Ein Chinesischer Glücksbringer


Meine lieben,

angeregt durch einen Glücksgruß eines Blautor-Midgliedes und eine Folge der Sternengeschichten von Florian Freistetter, geht es heute mal um ein Glückswesen, den Drachen. Am 10.02.2024 feierte man in China das Neujahrsfest. Dieses Jahr steht dort im Glückszeichen des Drachen. Möge auch etwas von diesem Glück zu uns nach Europa gelangen.
Der Drache ist sowohl mythologisch als auch astronomisch betrachtet ein ganz besonderes Sternbild.

Wo man ihn findet

Man findet ihn im Norden; er windet sich quasi um den kleinen Bären herum, zu dem auch Polaris, der Polarstern, gehört. In Mitteleuropa kann man den Drachen das ganze Jahr über in jeder Nacht sehen und weil er vergleichsweise viele helle Sterne enthält, ist er auch leicht zu erkennen. Wer sehen kann suche einfach den Polarstern und schaut nach einer langen Kette aus Sternen, die sich in seiner Nähe über den Himmel windet. Das ist der Drache. Dieses Sternbild war schon in der Antike bekannt. Es war eines der 48 Sternbilder, die Ptolemäus vor knapp 2000 Jahren in seinen astronomischen Werken aufgelistet hat,

Etwas Mythologie

  • In der Schöpfungsgeschichte der Babylonier hat man sich dort oben Tiamat vorgestellt; die Göttin des Salzwassers die als eine Art Seeschlange mit Hörnern dargestellt wird. Sie kämpft gegen Marduk, die Hauptgottheit der Babylonier, der Tiamat besiegt, ihren Körper zerteilt und aus den beiden Hälften Himmel und Erde erschafft.
  • In der griechischen Mythologie gibt es auch jede Menge drachenähnliche Monster, zum Beispiel Ladon, der gleich 100 Köpfe hat und die goldenen Äpfel der Hesperiden bewacht, die Untersterblichkeit verleihen. Hat er auch immer super geschafft, bis Herkules gekommen ist und ihn umgebracht hat.
  • In den Mythen der arabischen Nomaden hat man hier allerdings ein Kamel gesehen, dass sein Junges beschützt, das gerade von zwei Hyaenen angegriffen wird.
  • Gemäß der chinesischen Mythologie wird der Drache oft als mächtiges und göttliches Wesen betrachtet, das positive Eigenschaften symbolisiert. Anders als in westlichen Kulturen, in denen Drachen oft als furchteinflößende Wesen dargestellt werden, wird der chinesische Drache als Glücksbringer und Wächter angesehen.
    Eine der bekanntesten Legenden, die mit dem chinesischen Drachen verbunden ist, erzählt die Geschichte von Ao Guang, dem Drachenkönig der östlichen Meere. In dieser Legende wird Ao Guang als göttlicher Drachenkönig dargestellt, der über die Ozeane herrscht und die Kontrolle über das Wetter ausübt. Er wird oft als freundlich und hilfsbereit beschrieben, aber auch als mächtiges Wesen, das Respekt verdient.
    Der Drache wird auch oft mit Kaiserlichkeit und kaiserlicher Macht in Verbindung gebracht. Nur der Kaiser durfte das Drachenmuster auf seiner Kleidung tragen. Dies verdeutlichte die Vorstellung, dass der Drache eine Verbindung zur göttlichen Macht und zum Schutz des Reiches hatte.
    In der chinesischen Astrologie spielt der Drache ebenfalls eine wichtige Rolle. Personen, die im Jahr des Drachen geboren sind, werden als glücklich, mächtig und intelligent betrachtet. Das Jahr des Drachen gilt als besonders günstig und wird mit positiven Energien und Ereignissen in Verbindung gebracht.
  • Es gibt auch bei uns die Definition des Drachenmonats, die uns zu einer weiteren tragischen chinesischen Geschichte führt.
    Die Mondbahn läuft fünf Grad gegen die Ekliptik geneigt. Die Ekliptik ist die Ebene, in welcher alle Planeten umlaufen.
    Somit befindet er sich die Hälfte des Monats etwas oberhalb und in der anderen Hälfte, etwas unterhalb der Ekliptik.
    Die Schnittpunkte zwischen der Mondbahn und der Ekliptik, nennt man Knotenpunkte.
    Die daraus sich ergebende Periode nennt man dann den dragonitischen Monat. Er wird zur Berechnung von Sonnen- und Mondfinsternissen benötigt.
    Sein Name leitet sich vom chinesischen Himmelsdrachen her, der von Zeit zu Zeit die Sonne entweder mit seinem Schwanz einfängt, bzw. mit seinem Mund verschluckt.
    Die beiden königlichen Hofastronomen, Hi und Ho, sollen geköpft worden sein, als sie im Suff vergaßen, eine Finsternis hervor zu sagen. Somit hatte das Volk keine Gelegenheit, durch seine Rituale mit Trommeln und Pfeifen den Drachen zu vertreiben, damit er die Sonne wieder frei gibt.
    Das er dies tatsächlich nach wenigen Minuten tat, konnte die beiden leider nicht mehr retten…

Nun aber genug der Schauergeschichten. Schauen wir uns das Tierchen mal astronomisch an.

Der Glücksbringer

Mit viel Glück lassen sich jedes Jahr um den 09. Oktober vermehrt Sternschnuppen erspähen.
Diese stammen aus dem Meteor-Strom der Draconiden. So heißen sie, weil sie aus dem Sternbild Drachen zu kommen scheinen.
Dann bewegt sich die Erde durch den Staub, den der Komet 21P/Giacobini-Zinner im All hinterlassen hat und wir können sehen, wie jede Menge Sternschnuppen über den Himmel sausen. Leider beschert er uns meistens eher eine geringere ausbeute von ungefähr höchstens einer Handvoll Sternschnuppen pro Stunde. Aber alle paar Jahrzehnte kann es richtig viel werden, wenn nämlich der Komet gerade vorher vorbei gekommen ist und frischen Staub hinterlassen hat. Das war zum Beispiel 1985, 1998 und 2011 der Fall, da konnte man ein paar hundert Sternschnuppen pro Stunde sehen.
Solltet ihr im kommenden Herbst einige erspähen, dann wünscht euch was.

Der alte Nordstern

Der hellste Stern eines Sternbilds wird üblicherweise mit dem griechischen Buchstaben Alpha bezeichnet, gefolgt von lateinischen Namen des Sternbildes. Alpha Draconis ist aber nur der achthellste Stern im Drachen.
Und dennoch war er bis etwa vor 5000 Jahren der wichtigste Stern am Himmel.
Damals war Alpha Draconis nämlich der Polarstern. Die Achse, um die die Erde sich dreht und die in Richtung Himmelsnordpol zeigt, beschreibt im Verlauf von gut 26.000 Jahren einen kleinen Kreis am Himmel, weil die Erde etwas kippelt, wie ein Kreisel. Heute zeigt sie ungefähr dorthin, wo sich Polaris befindet. Damals war sie aber auf Alpha Draconis ausgerichtet. Und um das Jahr 20.000 herum wird sie das wieder tun.

Der hellste

Der tatsächlich hellste Stern im Drachen ist Gamma Draconis mit Namen „Etamin“.
Das bedeutet „Schlange“ und Etamin ist nicht nur hell, sondern hat in der Geschichte der Astronomie auch eine wichtige Rolle gespielt.
Im 16. Jahrhundert setzte sich langsam die Idee durch, dass die Erde sich um die Sonne bewegt und nicht umgekehrt. Wenn dem so ist, dann müsste sich aber auch die Position der Sterne scheinbar verändern, weil wir sie im Laufe eines Jahres von unterschiedlichen Positionen im Sonnensystem aus beobachten. Sie müssten sich in Bezug auf die noch weiter entfernt liegenden Sternen leicht verschieben. Diesen Effekt, die „Parallaxe“ sollte man messen können. Einer der ersten, der das versuchte, war 1725 der britische Astronom James Bradley, und er hat sich Gamma Draconis ausgesucht, weil er jede Nacht am Himmel zu sehen und deshalb gut zu beobachten war. Und Bradley hat tatsächlich eine scheinbare Veränderung der Position gemessen, aber nicht die, die zu erwarten war. Bradley hatte die Aberration entdeckt. Die funktioniert, kurz gesagt, so: Die Erde bewegt sich durchs All. Licht der Sterne bewegt sich zur Erde. Das Licht ist aber nicht unendlich schnell. Stellen wir uns vor, das Licht eines Sterns fällt exakt senkrecht in die obere Öffnung eines Teleskops. Es braucht dann zwar nicht lange, um das untere Ende zu erreichen, aber es ist nicht unendlich schnell. In der kurzen Zeit bis es unten angekommen ist, bewegt sich die Erde ein kleines Stückchen weiter und verschiebt dadurch auch das Teleskop. Wenn das Sternenlicht dann auf unser Auge, oder ein Messgerät trifft, sieht es so aus, als sei das Licht eben nicht senkrecht aufgetroffen, sondern ein winziges bisschen aus der Senkrechten abgelenkt. Wie stark diese scheinbare Positionsänderung ist, hängt davon ab, in welche Richtung sich die Erde gerade bewegt; auf den Stern zu, von ihm weg oder irgendwas dazwischen. Das ändert sich im Laufe eines Jahres und so beschreibt der Stern ebenfalls im Laufe eines Jahres einen scheinbaren Kreis am Himmel.
Die Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit war zwar so noch nicht bekannt, aber immerhin konnte bewiesen werden, dass die Erde sich tatsächlich durch das All bewegt. Und ja, man hätte die Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit aufgrund dieses Versuches durchaus postulieren können.

Planeten

Echte extrasolare Planeten hat der Drache natürlich auch. Zum Beispiel die beiden, die den Stern Kepler-10 umkreisen. Das ist ein sonnenähnlicher Stern in 600 Lichtjahren Entfernung mit mindestens zwei bekannten Planeten. Der eine ist eineinhalb mal so groß wie die Erde und der andere mehr als doppelt so groß. Beide haben aber sehr viel mehr Masse: Der eine die 3fache und der andere die 7fache Masse unseres Planeten. Es gibt noch 18 andere bekannte Sterne im Drachen, die Planeten haben – aber auch am anderen Ende der Größenskala ist dort einiges zu finden.

Ein Auge

1786 hat der Astronom William Herschel dort den Katzenaugennebel entdeckt oder NGC 6543, wie er offiziell heißt.
Es handelt sich um einen über 3000 Lichtjahre entfernten planetaren Nebel. Also das, was entsteht, wenn ein sehr großer und heißer Stern am Ende seines Lebens das Gas aus dem er besteht, Schicht für Schicht ins All hinaus bläst. Beim Katzenaugennebel hat das ein Stern, der ungefähr 10.000 mal heller und knapp 20 mal heißer als unsere Sonne ist, mit Sinn für Ästhetik getan. Der Katzenaugennebel ist einer der komplexesten Nebel die wir kennen und sieht, wenig überraschend, wie ein Katzenauge aus.
Ich schrieb über dieses Katzenauge in Das Galaktische Katzenauge.

Die Galaxie, die nicht sein dürfte

Man findet im Drachen die Draco-Zwerggalaxie. Die ist eine kleine Galaxie. Sie besteht aus circa drei Millionen Sternen, viel weniger als die gut 100 Milliarden in der Milchstraße.
Sie ist nur 280.000 Lichtjahre entfernt und deswegen vergleichsweise gut zu untersuchen. Beobachtungen zeigen, dass sich die Sterne dort viel zu schnell bewegen. Eigentlich sollte sich die Galaxie schon längst aufgelöst haben; die Gravitationskraft der paar Millionen Sterne reicht nicht aus, um sie zusammenzuhalten. Es muss dort also dunkle Materie geben, die die Galaxie mit ihrer Gravitationskraft zusammen hält und die wir nicht sehen können. Es muss sogar überdurchschnittlich viel dunkle Materie sein. Viel mehr als in den anderen Galaxien.
Wenn wir doch mal endlich herausfänden, was diese dunkle Materie ist, denn es besteht kein Zweifel daran, dass sie existiert.

Und noch eine Kaulquappe zum Schluss

Die Kaulquappen-Galaxie ist gut 420 Millionen Lichtjahre entfernt, im Sternbild Drache natürlich und sähe aus wie eine normale Spiralgalaxie, wenn sie nicht einen Schweif aus Sternen hinter sich herziehen würde, der fast 300.000 Lichtjahre lang ist. Die Spiralgalaxie als Kopf und den langen Schwanz aus Sternen geben ihr das Aussehen einer Kaulquappe.
In der Vergangenheit ist sie anderen Galaxien zu nahe gekommen und die zwischen ihnen wirkenden Gezeitenkräfte haben jede Menge Sterne aus den beteiligten Partnern herausgerissen, so dass diese seltsame Form entstanden ist.

Eine Lupe für Beobachter

Und wenn wir noch weiter hinaus schauen, finden wir im Drachen auch noch Abell 2218. So heißt ein Galaxienhaufen, dessen Licht mehr als 2 Milliarden Jahre bis zu uns braucht. Dort befinden sich ungefähr 10.000 Galaxien und diese gewaltige Masse krümmt den Raum enorm und lenkt so das Licht der Galaxien ab, das aus noch weiterer Entfernung zu uns kommt. Oder anders gesagt: Abell 2218 wirkt wie eine Linse, die das Licht von fernen Objekten verstärken kann, so das es für uns sichtbar wird, obwohl wir es eigentlich gar nicht mehr sehen sollten. 2004 hat man durch die Gravitationslinsenwirkung von Abell 2218 eine Galaxie entdeckt, deren Licht fast 13 Milliarden Jahre bis zu uns unterwegs war. Das bedeutet: Wir sehen etwas, das existiert hat, als das Universum gerade mal 750 Millionen Jahre alt war.
Das mit der Krümmung des Raumes und der Ablenkung des Lichts hat mit Einsteins Relativitätstheorie zu tun. Das erspare ich uns jetzt mal.

Ihr seht also, der Drache hat noch einiges mehr, als Glück, Geschichten und Mythologie zu bieten.

Winterliche Eis-Geschichte


Meine lieben,
Gestern war in ganz Baden-Württemberg Blitzeis und damit verbunden Glätte gemeldet und momentan schneit es uns ein. Nicht, dass es das schon früher auch dann und wann gegeben hätte. Manchmal habe ich das Gefühl, die Menschen und Medien drehen durch. Ich dachte, wir hätten durch die Pandemie gelernt, wie man mal flexibel und ruhig auf etwas reagieren kann. Seit heute zweifle ich daran wieder. Wie auch immer. Was ich heute mit euch teile, werden vielleicht viele kennen, aber ich finde es Wert, sich dessen zu erinnern, es zu würdigen und sich daran zu erfreuen.
Heute geht es mal um Eis und Schnee.

Das normalste der Welt ist nicht normal

Ein Phänomen, das uns in der Natur begegnet und fasziniert, ist die Eisbildung, ein Prozess, der auf der einzigartigen Anomalie des Wassers basiert. Wasser, das auf den ersten Blick als gewöhnliche Flüssigkeit erscheint, offenbart beim Übergang zum festen Aggregatzustand, also zu Eis, erstaunliche Eigenschaften, die es von den meisten anderen Substanzen unterscheidet.
Dieses nicht normale Verhalten des Wassers ist besonders auffällig, wenn es von der flüssigen in die feste Phase übergeht. Eigentlich würde man erwarten, dass eine Flüssigkeit beim Erstarren an Dichte gewinnt und somit schwerer und ihr Volumen kleiner wird. Wasser hingegen erreicht bei etwa 4 Grad Celsius seine maximale Dichte und wird dann beim weiteren Abkühlen leichter und sein Volumen daher wieder größer. Dies führt dazu, dass Eis auf Wasser schwimmt.
so entsteht, wenn ein Gewässer zufriert, eine isolierende Eisschicht unter welcher das darunter liegende Wasser flüssig und wärmer bleibt.
Und das sorgt wiederum dafür, dass alle darin lebenden Fische und Lebewesen vor dem Gefriertod geschützt bleiben.

Bissel Wasserchemie

Die Anomalie des Wassers, auch als Dichteanomalie bekannt, tritt aufgrund der speziellen Struktur der Wassermoleküle auf. Ein Wassermolekül besteht aus zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom, die miteinander verbunden sind. Durch diese Bindungen entsteht ein Winkel von etwa 104,5 Grad zwischen den Wasserstoffatomen. Diese Struktur verleiht dem Wassermolekül ein elektrisches Dipolmoment, was bedeutet, dass es ein positiv und ein negativ geladenes Ende besitzt.
Dass dem so ist, kann man daran sehen, dass man einen Wasserstrahl mit einem elektrischen Feld ablenken kann.
Dieser Dipol-Charakter entsteht durch die elektrostatische Ladungsverteilung innerhalb des Moleküls. Das Wassermolekül besteht aus einem Sauerstoffatom, das stärker elektronegativ ist, und zwei Wasserstoffatomen. Aufgrund der höheren Elektronegativität des Sauerstoffs zieht er die Elektronen in der Bindung stärker zu sich, was zu einer negativen Ladung am Sauerstoff und positiven Ladungen an den Wasserstoffatomen führt.
Die Elektronenwolken um die Wasserstoffatome werden in Richtung des Sauerstoffs verschoben, was zu dem permanenten Dipolmoment führt.
Dieser Dipol-Charakter verleiht dem Wassermolekül einzigartige physikalische und chemische Eigenschaften.
Die Dipol-Wechselwirkungen zwischen den Wassermolekülen spielen eine entscheidende Rolle in vielen physikalischen Phänomenen, wie z.B. der Löslichkeit von Ionen und polaren Molekülen im Wasser.
Die hohe Polarität und der Dipol-Charakter des Wassermoleküls machen es zu einem einzigartigen Lösungsmittel für viele Substanzen und tragen wesentlich zur Entstehung und Aufrechterhaltung von biologischem Leben bei.

Die Wasserstoffbrückenbindung, eine spezielle Form der Dipol-Wechselwirkung, ist besonders wichtig und verantwortlich für Eigenschaften wie die hohe Oberflächenspannung und die ungewöhnliche Dichteanomalie von Wasser.
Die Oberflächenspannung kann man fühlen, indem man eine Hand flach auf Wasser legt. Drückt man sie flach in das Wasser hinein, so hat man das Gefühl, eine dünne Haut zu durchdringen. Es gibt auch Insekten, die auf dieser „Haut“ laufen können, ohne einzusinken.

Veränderung und Energie

Der Übergang vom flüssigen zum festen Zustand, sprich die Eisbildung, erfolgt bei null Grad Celsius. Während dieses Übergangs werden große Mengen an Energie freigesetzt, was als latente Wärme bezeichnet wird. Dieser Wärmefreisetzungseffekt hat erhebliche Auswirkungen auf das Klima und den Energieaustausch in den Ozeanen und Atmosphäre.
Ich habe mal gelesen, dass man mit der Energiemenge, die man zur Überführung von 0 Grad kaltem Eis in 0 grad flüssiges Wasser benötigt, diese Menge an flüssigen Wassers auf 84 Grad aufwärmen könnte. Und ja, null Grad flüssiges wasser kommt auch vor, wenn es beispielsweise etwas verunreinigt ist. Dann kann etwas, das hinein fältt die Eisbildung anstoßen.
Nun ja. Das erklärt auch, weshalb man Anfang des Sommers manchmal in kurzen Hosen neben einem Schneehaufen in den Bergen stehen kann, weil Schnee und Eis viel Energie zum auftauen benötigen. Und nämlich genau die Menge, die der Schnee abgegeben hat, als er von Wasser zu Schnee oder Eis wurde.

Energie beim Übergang im Alltag

Den Effekt mit der Energie und dem Übergang beim Wasser kann man im Alltag tatsächlich nur so erleben, indem man darüber staunt, wie lange sich Schnee manchmal hält, oder wie lange es dauert, bis sich ein Eiswürfel endlich mal auflöst.
Meine Großmutter erzählte mir oft davon, dass im Winter auf zugefrorenen Gewässern Eis geerntet wurde, womit das ganze Jahr über dann z. B. die Eiskeller von Brauereien gekühlt wurden. Fuhren die Eiswagen durch den Ort, versuchten die Kinder immer etwas abzubekommen. Und nicht vergessen. Das war Wassereis. Wer weiß noch, wie ein Eiszapfen schmeckt? Nichts schöneres, als sich einen auf einem Spaziergang abzubrechen und daran zu lecken.
Auch dieses Eis zeigt uns, wie viel Energie nötig ist, um es zu tauen.

Es gibt aber noch andere chemische Verbindungen, die entweder Wärme abgeben bzw. aufnehmen, wenn sie ihren Aggregatzustand ändern. Wir kennen das von Wärme, bzw. Kühl-Pads her. Durch das Biegen eines kleinen Stäbchens entsteht ein kleiner Strom, der die Flüssigkeit veranlasst, aus zu kristallisieren. Dabei wird je nach Substanz dann wärme bei Wärmekissen, und Kälte bei Kältekissen frei. Möchte man diese Dinger wieder benutzen, muss man neu Energie in sie hinein pumpen, indem man die Gel-Pads auskocht. Die Kristalle werden dann wieder flüssig, und die Sache kann von vorne los gehen.

Und noch eine Schönheit

Die vielfältigen und schönen Formen von Schneekristallen haben Menschen schon immer fasziniert. Schneeflocken sind zum einen sehr regelmäßig und harmonisch und
zum anderen scheint die genaue Form stark vom Zufall abzuhängen. Die Vielfalt der Formen ist so groß, dass man sagen kann: „Keine Schneeflocke gleicht der anderen.“ Wie kann es zu einer solchen Mischung aus Vielfalt und Regelmäßigkeit kommen?

Die sechseckige Kristallstruktur von Schneeflocken ist eine weitere faszinierende Eigenschaftdes Wassers. Die Wassermoleküle ordnen sich in einem regelmäßigen Muster an, was zu einem Volumenanstieg führt. Dies ist der Grund dafür, dass Eis im Vergleich zu flüssigem Wasser ein größeres Volumen einnimmt.

Kein geringerer als Johannes Kepler stellte sich hierzu einige Fragen.

  • Welche mathematischen und physikalischen Gesetze bestimmen das Wachstum von Schneekristallen?
  • Können mathematische und physikalische Theorien helfen, die Form von Schneeflocken zu verstehen?

Und mit diesen Fragen hatte Kepler eine ganz besondere Geschichte, die der Sternenonkel euch jetzt zum Schluss noch erzählt:

Was schenkt man, wenn man nichts hat?

Während seiner Zeit in Prag wird Kepler von seinem Freund und Gönner Matthäus Wacker von Wackenfels vielfältig unterstützt. So leiht ihm Wacker von Wackenfels sein Fernrohr für nächtliche Beobachtungen, er versorgt ihn mit Büchern, und beide diskutieren über Galileis Entdeckungen. Kepler möchte sich zum Neujahrstag des Jahres 1611 nun mit einem Geschenk bedanken.
Auf seinem täglichen Spaziergang durch das winterliche Prag lösen sich alle Ideen für ein Geschenk in nichts auf, da Kepler über keine finanziellen Mittel verfügt.
Kepler schreibt:

Auf der Karlsbrücke schließlich wurde durch einen glücklichen Umstand Wasserdampf und Kälte zu Schnee und einige Schneeflocken fielen da und dort auf meinen Mantel, alle sechseckig und von gefächertem Aussehen.
das war die richtige Sache für einen Mathematiker, der nichts hat und nichts erhält, etwas zu überreichen, das vom Himmel
fällt und wie ein Stern aussieht.

Kepler machte sich also daran, für Wacker eine Abhandlung über die sechseckige Form von Schneekristallen anzufertigen. Wie seine
Arbeiten über die Planetengesetze enthält auch diese Schrift viele neue Gedanken.
Keplers Schrift für Wacker hatte den Titel „Strena Seu de Nive Sexangula“ (Neujahrsgeschenk, oder: Über die
sechseckige Schneeflocke“). Kepler ging in seinem Büchlein der Frage nach, warum Schneekristalle stets eine sechsfache Symmetrie aufweisen. Er schrieb:

Es muss einen bestimmten Grund geben, warum bei Einsetzen des Schneefalls die Anfangsformationen unverändert die Form eines sechseckigen Sternchens haben. Sollte es durch Zufall erfolgen, warum fallen sie dann nicht mit fünf oder sieben Ecken.

Und so wurde der Astronom und Mathematiker Johannes Kepler zum ersten Forscher, der Schneekristalle wissenschaftlich untersuchte.
Er war einer der Pioniere der Schneekristallforschung, und eine in seinen Studien zu diesem Thema formulierte Vermutung konnte erst über vierhundert Jahre später bewiesen werden. Und diese Vermutung wird uns in diesem Jahr nochmal begegnen. Lasst euch überraschen.

Mein Jahresrückblick 2023


Meine lieben,
und hier ist er, alle Jahre wieder, mein obligatorischer Jahresabschluss für 2023. Ein mal im Jahr müsst ihr diese Bauchpinselei ertragen…
Also los:

13.01. Freitag 13. und andere Kalenderspielchen

Das Jahr 2023 bescherte uns gleich im Januar einen Freitag, 13. Diese Gelegenheit nutzte ich, um eine Sendung über diverse Kalenderspielchen auf unserer BLAutoren-Lesebühne anzubieten. Man konnte sich mittels Teamtalk und Telefon aktiv an der Sendung beteiligen. Aber auch über das Internet und die Alexa war sie hörbar. Das ist äußerst selten, dass es vier unterschiedliche Zugänge gibt, um unseren Sendungen zu folgen. Dadurch wird das ganze unheimlich inklusiv. Für mich war es eine schöne Möglichkeit, mich mal wieder in derlei zu üben. Ich empfinde derlei deutlich schwieriger, als auf eine Bühne zu stehen. Es liegt mir mehr, die Rampensau zu spielen, als alleine in einem Raum in ein Mikrofon zu sprechen.
Ich bin wirklich sehr dankbar, dass ich im Arbeitskreis Blautor Mitglied sein darf, der mir so viele Möglichkeiten bietet, mich literarisch auszudrücken.
Da die Sendung zu groß für meine Mediathek ist, biete ich euch hier einen Download an.

20.01. Gespräch Sternwarte Singen Barrierefrei

Die Direktorin der Sternwarte Singen möchte ihre Sternwarte barrierefreier gestalten. Dazu führten wir ein wunderbares Gespräch.
Das führte uns schließlich weg von den Sternen zu einem ganz anderen spannenden Thema. Sie kennt ein sehr begabtes blindes Kind, das gerne Programmieren lernen möchte. Leider mussten wir feststellen, dass es z. B. von den Blindenschulen sehr wenig bis keine Angebote in diese Richtung gibt. Somit begann ich selbst zu recherchieren, probierte einiges aus und schnürte ein Programmierpaket für blinde Kinder. Das ist es eben mit der Astronomie. Sie ist inklusiv und führt sehr rasch zu anderen Themenfeldern, die noch beackert werden sollten. Ich bin dankbar, dass wir uns vernetzen konnten.

27.01. Gast auf dem Newsletter „Astro Briefing“

Es war mir eine große Ehre, für diesen Newsletter einen Artikel schreiben zu dürfen. Den Artikel könnt ihr in Astronomie ohne Sternensicht nachlesen.

18.02. Veröffentlichung meiner Vita, Buch und Blog in der Blindzeln-App

Wie schon oft erwähnt, bietet Blindzeln zahlreiche Möglichkeiten, sich zu präsentieren. In ihrer App sammeln sie diverse Themen darüber, was blinde Menschen so interessieren könnte. Dort gibt es eine Rubrik für Autor:innen, wo man neben seiner Vita auch Hinweise auf eigene Werke einstellen kann. Das ist wirklich eine schöne Plattform, die ihr euch mal anschauen solltet. Die App lohnt sich. Sie hält für alle spannendes bereit. Auch für nicht blinde Menschen…

17.03. Radiobeitrag Lokalradio Köln

Für dieses Kölner Lokalradio führte Chris aus unserem BLAutor-Kreis ein ganz wunderbares Interview mit mir. Ganz herrlich ist mir hier noch der wunderbare rheinische Dialekt des Moderators der Sendung in Erinnerung geblieben.

05.04. Fasten und Feiern mit den Sternen auf dem OVZ

Vor einigen Jahren schrieb ich mal einen Artikel zu Ostern über Toleranz und gegenseitigem Respekt. Da dieser alle Jahre wieder aktuell ist, nutzte ich die Gelegenheit, ihn auf unserer Blautor-Lesebühne als Vortrag anzubieten. Danach entstanden unter jenen, die life über Teamtalk oder das Telefon dabei waren lebhafte und sehr bereichernde Gespräche.
Die Sendung könnt ihr hier herunterladen.

11.04. Interview im Bürgerfunk bei Radio Neandertal

Tamara, ein weiteres Mitglied unseres wunderbaren Arbeitskreises führte mit mir für dieses Radio im Kreis Mettmann ebenfalls ein schönes Interview durch. Toll, wie wir uns alle so literarisch vernetzen, und uns gegenseitig unterstützen, dass jeder von uns bekannter wird.

25.04. Sendung, Der Blindnerd und die Friedensbewegung

Als der Krieg in der Ukraine ausbrach, verfasste ich einen biographischen Artikel über meine Mitarbeit in der Friedensbewegung der 80er und 90er Jahre. Dank eines Sponsors, der uns die GEMA-Gebühr für einen Monat bezahlte, hatten wir in diesem Monat die Möglichkeit, Lieder in unseren Sendungen zu veröffentlichen, die ansonsten Geld gekostet hätten. Und so nahm ich den Artikel, reicherte ihn mit Friedensliedern an und durfte eine schöne Sendung daraus erstellen. Dank an Blindzeln, die uns derlei ermöglichen.
Wegen der GEMA darf ich euch diese Sendung leider nicht anbieten, aber zum schriftlichen Artikel geht es hier lang.

06.06. Sternzeit im Deutschlandfunk

Ich dachte, ich sehe nicht richtig, als ich Anfang Mai eine Mail von Dirk Lorenzen des Deutschlandfunkes erhielt. Der macht seit ich denken kann die Sendung Sternzeit, die kurz vor den Nachrichten gesendet wird. Er entschied sich für das Thema, wie blinde Menschen das Weltall erleben. Es war mir eine unglaubliche Ehre, in dieser Sendung erwähnt unt zitiert zu werden. Deutschlandfunk ist schon eine Hausnummer.
Zur Sendung geht es hier lang.

12.06. Erscheinen von helfende Sternchen im Vollzeichen

Immer wieder bricht im Blindenwesen die Diskussion darüber aus, welchen Stellenwert die Punktschrift überhaupt noch hat, weil man doch heutzutage vieles auch mit Sprachausgabe sich vorlesen lassen kann. Erschreckend ist, dass diese Stimmen auch unter den Blinden- und Sehbehindertenpädagogen immer lauter zu tönen scheint. Auch im Zuge der inklusiven Beschulung ist es vielleicht den Lehrer:innen nicht immer möglich, auf die Entwicklung der Lese- und Schreibkompetenz blinder Schüler:innen zu achten. Die Deutsche Zentralbücherei zu Leibzig hat sich dieses Themas mit der Zeitschrift „Vollzeichen“ angenommen. Diese bietet vor allem für Menschen die spät erblindet sind Texte für Erwachsene an, anhand derer die Punktschrift erlernt und vertieft werden kann, denn die meiste Literatur, die das unterstützt, ist eher für Kinder geschrieben, da davon ausgegangen wird, das die Punktschrift als Kind erlernt wird. Tatsache ist aber, dass die meisten ihre Blindheit erst im Laufe ihres Lebens später erwerben. Es freut mich daher außerordentlich, dass die Redaktörin dieser Zeitschrift immer gerne mal wieder auf meinen Blog zurückgreift. Es ist schön, dass ich dort mit unterstützen darf, wo blinde Menschen ermutigt werden, sich mit der Punktschrift zu befassen. Wir wollen doch keine Analphabeten sein. Sich einen Text vorlesen zu lassen ist etwas anderes, als ihn selbst zu lesen. Genau wie schreiben etwas anderes ist, als zu sprechen. Und alle vier Fähigkeiten werden für eine gute Lese- und Schriftkompetenz gebraucht und letztlich auch, um kritisch denken zu lernen.

24.07. Artikel in Visus

Visus ist eine Zeitschrift, die vor allem Menschen mit Sehrestvermögen anspricht. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass ich mich dort mit meinem außergewöhnlichen Hobby auch mal endlich vorstellen durfte. Und so nahm ich meinen Artikel zu oben schon erwähnten Newsletter, bereitete ihn auf, und er wurde dann in der Print-Ausgabe veröffentlicht und für die Hörausgabe aufgelesen. Derlei kann vielen Mut machen, die vielleicht gerade mit einem Sehverlust zu kämpfen haben, wenn sie erfahren, dass das Leben auch ohne Sehvermögen sehr wertvoll sein kann. Dieses durfte ich schon mehrfach erleben, dass mir jemand erzählte, der gerade im Prozess der Erblindung sich befand, dass die Astronomie als Hobby ohne Sehen nun keinen Sinn mehr habe. Wenn so jemand dann am Ende meines Vortrages sagt „Es geht ja doch“, dann braucht es keine Worte mehr, und ich habe einen Klos im Hals….

19.09. Inklusionsstand auf dem Stadtfest Leistungsshow Neuburgweier

Auf diesem Fest präsentierte sich der Beirat für Menschen mit Behinderung, Rheinstetten, der Seniorenbeirat und der Verein „Wir sind Rheinstetten“ u. A. mit einem Rollstuhl-Parcours und zahlreichen anderen Stationen, wo man vieles unter der Augenbinde ausprobieren konnte. Gerade für meinen Heimartort Rheinsteten ist derlei sehr wichtig, da bei uns noch sehr vieles im argen liegt, was die Barrierefreiheit betrifft. Erwachsene interessierten sich für unseren Stand nur mäßig, aber wir hatten alle Kinder, um die hundert, die auf dem Fest waren, bei uns. Und das ist gut so, denn in unseren Kindern liegt die Zukunft. Und wenn die dann schon barrierefrei denken gelernt haben, ist vieles gewonnen.

30.09. Open Ear

Dieses musikalische Event rief der selbst sehbehinderte Sprecher des Beirates für Menschen mit Behinderung in Rheinstetten ins Leben. Vor einem Kaffee durften sich diverse Tanz- und Musikgruppen präsentieren. Der Erlös dieser Veranstaltung fließt dann stets einem guten Zweck zu. Den Opener sollte ich machen. was gar nicht so einfach war. Mein erster musikalischer Solo-Auftritt nach der Pandemie und allem. Ich hatte große Angst davor und wollte mich schon krank melden oder absagen. Ich war nach über drei Jahren einfach nicht mehr in der Übung, und außerdem stellte sich bei mir ein gewisses Unbehagen ein, mich unter so viele Menschen zu begeben. Derlei aber nun gar nicht mehr zu versuchen, war für mich irgendwie auch keine Option. Also wählte ich die Therapie der Konfrontation und stürzte mich in dieses Abenteuer. Und was soll ich sagen. Zwei, drei Griffe auf der Gitarre, zwei, drei Stöße in die Mundharmonika, die ersten gesungenen Töne, und ein Schalter legte sich um. Der Rampensau-Modus war wieder aktiv. Dieses Erlebnis hat mir sehr gut getan. Das Bewusstsein, dass die Pandemie mir diese Begabung nicht entreißen und zerstören konnte, war ein großer Sieg für mich und stärkte mein Selbstvertrauen.

01.10. Erscheinung unserer neuen Anthologie

Viele haben vielleicht die Werbung in unserem Adventskalender gesehen. Unser Arbeitskreis der Blautoren veröffentlichte seine zweite Anthologie „Abenteuerliche Anekdoten blind erlebt“. Dieses lesenswerte Buch öffnet in zahlreichen Geschichten mal eine ganz andere Sicht auf ein Leben mit einer Seheinschränkung.
Hier nochmal die Werbung aus dem Adventskalender.

Zwei Bücher hat unser Arbeitskreis gemeinsam verfasst. diese sollten in keinem Bücherregal fehlen.

  1. Abenteuerliche Anekdoten blind erlebt ist der Titel unserer neuen Anthologie, die im Oktober 2023 im Edition Paashaas Verlag als Taschenbuch und iBook auf dem Buchmarkt erschienen ist.
  2. Farbenfrohe Dunkelheit
    ist der Titel unserer mittlerweile zwei mal preisgekrönten ersten BLAutor-Anthologie, die 2022 im Edition Paashaas Verlag als Taschenbuch und iBook erschienen ist und als Hörbuch produziert wurde und bei den Hörbüchereien für blinde Menschen ausgeliehen werden kann.

Auch auf diesem Weg bietet BLAutor seinen Mitgliedern die Möglichkeit, ein eigenes Werk auf dem Buchmarkt zu präsentieren.
Mit dem Kauf dieser beiden Anekdoten unterstützen sie die Arbeit unseres Arbeitskreises.

Zunächst sah das gar nicht so gut aus mit dem Buch. Im August erhielten alle eine ärgerliche Mail des Verlages, dass das Thema verfehlt worden sei und, und, und. Leider wusste niemand, wer mit dieser Mail eigentlich gemein sein sollte. Aber einfach nichts zu tun, war für mich keine Option. Ich hatte zwei Beiträge für das Buch eingereicht, und wollte nicht auf mir sitzen lassen, dass diese Kritik vielleicht auch mich betraf. Somit schickte ich einfach zwei weitere Beiträge in der Hoffnung ein, dass mindestens einer davon den Nerv des Verlages treffen würde.
Nun kamen dann doch noch genügend Geschichten zusammen, die den Vorstellungen des Verlages entsprachen, denn das Buch erschien auf dem Buchmarkt. Aufgeregt und voller Spannung öffnete ich also das Ebook und suchte nach meinem Namen. Und was war das. Von mir wurden nicht einer, nicht zwei und nicht drei, sondern alle vier Beiträge, die ich vor und nach der Kritik einreichte veröffentlicht. Puh, dann hatte mich die Mail ja überhaupt nicht betroffen. Glück gehabt, dachte ich. Wie auch immer. Ich bin schon etwas stolz darauf, in diesem Buch so präsent sein zu dürfen. So schlecht waren meine Geschichten dann offenbar doch nicht.

11. Artikel in der Zeitschrift Sichtweisen

In den ganzen Jahrzehnten, in welchen ich jetzt so als Sternenonkel, wie mich manche Kinder nennen, unterwegs bin, ist es mir seltsamerweise nur relativ selten gelungen, mich über den Blinden- und Sehbehindertenverband zu präsentieren. Die Gründe dafür sind vielfältig. Um so mehr freute es mich, dass ich im November einen Artikel im größten Vereinsorgan des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, den Sichtweisen, platzieren durfte.
In der eigenen Community ist es leider manch mal so, wie mit dem Propheten, der im eigenen Land nichts gilt.
Nun ja, der Anfang ist ja jetzt getan.

12.11. Blind zu den Sternen Life im Radio Querfunk

Seit vielen Jahren gibt es in Karlsruhe das Freie Radio Querfunk
Ich habe mir vorgenommen, mich künftig dort mehr zu engagieren. Den Anfang durfte ich Mitte November mit einem Interview über „Blind zu den Sternen“ machen. Schon lange träume ich davon, mein Angebot auch auf ein Audio-Format auszudehnen. Dieser Wunsch könnte in Zusammenarbeit mit dem Radio Querfunk durchaus in Erfüllung gehen. Drückt mir die Daumen.

20.11. Artikel für die Litera

Sechs mal jährlich gibt Blautor für seine Mitglieder eine sehr umfangreiche Hörzeitschrift heraus, wo Geschichten, Gedichte, Lieder, Bücher und vieles mehr vorgestellt werden. Wenn diese Zeitschrift erscheint, ist das immer ein literarisches Highlight für mich und uns alle. Das Schreiben von Krimis, Gedichten oder sonstiger Belletristik ist nicht so meine Stärke. Ich kann irgendwie meistens nur Sterne und Weltall. Aber trotzdem wagte ich es diesmal, mich dort mit einem biographischen Artikel zur „Inklusion am Himmel“ zu zeigen, was sehr gut angenommen wurde.
Ihr hört hier:
Die Sonne geht uns alle an.

20.11. Die Weihnachtsmondfahrt für Litera

Zusätzlich zu den Litera-Ausgaben gibt es zum Jahresende immer nochmal eine Weihnachtsausgabe oben drauf. Dafür hatte ich diesmal eine passende Geschichte zur Weihnachtsmondfahrt von Apollo8. Grundlage für diese Sendung war ein Artikel,von Matthias, den ich vor vielen Jahren für diesen Blog frei aus dem Englischen übersetzen, anreichern und veröffentlichen durfte.
Diese Sendung mit original Apollo-Funkverkehr Download hier.

25.11. Inklusion am Himmel in Rheinstetten

Das absolute Highlight im letzten Jahr war mein Auftritt im Schulzentrum Rheinstetten. Endlich mal wieder mit den Sternen auf einer Bühne stehen und das gleich mit ungefähr 150 Besucher:innen.
Der Start war zunächst sehr holprig, weil mir unsere Schließanlage in unseren neuen Bürogebäude zunächst einen Strich durch die Rechnung machen wollte.
Ich fuhr mit einer sehenden Person vor dem Vortrag in mein Büro, um meine Rakete, meine Spaceshuttle, meine sonstigen Modelle, meine Bücher für den Bücherstand und natürlich mein Skript für den Vortrag, einzuladen.
Als ich nun meinen Dienstausweis unten an die Haustür hielt, ließ sich diese problemlos öffnen.
Oben bei der Abschlusstür zu unserem Flur erlebte ich dann die böse Überraschung. Meine Karte wurde abgelehnt und die Türe ließ sich nicht öffnen.
Was sollte ich jetzt tun. Ohne meine Modelle, mein Script und allem wäre der Vortrag unmöglich.
Ich rief meinen Arbeitskollegen an, der mir riet, den Sicherheitsdienst anzurufen. Das tat ich dann unten vor der Tür mit dem Telefon beim Kartenleser. Jetzt weiß ich wenigstens, wie dieses Telefon funktioniert. Bei zwei oder drei Nummern erhielt ich die Auskunft, ich riefe außerhalb der Bürozeiten an. Ein Sicherheitsdienst hat also Bürozeiten in denen offenbar etwas passieren darf, dachte ich. Derjenige, der mich gefahren hatte, suchte mittlerweile irgend einen Menschen, der vielleicht helfen könnte, ohne Erfolg.

Mir war mittlerweile schlecht vor Schreck. Was sollte ich mit dem Abend machen. Ein stockendes Notprogramm mit dem Laptop fahren? Vielleicht..
Zwei Zigaretten später hatte ich dann die Idee.
Ich hielt es zwar für unwahrscheinlich, aber es könnte doch sein, dass meine Karte an der Abschlusstür zur Forschergruppe funktioniert. In dem Fall käme ich dann anders herum durch das Haus zu meinem Büro.
Zum Glück funktionierte die Karte dort, und wir konnten meine Sachen einladen. Gott sei Dank hatten wir so viel Zeit eingeplant, dass die Stunde Verspätung nichts ausmachte.
Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung eine riesige Menge vorher organisiert werden muss. Von der Technik, Beleuchtung, Auf- und Abbau und Bewirtung werden viele helfende Hände gebraucht, ohne die ich so etwas mit meiner Einschränkung nicht durchführen könnte. Der Hausmeister der Schule musste Wochenenddienst schieben, und andere Personen mussten auch bezahlt werden.
Die Schüler:innen der Jahrgangsstufe 11 hatten den Getränkeverkauf organisiert.
Was soll ich sagen.
Dass mein Comeback nach der Pandemie mit so einem Schrecken starten musste, hätte ich mir anders gewünscht.

Als wir dann endlich die Sachen eingeladen hatten und an der Schule ankamen, gab es zunächst eine weitere Klatsche. Super Technik war vorhanden, aber niemand da, der sie bedienen konnte.
Später kam dann zum Glück ein Techniker dazu, der bei Radio Querfunk arbeitet. Beziehungen sind das halbe Leben.
Als der kam, durfte niemand mehr den Mischpult bedienen außer uns. Und dann lief die Audiotechnik und die Beleuchtung innerhalb von 20 Minuten. Eine viertel Stunde vor Beginn des Vortrages waren wir fertig.
Zum Glück arbeitete die Schulklasse, welche die Bewirtung organisierte völlig autark, so dass wir uns wenigstens darum nicht zu kümmern brauchten. Alles in allem war ich schon durch den Vorfall im Büro und alles so erledigt, dass ich nicht wusste, wie ich die drei Stunden durchhalten sollte. Ich war völlig durch den Wind.

Und dann ging das Licht aus, eine Musik ertönte, ich wurde angekündigt und musste raus, auf die Bretter, die die Welt bedeuten.
Und da war es so, als würde ein Tuch weg gezogen. Ich sprach die ersten Worte, und wusste. Heute Abend wird mir nichts anbrennen. Ich musste fast nichts nachlesen, außer die Geschichten aus meinem Buch natürlich. Alles andere flog mir zu. Sogar aktuelle Bezüge, die ich gar nicht im Skript hatte. Ich glaube, dass im ganzen Vortrag kein einziges „Äh“ vor kam.

In der Pause kamen dann sehr viele Fragen. Wenn man eine Pause macht, hat man den Vorteil, dass die Leute sich zu mir und meinen Modellen trauen, und ein Buch kaufen, und nicht weg rennen. Den Buchverkauf wickelte der Sprecher des Beirates für Menschen mit Behinderung Rheinstetten ab, so dass ich wirklich Zeit für die Besucher hatte.
Wir waren um 150 Personen, wie mir gesagt wurde.
Die weiteste Anreise nahmen einige aus Ulm auf sich. Es waren acht Schüler:innen einer Blindenschule aus Stuttgart mit einem Kleinbus und zwei Freizeitpädagogen gekommen.
Es war der Oberbürgermeister mit Familie da, und zwei Gemeinderäte auch.
Die Resonanz nach dem Vortrag war unglaublich. Ich werde im Dorf und in der Bahn und beim Bäcker darauf angesprochen.
Es war wirklich ein unglaubliches Erlebnis.
OK, der Anfang hätte so nicht sein müssen, aber andererseits hatte ich so kaum Zeit für Lampenfieber.
Einige sehende Besucher:innen hätten sich gerne Folien an der Wand gewünscht, denn es gab keine spektakulären Weltraumvideos und mehr zu sehen. Ich erklärte ihnen, dass ich mir ja das Konzept von „Blind zu den Sternen“ zerstören würde, wenn ich dann doch wieder Folien für die Augen an die Wand würfe. Dieses Argument löste dann in vielen ein Aha-Erlebnis und eine Erkenntnis aus. In diesem Sinne habe ich ja dann meine Mission erfüllt.
Das ganze fand dann mit Brot, Dosenwurst und vielen guten Tröpfchen ein sehr schönes Ende.
Ich danke ganz besonders dem Beirat für Menschen mit Behinderung und dessen Sprecher Andi, der mir diesen Vortrag überhaupt ermöglichte. Andi hatte die ganze Organisation in Händen.
Aber wir haben auch ein wunderbares Helfer- und Assistent:innen-Team beisammen, die stets helfen und bereit stehen. Ohne euch würde so etwas überhaupt nicht funktionieren.

01.12. Adventskalender auf Blindnerd und Blautor

Ihr habt es ja gesehen. im Dezember 2023 erschien wieder mein Blindnerd-Adventskalender, den ich komplett Frauen widmete. Erstmalig veröffentlichte und administrierte ich auch den literarisch-weihnachtlichen Adventskalender unseres Blautor-Arbeitskreises. So hatte ich auch in jedem meiner Türchen ein weihnachtliches Element und unsere Blautoren bekamen immer eine spannende Wissenschaftlerin zu lesen. Beide Kalender sind überkreuz verlinkt. Das war ein sehr großer Erfolg. In diesem Jahr planen wir wieder etwas ähnliches. Lasst euch überraschen. Wenn ihr die Kategorie Weihnachtspost öffnet, könnt ihr die Kalender auch jetzt noch einsehen.

2. Adventswochenende Freizeit

So spät, wie in diesem Jahr, hatten wir unsere Freizeit des Evangelischen Blinden- und Sehbehindertendienstes Baden noch nie. Mitten im Advent., Das war neu.
Nachdem wir in den vorigen beiden Jahren die Themen Wasser und Licht hatten, befassten wir uns auf dieser Freizeit mit allem, rund um Steine.
Hier ein Auszug aus der Einladung, damit ihr euch ein Bild von der Vielfältigkeit dieses Themas machen könnt. Der ausführliche Freizeitbericht ist noch nicht fertig.

In diesem Jahr dreht sich unsere Freizeit um das Thema „Steine“. Steine können einem in Wege liegen, aus Stein kann man sichere Häuser bauen, Steine kann man werfen, und Steine können sehr edel sein. Zu keiner Zeit, als der Weihnachtszeit wechseln so viele Edelsteine ihre Besitzer.
Petrus ist der steinerne Fels in der Brandung. Und Sisyphus, der alte Grieche hatte das Problem mit dem Stein, den er nicht auf den Berg rollen konnte. Wie gut tut es uns, wenn uns ein Stein vom Herzen rollt.
Es kommt sogar vor, dass es Steine vom Himmel regnet.
Und dass das weiche Wasser den Stein höhlen kann, stet für Geduld und schließt den Kreis zur Freizeit 2021, wo es um das Wasser ging.
Wir werden uns in Andachten, Vorträgen und Übungen all diesen Aspekten rund um Steine annehmen.

Abspann

So, meine lieben, das war er, mein Jahresrückblick 2023.
Ich hoffe, dass er euch etwas Freude bereitet hat.
Er war etwas länglich, aber das ist immer so. Übrigens habe ich mir fest vorgenommen, künftig kürzere Artikel zu verfassen. Bin gespannt, ob mir das immer gelingen wird.
Auf jeden Fall danke ich euch, die mich und den Blog das ganze Jahr über begleitet habt.
Ich wünsche für uns alle ein Jahr 2024, mit mehr Frieden, weniger Krisen und dass für alle das bereit hält, was wir am nötigsten brauchen.

In diesem Sinne grüßt euch

Euer Blindnerd.

Vierundzwanzigster Dezember des Blindnerd-Adventskalenders 2023

Meine lieben,

Lasst mich heute meinen Adventskalender 2023 diplomatisch schließen. Ich gebe den Heiligen Abend keiner einzelnen Frau, sondern befasse mich mit Entwicklungen von Frauen in der Wissenschaft.
Ich hoffe, dass Ihnen und euch dieser etwas andere Weihnachtskalender Freude bereitet hat.
Allen wünsche ich hiermit das beste zum Feste und ein gesundes, friedliches und erfolgreiches Jahr 2024.

Es tut sich was

Vor etwas über einem Jahr stellte die ESA ihr neues Astronaut:innen-Chor vor. Aus über 22000 Bewerber:innen wurden fünf Berufs- und fünf Reserve-Astronaut:innen ganz Europas ausgewählt. Was mich sehr daran freut ist, dass fast die Hälfte der neuen Astronaut:innen nun endlich Frauen sind. Und ja, es ist sogar einer mit körperlicher Einschränkung dabei.

Im Gegensatz

Bei der letzten Auswahl vor vierzehn Jahren war lediglich eine einzige Frau dabei, nämlich
Samantha Cristoforetti aus Mailand, Italien.
Im Podcast @Raumzeit von Tim Pritlove berichtet sie in Folge 11 über ihre Ausbildung zur Astronautin. In Folge 64 erzählt sie über ihren Aufenthalt auf der ISS.
Da hat bei der aktuellen Auswahl doch ein Umdenkprozess bei der ESA stattgefunden.

Etwas Historie

Hier ein kurzer Abriss zu Frauen im Weltall.
Die erste Frau im All war keine „weiße“ Amerikanerin, sondern Frau Walentina Tereschkowa, die 1962 im Rahmen des soviettischen Weltraumprogramms in eine Umlaufbahn um die Erde geschickt wurde. Bis heute ist sie übrigens die einzige Frau, die ohne männliche Begleitung flog.

Die zweite Frau im All war ebenfalls eine Kosmonautin, Swetlana Sawizkaja.

1983 startete die erste Amerikanerin ins all.
Sally Ride war die erste US-Amerikanerin im Weltraum und nach den Kosmonautinnen Walentina Tereschkowa und Swetlana Sawizkaja die dritte Frau, die einen Raumflug absolvierte.

Bei der letzten Auswahl von Astronaut*innen der NASA 2017 wurden immerhin schon fünf Frauen von zwölf Bewerber*innen ausgewählt. Das waren:

  1. Zena Cardman, U.S. Marine Corps Maj
  2. Jasmin Moghbeli, U.S. Navy Lt
  3. Kayla Barron
  4. Loral O’Hara
  5. Jessica Watkins

Hoffnung

Wie gut Frauen in den anderen Weltraum-Nationen im All repräsentiert sind, weiß ich nicht, aber man kann schon sehen, dass es ein langer Prozess war, bis erkannt wurde, dass das All nicht nur uns Männern gehört.
Und nun ist hier Europa auch angekommen.
Vieles hat die Raumfahrt voran getrieben. Und wenn sie sich nun auch an Gleichberechtigung und Inklusion beteiligt, kann das durchaus ein Umdenken in der Welt unterstützen, was diese Missstände betrifft.
Zu einem schönen Artikel, der die neuen Astronaut:innen vorstellt, geht es hier lang.

Und unsere heutige literarische Weihnachtsüberraschung ist ein absoluter Knaller.
Bitte dringend Lesen.

Dreiundzwanzigster Dezember des Blindnerd-Adventskalenders 2023

So, meine lieben, das vorletzte Türchen ist erreicht, in welchem eine einzelne Frau vorgestellt wird. Morgen gibt es natürlich auch Frauen, aber lasst euch überraschen.

Edith Clarke: Pionierin der Elektroingenieurinnen

Edith Clarke, geboren am 10. Februar 1883 in Howard County, Maryland, USA, war eine herausragende Elektroingenieurin und Pionierin auf ihrem Gebiet. Ihr Beitrag zur Elektroingenieurwissenschaft und ihre bahnbrechenden Arbeiten in einer von Männern dominierten Branche haben ihren Platz in der Geschichte der Technik fest verankert.
Clarke studierte Mathematik und Astronomie am Vassar College und schloss ihr Studium 1908 ab. Anschließend unterrichtete sie Mathematik, bevor sie sich entschied, eine Karriere in der Elektroingenieurwissenschaft zu verfolgen. Sie schrieb sich am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ein und erlangte 1919 als erste Frau einen Abschluss in Elektroingenieurwissenschaften.
Ihre bedeutendste Leistung war die Entwicklung einer grafischen Methode zur Lösung von Leitungs- und Netzwerkproblemen, die als Clarke-Diagramm bekannt wurde. Dieses Diagramm ermöglichte es Ingenieuren erstmals, komplexe elektrische Netzwerke zu analysieren und zu verstehen. Diese Innovation trug nicht nur dazu bei, die Effizienz von Elektrizitätstransportnetzen zu verbessern, sondern ebnete auch den Weg für die Entwicklung moderner Stromnetze.
Edith Clarke arbeitete einen Großteil ihrer Karriere bei General Electric (GE). Dort leistete sie Pionierarbeit auf dem Gebiet der elektrischen Leitungsübertragung und trug dazu bei, die Effizienz von Stromübertragungssystemen zu optimieren. Ihre

Veröffentlichungen und Patente unterstreichen ihre technische Brillanz und ihre Fähigkeit, innovative Lösungen für komplexe technische Probleme zu finden.

Neben ihren technischen Errungenschaften war Edith Clarke auch eine Wegbereiterin für Frauen in der Elektroingenieurbranche. Sie setzte sich für die Förderung von Frauen in der Wissenschaft ein und ermutigte sie, sich in technischen Disziplinen zu engagieren. Ihre eigene Erfolgsgeschichte diente als Inspiration für zukünftige Generationen von Frauen, die in der Technik Karriere machen wollten.

Edith Clarke erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihre Beiträge zur Elektroingenieurwissenschaft, darunter die Auszeichnung als Fellow des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE). Ihr Erbe lebt nicht nur in ihren technischen Innovationen weiter, sondern auch in der Ermutigung von Frauen, sich in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu engagieren.

Obwohl Edith Clarke 1959 verstarb, bleibt ihr Einfluss auf die Elektroingenieurwissenschaft und die Förderung der Gleichberechtigung in der Technikwelt unbestreitbar. Ihr Lebenswerk ist ein leuchtendes Beispiel für Entschlossenheit, Intelligenz und den Beitrag von Frauen zur technologischen Entwicklung.

Und nun geht es, wie immer auf unsere heutige Blautor-Weihnachtsgeschichte.

Zweiundzwanzigster Dezember

Meine lieben,
das drittletzte Türchen heute dreht sich natürlich wieder um eine Frau. Und zwar um eine, die zu einer Minderheit gehört, weil sie anderer Hautfarbe ist. Ja, es wurde vieles unternommen und erreicht, um Menschen in Minderheiten gleiche Rechte zu geben, aber lasst euch von mir, der in der Minderheit der Menschen mit Behinderung lebt sagen, dass es hier noch vieles zu tun gibt. Über derlei lässt sich ganz besonders in der Weihnachtszeit gut nachdenken.

Shirley Ann Jackson: Eine Pionierin der Wissenschaft und Bildung

Shirley Ann Jackson ist eine herausragende Persönlichkeit, die auf verschiedenen Gebieten der Wissenschaft und Bildung Bahnbrechendes geleistet hat. Als herausragende Physikerin, hochrangige Hochschuladministratorin und engagierte Verfechterin der Förderung von Frauen und Minderheiten in der Wissenschaft hat Jackson ihre Spuren in verschiedenen Bereichen hinterlassen.
Geboren am 5. August 1946 in Washington, D.C., wuchs Shirley Ann Jackson in einer Zeit auf, in der Frauen und insbesondere afroamerikanische Frauen in der Wissenschaft stark unterrepräsentiert waren. Trotzdem entwickelte sie früh eine Leidenschaft für Mathematik und Naturwissenschaften. Ihr außergewöhnliches Talent wurde früh erkannt, und sie erhielt ein Stipendium für herausragende Studenten, das es ihr ermöglichte, an der renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) zu studieren.
Ihre akademische Laufbahn führte Shirley Ann Jackson schließlich zur Kernphysik. Im Jahr 1973 erlangte sie als erste afroamerikanische Frau einen Doktortitel in Kernphysik am MIT. Ihre Dissertation befasste sich mit dem Thema „Theoretical Studies of the Electronic Structure of Substances.“ Dies markierte den Anfang einer beeindruckenden wissenschaftlichen Karriere.
In den folgenden Jahren machte Jackson bedeutende Fortschritte in der physikalischen Forschung. Sie arbeitete an verschiedenen renommierten Institutionen, darunter das Fermi National Accelerator Laboratory und das CERN in Genf. Ihre Arbeit trug wesentlich dazu bei, das Verständnis von Teilchenphysik und Quantenmechanik zu vertiefen.
Nach ihrer Zeit in der Forschung wechselte Shirley Ann Jackson in den Bereich der Hochschulverwaltung. Ihre Vision und Führungsfähigkeiten führten sie 1995 an die Spitze des Rensselaer Polytechnic Institute (RPI), wo sie zur Präsidentin ernannt wurde. Unter ihrer Leitung entwickelte sich die Hochschule weiter zu einem Zentrum für innovative Forschung und Bildung.
Eine der bemerkenswerten Initiativen von Jackson als Hochschuladministratorin war die Förderung von Vielfalt in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Sie setzte sich aktiv für die Rekrutierung und Unterstützung von Frauen und Minderheiten in diesen Disziplinen ein, um eine breitere Vertretung in der Wissenschaft zu ermöglichen.
Shirley Ann Jackson ist nicht nur eine herausragende Wissenschaftlerin und Hochschuladministratorin, sondern auch eine einflussreiche Persönlichkeit in verschiedenen Gremien und Organisationen. Sie hat mehrere bedeutende Auszeichnungen erhalten, darunter die National Medal of Science und die Vannevar Bush Award for Public Service.
Insgesamt hat Shirley Ann Jackson mit ihrem Engagement für Spitzenleistungen in der Wissenschaft, ihrer Förderung von Vielfalt und Gleichberechtigung sowie ihrer erfolgreichen Hochschulverwaltung einen bleibenden Einfluss hinterlassen. Ihre Lebensgeschichte dient als Inspiration für zukünftige Generationen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, insbesondere für Frauen und Angehörige von Minderheiten, die ihre Träume in der Welt der Wissenschaft verfolgen möchten.

Und wie immer, darf auch unsere Weihnachtsgeschichte nicht fehlen.

Einundzwanzigster Dezember des Blindnerd-Adventskalenders 2023

Meine lieben,
wie schön ist es doch, wenn man auch noch kurz vor Weihnachten etwas neues lernen darf. Unsere heutige Wissenschaftlerin befasste sich mit etwas, wo von ich noch nie etwas gehört habe, und wenn, dann wusste ich nicht im Ansatz, was das gewesen sein soll. Nicht, dass ich ihren Forschungsgegenstand jetzt verstanden hätte, aber vielleicht reicht mein Halbwissen ja jetzt wenigstens für eine Party-Klugscheißerei. Wir werden sehen.

Chien-Shiung Wu: Die vergessene Heldin der Physik

Chien-Shiung Wu, geboren am 31. Mai 1912 in Shanghai, China, war eine herausragende Physikerin, die maßgeblich zum Verständnis der Kernphysik beigetragen hat. Obwohl sie während ihrer Karriere zahlreiche bedeutende Entdeckungen gemacht hat, bleibt ihr Name oft im Schatten ihrer männlichen Kollegen. Dieser Artikel würdigt das beeindruckende Erbe von Chien-Shiung Wu und ihre entscheidende Rolle in der Welt der Wissenschaft.

Chien-Shiung Wu zeigte schon früh eine außergewöhnliche Begabung für Mathematik und Naturwissenschaften. Ihre akademische Laufbahn begann sie an der Nationalen Zentraluniversität in Nanking, wo sie Physik studierte. Nach ihrem Bachelorabschluss im Jahr 1934 setzte sie ihre Studien in den Vereinigten Staaten fort und erwarb 1936 ihren Masterabschluss an der University of Michigan. Später promovierte sie an der University of California, Berkeley, und begann ihre Forschungstätigkeit im Bereich der Kernphysik.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Chien-Shiung Wu Teil des berühmten Manhattan-Projekts, das sich mit der Entwicklung der Atombombe befasste. Ihre Arbeit trug wesentlich dazu bei, die Uran-Isotope zu trennen und somit die Grundlage für die spätere Herstellung von Plutonium zu legen. Wu spielte eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Methoden zur Massenspektrometrie, die die Analyse von Isotopen ermöglichten.

Chien-Shiung Wu erlangte weltweite Anerkennung durch ein Experiment, das als das „Wu-Experiment“ bekannt wurde. In den 1950er Jahren arbeitete sie mit Kollegen an der Columbia University an Experimenten zur Paritätsverletzung in der schwachen Wechselwirkung. Ihre Arbeit trug dazu bei, eine grundlegende Lücke im Verständnis der Physik zu schließen. Das Wu-Experiment widerlegte die Annahme, dass die schwache Wechselwirkung die Parität, eine Symmetrieoperation, erhält. Dies war eine bahnbrechende Entdeckung, die später mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Trotz ihrer beeindruckenden Leistungen erhielt Chien-Shiung Wu nie den Nobelpreis. Dies führte zu Kontroversen und Diskussionen über die Rolle von Frauen in der Wissenschaft und die Ungleichheiten, denen sie gegenüberstehen. Wu selbst äußerte sich selten zu diesen Fragen, konzentrierte sich jedoch weiterhin auf ihre Forschung und ihre Lehrtätigkeiten.

Chien-Shiung Wu hat einen unverkennbaren Beitrag zur Physik geleistet und zahlreiche Hürden überwunden, die Frauen in der Wissenschaft oft im Wege stehen. Ihr Vermächtnis lebt in den wissenschaftlichen Entdeckungen fort, die sie ermöglicht hat, und in der Inspiration, die sie für kommende Generationen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern darstellt. Es ist an der Zeit, die vergessene Heldin der Physik gebührend zu würdigen und ihr einen Platz im Pantheon der Wissenschaft zu geben.

So, und nach dieser vielen Theorie, stimmen wir uns literarisch langsam auf den Heiligen Abend ein.

Zwanzigster Dezember des Blindnerd-Adventskalenders 2023

Meine lieben,
auch die heutige Frau befasst sich mit einer Wissenschaft, in welcher ich mich so überhaupt nicht auskenne. Aber was sie entdeckte ging durch alle Medien, und lieferte erheblichen Diskussionsstoff in Wissenschaft, Philosophie, Ethik und Religion. Es ist vermutlich mal wieder so eine Entdeckung, die, wie so vieles Fluch und Segen gleichzeitig ist.

Jennifer Doudna ist eine renommierte Biochemikerin und Molekularbiologin, die für ihre bahnbrechenden Beiträge zur Gentechnik und Genom-Editierung bekannt ist. Geboren am 19. Februar 1964 in Washington, D.C., hat Doudna eine beeindruckende Karriere in der Wissenschaft hinter sich.
Doudna erwarb ihren Bachelor-Abschluss in Biochemie an der Pomona College und promovierte dann in Biochemie und Molekularbiologie an der Harvard University. Ihre Forschung konzentrierte sich auf die Struktur und Funktion von RNA-Molekülen, insbesondere auf Ribozyme, die katalytische RNA-Spezies.
Ein bedeutender Meilenstein in Doudnas Karriere war ihre Zusammenarbeit mit Emmanuelle Charpentier, einer französischen Mikrobiologin. Gemeinsam entwickelten sie die bahnbrechende CRISPR-Cas9-Technologie, eine Methode zur gezielten Genom-Editierung. Diese Technologie ermöglicht es, Gene präzise zu verändern, zu reparieren oder zu entfernen und hat das Potenzial, zahlreiche Anwendungen in der Medizin, Landwirtschaft und Biotechnologie zu revolutionieren.
Die CRISPR-Cas9-Technologie hat bereits dazu beigetragen, Fortschritte in der Gentherapie, der Erforschung genetischer Krankheiten und der Entwicklung von resistenten Pflanzen in der Landwirtschaft zu erzielen. Der Durchbruch von Doudna und Charpentier führte zu zahlreichen Auszeichnungen und Anerkennungen, darunter der Nobelpreis für Chemie im Jahr 2020.
Jennifer Doudna ist nicht nur eine herausragende Wissenschaftlerin, sondern auch eine engagierte Verfechterin der ethischen Anwendung von Genom-Editierung. Sie hat sich aktiv an Diskussionen über die ethischen Implikationen und den verantwortungsbewussten Einsatz dieser Technologie beteiligt.
Als Professorin für Molekular- und Zellbiologie sowie Chemie an der University of California, Berkeley, setzt sich Doudna weiterhin für die Ausbildung und Förderung von Wissenschaftlern ein. Ihr Beitrag zur Wissenschaft und ihre Fähigkeit, komplexe Forschungsergebnisse einem breiten Publikum zugänglich zu machen, haben sie zu einer inspirierenden Figur in der wissenschaftlichen Gemeinschaft gemacht.
Insgesamt hat Jennifer Doudna durch ihre wegweisenden Arbeiten in der Genom-Editierung und ihre engagierte Haltung gegenüber ethischen Fragen einen bedeutenden Einfluss auf die moderne Biowissenschaft und die Gesellschaft als Ganzes ausgeübt.

Undn nun darf auch heute unser literarisches Leckerli nicht fehlen.

Neunzehnter Dezember des Blindnerd-Adventskalenders 2023

Meine lieben,
noch nie habe ich vorher von dieser Frau gehört, aber als ich es tat, war ich sofort begeistert. Die muss einfach rein in den Adventskalender.

Rachel Carson: Pionierin der Umweltbewegung
Rachel Carson, geboren am 27. Mai 1907 in Springdale, Pennsylvania, und gestorben am 14. April 1964 in Silver Spring, Maryland, war eine herausragende Meeresbiologin, Naturforscherin und Verfasserin, die als eine der Wegbereiterinnen der modernen Umweltbewegung gilt. Ihr bahnbrechendes Werk „Silent Spring“ (1962) hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf die Umweltdebatte und trug maßgeblich zur Gründung der Umweltschutzbewegung bei.
Die frühen Jahre:
Rachel Carsons Interesse an der Natur wurde bereits in ihrer Kindheit geweckt. Sie studierte Biologie an der Pennsylvania College for Women (heute Chatham University) und erwarb später einen Master-Abschluss an der Johns Hopkins University. Ihr Weg führte sie in die Welt der Meeresbiologie, wo sie sich auf marine Lebensformen spezialisierte.
Meilensteine in der Karriere:
Carson begann ihre berufliche Laufbahn beim U.S. Bureau of Fisheries und schrieb erste Artikel über Meeresbiologie. Ihr erstes Buch, „Under the Sea-Wind“ (1941), erntete bereits Anerkennung, aber es war „The Sea Around Us“ (1951), das sie weltweit bekannt machte. Das Buch gewann den National Book Award und verbrachte Wochen auf der Bestsellerliste der New York Times.
Silent Spring:
Carsons bahnbrechendes Werk, „Silent Spring“, rüttelte die Welt auf. Das Buch prangerte die Auswirkungen von Pestiziden, insbesondere DDT, auf die Umwelt an. Carson warnte vor den Folgen des exzessiven Einsatzes chemischer Pestizide und argumentierte überzeugend für einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt. Ihre klare Sprache und die kritische Analyse beeindruckten Leser und schockierten gleichzeitig durch die Enthüllung der Umweltauswirkungen.
Ein Vermächtnis:
Trotz heftiger Kritik von Teilen der Chemieindustrie führte „Silent Spring“ zu einer verstärkten öffentlichen Sensibilisierung für Umweltfragen. Die Umweltschutzbewegung gewann an Schwung, und es wurden Gesetze erlassen, die den Einsatz von gefährlichen Chemikalien regulieren sollten.
Rachel Carson erlag 1964 einem Krebsleiden, doch ihr Erbe lebt weiter. Ihr Einfluss auf die Umweltbewegung ist unbestreitbar, und sie wird als Vorreiterin des Umweltschutzes und als Stimme für die Natur in Erinnerung bleiben. Zahlreiche Naturschutzgebiete und Umweltorganisationen tragen ihren Namen und setzen ihr Werk fort. Rachel Carson hat die Welt nicht nur durch ihre Forschung, sondern auch durch ihre unerschütterliche Überzeugungskraft und ihren klaren Verstand nachhaltig geprägt.

Und nun kommt noch die Weihnachtsgeschichte

Achtzehnter Dezember des Blindnerd-Adventskalenders 2023

Meine lieben,
im Artikel zum 18. Dezember würdigen wir eine Frau, die sich wissenschaftlich mit dem „Funkeln“ der Sterne befasste. Das meiste Funkeln hier auf Erden entsteht zwar durch die Bewegung unserer Atmosphäre, aber es gibt tatsächlich Sterne, die periodisch ihre Helligkeit verändern. Unsere Sonne tut das auch, aber für uns nicht sichtbar.

Henrietta Swan Leavitt, geboren am 4. Juli 1868 in Lancaster, Massachusett, gestorben am 12. Dezember 1921 in Cambridge, Massachusetts war eine US-amerikanische Astronomin. Sie entdeckte 1912 die Perioden-Leuchtkraft-Beziehung, das heißt den Zusammenhang zwischen der absoluten Leuchtkraft der Sternklasse der Cepheiden (Helligkeitsveränderliche Sterne) und deren Perioden unterschiedlicher Helligkeit. Sie legte damit den Grundstein zur Verwendung der Cepheiden als Standardkerzen, um zunächst Entfernungen zu nahe gelegenen Galaxien bestimmen zu können.
Ich finde es äußerst bemerkenswert, dass es einen zuverlässigen Zusammenhang zwischen der Periode in welcher so ein Stern heller und dann wieder dunkler wird und der absoluten Helligkeit gibt. Somit eignet sich dieser Zusammenhang tatsächlich zur Entfernungsbestimmung, denn die Helligkeit konnte man schon ganz gut messen, und wenn man jetzt noch die „Blink-Periode“ betrachtet, dann klappt das mit der Entfernungsbestimmung schon ganz gut.

Levitts Methode reicht bis zu einer Entfernung von 20 Millionen Lichtjahren. Bevor Levitt diese Beziehung bemerkte, benutzten Astronomen Parallaxe und Triangulation die bis zu einigen hundert Lichtjahren benutzt werden können. Unsere Galaxie, die Milchstraße, ist aber schon 105700 Lichtjahre groß. Für das Messen von größeren Entfernungen benutzt man auch die maximale Masse von weißen Zwergen. Das ist aber eine andere Geschichte…

Für Astronomie interessierte sie sich bereits schon in der Schule. Durch eine Krankheit wurde sie fast vollkommen taub. Trotzdem bekam sie 1895 am Harvard College Observatory eine Volontärstelle, und sieben Jahre später wurde ihr eine feste Anstellung angeboten (für 30 Cent die Stunde). Dort beobachtete und katalogisierte Leavitt veränderliche Sterne, allein 1904 konnte sie 172 veränderliche Sterne in der großen und 59 in der kleinen Magellanschen Wolke entdecken. Ihre Beobachtungen musste sie auf die Auswertung von Fotografien beschränken, weil Frauen der Gebrauch des Teleskops verboten war.
Interessant ist an dieser Stelle, dass der gehörlose Astronom John Goodricke sich mit ganz ähnlichen Dingen beschäftigte. Die beiden konnten sich nicht gekannt haben.
Über ihn schrieb ich in meinem Buch in „Wissenschaftler mit vier Sinnen“.
Ein Jahr darauf berichtete sie von 843 neuen veränderlichen Sternen in der kleinen Magellanschen Wolke. 1912 entdeckte Leavitt die Perioden-Leuchtkraft-Beziehung bei Cepheiden.
1913 gelang dem Astronomen, Ejnar Hertzsprung dann die Bestimmung der Entfernung einiger Cepheiden der Milchstraße, womit die Entfernung zu allen Cepheiden kalibriert werden konnte. Als 1920 durch Edwin Hubble Cepheiden identifiziert wurden, die Millionen Lichtjahre entfernt lagen, wies er mit Hilfe des Modells von Leavitt nach, dass es sich dabei um Sterne in anderen Galaxien wie in der Andromedagalaxie handelte. Auch konnten erstmals Entfernungen zwischen verschiedenen Galaxien bestimmt werden. Vor diesen Entdeckungen konnte man nur mit Entfernungen bis zu 100 Lichtjahren rechnen, danach stellten Distanzen bis zu 10 Millionen Lichtjahren kein Problem mehr dar.
In all den Jahren der Beobachtung des Sternenhimmels konnte Leavitt vier Novae beobachten und über 2400 neue veränderliche Sterne entdecken. Außerdem entwickelte sie eine neue photographische Messtechnik, die 1913 internationale Anerkennung fand und unter dem Namen Harvard-Standard bekannt ist.
Henrietta Swan Leavitt gilt als Pionierin der Wissenschaft, und das nicht nur, weil sie eine der wenigen und ersten Frauen in höheren Wissenschaften war. Sie war Mitglied in diversen Verbindungen wie

  • Phi Beta Kappa, der American Association of University Women,
  • der American Astronomical and Astrophysical Society,
  • der American Association for the Advancement of Science
  • und ein Ehrenmitglied der American Association of Variable Star Observers.

1921 starb Henrietta Swan Leavitt an Krebs. Zu ihren Ehren tragen der 1973 entdeckte Asteroid (5383) Leavitt und ein Mondkrater (Mondkrater Leavitt) ihren Namen. In Unkenntnis ihres Todes erwog der schwedische Mathematiker Gösta Mittag-Leffler 1925, Leavitt für einen Nobelpreis vorzuschlagen. Da dieser jedoch nicht postum verliehen wird, ging sie letztlich leer aus.

Und nun geht es wie immer zum Schluss zu unserer literarischen Weihnachtsgeschichte.