Mensagespräche


Meine lieben,

heute geht es um etwas, worüber sich einige Nerds und ich neulich in der Mensa unterhielten.
Der Gegenstand von heute ist sehr flüchtig und kommt bei uns auf der Erde eher selten vor. Kommt es frei, dann haut es sofort ins Weltall ab. Obwohl es das zweithäufigste im Universum ist, ist es hier selten und kostbar.

Wir füllen es in Luftballons, die dann in die Höhe steigen und atmen es ein, damit wir wie die Mickymaus sprechen können.
Nicht zuletzt kühlen wir damit um die Wette, um möglichst nahe an den absoluten Nullpunkt von -273 Grad heran zu kommen, 0 Kelvin also.
Na klar. Ihr habt es längst erraten, dass es um Helium gehen wird.
Also los.

Die Entdeckung

Es ist kaum mehr als einhundert Jahre her, als die Wissenschaft noch davon ausging, dass die Sonne ähnlich aufgebaut sei, als unsere Erde. Nun ja. Immerhin zeigen sich im Sonnenspektrum auch viele Linien bekannter Elemente.
Erst eine Frau, mit Namen Cecilia Payne, räumte damit auf und erklärte uns den Sonnenstoff.
Ich schrieb darüber zum Weltfrauentag 2022 und in meinem Adventskalender in
Die Frau mit dem Sonnenstoff
Sie fand heraus, dass Sterne im wesentlichen aus Wasserstoff und Helium bestehen, und sich somit grundlegend vom Aufbau der Erde unterscheiden.
Also mich verblüfft das sehr, dass man etwas entdecken kann, obwohl man nicht vor Ort ist. Genau so ist das mit dem Helium passiert. Der Name sagt es ja schon. Helium heißt so, weil es eben nicht zuerst auf der Erde, sondern auf der Sonne entdeckt wurde.

Die Entdeckung des Heliums führt uns nach Indien in das Jahr 1868. Dort bewegte sich am 18.08. der Kernschatten einer Sonnenfinsternis über die indische und die malaiische Halbinsel.
Das wollten sich vor allem zwei Astronomen nicht entgehen lassen.

Den einen haben wir schon mal kennengelernt in Ein Sonnenforscher, eine Finsternis und ein Latenzaun
Der Astronom und Fotograf Pierre Jules César Janssen nahm also die beschwerliche Reise auf sich, um von Guntur in Indien aus diese Finsternis zu beobachten und zu fotografieren.
Als nach kurzer Zeit die Sonne wieder hinter der Mondscheibe hervortrat und die Protuberanzen verblassten, soll Janssen ausgerufen haben:
„Diese Linien will ich auch außerhalb der Finsternisse beobachten.“
Und was macht er danach? Er erfindet mal eben den Heliospektrographen.
Damit kann man Sonnenfinsternis auch am Tag und auf der ganzen Sonnenoberfläche erleben.

Den anderen der zwei, hätte diese Reise beinahe sein Leben gekostet.
Joseph Norman Lockyer schiffte sich auf der Psyche ein, um zum Ort des Geschehens zu gelangen. Leider erlitt er mit diesem Schiff Schiffbruch. Er wurde aber irgendwie gerettet, und erreichte mit knapper Not noch sein Ziel.
Ich habe mal irgendwo gelesen, dass er gerade noch drei Sekunden Finsternis beobachten konnte.

Ja, es war schon gefährlich, damals ein Finsternisjäger zu sein. Je nach dem, wo sie stattfindet, ist das bis heute so. Seereisen mögen sicherer geworden sein, und viele Orte kann man per Flugzeug erreichen, aber oft fallen die Finsternisse dort hin, wo einem Krokodile oder Schlangen in die Füße beißen können…

Aber nichts für ungut, fanden beide unabhängig voneinander eine gelbe Linie im Sonnenspektrum, die bisher noch keinem Element auf der Erde zugeordnet werden konnte. Es musste sich also um einen Stoff handeln, den es scheinbar nur auf der Sonne zu geben schien. Grund genug, ihn Helium zu nennen.

Das ist doch absurd. Da versteckt sich unser Heimatstern mal kurz hinter dem Mond, und die beiden finden die gelbe Spektrallinie des Heliums.

Zum Glück passt eben nur der hell leuchtende mittlere Teil der Sonne hinter den Mond, so dass die spannende Korona noch seitlich hervorluggt. Zumindest bei totalen Finsternissen ist das so.
Somit war Helium das erste Element, das nicht zuerst auf Erden entdeckt wurde.
Es dauerte noch ungefähr dreißig Jahre, bis man es auch auf der Erde fand.

Der schottische Chemiker William Ramsay suchte in einem Mineral namens Cleveit (ein Uranerz) nach Argon.
Stattdessen fand er ein Gas mit genau jener geheimnisvollen gelben Spektrallinie – es war das Sonnen-Helium!
Kurz darauf bestätigten die schwedischen Forscher Per Teodor Cleve und Nils Abraham Langlet die Beobachtung und isolierten größere Mengen.

Was ist Helium?

  • Helium ist ein besonderes Element: Es ist ein sogenanntes Edelgas und gleichzeitig das zweitleichteste chemische Element nach Wasserstoff.
  • Ein Edelgas geht mit nichts chemische Reaktionen ein.
  • Es besteht in seinem Kern aus zwei Protonen und zwei Neutronen, der von zwei Elektronen umgeben ist.
  • Es kann nicht wie viele andere Stoffe durch chemische Prozesse hergestellt werden, da es sich um ein reines Atom handelt und nicht um eine Verbindung, die man mischen könnte.
  • Es kommt chemisch quasi einzeln vor, wobei sich die nicht edlen Gase mit ihresgleichen verbinden, wenn sich nichts besseres findet, z. B.
    Wasserstoff als H2,
    Sauerstoff als O2
    Stickstoff als N2
    und Helium eben alleine als He. Das hat zur Folge, dass man es sogar noch schlechter einsperren kann, als Wasserstoff, weil es alleine überall durchrutschen kann.

Das vorhin erwähnte Argon ist übrigens ebenfalls ein Edelgas. Es ist aber deutlich schwerer als Helium. Wenn man das einatmet, dann klingt man tiefer. Da Argon schwerer als Luft ist, muss man nach so einer Aktion einen Kopfstand machen, damit das schwere Gas wieder aus einem herausfallen kann, um wieder Platz für normale Luft in der Lunge zu schaffen.
Bitte besser nicht versuchen. Man könnte dabei ersticken.
Aber zurück zu unserem Sonnenstoff.

Natürliche Entstehung

Helium entsteht hauptsächlich im Inneren von Sternen durch Kernfusion: Wasserstoffkerne (Protonen) verschmelzen zu Helium. Dieser Prozess liefert uns die Energie der Sonne, den wir gerne hier auf Erden nachstellen würden.

Auf der Erde entsteht Helium bei radioaktivem Zerfall schwerer Elemente (z. B. Uran, Thorium). Dabei werden Alphateilchen frei, die im Prinzip Helium-4-Kerne sind. Diese sammeln sich in Gesteinen und reichern sich in Erdgaslagerstätten an. Deshalb wird fast das gesamte Helium, das wir nutzen, aus Erdgas gewonnen.

Künstliche Herstellung

Helium lässt sich, wie gesagt, nicht künstlich herstellen. Man kann es nur gewinnen und abscheiden. Das ist und bleibt zumindest so lange der Fall, bis es uns vielleicht eines Tages doch gelingt, das Sternenfeuer hier auf Erden in einem Kernfusionsreaktor zu zünden und am Leben zu halten. Die magische Zahl, des Versprechens lauten schon mindestens seit fünfzig Jahren, „fünfzig“, dann ist es so weit.

In Kernreaktoren, wo Alpha-Teilchen, also Heliumkerne entstehen, kann man es eventuell auch erzeugen. Aber wer will so radioaktives Zeugs.
Helium künstlich zu gewinnen lohnt sich nicht, weil die Mengen verschwindend klein und die Verfahren extrem teuer sind.
Deshalb nutzt man weiterhin das Helium, das in Erdgasvorkommen gebunden ist.

Es ist in Erdgasen nur in Spuren (0,1–7 %) enthalten, aber weil es extrem leicht und nicht brennbar ist, kann man es durch Trennverfahren isolieren.
Erdgas besteht hauptsächlich aus Methan (CH₄), dazu Ethan, Propan, Stickstoff usw.
Wenn man das Gasgemisch sehr stark abkühlt und unter Druck setzt (Tiefkühlung, „Kryogene Destillation“), werden fast alle Komponenten flüssig – außer Helium, weil es den niedrigsten Siedepunkt hat (−269 °C).
Helium bleibt also gasförmig übrig, während Methan und Co. schon verflüssigt sind.
Danach wird es durch mehrfache Reinigungsschritte (z. B. Aktivkohle, Membranen, Druckwechsel-Adsorption) von Spuren anderer Gase (v. a. Stickstoff, Neon, Wasserstoff) getrennt.
Am Ende erhält man Rohhelium mit ca. 70–80 % Reinheit.
Dieses wird dann noch weiter verflüssigt oder durch spezielle Adsorptionsverfahren auf über 99,999 % Reinheit gebracht, wie es für Labor, Medizin und Raumfahrt gebraucht wird.

Besonderheiten dieses Elements

Jedes andere Gas wird bei genügend tiefer Temperatur von selbst fest.
Helium aber bleibt bei Normaldruck bis zum absoluten Nullpunkt (0 K) flüssig. Ganz nebenbei. Den absoluten Nullpunkt kann man nicht erreichen, aber fast…
Erst wenn man Druck anlegt (ca. 25 bar bei Helium-4), kristallisiert es zu einem Festkörper.
Der Grund dafür sind quantenmechanische effekte.
Helium-Atome sind extrem leicht.
Die Bindungskräfte zwischen ihnen (Van-der-Waals-Kräfte) sind sehr schwach.
Bei tiefer Temperatur würden sie sich zwar normalerweise aneinander „festklammern“, aber:
Wegen ihrer geringen Masse haben die Atome eine hohe Nullpunktsbewegung (Quantenschwankung, die auch bei 0 K nicht verschwindet).
Diese Bewegung ist stärker als die Anziehungskräfte → die Atome können sich nicht an feste Plätze „binden“.
Helium bleibt also flüssig, wenn man keinen Druck anlegt.
Kühlt man Helium Unter 2,17 K (bei Helium-4) passiert dann etwas Magisches: Helium wird superfluid.
Es Fließt ohne Reibung durch feinste Röhrchen.
Es bildet dünne Filme, die Wände hochkriechen.
Es ann Wärmetransport extrem effizient übernehmen, wieso es als Kühlmitten eingesetzt wird, wo sehr tiefe Temperaturen gebraucht werden.
So wird beispielsweise eine Infrarot-Kamera unseres Web-Space-Teleskop mit Helium gekühlt, weil sie ansonsten zu warm wäre, um die Infrarotstrahlung messen zu können. Sie wäre dann dafür blind. Supraleitende Magnete, z. B. die im LHC im Zern, oder in Kernspintomographen kühlt man so weit herunter, bis das Material, aus welchem sie gemacht sind, seinen Widerstand gegen Strom aufgibt, und supraleitend wird. Damit kann man dann so starke Magnetfelder erzeugen, wie das mit nicht-supraleitenden Spuhlen, z. B. gewickelt aus Kupferdraht, niemals möglich ist.

Wenn man Helium einatmet (bitte nur ganz kurz und in sicherer Umgebung!), verändert sich die Stimme.
Der Grund ist nicht, dass die Stimmbänder schneller schwingen, sondern dass Helium viel leichter als Luft ist.
Die Schallgeschwindigkeit hängt von der Dichte des Gases ab:
In Luft: ca. 343 m/s
In Helium: ca. 970 m/s
Die Resonanzräume im Mund und Rachen klingen dadurch höher, weil die Resonanzfrequenzen steigen.
Das ist ein reiner akustischer Effekt, kein biologischer.

Fazit

Helium ist nicht nur im chemischen Sinne edel, sondern auch deshalb, weil es selten und wertvoll ist.

Vor allem seine Kühleigenschaften sind für uns Menschen unverzichtbar geworden. Magnetspintomographen, die in der Medizin verwendet werden, kühlt man gerne mal mit Helium oder Stickstoff.

Bis heute wird um die Wette gekühlt. Da fällt mir der Physiker Wolfgang Ketterle ein. Der war so eifrig dabei, dass er sich ein Feldbett in sein Büro stellte, denn auch er konnte jetzt nicht zu Bett gehen, wenn seine Kollegen und Mitarbeiter um die Wette kühlten.
So etwas nenne ich Beharrlichkeit…

Zum Schluss stelle ich in den Raum, dass es vielleicht nicht die beste Idee ist, unser kostbares Helium in Luftballons zu füllen, die sicher platzen, und somit das Helium in den Weltraum entlassen, weil es so leicht ist, dass unsere Erde es nicht daran hindern kann, zu entfliehen. Wir werden für unsere neuen Technologien, wie z. B. Quantencomputer und die Energiewende viel mehr Helium benötigen, als bisher.

Unter uns


Meine lieben,
Vor acht Jahren schrieb ich bereits einmal über das heutige nicht astronomische Thema.
Ich finde, es ist es wert, heute und hier nochmals neu aufbereitet und rezykelt zu werden.
Es geht um Urlaub und die Welt in der wir leben.

Ein Wort ohne Groll an euch Sehende

ihr könnt euch vorstellen, dass das Leben als blinder Mensch in einer Welt, die in erster Linie auf den Sehsinn hin orientiert ist, manchmal ganz schön anstrengend und kompliziert für uns ist.

  • Ihr stellt uns eure leidigen E-Roller in den Weg, so dass wir darüber fallen.
  • Eure Autos versperren die Gehwege, so dass ich bei uns auf dem Dorf nur auf der Straße gehen kann.
  • oft muss ich mir respektlose oder anzügliche Fragen anhören, die ihr euresgleichen niemals stellen würdet.
  • Mitleid heischend muss ich oft um Hilfe bitten, was mich nicht selten in eine gewisse Opferrolle treibt.
  • Dadurch, dass in eurer Welt, in welcher ich auch lebe, der Sehsinn so oft überbewertet wird, schenkt ihr dem Gehör kaum Beachtung. Das führt dazu, dass ihr Kraft, Größe und leider auch Männlichkeit durch Fahrzeuge ausdrückt, die möglichst viel Lärm produzieren.
  • Ihr hängt euch Fußballfeld große flache Fernseher an die Wände, deren Klang trotz des Zeitalters höchster High Fidellity so erbärmlich klingen, dass sich jedes klassische Küchenradio locker damit messen kann.

Noch vieles könnte ich an dieser Stelle aufzählen, aber der Artikel soll ja keine Anklageschrift sein, sondern im besten Falle sensibilisieren.
Wie auch immer.
Dies alles und vieles andere, strengt uns an. Aber euch zum Trost muss hier gereichen, dass wir wissen, dass das alles nicht aus Bosheit gegenüber blinden Menschen geschieht. Der Mensch ist doch im Grunde gut.
Dennoch nehme ich und viele andere blinde Menschen uns dann und wann eine Auszeit von der Welt der Sehenden.
Eine auszeit, um einfach mal ohne Vorbehalte und hemmungslos „blind“ sein zu dürfen.
Ich verbringe daher stets meinen Sommerurlaub mit guten blinden Freunden.
Was das für mich bedeutet, ist Gegenstand dieses Beitrages.

Passe Dich an

„Lebe möglichst, als wärest Du sehend!“

stand vor einigen Jahren auf einem Plakat, das den Studierendenraum unseres Institutes zierte. Das war ein Motto der damaligen Leitung, dass wir unbedingt „Top-Blinde“, das war sein Wort, sein sollten, um vorgezeigt zu werden, um Eindruck zu schinden, und letztlich, um auch zu zeigen, welch tolle Arbeit an unserem Institut gemacht wird.
Da das Poster meinem Vorgesetzten gehörte, durfte ich ihm natürlich kein Leid zufügen.
Ich schwor mir aber, dieses Plakat, sollte ich einst dazu befugt sein, umgehend zu entfernen, un die Vernichtung dieses Satzes zu zelebrieren.
Dieses ist längst passiert. Wir sind sogar in ein neues Gebäude umgezogen und unser jetziger Vorgesetzter ist auch nicht mehr neu bei uns.

„Blinder, Lebe, als könntest Du sehen“,
„Lahmer,  lebe, als köntest Du gehen“,
„Tauber, lebe, als könntest Du hören“

Man merkt hier die Absurdität, die in derlei Sätzen steckt. Es geht schlicht und einfach nicht.
Dennoch. Mein Alltag ist stets der Versuch, zwar nicht so, wie ein Sehender zu leben, aber mich in deren Welt zurecht zu finden und zu bestehen.

Hier soll es aber nicht darum gehen, was Schwierigkeiten bereitet, sondern darum, dass ich es wichtig finde, dass ich ein Mal im Jahr Urlaub von der Blindheit oder der Welt der Sehenden nehme,.
indem ich mich an einem für uns geeigneten Ort mit blinden Menschen treffe.
Der Weg dort hin, also bis ich mich dazu durchringen konnte, war lang.

Mein Weg

Blind unter Sehenden

Als blinder Student unter sehenden Studierenden war es zwar nicht üblich, die Zugehörigkeit zur Gruppe derer, die nicht sehen können, zu verleugnen, aber trotzdem war es mir bis vor etwa dreißig Jahren ein Bedürfnis, mich in irgend einer Weise von der Gruppe der Blinden, abzugrenzen.
Ich wollte nicht zu jenen gehören, die beispielsweise dauernd mit dem Vorurteil belegt werden, neben der körperlichen auch eine geistige Einschränkung zu haben. Ich war beleidigt, wenn mich jemand fragte, ob ich auch in der Werkstadt XY für Menschen mit Behinderung arbeite. Ich hätte mir mein Abiturzeugnis am liebsten an die Stirne geheftet.
Es war sehr schick, zu den „Top-Blinden“ zu gehören.

Blind unter Blinden

Ein blinder Freund warnte mich davor, mich zu sehr der Gruppe der Sehenden anzuschließen, und meinte, dass ich eines Tages noch froh sein würde, ein Refugium zu finden, in dem ich meine Blindheit ausleben dürfe. Er überredete mich, mit ihm zusammen einen Spezialurlaub für Menschen mit Blindheit zu machen. Und da tat sich mir wirklich eine neue Welt auf. Ich merkte, wie anstrengend mein Leben dadurch war, dass ich meinen sehenden Mitmenschen hinterherhechelte. Ich merkte, wie mir die ganzen Jahre die Gespräche unter Blinden, die thematisch oft anders gelagert sind als die mit Sehenden, so sehr fehlten. Sprechen Blinde über Kinofilme, wird kaum über Schauspieler geredet. Den Film erleben wir als ein Hörspiel, bestehend aus der Filmmusik, den Hintergrundgeräuschen, den Stimmen der Synchronsprecher und seit einigen Jahren mehr und mehr der Audiodeskription. Hierbei handelt es sich um Zusatzerklärungen die das erläutern, was für blinde Menschen im Film nicht hörbar ist, z. B. ein entscheidender Blickkontakt, eine wichtige Geste oder eine Beschreibung einer Umgebung. Diese Audiodeskriptionen werden zwischen die gesprochenen Passagen des Films gepackt und können entweder über einen separaten Tonkanal oder über ein Smartphone mit Knopf im Ohr abgehört werden. Manche Menschen mit Blindheit sprechen auch eher über Hörspiele und Radio, über Geräusche und Musik. Einige binden viele Geräusche in ihre Sprache ein und lieben es, Stimmen naturgetreu nachzuahmen.
Ich merkte, wie wohltuend es war, in dieser Umgebung auch mal blind sein zu dürfen. Ja, es war kein Problem, mir hin und wieder ein Brot schmieren oder das Hähnchen vom Knochen schneiden zu lassen. An diesem Ort durfte ich mir bei derartigen Dingen gerne helfen lassen und musste mir oder anderen nichts beweisen.

Was in unserem Urlaub anders ist

Die Anreise

Die Meisten dieser Urlaubshäuser für blinde Menschen verfügen über einen kleinen Fuhrpark. Somit kann man sich direkt vom Haus am Zielbahnhof abholen lassen, ohne, dass lästige Taxikosten anfallen, der Taxifahrer nicht weiß, wo man hin möchte, oder… Schon hier merke ich, dass das Personal geschult ist, so dass die Anreise barrierefrei abläuft.
Schon im Vorfeld stimmt man die An- und Abreise so mit dem Haus ab, dass es für das Personal möglichst effizient abläuft, z. B. das mehrere Personen gleichzeitig abgeholt werden können. Das bedeutet manchmal warten, ist aber kein Problem, weil jeder von uns weiß, wie wichtig eine gute Reise und eine Abholung für uns ist, und somit viel Verständnis und Geduld für die anderen anreisenden entgegen bringt.

Die Ankunft

Im Haus angekommen, finde ich am Boden Leitlinien, Punktschrift an Zimmertüren, Treppen und Einrichtungen. Der Aufzug spricht mit mir und alle Stockwerke sind taktil beschriftet.
Im Zimmer liegen alle Informationsschriften auch in Blindenschrift aus. Speisepläne sind entweder über das Telefon akustisch, als Aushang in Blindenschrift oder online zugänglich.
Das gilt auch für sonstige Listen, oder den Ausflugsplan.

Abenteuer Essen und Trinken

Beim Essen steht Personal am Buffet zur Verfügung, das Essen wird direkt zum Tisch gebracht und ich werde darüber im Uhrzeigersinn aufgeklärt, was sich wo auf meinem Teller befindet, z. B. „Fleisch von 9 – 11 Uhr, Erbsen zwischen 5 und 6 Uhr“, wenn ich das möchte. In manchen Blindenhäusern, gibt es überhaupt kein Buffet. Es gibt zu Mittag eine Menüauswahl, meist ein vegetarisches und ein anderes. Für das Frühstück legt man sich vorher schon fest, was man ungefähr möchte, damit einem das Personal das schon am Platz richten kann, und zu Abend gibt es in dem Fall auch für alle dasselbe Abendbrot.

Zugegeben. Das ist auch für mich manchmal etwas unflexibel und eingeschränkt. Das nervt besonders dann, wenn es mal etwas gibt, das man nicht so mag. Es ist aber möglich, um Ersatz zu bitten.
Ich habe dann halt keine unerschöpfliche Auswahl, wie an einem Buffet in einem Hotel. Das will ich aber u. U. gar nicht. Mich strengt es unheimlich an, wenn meine Begleitung mir erst mal eine halbe Stunde erklärt, was es gibt, und ich weiß, dass das für sehende Begleitpersonen auch so ist. Und wenn ich nachher mit bekomme, dass mir versehentlich eine Speiße nicht genannt wurde, die ich sehr gerne gehabt hätte, dann ist das schade und ärgerlich.

Was den Ablauf des Essens betrifft, so kann ich mir ganz entspannt, mal ein Fleisch schneiden, das Hähnchen entbeinen, den Fisch filetieren oder einfach mal ein Brot schmieren lassen und ein Getränk wird mir eingeschenkt, wenn ich das möchte.
Vieles von dem, was ich hier aufgezählt habe, kann ich natürlich selbst. Dennoch. Ich finde schön und gesellschaftskonform zu essen manchmal nicht so einfach. Eine Pizza z. B., die größer als der Teller ist, lasse ich mir grundsätzlich in der Küche schneiden, weil sonst die Katastrophe ihren Lauf nehmen würde.
Aber das ist es eben. In meinem Spezialurlaub ist das normal. In anderen Lokalen muss ich derlei Unterstützung erst erbitten. Meist erfahre ich hier große Hilfsbereitschaft.  Aber, es passiert schon mal, dass es vergessen wird, der Kelner dann mit meinem Essen nochmal davon rennen muss, was ja irgendwie auch wieder doof aussieht und Blicke auf sich zieht, oder manchmal ist das Personal überlastet. Ein einziges Mal hat mir das ein Kelner mal ehrlich so kommuniziert…
Und wenn wir schon bei Kelnern sind. Vor allem dann, wenn es in einem Lokal sehr laut ist, habe ich keine Chance, ohne sehende Hilfe etwas zu erlangen, das meine durstige Kehle benetzen könnte. Ich höre die Bedienung nicht. Ich kann mit ihr keine Zeichensprache oder Augenkontakt führen. Ich kann doch auch nicht, wie ein Proll durch das ganze Lokal schreien… Und, wenn dann noch eine Fremdsprache, z. B. im Ausland oder eine andere Kultur dazu kommt, wird die Bestellung eines Getränkes eine schier unlösbare Aufgabe, ein Stressfaktor und nervt einfach nur.
Hier, in meinem Blindenhaus,  werde ich gefragt, ob ich noch etwas möchte. Wenn man am Ort dann schon etwas bekannter ist, merkt sich das Personal sogar, was man so für Vorzüge und Vorlieben hat.
Das gibt es aber manchmal in Stammkneipen auch, was ich als sehr angenehm empfinde.

Orientierung und Mobilität

Sollte ich mich einmal auf der Hotelanlage verlaufen, muss ich mich hier nicht mit zwar wohlgemeinten Erklärungen, wie „Sie müssen dort lang“… herumplagen. Entweder ich bekomme eine Erklärung, die ich verstehe, oder werde hin geführt, bzw. wieder auf den richtigen Weg gebracht. Auf einer Hotellanlage für Sehende bekomme ich bevor mir überhaupt mal geholfen wird, eventuell Fragen gestellt, wieso ich überhaupt alleine unterwegs bin. Darf ich das nicht? Wo steht das?

Gaffer

Man wird am Pool, in der Bar oder am Stand nicht angegafft, wenn man sich mal ohne seine Begleitperson alleine dort hin wagt, weil diese mit einem anderen Gast einen Shopping-Nachmittag macht, den blinden Mann daheim läßst, und möglicherweise nur seine Kreditkarte mitgenommen hat. Darüber zerreißen sich Gäste durchaus das Maul, und stellen die wildesten spekulationen an.
Dass ich aber Shopping unerträglich finde, dass es mir alleine mit meinem Hörbuch, meinem Bierchen oder Kaffee ganz hervorragend geht, können viele sich überhaupt nicht vorstellen. Und hier gehört der Pool und die Liegewiese uns alleine, und keiner gafft auf des anderen Körper.

Ausflüge

Was Ausflüge und andere Unternehmungen betrifft, so ist das schon so, dass der Urlaub aus der Sicht vieler sehenden Menschen etwas erlebnisärmer ist wie man es sich vielleicht vorstellt, wenn man beispielsweise mit einer sehenden Reisegruppe unterwegs wäre.
Das liegt daran, dass die personellen Ressourcen der Häuser auch begrenzt sind, und hier auch der Sparzwang und die Wirtschaftlichkeit in immer verherender Weise um sich greifen. Viele Blindenhäuser sind mittlerweile geschlossen.  Somit muss man immer einen Kompromiss finden, was man miteinander unternehmen kann, dass alle auf ihre Kosten kommen. Das bedeutet halt dann auch mal, dass man seine Wünsche zugunsten des Restes der Gruppe zurückstellen muss.

Wenn ich beispielsweise Gleitschirmfliegen möchte, dann können die anderen nur irgendwie dort, wo der Flugplatz ist, wandern oder Kaffeetrinken gehen, weil der Kleinbus warten muss, bis ich wieder gelandet bin, was mit Seilbahnfahrt, Start, Flug und Landung einen ganzen Nachmittag benötigt.
Das bekommt man aber in der Regel ganz gut hin. Ich habe noch keinen Streit deswegen erlebt. Jeder von uns weiß, dass die Welt eines Blinden oft eine Welt des wartens ist.

Oft bieten unsere Urlaubshäuser auch Themenwochen, wie Wandern, Langlauf, Tandem, Basteln etc. an, aber das liegt mir nicht so, eine Woche lang jeden Tag dasselbe zu machen.

Was es letztlich ausmacht

Wir erleben häufig den Urlaub viel stärker in der Gemeinschaft. Wir wollen überhaupt nicht allen Sehenswürdigkeiten hinterher rennen. Ein vertrauter Spazierweg, selbstständig den Pool benutzen, sich ohne sehende Hilfe in der Bar etwas bestellen, aber auch am Abend musizieren und ein sehr kommunikatives geselliges Leben führen, wie ich das so unter sehenden nur extrem selten erlebe, das ist unser Urlaub. Auch einfach mal ein Hörbuch auf dem Balkon hören, gehört dazu. Natürlich kommen auch Highlights, wie mein vorhin erwähnter Gleitschirmflug vor.
Sind Amateurfunker dabei, dann wird schon mal ein Mast mit Antenne aufgespannt, und wir lauschen gemeinsam in den „Äther“.
Und nun kommen wir zu dem Punkt, der vermutlich das wertvollste an einem Spezialurlaub für Blinde ist, und wofür man eventuell bereit ist, gewisse Abstriche zu machen.

Das Miteinander

Was ich hier meine, ist der Umgang, ist die Art der Kommunikation untereinander und die Themen, über welche wir blinden Menschen miteinander sprechen. Außerdem ist es das wohltuende Gefühl, sich auch über die Einschränkung auszutauschen.
Wir sprechen viel über Radio, Hilfsmittel und Apps.
Wir musizieren zusammen, als hätten wir das schon immer getan. Da entstehen spontan und ohne Probe vierstimmige Chorsätze. So musikalisch improvisieren konnte ich bisher nur mit sehr wenigen sehenden Musikern. Entweder sie brauchen Noten, oder müssen Dinge erst üben, die blinde Musiker frei von der Leber weg spielen. Wenn gemeinsam gesungen werden soll, und die Tonart muss transponiert werden, dass jeder mitsingen kann, so passiert das bei blinden Gitarristen, Pianisten oder Akkordeonspielern ganz automatisch.
Bemerkenswert ist die Vielfalt der Personen, die sich in diesen häusern trifft. Vom Menschen, die in einer beschützenden Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeiten, bis hin zum blinden Universitätsprofessor ist alles dabei, und wir finden eine gemeinsame Sprache, gemeinsame Themen und lachen gemeinsam.

Epilog

Ich mache meinen Spezialurlaub nicht, um ungestört, weil die anderen es nicht sehen, „in der Nase bohren zu können.“ Das hören blinde Menschen übrigens… Ich mache das, weil es mir viel Kraft gibt.
Weil es gut tut und richtig ist, dass ich mich auch mal in meiner Gruppe, in meiner Blindenwelt etc. bewege.
Ich tue es, um dann wieder mit neuer Kraft mich in unserer gemeinsamen Welt, der Welt der Sehenden,
zurecht zu finden, auszutauschen unddamit Brücken der Liebe, von Verständnis und Empathie geschlagen werden, die unsere Welten verbinden.
Mich beängstigt tatsächlich, wenn mehr und mehr unserer Häuser schließen, denn wo soll man ohne diese eine der Beeinträchtigung angemessenen Urlaub machen. Solche Häuser besitzen einen Wert, der sich nicht mit Kapital und Wirtschaftlichkeit messen lässt.

Ein kleines Land mit großer Wirkung


meine lieben,
was macht ein Sternenonkel in einem fremden Land, einer frenden Stadt und in einem Hotelzimmer, wo er keinen Schlaf findet? Genau. Er beginnt darüber nachzudenken, was es astronomisches an dem Ort gibt, wo er sich gerade befindet.

wie sagt das Sprichwort so schön?

Und wenn man eine Reise tut, dann kann man was erzählen.

Nach langer Zeit, bin ich mal wieder auf einer dreitägigen Konferenz in Amsterdam. Dort geht es um alles rund um tastbare Grafiken, Blindenschrift und neue Technologien dazu. Ich habe u. A. einen sprechenden großen Wagen im Rucksack. Wer mal zu mir in meine Vorträge kommt, kann ihn mal erleben. Für jetzt habe ich mich darauf verlegt, mal zusammen zu tragen, was dem Sternenonkel an fremden Orten in einer schlaflosen Nacht so alles einfallen kann.
was das kleine Ländchen Niederlande so in Sachen Astronomie zu bieten hat. Und schnallt euch an. Das ist nicht wenig, und bestimmt habe ich auch noch einiges vergessen.
Also los:

Vorwort

Die Niederlande – ein kleines Land mit großer Geschichte, besonders wenn es um das Verstehen der Welt und des Himmels geht. Kaum ein anderer Ort hat in den letzten Jahrhunderten so viele Denker, Bastler, Philosophen und Sternengucker hervorgebracht, die in enger Beziehung zueinander standen. Hier treffen sich Astronomie, Navigation, Optik und Geist – eine faszinierende Mischung.

Der neue Weitblick

Um 1608 soll ein Brillenmacher aus Middelburg namens Hans Lipperhey das erste Fernrohr gebaut haben. Ob er tatsächlich der Erste war, darüber streitet sich die Fachwelt. Doch fest steht: Das Prinzip des Fernrohrs wurde in den Niederlanden geboren – und es veränderte alles.

Wenig später richtete Galilei ein verbessertes Modell gen Himmel.
Er entdeckte damit Sonnenflecken, die vier Jupitermonde Europa, Ganimet, Kalisto und IO, das unser Mond Krater besitzt, welche er Meere nannte und dass das Kopernikanische Weltbild stimmen muss.
aber der Impuls und das Instrument dazu kamen von niederländischem Boden. Ohne diese bescheidene Linse hätten wir vielleicht viel später in die Krater des Mondes und in die Ringe des Saturn geschaut.

Straßen, Wellen und Monde

Christian Huygens war das niederländische Universalgenie des 17. Jahrhunderts:. Mit einem selbstgebauten Fernrohr entdeckte er 1655 den größten Mond des Saturn, Titan. Er erkannte die wahre Natur der Saturnringe – kein fester Ring, sondern ein System aus zahllosen Partikeln.

Doch Huygens war nicht nur Himmelsbeobachter. Mit seiner Wellentheorie des Lichts legte er den Grundstein für unser modernes Verständnis von Optik. Und seine Erfindung der Pendeluhr revolutionierte die Zeitmessung – ein entscheidender Fortschritt für Astronomie und Navigation.

Orientierung auf hoher See

Im sogenannten Goldenen Zeitalter eroberten niederländische Schiffe die Weltmeere. Doch ohne Orientierung am Sternenhimmel wäre das gar nicht möglich gewesen. Navigiert wurde mit Jakobsstab, Sextant, Astrolabium – und später, dank präziser Uhren, auch mit Längengradberechnung.

Zwar war es John Harrison, der später mit seinem Chronometer wirklich schiffstaugliche Uhren baute, doch Huygens war der erste, der eine grundsätzlich seetaugliche Uhr mit Federantrieb entwarf. Ich schrieb dazu bereits in meinem Beitrag
Ein Uhrmacher revolutioniert die Seefahrt

Weldkarten

Die Kartografie florierte parallel zur Seefahrt:

  • Gerardus Mercator entwickelte die nach ihm benannte Mercator-Projektion, die Kurslinien zu Geraden machte – ein Meilenstein für die Navigation.
  • Willem Blaeu, Schüler von Tycho Brahe, wurde Hofkartograf der VOC. Er erstellte prächtige Stern- und Seekarten, die bis heute beeindrucken.

Die niederländischen Kartografen verschmolzen Wissenschaft, Kunst und praktischen Nutzen – das war europäische Spitzenklasse.

Struktur des Kosmos

In modernerer Zeit leisteten niederländische Astronomen entscheidende Beiträge zur Struktur des Kosmos:

  • Jacobus Kapteyn modellierte anhand von Sternzählungen die erste realistische Vorstellung der Milchstraße.
  • Der Kuipergürtel, dieses riesige Reservoir eisiger Himmelskörper jenseits der Neptunbahn, ist nach dem niederländisch-amerikanischen Astronomen Gerard Kuiper benannt.
    In ihm befinden sich unzählige kleine, eisige Körper, darunter Zwergplaneten wie Pluto, Haumea, makemake und möglicherweise sogar noch größere Objekte, die noch unentdeckt sind. Wegen dieser Entdeckungen wurde eine neue Definition nötig, was ein Planet überhaupt ist. Ansonsten hätten wir nicht nur acht Planeten zu lernen, sondern vielleicht hunderte..
  • Jan Hendrik Oort zeigte, dass sich die Galaxis dreht – und postulierte die heute so bekannte Oortsche Wolke, ein Kometen-Reservoir am Rande des Sonnensystems.

Beide zeigten: Auch die ferne Milchstraße kann man mit Daten und Logik zum Sprechen bringen.

Die erweiterte Bedeutung einer Linse

Man könnte meinen, Baruch Spinoza habe nur mit Worten gearbeitet. Doch der große Aufklärungsphilosoph war auch Linsenschleifer – und ein herausragender noch dazu. Seine feinen Linsen gingen an Mikroskopbauer, Astronomen und Naturforscher.

Spinoza sah die Welt als ein einziges zusammenhängendes System – seine Philosophie und sein Handwerk spiegeln ein Weltbild, in dem Wahrnehmung, Denken und Materie untrennbar verbunden sind.

Der Astronom mit gesellschaftlichem Blick

Anton Pannekoek war einer der eigenwilligsten niederländischen Denker: Astronom und sozialistischer Theoretiker. Tagsüber erforschte er Sternatmosphären, abends schrieb er über Gesellschaft, Macht und Emanzipation.

Für ihn gehörten Wissenschaft und Gesellschaft zusammen – ein Beispiel dafür, wie Denken über Sterne und Menschen Hand in Hand gehen kann.

🏛️ Forschungseinrichtungen mit Weitblick

Die niederländische Forschung ist auch heute bedeutend:

  • Die Sterrewacht Leiden ist eines der ältesten Observatorien der Welt.
  • Das Institut ASTRON betreibt mit LOFAR eines der fortschrittlichsten Radioteleskope Europas.
  • In Noordwijk sitzt das technische Zentrum der ESA, ESTEC – das Herzstück vieler europäischer Weltraummissionen.

✨ Fazit:

Die Niederlande haben uns nicht nur Tulpen, Käse und Kunst geschenkt – sondern auch neue Augen für das Universum.

Von der ersten Linse bis zur Radiogalaxie reicht ihr Vermächtnis. Ein Land zwischen Deich und Daten, zwischen Philosophie und Fernrohr, das gezeigt hat:

Man kann Himmel und Erde zugleich im Blick haben.

Ihr seht es ja selbst. Alleine in diesem Artikel sind schon wieder so viele Türchen für weitere aufgegangen. Hört denn das niemals auf?

Was? Ihr habt noch keins?

Ja, meine lieben, auch Karlsruhe hatte bis vor kurzem noch keines.
Keines was? Lasst euch überraschen…

Wir erinnern uns

Am 07.05. vor einhundert Jahren wurde im Deutschen Museum in München das erste Planetarium eröffnet.
Es ist zwar so, dass München den Projektor schon zwei Jahre vorher erhielt, aber er war irgendwie noch nicht fertig und ausgereift, und wurde deshalb nochmal zu Zeiss-Jena zurück geschickt.
Vor diesem Hintergrund schrieb ich vor zwei Jahren über
Einhundert Jahre Planetarien
und
Eine Blase voller Sterne
Vielleicht ahnt ihr es schon, wieso ich mich dieser Dinger nochmal annehme.
Dafür gibt es nämlich einen sehr guten und noch schöneren Grund.

Das Himmlische Geschenk für Karlsruhe

Endlich hat Karlsruhe am 07.05.2025 sein eigenes Planetarium bekommen.
Deshalb die Überschrift dieses Artikels „Was, ihr habt noch keins?“

Es kam, wie aus heiterem Himmel. Vor einigen Monaten erfuhr ich plötzlich davon, dass Karlsruhe ein Planetarium bekommen soll. Ein Mensch, der vorher am Deutschen Museum München arbeitete, soll Gründer und Leiter sein.
Derlei rüttelt natürlich den Sternenonkel wach. Wen könnte ich denn da jetzt fragen, wie, was und wo.
Da fiel mir Matthias ein, dessen spannende Geschichte über himmelsmodelle hier auf dem Blog zu Gast war, siehe Das Schauspiel am Himmel im Modell

Außerdem verdanken wir ihm meinen Artikel zur Die Weihnachtsmondfahrt
(Apollo8 und Joules Vernes).
Den entwickelte ich mit einem Englischen Artikel von Matthias als Grundlage. Daraus ist dann später sogar noch eine Radiosendung für ein Internetradio mit der ersten Bibellesung im All geworden.

Nicht zuletzt war Matthias eine tragende Säule des mobilen Planetariums, welches mehrfach in Durlach in der Orgelfabrik gastierte, und wo ich auch schon vortragen durfte.
Also mailte ich ihn an und fragte ihn, was er so davon hält, und wie er die Sache einschätzt.

Und ja, was soll ich sagen. Das Planetarium kam mir etwas klein vor, und es hat nur einen Projektor.
Das Gastplanetarium in Durlach war größer, und hatte mindestens vier Projektoren.
Ich dachte mir „Schauen wir mal, und sind gespannt.“

Die Einladung

Ich vergaß es schon fast wieder, weil mir klar war, dass ich zu dieser Eröffnungsfeier niemals eingeladen werden würde.
Nun bekam ich aber, quasi zwölf Stunden vor der Veranstaltung, von meinem Freund und ehemaligen Kollegen ein Whatsapp, dass ich eingeladen wäre und er mich gerne begleitet.
Durch ihn kam ich so kurzfristig dazu, weil er sich für das Naturkundemuseum engagiert, wo ich auch schon vortragen durfte. Das war kurz vor Weihnachten vor den Lockdowns. Der Vortrag schaffte es damals sogar mit einem vierminütigen Beitrag in die Landesschau.
Bei einer Kommunikation zwischen Planetarium und Naturkundemuseum, fiel scheinbar mein Name, und ich durfte zur Eröffnung kommen.
Dank an Michael, der mir das ermöglichte.

Also holte ich mir von meinen Vorgesetzten die Erlaubnis, da mal für drei Stündchen abzuhauen und sagte ihm zu.

Die Ankunft

Das Planetarium ist nicht weit weg von der Straßenbahnhaltestelle, aber für uns Blindlinge hat der Weg es in sich. Den muss ich sicher noch mehrfach üben, bis ich ihn kann.
Selbst Michael musste Googlemaps bemühen, um den Weg zu finden.
Das Gebäude war vorher ein altes Gaswerk und wurde so um die vorletzte Jahrhundertwende herum gebaut.

Als mein Freund und ich dort ankamen, erlebten wir eine Überraschung.
Was war das für eine Begrüßung und Schulterklopfen. Alle erkannten mich, erinnerten sich an mich, riefen meinen Namen, gaben mir Hände und drückten mich.

Es geht doch hier gar nicht um mich, sondern um unser neues Planetarium

dachte ich mir. Aber vielleicht darf man so etwas einfach auch mal annehmen und genießen.

Ganz ähnlich erging es mir, als wir vor vielen Jahren mal zu einer Preisverleihung des DLR ins Planetarium Mannheim eingeladen waren. Auch dort kannten viele entweder Mein Buch, meinen Blog, waren in irgend einem meiner Vorträge oder wie ich Mitglied der Deutschen Astronomischen Gesellschaft.

Die erste Berührung

Ich betastete es kurz vorsichtig von außen. Die Kuppel fühlte sich stoffig und aufgeblasen an, ähnlich wie die Außenwand einer Hüpfburg oder eine gespannte Zelltwand.
Ich gehe davon aus, dass es doppelwandig ist, und zwischen den Wänden ein Vakuum gezogen wird, damit innen nichts Falten schlägt.
Das ganze wird mit einer Stahlkonstruktion aufgespannt, von welcher ich einen Außenring ertasten konnte.
Auf jeden Fall empfinde ich immer so etwas ganz besonderes, das gläubige Menschen kennen dürften, wenn sie eines ihrer Gotteshäuser betreten, sobald ich unter die Kuppel eines Planetariums, und sei es noch so klein, trete.
Aber noch sind wir nicht beim Betreten. Noch ist das Himmelszelt durch eine große Schleife verschlossen.

Die Eröffnung

Die Feier begann, wie ihr das kennt, mit einigen Reden zur Entstehung des ganzen, und ohne wen es nicht durchführbar wäre, und wer was und wie viel gespendet hat.
Nicht falsch verstehen. Das ist alles ganz wichtig, läuft aber immer ähnlich ab.
Hier war der offizielle Teil der Feier ganz ungezwungen locker und kurzweilig, und vor allem blieben politische Sonntagsreden aus, was sehr angenehm war.
Wir standen alle ungeduldig davor und wollten einfach nur rein.

Der neue Planetariumsdirektor, Björn Wirtjes, hat eine sehr schöne und sympathische stimme. Er spricht sehr flüssig und anschaulich. Man kann ihm sehr gut zuhören.
Nun war alles offizielle gesagt. Es war nun Zeit, das Himmelszelt zu öffnen.
Matthias und der Planetariumsleiter hielten beide ein Ende einer großen Schleife in der Hand, die den Eingang in die Kuppel verschloss.
Nun erklang von Trompete und Piano gespielt, die Titelmusik von Starwars. Zu diesen Klängen wurde die Schleife vorsichtig aufgezogen, so dass sich der Vorhang langsam hob.
„Möge die Macht alle Zeit mit dem Planetarium sein…“

Der Einzug in den Tempel

Feierlich zogen wir ein. Es kam mir vor, wie bei einem Friedensmarsch mit Kerzen in den Händen. Und da war es, das transzendente Gefühl von Ehrfurcht, Demut und Frieden, dass ich vorhin erwähnte.

Unter der Kuppel waren zwei konzentrische Stuhlkreise angeordnet.
In diese Stühle ließen wir uns nieder. Sie erinnern mich an so Stühle, die man im Schwimmbad oder zum Camping benutzt. Für den besseren Blick nach oben, liegt man etwas darin. In den großen Planetarien sind die gepolstert und oft etwas drehbar.

Zunächst unternahmen wir mit dem Leiter eine kleine Reise durch den sichtbaren Teil unseres Sonnensystems begleitet von seiner schönen Stimme und sphärischer Musik.

Anschließend erzählte Matthias uns etwas über die Geschichte der Planetarien. Sehr spannend.
Was mich da irgendwie beeindruckt hatte war, dass seine Folien auch in der gewölbten Planetariumskuppel funktionierten, obwohl sie doch eigentlich für eine flache Leinwand an der Wand gestaltet sind. Offenbar konnten die Sehenden mit der Verzerrung leben.
Dann verließ uns etwas die Technik, so dass wir zum Programmpunkt „Buffet“ übergingen.

Ausklang

am Buffet ging es dann weiter mit Begrüßungen, Händedrücken und lieben bis rührenden Worten an mich.
Ganz besonders ist mir die Begrüßung des Vaters einer Reporterin im Sinn, welche mit mir mitten in den Lockdowns einen Kurzfilm für die Sendung „Volle Kanne“ drehte. Er war nach all den Jahren noch so beeindruckt von mir, meiner Arbeit und meinem Buch, dass mich das sehr berührt hat.
Leider kann ich die Reporteren auf ihrer alten Mailadresse nicht mehr erreichen, weil sie offensichtlich den Job oder die Firma gewechselt hat. Schade, denn ich hätte ihr sehr gerne von dieser Begegnung erzählt. Na ja, ihr Vater wird das sicher tun…
Dieser Beitrag für „Volle Kanne“ war damals tatsächlich eine Folge meines Auftrittes mit dem Naturkundemuseum in der Landesschau. Schade, dass ich das wegen Urheberrechts nicht mit euch teilen darf.
Auch bei diesem Auftritt im Naturkundemuseum war Michael, der mir auch das heutige ermöglichte, meine Begleitperson und Assistenz.

Und noch ein Highlight

Nach der Stärkung mit Sekt und kleinen Leckereien, gab es im Keller noch eine ganz besondere Ausstellung in Schwarzlicht

OK, „davon hat ein blinder Mensch doch eher erst mal nicht viel“ mögen manche denken. Dem war aber durchaus nicht so.

Wir waren mit dem Physiker und Künstler, der diese Ausstellung im schwarzen Licht gestalltete, fast alleine.
Er erklärte uns alles so, dass auch ich es Verstand.
Da war z. B. eine Spiralgalaxie mittels Fäden aufgespannt. An diesen hingen kleine Flauschige Flusen, die die Sterne darstellten. Diese Sternchen waren mit Weißmacher präpariert, so dass sie leuchten, wenn sie von Schwarzlicht angestrahlt werden. Fäden und Schwarzlicht sind im dunkeln unsichtbar.
Als ich noch vor etwa vierzig Jahren einen kleinen Sehrest hatte, besaß ich auch so eine Lampe und liebte ihre Effekte.
Ich gehe auch gerne in Bilderausstellungen, wenn sie gut erklärt werden.

Fazit

  • Für mich war es eine große Freude und Ehre, bei dieser Einweihung dabei gewesen sein zu dürfen.
  • Ich bin sicher, dass ich hier nicht das letzte mal war.
  • Ich bin sicher, dass wenn ich dort auftauche, dann bestimmt nicht immer nur als Besucher…
  • Mit einem Planetarium haben wir eine ganz hervorragende Möglichkeit, schon Kinder und Jugendliche an das Universum, an Technik und Naturwissenschaften, heranzuführen.
  • Ein kleines Planetarium kann größer werden und wachsen. Helfen wir ihm dabei.
  • Und das beste ist auf der Homepage von PLANET-Ka, die Erklärung zur Barrierefreiheit. Oft ist diese nur ein Ort für fadenscheinige Begründungen, wieso man das seit über zwanzig Jahren verschlafen hat, und ein Lippenbekenntnis dafür, dass man, natürlich ohne zeitlichen Horizont, daran arbeite.

    Mich freute neben der Beschreibung der Rampe, der Parkplätze etc. vor allem der Grundgedanke:

    Die Sterne sind für alle da

  • Karlsruhe ist stolz auf seinen KSC, und verzeiht ihm viele Aufs und Abs.
    Und ich bin Stolz auf unser neues Planetarium, und brenne darauf, mich dort bald auch einbringen zu dürfen.

Unser neues Planetarium wird in Würde fortführen, was mit dem anderen Mobilen Planetarium in Durlach und für mich auch in Saarlouis begann, denn der Leiter dieses mobilen Himmelszeltes, Gernot, ist vor anderthalb Jahren von uns gegangen.
Erinnern wir uns und ehren ihn mit unserem neuen Planetarium in Karlsruhe.
Möge die Macht stets mit dem Planetarium sein.
Und wen dieser Artikel jetzt neugierig gemacht hat, schau doch mal auf
PLANET-KA

vorbei.

Mein Jahresrückblick 2024


Meine lieben,
herzlich willkommen im neuen Jahr 2025.
Möge es für uns alle und die ganze Welt ein gutes Jahr werden, wenn auch gewisse Zeichen anderes andeuten.
Nachdem wir die ganze Weihnachtszeit mit unserem Adventskalender anreicherten, melde ich mich nun nach der Pause durch die Rauhnächte hindurch bei euch mit meinem Jahresrückblick zurück. Hier möchte ich einfach demutsvoll mit euch teilen, was ich und andere im letzten Jahr so auf die Beine stellen durften. Es mag manchmal etwas wie Bauchpinselei wirken, aber so ist das nicht gemeint. Fast alle Events, die hier zur Sprache kommen sollen, hätte ich nicht alleine bestreiten können. Es ist beeindruckend, wie viele oft im Hintergrund nötig sind, um Veranstaltungen möglich zu machen. All jenen gilt zunächst mal mein großer Dank.
Und ja, ich weiß. Der Artikel ist etwas länglich geworden, aber in einem Jahr passiert halt unheimlich viel. Und glaubt mir. Ich habe schon gekürzt…
Kommen wir aber nun zu meinen Highlights 2024

17.02. Astro-workshop für den DBSV-Jugendclub

Unser Institut hat vor anderthalb Jahren ein neues barrierefreies Gebäude beziehen dürfen. Dort hatte ich für diesen Tag den Jugendclub des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes Nordbaden zu einem ganzen Tag Astronomie und Weltraum eingeladen.
Mit diesem Gebäude durfte ich eine ganz wunderbare Erfahrung machen.
Diesmal funktionierten die elektronischen Türen zum Glück, sodass ich drei Stunden vor Workshop-Beginn aufbauen konnte. Das musste ich leider alleine tun, weil mir eine Assistenz wegen Krankheit absagte. Es funktionierte perfekt.
Den Sprechertisch benutzte ich für Laptop, Unterlagen und Lautsprecher. Dann benutzte ich die erste Tischreihe, nachdem ich dort die Stühle entfernte für meine Modelle und taktilen Materialien. Dann konnte man von Station zu Station direkt entlang gehen. Das alles war hoch professionell und war mir so an Anderen Vortragsorten, und ich habe derer hunderte besucht, noch nie möglich gewesen.
Selbstständig und blind einen ganzen Raum für einen Tagesworkshop ohne Assistenz vorbereiten geht meistens nicht. Das ist etwas ganz besonderes.
OK, die Audioanlage und den Beamer kann man als blinder Mensch nicht bedienen, aber das war nicht nötig. Folien gibt es bei mir nur selten, weil ich mir ja genau dadurch meine Mission zerstören würde, und Audios spiele ich immer mit meiner eigenen Anlage ab.

Einen kleinen Schatten gab es aber dennoch. Ich musste den Workshop mit relativ hohem Fieber halten. Schon am Freitag davor lag ich krank zu Bett und am Sonntag danach auch noch. Abzusagen war für mich aber niemals eine Option.
Man kann einen Workshop für Menschen mit Behinderungen nicht einfach so absagen. Da hängen Begleitpersonen, Assistenzen, Umsteigehilfen und mehr dran.
Aber mit Ibu als Raketentreibstoff starteten wir pünktlich gegen 11 unseren Streifzug durch das Weltall. Wir waren so um 20 Personen.

Für die Teilnehmenden habe ich eine Liste zusammengestellt, wo sie die Inhalte nochmal nachbearbeiten und vertiefen können.
Diese teile ich jetzt einfach auch mal mit euch, damit ihr ein Bild davon bekommt, was mir in unserem Neubau notfalls auch ohne Assistenz möglich ist.

  • Am Anfang erklärte ich euch, wieso es sich für blinde Menschen lohnen kann, sich mit Astronomie zu beschäftigen. Darüber schrieb ich auf meinem Blog und für einen Newsletter in
    https://blindnerd.de/2023/01/24/astronomie-ohne-sternensicht-2/
  • Nun erzählte ich einige Geschichten und Anekdoten wie mein Interesse für Astronomie und Wissenschaft geweckt wurde. Ich stellte euch meine Superoma, meinen Taxifahrer und meine Religionslehrerin vor, die mich für philosophische Fragen vor die Tür setzte. Das findet ihr alles in meinem Buch
    Blind zu den Sternen – Mein Weg als Astronom
  • Als Beispiel für gelebte astronomische Inklusion erzählte ich euch von der Sonnenfinsternis vom 11. August 1999.
    https://blindnerd.de/2019/07/03/finstere-erinnerungen-die-sonnenfinsternis-vom-11-08-1999/
    Die schönste deutschsprachige Beschreibung einer Sonnenfinsternis ist die von Adalbert Stifter.
    https://blindnerd.de/2022/07/08/eine-literarische-erinnerung/
  • Nun legten wir unsere Ohren an das Teleskop und hörten Weltraumklänge.
    Schon der gute alte Goethe wusste im Prolog zu Faust I, dass die Sonne tönt.
    Diese spannende Thema beschrieb ich in
    https://blindnerd.de/2019/10/08/die-sonne-toent-klingel-oder-orgelpfeife/
  • Wichtig für uns ist auch das Weltraumwetter, das im wesentlichen vom Sonnenwind bestimmt wird. Ein großer Sonnensturm könnte unsere gesamte Kommunikation stören.
    Wie gefährlich die Sonne für uns tatsächlich ist, beschrieb ich in
    https://blindnerd.de/2019/09/03/droht-gefahr-von-unserer-sonne/
  • Der Sonnenwind erzeugt aber auch die schönste Erscheinung, die man in den Polregionen im Winter erleben kann, die Polarlichter.
    Indem der Sonnenwind mit dem Magnetfeld und Teilchen der Atmosphäre interagiert, entsteht ein sehr mystisches Radioprogramm, das man sich mit passenden Antennen anhören kann.
    Auf Youtube kann man sich diese Klänge anhören und auch Bilder dazu ansehen.
    https://www.youtube.com/watch?v=Zcef943eoiQ
  • Etwas, das uns tatsächlich gefährlich werden könnte, wäre ein großer Asteroid oder Komet, davon die Erde getroffen würde.
    Meistens haben wir Glück, und die Dinger verfehlen uns.
    Meistens, aber eben nicht immer. Davon könnten die Dinos ein Lied singen.
    Wie gefährlich sind sie also wirklich?
    https://blindnerd.de/2018/06/29/droht-gefahr-durch-astroiden-aus-dem-all/

    Und die Meteore, welche uns meistens treffen, sind so klein, dass sie als Sternschnuppen in einer Leuchtspur am Himmel verglühen. Der bekannteste Meteor-Strom sind wohl die Perseiden Mitte August.
    https://blindnerd.de/2022/07/19/wuensch-dir-was/
    Und wer jetzt denkt, das wäre ja für blinde Menschen unspannend, irrt. Die Dinger machen tatsächlich während ihres kurzen Lebens Radio. Amateurfunker aufgepasst:
    https://www.youtube.com/watch?v=8GrGDunHPbg

  • Nach dieser geballten Ladung Weltraum-Radio wurde es Zeit für unsere Pizza. Dank eurer sehenden Begleitpersonen lief das super zügig ab. Und ja, auch im Weltraum gibt es Pizza. Ich hab’s euch erzählt. Für eine Kinder-Show wurde mal Pizza auf der ISS gebacken. Außerdem stellt man sich die ISS zu ihrem Schutz in eine Pizza-Schachtel eingepackt vor.
    https://blindnerd.de/2020/06/29/das-raumschiff-in-der-pizza-schachtel/
  • Nach dem Schmecken liegt es nahe, sich mal zu überlegen, wie es wohl im Weltall riecht. Schon klar. Im All, also im Vakuum riecht es zunächst überhaupt nicht. weil keine Luft vorhanden ist, die Richpartikel, welcher Art auch immer,in unsere Nasen tragen könnte.
    Es gibt aber mittlerweile sehr viele Geschichten mit Gerüchen rund um den Weltraum.
    Wie riecht der Himmel also nun?
    https://blindnerd.de/2022/01/11/wie-richt-der-himmel/
  • Beim Essen und zwischendurch hörten wir manchmal etwas Astronomie-Musik, z. B. die Filmmusik von Apollo13 und mehr. Da diese Musiken urheberrechtlich geschützt sind, darf ich diese natürlich hier nicht rein kopieren. Aber:
    Die Idee, dass die Bewegungen von Himmelskörpern, z. B. von Planeten musikalisch- harmonischen Gesetzen gehorchen sollten, geht bis auf Pythagoras und die alten Griechen zurück. Selbst Johannes Kepler versuchte in einem seiner Bücher noch, die Bahnen der Planeten auf Musiknoten abzubilden. Da liegt es doch nahe, dass man diesem Gedanken noch heute, wo wir über Computer und Sound-Systeme verfügen, nochmal auf den Grund gehen wollte.
    Und das wurde tatsächlich gemacht.
    Wie sich beispielsweise die verklanglichten Planetenbahnen anhören findet ihr unter
    https://blindnerd.de/2019/02/15/klingende-planetenbahnen-2/

    Aber auch in Klassik und Pop gab und gibt es immer wieder Kompositionen mit astronomischem Bezug.
    Der strahlende C-Dur-Akkord in Joseph Haydns Schöpfung als Gott „Es werde Licht“ spricht, jagt mir immer wieder eine Gänsehaut über den Rücken.
    Gustav Holst komponierte eine Symphonie über alle Planeten des Sonnensystems. Eine weitere von Mozart (Kv 551) ist nach Jupiter, dem größten unserer Planeten benannt.
    Sehr hörenswert in diesem Zusammenhang ist Folge 26 des Podcasts „Klassik für Klugscheißer“. Die Gruppe Schiller widmete vor vielen Jahren ein ganzes Album unserer Sonne, dem Stern von dem wir leben. Viele Filmmusiken , z. B. Starwars oder Odyssee haben sich reichlich bei den großen Komponisten, wie Wagner etc. bedient. von Boney M gibt es einen Nachtflug zur Venus. Dort sollte man allerdings besser nicht landen. Mit ihrem enormen Treibhauseffekt und bis 450 Grad Celsius am Boden und leckerer Schwefelsäure in der Luft, ist die Venus wirklich eine Scheißgegend, um sich dort zu vergnügen.
    Jeder kennt das Lied Space Oddity von David Bowie oder das wunderbare Album „The Dark side of the Moon“ von Pink Floyd. Nur, dass diese uns abgewandte Seite des Mondes durchaus nicht dunkel ist. Bei Neumond wird sie voll von der Sonne beschienen und ihre Oberflächentemperatur erhöht sich um mehrere hundert Grad.
    Kraftwerk schrieb ein ganz bemerkenswertes Stück über Pulsare und widmete ein ganzes Album der Radioaktivität.
    Keinem anderen Stern, als unserer Sonne wurden so viele Gesänge gewidmet.
    https://blindnerd.de/2020/05/10/sonnengesaenge-und-gedichte-zu-kantate-2020/
    Ich könnte hier noch ewig aufzählen. Damit könnte man alleine mehrere Stunden Vortrag füllen.

  • Nun kehrten wir zu meinem Buch zurück. Wir erfuhren, dass insbesondere die Astronomie eine große Tradition besitzt, inklusiv zu sein. Wie das?
    Ich bin stolz darauf, dass wir blinden und sehbehinderten Menschen keinen geringeren als Johannes Kepler zu uns zählen dürfen.
    Er war stark sehbehindert und hätte ohne den glänzenden Beobachter Tycho Brahe wohl nie zu seinen bahnbrechenden Gesetzen gefunden, die bis heute grundlegend wichtig in der Astronomie und Raumfahrt sind.
    Zu seinem 450 Geburtstag würdigte ich ihn in
    https://blindnerd.de/2021/12/28/alles-gute-zum-450-geburtstag-johannes-kepler/

    Ein ganz besonderes Leckerli ist eine Seite, eine Geschichte von Kepler, die fast niemand mehr kennt. Er war in gewisser Hinsicht ein „Träumer“, Visionär und Mondfahrer.
    https://blindnerd.de/2018/10/23/zum-vollmond-heute-nacht-eine-mondgeschichte/

    Der Astronom John Goodricke war vollständig gehörlos und machte Entdeckungen an Sternen, die ihre Helligkeit verändern. Das ist bis heute wichtig in der Bestimmung von Entfernungen von Himmelsobjekten. Leider wurde er nur 22 Jahre alt.

    Galileo Galilei opferte mit ziemlicher Sicherheit sein Augenlicht, indem er zu oft die Sonne ohne schützende Filter vor den Augen, und noch schlimmer, durch Fernrohre hindurch beobachtete.

    Jeder kennt den Namen Stephen Hawking.Seine Einschränkung brauche ich hier wohl kaum erklären. Will ich auch gar nicht, denn damit würde ich den größten Physiker neben Einstein des letzten Jahrhunderts auf seine Behinderung reduzieren.
    Ich würdigte ihn in
    https://blindnerd.de/2018/03/21/gedenken-an-steeven-hawking/

    Auf einem Kongress der internationalen astronomischen Union, das sind die, welche vor Jahren den Pluto als Planet rausgeworfen haben, durfte ich mehrere blinde oder sehbehinderte Astronom:innen kennen lernen, die im Laufe ihrer Tätigkeiten als Astronom:innen ihre Einschränkung erwarben. Fast alle beruflichen Karrieren finden bei Sehverlust ein sehr abruptes Ende. Nicht so in der Astronomie. Passiert dort so etwas, dann hört man eben auf, die Sterne visuell zu beobachten. Man wechselt in dem Fall einfach z. B. in die Radioastronomie oder versucht Kurven etc. akustisch darzustellen.
    https://blindnerd.de/2018/08/28/inspiring-stars-inklusionstag-auf-dem-kongress-der-internationalen-astronomischen-union-2018-in-wien/
    Astronomische Daten zu sonifizieren haben die großen Raumfahrtagenturen längst für sich entdeckt. Ob man unsichtbares Licht, z. B. Infrarotes in den sichtbaren Bereich transferiert, oder ob man ihm geschickt Töne zuordnet, ist fast dasselbe. Und ganz nebenbei. Sichtbar sind sowieso nur ungefähr vier Prozent dessen, was sich überhaupt im Universum befindet.

    Und noch etwas inklusives aus der Astronomie. Ich glaube, dass keine andere Wissenschaft so sehr von Frauen mit geprägt wurde. Die Mondfahrt wäre ohne die dunkelhäutigen damals noch sehr diskriminierten Rechnerinnen nicht möglich gewesen. In den meisten Natur- und Technikwissenschaften erreichen die Frauen mit Mühe und Not gerade mal um 10 oder 15 %. In der Astronomie sind es fast 50 zu 50 %. Dem Sternenonkel und Blindnerd sind Frauen so wichtig, dass er eine eigene Kategorie für sie eingerichtet hat. 2023 stellte er im Rahmen seines Adventskalenders 24 Frauen aus Astronomie und Naturwissenschaften vor.
    Zu den Frauen-Artikeln kommt ihr mit
    https://blindnerd.de/category/frauen/
    Zur Weihnachtspost mit
    https://blindnerd.de/category/weihnachtspost/

  • Und nun bogen wir auf die Zielgerade ein. Spätestens, wenn der Name Hawking fällt, kommt man nicht mehr an Albert Einstein, der heimlichen Herrscherin (Gravitation), Pulsaren und den schwarzen Löchern vorbei.
    Diese sind so faszinierend, dass ich ihnen eine ganze Serie von Artikeln widmen musste, um sie wenigstens einigermaßen zu erklären.
    https://blindnerd.de/category/den-schwarzen-loechern-entgegen/
  • Zu all dem betrachteten wir Modelle von Planeten, Monden, Mondrakete und Spaceshuttle.
    Hier einige Links zu Artikeln mit schönen Bildern für die Gucklinge.

    https://blindnerd.de/2018/04/06/auf-den-mond-und-zurueck-mit-lego/
    https://blindnerd.de/2018/01/23/ankunft-meiner-taktilen-relief-mondkarte/
    https://blindnerd.de/2018/01/29/sich-blind-auf-dem-mond-orientieren-geht-das/
    Sicherlich verbergen sich auf meinem Blog noch viel mehr Fotos, aber ich weiß nicht mehr genau wo.

So, das ist sie, die Nachbereitung unseres Knalls im All.
Wer das alles durcharbeiten möchte, verdient jetzt schon meine Hochachtung und meinen Respekt.
Ihr ward ein sehr interessiertes und begeisterungsfähiges Publikum.

22.02. Geburtstagskarte Parken im All

Vor einiger Zeit schrieb ich über die sog. Lagrange-Punkte. Das sind fünf Punkte, im Erd-Sonne-System, wo eine Raumsonde relativ kostengünstig mit um die Sonne fahren kann. L1, L2 und L3 liegen auf einer Linie mit der Erde und der Sonne. Aber L4 und L5 liegen so, dass sie mit Erde und Sonne ein Dreieck aufspannen. So ganz sicher war ich mir allerdings nie, wie und wo. Um so mehr freute ich mich, dass ich von unserem Team eine taktile Geburtstagskarte erhielt, die genau diese Punkte veranschaulichte.

Foto Geburtstagskarte
Geburtstagskarte

Jetzt, wo ich das mal unter den Fingern hatte, weiß ich Bescheid. Welch ein Segen, dass ich genau dort arbeite, wo ich arbeite. Nirgendwo sonst hätte ich Zugriff auf solche Materialien.

28.03. Fasten und feiern mit den Sternen

Wie wir wissen, ist die Osterzeit für uns alle astronomisch gesehen eine ganz wichtige Zeit, weil unsere und vieler anderer Kulturen Feste Fasten- und Feier-Zeiten davon abhängen.
Aus dem Artikel, der genau dieses behandelt, und den ich vor vielen Jahren schrieb, durfte ich für die BLAutor-Lesebühne eine Radiosendung produzieren. Das ist gar nicht so einfach. Ich muss lernen mit Studio-Software umzugehen, muss schauen, dass ich flüssig spreche, muss ein Mittelmaß zwischen freier Rede und abgelesenem Stoff finden, weil mir für eine flüssige Lesung die Punktschrift Grenzen setzt, und vieles mehr. Ich freue mich sehr, dass ich meine „Inklusion“ am Himmel nun auch über den „Äther“ senden kann. Daran darf ich wirklich wachsen und mich entwickeln.

09.04. Astronomie vor unserer Haustür

Für die Fachgruppe „Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften“ des Deutschen Vereins für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf (DVBS) darf ich dann und wann mal online einen Vortrag halten. So ist beispielsweise meine riesige elfteilige Serie „Die Reise zu den schwarzen Löchern“ entstanden.
Diesmal haben wir uns quasi mit der Astronomie vor unserer Haustüre befasst. Dort gibt es sehr viele Phänomene, die sehende Menschen wahrnehmen, für uns Blinde aber verborgen bleiben.
Mondphasen, Finsternisse, Flackernde Sterne, Sternbilder, Orientierung und Navigation am Himmel, all das muss für Menschen mit Blindheit veranschaulicht werden. Zum Glück schreibe und rede ich schon viele Jahre lang über derlei Themen, so dass ich hierfür mit der Zeit eine Sprache entwickelt habe, die ohne Bilder von außen auskommt, und die bei jedem das eigene Kopfkino aktiviert.

03.05. Louis-Braille-Festival Interviews und Radio mit Jugendlichen

Alle zwei Jahre findet das Louis-Braille-Festival statt zu Ehren des Erfinders der Blindenschrift. 2024 fand es in Stuttgart statt, so dass es für mich reisetechnisch gut erreichbar war. Neben vielen Angeboten rund um die Blindenschrift und anderer Themen, gab es auch einen Stand des freien Radios Stuttgart, des Radio Querfunks und des Radios der Nikolauspflege Stuttgart, einer Bildungseinrichtung für Menschen mit Sehbeeinträchtigung. Dort gestalteten wir gemeinsam mit Jugendlichen eine Radiosendung mit Musikwünschen und Interviews. Gerade für Jugendliche, die neben ihrer Behinderung auch sonst nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens stehen, ist Radio eine ganz wunderbare Möglichkeit, wo sie ihr Selbstvertrauen stärken können, indem sie etwas ansagen, ein Interview führen, oder die Technik bedienen dürfen. In diesem Rahmen wurde ich von einer Schülerin zum Thema Astronomie interviewt. Diese Schülerin war auf dem oben erwähnten Workshop mit dem DVBS-Jugendclub, so dass sie sich gute Fragen überlegen konnte. Die Freude am Radio war sehr spürbar und hat den mitwirkenden Jugendlichen sehr gut getan.
Ich bin sehr froh, dass ich nun auch mehr und mehr in Radio einsteige. Gerade jetzt, wo vieles online funktioniert, ist das eine ganz wertvolle Erweiterung meiner Möglichkeiten.

10.05. Polarlichter und KI

Wie viele von uns bemerkt haben dürften, bescherte uns die Nacht des 10 Mai wunderbare Polarlichter auch über Deutschland. Natürlich streckte ich meine Fühler aus, und bat um Fotos. Diese ließ ich mir dann von ChatGPT beschreiben. Ich war tief beeindruckt über deren Ergebnisse. Also mir ist die KI ein ständiger Begleiter und ein wunderbares Hilfsmittel geworden. Sie öffnet mir ein weiteres Stück Welt und lässt mich quasi etwas „sehen“, indem sie mir die Welt beschreibt.
Hier so eine beeindruckende Beschreibung und für Sehende das Foto dazu:
Foto Polarlichter über Rheinstetten

Das Bild zeigt einen nächtlichen Himmel, der durch Polarlichter in leuchtenden Farben von Rosa und Grün erleuchtet wird. Diese Lichter erscheinen als breite, wellenförmige Bänder, die sich über den Himmel erstrecken. Unterhalb der Lichter sind die dunklen Silhouetten von Bäumen und die Umrisse eines Gebäudes zu erkennen, was darauf hindeutet, dass das Foto in einer städtischen oder vorstädtischen Umgebung aufgenommen wurde. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Ruhe und der majestätischen Schönheit natürlicher Lichtphänomene.

21.05. Architektur zu Landkarten für blinde Menschen

Eine große Freude ist es mir, wenn ich meine Erfahrungen und mein Wissen an Studierende der Universität weitergeben darf, besonders wenn es Fachrichtungen betrifft, die sich durchaus mal mit Barrierefreiheit etc. beschäftigen sollten.
So durfte ich ein Seminar für Studierende der Architektur mit gestalten. Dabei ging es u. A. darum, wie man taktile Karten von Gebäuden erstellen kann. Den Abschluss des Seminars bildete dann ein praktischer Teil, wo in Kleingruppen taktile Karten aus verschiedenen Materialien gebastelt werden durften.
Neben gewöhnlichen Materialien, wie Holz, Pappe etc. präsentierte eine Gruppe eine auf ein feinmaschiges Fliegengitter gestickte Landkarte. Gestickte Karten gab es tatsächlich in der ehemaligen DDR. Eine Blindenschule besaß eine Stickmaschine. Solche Karten fühlen sich sehr edel an. Man kann sie rollen, falten, bügeln und bei Bedarf sogar waschen. Ich finde das eine sehr reizvolle und nachhaltige Art, solche Karten zu erzeugen.
Auf ein Leintuch passt eine ganze Menge. Sehr stolz bin ich darauf, dass der Chaos Computerclub auf seinem Kongress 2024 genau diese Idee aufgriff, und Grundrisspläne des Veranstaltungsortes stickten, und dass ich diese Karten mit entwickeln und testen durfte.
Leider habe ich momentan noch keine Fotos davon, aber die reiche ich noch nach.

22.06. Generationenhaus Häslach

Ganz besonders spannend finde ich Projekte, die Kunst und Kultur inklusiver gestalten wollen. Als Auftaktveranstaltung für solch ein Projekt durfte ich einen Nachmittag lang am Beispiel der Astronomie zeigen, was da z. B. für Menschen mit Sehbeeinträchtigung möglich ist. Besser kann man solch ein Projekt nicht anstoßen und seine Projektmitarbeiter sensibilisieren. Es war auch mal endlich wieder eine Gelegenheit, wo mich viele Freunde mal wieder life erleben konnten.

30.06. Partnerstadt Rheinstetten und Afrika (Burkina Faso)

Unsere Stadt hat Burkina Faso als Partnerstadt. Eine Delegation besuchte uns, und so überlegte sich der Beirat für Menschen mit Behinderung, wo ich auch Mitglied bin, ein Programm für unsere Gäste. Da gilt es natürlich etwas zu finden, das möglichst die Sprachbarriere überwindet, das keine überhebliche Show von Dingen ist, die sich die armen Menschen dort niemals leisten können, und das aber doch etwas ist, das sie mit nach hause nehmen können, um es dort dann für ihre Menschen mit Behinderung umzusetzen. Bei meinem Auftritt bei der IAU auf ihrem Tag der Inklusion durfte ich vieles kennenlernen, wie man auch in armen Ländern z. B. die Astronomie blinden Menschen näher bringen kann, indem man beispielsweise aus Haushaltsmüll Modelle basteln kann.

Also gestaltete ich mit einer Mischung aus Deutsch, Englisch und ja, auch mein altes verrostetes Französisch kam zum Einsatz, genau einen solchen Vortrag, in welchem ich diese Einfachheit präsentierte. Wie schon gesagt, sind mir Veranstaltung ein Graus, die dann letztlich doch nur wieder unsere abendländische Arroganz und Hybris zur Schau stellen. Da ist die Astronomie mit ihren vielen inklusiven Möglichkeiten genau das richtige.
Die Gäste waren von dieser Veranstaltung sehr inspiriert, so dass ein ganz wunderbarer Geist durch die Halle wehte.

04.11. Evang. Hochschule Freiburg

An der evangelischen Hochschule in Freiburg können Studierende der Sozialarbeit und Sozialpädagogik ein zweisemestriges Seminar zu Themen der Inklusion besuchen und sich das auf ihre Studienleistungen anrechnen lassen. Der Leiter des Evang. Blinden- und Sehbehindertendienstes Baden, wo ich auch im Vorstand mitwirke, leitet als Inklusionsbeauftragter der evangelischen Landeskirche Badens, in diesem Semester das Seminar. Er lud mich ein, mal quasi als praktisches Beispiel mit den Studierenden über Themen der Inklusion zu sprechen, um z. B. Fragen zu beantworten. Als Impulsvortrag wählte ich das inklusivste, was es gibt, die Astronomie. Ich finde es wirklich super, wenn für diese Themen schon in Schule und Studium sensibilisiert wird. Sehr gerne nehme ich derartige Angebote an. Sollte jemand von euch auch einmal so eine Veranstaltung haben, stehe ich als Referent sehr gerne zur Verfügung.

11.11. Die Dreihundert

Dass die 300 genau auf dieses Datum fiel, ist relativ zufällig passiert. Mit Karneval habe ich nichts am Hut, aber mit St. Martin dann schon eher. Der teilte seinen Mantel, und ich teile mit euch meine Inhalte. Außerdem ist der Weg vom Laternenfest zu den Laternen am Himmel nicht weit. Zu diesem Jubiläum habe ich euch in Form eurer Kommentare nochmal sprechen lassen. Seit sieben Jahren mache ich nun diesen Blog, und ihr kommentiert immer mal wieder, was mich sehr freut. Als ich aber den Artikel zusammen kopierte, und quasi eure positive Energie aus sieben Jahren Kommentaren so geballt vor mir sah, war ich doch einigermaßen überwältigt.
Zu Beginn eines jeden Jahres frage ich mich, ob ich genügend spannende Themen für ein weiteres Jahr finden werde, oder ob ich vielleicht mal etwas anderes, als dieses Projekt machen sollte. Die Themen fliegen mir aber immer zu, und bei so vielen schönen Kommentaren geht aufhören gar nicht.
Wir sind zwar relativ wenige, und irgendwie wächst meine Leserschaft nicht, aber sie schrumpft auch nicht, was ja auch schon viel wert ist.
Ich danke euch, die ihr mir die Stange haltet. Blindnerd geht weiter. Und wer sich mal über einen Kommentar hinaus bei mir einbringen möchte, darf das sehr gerne z. B. durch Fragen, Einreichung von Wunschthemen oder gar mit einem Gastbeitrag tun. All das freut mich sehr.

24.11. November Newsletter

Seit einiger Zeit veranstaltet die Sternwarte München gemeinsam mit dem Bayrischen Blindenbund astronomische Abende für blinde Menschen. Das machte mich natürlich hellhörig. Auch der Veranstalter fand mich im Netz, und so kamen wir zusammen.
Der verfasst einen ganz wunderbaren Newsletter, der wöchentlich erscheint.
In diesem Newsletter erfährt man viel zum Jahreslauf, z. B. was es gerade am Himmel zu sehen gibt, es erscheinen schöne Geschichten aus der Mytologie, Phänomene werden erklärt und oft gibt es dann noch ein Video zu einem Thema.
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist, dass alle Bilder extra für uns beschrieben werden. Das ist dem Macher des Newsletters so wichtig, dass er es sogar ausdrücklich erwähnt.
Auf diesem Newsletter war ich nun schon zum zweiten male Gast mit einem Text, der meinen Zugang, den Zugang des Blinden zum All, erklären sollte.
Außerdem bereicherte ich ihn mit einer weihnachtlichen Geschichte, wie man auf der ISS Weihnachten feiert. Nicht zuletzt durfte ich dort dann auch noch Werbung für einige Bücher machen, wo meine Wenigkeit mitwirkte und auf einige Radiosendungen und meine Adventskalender hinweisen.
Eventuell reiche ich die Ausgabe des Newsletters noch hier nach.
So, und jetzt wollt ihr bestimmt noch wissen, wie ihr diesen Newsletter abonnieren könnt.
Da es ein geschlossener Newsletter ist, müsst ihr euch per Mail an
Eberhard Grünzinger e.gruenzinger@gmx.de wenden. Der nimmt euch gerne auf. Und ich kann euch sagen, es ist immer ein sonntägliches Lesevergnügen vor dem schlafen gehen.

30.11. Freizeit Feuer

Ein Highlight für mich ist in jedem Jahr, dass ich die Freizeit des EBS-Baden mit leiten darf. In diesem Jahr beschäftigten wir uns mit allen Aspekten des Themas Feuer. Da kommt natürlich auch mein Hobby nie zu kurz. Da der Freizeitbericht noch nicht fertig ist, schicke ich euch hier meine Einladung zur Freizeit. Hier könnt ihr schon sehen, wie vielfältig das Thema Feuer ist.

Am ersten Adventswochenende von Freitag, den 29.11.2024 (17:00 Uhr) bis Sonntag (14.00 Uhr), den 1.12.2024, findet unsere jährliche Freizeit im Tagungshaus Sankt Bernhard in Rastatt statt.

Nachdem wir uns im letzten Jahr mit Steinen und im Jahr davor mit dem Wasser beschäftigt haben, wollen wir uns auf dieser Freizeit dem Feuer von allen Seiten nähern. Die Nutzung und Beherrschung des Feuers war für die Entwicklung der Menschheit mindestens so wichtig, wie die Erfindung des Rades. Gekochtes und Gebratenes war einfach bekömmlicher. Das Feuer gibt uns Wärme, Licht und Schutz. Jeder kennt das Feuer der Leidenschaft und der Liebe. Feuer kann aber auch außer Kontrolle geraten, wie man es in Schillers Glocke wunderbar nachlesen kann. Dann muss die Feuerglocke warnen, die normalerweise zum Gottesdienst einladen soll. Und damit wären wir dann beim Feuer und seinen verschiedenen Bedeutungen in der Bibel. Moses und das Volk Israel folgte einer Feuersäule des Nachts durch die Wüste. Dem Propheten Daniel und seinen Gefährten konnte das Feuer im Feuerofen nichts anhaben. Das Pfingstwunder wurde von Feuerzungen begleitet und Elias fuhr in einem Feuerwagen in den Himmel ein.

Und da sind wir also am Himmel. Da gibt es in vielen Kulturen die Sonne als Feuerrad. Außerdem wurden die Sterne als Feuer, das durch die verschiedenen Himmelsphären leuchtet, beschrieben. Tatsächlich sind wir alle Kinder des Feuers, denn alles, woraus wir bestehen, wurde im Höllenfeuer sterbender Sterne und anderen Inferna gebacken.

01.12.2024 – 24.12.2024 Der Blindnerd-Adventskalender

Es ist unglaublich, aber diesen Adventskalender gibt es nun tatsächlich schon das vierte Jahr in Folge.
2021 und 2022 waren sehr bunte Kalender mit Geschichten, Liedern, Musik und mehr. In 2023 stellte ich hinter jedem Türchen eine Frau aus Wissenschaft und Astronomie vor.
2024 stand der Adventskalender ganz unter dem Motto kosmischen Staunens und des sich wundern. So ein Kalender macht trotz Unterstützung von KI sehr viel Arbeit, aber die hat sich gelohnt. Eure Rückmeldungen zeigen mir, dass das Thema sehr gut angekommen ist. Das freut mich sehr. Auch der verlinkte Adventskalender zum Arbeitskreis blinder Autoren, den ich ebenfalls administriere, wurde begeistert gelesen.
Ich kann euch jetzt schon verraten, dass das Motto für den Adventskalender 2025 bereitz fest steht, aber bis da hin dauert es noch ein bissel.
Und wer sich jetzt noch dafür interessiert, darf ich herzlich auf meine Kategorie Weihnachtspost einladen. Dort findet ihr alle Kalender (96 offene Türchen).

09.12. Astropop

Manche von euch haben es vielleicht in den Ankündigungen vor dem Adventskalender gelesen, wo ich u. A. diese Radiosendung bewarb. Das war wirklich eine Sendung ganz besonderer Art.
Auch hier die Ausschreibung zur Sendung, damit ihr ein Bild davon bekommt, was ich da so über den Äther blies.

Gerhard, der Sternenonkel präsentiert auf der BLAutor-Lesebühne
„Astropop“
Für alle, die sich, wie ich, nicht nur für das Weltall, sondern auch für Musik interessieren, ist diese Sendung genau das richtige.
Das Weltall hat schon immer auch Musiker aller Sparten inspiriert.
Wir werden uns einige Lieder aus Pop und Rock anhören, die astronomischen Bezug haben. Dazwischen gibt es Hintergründe zu den Stücken und auch etwas Astro-Wissen.
Heben wir also musikalisch ins Weltall ab.

Hier veröffentlichen darf ich die Sendung leider nicht, da GEMA-Pflichtige Musik darin enthalten ist. GEMA-Frei senden durfte ich sie aber im Dezember.
Wer sich für die Sendung dennoch interessiert, darf gerne mit mir Kontakt aufnehmen.

23.12. Die Weihnachtsmondfahrt

Manche erinnern sich vielleicht noch an die Sendung die Weihnachtsmondfahrt Apollo8 von 1968 und den Parallelen zu Jules Vernes Roman „Die Reise um den Mond“. Daraus durfte ich für die Hörzeitschrift des Arbeitskreises blinder Autoren eine Lesung gestalten. Und aus dieser ist die Sendung entstanden, um die es hier geht.
Auch hier die ausschreibung für euch:

Der Sternenonkel präsentiert: Die Weihnachtsmondfahrt
Diese Lesung richtet sich an alle, die sich für Raumfahrt und spannende Weltraumabenteuer interessieren.
Apollo 8 war eine bedeutende Mission des US-amerikanischen Apollo-Programms der NASA und die erste bemannte Raumfahrtmission, die den Mond umkreiste. Der Start erfolgte am 21. Dezember 1968, und das Raumschiff kehrte am 27. Dezember sicher zur Erde zurück. Es war das erste Mal, dass Menschen die Schwerkraft der Erde verließen und sich in die Umlaufbahn eines anderen Himmelskörpers begaben.
Die Idee dieser Mondfahrt ist aber einhundert Jahre älter. Kein geringerer als Jules Vernes beschrieb in seiner „Reise um den Mond“, wie so ein Flug um den Mond herum ablaufen könnte. Es scheint, als habe die Nasa seine Ideen fast eins zu eins umgesetzt. Begebt euch also mit mir auf diese spannende Reise zum Mond.

Die Rakete könnt ihr folgendermaßen besteigen:
Ja, besteigen, denn diese Sendung darf ich mit euch teilen. Hier ein Link zum Download:
Link zur Sendung
So, und damit sind wir am Ende des Jahresrückblicks 2024. Ich hoffe, er war nicht zu lang und etwas spannend für euch.

Jetzt wünsche ich für uns alle ein gutes Jahr. Ich bin gespannt, wie es hier mit Artikeln weiter geht, denn ich weiß es noch nicht, was mir als nächstes ins Auge springt.

Es Grüßt

euer Sternenonkel Gerhard.

Helfende Sternchen


Meine lieben,

heute gibt es mal einen ganz ungewöhnlichen Artikel, der vor allem diejenigen unter uns, die schon etwas älteren Semesters sind, und Hilfsmittel benutzen, interessieren könnte. Es geht um alte Zeiten, alte Hilfsmittel und deren Namen, die oft einen astronomischen Bezug hatten.

Es wundert nicht, dass Hilfsmittelhersteller gerne astronomische Namen vergaben, wenn man bedenkt, dass wir schon lange Schokoriegel nach Planeten oder unserer Milchstraße benennen, und Mediamärkte die Ringe unseres sechsten Planeten im Logo und seinen Namen tragen, dann spürt man die Kraft, die von Namen mit astronomischen Bezügen ausgeht.

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und chronologischer Reihenfolge, weil das alles nun doch schon teilweise mehrere Jahrzehnte her ist.
Immer wieder bin ich für die schöne Zeit dankbar, dass ich mit erleben konnte, wie sich das alles entwickelte.

Die sprechende Rakete

Mein erstes revolutionäres Hilfsmittel für meinen ersten PC durfte ich mir 1990 kaufen. Es war die externe Sprachausgabe, Namens Apollo, von Dolphin. Diese wurde seriel an den PC, damals noch ein 2-86er mit 16 MHz angeschlossen. Wieso diese Sprachbox den vollmundigen Namen Apollo bekam, lässt sich nur mutmaßen. Ich denke, dass hier eine gewisse Aufbruchstimmung zum Ausdruck kommen sollte, die der Zugang zum PC für blinde Menschen mit dem Aufbruch zum Mond andeuten sollte. Und das traf in gewisser Weise durchaus zu. Ihr müsst euch vorstellen, dass wir vor dem PC meist auf mechanischen Punktschrift-oder mechanischen Schwarzschriftmaschinen schrieben. Bei zweiteren konnten wir nicht mal lesen, was wir schrieben, und korrigieren schon gar nicht. Das war mit einem PC und einer Apollo plötzlich möglich. Das Internet gab es noch nicht, aber wir wählten uns über Moodem und Telefon auf Computer ein, die dann als Server zum Austausch von Nachrichten und Dateien dienten.
Der Name „Apollo“ für das Mondprogramm war eine Idee des NASA-Managers Abe Silverstein, damals Leiter der Abteilung für Raumfahrt-Programme (Office of Space Flight Programs). Er bezog sich dabei auf den Gott Apollon der griechischen Mythologie, dem Gott der Sonne, der Heilkunst, Weissagung, Dichtkunst, Musik und der Bogenschützen.

Die erste Version der Apollo-Sprachausgabe trug tatsächlich die Nummer eins. Das entbehrt nicht einer gewissen Tragik, denn in der Kapsel von Apollo1 passierte der schwerste Unfall des ganzen Mond-Programms. Drei Astronauten verbrannten in der Kapsel, die nicht mal flog, sondern auf der Erde getestet wurde.
Ich glaube, ich hätte, wenn schon Apollo der Name sein soll, die Eins übersprungen, oder ganz auf die Nummerierung verzichtet.

Später gab es dann eine Version2. Die klang etwas besser und hatte ein etwas moderneres Design.
Immerhin konnte man sich die Zwei in römischen Zahlen, oder je nach Schrifttyp als Elf (II), Apollo11 denken. Und die war, wie wir alle wissen, die erste auf dem Mond.

Und der absolute Brüllwürfel in dieser Serie von Sprachausgaben war die „Jupiter“. Sie war ein großer Tisch-Lautsprecher aus Holz. Für Sprachausgabe hatte sie ordendlichen Bass und den Namen Jupiter trug sie ob ihrer Größe zurecht. Ich bin mir jetzt gar nicht mehr sicher, ob sie auch einen Line-In-Eingang für Walkmans o. Ä. hatte. Das hätte sich bei dem Klangvolumen eigentlich angeboten.

In diese Reihe von Sprachausgaben passt auch noch eine Steckkarte für Stand-Rechner, die „Europa“ hieß. An diese musste man dann noch einen Lautsprecher oder Kopfhörer anschließen.
Europa ist ein Mond des Jupiters, unter dessen Eiskruste man einen flüssigen Ozean erwartet. Theoretisch könnte es in diesem Meer so warm sein, dass Leben möglich wäre. Das werden künftige Raumsonden hoffentlich aufdecken.
Ein weiterer astronomischer Bezug zu Europa ist folgender:
Wikipedia weiß:

Europa (altgriechisch Εὐρώπη Eurṓpē; eine Gestalt der griechischen Mythologie, ist die Tochter des phönizischen Königs Agenor und der Telephassa. Zeus verliebte sich in sie und darauf verwandelte er sich wegen seiner argwöhnischen Gattin Hera in einen Stier. Sein Bote Hermes trieb eine Stierherde in die Nähe der am Strand von Sidon spielenden Europa, die der Zeus-Stier auf seinem Rücken entführte. Er schwamm mit ihr nach Matala auf der Insel Kreta, wo er sich zurückverwandelte. Der Verbindung mit dem Gott entsprangen drei Kinder: Minos, Rhadamanthys und Sarpedon. Auf Grund einer Verheißung der Aphrodite wurde der fremde Erdteil nach Europa benannt.

Den Stier haben wir bis heute als Sternbild am Himmel, und der Merkur ist Hermes in der griechischen Sagenwelt.

Ich bin mir zwar sicher, dass diese Sprachausgabe einst nicht wegen dieser astronomischen Bezüge nach Europa benannt wurde; namensgebend dürfte hier die Tatsache gewesen sein, dass sie eine, vielleicht die erste Sprachausgabe war, die vier europäische Sprachen im Rucksack hatte.
Ich lasse sie hier trotzdem mitmachen, weil die Astronomie dazu so schön ist.

Was soll sie sagen?

Wenn man eine externe Sprachausgabe an einen PC anschließt, dann braucht sie ja noch die Information, was sie sagen soll. Das erledigte unter dem damaligen Betriebssystem MS-DOS ein Bildschirmleser, der im Hintergrund die ein- und Ausgaben überwachte und die Daten lieferte, die dann ausgesprochen wurden. Auch diese Steuer-Software trug einen großen Namen. Sie war nach dem sprechenden Computer aus dem Film Odysssee2001, Hal, benannt. Dieser Film wird bis heute zumindest unter Sehenden sehr gefeiert. Für uns Blinde ist er eher schwierig, weil darin sehr viel Stille herrscht, was die Einsamkeit im Weltall natürlich absolut trifft. Ich weiß noch, als ich in meiner Studienzeit mal zu einem Filmeabend mit allem, was da Studenten so konsumieren, eingeladen wurde. Wir schauten u. A. diesen Film. Mein Freund war sehr enttäuscht, dass ich mit dem Film leider nichts anfangen konnte. Er brauchte etwas Zeit, bis er mein Problem verstand…
Wer die deutsche Synchronstimme von Hal nochmal hören möchte, kann sich das deutsche Hörspiel „Game Over“ besorgen. der Computer „Abraham“ wird von derselben Person gesprochen. Die Reproduktion von Abraham, ismael, der dann das Gebäudesystem mittels eines Computerspiels überninnt, und sich dafür rächt, dass die Betreiber des Gebäudesystems seinen Bruder Isaac abgeschaltet haben, wird von der ebenfalls sehr verbreiteten externen Sprachbox „Infovox“ gesprochen. Sehr gut gemacht, sage ich euch. Kann ich nur empfehlen.

Sternchen zum Sehen

Personen mit Sehrest können mit einem geeigneten Großschriftsystem sich den Inhalt des Bildschirmes vergrößert anzeigen lassen.
Neben der Software Zoomtext, die es bis heute gibt, existieren die beiden Systeme Supernova und Luna. Die beiden Namen passen super. Denn Luna, der Mond nimmt zu und ab. Man sieht also mal mehr und mal weniger von ihm. Die Supernova ist natürlich noch gewaltiger. Die Pixel des Bildschirms blähen sich auf, alles wird viel heller, und natürlich auch größer. Supernova kann sowohl von Menschen mit Sehbeeinträchtigung, als auch von blinden Menschen eingesetzt werden, da es die Funktionalität eines Bildschirmlesers für Blinde einschließlich Software-Sprachausgabe mit sich bringt. wie gut die Vergrößerung tatsächlich war, kann ich nicht beurteilen. Die Bedienung für blinde Menschen habe ich bei diesem englischen Produkt aber immer etwa so empfunden, als würde man links fahren, weil diese zumindest damals, als ich es benutzte sehr stark von allen anderen Bildschirmlesern abwich, die sich ansonsten doch in den wesentlichen Punkten ähnelten.

Luna ist mittlerweile auch mit dem Bildschirmleser JAWS verschmolzen, denn es wurde erkannt, dass auch Menschen mit Sehrest dann und wann gerne auf die volle Funktionalität eines Bildschirmlesers für blinde Menschen zugreifen.

Virgo ist ein deutsches Produkt gewesen, das sehr wahrscheinlich seinen astronomischen Namen dadurch erhielt, weil man „Virtuelle graphische Oberfläche“ damit gut abkürzen konnte. Mag aber auch sein, dass dieses Akronym erst später aufgekommen ist. Astronomisch gesehen ist Virgo die Jungfrau und ein Galaxienhaufen, dem auch wir angehören. Da fällt die direkte astronomische Verbindung schwer.

Immerhin war dem Hersteller der Bezug bewusst, denn irgendwann gesellte sich auch diesem sog. Screenreader eine Großschrift hinzu, die Galileo genannt wurde. Und das könnte astronomischer nicht sein. Ich glaube, es gab später sogar ein erstes digitales Monokular, gleichen Namens. Ob Großschriftsystem oder Fernrohr. Beides führt Menschen mit Sehbeeinträchtigung derart in die Welt, wie es damals Galileo den Himmel offenbarte.

Ein weiterer Bildschirmleser, der Nachfolger von Virgo, war Cobra.
Ich will nichts schlechtes über das Produkt sagen, aber als ich eine Testversion bei mir installierte, musste ich in mühevoller Kleinarbeit meine Kiste neu aufsetzen…
Die Cobra gibt es zwar nicht am Himmel, aber dafür die Schlange und auch die Hydra mit dem Medusenkopf.

In den asiatischen Sternbildern gibt es die Schlange auf jeden Fall. Und den Drachen (Dragon), den manche von uns als Texteingabe-Software nutzen, eben auch, der dann und wann die Sonne frisst.
Wir erinnern uns an die beiden chinesischen Hofastronomen, Hi und Ho, die geköpft wurden, weil sie im Suff vergaßen, eine Sonnen- oder Mondfinsternis voraus zu sagen.

Und bei den Fischen, und sonstigen Meeresbewohnern, werden wir bei unseren Hilfsmitteln
auch fündig.
Ich weiß nicht wieso sich die meisten Hersteller von Screenreadern für Einen Hei (JAWS), einen Delfin (Supernova) oder einen Schwertwal (Orca) entschieden haben.
OK, der Delfin und der Schwertwal sind keine Fische, aber nehmen wir es mal mit der Biologie nicht ganz so genau. Manche sagen ja auch „Fischfleisch“…
Den Hund, den viele von uns als Begleiter und Kameraden schätzen, gibt es am Himmel natürlich auch.

Flimmerkisten

Ein Bildschirm-Lesegerät (Blg) besteht im wesentlichen aus einem Bildschirm, der mit einem Kamerasystem verbunden ist, unter welches man das Lesegut zur Vergrößerung legen kann.
Anfang der Neunziger gab es eine Serie von Bildschirm-Lesegeräten, die Voyager hieß. Innovativ war, dass man mit diesen Geräten den Bildschirm derart teilen konnte, dass eine Hälfte zur Darstellung des PC-Inhaltes, und die andere für das Kamerabild verwendet wurde. Dass dieses Gerät Voyager getauft wurde, hat seinen Grund. Mit immer besserer Technologie begann für viele von uns tatsächlich eine Reise in die Welt, die mit derjenigen, welche die beiden Voyager-Sonden durch unser Sonnensystem antraten, durchaus vergleichbar ist. Plötzlich standen uns Türen offen, die vorher verschlossen waren. Auch ich empfand es damals, als ich noch einen kleinen Sehrest hatte. Unsere Blindenschule erhielt das erste Lesegerät in Farbe. Das wurde gehütet, wie ein Gral. Man musste mit dem Biologie-Lehrer gut stehen, wenn man mal Beobachtungszeit daran außerhalb des Unterrichtes haben wollte.
Zeit am einzigen Lesegerät in Farbe zu bekommen war ähnlich schwierig, wie man z. B. um Beobachtungszeit auf dem Hubble-Teleskop kämpfen muss…
Mein altes Lesegerät war damals quasi eine Kamera, die an einen umgebauten Schwarz-Weiß-Fernseher angeschlossen war. Das war mehr als nichts, aber kein Vergleich zu dem wohl gehütetem Gerät mit Farbe. Ich hatte manchmal den Eindruck, dass meinen Augen die AOK-Flimmerkiste mehr schadete als half. Man soll aber nicht undankbar sein. Es war damals ein Anfang, der vielen von uns deutlich mehr Lebensqualität und Unabhängigkeit brachte.

Ich frage mich manchmal, was ich heute mit den modernen Flachbildschirmen und den hoch auflösenden Kameras mit meinem Sehrest von damals noch hätte sehen können.

Die Welt wird größer

Aber manchmal waren auch ganz andere Lesehilfen eine ganz neue Erfahrung.
Ich erinnere mich noch, wie das war, als meine Schwester noch als kleines MädchenKontaktlinsen bekam. Vorher musste sie immer eine Brille mit Flaschenboden-Gläsern tragen. Selbstverständlich wurde sie dafür oft gehänselt. Als sie die Linsen von meiner Mutter eingesetzt bekam, kam sie aus dem Staunen nicht mehr heraus, weil alles so viel größer und näher als vorher trotz dieser dicken Brille war. Wie viel mehr muss es dann erst für jemand mit Sehbeeinträchtigung bedeuten, wenn man Zugriff auf so ein modernes Lesegerät in Farbe hatte.

Meine Befreiung

Auch ich hatte so ein Erlebnis.
1995 erhielt ich mein erstes Vorlesesystem, mit dem man ein Buch einscannen und sich anschließend per Sprachausgabe vorlesen lassen konnte.
Es nannte sich „Leseass Junior“, durfte aber dennoch Tausende Seiten Astronomie vorlesen.
Dafür opferte ich ein ganzes Studiensemester, in welchem ich täglich viele Stunden vor diesem Gerät verbrachte und manchmal mehrmals wöchentlich Kunde der Stadtbibliothek war. In diesem halben Jahr las ich quasi nur. Es war, als stünde ich am Brunnen des Wassers meines Lebens. Tröpfelte bisher nur wenig Literatur durch unsere Hörbüchereien und noch viel weniger in Blindenschrift zu mir, so ergoss sich nun dieser unerschöpfliche Quell. Ich konnte mir vorlesen lassen, was ich wollte, so lange es sich um Fließtext handelte. Das war eine Befreiung.

Wer nicht nur hören will, darf auch fühlen

Jeder weiß, dass selber lesen etwas anderes ist, als sich etwas vorlesen zu lassen, genau so, wie sprechen etwas anderes als schreiben ist; und alle vier Gaben brauchen wir für gutes Textverständnis und eine gute Sprachkompetenz.

Um dem Rechnung zu tragen, gibt es zumindest in Ländern mit gut ausgebautem Gesundheits- und Sozialsystem die Möglichkeit, als Hilfsmittel eine Punktschriftzeile zu bekommen. Die können schon mal je nach Größe den Preis eines Kleinwagens haben.

Und glaubt mir. Ich sehe das z. B. in einer Email sofort, ob jemand nur mit Sprachausgabe, oder mit Zeile arbeitet.
Blinde Menschen müssen tatsächlich aufpassen, dass sie nicht durch die ausschließliche Benutzung der Sprachausgabe zu Analphabeten werden. Also wer es kann, sollte sich die Punktschrift unbedingt mal anschauen. Und wenn sie zum Schluss nur dazu dient, dass man selbstständig seine Medikamente unterscheiden kann, die mittlerweile fast alle mit Braille beschriftet sind.
Mir ist aber auch bewusst, dass es viele späterblindete Menschen gibt, für welche das nicht mehr möglich ist. Für die sind natürlich Sprachausgaben das absolute Tor zur Welt.
Wie auch immer. Einige von diesen kostbaren Stücken erhielten auch „himmlische“ Namen.

Da gab es eine Braillestar. Das war schon ein Sternchen am Punktschrifthimmel, denn diese schöne Zeile bot einiges an Innovation, z. B. die ausfahrbare Ablage für ein Laptop, schöne den Fingerkuppen angepasste Braille-Module und einiges an Software, wie z. B. einen Editor, Kalender und mehr. Ich mochte sie gerne.
Unzählige Bücher, auch astronomische, habe ich mir dort rein geladen, und sie dann unterwegs gelesen.

Es gab auch eine Zeile Namens Voyager, an die ich mich aber gerade nicht mehr erinnern kann. Die Gründe, sie mit der Reise in die Welt der Schrift zu verknüpfen, liegen auf der Hand.

Die Zeile mit dem Beinamen „Satellite“ wurde so benannt, weil die Navigationstasten so angeordnet waren, als würden sie um eine große runde Taste in der Mitte kreisen, also wie Satelliten und die Erde.

Jemand wies mich gerade darauf hin, dass es anscheinend auch mal eine Zeile Namens Pegasus gab, bzw. noch gibt. Leider bin ich dieses Himmelsross nie geritten. Aber vermutlich nannten sie das Teil so, weil man damit eventuell schnell durch Dokumente navigieren kann. Wer weiß, wie die Zeile aussieht, kann das mal kurz erklären. Damit habe ich nämlich so überhaupt keine Erfahrung.

Es gibt auch eine Firma, deren Produkt z. B. Orbit-Reader heißt. Den konnte ich aber bisher nicht testen. Es handelt sich dabei aber um eine sehr günstige Punktschriftzeile, die vor allem für solche Länder spannend wird, wo die finanzielle Decke eher dünn ist.

Vor dem Hintergrund, dass etwa 90 %, in Worten: neunzig Prozent, aller Blinden weltweit keinen Zugang zu Punktschrift haben, ist dieses Produkt sehr spannend. Man stelle sich vor, wir hätten 90 % Analphabeten…

Orientierung und Mobilität

Es gibt auch Hilfsmittel im Bereich von Orientierung und Mobilität mit astronomischem Bezug.

Da gab es einen sprechenden Kompass, der Kolumbus hieß. Dieser elektronische Kompass konnte einen kontinuierlich darüber informieren, in welche Richtung man gerade geht. Vorher gab es nur mechanische Kompasse. Die zwangen einem zum stille stehen, zum Aufklappen und Ablesen des Instrumentes. Das musste man je nach den schon nach wenigen Schritten wiederholen.
Und ja, der Name ist irgendwie Programm. Das Problem, dass man mit einem Kompass alleine gar nicht so viel anfangen kann, hatte Kolumbus teilweise auch. Er hatte zwar ganz gute Sternenkarten von Johann Müller, eher als RegioMontanus bekannt, aber verfahren hat er sich trotzdem, weil er ohne Schiffsuhr Probleme mit der Bestimmung des Längengrades hatte. Immerhin waren seine Ephemeriden (Sternenkarten für die Seefahrt) so gut, dass er eine Mondfinsternis richtig voraussagen konnte, die ihm und seiner Mannschaft das Leben rettete.

Natürlich benutzen auch wir Blinden mittlerweile Navis, so dass wir auf wenige Meter genau wissen, wo wir uns zumindest im freien befinden.
Eines davon wird dann auch einen astronomischen Namen bekommen, wenn es dann erst mal da ist.
Die Firma HumanWare kündigt seit Wochen den „StellarTrek“ an. Das Ding soll GPS-Navigation mit Kameras und irgendwelchen weiteren Sensoren vereinen. Dies soll es ermöglichen, nicht nur bis auf die letzten Meter genau zu einem Punkt zu navigieren (also mit GPS), sondern mithilfe der restlichen verbauten Technik auch Schilder, Hausnummern, Beschriftungen aller Art usw. zu identifizieren und so sein Ziel zu finden. Der Preis wird in Deutschland, sollte das Ding überhaupt einen Distributor finden, mit Sicherheit über 2.000 € liegen. Ob das ein astronomischer Preis ist, sei mal dahingestellt.

Abspann

Ich bin mir sicher, dass ich noch das ein oder andere Hilfsmittel mit „himmlischem“ Namen vergessen habe. Wem noch eines einfällt, bitte gerne in die Kommentare damit. Das würde mich freuen.

Und wer sich mal so richtig nerdig für alte elektronische Hilfsmittel interessiert, dem darf ich die Folge zu elektronischen Hilfsmitteln des Podcasts von Merkst.de wärmstens empfehlen. Dort kann man viele davon sogar hören, was die damals für einen Lärm machten.

Astronomie ohne Sternensicht


Meine lieben,

Abgesehen von meinem Jahresrückblick melde ich mich heute bei euch mit meiner zweiten Veranstaltung, die ich in diesem Jahr bereits hatte bei euch zurück, obwohl es noch so jung.

Vorgeschichte

Seit einiger Zeit veranstaltet die Sternwarte München gemeinsam mit dem Bayrischen Blindenbund astronomische Abende für blinde Menschen. Das machte mich natürlich hellhörig. Auch der Veranstalter fand mich im Netz, und so kamen wir zusammen.
Der verfasst einen ganz wunderbaren Newsletter, der wöchentlich erscheint.
In diesem Newsletter erfährt man viel zum Jahreslauf, z. B. was es gerade am Himmel zu sehen gibt, es erscheinen schöne Geschichten aus der Mytologie, Phänomene werden erklärt und oft gibt es dann noch ein Video zu einem Thema.
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist, dass alle Bilder extra für uns beschrieben werden. Das ist dem Macher des Newsletters so wichtig, dass er es sogar ausdrücklich erwähnt.

Sternenkartenselfi
Dieses obige Bild beschreibt er z. B. so:

Das Foto zeigt Gerhard mit tastbarer Sternkarte in der Hand und daneben stehend ein Modell der Saturn-5-Rakete.

Jetzt hoffe ich, dass ich das richtige Bild aus der Mediathek gefischt habe…
Auf jeden Fall ist das von Eberhard so vorbildlich, dass sich viele daran ein Beispiel nehmen können. In den sozialen Netzwerken wird fast kein einziges Bild für uns erklärt. Und wie man am Beispiel sieht, ist das doch gar nicht so schwer. Nur mut. Eine schlechte Beschreibung ist mehr, als gar keine. Der Wille zählt. Und mittlerweile kann Mensch sich da auch von den einschlägigen KIs helfen lassen.

Auf diesem Newsletter war ich Gast mit einem Text, der meinen Zugang, den Zugang des Blinden zum All, erklären sollte.
Als ich vor vielen Jahren diesen Blog startete, schrieb ich in Wieso ich Astronomie treibe, bereits aus der Sicht meiner persönlichen Entwicklung darüber. in diesem Artikel orientiere ich mich vor allem an den Tatsachen, welche die Astronomie so zugänglich für alle (inklusiv) machen.
Also los:

Zu meiner Person – Aus meinem Buch:

Am 21. Februar 1969 wurde ich als fünftes von sechs Kindern in Schopfheim geboren. Da ich zwei Monate zu früh das Licht der Welt erblickte, musste ich zunächst in den Brutkasten. Nicht selten, so auch bei mir, führte dies zu einer Augentrübung, die der Grund für meine Blindheit ist.
Aufgewachsen bin ich mit meinen zwei Brüdern und drei Schwestern in einer Arbeiterfamilie. Somit führte vor allem mein Vater uns schon als Kinder an technische Dinge heran und lehrte uns den Umgang mit Werkzeug und Werkstoffen wie Holz.
Von meiner Mutter wurden wir schon als Kinder stets zur Arbeit und Mithilfe in Haus, Hof und Garten herangezogen. Jeder musste für alle etwas übernehmen und war dafür verantwortlich.
Dass ich in einer solchen Umgebung aufwachsen durfte, förderte natürlich mein Interesse an technischen Dingen, und führte mich letztlich zu meinem Lieblingshobby, der Astronomie.
Wie alle Kinder meines Alters wuchs auch ich ganz selbstverständlich im Schatten von Captain Kirk und seiner Enterprise auf.
Star Wars, Raumpatrouille und viele andere beeindruckten mich schon immer sehr. Stets mochte ich Handlungen mit viel technischem Bezug.
Außerdem faszinierten mich die futuristischen Geräusche sehr.
Ich habe das große Glück, seit dem Jahr 2000 als diplomierter Informatiker am Institut
ACCESS@KIT
(A@K) arbeiten zu dürfen, ohne das meine Vorträge zu astronomischen Themen nicht möglich wären.
Ich höre die Sterne nicht und fühle auch den Vollmond nicht. Hätte ich keinen Kalender, wüsste ich gar nicht, wann Vollmond ist.
Und trotzdem ist die Astronomie eines der inklusivsten Hobbys, das ich kenne.

Nagende Zweifel

Was, das glauben Sie nicht? Damit sind Sie nicht alleine. Viele, die in meine Veranstaltungen kommen, sind erstmal skeptisch und werden von
Fragen und Zweifeln getrieben.
Das klingt dann ungefähr so:

  • Wieso machst Du das? Da hast Du doch eh nichts davon!
  • Wie willst Du da mitreden? Du siehst das doch gar nicht.

Weil ich das weiß, eröffne ich viele Vorträge ungefähr dann so:

Jetzt Hand aufs Herz. Wer hat momentan diesbezüglich auch berechtigterweise noch Fragezeichen in den Augen? Die oder derjenige möchte bitte die Hand heben. Keine Angst. Ich „schaue“ weg. Es stellt sich also niemand bloß. Bitte zählt mal jemand, der sehen kann, durch.
Am Schluss der Veranstaltung machen wir das Spielchen nochmal. Dann werden wir sehen, ob und wieviel sich bewegt hat.

Das geht natürlich hier in einem Newsletter nicht so gut mit dem Hand heben. Aber ob sich bei Dir ganz persönlich was bewegt und verändert hat, fühlst Du ja dann selbst.
Also liegt es nun bei mir, euch zu zeigen, dass die These, dass Astronomie barrierefrei sei, stimmt.

Das geht uns alle an

Zunächst ist die Astronomie etwas für Alle, weil sie sich mit Fragen beschäftigt, die uns alle umtreiben und angehen.

  • Wo kommen wir her?
  • Wo gehen wir hin?
  • Wie war der Anfang?
  • Wie wird das Ende sein?
  • War es ein Schöpfergott?
  • Wie funktioniert das Universum?

Da ist doch schon einiges dabei, das auch für Menschen interessant ist, die nicht sehen können…
Kommen wir nun aber zu mir und meinen Gründen, wieso ich Astronomie so spannend für mich finde:

Ich habe meine Gründe

  • Die meisten Dinge in der Astronomie spielen sich mittlerweile nicht mehr visuell ab.
  • Ergebnisse zeigen sich häufig als Tabellen über Strahlungsarten und oder Verteilungen.
    Diese sind mit heutiger Technologie auch blinden Menschen zugänglich und können von ihnen interpretiert und verstanden werden.
  • Die Sicht auf Sterne ist wegen der nächtlichen Lichtverschmutzung meist unmöglich.
  • Im Vergleich zu der großen Zahl an Sternen, die es alleine in unserer Milchstraße gibt, sind die wenigen, die man selbst bei bester Sicht mit bloßem Auge sehen kann, vernachlässigbar.
  • Dass ein klarer nächtlicher Sternenhimmel eine Augenweide darstellt, ist sicher unbestritten; unter dem Strich ist dies aber relativ
    unwesentlich für die Astronomie als Ganzes.
  • Das Universum besteht nur zu vier Prozent aus dem, was für Augen vermeintlich so interessant ist. Tja, da kann man nichts machen.
    Stellen Sie sich vor, Sie sähen nur noch vier Prozent Ihres Fernsehbildes. Vermutlich würden Sie dann dieses abendliche Vergnügen rasch aufgeben.
  • Dunkle Energie und dunkle Materie weigern sich strickt, gesehen zu werden. Hören lassen sie sich bisher allerdings auch noch nicht,
    und somit besteht hier Chancengleichheit, was die Suche danach angeht.
  • Schwarze Löcher sind – zumindest wenn sie gerade hungern – so schwarz, dass man mit den besten Augen nichts damit anfangen könnte.
    Alles Unsichtbare ist prädestiniert, auch von Blinden erobert zu werden.

Na, jetzt sollten die Zweifel doch schon langsam zu bröckeln beginnen, nicht wahr?
Dann lasst uns doch einige dieser Punkte mal etwas genauer betrachten.

Erstes Beispiel:

Die Idee, dass die Bewegungen von Himmelskörpern, z. B. von Planeten musikalisch- harmonischen Gesetzen gehorchen sollten, geht bis auf Pythagoras und die alten Griechen zurück. Selbst Johannes Kepler versuchte in einem seiner Bücher noch, die Bahnen der Planeten auf Musiknoten abzubilden. Da liegt es doch nahe, dass man diesem Gedanken noch heute, wo wir über Computer und Sound-Systeme verfügen, nochmal auf den Grund gehen wollte.
Und das wurde tatsächlich gemacht.
Ich schrieb darüber in Klingende Planetenbahnen.

Beispiel zwei

Nehmen wir die Tatsache, dass sich viele Dinge in der Astronomie heutzutage nicht mehr im visuellen Bereich abspielen. Da gibt es die Radioastronomie, die gerade für blinde Hörmenschen par excellence, ein unheimlich reichhaltiges Radioprogramm bietet.
Man kann z. B.

und vieles mehr.
Auf meinem Blog habe ich diesen Themen eine ganze Kategorie gewidmet.
Wer sich dafür interessiert, sollte mal in Mit dem Ohr am Teleskop stöbern.
Selbst alle großen Raumfahrtagenturen haben die Sonifikation, also die Verklanglichung von Himmelsphänomenen mittlerweile für sich entdeckt.
Sogar der aktuelle Rover auf dem Mars, ja, der mit dem Hubschrauber, hat ein Mikrofon dabei.
Hört mal (NASA), was der Rover so hört.

Das liegt ja auch nahe, denn was man nicht sehen kann, z. B. infrarotes Licht, muss auch für Sehende aufbereitet werden. In dem Sinne ist dann die Sonifizierung fast dasselbe. Das kann uns wissbegierigen blinden Astronomen nur recht sein.
Die riesigen Staubwolken, die das Hubble-Teleskop „Die Säulen der Schöpfung“ genannt, entdeckte, sind eine wahre Kinderstube neuer Sternentstehung.
Die optischen Daten wurden verklanglicht und klingen dann so (Youtube).
Es gibt mittlerweile auch Bilder der Säulen vom JWST, das im infraroten Bereich durch die Staubwolken in die Säulen direkt auf die jungen Sterne blicken kann.
Alles, was für die Augen visualisiert werden muss, ob Infrarot, Röntgenstrahlung oder der ganze Radiobereich, kann auch akustisch aufbereitet werden. Ob ich einer Welle beispielsweise eine Farbe zuordne, oder einen Ton oder Sound, ist fast einerlei.

Podcasts und Sendungen:

Es gibt sie zu den unterschiedlichsten Themen. Podcasts sind Sendungen, die ohne Bilder auskommen müssen, weil sie häufig mobil von unterwegs angehört werden. Was zu beschreiben ist, muss also für alle so erklärt werden, dass man es auch ohne Bildinformation versteht. Das kommt blinden Menschen natürlich sehr zu pass, und ist somit inklusiv.
Welche wichtige Informationsquellen Podcasts für mich mittlerweile geworden sind, beschrieb ich in
Podcasts, ein inklusives Tor zu Bildung und Wissen.

Bücher, Bücher, Bücher

  • Ich stieß Anfang der 90er auf das Hörbuch „Kurze Geschichte der Zeit“ von Steven Hawking. Hierzu gab es auch einen Kinofilm. Interessant ist, dass ich stets gefragt wurde, ob ich die Bücher von Hawking kenne. Allerdings nicht wegen ihrer Inhalte, sondern weil auch Hawking behindert war – wenn auch ganz anders als ich. Ich machte die merkwürdige Erfahrung, dass viele Menschen stets davon ausgehen, alle Behinderten würden sich untereinander kennen – und was noch wichtiger ist: sich gegenseitig ganz lieb haben.
  • In dieser Zeit wurde die Audioausgabe der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ durch den Deutschen Verein für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf herausgegeben, die ich sofort abonnierte und bis heute immer wieder verschlinge.
  • Ich stieß auf die Bücher und Sendungen von Joachim Ernst Behrendt, der mir erstmals zeigte, dass alles irgendwie Klang ist.
    Von Radioaufnahmen von Pulsaren, dem Sonnenwind, und vielem mehr, findet sich alles in seinen Sendungen „Nada Brahma“ und „Das Ohr ist der Weg“.
  • In der Blindenhörbücherei entdeckte ich – auf ungefähr 20 Kassetten aufgelesen – das Buch „Der Stern, von dem wir leben – Den Geheimnissen der Sonne auf der Spur“ von Rudolf Kippenhahn, dessen Vortrag ich schon erwähnt habe. Mich faszinierte an diesem Buch vor allem, dass alle darin enthaltenen grafischen Elemente zusätzlich mit einer derart ausführlichen Texterklärung versehen waren, wie ich es selten bei anderen Autoren erlebt habe. Es schien fast so, als würde er auch an blinde Menschen denken, die auf derlei Beschreibungen angewiesen sind.
  • Neben den Roboter-Romanen Isaac Assimovs fesselten mich auch seine populärwissenschaftlichen Werke, z. B. „Explodierende Sonnen“, oder „Die Rückkehr des Halleyschen Kometen“.
  • Und jetzt kommt der Oberhammer:
    1995 erhielt ich mein erstes Vorlesesystem, mit dem man ein Buch einscannen und sich anschließend per Sprachausgabe vorlesen lassen konnte. Dafür opferte ich ein ganzes Studiensemester, in welchem ich täglich viele Stunden vor diesem Gerät verbrachte und manchmal mehrmals wöchentlich Kunde der Stadtbibliothek war. In diesem halben Jahr las ich quasi nur. Es war, als stünde ich am Brunnen des Wassers meines Lebens. Tröpfelte bisher nur wenig Literatur durch unsere Hörbüchereien und noch viel weniger in Blindenschrift zu mir, so ergoss sich nun dieser unerschöpfliche Quell. Ich konnte lesen, was ich wollte. Das war eine Befreiung.

Modelle

Ich lebe genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um „Inklusion am Himmel“ zu treiben. Die Möglichkeiten des 3D-Druckes, etc. eröffneten mir eine ganz neue Welt. Somit setze ich in meinen Veranstaltungen viele Modelle und taktile Materialien ein, die dann herum gehen, und von allen betastet werden dürfen.
Ein Highlight meines Lebens war in diesem Zusammenhang, dass ich mal mit einem Vortrag und danach mit einem Messestand meine Projekte bei der Jahrestagung der internationalen astronomischen Union in Wien vorstellen durfte. Ihr erinnert euch? Das sind die, die 2006 den Pluto als Planeten heraus geworfen haben…
Auf jeden Fall habe ich darüber einen schönen bebilderten Artikel gemeinsam mit einem Reporter aus Wien geschrieben.
Zum bebilderten Teil des Artikels geht es hier lang.
Dort kommen übrigens auch noch andere blinde Berufsastronom:innen zu Wort. Ja, es gibt sie. Meist wurden die im Laufe ihres Berufslebens blind, und haben einfach weiter gemacht. Man kann ja von der optischen Astronomie in die hörbare Radioastronomie wechseln. Aus den meisten anderen Berufen würde man nach einer Erblindung einfach heraus fallen. So inklusiv ist die Astronomie eben auch.

Astronomie für benachteiligte Kinder

Ganz besonders bei meinen Vorträgen an Brennpunkt-Schulen zeigt sich auch wieder, wie inklusiv Astronomie sein kann. Sie holt die Kinder ab, und soziale Benachteiligungen, Migrationshintergründe und sonstige Einschränkungen haben erst mal Pause.
In meiner Kategorie Inklusion findet ihr zahlreiche Beispiele für sehr inklusive Veranstaltungen.

Abspann

So, liebe Leser:innen, ich denke, damit lassen wir es erst mal für heute bewenden. Ich hoffe, ich konnte euch etwas näher bringen, wieso ich die Astronomie so sehr liebe. Ich hoffe, dass ihr verstanden habt, dass es bei mir so ist:
Außer den Sternenhimmel selbst betrachten zu können, kann nahezu alles, was diese Wissenschaft betrifft, von mir, also Menschen ohne Sehvermögen bewältigt werden.

Nicht jeder Zugang zur Astronomie ist für jeden geeignet, aber ich versichere euch, dass es für jeden mindestens einen Zugang gibt.

So, und jetzt wollt ihr bestimmt noch wissen, wie ihr diesen Newsletter abonnieren könnt.
Da es ein geschlossener Newsletter ist, müsst ihr euch per Mail an
Eberhard Grünzinger e.gruenzinger@gmx.de wenden. Der nimmt euch gerne auf. Und ich kann euch sagen, es ist immer ein sonntägliches Lesevergnügen vor dem schlafen gehen.

Jahresrückblick 2022

Meine lieben,

mit diesem Artikel melde ich mich das erste mal 2023 bei euch zurück.
Es ist, wie immer, mein obligatorischer Jahresrückblick.
Ich wünsche euch für dieses Jahr das, was jeder von uns am nötigsten braucht. Möge vor allem der Krieg ein Ende finden, die Energiekrise vorüber gehen und mehr Verstand in unsere Köpfe kommen, damit wir endlich mit voller Kraft den Klimawandel angehen können.
Ich danke euch für eure Treue zu mir und meinem geschwätzigen Blog. Gerne würde ich noch mehr Menschen erreichen, was manchmal gar nicht so einfach ist. Vielleicht mögt ihr mich ja unterstützen, indem ihr meinen Blog mit euren lieben teilt, das würde mich freuen. Und auch in diesem Jahr gilt: Kommentare, Kritik und natürlich auch Lob, sind herzlich willkommen…

Ich habe mich übrigens für diesen Rückblick entschlossen, nur positive Dinge aufzuschreiben. Von den anderen hatten und haben wir mehr als genug.
Jetzt also los, mit meinem Jahresrückblick.

Himmelwärts

Mein Astro-Jahr 22 startete ich, indem ich mit meiner Arbeitsplatzassistenz am 24.02.2022 die Ausstellung Himmelwärts in Stuttgart besuchte.
Ende 2021 jährte sich Keplers Geburtstag zum 450. Mal. Er kam am 27. Dezember 1571 in der damaligen freien Reichsstadt Weil der Stadt zur Welt. Anlass, mit der Ausstellung himmelwärts den weltberühmten Astronomen aus dem heutigen Baden-Württemberg in all seinen Facetten zu würdigen.
himmelwärts ist ein Ausstellungsprojekt des 5. Physikalischen Instituts in Kooperation mit der Kepler-Gesellschaft e. V. in Weil der Stadt und zahlreichen weiteren Partnern.
Dort gab es ganz viel anzufassen und auszuprobieren. Somit konnte man Keplers Lebenswerk hautnah erfahren. Natürlich gab es dort auch sehr viele Tafeln, die mir meine sehende Begleitperson vorlas. Ich ergänzte dann meist noch Geschichten, die ich wusste. Und das merkten bald dann auch andere Besucher, dass der blinde dort noch besseres auf Lager hat. Unser Grüppchen wuchs somit stetig an.
Das war ein wirklich inklusives Erlebnis. Wenn die Ausstellung mal wieder stattfindet, kann ich nur jedem raten, sie zu besuchen. Auch für blinde Menschen ist dort wirklich ganz viel zu ertasten und auszuprobieren.
Wenn ihr in einen suchdienst eurer Wahl „Himmelwärts“ eingebt, kommt ihr auf die Seiten. Die ausstellung läuft als Wanderausstellung weiter.

Fasten und Feiern mit den Sternen

Einen Monat später, am 24.03. durfte ich online einen Vortrag zum Thema „Fasten und feiern mit den Sternen“ halten. Es ging vor allem um die Berechnung des Ostertages. So langsam habe ich mich tatsächlich daran gewöhnt, und merke, dass ich nun auch bei Online-Veranstaltungen besser werde. Das viel mir lange sehr schwer, weil ich gerne mit meinem Publikum interagiere. Online kann man einfach nicht so Rampensau sein.
Grundlage zu diesem Vortrag waren die drei Artikel

  1. Warum ist Ostern manchmal so früh, und manchmal so spät
  2. Das Osterparadox
  3. Eine Ostergeschichte für Respekt und Toleranz

Netzwerk mit Sternwarte München

Die Sternwarte München führt dann und wann tatsächlich Astronomie-Veranstaltungen für blinde Menschen gemeinsam mit dem dortigen Blindenverband durch. Das fand ich höchst spannend, denn ich hatte noch nie etwas davon gehört. Merkwürdig war, dass ich auch schon für den Bayrischen Blindenverband Vorträge hielt. Da dachte ich eigentlich, man würde mir Fragen stellen, wie so eine Veranstaltung durchgeführt werden kann. Sei es darum. Ich bin nicht das Maß aller Dinge, und die Events kommen sehr gut an.

Was ich dann durch Eigene Recherche bekommen habe, ist ein wunderbarer Kontakt der Veranstalter, und einen schönen Newsletter, der wöchentlich erscheint und mir viel Freude bereitet.
Wie man als außenstehende Person an diesen Newsletter kommt weiß ich nicht, aber wer mag, darf sich gerne an mich wenden. Ich vermittle gern den Kontakt. Benutzt hierfür einfach das Kontaktformular auf dem Blog.

Was tun, wenn man als Coach plötzlich blinde Menschen im Online-Seminar hat

Ein Coach, bei dem ich mal einen Kurs zu Life-Work-Planing mitmachen durfte, und der in Zusammenarbeit mit unserem Institut jährlich ein Training für Menschen, die sich gerade bewerben veranstaltet, fragte mich an, ob ich ihn bei einem Online-Vortrag des Verbandes „Trainertreffen Deutschland“ unterstützen wollte. Es sollte eine Sensibilisierungs-Veranstaltung für Trainer und Coaches werden, was zu beachten ist, wenn man blinde Personen im Online-Workshop hat. Das war auch für mich neu, aber es war eine großartige Veranstaltung, mal ganz weg von der Astronomie.
Derlei ist in unserer Online-Welt wichtig, und ich danke Marc, dass ich hier quasi ein Botschafter sein durfte.

Auch für Marc und alle Teilnehmenden war es denke ich eine große Bereicherung. Marc meldete mir zurück, dass er sah, dass alle Teilnehmenden mit eingeschalteter Kamera ganz nah und aufmerksam bei mir waren. Das bekomme ich natürlich nicht mit. Vor allem, wenn die Mikros ausgeschaltet sind, spreche ich dann im Grunde in eine Wand. Ich höre keine Bewegungen, kein Atmen und auch sonst nichts, was ich sonst von meinen Zuhörern mit bekomme.
Außerdem entnehme ich das dem Text auf Marcs Blog. Wir haben beschlossen, dass wir uns zu dieser Sache gegenseitig verlinken.

Marc beschreibt in seinem Text sehr anschaulich, wie er lernte, mit der Situation klar zu kommen, auch Menschen mit Blindheit in seinen Online-Veranstaltungen zu haben. Der Text ist wirklich sehr lesenswert, und ich kann ihn euch wärmstens ans Herz legen.
Sein Text heißt
Von Sehbehinderten lernen

mein Astronomisches Comeback

Mein absolutes Comeback war mein Astro-Tag beim Inklusionstag auf der Landesgartenschau am 07.04.2022. in Neuenburg. Es tat so gut, mal wieder einen quirligen Kinderworkshop zu halten, mal wieder life vor Erwachsenen über „Inklusion am Himmel“ sprechen zu dürfen und mal wieder Menschen an meinem Stand zu empfangen, die viele Fragen stellten, all meine Modelle bestaunten und betasteten, und ja,mir auch das eine oder andere Buch über den Ladentisch hinweg abkauften.
Über diese Veranstaltung schrieb ich ausführlich in …
Ich kam, sah und siegte.

Mitte Mai taktiles Bild der schwarzen Löcher

Das war schon eine Sensation, als Mitte Mai das Foto der Umgebung des massereichen Schwarzen Loches in Mitten unserer Galaxis veröffentlicht wurde. Es gab zwei Jahre zuvor die erste Veröffentlichung eines solchen Fotos eines schwarzen Loches aus einer anderen Galaxie.
Auf Wunsch fertigte mir mein Kollege in unserem Labor eine tastbare Version beider Fotos an, so dass ich sie miteinander vergleichen konnte.
Es ist einfach wunderbar, dass ich an diesem Institut arbeite. Ansonsten hätte ich niemals Zugang zu derlei Möglichkeiten.

Ich machte ein Tasträtsel aus diesem Bild. Das findet ihr hier.
Wie die beiden Fotos gemacht wurden und mehr Hintergründe dazu findet ihr in den beiden Artikeln:

  1. Wie man schwarze Löchern sehen kann
  2. Trotz Löchern gute Bilder

09.06. Interview für die Hörzeitung Trierische Tonpost

Seit Jahren genieße ich die ganze Adventszeit den Klingenden Adventskalender, der das Bistum Trier für blinde Menschen heraus gibt. Die fragten mich an, ob ich mit ihnen ein Interview für ihre andere Hörzeitschrift, der Trierischen Tonpost, führen würde.
Es war zwar ein Telefoninterview, was der Klangqualität etwas abträglich war, aber ansonsten war es ein sehr gelungenes gespräch.
Wir sprachen über Astronomie, über Inklusion am Himmel, aber auch über das Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Religion. Ruck zuck war eine Stunde herum. Ich denke, dass das Interview spannend für viele Hörer:innen war, und dass es vielen vielleicht auch Mut und Kraft gab, wenn sie hören durften, was alles trotz Sehverlust möglich ist.
Nach ausdrücklicher Genehmigung des Verlages, darf ich dieses Interview mit euch teilen. Allerdings ist es so, dass die Datei zu groß ist., dass ich sie an einem Stück auf dem Blog veröffentlichen kann. Außerdem wurde sie mir dann von der Redaktion freundlicherweise in einigen Teilen geschickt. Das wären dann elf Links für euch, was ich etwas anstrengend und unkomfortabel für euch fände.
Aus diesem Grund stelle ich jetzt erst mal das Interview an einem Stück auf meine Dropbox. Dort könnt ihr es euch anhören, bzw. auf den Abspieler eurer Wahl herunterladen. Bitte gebt die Datei nicht weiter, und veröffentlicht sie bitte auch nicht irgendwo. Das darf nur ich hier tun.
Zum Interview geht es hier lang.

Vorträge im Urlaub

Es ist mittlerweile zur guten Tradition geworden, dass ich in meinem Sommerurlaub im Erholungszentrum für Blinde in Schwarzach in jeder Urlaubswoche einen Vortrag mit aktuellem astronomischen Bezug halte.
Diesmal ging es in der einen Woche um die Veröffentlichung der Fotos der schwarzen Löcher, und im zweiten um das sagenhafte James-Webb-Space-Teleskop.

Von diesem steht mir leider noch kein Modell zur Verfügung, das transportabel wäre, aber zu den schwarzen Löchern konnte ich immerhin taktile Ausdrucke der Fotos und einer Spiralgalaxie austeilen. Ich freue mich im Vorfeld des Urlaubs schon immer sehr auf diese Vorträge, die stets gut angenommen werden. Es kommt auch vor, dass Kinder von Hausangestellten oder sonstige Verwandte daran teilnehmen. Es gibt aussagen von Müttern, deren Kinder noch nach Jahren von diesen Vorträgen sprechen. Das macht dann besonders viel Freude.
Die Links zu den Fotos habt ihr schon.
Mehr zum James-Webb-Teleskop und weitere Hintergründe findet ihr in den beiden Artikeln:

  1. Das Unsichtbare Licht erforschen
  2. Das Kosmische Orchester

16.09. Kurzvortrag an der astronomischen Uhr in Straßburg

Das war wirklich ein sehr schöner Ausflug, den ich mit dem Evang. Blinden- und Sehbehindertendienst mitmachen durfte. Besonders beeindruckt hat mich die astronomische Uhr im straßburger Münster. Darauf hatte ich mich natürlich etwas vorbereitet, zum Glück, denn der Führer erzählte uns leider nichts darüber, was die Uhr alles astronomisch kann. Das ergänzte ich dann für unsere Gruppe direkt vor Ort, was auch andere Besucher des Münsters anzog.
Über diese Uhr schrieb ich in
Ein Uhrenerlebnis.

18.09. Inklusionslauf

Nach über zwei Jahren Pandemie-Pause durfte dieser Lauf im Rahmen des Baden-Marathon wieder stattfinden. Es war wirklich ein sehr starkes und berührendes Erlebnis, an diesem Lauf mit meiner Kollegin teilzunehmen. Diesen Lauf beschrieb ich ausführlich und ordnete ihn in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext ein.
Zum Bericht über dieses unvergessliche und großartigen Erlebnis geht es hier lang.

09.10. SWR2 Matiné Zugang zu Musiknoten

Da bekam ich doch tatsächlich eine Anfrage des SWR, ob ich nicht an einer Sendung über Musiknoten teilnehmen möchte. Ich kann zwar ungefähr die Punktschriftnotenschrift, und habe auch schon viel mit diverser Software experimentiert, dass ich Noten für Sehende schreiben konnte. Dennoch fühlte ich mich etwas unsicher, da ich normalerweise mit meinem absoluten musikalischen Gehör ohne Noten auskomme. Absagen wollte ich der Dame aber auch nicht. Also ließ ich mich auf dieses spannende Projekt ein. Dafür, dass wir über eine Stunde lang miteinander über das Thema sprachen, ist mein Beitrag in der Sendung vielleicht etwas kurz geraten, aber die Sendung an sich ist absolut hörenswert, weil ganz viele andere Musiker zur Sprache kommen. Sie erzählen, wie sie mit Noten umgehen. Es lohnt sich also, mal rein zu hören.
Ich hoffe, die Sendung ist noch in der Mediathek, und ihr findet den Knopf zum Abspielen…
Link zur Sendung

25.11 – 27.11. Freizeit für junge Erwachsene zum Thema Licht

Was liegt näher, als gerade am Wochenende des ersten Advents eine Freizeit zum Thema Licht durchzuführen. Mancher mag vielleicht denken, dass Licht für blinde Menschen nicht interessant wäre, aber mit nichten. Ich war selbst erstaunt, aus welch ungeheuer vielen Aspekten man sich dem Licht nähern kann, als ich dazu recherchierte.

Und so starteten wir also am Freitag Abend mit einer ausführlichen Vorstellungsrunde, einer kleinen Betrachtung und einigen Liedern, die ich mit der Gitarre begleitete. Danach ließen wir den Abend in gewohnter Manier bei guten Gesprächen und Getränken ausklingen.

Am Samstag ging es dann nach dem Frühstück und einer kleinen Andacht zur Tageslosung voll ins Thema. Den ersten Blog leitete ich. Er befasste sich damit, was das Licht physikalisch ist, welche Seltsamkeiten es zu bieten hat, und wie man sich seinen Eigenschaften im Laufe der Wissenschaftsgeschichte von der Antike bis in die Heutzeit genähert hat.
Darüber schrieb ich im Rahmen der Reise zu den schwarzen Löchern in
Station sechs.
Ein weiterer Block befasste sich dann mit dem Licht aus theologischer Sicht. Wir diskutierten über viele Bibelstellen, in welchen das Licht eine Rolle spielt. Diese jetzt hier aufzuzählen, würde den Rahmen des Artikels sprengen. Das muss vermutlich mal ein eigener Artikel werden. Dass unsere Bibel voller Sterne ist, zeigte ich euch ja im Die Bibel, ein Buch voller Sterne.

Schließlich führte ein Teilnehmer nach Mittagessen und Mittagspause eine wunderbare Meditation mit uns durch. Nach einer Gruppenarbeit, wo wir uns über Highlights, Lichterlebnisse und auch darüber austauschten, wo manchen vielleicht noch das orientierende Licht im Leben fehlt, schlossen wir dann diesen Haupttag der Freizeit mit einigen Geschichten ab. Außerdem übten wir noch die Lieder,die am Sonntag im Gottesdienst gesungen werden sollten, denn viele von uns müssen auswendig singen, weil Lesen nicht möglich ist.

Nach diesem großartigen Gottesdienst und einem vorzüglichen Mittagessen, ging es dann wieder nach hause.
Einen ausführlichen Freizeitbericht wird es noch geben, aber der ist noch nicht fertig. Ich werde ihn dann verlinken und darauf hinweisen.
Auf jeden Fall war die Freizeit in unserem bewährten Tagungshaus in Rastatt wieder ein voller Erfolg. Ich bin gespannt, welches Thema wir in 2023 haben werden. Es gibt schon Ideen.

29.11. OVZ-Vortrag „Mysterium des Sterns von Betlehem“

Die Gemeinschaft Blindzeln unterhält neben einem Hilfsmittelvertrieb ein umfangreiches Online-Angebot, wo sich alle „Blindzler“ zu verschiedensten Themen austauschen können. Es gibt auch Raum für Vorträge und andere Online-Veranstaltungen.
Und so betreibt die Arbeitsgemeinschaft blinder Autorinnen und autoren (blautoren.de) auf dieser Plattform eine Autoren-Lesebühne, wo immer wieder Vorträge oder Lesungen unserer Mitglieder angeboten werden. Außerdem hatten die einen virtuellen Weihnachtsmarkt laufen, auf welchem sehr schöne und weihnachtliche Veranstaltungen und ein Hör-Weihnachtskalender liefen.
So hatte ich am 29.11.2022 die Ehre, dort auf dem virtuellen Weihnachtsmarkt einen Vortrag zum Stern von Betlehem anzubieten.
Und darum ging es:
Der Stern von Betlehem fasziniert uns alle, da es nirgendwo ein vergleichbares Ereignis gab, wo Menschen einem Stern folgten, um, wie in unserem Falle, einen Stall und den Erlöser zu finden.
Das bedeutet, dass die Spekulationen über dieses Mysterium bis heute nicht abreißen. Viele spannende Möglichkeiten, was der Stern gewesen sein könnte, stehen mittlerweile nebeneinander. Im ersten Teil der Sendung näherten wir uns diesen Geschichten aus astronomischer Sicht.

Im zweiten Teil beschäftigten wir uns mit der Frage, wie man einen Stern als Navi benutzen und ob man damit wirklich einen Stall finden kann.
Diese Sendung war wirklich eine Weihnachtsveranstaltung der besonderen Art.
Grundlagen dieses Vortrages waren die beiden Artikel:

  1. Was war der Stern von Betlehem
  2. Taugt ein Stern als Navi

Ankündigung, Erster Vortrag 2023

Und im neuen Jahr geht es direkt weiter.
Gleich zu Jahresbeginn, am Freitag, 13.01.2013 starten wir auf unserer Lesebühne mit meinem Vortrag
„Freitag, 13, und andere Kalenderspielchen“.
Ich würde mich freuen, wenn ich einige von euch dort virtuell treffen könnte. Freitag, 13, und andere Kalenderspielchen könnten viele von euch interessieren.
Hier die Ankündigung:

Freitag der dreizehnte und andere Kalenderspielchen
Information,Kultur,Vortrag
Beginn ist am Freitag, dem 13. Januar 2023, um 19:00 Uhr. Das voraussichtliche Ende ist gegen 20:30 Uhr.
„Das geht ja gut los!!!“ mag mancher in diesen Krisenzeiten denken, wenn man den Kalender 2023 betrachtet. Gleich der Januar startet mit einem Freitag, 13.
Welch ein Unglück, oder vielleicht doch nicht?
Tatsache ist, dass es häufig die Nummer 13 bei Sitzplätzen, Stockwerken und Hotelzimmern nicht gibt. Im Flugzeug fehlt die Reihe dreizehn komplett. Wo kommt das her, dass sich die 13 derart bis in unsere aufgeklärte Zeit so hartnäckig als Unglückszahl behaupten kann.
Wie oft fällt diese 13 tatsächlich auf einen Freitag?
Oder haben Sie sich auch schon mal gefragt:
Wann fällt der Vollmond mal wieder auf Heilig Abend, oder wie lange muss ich warten, bis die Brückentage oder sonstige Feiertage mal wieder so fallen, damit ich maximal Urlaubstage sparen kann?
Wenn Sie derartige Kalender-Spielchen interessieren, dann sind Sie in diesem Vortrag genau richtig.
Die Veranstaltung richtet sich an alle, die etwas Spaß an derartigen Kalenderspielchen haben. Vorkenntnisse sind keine erforderlich.
Es werden mindestens 1 Teilnehmer benötigt und unbegrenzt viele zugelassen.
Weitere Informationen gibt es bei Gerhard Jaworek per E-Mail an gerhard.jaworek@blindnerd.de. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich und der Zugang erfolgt entweder mittels TeamTalk über
Diesem Link
oder per Radio-Stream bitte hier lang.
sowie über die Amazon Sprachassistenten mit „Starte BLINDzeln Eins“. Die Veranstaltung findet im Raum “BLAutor-Lesebühne” statt.

So, meine lieben,
jetzt genug Bauch gepinselt.
Beginnt das Jahr gut und gehabt euch wohl.

Wir spielen mit den Brückentagen


Meine lieben,
Wir unterbrechen aus aktuellem Anlass unsere kleine Serie über die erhellenden Finsternisse.

Heute teile ich eine kleine Geschichte, ein kleines Heureka mit euch, das ich gestern, am 31.10.2022 erleben durfte. Die Sache ist an sich nichts besonderes und einfach zu verstehen, aber genau dieses habe ich bis gestern noch nie versucht, und deshalb staunte ich darüber.
Und die Geschichte geht so:

Die große Frage

Es hätte sich ja prächtig angeboten, den Reformationstag 2022 als Brückentag frei zu nehmen, da er auf einen Montag fiel. Normalerweise ist das bei uns im Büro auch nie ein Problem, die Brückentage so zu nehmen, wie sie fallen. Nicht so gestern. Wir hatten eine ganztägige Veranstaltung zu einem großen Projekt, die ein großer Erfolg war. Als der Termin für diesen Workshop festgelegt wurde, ärgerte ich mich natürlich etwas darüber, kein verlängertes Wochenende von Freitag bis Dienstag, 01.11., Aller Heiligen, der bei uns in Baden-Württemberg ein Feiertag ist, zu haben.

Ich konnte mich gar nicht mehr daran erinnern, wann die Konstellation von 31.10. an einem Montag das letzte mal stattgefunden hat. Das muss doch aber in meinem langen Leben von fast 54 Jahren schon mal passiert sein.

Die Vermutung

Wenn ich mich nicht daran erinnere, dann liegt das vielleicht daran, dass der 31.10. tatsächlich relativ selten auf einen Montag fällt. Wie selten eigentlich, war meine Frage.
So begann ich also zu rechnen.

2022 fällt der Reformationstag also auf den Montag,
2023 auf einen Dienstag,
2024 auf einen, nicht Mittwoch, sondern Donnerstag, denn dann liegt ein Schaltjahr mit 29 Tagen im Februar hinter uns.
2025, fällt der Feiertag dann auf einen…
2026 auf… und hoppla. 2028 ist wieder Schaltjahr.

Mist, habe ich mich jetzt verzählt?
Also von vorne

Da muss es doch eine Lösung geben, die das ganze abkürzt. Wenn schon vielleicht keine Formel, dann hoffentlich zumindest eine mathematische Regel, die man hier anwenden kann.
So grübelte ich weiter.
Ich stellte mir zunächst vor, dass es keine Schaltjahre gäbe. Dann wäre die Situation einfach. Wenn der 31.10. in allen Folgejahren, die keine Schaltjahre sind um einen Tag weiter springt, dann bräuchte es sieben Jahre, den Lauf durch eine ganze Woche, bis dieser Tag wieder auf einen Montag fällt. Hätten wir alle zwei Jahre ein Schaltjahr, dann schloss ich, dass es dann 14 Jahre dauern könnte.
Also der Tag muss durch zwei Wochen hüpfen, bis er wieder auf einen Montag fällt. Und jetzt kam mir die Idee, dass wir in unserem Kalender, wo jedes vierte Jahr ein Schaltjahr ist, vier mal sieben Jahre, also 28 Jahre darauf warten müssen, bis es wieder so ein schönes verlängertes Wochenende geben wird.

In diesem Fall sollte also der 31.10.2050 wieder auf einen Montag zu liegen kommen. Und jetzt hatte ich etwas in der Hand. Natürlich kürzte ich den Beweis meiner Vermutung nun ab. Ich zückte mein Handy und fragte Tante Siri, wann der 31.10.2050 sein würde. Und siehe da. Sie verriet mir prompt, dass es ein Montag sein wird, wie ich vermutete.
Tja, pech gehabt. Somit werde ich wohl nicht mehr in den Genuss dieses Brückentages aus beruflicher Sicht kommen, denn dann bin ich 81 Jahre alt und vermutlich längst im Ruhestand.
Und hier irrt der Autor, denn dank euch, die ihr hier manchmal kommentiert, wurden weiter unten noch weitere Regelmäßigkeiten zusammen getragen, so dass ich noch einige male in den Genuss dieses Brückentages vor meinem Ruhestand kommen werde.

Kein Beweis ohne Gegenprobe

Heilig Abend fällt 2022 auf einen Samstag. Und siehe da. Meine Dame bestätigte mir, dass meine Annahme auch mit diesem Tag funktioniert. Der 24.12.2050 fällt ebenfalls auf einen Samstag.
Also funktioniert diese Regel mit allen gewünschten Tagen, wenn man die Frage mit dem Datum stellt.

doch nicht ganz so selten

So soll es sein. So wünsche ich mir das. Johannes, der auch hier mit liest, hat über diese Frage nachgedacht. Es kam ihm, wie mir im Grunde auch etwas lang vor, dass wir 28 Jahre auf unseren Brückentag warten sollen. Nur er, hat im Gegensatz zu mir, sich nicht damit zufrieden gegeben. Er hat noch eine Regelmäßigkeit gefunden, die ich nur bestätigen kann.
Er schreibt in den Kommentaren:

Du hast mich ja gestern schon an Deinen Berechnungen teilhaben lassen. Und ich habe seitdem darüber nachgedacht und mich gefragt was denn zu so einem langen Zeitraum führt, bis der Reformationstag wieder auf einen Montag fällt..
Also wie oft wiederholt sich nun im Allgemeinen die Kombination von Tag im Jahr und Wochentag. Wie Du schreibst, ohne Schaltjahre alle 7 Jahre. Das wäre zu einfach. Haben wir aber alle 4 Jahre ein Schaltjahr, dann lässt sich mit 11 Jahren ein Zeitraum finden, der immer genau 3 Schaltjahre beinhaltet. Also 11x um einen Tag verschoben plus 3x um einen zusätzlichen Tag verschoben macht 14 Tage Verschiebung. Das ist ein Vielfaches von 7, müsste also doch dafür sprechen, dass wir den Brückentag bereits in 11 Jahren wieder haben.
Das klappt natürlich nicht mehr, wenn das Jahr 2100 dazwischen kommt!
Was meinst Du?

Dann schreibt er nach weiteren Gedanken:

Es muss also noch öfter möglich sein, diesen Brückentag zu nehmen. Nämlich gibt es nicht nur den Zeitraum von 11 Jahren mit genau 3 Schalttagen, sondern auch noch einen Zeitraum von 5 Jahren mit 2 Schaltjahren (5+2 = 7) sowie 6 Jahre mit genau einem Schaltjahr (6+1=7).
Da bei diesen beiden Möglichkeiten aber im Gegensatz zu dem 11-Jahreszeitraum auch mehr oder weniger Schaltjahre enthalten sein können, folgen diese nicht direkt aufeinander, sondern treten seltener auf, jedoch immer aufeinanderfolgend. Das ist ja auch wieder sinnvoll, da 5 +6 Jahre dann wieder 11 Jahre sind.
Und da lässt sich einiges finden:
2033, 2039, 2044, 2050, 2055 fällt der 31.10. auf einen Montag. Und genau so oft habe ich noch die Möglichkeit mir diesen Brückentag zu nehmen 😄

Ja Johannes, das sind schöne weitere Regelmäßigkeiten.
Besten Dank dafür.
Und ihr anderen dürft mir auch gerne solche Korrekturen oder Anmerkungen schicken. Das freut mir sehr, und gibt mir die Chance, mich und dieses Projekt hier weiter zu entwickeln.

Wo es nicht klappt

Es gibt aber auch Feiertage, mit denen das nicht funktioniert. Der Ostersonntag, Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam hängen nicht an einem Datum, sondern am ersten Vollmond nach Frühlingsanfan, zumindest meistens. Und der Mond lässt sich nicht so einfach in eine Regel zwingen. Über die Osterformel schrieb ich in
Wieso ist Ostern manchmal so früh, und manchmal so spät.
Und ja, ich schrieb oben, dass es meistens sich mit dem Frühlingsvollmond so verhält.
Über diese Ausnahme, dass eben nicht immer, schrieb ich in
Fällt Ostern 2019 aus?

Und Kinder, wie die Zeit vergeht. Exakt vor zwei Jahren, 2020 fiel der Vollmond auf Halloween. Wann das wieder stattfindet, gehorcht einer alten griechischen Regel, dem Meto-Zyklus. Solch ein Ereignis dürfen wir alle 19 Jahre erwarten. Auf diesen kam ich erstmals 2015. Dort fielen Vollmond und Heilig Abend zusammen.
Über diese Regelmäßigkeit schrieb ich zu Halloween 2020 in
Der Vollmond an Halloween 2020

Auch Sonnen- und Mondfinsternisse gehorchen gewissen Zyklen, z. B. dem Saros-Zyklus. Aber der ist sehr komplex. Wir werden vermutlich etwas näher im Rahmen unserer Serie über erhellende Finsternisse darauf eingehen; müssen.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Und wer jetzt glaubt, unsere heute gefundene Regelmäßigkeit mit den 28 Jahren hätte keine Ausnahme, der irrt.
Es gibt im gregorianischen Kalender die Jahrhundert-Regel:

Ist die Jahreszahl durch vier teilbar, aber nicht durch 100, ist es ein Schaltjahr, wie z. B. das bevorstehende 2024.
Ist die Jahreszahl durch 100 teilbar, aber nicht durch 400, ist es kein Schaltjahr. 2100 wird kein Schaltjahr sein.

Vor dem Wissen kommt stets das Staunen

So, nun aber genug der Verwirrung.
Ich weiß ja nicht, wie es euch geht. So einfach und logisch das jetzt auch sein mag. Ich fand es einfach schön, es herausgefunden zu haben und saß staunend davor.
Dass ich nun Kunde davon habe, wie das funktioniert, schmälert dieses himmelsmechanische Wunder keineswegs.

Ein starkes Team für Inklusion


Seid herzlich gegrüßt,

ihr kennt das ja von mir, dass es hier nicht immer und zwangsläufig um Astronomie gehen muss. Ein großes Thema ist für mich die Inklusion. Es gibt sogar eine eigene Kategorie auf dem Blog dafür, wo nur die Themen angezeigt werden, welche sich mit inklusiven Inhalten beschäftigen. So auch heute.

Gestern, am 18.09.2022 fand endlich mal wieder nach drei Jahren im Rahmen des Baden-Marathon ein Inklusionslauf statt. Dort konnten sich Menschen mit unterschiedlichsten Einschränkungen und Beeinträchtigungen mit ihren Begleitpersonen als Team anmelden. Das tat ich dann auch gemeinsam mit meiner sehenden Kollegin. Wir beteiligten uns schon einmal 2018 an diesem Lauf. 2019 konnten wir nicht, und dann kam die Pandemie. Über den Lauf von 2018 schrieb ich in Inklusion hautnah erleben.
Und so traten wir beide mit neuem Namen und von meiner Kollegin präparierten T-shirts an.

Altes Team mit neuem Namen

Ich erwähnte ja schon an anderer Stelle, dass unser Institut, das früher Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS) hieß, sich Anfang 2022 den Namen ACCESS@KIT gegeben hat, weil der die inklusiven Arbeitsfelder, die wir mittlerweile abdecken deutlich besser widerspiegelt. Längst sind wir über die Unterstützung von Studierenden mit Sehbeeinträchtigung hinaus gewachsen und außerdem war das Wort „Sehgeschädigt“ sprachlich absolut nicht mehr vertretbar. Man wird ja nicht durch „sehen“ geschädigt, nicht war?
Aber zurück zum Lauf.

Vor dem Start

Es fanden sich gegen 13 Uhr 94 Laufteams zum Start am Schlossplatz Karlsruhe ein. Die waren so unterschiedlich und divers, dass es nicht inklusiver sein konnte.

Vor dem Start

zahlreiche Einrichtungen für Menschen mit Einschränkungen, wie z. B. die Lebenshilfe, die Reha-Südwest und die Caritas, aber auch z. B. die Schule für Menschen mit Sehbeeinträchtigung, ein Verein der „Rollikits“ heißt, Regenbogen und viele andere,
wollten diesen sechs Kilometer langen Lauf nicht gegeneinander, sondern Miteinander und füreinander bewältigen.
Ob im Rollstuhl, im Liegerad, mit Prothesen, Stöcken oder anderer Einschränkung, war der Weg das Ziel.

Als wir gemeinsam am Startplatz eintrafen, schlug uns sofort eine unglaubliche Stimmung und Fröhlichkeit entgegen.
Einige der Teams wurden über Lautsprecher vorgestellt. Da wurde unmittelbar wieder klar, wie viel Diversität unsere Gesellschaft zu bieten hat. Ich bin immer wieder erstaunt ob der Anzahl an Organisationen und Einrichtungen, die es alleine nur in Karlsruhe für Menschen mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen gibt.
Aber nicht nur Menschen mit Einschränkungen waren zu sehen. Sowohl beim Marathon, als auch beim Inklusionslauf konnte man andere Sprachen hören und Menschen mit anderer Hautfarbe wahrnehmen. Gerade für Migranten und Flüchtlinge sind solche Veranstaltungen eine ideale Chance der Inklusion, weil sie sprachliche,soziale und ethnische Benachteiligungen überwinden helfen.

Hintergrund

Und diesmal stand der lauf ganz im Zeichen der Pandemie und möglicherweise auch des unsäglichen Krieges in Europa.
Überall konnte man Erleichterung hören, dass nun endlich mal wieder so ein Lauf möglich sei. Sätze wie

„Seit über zwei Jahren konnte ich nicht mehr trainieren“,
„Endlich komme ich mal wieder unter Leute“,
„Ich bin fast durchgedreht vor Einsamkeit und weil ich so eingesperrt war“

habe ich am Startplatz von allen Seiten vernommen.
Endlos könnte ich hier fortfahren. Wenn alle Welt z. B. im Sommer 2020 von „Lockerungen“ sprach und glaubte, man dürfe jetzt wieder alles machen, dann war das und ist es noch immer für viele Menschen mit Beeinträchtigung nicht der Fall.
Viele leben in Einrichtungen, wo sie versorgt werden. Man durfte sich nicht besuchen. So war beispielsweise an ein Weihnachtsfest 2020 überhaupt nicht und 2021 nur sehr eingeschränkt zu denken.
Viele gehören zur Risikogruppe, so dass sie sich ganz besonders schützen und isolieren mussten, und teilweise noch immer müssen.
Man kann von beschützenden Werkstätten für Menschen mit Behinderung halten, was man will. Es gibt an diesem System in der Tat sehr viel zu kritisieren, was wir aber heute nicht tun werden.
Vielen Menschen gibt so eine Einrichtung oft die einzige Tagesstruktur, die sie haben. Sie gehen gerne dort hin. Sie treffen andere Menschen und können ihre Bedarfe leben. Viele Monate waren diese Werkstätten komplett geschlossen. Wie erklärt man einem Menschen mit einer geistigen Behinderung,

  • wieso es jetzt erst mal lange Zeit nicht zur Arbeit geht,
  • wieso wir eben die Oma nicht mehr besuchen,
  • wieso die Sportgruppe ausfällt
  • und wieso es keinen Nachmittag mit Kaffee und Kuchen mehr gibt.

Wenn der Geist das nicht erfassen kann, dann erfährt die Seele derlei um so direkter. Häufig funktioniert ja auch der Rückkanal nicht, so dass die betroffenen Menschen ihren Schmerz nicht teilen können.
Andere von uns wurden diskriminiert.

  • Keine Haushaltshilfe mehr, weil sie zur Risikogruppe gehört,
  • keine Einkaufshilfe im Laden,
  • Probleme mit dem Abstandhalten,
  • monate langes Homeoffice

betrafen andere, die vielleicht noch mobiler und selbstständiger ihr Leben gestalten können.
Vor diesen Hintergründen und Schicksalen muss man diesen Lauf sehen.
Ich schrieb über meine persönliche Situation in meinem Corona-Report. Aber genug davon. Jetzt wird gelaufen.

Der Lauf

Was für eine Befreiung. Welche Freude und welche Wärme uns da gestern sofort wieder entgegenschlug, war, und das meine ich genau so, wenn es vielleicht auch etwas kitschig klingen mag, zum weinen schön.
Ich war freudig gerührt, und meiner sehenden Kolleging ging es ebenso.
Endlich fiel der Startschuss und es ging los.
Wir hatten uns, wenn überhaupt, zum Ziel gesetzt, unter eine Stunde zu kommen.
Das erreichten wir schließlich auch.
Die Stimmung auf der ganzen Strecke war großartig. Immer wieder gab es Schausteller und Gruppen, die mit Trommeln, Musik und Applaus einen wieder anfeuerten, oder mit frischen Getränken willkommene Stärkungen darreichten.
Der Sports- und Kampfgeist wehte überall.
Für viele Teilnehmende mit vor allem geistigen Beeinträchtigungen ist so ein Lauf oft eine von sehr wenigen Gelegenheiten des Jahres, mal aus der Tristesse des Alltages zwischen Wohnheim und beschützender Werkstatt, auszubrechen, sich und ihren Körper anders zu erleben und das Gefühl eines Erfolges zu verspüren.
Da wird ungefiltert vor Freude gelacht, gejauchzt, geschrien und umarmt. Da werden im Überschwang von Freudenausbrüchen Sprints hingelegt, welche die Begleitpersonen ohne Einschränkung verzweifelt mit flehendem Blick zurücklassen, er oder sie möge bald vor Erschöpfung wieder langsamer werden.
Nicht sichtbar sind im Alltag die sehr zahlreichen “unsichtbaren” Beeinträchtigungen, die Betroffene nicht minder einschränken können. So sind beispielsweise psychische Beeinträchtigungen oft nicht wahrnehmbar, und ermangeln häufig gesellschaftlicher Toleranz und Akzeptanz. Auch diesen Grupierungen bietet so ein Lauf die Chance für den Schritt in die Öffentlichkeit.
Meine Kollegin und ich waren durch ein etwa 20 cm langes Seil verbunden, das an den Enden Holzgriffe hatte, von denen jeder von uns einen in der Hand hielt.
Das ermöglicht zum einen Armfreiheit für beide Läufer und zum anderen kann die sehende Begleitperson durch Zug am Seil Richtungsinformationen geben.
Wir hielten über die ganzen sechs Kilometer ein recht strammes Tempo durch und sparten Kraft, indem wir nur dort kleinere Sprints hinlegten, wo man befürchten musste, fotografiert oder gefilmt zu werden, oder, wo besonders häftig applaudiert wurde, und die Stimmung super war.
Und so kamen wir dann mit erreichtem Vorsatz, nach einer Zeit von 51 Minuten und 19,8 Sekunden im Ziel an.

Fazit

Eines ist sicher. Dieser Lauf dürfte für viele Menschen mal wieder einer der glücklichsten Momente ihres Lebens gewesen sein, denn sie in den letzten Jahren erleben durften.

Hier wurden Leistungen und persönliche Rekorde und Erfolge erzielt, die einem lange durch den nicht immer einfachen Alltag tragen.

Für meine Kollegin und mich hat es sich sehr gelohnt, bei diesem Inklusionslauf mitzumachen. Derlei Veranstaltungen sollte es öfter geben, damit vor allem diejenigen Mitmenschen, die wegen einer sozialen, gesellschaftlichen, körperlichen oder seelischen Einschränkung in Werkstätten, Kliniken, Wohnheimen oder sonst wo versteckt leben müssen, stärker ins Bewusstsein rücken. Es geht hier weniger um diejenigen Menschen mit Einschränkung, die heldenhaftes leisten, sondern um die Antihelden in dieser Gesellschaft, die hier durch so einen Lauf Gemeinsamkeit, Wertschätzung und Zugehörigkeit erleben können.
Außerdem setzt so eine Veranstaltung Zeichen gegen Faschismus, Ausländerhass etc.
Wir sind mehr und wir wollen Inklusion,

Diversität und Inklusion bereichert unser Leben in allen Belangen. Und sind wir mal ehrlich. Jeder von uns hat doch irgendwo eine Beeinträchtigung. Wenn wir das kapierren, wenn wir hier den Schalter im Kopf umlegen, dann haben wir verstanden, worum es bei all dem geht.