Sterne für Alle – Astronomie und die Arbeiterbewegung


Seid herzlich gegrüßt.

Am Tag der Arbeit, wenn weltweit Menschen für bessere Lebensbedingungen, Gerechtigkeit und Teilhabe eintreten, richtet sich der Blick meist auf Fabriken, Straßen und politische Forderungen. Doch es lohnt sich, den Blick ein Stück weiter zu heben – hinauf zum Himmel.
Denn auch die Astronomie erzählt eine Geschichte von Teilhabe. Eine Geschichte davon, wie Wissen seinen Weg aus elitären Zirkeln hinaus in die Hände vieler fand. Eine Geschichte, die überraschend gut zum 1. Mai passt.

Der Himmel gehört nicht nur den Reichen

Noch im 19. Jahrhundert war Astronomie ein Privileg. Große Teleskope standen in den Gärten von Fürsten, Universitäten oder wohlhabenden Privatgelehrten. Wer in den Himmel schauen wollte, brauchte Zugang und der war streng begrenzt.
Mit der entstehenden Arbeiterbewegung änderte sich das langsam.
Arbeiterbildungsvereine begannen, Vorträge über Naturwissenschaften anzubieten. Nicht nur über Maschinen oder Chemie, sondern auch über die Sterne. Der Himmel wurde zu einem Ort der Bildung – und Bildung wiederum zu einem Mittel der Befreiung.
Beispiele hierfür sind
der Leipziger Arbeiterbildungsverein
Einer der frühesten und einflussreichsten Vereine (gegründet 1848).

  • bot Vorträge über Naturwissenschaften, Politik und Technik
  • organisierte Bibliotheken für Arbeiter
  • Astronomie war Teil der „populären Wissenschaften“, die bewusst niedrigschwellig vermittelt wurden

👉 Gerade hier wurde der Gedanke geprägt: Bildung ist kein Luxus, sondern ein Recht.
Ein weiteres Beispiel ist
der Berliner Arbeiterbildungsverein

  • enge Verbindung zu frühen sozialdemokratischen Strukturen
  • Vorträge über „Weltbilder“ – oft mit astronomischen Inhalten
  • Diskussionen über das heliozentrische Weltbild als Symbol für wissenschaftliches Denken

Astronomie war hier nicht nur Wissen, sondern auch ein Gegenentwurf zu religiösen oder autoritären Weltbildern.
In diesem Zusammenhang entstanden auch viele Volkssternwarten.
Ein besonders schönes Beispiel ist die Archenhold-Sternwarte in Berlin. Sie wurde bewusst als Volkssternwarte konzipiert. Kein abgeschotteter Elfenbeinturm, sondern ein Ort, an dem jeder Mensch durch ein Fernrohr schauen konnte.
Der Gedanke dahinter war radikal einfach:
Wissen gehört allen. Auch der Blick ins All.

Ohne Arbeiter keine Sterne

Astronomie wirkt oft wie eine stille Wissenschaft; ein Mensch, ein Teleskop, ein weiter Himmel. Doch dieser Eindruck täuscht.
Hinter jedem Blick durch ein Fernrohr steckt Arbeit:

  • geschliffene Linsen und Spiegel
  • feinmechanische Montierungen
  • präzise Uhren zur Zeitmessung
  • Infrastruktur wie Eisenbahn und Telegrafie

All das entstand durch die Hände von Arbeitern, Technikern und Handwerkern.
Doch selbst innerhalb dieser „unsichtbaren Arbeit“ gab es Ungleichheiten – und gibt sie zum Teil bis heute.
Ich widme diesen „Ungleichheiten jährlich Artikel. Sie gehören zum ersten Mai unbedingt dazu:

Unsichtbare Arbeiterinnen des Himmels

Ein oft übersehener Teil der Astronomiegeschichte sind die Frauen, die wesentlich zur Entwicklung der Wissenschaft beigetragen haben und dennoch lange im Schatten standen.
Ende des 19. Jahrhunderts arbeiteten am Harvard-Observatorium zahlreiche Frauen als sogenannte „Computer“. Eine von ihnen war Annie Jump Cannon, die maßgeblich an der heute noch verwendeten Klassifikation von Sternspektren beteiligt war.
Auch Henrietta Swan Leavitt entdeckte die Beziehung zwischen der Helligkeit und der Periodendauer von Cepheiden – eine Grundlage für die Entfernungsbestimmung im Universum.
Und doch wurden diese Frauen schlechter bezahlt, hatten weniger Anerkennung und oft keinen Zugang zu Teleskopen. Sie analysierten Daten, während andere die Beobachtungen durchführten und den Ruhm erhielten.

Noch in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts zeigte Susan Jocelyn Bell Burnel, dass diese Muster von Ungleichheiten bis heute noch nicht überwunden sind.
Sie entdeckte die ersten Pulsare, doch der Nobelpreis ging an ihren Doktorvater.
Und vergessen wir bitte nicht: Ohne die sog. Rechnerinnen wären wir niemals zum Mond gekommen.
Diese Geschichten sind keine Randerscheinungen in der Wissenschaft. Sie zeigen:

  • Auch in der Wissenschaft gab und gibt es eine Art Arbeiterklasse – und viele von ihnen sind Frauen.
  • Bis heute sind Frauen in Astronomie und anderen Wissenschaften unterrepräsentiert, insbesondere in Führungspositionen.
  • Strukturelle Hürden, ungleiche Bezahlung und fehlende Sichtbarkeit wirken nach.

Der 1. Mai erinnert deshalb nicht nur an Fabrikarbeiter – sondern auch an all jene, die im Hintergrund arbeiten, rechnen, auswerten und entdecken, ohne die Anerkennung zu bekommen, die sie verdienen.

Unter demselben Himmel

Wer in den Nachthimmel schaut, sieht keine Grenzen, Keine Länder, Keine Klassen, Keine Unterschiede zwischen Arm und Reich.
Diese Perspektive erinnert an das, was später unter dem Begriff Pale Blue Dot bekannt wurde: die Erde als winziger, zerbrechlicher Punkt im Kosmos.

Für die Arbeiterbewegung, die von Anfang an internationale Ideen trug, war das kein fremder Gedanke. Menschen in verschiedenen Ländern kämpfen vielleicht unter unterschiedlichen Bedingungen, aber sie leben unter demselben Himmel.

Sogar Denker wie Karl Liebknecht betonten, dass Bildung der Schlüssel zur Freiheit sei. Und zur Bildung gehörte immer auch das Verständnis der Natur – und damit des Universums.
Der Blick ins All kann also etwas lehren, das über Physik hinausgeht:
Er macht uns bescheidener – und gleichzeitig verbundener.

Vom Arbeiter zum Kosmonauten

In der damaligen Sowjetunion wurde die Raumfahrt bewusst als kollektive Leistung inszeniert. Nicht das Genie allein, sondern das Zusammenspiel vieler sollte den Weg ins All ermöglichen.
Als Juri Gagarin 1961 als erster Mensch die Erde umrundete, wurde er nicht nur als Held gefeiert, sondern auch als Sohn einfacher Verhältnisse. Ein Arbeiterkind, das die Grenzen der Erde hinter sich ließ.
Das war mehr als Propaganda. Es verkörperte die Vision, Dass Fortschritt nicht nur wenigen gehört, sondern von vielen getragen wird, und vielen zugutekommt.

Sterne, Freiheit und Würde

Der 1. Mai erinnert uns daran, dass Würde, faire Arbeit und Teilhabe keine Selbstverständlichkeiten sind. Sie mussten erkämpft werden, und werden es noch immer.
Die Astronomie erzählt eine parallele Geschichte.
Eine Geschichte davon, wie Wissen geöffnet wurde. Wie Menschen, die einst ausgeschlossen waren, Zugang zu den Sternen bekamen. Wie der Himmel vom Symbol der Ferne zu einem Ort der gemeinsamen Neugier wurde.

Und sie erinnert uns auch daran, dass dieser Weg nicht für alle gleich verlief und bis heute nicht vollständig abgeschlossen ist.
Vielleicht liegt gerade darin eine stille Verbindung:

Während Menschen am 1. Mai für ihre Rechte eintreten, spannt sich über ihnen ein Himmel, der niemandem gehört – und gerade deshalb allen.

Mein Wunsch für den heutigen Tag der Arbeit

In diesem astronomischen Sinne wünsche ich mir, dass vor allem die Partei, der auch ich angehöre, die SPD, sich wieder mehr für ihre „Arbeiter:innen“ einsetzt, die sie in den letzten Jahren durch Vernachlässigung an andere Parteien verloren hat, die man besser nicht in einer Regierung sehen möchte.
Liebe Genossinnen und Genossen, besinnen wir uns mal wieder auf unsere Wurzeln und unsere Entstehungsgeschichte und setzen wir uns wieder für das ein, was man eine moderne Sozialdemokratie nennen kann.

Kalendergeschichten


Seid herzlich gegrüßt.
Unsere liebe Eva, die Ihr alle von ihren wunderbaren Kommentaren kennt, hat einen besonderen Spaß daran, für jeden Kalendertag Highlights im Wesentlichen aus Astronomie und Wissenschaft, heraus zu suchen.
Ihr Ergebnis schickt sie mir dann immer, und wir tauschen uns darüber aus.
Das ist manchmal viel zu lesen, aber immer sehr spannend. Andererseits ist es aber zu wertvoll, als dass nur ich diese Ernte habe, und ihr habt nichts von dieser geistigen Nahrung.
Also geht es darum, einen Kompromiss zu finden, der euch nicht überlastet und der noch schön zu lesen ist. Eine Auflistung von Ereignissen wäre ja auch nicht zielführend. So war Geschichtsunterricht früher in der Schule, leider..
Es ist ja auch so, dass nicht alle vermeintlichen Ereignisse, die irgendwann mal zu einem gleichen Datum stattgefunden haben, zusammen passen, ohne dass ihre Gemeinsamkeit an den Haaren herbeigezogen wirkt.
Lasst Eva und mich heute mal einen Testballon steigen, in welchem wir aus einigen Ereignissen der beiden April-Wochen, eine Geschichte machen.
Eine etwas ungewöhnliche Leseerfahrung mag hierbei für manche sein, dass wir manchmal im Kalender vor und zurück springen.
Würden wir uns an die Reihenfolge der Kalenderdaten halten, dann passt die Historie nicht. Von daher gehen wir den Kompromiss ein und leben mit dieser leichten Unruhe im Lesefluss.
Vielleicht finden wir ja auch noch eine bessere Vorgehensweise.
Wenn euch das Format gefällt, würden wir das eventuell einmal im Monat anbieten.
Lasst es mich in den Kommentaren wissen. Kritik und natürlich vor allem Lob sind herzlich willkommen.
Jetzt aber genug des Vorgeplänkels.
Seit es Menschen gibt, heben sie die Augen zum Himmel, um Sterne, Sonne und Mond zu beobachten.
Das war nicht nur Spielerei. Sirius zeigte die Nilflut an, Nach dem Mond wurden Feste berechnet, und vieles mehr. Vor allem, wenn etwas nicht so am Himmel lief, wie normal, wurde es spannend, da solche Ereignisse oft mit schlimmen bevorstehenden Dingen, wie z. B. verlorene Kriege etc. in Verbindung gebracht wurden.
Wir erinnern uns. Die beiden chinesischen Hofastronomen Hi und Ho, fanden den Tod, weil sie im Suff vergaßen, eine Sonnenfinsternis vorauszusagen.
Auf jeden Fall ist für den 07.04.378 v. Chr. eine Mondfinsternis dokumentiert.
Für diesen Tag protokollierten babylonische Astronomen eine totale Mondfinsternis, die aufgrund der Angaben im Keilschrifttext genau zu datieren war. Die Mondfinsternis fiel in ein Schaltjahr des babylonischen Kalenders und begann in Babylonien am 6. April 378 v. Chr. gegen 22:00 Uhr (partielle Phase).
Auch in Mitteleuropa wurde schon 1600 Jahre vor Christus der Mond und die Plejaden beobachtet, wie wir dank der Himmelsscheibe von Nebra wissen.
Na gut. Ihr ahnt wohl schon, dass aktuelle Ereignisse den roten Faden dieses April-Artikels bilden.
Am Anfang war das Wettrennen zwischen den USA und den Soviets. Betrachten wir also die wichtigsten Meilensteine des Aprils.

Der erste Mensch im All war Juri Gagarin. 
Das war ein dramatischer erneuter Rückschlag für die USA. Immerhin hatten die Russen zu der Zeit vorher auch schon alle möglichen Lebewesen ins Weltall geschickt. Natürlich war dieser Erfolg dann auch ein gutes Propaganda-Mittel für das kommunistische System, aber das wäre für den Fall, dass die USA vorne gewesen wären, auch kaum anders gewesen. Auf jeden Fall kann man sagen, dass extrem hoch gepokert wurde. Dieser erste Flug war ein Pannenflug. Vor allem, als beim Wiedereintritt sich die Kapsel nicht vom Rest abtrennen wollte, begann das Schiff zu taumeln und hätte sehr leicht verbrennen können.
Nichts desto Trotz. Die Tür zum All war aufgestoßen. Von wem, ist ja letztlich nicht so wichtig.
Die Amerikaner und Russen machten also weiter. Beide wollten zum Mond.

Und so wählte die NASA am 9.4.1959  die ersten sieben Mercury-Astronauten aus und stellte sie der Weltöffentlichkeit vor.
Es handelt sich um Alan Shepard, Gus Grissom, John Glenn, Scott Carpenter, Walter Schirra, Deke Slayton und Gordon Cooper.
Das ist tatsächlich ein spannender Unterschied zur Präsentation der russischen Kosmonauten. Was man mit Gagarin vor hatte, war streng geheim. Nicht mal seine Familie wusste, was er tun würde. Selbiges galt natürlich auch für seinen Ersatzmann und andere.
Das Mercury-Programm klärte die grundlegenden Fragen der bemannten Raumfahrt:

  • Kann ein Mensch im All überleben und arbeiten?
  • Funktioniert Steuerung im Orbit?
  • Ist ein sicherer Wiedereintritt möglich?
  • Wie reagiert der Körper auf Schwerelosigkeit?

Die Antworten waren entscheidend für die nächsten Programme:
Gemini-Programm und später Apollo-Programm.
Und genau dieses Apollo-Programm startete mit einer tragischen Katastrophe. 
Die Raumkapsel sollte am 27.1.1967 am Erdboden getestet werden. Und da brach plötzlich ein Feuer aus, bei welchem alle drei Astronauten ihr Leben verloren. Die Luke ließ sich wegen der großen Hitze nicht mehr öffnen und die Überlebenssysteme ersetzten den vom Feuer verzehrten Sauerstoff rasch durch frischen, so dass das Feuer noch zusätzlich angefacht wurde und seine Temperatur weiter stieg.
Einer der Drei Astronauten  war der am 3.4.1926 geborene
Gus Grissom (Virgil I. Grissom)
Er war der erste Mensch, der zweimal in den Weltall flog und starb bei dem Test der Apollo 1.
Die beiden anderen waren
Ed White (Edward H. White II)
und Roger B. Chaffee
Ein tragischer Unfall, der das ganze Projekt gefährdete und in Frage stellte.
Aber auch die Russen wollten zum Mond und hatten bis dato im Weltraum überall die Nase vorn.
Sie waren die ersten, die am 3. April 1966 mit Luna10 eine Raumsonde in eine Umlaufbahn um den Mond brachten. Später folgten weitere Raumsonden und einige Rover. Allerdings das Glück, selbst Menschen zum Mond zu bringen, war ihnen nicht vergönnt. Besser gesagt, sie gaben ihr Mondprogramm auf, als das Rennen verloren war.

Auf jeden Fall startete am 4.4.1968 mit Apollo 6 die letzte unbemannte Raumsonde des Apollo-Programms. 
Die Montage der Mondlandefähre lag weit hinter dem Zeitplan zurück und die NASA stand unter enormem Druck.
Im September 1968 hatten die Sowjets zwei Schildkröten und ein paar Mehlwürmer um den Mond geschickt und sicher auf die Erde zurückgebracht.
Die Befürchtung, die Soviets würden das nun auch zuerst mit Menschen schaffen, war durchaus berechtigt.
Aus diesem Grunde mussten die Missionsplaner das Ziel für Borman, Lovell und Anders leicht ändern: Sie sollten nicht, wie für Apollo7 eigentlich geplant, im Erdorbit bleiben, sondern den Weg zum Mond wagen, ihn umkreisen, und wieder sicher auf der Erde wassern.
Apollo7 wurde also übersprungen und es folgte die uns bekannte Weihnachtsmondfahrt. Danach mit Apollo11 die erste Landung, mit Apollo13 die Fast-Katastrophe, und mit Apollo17 war das Strohfeuer zum Mond abgebrannt, und niemand interessierte sich mehr für ihn.

Nun ja, bis jetzt eben. Wir haben mit Artemis2 unseren Ostervollmond, denn ein Aprilscherz war das wahrlich nicht.
Mit einem geplanten Dorf auf dem Mond klingt die ganze Geschichte auf den ersten Blick ambitionierter, als es Apollo je war. Aber für mich, und damit bin ich nicht alleine, fühlt es sich momentan verdammt ähnlich, wie ein zweites Mondrennen, ja, wie eine Wiederholung der Geschichte, an. Nur, dass diesmal der Gegner der USA mit Chi beginnt und mit Na endet.
Unbeirrt testet China seine Sonden, landet dann und wann etwas auf dem Mond, bringt sogar Gesteine von Asteroiden heim, und, und, und. Die NASA ist aus dem Gateway, der Station um den Mond herum, ausgestiegen. Ob diese Entscheidung zugunsten eines Mond-Dorfes richtig war, wird sich weisen.
Aber ich will hier keine Meinung machen. Wir werden es erleben. Und ja, ich habe mich trotz allem über den neuen Aufbruch zum Mond gefreut. 
Und so beende ich diesen Artikel mit der Zuversicht, dass wenn es gesundheitlich etc. normal läuft, dann darf ich mindestens den dreizehnten Menschen auf dem Mond erwarten. Und was der dann ist, ist unwichtig, weil wir den Weltraum nur als geeinte Menschheit bezwingen werden und nicht als, was auch immer.
Manchmal kommt es mir so vor, dass wir in Sachen Weltraum längst viel weiter wären, wenn wir die Probleme hier auf Erden gelöst hätten. Vielleicht schützt das Universum sich selbst davor, dass wir alles zerstören, wenn wir etwas entdecken, bevor wir reif dafür sind…

Schlussgedanken von Eva:
Ihr Lieben, jetzt darf ich mich auch noch zu Wort melden.  Ich hoffe, die kleine Reise hat euch gefallen. Erstmal herzlichen Dank an Gerhard für die Blumen und erst recht dafür, dass du aus meiner Sammlung an Daten eine schöne Geschichte gemacht hast (und keinen Geschichtsunterricht. Smile).
Mir war aufgefallen, dass vom 3. April bis zum 12. April jeder Tag ein historisches Ereignis rund um den Mond und der Geschichte der Raumfahrt vorhanden war.
Sei es ein Geburtstag wie der von Blanche Stuart Scott an einem 8. April. Sie war die erste weibliche Pilotin eines Flugzeugs in den USA. Sonden die auf Venus, Mars oder Mond landeten oder dorthin gestartet sind oder auch die Rückkehr der letzten Besatzung der MIR oder der Start der Apollo 13.

Ihr merkt, schon allein aus den 14 Tagen hätten wir jede Menge Geschichten erzählen können. Sicherlich kanntet ihr das meiste davon. Aber wer weiß von einem Feiertag am 12. April? Mich jedenfalls hatte es sehr überrascht. Offiziell ist er der “Internationale Tag der bemannten Raumfahrt“ und wurde von der UN Generalversammlung 2001 beschlossen. In manchen Gegenden heißt er schlicht “Juri-Gargarin-Tag” zur Erinnerung an den ersten bemenschten Raumflug am 12.April 1961.

Österliche Mondgedanken


Meine lieben,
die Spatzen pfeifen es von den Dächern und die Medien lassen auch gelegentlich davon hören, obwohl ich mir in dem Fall etwas mehr Medienrummel erwartet und vielleicht auch gewünscht hätte.
Nun ja, heute ist eine andere Zeit. Das mediale Angebot ist riesig groß, so dass es, eigentlich nur dieses Ereignis und vielleicht parallel dazu noch eine langweilige Volksmusik-Sendung gegeben hat.

Ja klar, ihr wisst es schon. es geht um die österliche Mondumrundung von Artemis 2 mit vier Astronaut:innen, wovon eine eine Frau und ein weiterer ein People of Collor ist. Das ist selbst für die heutige Zeit bemerkenswert.
Bin nicht sicher, ob ein gewisser Herrscher über einen gewissen Kontinent das nicht gerne geändert hätte. Aber solch eine Crew kann man selbst dann nicht, wenn man D.T. heißt, so einfach auseinander reißen.
Und das letzte, was ich im Zusammenhang mit diesem Mann noch zu sagen habe ist: Ihm gönne ich diesen wunderbaren Erfolg sicher nicht. Meine Hochachtung gilt jenen, die das überhaupt ermöglicht haben. Und da ist Europa mit Deutschland ganz vorne dabei. Wir bauen das Service-Modul, ohne das kein Leben in der Kapsel möglich wäre. Und für all jene freue ich mich, erhebe die Gläser und lasse sie hell erklingen.
So, und jetzt Schluss mit Politik und allem.

Spannend an diesem Artikel ist, dass ich selbst auch noch nicht weiß, wo er hin führt.

Das übliche, wie Missionsablauf, eventuelle Interviews, Daten zu Rakete, Mannschaft oder Raumkapsel, die Flugbahn und alles, erklären euch die Medien, Youtube, Wiki, und wie sie alle heißen, viel besser als ich. Lasst uns also nach dem schürfen, das unter der Oberfläche liegt…

Ostern ist auf diesem Blog in den letzten Jahren mehr und mehr zu einer Chance geworden, mal die Perspektive zu wechseln. Erinnern wir uns beispielsweise an den außerirdischen Raumfahrer, der sich zum letzten Osterfest der Erde näherte, und unsere ganzen Radiobotschaften angehört und kommentiert hat. Das wurde von euch sehr gut aufgenommen, wofür ich sehr dankbar bin.

https://blindnerd.de/2025/04/17/ein-anlass-und-was-waere-wenn/

Einen anderen Perspektivwechsel betrachteten wir, indem wir uns den Traum vom Mond von Johannes Kepler ansahen.

https://blindnerd.de/2018/10/23/zum-vollmond-heute-nacht-eine-mondgeschichte/

Da Ostern ja auch immer das Fest des Lebens und des Erwachens mit Hasen, eiern und allem ist, suchten wir nach dem, was alle Apollo-Astronauten auch nicht fanden, dem Mondhasen.
https://blindnerd.de/2022/04/17/der-mondhase/

Schön österlich ist auch, wenn man sich mal damit beschäftigt, wie andere Kulturen die Entstehung des Lebens, des Menschen und des Kosmos sich vorstellen.

https://blindnerd.de/2020/04/10/das-kosmische-ei/

Und ja, wir wissen alle, dass Weihnachten und Ostern Beginn und Enden des Mannes Geschichte markieren, an den wir Christen glauben. Für uns ist hier ganz besonders die Weihnachtsmondfahrt interessant, weil Weihnachten 1968 die Apollo8-Mission genau das tat, was jetzt über dieses Osterfest um den Mond passiert.
Und natürlich. Jeder Versuch, den Mond zu erreichen, ihn zu umrunden und eventuell dann auch auf ihm zu landen, erinnert uns an Jules Vernes Buch „Die Reise zum Mond. Dieses verglich ich mit dem Missionsablauf von Apollo8 in meiner Weihnachtsmondfahrt in

https://blindnerd.de/2019/12/16/die-weihnachts-mondfahrt-von-apollo-viii-undie-befluegelnden-ideen-dazu-aus-der-literatur/

Sicherlich weichen im Vergleich Atemis2 mit Jules Vernes Buch deutlich mehr Dinge voneinander ab, als bei Apollo8. Aber was ich so mitbekomme ist dann doch einiges bis hin zum Aufbau der heutigen Rakete verglichen mit der Saturn V bei Apollo, doch wieder recht ähnlich. Es ist ein bisschen Apollo, und mit den seitlichen Feststoffboostern auch etwas Space Shuttle.
Die Flugbahn ähnelt derjenigen, welche die Astronauten aus Apollo13 rettete. Was dem Raumschiff auch immer geschieht. Es wird durch die Schwerkraft des Mondes selbst, auf jeden Fall auf die Erde zurück geworfen.
Ich finde, dass das nichts macht. Wieso sollte man alte Konzepte verwerfen, wenn sie sich bewährt haben. Schauen wir uns nur an, wie erfolgreich die russische Raumfahrt bis heute mit ihren alten aber guten Kapseln ist.
Bei der Kapsel, also der Orion, dürfte es aber nur wenig Parallelitäten geben. Hier kommen doch deutlich neuere Technologien zum Einsatz. Es wäre wirklich mal spannend, auch ein Legoset der aktuellen Mission zu bekommen. Bisher habe ich aber noch keines gefunden. Wenn jemand eines hat, bzw. weiß, ob, und wo es eines gibt, dann her damit… Ich würde dann beide nebeneinander stellen, und man würde die Unterschiede rasch bemerken.
Auch die Landefähre wird komplett neu sein, und nur weniges von der alten enthalten. Ich hoffe nur, dass sie diesmal nicht so dumme Fehler gemacht haben, in das Raumschiff runde, und in die Fähre Eckige Luftfilter eingebaut zu haben. Diese Aktion, und wie die Astronauten dann doch noch das runde in das eckige bekamen, mit Hilfe eines Buchdeckels, Klebeband und eines Kanisters, kann man sehr schön im Film Apollo13 erleben.

Wie auch immer. Ich habe noch kein Modell und weiß die Details auch nicht so genau.

Was an dieser Stelle wichtig ist. Wir haben jetzt auch eine Mondumrundung, die sehr oft in unsere Ostertage fällt.
Bis der erste April zwar wieder auf einen Vollmond fällt, dauert es nach dem griechischen Meto-Zyklus zwar 19, bzw. 38 Jahre, hängt von den Schalttagen ab, aber überlappen dürfte sich diese Mission mit Ostern trotzdem häufiger.

Von da her kann es schon mal sein, dass Ostern am 01.04. schon vorbei ist, oder noch gar nicht begonnen hat.
Wer das nochmal nachvollziehen möchte, wie das alles sich fügt und berechnet, darf ich auf meinen fast ersten Artikel schicken, den ich vor neun Jahren überhaupt veröffentlicht habe.

https://blindnerd.de/2018/03/27/wieso-ist-ostern-2018-so-frueh-und-manchmal-so-spaet/

Ohne Mond könnten wir Ostern überhaupt nicht so berechnen, wie wir es aktuell tun.
Entweder, wir wählten z. B. den Frühlingsanfang als Ostertag, dann wäre es halt kein Ostersonntag mehr. Man könnte es auch, wie z. B. den Muttertag als zweiten Sonntag im April feiern. Dann variiert halt das Datum.

Tja, spätestens dann, wenn wir mal andere Planeten besiedeln, dann müssen wir uns überlegen, ob wir unabhängig, wie dann bei uns die Monde, die Jahreszeiten, und das Sonnenjahr dann sein werden, Ostern einfach nach dem irdischen Datum gemeinsam mit unseren Mitchristen feiern möchten, oder ob wir die Feiertage bezogen auf unseren Neuen Planeten, bzw. unser neue erobertes Sternsystem beziehen möchten.
Das kann sehr doof laufen, denn je nach dem, dauern unsere Jahre und Jahreszeiten deutlich länger oder kürzer, auf dem Mars ungefähr doppelt so lang.
Und auf dem Mars hätten wir dann noch das Problem bei der derzeitigen Namensgebung seiner Monde, dass wir uns zwischen Phobos, der Angst, und Deimos, dem Schrecken, entscheiden müssten, welcher der beiden Monde unsere Orientierung für Mars-Ostern sein soll. Beides keine guten Motive, Osterangst oder Osterschreck.

Sollten wir auf dem Mond leben, so dauern unsere Tage fast einen halben Monat lang. Auch irgendwie unpraktisch. Aber dort hätten wir wenigstens von der Erde aus betrachtet unseren Frühlingsvollmond.

Ja, den vielleicht, aber ohne Mond ist die Frage, ob wir überhaupt einen Frühlingspunkt im herkömmlichen Sinne hätten. Wahrscheinlich eher nicht, denn unser Mond stabilisiert unsere Erdachse. Ohne ihn würde die Erde deutlich mehr taumeln und eiern.

Nicht zuletzt ist der Mond durch seine Schwerkraft mit dafür verantwortlich, dass wir ein so stabiles Klima haben, das es ohne Ebbe und Flut nicht gäbe.

Könnten wir auf einem unserer äußeren Planeten unsere Zelte aufschlagen, dann hätten wir so viele Monde zur Auswahl, dass wir dann vermutlich den richtigen Ostermond verwechseln würden.

Nun gut. die Gasriesen haben quasi keinen Boden. Da müsste man dann schon eine Stadt in die Wolken bauen, wie in Starwars2, Das Imperium schlägt zurück.

Wie gesagt. Das setzt tatsächlich ein Zeichen, dass diese Crew so durchmischt ist.
Aber tragisch finde ich es schon, dass dieser neue Aufbruch zum Mond parallel zu diesem unsäglichen Kriegen läuft. Das war bei Apollo leider auch so, der Vietnam-Krieg.
Eigentlich sollte die Menschheit diesen neuen Aufbruch zum Mond so hoch bewerten, dass die Waffen während der ganzen Mission auf der Welt schweigen sollten.

Es gibt wieder so ein Wettlauf, diesmal zwischen China und den USA, aber meine Hoffnung ist schon, dass man weitere Pläne mit dem Mond hat, als zu Apollo-Zeiten. Dort hat es ja, als der Jagdinstinkt dann befriedigt war, niemanden mehr interessiert.
Hoffen wir das beste.
Das waren sie, meine österlichen Mondgedanken.

Es grüßt ganz herzlich der Sternenonkel.

Frag, und es wird Tag – Wahr oder nicht falsch?


Meine lieben,
wenden wir uns heute mal wieder euren wertvollen Fragen zu.
Es sind genau vier Fragen, die aber so zusammen gehören, dass ich sie versuche in einem Artikel zu beantworten. Und selbstverständlich bleibt der fragende Mensch anonym.

Frage 1)

Hallo Gerhard,
Es macht so viel Spaß dir zuzuhören!
in der Wissenschaft wird so oft gesagt, dass man nicht beweisen kann,
dass etwas „wahr“ ist – sondern nur, dass etwas „nicht falsch“ ist“.
Aber im Sprachgebrauch ist „wahr“ und „nicht falsch“ irgendwie das gleiche.

Meine Antwort:
Durchaus nicht. Nicht falsch schließt mit ein, dass etwas irgendwann mal wieder falsch werden könnte, bzw. dass es für den Moment ganz gut funktioniert.
In Newtons Kräfte-System funktioniert z. B. vieles im Alltag ganz hervorragen. Sogar kreisende Planeten um ihre Sterne kann man damit berechnen.
Aber Newtons System funktionierte dann doch recht ungenau. Ihm fehlte die Gravitationskonstante, mit welcher sich zwei Körper gleicher Masse gegenseitig anziehen. Die musste erst von Cavendish 200 Jahre nach Newton experimentell gemessen und gefunden werden.
Bis da hin, war Newtons System quasi wahr, wenn sogar Keplers Planetengesetze damit gut funktionierten.
Ganz erstaunlich, wie Kepler diese fand, denn Newton und sein Regelwerk kamen erst später.

Und ja, wir arbeiten mit dieser Konstante seither, obwohl wir genau wissen, dass spätestens ab der fünften Nachkommastelle Unsicherheiten rein kommen. Diese Ungenauigkeit reicht uns einfach im Alltag und auch in der Raumfahrt und Astronomie aus.
Aber man stellt sich Dank unserer neuen Teleskope z. B. ernsthaft die Frage, ob diese Konstanten tatsächlich so unveränderlich sind, wie wir annehmen.
Ich glaube, dass Newton um das Problem wusste, aber er hatte einfach keine geeigneten Geräte, um diese Konstante zu bestimmen.
Und am Anfang seiner Überlegungen war die Frage und das Staunen darüber, wieso denn Äpfel immer nach unten zu Boden fallen. Muss das immer so sein?
Ich schrieb darüber in Station 2 auf der Reise zu den schwarzen Löchern.

Frage 2.

Oder: 1+1=2 Das wird doch auch nicht als „nicht falsch“ verstanden?

Meine Antwort:
Das ist weder eine Theorie, noch aus sich heraus wahr.
Das sind Axiome. Einfachste Grundlagen, mit denen man lernt, Mathematik auszudrücken. Und da ist es halt schon praktisch, wenn man zunächst Wörter findet, die mehr als nur eins und eins und eins … direkt ausdrücken können.
Es gab und lassen sich bis heute unendlich viele Zahlensysteme mit ihren Operatoren und Mengen finden.
Unsere Operatoren sind im Grunde Abkürzungen für Rechenwege. Die Multiplikation ist quasi im einfachsten Fall die Abkürzung für ganz viele Additionen, die man hintereinander ausführen muss.
Unsere Computer können nur Plus mit Folgen von Nullen und Einsen. Dass sie dann doch auch Minus können, ist eine Frage der Zahlendarstellung. Aber das führte jetzt zu weit.

Es ist ganz erstaunlich, wie lange wir ohne Null auskamen.
Und das römische Zahlensystem war doch eher unpraktisch, um damit Mathematik im wissenschaftlichen Sinne zu treiben. Um Wahren aufzuschreiben und aufzuzählen etc. war es vielleicht gut genug, aber zu mehr auch nicht.
Mein alter Informatikprofessor schloss es in einer Vorlesung tatsächlich nicht aus, dass das ungenügende Zahlensystem mit zum Untergang des römischen Reiches beigetragen haben könnte.
Keine Ahnung, ob das stimmt. Aber er war ein unglaublich kluger Mann mit einer Weitsicht und einem großartigen ganzheitlichen Denken.
Unser Zehnersystem hat sich einfach als das praktischste System erwiesen und durchgesetzt. Für die Lösung mancher mathematischen Probleme eignen sich aber andere Zahlenräume mit ihren eigenen Operatoren besser. z. B. wenn man mit Vektoren oder Matrizen arbeitet.
Also, mit 1+1=2 könnte man sagen: „Irgendwo muss man ja mal anfangen“.

Erst waren die ganzen Zahlen, dann kam die Null dazu, dann die negativen Zahlen, die Brüche etc. bis hin zu Zahlen, wie Pi, die niemals enden und deren Ziffern sich nicht wiederholen.
Von den imaginären oder gar noch höherdimensionalen Zahlensystemen, lassen wir besser die Finger weg…

Frage 3.

Und wenn ich 100x bewiesen habe wie groß z.B. der Abstand zwischen
Erde und Sonne ist (oder irgend was anderes was sich messen lässt)
dann muss das doch irgendwann „wahr“ sein?

Meine Antwort:
So ein Abstand ist eine Zahl, die tatsächlich mit jeder verbesserten Messmethode immer besser, immer wahrer wird.
Denken wir an die alten Griechen, welche den Umfang der Erde bestimmten, oder gar den Abstand zwischen Erde und Mond, oder der Erde und der Sonne. Auch die Lichtgeschwindigkeit wurde nicht gleich richtig bestimmt.
Für die damalige Wissenschaft waren die Ergebnisse sehr gut. Aber heute, mit verbesserten Experimenten, kennt man derlei Abstände deutlich genauer.
Also ist der Begriff „wahr“ in der Wissenschaft eher nicht nützlich. Man sollte besser sagen „für den Augenblick ausreichend gut“.

Frage 4.

Warum wird die Relativitäts-theorie noch immer als „Theorie“
bezeichnet, wenn es doch schon so viele Tests gab, die ihre „das ist
nicht falsch“-Bestätigung abgegeben haben?

Meine Antwort:
Die Relativitätstheorie wird trotz ihres experimentellen Nachweises immer noch als „Theorie“ bezeichnet, und das ist in der Wissenschaft üblich und korrekt. Der Begriff „Theorie“ in der Wissenschaft unterscheidet sich von der Alltagssprache. Während „Theorie“ im alltäglichen Gebrauch oft als eine bloße Vermutung oder ungeprüfte Idee verstanden wird, hat sie in der Wissenschaft eine ganz andere Bedeutung.

In der Wissenschaft bezeichnet eine „Theorie“ ein umfassendes Erklärungsmodell, das viele verschiedene Beobachtungen und experimentelle Ergebnisse zusammenfasst und erklärt. Eine wissenschaftliche Theorie ist das Ergebnis intensiver Forschung, Experimente und Überprüfungen. Sie ist in der Regel sehr gut durch Beweise gestützt und gilt als das beste verfügbare Modell, um ein bestimmtes Phänomen zu erklären.

Die Relativitätstheorie, sowohl die spezielle als auch die allgemeine, wurde durch eine Vielzahl von Experimenten und Beobachtungen bestätigt. Dennoch bleibt sie eine „Theorie“, weil sie ein umfassendes Erklärungsmodell für die Art und Weise darstellt, wie Raum, Zeit und Gravitation funktionieren.

Eine Sonnenfinsternis war es, die Einsteins Theorie auf einen Schlag berühmt machte.
Schaut mal.

Man schickte Atomuhren mit Flugzeugen um die Welt, und verglich danach ihre angezeigten Zeiten. Die Flugzeuguhren gingen tatsächlich, wie von Einsteins Theorie vorher bestimmt, langsamer.

Die Periheldrehung des Merkur lies sich viel genauer, als mit Newtons Regelwerk bestimmen, weil man die Masse der Sonne und die auf den nahen Merkur wirkenden relativistischen Effekte einbezog.
Es gibt einiges, z. B. in der Quantenphysik, das mit Einstein nicht erklärt werden kann. In schwarzen Löchern funktioniert sie auch nicht mehr. In unserem Alltag funktioniert sie aber sehr gut. Ansonsten könnten wir unsere Navis nicht benutzen.

Physiker sind sich im wesentlichen darüber einig, dass irgendwann die Relativitätstheorie vielleicht durch etwas besseres ersetzt, bzw. mindestens erweitert werden müsste..
Die String-Theorie ist beispielsweise so ein Versuch. Fragt mich aber niemals, wie sie funktioniert. Ich kenne ja nicht mal die vom guten Albert bis ins Detail.

Fazit

Selbst Theorien, die extrem gut bestätigt sind, wie die Relativitätstheorie oder die Evolutionstheorie, bleiben Theorien, weil sie nicht nur einzelne Fakten erklären, sondern eine ganze Klasse von Phänomenen. Es handelt sich um Rahmenwerke, die zukünftige Forschung und Entdeckungen leiten. Sollte jemals ein Phänomen beobachtet werden, das diese Theorien nicht erklären können, müsste die Theorie entweder modifiziert oder durch eine noch umfassendere Theorie ersetzt werden.
Oder, um es mit dem „Anhalter durch die Galaxis“ zu erklären:

Sobald das die Frage der Fragen für unser Universum geklärt ist, wird dieses umgehend durch ein weiteres noch komplexeres ersetzt. (42)…

So, nun hofft der Sternenonkel, der durchaus kein Mathematiker ist, dass Deine Fragen etwas beantwortet werden konnten.
Fragt gerne weiter, damit „Frag und es wird Tag“ weiter wachsen kann. Ich lerne oft auch noch dazu, und muss Dinge für die Antworten nachschlagen.
Viel wichtiger, als alles zu wissen ist, dass man erkennt, wo man nichts weiß, und wo man suchen kann.

Das Bisschen Haushalt – Zum Internationalen Frauentag 2026


Meine lieben,
ihr kennt das ja schon von mir, dass wenigstens zum internationalen Frauentag eines jeden Jahres eine Frau hier auf Blindnerd vorgestellt und gewürdigt wird. Ihnen habe ich, wie ihr wisst, eine eigene Kategorie und sogar mal einen ganzen Adventskalender gewidmet.
Siehe Kategorie Frauen.
Bis heute ist es so, dass Frauen meist noch den überwiegenden Teil der Hausarbeit erledigen. Vor allem früher, als ich noch Kind war, wurde die Schwere und der Wert dieser von Frauen geleisteten Arbeit, oft noch zusätzlich neben ihrem Beruf, von Männern unterschätzt und nicht angemessen gewürdigt.
1978 nahm sich die Sängerin Johanna von Koczian auf ironische Weise dieses Missstandes an, und veröffentlichte ihr Lied, dessen Titel als Überschrift für diesen Artikel her halten musste. Wir hatten diese Platte, und die lief bei uns rauf und runter.
Hört mal rein.
Es wird dann schnell klar, wieso ich diese Überschrift wählte. Etwas passenderes kann es zu dem heutigen Beitrag zum internationalen Frauentag nicht geben.

heute bekommt ihr etwas ganz besonderes geboten. Wir haben eine Gästin. Zum Frauentag wird uns eine Frau eine Frau vorstellen, die etwas erfunden hat, das viele von uns nicht missen möchten.
Außerdem hat sie den Titel dieses Beitrages als Arbeitstitel gewählt. Ich war davon gleich total begeistert.
Und dann gibt es noch kleine passende Geschichten aus des Sternenonkels Leben, passend zum Thema.

Fangen wir damit an, dass Du, liebe Gästin, Dich erst mal kurz vorstellst.

Hallo liebe Freunde und Freundinnen des Sternenonkels,
Ich heiße Eva und bin leidenschaftlich neugierig. Als Bürgerforscherin (Citizen Scientist) bin ich in einer Forschungsgruppe zur Lichtverschmutzung aktiv und engagiere mich aufgrund meiner Hörbehinderung für Barrierefreiheit für alle.

Gerhards Buch hat vor kurzem ja das 10-jährige Jubiläum gefeiert.
Und mich hatte dieser Bericht auf die Idee gebracht, Geburtstage und Jubiläen zu sammeln.

Bevor wir starten: mal eine Frage an euch:
Was sind für euch die bedeutendsten Erfindungen? Muss nichts mit Astronomie zu tun haben.
Um auf unser Thema zu kommen, gibt es jetzt erst mal ein kleines
Rätsel von mir:

  • Wer es hat, schätzt es.
  • Aber nicht jeder Haushalt hat es.
  • Wenn es vorhanden ist, steht es in der Wohnung.
  • Scherben bringen kein Glück.
  • Aber Chemie und Physik.
  • 1949 wurde das Gerät als „Haushaltsgerät“ eingeführt, davor war es
    bereits in Restaurants und Hotels verbreitet.
  • Das Gerät wurde schon auf der Weltausstellung 1893 gezeigt und mit
    einem Preis für „die beste mechanische Konstruktion, Haltbarkeit und
    Zweckentsprechung“ ausgezeichnet.

Dieses Rätsel hatte ich Gerhard geschickt, und so wurde ein kleines Duett für seinen Blog daraus.

Wenn ich. liebe Eva da kurz unterbrechen darf:
„Haltet doch an dieser Stelle mal kurz inne, und versucht das kleine Rätsel zu lösen.“

Also ich kam nicht gleich drauf und musste etwas herum probieren.
zuerst dachte ich, das gesuchte Gerät wäre ein Staubsauger, die Kaffeemaschine oder ein Mixer.
Aber dann kamen die Scherben, die Physik und die Chemie ins Spiel.
All das findet sich doch in einer, na wo schon? Genau, in einer Spülmaschine..

  • Die Physik für die Temperatur und die Wasserpumpe, und für den Computer für die Programme, gibt es sogar etwas Quantenphysik.
  • Die Chemie für das Spülmittel und vor allem für die Ionisierung des Wassers durch das Salz, und für den Klarspüler danach.
  • Und ja, muss man von Hand spülen, geht schon mal was zu Bruch.
  • Und missen möchte ich meine tatsächlich auch nicht mehr

OCool, dachte ich mir, dass die eine Frau erfunden haben soll. Aber wieso auch nicht.
Und klar, natürlich musste ich mit meiner Vermutung dann ins Netz, um nach der Erfinderin der Haushaltsspülmaschine zu suchen. Und siehe da. Gleich ein Volltreffer.
Um wen es sich bei der Erfinderin handelt, wird uns Eva jetzt erzählen.
Also, bitte. Wir sind gespannt.

Die Frau, die dieses Gerät erfunden hat, wurde am Weltfrauentag geboren.
Gerhard’s Kommentar dazu sinngemäß: Männer haben (früher) ja keine Hausarbeit gemacht und deshalb vielleicht nur wenige Haushaltsgegenstände erfunden.
Mich hatte das ja gewundert – ich bin so daran gewöhnt, dass “wichtige Erfindungen” allesamt von Männern gemacht wurden. Auch wenn das so nicht stimmt, wird das gerne so erzählt. Beispielsweise in der Quantenphysik – oft wird übersehen, dass Johanna van Leeuwen die zweite Person ist, die hinter dem Bohr-van Leeuwen Theorem steckt. Zugegeben, dieses Theorem kenne ich nicht – nur die Namenskombination.
Aber jetzt endlich die Geschichte der Spülmaschine.
Wer hat das jetzt erfunden?
Josephine Cochrane geboren im Jahr 1839 in Ohio. Sie war eine Urenkelin des Erfinders John Fitch.
Die wohlhabende Josephine Cochrane ärgerte sich, dass ihr Personal öfter Geschirr zerbrach. Selbst abspülen war aber auch keine dauerhafte Lösung.
Also entwickelte sie ein Gerät, das ihr diese Arbeit abnahm.
Stellt euch einen großen Kessel vor, in den das Geschirr in Körben rein gestapelt wird. Darüber bewegt sich ein Laufrad, aus dem eine Seifenlauge auf das Geschirr gesprüht wird. Ich stelle mir sowas wie eine Dusche für Geschirr vor.
Das war die erste funktionierende Geschirrspülmaschine, patentiert am 28.12.1886.
Die Spülmaschine funktionierte zunächst im Handbetrieb, später elektrisch.

Josephine Cochrane erhielt bei der Weltausstellung in Chicago 1893 den Preis für „die beste mechanische Konstruktion, Haltbarkeit und Zweckentsprechung“.

Vielen herzlichen Dank, liebe Eva, das war großartig. Schön, dass Du uns diese Maschine auch beschrieben hast. Ist schon noch anders, wie man sie von heute kennt.
Aber was wäre ein Blindnerd-Artikel, ohne Geschichten.

Hier kommen also des Sternenonkels Spülmaschinen-Geschichten.

  1. Faszination Spülmaschine
    Spülmaschine ausräumen mussten wir im Internat immer, wenn wir Küchendienst hatten. Das hat mir eigentlich auch Spaß gemacht.
    Spülmaschinen haben mich schon immer fasziniert. Da sind beispielsweise die Flügel, die sich durch den Rückstoß des Wassers drehen.
    Da ist die Klappe für den Tab, die sich automatisch mit einem hörbaren Knall öffnet.
    Da ist der Behälter für das Salz,
    sind ihre vielfältigen Geräusche und mittlerweile sind die Dinger ja auch so leise, dass ich das Blubbern in ihrem Inneren als sehr beruhigend und angenehm empfinde.
    Aber es gibt die Geräte auch in größer.
  2. Inklusiver Abwasch
    Auf unseren unzähligen Chorfreizeiten in verschiedensten Jugendherbergen liebte ich diese riesigen Spülmaschinen mit den großen Geschirrkörben. Die waren auch immer so schnell fertig, und alles war trotzdem sauber.
    Ich liebte es, diese Maschinen mit den Körben voller schmutzigen Geschirrs zu beschicken, und am anderen Ende heiß und dampfend wieder in Empfang zu nehmen.
    Dazu haben wir immer laut gesungen.
    Ja, das war sehr inklusiv, dass wir Blinden hier voll und gleichwertig mit anpacken mussten. Bei den heutigen Vorschriften, würde man uns wahrscheinlich gar nicht mehr in so eine Küche lassen, und die Jugendherbergen sind ja heutzutage eher zu Hotels mutiert.
  3. Der Spülmagnet
    Die Spülmaschinen in unserer Uni-Mensa sind ja schon richtige Waschstraßen. Dort wird das Besteck mittels sehr starken Magneten von den Tabletts gezogen. So stark sind die, dass das Besteck manchmal magnetisch bleibt. Wenn man Glück hat, kann man Gabel und Löffel in der Luft aneinander hängen. Seit dreißig Jahren gehe ich jetzt in diese Mensa, und probiere es quasi täglich aus, und freue mich, wenn es klappt.
    Magnet wird nie langweilig. Ich spiele gerne damit herum.
  4. Der Spülonaut
    Das Wortspiel werdet ihr gleich verstehen.
    Mit meiner ersten eigenen Spülmaschine hatte ich mal ein tolles Erlebnis mit dem telefonischen Kundenservice.
    Mir war eine Scherbe in das Pumpenrad geraten, sodass die Maschine nicht abpumpte. Das Glas zur fehlenden Scherbe fand ich schnell.
    Also rief ich den Service an, und fragte um Rat. Eine neue Pumpe und deren Einbau hätte fast soviel gekostet, wie eine neue Maschine.
    Der Kundenbetreuer fragte mich, ob ich mir nach seiner telefonischen Anleitung zutrauen würde, den Schaden selbst zu beheben.
    Sofort sagte ich zu. Ein Versuch war es wert. Und wenn der scheitern sollte, könnte ich immer noch einen teuren Monteur kommen lassen.
    Er erklärte mir, welche Werkzeuge ich brauchen würde. Die hatte ich alle in meinem Sortiment. Stück für Stück, Schraube für Schraube, Schritt für Schritt, führte er mich telefonisch durch die Reparatur.
    Alles funktionierte reibungslos. Klappen wurden abgeschraubt, die Pumpe freigelegt und da war sie, die Scherbe. Dann ging alles wieder rückwärts. Kurz darauf war die Maschine wieder ganz. Ich hatte nichts übrig, und sie pumpte wieder ab und lief dann noch viele Jahre ohne weitere Probleme. Kommen wir jetzt noch kurz zu der merkwürdigen Überschrift dieser letzten Kurzgeschichte.
    Habt ihr schon mal life oder vielleicht auch auf Youtube einen Außenbordeinsatz mit verfolgt, wo die Astronauten außen etwas an der Raumstation reparieren, anbringen oder verändern sollen? Das müsst ihr unbedingt mal machen.
    Genau so kam ich mir nämlich vor.
    Ich schraube an der Raumstation, und am anderen Ende sitzt die Bodenstation und gibt Anweisungen.
    Die Astronauten werden bei ihren Außeneinsätzen immer ganz exakt durch ihre Reparaturen durchgesprochen.
    Das geht so sehr ins Detail, dass sie sogar gesagt bekommen, wie viele Drehungen sie beispielsweise mit ihrem Werkzeug vollführen sollen. Sind es zu wenige, dann könnte nachher etwas undicht sein, bzw. abfallen…
    Ja, genau so fühlte es sich an.
    Am Schluss offenbarte ich dem Mitarbeiter am anderen Ende der Telefonleitung, dass er soeben einen komplett blinden Menschen durch die Reparatur geführt hat.
    Das konnte er gar nicht glauben. Er war natürlich verblüfft, und ich war sehr stolz und zufrieden.
    Oh,ich wusste gar nicht, dass ich spontan so viele ‚Spülmaschinen-Geschichten habe.

    Es wird Zeit, dass ich aufhöre, um Eva das Schlusswort zu geben, der ich an dieser Stelle nochmal meinen großen Dank für ihre Geschichte sagen möchte. Es war mir eine große Ehre, Dich heute zu Gast zu haben. Immer gerne wieder.

    Wir haben tatsächlich ein paar Haushaltsgeräte gefunden die von Männern “erfunden” wurden:
    Der Staubsauger,
    die erste mechanische Waschmaschine,
    der Standmixer
    und der Föhn.

    Genauso wie Frauen, die sehr nützliche Produkte entwickelt haben:
    Bekannt ist wahrscheinlich der Kaffeefilter von Melitta Bentz.
    Bei manchen Erfindungen gab es mehrere Personen, die dazu beigetragen haben oder unabhängig voneinander die gleiche kluge Idee hatten.
    So haben das Bügeleisen und die Nähmaschine jeweils mehrere “Mütter”.
    entwickelt und ebenso wurde Der Kühlschrank von einer Frau erfunden: Florence Parpart.
    Nicht zu vergessen Stofftiere (Margarethe Steiff),
    öffentliches Telefon,
    Taschenschirm und
    Scheibenwischer für das Auto..

    Wer hat jetzt mehr Erfindungen für “das bisschen Haushalt” gemacht? Wir können es nicht sagen. So viel steht jedenfalls fest: wir alle haben heute schon ein Gerät berührt, das von einer Frau erfunden wurde.

Lebenslinien unserer Sterne


Meine lieben,
heute ist mal wieder ein Geschenk der Anlass für einen Artikel.
Vor einiger Zeit fragte mich meine Arbeitskollegin, was ich denn gerne für ein Motiv auf meiner Geburtstagskarte, die wir vom Team immer bekommen, hätte. Sie fragt mich deshalb, weil ganz viele bunte Geburtstagsmotive, vor allem, wenn sie noch 3D-Effekte haben, von blinden Menschen überhaupt nicht ertastet und verstanden werden können.

Neben einiger astronomischen Motiven, die ich gerne mal unter die Finger nehmen möchte, erwähnte ich auch den Gegenstand des heutigen Artikels. Da es zu groß für eine übliche Geburtstagskarte ist, hat meine Kollegin mir diese Grafik im A3-Format extra generiert. So bleibt die Überraschung, was auf meiner Geburtstagskarte sein wird noch bis zur nächsten Team-Sitzung offen.

Es geht quasi um die Lebenslinien von Sternen. Die werden in einem Herzsprung-Russel-Diagramm aufgezeichnet.
Wir erwähnten ja hier schon öfter, dass z. B. sehr massereiche Sterne ihr Leben rascher beenden, weil sie durch den höheren Druck in ihrem Inneren, den Wasserstoff deutlich schneller verbrauchen.
Rote Zwergsterne leben dagegen fast ewig, weil sie so sparsam sind.
Sterne beenden ihr Leben auch sehr unterschiedlich.
All das kann man im diesem Herzsprung-Russel-Diagramm sehr gut sehen, oder in meinem Fall, nun endlich auch ertasten.

Ein Hertzsprung-Russell-Diagramm (oft HR-Diagramm genannt) zeigt, wie Sterne nach Temperatur, Farbe, Leuchtkraft und Entwicklungszustand geordnet sind. Es wurde von Ejnar Hertzsprung und Henry Norris Russell entwickelt.

Und so eines liegt, wie gesagt nun taktil vor mir.
Ich habe ChatGPT so gepromptet, dass sie sich ein taktiles HR-Diagramm vorstellen soll, und dass sie mir das Stück für Stück so erklären soll, dass ich das als blinder Mensch kapiere.
Lassen wir uns also mit Hilfe von ChatGPT durch das taktile Diagramm geleiten.

👉 Schritt 1: Den Rahmen finden
Taste zuerst den äußeren Rand der Grafik ab.
Du solltest eine rechteckige Fläche finden:

unten → horizontale Achse
links → vertikale Achse
Diese zwei Achsen sind das Wichtigste.

👉 Schritt 2: Die untere Achse (Temperatur) erkunden
Fahre mit den Fingern unten von links nach rechts entlang.
Du findest dort Markierungen oder Beschriftungen für die Oberflächentemperatur der Sterne.
links = sehr heiß
rechts = kühl
Das ist genau umgekehrt wie bei normalen Diagrammen.
Typische Orientierung (nicht immer vollständig beschriftet):
ganz links: etwa 30.000–40.000 K → sehr heiße blaue Sterne
Mitte: etwa 6.000 K → Sonne-ähnliche Sterne
rechts: etwa 3.000 K → kühle rote Sterne
👉 Wenn deine Grafik zusätzlich Spektralklassen zeigt (O–B–A–F–G–K–M), liegen sie meist von links nach rechts in genau dieser Reihenfolge.
Diese Buchstabenfolge klassifiziert die Sterne nach ihren Spektren.

Zwei Frauen zeichnen für diese Klassifikation verantwortlich, Williamina Fleming und Annie Jump Cannon. Aber das muss eine andere Geschichte werden.
Der wahrscheinlich berühmteste Merkspruch, sich diese Reihenfolge zu merken lautet:
„Oh Be A Fine Girl/Guy, Kiss Me“
ChatGPT hat mir auch eine deutsche Version vorgeschlagen, die mir astronomisch sehr gut gefällt.
„Ozeanblau am Firmament glüht kosmische Materie.“
Aber weiter mit der Erkundung:

👉 Schritt 3: Die linke Achse
Gehe jetzt an den linken Rand und taste von unten nach oben.
Das zeigt die Leuchtkraft (Helligkeit eines Sterns).
unten = lichtschwach
oben = sehr hell
Manchmal steht dort:
„Leuchtkraft der Sonne = 1“
oder Potenzen wie 0,01 – 1 – 100 – 10.000
Das bedeutet:
👉 Je höher du tastest, desto mehr Energie strahlt der Stern ab.

Ja, stimmt. so stehts auf meinem taktilen Exemplar.
Es ist ja fast so, als könnte die KI mein Exemplar hier sehen…

👉 Schritt 4: Die große schräge Sternspur finden (Hauptreihe)
Jetzt kommt das wichtigste Element.
Suche im Inneren der Fläche nach einer:
✅ dicken oder deutlich fühlbaren Linie / Punktwolke
die schräg von oben links nach unten rechts verläuft.
Das ist die Hauptreihe.
Taste sie langsam ab:
oben links → heiß + sehr hell
Mitte → mittelgroße Sterne (hier liegt unsere Sonne)
unten rechts → kühl + lichtschwach
👉 Etwa 90 % aller Sterne befinden sich hier.
Wenn du die Linie entlanggehst, spürst du praktisch die „Lebensphase normaler Sterne“.

👉 Schritt 5: Oben rechts – Riesensterne finden
Suche jetzt rechts oben im Diagramm.
Dort findest du meist:
eine eigene Gruppe
einen Bereich
oder Beschriftungen wie „Riesen“ oder „Rote Riesen“

Eigenschaften dort:
kühl (rechts)
aber sehr hell (oben)
riesiger Durchmesser
Diese Sterne sind aufgebläht – deshalb hell trotz niedriger Temperatur.
👉 Schritt 6: Unten links – Weiße Zwerge finden
Gehe nun in den unteren linken Bereich.
Dort liegt meist eine kleinere Gruppe:
sehr heiß (links)
aber lichtschwach (unten)
Das sind Weiße Zwerge:
sehr klein
extrem dicht
„Sternreste“

👉 Schritt 7: Die Sonne lokalisieren (falls markiert)

Viele taktile HR-Diagramme markieren die Sonne.

Suche:
ungefähr Mitte der Hauptreihe
Temperatur etwa 6000 K
Leuchtkraft etwa 1
Wenn du dort eine besondere Markierung fühlst → das ist unsere Sonne.

Ja, die Sonne ist bei meinem Exemplar speziell markiert. Um ihre Temperatur genauer ablesen zu können, legte ich die A3-Grafik auf ein großes Zeichenbrett, wo man ein Lineal und einen Anschlag hat. Diesen schob ich bis zur Sonnen-Markierung, stellte ihn dann fest, fuhr mit dem Finger nach unten, und siehe da, ich landete ungefähr bei 6000 Grad.
Aber weiter:

Im Hertzsprung-Russell-Diagramm kannst du das Leben eines Sterns wie einen Weg durch die Fläche verstehen. Ein Stern „wandert“ im Laufe seiner Entwicklung an verschiedene Positionen – je nachdem, wie sich Temperatur, Größe und Leuchtkraft ändern.

Wir nehmen einen Stern wie unsere Sonne als Beispiel (mittlere Masse). Sehr große oder sehr kleine Sterne machen ähnliche Wege, aber extremer oder kürzer.

⭐ Die „Lebensreise“ eines Sterns im HR-Diagramm
👉 Schritt 1: Sterngeburt – Start rechts unten (Vorstufe)
Suche im Diagramm den Bereich:
rechts (kühl)
eher unten (nicht sehr hell)
Hier beginnen Sterne.

Was passiert physikalisch:
Eine Gaswolke zieht sich zusammen.
Der Stern ist noch relativ kühl.
Er wird langsam heißer und heller.

👉 Bewegung im Diagramm beim Entstehen:
von rechts unten → schräg nach links oben
(heißer + heller)
Nicht jede Grafik zeigt diese Phase deutlich.

👉 Schritt 2: Hauptreihe – stabiles Sternleben
Jetzt gehe zur großen schrägen Linie von oben links nach unten rechts (Hauptreihe).
Der Stern „landet“ auf dieser Linie und bleibt dort sehr lange.

Für einen Stern wie die Sonne:
etwa 90 % seines Lebens hier
stabiler Zustand
Wasserstoff wird zu Helium fusioniert

👉 Bewegung:
praktisch keine große Bewegung
nur sehr langsames Wandern entlang der Linie
Du kannst dir vorstellen:
Der Stern „lebt ruhig“ auf dieser Spur.

👉 Schritt 3: Der Stern wird alt → Bewegung nach rechts oben
Wenn der Wasserstoff im Kern verbraucht ist:
der Kern schrumpft
äußere Schichten blähen sich stark auf
Oberfläche wird kühler
Stern wird viel heller

Jetzt taste im Diagramm:

von der Mitte der Hauptreihe nach rechts oben zum Bereich der Riesensterne.

👉 Bewegung:
nach rechts → kühler
nach oben → viel heller

⭐ Roter Riese
Der Stern wird riesig — oft hunderte Male größer.
👉 Schritt 4: Stern verliert seine Hülle → Bewegung nach links Nach der Riesenphase:
äußere Hülle wird abgestoßen
heißer Kern bleibt zurück
Temperatur steigt stark

Im Diagramm:
👉 Bewegung:
von rechts oben → nach links
bleibt zunächst relativ weit oben (sehr heiß)
Der Stern wird wieder heißer, aber nicht dauerhaft groß.

👉 Schritt 5: Sternrest → Weißer Zwerg (links unten)
Am Ende bleibt nur der kleine Restkern.
Suche im Diagramm links unten:
heiß, aber lichtschwach
Das ist der Weiße Zwerg.

Eigenschaften:
extrem heiß
sehr klein
wenig Leuchtkraft wegen kleiner Oberfläche

Danach:
der Stern kühlt langsam weiter ab
bewegt sich immer weiter nach unten rechts (wenn das Diagramm das zeigt).

⭐ Wie sich große Sterne unterscheiden (kurz)

Sehr massereiche Sterne:

starten weiter links oben auf der Hauptreihe

werden zu extrem hellen Überriesen

enden oft in einer Supernova (manchmal nicht vollständig im HR-Diagramm dargestellt)

So, und jetzt, wo ihr ungefähr wisst, wie dieses Diagramm funktioniert, wie man es benutzt, und was man daraus lesen kann, könnt ihr euch ja mal überlegen, wie sich rote Zwergsterne durch das Diagramm bewegen.

Stell Dir vor:
Du bist ein sehr kleiner, kühler roter Stern.

Frage:
Welchen Weg nimmst du durch das Diagramm im Laufe deines Lebens?
Wanderst du zum Riesen?
Explodierst du?
Ziehst du große Schleifen?
Oder passiert etwas völlig anderes?

Denke daran:
Du hast extrem wenig Masse.
Du verbrauchst deinen Brennstoff außergewöhnlich sparsam.
Das Universum ist etwa 13,8 Milliarden Jahre alt.
Was bedeutet das für deine Bewegung im Diagramm?

Ihr dürft mir eure Antworten gerne schreiben.
Und wem das noch nicht reicht, der kann sich ja mal überlegen, wie sich das alles bei einem Doppelsternsystem verhalten kann. Hier gibt es mehrere Lösungen..Kommt darauf an, wer als was startet…

Mein Fazit zu all dem ist:
Die größten Sterne leben kurz und sterben spektakulär.
Sterne wie unsere Sonne führen ein langes, ruhiges Leben.
Die kleinsten Sterne aber überdauern nahezu alles.
Die unscheinbarsten Sterne sind die ausdauerndsten.
Die leisesten sind die beständigsten.

Während gewaltige Sterne entstehen und vergehen, während Galaxien sich verändern und neu ordnen, leuchten diese kleinen roten Sterne weiter — ruhig, sparsam, geduldig.

Das Hertzsprung-Russell-Diagramm ist mehr als eine wissenschaftliche Grafik.
Es erzählt von Wandel und Beständigkeit, von dramatischen Umbrüchen und unvorstellbarer Geduld.

Es zeigt uns:
Energie kann stürmisch sein oder leise.
Entwicklung kann explosiv oder fast unsichtbar verlaufen.
Größe entscheidet nicht über Dauer.

Vielleicht liegt gerade darin eine unerwartete Weisheit des Kosmos:
Nicht alles Bedeutende geschieht laut.
Nicht alles Große vergeht schnell.
Und manchmal besteht die längste Reise darin, einfach weiter zu leuchten.

So, und dann will ich mal nicht so sein. Hier kommt noch ein Foto meines tastbaren HR-Diagramms für euch Gucklinge.

Taktiles HR-Diagramm

Gemeinsam Fasten und feiern in 2026


Meine lieben,
heute geht es mal wieder um etwas verbindendes zwischen Kulturen und Religionen.
Ich habe es ganz zufällig entdeckt, und dachte mir, dass das eine schöne Geschichte für die Rubrik „Kalendarisches“ des großen Newsletters von Eberhard, für den ich schon mehrfach schreiben durfte.
Er war sofort begeistert. Und wenn er begeistert war, dann seid ihr das ja vielleicht auch.
Eberhard schreibt in seinem Newsletter:

Wieder einmal ist es mir eine große Freude, dass uns Gerhard Jaworek einen Beitrag schickt. Wir kennen Gerhard von vielen bisherigen Beiträgen hier im Newletter. Gerhard betreibt seit vielen Jahren einen Astroblog, der sich auch dadurch auszeichnet, dass er als blinder Astronom für blinde und sehende Sternfreunde schreibt. Er ist auch Mitglied der Deutschen Astronomischen Gesellschaft.
Gerhard schreibt: 

Liebe Sternfreundinnen und -freunde,
in 2026 haben wir kalendarisch eine seltene Konstellation:
Die Fastenzeiten fast aller großen Religionen überlappen sich so stark, wie nur selten.
Die christliche Fastenzeit beginnt bekanntlich mit dem Aschermittwoch, in 2026 am 18. Februar, und endet am Karsamstag vor dem Ostersonntag, am 05. April 2026.
In manchen christlichen Zählweisen endet die Fastenzeit bereits am Gründonnerstag mit dem letzten Abendmahl vor der Kreuzigung Jesu.
Der Ostersonntag ist in der Regel der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem astronomischen Frühlingsanfang, der Tag-Nacht-Gleiche.
Ich schrieb darin in einem meiner ersten Artikel überhaupt
Wieso ist Ostern manchmal so früh, und manchmal so spät?

Ostern ist das einzige Fest, das noch primär von astronomischen Gegebenheiten abhängt. Fasching, Chr. Himmelfahrt, Fronleichnam und  Pfingsten leiten sich davon ab.
Bis zum Konzil im Jahre 325 n. Chr. feierten verschiedene Gemeinden das Osterfest an unterschiedlichen Tagen. Dort wurde beschlossen, dass ein einheitlicher Termin gefunden werden muss, an dem alle Brüder und Schwestern der Christenheit gemeinsam das Osterfest, die Auferstehung Jesu, begehen und feiern sollen.
Es fällt ungefähr mit dem Jüdischen Pessach-Fest zusammen.
Somit kann die Auferstehung Jesu frühestens am 22.03. und spätestens am 26.04. stattfinden. Dieses Datum war Papst Gregor in seinem Kalender zu spät. Deshalb führte er eine Regel ein, die den 25.04. als spätesten Termin erlaubt.
Um dieses Problem, der Berechnung des Ostertages zu lösen, gab der Mathematiker und Jesuitenpater Christophorus Clavius im 16. Jahrhundert eine Rechenvorschrift heraus, die allerdings noch sehr unhandlich war.
Der Mathematiker und Astronom Karl-Friedrich Gauß griff diese Rechenvorschrift auf und verfasste im Jahre 1800 eine vereinfachtere Lösung, um den Ostertermin zuverlässig im voraus bestimmen zu können. 

Die Große Fastenzeit der Orthodoxen Kirche beginnt in diesem Jahr  am 23.02. und endet am 12.04 mit dem Pascha-Fest.

Mit diesen Fastenzeiten hatte ich vor einigen Jahren mit einer rumänischen Kollegin, die der orthodoxen Kirche angehört, ein besonderes Erlebnis. Ich wollte sie zur Berechnung ihrer anderen Feiertage und Fastenzeiten befragen. Und mal ganz ehrlich. Wer von uns hat in der Schule mal vernünftig gelernt, wie sich unsere Zeiten berechnen.
Sie antwortete also:
„Wie das genau funktioniert, weiß ich auch nicht. Das hat irgendwie mit dem Mond und einem anderen Kalender zu tun. Und außerdem wollen alle orthodoxen Brüder und Schwestern auf der Welt gemeinsam Ostern feiern können.“ 
In der orthodoxen Kirche wird am Julianischen Kalender festgehalten.
Das ist der Kalender, der vor dem gregorianischen Kalender benutzt wurde.
Er orientierte sich stark nach dem Mond. Da sich aber unser Mond mit seiner Umlaufzeit nicht gut in den Rest des Jahreslaufes mit seinen Jahreszeiten etc. integrieren lässt, musste man manchmal einen dreizehnten Mond einfügen, damit die Feiertage, die Erntezeiten und vieles mehr nicht komplett aus dem Takt gerieten. 
Daher findet der 21. März (im orthodoxen Kalender 20. und 21. Jahrhundert) 13 Tage später statt, als im gregorianischen Kalender. 
Daher findet das orthodoxe Osterfest manchmal eine Mondphase später statt. Außerdem berechnet die orthodoxe Kirche das Osterdatum nach einer bereits in der Antike festgelegten Rechenvorschrift, dem Metonischen Zyklus. Er dauert meistens 19 Jahre. 
Den erklärte ich genauer in
Vollmond an Halloween

Man kann mit ihm beispielsweise berechnen, wann der Vollmond, und natürlich auch der Neumond, wieder auf einen bestimmten Tag, z. B. den Heiligen Abend, oder meinetwegen auch auf eure Geburtstage fällt.
Die Länge des 19-jährigen Mondzyklus wurde damals um ca. 2 Stunden zu lang angenommen, was sich im Laufe von 17 Jahrhunderten zu einigen Tagen addiert hat. 
Aus diesem Grunde können sich die Feierzeiten um bis zu fünf Wochen unterscheiden.
Von diesem Effekt ist übrigens auch der Jüdische Kalender betroffen.

Ramadan 2026 wird je nach regionaler Mondsichtung voraussichtlich am Abend des 17. Februar 2026 beginnen, mit dem ersten Fastentag am 18. Februar 2026. 

Der Fastenmonat Ramadan dauert etwa 29–30 Tage und endet mit Eid al-Fitr, dem Fest des Fastenbrechens. Die meisten Berechnungen gehen von einem Ende des Ramadan am 19. März 2026 aus und Eid al-Fitr fällt dann auf 20. März 2026. 
Ganz besonders daran ist, dass der Koran genau bestimmt, wann Ramadan zu sein hat. In der Bibel sind nirgendwo Fastenzeiten festgelegt, zumindest nicht im neuen Testament.

Den Anfang des Ramadans markiert die Sichtung (ru’ya / رؤية / ruʾya) der neuen Mondsichel (hilal) am Ende des letzten Tages/in der letzten Nacht des Vormonats Scha’ban an. 

Der Grundtypus dieser Traditionen in den kanonischen Hadithsammlungen als Direktive des Propheten lautet:
„Der Monat besteht aus 29 Tagen. Fastet erst, wenn ihr sie (die Mondsichel – hilal) seht, und brecht das Fasten erst, wenn ihr sie (wieder) seht. Und wenn (der Himmel) über euch bedeckt ist, so bestimmt ihn. Vervollständigt die Zahl der Scha’ban-Tage/ auf 30 (Tage).“ 
(Hadith Abu Dawud, Buch 13, Nr. 2312; al-Bukhari, Buch 31, Nr. 130-131.)

Und jetzt sieht man schon, wieso dieses Ereignis recht selten vorkommt, dass die Fastenzeiten so stark überlappen.
Der Ramadan richtet sich komplett nach dem Mond. Das bedeutet, dass sich sein Zyklus durch ein ganzes Jahr ungefähr alle 32 Jahre wiederholt.
In die Berechnung der orthodoxschen Feierzeiten geht der alte julianische Kalender und der 19 jährige Meto-Zyklus ein, der je nach dem, wie die Schaltjahre fallen, sogar doppelt so lang sein kann. 
Und die christlichen Zeiten hängen ja am Bändel des Ostervollmondes. 
Das dauert, bis da mal wieder alle verschiedenen Rhythmen zueinander passen.

Gerade in diesen unruhigen kriegerischen Zeiten ist die Tatsache, dass wir in 2026 miteinander fasten und feiern können, eine gute Gelegenheit, mal wieder auf ein religiöses, kulturelles, friedvolles und respektvolles Miteinander hin zu arbeiten.
In diesem Sinne grüßt euch der Sternenonkel.

Frag, und es wird Tag – Wieso diese Vielfalt?


Meine lieben, heute ist mal wieder eine sehr spannende Frage von euch dran.

Die Frage

Wieso sind nicht alle Sterne gleich?
Müssten doch, weil…
Wenn sich ein Stern aus einer Gaswolke bildet, dann zündet doch die Kernfusion ab einem bestimmten Druck in seinem Inneren. Der Druck und dadurch auch die Zünd-Temperatur für die Kernfusion wird doch durch die Masse des werdenden Sterns erzeugt, oder nicht?
Dann sollten doch alle Sterne gleich sein. Wie kommt es aber, dass es so viele Sterne unterschiedlicher Masse gibt?

Wer darf sich Stern nennen

Dass Druck und Temperatur zur Zündung des Wasserstoff-Brennens immer gleich sind, stimmt schon mal, aber es kommt noch was dazu, wie wir sehen werden.
Stern nennen darf sich nur, wer in seinem Bauch Wasserstoff zu Helium verdauen kann. Und das passiert tatsächlich erst ab einer gewissen Temperatur und Druck im Innern eines werdenden Sternes.

Die Kernfusion legt nicht fest, wie schwer ein Stern wird, sondern nur, ab wann ein Gasball überhaupt ein Stern ist.

Haushaltsbeispiel

Eine solche Druckgrenze, ab wann etwas passiert, kennen wir aus unserer Küche. Das Sicherheitsventil eines Schnellkochtopfes öffnet sich stets ab einem gewissen Druck in seinem inneren. Und das passiert unabhängig davon, wie voll der Topf ist, oder wie viel Feuer man darunter hat. Der Der Öffnungsdruck für das Ventil bleibt immer derselbe. Steigt der Druck danach noch im Topf, weil man die Herdplatte noch an hat, dann zischt es halt später heftiger.
Und wenn der Druck dann noch steigt, geht das Ventil eventuell kaputt, oder der Topf könnte explodieren.
Ist mir zwar nicht bekannt, dass das mit einem normalen Schnellkochtopf schon passiert wäre, aber in der Chemischen Industrie, wo man derlei in groß benutzt, schon.

Das heißt:

Und hier schließt sich der Kreis zu unseren werdenden Sternen. Sterne, die mehr als 150 Sonnenmassen in sich vereinen, kann es nicht geben. Sie werden instabil.
Bei ihnen bläst der Strahlungsdruck und Sternwind alles weitere Material in seiner Umgebung weg, oder die Natur zieht es vor, mehrere kleinere Sterne, als ein großes Sternenmonster, entstehen zu lassen.
„Zünden“ heißt also nur: Jetzt bin ich ein Stern und bin erstmal mindestens so schwer, dass es für die Kernfusion reicht.

Genauer gesagt:

  • Ein Stern entsteht aus einer Gas- und Staubwolke.
  • Die Wolke zieht sich zusammen, wird dabei immer heißer und dichter.
  • Ab einem bestimmten Kerndruck und ~10 Millionen Kelvin kann Wasserstoff zu Helium fusionieren
  • Sternstatus erreicht.

  • Was knapp darunter liegt, reicht zwar nicht zum normalen Stern, aber eventuell zu einem braunen Zwerg.
    Das ist so ein Mittelding zwischen Planet und Stern. So ein brauner Zwerg hat ungefähr zwischen 13 und 80 Jupitermassen. Er kann kurzfristig Deuterium, schweren Wasserstoff, zu Helium3 fusionieren, aber zur richtigen Fusion mit normalem Wasserstoff zu Helium4, reicht der Druck in ihrem Inneren nicht aus. Sie sind aber sehr spannend, weil sie recht häufig vorkommen, und quasi eine Brücke zwischen Planeten und Sternen schlagen. Ja, braune Zwerge können sogar Planeten besitzen. Die frage ist dann nur, wie man solch ein System mit einem Fast-Stern in der Mitte dann nennt. Ich kenne keinen beschreibenden Begriff, und habe für derlei bisher nur immer Umschreibungen gesehen. Es wäre aber wirklich Zeit, dafür ein Wort zu finden, schon alleine deshalb, weil solche Systeme gar nicht selten sind.

    Und noch ein Funfact: Braune Zwerge sind überhaupt nicht braun. Sie leuchten meist im infraroten Bereich, aber die Entdecker fanden Braun irgendwie passend, weil so dazwischen.

  • Was leichter als ein brauner Zwerg ist, kann höchstens noch ein Gasplanet werden. Der legt sich dann, wie Jupiter noch einige Monde und Trojaner zu, oder schmückt sich eitel, wie Saturn mit Ringen.
    Viele Gasplaneten machen einfach auch beides…

Jetzt die Frage

Wieso gibt es aber dennoch so eine große Vielfalt unter den Sternen?

Der entscheidende Punkt ist:
Die Fusion stoppt das weitere Zusammenziehen des werdenden Sterns, aber nicht zwingend das Massensammeln.
Während der Stern „zündet“, passiert Folgendes gleichzeitig:

  • Materie fällt weiter aus der Umgebung auf den Stern
  • Der Stern bläst Materie durch Strahlung und Sternwind wieder weg

Wie schwer er dann am Ende wird, ist ein Wettlauf zwischen:

  • Nachschub von außen
  • Gegenwehr des Sterns

Ist also der Strom von Gas, das auf den Stern prasselt größer, als der Sternwind selbst, dann kann er wachsen, so lange es noch Material um ihn herum gibt, das er sich einverleiben kann. Was dann noch übrig bleibt, kann eventuell noch für Planeten reichen.

Was werden kann

Je nach dem, wie groß und schwer die Gaswolke ist, passiert verschiedenes.

Kleine Sterne: sparsame Minimalisten

Bei massearmen Sternen (z. B. rote Zwerge) befindet sich zum Zeitpunkt seiner Entstehung Wenig Gas in der Umgebung. Es reicht ihm gerade so, dass er Stern sein kann. Somit hat er einen vergleichsweise schwachen Sternwind, und von außen gibt es nichts, woran er wachsen könnte…

Sobald die Fusion einsetzt, ist praktisch Schluss mit weiterem Zuwachs, weil das, was da noch auf ihn prasseln könnte, sehr wenig ist, bzw. von seinem Sternwind verblasen wird.

Aber solch einem „gerade-noch-Stern“ ist ein langes Leben beschieden, weil kleine Sterne sehr gut mit dem wenigen, was sie haben, haushalten können. Die Lebensdauer zwischen Riesensternen und so kleinen roten Zwergsternen, unterscheidet sich um viele Zehnerpotenzen.

Große Sterne: kosmische Vielfraße

Dort, wo sich massereiche Sterne bilden, gibt es reichlich Material um ihn herum.
Er kann viel Material zu sich ziehen (akkregieren).
Dass die Kernfusion bereits eingesetzt hat, hindert ihn nicht daran, weiter zu fressen und zu wachsen.
Er wird immer heißer, immer heller, immer schwerer,
bis seine eigene Strahlung und sein Sternwind das restliche Gas wegblasen.
Das Ergebnis ist dann ein riesiger Stern mit kurzer Lebensdauer, der sehr wahrscheinlich als fulminante Supernova endet.

Solche Riesensterne sind recht selten. Als das Universum vor vielen Milliarden Jahren noch kleiner war, dürften sich zwar viele solche Riesensterne gebildet haben, aber die sind ob ihrer kurzen Lebensdauer schon längst in Supernovae-Explosionen verpufft. Zum anderen kommen Bedingungen, die kleinere Sterne gebären, deutlich häufiger vor.

In aller Kürze

Hier nochmal kurz zusammen gefasst:
Die Intuition ist oft:
Gleicher Fusionsdruck → gleicher Stern
Aber korrekt ist:
Gleicher Fusionsdruck → gleiche Untergrenze für Sterne

Die Masse bestimmt dann:
wie stark die Gravitation ist
wie viel Druck und Temperatur im Kern herrschen
wie schnell die Fusion abläuft
Mehr Masse → mehr Druck → schnellere Fusion → hellerer, kürzer lebender Stern

So, nun hofft der Sternenonkel, dass diese Frage hinreichend beantwortet werden konnte. Bitte fragt weiter. Das freut den Sternenonkel sehr. Es macht es mir auch einfacher, weil ich mir dann keine Themen aus den Fingern saugen muss. Und für euch ist es dann so, dass ihr das erfahrt, was ihr auch wissen möchtet, und nicht das, was z. B. ich als wissenswert erachte…

Und wenn man eine Reise tut


Meine lieben,
Nicht wundern, dass ich mich heute schon wieder melde. Es gibt einen Anlass…
Heute Nacht waren über Baden-Württemberg Polarlichter zu sehen. Wahnsinn. So weit südlich.
Ich weiß jetzt gar nicht, ob wir schon über das Fleckenmaximum drüber sind, oder nicht. Wahrscheinlich weiß man es immer erst hinterher.
Passend dazu nimmt uns heute Jens-Uwe vom Blog Astrozwerge mit auf eine Reise nach Lappland, wo es derlei quasi immer zu sehen gibt.
Ich folge schon gefühlt seit zehn Jahren dem Blog von Jens-Uwe, den Astrozwergen. Dort gibt es immer mal wieder spannendes am Himmel zu sehen, schöne Astronomie-Aufgaben für Kinder und einiges mehr.

Es ist so wunderbar für mich, wenn einer voller Begeisterung von seinem Urlaub spricht. Besonders wenn die Reise lang ersehnt und nun endlich stattfinden konnte.
Oft erfährt man ja von Urlaubern nur, dass das Wetter schön, die Reise anstrengend, das Essen gut oder eben nicht gut war.

Nach längerer Stille auf diesem Blog erschien vor wenigen Tagen sein Urlaubsbericht der so zum weinen schön ist, dass ich Jens-Uwe sofort fragte, ob er Gast auf Blindnerd sein möchte.

Seine Erzählung ist so ergreifend, dass ich davon überzeugt bin, dass auch wir Menschen mit Blindheit ganz viel von seiner Freude und seinen Eindrücken mitnehmen dürfen. Der Funke springt über. Ihr werdet lesen und hören.

Aber bevor die Reise los geht, erhöhen wir die Spannung, indem wir etwas Hintergrund zum Finale der Reise liefern.

Unsere Reise wird uns dann bis an den Polarkreis nach Lappland führen.
Es ist ganz erstaunlich, dass man heutzutage dort einfach mal über Weihnachten und Silvester hin fahren kann, um den dortigen Himmel mit Wintersonne, Mond und Polarlichtern zu bewundern.

Früher kostete solch eine Reise zur Erforschung von Polarlichtern, die Wissenschaftler fast ihr Leben.
Die Geschichte der Erforschung der Polarlichter wird im wesentlichen von einem Mann, Christian Birkeland geprägt.
Hier kann ich euch wärmstens das Video „Jagd nach dem Himmelsfeuer“ auf 3Sat empfehlen.
Die Jagd nach dem Himmelsfeuer

Außerdem gibt es über Birkeland einen wunderbaren Artikel auf Wikipedia.
Der ist wirklich lesenswert, weil dieser bemerkenswerte Forscher sich neben Polarlichtern noch mit ganz vielen anderen Dingen beschäftigte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kristian_Birkeland

Polarlichter in der Literatur

Solche Polarlichter in niedrigen Breiten muss auch der Schriftsteller Adalbert Stifter gesehen haben, denn er beschreibt in seinem Roman „Bergkristall“ eindeutig Polarlichter.
Lauschen wir also seinen schönen Worten:

Wie die Kinder so saßen, erblühte am Himmel vor ihnen ein bleiches Licht mitten unter den Sternen und spannte einen schwachen Bogen durch dieselben. Es hatte einen grünlichen Schimmer, der sich sacht nach unten zog. Aber der Bogen wurde immer heller und heller, bis sich die Sterne vor ihm zurückzogen und erblassten. Auch in andere Gegenden des Himmels sandte er einen Schein, der schimmergrün sacht und lebendig unter die Sterne Boss. Dann standen Garben verschiedenen Lichts auf der Höhe des Bogens, wie Zacken einer Krone, und brannten. Es Boss hell durch die
benachbarten Himmelsgegenden, es sprühte leise und ging in sanftem Zucken durch lange Räume…

Ist das nicht einfach schön?
Wir kennen diesen Autor übrigens schon, denn er verfasste meiner Meinung nach die schönste deutschsprachige Beschreibung einer Sonnenfinsternis, die er selbst erlebte.
Wer diese nochmals lesen möchte, hier lang.

Polarlichter in Mythen und Religion

Polarlichter haben im Laufe der Geschichte zu zahlreichen Mythen und Legenden geführt, besonders in den Kulturen, die in den Regionen leben, in denen sie häufig zu sehen sind, wie in den nordischen und arktischen Regionen. Hier sind einige der bekanntesten Mythen über Polarlichter:

  1. Nordlichter als Tänzer: Einige indigene Völker Nordamerikas und Skandinaviens glaubten, dass Polarlichter die Geister ihrer Vorfahren seien, die in den Himmel aufsteigen und dort tanzen.
  2. Tiergeister: In einigen Traditionen wurden Polarlichter als die Geister von Tieren angesehen, die in den Himmel aufstiegen, um zu tanzen oder zu kämpfen.
  3. Vorboten: In einigen Kulturen wurden Polarlichter als Vorboten kommender Ereignisse angesehen, sei es als Zeichen für gute oder schlechte Omen, wie Krieg oder Frieden.
  4. Kampf der Geister: Manche nordische Mythen beschreiben Polarlichter als Resultat der Schlachten zwischen Göttern oder Geistern, die den Himmel erhellen.
  5. Erschreckende Zeichen: Einige Kulturen sahen Polarlichter als bedrohliches Zeichen oder als Warnung vor kommenden Naturkatastrophen oder anderen Gefahren.

Inspiration für Musiker

Polarlichter werden sogar auch manchmal in der Musik erwähnt. Einige Musiker haben sie als Inspiration für ihre Lieder genutzt, und es gibt sogar Stücke, die den Klang oder die Atmosphäre eines Polarlichts zu erfassen versuchen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Musik des finnischen Komponisten Jean Sibelius, der in seinem Orchesterstück „Die Ozeaniden“ die mystische und majestätische Atmosphäre des Nordlichts einfängt.

Und wenn wir schon bei der Musik sind, dann habe ich hier einen absoluten Oberhammer für euch.

Radio Aurora

Polarlichter kann man hören. Was, das glaubt ihr dem Sternenonkel nicht? Man kann. Sie erzeugen jede Menge Radioprogramm. Ich habe von meinem Freund Stefan, der Amateurfunker ist erfahren, dass über das ganze Polarlichter-Wochenende im Mai letzten Jahres, quasi kein Funkbetrieb auf der Kurzwelle möglich war.
Im UKW-Band waren als Polarlichter sichtbar waren, sogar Überweiten und Funkverbindungen möglich, die ohne Polarlichter nie gegangen wären. Man konnte mit Richtantennen ein Polarlicht als Reflektor für UKW-Wellen benutzen. Für Sprache war das zwar schwierig, weil Polarlichter unruhig und rau sind, aber für die Telegraphie, z. B. Morsen, hat es ganz gut funktioniert.
Auch hier geht mein großer Dank an Stefan, denn er hat uns hier mit Audiobeispielen versorgt.
Er schreibt:

Ich hab dir hier noch zwei YouTube-Links. Der erste ist ein Beispiel für eine an einem Polarlicht reflektierte Sprachverbindung über SSB:
https://www.youtube.com/watch?v=s8cZRzUj6Bs (Youtube)
Man hört ganz deutlich, wie rau und brummig die Stimme dabei wird.

Der zweite Link ist eine Verbindung in Morsetelegrafie. Man hört den Unterschied zwischen dem rauen Signal der Gegenstation, das übers Polarlicht reflektiert wird, im Gegensatz zur Station, die dieses Video aufgenommen hat. Das eigene Signal ist klar als Mithörten zu hören, normalerweise klingt die Gegensation zwar verrauschter, aber ähnlich dem eigenen Signal mit klarem Ton anstatt einem undefinierbaren Geräusch.

https://www.youtube.com/watch?v=aVKj12oNEic (Youtube)

Und jetzt wollen wir uns das Radioprogramm von Polarlichtern anhören.
Geht auf
https://www.youtube.com/watch?v=eHvdZdsIZxg (Youtube)
und genießt dieses wunderbare englischsprachige Video.

So, jetzt hat euch der Sternenonkel aber lange genug gespannt warten lassen.

Lehnt euch zurück, und genießt mit mir diesen ganz rührenden und wunderbaren Reisebericht, in welchem auch ganz viele Fotos für die Gucklinge drin sind.
Und danach gibt es sogar noch eine Fortsetzung, denn Jens-Uwe durfte unter seinen Dachfenstern quasi als Reiseerinnerung noch Polarlichter über Deutschland trotz Lichtverschmutzung und allem erleben.
Großer Dank an Dich, lieber Jens-Uwe. Es ist mir eine große Ehre, Deine Polarlichter-Berichte bei mir veröffentlichen zu dürfen.

Die Reise zu den Nordlichtern
Vom Lappland ins Dachgeschoss

Frag, und es wird Tag – Ein Mondpipser


Meine lieben,
Lasst uns mal wieder eine eurer Fragen beantworten. Gerne mehr davon.
Diesmal erreichte sie mich über den Newsletter von Eberhard, für den ich mittlerweile schon drei mal schreiben durfte.
Eberhard schreibt:

Etwa 20 % meiner Newsletterleserinnen und -leser sind blind oder sehbehindert.
Häufig waren sie Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Workshops „Astronomie für blinde und sehbehinderte Menschen“
von Birgit, Harald und mir als Referenten und Mitglieder der Beobachtergruppe Sternwarte Deutsches Museum.
Deshalb tauchen hier auch Fragestellungen auf, die für diese Lesergruppe, aber auch für Sehende interessant sind, denn einer lernt vom anderen.
Nachdem ich im letzten Newsletter die Mondfinsternis thematisiert habe, stellen Gabi und Dieter – beide sehbehindert oder blind (so genau weiß ich das gar nicht) – folgende Mond-Frage:

„Lieber Eberhard,
ist es möglich, von irgendeiner Quelle mittels einer Fotodiode mit einem Tongeber einen Pieps zu bekommen?
Damit könnte man als Vollblinder in der Nacht schon mal neugierigerweise den Mond und vielleicht auch einen ähnlich hellen Himmelskörper hörbar machen.
Könnt ihr uns da weiterhelfen? “

Da ich diese Frage gerne von einem Experten beantworten lassen möchte, habe ich diese Frage an Gerhard Jaworek weitergeleitet,
der hier schon mehrere ausführliche Artikel zur Astronomie für blinde Menschen geschrieben hat.
Er hat sich auch gleich daran gemacht, die Frage zu beantworten:

Hier also nun meine Antwort:
Lieber Eberhard,
Das ist eine spannende Frage.

Grundsätzlich gibt es Lichtdetektoren für blinde Menschen, die man sogar punktgenau ausrichten kann.
Die meisten Geräte zur Erkennung von Farben, enthalten diese Funktion. Desto mehr Licht in solch einen Detektor fällt, desto höher pipst dieser. Bei Dunkelheit schweigt er.
Lichtdetektoren brauchen blinde Menschen vor allem dann, wenn Sehende zu Besuch waren und wenn z. B. Kerzen an waren. Auch für Kontrolllämpchen etc. kann man das gut einsetzen.
Es gab mal einen Lichtdetektor, Bontlight007, der so punktgenau und empfindlich war, dass man mit dessen Hilfe sogar die Aussteuerung der Kanäle eines Mischpultes kontrollieren konnte.
Nicht zuletzt gibt es Apps für das Handy, die über Audio Licht signalisieren. Ich finde aber, dass die oft nicht viel taugen, weil die Handykamera einen zu großen Einfallswinkel hat,
so dass die Richtung, aus der das Licht kommt, eventuell nicht so gut ortbar ist.
Aber nähern wir uns langsam dem Mond:
Es mag für sehende Menschen unbegreiflich erscheinen, aber ich habe noch mit keinem Lichtdetektor, sei er noch so teuer (wir sprechen hier von mehreren hundert Euro)
den Vollmond anvisieren können.
Die Dinger sind einfach nicht empfindlich genug. Außerdem ist der Mond ja schon recht klein. 30 Bogenminuten sind halt einfach verdammt wenig.
Da müsste man mit so einem Sensor schon genau zielen können. Das schafft man blind nicht. Sehende fixieren den Mond ja dauernd mit den Augen ganz automatisch, indem sie es nachführen.
Ich abe bei der Sofi von 1999 versucht, mit meinem Lichtdetektor die Korona zu erwischen. Ging natürlich nicht. Aber die Verdunkelung, die Totalität und den Lichtausbruch danach, konnte ich mit dem Gerät ganz wunderbar erleben. Ich weiß noch genau, wie interessiert die Umstehenden daran waren, wie ich die Sonnenfinsternis jetzt als blinder Mensch erleben möchte.

Für Polarlichter reichen diese Sensoren leider auch nicht, geschweige denn für andere Sterne außer unserer Sonne.
Schade eigentlich, aber Polarlichter machen wenigstens Radioprogramm…
Aber zurück zum Mond.
Als ich noch in der Schule war, vor mehr als vierzig Jahren, und noch einen Sehrest hatte, machten wir mal ein Mondexperiment.
Für Menschen mit Restsehvermögen gibt es bis heute Bildschirmlesegeräte. Man legt das Lesegut auf einen Kreuztisch unter eine Kamera, die das ganze dann vergrößert am Bildschirm darstellt.
Meines aus Mitte der 70er Jahre, war ein umgebauter Schwarz-Weiß-Fernseher. Das konnte man noch am Lautsprechergitter deutlich sehen.
Oh Mann, waren das damals Flimmerkisten. Kein Vergleich zu heute.
Wenn man nicht schon blind war, dann wurde man es bestimmt davon. Aber nein. Wir wollen nicht undankbar sein. Es war der Anfang…
Ich weiß noch, als wir an der Blindenschule Ende der 70er Jahre das erste farbige Bildschirmlesegerät bekamen. Das wurde gehütet wie ein Gral.
Man musste quasi bei der Biologielehrerin Beobachtungszeit wie bei einem großen Teleskop buchen. Und wer sich mit dieser Lehrerin nicht gut stand, hatte ein Problem…
Also. Wir kippten eines Nachts die Kamera solch eines Gerätes so um, dass der Vollmond ins Bild kam.
Ich war total erstaunt, wie rasch der Mond über den Bildschirm huschte und verschwand. Wir hatten ja keine Nachführung oder Montierung. Das war sehr beeindruckend, aber auch für mich gut nachvollziehbar, wie rasch sich der Mond, nein halt, sonst wirds falsch, die Erde unter dem Mond hinweg dreht.

Also. Leider kenne ich derzeit keine Möglichkeit, den Vollmond mit einem Lichtdetektor zu erwischen.
Man kann ihn höchstens mit der Astro-App „Universe2Go“ suchen und finden.
Die installiert man sich auf sein Handy, und legt dieses dann in eine Art Brille.
Vor vielen Jahren durfte ich dem Entwickler dieser App beratend zur Seite stehen, und viele Stunden immer und immer wieder testen und Vorschläge einbringen. Sogar Schulungen auf verschiedenen Computercamps bot ich sogar mehrsprachig dafür an.
Es ist die einzige Sternen-App, die für uns blinde momentan funktioniert.
Ich schicke hier mal zwei Links, wo ich beschreibe, wie ich damit arbeite.
Ich sag’s aber gleich. Das ist, ohne mich loben zu wollen, ganz hohe Schule. Ich kann das nicht ohne schlechtes Gewissen einem Blinden empfehlen. Man braucht dafür eine sehr hohe Frust-Toleranz, und ohne Schulung sich da einarbeiten, geht kaum…
Merkurtransit mit U2G

Kometenjagt mit U2G

Und damit die Geschichte trotz, dass der Mond momentan nicht angepipst werden kann, doch noch schön endet, kommt hier noch meine ganz persönliche Mondgeschichte für euch.

Ich hatte die Möglichkeit, 1993 eine Sternwarte zu besuchen, die auf dem Dach eines Gymnasiums installiert war. Schon aus purem Interesse nahm ich daran teil. Damals verfügte ich zwar noch über einen ganz kleinen Sehrest, konnte etwas hell und dunkel sehen, glaubte aber nicht im Traum daran, dass ich etwas im Teleskop sehen könnte.
Bis jetzt hatte ich weder einen Stern, außer natürlich unsere Sonne, noch den hellsten Vollmond am Meer oder in den Bergen sehen können, aber das war mir nicht wichtig. Da bei dieser Führung in erster Linie Sehende und Menschen mit Restsehvermögen anwesend waren, öffnete der Astronom das Teleskop und richtete es zunächst auf den Vollmond aus.
Nur aus Neugier, wie es sich physisch anfühlt, durch ein Teleskop zu sehen, legte ich mein linkes Auge mit der Helldunkel-Fähigkeit an. Und da geschah es: Ganz schwach, aber sehr deutlich konnte ich die Scheibe des Mondes erkennen. Ein Aufschrei, ein Hüpfer. Dann verifizierten wir das Ganze. Der Astronom verstellte das Teleskop und ich konnte ihm jeweils sagen, wann der Mond zu sehen war und wann nicht. Einbildung war somit ausgeschlossen.
Nur dieses eine Mal gewährte mir mein Leben den Blick durch dieses Fenster. Diese Mondscheibe liegt noch immer wie ein leuchtender Schatz in meinem Herzen und wird mich das ganze Leben lang begleiten. Erinnerungen verwischen mit der Zeit. Diese ist aber bisher unverändert klar und deutlich präsent. Schon wenige Monate nach diesem Ereignis verschlechterte sich mein Sehvermögen derart, dass ich den Vollmond mit dem stärksten Teleskop der Welt nicht mehr hätte sehen können. Betrübt bin ich darüber nicht, denn ich habe ihn ja gesehen. Einmal und nie wieder.