Seid herzlich gegrüßt.
Unsere liebe Eva, die Ihr alle von ihren wunderbaren Kommentaren kennt, hat einen besonderen Spaß daran, für jeden Kalendertag Highlights im Wesentlichen aus Astronomie und Wissenschaft, heraus zu suchen.
Ihr Ergebnis schickt sie mir dann immer, und wir tauschen uns darüber aus.
Das ist manchmal viel zu lesen, aber immer sehr spannend. Andererseits ist es aber zu wertvoll, als dass nur ich diese Ernte habe, und ihr habt nichts von dieser geistigen Nahrung.
Also geht es darum, einen Kompromiss zu finden, der euch nicht überlastet und der noch schön zu lesen ist. Eine Auflistung von Ereignissen wäre ja auch nicht zielführend. So war Geschichtsunterricht früher in der Schule, leider..
Es ist ja auch so, dass nicht alle vermeintlichen Ereignisse, die irgendwann mal zu einem gleichen Datum stattgefunden haben, zusammen passen, ohne dass ihre Gemeinsamkeit an den Haaren herbeigezogen wirkt.
Lasst Eva und mich heute mal einen Testballon steigen, in welchem wir aus einigen Ereignissen der beiden April-Wochen, eine Geschichte machen.
Eine etwas ungewöhnliche Leseerfahrung mag hierbei für manche sein, dass wir manchmal im Kalender vor und zurück springen.
Würden wir uns an die Reihenfolge der Kalenderdaten halten, dann passt die Historie nicht. Von daher gehen wir den Kompromiss ein und leben mit dieser leichten Unruhe im Lesefluss.
Vielleicht finden wir ja auch noch eine bessere Vorgehensweise.
Wenn euch das Format gefällt, würden wir das eventuell einmal im Monat anbieten.
Lasst es mich in den Kommentaren wissen. Kritik und natürlich vor allem Lob sind herzlich willkommen.
Jetzt aber genug des Vorgeplänkels.
Seit es Menschen gibt, heben sie die Augen zum Himmel, um Sterne, Sonne und Mond zu beobachten.
Das war nicht nur Spielerei. Sirius zeigte die Nilflut an, Nach dem Mond wurden Feste berechnet, und vieles mehr. Vor allem, wenn etwas nicht so am Himmel lief, wie normal, wurde es spannend, da solche Ereignisse oft mit schlimmen bevorstehenden Dingen, wie z. B. verlorene Kriege etc. in Verbindung gebracht wurden.
Wir erinnern uns. Die beiden chinesischen Hofastronomen Hi und Ho, fanden den Tod, weil sie im Suff vergaßen, eine Sonnenfinsternis vorauszusagen.
Auf jeden Fall ist für den 07.04.378 v. Chr. eine Mondfinsternis dokumentiert.
Für diesen Tag protokollierten babylonische Astronomen eine totale Mondfinsternis, die aufgrund der Angaben im Keilschrifttext genau zu datieren war. Die Mondfinsternis fiel in ein Schaltjahr des babylonischen Kalenders und begann in Babylonien am 6. April 378 v. Chr. gegen 22:00 Uhr (partielle Phase).
Auch in Mitteleuropa wurde schon 1600 Jahre vor Christus der Mond und die Plejaden beobachtet, wie wir dank der Himmelsscheibe von Nebra wissen.
Na gut. Ihr ahnt wohl schon, dass aktuelle Ereignisse den roten Faden dieses April-Artikels bilden.
Am Anfang war das Wettrennen zwischen den USA und den Soviets. Betrachten wir also die wichtigsten Meilensteine des Aprils.
Der erste Mensch im All war Juri Gagarin.
Das war ein dramatischer erneuter Rückschlag für die USA. Immerhin hatten die Russen zu der Zeit vorher auch schon alle möglichen Lebewesen ins Weltall geschickt. Natürlich war dieser Erfolg dann auch ein gutes Propaganda-Mittel für das kommunistische System, aber das wäre für den Fall, dass die USA vorne gewesen wären, auch kaum anders gewesen. Auf jeden Fall kann man sagen, dass extrem hoch gepokert wurde. Dieser erste Flug war ein Pannenflug. Vor allem, als beim Wiedereintritt sich die Kapsel nicht vom Rest abtrennen wollte, begann das Schiff zu taumeln und hätte sehr leicht verbrennen können.
Nichts desto Trotz. Die Tür zum All war aufgestoßen. Von wem, ist ja letztlich nicht so wichtig.
Die Amerikaner und Russen machten also weiter. Beide wollten zum Mond.
Und so wählte die NASA am 9.4.1959 die ersten sieben Mercury-Astronauten aus und stellte sie der Weltöffentlichkeit vor.
Es handelt sich um Alan Shepard, Gus Grissom, John Glenn, Scott Carpenter, Walter Schirra, Deke Slayton und Gordon Cooper.
Das ist tatsächlich ein spannender Unterschied zur Präsentation der russischen Kosmonauten. Was man mit Gagarin vor hatte, war streng geheim. Nicht mal seine Familie wusste, was er tun würde. Selbiges galt natürlich auch für seinen Ersatzmann und andere.
Das Mercury-Programm klärte die grundlegenden Fragen der bemannten Raumfahrt:
- Kann ein Mensch im All überleben und arbeiten?
- Funktioniert Steuerung im Orbit?
- Ist ein sicherer Wiedereintritt möglich?
- Wie reagiert der Körper auf Schwerelosigkeit?
Die Antworten waren entscheidend für die nächsten Programme:
Gemini-Programm und später Apollo-Programm.
Und genau dieses Apollo-Programm startete mit einer tragischen Katastrophe.
Die Raumkapsel sollte am 27.1.1967 am Erdboden getestet werden. Und da brach plötzlich ein Feuer aus, bei welchem alle drei Astronauten ihr Leben verloren. Die Luke ließ sich wegen der großen Hitze nicht mehr öffnen und die Überlebenssysteme ersetzten den vom Feuer verzehrten Sauerstoff rasch durch frischen, so dass das Feuer noch zusätzlich angefacht wurde und seine Temperatur weiter stieg.
Einer der Drei Astronauten war der am 3.4.1926 geborene
Gus Grissom (Virgil I. Grissom)
Er war der erste Mensch, der zweimal in den Weltall flog und starb bei dem Test der Apollo 1.
Die beiden anderen waren
Ed White (Edward H. White II)
und Roger B. Chaffee
Ein tragischer Unfall, der das ganze Projekt gefährdete und in Frage stellte.
Aber auch die Russen wollten zum Mond und hatten bis dato im Weltraum überall die Nase vorn.
Sie waren die ersten, die am 3. April 1966 mit Luna10 eine Raumsonde in eine Umlaufbahn um den Mond brachten. Später folgten weitere Raumsonden und einige Rover. Allerdings das Glück, selbst Menschen zum Mond zu bringen, war ihnen nicht vergönnt. Besser gesagt, sie gaben ihr Mondprogramm auf, als das Rennen verloren war.
Auf jeden Fall startete am 4.4.1968 mit Apollo 6 die letzte unbemannte Raumsonde des Apollo-Programms.
Die Montage der Mondlandefähre lag weit hinter dem Zeitplan zurück und die NASA stand unter enormem Druck.
Im September 1968 hatten die Sowjets zwei Schildkröten und ein paar Mehlwürmer um den Mond geschickt und sicher auf die Erde zurückgebracht.
Die Befürchtung, die Soviets würden das nun auch zuerst mit Menschen schaffen, war durchaus berechtigt.
Aus diesem Grunde mussten die Missionsplaner das Ziel für Borman, Lovell und Anders leicht ändern: Sie sollten nicht, wie für Apollo7 eigentlich geplant, im Erdorbit bleiben, sondern den Weg zum Mond wagen, ihn umkreisen, und wieder sicher auf der Erde wassern.
Apollo7 wurde also übersprungen und es folgte die uns bekannte Weihnachtsmondfahrt. Danach mit Apollo11 die erste Landung, mit Apollo13 die Fast-Katastrophe, und mit Apollo17 war das Strohfeuer zum Mond abgebrannt, und niemand interessierte sich mehr für ihn.
Nun ja, bis jetzt eben. Wir haben mit Artemis2 unseren Ostervollmond, denn ein Aprilscherz war das wahrlich nicht.
Mit einem geplanten Dorf auf dem Mond klingt die ganze Geschichte auf den ersten Blick ambitionierter, als es Apollo je war. Aber für mich, und damit bin ich nicht alleine, fühlt es sich momentan verdammt ähnlich, wie ein zweites Mondrennen, ja, wie eine Wiederholung der Geschichte, an. Nur, dass diesmal der Gegner der USA mit Chi beginnt und mit Na endet.
Unbeirrt testet China seine Sonden, landet dann und wann etwas auf dem Mond, bringt sogar Gesteine von Asteroiden heim, und, und, und. Die NASA ist aus dem Gateway, der Station um den Mond herum, ausgestiegen. Ob diese Entscheidung zugunsten eines Mond-Dorfes richtig war, wird sich weisen.
Aber ich will hier keine Meinung machen. Wir werden es erleben. Und ja, ich habe mich trotz allem über den neuen Aufbruch zum Mond gefreut.
Und so beende ich diesen Artikel mit der Zuversicht, dass wenn es gesundheitlich etc. normal läuft, dann darf ich mindestens den dreizehnten Menschen auf dem Mond erwarten. Und was der dann ist, ist unwichtig, weil wir den Weltraum nur als geeinte Menschheit bezwingen werden und nicht als, was auch immer.
Manchmal kommt es mir so vor, dass wir in Sachen Weltraum längst viel weiter wären, wenn wir die Probleme hier auf Erden gelöst hätten. Vielleicht schützt das Universum sich selbst davor, dass wir alles zerstören, wenn wir etwas entdecken, bevor wir reif dafür sind…
Schlussgedanken von Eva:
Ihr Lieben, jetzt darf ich mich auch noch zu Wort melden. Ich hoffe, die kleine Reise hat euch gefallen. Erstmal herzlichen Dank an Gerhard für die Blumen und erst recht dafür, dass du aus meiner Sammlung an Daten eine schöne Geschichte gemacht hast (und keinen Geschichtsunterricht. Smile).
Mir war aufgefallen, dass vom 3. April bis zum 12. April jeder Tag ein historisches Ereignis rund um den Mond und der Geschichte der Raumfahrt vorhanden war.
Sei es ein Geburtstag wie der von Blanche Stuart Scott an einem 8. April. Sie war die erste weibliche Pilotin eines Flugzeugs in den USA. Sonden die auf Venus, Mars oder Mond landeten oder dorthin gestartet sind oder auch die Rückkehr der letzten Besatzung der MIR oder der Start der Apollo 13.
Ihr merkt, schon allein aus den 14 Tagen hätten wir jede Menge Geschichten erzählen können. Sicherlich kanntet ihr das meiste davon. Aber wer weiß von einem Feiertag am 12. April? Mich jedenfalls hatte es sehr überrascht. Offiziell ist er der “Internationale Tag der bemannten Raumfahrt“ und wurde von der UN Generalversammlung 2001 beschlossen. In manchen Gegenden heißt er schlicht “Juri-Gargarin-Tag” zur Erinnerung an den ersten bemenschten Raumflug am 12.April 1961.

