielen auf dem Mond: Da es keine Luft gibt und somit kein Medium, das den Schall trägt, wird niemand den Pfiff des Schiedsrichters hören. Endlich einmal in Ruhe spielen. Falsche Abseits-Pfiffe sind nicht möglich.

Die Zuschauer

Keiner von uns denkt gerne an die Geisterspiele während der Pandemie zurück. Obwohl ich als blinder Mensch sagen muss, dass diese Spiele akustisch sehr spannend waren. Man konnte viel mehr hören, was auf dem Feld geschieht. Derlei wird meistens von den Zuschauern übertönt.
Aber wie ist das nun auf dem Mond?
Zuschauer auf dem Mond wären eine logistische Herausforderung. Es wäre notwendig, spezielle Tribünen in Kuppeln zu bauen, die eine Atmosphäre ähnlich der Erde schaffen, um den Menschen das Atmen zu ermöglichen. Diese Kuppeln müssten zudem gegen die Strahlung und extremen Temperaturen des Mondes schützen.
Die Fans auf den Rängen sollten unbedingt ein Fernglas mitbringen!

Technik

Um das Spiel auf dem Mond zu ermöglichen, wären erhebliche technologische Innovationen notwendig. Dazu gehören verbesserte Raumanzüge, speziell entwickelte Sportgeräte und möglicherweise sogar Roboter, die als Schiedsrichter oder Linienrichter fungieren könnten.
Ich denke, dass man das Stadion auf jeden Fall auf der uns zugewandten Seite des Mondes bauen sollte, weil eine Life-Übertragung via Funk durch den Mond hindurch schwierig wäre.

Fazit

Ein Fußballspiel auf dem Mond wäre eine Mischung aus Science-Fiction und Sport. Es würde eine Vielzahl technischer und physikalischer Herausforderungen mit sich bringen, könnte aber auch neue Dimensionen des Spiels eröffnen. Die geringere Schwerkraft würde für spektakuläre und ungewöhnliche Spielzüge sorgen, die auf der Erde nicht möglich sind, und es wäre eine bemerkenswerte Demonstration menschlicher Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft.

Siebzehnter Dezember des Blindnerd-Adventskalenders

Meine lieben,
zum dritten Advent 2023 ehren wir eine Frau, die die Mondfahrt erst möglich machte.

Margaret Hamilton, geboren am 17. August 1936, ist eine Pionierin der Informatik, deren Beitrag zur Entwicklung von Softwarearchitektur und -technologie einen entscheidenden Einfluss auf die Computerrevolution hatte. Ihr Name wird oft in einem Atemzug mit der Apollo-Mondmission genannt, aber ihre Karriere und Innovationen erstrecken sich weit darüber hinaus.

Margaret Hamilton studierte Mathematik an der Earlham College in Indiana und schloss ihr Studium 1958 ab. Schon während ihrer College-Zeit zeigte sie ein herausragendes Interesse an Mathematik und Logik, was später für ihre Erfolge in der Softwareentwicklung von entscheidender Bedeutung sein sollte.

Ihre Karriere begann sie am Massachusetts Institute of Technology (MIT), wo sie am Draper Laboratory als Programmiererin tätig war. Dort begann sie, sich mit Softwareentwicklung und Systemarchitektur auseinanderzusetzen, was zu dieser Zeit noch ein aufstrebendes und wenig erforschtes Gebiet war.

Der Wendepunkt in Hamiltons Karriere kam in den 1960er Jahren, als sie für das Apollo-Programm der NASA arbeitete. Sie leitete das Softwareentwicklungsteam des Instrument-Flugrechners, der für die Navigation und Steuerung der Apollo-Raumfahrzeuge verantwortlich war. Während dieser Zeit entwickelte sie das Konzept des „Software Engineering“ und trug dazu bei, Standards und Methoden für die Softwareentwicklung zu etablieren.

Hamilton und ihr Team führten wegweisende Konzepte wie „Priority Scheduling“ und „End-to-End Testing“ ein. Das Konzept des Priority Scheduling ermöglichte es, kritische Aufgaben mit höchster Priorität in den Vordergrund zu stellen, was für die Sicherheit der Apollo-Missionen von entscheidender Bedeutung war. Das End-to-End Testing, bei dem die gesamte Softwareumgebung simuliert wurde, half, potenzielle Fehler und Schwachstellen zu identifizieren, bevor die Software in den Weltraum geschossen wurde.

Margaret Hamiltons Beitrag zum Apollo-Programm und ihre wegweisenden Ideen in der Softwareentwicklung haben ihre Spuren hinterlassen. Ihr Erbe ist nicht nur in den Weiten des Weltraums zu finden, sondern auch in der Art und Weise, wie Softwareentwicklung heute betrieben wird. Sie gründete später ihre eigene Softwarefirma, Hamilton Technologies, und setzte sich weiterhin für Standards in der Softwareentwicklung ein.

Ihre herausragenden Leistungen wurden mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt, darunter die NASA’s Exceptional Space Act Award. Im Jahr 2016 wurde sie mit der Presidential Medal of Freedom, der höchsten zivilen Auszeichnung in den USA, geehrt.

Margaret Hamilton ist zweifellos eine Wegbereiterin der Informatik, die mit ihrer Arbeit die Grundlagen für die heutige Softwareentwicklung legte. Ihr Einfluss erstreckt sich weit über die Apollo-Mission hinaus und wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiterhin in der sich ständig weiterentwickelnden Welt der Technologie spürbar sein. Margaret Hamilton bleibt eine Inspiration für künftige Generationen von Informatiker:innen und Ingenieur:innen, die die Grenzen des Möglichen in der Softwareentwicklung neu definieren wollen.

Wie spannend das Auspacken eines Weihnachtsgeschenkes sein kann, erfahren wir in unserer heutigen Weihnachtsgeschichte .

Ein Nachruf

Meine lieben,
wir schreiben heute den 10. November 2023. Gerade erfuhr ich aus dem Radio, dass Frank Borman, einer der drei Astronauten der Apollo-8-Mission mit stolzen fünfundneunzig Jahren verstorben sei.
Er war u. A. ein Astronaut der Weihnachtsmission Apollo-8, die über die Weihnachtstage 1968 ablief. Lasst uns nun kurz diesem Mann ehren, der an diesem großen Meilenstein auf dem Weg zum Mond beteiligt war.

Zu seiner Person

Frank Borman zeigte schon früh eine Affinität zur Luft- und Raumfahrt.
Nachdem Borman 1950 an der Militärakademie in West Point sein Studium beendet hatte, diente er bis 1953 als Kampfpilot der Luftwaffe auf den Philippinen, danach als Fluglehrer in Georgia und Arizona. 1957 erhielt Borman einen Master in Luftfahrttechnik. Danach lehrte er bis 1960 als Assistenzprofessor in West Point Thermodynamik und Fluidmechanik. Dann kehrte er an die Edwards Air Force Base in Kalifornien wieder ins Cockpit zurück: zuerst in der Ausbildung zum Testpiloten, danach als Ausbilder.

Am 17. September 1962 wurde er von der NASA in die zweite Astronautengruppe gewählt. Als Spezialaufgabe übernahm er die Raketen, die die Raumschiffe in die Erdumlaufbahn bringen sollten.

Nach einigen Stationen wurde Borman zum Kommandanten von Gemini 7 nominiert.
Zusammen mit Jim Lovell umkreiste er vom 4. Dezember bis zum 18. Dezember 1965 die Erde, Das war ein Langzeitrekord, der erst 1970 von der Besatzung von Sojus 9 gebrochen wurde.

Sein Leben danach

Nach seiner beeindruckenden Raumfahrtkarriere verließ Frank Borman die NASA im Jahr 1970 und begann eine erfolgreiche Laufbahn in der Wirtschaft. Er war unter anderem Präsident der Eastern Air Lines und später auch der Liberty University.

Ehrungen

  • Borman war einer der ersten sechs Astronauten, denen am 1. Oktober 1978 die Congressional Space Medal of Honor verliehen wurde
  • Er ist als einer von wenigen Astronauten Mitglied in der National Aviation Hall of Fame
  • 1968 war er mit seinen Kameraden von Apollo 8 Mann des Jahres des Time Magazine
  • Der Name des Softwareunternehmens Borland wurde von Bormans Namen inspiriert
  • Der Mondkrater Borman wurde 1970 nach ihm benannt

Die Geschichte zum Schluss

So, jetzt aber genug der trockenen Fakten und Stationen von Borman’s Leben. Schauen wir uns eine, die eine, etwas genauer an.

Mit der Mission Apollo-8 Vor 55 Jahren wurde Jules Vernes Roman „Von der Erde zum Mond“ Realität: Der Flug der Apollo 8 um den Mond war bis dato die kühnste Mission des gesamten Mondprogramms, weil sich noch keine Apollo aus dem Erdorbit gewagt hatte.
Das Mondprogramm der NASA war ein gut durchdachter, schrittweiser Ansatz, bei dem jede Mission des Merkur-, Gemini- und Apollo-Programms um eine weitere Fähigkeit ergänzt wurde, die für die Landung auf dem Mond erforderlich sein würde.
Da war der Start überhaupt, das An- und Abkoppeln zweier Raumschiffe, der Mensch im Weltraum, das Verlassen des Orbits und vieles mehr.

Die eigentliche Mission von Apollo 8 bestand darin, die Mondlandefähre im Erdorbit zu testen. Ein vernünftiges Ziel, wenn man bedenkt, dass dies der allererste bemannte Flug der mächtigen Saturn V sein würde, der größten und mächtigsten Rakete, die je gebaut wurde. Auch das Raumschiff Apollo an der Spitze war ziemlich neu: Nur eine Crew hatte es zuvor geflogen.
Die Montage der Mondlandefähre war jedoch weit hinter dem Zeitplan zurückgeblieben und die NASA stand unter enormem Druck.
Im September 1968 hatten die Sowjets zwei Schildkröten und ein paar Mehlwürmer um den Mond geschickt und sicher auf die Erde zurück gebracht.
Die Befürchtung, die Soviets würden das nun auch zuerst mit Menschen schaffen, war durchaus berechtigt.
Aus diesem Grunde mussten die Missionsplaner das Ziel für Borman, Lovell und Anders leicht ändern: Sie sollten nicht im Erdorbit bleiben, sondern den Weg zum Mond wagen, ihn umkreisen, und wieder sicher auf der Erde wassern.
Die Entscheidung war unglaublich mutig, wenn man bedenkt, dass kein Raumschiff des Mondprogramms jemals die Umlaufbahn der Erde verlassen hatte. Apollo 6, ein unbemannter Testflug mit Saturn V, sollte um den Mond herumfliegen, aber die dritte Stufe versagte. Sie zündete ihre Triebwerke für die „Trans Lunar Injection“ leider nicht.
Und somit war das Ziel der Mission verloren und sie wurde abgebrochen.
Als Borman, Lovell und Anders am 21. Dezember 1968 an der Küste Floridas vom Pad 39 A des John F. Kennedy Space Centre abflogen, waren sie die ersten Menschen, die die relative Sicherheit der Erdumlaufbahn verließen und 400.000 Kilometer ins Ungewisse wagten.
Als nun die drei Astronauten den Mond erreichten, taten sie etwas, womit wohl niemand gerechnet hatte.

Die Astronauten von Apollo 8, waren gebeten worden, die ersten Live-Bilder vom Mond mit etwas „Angemessenem“ zu kommentieren – schließlich würde etwa ein Sechstel der Menschheit das Ereignis an ihren Fernsehern mit verfolgen.
Und sie zitierten einen Teil der Schöpfungsgeschichte aus dem ersten Buch der Bibel, Genesis.
Bei Martin Luther liest sich das in der neuesten Übersetzung, im ersten Buch Mose, Genesis, Kapitel eins, wie folgt:

  1. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
  2. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.
  3. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.
  4. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis
  5. und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.
  6. Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern.
  7. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so.
  8. Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.
  9. Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, dass man das Trockene sehe. Und es geschah so.
  10. Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war.

Und wer diesen ersten Gottesdienst im All im Originalton hören möchte, bitte
hier lang.

Schon klar. Der Anfang der Schöpfungsgeschichte aus dem Buch Genesis der des alten Testaments unserer Bibel ist nicht unbedingt das, was wir als Weihnachtsgeschichte bezeichnen würden. Aber mal ganz ehrlich. Hätte die Geschichte vom Kindlein im Stall zu der Situation gepasst, dass die drei Astronauten, Frank Bormann, Jim Lovell und Bill Anders, damals am Heiligen Abend 1968 die ersten Menschen in einer Umlaufbahn um den Mond waren?

Am 24. Dezember 1968, verschwand Apollo 8 schließlich hinter dem Mond. Kein Mensch hatte jemals die andere Seite des Mondes direkt beobachtet.

Im Mondschatten zu sein bedeutet, im Funkloch zu sein. Durch den Mond hindurch ist kein Funkkontakt zur Erde möglich. Die drei waren also völlig auf sich alleine gestellt.
Völlig heimatlos. Sie würden nicht mal durch die Gravitation der Erde wieder angezogen, sollten sie mit ihrem Schiff mit ausgefallenen systemen durch das All trudeln. Selbst bei einem Absturz auf den Mond, wäre keine Rettung möglich. So lange konnte man im Apollo-Schiff nicht überleben, wie es gedauert hätte, eine Rettungsmission zusammen zu stellen, und außerdem hatte man derlei noch nie vorher geprobt.
Sie mussten die Zündung der Triebwerke selbst berechnen, einleiten und kontrollieren.
Zündete das Triebwerk zu kurz, und Apollo 8 würde ins All geschleudert, zu lang, und sie würde ein weiterer Krater auf dem Mond werden. Für die Astronauten fühlten sich die vier Minuten und sieben Sekunden, während derer das Triebwerk arbeitete, um sie auf die richtige Bahn zu blasen, wie eine Ewigkeit an.
Nach 20 Stunden im Orbit war es Zeit zu gehen. Eine weitere kritische Zündung des Triebwerkes, und Borman, Lovell und Anders waren auf dem Weg zurück auf die „gute Erde“. Am 27. Dezember öffneten sich drei riesige Fallschirme über dem Nordpazifik südlich von Hawaii. Die Apollo 8 wasserte sicher im Meer, und wurde von einem Flugzeugträger aufgenommen.

Was für ein Abenteuer, was für eine Geschichte. Eine Geschichte, die bereits hundert Jahre zuvor von dem gewissen Jules Verne erzählt worden war. Die NASA, so schien es, folgte nur seinem Skript.