Wenn die Finsternis nicht mitspielt – ein kleiner Trost für Finsternis-Pechvögel


Meine lieben,
Neben ganz vielen tollen Berichten über die erlebte Sonnenfinsternis in Spanien, gab es leider auch viele traurige Nachrichten, weshalb die Finsternis dann doch nicht geschaut werden konnte. Von Autopannen, Krankheit, Zugproblemen und Fehlplahnungen von Reiseorganisatoren bis hin zu wolkigem Wetter, war alles dabei. Manchmal soll es einfach nicht sein. Grund genug für den Sternenonkel, hier einen kleinen Trostartikel für all jene zu verfassen.
Allen, die diesmal leer ausgingen rufe ich zu:
„Ihr seid damit nicht alleine. Ihr befindet euch in bester Gesellschaft“
aber lest selbst:

Manchmal hat man einfach Pech.
Man plant eine Sonnenfinsternis monatelang. Man sucht sich einen guten Beobachtungsort, organisiert die Reise, verfolgt die Wettervorhersage und freut sich immer mehr auf diesen einen besonderen Tag.

Und dann kommen die Wolken.

Oder der Zug nicht.
Oder die falsche Straße.
Oder gleich die ganze Reiseorganisation.

Nach dem 12. August 2026 habe ich jedenfalls den Eindruck gewonnen, dass eine Sonnenfinsternis zwar astronomisch ziemlich zuverlässig ist, menschliche Finsternisplanung dagegen nicht unbedingt.

Falls ihr also zu denjenigen gehört, die von der Finsternis dieses Jahr nicht so viel mitbekommen haben, möchte ich euch hiermit ein wenig Trost spenden.

Denn ihr seid in bester Gesellschaft.

Zwölf Tonnen gegen eine Wolke

1889 schickten die Vereinigten Staaten eine große Expedition nach Westafrika, um dort eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten.
An Bord der USS Pensacola befanden sich Wissenschaftler, Techniker, Fotografen und ungefähr zwölf Tonnen wissenschaftliche Ausrüstung.
Zwölf Tonnen!
Man hatte also wirklich an alles gedacht.
Dass der Himmel bewölkt sein könnte, hatte man vermutlich verdrängt.

Am Tag der Finsternis war die Sonne tatsächlich hinter Wolken verborgen. Die aufwendige Expedition brachte für ihre wichtigsten Beobachtungen kaum etwas zustande.
Zwölf Tonnen Astronomie waren gegen eine Wolkendecke angetreten.
Die Wolke gewann.
Wer also zur Finsternis unter einer Wolke stand, war schon damals nicht alleine.

Erst Schiffbruch, dann Wolken

Noch härter traf es den britischen Astronomen Norman Lockyer.
1870 reiste er nach Sizilien, um die totale Sonnenfinsternis vom 22. Dezember zu beobachten. Lockyer war inzwischen einer der Pioniere der astronomischen Spektroskopie und interessierte sich besonders für die Sonnenkorona.
Die Reise begann allerdings ausgesprochen unastronomisch.
Das Schiff Psyche, mit dem Lockyer und andere Expeditionsteilnehmer unterwegs waren, lief vor Catania auf einen Felsen und wurde schwer beschädigt. Menschen und Instrumente mussten gerettet werden.
Nach einem solchen Erlebnis sollte man eigentlich meinen, dass das Pech damit aufgebraucht sei.
War es nicht, Denn am Tag der Finsternis machten auch noch die Wolken Probleme. Lockyer selbst beschrieb die Wetterlage sinngemäß mit den Worten:

Wolken in Sizilien, Wolken in Spanien, Wolken in Afrika.

Immerhin gelang anderen Beobachtern in Sizilien noch eine Beobachtung, weil sich der Himmel rechtzeitig öffnete. Ganz umsonst war die Expedition also nicht.

Aber stellt euch die Situation trotzdem einmal vor:
Erst Schiffbruch. Dann eine beschwerliche Expedition. Dann die Finsternis.
Und dann: Wolken.
Wenn Deine Reise zur Finsternis also nicht so gelaufen ist, dann musstest Du wenigstens nicht von einem sinkenden Schiff geborgen werden. Das ist doch tröstlich.
Die Ironie des Schicksals war aber, dass diejenigen, welche mit der Bergung der Instrumente und des Schiffes beschäftigt waren, nachher dann doch noch mehr Finsternis bekamen, als die eigentlichen Wissenschaftler.

Finsternis und Unabhängigkeit

Auch eine Expedition von 1780 zeigt, dass nicht immer das Wetter schuld sein muss.
Eine Gruppe von Astronomen aus Harvard wollte während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges eine totale Sonnenfinsternis beobachten. Dafür begaben sie sich sogar hinter die britischen Linien.
Das klingt nach einer ausgesprochen abenteuerlichen Finsternisreise.
Leider hatten die Astronomen ihren Beobachtungsort falsch berechnet. Ein Fehler bei der Bestimmung des Längengrades führte dazu, dass sie die Totalität verpassten.
Sie hatten also den Krieg überstanden, aber die eigene Geografie war stärker.
Vielleicht sollten wir deshalb neben dem Wetterbericht künftig auch noch unsere Koordinaten überprüfen.

Einstein musste ebenfalls warten

Und dann ist da noch die Geschichte rund um Einstein.
Die berühmte Überprüfung seiner Vorhersage, dass Licht an der Sonne abgelenkt wird, sollte mit Hilfe totaler Sonnenfinsternisse gelingen.

Der erste ernsthafte Versuch fand 1912 statt und scheiterte am Wetter.

1914 wurde ein neuer Versuch unternommen.
Diesmal war das Problem nicht nur das Wetter. Der Erste Weltkrieg brach aus, Expeditionen gerieten in politische und militärische Schwierigkeiten, und wissenschaftliche Geräte und Forscher wurden teilweise festgesetzt.

Erst 1919 gelang schließlich die berühmte Beobachtung, die Einsteins Theorie große Bekanntheit verschaffte.

Aber selbst diese Finsternis war keineswegs eine perfekte Vorführung: Auf Príncipe verhinderten Wolken während der Totalität einen großen Teil der Beobachtungen. Von zahlreichen fotografischen Aufnahmen blieben nur wenige brauchbar.

Manchmal braucht es eben keine perfekte Finsternis.
Manchmal reicht eine kleine Wolkenlücke.

Und dann war da noch Garching

Eine Finsternis darf in dieser Sammlung natürlich nicht fehlen: der 11. August 1999.
Ich habe diese Finsternis selbst erlebt.
Garching war damals ein hervorragender Beobachtungsort, nur hatte auch dort das Wetter seine eigenen Vorstellungen.
Schon am Morgen wechselten Wolken und Aufhellungen. Die partielle Phase war immer wieder zu sehen. Je näher die Totalität kam, desto gespannter wurden die Beobachter.
Und dann wurde der Himmel ausgerechnet zur Totalität wieder dicht.
Die Korona verschwand hinter den Wolken.
Aber die Geschichte hatte wenigstens noch eine kleine Pointe: Kurz nach dem Ende der Totalität riss der Himmel wieder auf. Der zweite Diamantring war zu sehen.
Man hatte also fast die gesamte Show verpasst und bekam zum Schluss noch den Vorhang zu sehen.
Und selbst wenige Kilometer Entfernung konnten damals den Unterschied machen. An manchen Orten in der Umgebung öffnete sich der Himmel rechtzeitig und die Beobachter konnten die Korona tatsächlich sehen.

Das ist eine der Gemeinheiten totaler Sonnenfinsternisse:
Zehn Kilometer weiter kann die Welt völlig anders aussehen.

Meine Finsternisfeier

Und damit komme ich zurück zum 12. August 2026.

Denn auch ich darf mich in die lange Reihe der Finsternis-Pechvögel einreihen.
Es ist mir nicht gelungen, einen Platz „an der Sonne“ auf einem Schiff zu buchen.
Das hatte aber sein gutes. So feierten wir die Finsternis mit guten Freunden und getränken in Bozen, wo wir einen schönen Spezialurlaub für blinde Menshen machten.

Für mich stellte sich deshalb die Frage,
wie ich meinen begeisterten Zuhörer:innen die Finsternis in all ihren Fazetten näher bringen kann. Die meisten von uns sind nämlich blind, so dass Bilder nur wenig nützen. OK, taktile Abbildungen von Sonnen- und Mondfinsternissen hatte ich im Koffer, aber wie erleben wir die Dynamik?

Aus dieser Frage ist das Projekt Audiotellurium entstanden.
Dieses Projekt möchte Phänomene in unserem Sonnensystem hörbar machen, z. B.
die Bewegung des Mondes vor der Sonne, das zunehmende Bedecken der Sonnenscheibe, die Totalität und das anschließende Wiedererscheinen der Sonne.
Oder eben auch, was muss alles erfüllt sein, damit ein Neumond zu einer Sonnenfinsternis wird.
Der Trick besteht ja darin, dass drei Mondphasen genau aufeinander passen müssen. Wie das genau funktioniert, erklärte ich in meinem vorigen Artikel ausführlich.
Wir brauchen unbedingt Neumond. Zusätzlich muss sich der Mond auf dem Schnittpunkt von Mond- und Erdbahn befinden, und nicht zuletzt entscheidet die elliptische Mondbahn darüber, ob die Finsternis total oder nur ringförmig sein wird.
Somit habe ich in meiner Simulation unserem synodischen Zyklus als Ton ein C gegeben. Der drakonistische Zyklus, der mit den Schnittpunkten der Bahnen, bekommt ein E und der Zyklus mit der eirigen Mondbahn erhält ein G.
Wir starten also mit einem Dreiklang, einer Finsternis. Dann hören wir, wie die verschiedenen Zyklen wie Kirchenglocken langsam auseinander driften und sicvh schließlich zu einer neuen Finsternis wieder vereinen. Das bildet dann klanglich einen Saros-Zyklus von 18 Jahren, 11 Tagen und 8 Stunden ab. Auch diesen Zyklus erklärte ich in meinem vorigen Artikel ausführlich.
Hören wir uns also das jetzt mal in Ruhe an.
Audio-Saros-Zyklus

Als nächstes habe ich versucht, den Verlauf einer Sonnenfinsternis hörbar zu machen.
Wir hören zunächst die Sonne mittig im Panorama als harmonischen Klang.
Dieser wird nun langsam von links nach rechts vom Mond, der still ist, verdrängt.
Kurz vor der totalen Bedeckung, also Stille, hören wir noch das Phänomen der Perlenkette. Einzelne Sonnenstrahlen luken noch durch Mondschluchten am rechten Rand. Das hören wir als leises Klimpern.
Die letzte Perle dieser Kette wird Diamantring genannt. Die hören wir deshalb noch extra.
Danach ist der Klang der Sonne verstummt. Er wird nun durch ein zartes Rauschen ersetzt, welches die Korona darstellen soll.
Dann wird die Sonne langsam von links nach rechts wieder vom Mond freigegeben. Wir hören den linken Diamantring, die linke Perlenkette, und wie der Klang der Sonne langsam wieder von links kommend ertönt.
Das klingt dann so:
Audio-Eclipse
Ich weiß schon. Das kann die Sicht auf die Korona nicht ersetzen,
Aber vielleicht macht sie etwas anderes deutlich:

Eine Sonnenfinsternis ist nicht nur das Bild, das man am Himmel sieht.

Sie ist ein Ereignis, das man erleben, erforschen, hören, fühlen und erzählen kann.

Und manchmal bleibt von einer Finsternis am Ende eben nicht das perfekte Foto.

Sondern eine gute Geschichte.

Und davon haben wir Astronomen zum Glück mehr als genug.

Mein Vortrag mit unserer Simulation kam erfreulicherweise ausgezeichnet an.
Das hat mich besonders gefreut. Denn damit wurde aus einer zunächst ziemlich verrückten Idee etwas, das auch für andere Menschen interessant und erlebbar sein kann.

Natürlich ist Audiotellurium noch lange nicht fertig. Im Gegenteil: Die Erfahrungen dieser Finsternis haben uns jede Menge Ideen für die Weiterentwicklung gegeben.

Und vielleicht ist das die schönste Pointe meiner persönlichen Finsternisgeschichte:
Andere hatten Wolken.

Andere hatten Reiseprobleme.

Andere hatten einen falschen Längengrad.

Lockyer hatte ein Schiffswrack.

Die amerikanische Expedition hatte zwölf Tonnen Ausrüstung.

Und ich hatte eine Sonnenfinsternis, die ich ohnehin nicht sehen konnte.

Aber wir alle hatten trotzdem eine Finsternis, eine zum hören.
So, und das muss jetzt für alle als Trostpflaster genügen.
Seid herzlich vom Sternenonkel getröstet.

Wissenspaket Sonnenfinsternis


Meine lieben,

es ist nun so weit. An kommendem Mittwoch, 12.08.2026 werden wir eine in europa mehr oder weniger sichtbare Sonnenfinsternis in den Abendstunden, leider, haben.
Leider deshalb, weil sie einfacher und für mehr Menschen beobachtbar wäre, fände sie beispielsweise in den Mittagstunden statt, wo die Sonne hoch am Himmel steht. An vielen Orten wird die Beobachtung schwierig bis unmöglich, wenn z. B. Berge die Sicht auf den Sonnenuntergang und den Horizont versperren. Aus diesem Grunde werden viele die Finsternis von der Wasserseite hert von Schiffen aus beobachten.
Wünschen wir allen einen klaren Himmel und eine gute Sicht.
Eine Sonneninsternis lässt natürlich den Sternenonkel nicht kalt. Und das, obwohl Sonnen- und Mondfinsternisse gar nicht so selten vorkommen, wie es den Anschein hat. Bis zu sieben Finsternisse können pro Jahr stattfinden, aber nicht in beliebiger Reihenfolge, und nicht nur entweder Sonnen- oder Mondfinsternisse. Dazu kommt, dass Sonnenfinsternisse immer nur auf einem wenige hundert Kilometer breiten Streifen zu sehen sind, und das je nach Standort oft nur wenige Sekunden bis wenige Minuten lang. Nicht zuletzt ist unsere Erde zu 3 Fünftel von Wasser bedeckt, so dass ein Großteil der Finsternisse ins Wasser fallen, bzw. dort stattfinden, wo einem eventuell Krokodile in die Füße zwicken könnten, und wo vor allem keine komfortablen Hotels stehen.

Mondfinsternisse scheinen öfter aufzutreten als Sonnenfinsternisse, aber das kommt einem nur so vor, weil sie viel länger dauern und von deutlich mehr Menschen auf der Erde gesehen werden können.
Die Erde vermag es ob ihrer Größe, den Mond viel länger hinter sich zu verstecken. Und da sie sich in der Zeit der Verfinsterung unter dem Mond hinweg dreht, erhalten viel mehr Menschen die Chance, die Mondfinsternis zu beobachten.

Über vieles, was hier zur Sprache kommen wird, habe ich an anderer Stelle schon geschrieben. Damit ihr nicht mühsam danach suchen müsst, trage ich die wesentlichen Punkte hier zusammen und werde an gegebener Stelle auf diverse Artikel verweisen.

Nichts desto Trotz haben wir diesmal Glück. Lasst mich deshalb nochmal einen Rundumschlag zum Thema Finsternisse machen.

Rückschau

Manche von uns haben die Finsternis vom 11.08.1999 erleben dürfen. Andere von uns fuhren vielleicht im Urlaub einer Finsternis entgegen. Halten wir doch einfach mal kurz inne, und erinnern uns an unsere „finsteren Erinnerungen“. Der Sternenonkel würde sich sehr darüber freuen, einige eurer Geschichten in den Kommentaren zu finden.
Lasst euch mit folgendem Link durch meine Erinnerungen an diese alte Sonnenfinsternis vielleicht inspirieren.
Finstere Erinnerungen

Fahrplan der Finsternis

So, nachdem wir nun alle voll Erinnerungen schwelgend wieder hier zurück sind, schauen wir uns an, wie die bevorstehende Finsternis grob verläuft.
Wundert euch nicht, dass ich mich hier auf Bozen beziehe, aber ich mache zum Zeitpunkt der Finsternis dort Urlaub und werde die Sofi mit unseren Hausgästen gebührend feiern und würdigen.

Verlauf

Der Kernschatten beginnt seine Reise im hohen Norden Russlands, überquert das Nordpolarmeer und Grönland, streift Island und erreicht schließlich Europa. Nach der Überquerung Nordspaniens zieht er weiter über das Mittelmeer. Für viele Beobachter in Deutschland, Österreich und Norditalien bleibt es bei einer sehr tiefen partiellen Sonnenfinsternis – in Bozen beispielsweise werden über 91 % der Sonnenscheibe vom Mond bedeckt, während nur wenige Kilometer weiter südwestlich bereits die vollständige Verdunkelung zu erleben ist.

Was ist in Bozen zu sehen?

Bozen liegt knapp außerhalb der Totalitätszone, bekommt aber eine außergewöhnlich tiefe partielle Finsternis:
Beginn: 19:25 Uhr
Maximum: 20:18 Uhr
Ende: 20:29 Uhr
Magnitude: 0,918
Das bedeutet, dass über 91 % des Sonnendurchmessers vom Mond bedeckt werden. Die verbleibende Sonnensichel ist sehr schmal, dennoch wird es keine Totalität geben – die helle Photosphäre bleibt sichtbar, sodass eine Finsternisbrille während der gesamten Beobachtung erforderlich ist.
Wer den Fahrplan genauer studieren möchte, findet ihn sicher in Wiki und auf einschlägigen Astronomie-Seiten.

Wie funktionieren Sonnenfinsternisse

Lasst uns nun einen Blick darauf werfen, wie Sonnenfinsternisse überhaupt zustande kommen.
Der Trick besteht darin, dass für eine Finsternis gleich drei verschiedene Zyklen des Mondes gleichzeitig nahezu wieder am Anfang stehen müssen.
Es gibt nämlich neben dem typischen Mondzyklus, den wir in unserem Kalender üblicherweise, z. B. zur Berechnung unseres Osterfestes benutzen noch weitere Mondzyklen, die wir zur Erklärung von Finsternissen betrachten müssen.

  1. Der synodische Monat
    Das ist die Zeit von einem Neumond bis zum nächsten Neumond.
    Ein synodischer Monat dauert etwa 29,53059 Tage
    Eine Sonnenfinsternis kann nur bei Neumond stattfinden, eine Mondfinsternis nur bei Vollmond.
  2. Der drakonitische Monat – die Bahnknoten
    Die Mondbahn ist gegenüber der Erdbahn um etwa fünf Grad geneigt. Deshalb läuft der Mond meistens oberhalb oder unterhalb der Sonne vorbei.
    Die beiden Schnittpunkte der Mondbahn mit der Erdbahnebene heißen aufsteigender und absteigender Bahnknoten.
    Der Mond benötigt 27,21222 Tage,
    um wieder denselben Bahnknoten zu erreichen.
    Nur wenn Neumond oder Vollmond in der Nähe eines solchen Knotens auftreten, kommt es überhaupt zu einer Finsternis.
  3. Der anomalistische Monat – der Abstand zur Erde
    Die Mondbahn ist elliptisch. Deshalb ist der Mond einmal etwas näher an der Erde (Perigäum) und einmal weiter entfernt (Apogäum).
    Von Perigäum zu Perigäum vergehen 27,55455 Tage.
    Dieser Zyklus bestimmt unter anderem die scheinbare Größe des Mondes. Daher entscheidet er mit darüber, ob eine Sonnenfinsternis total oder ringförmig wird.
    Ist der Mond zum Zeitpunkt einer Finsternis (Neumond und Mond in Knotenpunkt) gerade etwas weiter entfernt von der Erde, vermag sein Shatten es nicht, die Sonnenscheibe vollständig zu verdecken. Er erzeugt in der Sonnenscheibe ein „Loch“, ein Ring aus Licht bleibt bestehen. Eine ringförmige Finsternis ist entstanden. Bei nahem Mond verdeckt er die komplette Sonnenscheibe, so dass die Finsternis total ist.

Das erstaunliche Zusammentreffen nach einer Sonnenfinsternis im Detail

Nacheiner Sonnenfinsternis nach

  • 223 synodischen Monaten
  • 242 drakonitischen Monaten
  • 239 anomalistischen Monaten

sind fast genau dieselbe Mondphase, dieselbe Knotenlage und nahezu derselbe Abstand des Mondes wieder erreicht.
Rechnet man das aus:

  • 223 mal 29,53059 = 6585,32 Tage (Synodischer Monat)
  • 242 mal 27,21222 = 6585,36 Tage (Drachenmonat)
  • 239 mal 27,55455 = 6585,54 Tage ( (Anomalistischer Monat)

Alle Werte liegen nur wenige Stunden auseinander.
Lässt man nun beginnend bei einer Sonnenfinsternis diese drei Mondzyklen gegeneinander laufen, so dauert es 18 Jahre, 11 Tage und acht Stunden, bis sich alle drei mal wieder treffen, um gemeinsam für eine weitere Sonnenfinsternis zu sorgen.
Das ist der Saros-Zyklus.
Er dauert 6585,32 Tage
also ungefähr
18 Jahre, 11 Tage und 8 Stunden.
Die zusätzlichen acht Stunden bedeuten, dass sich die Erde währenddessen um ein Drittel ihrer Achse weitergedreht hat.
Dadurch findet die nächste Finsternis derselben Saros-Serie etwa 120 Längengrade weiter westlich statt.
Deshalb sieht man zwei aufeinanderfolgende Finsternisse derselben Serie meist nicht vom gleichen Ort aus.

Erst nach drei Saros-Zyklen – dem sogenannten Exeligmos – ist auch diese Verschiebung nahezu ausgeglichen.
Der Exeligmos dauert etwa 54 Jahre und 34 Tage.
Eine einzelne Saros-Serie beginnt, wenn der Mond den Erdschatten oder die Sonne zunächst nur ganz am Rand trifft.
Dann folgen über viele Jahrhunderte immer zentralere Finsternisse.
Später wandern sie wieder zum Rand zurück, bis die Serie endet.
Eine typische Saros-Serie umfasst ungefähr
70 bis 73 Finsternisse
über einen Zeitraum von rund 1200 bis 1300 Jahren.

Mehrere Saros-Serien laufen gleichzeitig nebeneinander.
Ich finde es ganz erstaunlich, dass dieser Zyklus schon den alten Babyloniern bekannt war. Aus solch einem Durcheinander Strukturen und Regelmäßigkeiten zu erkennen ist eine unfassbare Leistung.

Spielarten von Finsternissen

Nun kommen wir dazu, welche verschiedenen Arten von Sonnenfinsternissen es gibt.

  1. Je nach Sonnenstand, Erdenstand und Mondstand ist der Mond perspektivisch ungefähr so groß, wie wir auch die Sonnenscheibe wahrnehmen. Die Sonne ist zwar unvergleichlich viel größer, als der Mond, aber dafür ist sie auch viel weiter von uns weg, 150 Mio Kilometer, wo hingegen der Mond grob nur 380.000 Kilometer von der Erde entfernt ist.
    Schafft es die Mondscheibe, die Sonne zu verdecken, spricht man von einer totalen Sonnenfinsternis. Die gleißend helle Sonne wird vom schwarzen Mond bedeckt. Nun tritt die wunderbare schwach leuchtende Korona hervor, Blüten schließen ihre Kelche, Vögel stellen ihren Gesang ein, bzw. stimmen ihr Morgenlied an, Nachtluft scheint zu wehen
    und Protuberanzen am Rand der Mondscheibe werden sichtbar. So ein Spektakel kann niemals länger als 8 Minuten dauern, weil die gegenseitige Drehung der Körper, deren Abstände zueinander und deren Größenverhältnisse bezüglich des Schattenwurfs nicht mehr zulassen.
    Die Corona und die Flammenzungen kann man bei unverdeckter Sonne nur mit speziellen Instrumenten erblicken, weil sie vom Licht der Sonne überstrahlt werden. Dieser Lichtkranz entsteht durch Plasma-Ballen, die in den Magnetfeldern der Sonne hängen. Wie genau, wäre ein extra Artikel wert.
  2. Die Erde bewegt sich elliptisch um die Sonne. Das bedeutet, dass sie im Jahreslauf mal der Sonne etwas näher (149 Mio km) und mal etwas weiter (152 Mio km) steht.
    Somit erscheint sie uns leicht größer bei nahem Abstand und etwas kleiner bei fernem Abstand.
    Der Mond tut das ebenso. Er bewegt sich elliptisch um die Erde. Auch er erscheint uns bei größerer Entfernung etwas kleiner und bei Erdnähe etwas größer.
    Nun überlegen wir uns die Kombination dieser Tatsachen.
    Ist die Sonne eher fern von uns, also kleiner, und der Mond eher nahe bei uns, also größer, kann er ganz wunderbar die Sonnenscheibe abdecken. Eine totale Sonnenfinsternis findet statt.

    Ist die Sonne erdnah und der Mond erdfern, vermag der perspektivisch kleinere Mond es nicht, die ganze Sonnenscheibe zu verdecken. Er erzeugt lediglich ein Loch in der Sonnenscheibe. Eine ringförmige Finsternis ist entstanden.

  3. Ich schrieb oben über die Tatsache mit der leicht gekippten Mondbahn. So kommt es vor, dass der Mond etwas oberhalb oder unterhalb der Sonne steht. Auch hier vermag er nicht, die ganze Scheibe abzudecken. Er beißt nur quasi ein Stück ab, wie man das ungefähr vom Logo des Apfels her kennt. Das ist dann eine partielle Finsternis, oder in den meisten Fällen ein ganz gewöhnlicher unspektakulärer Neumond.

Jede Sonnenfinsternis beginnt und endet als partielle Finsterniss. Ob sie dann totalitär oder ringförmig im Kern wird, hängt, wie beschrieben von den Abständen, Erde, Sonne Mond, ab.

Es gibt auch Finsternisse, die alle drei Arten durchlaufen (Partiell, Ringförmig und total).

Kurz vor der totalen Bedeckung bei einer totalen Finsternis tritt ein Phänomen auf, das man Perlenkette nennt. Der Mond als Scheibe gedacht ist etwas leicht ausgefranst, weil er ja auch Berge und Täler hat und nicht Rund, wie ein Kreis ist.
Das bedeutet, dass zwischen den Bergen am Rand der Mondscheibe kurz vor der totalen Bedeckung der Sonne perlenartig noch die Sonne durchscheinen kann, bis sich dann der ganze Mond davor schiebt.
Die letzte „Perle“ vor der absoluten Totalität, nennt man den Diamantring.

Klingende Finsternisse

Schon ganz schön verwirrend, diese Mondzyklen und die gemeinsamen Treffen aller zur Finsternis. Ohne Bilder alles nur schwer vorstellbar. Aber bilder gibt es beim Sternenonkel nur selten. Dennoch gibt es eine inklusive Art, sich Finsternisse zu vergegenwärtigen.
Jeder weiß, dass Kirchenglocken sehr chaotisch und unregelmäßig durcheinander klingen. Das liegt daran, dass die großen Glocken langsamer in ihrem Turm schwingen, als das kleine Betzeit-Glöckchen, das ganz aufgeregt auch noch mitbimmeln darf.
Manchmal hört man auch, dass zwei Glocken ab und zu gleichzeitig erklingen, um dann wieder auseinander zu driften.
Im Grunde genommen ist das genau, wie mit den unterschiedlichen Monatslängen, die mehr und mehr auseinander driften, um irgendwann mal wieder für eine Finsternis zusammen zu kommen, gemeinsam zu erklingen.
Versucht einfach mal, wenn ihr das nächste mal ein volles Glockengeläut, am besten eines mit drei Glocken hört, euch vorzustellen, dass jede Glocke einem der drei Mondzyklen gehört. Manchmal erklingen alle drei gemeinsam. Dann habt ihr eine Finsternis im Kirchturm gehört.

Fünf entscheidende Sonnenfinsternisse

So weit, so gut. Das ist ja alles ganz nett, aber nützt das auch jemandem, z. B. der Wissenschaft? Hier rufe ich ein ganz klares und entschiedenes „ja“ aus.

Im vorletzten Jahrhundert fanden mindestens fünf totale Finsternisse statt, die Wissenschaftsgeschichte schrieben.

Finsternis 1

Gehören die schönen Flammenzungen am Mondrand, die Protuberanzen, die bei einer totalen Sonnenfinsternis sichtbar werden, zur Sonne oder zum Mond?

Die Antwort gab die Finsternis vom 18. Juli 1860 in Spanien.
Zwei Gelehrte zogen mit ihren Instrumenten an den Ebro und an die spanische Mittelmeerküste.
Zum ersten Mal wurde die Fotografie, damals hieß sie noch Daguerreotypie, eingesetzt.
Der Engländer Warren de la Rue, 1815 bis 1889, ein reicher Papierfabrikant,
war ein Pionier in der Fotografie astronomischer Objekte.
Der Jesuitenpater Angelo Secki, 1818 bis 1887, Direktor des Collegio Romano,
widmete sich in der zweiten Hälfte seines Lebens dem Studium der Sonne.

Beide fotografierten in Spanien die Protuberanzen von Orten aus, die mehrere hundert Kilometer auseinander lagen.
Die Bilder glichen sich wie ein Ei dem anderen.
Die roten Flammenzungen waren also reell.
Mehr noch, rasch nacheinander aufgenommene Platten zeigten, dass sich der Mond vor den Protuberanzen vorbei bewegt.

Damit wusste man, die Protuberanzen gehören zur Sonne.

2. Die eiserne Finsternis

Die Finsternis vom 7. August 1869 konnte längs eines schmalen Streifens beobachtet werden,
der sich von der Beringstraße quer durch Nordamerika nach North Carolina erstreckte.
Diesmal rückte man der Corona zu Leibe.
Es war nicht leicht, das Spektrum dieses schwachleuchtenden Lichtschleiers zu erhalten.

Anfangs schien es nicht allzu aufregend zu sein. Das Licht war anscheinend über das ganze Spektrum gleichmäßig verteilt.
Die dunklen Fraunhofer-Linien des Sonnenspektrums fehlten.
Doch im grünen Bereich entdeckte man eine helle Linie, die man noch nicht kannte.
Welche Atome waren dafür verantwortlich?
Die genaue Vermessung zeigte, dass bei dieser Wellenlänge kein bekanntes Atomlicht aussendet.
Sollte in der Corona der Sonne ein auf der Erde unbekanntes Element den Sonnenphysikern von seiner Existenzkunde geben?

Ende des vorletzten Jahrhunderts gab man dem unbekannten Stoff den Namen Koronium.
Nicht einmal auf der Sonne selbst schien dieses rätselhafte Element vorzukommen, denn es verriet sich auch nicht durch eine Fraunhofer-Linie im Sonnenspektrum. Lediglich in der Korona tauchte es auf.
Erst Mitte unseres Jahrhunderts gelang es, das Geheimnis der grünen Corona-Linie zu lüften.
Sie rührt von Atomen des Eisens her.
Das Eisengas ist dort so heiß, dass den Atomen, deren Kerne normalerweise von einer Wolke von 26 Elektronen umgeben sind, 13 verloren gegangen sind, sodass nur noch 13 Elektronen den Kern umschwirren.
Das ist nur bei unglaublich hohen Temperaturen möglich.
Wir wissen heute, dass die Sonnen-Corona Millionen von Grad heiß ist.
Doch das hatte zur Zeit der Finsternisse des vorletzten Jahrhunderts niemand geahnt.

3. Die indische Finsternis

Am 18.08.1868 bewegte sich der Kernschatten einer Sonnenfinsternis über die indische und die malaiische Halbinsel.

Der Astronom und Fotograf Pierre Jules César Janssen nahm also die beschwerliche Reise auf sich, um von Guntur in Indien aus diese Finsternis zu beobachten und zu fotografieren.

Während der kurzen Dunkelheit erkannte er im Spektroskop, dass die Protuberanzen hauptsächlich bei den Wellenlängen des Lichtes des Wasserstoffs abstrahlen. Man bedenke, dass es damals durchaus noch nicht klar war, woraus die Sonne hauptsächlich besteht. Das erklärte uns erst die Frau mit dem Sonnenstoff.
https://blindnerd.de/2022/03/08/die-frau-mit-dem-sonnenstoff-weltfrauentag-2022/
Man ging davon aus, dass die Sonne sich in ihrer Zusammensetzung unwesentlich von der irdischen unterscheiden sollte.
Aber Spektralaparate waren bereits erfunden und man entdeckte auch die Lichtsignaturen nahezu aller chemischen Elemente in der Sonne, welche sie sich bei ihrer Entstehung einverleibt hatte.

Als nach kurzer Zeit die Sonne wieder hinter der Mondscheibe hervortrat und die Protuberanzen verblassten, soll Janssen ausgerufen haben:
„Diese Linien will ich auch außerhalb der Finsternisse beobachten.“
Am nächsten Tag richtete er sein mit einem Spektroskop ausgestattetes Fernrohr gleich nach Sonnenaufgang auf die Stelle des Sonnenrandes, an der er während der Finsternis eine besonders helle Protuberanz gesehen hatte.

Wenn janssen in seinem Spektroskop nur auf die Alpha-Linie des
Wasserstoffs schaute, dann war er für nahezu alles andere Licht blind. Sonnenbeobachter bis heute betrachten die Sonne gerne in diesem Licht und blenden alles andere mit Filtern weg.

Tatsächlich konnte er das Licht der Spektrallinien der Protuberanzen auch am hellen Taghimmel ausmachen. Durch den Spalt des Spektroskops
am Fernrohr sah er im Licht der roten Wasserstofflinie einen schmalen Streifen der über den Rand der Sonnenscheibe herausragenden leuchtenden Gasmassen. Wenn er das Fernrohr leicht bewegte, dann verschob sich der Spalt und bot den Anblick eines benachbarten schmalen Streifens der Protuberanz. So konnte janssen am Spektroskop Streifen
für Streifen des Sonnenrandes abtasten, zeichnen und zu einem Bild der gesamten Protuberanz zusammensetzen.
Die beiden konnten zwar Protuberanzen mit ihren Spektrographen und Teleskopen beobachten, die sich am Rand der Sonnenscheibe befanden, aber Protuberanzen auf der hellen Sonnenscheibe blieben einem anderen großen Astronomen vorbehalten.

Der erst 21jährige George Ellery Hale grübelte darüber nach, wie man trotz des störenden Lichtes der Sonne bessere otografien gewinnen und damit mehr auf der Fotoplatte festhalten konnte.

Zur Idee seines neuen Instrumentes soll er gesagt haben, dass sie ihm in der Straßenbahn gekommen sei, als er aus dem Wagen heraus auf die Latten eines Lattenzaunes blickte und sich der dahinterliegende Garten scheinbar an den Zwischenräumen vorbei bewegte. Das war die Geburt des Spektroheliographen, wie Hale das Gerät nannte, das in diesem Augenblick in seinem Kopf entstand.
Siehe: Eine Finsternis, ein Sonnenforscher und ein Lattenzaun

4. Einsteins Finsternis

Am 14.12.1919 brachte die Berliner ilustrierte Zeitung auf ihrer Titelseite das Portrait Albert Einsteins und schrieb:

„Eine neue Größe der Weltgeschichte, Albert Einstein, dessen Forschungen eine völlige Umwälzung unserer Naturbetrachtung bedeutet, und den Erkenntnissen eines Kopernikus, Kepler und Newton gleichwertig sind,“
Dieser Einstein war in das Interesse der Medien gerückt. Schuld daran war eine Sonnenfinsternis.

Wenn es stimmt, dass große Massen den Raum, bzw. die Raumzeit krümmen, sollte sich das anhand von Licht in der Nähe großer Massen, nachweisen lassen.
Gesucht wurde ein Objekt, das eine große Masse besitzt, aber entweder selbst nicht leuchtet, bzw. dessen Licht durch etwas anderes verdeckt wird.

Eine Sonnenfinsternis schien dazu geeignet, weil die Sonne eine große Masse besitzt und der mond manchmal dazu in der Lage ist, ihren alles überstrahlenden Lichterglanz abzudecken, damit zum Vorschein kommt, was in ihrer unmittelbaren Umgebung leuchtet und normalerweise durch ihren Glanz nicht sichtbar ist. Das sind die Korona und die Sterne am Taghimmel.

Ihr eigenes Licht wird zum Zeitpunkt der Totalität komplett vom Mond verdeckt. Aber ihre im Vergleich zur Erde riesige Masse, sollte das Sternenlicht, das in ihrer Nähe vorbei geht, leicht verzerren, weil in ihrer Nähe durch ihre Masse die Raumzeit oder auch der Raum gekrümmt werden sollte.
Einstein schlug diese Idee des Nachweises vor und gab sogar eine Grad-Zahl an, um wie viel Bruchteile einer Bogensekunde die Sterne zu ihrer sonstigen Position verschoben sein sollten. Er gab zunächst 0,875 Bogensekunden an. Betrachtete man ein Eurostück aus einer Entfernung von fünf Kilometern, betrüge sein Winkel von Rand zu Rand ungefähr diesen Wert.

Die erste Möglichkeit der Beobachtung einer Sonnenfinsternis, ergab sich 1912 in Brasilien. Diese viel aber wegen Wolken und Regen ins Wasser.

Die nächste war am 21.08.1914 in Russland. Doch drei Wochen zuvor brach der erste Weltkrieg aus. Die deutschen Astronomen, die mit ihrem Gerät bereits in Russland waren, wurden interniert und deren Geräte beschlagnahmt.

1915 hatte Albert Einstein seine relativitätstheorie vervollkommnet und bemerkt, dass die Ablenkung ungefähr doppelt so hoch sein könnte.

Die Möglichkeit einer Überprüfung, einsteins neuestem Werts ergab sich am 29.05.1919 von der Insel Principe vor der Küste spanisch Guineas aus.
Wenn man bedenkt, dass der deutsche Einstein für die Engländer ein Feind war, ist es um so bemerkenswerter, dass sie diese Expedition vorbereiteten und durchführten.

Unter der Leitung des großen britischen Astronomen Athur Edington, wurde das Sternenfeld, in welchem die Finsternis stattfinden würde, bereits ein halbes Jahr vor dem Ereignis fotografiert, als es noch am Nachthimmel zu sehen war, um Vergleichsaufnahmen für die während der Finsternis gemachten Bilder zu haben.

Eine weitere englische Expedition beobachtete das Ereignis von Brasilien aus.
Beide Expeditionen fanden die Ablenkung des Sternenlichts und somit Einsteins Theorie bestätigt.
Und so war spätestens im November 1919 Einstein ein berühmter Mann geworden, dass sogar die Newyork Times über seine Entdeckung berichtete..

Mythen rund um Finsternisse

Es liegt nahe, dass Finsternisse und Kometen für zahlreiche Geschichten und Mythen sorgten. Und wenn die Daten nicht ganz aufeinander passten, dann wurden sie mit der Zeit eben passend gemacht. Außerdem werden Geschichten immer besser, um so öfter sie erzählt werden. Lassen wir hier einige davon erklingen.

  1. Die Schlacht, die plötzlich im Dunkeln endete – 585 v. Chr.
    Die Meder und Lyder kämpften in Kleinasien bereits seit Jahren gegeneinander. Während einer Schlacht am 28. Mai 585 v. Chr. wurde es plötzlich mitten am Tag dunkel: eine totale Sonnenfinsternis.
    Beide Heere interpretierten das Ereignis offenbar als Zeichen der Götter und stellten den Kampf ein. Schließlich schlossen die verfeindeten Parteien Frieden. Der griechische Philosoph Thales von Milet soll die Finsternis sogar vorhergesagt haben – wobei Historiker heute bezweifeln, dass wir wirklich wissen, wie er das hätte berechnen können.
  2. Der König, der sich vor der Finsternis verstecken musste
    Im alten Mesopotamien waren Sonnen- und Mondfinsternisse besonders gefährliche Omen für den König. Die Priester beobachteten den Himmel und deuteten die Finsternis als mögliche Ankündigung von Tod oder Unheil für den Herrscher.
    Und jetzt wird es ziemlich makaber:
    Wenn eine gefährliche Finsternis bevorstand, konnte ein „Ersatzkönig“ eingesetzt werden. Ein anderer Mann wurde zum König erklärt, bekam königliche Kleidung und sogar eine Königin. Der echte König verschwand währenddessen aus der Öffentlichkeit.
    Nach Ablauf der gefährlichen Zeit wurde der Ersatzkönig getötet – das vorhergesagte Unheil sollte ihn treffen, nicht den wirklichen Herrscher.
    Das ist tatsächlich historisch belegt und keine bloße Legende.
  3. Der chinesische Drache frisst die Sonne
    Eine sehr verbreitete chinesische Vorstellung erzählt von einem Himmelsdrachen, der die Sonne verschlingt.
    Wenn die Sonne während einer Finsternis verschwand, versuchte man, das Ungeheuer zu vertreiben: Man machte Lärm, schlug Trommeln und veranstaltete allerlei Krach.
    Die beiden Hofastronomen Hi und Ho, welche über Trunk und Feiern vergaßen, eine Finsternis anzukündigen, kostete dieses Versäumnis ihre Köpfe.
    Der Drakonistische, Drachenmonat, verdankt seinen Namen dieser Legende.
  4. Die Wölfe der Wikinger
    In der nordischen Mythologie verfolgen die beiden Wölfe Sköll und Hati die Himmelskörper Sonne und Mond.
    Sköll jagt die Sonne, Hati den Mond. Wenn einer der Wölfe sein Ziel erreicht und den Himmelskörper verschlingt, kommt es zur Finsternis.
    Im Zusammenhang mit Ragnarök, dem Untergang der alten Welt, gelingt es den Wölfen schließlich tatsächlich, Sonne und Mond zu verschlingen.
    Man kann sich also eine Sonnenfinsternis als einen kurzen Moment vorstellen, in dem der Wolf die Sonne beinahe erwischt.
  5. Die Bibel: „Die Sonne wurde dunkel“
    Hier wird es besonders interessant, weil die Finsternis direkt in der Passionsgeschichte vorkommt.
    Die Evangelien des Neuen Testaments berichten, dass während der Kreuzigung Jesu von etwa der sechsten bis zur neunten Stunde Dunkelheit über das Land kam. Lukas formuliert sogar, dass die Sonne ihr Licht verlor.
    Das ist allerdings keine normale Sonnenfinsternis: Eine totale Sonnenfinsternis dauert an einem bestimmten Ort höchstens wenige Minuten, nicht drei Stunden.
    Siehe: Die Finsternis an Karfreitag und der zerrissene Tempelvorhang

    Dazu kommen zwei interessante alttestamentliche Stellen:
    Bei Amos 8,9 heißt es sinngemäß, Gott werde die Sonne am Mittag untergehen lassen und die Erde am hellen Tag verdunkeln.
    Und Joel 2,31 sagt:
    Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut.

    Noch eine bemerkenswerte Bibelstelle findet sich im Buch Josua.
    Josua soll bei der Schlacht von Gibeon gesagt haben:
    „Sonne, steh still!“
    und der Mond solle ebenfalls stillstehen.

    Das wurde immer wieder mit einer außergewöhnlichen Himmelserscheinung in Verbindung gebracht. Moderne astronomische Untersuchungen haben sogar versucht, eine konkrete historische Sonnenfinsternis damit zu identifizieren. Eine Forschungsarbeit kommt als Kandidaten auf den 30. September 1131 v. Chr.
    Ob das tatsächlich die historische Grundlage der Erzählung war, ist allerdings keineswegs gesichert.

  6. Kolumbus und der „Blutmond“ von 1504
    Das ist eine der berühmtesten Geschichten über eine Mondfinsternis.
    Christoph Kolumbus saß 1504 auf Jamaika fest. Die dortigen Taíno versorgten die Spanier zunächst mit Nahrung, weigerten sich aber schließlich.
    Kolumbus wusste aus seinen astronomischen Tabellen, dass bald eine Mondfinsternis stattfinden würde. Er soll angekündigt haben, dass sein Gott zornig sei und den Mond verschwinden lassen werde.

    Als der Mond tatsächlich dunkel und anschließend blutrot wurde, sollen die Taíno beeindruckt gewesen sein. Kolumbus konnte die Situation anschließend nutzen, um die Versorgung seiner Männer wieder sicherzustellen.

    Die Geschichte stammt allerdings aus späteren europäischen Berichten und sollte deshalb nicht völlig unkritisch als wortgetreuer historischer Tatsachenbericht erzählt werden. Die astronomische Finsternis vom 1. März 1504 ist dagegen eindeutig. Interessanterweise liegt sie ziemlich genau 521 Jahre vor der Mondfinsternis vom März 2025 – ein Hyper-Saros-Zyklus.
    Siehe: Eine Finsternis als Lebensretterin

Finsternisse in der Literatur

Betrachten wir nun zum Schluss noch einige Finsternisse in unserer Literatur.

Sonnenfinsternis bei Marc Twain

In einer Erzählung ließ Marc Twain einen Amerikaner durch einen Blitzschlag einen Zeitsprung vollführen. Dieser Mensch taucht nun am 19.06. des Jahres 528 in der Zeit des sagenhaften König Artus wieder auf. Durch zahlreiche Verwicklungen gerät dieser Mann schließlich in das Gefängnis und wurde zum Tode verurteilt.

Er verfügt jedoch über ein Wissen der besonderen Art.
Er sagt für den 21.06.528 eine totale Sonnenfinsternis voraus. Hierdurch erlangte er die Gunst des Königs und letztlich dann auch seine Befreiung. Er wird zum astronomischen Berater des Königs ernannt.
So weit, so gut, aber fand an diesem Tage überhaupt eine Sonnenfinsternis statt, die Atus und seine Mannen hätten sehen können?

Um dieses herauszufinden, müssen wir ein Verzeichnis oder einen Katalog bemühen, in welchem alle Finsternisse der letzten 2000 Jahre verzeichnet sind. Am besten eignen sich hier die Kataloge von Opolzer oder der von Mucke. Selbstverständlich kann man heutzutage auch kostenlose Software, wie Stellarium verwenden, obwohl die je früher man in der Zeit zurückgeht, ihre Grenzen hat.

Im Jahre 528 gab es vier Sonnenfinsternisse, am 06.02, 06.03, am 01.08. und am 30.08. Alle waren partieller Natur.
Da am 01.08. neumond geherrscht haben muss, denn ohne Neumond keine Sf war dies auch einen synodischen Monat vorher, also Anfang Juli der Fall. Der 21.06. war somit kurz nach Vollmond. Ein unmöglicher Zeitpunkt für eine Sf. Vermutlich erfand Twain das Datum einfach.
Schön und spannend bleibt diese Erzählung dennoch.

Jules Vernes Sonnenfinsternis

In dem zweibändigen Roman „Im Land der Pelze“ beschreibt Jules Vern, der Vater der Science Fiction Literatur, die Abenteuer einer Reisegruppe, die nach Alaska kommt.
Unter den Mitreisenden befindet sich ein Astronom. Verne beschreibt ihn als Menschen, der außer seine Sternbeobachtungen nichts zuwege bringt. Dieses jedoch macht ihm keiner gleich. Dieser Astronom, Namens Black, schließt sich der Reisegruppe an, um eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten. Diese soll am 18.06.1860 stattfinden. Gegen 09:30 beginnt die totale Phase der Finsternis. Black und seine Reisegefährten sehen die Sichel des Mondes immer dünner werden. Jeden Moment muss die totale Bedeckung anbrechen. Doch dann geschieht etwas ganz anderes. Black sieht, dass die Mondsichel plötzlich wieder breiter wird und somit die Phase der totalen Bedeckung überhaupt nicht stattfand. Was war hier geschehen? Waren die Kataloge und Voraussagen der Astronomen falsch? Keines Wegs. Die Lösung des Problems war entsätzlich.

Die Gruppe befand sich gar nicht an dem Orte, an welchem sie sich wähnte.
Die Reisegruppe hatte nicht bemerkt, dass die Eisscholle, auf welcher sie sich befand, sich vom Festland gelöst hatte und in südlicher Richtung in wärmere Gewässer durch die Beringsee trieb. Diese Drift brachte die Scholle außerhalb des Streifens der Totalität.
Der Rest des Romans handelt dann davon, wie die Gruppe auf dem Eis um ihr Überleben kämpfte.

Was hat es nun tatsächlich mit der Sonnenfinsternis von Verne auf sich?
Tatsächlich gab es an besagtem Tage eine Sonnenfinsternis, deren Streifen der Totalität sich, wie bei Jules Verne beschrieben, von Alaska, über Kanada und den Atlantik ins Mittelmeer erstreckte.Es ist aber nicht verwunderlich, dass Verne im Gegensatz zu Twain eine tatsächlich stattgefundene Finsternis beschrieb. Der Roman erschien 1873, also 13 Jahre nach der Finsternis. Verne musste sich somit nicht auf Vorausberechnungen stützen, sondern konnte sich auf sicher fundamentiertes gewesenes verlassen.

Sonnenfinsternis bei Adalbert Stifter

Wenn man Sonnenfinsternisse literarisch betrachtet, dann kommt man an Adalbert Stifters Beschreibung einer von ihm selbst beobachteten Sonnenfinsternis nicht vorbei. Für mich stellt sie die schönste deutschsprachige Beschreibung einer Sonnenfinsternis dar, die ich kenne.
Siehe: Eine literarische Erinnerung
Anhören könnt ihr euch diesen wunderbaren Text ebenfalls. Siehe untenstehende Linkliste von Eberhard.

Weitere Links zur Sonnenfinsternis

Eberhard, auf dessen Newsletter ich schon mehrfach Gastbeiträge veröffentlichen durfte, hat hier eine ganz wunderbare Linkliste zum Thema Sonnenfinsternis zusammengestellt. Diese teile ich hier gerne mit euch.
Eberhard sagt.
Vor allem der erste Beitrag in der ARTE-Mediathek ist besonders gut:
Die Sofi bei ARTE:
https://www.arte.tv/de/videos/125674-000-A/totale-sonnenfinsternis-europa-im-mondschatten/

Die Sonnenfinsternis wird LIVE übertragen von
https://www.digitalfernsehen.de/news/inhalte/fernsehen/zdf-uebertraegt-totale-sonnenfinsternis-live-aus-mallorca-1184934/

Harald Lesch „Was ist eine Sonnenfinsternis?“ in BR alpha centauri:
https://www.ardmediathek.de/video/alpha-centauri/was-ist-eine-sonnenfinsternis/ard-alpha/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9GMjAxNldPMDExODIzQTA

und seine persönliche Sofi-Beobachtung:
https://www.youtube.com/watch?v=jP84qOF77S0

Sonnenfinsternis beweist Relativitätstheorie, Harald Lesch
https://www.reddit.com/r/de/comments/6ual60/sonnenfinsternis_beweist_relativit%C3%A4tstheorie/

Totale Sonnenfinsternis in der MAUS:
https://youtu.be/pxWb10AZ-NA?is=gNkyd0UJgoMNDH4G

„Die Sonnenfinsternis“ von Adalbert Stifter
Die meisten Sonnenfinsternis-Experten kennen ja die wunderbare Schilderung der Sonnenfinsternis vom
8. Juli 1842 von Adalbert Stifter, die er auf der Aussichtsterrasse des Kornhäuslturms über den Dächern von Wien beobachten konnte.

Das „Schmankerl“ ist nun, dass ich Christian Baumann dafür gewinnen konnte, diesen Text zu lesen.

Christian Baumann ist als Schauspieler und Sprecher seit 1996 auf zahlreichen Theaterbühnen und in TV-Produktionen zu sehen. Er ist bekannt als Sprecher in Funk und Fernsehen, beispielsweise auch bei Bayern 2, sowie aus unzähligen Hörbuchproduktionen.
Seine Filmografie und Produktionsübersicht sind hier zu finden: http://www.baumannchristian.de/
Weitere Infos auch hier:
In Wiki

Seine Lesung von Stifters Text
Dauer: 21 Minuten
Ich empfehle diese Datei vor dem Beginn der Sofi abzuspielen. Das ist die perfekte Einstimmung zur Sofi.

Aus dem Blog des blinden Astronomen Gerhard Jaworek erfahren wir zu dieser Schilderung von Adalbert Stifter Folgendes:
„Der Aufsatz „Sonnenfinsternis“ von Adalbert Stifter erschien zuerst in der „Wiener-Moden-Zeitung und Zeitschrift für Kunst, schöne Literatur und Theater“ 1842 III. Quartal.“

Sterne für Alle – Astronomie und die Arbeiterbewegung


Seid herzlich gegrüßt.

Am Tag der Arbeit, wenn weltweit Menschen für bessere Lebensbedingungen, Gerechtigkeit und Teilhabe eintreten, richtet sich der Blick meist auf Fabriken, Straßen und politische Forderungen. Doch es lohnt sich, den Blick ein Stück weiter zu heben – hinauf zum Himmel.
Denn auch die Astronomie erzählt eine Geschichte von Teilhabe. Eine Geschichte davon, wie Wissen seinen Weg aus elitären Zirkeln hinaus in die Hände vieler fand. Eine Geschichte, die überraschend gut zum 1. Mai passt.

Der Himmel gehört nicht nur den Reichen

Noch im 19. Jahrhundert war Astronomie ein Privileg. Große Teleskope standen in den Gärten von Fürsten, Universitäten oder wohlhabenden Privatgelehrten. Wer in den Himmel schauen wollte, brauchte Zugang und der war streng begrenzt.
Mit der entstehenden Arbeiterbewegung änderte sich das langsam.
Arbeiterbildungsvereine begannen, Vorträge über Naturwissenschaften anzubieten. Nicht nur über Maschinen oder Chemie, sondern auch über die Sterne. Der Himmel wurde zu einem Ort der Bildung, und Bildung wiederum zu einem Mittel der Befreiung.
Beispiele hierfür sind
der Leipziger Arbeiterbildungsverein

  • Einer der frühesten und einflussreichsten Vereine (gegründet 1848).
  • bot Vorträge über Naturwissenschaften, Politik und Technik
  • organisierte Bibliotheken für Arbeiter
  • Astronomie war Teil der „populären Wissenschaften“, die bewusst niedrigschwellig vermittelt wurden

Gerade hier wurde der Gedanke geprägt: Bildung ist kein Luxus, sondern ein Recht.
Ein weiteres Beispiel ist
der Berliner Arbeiterbildungsverein

  • enge Verbindung zu frühen sozialdemokratischen Strukturen
  • Vorträge über „Weltbilder“ – oft mit astronomischen Inhalten
  • Diskussionen über das heliozentrische Weltbild als Symbol für wissenschaftliches Denken

Astronomie war hier nicht nur Wissen, sondern auch ein Gegenentwurf zu religiösen oder autoritären Weltbildern.
In diesem Zusammenhang entstanden auch viele Volkssternwarten.
Ein besonders schönes Beispiel ist die Archenhold-Sternwarte in Berlin. Sie wurde bewusst als Volkssternwarte konzipiert. Kein abgeschotteter Elfenbeinturm, sondern ein Ort, an dem jeder Mensch durch ein Fernrohr schauen konnte.
Der Gedanke dahinter war radikal einfach:
Wissen gehört allen. Auch der Blick ins All.

Ohne Arbeiter keine Sterne

Astronomie wirkt oft wie eine stille Wissenschaft; ein Mensch, ein Teleskop, ein weiter Himmel. Doch dieser Eindruck täuscht.
Hinter jedem Blick durch ein Fernrohr steckt Arbeit:

  • geschliffene Linsen und Spiegel
  • feinmechanische Montierungen
  • präzise Uhren zur Zeitmessung
  • Infrastruktur wie Eisenbahn und Telegrafie

All das entstand durch die Hände von Arbeitern, Technikern und Handwerkern.
Doch selbst innerhalb dieser „unsichtbaren Arbeit“ gab es Ungleichheiten – und gibt sie zum Teil bis heute.

Unsichtbare Arbeiterinnen des Himmels

Ein oft übersehener Teil der Astronomiegeschichte sind die Frauen, die wesentlich zur Entwicklung der Wissenschaft beigetragen haben und dennoch lange im Schatten standen.
Ihr wisst, dass ich ihnen auf dem Blog eine ganze Kategorie und einen ganzen Adventskalender widmete.
Ende des 19. Jahrhunderts arbeiteten beispielsweise am Harvard-Observatorium zahlreiche Frauen als sogenannte „Computer“. Eine von ihnen war Annie Jump Cannon, die maßgeblich an der heute noch verwendeten Klassifikation von Sternspektren beteiligt war.
eine weitere, Henrietta Swan Leavitt, entdeckte die Beziehung zwischen der Helligkeit und der Periodendauer von Cepheiden – eine Grundlage für die Entfernungsbestimmung im Universum.
Und doch wurden diese Frauen schlechter bezahlt, hatten weniger Anerkennung und oft keinen Zugang zu Teleskopen. Sie analysierten Daten, während andere die Beobachtungen durchführten und den Ruhm erhielten.

Noch in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts zeigte Susan Jocelyn Bell Burnel, dass diese Muster von Ungleichheiten bis heute noch nicht überwunden sind.
Sie entdeckte die ersten Pulsare, doch der Nobelpreis ging an ihren Doktorvater.
Und vergessen wir bitte nicht: Ohne die sog. Rechnerinnen wären wir niemals zum Mond gekommen.
Diese Geschichten sind keine Randerscheinungen in der Wissenschaft. Sie zeigen:

  • Auch in der Wissenschaft gab und gibt es eine Art Arbeiterklasse – und viele von ihnen sind Frauen.
  • Bis heute sind Frauen in Astronomie und anderen Wissenschaften unterrepräsentiert, insbesondere in Führungspositionen.
  • Strukturelle Hürden, ungleiche Bezahlung und fehlende Sichtbarkeit wirken nach.

Der 1. Mai erinnert deshalb nicht nur an Fabrikarbeiter – sondern auch an all jene, die im Hintergrund arbeiten, rechnen, auswerten und entdecken, ohne die Anerkennung zu bekommen, die sie verdienen.

Unter demselben Himmel

Wer in den Nachthimmel schaut, sieht keine Grenzen, Keine Länder, Keine Klassen, Keine Unterschiede zwischen Arm und Reich.
Diese Perspektive erinnert an das, was später unter dem Begriff Pale Blue Dot bekannt wurde: die Erde als winziger, zerbrechlicher Punkt im Kosmos.

Für die Arbeiterbewegung, die von Anfang an internationale Ideen trug, war das kein fremder Gedanke. Menschen in verschiedenen Ländern kämpfen vielleicht unter unterschiedlichen Bedingungen, aber sie leben unter demselben Himmel.

Sogar Denker wie Karl Liebknecht betonten, dass Bildung der Schlüssel zur Freiheit sei. Und zur Bildung gehörte immer auch das Verständnis der Natur – und damit des Universums.
Der Blick ins All kann also etwas lehren, das über Physik hinausgeht:
Er macht uns bescheidener – und gleichzeitig verbundener.

Vom Arbeiter zum Kosmonauten

In der damaligen Sowjetunion wurde die Raumfahrt bewusst als kollektive Leistung inszeniert. Nicht das Genie allein, sondern das Zusammenspiel vieler sollte den Weg ins All ermöglichen.
Als Juri Gagarin 1961 als erster Mensch die Erde umrundete, wurde er nicht nur als Held gefeiert, sondern auch als Sohn einfacher Verhältnisse. Ein Arbeiterkind, das die Grenzen der Erde hinter sich ließ.
Das war mehr als Propaganda. Es verkörperte die Vision, Dass Fortschritt nicht nur wenigen gehört, sondern von vielen getragen wird, und vielen zugutekommt.

Sterne, Freiheit und Würde

Der 1. Mai erinnert uns daran, dass Würde, faire Arbeit und Teilhabe keine Selbstverständlichkeiten sind. Sie mussten erkämpft werden, und werden es noch immer.
Die Astronomie erzählt eine parallele Geschichte.
Eine Geschichte davon, wie Wissen geöffnet wurde. Wie Menschen, die einst ausgeschlossen waren, Zugang zu den Sternen bekamen. Wie der Himmel vom Symbol der Ferne zu einem Ort der gemeinsamen Neugier wurde.

Und sie erinnert uns auch daran, dass dieser Weg nicht für alle gleich verlief und bis heute nicht vollständig abgeschlossen ist.
Vielleicht liegt gerade darin eine stille Verbindung:

Während Menschen am 1. Mai für ihre Rechte eintreten, spannt sich über ihnen ein Himmel, der niemandem gehört – und gerade deshalb allen.

Mein Wunsch für den heutigen Tag der Arbeit

In diesem astronomischen Sinne wünsche ich mir, dass vor allem die Partei, der auch ich angehöre, die SPD, sich wieder mehr für ihre „Arbeiter:innen“ einsetzt, die sie in den letzten Jahren durch Vernachlässigung an andere Parteien verloren hat, die man besser nicht in einer Regierung sehen möchte.
Liebe Genossinnen und Genossen, besinnen wir uns mal wieder auf unsere Wurzeln und unsere Entstehungsgeschichte und setzen wir uns wieder für das ein, was man eine moderne Sozialdemokratie nennen kann.

Und was das Recht auf Bildung angeht, so klafft die Schere immer weiter auseinander.
Und ein Land, das über Fachkräftemangel z. B. im IT-bereich klagt, sollte sich vielleicht mal darüber Gedanken machen, ob es so schlau ist, überall die Astronomie aus den Lehrplänen zu werfen, und die Teleskope und Schulplanetarien verotten zu lassen.

Kalendergeschichten


Seid herzlich gegrüßt.
Unsere liebe Eva, die Ihr alle von ihren wunderbaren Kommentaren kennt, hat einen besonderen Spaß daran, für jeden Kalendertag Highlights im Wesentlichen aus Astronomie und Wissenschaft, heraus zu suchen.
Ihr Ergebnis schickt sie mir dann immer, und wir tauschen uns darüber aus.
Das ist manchmal viel zu lesen, aber immer sehr spannend. Andererseits ist es aber zu wertvoll, als dass nur ich diese Ernte habe, und ihr habt nichts von dieser geistigen Nahrung.
Also geht es darum, einen Kompromiss zu finden, der euch nicht überlastet und der noch schön zu lesen ist. Eine Auflistung von Ereignissen wäre ja auch nicht zielführend. So war Geschichtsunterricht früher in der Schule, leider..
Es ist ja auch so, dass nicht alle vermeintlichen Ereignisse, die irgendwann mal zu einem gleichen Datum stattgefunden haben, zusammen passen, ohne dass ihre Gemeinsamkeit an den Haaren herbeigezogen wirkt.
Lasst Eva und mich heute mal einen Testballon steigen, in welchem wir aus einigen Ereignissen der beiden April-Wochen, eine Geschichte machen.
Eine etwas ungewöhnliche Leseerfahrung mag hierbei für manche sein, dass wir manchmal im Kalender vor und zurück springen.
Würden wir uns an die Reihenfolge der Kalenderdaten halten, dann passt die Historie nicht. Von daher gehen wir den Kompromiss ein und leben mit dieser leichten Unruhe im Lesefluss.
Vielleicht finden wir ja auch noch eine bessere Vorgehensweise.
Wenn euch das Format gefällt, würden wir das eventuell einmal im Monat anbieten.
Lasst es mich in den Kommentaren wissen. Kritik und natürlich vor allem Lob sind herzlich willkommen.
Jetzt aber genug des Vorgeplänkels.
Seit es Menschen gibt, heben sie die Augen zum Himmel, um Sterne, Sonne und Mond zu beobachten.
Das war nicht nur Spielerei. Sirius zeigte die Nilflut an, Nach dem Mond wurden Feste berechnet, und vieles mehr. Vor allem, wenn etwas nicht so am Himmel lief, wie normal, wurde es spannend, da solche Ereignisse oft mit schlimmen bevorstehenden Dingen, wie z. B. verlorene Kriege etc. in Verbindung gebracht wurden.
Wir erinnern uns. Die beiden chinesischen Hofastronomen Hi und Ho, fanden den Tod, weil sie im Suff vergaßen, eine Sonnenfinsternis vorauszusagen.
Auf jeden Fall ist für den 07.04.378 v. Chr. eine Mondfinsternis dokumentiert.
Für diesen Tag protokollierten babylonische Astronomen eine totale Mondfinsternis, die aufgrund der Angaben im Keilschrifttext genau zu datieren war. Die Mondfinsternis fiel in ein Schaltjahr des babylonischen Kalenders und begann in Babylonien am 6. April 378 v. Chr. gegen 22:00 Uhr (partielle Phase).
Auch in Mitteleuropa wurde schon 1600 Jahre vor Christus der Mond und die Plejaden beobachtet, wie wir dank der Himmelsscheibe von Nebra wissen.
Na gut. Ihr ahnt wohl schon, dass aktuelle Ereignisse den roten Faden dieses April-Artikels bilden.
Am Anfang war das Wettrennen zwischen den USA und den Soviets. Betrachten wir also die wichtigsten Meilensteine des Aprils.

Der erste Mensch im All war Juri Gagarin. 
Das war ein dramatischer erneuter Rückschlag für die USA. Immerhin hatten die Russen zu der Zeit vorher auch schon alle möglichen Lebewesen ins Weltall geschickt. Natürlich war dieser Erfolg dann auch ein gutes Propaganda-Mittel für das kommunistische System, aber das wäre für den Fall, dass die USA vorne gewesen wären, auch kaum anders gewesen. Auf jeden Fall kann man sagen, dass extrem hoch gepokert wurde. Dieser erste Flug war ein Pannenflug. Vor allem, als beim Wiedereintritt sich die Kapsel nicht vom Rest abtrennen wollte, begann das Schiff zu taumeln und hätte sehr leicht verbrennen können.
Nichts desto Trotz. Die Tür zum All war aufgestoßen. Von wem, ist ja letztlich nicht so wichtig.
Die Amerikaner und Russen machten also weiter. Beide wollten zum Mond.

Und so wählte die NASA am 9.4.1959  die ersten sieben Mercury-Astronauten aus und stellte sie der Weltöffentlichkeit vor.
Es handelt sich um Alan Shepard, Gus Grissom, John Glenn, Scott Carpenter, Walter Schirra, Deke Slayton und Gordon Cooper.
Das ist tatsächlich ein spannender Unterschied zur Präsentation der russischen Kosmonauten. Was man mit Gagarin vor hatte, war streng geheim. Nicht mal seine Familie wusste, was er tun würde. Selbiges galt natürlich auch für seinen Ersatzmann und andere.
Das Mercury-Programm klärte die grundlegenden Fragen der bemannten Raumfahrt:

  • Kann ein Mensch im All überleben und arbeiten?
  • Funktioniert Steuerung im Orbit?
  • Ist ein sicherer Wiedereintritt möglich?
  • Wie reagiert der Körper auf Schwerelosigkeit?

Die Antworten waren entscheidend für die nächsten Programme:
Gemini-Programm und später Apollo-Programm.
Und genau dieses Apollo-Programm startete mit einer tragischen Katastrophe. 
Die Raumkapsel sollte am 27.1.1967 am Erdboden getestet werden. Und da brach plötzlich ein Feuer aus, bei welchem alle drei Astronauten ihr Leben verloren. Die Luke ließ sich wegen der großen Hitze nicht mehr öffnen und die Überlebenssysteme ersetzten den vom Feuer verzehrten Sauerstoff rasch durch frischen, so dass das Feuer noch zusätzlich angefacht wurde und seine Temperatur weiter stieg.
Einer der Drei Astronauten  war der am 3.4.1926 geborene
Gus Grissom (Virgil I. Grissom)
Er war der erste Mensch, der zweimal in den Weltall flog und starb bei dem Test der Apollo 1.
Die beiden anderen waren
Ed White (Edward H. White II)
und Roger B. Chaffee
Ein tragischer Unfall, der das ganze Projekt gefährdete und in Frage stellte.
Aber auch die Russen wollten zum Mond und hatten bis dato im Weltraum überall die Nase vorn.
Sie waren die ersten, die am 3. April 1966 mit Luna10 eine Raumsonde in eine Umlaufbahn um den Mond brachten. Später folgten weitere Raumsonden und einige Rover. Allerdings das Glück, selbst Menschen zum Mond zu bringen, war ihnen nicht vergönnt. Besser gesagt, sie gaben ihr Mondprogramm auf, als das Rennen verloren war.

Auf jeden Fall startete am 4.4.1968 mit Apollo 6 die letzte unbemannte Raumsonde des Apollo-Programms. 
Die Montage der Mondlandefähre lag weit hinter dem Zeitplan zurück und die NASA stand unter enormem Druck.
Im September 1968 hatten die Sowjets zwei Schildkröten und ein paar Mehlwürmer um den Mond geschickt und sicher auf die Erde zurückgebracht.
Die Befürchtung, die Soviets würden das nun auch zuerst mit Menschen schaffen, war durchaus berechtigt.
Aus diesem Grunde mussten die Missionsplaner das Ziel für Borman, Lovell und Anders leicht ändern: Sie sollten nicht, wie für Apollo7 eigentlich geplant, im Erdorbit bleiben, sondern den Weg zum Mond wagen, ihn umkreisen, und wieder sicher auf der Erde wassern.
Apollo7 wurde also übersprungen und es folgte die uns bekannte Weihnachtsmondfahrt. Danach mit Apollo11 die erste Landung, mit Apollo13 die Fast-Katastrophe, und mit Apollo17 war das Strohfeuer zum Mond abgebrannt, und niemand interessierte sich mehr für ihn.

Nun ja, bis jetzt eben. Wir haben mit Artemis2 unseren Ostervollmond, denn ein Aprilscherz war das wahrlich nicht.
Mit einem geplanten Dorf auf dem Mond klingt die ganze Geschichte auf den ersten Blick ambitionierter, als es Apollo je war. Aber für mich, und damit bin ich nicht alleine, fühlt es sich momentan verdammt ähnlich, wie ein zweites Mondrennen, ja, wie eine Wiederholung der Geschichte, an. Nur, dass diesmal der Gegner der USA mit Chi beginnt und mit Na endet.
Unbeirrt testet China seine Sonden, landet dann und wann etwas auf dem Mond, bringt sogar Gesteine von Asteroiden heim, und, und, und. Die NASA ist aus dem Gateway, der Station um den Mond herum, ausgestiegen. Ob diese Entscheidung zugunsten eines Mond-Dorfes richtig war, wird sich weisen.
Aber ich will hier keine Meinung machen. Wir werden es erleben. Und ja, ich habe mich trotz allem über den neuen Aufbruch zum Mond gefreut. 
Und so beende ich diesen Artikel mit der Zuversicht, dass wenn es gesundheitlich etc. normal läuft, dann darf ich mindestens den dreizehnten Menschen auf dem Mond erwarten. Und was der dann ist, ist unwichtig, weil wir den Weltraum nur als geeinte Menschheit bezwingen werden und nicht als, was auch immer.
Manchmal kommt es mir so vor, dass wir in Sachen Weltraum längst viel weiter wären, wenn wir die Probleme hier auf Erden gelöst hätten. Vielleicht schützt das Universum sich selbst davor, dass wir alles zerstören, wenn wir etwas entdecken, bevor wir reif dafür sind…

Schlussgedanken von Eva:
Ihr Lieben, jetzt darf ich mich auch noch zu Wort melden.  Ich hoffe, die kleine Reise hat euch gefallen. Erstmal herzlichen Dank an Gerhard für die Blumen und erst recht dafür, dass du aus meiner Sammlung an Daten eine schöne Geschichte gemacht hast (und keinen Geschichtsunterricht. Smile).
Mir war aufgefallen, dass vom 3. April bis zum 12. April jeder Tag ein historisches Ereignis rund um den Mond und der Geschichte der Raumfahrt vorhanden war.
Sei es ein Geburtstag wie der von Blanche Stuart Scott an einem 8. April. Sie war die erste weibliche Pilotin eines Flugzeugs in den USA. Sonden die auf Venus, Mars oder Mond landeten oder dorthin gestartet sind oder auch die Rückkehr der letzten Besatzung der MIR oder der Start der Apollo 13.

Ihr merkt, schon allein aus den 14 Tagen hätten wir jede Menge Geschichten erzählen können. Sicherlich kanntet ihr das meiste davon. Aber wer weiß von einem Feiertag am 12. April? Mich jedenfalls hatte es sehr überrascht. Offiziell ist er der “Internationale Tag der bemannten Raumfahrt“ und wurde von der UN Generalversammlung 2001 beschlossen. In manchen Gegenden heißt er schlicht “Juri-Gargarin-Tag” zur Erinnerung an den ersten bemenschten Raumflug am 12.April 1961.

Österliche Mondgedanken


Meine lieben,
die Spatzen pfeifen es von den Dächern und die Medien lassen auch gelegentlich davon hören, obwohl ich mir in dem Fall etwas mehr Medienrummel erwartet und vielleicht auch gewünscht hätte.
Nun ja, heute ist eine andere Zeit. Das mediale Angebot ist riesig groß, so dass es, eigentlich nur dieses Ereignis und vielleicht parallel dazu noch eine langweilige Volksmusik-Sendung gegeben hat.

Ja klar, ihr wisst es schon. es geht um die österliche Mondumrundung von Artemis 2 mit vier Astronaut:innen, wovon eine eine Frau und ein weiterer ein People of Collor ist. Das ist selbst für die heutige Zeit bemerkenswert.
Bin nicht sicher, ob ein gewisser Herrscher über einen gewissen Kontinent das nicht gerne geändert hätte. Aber solch eine Crew kann man selbst dann nicht, wenn man D.T. heißt, so einfach auseinander reißen.
Und das letzte, was ich im Zusammenhang mit diesem Mann noch zu sagen habe ist: Ihm gönne ich diesen wunderbaren Erfolg sicher nicht. Meine Hochachtung gilt jenen, die das überhaupt ermöglicht haben. Und da ist Europa mit Deutschland ganz vorne dabei. Wir bauen das Service-Modul, ohne das kein Leben in der Kapsel möglich wäre. Und für all jene freue ich mich, erhebe die Gläser und lasse sie hell erklingen.
So, und jetzt Schluss mit Politik und allem.

Spannend an diesem Artikel ist, dass ich selbst auch noch nicht weiß, wo er hin führt.

Das übliche, wie Missionsablauf, eventuelle Interviews, Daten zu Rakete, Mannschaft oder Raumkapsel, die Flugbahn und alles, erklären euch die Medien, Youtube, Wiki, und wie sie alle heißen, viel besser als ich. Lasst uns also nach dem schürfen, das unter der Oberfläche liegt…

Ostern ist auf diesem Blog in den letzten Jahren mehr und mehr zu einer Chance geworden, mal die Perspektive zu wechseln. Erinnern wir uns beispielsweise an den außerirdischen Raumfahrer, der sich zum letzten Osterfest der Erde näherte, und unsere ganzen Radiobotschaften angehört und kommentiert hat. Das wurde von euch sehr gut aufgenommen, wofür ich sehr dankbar bin.

https://blindnerd.de/2025/04/17/ein-anlass-und-was-waere-wenn/

Einen anderen Perspektivwechsel betrachteten wir, indem wir uns den Traum vom Mond von Johannes Kepler ansahen.

https://blindnerd.de/2018/10/23/zum-vollmond-heute-nacht-eine-mondgeschichte/

Da Ostern ja auch immer das Fest des Lebens und des Erwachens mit Hasen, eiern und allem ist, suchten wir nach dem, was alle Apollo-Astronauten auch nicht fanden, dem Mondhasen.
https://blindnerd.de/2022/04/17/der-mondhase/

Schön österlich ist auch, wenn man sich mal damit beschäftigt, wie andere Kulturen die Entstehung des Lebens, des Menschen und des Kosmos sich vorstellen.

https://blindnerd.de/2020/04/10/das-kosmische-ei/

Und ja, wir wissen alle, dass Weihnachten und Ostern Beginn und Enden des Mannes Geschichte markieren, an den wir Christen glauben. Für uns ist hier ganz besonders die Weihnachtsmondfahrt interessant, weil Weihnachten 1968 die Apollo8-Mission genau das tat, was jetzt über dieses Osterfest um den Mond passiert.
Und natürlich. Jeder Versuch, den Mond zu erreichen, ihn zu umrunden und eventuell dann auch auf ihm zu landen, erinnert uns an Jules Vernes Buch „Die Reise zum Mond. Dieses verglich ich mit dem Missionsablauf von Apollo8 in meiner Weihnachtsmondfahrt in

https://blindnerd.de/2019/12/16/die-weihnachts-mondfahrt-von-apollo-viii-undie-befluegelnden-ideen-dazu-aus-der-literatur/

Sicherlich weichen im Vergleich Atemis2 mit Jules Vernes Buch deutlich mehr Dinge voneinander ab, als bei Apollo8. Aber was ich so mitbekomme ist dann doch einiges bis hin zum Aufbau der heutigen Rakete verglichen mit der Saturn V bei Apollo, doch wieder recht ähnlich. Es ist ein bisschen Apollo, und mit den seitlichen Feststoffboostern auch etwas Space Shuttle.
Die Flugbahn ähnelt derjenigen, welche die Astronauten aus Apollo13 rettete. Was dem Raumschiff auch immer geschieht. Es wird durch die Schwerkraft des Mondes selbst, auf jeden Fall auf die Erde zurück geworfen.
Ich finde, dass das nichts macht. Wieso sollte man alte Konzepte verwerfen, wenn sie sich bewährt haben. Schauen wir uns nur an, wie erfolgreich die russische Raumfahrt bis heute mit ihren alten aber guten Kapseln ist.
Bei der Kapsel, also der Orion, dürfte es aber nur wenig Parallelitäten geben. Hier kommen doch deutlich neuere Technologien zum Einsatz. Es wäre wirklich mal spannend, auch ein Legoset der aktuellen Mission zu bekommen. Bisher habe ich aber noch keines gefunden. Wenn jemand eines hat, bzw. weiß, ob, und wo es eines gibt, dann her damit… Ich würde dann beide nebeneinander stellen, und man würde die Unterschiede rasch bemerken.
Auch die Landefähre wird komplett neu sein, und nur weniges von der alten enthalten. Ich hoffe nur, dass sie diesmal nicht so dumme Fehler gemacht haben, in das Raumschiff runde, und in die Fähre Eckige Luftfilter eingebaut zu haben. Diese Aktion, und wie die Astronauten dann doch noch das runde in das eckige bekamen, mit Hilfe eines Buchdeckels, Klebeband und eines Kanisters, kann man sehr schön im Film Apollo13 erleben.

Wie auch immer. Ich habe noch kein Modell und weiß die Details auch nicht so genau.

Was an dieser Stelle wichtig ist. Wir haben jetzt auch eine Mondumrundung, die sehr oft in unsere Ostertage fällt.
Bis der erste April zwar wieder auf einen Vollmond fällt, dauert es nach dem griechischen Meto-Zyklus zwar 19, bzw. 38 Jahre, hängt von den Schalttagen ab, aber überlappen dürfte sich diese Mission mit Ostern trotzdem häufiger.

Von da her kann es schon mal sein, dass Ostern am 01.04. schon vorbei ist, oder noch gar nicht begonnen hat.
Wer das nochmal nachvollziehen möchte, wie das alles sich fügt und berechnet, darf ich auf meinen fast ersten Artikel schicken, den ich vor neun Jahren überhaupt veröffentlicht habe.

https://blindnerd.de/2018/03/27/wieso-ist-ostern-2018-so-frueh-und-manchmal-so-spaet/

Ohne Mond könnten wir Ostern überhaupt nicht so berechnen, wie wir es aktuell tun.
Entweder, wir wählten z. B. den Frühlingsanfang als Ostertag, dann wäre es halt kein Ostersonntag mehr. Man könnte es auch, wie z. B. den Muttertag als zweiten Sonntag im April feiern. Dann variiert halt das Datum.

Tja, spätestens dann, wenn wir mal andere Planeten besiedeln, dann müssen wir uns überlegen, ob wir unabhängig, wie dann bei uns die Monde, die Jahreszeiten, und das Sonnenjahr dann sein werden, Ostern einfach nach dem irdischen Datum gemeinsam mit unseren Mitchristen feiern möchten, oder ob wir die Feiertage bezogen auf unseren Neuen Planeten, bzw. unser neue erobertes Sternsystem beziehen möchten.
Das kann sehr doof laufen, denn je nach dem, dauern unsere Jahre und Jahreszeiten deutlich länger oder kürzer, auf dem Mars ungefähr doppelt so lang.
Und auf dem Mars hätten wir dann noch das Problem bei der derzeitigen Namensgebung seiner Monde, dass wir uns zwischen Phobos, der Angst, und Deimos, dem Schrecken, entscheiden müssten, welcher der beiden Monde unsere Orientierung für Mars-Ostern sein soll. Beides keine guten Motive, Osterangst oder Osterschreck.

Sollten wir auf dem Mond leben, so dauern unsere Tage fast einen halben Monat lang. Auch irgendwie unpraktisch. Aber dort hätten wir wenigstens von der Erde aus betrachtet unseren Frühlingsvollmond.

Ja, den vielleicht, aber ohne Mond ist die Frage, ob wir überhaupt einen Frühlingspunkt im herkömmlichen Sinne hätten. Wahrscheinlich eher nicht, denn unser Mond stabilisiert unsere Erdachse. Ohne ihn würde die Erde deutlich mehr taumeln und eiern.

Nicht zuletzt ist der Mond durch seine Schwerkraft mit dafür verantwortlich, dass wir ein so stabiles Klima haben, das es ohne Ebbe und Flut nicht gäbe.

Könnten wir auf einem unserer äußeren Planeten unsere Zelte aufschlagen, dann hätten wir so viele Monde zur Auswahl, dass wir dann vermutlich den richtigen Ostermond verwechseln würden.

Nun gut. die Gasriesen haben quasi keinen Boden. Da müsste man dann schon eine Stadt in die Wolken bauen, wie in Starwars2, Das Imperium schlägt zurück.

Wie gesagt. Das setzt tatsächlich ein Zeichen, dass diese Crew so durchmischt ist.
Aber tragisch finde ich es schon, dass dieser neue Aufbruch zum Mond parallel zu diesem unsäglichen Kriegen läuft. Das war bei Apollo leider auch so, der Vietnam-Krieg.
Eigentlich sollte die Menschheit diesen neuen Aufbruch zum Mond so hoch bewerten, dass die Waffen während der ganzen Mission auf der Welt schweigen sollten.

Es gibt wieder so ein Wettlauf, diesmal zwischen China und den USA, aber meine Hoffnung ist schon, dass man weitere Pläne mit dem Mond hat, als zu Apollo-Zeiten. Dort hat es ja, als der Jagdinstinkt dann befriedigt war, niemanden mehr interessiert.
Hoffen wir das beste.
Das waren sie, meine österlichen Mondgedanken.

Es grüßt ganz herzlich der Sternenonkel.

Frag, und es wird Tag – Wahr oder nicht falsch?


Meine lieben,
wenden wir uns heute mal wieder euren wertvollen Fragen zu.
Es sind genau vier Fragen, die aber so zusammen gehören, dass ich sie versuche in einem Artikel zu beantworten. Und selbstverständlich bleibt der fragende Mensch anonym.

Frage 1)

Hallo Gerhard,
Es macht so viel Spaß dir zuzuhören!
in der Wissenschaft wird so oft gesagt, dass man nicht beweisen kann,
dass etwas „wahr“ ist – sondern nur, dass etwas „nicht falsch“ ist“.
Aber im Sprachgebrauch ist „wahr“ und „nicht falsch“ irgendwie das gleiche.

Meine Antwort:
Durchaus nicht. Nicht falsch schließt mit ein, dass etwas irgendwann mal wieder falsch werden könnte, bzw. dass es für den Moment ganz gut funktioniert.
In Newtons Kräfte-System funktioniert z. B. vieles im Alltag ganz hervorragen. Sogar kreisende Planeten um ihre Sterne kann man damit berechnen.
Aber Newtons System funktionierte dann doch recht ungenau. Ihm fehlte die Gravitationskonstante, mit welcher sich zwei Körper gleicher Masse gegenseitig anziehen. Die musste erst von Cavendish 200 Jahre nach Newton experimentell gemessen und gefunden werden.
Bis da hin, war Newtons System quasi wahr, wenn sogar Keplers Planetengesetze damit gut funktionierten.
Ganz erstaunlich, wie Kepler diese fand, denn Newton und sein Regelwerk kamen erst später.

Und ja, wir arbeiten mit dieser Konstante seither, obwohl wir genau wissen, dass spätestens ab der fünften Nachkommastelle Unsicherheiten rein kommen. Diese Ungenauigkeit reicht uns einfach im Alltag und auch in der Raumfahrt und Astronomie aus.
Aber man stellt sich Dank unserer neuen Teleskope z. B. ernsthaft die Frage, ob diese Konstanten tatsächlich so unveränderlich sind, wie wir annehmen.
Ich glaube, dass Newton um das Problem wusste, aber er hatte einfach keine geeigneten Geräte, um diese Konstante zu bestimmen.
Und am Anfang seiner Überlegungen war die Frage und das Staunen darüber, wieso denn Äpfel immer nach unten zu Boden fallen. Muss das immer so sein?
Ich schrieb darüber in Station 2 auf der Reise zu den schwarzen Löchern.

Frage 2.

Oder: 1+1=2 Das wird doch auch nicht als „nicht falsch“ verstanden?

Meine Antwort:
Das ist weder eine Theorie, noch aus sich heraus wahr.
Das sind Axiome. Einfachste Grundlagen, mit denen man lernt, Mathematik auszudrücken. Und da ist es halt schon praktisch, wenn man zunächst Wörter findet, die mehr als nur eins und eins und eins … direkt ausdrücken können.
Es gab und lassen sich bis heute unendlich viele Zahlensysteme mit ihren Operatoren und Mengen finden.
Unsere Operatoren sind im Grunde Abkürzungen für Rechenwege. Die Multiplikation ist quasi im einfachsten Fall die Abkürzung für ganz viele Additionen, die man hintereinander ausführen muss.
Unsere Computer können nur Plus mit Folgen von Nullen und Einsen. Dass sie dann doch auch Minus können, ist eine Frage der Zahlendarstellung. Aber das führte jetzt zu weit.

Es ist ganz erstaunlich, wie lange wir ohne Null auskamen.
Und das römische Zahlensystem war doch eher unpraktisch, um damit Mathematik im wissenschaftlichen Sinne zu treiben. Um Wahren aufzuschreiben und aufzuzählen etc. war es vielleicht gut genug, aber zu mehr auch nicht.
Mein alter Informatikprofessor schloss es in einer Vorlesung tatsächlich nicht aus, dass das ungenügende Zahlensystem mit zum Untergang des römischen Reiches beigetragen haben könnte.
Keine Ahnung, ob das stimmt. Aber er war ein unglaublich kluger Mann mit einer Weitsicht und einem großartigen ganzheitlichen Denken.
Unser Zehnersystem hat sich einfach als das praktischste System erwiesen und durchgesetzt. Für die Lösung mancher mathematischen Probleme eignen sich aber andere Zahlenräume mit ihren eigenen Operatoren besser. z. B. wenn man mit Vektoren oder Matrizen arbeitet.
Also, mit 1+1=2 könnte man sagen: „Irgendwo muss man ja mal anfangen“.

Erst waren die ganzen Zahlen, dann kam die Null dazu, dann die negativen Zahlen, die Brüche etc. bis hin zu Zahlen, wie Pi, die niemals enden und deren Ziffern sich nicht wiederholen.
Von den imaginären oder gar noch höherdimensionalen Zahlensystemen, lassen wir besser die Finger weg…

Frage 3.

Und wenn ich 100x bewiesen habe wie groß z.B. der Abstand zwischen
Erde und Sonne ist (oder irgend was anderes was sich messen lässt)
dann muss das doch irgendwann „wahr“ sein?

Meine Antwort:
So ein Abstand ist eine Zahl, die tatsächlich mit jeder verbesserten Messmethode immer besser, immer wahrer wird.
Denken wir an die alten Griechen, welche den Umfang der Erde bestimmten, oder gar den Abstand zwischen Erde und Mond, oder der Erde und der Sonne. Auch die Lichtgeschwindigkeit wurde nicht gleich richtig bestimmt.
Für die damalige Wissenschaft waren die Ergebnisse sehr gut. Aber heute, mit verbesserten Experimenten, kennt man derlei Abstände deutlich genauer.
Also ist der Begriff „wahr“ in der Wissenschaft eher nicht nützlich. Man sollte besser sagen „für den Augenblick ausreichend gut“.

Frage 4.

Warum wird die Relativitäts-theorie noch immer als „Theorie“
bezeichnet, wenn es doch schon so viele Tests gab, die ihre „das ist
nicht falsch“-Bestätigung abgegeben haben?

Meine Antwort:
Die Relativitätstheorie wird trotz ihres experimentellen Nachweises immer noch als „Theorie“ bezeichnet, und das ist in der Wissenschaft üblich und korrekt. Der Begriff „Theorie“ in der Wissenschaft unterscheidet sich von der Alltagssprache. Während „Theorie“ im alltäglichen Gebrauch oft als eine bloße Vermutung oder ungeprüfte Idee verstanden wird, hat sie in der Wissenschaft eine ganz andere Bedeutung.

In der Wissenschaft bezeichnet eine „Theorie“ ein umfassendes Erklärungsmodell, das viele verschiedene Beobachtungen und experimentelle Ergebnisse zusammenfasst und erklärt. Eine wissenschaftliche Theorie ist das Ergebnis intensiver Forschung, Experimente und Überprüfungen. Sie ist in der Regel sehr gut durch Beweise gestützt und gilt als das beste verfügbare Modell, um ein bestimmtes Phänomen zu erklären.

Die Relativitätstheorie, sowohl die spezielle als auch die allgemeine, wurde durch eine Vielzahl von Experimenten und Beobachtungen bestätigt. Dennoch bleibt sie eine „Theorie“, weil sie ein umfassendes Erklärungsmodell für die Art und Weise darstellt, wie Raum, Zeit und Gravitation funktionieren.

Eine Sonnenfinsternis war es, die Einsteins Theorie auf einen Schlag berühmt machte.
Schaut mal.

Man schickte Atomuhren mit Flugzeugen um die Welt, und verglich danach ihre angezeigten Zeiten. Die Flugzeuguhren gingen tatsächlich, wie von Einsteins Theorie vorher bestimmt, langsamer.

Die Periheldrehung des Merkur lies sich viel genauer, als mit Newtons Regelwerk bestimmen, weil man die Masse der Sonne und die auf den nahen Merkur wirkenden relativistischen Effekte einbezog.
Es gibt einiges, z. B. in der Quantenphysik, das mit Einstein nicht erklärt werden kann. In schwarzen Löchern funktioniert sie auch nicht mehr. In unserem Alltag funktioniert sie aber sehr gut. Ansonsten könnten wir unsere Navis nicht benutzen.

Physiker sind sich im wesentlichen darüber einig, dass irgendwann die Relativitätstheorie vielleicht durch etwas besseres ersetzt, bzw. mindestens erweitert werden müsste..
Die String-Theorie ist beispielsweise so ein Versuch. Fragt mich aber niemals, wie sie funktioniert. Ich kenne ja nicht mal die vom guten Albert bis ins Detail.

Fazit

Selbst Theorien, die extrem gut bestätigt sind, wie die Relativitätstheorie oder die Evolutionstheorie, bleiben Theorien, weil sie nicht nur einzelne Fakten erklären, sondern eine ganze Klasse von Phänomenen. Es handelt sich um Rahmenwerke, die zukünftige Forschung und Entdeckungen leiten. Sollte jemals ein Phänomen beobachtet werden, das diese Theorien nicht erklären können, müsste die Theorie entweder modifiziert oder durch eine noch umfassendere Theorie ersetzt werden.
Oder, um es mit dem „Anhalter durch die Galaxis“ zu erklären:

Sobald das die Frage der Fragen für unser Universum geklärt ist, wird dieses umgehend durch ein weiteres noch komplexeres ersetzt. (42)…

So, nun hofft der Sternenonkel, der durchaus kein Mathematiker ist, dass Deine Fragen etwas beantwortet werden konnten.
Fragt gerne weiter, damit „Frag und es wird Tag“ weiter wachsen kann. Ich lerne oft auch noch dazu, und muss Dinge für die Antworten nachschlagen.
Viel wichtiger, als alles zu wissen ist, dass man erkennt, wo man nichts weiß, und wo man suchen kann.

Und wenn man eine Reise tut


Meine lieben,
Nicht wundern, dass ich mich heute schon wieder melde. Es gibt einen Anlass…
Heute Nacht waren über Baden-Württemberg Polarlichter zu sehen. Wahnsinn. So weit südlich.
Ich weiß jetzt gar nicht, ob wir schon über das Fleckenmaximum drüber sind, oder nicht. Wahrscheinlich weiß man es immer erst hinterher.
Passend dazu nimmt uns heute Jens-Uwe vom Blog Astrozwerge mit auf eine Reise nach Lappland, wo es derlei quasi immer zu sehen gibt.
Ich folge schon gefühlt seit zehn Jahren dem Blog von Jens-Uwe, den Astrozwergen. Dort gibt es immer mal wieder spannendes am Himmel zu sehen, schöne Astronomie-Aufgaben für Kinder und einiges mehr.

Es ist so wunderbar für mich, wenn einer voller Begeisterung von seinem Urlaub spricht. Besonders wenn die Reise lang ersehnt und nun endlich stattfinden konnte.
Oft erfährt man ja von Urlaubern nur, dass das Wetter schön, die Reise anstrengend, das Essen gut oder eben nicht gut war.

Nach längerer Stille auf diesem Blog erschien vor wenigen Tagen sein Urlaubsbericht der so zum weinen schön ist, dass ich Jens-Uwe sofort fragte, ob er Gast auf Blindnerd sein möchte.

Seine Erzählung ist so ergreifend, dass ich davon überzeugt bin, dass auch wir Menschen mit Blindheit ganz viel von seiner Freude und seinen Eindrücken mitnehmen dürfen. Der Funke springt über. Ihr werdet lesen und hören.

Aber bevor die Reise los geht, erhöhen wir die Spannung, indem wir etwas Hintergrund zum Finale der Reise liefern.

Unsere Reise wird uns dann bis an den Polarkreis nach Lappland führen.
Es ist ganz erstaunlich, dass man heutzutage dort einfach mal über Weihnachten und Silvester hin fahren kann, um den dortigen Himmel mit Wintersonne, Mond und Polarlichtern zu bewundern.

Früher kostete solch eine Reise zur Erforschung von Polarlichtern, die Wissenschaftler fast ihr Leben.
Die Geschichte der Erforschung der Polarlichter wird im wesentlichen von einem Mann, Christian Birkeland geprägt.
Hier kann ich euch wärmstens das Video „Jagd nach dem Himmelsfeuer“ auf 3Sat empfehlen.
Die Jagd nach dem Himmelsfeuer

Außerdem gibt es über Birkeland einen wunderbaren Artikel auf Wikipedia.
Der ist wirklich lesenswert, weil dieser bemerkenswerte Forscher sich neben Polarlichtern noch mit ganz vielen anderen Dingen beschäftigte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kristian_Birkeland

Polarlichter in der Literatur

Solche Polarlichter in niedrigen Breiten muss auch der Schriftsteller Adalbert Stifter gesehen haben, denn er beschreibt in seinem Roman „Bergkristall“ eindeutig Polarlichter.
Lauschen wir also seinen schönen Worten:

Wie die Kinder so saßen, erblühte am Himmel vor ihnen ein bleiches Licht mitten unter den Sternen und spannte einen schwachen Bogen durch dieselben. Es hatte einen grünlichen Schimmer, der sich sacht nach unten zog. Aber der Bogen wurde immer heller und heller, bis sich die Sterne vor ihm zurückzogen und erblassten. Auch in andere Gegenden des Himmels sandte er einen Schein, der schimmergrün sacht und lebendig unter die Sterne Boss. Dann standen Garben verschiedenen Lichts auf der Höhe des Bogens, wie Zacken einer Krone, und brannten. Es Boss hell durch die
benachbarten Himmelsgegenden, es sprühte leise und ging in sanftem Zucken durch lange Räume…

Ist das nicht einfach schön?
Wir kennen diesen Autor übrigens schon, denn er verfasste meiner Meinung nach die schönste deutschsprachige Beschreibung einer Sonnenfinsternis, die er selbst erlebte.
Wer diese nochmals lesen möchte, hier lang.

Polarlichter in Mythen und Religion

Polarlichter haben im Laufe der Geschichte zu zahlreichen Mythen und Legenden geführt, besonders in den Kulturen, die in den Regionen leben, in denen sie häufig zu sehen sind, wie in den nordischen und arktischen Regionen. Hier sind einige der bekanntesten Mythen über Polarlichter:

  1. Nordlichter als Tänzer: Einige indigene Völker Nordamerikas und Skandinaviens glaubten, dass Polarlichter die Geister ihrer Vorfahren seien, die in den Himmel aufsteigen und dort tanzen.
  2. Tiergeister: In einigen Traditionen wurden Polarlichter als die Geister von Tieren angesehen, die in den Himmel aufstiegen, um zu tanzen oder zu kämpfen.
  3. Vorboten: In einigen Kulturen wurden Polarlichter als Vorboten kommender Ereignisse angesehen, sei es als Zeichen für gute oder schlechte Omen, wie Krieg oder Frieden.
  4. Kampf der Geister: Manche nordische Mythen beschreiben Polarlichter als Resultat der Schlachten zwischen Göttern oder Geistern, die den Himmel erhellen.
  5. Erschreckende Zeichen: Einige Kulturen sahen Polarlichter als bedrohliches Zeichen oder als Warnung vor kommenden Naturkatastrophen oder anderen Gefahren.

Inspiration für Musiker

Polarlichter werden sogar auch manchmal in der Musik erwähnt. Einige Musiker haben sie als Inspiration für ihre Lieder genutzt, und es gibt sogar Stücke, die den Klang oder die Atmosphäre eines Polarlichts zu erfassen versuchen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Musik des finnischen Komponisten Jean Sibelius, der in seinem Orchesterstück „Die Ozeaniden“ die mystische und majestätische Atmosphäre des Nordlichts einfängt.

Und wenn wir schon bei der Musik sind, dann habe ich hier einen absoluten Oberhammer für euch.

Radio Aurora

Polarlichter kann man hören. Was, das glaubt ihr dem Sternenonkel nicht? Man kann. Sie erzeugen jede Menge Radioprogramm. Ich habe von meinem Freund Stefan, der Amateurfunker ist erfahren, dass über das ganze Polarlichter-Wochenende im Mai letzten Jahres, quasi kein Funkbetrieb auf der Kurzwelle möglich war.
Im UKW-Band waren als Polarlichter sichtbar waren, sogar Überweiten und Funkverbindungen möglich, die ohne Polarlichter nie gegangen wären. Man konnte mit Richtantennen ein Polarlicht als Reflektor für UKW-Wellen benutzen. Für Sprache war das zwar schwierig, weil Polarlichter unruhig und rau sind, aber für die Telegraphie, z. B. Morsen, hat es ganz gut funktioniert.
Auch hier geht mein großer Dank an Stefan, denn er hat uns hier mit Audiobeispielen versorgt.
Er schreibt:

Ich hab dir hier noch zwei YouTube-Links. Der erste ist ein Beispiel für eine an einem Polarlicht reflektierte Sprachverbindung über SSB:
https://www.youtube.com/watch?v=s8cZRzUj6Bs (Youtube)
Man hört ganz deutlich, wie rau und brummig die Stimme dabei wird.

Der zweite Link ist eine Verbindung in Morsetelegrafie. Man hört den Unterschied zwischen dem rauen Signal der Gegenstation, das übers Polarlicht reflektiert wird, im Gegensatz zur Station, die dieses Video aufgenommen hat. Das eigene Signal ist klar als Mithörten zu hören, normalerweise klingt die Gegensation zwar verrauschter, aber ähnlich dem eigenen Signal mit klarem Ton anstatt einem undefinierbaren Geräusch.

https://www.youtube.com/watch?v=aVKj12oNEic (Youtube)

Und jetzt wollen wir uns das Radioprogramm von Polarlichtern anhören.
Geht auf
https://www.youtube.com/watch?v=eHvdZdsIZxg (Youtube)
und genießt dieses wunderbare englischsprachige Video.

So, jetzt hat euch der Sternenonkel aber lange genug gespannt warten lassen.

Lehnt euch zurück, und genießt mit mir diesen ganz rührenden und wunderbaren Reisebericht, in welchem auch ganz viele Fotos für die Gucklinge drin sind.
Und danach gibt es sogar noch eine Fortsetzung, denn Jens-Uwe durfte unter seinen Dachfenstern quasi als Reiseerinnerung noch Polarlichter über Deutschland trotz Lichtverschmutzung und allem erleben.
Großer Dank an Dich, lieber Jens-Uwe. Es ist mir eine große Ehre, Deine Polarlichter-Berichte bei mir veröffentlichen zu dürfen.

Die Reise zu den Nordlichtern
Vom Lappland ins Dachgeschoss

Frag, und es wird Tag – Ein Mondpipser


Meine lieben,
Lasst uns mal wieder eine eurer Fragen beantworten. Gerne mehr davon.
Diesmal erreichte sie mich über den Newsletter von Eberhard, für den ich mittlerweile schon drei mal schreiben durfte.
Eberhard schreibt:

Etwa 20 % meiner Newsletterleserinnen und -leser sind blind oder sehbehindert.
Häufig waren sie Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Workshops „Astronomie für blinde und sehbehinderte Menschen“
von Birgit, Harald und mir als Referenten und Mitglieder der Beobachtergruppe Sternwarte Deutsches Museum.
Deshalb tauchen hier auch Fragestellungen auf, die für diese Lesergruppe, aber auch für Sehende interessant sind, denn einer lernt vom anderen.
Nachdem ich im letzten Newsletter die Mondfinsternis thematisiert habe, stellen Gabi und Dieter – beide sehbehindert oder blind (so genau weiß ich das gar nicht) – folgende Mond-Frage:

„Lieber Eberhard,
ist es möglich, von irgendeiner Quelle mittels einer Fotodiode mit einem Tongeber einen Pieps zu bekommen?
Damit könnte man als Vollblinder in der Nacht schon mal neugierigerweise den Mond und vielleicht auch einen ähnlich hellen Himmelskörper hörbar machen.
Könnt ihr uns da weiterhelfen? “

Da ich diese Frage gerne von einem Experten beantworten lassen möchte, habe ich diese Frage an Gerhard Jaworek weitergeleitet,
der hier schon mehrere ausführliche Artikel zur Astronomie für blinde Menschen geschrieben hat.
Er hat sich auch gleich daran gemacht, die Frage zu beantworten:

Hier also nun meine Antwort:
Lieber Eberhard,
Das ist eine spannende Frage.

Grundsätzlich gibt es Lichtdetektoren für blinde Menschen, die man sogar punktgenau ausrichten kann.
Die meisten Geräte zur Erkennung von Farben, enthalten diese Funktion. Desto mehr Licht in solch einen Detektor fällt, desto höher pipst dieser. Bei Dunkelheit schweigt er.
Lichtdetektoren brauchen blinde Menschen vor allem dann, wenn Sehende zu Besuch waren und wenn z. B. Kerzen an waren. Auch für Kontrolllämpchen etc. kann man das gut einsetzen.
Es gab mal einen Lichtdetektor, Bontlight007, der so punktgenau und empfindlich war, dass man mit dessen Hilfe sogar die Aussteuerung der Kanäle eines Mischpultes kontrollieren konnte.
Nicht zuletzt gibt es Apps für das Handy, die über Audio Licht signalisieren. Ich finde aber, dass die oft nicht viel taugen, weil die Handykamera einen zu großen Einfallswinkel hat,
so dass die Richtung, aus der das Licht kommt, eventuell nicht so gut ortbar ist.
Aber nähern wir uns langsam dem Mond:
Es mag für sehende Menschen unbegreiflich erscheinen, aber ich habe noch mit keinem Lichtdetektor, sei er noch so teuer (wir sprechen hier von mehreren hundert Euro)
den Vollmond anvisieren können.
Die Dinger sind einfach nicht empfindlich genug. Außerdem ist der Mond ja schon recht klein. 30 Bogenminuten sind halt einfach verdammt wenig.
Da müsste man mit so einem Sensor schon genau zielen können. Das schafft man blind nicht. Sehende fixieren den Mond ja dauernd mit den Augen ganz automatisch, indem sie es nachführen.
Ich abe bei der Sofi von 1999 versucht, mit meinem Lichtdetektor die Korona zu erwischen. Ging natürlich nicht. Aber die Verdunkelung, die Totalität und den Lichtausbruch danach, konnte ich mit dem Gerät ganz wunderbar erleben. Ich weiß noch genau, wie interessiert die Umstehenden daran waren, wie ich die Sonnenfinsternis jetzt als blinder Mensch erleben möchte.

Für Polarlichter reichen diese Sensoren leider auch nicht, geschweige denn für andere Sterne außer unserer Sonne.
Schade eigentlich, aber Polarlichter machen wenigstens Radioprogramm…
Aber zurück zum Mond.
Als ich noch in der Schule war, vor mehr als vierzig Jahren, und noch einen Sehrest hatte, machten wir mal ein Mondexperiment.
Für Menschen mit Restsehvermögen gibt es bis heute Bildschirmlesegeräte. Man legt das Lesegut auf einen Kreuztisch unter eine Kamera, die das ganze dann vergrößert am Bildschirm darstellt.
Meines aus Mitte der 70er Jahre, war ein umgebauter Schwarz-Weiß-Fernseher. Das konnte man noch am Lautsprechergitter deutlich sehen.
Oh Mann, waren das damals Flimmerkisten. Kein Vergleich zu heute.
Wenn man nicht schon blind war, dann wurde man es bestimmt davon. Aber nein. Wir wollen nicht undankbar sein. Es war der Anfang…
Ich weiß noch, als wir an der Blindenschule Ende der 70er Jahre das erste farbige Bildschirmlesegerät bekamen. Das wurde gehütet wie ein Gral.
Man musste quasi bei der Biologielehrerin Beobachtungszeit wie bei einem großen Teleskop buchen. Und wer sich mit dieser Lehrerin nicht gut stand, hatte ein Problem…
Also. Wir kippten eines Nachts die Kamera solch eines Gerätes so um, dass der Vollmond ins Bild kam.
Ich war total erstaunt, wie rasch der Mond über den Bildschirm huschte und verschwand. Wir hatten ja keine Nachführung oder Montierung. Das war sehr beeindruckend, aber auch für mich gut nachvollziehbar, wie rasch sich der Mond, nein halt, sonst wirds falsch, die Erde unter dem Mond hinweg dreht.

Also. Leider kenne ich derzeit keine Möglichkeit, den Vollmond mit einem Lichtdetektor zu erwischen.
Man kann ihn höchstens mit der Astro-App „Universe2Go“ suchen und finden.
Die installiert man sich auf sein Handy, und legt dieses dann in eine Art Brille.
Vor vielen Jahren durfte ich dem Entwickler dieser App beratend zur Seite stehen, und viele Stunden immer und immer wieder testen und Vorschläge einbringen. Sogar Schulungen auf verschiedenen Computercamps bot ich sogar mehrsprachig dafür an.
Es ist die einzige Sternen-App, die für uns blinde momentan funktioniert.
Ich schicke hier mal zwei Links, wo ich beschreibe, wie ich damit arbeite.
Ich sag’s aber gleich. Das ist, ohne mich loben zu wollen, ganz hohe Schule. Ich kann das nicht ohne schlechtes Gewissen einem Blinden empfehlen. Man braucht dafür eine sehr hohe Frust-Toleranz, und ohne Schulung sich da einarbeiten, geht kaum…
Merkurtransit mit U2G

Kometenjagt mit U2G

Und damit die Geschichte trotz, dass der Mond momentan nicht angepipst werden kann, doch noch schön endet, kommt hier noch meine ganz persönliche Mondgeschichte für euch.

Ich hatte die Möglichkeit, 1993 eine Sternwarte zu besuchen, die auf dem Dach eines Gymnasiums installiert war. Schon aus purem Interesse nahm ich daran teil. Damals verfügte ich zwar noch über einen ganz kleinen Sehrest, konnte etwas hell und dunkel sehen, glaubte aber nicht im Traum daran, dass ich etwas im Teleskop sehen könnte.
Bis jetzt hatte ich weder einen Stern, außer natürlich unsere Sonne, noch den hellsten Vollmond am Meer oder in den Bergen sehen können, aber das war mir nicht wichtig. Da bei dieser Führung in erster Linie Sehende und Menschen mit Restsehvermögen anwesend waren, öffnete der Astronom das Teleskop und richtete es zunächst auf den Vollmond aus.
Nur aus Neugier, wie es sich physisch anfühlt, durch ein Teleskop zu sehen, legte ich mein linkes Auge mit der Helldunkel-Fähigkeit an. Und da geschah es: Ganz schwach, aber sehr deutlich konnte ich die Scheibe des Mondes erkennen. Ein Aufschrei, ein Hüpfer. Dann verifizierten wir das Ganze. Der Astronom verstellte das Teleskop und ich konnte ihm jeweils sagen, wann der Mond zu sehen war und wann nicht. Einbildung war somit ausgeschlossen.
Nur dieses eine Mal gewährte mir mein Leben den Blick durch dieses Fenster. Diese Mondscheibe liegt noch immer wie ein leuchtender Schatz in meinem Herzen und wird mich das ganze Leben lang begleiten. Erinnerungen verwischen mit der Zeit. Diese ist aber bisher unverändert klar und deutlich präsent. Schon wenige Monate nach diesem Ereignis verschlechterte sich mein Sehvermögen derart, dass ich den Vollmond mit dem stärksten Teleskop der Welt nicht mehr hätte sehen können. Betrübt bin ich darüber nicht, denn ich habe ihn ja gesehen. Einmal und nie wieder.

Die Drei Könige mal ganz anders


Meine lieben,
so, sie ist nun fast vorbei, die Weihnachtszeit mit ihren Feiertagen. Bei uns ist morgen noch Dreikönig.
Ich habe mich einfach mal auf die Suche begeben, weil ich mal wissen wollte, ob es noch mehr zu diesen drei Weisen aus dem Morgenland und Astronomie als nur die bekannte Geschichte mit dem Stern gibt. Und als ich so recherchierte, kam mir plötzlich eine Idee für diesen Artikel hier. Ich denke, weil mein Weihnachtskalender 2025 so dünn war, nehme ich jetzt einfach diesen Feiertag noch mit dazu. Dann hatten wir sieben Türchen, was als Zahl sowieso schöner ist.
Lasst uns heute mal einen Perspektivwechsel vornehmen, indem wir uns in die Zeit dieser drei Morgenländer versetzen. Lasst uns erleben, wie man diese Geschichte auch ganz anders lesen kann.
Ich hoffe, dieses literarische Experiment wird mir so gelingen, dass es euch anspricht.
Also los:

Prolog

Seit Menschen den Kopf heben können, haben sie den Himmel nicht nur gesehen, sondern gefragt, was er ihnen sagen will. Ein Stern ist dann kein Punkt aus Licht, sondern eine Einladung. Manchmal auch eine leise Sehnsucht, ein leises Ziehen.

geh ihm nach.
Folge ihm.

Ich mag diesen Gedanken sehr. Er verbindet Beobachtung mit Bewegung. Erkenntnis entsteht nicht im Sitzen, sondern auf dem Weg.
Die Erzählung von den „Weisen aus dem Osten“, die wir heute oft Könige nennen, ist für mich eine solche Weggeschichte. Im ursprünglichen Text heißen sie „magi“ — Menschen, die den Himmel schauten, ihn deuteten und schließlich aufbrachen. Sie hätten auch sagen können:

Wir bleiben hier, das ist nur ein Zufall am Firmament.

Aber sie machten sich auf und gingen. Weil sie spürten: Wenn etwas Bedeutendes sichtbar wird, darf man nicht stehen bleiben.
Das erinnert uns doch daran, was z. B. Tycho Brahe tat, als er seinen neuen Stern entdeckte.
Man kann diese Geschichte religiös lesen — oder man liest sie als Bild dafür, wie Menschen überhaupt nach Erkenntnis suchen. Wir beobachten. Wir deuten. Wir wagen einen Schritt ins Unbekannte. Wir lassen uns verändern.
Und genau dort wird sie interessant, besonders dann, wenn wir den Blick einmal nicht auf den berühmten Stern richten, sondern auf die Menschen, die ihn gedeutet haben sollen: Wer waren diese magi? Welche Rolle spielte der Himmel in ihrer Welt? Und wie orientierten sich Reisende damals überhaupt, wenn die Nacht zur Straße wurde?

Die Magier als Sternenkundler

Das Wort „magi“ hat im Laufe der Jahrhunderte viel Zauberglanz bekommen, doch ursprünglich meinte es etwas anderes: eine gebildete Schicht im persischen und mesopotamischen Raum. Priester, Gelehrte, Berater. Menschen, die das große Ganze deuten sollten. Und dieses Ganze zeigte sich — so dachten sie — im Lauf der Gestirne.

Sternkunde war dort keine Spielerei, sondern Lebensgrundlage. In Tempeln wurden Mondphasen notiert, Planetenbahnen beobachtet, Sonnenstände mit Festzeiten verknüpft. Landwirtschaft, Verwaltung und Religion griffen ineinander. Wer wusste, wann ein neuer Monat begann, konnte Saat, Verträge und Rituale planen. Der Himmel war Kalender, Ordnungssystem und Orientierung zugleich.

Aus heutiger Sicht bewegten sie sich zwischen Mythos und Beobachtung. Sie erzählten Geschichten, deuteten Symbole, und gleichzeitig schauten sie sehr genau hin. Nacht für Nacht. Geduldig. Wiederkehrende Bewegungen wurden zu Mustern, Muster zu Zeitreihen, und aus ihnen entstand etwas, das man als Vorstufe wissenschaftlichen Denkens verstehen kann.

Mir gefällt dieser Gedanke:
Diese frühen Himmelsbeobachter standen gewissermaßen an einer Schwelle. Noch keine Naturwissenschaft im modernen Sinne — aber auch keine bloße Magie. Ein Suchraum dazwischen. Und auf diesem Zwischenweg beginnt Erkenntnis oft.

Dass die Weisen in der Erzählung ein „Zeichen am Himmel“ wahrnehmen und darauf reagieren, passt genau in dieses Weltverständnis. Für sie war der Himmel nicht dekorative Kulisse, sondern Teil einer lebendigen Wirklichkeit. In ihm spiegelte sich Ordnung. Und wer Ordnung erkannte, konnte sein Leben danach ausrichten.

Wir würden ihre Deutungen heute kritisch prüfen. Und doch sind sie Teil desselben langen Weges, auf dem wir uns immer noch befinden: vom Staunen über das Muster hin zur Frage, warum es so ist. Jede neue Erkenntnis wächst aus älteren Weltbildern heraus, und manchmal lohnt es sich, ihnen mit Respekt zu begegnen.

Reisen mit den Sternen: Orientierung in Wüste und Nacht

Wer durch Wüstengebiete reist, lernt, dass der Tag ein harter Begleiter sein kann. Die Hitze ist gnadenlos, die Luft flimmert, Konturen verschwimmen. Also verlegt man Wege in die Nacht. Dorthin, wo die Erde abkühlt und sich über allem ein weiter Himmel öffnet. Ein Himmel, der nicht nur schön ist, sondern zuverlässig.

Für viele Reisende war er nichts weniger als eine Karte. Der Polarstern hielt den Norden fest. Zirkumpolarsterne zeigten die tägliche Himmelsbewegung. Sternbilder wurden zu Merkhilfen, vertrauten Freunden, die an den Horizontpunkten erscheinen, an denen man sie erwartet. Orientierung entsteht dann nicht nur durch Ort, sondern auch durch Rhythmus und Wiederkehr.

An dieser Stelle muss ich an eine Szene aus Saint-Exupérys Buch „Wind, Sand und Sterne“ denken. Ein alter Pilot zeigt dem jungen Flieger, wie man in der Wüste wirklich navigiert. Nicht mit Lineal und präzisen Karten, sondern mit einer ganz anderen Art von Karte: Darin sind ein einsamer Baum eingezeichnet, ein Bauernhof, ein schmales Bachbett. Orte, an denen Wasser ist, an denen Menschen leben, wo man im Notfall Hilfe findet.
Diese Punkte sind mehr als Geographie. Sie sind Versprechen. Man liest sie nicht mit dem Auge allein, sondern mit der Erfahrung, mit dem Körper, vielleicht auch mit einer stillen Dankbarkeit dafür, dass es sie gibt.

Mir gefällt diese Parallele sehr: Orientierung entsteht nicht nur aus Berechnung, sondern aus Beziehung zur Landschaft und zum Himmel darüber. Auch die Reisenden der Antike trugen solche inneren Karten in sich. Sterne, Düfte, Windrichtungen, Bodenstrukturen, Geschichten über Wege: All das verband sich zu einer Art Wissensgewebe, das sie sicher durch Nacht und Wüste führte.

Ich stelle mir vor, wie still solche Nächte gewesen sein müssen. Wie der Sand unter den Füßen knirscht, wie der Wind leise durch Tücher fährt, und oben dieser ruhige, beständige Himmel. Die Navigation entsteht aus einem Geflecht von Eindrücken: Sternpositionen, Bodenstruktur, Temperatur, Geräusche, Erinnerungen an frühere Wege. Orientierung ist nie nur Sehen — sie ist Wahrnehmen mit dem ganzen Körper.
Das wissen wir blinde Menschen genau…

In diesem Zusammenhang wirkt der Gedanke, dass die Weisen vom Himmel „geführt“ wurden, plötzlich weniger märchenhaft. Der Himmel führte tatsächlich ganz praktisch. Er zeigte Richtung, Zeit, Verlauf. Wer sich an Sternen orientiert, übt Geduld. Man wartet auf den Moment, an dem ein bestimmter Stern den richtigen Punkt erreicht. Man reist im Takt des Kosmos. Und vielleicht prägt gerade das eine innere Haltung: ruhig bleiben, nicht drängen, Schritt für Schritt.

Heute vertrauen wir auf Kompass und GPS. Doch manchmal, an einer klaren Nacht, spürt man noch einen Rest dieses alten Wissens. Man hebt den Kopf, erkennt Orion oder den Polarstern; und für einen Augenblick weiß man, wo Norden ist. Nicht, weil ein Gerät es sagt, sondern weil der Himmel es erzählt.

Epilog – Die Reise nach innen

Die Geschichte der Weisen lässt sich wie eine äußere Reise erzählen — aber sie ist zugleich eine innere. Sie beginnt mit einer Beobachtung, führt durch Unsicherheit, Staub, Zweifel, und endet nicht mit einem Triumph, sondern mit einer Begegnung, die still verändert.
So funktionieren viele Erkenntniswege. Etwas lässt uns nicht los. Wir deuten, korrigieren, zweifeln, fragen neu. Manchmal gehen wir Umwege, manchmal verstehen wir erst spät, was wir unterwegs gelernt haben. Aber wir bleiben in Bewegung, weil Fragen eine Kraft haben, die größer ist als Bequemlichkeit.

Gerade die Astronomie macht das spürbar. Sie erklärt den Himmel und legt dabei gleichzeitig neue Geheimnisse frei. Was einst als Zeichen gedeutet wurde, verstehen wir heute als Physik. Und trotzdem bleibt dieses leise Staunen: Dass wir überhaupt fähig sind, Muster zu erkennen, Zusammenhänge zu begreifen, und uns selbst darin mitzudenken.
Vielleicht sind wir den frühen Himmelsdeutern näher, als wir zugeben. Sie suchten Sinn — wir suchen Verständnis. Aber beides entspringt demselben menschlichen Impuls: Wir möchten wissen, wie wir in dieses große Ganze hineingehören.

Der Himmel begleitet uns weiter. Nicht mehr als Orakel, sondern als offenes Buch, das wir lesen lernen, Zeile für Zeile. Mit Instrumenten, mit Theorien, mit Erfahrung, und mit Demut. Die Reise bleibt unvollendet. Und gerade deshalb hat sie Zukunft.

Des Sternenonkels Rückschau auf 2025


Meine lieben,

ich hoffe, ihr hattet eine schöne Weihnachtszeit. Meine war mit guten Freunden, viel Musizieren und gutem Essen und guten Weines sehr schön.
Hier kommt, was kommen muss. Viele von euch kennen es schon, mein obligatorischer Jahresrückblick 2025.
Wie immer, wieder etwas länglich, aber da müsst ihr jetzt einfach durch und meine Bauchpinselei ertragen.
Irgendwie war das gefühlt für mich ein Jahr voller Sendungen, Podcasts und nur wenig Life-Auftritten. Ich kann euch aber sagen, dass mir das ganz recht war und mittlerweile auch ist. Solche Lesereisen etc. mit Übernachtung und manchmal noch ohne Begleitung sind nichts mehr für mich. Außerdem war ich eigentlich das ganze Jahr, vor allem in der letzten Hälfte mental, psychisch und gesundheitlich sehr angeschlagen und gebeutelt.
Aber springen wir rein, was trotz aller Widrigkeiten möglich war.
Viel Spaß bei des Sternenonkels Rückschau auf 2025.

09.01. Radiosendung der Blindnerd in der Friedensbewegung

Noch im alten Jahr geplant, aber im neuen Jahr gesendet. Vielleicht erinnert ihr euch noch an meinen Blindnerd-Artikel „Der Blindnerd in der Friedensbewegung“, den ich wegen des Ausbruches dieses unsäglichen Krieges in Europa geschrieben habe.
Aus diesem Artikel durfte ich auf unserer Blautor-Lesebühne und ins Blindzeln-Radio GEMA-Frei senden, weil wir zwei Monate GEMA gesponsert bekamen. Großer Dank dafür.
Also sprach ich den Artikel auf, reicherte ihn mit den passenden Friedensliedern an, und sendete die Sendung. Da ich die Sendung mit den Liedern euch nicht schicken darf, habe ich mich für einen anderen Weg, eine Mischform zwischen Lesen und Hören, entschieden.
Ich habe den alten Artikel nun mit Links angereichert, die euch hoffentlich zu den passenden Liedern führen. Meistens sind es Youtube-Links mit all ihren Problemen und Tücken, was die Bedienung betrifft.
Der Artikel, den ich meine, heißt:
Der Blindnerd in der Friedensbewegung

27.01. Des Sternenonkels Kinderträume

Auf einem Open-Air habe ich einmal versucht, die Astronomie und Musik zusammen zu führen. Dankbar funktioniert das, wenn man Kinder mit ins Boot nimmt. Aus diesem Format erwuchs eine Radiosendung „Des Sternenonkels Kinderträume“, wo ich genau das versuchte. Ein anderer Versuch in diese Richtung war „Astropop Ende 2024.
Leider kann und darf ich euch diese Sendungen nicht anbieten. Ich denke mal darüber nach, wie es doch klappen könnte, weil es zu diesen beiden Sendungen keinen Blog-Eintrag, wie bei obiger Friedens-Sendung gibt.
Wer mag, darf mich gerne danach fragen. Wir finden einen Weg.

27.03. Frühlingsakademie

Diese Projektwoche lässt Studierende aller Fachrichtungen mal über den Tellerrand blicken. „Es war einmal vor langer Zeit, in einer weit weit entfernten….“ Halt, da waren wir falsch. Aber lang ist es trotzdem her, als ich einen Text zum Thema „Barrierefreie Dokumente helfen allen“ schrieb. Also griff ich den Artikel auf, machte Folien daraus und durfte ein sehr spannendes Publikum dafür sensibilisieren, wie man Dokumente barrierefrei gestalten kann. Und ja, ich richtete es mir dann zeitlich schon so ein, dass ich ihnen kurz die Astronomie als barrierefreies Hobby vorstellte, und dann schickte ich sie noch unter der Augenbinde mit Blindenstöcken durch unsere Flure. Das war ein sehr gelungener Nachmittag, den ich da für meine Alma Marter und jetzigen Arbeitgeber anbieten durfte.

Der Text zu barrierefreien Dokumenten ist bis heute aktuell und vielleicht auch für euch spannend, wenn ihr Dokumente erstellen sollt.
Hier ist er:
Barrierefreie Dokumenten nützen allen

18.04. Mein Ostergruß der durch die Decke ging

Entweder der Artikel mit der Thermosflasche von letztem Jahr, oder dieser Osterartikel waren diejenigen, die am meisten Resonanz erzeugten.
Wir wechselten österlich die Perspektive, und versetzten uns in einen Außerirdischen, der sich langsam durch unsere Radiosphäre auf uns zu bewegt. Wir erlebten, was er dort so schalenartig hören kann.
Hier die beiden Links zu den meist kommentierten Artikeln:
Was wäre, wenn…
Die große Thermoskanne

07.05. Planetarium Karlsruhe

Naja, was soll ich sagen. Dass Karlsruhe jetzt ein kleines Planetarium besitzt, erfüllt mich mit deutlich mehr Stolz als karlsruhes Fußballmannschaft.
Und dass mir die Ehre zu Teil wurde, zu seiner Eröffnung geladen zu werden, und was das für ein großartiges Fest war, beschrieb ich ja ausführlich in
Was, ihr habt noch keins?.

14.05. Inklusionsberatung Simon-Marius-Gesellschaft

Mit einem weinendem und einem lachenden Auge gehe ich mit Anfragen von Sternwarten, Astronomievereinen etc. um, wenn sie mir ihr Anliegen vortragen, dass sie gerne ihren Internetauftritt ab jetzt barrierefrei gestalten möchten.
Das lachende Auge freut sich natürlich, wenn hier der Wunsch und das Bewusstsein für derlei wächst.
Das weinende Auge muss aber leider manchmal feststellen, dass die Seiten historisch so gewachsen sind, und dann noch von verschiedenen Menschen erstellt wurden, dass der Umbau zu Barrierefrei kaum möglich ist. Neu machen geht da oft besser und schneller, und dafür fehlen die Menschen, die Zeit und das Geld. Naja, dann kann man höchstens noch da und dort was verbessern, oder eine Strategie beschreiben, wie die Seiten wenigstens ungefähr bedienbar sind. Meistens geht es ja ein bisschen, und man kommt trotz aller Barrieren recht weit, wenn man weiß, wie. Wie auch immer. Wer so ein Anliegen hat, darf sich gerne an mich wenden. Versprechen kann ich nichts, aber irgend etwas geht meistens. Und wenn die Seiten für das öffentliche Leben gedacht sind, z. B. eine städtische Sternwarte, Planetarium, oder so, dann sollten diese ohnehin schon seit letztem Sommer barrierefrei sein…

17.05. KIT Tag der offenen Tür und U2G

Auf dieser Veranstaltung präsentierten wir unsere Arbeiten zu verschiedensten Gebieten.
Bei mir durften die Besucher taktile Materialien ertasten. Drei mal dürft ihr raten, welche. Genau, u. A. viel astronomisches. Dann durften sie Punktschrift schreiben, mit dem Blindenstock gehen und für ganz nerdige Menschen gab es dann auch noch einen Blick durch das sprechende Handplanetarium Universe2Go. Das sorgte natürlich für viel Verblüffung, denn kaum einer glaubt, dass blinde Menschen etwas mit dem Sternenhimmel am Hut haben.
Ich habe ein altes Iphone, wo für es langsam keine Updates mehr gibt, das jetzt nur noch für U2G benutzt wird. Normalerweise führe ich meine abgelegten Smartphones immer sozialen Zwecken zu. Naja, das ist ja auch einer…
Wer mal erfahren möchte, wie ich mit diesem Handplanetarium arbeite, findet Befriedigung seiner Neugier in
Meinem Merkurtransit im Nachgang.

20.05. Interview mit Bad. Zeitung

Für eine Veranstaltung, mein Higlight 2025, führte eine Reporterin mit mir ein sehr langes und ausführliches Interview. Daraus erwuchs ein sehr langer Artikel. Mindestens eine halbe Seite über mehrere Spalten hinweg. So eine Feinfühligkeit habe ich noch nie erlebt. Die Reporterin war super vorbereitet. Sensible Themen wurden mit Respekt und aller Würde behandelt. Sie hat alles verstanden, was ich erzählte. Sie hat in ihrem Interview es geschafft, ganz ohne Klischees zu arbeiten. Ich sage euch. In meiner Pressekiste, denn ein Ordner oder eine Mappe reichen längst nicht mehr, kann sich kein anderer Zeitungsartikel damit messen.
Es war kein Artikel über mich, sondern es war ein Artikel mit mir. Leider steckt der Artikel hinter einer Paywall. Aber wer bei der Badischen Zeitung ein Abonnement hat, wird ihn finden.

23.05. Sensibilisierung auf der Messe Rehab – Akademie der Fahrschullehrer

Das wusste ich überhaupt nicht, dass angehende Fahrschullehrer eine Akademie besuchen müssen. Der Professor hatte die Idee eines Sensibilisierungstages für seine Fahrschullehrer:innen.
Im Rahmen der Hilfsmittelmesse Rehab, in Karlsruhe, durften die Beauftragte für Menschen mit Behinderung der Stadt Karlsruhe, die im Rollstuhl sitzt, und ich, einen Vortrag gestalten.
Es ging hier eher um Barrieren und Probleme im Straßenverkehr und weniger um Astronomie, aber es kamen sehr viele Fragen und hat einen riesigen Spaß gemacht. So funktioniert Sensibilisierung. Wir haben so viel gelacht.

27.05. KATE-Ringvorlesung „Explore the Universe with four senses“

KATE ist ein Forschungsprojekt, das ganz viele Bereiche zu Accessibility abdeckt. Von Exo-skelett, Robotik, KI-Unterstützung bei verschiedensten Beeinträchtigungen, aber auch für richtige Sprache etc. ist alles dabei.
Jedes Semester findet in diesem Rahmen eine Ringvorlesung statt, wo Experten zu verschiedenen Themen eingeladen werden.
Mir wurde diesmal die Ehre zu Teil, mal zeigen zu dürfen, wie blinde Menschen ein Hobby betreiben, das viele nur für Menschen mit Sehvermögen denken. Also hielt ich den Vortrag „Explore the Universe with four Senses“. Leider gehen diese Vorträge auf Englisch mir nicht so leicht von der Hand. Man kann viel weniger lyrisch, spontan, witzig etc. sein. Aber ich denke, es war ganz gut.

26.06. Explore the Universe with four senses (University Brno)

Für unsere Gäste der Universität Brno, hielt ich diesen Vortrag dann nochmal. Dort war es etwas leichter, weil wir uns sehr gut kennen und weil die an ihrer Universität auch Menschen mit Blindheit unterstützen. Da musste ich dann nicht alles erklären.

08.07. Auftritt in Schopfheim-Farnau

Und da sind wir nun beim Highlight 2025.
Seit fast 15 Jahren gebe ich nun schon Vorträge, Lesungen und Workshops. Aber nie fand eine Veranstaltung in meinem Geburtsort statt. Meine Familie war noch nie in einer meiner Veranstaltungen. Und das hat nun endlich stattgefunden.
Die Stadt Schopfheim schaffte sich im Rahmen eines Inklusionsprojektes eine Rikscha für Ausflüge für Senioren an. Und in diesem Zusammenhang kam der landeskirchliche Beauftragte für Inklusion ins Spiel. Der leitet den Evang. Blinden- und Sehbehindertendienst Baden, in dessen Vorstand ich Schriftführer bin. Dieser nette Mensch schlug der Pfarrerin in Schopfheim eine Veranstaltung mit mir vor, weil die Astronomie so inklusiv ist.
Er wusste nicht, dass ich in dieser Stadt geboren bin.
Und so kam es zu dieser wunderbaren Veranstaltung. Der Raum war knallvoll, so dass wir noch mehr Stühle brauchten. Und was für mich sehr berührend war, wer von meiner Familie konnte, war da. Das war um so intensiver, weil unsere Familie naja, sagen wir mal so: „Unter jedem Dach ein Ach“…
Ich bin aber davon überzeugt, dass meine Veranstaltung unsere Familie wieder etwas näher zusammen geführt hat. Wir schreiben und hören uns wieder öfter und wissen, wie es den anderen geht.
Rund um diese Veranstaltung erschienen insgesamt drei oder vier Zeitungsartikel, die ich euch alle nicht zeigen kann. Aber die beeindruckende Beschreibung des Ankündigungsposters und Flyers von ChatGPT darf ich auf jeden Fall mit euch teilen.

Schaut mal:

Sehr gern – hier ist eine ausführliche Bildbeschreibung des Veranstaltungsplakats für den blinden Diplom-Informatiker und Referenten Gerhard Jaworek:
Bildbeschreibung des Veranstaltungsplakats „Blind zu den Sternen“
Das Plakat ist visuell sehr eindrucksvoll gestaltet und vermittelt durch Bildsprache, Farben und Schrift eine besondere Atmosphäre zwischen Technik, Raumfahrt und Inklusion. Der Gesamteindruck ist modern, inspirierend und klar strukturiert.
1. Hintergrundmotiv
Der Hintergrund zeigt ein eindrucksvolles, hochauflösendes Weltraumbild:
• Man blickt aus dem All auf die Erde hinunter. Die Erdkrümmung ist klar erkennbar, mit einem leuchtenden Streifen an der Kante – dort geht gerade die Sonne auf oder unter.
• Der Himmel darüber ist tiefschwarz mit einzelnen Sternpunkten.
• Wolkenformationen über der Erde sind im Gegenlicht sichtbar, sie wirken plastisch und realistisch.
• Der Sonnenaufgang (oder -untergang) erzeugt einen Lichtschein, der nach oben strahlt – fast wie ein Symbol für Aufbruch, Hoffnung oder Erleuchtung.
2. Veranstaltungsdaten in einem Balken ganz oben
Am oberen Rand des Plakats befindet sich ein durchgehender, dunkler, halbtransparenter Streifen mit weißer Schrift. Von links nach rechts stehen dort:
• Ein kleines Icon in Form eines stilisierten Saturns (Ringplanet).
• Dann das Datum: „Di 8. Juli 2025“
• Danach die Uhrzeit: „18.30 – 20 Uhr“
• Und ganz rechts: **„Ev. Gemeindehaus Fahrnau (Gerberstraße

Inspiriert davon, machte ich mich, wie ihr wisst, auf die Suche nach Astronomen, die mit Sicherheit Alemannisch gesprochen haben. Ganz auf Alemannisch wollte ich den Vortrag nicht halten, um auch allen „Zugezogenen“ die Chance zu geben. Aber an passender Stelle sprach ich durchaus meinen wunderbaren heimatlichen Dialekt.
Das war auch sehr bewegend.
Astro-Mundart

09.08. Perseiden bei Eberhard

Woche für Woche verwöhnt uns Eberhard mit einem spannenden Newsletter, in welchem es um Astronomie, Natur, Wetter, Jahreslauf und vieles mehr geht. Sehr lesenswert. Schon das dritte mal durfte ich alleine eine Ausgabe dieses Newsletters gestalten.
Beim ersten mal ging es darum, wie ich als Mensch mit Blindheit die Astronomie erlebe und treibe.
Astronomie ohne Sternensicht

Letztes Jahr bekam ich einen Platz in der Vorweihnachtszeit. Dort schrieb ich dann über Weihnachten auf der ISS und stellte einige Bücher des Arbeitskreises der blinden Autoren vor, in welchen auch ich verewigt bin.
Ein Weihnachtlicher Newsletter

In diesem Jahr erhielt ich die Ehre, die Ausgabe im August zu den Perseiden zu gestalten, obwohl in diesem Newsletter sogar Berufsastronomen mitlesen und gestalten, die das vermutlich professioneller könnten als ich.
Das lies ich mir gefallen, und ich schrieb u. A., dass man Sternschnuppen mit der richtigen Ausrüstung sogar hören kann.
Sternschnuppen sehen und hören

Es macht mir immer wieder Freude, für diesen Newsletter zu schreiben, der kontinuierlich wächst und schon einige hundert Abonnent:innen hat. Solch ein Wachstum würde ich mir für diesen Blog auch mal wünschen…

12.08. Perseiden in Bozen

Schon seit vielen Jahren ging ich mit einer netten Gruppe von blinden Menschen nach Österreich in ein Urlaubshaus, das für unsere Bedürfnisse ausgelegt ist. Dieses hat nun leider geschlossen, was ich sehr schade finde. Langsam brechen uns alle Häuser weg, wo wir mit unserer Beeinträchtigung mal in Ruhe urlauben können. Also entschieden wir uns für das Haus in Bozen.
Der Urlaub war sehr schön. Das Haus ist für uns super. Dort kam ich mit der Macherin eines Podcasts für den Tiroler Blindenverband zusammen. Sofort packte sie die Gelegenheit am Schopf, und ich durfte mit ihr eine Folge über meine Themen aufnehmen.
Ihr müsst, wenn ihr die Folge abhört, leider etwas spulen, bis ihr zum Interview mit mir kommt, weil es keine Kapitelmarken o. Ä. gibt.
Oktoberausgabe von Hörbrief Kontakte
Natürlich hielt ich auch einen kleinen Vortrag über die Perseiden in einer schönen Hütte für alle, die sich dafür interessierten. Schön wäre es gewesen, wenn wir die Perseiden hätten direkt hören können, denn es war ein Funkerpärchen dabei, deren Ausrüstung theoretisch dazu getaugt hätte. Aber wir waren zu niedrig, so dass die Empfangsbedingungen nicht gegeben waren.
Naja, dann spielte ich halt Sternschnuppen vom Laptop ab.
In Österreich, am alten Urlaubsort, waren meine Vorträge so bekannt, dass manchmal das halbe Dorf mit Kind und Kegel zu mir auf die Wiese kamen. Die, welche damals Kinder waren, brachten mittlerweile ihre eigenen Kinder mit. Es war eine kleine Attraktion, wenn der Sternenonkel kam. Schade um das Haus und alles.

28.08. Veröffentlichung beim Podcast „im Aufzug“

So heißt der Podcast von Raul Krauthausen. Er ist für mich einer der größten Aktivisten für Inklusion in Deutschland. Er spricht in Talkshows, hat einige Bücher geschrieben und betreibt eben diesen Podcast, wo er sehr prominente und gute Leute eine Stimme gibt. Ich biete meine Veranstaltungen schon gerne z. B. an Schulen, Bibliotheken, Vereinen und sonstigen Kultur schaffenden an, wo ich glaube, dass meine Passion mal spannend sein könnte. Jemanden wie Raul mit seinem Netzwerk und seiner Reichweite um ein Interview zu bitten, fällt mir aber schwer. Dennoch fasste ich bei Raul meinen Mut, und fragte ihn, ob wir beide nicht mal eine Veranstaltung zusammen machen wollen. Dann kam aber die Pandemie und alles, so dass es nie dazu kam. Ausgangspunkt für eine erneute Nachfrage meiner seits war sein neuestes Buch. Es handelt von einem Kind mit Rollstuhl im Weltraum. Da muss ich natürlich darauf springen. Gelesen habe ich das Buch zwar noch nicht, weil ich auf das Hörbuch warte.
Hier die wichtigsten Daten, damit ihr es beim Buchhändler eurer Wahl finden könnt.
Als Ela das All eroberte, Gebundene Ausgabe von Raúl Krauthausen , Adina Hermann, Carlsen, 9783551522467
Sofort war Raul begeistert und bat mir an, in seinem Podcast Gast sein zu dürfen. Dank online, war das für mich ohne Reisen und alles, sehr gut möglich. sofort sagte ich zu. Wir kannten uns vorher tatsächlich nur über das Internet und nicht persönlich. Raul erlaubte mir sofort, dass ich die Folge auch über seinen Podcast hinaus teilen und senden darf. Hört euch diese Folge an. Es lohnt sich wirklich.
Raul schreibt dazu:

Gerhard Jaworek ist Informatiker, Astronom, Blogger und Autor – und er zeigt mir, dass man Sterne auch ganz ohne Augen sehen kann. Wir sprechen über Sterne, sprechende Aufzüge und darüber, wie sich der Mars in der Hand anfühlt.
Doch Gerhard erzählt mir auch von seiner Arbeit am KIT in Karlsruhe, wo er Studierende mit Sehbehinderung unterstützt. Über echte und falsche Applausmomente, über die Inklusion in der Wissenschaft und warum Astronomie für ihn von Natur aus eine inklusive Disziplin ist. Außerdem geht es um deutsche Beiträge zur Raumfahrt und die Frage, ob Klimaschutz nicht unser eigentliches Menschheitsprojekt sein sollte.
Wir reden über die kuriosesten Kinderfragen, über absurde Missverständnisse zwischen Sehenden und Blinden – und über Gerhards Begeisterung für kleine Details, die das Universum plötzlich greifbar machen. Aufzugtür auf für Gerhard Jaworek!

Zur Sendung geht es
hier lang.

28.09. Mondfrage für Blinde bei Eberhard

In oben genanntem Newsletter, für welchen ich manchmal schreiben darf, lesen auch viele Menschen mit Blindheit oder Sehbeeinträchtigung mit. Das kommt da her, weil die Sternwarte München zusammen mit dem Deutschen Museum manchmal Astro-Veranstaltungen für diesen Personenkreis anbietet. Die stellen natürlich manchmal auch Fragen an Eberhard. Diesmal durfte ich die Antwort geben.
Die Frage war folgende:

Lieber Eberhard,
ist es möglich, von irgendeiner Quelle mittels einer Fotodiode mit einem Tongeber einen Pieps zu bekommen?
Damit könnte man als Vollblinder in der Nacht schon mal neugierigerweise den Mond und vielleicht auch einen ähnlich hellen Himmelskörper hörbar machen.
Könnt ihr uns da weiterhelfen?

Euch gebe ich die Antwort aber heute noch nicht. Wir starten damit im neuen Jahr in unserer Rubrik „Frag, und es wird Tag.

01.10. Mein Buch wurde zehn Jahre alt

Ihr habt es ja gelesen, dass mein Buch sein Zehnjähriges feiern durfte. Ich schrieb darüber in
Wir feiern einen alten Schinken.

26.10. Veröffentlichung der Podcast-Folge beim DLR

Rauls Podcast „Im Aufzug“ hat wirklich eine spannende Hörerschaft. Er wird sogar beim Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt gehört.
Die betreiben den Podcast „Von der Erde ins All“. Es war mir eine besondere Ehre, hier eine Folge mitgestalten zu dürfen. Eine Folge, gemeinsam mit dem Astronauten Matthias Maurer, mir und anderen Experten für Planetenforschung etc. Aber lest selbst.

So klingt der Weltraum
Von der Erde ins All

Das Universum ist voller Klänge und Melodien! Das klingt paradox – und doch: Forscher:innen arbeiten daran, das Unhörbare hörbar zu machen: Sie übersetzen Radiowellen in Töne, wandeln Magnetfelder in Musik. Und das ist gut so, denn nur ein winziger Teil des Universums ist überhaupt sichtbar für unsere Augen. Gerhard Jaworek, ein Astronom und Informatiker, der selbst nichts sieht, aber unglaublich viel hört, nimmt uns mit auf eine Reise ins hörbare Weltall. Außerdem sind diesmal mit dabei: ESA-Astronaut Matthias Maurer, Missionsleiter Volker Schmid (DLR), Christopher Schmidt vom Institut für Kommunikation und Navigation (DLR) sowie Daniela Tirsch, Planetengeologin am Institut für Weltraumforschung (DLR)

Hier könnt ihr euch die Sendung Auf Apple Podcasts anhören:
Von der Erde ins All – So klingt der Weltraum
OK, gesehen und kennengelernt haben Matthias Maurer und ich uns jetzt nicht, weil die Sendung aus verschiedenen Interviews geschnitten wurde, aber es existiert nun eine Sendung mit unseren beiden Stimmen. Darauf bin ich stolz.
Vor dem Interview wusste ich nichts davon. Es war auch für mich eine totale Überraschung, weil ich den Podcast vorher nicht kannte.

03.11. Lehrauftrag Fachhochschule Freiburg, – Benutzung Blog im Unterricht

An der evangelischen Hochschule in Freiburg können Studierende der Sozialarbeit und Sozialpädagogik ein zweisemestriges Seminar zu Themen der Inklusion besuchen und sich das auf ihre Studienleistungen anrechnen lassen. Der Leiter des Evang. Blinden- und Sehbehindertendienstes Baden, wo ich auch im Vorstand mitwirke, leitet als Inklusionsbeauftragter der evangelischen Landeskirche Badens, in diesem Semester das Seminar. Er lud mich ein, mal quasi als praktisches Beispiel mit den Studierenden über Themen der Inklusion zu sprechen, um z. B. Fragen zu beantworten. Als Impulsvortrag wählte ich das inklusivste, was es gibt, die Astronomie. Ich finde es wirklich super, wenn für diese Themen schon in Schule und Studium sensibilisiert wird. Sehr gerne nehme ich derartige Angebote an. Sollte jemand von euch auch einmal so eine Veranstaltung haben, stehe ich als Referent sehr gerne zur Verfügung.

17.11. Frag den Sternenonkel

Wie viele von euch wissen, gibt es auf Blindnerd.de die Kategorie für Fragen Frag, und es wird Tag . Artikel, die eure Fragen beantworten, werden dieser zugeordnet. Eure Namen werden selbstverständlich nicht erwähnt, so dass jeder ungeniert fragen darf, kann und auch soll. Derlei zu beantworten freut den Sternenonkel sehr. Dieses Format mit Fragen und Antworten probierte ich für unseren Arbeitskreis der blinden Autoren mal online auf unserer Lesebühne aus. Ins Radio und zu den Sprachassistent:innen wurde diesmal noch nicht gestreamt, weil wir hier noch im Aufbau sind, um irgendwann mal life senden zu können. Aber, was soll ich sagen. Der Testballon funktionierte hervorragend. Es kamen viele Fragen, die ich zum Glück auch beantworten konnte. Man konnte mir die Fragen auch vorher schicken, damit ich mich vorbereiten kann. Es hat einen riesigen Spaß gemacht. Das wird wiederholt. Und ich warte schon sehr darauf, bis das dann auch ins Internetradio kommt oder von den Alexas empfangen werden kann. Drückt mir die Daumen für dieses neue Format.

21.11. Freizeit des EBS-Baden zum Thema Luft

an diesem vorletzten Novemberwochenende hatten wir unsere Jahresfreizeit des Evang Blinden- und Sehbehindertendienstes Baden diesmal zum Thema Luft.
Hier nur ganz kurz, worum es in der Freizeit grob ging.

  • Wir erfuhren vom Sternenonkel,woraus Luft besteht, wie sie auf die Erde kam, dass sie nicht immer so war, wie sie jetzt ist, von ihre Geschichte der Entdeckung ihrer Bestandteile, wie sich die Alchemie zur heutigen Chemie entwickelte, und wie man Brot aus Luft gewinnen kann. Damit ist natürlich die Herstellung von Düngemitteln aus dem Stickstoff unserer Atmosphäre gemeint, mit
    deren Hilfe der Welthunger gelindert werden konnte. In diesem Zusammenhang durfte natürlich die umstrittene Persönlichkeit Fritz Haber nicht unerwähnt bleiben.
  • Unsere Ursula, die mittlerweile dreiundneunzig Jahre auf dem Buckel hat, erklärte uns die Luft aus Sicht der Weltreligionen.
    Da gibt es den Odem, der Gott dem Menschen einhauchte, auf dass er lebe,
    das geistige Atma der buddhistischen Religionen,
    auch den heiligen Geist, der mit Luft verglichen werden kann, und vieles mehr.
    Mich erstaunt hier immer wieder, wie Ursula uns das alles frei erzählt, ohne Notizen oder Skript. Euer Sternenonkel kann das nicht.
  • Nach Kaffee und Kuchen wurde es richtig praktisch. Eine Atemtherapeuting zeigte uns, wie man diesen Lebensstoff richtig einsaugt und bewusst erlebt.
    Richtiges Atmen ist sehr wichtig. Es gibt Entspannung und uns auch die richtige Stimme, wenn wir sie brauchen.
    Also ich finde, da waren einige Übungen dabei, die sich sehr gut in den Alltag integrieren lassen.
  • Als finaler Höhepunkt und Ausklang steht immer der Abschlussgottesdienst am Sonntag.
    Diesmal konnten wir dafür eine Pfarrerin aus dem EOK gewinnen. In ihrer Predigt griff sie auf ganz wunderbare Weise alles nochmal auf, was wir an diesem Wochenende erleben durften.
    Besser konnte man die ganzen losen Fäden nicht zusammenführen.

Diese Freizeit ist ein ganz integraler Bestandteil meiner Arbeit, weil sie für einige der Teilnehmenden das einzige ist, wo sie im Jahr mal aus ihrer Wohnheim- und Werkstattumgebung heraus kommen.

01.12. Weihnachtskalender

sicherlich wundertet ihr euch, dass der Blindnerd schon am ersten Advent mit seinen Weihnachtsgeschichten begann, obwohl der 01. Dezember doch erst am Montag war.
Ja, das hatte seinen Grund.
In diesem Jahr konnte es leider keinen Blindnerd-Adventskalender geben, der alle 24 Türchen befüllte.
Viele von euch wissen es, dass ich im letzten halben Jahr sehr gesundheitlich gebeutelt war. Da fehlte mir einfach die Kraft, vierundzwanzig Geschichten zu recherchieren und zu schreiben. An Ideen hätte es mir durchaus nicht gemangelt.
Ganz hängen lassen durfte der Sternenonkel aber seine Leserschaft in der Weihnachtszeit, wo Sterne so wichtig sind, doch nicht.
Deshalb bediente ich diesmal nur die Eckdaten, alle vier Adventssonntage, Nikolaus und natürlich den heiligen Abend.
Nun wisst ihr, wieso ich zu früh startete. Aber wenn man schon nicht alle Türchen füllt, dann muss wenigstens der erste Advent dabei sein, ob es nun schon Dezember ist, oder nicht.
Und ja, die Verlinkung zum Adventskalender des Arbeitskreises BLAutor, gab es natürlich. Den administriere ich ja nur und bekomme die Geschichten für die Türchen von unseren Schreiberlingen geliefert. So dass die Veröffentlichung einfach war.

Fazit:

Trotz aller gesundheitlichen und psychischen Einschränkungen, konnte ich doch wieder einiges auf die Beine stellen und erleben. Dafür bin ich sehr dankbar.
Dankbar bin ich vor allem für die wunderbare Zeit mit euch, für die wunderbaren Kommentare, Begegnungen ob online oder persönlich, für eure Fragen und eure Geduld, für die Zeit, die ihr mir schenkt, um meine Artikel zu lesen und hoffe, dass ihr mir auch im nächsten Jahr wieder die Stange haltet.
In diesem Jahr ward ihr so aktiv dabei, wie nie zuvor. Ich musste mir kein einziges mal die Frage stellen, was es bringt, ob es lohnt…
Jetzt wünsche ich für uns alle ein friedliches neues 2026. Hoffen wir, dass wir einige Krisen etwas in den Griff bekommen.
Ich freue mich auf jeden Fall sehr, mit euch zusammen auch in 2026 wieder viele spannende Geschichten zu erleben. Immerhin gibt es eine Sonnenfinsternis, dort zu sehen, wo man gerne Urlaub macht..
Es grüßt euch herzlich

Euer Sternenonkel.