Die Herkunft des Goldes auf Erden

Die Herkunft des Goldes

Seid weihnachtlich gegrüßt,

Einleitung

Weihnachtszeit bedeutet Lichtertzeit.
Da gibt es Goldengel,
in goldenes Stanniol eingepackte Schokoladentaler,
goldenes Lametta,
Goldstaub,
goldene Sterne und vieles goldene mehr.
Nicht zuletzt beschenkt man sich gerne auch mal zu Weihnachten mit Goldschmuck.
Gold steht für Glanz, für Licht, für Reinheit und für hohen Wert.
Letzteres deshalb, weil Gold so selten hier auf Erden ist. Es macht viel Mühe, es zu finden und aus der Erde zu holen.
Astro-Geologisch betrachtet, gehört das Gold eigentlich gar nicht hier auf die Erde, und dennoch haben wir, wenn auch nicht viel, genug davon, um uns daran zu erfreuen.
Zumindest gehört es deshalb nicht hier her, weil es definitiv nicht in unserem Sonnensystem entstanden ist, was wir noch sehen werden.
Aber alles der Reihe nach.

Der Anfang

Kurz nach dem Urknall, als das Universum entstand, gab es im Wesentlichen nur das Element Wasserstoff, einen kleinen Anteil Helium und etwas Lithium.
Das dem so war, verrät uns das Sternenlicht sehr alter und zumindest teilweise bereits längst vergangener Sterne und gute Simulationen am Computer.

Da das Universum am Anfang noch deutlich kleiner war, als heute, standen die Sterne viel näher beieinander. Außerdem bildeten sich aus diesem Wasserstoff und Helium oft sehr große Sterne, die das zehnfache oder hundertfache unserer Sonne wiegen.
Somit waren die ersten Sterne aus der ersten Generation, die Astronomen nennen sie die dritte, sehr rein und bestanden fast nur aus reinem Wasserstoff, den sie langsam in ihren Kernen zu Helium verschmolzen.

Als erste Generation bezeichnen Astronomen den Jetzt-Zustand, z. B. den Zustand, in welchem sich momentan entstehende Sterne befinden.
Als zweite Generation den Zustand, in welchem sich unsere Sonne befindet.
Die dritte Generation sind nun in der Astronomie die Ursterne, die quasi nur aus reinem Wasserstoff bestehen. Reiner geht es nicht.
So rechnen die Astronomen von der Gegenwart in die Vergangenheit und summieren die Generationen auf. Aus der Sicht des Universums und seines Lebens, ist die dritte Generation die älteste und erste, und die erste ist die neueste und jüngste im Jetzt.
Welcher Generation ein Stern angehört,
das verrät uns sein Licht. Älteres Licht als das, der Sterne der vom Universum aus gesehenen, aber aus unserer Sicht gesehenen dritten oder ersten Generation, gibt es quasi im Universum nicht.
Davor war das Universum undurchsichtig und nicht durchlässig für Licht.
Ich sehe schon. Der Urknall muss auch mal ein Artikel werden, weil er so bizar war. Meint ihr nicht?
Aber zurück zum Mechanismus, der uns hier Wärme und Licht spendet.

Die Kernverschmelzung von Wasserstoff zu Helium, ist der Prozess, aus welchem wir unsere Sonnenwärme, ihr Licht etc. empfangen.
Vier Wasserstoff-Atome bestehend aus jeweils einem Proton im Kern und einem das Proton “umkreisenden” Elektron werden zu einem Helium-Aton mit zwei Protonen und zwei Neutronen im Kern, und zwei Elektronen, die diesen “umkreisen” verschmolzen.
Das Helium-Atom wiegt etwas weniger, als vier Wasserstoffatome,
Diese kleine Massendifferenz wird als Energie in Form von Neutrinos und dem, was wir letztlich als Sonnenwärme empfangen, davon getragen.
Alle Sterne funktionieren in derselben Weise.
Deshalb ist für Astronomen häufig der Rest der Chemie gar nicht so wichtig. Sie sagen, es gibt Wasserstoff und Helium, und der Rest ist Metall. Ein Astronom soll einmal gesagt haben, dass ein Stern einfacher funktioniere, als eine Eintagsfliege. Damit hat er vermutlich sogar recht.
Das ist aber genau die Genialität des Aufbaus und der Funktion von Sternen. Wären sie komplizierter, könnten sie nicht Milliarden von Jahren alt werden…
Wir gehen aber hier einen Schritt weiter, und spüren am Beispiel der Goldsuche dem Rest der Chemie nach, die letztlich unser Leben auf Erden ermöglichte.

Viel Brennstoff und nur ein kurzes Leben

Den ersten alten Riesigen Wasserstoff-Gasbällen der für Astronomen der dritten Generation angehörenden Riesensterne, war kein langes Leben beschieden. Desto größer ein Stern ist, desto schneller verbraucht er seinen Wasserstoff-Vorrat, weil er durch seine enorme Masse die Atome in seinem Inneren näher zueinander bringt, so dass es öfter passiert, dass welche miteinander zu schwereren Elementen verschmelzen können.
Wie er allerdings endet, hängt ganz davon ab, wie schwer er war.
Das hat jetzt aber nichts damit zu tun, wie die Menschheit mit Übergewicht und den damit verbundenen Risiken zu kämpfen hat.

Als unsere Sonne vor etwa viereinhalb Milliarden Jahren ihren Wasserstoff “zündete”, in Anführungszeichen, weil es sich hierbei um kein Feuer handelt, sondern um eine Kernfusion, waren die riesigen Wasserstoff-Sterne schon vergangen und haben ihre Asche, die chemischen Elemente ins Weltall geblasen.
Jedes chemische Element, das eine Vorläufer-Gaswolke, die ein Kandidat für einen Stern sein könnte, eingefangen hat, und das nun in ihm enthalten ist, verrät sich durch sein ganz charakteristisches Licht, sobald er seine Lampe, die Kernfusion in seinem Inneren, eingeschaltet hat. Somit hat jeder Stern, zumindest derselben Generation oder Entstehungsortes, einen quasi eigenen Fingerabdruck, denn Sterne entstehen oft gemeinsam in Gebieten mit den selben chemischen Eigenschaften.
Viele dürften noch aus der Schule wissen, dass verschiedene chemische Elemente Flammen unterschiedlich färben. Deshalb sind Feuerwerke so bunt und schön.

Die Elemente entstehen so:

Hat nun beispielsweise ein Stern, der Masse unserer Sonne etwa nach 10 Miliarden Jahren ihren Wasserstoff zu Helium verbacken, dann setzen andere Kernverschmelzungen in diesem Backofen ein.
Hier entsteht dann beispielsweise der Kohlenstoff(C12), der Sauerstoff(O16), Stickstoff(N14), Phosphor und weitere Elemente, die für uns lebensnotwendig sind.
In einem Stern, der mit unserer Sonne vergleichbar ist, kann aber kein schwereres Element, als Eisen entstehen, weil man Energie zuführen müsste, um schwerere Elemente, wie Blei, Wissmut und auch Gold zu erzeugen. Bisher hatten wir immer Glück. Aus Wasserstoff wird Helium und Energie. Daraus wird dann bis zum Eisen hin immer etwas und dazu noch Energie. Ab Eisen wirds dann nicht mehr kostenlos. Will man mehr, muss man Energie hinzu fügen, um schwereres zu bekommen. Die hat unsere Sonne nicht und kann sie sich auch nirgendwo pumpen.

Woher kommt dann das viel schwerere Gold? Wer spendete die Energie dafür?

Dazu müssen wir die alten Riesensterne betrachten, die zwar schon längst vergangen sind, aber deren Licht Milliarden Von Jahren uns von ihrer ehemaligen Existenz kündet.

Ein Riesenstern beendet sein Leben deutlich fulminanter, als es unsere kleine Sonne tun wird. Hat so ein Monster seinen Wasserstoff je nach Größe schon nach einigen Millionen von Jahren verbraten, dann endet er in einer riesigen Explosion, einer Nova oder Supernova. Es gibt verschiedene Szenarien und Typen von Novae, die hier jetzt nicht näher behandelt werden können.
Unsere Sonne ist klüger und geht ob ihres wenigeren Gewichtes gewissenhafter mit ihrem Wasserstoff-Brennstoff um. Sie wird noch mindestens fünf Milliarden Jahre für uns leuchten. Stimmt zeitlich zwar, aber, naja… Ein andermal davon.

Also bei Novae-Explosionen wird so viel Energie frei, dass auch schwerere Elemente über das Eisen hinaus entstehen können.
Es ist allerdings fraglich, ob wirklich alle Elemente so gebacken werden, ob die hier frei werdende Energie dafür ausreicht. Vermutlich nicht. Es sollte also noch einen anderen Mechanismus mit mehr frei werdender Energie geben, der dann das Periodensystem noch mit den schweren fehlenden Elementen, wie Gold anfüllt.
Stets werden alle Elemente, egal wo sie entstehen, mit den Explosionen und somit dem Tot von großen Sternen in den Weltraum verteilt. Das bedeutet, dass die Gaswolken der nächsten Sterngeneration, die zunächst nur aus Helium und Wasserstoff bestanden, nun leicht mit dem Staub, der Asche, der anderen toten Sterne, der schwereren chemischen Elemente, “verunreinigt” wurden.
Jüngere Sterne sind quasi “schmutzig”, auch unsere Sonne trägt quasi ein Erbe ihrer Vorfahren, das wir heute in unseren Spektrometer an deren Licht erkennen können.
Dazu sei noch angemerkt, dass sich niemals aller Wasserstoff zu schwereren Elementen verbinden wird. Es blieb bisher immer genügend übrig, um die zweite und die dritte Generation zu zünden.

Geburt eines Sterns

Wie auch immer. Bevor also ein Stern in seinem Inneren seinen Wasserstoff “zünden” kann, denn es ist ja kein Feuer, sondern eine Kernverschmelzung, bestehen sie erst mal aus einer riesigen Gaswolke aus sehr kaltem Wasserstoff, vielleicht etwas Helium und den chemischen “Verunreinigungen” der bereits explodierten alten Sterne.
Es kommt nun vor, dass so eine Gaswolke z. B. durch eine Supernovaexplosion von außen dazu angeregt wird, sich langsam zu einem Stern zu verdichten.
Die Nova übt von außen her durch ihre Explosionskraft einen Druck an einer Stelle der runden riesigen Gaswolke aus. Diese dellt sich ein und beginnt zu kolabieren.
Übrig bleibt dann um das, was mal ein Stern werden soll, einem in der Mitte zusammen fallenden Gasballs, oft eine Scheibe aus sich drehender Materie, aus welcher dann eventuell Planeten entstehen können.
Auch unsere acht Planeten liegen quasi in einer Ebene. Einst drehte sich dort eine Gas- und Staubscheibe um das, was heute die Sonne ist. Aus dieser Scheibe sind schließlich auch unsere Steinplaneten verklumpt.
Der Asteroiden-Gürtel zwischen Mars und Jupiter sind die Trümmer, die beim Bau der Planeten übrig geblieben sind. Es sind zu wenige mit zu wenig Masse, dass es für noch einen Planeten reichen würde. Ich habe auch mal gehört, dass sie einst ein Planet gewesen sein könten, der irgendwie zerbrach, aber das weiß ich nicht genau.

An unserem Saturn kann man noch so etwas ähnliches, wie eine Scheibe um den Planeten in Form seiner Ringe und vielen Monden sehen. Er ist etwas, das abgesehen davon, dass der Saturn mangels Masse kein Stern werden konnte, so etwas ähnliches, wie ein Sternsystem ist, dessen Mittelpunkt leider kein Stern, sondern ein riesiger Gasplanet darstellt.
Aus seiner Sicht wären dann seine zahlreichen Monde Planeten, und er die “Sonne”.
Auch unser größter Planet, der Jupiter hat ein Ringsystem um sich herum. Dieses zeigt sich uns allerdings längst nicht so prächtig, wie das, des Saturn, weil wir nicht auf das Ringsystem des Jupiters blicken, sondern auf dessen Kante.

Thermische Prozesse sorgen nun bei der Planetenentstehung dafür, dass sich z. B. schwere Elemente sortieren und geologisch ordnen.
Außerdem drehen sich alle Planeten auch um sich selbst. Das bedeutet, dass sie als flüssiger Gesteinsbrei, wie eine Zentrifuge wirken, deren Wirkung dann auch noch zur Sortierung der Elemente beitragen. So haben sehr viele Planeten einen Eisenkern.
Aber zurück zu unserem weihnachtlichen Stoff der Begierde, dem Gold.

Jezt sag uns doch endlich, Du geschwätziger Astronom, wo es her kommt!!!

Die Steinplaneten, wie Merkur, Venus, Erde und Mars enthalten nun alle Elemente, also auch Gold.
Auch unsere Sonne hat etwas Gold mit bekommen. Man hat es inzwischen in ihrem Licht nachgewiesen. Im Verhältnis zu Wasserstoff und Helium ist das wirklich nur in Spuren dort enthalten, aber würde man das Gold der Sonne auf die Erde bringen, dann purzelten die Goldpreise ins Bodenlose und wir würden unsere Pausenbrote vielleicht in Goldfolie verpacken…

Seit vielleicht zwei Jahren ist uns noch eine andere Weihnachtsbäckerei bekannt, in welcher vermutlich noch viel effektiver Gold, Platin und andere wertvolle schwere Elemente gebacken werden.

Sehr häufig entstehen Sterne, welcher Größe auch immer, nicht alleine, sondern in Paaren.
Unsere Sonne ist alleine. Es gibt durchaus die Vermutung, dass sie ihre Schwester verloren hat. Man sucht tatsächlich nach Sternen, die den gleichen chemischen Fingerabdruck haben, wie unsere Sonne.
Ist nun ein ausgebrannter Sternrest nach seiner Nova noch etwa das anderthalb fache bis zu etwa dem vier fachen der Sonne schwer, endet er nicht wie sie, als weißer Zwerg, der dann langsam auskühlt und verblasst.
Ein Szenario, wie so ein schwerer Stern enden kann, ist ein Neutronenstern. Er ist so dicht, dass die Elektronen der Atome in die Protonen der Kerne gedrückt werden.
Er besteht nun aus entarteter Materie, die es auf Erden nicht gibt.
Dieser Sternenrest hat vielleicht einen Durchmesser von 30 – 40 Kilometern und ist das anderthalb bis das dreifache unserer Sonne schwer, die einen Durchmesser von 1,4 Mio Kilometer besitzt.
Nur am Rande: Noch schwerere Sternreste enden als schwarze Löcher.
Die Neutronensterne sind als Pulsare so interessante Objekte, dass wir uns ihnen unbedingt mal in einem extra Beitrag widmen müssen.
Ich sagte schon, dass Sterne oft zu zweit vorkommen.Somit kann es natürlich auch sein, dass beide, wenn sie ähnlich schwer sind, ihr Leben als Neutronensterne beenden.

Kreisen nun zwei Neutronensterne umeinander, so verliert das System langsam Energie, die in Form von Gravitationswellen davon getragen wird. Diese Wellen sind sehr schwach, aber man kann sie mittlerweile mit riesigen Detektoren messen.
Albert Einstein, der sie postulierte, hätte seine Freude daran, denn er dachte nicht im Traum daran, dass wir sie einst nachweisen können werden.
Über den Nachweis von Gravitationswellen schrieb ich vor einigen Artikeln.

Es ist nun gelungen, die Gravitationswellen eines Zusammenstoßes zweier Neutronensterne zu messen und gleichzeitig mit optischen Teleskopen in diese richtung zu schauen.
Dort fand man, im Lichte des Crashs, , dass diese Bäckerei noch viel effektiver alle chemischen Elemente backen kann, als irgendwelche Novae, seien sie auch noch so heftig.

Die hier frei werdende Energie reicht aus, alle Bausteine des Lebens und des Universums zu erzeugen.
Aus so einem Inferno, wo zwei Neutronensterne zusammenkrachen, entstehen ungefähr drei Erdmassen reinen Goldes. Das scheint viel, ist es aber nicht. Bedenken wir, dass jeder am Crash beteiligter Neutronensterne deutlich mehr, als unsere Sonne wiegt. Und bedenken wir dann auch, dass es sich hier nicht um einen Goldklumpen handelt, der jetzt am Stück durch das Weltall vagabundiert, sondern um Gold-Ionen, oder ganz feinen Goldstaub, der in alle Richtungen kugelförmig um die Unfallstelle herum fast mit Lichtgeschwindigkeit ins All geblasen wird. Nimmt man jetzt noch die riesigen Entfernungen von vielleicht Milliarden Lichtjahren zu uns an, dann dürften die Erwartungen von Spekulanten, Börsenmäklern und Schmuckherstellern bald schwinden, dass wir auf einen “Goldregen” hoffen dürfen. Wie oben schon angedeutet, wäre das Gold schließlich wertlos, wenn es plötzlich in rauen Mengen verfügbar wäre.

Es scheint nun so zu sein, dass der Teil vieler schwerer chemischen Elemente in Zusammenstößen zweier Neutronensternen entsteht, und der Rest durch Supernova-Explosionen.
Es gibt keine unentdeckten chemischen Elemente mehr. Das Periodensystem ist lückenlos voll.
Alles, was jetzt momentan noch künstlich gebacken wird, zerfällt gleich wieder.
Es kann aber sein, dass man sich künstlich in der Element-Bäckerei einem Punkt annähert, den das Universum nicht erreicht, wo nochmal stabile künstliche Elemente entstehen könnten. Man wird sehen und erleben, ob es uns nützt.

Fazit

Gold ist so selten, weil wir alle Kinder des Feuers sind.

Damit Leben hier auf Erden chemisch überhaupt möglich wurde, dafür mussten bereits einige Sterne der ersten Generation ihr Leben lassen, um das Universum mit ihrer Asche, den chemischen Elementen, zu füllen. Denken wir immer daran, wenn wir uns an Gold erfreuen, das Leben den Tot bringt und umgekehrt.
Ist das nicht auch ein Paradox unserer Christenheit?

Gold könnte vom Anfang des Universums stammen.

Es ist sehr alt, und hat einen weiten Weg bis zu uns hinter sich.

Die sicherste Methode es vor Raub zu schützen ist, es einfach in einem Stern zu verstecken, wie es unsere Sonne tut. Ihr Licht bringt uns die Botschaft: “Ätsch, schaut mal. Ich hab viel davon, aber hole es Dir doch, wenn Du kannst…”

Wieso Gold golden glänzt, liegt an seinem einzigartigen Atomaufbau, der ebenfalls eine ganz seltene Eigenschaft des Goldes ist.

Die Geschichte der Herkunft des Goldes ließe sich sicher auch noch für andere Elemente ganz ähnlich erzählen, die ebenfalls nur im Crash zweier Neutronensterne entstehen können. Und seine Seltenheit im Universum erklärt sich mit dieser Tatsache auch. So, und nur so, kann es entstehen. Die leichteren Elemente, wie Kohlenstoff, Stickstoff etc. entstehen im Laufe des Lebens eines Sternes vermutlich in allen, also viel häufiger.

So, das war jetzt meine Gold-Geschichte. Über Kommentare etc. freut sich, wie immer
Ihr und euer Blindnerd Gerhard.
Ich wünsche Ihnen und euch eine schöne und geruhsame Vorweihnachtszeit.

Mein Merkurtransit im Nachgang

Liebe Leserinnen und Leser,

Am Montag, 11.11.2019 hatten wir einen Merkurtransit.
Die sind zwar nicht so selten, wie z. B. die Rückkehr des Halleyschen Kometen, aber würdigen sollte man Transits dennoch, denn sie trugen in vielfältiger Weise viel zum Verständnis des Universums bei.
So konnte der Abstand Sonne-Erde im Jahre 1639 während eines Venustransits, der von Verschiedenen Punkten aus beobachtet wurde, erheblich genauer bestimmt werden.

Merkurtransit bedeutet, dass der Merkur, unser kleinster und innerste Planet über die Sonnenscheibe zieht. Alle Planeten, die weiter innen als die Erde sind, also Merkur und Venus, ziehen aus unserer Erdsicht dann und wann über die Sonnenscheibe, überholen die Erde auf ihren Innenbahnen und machen so einen Transit. Besonders bei der Venus, die mal als Morgenstern, dann gar nicht und schließlich am anderen Horizont als Abendstern erscheint, ist das offensichtlich. Sie ist so groß und uns so nahe, dass wir bei ihr Phasen, ähnlich des Mondes beobachten können, denn sie wird in ihrem Jahreslauf auch unterschiedlich aus Erdsicht von der Sonne beleuchtet.

Beim Merkur ist die Beobachtung eines Transits sehr schwierig, weil er so klein ist, und weil die helle Sonne alles überstrahlt. Aus diesem Grund sehen wir ja auch unseren Mond bei Neumond nicht.
Er ist schwer zu erkennen, und ohne besonderes Teleskop mit Sonnenfilter sollte man niemals in die Sonne schauen, wenn man verhindern möchte, dass man der oder demjenigen den Rest dieses Artikels vorlesen muss…
Kopernikus soll auf seinem Sterbebett bedauert haben, seiner Lebzeit den Merkur nie gesehen zu haben.

Wenn überhaupt, dann ist Merkur nur morgens oder abends in der Nähe der Sonne zu sehen. Und dann natürlich deutlich kürzer und lichtschwächer, als unsere in ihre weißen Wolken gehüllte und viel größere Venus.
Aber auch das Venus-Scheibchen reicht nicht für eine Finsternis aus.

Merkur umrundet in 88 Tagen die Sonne. Dabei überholt er die Erde regelmäßig
und läuft uns quasi durch unser Sonnenbild.
Wieso es so selten Merkurtransits gibt, liegt daran, dass seine Bahn gegenüber der Ekliptik um 7 Grad gekippt ist. Nur an den Knoten, den Schnittpunkten von Ekliptik und Merkurbahn, kann es einen Transit geben. Klingelt es da nicht bei jemandem? Ja, genau. Das sind ganz ähnliche Voraussetzungen, die zu einer Sonnenfinsternis zwischen Ekliptik und Mondbahn herrschen müssen, damit es bei Neumond zu einer Finsternis kommen kann. So ein Merkurtransit ist in der Tat eine mini Sonnenfinsternis.
Er ist leider zu klein, um mit seinem Scheibchen die ganze Sonnenscheibe abdecken zu können. Leider reicht es nicht mal für eine gut sichtbare ringförmige Finsternis. Das Löchlein, das sein Schatten in die Sonnenscheibe “bohrt”,
ist einfach zu klein, um mit bloßem auge gesehen werden zu können.

Von der Erde aus gesehen stehen die Merkurbahnknoten am 9. Mai und am 11. November vor der Sonne, und so finden Merkurtransits stets um diese Termine herum statt. Da die Merkurbahn stark elliptisch ist, treten Transits im November häufiger auf als im Mai. Der letzte ereignete sich am 9. Mai 2016 , der nächste wird erst wieder am 11. November 2032 stattfinden.

Da Merkur keine Atmosphäre hat, ist er mit Teleskop und geschütztem Auge klar und scharf als Punkt zu erkennen, der über die Sonnenscheibe wandert.

Bei Venustransits entstehen durch den Schatten der Atmosphäre tropfenförmige perspektivisch bedingte Effekte.
Das ganze Spektakel dauert schon einige zeit.

Nur mal am Rande bemerkt: Viele gefundene Exo-Planeten wurden und werden bis heute dadurch entdeckt, dass sie vor ihren Muttersternen vorbei ziehen, deren licht vorübergehend etwas verdunkeln und einen Transit vollführen.

In diesem Jahr konnte ich den Merkurtransit nicht verfolgen, weil ich im Zug nach Dresden saß, das Wetter schlecht war und das Internet im Zug, naja, lassen wir das…
Auch für sehende wäre sowieso nix zu sehen gewesen und nur mit Finsternisbrille ohne Teleskop wohl auch nicht.
Und nochmal. Niemals ohne Finsternisbrille oder Sonnenfilter in die Sonne schauen und durch ein Teleskop oder Fernglas schon gar nicht.
Galileo erblindete vermutlich im alter deshalb und es ist ein absolutes Wunder, dass Vater Pfarrer Fabricius mit sohn bei der Beobachtung von Sonnenflecken nicht erblindeten. Sie müssen wahrlich ein sehr lichtschwaches Instrument benutzt haben.

Ich könnte mir vorstellen, dass der Transit bei Sonnenschein vielleicht ganz ordentlich auf einem weißen Schirm auf den man mit einem Fernglas die Sonnenscheibe projezierte, beobachtbar war. Vielleicht hat ja jemand so etwas gemacht und kann in den Kommentaren darüber berichten. Ich denke halt, wenn sich diese Methode zur Beobachtung von Sonnenflecken eignet, dann hierfür doch vielleicht auch.

Es gab im Mai 2016 schon mal einen Merkurtransit. Den habe ich akustisch auf meine Art beobachten können.
Ich habe das Ereignis damals mit Universe to Go, der Astrobrille, von der ich hier schon mehrfach berichtete, verfolgen können.

Diese Brille arbeitet mit Augmented Reality. Für Sehende Himmelsbeobachter werden passend zur Blickrichtung Zusatzinformationen und Sternkonstellationen eingespielt, so dass man sich am Himmel besser zurecht finden kann.

Für Blinde werden die Himmelsobjekte akustisch angesagt. Es gibt sogar einen Suchmodus, der einen per Richtungsangaben zum gewünschten Objekt führt, wenn es denn sichtbar ist.

Und so habe ich beobachtet:
Zunächst suchte ich im Planeten-Suchmodus die Sonne. Die hätte ich auch so gefunden, aber ich wollte es vollständig mit U2G machen.
Das funktionierte prima, denn sie ist so groß und auch so nah.

Im nächsten Schritt drehte ich mich wieder aus der Sonne und stellte die Suche auf den Merkur ein.
Und siehe da. Als ich ihn fand, knallte mir die Sonne voll ins Gesicht.
Natürlich wusste ich das, dass dem so sein würde, aber es mit einem Instrument nach zu empfinden und zu erleben, ist etwas anderes, als es einfach nur zu wissen.
Ich wiederholte den Versuch zu Beginn gegen 14:00 Uhr, zur Mitte, gegen etwa 17:30 und zum Ende gegen 20:15 Uhr.
Mein Ziel war, die Wanderung des Merkur über die Sonnenscheibe zu erleben.
Ich bilde mir ein, den Unterschied von einem zum anderen Rand, erlebt zu haben, bin mir aber wirklich nicht sicher.
Die Erde hat sich ja auch beträchtlich in der zwischenzeit gedreht, Das habe ich natürlich in Richtung und Winkel zur Ekliptik durchaus mit U2G erlebt.
Die Wanderung des Merkurs kann ich aber wirklich aus rein wissenschaftlicher Sicht nicht ganz sicher belegen, aber gefühlt ist gefühlt und das ist auch OK so.

Hätte mich im Jahr 2015, als ich den Entwickler von U2G kennen lernte, jemand gefragt, ob ich mir vorstellen kann, dass eine Astro-App je für Blinde zugänglich sein würde, hätte ich das sicher verneint.

Ich habe es quasi verneint, als Martin mich auf einem Vortrag, den ich in Hannover hielt fragte, ob ich es mir vorstellen könne, dass wir so eine Art Audioguide für blinde Menschen entwickeln könnten. Ich sagte ungefähr, dass ich es nicht glaube und mir nicht vorstellen kann. Aus diesen Grunde sollten wir es probieren.
Und jetzt ist es so, dass es funktioniert.
Ich habe gleichberechtigt mein Instrument und kann teilhaben.
Einfach großartig, wie inklusiv so ein bissel Technik und Software sind.

Inklusivurlaub am dunkelsten und stillsten Ort Deutschlands

Liebe leserinnen und leser,
heute teile ich mit euch mal wieder ein Urlaubserlebnis. Aber keine Angst, bissel Astronomie kommt auch vor, denn ein Urlaub ganz ohne, wäre kein Urlaub für mich…

Urlaub am dunkelsten Ort Deutschlands?

das kann mir doch eigentlich egal sein, wie dunkel es wo ist, denn bei mir ist auch tags über der dunkelste Ort, wo ich mich gerade befinde, weil ich zu 100 % blind bin.
Für Sehende bedeutet Blindheit immer Dunkelheit und Hilflosigkeit. Das ist absolut verständlich und nachvollziehbar.
Aber, wer nie Helligkeit gesehen hat. Wie kann es für so jemanden dunkel sein?
Ich habe Helligkeit gesehen, ohne Farben und doch etwas. Das ist jetzt aber meistens weg, obwohl ich manchmal Tage habe, wo ich noch etwas Licht sehen kann. Nützen tut mir das aber leider meistens nichts mehr. Niemals habe ich mich aber trotz des Verlustes meiner wenigen Sehkraft im Dunkeln gefühlt.
Dennoch hat mir mein früheres Sehen sehr geholfen. Ich sah doch so manches Hindernis, welchem ich ausweichen konnte.
Wie auch immer.
Wir blinden leben nicht in Finsternis. Und aus diesem Grunde bin ich Hobby-Astronom. Und darum ist es mir wichtig, dass es nachts dunkel ist, damit die Tierwelt die Nacht nutzen  und ich mit Astronomen Sterne beobachten kann. Damit Ruhe einkehrt, denn Lärm ist letztlich eine negative Seite des Sehens, weil Sehen oft überbewertet wird und unser Ohr zum Hilfsorgan degradiert wird, was wir am erbärmlichen Ton all abendlich erkennen können, indem wir dem extrem schlechten Klang unserer Fußballfeld großen Flachfernsehern lauschen, obwohl wir in einer Zeit höchst entwickelter Hifi-Technologie leben. Beobachtet mal mit den Ohren. Ihr werdet feststellen, dass nahezu alle Statussymbole, die zu ANSEHEn verhelfen, wie Sportwagen und Motorräder extrem viel Lärm produzieren…
Diese Tatsachen sind Grund genug, sich auf das Abenteuer, ohne Begleitperson zu begeben, und an den dunkelsten und auch einer der stillsten Orten Deutschlands zu fahren,
sich auf eine Familie einzulassen, die ich nur per Mail kannte,
sich hinein zu wagen, auf eine ungewisse Reise.
“Wird das mit der Umsteigehilfe funktionieren?”
“Ist Familie Zemlin auch nett, sensibel genug und respektvoll  zu mir?”
“Komme ich im Haus alleine ohne Begleitperson zurecht?”
Ja, derlei Fragen und noch viele mehr stellt man sich vor so einem Abenteuer. Da geht dann schon mal der Atem schneller, und trotzdem habe ich es gemacht.
aber alles der Reihe nach.

Wie alles begann

Schon seit vielen Jahren bin ich sehr gut mit dem Entwickler des mittlerweile sprechenden Handplanetariums
Universe to Go befreundet.
Ich stehe ihm beratend zur Seite, wenn es darum geht, dieses Handplanetarium so zu entwickeln, dass auch blinde Menschen den Sternenhimmel akustisch erfassen können. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas grafisches für unseren Personenkreis umsetzbar wäre, aber es geht…
Dieser Freund kennt Familie Zemlin aus Lochow bei Rathenow, die einige Ferienhäuser betreiben.
Fam. Zemlin ist es ein Herzensanliegen, auch barrierefreie Angebote für Menschen mit Behinderung vor zu halten. So vermittelte mein Astrofreund Martin den Kontakt zwischen mir und den Zemlins, in der Hoffnung, ich könnte hier vielleicht etwas beratend bei Seite stehen.

Nun wurde ich vor einiger Zeit von Fam. Zemlin eingeladen, bei Ihnen mal einen Probeurlaub sozusagen zu erleben. Ziel war und ist es, herauszufinden, was im Bereich der Barrierefreiheit in meinem Fall für blinde Menschen noch verbessert werden könnte.
Es sind ja oft nur Kleinigkeiten, die nicht viel Geld kosten, die eventuell aus quasi Abfällen gebastelt werden können, die nicht technisch kompliziert sind und die doch manchmal wirkungsvoll, nützlich und im Extremfall vielleicht sogar lebens rettender sein können, als ein hoch technisches unbezahlbares Hilfsmittel.
Ein Aufkleber, um etwas zu kennzeichnen, ein markierter Schalter, Markierungen an Kochherd oder Spülmaschine, ein Läufer auf dem Fußboden, der einem z. B. davor bewahrt, in eine große Pflanze hinein zu laufen, können so hilfreich sein und bedürfen keines besonderen Wissens oder technischer Kunstgriffe.
Um es vorweg zu nehmen. Ich bin der Überzeugung, dass wahrscheinlich 90 % der Barrieren durch Empathie und Brücken der Liebe überwunden werden, weil man sich in dem Fall in sein Gegenüber hinein versetzt und selbst auf Ideen kommt, wie die Welt barrierefreier werden könnte.
Es muss überhaupt nicht perfekt sein. Es muss nur eben gemacht werden.
Bei Fam. Zemlin ist diese Nächstenliebe absolut vorhanden und auch die Beobachtungsgabe und Sensibilität, sein Gegenüber ganzheitlich wahrzunehmen mit allen Eigenschaften, also auch mit der Einschränkung, die lediglich eine Eigenschaft von vielen anderen ist…

Die Ankunft

So organisierte ich also die Fahrt nach Rathenow, wo Detlef mich abholen sollte. Für die Züge hatte ich Umsteigehilfen bei der Bahn gebucht. Großartig, dass das jetzt alles so online geht.
Die Fahrt nach Rathenow war lang, aber nicht langweilig. Viel Zeit für Hörbücher.
Detlef und seine liebe Frau, Liane, standen schon am Gleis und nahmen mich direkt herzlich und liebevoll in Empfang. Überhaupt sind die beiden so, als hätten sie täglich mit Menschen zu tun, die blind sind. Das ist es eben, was ich mit Brücken der Liebe meinte. Es gibt Menschen, die können mit uns von Natur aus umgehen, und solche, die trotz fachlicher Qualifikation, Lehrgängen und Dunkelseminaren, es nie schaffen. Für alle, die Scheu und Berührungsängste mit uns haben, sei gesagt:
Es geht einfacher, als man denkt.
Wenn ihr die drei Punkte, “Fragen, Denken und helfend handeln” beachtet, könnt ihr nur noch wenig falsch machen.

Zunächst gingen wir erst mal einkaufen, weil man sich in Lochow selbst versorgen muss. Schnell hatten wir uns darüber abgestimmt, was wir frühstücken und zum Abendbrot essen würden.
Es war klar, dass wir unser Mittagessen irgendwo draußen während unserer Ausflüge, einnehmen würden.
Das Angebot, mit Fam. Zemlin gemeinsam essen zu dürfen und nicht alleine im Ferienhaus, nahm ich gerne an. Das machte vieles einfacher und mir blieb kochen, spülen etc. erspart. Von der Ausstattung her wäre es aber kein Problem gewesen, dass man sich als blinder Mensch, bzw. mit einer Gruppe im Haus selbst bekocht. Dazu nachher mehr.

Die Unterkunft

Angekommen an meinem Ferienhaus fand mein Blindenstock gleich tastbare Leitlinien am Boden und eine Rampe als Alternative zur Treppe. Die Rampe hat seitliche Ränder, so dass man nicht daneben treten kann.

Blindnerd auf der Rampe vor dem Ferienhaus
Vor dem Haus auf Rampe

Die Türklingel ist mit Punktschrift beschriftet, so dass man nicht ausversehen Licht macht, das man nachher zu löschen vergisst, weil man es nicht sieht.
Im Haus fielen mir zunächst die Schiebetüren auf. Ich liebe Schiebetüren. Der Feind eines jeden Blinden sind halb geöffnete Klapptüren oder Fenster, in welche man hinein laufen und sich ernstlich verletzen kann.
Alle Türen waren in der Nähe der Klinken und zusätzlich noch weiter oben, wo in der Regel die Schilder für Sehende angebracht sind, in Punktschrift beschriftet, so dass man weiß, welches Zimmer dahinter liegt.
OK, beim ersten Betreten des Hauses rennt man erst mal in eine Insektentür, weil man die durch ihre feine Netzstruktur nicht hört. Daran tut man sich aber nicht weh, und nach dem ersten mal weiß man es ja dann. Und keine Schnaken im Haus zu haben weiß jeder zu schätzen, der am Wasser wohnt…
Der Grundriss des Hauses ist sehr einfach und ich konnte mich sehr leicht und ohne Barrieren orientieren. Das Haus hat nur ein Stockwerk.
Der Wohnbereich ist super gemütlich.
Ob der Fernseher blind bedienbar ist, weiß ich leider nicht, weil ich ihn nicht benutzt habe.

die Küche ist besser eingerichtet, als die meine.
Der Herd ist ohne Markierungen bedienbar, weil die Knöpfe so geformt sind, dass man ungefähr an deren Stellung erkennt, wie hoch man ihn gedreht hat.
Die Spülmaschine habe ich nicht benutzt. Vermutlich müsste man hier noch Tasten markieren, um sie bedienen zu können.

die Schlafräume sind klasse und das Badezimmer ist vollkommen barrierefrei.

Die Wege zwischen den Häusern und zum Haus der Zemlins sind momentan für blinde Menschen noch schwierig, ohne Begleitung zu gehen, weil man sie nicht wahrnimmt. Das Gehen fühlt sich an, als wäre man am Strand, weil der Boden sehr sandig ist. Ein großartiges Geh-Gefühl.
Das sollte, wenn es wärmer ist, eine wunderbare Barfuß-Erfahrung sein.
Hier könnte man sich z. B. mit einigen Markierungen mit dem Handy und der App Myway behelfen.
Die Außenorientierung ist noch in der Planungs- und Entwicklungsphase.

Die erste Nacht

Überwältigend war für mich die absolute Stille in der Nacht. In der ersten Nacht war es für mich etwas unheimlich. Zum einen deshalb, weil ich eben alleine in diesem Haus war und wusste, dass ich mich draußen nicht auskenne. Naja, es war ein Telefon vorhanden, mit dem ich Fam. Zemlin hätte anrufen können.
Die Stille war wirklich, naja, was soll ich sagen, sehr laut und erdrückend. Wir sind das nicht gewohnt, dass es wo so still sein kann. Ich musste leise Hörbuch an machen, damit ich etwas hören kann. Obwohl ich selbst auf dem Lande wohne, wo es schon sehr still im Vergleich zur Stadt ist, muss ich sagen, dass ich im Gegensatz zu dort, in purem Lärm lebe. In der zweiten Nacht war die Beklemmung dann verflogen. Ich hatte mich daran gewöhnt. Ich zog sogar in Erwägung, die Batterie aus der Wanduhr des Wohnbereichs zu nehmen, weil ihr Ticken durch das ganze Haus “hämmerte”.
Ach ja, in der ersten Nacht hatte ich einen kleinen Störenfried im Haus. Ein Rauchmelder meinte, er müsste mir so ab 04:00 Uhr Morgens mitteilen, dass seine Batterie am Ende wäre. Dieses Geräusch dürften viele von euch kennen. Das kann man nicht voraus sehen. Das kommt halt, wenn es kommt. Detlef schaffte dann am nächsten Morgen diese Unruhe rasch aus dem Haus.
Was ich bei dieser Stille absolut bestätigen kann, ist, was viele Mönche sagen. Man hört die eigenen Gedanken unheimlich laut. Sie springen, will man sie stumm schalten, wie Kinder jauchzend und schreiend ins Schwimbecken des eigenen Kopfes, tummeln sich und machen unglaublichen Lärm. Das wird aber nach einiger Zeit besser. Auch dieses ist ein Grund, sich mal hier in Urlaub zu begeben. Ich kann mir keinen Ort vorstellen, wo man sich besser entschleunigen könnte.
Als ich dann in der zweiten Nacht empfänglich und offen für diese Stille war, hörte ich unheimlich viel.
Das Knistern meiner brennenden Zigarette tönte, wie ein prasselndes Kaminfeuer. Dazwischen hörte ich noch einige Nachtvögel und den Fuchs bellen. Kann sein, dass auch noch ein Marder oder Waschbär raschelte. Zumindest habe ich so was gehört.

Freizeit mit Fam. Zemlin

Neben intensiven Gesprächen über Barrierefreiheit und weitere Themen durfte ich mit Detlef zwei wunderbare Ausflüge machen.
Wir besuchten das Otto-Lilienthal-Museum, die Theodor-Fontane-Ausstellung und ein sehr spannendes Optik-Museum, wo man viel anfassen konnte.

Zeigt mich mit einem Gleiter-Modell in Händen
Betasten eines Gleiters

Gleiter mit Puppe
Gleiter mit Puppe

Lilienthal war der Flugpionier der Menschheit.
Fontane kennen wir noch durch sein Gedicht “Der Birnbaum” und durch vielleicht den Roman Effi Briest, durch den viele von uns auf dem Gymnasium hindurch sich noch quälen mussten. Für mich war das damals schwer, weil ich mit derlei Literatur so absolut nichts anfangen konnte, aber mit zunehmendem Alter, finde ich das gar nicht mehr so schlimm…
Das Optik-Museum lohnt sich auch sehr. Unglaublich, wie man damals optische Elemente herstellen musste, und wieviel handarbeit alleine schon für eine Brille nötig war.
Betasten eine Glasschleif-Maschine von 1915
Glasschleif-Maschine von 1915

Mehr will ich aber hierzu nicht verraten, denn ihr sollt ja nach Lochow in Urlaub fahren, und das alles selbst erleben.

Ein Highlight war zweifellos der Besuch eines Sees bei Sonnenuntergang, an und auf welchem tausende Kraniche und Gänse landeten um dort zu nächtigen. Das war ein Geschnatter und Geflatter. Großartig!!!

Zu Tränen gerührt war ich, als Detlef mir nachts den Sternenhimmel beschrieb. Alle verdächtigen Sterne waren am Himmel. Die Milchstraße war quasi von Horizont zu Horizont sichtbar. Unglaublich, wie dunkel es hier ist. Ich fühlte mich unter diesen Sternenhimmel mit Detlefs Beschreibungen, wie in einer Kathedrale, Irgendwie der Schöpfung ganz nah und verbunden.
Natürlich kommen hier viele Astronomen genau deshalb her, weil man hier so wunderbar den Sternenhimmel beobachten kann.

Meine große Bitte zu Weihnacht und darüber hinaus

Bitte, liebe Leserinnen und Leser, überlegt euch wirklich, gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit, welche Lichter ihr wirklich die ganze Nacht durch brennen lassen wollt. Es ist absurd, aber ich kenne Sehende, die zur Weihnachtszeit ihr ganzes Anwesen weihnachtlich beleuchten, um dann das eigens erzeugte unnötige Licht mittels Rollläden des nächtens auszusperren. Aber auch ohne Weihnachten. Macht es bitte so dunkel, wie ihr könnt. Tiere, Astronomen, aber auch unsere Gesundheit, werden es uns danken.
Vielen Dank.

Fazit

Momentan würde ich blinden Menschen eher noch nicht empfehlen, ganz ohne Begleitperson dort hin zu reisen. Beim Einkauf etc. sind aber Fam. Zemlin gerne mit dem Auto behilflich, denn manch andere Gäste, auch ohne Einschränkung, kommen auch ohne Auto.
Eine Gruppe von blinden Menschen mit einer sehenden Begleitung könnte sich aber in so einem Ferienhaus sehr wohl fühlen. Man kann viel laufen, kann sich Tandems leihen, kann die Stille genießen und vieles mehr.
Ich bin davon überzeugt, dass sich hier noch etwas ganz wunderbares entwickeln wird und weiß für mich, dass ich nicht zum letzten mal bei den Zemlins war.
Ich möchte dort etwas inklusives zu Astronomie anbieten.
Einige Tage Klausur, um in aller Ruhe Musik zu machen, wäre auch ein denkbarer Urlaub für blinde Menschen.

Wer sich für mehr interessiert, findet hier Befriedigung.
Naja, vielleicht trifft man sich ja mal an diesem wunderbaren Ort.

Bis zum nächsten mal grüßt euch herzlich
Euer Blindnerd Gerhard Jaworek.

Saturn und seine Mission

Seid herzlich gegrüßt,

Und wer sich jetzt wundert, wieso der Blindnerd mit dieser alten längst beendeten Cassini-Huygens-Mission daher kommt, der oder sie hat natürlich Recht.
Beim Stöbern in alten Mails habe ich den Text aus der Zeit vor dem Blog gefunden.
Die Mission und mein Text dazu ist mir zu wertvoll, als dass er eventuell verloren geht, und außerdem möchte ich ihn gerne auch hier auf dem Blog teilen.

Viele können sich noch erinnern, dass am 15.09.2017 die Mission Cassini-Huygens final beendet wurde, indem diese kontrolliert in den Saturn stürzte und in dessen Atmosphäre dann verglühte.
Da kommt mir so ne Frage. Hat ein Gasplanet überhaupt ne Atmosphäre in dem sinne, wenn er doch, bis auf einen kleinen Kern selbst aus Gas besteht?
Ja, und diese Frage hat mir damals ein Freund beantwortet, der schon in der Vorgänger-Mailingliste vor dem Blog mit gelesen hatte.
Er schrieb:
die angegebene “Größe” von Gasplaneten bzw. die Bezeichnung der Höhe 0 bezieht sich auf die Höhe, wo das Gas einen Druck von etwa 1bar hat.
Wiki sagt dazu: “Das Fehlen einer sichtbaren, festen Oberfläche macht es zunächst schwierig, die Radien bzw. Durchmesser von Gasplaneten anzugeben. Wegen der nach innen kontinuierlich zunehmenden Dichte kann man aber jene Höhe berechnen, in der der Gasdruck gerade so hoch ist wie der Luftdruck, der an der Erdoberfläche herrscht (auf Meeresniveau 1 atm oder 1013 mbar).”
Ob Gasplaneten einen festen bzw. flüssigen Kern haben ist unklar, da ab sehr hohen Drücken die Aggregatzustände wegen Superkritikalität nicht mehr unterscheidbar sind.
Sind Druck und Temperatur hoch genug, wird irgendwann der sogenannte kritische Punkt überschritten. Der Unterschied zwischen “flüssig” und “gasförmig” hört dann auf zu existieren und man nennt diesen Zustand dann “superkritisch”. Bei Jupiter (und anderen Gasplaneten) ist genau das der Fall: Weiter außen, wo Temperatur und Druck noch niedrig sind, ist der Wasserstoff noch gasförmig. Da aber weiter innen der kritische Punkt überschritten wird, gehen auch die gasförmige und die flüssige Phase kontinuierlich ineinander über und es gibt keine klar definierte Grenzfläche”

Wie auch immer.
Diese Mission war so erfolgreich, dass man sie würdigen sollte. Von der Planung, zum Start, über die Ankunft am Saturn, der Durchführung der Mission bis zum Ende sind um 30 Jahre vergangen. Somit hängen Lebenswerke vieler Wissenschaftlergenerationen und Experten dran.

Noch nie konnte ich an einer Mission derart partizipieren, wie bei Cassini-Huygens. Grund dafür ist einfach, dass es Podcasts dazu gab. Damit kann man derlei erleben, mitfiebern und naja, auch etwas mit traurig sein, wenn es dann zuende geht. Es ist nicht zu ermessen, wie wertvoll das Medium Podcast für mich als Zugang zu Bildung und Wissenschaft, mit den Jahren geworden ist.

Ich werde die Mission kurz einführen und dann habe ich einiges Audio- Video- und Textmaterial zusammengestellt. Das kann dann jeder nach bedarf lesen, hören und vertiefen.

Und es geht los:

Einführung

Cassini-Huygens ist der Name einer Mission zweier Raumsonden zur Erforschung des Planeten Saturn und seiner Monde. Bei Cassini handelt es sich um einen Orbiter, der im Auftrag der NASA vom Jet Propulsion Laboratory gebaut wurde, um den Saturn, seine Ringe und Monde von einer Umlaufbahn um den Planeten aus zu untersuchen. Huygens (konstruiert von Aérospatiale im Auftrag der ESA) wurde als Lander konzipiert, um von Cassini abgekoppelt auf dem Mond Titan zu landen und diesen mittels direkter Messungen in der Atmosphäre und auf der Oberfläche zu erforschen, was aufgrund der dichten und schwer zu durchdringenden Atmosphäre des Mondes nicht von einer Umlaufbahn aus möglich ist. An der Mission ist auch die italienische Raumfahrtagentur ASI beteiligt.
Die beiden aneinander gekoppelten Sonden wurden am 15. Oktober 1997 vom Launch Complex 40 auf Cape Canaveral mit einer Titan-IVB-Rakete gestartet. Am 1. Juli 2004 schwenkte Cassini in die Umlaufbahn um den Saturn ein, und am 14. Januar 2005 landete Huygens drei Wochen nach der Trennung von Cassini auf Titan und sandte 72 Minuten lang Daten, die das Verständnis über den Mond deutlich verbesserten.
Auch der Cassini-Orbiter hat mit seiner umfangreichen Ausstattung an wissenschaftlichen Instrumenten viele neue, teils revolutionäre Erkenntnisse in Bezug auf Saturn und seine Monde geliefert. Die Mission wurde daher mehrfach verlängert,
Nun ist das Ende aber unausweichlich. Der Treibstofftank ist nahezu leer, so dass der Treibstoff nur noch für das letzte finale Manöver reicht…

Namensgebung

Zur Namensgebung sagt Wiki:
Giovanni Domenico Cassini (* 8. Juni 1625 in Perinaldo, Grafschaft Nizza, Herzogtum Savoyen; † 14. September 1712 in Paris) war ein italienischer Astronom und Mathematiker, der in Bologna Ansehen erwarb, 1669 an an die Académie Royale des Sciences in Paris berufen wurde, 1673 die französische Staatsbürgerschaft annahm und seitdem meist Jean-Dominique Cassini genannt wurde. Er wurde zum Begründer einer Dynastie von Astronomen, die bis zur Französischen Revolution die Direktoren des Pariser Observatoriums stellten, weshalb er auch mit Cassini I bezeichnet wird.
Er ermittelte u. A. die Neigung der Erdbahn, bestimmte die Eigendrehung des Jupiter anhand des sog. Roten Flecks und bestimmte den Durchmesser der Sonne.
Ruhm erlangte er auch durch die erstellung sehr genauer Ephemeriden, die für die Geodäsie und die Seefahrt unverzichtbar waren.
Es ist aufregend über ihn zu lesen, denn er forschte im widersprüchlichen Spannungsfeld zwischen dem heliozentrischen – und dem geozentrischen Weltbild.
Christian Huygens, auch Christianus Hugenius, war ein niederländischer Astronom, Mathematiker und Physiker. Huygens gilt, obwohl er sich niemals der noch zu seinen Lebzeiten entwickelten Infinitesimalrechnung bediente, als einer der führenden Mathematiker und Physiker des 17. Jahrhunderts. Er ist der Begründer der Wellentheorie des Lichts, formulierte in seinen Untersuchungen zum elastischen Stoß ein Relativitätsprinzip und konstruierte die ersten Pendeluhren. Mit von ihm verbesserten Teleskopen gelangen ihm wichtige astronomische Entdeckungen.

Das soll es als Einführung auch von mir gewesen sein. In der kleinen Linksammlung kommen u. A. Experten zu Wort, die die Mission, ihren Verlauf und die Hintergründe viel besser erklären können, als ich. Ich führe jeden Link kurz ein, damit man weiß, worum es geht und, was vor allem Screenreader-Nutzer erwartet, wenn man darauf klickt.

Macht euch darauf gefasst, dass die Audio-Podcasts etwas länglich sein können. Erfahrene Podcasthörer wissen, dass es vor allem bei Wissenschaft-Podcasts noch länger gehen kann. Ich höre die Dinger meist mit doppelter Geschwindigkeit.
Haltet durch. Es lohnt sich und öffnet für diejenigen, die das noch nie gemacht haben, eine ganz neue Welt.

Podcasts und mehr

Das DLR gab gemeinsam mit der ESA einen deutschsprachigen Podcast zu Astronomie und Raumfahrt heraus. In Folge 30 dieses Podcasts (“Raumzeit” von Tim Pritloge) wird über diese Mission ausführlich gesprochen. Im Rahmen dieser Folge wird auch das Geräusch abgespielt, das der Lander Huygens erzeugt, als er durch die dicke Atmosphäre des Saturnmondes Titan absteigt. Er hatte ein Mikrofon an Bord, weil man sich erhoffte, eventuell Gewittertätigkeit zu hören. Dieser Fahrtwind ist definitiv ein Wind, der nicht von der Erde kommt. Es klingt so unwirklich und verblüffend. Dieses Geräusch ist eines der wertvollsten Weltraumgeräusche in meiner Sammlung. Oft wird der Saturnmond Titan mit der Erde verglichen. Die Rolle des Wassers übernimmt dort flüssiges Methan. Es gibt Flüsse, Seen und auch sonst so einiges, das auf der Erde durch fließendes Wasser entstand. Für Leben ist es aber leider zu kalt auf Titan.
Der Podcast wird gemeinsam mit dem Planetarium Zeiss Jena fortgeführt.Hier nun der Sound dieses ganz erstaunlichen Fahrtwindes. Er wird mit einer Engl. Erklärung eingeführt. Am Anfang ist eine relativ lange Pause, also nicht wundern, wenn es nicht gleich startet.

Fahrtwid Titan

Und hier folgt Folge 30 von Raumzeit.
RZ30 Cassini-Huygens

Folge 32 dieses Podcasts beschäftigt sich dann allgemein mit dem Saturnsystem.
Rz32 Das Saturnsystem

Mehrfach musste Cassini durch das Ringsystem des Saturn fliegen. Die Ringe des Saturn sind nicht geschlossen. Es gibt Lücken in die man fliegen kann, wenn man sie trifft. Eine ist nach Cassini benannt.
Außerdem gibt es zwischen den Ringen zonen, in denen fast keine Ringteilchen zu finden sind. Man dachte, es wären mehr Teilchen dort anzutreffen. Ein Glück, dass nicht, denn ansonsten hätten die Cassini zerstören können.
Um die Sonde zu schützen, flog man mit der Antenne voran durch die Ringe. die Teilchen, die auf die Antenne, die auch als Schutzschild ausgelegt war, treffen, kann man hier hören. Man hört hauptsächlich das Rauschen des Instruments. Die wenigen Teilchen, machen sich durch ein Knack-Geräusch im Sound bemerkbar. Man muss sich schon etwas rein hören.
Ein Geräusch, das von so weit her kommt, darf sich auch erlauben, schwer hörbar zu sein.
Und so klingt es.

Und

Hier
noch eine lesenswerte Erklärung des Sounds in Englischer Sprache.

Die Zeitschrift “Abenteuer Astronomie” verteilte auf Twitter einen Link zu einem Fahrplan der letzten Stunden.
Zum Fahrplan

Ach, dafällt mir noch was zu Cassini und der Lichtgeschwindigkeit ein
Wir erleben Licht, als benötigte es keine Zeit zu seiner Ausbreitung.
Im Jahr 1676 stellte Ole Rømer, ein Astronom und Mitarbeiter bei Cassini , fest, dass die Zeiten zu welchen der Mond IO seinen Planeten, Jupiter, verdeckt werden sollte, je nach der Position der Erde zum Jupiter bis zu mehreren Minuten variiert.
Daraus schloss er, dass das Licht eine endliche Geschwindigkeit haben muss,
wenn die Verzögerungen vom Abstand zwischen Jupiter und der Erde abhängig sind.,
Der von Roemer ermittelte Wert für die Geschwindigkeit des Lichtes wich nur um 30 % vom tatsächlichen Wert ab. Die Messmethoden zur Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit wurden in der Folgezeit immer genauer.
Cassini stimmte zunächst mit Roemer überein, verfiel dann aber doch wieder der Aristotelischen Vorstellung der zeitlosen Lichtausbreitung und des vorhandenseins eines raumfüllenden Äthers.
Ich schrieb darüber im Artikel “Nichts ist auch was – die Lehre von der Leere”.

Abschiedsvideo:
Das ist ein Deutsches Video von dem ich auch vorhin nur mal kurz das Intro angeschaut hab.

Hier ein kostenloses Ebook der Nasa mit vielen Saturn-Bildern: Keine Ahnung, wie zugänglich das ist, aber für unsere Sehlinge sicher spannend.

Beschreibung des Aussehens der Sonden:
Was jetzt hier noch fehlt, ist eine textuelle Beschreibung der Sonden. In RZ30 ist zwar eine, aber dann muss man tief in die Folge reinhören.
Vielleicht hat jemand sehendes, der hier mitliest Lust, uns das Ding zu beschreiben?

Apropos Beschreibung. Das ist es eben auch, was Podcasts für blinde Menschen so unglaublich interessant machen. Für die Sehenden gibt es vielleicht in den Shownotes Links und Bilder, aber beim Hören eben auch nicht. Deshalb muss alles beschrieben und erklärt werden. Wie im Radio.

Und ganz zum Schluss kommt doch tatsächlich noch ein Abschiedslied auf Cassini-Huygens.
Zuerst eine kleine Geschichte dazu, die mich sehr gefreut hat.
Zunächst teilte Spektrum der Wissenschaft, @spektrum einen Link über twitter, der mich zu einer Seite schickte, die nicht ganz barrierefrei war. Ich fand den Play-Button einfach nicht.
Flash-Kram halt.
Ich schrieb zurück, dass ich das Abschiedslied leider nicht anhören könne, weil ich die Barriere mit dem Abspielknopf nicht überwinde.
Kurz drauf kam dann ein Link zu Youtube, den ich hier mit euch teile. Damit gings dann.
Danke @Spektrum, dass ihr eine barrierefreie oder barrierearme Lösung gefunden habt. Jetzt kann ich auch bei dem Song mitmachen und mithören und mitfeiern und mittrauern…
Es war mir doch gleich klar, dass irgendwer etwas musikalisches zu diesem Anlass bringen wird.
Und bei so viel Italien in der Mission ist es auch nicht verwunderlich, dass das Stück in Italienischer Opern-Tradition erklingt, aber hört selbst.

A farewell to @CassiniSaturn, in the style @RobertPicardo sings best: opera!
Start the Song here.

Jetzt wünsche ich euch viel Freude und Anteilnahme am Ende dieser unglaublichen Mission.

Die Sonne tönt – Klingel oder Orgelpfeife

Liebe Leserinnen und Leser,

Viele von uns haben es noch in der Schule gelernt:
“Die Sonne tönt nach alter Weise,
in Bruder Sphären Wettgesang.
Und ihre vorgeschrieb’ne Reise,
vollendet sie mit Donnergang…”
Goethes Prolog im Himmel aus Faust I.

Mit der eher esoterischen Idee von Sonnenton, Erdenton und klingender Himmelsmechanik, haben wir uns in “Das Ohr am Teleskop” und “klingende Planetenbahnen” beschäftigt.
Schon klar, niemand kann die Sonne hören. Schon alleine deshalb nicht, weil 149 Mio Kilometer Vakuum zwischen ihr und uns liegen.

Es gibt aber in der Tat Gründe, sich damit zu beschäftigen, ob die Sonne klingt und schwingt, wie Schallwellen sich im Stern fortpflanzen, ob sie eher Glocke oder Orgelpfeife ist und vieles mehr.
Der Hauptgrund ist das Problem, dass wir nicht in die Sonne hinein sehen können. Was wir von ihr sehen, ist ihre Photosphäre, die alles überstrahlt und keinen Blick nach innen zulässt. Ich habe schon im vorigen Artikel erwähnt, dass uns ein Neutrino-Teleskop den Blick nach innen gewähren würde. Dieses wird es aber aufgrund der Eigenschaft, dass Neutrinos quasi mit nichts wechselwirken, nie geben. Mit Radio-Teleskopen kann man je nach dem, welche Wellenlänge man betrachtet, ein bisschen unter die Oberfläche schauen, aber auch nicht wirklich in den Stern hinein.

Vieles, was wir über das Innere von Sternen, und was dort passiert wissen, kommt aus Simulationen am Computer. Man spielt beispielsweise mit den Verhältnissen von Wasserstoff, Helium Metallen und Massen herum, und passt die Modelle an, bis sie das tun, was wir auch beobachten.
Mit “Metallen” meinen Astronomen alle Elemente, die schwerer als Wasserstoff und Helium sind, weil die Hauptsache, die in einem Stern passiert, die Fusion von Wasserstoff zu Helium ist. Somit reduzieren Astronomen häufig den Rest der Chemie auf “Metalle”.

Und an dieser Stelle wird die Sache etwas absurd. Wir beobachten, dass die Sonne brodelt. Wir sehen, dass die Sonne schwingt. Wir hören leider nicht, wie sie klingt, obwohl der Schall im Stern enorm sein muss und neben der Konvektion für das Wallen, Brodeln, pulsieren und Schwingen des Sterns verantwortlich ist.
Die Sonne ist ein einziger riesiger Resonator.
Die Schwingungsmuster an ihrer Oberfläche verraten den Sonnenforschern viel über das Innere der Sonne, z. B. was sich in ihren Schichten tut, wie innere Schichten rotieren, man kann überprüfen, ob die Modelle des inneren der Sonne, z. B. Temperatur etc. ungefähr passen, und vieles mehr.
Heute greifen wir nur ein Klang-Phänomen heraus. Es ist gut möglich, dass hier noch weitere Artikel über die Astroseismologie folgen werden.

Schwingende Saiten

Im eindimensionalen, ist eine gespannte Saite das einfachste, was man sich schwingend und klingend vorstellen kann. Sie ist gespannt an zwei festen Punkten aufgehängt und schwingt, wenn man sie anspielt. An den Aufhängungen nicht, aber in der Mitte schwingt sie am meisten. Bei tiefen Instrumenten, z. B. bei einem E-Bass kann man das sogar sehen. Die Saite wird durch ihre relativ große Amplitude verwaschen im Bild. Teilt man nun die Saite in der Mitte, so erhält man die doppelte Frequenz. Bei Flageolett-Tönen, wo man die Mitte der Saite nicht ganz drückt, sondern nur leicht abdempft, schwingt dann die linke Hälfte stets gegenläufig zur rechten. Der Flageolett-Punkt schwingt, wie die beiden äußeren Aufhängungen der Saite nicht. Man nennt das auch Knoten.
Wir haben also die Aufhängungen der Saite und dazwischen in der Mitte einen Knoten. Links und Rechts davon jeweils einen Bauch. Musikalisch erklingt die Oktave. Diese schwingt doppelt so schnell, wie der Grundton der Seite.
Teilt man die Saite in Drittel,
bekommt man die Quinte, dann die nächste Oktave, die Quarte usw.
Die hier entstehenden übereinander geschichteten Töne nennt man in der Physik die Harmonischen.
Spielt man ein Instrument, so erklingen immer einige dieser Harmonischen gleichzeitig. Dieser Zusammenklang macht die Charakteristik, macht den Klang, macht den Sound des Instruments aus.
Im Grunde ist die Saite durch ihre Schwingung und ihre Obertöne in der Zeitlupe dann auch wellig, bzw. gekräuselt.

Schwingende Flächen

Wir gehen nun einen Schritt weiter in unserer akustisch-visuellen Beobachtung.
Es gibt aus dem 17. Jahrhundert einen interessanten Versuch des Physikers Chladni
Ernst Florens Friedrich Chladni, der 1787 die Schrift Entdeckungen über die Theorie des Klanges veröffentlichte, tat folgendes:
Er nahm eine Glasscheibe und spannte diese wagerecht an einer Ecke in eine Klemme. Dann bestreute er sie mit Sägespänen. Nun strich er den Rand der Scheibe mit einem Geigenbogen an, um sie in Schwingung zu versetzen. Die Vibration brachten nun die Sägespäne zum Hüpfen. Nun ist es aber so, dass es nun auch auf der Fläche Knoten gibt, die nicht schwingen. Andere Orte schwingen so stark, dass die Späne quasi abgeschüttelt werden. Es entstehen nun Muster aus Orten, wo sich die Späne sammeln, und Orten, wo nachher keine mehr sind, weil sie vertrieben wurden.
Je nach dem, wo und wie Kladny die Scheibe mit seinem Bogen anstrich, änderten sich diese Muster. In manchen Erlebnisparks, z. in Schloss Freudenberg, ist dieser Versuch zum selbst ausprobieren, aufgebaut.
Im Gegensatz zur Welle einer Saite, hat man nun schon eine gekräuselte Oberfläche auf der zweidimensionalen Scheibe.
Auf ein Musikinstrument übertragen, entspricht diese Situation z. B. auch einer Trommel, wo das Trommelfell über den Körper der Trommel gespannt ist.

Und nun überlegen wir uns im nächsten Schritt, wie sich das ganze mit unserer Sonne verhält, die ein Gasball ist.

Die schwingende Sonne

Ich sagte schon, dass die Sonne brodelt. Gasblasen steigen auf und vergehen, wegen des Wärmeaustausches. Selbiges geschieht in der Küche im Kochtopf. Da die Ränder der blasen, auch Granulen genannt, kühler sind, leuchtet die Sonne dort stets etwas dunkler. Auch durch den Dopplereffekt kann man sehen, wenn sich eine Granule auf uns zu bewegt. Dann ist das Licht etwas ins blaue hinein gestaucht. Ins rote, wenn sich eine von uns entfernt, z. B. auflöst.
Die Frage ist nun, ob dieses Geblubber analog zum Weinglas auch den ganzen Stern zum Schwingen bringt.
Der Kochtopf wird ja auch vom kochenden Wasser in Schwingung versetzt und mit ihm meist auch der ganze Herd samt Arbeitsplatte.
Wie das ganze System schwingt, hängt beispielsweise davon ab, woraus die Küche gemacht ist, wie alles miteinander verbaut ist etc.
Der Schall pflanzt sich in unterschiedlichen Materialien und unterschiedlichen Aggregatzuständen (gasförmig, flüssig, fest) unterschiedlich schnell fort. Das machen Seismologen sich zu Nutze, um das innere der Erde zu erforschen. Plattentektonik, Vulkane erzeugen Schall. Das kann für Frühwarnsysteme unverzichtbar sein. Manchmal erzeugt man auch künstlich Schall, um ihn an anderer Stelle zu empfangen, um Rückschlüsse darüber zu erlangen, ob er beispielsweise durch eine Gasblase oder eine Flüssigkeit gegangen ist.

Das geht so natürlich bei der Vermessung unserer Sonne nicht. Dennoch lohnt es sich, das ganze Geblubbere und Gewabere auf ihrer Oberfläche zu beobachten. Genau das tut die Astroseismologie. So fand man beispielsweise eine Schwingung des ganzen Sterns, die sich alle fünf Minuten wiederholt. Das bedeutet, dass die Sonne sich alle fünf Minuten mal etwas aufbläht, um anschließend wieder zu schrumpfen. Man hat auch noch andere Schwingungsmuster gefunden. In diesem Sinne verhält sich unsere Sonne, als wäre sie eine Art Gong. Angeschlagen wird er von den sich stets verändernden Granulen, die wie Regen auf einem Blechdach den ganzen Stern quasi zum “klingen” bringen.
Die Nasa hat das mal sonifiziert, wobei ich jetzt nicht weiß, ob sie den Fünf-Minuten-Rhythmus oder eine andere Eigenschwingung verwendet hat.

So klingt unsere Sonne

Die Materie an der Oberfläche der Sonne wird in erster Linie durch
die Granulation bewegt. Die in ihr aufsteigenden und absinkenden
Materieballen haben Durchmesser von etwa 1500 Kilometern. Das ist
ein Zehntel Prozent des Sonnendurchmessers. Der Doppler-Effekt
verrät uns ihre Geschwindigkeiten: diese liegen etwa bei einem Kilometer in der Sekunde. Innerhalb von Minuten lösen sie sich auf, um neuen Granulen Platz zu machen. Zu den Granulen kommen noch die Supergranulen, langsamer in ihrer Bewegung, doch größer und beständiger.

Lange schon weiß man, dass es Sterne gibt, die sich innerhalb von Tagen aufblähen und wieder zusammen ziehen. Man weiß auch, dass Sterne verschiedener Masse, alters und Lebensstadium unterschiedlich schwingen und sich deutlich in ihrer Bildung von Granulen unterscheiden.

Man könnte noch sehr viel mehr über die Astroseismologie schreiben.
Ich habe hier alles natürlich nur sehr vereinfacht darstellen können, ansonsten wäre der Artikel ein Buch geworden.

Jetzt hoffe ich, dass ihr die Faszination mit mir teilt, dass die Sonne in einem gewissen Sinne quasi ein Gong ist.

Und damit verabschiede ich mich für heute.
Es grüßt euch
euer Gerhard.

Teilchensuche – Den Sonnen-Neutrinos auf der Spur

Liebe Leserinnen und Leser,
Am 16.09.2019 machte das Messinstrument KATRIN Schlagzeilen.
Da dieses am KIT steht und ich als Mitarbeiter des KIT darauf irgendwie stolz bin, möchte ich hier auch etwas zum Thema Neutrinoforschung auf dem Blog beitragen.

KATRIN ist ein Messinstrument wie ein Hochhaus, das so groß ist, dass man es über 8500 km hinweg um den ganzen Kontinent herum von Bayern per Schiff nach Karlsruhe schaffen musste, weil es auf dem Landweg nicht am Stück auf die Straßen gepasst hätte.
So ein riesiges Instrument wird dazu benutzt, um das kleinste Teilchen, das Neutrino zu wiegen.
Das kleinste Teilchen, das so klein und leicht ist, dass es fast nie irgendwo anstößt und mühelos die Erde, unseren Körper durchdringt. Milliarden dieser Teilchen treffen in jeder Sekunde auf jeden Quadratzentimeter unseres Körpers und wir merken nichts davon.
Bei Kernverschmelzung wie im Innern unsere Sonne, bei Sternexplosionen, Supernovae entstehen riesige Mengen dieser Geisterteilchen.
Das Universum ist voll davon. Es sollten sogar noch welche durchs All vagabundieren, die uns vom Urknall erzählen können.
Mit Katrin soll Klarheit darüber geschaffen werden, wie viel Masse Neutrinos denn nun besitzen. Noch ist die Masse nicht bestimmt, aber eine Obergrenze, die sie nicht übersteigen dürfte.
Aber, bevor man die Dinger wiegen kann, muss man sie erst mal finden. Darum geht es heute:

Lange Zeit war überhaupt nicht klar, ob Neutrinos eine Ruhemasse besitzen oder wie Photonen (Lichtteilchen) nicht. Diese Frage führt uns direkt zu unserer Sonne.
Aber der Reihe nach:

Der Name leitet sich da her, dass das Neutrino elektrisch neutral ist.
Es wechselwirkt quasi mit nichts und dennoch wird ein erheblicher Teil der Energie, die in unserem Kernfusionsreaktor Sonne, entsteht, von ihnen davon getragen.
Es gibt drei Arten von Neutrinos, Elektron- Myon- und Tau-Neutrinos.
Wenn es uns denn mal gelingt, mit einem Detektor eines einzufangen, dann erzählt es uns, wo es her stammt

• kosmischen Neutrinos (Weltall)
• solaren Neutrinos (Sonne)
• atmosphärischen Neutrinos (Erdatmosphäre)
• Geoneutrinos (Erdinneres)
• Reaktorneutrinos (Kernreaktoren)
• Neutrinos aus Beschleunigerexperimenten

Zunächst wurde das Neutrino, wie so vieles in der Physik nur postuliert, weil man es noch nicht nachweisen konnte.
Betrachtet man den radioaktiven Beta-Zerfall mancher Elemente, ein Neutron zerfällt zu einem Proton, einem Elektron und, ja zu was denn noch?
Man stellte fest, dass etwas fehlt. Die Bruchstücke des zerfallenen Atomkerns waren leichter, als ein kompletter Kern. Diese winzige fehlende Masse oder diese Energie, muss von etwas davon getragen worden sein, was man nicht messen konnte.
Auch die kinetische Energie der zerfallenen Teile war immer etwas kleiner, als sie hätte sein sollen.
1933 postulierte Wolfgang Pauli daher dieses Teilchen. Manche kennen diesen Pauli vielleicht noch aus dem Chemieunterricht als Pauli-Prinzip.
Auch bei der Kernverschmelzung geht die Bilanz nur mit Neutrinos auf, die entstehen und Energie davon tragen.
Also machte man sich daran, verschiedene Detektoren zu bauen, um Neutrinos nachzuweisen.

Alle Detektoren basieren auf der Tatsache, dass es ganz selten halt doch passiert, dass ein Neutrino ein Atom anrempelt. Das führt entweder zu einem kleinen Blitz, z. B. bei Wasser- oder Eis-Dbasierten Detektoren, wie dem Ice-Cube in der Antarktis, bzw. das angestoßene Atom nimmt die Energie des Neutrinos auf, und verwandelt sich in ein anderes Element. Ich wusste bis etwa Mitte der 90er Jahre nichts von Neutrinos und schon gar nicht, wie man sie nachweisen kann. Da hörte ich, dass sie im Kern unserer Sonne entstünden und dass deutlich mehr davon entstehen sollten, wie man nachgewiesen hatte.
Das Buch “Den Geheimnissen der Sonne auf der Spur” von Prof. Rudolf Kippenhahn, war an dieser Stelle unglaublich erhellend für mich.

Ein Element, womit Neutrinos manchmal wechselwirken ist das Chlor-Isotop CL37
Es ist etwas schwerer, als das uns bekanntere CL35, weil es zwei Neutronen mehr in seinem Kern hat. Neutronen verändern die chemischen Eigenschaften von elementen quasi nicht.
Manchmal nimmt nun so ein Chlor37-Atom ein Neutrino bestimmter Energie auf, und verwandelt sich unter Abgabe eines Elektrons in ein Argon-Atom. Das ist ein Edelgas.
Darauf beruhte ein Experiment, das den Astrophysikern lange
Sorgen bereitete. In einem großen Tank war Chlor in Form der Verbindung Perchloräthylen den Neutrinos der Sonne ausgesetzt. Der Stoff ist eine Flüssigkeit, die man hauptsächlich in der Reinigungsindustrie verwendet, ähnlich dem uns bekannteren Tetrachlorkohlenstoff.
Raymond Davis von der Universität von Maryland, der dieses Experiment entwickelt hat, verwandte 38000 Liter dieses Stoffes.
Da auch andere Strahlung ungewollt diese Reaktion auslösen können, schirmte man den Tank ab, indem man ihn in eine aufgelassene Goldmine, etwa 1500 m unter die Erdoberfläche packte. Nur Neutrinos können so eine dicke Schicht ungehindert durchqueren.
Außerdem war der Tank noch mit einem Wassertank umgeben, da Wasser ganz gut gegen Strahlung isoliert.
Welche Energie ein sog. Sonnenneutrino ungefähr haben könnte, erfuhr man durch Sonnen-Simulationen im Computer.
Da Neutrinos nur dort entstehen, wo die Kernfusion stattfindet, würde man, gäbe es ein Neutrinoteleskop, die Sonne nur als Scheibchen eines Zehntels der sichtbaren, wahrnehmen. So ein Teleskop wird es nie geben. Somit können wir nicht in die Sonne hinein schauen.
Man konnte nun auf das Modell basierend festlegen, wieviele Neutrinos dieser bestimmten Sorte ungefähr von unserer Sonne zu erwarten wäre. Die meisten verfehlen den Detektor natürlich, bzw. gehen durch ihn hindurch, ohne mit einem Cl-Atom zu reagieren.
Leider reagiert das Cl37 nur auf hochenergetische Neutrinos, die nicht von dem Prozess her rühren, der die meiste Energie erzeugt, der Verschmelzung von Wasserstoff zu Helium. Für diese niderenergetischen Neutrinos ist das Cl37 blind.

Diese Neutrinos bei denen Chlor funktioniert, machen nur etwa 1,5 % des Neutrinostromes aus, der von der Sonne kommen sollte.
Interessant ist an dieser stelle z. B., wie man in 650 Tonnen Perchloräthylen nach
35 Argonatomen suchen soll.
Lange Rede, kurzer Sinn. Selbsd, wenn man alle möglichen statistischen Fehler einbezog, kamen nach sieben Jahren Laufzeit nur ein fünftel des erwarteten Neutrino-Werts heraus.
Da die Sonnenmodelle außer den Neutrinos im wesentlichen alle Eigenschaften des Sterns richtig widerspiegelten, konnte ja auch etwas am Experiment falsch sein.
Aber auch andere Experimente, z. B. mit Wasserdetektoren zeigten alle zu wenige Neutrinos von der Sonne an.
Verständlicherweise versuchte man nun an verschiedenen Parametern der Modelle zu drehen, was ich uns an dieser Stelle erspare, aber es half nichts und machte das Modell im Grunde schlechter.

Heute weiß man, dass das Defizit der Neutrinos da her rührt, dass Neutrinos eine Ruhemasse haben müssen. Sie können sich auf ihrem Weg von einer Sorte in eine andere verwandeln.
Das bedeutet, dass viele Sonnenneutrinos bei uns als etwas anderes ankommen, als wonach wir suchen und worauf unser Detektor reagiert.
Diese sog. Fähigkeit zu oszilieren funktioniert nur dann, wenn man eine Ruhemasse zugrunde legt. Wie groß diese ist, wissen wir noch nicht. Wir wissen seit KATRIN bis jetzt nur, dass sie nicht größer als ein Elektronenwolt sein sollte. Früher ging man von 2 Ev aus. Somit ist man jetzt schon doppelt so gut, als vorher. Diese Erkenntnis stammt genau aus dem KATRIN-Messinstrument, das hier in Karlsruhe steht.
Wir dürfen gespannt sein, was hier noch geschieht.

Ihr findet hier einige super spannende Links, die alles wesentliche zu KATRIN erklären. Es lohnt sich, hier mal rein zu schauen.
Ein schönes Youtube-Video über die Geschichte und den Aufbau gibt es hier.
Eine Meisterleistung der KIT-Pressestelle findet ihr hier.
Alle guten Dinge sind drei.
Eine Radiosendung des SWR würdigt dieses Ergebnis ebenfalls.

Und damit verabschiede ich mich für heute und hoffe, dass der Artikel etwas Freude macht.

Droht Gefahr von unserer Sonne?

Liebe Leserinnen und Leser,
Nach einer etwas längeren Urlaubspause, melde ich mich hiermit auf Blindnerd zurück:
“Die Sonne, der Stern von dem wir leben” ist der Titel des wunderbaren Buches von Prof. Rudolf Kippenhahn.

Ohne zweifel.
Sie spendet Licht und Wärme und ohne sie ist kein Leben möglich.
Sie schickt uns ihre Energie im Überfluss, so dass sogar noch mehr als genügend übrig bleibt, damit wir Strom daraus gewinnen können.
Im Grunde ist jede Energieform außer der Kernkraft irgend wann mal Sonnenenergie gewesen. Sie schlummert in Kohle, die mal Pflanzen waren, die durch ihr Licht wuchsen, im Erdöhl und im Holz an dessen Feuer wir uns wärmen. Wind und Wasserkreislauf werden von ihr angetrieben, was jeder noch aus dem Biologieunterricht kennt.

In alten Zeiten glaubte man, die Sonne sei das vollkommenste, göttlichste, reinste und perfekteste Objekt am Himmel.
Aber spätestens, als man Fernrohre auf sie richtete, fand man, dass sie doch nicht ganz so glatt und vollkommen ist. Sie hat eine etwas gekörnte Oberfläche und noch schlimmer. Sogar Flecken. Und damit noch immer nicht genug. Diese Flecken bewegen sich und es gibt Zeiten mit vielen und Zeiten mit wenig bis gar keinen Sonnenflecken.
Galilei hat sie beobachtet und gezeichnet.

Durch intensive Beobachtungen der Sonne, z. B. Samuel Heinrich Schwabe über 40 Jahre lang, oder Die Hausfrau Siglinde Hammerschmidt über 20 Jahre lang,
fand man heraus, dass alle 11 Jahre die Sonne maximal viele Flecken aufweist.
Was diese Flecken aber waren, konnte man sich früher nicht erklären.

Manchmal kam es aber vor, dass in der Nähe von Sonnenflecken die Sonne plötzlich eine Art Lichtausbruch hatte. Kurz nach so einem Ereignis konnte man dann vermehrt Polarlichter sehen, Kompassnadeln erzitterten. Telefondrähte schlugen Funken, Uboote wurden falsch geortet, weil ihr Funk gestört wurde. In ganzen Landstrichen fielen die Stromnetze aus, als es dann welche gab etc.

Immer dann, wenn so ein Sonnenausbruch, auch Flare genannt, auf die Erde zeigt, dann passieren etwa zwanzig Stunden später derartige Dinge.
Was solch ein Ausbruch uns anhaben kann, konnte man am 01.09. vor 150 Jahren erleben.
Als der Astronom Carrington gerade Sonnenflecken zählte, leuchtete neben einer Fleckengruppe plötzlich ein riesiger Sonnenflare auf.
Schon bald darauf konnte man Polarlichter bis fast zum Äquator beobachten, Kompassnadeln zitterten, Telefonleitungen schmolzen oder schlugen Funken und Stromnetze fielen aus.
Vor einigen Jahren brachte ein ähnliches schwächeres Ereignis dieser Art das Kanadische Stromnetz zum erliegen.

Man weiß mittlerweile, dass Sonnenflecken durch sehr starke Magnetfelder entstehen. Diese können sich so nahe kommen, dass sie sich berühren und auslöschen. Dass das funktioniert liegt daran, dass die Sonne sich im sog. Plasmazustand befindet. Das ist neben fest, gasförmig und flüssig ein weiterer Aggregatzustand mit seltsamen Eigenschaften, Die wir uns für einen weiteren Artikel vorbehalten, in welchem wir über den Stoff der Sonne sprechen werden.
Tatsache ist, dass wenn sich Magnetfelder derart auslöschen, sehr viel Energie und auch Sonnenmaterial in den Weltraum geschleudert wird.
Das sind dann geladene Teilchen. Treffen die nun auf das Magnetfeld der Erde, dann wird dieses durchgeschüttelt. Für Stromleitungen kann das bedeuten, dass sie wie eine Antenne wirken, weil der Sonnensturm in sie hinein induziert. Dadurch entstehen in den Leitungen Ströme, die dort nicht hin gehören. Sicherheitssysteme schalten dann Kraftwerke aus.

Es entstehen großartige Polarlichter, weil die geladenen Sturmteilchen mit den Molekülen unserer Atmosphäre rekombinieren. Das kann man sich so ähnlich vorstellen, wie eine Neonröhre funktioniert.
Auch Polarlichter behandeln wir mal extra.

Nun müssen wir uns berechtigt die Frage stellen, welche Konsequenzen solch ein heftiger Sonnensturm, wie das sog. Carrington-Ereignis hätte, wenn er die Erde träfe.
Wie oben schon erwähnt, legt er Stromnetze lahm, zerstört Leitungen und vieles mehr. In heutiger Zeit wären seine Auswirkungen noch verherender. Mittlerweile kreisen tausende Kommunikationssatelliten um unsere Erde. Diese würden beschädigt, bzw. fielen vorübergehend aus. Kein GPS, kein Internet, kein Fernsehen und andere Kommunikationsmöglichkeiten könnten nachhaltig gestört werden. In diesem Sinne hängt unsere Kommunikation an einem seidenen Faden, denn es gibt keinen Grund, dass so etwas nicht wieder passieren könnte. Sonnenflecken kommen und gehen und damit auch die sehr komplexen Magnetfelder, die wenn sie sich auslöschen, diese Sonnenstürme erzeugen.
Wie die magnetische Sonne und ihr Dynamo genau funktionieren, ist bis heute noch nicht ganz verstanden. Auch dazu muss ich leider auf einen weiteren Artikel vertrösten.

Was also tun, wenn …
Es bleibt uns nicht viel mehr, als das Weltraumwetter, wie man die Sonnenaktivität auch bezeichnet, zu beobachten. Insbesondere in Zeiten hoher Aktivität mit vielen Sonnenflecken, müssen wir auf der Hut sein. Wir müssen ununterbrochen beobachten und besitzen ein Warnsystem für das Weltraumwetter. Bricht in einer uns zugewandten Fleckengruppe ein Flare aus, so nehmen wir ihn ungefähr 8 Minuten später war, weil das Licht von der Sonne so viel Zeit benötigt, bis es uns erreicht.

Zum Glück ist der Teilchenschauer deutlich langsamer unterwegs, als die Lichtgeschwindigkeit. Wir können dann kritische Systeme ausschalten, und den Sturm abwarten. Satelliten schaltet man dann mal besser in ihren Save-Mode, obwohl man das nur ganz ungern tut, denn man weiß nicht, ob man sie wieder aufwecken kann.
Stromnetze gestaltet man vielleicht besser so, dass sie sich nicht mehr stück für Stück als Kettenreaktion abschalten können (dezentral)
Was aber alles dann noch ausfallen würde, ist relativ ungewiss.

Nun, wie oft müssen wir mit so etwas rechnen?
Die Sonne ist im gegensatz zu unserer Erde riesig. 1,44 Mio Kilometer gegen 10.000 Kilometer im Durchbesser.
Außerdem sind wir 149 Mio Kilometer von der Sonne entfernt.
Nun kann die Sonne einen Sturm in alle Richtungen abschießen. Das bedeutet, dass die meisten Sonnenstürme uns nicht treffen, weil sie z. B. auf der gegenüberliegenden Seite der Sonne los gehen. Dann kriegen wir davon nichts mit.
So kann man berechnen, das statistisch gesehen so ein großer Sonnensturm vielleicht ein zwei mal pro Jahrtausend auftritt.
Wie gesagt. Sonnenausbrüche gibt es immer. Vor allem in Zeiten hoher Sonnenaktivität, aber uns treffen sie zum Glück eher selten.

Somit ist es unsere hohe Aufgabe, das Weltraumwetter zu beobachten und Notfallpläne auszuarbeiten für den Fall der Fälle. Hoffen wir, dass wir sie nie brauchen…

Inklusiv von allen Seiten – mein Auftritt in Gundelfingen

Liebe Leserinnen und Leser,
Nein, jetzt kommt kein Artikel über 50 Jahre Mondlandung, aber sie kommt durchaus darin vor. Wieso sollte ich hier wiederholen, was andere schon in Presse, Büchern, Rundfunk, Fernsehen und Podcasts darüber erzählten. Es gibt so wunderbare Quellen zur Mondlandung, die kann man nicht toppen und muss es auch nicht.
Ihr bekommt schon noch was zum Mond, aber heute teile ich etwas anderes mit euch:

Von langer Hand geplant, von der kommunalen Inklusionsvermittlerin Gundelfingen koordiniert und organisiert, von Medien begleitet etc. durfte ich am Vorabend zur Mondlandung einen ganz wunderbaren Vortrag in der Mediathek Gundelfingen halten
Dieses Event lief so beispielhaft inklusiv ab, dass ich darüber schreiben möchte, obwohl ich ansonsten kaum über meine Veranstaltungen schreibe. Das wäre dann auch zu viel Bauchpinselei.
Hier erscheint der Artikel zunächst ohne Bilder. Die werden nach und nach ergänzt. Deshalb lohnt es sich, auch später nochmal auf den Artikel zu gehen.

Aufmerksam wurde die Organisatorin durch eine
Radiosendung die der Evang. Rundfunk im Januar um Dreikönig herum ausstrahlte.
Dank an dieser Stelle an meinen blinden Freund, der Journalist ist und dort arbeitet und mir das ermöglicht hat.
Sie rief mich an und fragte mich, ob ich zu einer Veranstaltung bereit wäre. Sofort sagte ich zu, denn meine Erfahrung ist, dass meine Veranstaltungen im ländlicheren Raum tendenziell besser besucht, und organisiert sind und familiärer ablaufen.
Die Organisatorin des ganzen sitzt selbst im Rollstuhl und arbeitet am Max-Plank-Institut in Freiburg.
Schon im Vorfeld des Vortrages wurde mir klar, dass diese Veranstaltung ein Highlight werden könnte.
Es war selbstverständlich, dass ich vom Gleis in Freiburg abgeholt werden muss, weil ich mit Astrokoffer in einer unbekannten Umgebung nicht öffentlich fahren kann.
Die Mutter der Macherin stand mir hier auch über die ganze Zeit meines Aufenthaltes in Gundelfingen zur Seite.
Nun ging es darum, den Vortrag dort zu bewerben. Hierfür wurde organisiert, dass mich eine freischaffende Journalistin anrief, um mit mir ein Telefoninterview für die Badische Zeitung zu führen.
Natürlich mache ich bei so etwas mit, schraube aber meine Erwartungen über die Qualität und den Inhalt der Presseartikel eher nicht so hoch.
Meist geht Presse so, dass man interviewt wird und dann mit schmerzverzerrtem Gesicht in der Zeitung lesen muss, was man gesagt haben soll, welche Meinung man zu etwas angeblich habe und in meinem Fall konnt dann natürlich die Blindheit und die Astronomie dazu. Da passiert es dann schon mal, dass dem Schreiber die Sache entgleist.
Nicht so bei der Badischen Zeitung.
Die Reporterin war sehr sensibel. Sie stellte hervorragende Fragen, war super vorbereitet, hatte gut im Vorfeld recherchiert und wahrnehmbar in mein Buch geschaut.
Ich schreibe das an dieser Stelle, weil ganz besonders über Menschen mit Behinderungen oft respektlos, falsch, bemitleidend oder sonst wie bevormundend geschrieben wird.
Dieser sehr lange Artikel ist so inklusiv und würdig, wie ich das noch niemals erlebt habe, und ich habe viel erlebt. Meine Pressemappe ist mit den Jahren dick geworden.
Ganz besonders war hier auch, dass ich den Text gegenlesen durfte, und Vorschläge oder Korrekturen einbringen durfte.
Leider steht der Artikel verständlicher Weise hinter der Paywall für die Abonnenten, so dass ich ihn hier nicht bringen kann, aber vielleicht hat ja die eine oder andere Person die Gelegenheit ihn zu lesen.
Kurz vor dem Vortrag gab es dann noch eine Ankündigung für die Veranstaltung, bei der im wesentlichen der Klappentext meines Buches zu lesen war.
Nun zur Veranstaltung selbst.
Es lief schon extrem gut an. Meine Züge waren super pünktlich, die Klimaanlagen funktionierten und die Umsteigehilfe lies mich nicht mit Rucksack und Astrokoffer im Regen stehen.
Sogar die Legorakete hat den Transport und den Vortrag überstanden. Ich habe allerdings nicht die ganze Rakete dabei gehabt, sondern nur Brennstufe drei mit Servicemodul, Mondlandefähre und weils schöner aussieht mit der Rettungsrakete an der Spitze, die zum Zeitpunkt der Abtrennung von Stufe II,  dort nicht mehr hin gehört.
Wenn man die Kleinteile außen abbaut, kann man die einzelnen Brennstufen wie Dosen mit Blasensack-Folie einschlagen. Klappt super gut.
In Freiburg hat mich die Organisatorin der Veranstaltung mit ihrer Mutter abgeholt. Mutter und Tochter haben ein  gemeinsames Auto, was die Rollstuhlfahrerin per Hand lenken, bremsen etc. kann, oder die Mutter auf herkömmliche Art fährt. Ein Roboterarm hilft, den Rollstuhl zu verstauen und auch wieder auszupacken.
Man wünscht sich das nicht, aber es funktioniert richtig cool. Super, dass die Technik heute für die Rollstuhlfahrer so etwas bereit hält.
Zunächst brachten  sie mich in meine kleine Pension, damit ich mich einrichten konnte. Die haben nur zwei Zimmer, die sie vermieten. Die Frau des Hauses fragte mich, was ich gerne frühstücken wolle, denn sie geht jetzt einkaufen.
Naja, ich bin da anspruchslos, aber für hausgemachtes Rührei nach quasi “badischer Hausfrauenart”, habe ich mich dann doch entschieden, weil ich das sonst nie bekomme.
Gegen 16:00 Uhr haben mich dann die beiden Damen ohne Auto abgeholt. Die Mutter schob die Tochter im Rollstuhl und ich hing mit dem Astrokoffer hinten dran.
Ich denke, dass das ziemlich cool ausgesehen haben könnte.
Wir sind dann noch was essen gegangen. Habe mir Schweinelendchen gegönnt.
Danach ging es dann zur Gundelfinger Mediatek. Ein Neubau mit allen Vor- und Nachteilen, die ein Neubau so haben kann. Ich will mal ehrlich einen Architekten sehen, der Gebäude plant, die nachher ihren Zweck optimal erfüllen, die man gut belüften kann, wo die Beschallung stimmt, der Sonnenschutz dann zu geht, wenn Sonne da ist etc.
Wir haben uns darüber amüsiert, weil es bei jedem Neubau irgendwie immer dasselbe ist und es irgendwo klemmt.

Mein Saal war wie ein Treibhaus, aber es war genug zum trinken da.
Nachdem ich aufgebaut hatte, füllte sich der Raum auch schon langsam.
Beim Aufbau und auch beim Abbau musste ich leider den Aktionismus mancher “Landfrauen” bremsen, die meinten, mir helfen zu wollen.
Mir kann man aber am Astrokoffer nicht helfen, weil sonst die Katastrophe ausbricht und ich den Überblick verliere. Stellt euch vor, jemand hätte die Rakete herunter geworfen.
Die bekommt man ohne Handbuch nicht mehr zusammen.
Das tut mir ja dann immer Leid, dass ich so abweisend sein muss, aber es geht wirklich nicht anders.
Und leider ist es aus gut gemeinten Gründen dann oft so, dass durch das Helfersymdrom leider bei manchen, Entschuldigung, dass ich das jetzt so sage, “das Hirn ausfällt”.
Vom Beschützerinstinkt eines Sehenden dann doch zielsicher in das Hindernis und nicht wie der Plan des Helfers war, darum herum geführt zu werden,
Bis hin zu einem Totalschaden einer Gitarre die ein Guckling mir auf der Bühne reichen sollte,habe ich hier schon viele vermeidbare Katastrophen erlebt…
Deshalb hier meine drei Schritte, für ein erfolgreiches Helfen:
Fragen, denken, helfen. So klappts meistens…
Ich vertröste sie dann immer und sage, dass es schon noch genügend gibt, wo ich gerne Hilfe annehme. Nämlich dann, wenn es nur noch darum geht, die Modelle und Bücher zu drapieren.
Kurz vor dem Vortrag war noch Zeit, um mit den ankommenden einen Sekt zu trinken. Ich liebe Sekt vor Auftritten.
Den gab es in der Pause und danach auch noch.
Die Gundelfinger Gemeinde hat die Sektbar etc. gesponsert. Das hat die Veranstaltung unheimlich aufgewertet und verlieh ihr etwas edles und exklusives und für mich etwas wertschätzendes.
Nun ging es also los.

Einführung

Der Raum war mit etwa 50 Personen voll besetzt.
Wahnsinn, und das an einem heißen Freitag Sommerabend.

Zeigt von hinten, dass der Vortragsraum voller Publikum sitzt.
Bild Raumansicht voller Publikum

Wie immer führte ich provokant mit der Frage ins Thema ein, was es überhaupt für einen Sinn macht, sich mit Astronomie zu beschäftigen, wenn man keine Sterne sehen kann.
Es macht einen Sinn, denn man kann sich hier mit Grundsatzfragen beschäftigen, die uns alle angehen.
Selbst dann, wenn man einen Schöpfer zugrunde legt, kann man sich fragen, wie er alles geschaffen hat.
Dann lieferte ich Thesenartig Gründe, wo auch sehende Astronomen nichts sehen können, z. B. dunkle Materie, schwarze Löcher etc.
Daten von Infrarotteleskopen, wie dem Hubble, müssen auch für sehende Astronomen aufbereitet werden. Wieso dann nicht auch akustisch? Ist in dem Fall fast dasselbe.

Erlebnis Astronomie Inklusiv

Nun stieg ich in die Inklusion ein, indem ich Beispiele aufführte, wie ich Astronomie inklusiv erlebe, z. B.
Die Sonnenfinsternis vom 11.08.1999wie ich derlei mit Universe2Go, dem sprechenden Handplanetarium erlebe und wie ich einmal eine Einführungsveranstaltung darüber hielt, welches Instrument man sich für welche Beobachtung anschaffen könnte. Ja, da fragte mich mal ein Veranstalter, ob ich so einen Vortrag halten würde. Ich fand es spannend und sagte zu. Ist doch nur bissel Optik, die uns übrigens in der Hauptschule vorenthalten wurde, weil wir Licht nicht sehen könnten. Wie unverschämt, denn in meinem Nebenfach Physik, stellte ich fest, dass Optik super logisch und erklärbar ist, auch wenn man das Licht nicht sieht… Vier Wochen später rief er mich wieder an und entschuldigte sich und bedauerte, was ihm da schlimmes peinliches passiert sei, einen Blinden nach derlei zu fragen.
Ich war noch nicht lange dabei und somit hatte er das nicht auf dem Schirm. Er kannte mich wahrscheinlich nicht mal.
Naja, wass sollte ich ihm sagen. Die Sache war noch schlimmer, denn der Vortrag war schon fertig…
Ich machte mir den Spaß und deckte meine Blindheit erst mit der letzten Folie auf. Inklusiv war das allemal.
Klar habe ich für die Erstellung der Folien, wie immer sehende Hilfe benötigt.
In meinem Buch gibt es noch weitere Beispiele für gelebte Inklusion in der Astronomie.

Die Leiterin der Mediathek hält eine taktile Sonnenfinsternis ins Publikum
Taktile Sonnenfinsternis ins Publikum halten

Hörastronomie

Nach diesem Lesungsblog wechselte ich das Medium und wir legten unser Ohr ans Teleskop. Über den Erden- oder Sonnenton der alten Völker, der Kakophonie aller verklanglichten Planetenbahnen, das Radioprogramm von Sonnenwind und Polarlichtern bis hin zum Klang des Jupiter, Pulsaren und verschmelzenden schwarzen Löchern, zeigte ich auf, wie viele Dinge im All hörbar gemacht werden können.
Ich schrieb darüber in
Mit dem Ohr am Teleskop
und in Klingende Planetenbahnen
Weitere Artikel zu Hörastronomie werden folgen.
Nach dem Ohr am Teleskop kam dann ein Novum, was ich so noch nie gemacht hatte, aber künftig immer tun werde.

Aktivpause

Ich setzte das haptische Erlebnis mit meinen Modellen und den Buchverkauf nicht mehr, wie bisher ans Ende der Veranstaltung, sondern machte quasi eine Aktivpause mit den Teilnehmenden. So können mir die Leute nicht so weg rennen, und der Buchverkauf läuft deutlich besser.
Ich verkaufe mein Buch so, dass jeder gibt, was es ihm wert ist. Größer sieben Euro sollte es aber schon sein.
Der Vorteil ist, dass die Leute die Hemmschwelle nicht haben, sich mit mir und Geld etc. einlassen zu müssen.
Viele hält das vom Buchkauf ab, bzw. sie bestellen es dann bei Amazon, oder gar nicht, wenn man wieder im Alltag steckt.
Der Buchverkauf ist ja nicht das primäre Ziel des Abends, aber diesmal habe ich bei 50 Teilnehmern um 20 Bücher verkauft. Der Schnitt ist genial.
Und die Kasse stimmt auch einigermaßen. Viele geben dann halt nur 10 anstelle von 14 Euro, aber andere auch mehr. Das passt schon.
Dieser etwas anarchistische Buchverkauf funktioniert und ist ganz nach meinem Geschmack.

Publikum am Astrotisch beim Tasten und Buchkauf
Publikum vor dem Astrotisch

Und noch einen Vorteil hat diese Aktivpause. Das Eis für Fragen und Gespräche nach der Veranstaltung ist dann schon mal gebrochen. So baut man barrieren ab.
Manchmal müssen wir uns halt mit derlei Tricks inkludieren. Das ist OK so.
Nachdem diese Aktivpause vorbei war, fanden wir uns zu einem letzten Block ein.

Astronomie, Wissenschaft in Inklusion

Jetzt zog ich nochmal alle Register zur Inklusion, indem ich das Auditorium damit verblüffte, dass Astronomie traditionell schon immer auch eine wissenschaft für Menschen mit Einschränkungen war.

Johannes Kepler war stark seheingeschränkt. Hätte er nicht die Daten seines Beobachters Tycho Brahe gehabt, ist es fraglich, ob er zu seinen drei keplerschen Gesetzen gefunden hätte, die bis heute in der Himmelsmechanik grundlegend sind.

John Goodricke, der Entdecker hellichkeitsveränderlicher Sterne (Cepheiden) war taub. Diese Dinger spielen eine erheblich wichtige Rolle als Standardkerzen zur Entfernungsbestimmung in der Astronomie.
Da gehörlose Menschen mit visuellen Gesten kommunizieren, sind sie vielleicht tendenziell generell gute Beobachter, was Goodricke am Sternenhimmel zu gute gekommen sein dürfte.

Stephen Hawking war vollständig gelähmt.
“Eingesperrt” in diesen Körper blieb seinem Geist vielleicht nur die Flucht in die Physik.
Zum Glück hatte er die Infrastruktur für sein inklusives Leben.

Danach berichtete ich vom Inklusionstag der IAU in Wien. Ich schrieb darüber in Inklusionstag der IAU in Wien
Dort lernte ich beispielsweise Astronomen kennen, die sehend in Astronomie promovierten, dann erblindeten, und einfach weiter machten, nur anders.
Aus jedem anderen Beruf hätte es jemanden raus gehauen, der plötzlich mit so einer Einschränkung konfrontiert wird.
Schrägansicht Astrotisch und Personen dahinter

Astronomie Inklusiv – Fallbeispiele

Als nächstes brachte ich einige Beispiele, wie ich Inklusion am Himmel treibe.

Blinde lesen sehenden Sternenguckern nachts vor,

Rollstuhlfahrer sind der Mittelpunkt, einer Tanzübung, etc.

ADHS-Kinder werden Ruhig auf einer wiese, bzw. derart in den Vortrag eingebaut, dass sie beschäftigt und wichtig sind.

In meinem Buch gibt es ein ganzes Kapitel darüber und für den Blog Lydiaswelt durfte ich über Astronomie für benachteiligte Kinder schreiben.
Frontalansicht

Manchmal möchte ich bewusst blind sein und es leben dürfen

Beendet habe ich die Lesung dann damit, dass für mich zur Inklusion auch mal gehört, dass ich ein Refugium für mich finde, wo ich ganz bewusst meine Einschränkung leben darf.
Im Kapitel “Mein Weg zur Inklusion” und hier in
Urlaub vor den Sehenden machen
schrieb ich ausführlich darüber.

Nun kamen wirklich viele Fragen. Die neue Struktur mit der Aktivpause, die Grenzen und barrieren überwindet, zeigte ihre volle Wirkung.
An dieser Stelle konnte ich unheimlich vieles einbringen, was Alexander Gerst uns bei seinem
Besuch in Karlsruhe erzählte. Danke @astro_alex. Dein Vortrag bereichert nun auch meine.
Wer mag, kann hier nachlesen, wie eindrücklich diese Veranstaltung für mich war.

So, wie der Vortrag  in Gundelfingen lief. Da kann man keine Schaufel mehr drauf packen.
Nicht mal meine sich im Anmarsch befindende Sommer-Erkältung konnte etwas daran ändern. Die Veranstaltung war großartig und Gundelfingen ist es auch.

Bei meiner Gastfamilie

Am Nächsten Tag verbrachte ich dann noch das Frühstück und einen Teil des Vormittages mit meiner Gastfamilie.
Das sind großartige Menschen. Er auch Informatiker und Physiker, der sogar am Retina-Implantat mit entwickelt hat, der auch Gitarre spielte wie seine Frau, die sogar Lieder schreibt und dazu gab es noch einen wunderbaren Enkelsohn.
Der Gastvater kam auch zum Vortrag.
Wir fanden am Frühstück sofort hunderte Themen, über welche wir reden konnten.
Danach spielte ich der Gastfamilie noch etwas auf der Gitarre vor, weil der Herr des Hauses dieses wünschte.
Mit dem Enkel spielte ich dann noch Mondlandung mit der dritten Brennstufe meiner Legorakete.
Der Opa durfte am Tablet die Bilder von der Legorakete, die auf Blindnerd in
Auf den Mond und zurück mit Lego
zu finden sind,  nicht mehr schließen.
Außerdem war der Opa so begeistert über das Scheeme, das ich bei WordPress für meinen Blog verwende, dass er mich danach fragte.
Ist das alles nicht auch unglaublich inklusion?

So, und dann war es auch schon wieder Zeit. Die Organisatorin des ganzen und ihre Mutter holten mich mit dem Auto ab und fuhren mich nach Freiburg. Dort wurde ich in die Hände des Umsteigeservices der Bahn  übergeben und auch diese Zugfahrt klappte
wunderbar.

Und wer jetzt sagt: Klar, hat das mit der Inklusion so gut geklappt, weil die Organisatorin selbst betroffen sei. Dem sage ich, dass das nur zu einem kleinen Teil vielleicht stimmt. Ich kenne Menschen, die tag täglich beruflich z. B. mit Blinden zu tun haben, und die nicht lernen wollen oder können, wie man mit uns umgeht.
Da nützen auch Dunkelseminare etc. nichts.
Und andere kenne ich, die noch nie einen blinden Menschen gesehen haben, und es durch Emphatie, besonnenes Denken und Handeln einfach hin bekommen.
Inklusion ist oft einfach machen. Wer die Wie-Frage zu oft stellt, der wird über die Integration nicht hinaus kommen.

Alexander Gerst am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – meine Impressionen

Liebe Leserinnen und Leser,

ein großartiges Ereignis liegt nun hinter mir. Vor einigen Wochen erhielt ich über den Mitarbeiter-Verteiler des Karlsruher Institutes für Technologie (KIT), meinem Arbeitgeber, die Mail, dass man sich zur Verleihung der Ehrendoktorwürde für Alexander Gerst anmelden könne.
Keine Minute später, war ich angemeldet und hatte meinen Platz im Audimax sicher. Als sich meine Arbeitsplatz-Assistenz anmelden wollte, war schon kein Platz mehr frei. Aber das Orgateam der Veranstaltung verstand, dass ich gerne mit Begleitperson kommen würde und machte es möglich, dass wir gemeinsam die Veranstaltung besuchen konnten. Über dieses großartige Erlebnis wird es in diesem Beitrag gehen.

Um eines gleich vorweg zu nehmen. Mein Ziel, @astro_alex mein signiertes Buch zu schenken, habe ich verfehlt. Niemand aus dem Publikum kam an ihn ran, und kaum war die Veranstaltung vorbei, war er auch schon verschwunden. Damit habe ich aber gerechnet, so dass dieses nicht erreichte Ziel den Rest dieser großen Veranstaltung und Sternstunde in meinem Leben, nicht überschatten kann. Ich schicke es ihm einfach mit einem schönen Brief hinterher.

Dann will ich jetzt mal versuchen, meine Eindrücke mit euch zu teilen.
Erwartet hier keinen perfekten Fließtext. Es sind eben Eindrücke, die sich manchmal vielleicht eher so aneinander reihen.

Wir fanden uns um 09:00 Uhr, als der Einlass startete pünktlich ein. Das Audimax alleine schon beeindruckt mich jedes mal neu. Ich bin sehr selten in diesem Gebäude, und als ich hier studierte, war da noch Wiese…
Wir ergatterten einen schönen Platz im vorderen Drittel so ungefähr mit geradem Blick zur Bühne. Was mich an diesem Hörsaal auch immer wieder verblüfft, ist die extrem gut klingende Sound-Anlage. Das Bose-Zeugs kann wirklich was. Die Sprecher klingen richtig natürlich und nicht dosig, und wenn man Videos mit Musik etc. abspielt, dann hat diese Anlage richtig Bass und alles.
Über das Publikum kann ich nicht wirklich viel sagen. Ich glaube, dass eher die Mitarbeiter des KIT anwesend waren und weniger die Studierenden. Mein Eindruck war, dass für unsere technische Universität recht viele Frauen da waren, was ich sehr schön finde. Manche brachten sogar ihre Kinder mit, was am Ende klar wurde, als Fragen gestellt werden durften.
Es hörte sich für mich so an, dass das Publikum sehr gemischt war. Sprachlich hörte ich, dass eindeutig nicht nur Akademiker vor Ort waren. Alexanders Botschaft drang somit auch in Werkstätten, Hausmeistereien, vielleicht auch in die Mensen. Auch das ist sehr schön. Der Weltraum ist für alle da. Und Alex erklärt ihn uns so, dass wir ihn verstehen können und hoffentlich begreifen, dass wir nur ein Raumschiff Erde haben, was wir schützen, bewahren und versorgen müssen.
So baute ich mein Notizgerät auf und wartete.
Plötzlich brandete großer Beifall los. Er hatte offenbar die Bühne betreten.

Der erste Redner war Prof. Dr. Hanselka, der Präsident des KIT.

Er sprach davon, dass die Idee einer Reise zum Mond bis in das alte antike Griechenland zurück geht.
Lukianos von Samosata beschreibt in seinem Buch
Eine wahre Geschichte“ eine Schiffsreise zum Mond – geschrieben im 2. Jahrhundert nach Christus in Ägypten, das damals zu Griechenland gehörte.
In Lukianos‘ Erzählung hält ein Schiff Kurs auf die Meerenge von Gibraltar. Gerade als die Mannschaft die Säulen des Herkules, so die damalige Bezeichnung, passieren will, erfasst ein gewaltiger Wasserwirbel das Schiff.
Es schleudert immer höher und treibt plötzlich durch den Weltraum. Sieben Tage später landet die Mannschaft auf dem Mond.
Dort treffen die Seefahrer auf absonderliche Wesen, die sich auf den Kampf mit den Kriegern der Sonne vorbereiten. Mit denen streiten sie erbittert über die Kolonisierung der Venus.

Diese Geschichte war mir nicht mehr präsent.
Dann schlägt Hanselka sehr schön die Brücke in die Heutzeit, erinnert an die Mondlandung etc.
Er würdigt, dass Alexander Gerst so großartige Wissenschaftskommunikation betreibt, dass er für die Probleme der Umwelt durch die Sicht aus der ISS heraus wunderbar sensibilisiert und uns zeigt, wie ganzheitlich diese Welt funktioniert.
All das soll gleich mit der Überreichung der Urkunde zur Ehrendoktorwürde geehrt werden.
Nun werden noch einige Preise aufgezählt, die Astro_Alex erhalten hat und dass er auf einer Show des DLR mit 16000 Zuschauern sprechen durfte.
Er schließt mit der Tatsache, dass die ISS ein Zeichen des Friedens ist, wenn man bedenkt, dass 110 Länder daran mitarbeiten, unabhängig davon, wie es gerade politisch unter ihnen läuft.
Das war eine sehr schöne, erfrischende und humorvolle Einführung in die Veranstaltung, die der Präsident des KIT hier gehalten hat.

Nun erhält Prof. Weiß, der Dekan der Fakultät für Physik das Wort.
Er erinnerte an die alten Professoren, die Alexander Gerst in den 90er Jahren unterrichteten.

Danach übernahm Prof. Friedemann Wenzel, der Gründer des Klimazentrums.
Bei ihm legte Gerst sein Diplom über Vulkanologie ab. Hierfür forschte er u. A. in Neuseeland und auf Vulkanen in der Antarktis.
Außerdem entwickelte er Messgeräte, die in extremer vulkanischer Umgebung noch funktionierten.
Alexander Gerst war quasi überall. Nun schien es so, dass ihm die Erde zu eng geworden war und er deshalb den Weg zum Astronauten antrat, spekuliert Prof. Menzel.

Jetzt kommt Frank schilling, Dekan Bauingenieurwesen auf die Bühne.
Nach einigen Sätzen über die Raumstation wird nun Alexander Gerst auf die Bühne gebeten.
Alex bekam kurz vor der Urkunde einen Schwabenstein geschenkt. Was der genau ist, habe ich nicht ganz ohne Sicht verstanden. Er muss wohl etwas mit dem Nördlinger Ries zu tun haben, denn das wurde auch erwähnt, weil Astronauten u. A. auch dort trainieren.
Das Nördlinger Ries entstand durch einen Asteroiden-Einschlag. Eine ähnliche Katastrophe ließ die Dinosaurier aussterben und ist auch heute nicht ausgeschlossen, dass sich derlei irgendwann wiederholen könnte.
Dann wurde die Urkunde verlesen und feierlich überreicht.

Nun ergreift Alexander Gerst das Wort und zeichnet ein schönes Bild. Er betrachtet seine heutige Rückkehr an seine Alma Marta als rückkehr, die jedes Abenteuer abschließen muss, denn wenn man aufbricht, wozu auch immer, sollte man die Geschichte mit einer Rückkehr abschließen, um den damals zurückgebliebenen davon zu erzählen.

Er gibt eine Flagge des KIT, die er auf seiner Mission auf der ISS dabei hatte. Als Zertifikat sozusagen mit einem Foto, das ihn und die Flagge im Kolumbus-Modul auf der ISS zeigt, zurück.
Alexander Gerst ist mit der Flagge des KIT sehr weit gereist. Etwa 5 800-mal um die Erde in der Raumstation ISS, die mit der unvorstellbaren Geschwindigkeit von 28 000 Stundenkilometern fliegt, das dürfte insgesamt der Entfernung bis zur Sonne entsprechen.
Die Flagge soll gut sichtbar als Ansporn für die Studierenden aufgehängt werden.
Träume soll man verwirklichen, meint Alex.
Dazu fällt ihm ein Gespräch ein, dass er mit einem Kommilitonen in der Mensa vor vielen Jahren geführt habe. „Wir hatten vereinbart, dass wir uns irgendwann einmal als Astronauten bewerben werden. Ich habe es gemacht, er nicht. Wie schade!“

Nun startet Alex seinen Vortrag mit einem Video. Nach technischen Startschwierigkeiten konnte man es dann doch auch noch hören. Leider war es nur mit Musik unterlegt, so dass ich nicht weiß, was es zeigte. Der Start soll wohl eindrucksvoll zu sehen gewesen sein.
In meinem Artikel über Podcasts
findet ihr beispielsweise den Podcast “Auf Distanz goes Baikonur und viele andere mehr, wo ihr den Start und vieles mehr zur ISS nochmal erleben könnt.

Alex beginnt seinen Vortrag nach dem Video mit einem Bild, dass die Cassini-Raumsonde vom Saturn aus von der Erde photographierte. Sie ist lediglich durch die zehnfache Entfernung Erde-Sonne, ein einziges blaues Pixel auf dem Bild.
Das zeigt, wie wenig die Erde für das ganze Universum ist. Dem Universum ist es egal, wenn wir sie zerstören.

Alex sagt, dass die Hälfte aller Atome in unserem Körper nicht aus der Milchstraße stammen.
Wie er darauf kommt, weiß ich momentan nicht genau. Ich vermute, es hat mit Supernovae und anderen Ereignissen zu tun, bei welchen schwere Atome gebacken werden.

Obwohl er für sein Training um 10.000 Stunden Zeit investierte, relativiert er den Aufwand und meint, dass man das letztlich für ein gutes Studium auch müsse.

Nun hängt er seinen Vortrag an die letzte Mission.
Er zeigt den Start und stellt deutlich heraus, dass das wichtigste an der Raumfahrt die Zusammenarbeit aller beteiligten sei.

Wenn man bedenkt, dass 110 Länder die ISS betreiben, dann mutet es etwas seltsam an, dass ein einziges Land beispielsweise seinen neuen Flughafen nicht in betrieb bekommt.
Er startete von derselben Startrampe aus, von welcher der erste Mensch Juri Gagarin ins All aufbrach.
In der Raumkapsel geht es offensichtlich sehr eng zu.

Man stellt sich das ja alles immer so filigran vor, wie das in schönen Sciencefiction-Filmen in den Raumschiffen so ist.
Viele Bedienelemente sind aber nicht deshalb so klobig, weil es sich um alte russische Technologie handelt, sondern weil man bei vier- oder sechsfacher Erdbeschleunigung keine kleinen Tasterchen drücken oder winzige Hebelchen umlegen kann.
Das war mir so noch nicht klar, ist aber logisch.

Es gibt doch tatsächlich einen Startknopf an einem Raumschiff und keinen Zündschlüssel. Ich meine allerdings mal gehört zu haben, dass die ISS durchaus eine Art Zündschlüssel hat, der immer dem Kommandanten überreicht wird.

Obwohl beim Start die Rakete alles selbst macht, muss man sie im Auge behalten.

Mehrfach betont Alex, dass man beim Start und dann bis zur Rückkehr, auf einen Astronautenmodus im Kopf und mental umschalten muss.
Man nimmt den Bus zur Rakete, alle anderen bleiben zurück, und das war es dann erst mal für sieben Monate mit allen Gewohnheiten und Annehmlichkeiten hier auf Erden.

Er sagt, dass der Start am Anfang mit 1,3 g recht gemütlich beginnt. Da aber nach und nach die Rakete leichter wird, der Schub aber derselbe bleibt, ist man nach 8,5 Minuten der vierfachen Erdbeschleunigung ausgesetzt.
Nach drei Minuten ist man bereits im schwarzen Weltall und hat nach 8,5 Minuten die Geschwindigkeit erreicht, um die Station zu erreichen.
Offenbar verbraucht so ein Raketenstart weniger Treibstoff, als ein Trans-Atlantik-Flug. Dennoch ist man daran interessiert sparsamere Raketen zu bauen.
Immerhin fliegen im Flugzeug hunderte Menschen mit, und in so einer Rakete nur drei, was natürlich die Co2-Bilanz für jeden Astronauten deutlich in die Höhe treibt.

Ein Flugzeug fliegt man. Eine Rakete nicht, weil man sich nur an ihr festhält sagt Gerst.
Bei seiner ersten Mission benötigte er drei Tage zur ISS. In dieser Zeit schafften es die Apollo-Astronauten zum Mond.
Bei seiner zweiten Mission benötigte er nur noch drei Stunden.
Wieso das so unterschiedlich ist, ist mir noch nicht so ganz klar. Wenn jemand hier etwas erhellendes weiß, bin ich dabei.

Nun zeigt er die dünne helle Sichel der Tag-Nacht-Grenze der Erde, die man meist sieht, wenn man zum ersten mal nach dem Start aus dem Fenster scheint. Das ist so ähnlich, wie der Mond kurz nach oder kurz vor Neumond. Dort nennt man diese Grenze den Terminator.
Die Erkenntniss, dass die Erde Rund ist, wird an dieser Stelle, so Alex, nochmal richtig greifbar und neu erlebt.
In diesem Zusammenhang ist es mir unbegreiflich, dass es heute noch Menschen gibt, die glauben, dass die Erde flach sei. Wieviele Beweise brauchen diese Schwachmaten denn noch?

Am Tage erkennt man dann, wie fragil das Raumschif Erde wirklich ist, und dass die Atmosphäre wirklich super dünn ist. Im Flugzeug hat man quasie das meiste davon schon unter sich.
Er betont nochmal die technische Leistung, dass bei der ISS 100.000 Menschen mitgearbeitet hatten. Es musste klappen, denn man konnte die ISS nicht mal eben probehalber auf der Erde zusammenbauen, um zu sehen, ob alles so passt. Das ist schon ein Wunder, wenn man bedenkt, dass häufig kleinere Projekte mit deutlich weniger Menschen und Nationen, nicht funktionieren, obwohl sie hier auf Erden gebaut werden können.

Nun ermutigt er Studierende, indem er darauf hinweist, dass eine gute Crew nicht die besten braucht, sondern viel diversität und unterschiedliche Erfahrungen und Lebenshintergründe.
In diesem Zusammenhang bedauert er, dass sich nach wie vor viel zu wenige Frauen als Astronautinnen bewerben.

Mich hat sehr beeindruckt, wie viel Forschung zu schweren Krankheiten wie Krebs, Parkinson und Alzheimer auf der ISS gemacht werden.
Da werden Kristalle gezüchtet und Zellstrukturen, deren Größe man auf der Erde mit Schwerkrafft nicht hin bekommt. Sind sie dann gezüchtet, kann man sie zur Erde bringen, um Medikamente zu entwickeln.
Wie Wurzeln von Pflanzen in Schwerelosigkeit ohne Orientierung wachsen, bringt Erkenntnisse, die einst zur Züchtung von Pflanzen mit schnellem Wurzelwachstum nach unten hervorbringen kann.
Die könnte man dann in vom Klimawandel betroffene trockene Gebiete bringen, deren Wurzeln würden rasch in die Tiefe in Richtung Wasser wachsen und diese Pflanzen könnten dort eventuell leben.

Natürlich wird auf der ISS viel Erdbeobachtung gemacht.
Umweltkatastrophen, Klimawandel, Abholzung von Wäldern, Kriege mit Bomben und Raketen und all die von Menschen gemachten Katastrophen kann man von dort oben sehen.

107 Länder haben bisher 2800 Experimente auf die ISS gebracht. Die wären einzeln mit kleinen Satelliten so nicht durchführbar. Außerdem benötigt es für viele mindestens 10 % Menschliche Fähigkeiten. Er meint, dass man vieles automatisieren könne, aber nie ganz auf menschliche Fähigkeiten verzichten wird. Durch bessere Robotik wird das ganze System leistungsfähiger, aber Menschen lassen sich auf so einer Station nicht weg rationalisieren.

Nun ging er darauf ein, was Astronauten so in ihrer Freizeit machen, den Fußball spielen etc. funktioniert dort nicht.
Naja, Videos schauen, Spiele spielen, Musizieren und Fitness-Training sind bekannt.
Daneben macht man viel Erdbeobachtung. Zunächst will jeder seine Heimatstadt von oben sehen.
Das wandelt sich aber sehr bald, und man betrachtet die ganze Erde als Heimat.
Vielleicht sollte man Entscheidern dieser Welt am Anfang ihrer politischen Laufbahn erst mal diesen ganzheitlichen Blick von oben auf die Erde ermöglichen.

Nun geht er auf faszinierende Naturphänomene wie Stürme und Gewitter ein. Man kann mit der ISS sogar durch Polarlichter fliegen. Das muss wirklich gigantisch sein.

Nun erzählt er noch von der Landung und beschließt seinen vortrag, indem er nochmal auf die unendlichen Weiten des Universums hinweist. Man sieht dort oben vor lauter Sternen keine Sternbilder mehr.

Das war mein starkes Erlebnis mit Alexander Gerst.
Ich bin zu tiefst dankbar, dass ich diesem Vortrag beiwohnen durfte.

Finstere Erinnerungen – Die Sonnenfinsternis vom 11.08. 1999

Liebe Leserinnen und Leser

wie viele von euch mitbekommen haben, fand gestern, am 02.07.2019 eine Sonnenfinsternis im südamerikanischen Raum statt. Die bilder der drei Teleskope, die im Kernschatten der Finsternis lagen, müssen atemberaubend gewesen sein. Zumindest hörte sich das in den sozialen Medien so an.
Lasst uns diese Finsternis zum Anlass nehmen, und uns erinnern, wie das 1999 so war, als wir eine totale Sonnenfinsternis über Süddeutschland hatten.
Vielleicht hat ja jemand Lust, z. B. über die Kommentarfunktion des Artikels seine Erinnerungen von damals mit mir zu teilen, worüber ich mich sehr freuen würde.
Nun viel Freude mit meinen Erinnerungen. Es war so:

Nicht jedem ist das Glück beschieden, direkt vor seiner Haustüre eine Sonnenfinsternis erleben zu können. In manchen Kulturen und zu anderen Zeiten waren sie eher Symbole des Unglückes und des Schicksals. Ein Krieg zwischen den beiden Völkern der Meder und Lüder wurde durch die Sonnenfinsternis vom 28. Mai 585 v.Chr. angeblich beendet, und zwar aus Angst, die Götter zürnten ihnen, da die Sonnenfinsternis direkt in das Kampfgetümmel fiel. Auch in der Bibel liest man Geschichten über Verdunkelungen des Himmels am Tage, die auf Sonnen- oder Mondfinsternisse zurückgehen könnten, z. B. bei den Propheten.

Auf jeden Fall waren wir alle schon Monate vorher aufgeregt, wie das wohl sein würde. Ich machte mir umfangreich Gedanken, ob ich als Mensch mit Blindheit überhaupt etwas davon mitbekommen würde. So las ich im Vorfeld viel darüber, wie eine derartige Finsternis funktioniert, was alles innerhalb der kurzen Verfinsterung entdeckt worden war und wie viele Strapazen etliche Astronomen in der Vergangenheit auf sich genommen hatten, um eine Sonnenfinsternis zu erleben. Diese reichten bis hin zu sehr gefährlichen Seereisen auf Segelschiffen.

Als nun endlich der Tag nahte, war die Enttäuschung zunächst groß. Der August war relativ verregnet, sodass nicht klar war, ob wir mehr als eine kurze Finsternis erleben würden. Somit beschloss ich, in jedem Falle die Zeit der Finsternis im Schlosspark von Karlsruhe zu verbringen, denn ich wollte die Stimmung der Menschen einfangen.
Weil mein Sehrest zu diesem Zeitpunkt nicht mehr unbedingt zum reellen Erleben der Finsternis ausreichte, nahm ich einen Lichtdetektor mit. Dieses Gerät verwenden blinde Menschen, um in ihrer Wohnung zu erkennen, ob die Lampen aus sind, zum Beispiel wenn sehende Besucher da waren. Je höher das Gerät piepst, desto mehr Licht ist vorhanden. Ich trug ebenfalls eine Finsternisbrille, die ich bis heute aufbewahre und am 20.03.2016 wieder zum Einsatz kam.
Auch bereits funktionsuntüchtige Augen kann man ohne Finsternisbrille noch schädigen.
Außerdem stattete ich mich mit einem mobilen Funkgerät aus. Mit diesem stand ich mit anderen Menschen in Verbindung, die an anderen Orten die Finsternis betrachten und erleben wollten.
So standen wir und warteten. Das Gefühl war weit stärker als bei einem Jahreswechsel.
Und plötzlich ging ein großer Freudenschrei durch die Menge. Der Himmel meinte es gut mit uns. Ungefähr drei Minuten vor der totalen Bedeckung und damit vor der maximalen Finsternis riss die Wolkendecke auf und der Blick auf die Sonne war frei. Sogar ihre wärmenden Strahlen empfing ich noch.
Ich schaltete den Lichtdetektor ein. Dann geschah es: Während die Leute standen und staunten, wurde der Ton des Gerätes langsam tiefer. Die Verdeckung begann. Während der ungefähr zweiminütigen totalen Finsternis blieb jedes Signal aus, als wäre es völlig Nacht. Das Leuchten der Korona war zu schwach für den Sensor des Lichtdetektors. Dies war für mich die akustische Orientierung. Plötzlich hatte auch ich das Gefühl, von Nachtluft umweht zu werden. Das mag allerdings auch durch das intensive Erlebnis gekommen sein. Besonders warm war der Tag auch vor der Finsternis nicht.
Auf jeden Fall war meine Freude, diese totale Sonnenfinsternis erlebt zu haben, unbeschreiblich groß. Ich fühlte mich in diesem Moment stark mit jenen verbunden, die fast ihr Leben dafür ließen, um etwas Derartiges nicht zu verpassen.
Oft stelle ich mir seither aus purer Freude heraus die Finsternis, die Korona, die Protuberanzen und auch die Magnetfeldlinien, die weit in den Weltraum hineinragen, vor. Dazu denke ich dann häufig an das brodelnde Geräusch, das auf der Sonnenoberfläche zu hören sein muss, da die Oberfläche ähnlich wie ein Teekessel
kocht.

Mit dieser Sonnenfinsternis hatte ich im Januar 2015 noch eine ganz interessante Erfahrung:
Anfang Januar 2015 unternahm ich mit meiner sehenden Arbeitsplatzassistenz
eine Dienstreise nach Istambul.
Folgendes ist dort auf dem Hinflug geschehen:
Der Pilot erklärte die Flugroute, indem er wichtige Länder, Städte und Meere aufführte, die wir nacheinander passieren würden.
Da kam mir die Reihenfolge und Aufzählung der Städte gleich irgendwie bekannt vor.
Und dann durchfuhr es mich wie ein Blitz.
Wir flogen fast exakt die Route entlang derer am 11.08.1999 die totale Sonnenfinsternis beobachtet werden konnte.
Ich fand dieses unglaublich schön. Glücklicherweise hatte ich noch das Buch “Schwarze Sonne, roter Mond” von Rudolf Kippenhahn zur Sofi 1999 auf meinem MP3-Player als aufgelesenes Hörbuch. So konnte ich gleich noch im Flieger meine Vermutung überprüfen. Ein Blick auf den Fahrplan dieser Sf ergab, dass ich im wesentlichen Recht hatte.
Dieses Heureka erlebte glaube ich der halbe Flieger mit, weil es mich unglaublich freute, in welchem Zusammenhang diese alte Sofi nochmal auftauchte.

Und dann stürzte ich in eine tiefe Finsternis-Krise.
Das Schicksal nahm nach der Dienstreise nach Istambul seinen Lauf.
Jemand stellte mir die Frage, wieso eigentlich von West nach Ost, wo die Erde sich doch von Ost nach West dreht, und der Mond tut das um die Erde ebenso.
Sollten dann die Finsternisse nicht auch von Ost nach West verlaufen?

Stellt euch bitte vor. Da weiß ich alles, was es zu Finsternissen, deren Entstehen etc. zu wissen gibt nur dieses eine kleine Detail hinterfragte ich 20 Jahre lang nicht.
Plötzlich merkte ich, dass ich den Verlauf überhaupt noch nicht begriffen hatte.
Das war eine richtige Klatsche.
Desto mehr ich nachdachte, desto verwirrter wurde ich. So viele Bewegungen, Winkel und Abstände, die sich hier überlagern und die berücksichtigt werden müssen.
Nun wendete ich mich mit meiner unbeschreiblichen Not und Verzweiflung an intelligente Menschen, an welche ich in derlei astronomischen Fragen glaube.
Und siehe da. zwei  fanden unabhängig voneinander die Antwort und Erklärung.

Dank an Sebastian und Martin. Ihr seid ja auch Mitglieder unserer kleinen Gemeinde.
Das Problem ist, dass dieses Phänomen sich kaum noch mit Worten beschreiben lässt.
Die adäquate Sprache hierfür ist die Mathematik und keine Prosa.
Deshalb wird die Mail jetzt gleich sehr mathematisch werden. Wer hier aussteigen möchte, dem kann ich das nicht verübeln.
Es ist schwer und kompliziert. Bevor jemand sich darüber ärgert, dass er oder sie untenstehende Mathematik nicht begreift, sollte er oder sie lieber die Finger davon lassen und sich einfach mit kindlicher Freude und Begeisterung an Finsternissen erfreuen.
Wer jedoch die Herausforderung liebt, darf hier gerne weiterlesen.

Und so funktioniert eine Finsternis:
Halten wir den Moment fest, an dem der Mond zwischen Sonne und Erde steht, und der Kernschatten genau auf mittig auf der Erde liegt, und nehmen den Planeten Erde als Bezugssystem für Geschwindigkeit 0km/h.
Die Erde hat am Äquator ca. 12’720km Durchmesser, damit ist der Umfang ca. 40’000km, und die Oberflächengeschwindigkeit durch Rotation beträgt (vereinfacht auf die Sonne bezogen und nicht sidirisch) ca. v_E=1’666km/h.
Der Mond hat einen mittleren Abstand von d_M=384’400km, also eine ungefähre Umlaufbahn von 2’415’256km und eine Umlaufzeit von 27.3d, also bewegt er sich ungefähr mit v_M=3’686km/h in die gleiche Richtung wie die Erde darunter. (Hat natürlich eine viel größere Kreisbahn und überholt deshalb nachts nicht die Erdrotation…)
Die Erde selbst hat einen Abstand von ca. d_S=149’600’000km von der Sonne, also einen Umkreis von ca. 939’965’000km in 365.25 Tagen, bewegt sich also mit 107’228km/h entgegen der Oberflächengeschwindigkeit oben. Da die Erde als 0km/h gewählt ist, bewegt sich also die Sonne scheinbar mit v_S=107’228km/h in Richtung der betrachteten Oberflächengeschwindigkeit der Erde.
Die Geschwindigkeiten von Sonne und Mond superponieren sich, d.h. wir können einzeln die Anteile auf die Kernschattengeschwindigkeit berechnen.
Nach dem Strahlensatz ist die Geschwindigkeit durch die scheinbare Sonnenbewegung v1=(d_M/d_S)*v_S~276km/h.
Nach dem Strahlensatz ist die Geschwindigkeit durch die Mondbewegung v2=d_S/(d_S-d_M)*v_M~3’695km/h.
Da sich Mond und Sonne in die gleiche Richtung bewegen, ist die resultierende Geschwindigkeit des Kernschattens zur Erde v=v2-v1~3’419km/h.
Abzüglich der Geschwindigkeit der mitdrehenden Erdoberfläche erhalten wir in diesem Moment am Äquator die Schattengeschwindigkeit von ca. 1’753km/h. Auf jeden Fall überholt der Schatten die Erdrotation, und damit geht der Schatten tendentiell von Westen nach Osten.
Natürlich wird der Schatten an den Rändern über der Erdoberfläche “viel schneller”- schon alleine wegen der schrägen Projektion und nach Norden und Süden ist die Oberflächengeschwindigkeit geringer. Und da die Bahnen nicht alle in der gleichen Ebene liegen, verläuft der Schatten auch schräg und alles mögliche. Es kann im Extremfall für einen Punkt auf der Erde der Schatten z.B. von Norden oder Süden kommen- der Schatten ist ja nicht ein “Punkt”, sondern die Fläche kann sich bei diesen Kurven auch “reindrehen”, und so scheinbar komplett von Norden oder Süden kommen.
Wenn ich mich nicht verrechnet habe, so ist der Anteil durch die Planetenbewegung v_S nicht sehr ausschlaggebend, und die Beschleunigung der Mondgeschwindigkeit durch die Hebelwirkung durch den Abstand sehr gering, da die Sonne so viel weiter weg ist als der Mond von der Erde.