Temperaturgeschichten


Meine lieben,

was bleibt dem Sternenonkel, als aus der Not eine Tugend zu machen. Es ist brüllend heiß draußen im ganzen Land.
Lasst uns also heute mal etwas auf die Geschichte der Temperaturmessung blicken.

Prolog

Wer heute wissen möchte, ob es draußen warm oder kalt ist, schaut auf das Smartphone, den Wetterbericht oder vielleicht noch auf ein klassisches Thermometer. Die Temperatur wird in Grad Celsius angegeben, und niemand denkt groß darüber nach, warum Wasser bei 0 Grad gefriert und bei 100 Grad kocht. Doch bis wir zu dieser scheinbar selbstverständlichen Skala gelangten, war es ein langer Weg.

Die ersten Anfänge

Schon früh bemerkten Menschen, dass sich Stoffe bei Wärme ausdehnen und bei Kälte zusammenziehen.
Die Vorläufer unserer heutigen Thermometer nannte man Thermoskope. Sie konnten zwar anzeigen, ob es wärmer oder kälter wurde, besaßen aber noch keine Skala mit Zahlenwerten.

Ein typisches Thermoskop des 17. Jahrhunderts bestand aus einer Glaskugel, an die ein langes, dünnes Glasröhrchen angeschmolzen war. Die Kugel wurde zunächst erwärmt, sodass sich die Luft darin ausdehnte und ein Teil aus dem Röhrchen entwich. Anschließend tauchte man das offene Ende des Röhrchens in ein Gefäß mit Wasser.

Kühlte die Luft in der Glaskugel nun ab, zog sie sich zusammen. Dadurch entstand ein leichter Unterdruck, und das Wasser stieg im Röhrchen nach oben. Erwärmte sich die Luft wieder, dehnte sie sich aus und drückte das Wasser nach unten.
Das Gerät zeigte also Veränderungen der Temperatur durch den wechselnden Wasserstand an. Allerdings hatte es einen entscheidenden Nachteil. Es reagierte nicht nur auf die Temperatur, sondern auch auf Änderungen des Luftdrucks. Wenn sich das Wetter änderte, konnte sich der Wasserstand ebenfalls verändern, obwohl die Temperatur gleich geblieben war.
Erst als man später geschlossene Thermometer entwickelte, die mit Alkohol oder Quecksilber gefüllt waren und eine feste Skala erhielten, wurde eine wirklich zuverlässige Temperaturmessung möglich.

Mit den ersten Termoskopen war es ein bisschen so, wie mit Astronomie mit bloßem Auge: Man konnte Veränderungen beobachten, aber noch nicht präzise messen.

Die erste Skala

Einer der ersten, der Ordnung in das Temperaturchaos bringen wollte, war der deutsche Physiker Daniel Gabriel Fahrenheit. Anfang des 18. Jahrhunderts entwickelte er ein Quecksilberthermometer und führte eine Temperaturskala ein, die bis heute vor allem in den USA verwendet wird.
Quecksilberthermometer lassen sich besser ablesen, als Wasserthermometer, weil es sich mehr ausdehnt.

Warum Wasser bei Fahrenheit bei 32 Grad gefriert und bei 212 Grad siedet, wirkt auf uns heute etwas merkwürdig. Tatsächlich orientierte sich Fahrenheit an verschiedenen Referenzpunkten, unter anderem an einer besonders kalten Salzlösung. Aus heutiger Sicht erscheint die Skala etwas exotisch, doch sie hatte einen entscheidenden Vorteil. Sie war für die damalige Zeit erstaunlich präzise.

Das französische Thermometer

Fast zeitgleich entwickelte der französische Naturforscher René Antoine Ferchault de Réaumur seine eigene Skala. Bei ihm lag der Gefrierpunkt des Wassers bei 0 Grad und der Siedepunkt bei 80 Grad. In Teilen Europas war die Réaumur-Skala lange Zeit verbreitet. Heute begegnet sie uns nur noch selten, etwa wenn in alten Kochbüchern oder historischen Dokumenten Temperaturen angegeben werden.

Er verwendete kein Quecksilber, sondern Alkohol als Thermometerflüssigkeit. Alkohol dehnt sich bei Erwärmung stärker aus als Quecksilber, was die Messung erleichterte. Réaumur definierte zunächst den Gefrierpunkt des Wassers als 0°. Anschließend untersuchte er, um wie viel sich ein bestimmtes Volumen Alkohol zwischen Gefrier- und Siedepunkt des Wassers ausdehnte.
Dabei stellte er fest, dass sich das Volumen ungefähr um 8 % vergrößerte.

Jeder Grad Réaumur entsprach also einer Volumenänderung von einem Tausendstel des ursprünglichen Alkoholvolumens.
Mathematisch war das recht elegant:
* Ausgangsvolumen: 1000 Einheiten
* Volumenzunahme bis zum Siedepunkt: etwa 80 Einheiten
* daher: 80 Grad zwischen Gefrier- und Siedepunkt

Die Zahl 80 ergab sich also unmittelbar aus den Eigenschaften seines Thermometers und war nicht primär als allgemeine Temperaturskala gedacht. Erst später wurde daraus eine standardisierte Skala.

Interessanterweise war Réaumurs Skala für die damalige Zeit durchaus praktisch. Die Einteilung in 80 Grade ließ sich leicht halbieren, vierteln oder achteln. Viele Handwerker, Brauer und Käser arbeiteten noch lange mit Réaumur-Angaben. Deshalb begegnet man ihr gelegentlich heute noch in historischen Rezepten oder alten naturwissenschaftlichen Texten.

Für deinen Artikel wäre vielleicht sogar eine kleine Pointe möglich:

> Während Celsius mit einer schön runden Hunderterskala punktete und Kelvin die tiefstmögliche Temperatur suchte, orientierte sich Réaumur ganz pragmatisch an seinem Alkoholthermometer. Seine 80 Grade waren weniger das Ergebnis einer tiefen Naturphilosophie als vielmehr einer geschickten Laborentscheidung.

Das trifft den historischen Sachverhalt ziemlich gut.

Was sich durchsetzte

Den größten Erfolg hatte jedoch eine Skala, die ursprünglich gar nicht Celsius-Skala hieß. Der schwedische Astronom Anders Celsius veröffentlichte 1742 eine Einteilung, bei der Wasser bei 100 Grad gefror und bei 0 Grad kochte. Ja, genau andersherum als heute.

Erst nach seinem Tod wurde die Skala umgedreht. Nun lag der Gefrierpunkt bei 0 Grad und der Siedepunkt bei 100 Grad. Das erwies sich als deutlich intuitiver und setzte sich schließlich weltweit durch. Für Astronomen und Naturwissenschaftler war das ein großer Fortschritt, denn nun konnten Messungen einfacher verglichen werden.

Doch selbst die Celsius-Skala hat einen Nachteil: Sie beginnt nicht bei der tiefstmöglichen Temperatur.
Und dann hängt die Temperatur, bei der Wasser kocht, vom Luftdruck ab. Auf dem Everest kocht Wasser schon bei 80 Grad oder so.

Die absolute

Im 19. Jahrhundert beschäftigte sich der britische Physiker William Thomson, besser bekannt als Lord Kelvin, mit den Grundlagen der Thermodynamik. Er erkannte, dass es eine absolute Temperaturgrenze geben muss, bei der die Bewegung der Teilchen ihr Minimum erreicht.
Dieser Punkt liegt bei minus 273,15 Grad Celsius. Kelvin machte daraus den Nullpunkt seiner Skala. Ein Kelvin hat dieselbe Größe wie ein Grad Celsius, nur der Ausgangspunkt ist ein anderer. Deshalb entsprechen 0 Grad Celsius genau 273,15 Kelvin.

Das ist eine sehr schöne Geschichte, weil Kelvin seine Skala zunächst gar nicht über Atome oder Quantenphysik herleitete. Die gab es damals noch nicht.
Er betrachtete die Ausdehnung von Gasen. Schon im frühen 19. Jahrhundert hatten Forscher wie Jacques Charles und Joseph Louis Gay-Lussac festgestellt, dass sich Gase bei Erwärmung nahezu linear ausdehnen.

Vereinfacht gesagt: Erhöht man die Temperatur eines Gases um 1 °C, nimmt sein Volumen immer um etwa denselben Bruchteil zu.
Stellt man sich nun ein Gas mit einem Volumen von 100 Litern bei 0 °C vor, dann hätte es bei 100 °C ungefähr 136,6 Liter. Zeichnet man diese Beziehung in ein Diagramm und verlängert die Gerade nach unten, gelangt man zu einem bemerkenswerten Punkt: Das Volumen würde bei etwa −273 °C auf Null schrumpfen.
Natürlich kann ein reales Gas nicht tatsächlich auf Nullvolumen zusammengedrückt werden. Lange vorher wird es flüssig oder fest. Dennoch deutete die Extrapolation auf eine fundamentale Grenze hin.

Für Kelvin war dies ein starkes Indiz, dass es eine tiefstmögliche Temperatur geben musste. Er kombinierte diese Überlegung mit den damals neuen Erkenntnissen der Thermodynamik und schlug vor, dort den Nullpunkt einer absoluten Temperaturskala anzusetzen.

Später wurde dieser Wert immer genauer bestimmt. Heute liegt der absolute Nullpunkt bei
−273,15 °C = 0 Kelvin.

Bis heute versuchen Physiker immer mehr an diesen absoluten Nullpunkt heran zu kühlen.

Wettkühlen

Hier ein Beispiel für dieses „Wettkühlen“ nacherzählt aus dem Buch „Das Weltgeheimnis von Thomas de Padova.Das gibt es bei den Blindenhörbüchereien auszuleihen.

Einer der Forscher, der sich besonders intensiv mit solchen ultrakalten Zuständen beschäftigt hat, ist der Physiker Wolfgang Ketterle. In den 1990er Jahren arbeitete er am Massachusetts Institute of Technology an sogenannten Bose-Einstein-Kondensaten – Zuständen der Materie, die nur bei extrem tiefen Temperaturen entstehen.
Die Experimente waren so empfindlich und liefen über so lange Zeiträume, dass man sie kaum „einfach laufen lassen“ konnte. Jede Störung, jede kleine Veränderung konnte das Ergebnis beeinflussen. Deshalb verbrachte Ketterle ungewöhnlich viel Zeit direkt in der Nähe seiner Apparaturen. Überliefert ist sogar, dass er sich zeitweise ein Feldbett in sein Büro stellte, um keine Messreihe zu verpassen und jederzeit reagieren zu können.

So wirkt die Jagd nach dem absoluten Nullpunkt ein wenig wie eine moderne Form der Entdeckungsreisen früherer Jahrhunderte. Nur dass man heute nicht mehr in ferne Länder aufbricht, sondern in Temperaturbereiche, die kaum noch physikalisch vorstellbar sind.
Und vielleicht zeigt gerade das etwas sehr Menschliches in der Physik. Auch dort, wo man weiß, dass man ein Ziel nie ganz erreichen kann, lohnt es sich dennoch, immer ein Stück weiterzugehen.
Das erinnert mich irgendwie an den Ereignishorizont eines schwarzen Loches.

Die letzte Frage

Temperatur, Thermometer, alles klar. Jetzt stellt sich aber zum Schluss noch die Frage, wie man die Temperatur eines Sternes misst, wo man ja kein Thermometer daran halten kann?

Die Antwort ist ebenso verblüffend wie elegant. Man misst nicht die Wärme direkt, sondern das Licht.

Jeder heiße Körper sendet elektromagnetische Strahlung aus. Je heißer er wird, desto stärker verschiebt sich die abgestrahlte Energie zu kürzeren Wellenlängen. Das kann man im Alltag beobachten. Ein Stück Eisen glüht zunächst dunkelrot, dann orange, gelb und schließlich fast weiß.
Genau diesen Effekt nutzen Astronominnen und Astronomen. Das Licht eines Sterns wird mit einem Spektrographen in seine Farben zerlegt – ähnlich wie bei einem Regenbogen. Anschließend untersucht man, bei welchen Wellenlängen der Stern besonders viel Strahlung aussendet.
Ich darf in diesem Zusammenhang an meinen Sommerartikel von vor zwei Jahren erinnern. „Die große Thermoskanne“ ging bei euch total durch die Decke.

Ein relativ kühler Stern erscheint also rötlich. Seine Oberflächentemperatur liegt oft nur bei 3.000 bis 4.000 Kelvin. Unsere Sonne strahlt gelblich-weiß und erreicht etwa 5.800 Kelvin. Besonders heiße Sterne leuchten blauweiß und können Temperaturen von 20.000, 30.000 oder sogar mehr als 50.000 Kelvin besitzen.

Die Farbe eines Sterns verrät bereits viel über seine Temperatur. Astronomen sprechen dabei von der sogenannten Schwarzkörperstrahlung. Ein idealer Schwarzkörper würde Strahlung ausschließlich aufgrund seiner Temperatur aussenden. Reale Sterne weichen zwar etwas davon ab, folgen diesem Prinzip aber erstaunlich gut.

Noch genauer wird die Temperaturbestimmung durch die Analyse der Spektrallinien. Bestimmte chemische Elemente hinterlassen charakteristische Fingerabdrücke im Licht eines Sterns. Die Stärke dieser Linien hängt unter anderem von der Temperatur ab. So können Astronomen oft auf wenige Prozent genau bestimmen, wie heiß die Oberfläche eines Sterns ist.

Natürlich misst man damit nur die Temperatur der sichtbaren Oberfläche, der sogenannten Photosphäre. Im Inneren eines Sterns herrschen ganz andere Bedingungen. Im Zentrum unserer Sonne werden etwa 15 Millionen Kelvin erreicht. Dort verschmelzen Wasserstoffkerne zu Helium, und genau diese Kernfusion liefert die Energie, die schließlich als Sonnenlicht bei uns ankommt.

Epilog

Wenn wir also nachts zu den Sternen aufblicken, sehen wir nicht nur kleine Lichtpunkte am Himmel. Wir sehen gewissermaßen riesige natürliche Thermometer. Allein aus ihrem Licht können wir herausfinden, wie heiß ihre Oberflächen sind, woraus sie bestehen und sogar, wie sie sich im Laufe ihres Lebens entwickeln werden.

Das ist vielleicht eine der schönsten Leistungen der Astronomie: Temperaturen von Objekten zu bestimmen, die so weit entfernt sind, dass wir sie niemals direkt erreichen können. Ein Thermometer braucht man dafür nicht – ein wenig Physik und das Licht der Sterne genügen.
Messen bedeutet nicht immer, etwas direkt wahrzunehmen.
Niemand hat jemals ein Thermometer in die Sonne gehalten. Niemand wird die Oberfläche eines fernen Sterns berühren oder seine Hitze mit der Hand fühlen können. Trotzdem kennen wir seine Temperatur oft erstaunlich genau. Wir beobachten, messen und interpretieren die Spuren, die er hinterlässt.

Eigentlich ist das eine Arbeitsweise, die weit über die Astronomie hinausgeht. Oft erschließen wir uns die Welt nicht durch unmittelbare Wahrnehmung, sondern indem wir Informationen sammeln und richtig deuten. Aus Licht wird eine Temperatur, aus einigen Spektrallinien die Geschichte eines Sterns.
Vielleicht fasziniert mich Astronomie deshalb so sehr. Sie zeigt, wie viel wir über Dinge erfahren können, die scheinbar unerreichbar sind.

Und so führt die Geschichte der Temperaturmessung vom Quecksilberthermometer auf der Fensterbank bis zu den Sternen am Nachthimmel. Die Werkzeuge haben sich verändert, die Neugier dahinter ist dieselbe geblieben.

Aus Licht wird eine Temperatur, aus einigen Spektrallinien die Geschichte eines Sterns.
und letztlich wird beim Sternenonkel oft eine elektromagnetische Welle zum Geräusch oder Weltraumsound.

Die Mittelalterfalle


Seid herzlich gegrüßt,

so, jetzt ist sie dann mit Fronleichnam rum, die schöne Welle der Feiertage. Aber es gibt ja dann die Sommerpause im August.
Aber genießen wir jetzt erst mal Fronleichnam.
vor einigen Jahren schrieb ich bereits einen Artikel zum Thema Fronleichnam. Von da her spare ich uns jetzt alles rund um den Feiertag. Ich werde aber den alten Inhalt teilweise nochmals aufgreifen, und was dann kommt, lasst euch überraschen.

Fangen wir in meiner Jugend an:

  • Als geborenes Mitglied der evangelischen Kirche, hatte ich zu diesem Feiertag keinen besonderen religiösen Bezug. Meine Großmutter erzählte mir nur immer, dass die evangelischen Christen auf dem einen Berge an diesem Feiertag ganz bewusst als Provokation ihre weiße Bett- und Tischwäsche wuschen und auf die Leine hängten. Das war weit hin sichtbar, bis zum katholischen Berg gegenüber. Die Katholiken taten dann dasselbe am evangelischen Buß- und Bettag im November, den es ja heute nur noch in manchen Bundesländern als evangelischen Feiertag gibt
    Nun ja. die protestantische Wäsche dürfte auf jeden Fall besser und rascher getrocknet sein, wobei die katholische im November eventuell sogar schon gefrieren konnte.
  • Mitte der 90er Jahre wohnte ich gegenüber einer katholischen Kirche. Ich genoss es, von meinem Bett aus die evangelischen Posaunenchöre zu hören, die man sich für diesen heiligen Tag ausgeliehen hatte.

Aber für viele Menschen ist Fronleichnam erst mal ein kirchliches Fest mit Prozessionen, Blumenteppichen und Monstranzen. Für mich als jemand, der sich gerne mit Wissenschaft beschäftigt, ist es aber auch ein Anlass, über eine spannende Geschichte nachzudenken, die zeigt, wie Menschen mit unerklärlichen Phänomenen umgehen – damals wie heute.

Wir erinnern uns an meinen alten Fronleichnams-Artikel

Im Mittelalter kam es gelegentlich vor, dass Hostien plötzlich rote Flecken zeigten. Für die Menschen jener Zeit war das eine Sensation. Die Hostie schien zu bluten. Viele sahen darin ein Wunder, einen göttlichen Fingerzeig oder einen besonderen Beweis für die Gegenwart Christi.

Heute wissen wir: Verantwortlich dafür war mitunter ein Bakterium namens Serratia marcescens. Dieses Bakterium bildet einen roten Farbstoff und kann auf feuchten, stärkehaltigen Lebensmitteln wachsen. Das Ergebnis sieht tatsächlich verblüffend nach Blut aus.

Die Beobachtung war also echt: Die Hostie war rot verfärbt.
Die damalige Erklärung war jedoch falsch.
Noch schlimmer.
Immer wieder wurden Juden beschuldigt, Hostien geschändet zu haben. Aus solchen Legenden entstanden Verfolgungen, Vertreibungen und manchmal sogar tödliche Gewalt gegen unschuldige Menschen. Ein natürliches Phänomen wurde zu einem Vorwand für Vorurteile und Hass.

Wenn wir heute auf diese Geschichte zurückblicken, neigen wir vielleicht dazu, den Kopf zu schütteln. Wie konnten Menschen nur so etwas glauben?

Doch Vorsicht mit unserer Hybris vor dem Mittelalter.
Schauen wir lieber mal in die Gegenwart,
Denn das Grundmuster hat sich kaum verändert.

Menschen beobachten etwas Ungewöhnliches und suchen nach einer Erklärung. zum Beispiel:

  • Jemand erhält eine Impfung und wird wenige Tage später krank. Die Beobachtung ist real. Die Schlussfolgerung, die Impfung müsse die Ursache sein, ist jedoch nicht automatisch richtig.
  • Jemand sieht einen Kondensstreifen eines Flugzeuges am Himmel. Die Beobachtung stimmt. Daraus folgt aber nicht zwangsläufig, dass geheime Chemikalien versprüht werden.
  • Jemand stellt fest, dass der Horizont flach aussieht. Auch das ist eine korrekte Beobachtung. Die Erklärung, die Erde müsse deshalb eine Scheibe sein, hält einer wissenschaftlichen Überprüfung jedoch nicht stand.
    Oft unterstellt man dem Mittelalter, dass die vorherrschende Meinung war, dass die Erde eine Scheibe sei. Flacherdler gab es und gibt sie bis heute. Aber die Wissenschaft oder Meinung des Mittelalters war, dass die Erde eine Kugel ist. Das zweifelten nur ganz wenige an, wie heute auch.
    Darin war sich sogar der gute alte Aristoteles sicher, im Gegensatz zu dem, was er als Zentrum des Sonnensystems wähnte…

In allen hier aufgezeigten Beispielen liegt der entscheidende Unterschied zwischen Beobachtung und Erklärung.
Die Wissenschaft hat im Laufe der Jahrhunderte Methoden entwickelt, um genau diese beiden Dinge voneinander zu trennen. Sie fragt nicht zuerst: „Welche Erklärung gefällt mir?“, sondern: „Welche Erklärung lässt sich überprüfen?“

Das klingt selbstverständlich, ist aber eine der größten geistigen Leistungen der Menschheit.
Die Menschen im Mittelalter hatten keine Mikroskope. Sie konnten das Bakterium nicht sehen. Wir dagegen verfügen heute über Labore, Satelliten, Teleskope, Computer und riesige Datenmengen. Trotzdem sind wir nicht immun gegen vorschnelle Schlussfolgerungen.

Vielleicht liegt das daran, dass unser Gehirn Geschichten liebt. Zufälle fühlen sich unbefriedigend an. Komplexe Zusammenhänge sind anstrengend. Eine einfache Erklärung wirkt oft attraktiver als eine komplizierte.

Genau deshalb verbreiten sich Verschwörungserzählungen so erfolgreich. Sie bieten scheinbar einfache Antworten auf schwierige Fragen. Statt Unsicherheit auszuhalten, liefern sie klare Schuldige und einfache Ursachen.

Die Geschichte der blutenden Hostien erinnert uns in diesem Sinne daran, wie gefährlich das sein kann.
Ein roter Fleck auf einer Hostie war einst Anlass für Wunderglauben, Angst und Verfolgung. Jahrhunderte später stellte sich heraus, dass die Wirklichkeit viel unspektakulärer und zugleich viel faszinierender war: Ein winziges Bakterium hatte die Verfärbung verursacht.

Für mich steckt darin eine wichtige Botschaft.
Wissenschaft bedeutet nicht, alles zu wissen. Wissenschaft bedeutet, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass die erste Erklärung falsch sein könnte.

Vielleicht ist das die eigentliche Lehre aus der Geschichte der blutenden Hostien. Nicht die roten Flecken sind bemerkenswert, sondern die Frage, wie wir auf sie reagieren.

  • Suchen wir nach Beweisen oder nach Bestätigung unserer Vorurteile?
  • Sind wir bereit, unsere Meinung zu ändern, wenn neue Erkenntnisse auftauchen?
  • Oder halten wir an einer Erklärung fest, nur weil sie gut in unser Weltbild passt?

Zwischen einer blutenden Hostie des Mittelalters und mancher Verschwörungserzählung des 21. Jahrhunderts liegen viele Jahrhunderte. Doch die menschliche Neigung, Beobachtung und Interpretation zu verwechseln, ist erstaunlich zeitlos geblieben.
Die gute Nachricht lautetaber: Wir verfügen heute über Werkzeuge, die unsere Vorfahren nicht hatten. Wir können messen, vergleichen, experimentieren und überprüfen.
Nutzen müssen wir diese Werkzeuge allerdings selbst.
Vorsicht also mit der herablassenden Haltung über das Mittelalter. Durch die heutigen Medien, das Internet, Fakenews und KI haben wir viel mehr davon, was manche von uns dem sog. Mittelalter unterstellen.
Bleiben wir also in Sinne von Fronleichnam wachsam.

Pfingsten unter den Sternen – vom Gemeinsamen Himmel der Menschheit


Seid herzlich gegrüßt,
Heute möchte ich mal wieder versuchen, ein kirchliches Fest mit Astronomie zu finden. Wollen wir doch mal sehen, ob das mit Pfingsten funktioniert.

Pfingsten erzählt eine der eindrucksvollsten Geschichten der Bibel.
Die Jünger sitzen mit vielen Menschen im Tempel zusammen und predigen die neue Botschaft. Jesus ist schon gen Himmel gefahren und ist nicht mehr unter ihnen.

Und dann passiert es, dass plötzlich ein gewaltiger Sturm aufkommt. Feuerzungen erscheinen über den Köpfender versammelten Nenschen, und etwas verändert sich grundlegend:
Aus Unsicherheit wird Mut.
Aus Schweigen wird Sprache.
Aus einzelnen Menschen wird Gemeinschaft.
Die biblische Erzählung berichtet, dass Menschen unterschiedlichster Herkunft die Worte der Jünger plötzlich in ihrer eigenen Sprache verstanden.
Pfingsten wurde damit zum Fest der Verständigung und der Verbindung zwischen Menschen.
Und genau hier beginnt auch eine erstaunlich schöne Verbindung zur Astronomie.

Denn lange bevor Menschen dieselben Worte sprachen, teilten sie bereits denselben Himmel.
Pfingsten selbst trägt die Astronomie noch heute in sich,
denn der Termin dieses Festes entsteht nicht zufällig im Kalender.
Pfingsten liegt fünfzig Tage nach Ostern. Und Ostern wiederum richtet sich nach einem uralten Zusammenspiel von Sonne und Mond:
Dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn.

Damit erinnern uns selbst unsere Feiertage daran, dass der Mensch seit Jahrtausenden zum Himmel blickt, um seinen Platz in der Zeit zu finden.
Bevor es Kalender gab, gab es Mondphasen.
Bevor es Uhren gab, gab es Sonnenaufgänge.
Bevor Menschen Grenzen zogen, standen sie nachts unter denselben Sternen.
In diesem Sinne ist Der Himmel die erste gemeinsame Sprache der Menschheit.
Und wenn schon nicht genau sprache, so doch ein verbindendes Element nachdem man sein Leben und seine Feste ausrichtete.
Die Menschen in Babylon sahen denselben Mond wie die Menschen in China.
Über Afrika spannte sich dieselbe Milchstraße wie über Europa.
Kinder blickten vor tausenden Jahren in denselben Sternenhimmel wie wir heute.
Sie gaben den Sternen andere Namen.
Sie erzählten andere Geschichten.
Und doch verband sie etwas Gemeinsames:
Das Staunen.

Die Astronomie gehört damit zu den wenigen Erfahrungen, die Menschen aller Kulturen und Zeiten miteinander teilen.

In der Pfingstgeschichte erscheinen Feuerzungen und ein mächtiger Wind.
Auch der Kosmos kennt solche Bilder.
Auf der Sonne steigen gewaltige Bögen aus glühendem Plasma empor, größer als unsere Erde.
Teilchenströme rasen z. B. in Form unseres Sonnenwindes durch das Sonnensystem.
Und wenn sie auf das Magnetfeld unserer Welt treffen, beginnt der Himmel zu leuchten.
Polarlichter, Flackernde Schleier aus Licht,
Grüne Feuer am Nachthimmel.
Wunderschön zeigen sich Protuberanzen wie Feuerzungen am Mondrand, wenn der gerade unsere Sonne verfinstert.
Früher deuteten Menschen solche Erscheinungen als Zeichen der Götter oder des Himmels.
Heute verstehen wir ihre physikalischen Ursachen.
Das tut aber der Schönheit der Phänomene keinen Abbruch.
Im Gegenteil:

Je mehr wir über Sterne, Galaxien und kosmische Kräfte erfahren, desto größer wird oft unsere Ehrfurcht vor der Wirklichkeit des Universums.
Die Astronomie erzählt uns auch von unsichtbaren und geisterhaften Kräften und Teilchen.
Von Gravitation, die niemand sehen kann und die dennoch Sterne und Galaxien zusammenhält.
Von Dunkler Materie, die wir nicht direkt wahrnehmen und deren Wirkung dennoch überall beobachtbar ist.
Von Magnetfeldern, Teilchenströmen und kosmischer Hintergrundstrahlung.
Das Unsichtbare prägt das Universum stärker als vieles, was wir unmittelbar sehen können.

Christen glauben an die Kraft des heiligen Geistes, der zu Pfingsten ausgegossen wurde. In Starwars werden ähnliche Kräfte mit „Der Macht“ bezeichnet.
Viele Science Fictions sind voller unsichtbarer Kräfte und strotzen vor religiöser Symbolik

Doch die Astronomie verbindet Menschen nicht nur durch den Blick zu den Sternen.
Sie tut es auch ganz konkret hier auf der Erde.
Kaum ein Symbol zeigt das deutlicher als die Raumfahrt.
Als Menschen begannen, den Weltraum zu erforschen, war dies zunächst stark vom Kalten Krieg geprägt. Raketen entstanden aus militärischer Technik, und Nationen konkurrierten darum, zuerst den Mond zu erreichen. Solch ein Wettlauf zum Mond erleben wir heute wieder.

Aber trotzdem. Heute arbeiten Menschen unterschiedlichster Nationen gemeinsam im All.
Astronautinnen und Astronauten verschiedener Kulturen leben und forschen Seite an Seite.
Sie teilen Verantwortung, Wissen und Vertrauen unabhängig der sonstigen Diferenzen zwischen den Nationen.
Besonders eindrucksvoll zeigt das die Internationale Raumstation.
Die ISS umkreist die Erde alle etwa neunzig Minuten.
Dort oben gibt es keine sichtbaren Landesgrenzen.
Kein Mensch kann vom All aus erkennen, wo Nationen beginnen oder enden.

Viele Astronautinnen und Astronauten berichten nach ihrer Rückkehr von einem tiefgreifenden Erlebnis:
dem sogenannten „Overview Effect“.
Der Blick auf die Erde verändert das Denken.
Unser Planet erscheint plötzlich nicht mehr als Sammlung von Staaten, Konflikten und Grenzen, sondern als zerbrechliche gemeinsame Welt inmitten der Dunkelheit des Kosmos.
Eine kleine blaue Insel des Lebens.
Gerade darin liegt eine der stärksten Botschaften der Raumfahrt:
Wer gemeinsam zu den Sternen aufbricht, erkennt leichter, was Menschen verbindet statt trennt.
Wer unter einem klaren Sternenhimmel steht, begreift unmittelbar, warum Menschen seit Jahrtausenden den Himmel nicht nur als Ansammlung von Lichtpunkten betrachteten.
Der Himmel verändert unseren Blick auf uns selbst.
Er erinnert uns daran, wie klein die Erde im kosmischen Maßstab ist, und gleichzeitig , wie kostbar dieses kleine gemeinsame Zuhause ist.

Was mich an dieser Pfingstgeschichte auch fasziniert ist, dass es im alten Testament quasi das Gegenstück dazu gibt. Ich meine die Geschichte vom Turmbau zu Babel. dort sickt sich die Menschheit an, das technisch unmögliche zu schaffen. Sie will einen Turm, ein technisches Wunder erschaffen, der bis zum Himmel reichen soll. Und Gott vereitelt diesen Plan, indem er durch seinen Geist erreicht, dass niemand mehr die Sprache des anderen versteht. So kann diese Baustelle also nicht durchgeführt werden. Bei den heutigen technischen Möglichkeiten, und was wir damit erreicht haben und noch erreichen wollen, wächst die Zwietracht und wir verstehen einander nicht mehr. Das fühlt sich für mich fast wie dieser Turmbau an.
Ich bin aber davon überzeugt, dass
Ohne ein großes Pfingstwunder der Verständigung und vereinigung der Menschheit, werden wir die Probleme hier auf Erden wahrscheinlich nicht lösen. Und so richtig im Weltraum wird es, wenn wir weiterhin entzweit sind, wohl auch nicht weiter gehen, weil keine Nation, sei sie noch so groß, die Eroberung des Weltalls alleine meistern kann.

Feiern wir also in diesem Sinne Pfingsten.

Sterne für Alle – Astronomie und die Arbeiterbewegung


Seid herzlich gegrüßt.

Am Tag der Arbeit, wenn weltweit Menschen für bessere Lebensbedingungen, Gerechtigkeit und Teilhabe eintreten, richtet sich der Blick meist auf Fabriken, Straßen und politische Forderungen. Doch es lohnt sich, den Blick ein Stück weiter zu heben – hinauf zum Himmel.
Denn auch die Astronomie erzählt eine Geschichte von Teilhabe. Eine Geschichte davon, wie Wissen seinen Weg aus elitären Zirkeln hinaus in die Hände vieler fand. Eine Geschichte, die überraschend gut zum 1. Mai passt.

Der Himmel gehört nicht nur den Reichen

Noch im 19. Jahrhundert war Astronomie ein Privileg. Große Teleskope standen in den Gärten von Fürsten, Universitäten oder wohlhabenden Privatgelehrten. Wer in den Himmel schauen wollte, brauchte Zugang und der war streng begrenzt.
Mit der entstehenden Arbeiterbewegung änderte sich das langsam.
Arbeiterbildungsvereine begannen, Vorträge über Naturwissenschaften anzubieten. Nicht nur über Maschinen oder Chemie, sondern auch über die Sterne. Der Himmel wurde zu einem Ort der Bildung, und Bildung wiederum zu einem Mittel der Befreiung.
Beispiele hierfür sind
der Leipziger Arbeiterbildungsverein

  • Einer der frühesten und einflussreichsten Vereine (gegründet 1848).
  • bot Vorträge über Naturwissenschaften, Politik und Technik
  • organisierte Bibliotheken für Arbeiter
  • Astronomie war Teil der „populären Wissenschaften“, die bewusst niedrigschwellig vermittelt wurden

Gerade hier wurde der Gedanke geprägt: Bildung ist kein Luxus, sondern ein Recht.
Ein weiteres Beispiel ist
der Berliner Arbeiterbildungsverein

  • enge Verbindung zu frühen sozialdemokratischen Strukturen
  • Vorträge über „Weltbilder“ – oft mit astronomischen Inhalten
  • Diskussionen über das heliozentrische Weltbild als Symbol für wissenschaftliches Denken

Astronomie war hier nicht nur Wissen, sondern auch ein Gegenentwurf zu religiösen oder autoritären Weltbildern.
In diesem Zusammenhang entstanden auch viele Volkssternwarten.
Ein besonders schönes Beispiel ist die Archenhold-Sternwarte in Berlin. Sie wurde bewusst als Volkssternwarte konzipiert. Kein abgeschotteter Elfenbeinturm, sondern ein Ort, an dem jeder Mensch durch ein Fernrohr schauen konnte.
Der Gedanke dahinter war radikal einfach:
Wissen gehört allen. Auch der Blick ins All.

Ohne Arbeiter keine Sterne

Astronomie wirkt oft wie eine stille Wissenschaft; ein Mensch, ein Teleskop, ein weiter Himmel. Doch dieser Eindruck täuscht.
Hinter jedem Blick durch ein Fernrohr steckt Arbeit:

  • geschliffene Linsen und Spiegel
  • feinmechanische Montierungen
  • präzise Uhren zur Zeitmessung
  • Infrastruktur wie Eisenbahn und Telegrafie

All das entstand durch die Hände von Arbeitern, Technikern und Handwerkern.
Doch selbst innerhalb dieser „unsichtbaren Arbeit“ gab es Ungleichheiten – und gibt sie zum Teil bis heute.

Unsichtbare Arbeiterinnen des Himmels

Ein oft übersehener Teil der Astronomiegeschichte sind die Frauen, die wesentlich zur Entwicklung der Wissenschaft beigetragen haben und dennoch lange im Schatten standen.
Ihr wisst, dass ich ihnen auf dem Blog eine ganze Kategorie und einen ganzen Adventskalender widmete.
Ende des 19. Jahrhunderts arbeiteten beispielsweise am Harvard-Observatorium zahlreiche Frauen als sogenannte „Computer“. Eine von ihnen war Annie Jump Cannon, die maßgeblich an der heute noch verwendeten Klassifikation von Sternspektren beteiligt war.
eine weitere, Henrietta Swan Leavitt, entdeckte die Beziehung zwischen der Helligkeit und der Periodendauer von Cepheiden – eine Grundlage für die Entfernungsbestimmung im Universum.
Und doch wurden diese Frauen schlechter bezahlt, hatten weniger Anerkennung und oft keinen Zugang zu Teleskopen. Sie analysierten Daten, während andere die Beobachtungen durchführten und den Ruhm erhielten.

Noch in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts zeigte Susan Jocelyn Bell Burnel, dass diese Muster von Ungleichheiten bis heute noch nicht überwunden sind.
Sie entdeckte die ersten Pulsare, doch der Nobelpreis ging an ihren Doktorvater.
Und vergessen wir bitte nicht: Ohne die sog. Rechnerinnen wären wir niemals zum Mond gekommen.
Diese Geschichten sind keine Randerscheinungen in der Wissenschaft. Sie zeigen:

  • Auch in der Wissenschaft gab und gibt es eine Art Arbeiterklasse – und viele von ihnen sind Frauen.
  • Bis heute sind Frauen in Astronomie und anderen Wissenschaften unterrepräsentiert, insbesondere in Führungspositionen.
  • Strukturelle Hürden, ungleiche Bezahlung und fehlende Sichtbarkeit wirken nach.

Der 1. Mai erinnert deshalb nicht nur an Fabrikarbeiter – sondern auch an all jene, die im Hintergrund arbeiten, rechnen, auswerten und entdecken, ohne die Anerkennung zu bekommen, die sie verdienen.

Unter demselben Himmel

Wer in den Nachthimmel schaut, sieht keine Grenzen, Keine Länder, Keine Klassen, Keine Unterschiede zwischen Arm und Reich.
Diese Perspektive erinnert an das, was später unter dem Begriff Pale Blue Dot bekannt wurde: die Erde als winziger, zerbrechlicher Punkt im Kosmos.

Für die Arbeiterbewegung, die von Anfang an internationale Ideen trug, war das kein fremder Gedanke. Menschen in verschiedenen Ländern kämpfen vielleicht unter unterschiedlichen Bedingungen, aber sie leben unter demselben Himmel.

Sogar Denker wie Karl Liebknecht betonten, dass Bildung der Schlüssel zur Freiheit sei. Und zur Bildung gehörte immer auch das Verständnis der Natur – und damit des Universums.
Der Blick ins All kann also etwas lehren, das über Physik hinausgeht:
Er macht uns bescheidener – und gleichzeitig verbundener.

Vom Arbeiter zum Kosmonauten

In der damaligen Sowjetunion wurde die Raumfahrt bewusst als kollektive Leistung inszeniert. Nicht das Genie allein, sondern das Zusammenspiel vieler sollte den Weg ins All ermöglichen.
Als Juri Gagarin 1961 als erster Mensch die Erde umrundete, wurde er nicht nur als Held gefeiert, sondern auch als Sohn einfacher Verhältnisse. Ein Arbeiterkind, das die Grenzen der Erde hinter sich ließ.
Das war mehr als Propaganda. Es verkörperte die Vision, Dass Fortschritt nicht nur wenigen gehört, sondern von vielen getragen wird, und vielen zugutekommt.

Sterne, Freiheit und Würde

Der 1. Mai erinnert uns daran, dass Würde, faire Arbeit und Teilhabe keine Selbstverständlichkeiten sind. Sie mussten erkämpft werden, und werden es noch immer.
Die Astronomie erzählt eine parallele Geschichte.
Eine Geschichte davon, wie Wissen geöffnet wurde. Wie Menschen, die einst ausgeschlossen waren, Zugang zu den Sternen bekamen. Wie der Himmel vom Symbol der Ferne zu einem Ort der gemeinsamen Neugier wurde.

Und sie erinnert uns auch daran, dass dieser Weg nicht für alle gleich verlief und bis heute nicht vollständig abgeschlossen ist.
Vielleicht liegt gerade darin eine stille Verbindung:

Während Menschen am 1. Mai für ihre Rechte eintreten, spannt sich über ihnen ein Himmel, der niemandem gehört – und gerade deshalb allen.

Mein Wunsch für den heutigen Tag der Arbeit

In diesem astronomischen Sinne wünsche ich mir, dass vor allem die Partei, der auch ich angehöre, die SPD, sich wieder mehr für ihre „Arbeiter:innen“ einsetzt, die sie in den letzten Jahren durch Vernachlässigung an andere Parteien verloren hat, die man besser nicht in einer Regierung sehen möchte.
Liebe Genossinnen und Genossen, besinnen wir uns mal wieder auf unsere Wurzeln und unsere Entstehungsgeschichte und setzen wir uns wieder für das ein, was man eine moderne Sozialdemokratie nennen kann.

Und was das Recht auf Bildung angeht, so klafft die Schere immer weiter auseinander.
Und ein Land, das über Fachkräftemangel z. B. im IT-bereich klagt, sollte sich vielleicht mal darüber Gedanken machen, ob es so schlau ist, überall die Astronomie aus den Lehrplänen zu werfen, und die Teleskope und Schulplanetarien verotten zu lassen.

Kalendergeschichten


Seid herzlich gegrüßt.
Unsere liebe Eva, die Ihr alle von ihren wunderbaren Kommentaren kennt, hat einen besonderen Spaß daran, für jeden Kalendertag Highlights im Wesentlichen aus Astronomie und Wissenschaft, heraus zu suchen.
Ihr Ergebnis schickt sie mir dann immer, und wir tauschen uns darüber aus.
Das ist manchmal viel zu lesen, aber immer sehr spannend. Andererseits ist es aber zu wertvoll, als dass nur ich diese Ernte habe, und ihr habt nichts von dieser geistigen Nahrung.
Also geht es darum, einen Kompromiss zu finden, der euch nicht überlastet und der noch schön zu lesen ist. Eine Auflistung von Ereignissen wäre ja auch nicht zielführend. So war Geschichtsunterricht früher in der Schule, leider..
Es ist ja auch so, dass nicht alle vermeintlichen Ereignisse, die irgendwann mal zu einem gleichen Datum stattgefunden haben, zusammen passen, ohne dass ihre Gemeinsamkeit an den Haaren herbeigezogen wirkt.
Lasst Eva und mich heute mal einen Testballon steigen, in welchem wir aus einigen Ereignissen der beiden April-Wochen, eine Geschichte machen.
Eine etwas ungewöhnliche Leseerfahrung mag hierbei für manche sein, dass wir manchmal im Kalender vor und zurück springen.
Würden wir uns an die Reihenfolge der Kalenderdaten halten, dann passt die Historie nicht. Von daher gehen wir den Kompromiss ein und leben mit dieser leichten Unruhe im Lesefluss.
Vielleicht finden wir ja auch noch eine bessere Vorgehensweise.
Wenn euch das Format gefällt, würden wir das eventuell einmal im Monat anbieten.
Lasst es mich in den Kommentaren wissen. Kritik und natürlich vor allem Lob sind herzlich willkommen.
Jetzt aber genug des Vorgeplänkels.
Seit es Menschen gibt, heben sie die Augen zum Himmel, um Sterne, Sonne und Mond zu beobachten.
Das war nicht nur Spielerei. Sirius zeigte die Nilflut an, Nach dem Mond wurden Feste berechnet, und vieles mehr. Vor allem, wenn etwas nicht so am Himmel lief, wie normal, wurde es spannend, da solche Ereignisse oft mit schlimmen bevorstehenden Dingen, wie z. B. verlorene Kriege etc. in Verbindung gebracht wurden.
Wir erinnern uns. Die beiden chinesischen Hofastronomen Hi und Ho, fanden den Tod, weil sie im Suff vergaßen, eine Sonnenfinsternis vorauszusagen.
Auf jeden Fall ist für den 07.04.378 v. Chr. eine Mondfinsternis dokumentiert.
Für diesen Tag protokollierten babylonische Astronomen eine totale Mondfinsternis, die aufgrund der Angaben im Keilschrifttext genau zu datieren war. Die Mondfinsternis fiel in ein Schaltjahr des babylonischen Kalenders und begann in Babylonien am 6. April 378 v. Chr. gegen 22:00 Uhr (partielle Phase).
Auch in Mitteleuropa wurde schon 1600 Jahre vor Christus der Mond und die Plejaden beobachtet, wie wir dank der Himmelsscheibe von Nebra wissen.
Na gut. Ihr ahnt wohl schon, dass aktuelle Ereignisse den roten Faden dieses April-Artikels bilden.
Am Anfang war das Wettrennen zwischen den USA und den Soviets. Betrachten wir also die wichtigsten Meilensteine des Aprils.

Der erste Mensch im All war Juri Gagarin. 
Das war ein dramatischer erneuter Rückschlag für die USA. Immerhin hatten die Russen zu der Zeit vorher auch schon alle möglichen Lebewesen ins Weltall geschickt. Natürlich war dieser Erfolg dann auch ein gutes Propaganda-Mittel für das kommunistische System, aber das wäre für den Fall, dass die USA vorne gewesen wären, auch kaum anders gewesen. Auf jeden Fall kann man sagen, dass extrem hoch gepokert wurde. Dieser erste Flug war ein Pannenflug. Vor allem, als beim Wiedereintritt sich die Kapsel nicht vom Rest abtrennen wollte, begann das Schiff zu taumeln und hätte sehr leicht verbrennen können.
Nichts desto Trotz. Die Tür zum All war aufgestoßen. Von wem, ist ja letztlich nicht so wichtig.
Die Amerikaner und Russen machten also weiter. Beide wollten zum Mond.

Und so wählte die NASA am 9.4.1959  die ersten sieben Mercury-Astronauten aus und stellte sie der Weltöffentlichkeit vor.
Es handelt sich um Alan Shepard, Gus Grissom, John Glenn, Scott Carpenter, Walter Schirra, Deke Slayton und Gordon Cooper.
Das ist tatsächlich ein spannender Unterschied zur Präsentation der russischen Kosmonauten. Was man mit Gagarin vor hatte, war streng geheim. Nicht mal seine Familie wusste, was er tun würde. Selbiges galt natürlich auch für seinen Ersatzmann und andere.
Das Mercury-Programm klärte die grundlegenden Fragen der bemannten Raumfahrt:

  • Kann ein Mensch im All überleben und arbeiten?
  • Funktioniert Steuerung im Orbit?
  • Ist ein sicherer Wiedereintritt möglich?
  • Wie reagiert der Körper auf Schwerelosigkeit?

Die Antworten waren entscheidend für die nächsten Programme:
Gemini-Programm und später Apollo-Programm.
Und genau dieses Apollo-Programm startete mit einer tragischen Katastrophe. 
Die Raumkapsel sollte am 27.1.1967 am Erdboden getestet werden. Und da brach plötzlich ein Feuer aus, bei welchem alle drei Astronauten ihr Leben verloren. Die Luke ließ sich wegen der großen Hitze nicht mehr öffnen und die Überlebenssysteme ersetzten den vom Feuer verzehrten Sauerstoff rasch durch frischen, so dass das Feuer noch zusätzlich angefacht wurde und seine Temperatur weiter stieg.
Einer der Drei Astronauten  war der am 3.4.1926 geborene
Gus Grissom (Virgil I. Grissom)
Er war der erste Mensch, der zweimal in den Weltall flog und starb bei dem Test der Apollo 1.
Die beiden anderen waren
Ed White (Edward H. White II)
und Roger B. Chaffee
Ein tragischer Unfall, der das ganze Projekt gefährdete und in Frage stellte.
Aber auch die Russen wollten zum Mond und hatten bis dato im Weltraum überall die Nase vorn.
Sie waren die ersten, die am 3. April 1966 mit Luna10 eine Raumsonde in eine Umlaufbahn um den Mond brachten. Später folgten weitere Raumsonden und einige Rover. Allerdings das Glück, selbst Menschen zum Mond zu bringen, war ihnen nicht vergönnt. Besser gesagt, sie gaben ihr Mondprogramm auf, als das Rennen verloren war.

Auf jeden Fall startete am 4.4.1968 mit Apollo 6 die letzte unbemannte Raumsonde des Apollo-Programms. 
Die Montage der Mondlandefähre lag weit hinter dem Zeitplan zurück und die NASA stand unter enormem Druck.
Im September 1968 hatten die Sowjets zwei Schildkröten und ein paar Mehlwürmer um den Mond geschickt und sicher auf die Erde zurückgebracht.
Die Befürchtung, die Soviets würden das nun auch zuerst mit Menschen schaffen, war durchaus berechtigt.
Aus diesem Grunde mussten die Missionsplaner das Ziel für Borman, Lovell und Anders leicht ändern: Sie sollten nicht, wie für Apollo7 eigentlich geplant, im Erdorbit bleiben, sondern den Weg zum Mond wagen, ihn umkreisen, und wieder sicher auf der Erde wassern.
Apollo7 wurde also übersprungen und es folgte die uns bekannte Weihnachtsmondfahrt. Danach mit Apollo11 die erste Landung, mit Apollo13 die Fast-Katastrophe, und mit Apollo17 war das Strohfeuer zum Mond abgebrannt, und niemand interessierte sich mehr für ihn.

Nun ja, bis jetzt eben. Wir haben mit Artemis2 unseren Ostervollmond, denn ein Aprilscherz war das wahrlich nicht.
Mit einem geplanten Dorf auf dem Mond klingt die ganze Geschichte auf den ersten Blick ambitionierter, als es Apollo je war. Aber für mich, und damit bin ich nicht alleine, fühlt es sich momentan verdammt ähnlich, wie ein zweites Mondrennen, ja, wie eine Wiederholung der Geschichte, an. Nur, dass diesmal der Gegner der USA mit Chi beginnt und mit Na endet.
Unbeirrt testet China seine Sonden, landet dann und wann etwas auf dem Mond, bringt sogar Gesteine von Asteroiden heim, und, und, und. Die NASA ist aus dem Gateway, der Station um den Mond herum, ausgestiegen. Ob diese Entscheidung zugunsten eines Mond-Dorfes richtig war, wird sich weisen.
Aber ich will hier keine Meinung machen. Wir werden es erleben. Und ja, ich habe mich trotz allem über den neuen Aufbruch zum Mond gefreut. 
Und so beende ich diesen Artikel mit der Zuversicht, dass wenn es gesundheitlich etc. normal läuft, dann darf ich mindestens den dreizehnten Menschen auf dem Mond erwarten. Und was der dann ist, ist unwichtig, weil wir den Weltraum nur als geeinte Menschheit bezwingen werden und nicht als, was auch immer.
Manchmal kommt es mir so vor, dass wir in Sachen Weltraum längst viel weiter wären, wenn wir die Probleme hier auf Erden gelöst hätten. Vielleicht schützt das Universum sich selbst davor, dass wir alles zerstören, wenn wir etwas entdecken, bevor wir reif dafür sind…

Schlussgedanken von Eva:
Ihr Lieben, jetzt darf ich mich auch noch zu Wort melden.  Ich hoffe, die kleine Reise hat euch gefallen. Erstmal herzlichen Dank an Gerhard für die Blumen und erst recht dafür, dass du aus meiner Sammlung an Daten eine schöne Geschichte gemacht hast (und keinen Geschichtsunterricht. Smile).
Mir war aufgefallen, dass vom 3. April bis zum 12. April jeder Tag ein historisches Ereignis rund um den Mond und der Geschichte der Raumfahrt vorhanden war.
Sei es ein Geburtstag wie der von Blanche Stuart Scott an einem 8. April. Sie war die erste weibliche Pilotin eines Flugzeugs in den USA. Sonden die auf Venus, Mars oder Mond landeten oder dorthin gestartet sind oder auch die Rückkehr der letzten Besatzung der MIR oder der Start der Apollo 13.

Ihr merkt, schon allein aus den 14 Tagen hätten wir jede Menge Geschichten erzählen können. Sicherlich kanntet ihr das meiste davon. Aber wer weiß von einem Feiertag am 12. April? Mich jedenfalls hatte es sehr überrascht. Offiziell ist er der “Internationale Tag der bemannten Raumfahrt“ und wurde von der UN Generalversammlung 2001 beschlossen. In manchen Gegenden heißt er schlicht “Juri-Gargarin-Tag” zur Erinnerung an den ersten bemenschten Raumflug am 12.April 1961.

Gemeinsam Fasten und feiern in 2026


Meine lieben,
heute geht es mal wieder um etwas verbindendes zwischen Kulturen und Religionen.
Ich habe es ganz zufällig entdeckt, und dachte mir, dass das eine schöne Geschichte für die Rubrik „Kalendarisches“ des großen Newsletters von Eberhard, für den ich schon mehrfach schreiben durfte.
Er war sofort begeistert. Und wenn er begeistert war, dann seid ihr das ja vielleicht auch.
Eberhard schreibt in seinem Newsletter:

Wieder einmal ist es mir eine große Freude, dass uns Gerhard Jaworek einen Beitrag schickt. Wir kennen Gerhard von vielen bisherigen Beiträgen hier im Newletter. Gerhard betreibt seit vielen Jahren einen Astroblog, der sich auch dadurch auszeichnet, dass er als blinder Astronom für blinde und sehende Sternfreunde schreibt. Er ist auch Mitglied der Deutschen Astronomischen Gesellschaft.
Gerhard schreibt: 

Liebe Sternfreundinnen und -freunde,
in 2026 haben wir kalendarisch eine seltene Konstellation:
Die Fastenzeiten fast aller großen Religionen überlappen sich so stark, wie nur selten.
Die christliche Fastenzeit beginnt bekanntlich mit dem Aschermittwoch, in 2026 am 18. Februar, und endet am Karsamstag vor dem Ostersonntag, am 05. April 2026.
In manchen christlichen Zählweisen endet die Fastenzeit bereits am Gründonnerstag mit dem letzten Abendmahl vor der Kreuzigung Jesu.
Der Ostersonntag ist in der Regel der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem astronomischen Frühlingsanfang, der Tag-Nacht-Gleiche.
Ich schrieb darin in einem meiner ersten Artikel überhaupt
Wieso ist Ostern manchmal so früh, und manchmal so spät?

Ostern ist das einzige Fest, das noch primär von astronomischen Gegebenheiten abhängt. Fasching, Chr. Himmelfahrt, Fronleichnam und  Pfingsten leiten sich davon ab.
Bis zum Konzil im Jahre 325 n. Chr. feierten verschiedene Gemeinden das Osterfest an unterschiedlichen Tagen. Dort wurde beschlossen, dass ein einheitlicher Termin gefunden werden muss, an dem alle Brüder und Schwestern der Christenheit gemeinsam das Osterfest, die Auferstehung Jesu, begehen und feiern sollen.
Es fällt ungefähr mit dem Jüdischen Pessach-Fest zusammen.
Somit kann die Auferstehung Jesu frühestens am 22.03. und spätestens am 26.04. stattfinden. Dieses Datum war Papst Gregor in seinem Kalender zu spät. Deshalb führte er eine Regel ein, die den 25.04. als spätesten Termin erlaubt.
Um dieses Problem, der Berechnung des Ostertages zu lösen, gab der Mathematiker und Jesuitenpater Christophorus Clavius im 16. Jahrhundert eine Rechenvorschrift heraus, die allerdings noch sehr unhandlich war.
Der Mathematiker und Astronom Karl-Friedrich Gauß griff diese Rechenvorschrift auf und verfasste im Jahre 1800 eine vereinfachtere Lösung, um den Ostertermin zuverlässig im voraus bestimmen zu können. 

Die Große Fastenzeit der Orthodoxen Kirche beginnt in diesem Jahr  am 23.02. und endet am 12.04 mit dem Pascha-Fest.

Mit diesen Fastenzeiten hatte ich vor einigen Jahren mit einer rumänischen Kollegin, die der orthodoxen Kirche angehört, ein besonderes Erlebnis. Ich wollte sie zur Berechnung ihrer anderen Feiertage und Fastenzeiten befragen. Und mal ganz ehrlich. Wer von uns hat in der Schule mal vernünftig gelernt, wie sich unsere Zeiten berechnen.
Sie antwortete also:
„Wie das genau funktioniert, weiß ich auch nicht. Das hat irgendwie mit dem Mond und einem anderen Kalender zu tun. Und außerdem wollen alle orthodoxen Brüder und Schwestern auf der Welt gemeinsam Ostern feiern können.“ 
In der orthodoxen Kirche wird am Julianischen Kalender festgehalten.
Das ist der Kalender, der vor dem gregorianischen Kalender benutzt wurde.
Er orientierte sich stark nach dem Mond. Da sich aber unser Mond mit seiner Umlaufzeit nicht gut in den Rest des Jahreslaufes mit seinen Jahreszeiten etc. integrieren lässt, musste man manchmal einen dreizehnten Mond einfügen, damit die Feiertage, die Erntezeiten und vieles mehr nicht komplett aus dem Takt gerieten. 
Daher findet der 21. März (im orthodoxen Kalender 20. und 21. Jahrhundert) 13 Tage später statt, als im gregorianischen Kalender. 
Daher findet das orthodoxe Osterfest manchmal eine Mondphase später statt. Außerdem berechnet die orthodoxe Kirche das Osterdatum nach einer bereits in der Antike festgelegten Rechenvorschrift, dem Metonischen Zyklus. Er dauert meistens 19 Jahre. 
Den erklärte ich genauer in
Vollmond an Halloween

Man kann mit ihm beispielsweise berechnen, wann der Vollmond, und natürlich auch der Neumond, wieder auf einen bestimmten Tag, z. B. den Heiligen Abend, oder meinetwegen auch auf eure Geburtstage fällt.
Die Länge des 19-jährigen Mondzyklus wurde damals um ca. 2 Stunden zu lang angenommen, was sich im Laufe von 17 Jahrhunderten zu einigen Tagen addiert hat. 
Aus diesem Grunde können sich die Feierzeiten um bis zu fünf Wochen unterscheiden.
Von diesem Effekt ist übrigens auch der Jüdische Kalender betroffen.

Ramadan 2026 wird je nach regionaler Mondsichtung voraussichtlich am Abend des 17. Februar 2026 beginnen, mit dem ersten Fastentag am 18. Februar 2026. 

Der Fastenmonat Ramadan dauert etwa 29–30 Tage und endet mit Eid al-Fitr, dem Fest des Fastenbrechens. Die meisten Berechnungen gehen von einem Ende des Ramadan am 19. März 2026 aus und Eid al-Fitr fällt dann auf 20. März 2026. 
Ganz besonders daran ist, dass der Koran genau bestimmt, wann Ramadan zu sein hat. In der Bibel sind nirgendwo Fastenzeiten festgelegt, zumindest nicht im neuen Testament.

Den Anfang des Ramadans markiert die Sichtung (ru’ya / رؤية / ruʾya) der neuen Mondsichel (hilal) am Ende des letzten Tages/in der letzten Nacht des Vormonats Scha’ban an. 

Der Grundtypus dieser Traditionen in den kanonischen Hadithsammlungen als Direktive des Propheten lautet:
„Der Monat besteht aus 29 Tagen. Fastet erst, wenn ihr sie (die Mondsichel – hilal) seht, und brecht das Fasten erst, wenn ihr sie (wieder) seht. Und wenn (der Himmel) über euch bedeckt ist, so bestimmt ihn. Vervollständigt die Zahl der Scha’ban-Tage/ auf 30 (Tage).“ 
(Hadith Abu Dawud, Buch 13, Nr. 2312; al-Bukhari, Buch 31, Nr. 130-131.)

Und jetzt sieht man schon, wieso dieses Ereignis recht selten vorkommt, dass die Fastenzeiten so stark überlappen.
Der Ramadan richtet sich komplett nach dem Mond. Das bedeutet, dass sich sein Zyklus durch ein ganzes Jahr ungefähr alle 32 Jahre wiederholt.
In die Berechnung der orthodoxschen Feierzeiten geht der alte julianische Kalender und der 19 jährige Meto-Zyklus ein, der je nach dem, wie die Schaltjahre fallen, sogar doppelt so lang sein kann. 
Und die christlichen Zeiten hängen ja am Bändel des Ostervollmondes. 
Das dauert, bis da mal wieder alle verschiedenen Rhythmen zueinander passen.

Gerade in diesen unruhigen kriegerischen Zeiten ist die Tatsache, dass wir in 2026 miteinander fasten und feiern können, eine gute Gelegenheit, mal wieder auf ein religiöses, kulturelles, friedvolles und respektvolles Miteinander hin zu arbeiten.
In diesem Sinne grüßt euch der Sternenonkel.

Die Drei Könige mal ganz anders


Meine lieben,
so, sie ist nun fast vorbei, die Weihnachtszeit mit ihren Feiertagen. Bei uns ist morgen noch Dreikönig.
Ich habe mich einfach mal auf die Suche begeben, weil ich mal wissen wollte, ob es noch mehr zu diesen drei Weisen aus dem Morgenland und Astronomie als nur die bekannte Geschichte mit dem Stern gibt. Und als ich so recherchierte, kam mir plötzlich eine Idee für diesen Artikel hier. Ich denke, weil mein Weihnachtskalender 2025 so dünn war, nehme ich jetzt einfach diesen Feiertag noch mit dazu. Dann hatten wir sieben Türchen, was als Zahl sowieso schöner ist.
Lasst uns heute mal einen Perspektivwechsel vornehmen, indem wir uns in die Zeit dieser drei Morgenländer versetzen. Lasst uns erleben, wie man diese Geschichte auch ganz anders lesen kann.
Ich hoffe, dieses literarische Experiment wird mir so gelingen, dass es euch anspricht.
Also los:

Prolog

Seit Menschen den Kopf heben können, haben sie den Himmel nicht nur gesehen, sondern gefragt, was er ihnen sagen will. Ein Stern ist dann kein Punkt aus Licht, sondern eine Einladung. Manchmal auch eine leise Sehnsucht, ein leises Ziehen.

geh ihm nach.
Folge ihm.

Ich mag diesen Gedanken sehr. Er verbindet Beobachtung mit Bewegung. Erkenntnis entsteht nicht im Sitzen, sondern auf dem Weg.
Die Erzählung von den „Weisen aus dem Osten“, die wir heute oft Könige nennen, ist für mich eine solche Weggeschichte. Im ursprünglichen Text heißen sie „magi“ — Menschen, die den Himmel schauten, ihn deuteten und schließlich aufbrachen. Sie hätten auch sagen können:

Wir bleiben hier, das ist nur ein Zufall am Firmament.

Aber sie machten sich auf und gingen. Weil sie spürten: Wenn etwas Bedeutendes sichtbar wird, darf man nicht stehen bleiben.
Das erinnert uns doch daran, was z. B. Tycho Brahe tat, als er seinen neuen Stern entdeckte.
Man kann diese Geschichte religiös lesen — oder man liest sie als Bild dafür, wie Menschen überhaupt nach Erkenntnis suchen. Wir beobachten. Wir deuten. Wir wagen einen Schritt ins Unbekannte. Wir lassen uns verändern.
Und genau dort wird sie interessant, besonders dann, wenn wir den Blick einmal nicht auf den berühmten Stern richten, sondern auf die Menschen, die ihn gedeutet haben sollen: Wer waren diese magi? Welche Rolle spielte der Himmel in ihrer Welt? Und wie orientierten sich Reisende damals überhaupt, wenn die Nacht zur Straße wurde?

Die Magier als Sternenkundler

Das Wort „magi“ hat im Laufe der Jahrhunderte viel Zauberglanz bekommen, doch ursprünglich meinte es etwas anderes: eine gebildete Schicht im persischen und mesopotamischen Raum. Priester, Gelehrte, Berater. Menschen, die das große Ganze deuten sollten. Und dieses Ganze zeigte sich — so dachten sie — im Lauf der Gestirne.

Sternkunde war dort keine Spielerei, sondern Lebensgrundlage. In Tempeln wurden Mondphasen notiert, Planetenbahnen beobachtet, Sonnenstände mit Festzeiten verknüpft. Landwirtschaft, Verwaltung und Religion griffen ineinander. Wer wusste, wann ein neuer Monat begann, konnte Saat, Verträge und Rituale planen. Der Himmel war Kalender, Ordnungssystem und Orientierung zugleich.

Aus heutiger Sicht bewegten sie sich zwischen Mythos und Beobachtung. Sie erzählten Geschichten, deuteten Symbole, und gleichzeitig schauten sie sehr genau hin. Nacht für Nacht. Geduldig. Wiederkehrende Bewegungen wurden zu Mustern, Muster zu Zeitreihen, und aus ihnen entstand etwas, das man als Vorstufe wissenschaftlichen Denkens verstehen kann.

Mir gefällt dieser Gedanke:
Diese frühen Himmelsbeobachter standen gewissermaßen an einer Schwelle. Noch keine Naturwissenschaft im modernen Sinne — aber auch keine bloße Magie. Ein Suchraum dazwischen. Und auf diesem Zwischenweg beginnt Erkenntnis oft.

Dass die Weisen in der Erzählung ein „Zeichen am Himmel“ wahrnehmen und darauf reagieren, passt genau in dieses Weltverständnis. Für sie war der Himmel nicht dekorative Kulisse, sondern Teil einer lebendigen Wirklichkeit. In ihm spiegelte sich Ordnung. Und wer Ordnung erkannte, konnte sein Leben danach ausrichten.

Wir würden ihre Deutungen heute kritisch prüfen. Und doch sind sie Teil desselben langen Weges, auf dem wir uns immer noch befinden: vom Staunen über das Muster hin zur Frage, warum es so ist. Jede neue Erkenntnis wächst aus älteren Weltbildern heraus, und manchmal lohnt es sich, ihnen mit Respekt zu begegnen.

Reisen mit den Sternen: Orientierung in Wüste und Nacht

Wer durch Wüstengebiete reist, lernt, dass der Tag ein harter Begleiter sein kann. Die Hitze ist gnadenlos, die Luft flimmert, Konturen verschwimmen. Also verlegt man Wege in die Nacht. Dorthin, wo die Erde abkühlt und sich über allem ein weiter Himmel öffnet. Ein Himmel, der nicht nur schön ist, sondern zuverlässig.

Für viele Reisende war er nichts weniger als eine Karte. Der Polarstern hielt den Norden fest. Zirkumpolarsterne zeigten die tägliche Himmelsbewegung. Sternbilder wurden zu Merkhilfen, vertrauten Freunden, die an den Horizontpunkten erscheinen, an denen man sie erwartet. Orientierung entsteht dann nicht nur durch Ort, sondern auch durch Rhythmus und Wiederkehr.

An dieser Stelle muss ich an eine Szene aus Saint-Exupérys Buch „Wind, Sand und Sterne“ denken. Ein alter Pilot zeigt dem jungen Flieger, wie man in der Wüste wirklich navigiert. Nicht mit Lineal und präzisen Karten, sondern mit einer ganz anderen Art von Karte: Darin sind ein einsamer Baum eingezeichnet, ein Bauernhof, ein schmales Bachbett. Orte, an denen Wasser ist, an denen Menschen leben, wo man im Notfall Hilfe findet.
Diese Punkte sind mehr als Geographie. Sie sind Versprechen. Man liest sie nicht mit dem Auge allein, sondern mit der Erfahrung, mit dem Körper, vielleicht auch mit einer stillen Dankbarkeit dafür, dass es sie gibt.

Mir gefällt diese Parallele sehr: Orientierung entsteht nicht nur aus Berechnung, sondern aus Beziehung zur Landschaft und zum Himmel darüber. Auch die Reisenden der Antike trugen solche inneren Karten in sich. Sterne, Düfte, Windrichtungen, Bodenstrukturen, Geschichten über Wege: All das verband sich zu einer Art Wissensgewebe, das sie sicher durch Nacht und Wüste führte.

Ich stelle mir vor, wie still solche Nächte gewesen sein müssen. Wie der Sand unter den Füßen knirscht, wie der Wind leise durch Tücher fährt, und oben dieser ruhige, beständige Himmel. Die Navigation entsteht aus einem Geflecht von Eindrücken: Sternpositionen, Bodenstruktur, Temperatur, Geräusche, Erinnerungen an frühere Wege. Orientierung ist nie nur Sehen — sie ist Wahrnehmen mit dem ganzen Körper.
Das wissen wir blinde Menschen genau…

In diesem Zusammenhang wirkt der Gedanke, dass die Weisen vom Himmel „geführt“ wurden, plötzlich weniger märchenhaft. Der Himmel führte tatsächlich ganz praktisch. Er zeigte Richtung, Zeit, Verlauf. Wer sich an Sternen orientiert, übt Geduld. Man wartet auf den Moment, an dem ein bestimmter Stern den richtigen Punkt erreicht. Man reist im Takt des Kosmos. Und vielleicht prägt gerade das eine innere Haltung: ruhig bleiben, nicht drängen, Schritt für Schritt.

Heute vertrauen wir auf Kompass und GPS. Doch manchmal, an einer klaren Nacht, spürt man noch einen Rest dieses alten Wissens. Man hebt den Kopf, erkennt Orion oder den Polarstern; und für einen Augenblick weiß man, wo Norden ist. Nicht, weil ein Gerät es sagt, sondern weil der Himmel es erzählt.

Epilog – Die Reise nach innen

Die Geschichte der Weisen lässt sich wie eine äußere Reise erzählen — aber sie ist zugleich eine innere. Sie beginnt mit einer Beobachtung, führt durch Unsicherheit, Staub, Zweifel, und endet nicht mit einem Triumph, sondern mit einer Begegnung, die still verändert.
So funktionieren viele Erkenntniswege. Etwas lässt uns nicht los. Wir deuten, korrigieren, zweifeln, fragen neu. Manchmal gehen wir Umwege, manchmal verstehen wir erst spät, was wir unterwegs gelernt haben. Aber wir bleiben in Bewegung, weil Fragen eine Kraft haben, die größer ist als Bequemlichkeit.

Gerade die Astronomie macht das spürbar. Sie erklärt den Himmel und legt dabei gleichzeitig neue Geheimnisse frei. Was einst als Zeichen gedeutet wurde, verstehen wir heute als Physik. Und trotzdem bleibt dieses leise Staunen: Dass wir überhaupt fähig sind, Muster zu erkennen, Zusammenhänge zu begreifen, und uns selbst darin mitzudenken.
Vielleicht sind wir den frühen Himmelsdeutern näher, als wir zugeben. Sie suchten Sinn — wir suchen Verständnis. Aber beides entspringt demselben menschlichen Impuls: Wir möchten wissen, wie wir in dieses große Ganze hineingehören.

Der Himmel begleitet uns weiter. Nicht mehr als Orakel, sondern als offenes Buch, das wir lesen lernen, Zeile für Zeile. Mit Instrumenten, mit Theorien, mit Erfahrung, und mit Demut. Die Reise bleibt unvollendet. Und gerade deshalb hat sie Zukunft.

Des Sternenonkels Rückschau auf 2025


Meine lieben,

ich hoffe, ihr hattet eine schöne Weihnachtszeit. Meine war mit guten Freunden, viel Musizieren und gutem Essen und guten Weines sehr schön.
Hier kommt, was kommen muss. Viele von euch kennen es schon, mein obligatorischer Jahresrückblick 2025.
Wie immer, wieder etwas länglich, aber da müsst ihr jetzt einfach durch und meine Bauchpinselei ertragen.
Irgendwie war das gefühlt für mich ein Jahr voller Sendungen, Podcasts und nur wenig Life-Auftritten. Ich kann euch aber sagen, dass mir das ganz recht war und mittlerweile auch ist. Solche Lesereisen etc. mit Übernachtung und manchmal noch ohne Begleitung sind nichts mehr für mich. Außerdem war ich eigentlich das ganze Jahr, vor allem in der letzten Hälfte mental, psychisch und gesundheitlich sehr angeschlagen und gebeutelt.
Aber springen wir rein, was trotz aller Widrigkeiten möglich war.
Viel Spaß bei des Sternenonkels Rückschau auf 2025.

09.01. Radiosendung der Blindnerd in der Friedensbewegung

Noch im alten Jahr geplant, aber im neuen Jahr gesendet. Vielleicht erinnert ihr euch noch an meinen Blindnerd-Artikel „Der Blindnerd in der Friedensbewegung“, den ich wegen des Ausbruches dieses unsäglichen Krieges in Europa geschrieben habe.
Aus diesem Artikel durfte ich auf unserer Blautor-Lesebühne und ins Blindzeln-Radio GEMA-Frei senden, weil wir zwei Monate GEMA gesponsert bekamen. Großer Dank dafür.
Also sprach ich den Artikel auf, reicherte ihn mit den passenden Friedensliedern an, und sendete die Sendung. Da ich die Sendung mit den Liedern euch nicht schicken darf, habe ich mich für einen anderen Weg, eine Mischform zwischen Lesen und Hören, entschieden.
Ich habe den alten Artikel nun mit Links angereichert, die euch hoffentlich zu den passenden Liedern führen. Meistens sind es Youtube-Links mit all ihren Problemen und Tücken, was die Bedienung betrifft.
Der Artikel, den ich meine, heißt:
Der Blindnerd in der Friedensbewegung

27.01. Des Sternenonkels Kinderträume

Auf einem Open-Air habe ich einmal versucht, die Astronomie und Musik zusammen zu führen. Dankbar funktioniert das, wenn man Kinder mit ins Boot nimmt. Aus diesem Format erwuchs eine Radiosendung „Des Sternenonkels Kinderträume“, wo ich genau das versuchte. Ein anderer Versuch in diese Richtung war „Astropop Ende 2024.
Leider kann und darf ich euch diese Sendungen nicht anbieten. Ich denke mal darüber nach, wie es doch klappen könnte, weil es zu diesen beiden Sendungen keinen Blog-Eintrag, wie bei obiger Friedens-Sendung gibt.
Wer mag, darf mich gerne danach fragen. Wir finden einen Weg.

27.03. Frühlingsakademie

Diese Projektwoche lässt Studierende aller Fachrichtungen mal über den Tellerrand blicken. „Es war einmal vor langer Zeit, in einer weit weit entfernten….“ Halt, da waren wir falsch. Aber lang ist es trotzdem her, als ich einen Text zum Thema „Barrierefreie Dokumente helfen allen“ schrieb. Also griff ich den Artikel auf, machte Folien daraus und durfte ein sehr spannendes Publikum dafür sensibilisieren, wie man Dokumente barrierefrei gestalten kann. Und ja, ich richtete es mir dann zeitlich schon so ein, dass ich ihnen kurz die Astronomie als barrierefreies Hobby vorstellte, und dann schickte ich sie noch unter der Augenbinde mit Blindenstöcken durch unsere Flure. Das war ein sehr gelungener Nachmittag, den ich da für meine Alma Marter und jetzigen Arbeitgeber anbieten durfte.

Der Text zu barrierefreien Dokumenten ist bis heute aktuell und vielleicht auch für euch spannend, wenn ihr Dokumente erstellen sollt.
Hier ist er:
Barrierefreie Dokumenten nützen allen

18.04. Mein Ostergruß der durch die Decke ging

Entweder der Artikel mit der Thermosflasche von letztem Jahr, oder dieser Osterartikel waren diejenigen, die am meisten Resonanz erzeugten.
Wir wechselten österlich die Perspektive, und versetzten uns in einen Außerirdischen, der sich langsam durch unsere Radiosphäre auf uns zu bewegt. Wir erlebten, was er dort so schalenartig hören kann.
Hier die beiden Links zu den meist kommentierten Artikeln:
Was wäre, wenn…
Die große Thermoskanne

07.05. Planetarium Karlsruhe

Naja, was soll ich sagen. Dass Karlsruhe jetzt ein kleines Planetarium besitzt, erfüllt mich mit deutlich mehr Stolz als karlsruhes Fußballmannschaft.
Und dass mir die Ehre zu Teil wurde, zu seiner Eröffnung geladen zu werden, und was das für ein großartiges Fest war, beschrieb ich ja ausführlich in
Was, ihr habt noch keins?.

14.05. Inklusionsberatung Simon-Marius-Gesellschaft

Mit einem weinendem und einem lachenden Auge gehe ich mit Anfragen von Sternwarten, Astronomievereinen etc. um, wenn sie mir ihr Anliegen vortragen, dass sie gerne ihren Internetauftritt ab jetzt barrierefrei gestalten möchten.
Das lachende Auge freut sich natürlich, wenn hier der Wunsch und das Bewusstsein für derlei wächst.
Das weinende Auge muss aber leider manchmal feststellen, dass die Seiten historisch so gewachsen sind, und dann noch von verschiedenen Menschen erstellt wurden, dass der Umbau zu Barrierefrei kaum möglich ist. Neu machen geht da oft besser und schneller, und dafür fehlen die Menschen, die Zeit und das Geld. Naja, dann kann man höchstens noch da und dort was verbessern, oder eine Strategie beschreiben, wie die Seiten wenigstens ungefähr bedienbar sind. Meistens geht es ja ein bisschen, und man kommt trotz aller Barrieren recht weit, wenn man weiß, wie. Wie auch immer. Wer so ein Anliegen hat, darf sich gerne an mich wenden. Versprechen kann ich nichts, aber irgend etwas geht meistens. Und wenn die Seiten für das öffentliche Leben gedacht sind, z. B. eine städtische Sternwarte, Planetarium, oder so, dann sollten diese ohnehin schon seit letztem Sommer barrierefrei sein…

17.05. KIT Tag der offenen Tür und U2G

Auf dieser Veranstaltung präsentierten wir unsere Arbeiten zu verschiedensten Gebieten.
Bei mir durften die Besucher taktile Materialien ertasten. Drei mal dürft ihr raten, welche. Genau, u. A. viel astronomisches. Dann durften sie Punktschrift schreiben, mit dem Blindenstock gehen und für ganz nerdige Menschen gab es dann auch noch einen Blick durch das sprechende Handplanetarium Universe2Go. Das sorgte natürlich für viel Verblüffung, denn kaum einer glaubt, dass blinde Menschen etwas mit dem Sternenhimmel am Hut haben.
Ich habe ein altes Iphone, wo für es langsam keine Updates mehr gibt, das jetzt nur noch für U2G benutzt wird. Normalerweise führe ich meine abgelegten Smartphones immer sozialen Zwecken zu. Naja, das ist ja auch einer…
Wer mal erfahren möchte, wie ich mit diesem Handplanetarium arbeite, findet Befriedigung seiner Neugier in
Meinem Merkurtransit im Nachgang.

20.05. Interview mit Bad. Zeitung

Für eine Veranstaltung, mein Higlight 2025, führte eine Reporterin mit mir ein sehr langes und ausführliches Interview. Daraus erwuchs ein sehr langer Artikel. Mindestens eine halbe Seite über mehrere Spalten hinweg. So eine Feinfühligkeit habe ich noch nie erlebt. Die Reporterin war super vorbereitet. Sensible Themen wurden mit Respekt und aller Würde behandelt. Sie hat alles verstanden, was ich erzählte. Sie hat in ihrem Interview es geschafft, ganz ohne Klischees zu arbeiten. Ich sage euch. In meiner Pressekiste, denn ein Ordner oder eine Mappe reichen längst nicht mehr, kann sich kein anderer Zeitungsartikel damit messen.
Es war kein Artikel über mich, sondern es war ein Artikel mit mir. Leider steckt der Artikel hinter einer Paywall. Aber wer bei der Badischen Zeitung ein Abonnement hat, wird ihn finden.

23.05. Sensibilisierung auf der Messe Rehab – Akademie der Fahrschullehrer

Das wusste ich überhaupt nicht, dass angehende Fahrschullehrer eine Akademie besuchen müssen. Der Professor hatte die Idee eines Sensibilisierungstages für seine Fahrschullehrer:innen.
Im Rahmen der Hilfsmittelmesse Rehab, in Karlsruhe, durften die Beauftragte für Menschen mit Behinderung der Stadt Karlsruhe, die im Rollstuhl sitzt, und ich, einen Vortrag gestalten.
Es ging hier eher um Barrieren und Probleme im Straßenverkehr und weniger um Astronomie, aber es kamen sehr viele Fragen und hat einen riesigen Spaß gemacht. So funktioniert Sensibilisierung. Wir haben so viel gelacht.

27.05. KATE-Ringvorlesung „Explore the Universe with four senses“

KATE ist ein Forschungsprojekt, das ganz viele Bereiche zu Accessibility abdeckt. Von Exo-skelett, Robotik, KI-Unterstützung bei verschiedensten Beeinträchtigungen, aber auch für richtige Sprache etc. ist alles dabei.
Jedes Semester findet in diesem Rahmen eine Ringvorlesung statt, wo Experten zu verschiedenen Themen eingeladen werden.
Mir wurde diesmal die Ehre zu Teil, mal zeigen zu dürfen, wie blinde Menschen ein Hobby betreiben, das viele nur für Menschen mit Sehvermögen denken. Also hielt ich den Vortrag „Explore the Universe with four Senses“. Leider gehen diese Vorträge auf Englisch mir nicht so leicht von der Hand. Man kann viel weniger lyrisch, spontan, witzig etc. sein. Aber ich denke, es war ganz gut.

26.06. Explore the Universe with four senses (University Brno)

Für unsere Gäste der Universität Brno, hielt ich diesen Vortrag dann nochmal. Dort war es etwas leichter, weil wir uns sehr gut kennen und weil die an ihrer Universität auch Menschen mit Blindheit unterstützen. Da musste ich dann nicht alles erklären.

08.07. Auftritt in Schopfheim-Farnau

Und da sind wir nun beim Highlight 2025.
Seit fast 15 Jahren gebe ich nun schon Vorträge, Lesungen und Workshops. Aber nie fand eine Veranstaltung in meinem Geburtsort statt. Meine Familie war noch nie in einer meiner Veranstaltungen. Und das hat nun endlich stattgefunden.
Die Stadt Schopfheim schaffte sich im Rahmen eines Inklusionsprojektes eine Rikscha für Ausflüge für Senioren an. Und in diesem Zusammenhang kam der landeskirchliche Beauftragte für Inklusion ins Spiel. Der leitet den Evang. Blinden- und Sehbehindertendienst Baden, in dessen Vorstand ich Schriftführer bin. Dieser nette Mensch schlug der Pfarrerin in Schopfheim eine Veranstaltung mit mir vor, weil die Astronomie so inklusiv ist.
Er wusste nicht, dass ich in dieser Stadt geboren bin.
Und so kam es zu dieser wunderbaren Veranstaltung. Der Raum war knallvoll, so dass wir noch mehr Stühle brauchten. Und was für mich sehr berührend war, wer von meiner Familie konnte, war da. Das war um so intensiver, weil unsere Familie naja, sagen wir mal so: „Unter jedem Dach ein Ach“…
Ich bin aber davon überzeugt, dass meine Veranstaltung unsere Familie wieder etwas näher zusammen geführt hat. Wir schreiben und hören uns wieder öfter und wissen, wie es den anderen geht.
Rund um diese Veranstaltung erschienen insgesamt drei oder vier Zeitungsartikel, die ich euch alle nicht zeigen kann. Aber die beeindruckende Beschreibung des Ankündigungsposters und Flyers von ChatGPT darf ich auf jeden Fall mit euch teilen.

Schaut mal:

Sehr gern – hier ist eine ausführliche Bildbeschreibung des Veranstaltungsplakats für den blinden Diplom-Informatiker und Referenten Gerhard Jaworek:
Bildbeschreibung des Veranstaltungsplakats „Blind zu den Sternen“
Das Plakat ist visuell sehr eindrucksvoll gestaltet und vermittelt durch Bildsprache, Farben und Schrift eine besondere Atmosphäre zwischen Technik, Raumfahrt und Inklusion. Der Gesamteindruck ist modern, inspirierend und klar strukturiert.
1. Hintergrundmotiv
Der Hintergrund zeigt ein eindrucksvolles, hochauflösendes Weltraumbild:
• Man blickt aus dem All auf die Erde hinunter. Die Erdkrümmung ist klar erkennbar, mit einem leuchtenden Streifen an der Kante – dort geht gerade die Sonne auf oder unter.
• Der Himmel darüber ist tiefschwarz mit einzelnen Sternpunkten.
• Wolkenformationen über der Erde sind im Gegenlicht sichtbar, sie wirken plastisch und realistisch.
• Der Sonnenaufgang (oder -untergang) erzeugt einen Lichtschein, der nach oben strahlt – fast wie ein Symbol für Aufbruch, Hoffnung oder Erleuchtung.
2. Veranstaltungsdaten in einem Balken ganz oben
Am oberen Rand des Plakats befindet sich ein durchgehender, dunkler, halbtransparenter Streifen mit weißer Schrift. Von links nach rechts stehen dort:
• Ein kleines Icon in Form eines stilisierten Saturns (Ringplanet).
• Dann das Datum: „Di 8. Juli 2025“
• Danach die Uhrzeit: „18.30 – 20 Uhr“
• Und ganz rechts: **„Ev. Gemeindehaus Fahrnau (Gerberstraße

Inspiriert davon, machte ich mich, wie ihr wisst, auf die Suche nach Astronomen, die mit Sicherheit Alemannisch gesprochen haben. Ganz auf Alemannisch wollte ich den Vortrag nicht halten, um auch allen „Zugezogenen“ die Chance zu geben. Aber an passender Stelle sprach ich durchaus meinen wunderbaren heimatlichen Dialekt.
Das war auch sehr bewegend.
Astro-Mundart

09.08. Perseiden bei Eberhard

Woche für Woche verwöhnt uns Eberhard mit einem spannenden Newsletter, in welchem es um Astronomie, Natur, Wetter, Jahreslauf und vieles mehr geht. Sehr lesenswert. Schon das dritte mal durfte ich alleine eine Ausgabe dieses Newsletters gestalten.
Beim ersten mal ging es darum, wie ich als Mensch mit Blindheit die Astronomie erlebe und treibe.
Astronomie ohne Sternensicht

Letztes Jahr bekam ich einen Platz in der Vorweihnachtszeit. Dort schrieb ich dann über Weihnachten auf der ISS und stellte einige Bücher des Arbeitskreises der blinden Autoren vor, in welchen auch ich verewigt bin.
Ein Weihnachtlicher Newsletter

In diesem Jahr erhielt ich die Ehre, die Ausgabe im August zu den Perseiden zu gestalten, obwohl in diesem Newsletter sogar Berufsastronomen mitlesen und gestalten, die das vermutlich professioneller könnten als ich.
Das lies ich mir gefallen, und ich schrieb u. A., dass man Sternschnuppen mit der richtigen Ausrüstung sogar hören kann.
Sternschnuppen sehen und hören

Es macht mir immer wieder Freude, für diesen Newsletter zu schreiben, der kontinuierlich wächst und schon einige hundert Abonnent:innen hat. Solch ein Wachstum würde ich mir für diesen Blog auch mal wünschen…

12.08. Perseiden in Bozen

Schon seit vielen Jahren ging ich mit einer netten Gruppe von blinden Menschen nach Österreich in ein Urlaubshaus, das für unsere Bedürfnisse ausgelegt ist. Dieses hat nun leider geschlossen, was ich sehr schade finde. Langsam brechen uns alle Häuser weg, wo wir mit unserer Beeinträchtigung mal in Ruhe urlauben können. Also entschieden wir uns für das Haus in Bozen.
Der Urlaub war sehr schön. Das Haus ist für uns super. Dort kam ich mit der Macherin eines Podcasts für den Tiroler Blindenverband zusammen. Sofort packte sie die Gelegenheit am Schopf, und ich durfte mit ihr eine Folge über meine Themen aufnehmen.
Ihr müsst, wenn ihr die Folge abhört, leider etwas spulen, bis ihr zum Interview mit mir kommt, weil es keine Kapitelmarken o. Ä. gibt.
Oktoberausgabe von Hörbrief Kontakte
Natürlich hielt ich auch einen kleinen Vortrag über die Perseiden in einer schönen Hütte für alle, die sich dafür interessierten. Schön wäre es gewesen, wenn wir die Perseiden hätten direkt hören können, denn es war ein Funkerpärchen dabei, deren Ausrüstung theoretisch dazu getaugt hätte. Aber wir waren zu niedrig, so dass die Empfangsbedingungen nicht gegeben waren.
Naja, dann spielte ich halt Sternschnuppen vom Laptop ab.
In Österreich, am alten Urlaubsort, waren meine Vorträge so bekannt, dass manchmal das halbe Dorf mit Kind und Kegel zu mir auf die Wiese kamen. Die, welche damals Kinder waren, brachten mittlerweile ihre eigenen Kinder mit. Es war eine kleine Attraktion, wenn der Sternenonkel kam. Schade um das Haus und alles.

28.08. Veröffentlichung beim Podcast „im Aufzug“

So heißt der Podcast von Raul Krauthausen. Er ist für mich einer der größten Aktivisten für Inklusion in Deutschland. Er spricht in Talkshows, hat einige Bücher geschrieben und betreibt eben diesen Podcast, wo er sehr prominente und gute Leute eine Stimme gibt. Ich biete meine Veranstaltungen schon gerne z. B. an Schulen, Bibliotheken, Vereinen und sonstigen Kultur schaffenden an, wo ich glaube, dass meine Passion mal spannend sein könnte. Jemanden wie Raul mit seinem Netzwerk und seiner Reichweite um ein Interview zu bitten, fällt mir aber schwer. Dennoch fasste ich bei Raul meinen Mut, und fragte ihn, ob wir beide nicht mal eine Veranstaltung zusammen machen wollen. Dann kam aber die Pandemie und alles, so dass es nie dazu kam. Ausgangspunkt für eine erneute Nachfrage meiner seits war sein neuestes Buch. Es handelt von einem Kind mit Rollstuhl im Weltraum. Da muss ich natürlich darauf springen. Gelesen habe ich das Buch zwar noch nicht, weil ich auf das Hörbuch warte.
Hier die wichtigsten Daten, damit ihr es beim Buchhändler eurer Wahl finden könnt.
Als Ela das All eroberte, Gebundene Ausgabe von Raúl Krauthausen , Adina Hermann, Carlsen, 9783551522467
Sofort war Raul begeistert und bat mir an, in seinem Podcast Gast sein zu dürfen. Dank online, war das für mich ohne Reisen und alles, sehr gut möglich. sofort sagte ich zu. Wir kannten uns vorher tatsächlich nur über das Internet und nicht persönlich. Raul erlaubte mir sofort, dass ich die Folge auch über seinen Podcast hinaus teilen und senden darf. Hört euch diese Folge an. Es lohnt sich wirklich.
Raul schreibt dazu:

Gerhard Jaworek ist Informatiker, Astronom, Blogger und Autor – und er zeigt mir, dass man Sterne auch ganz ohne Augen sehen kann. Wir sprechen über Sterne, sprechende Aufzüge und darüber, wie sich der Mars in der Hand anfühlt.
Doch Gerhard erzählt mir auch von seiner Arbeit am KIT in Karlsruhe, wo er Studierende mit Sehbehinderung unterstützt. Über echte und falsche Applausmomente, über die Inklusion in der Wissenschaft und warum Astronomie für ihn von Natur aus eine inklusive Disziplin ist. Außerdem geht es um deutsche Beiträge zur Raumfahrt und die Frage, ob Klimaschutz nicht unser eigentliches Menschheitsprojekt sein sollte.
Wir reden über die kuriosesten Kinderfragen, über absurde Missverständnisse zwischen Sehenden und Blinden – und über Gerhards Begeisterung für kleine Details, die das Universum plötzlich greifbar machen. Aufzugtür auf für Gerhard Jaworek!

Zur Sendung geht es
hier lang.

28.09. Mondfrage für Blinde bei Eberhard

In oben genanntem Newsletter, für welchen ich manchmal schreiben darf, lesen auch viele Menschen mit Blindheit oder Sehbeeinträchtigung mit. Das kommt da her, weil die Sternwarte München zusammen mit dem Deutschen Museum manchmal Astro-Veranstaltungen für diesen Personenkreis anbietet. Die stellen natürlich manchmal auch Fragen an Eberhard. Diesmal durfte ich die Antwort geben.
Die Frage war folgende:

Lieber Eberhard,
ist es möglich, von irgendeiner Quelle mittels einer Fotodiode mit einem Tongeber einen Pieps zu bekommen?
Damit könnte man als Vollblinder in der Nacht schon mal neugierigerweise den Mond und vielleicht auch einen ähnlich hellen Himmelskörper hörbar machen.
Könnt ihr uns da weiterhelfen?

Euch gebe ich die Antwort aber heute noch nicht. Wir starten damit im neuen Jahr in unserer Rubrik „Frag, und es wird Tag.

01.10. Mein Buch wurde zehn Jahre alt

Ihr habt es ja gelesen, dass mein Buch sein Zehnjähriges feiern durfte. Ich schrieb darüber in
Wir feiern einen alten Schinken.

26.10. Veröffentlichung der Podcast-Folge beim DLR

Rauls Podcast „Im Aufzug“ hat wirklich eine spannende Hörerschaft. Er wird sogar beim Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt gehört.
Die betreiben den Podcast „Von der Erde ins All“. Es war mir eine besondere Ehre, hier eine Folge mitgestalten zu dürfen. Eine Folge, gemeinsam mit dem Astronauten Matthias Maurer, mir und anderen Experten für Planetenforschung etc. Aber lest selbst.

So klingt der Weltraum
Von der Erde ins All

Das Universum ist voller Klänge und Melodien! Das klingt paradox – und doch: Forscher:innen arbeiten daran, das Unhörbare hörbar zu machen: Sie übersetzen Radiowellen in Töne, wandeln Magnetfelder in Musik. Und das ist gut so, denn nur ein winziger Teil des Universums ist überhaupt sichtbar für unsere Augen. Gerhard Jaworek, ein Astronom und Informatiker, der selbst nichts sieht, aber unglaublich viel hört, nimmt uns mit auf eine Reise ins hörbare Weltall. Außerdem sind diesmal mit dabei: ESA-Astronaut Matthias Maurer, Missionsleiter Volker Schmid (DLR), Christopher Schmidt vom Institut für Kommunikation und Navigation (DLR) sowie Daniela Tirsch, Planetengeologin am Institut für Weltraumforschung (DLR)

Hier könnt ihr euch die Sendung Auf Apple Podcasts anhören:
Von der Erde ins All – So klingt der Weltraum
OK, gesehen und kennengelernt haben Matthias Maurer und ich uns jetzt nicht, weil die Sendung aus verschiedenen Interviews geschnitten wurde, aber es existiert nun eine Sendung mit unseren beiden Stimmen. Darauf bin ich stolz.
Vor dem Interview wusste ich nichts davon. Es war auch für mich eine totale Überraschung, weil ich den Podcast vorher nicht kannte.

03.11. Lehrauftrag Fachhochschule Freiburg, – Benutzung Blog im Unterricht

An der evangelischen Hochschule in Freiburg können Studierende der Sozialarbeit und Sozialpädagogik ein zweisemestriges Seminar zu Themen der Inklusion besuchen und sich das auf ihre Studienleistungen anrechnen lassen. Der Leiter des Evang. Blinden- und Sehbehindertendienstes Baden, wo ich auch im Vorstand mitwirke, leitet als Inklusionsbeauftragter der evangelischen Landeskirche Badens, in diesem Semester das Seminar. Er lud mich ein, mal quasi als praktisches Beispiel mit den Studierenden über Themen der Inklusion zu sprechen, um z. B. Fragen zu beantworten. Als Impulsvortrag wählte ich das inklusivste, was es gibt, die Astronomie. Ich finde es wirklich super, wenn für diese Themen schon in Schule und Studium sensibilisiert wird. Sehr gerne nehme ich derartige Angebote an. Sollte jemand von euch auch einmal so eine Veranstaltung haben, stehe ich als Referent sehr gerne zur Verfügung.

17.11. Frag den Sternenonkel

Wie viele von euch wissen, gibt es auf Blindnerd.de die Kategorie für Fragen Frag, und es wird Tag . Artikel, die eure Fragen beantworten, werden dieser zugeordnet. Eure Namen werden selbstverständlich nicht erwähnt, so dass jeder ungeniert fragen darf, kann und auch soll. Derlei zu beantworten freut den Sternenonkel sehr. Dieses Format mit Fragen und Antworten probierte ich für unseren Arbeitskreis der blinden Autoren mal online auf unserer Lesebühne aus. Ins Radio und zu den Sprachassistent:innen wurde diesmal noch nicht gestreamt, weil wir hier noch im Aufbau sind, um irgendwann mal life senden zu können. Aber, was soll ich sagen. Der Testballon funktionierte hervorragend. Es kamen viele Fragen, die ich zum Glück auch beantworten konnte. Man konnte mir die Fragen auch vorher schicken, damit ich mich vorbereiten kann. Es hat einen riesigen Spaß gemacht. Das wird wiederholt. Und ich warte schon sehr darauf, bis das dann auch ins Internetradio kommt oder von den Alexas empfangen werden kann. Drückt mir die Daumen für dieses neue Format.

21.11. Freizeit des EBS-Baden zum Thema Luft

an diesem vorletzten Novemberwochenende hatten wir unsere Jahresfreizeit des Evang Blinden- und Sehbehindertendienstes Baden diesmal zum Thema Luft.
Hier nur ganz kurz, worum es in der Freizeit grob ging.

  • Wir erfuhren vom Sternenonkel,woraus Luft besteht, wie sie auf die Erde kam, dass sie nicht immer so war, wie sie jetzt ist, von ihre Geschichte der Entdeckung ihrer Bestandteile, wie sich die Alchemie zur heutigen Chemie entwickelte, und wie man Brot aus Luft gewinnen kann. Damit ist natürlich die Herstellung von Düngemitteln aus dem Stickstoff unserer Atmosphäre gemeint, mit
    deren Hilfe der Welthunger gelindert werden konnte. In diesem Zusammenhang durfte natürlich die umstrittene Persönlichkeit Fritz Haber nicht unerwähnt bleiben.
  • Unsere Ursula, die mittlerweile dreiundneunzig Jahre auf dem Buckel hat, erklärte uns die Luft aus Sicht der Weltreligionen.
    Da gibt es den Odem, der Gott dem Menschen einhauchte, auf dass er lebe,
    das geistige Atma der buddhistischen Religionen,
    auch den heiligen Geist, der mit Luft verglichen werden kann, und vieles mehr.
    Mich erstaunt hier immer wieder, wie Ursula uns das alles frei erzählt, ohne Notizen oder Skript. Euer Sternenonkel kann das nicht.
  • Nach Kaffee und Kuchen wurde es richtig praktisch. Eine Atemtherapeuting zeigte uns, wie man diesen Lebensstoff richtig einsaugt und bewusst erlebt.
    Richtiges Atmen ist sehr wichtig. Es gibt Entspannung und uns auch die richtige Stimme, wenn wir sie brauchen.
    Also ich finde, da waren einige Übungen dabei, die sich sehr gut in den Alltag integrieren lassen.
  • Als finaler Höhepunkt und Ausklang steht immer der Abschlussgottesdienst am Sonntag.
    Diesmal konnten wir dafür eine Pfarrerin aus dem EOK gewinnen. In ihrer Predigt griff sie auf ganz wunderbare Weise alles nochmal auf, was wir an diesem Wochenende erleben durften.
    Besser konnte man die ganzen losen Fäden nicht zusammenführen.

Diese Freizeit ist ein ganz integraler Bestandteil meiner Arbeit, weil sie für einige der Teilnehmenden das einzige ist, wo sie im Jahr mal aus ihrer Wohnheim- und Werkstattumgebung heraus kommen.

01.12. Weihnachtskalender

sicherlich wundertet ihr euch, dass der Blindnerd schon am ersten Advent mit seinen Weihnachtsgeschichten begann, obwohl der 01. Dezember doch erst am Montag war.
Ja, das hatte seinen Grund.
In diesem Jahr konnte es leider keinen Blindnerd-Adventskalender geben, der alle 24 Türchen befüllte.
Viele von euch wissen es, dass ich im letzten halben Jahr sehr gesundheitlich gebeutelt war. Da fehlte mir einfach die Kraft, vierundzwanzig Geschichten zu recherchieren und zu schreiben. An Ideen hätte es mir durchaus nicht gemangelt.
Ganz hängen lassen durfte der Sternenonkel aber seine Leserschaft in der Weihnachtszeit, wo Sterne so wichtig sind, doch nicht.
Deshalb bediente ich diesmal nur die Eckdaten, alle vier Adventssonntage, Nikolaus und natürlich den heiligen Abend.
Nun wisst ihr, wieso ich zu früh startete. Aber wenn man schon nicht alle Türchen füllt, dann muss wenigstens der erste Advent dabei sein, ob es nun schon Dezember ist, oder nicht.
Und ja, die Verlinkung zum Adventskalender des Arbeitskreises BLAutor, gab es natürlich. Den administriere ich ja nur und bekomme die Geschichten für die Türchen von unseren Schreiberlingen geliefert. So dass die Veröffentlichung einfach war.

Fazit:

Trotz aller gesundheitlichen und psychischen Einschränkungen, konnte ich doch wieder einiges auf die Beine stellen und erleben. Dafür bin ich sehr dankbar.
Dankbar bin ich vor allem für die wunderbare Zeit mit euch, für die wunderbaren Kommentare, Begegnungen ob online oder persönlich, für eure Fragen und eure Geduld, für die Zeit, die ihr mir schenkt, um meine Artikel zu lesen und hoffe, dass ihr mir auch im nächsten Jahr wieder die Stange haltet.
In diesem Jahr ward ihr so aktiv dabei, wie nie zuvor. Ich musste mir kein einziges mal die Frage stellen, was es bringt, ob es lohnt…
Jetzt wünsche ich für uns alle ein friedliches neues 2026. Hoffen wir, dass wir einige Krisen etwas in den Griff bekommen.
Ich freue mich auf jeden Fall sehr, mit euch zusammen auch in 2026 wieder viele spannende Geschichten zu erleben. Immerhin gibt es eine Sonnenfinsternis, dort zu sehen, wo man gerne Urlaub macht..
Es grüßt euch herzlich

Euer Sternenonkel.

Blindnerd Adventskalender 2025, zu heilig Abend

Vorbemerkung: Kein Verlass, nicht mal an Heilig Abend

Meine lieben,
wie soll es anders sein. Wenn man sich einmal auf die Technik verlässt…
Es ist mir schon nach heilig Abend in meinem Weihnachtsurlaub aufgefallen, dass ihr und ich den vorbereiteten Artikel zu Heilig abend nicht bekommen haben. Eingreifen konnte ich leider nicht, weil ich nur mein Smartphone und keinen Laptop in meinem Gepäck hatte. Ich dachte, ich könnte mir dieses Gewicht sparen. Offenbar doch nicht…
Der Mechanismus der automatischen datums- und uhrzeitgesteuerten Veröffentlichungsfunktion hat mich im Stich gelassen. Das kannte ich auch schon von meinem ersten Adventskalender her. Das Problem war bekannt, und ich vertraute darauf, dass es doch nach fünf Jahren und vielen Updates gelöst wäre. Scheinbar nicht, oder ich habe was falsch eingestellt.
Wie auch immer. Heute ist der 28.12., der heilige Abend liegt hinter uns, aber meine Geschichte ist und wird aktuell bleiben, so lange es Sterne gibt. Also ist eine Woche Verspätung überhaupt nichts.
Nun aber zu unserer Geschenk-Geschichte zu Heilig Abend.

Das größte Geschenk des Universums

Ihr erinnert euch? Heute packen wir aus, worüber wir in den Wochen zuvor gesprochen haben.
Was passiert am Himmel, wenn Sterne aufleuchten, wo sie nicht hin gehören.
Lösen wir also die schöne Schleife des Geschenks und packen vorsichtig aus.
Und das kann ich euch versichern. Es ist nicht einfach nur ein weiteres spannendes Phänomen am Himmel, dass Sterne plötzlich aufleuchten und wieder verlöschen. Es ist das wichtigste von allem. Das wichtigste im Universum. Ihm verdanken wir überhaupt, dass es uns gibt. Ist das nicht weihnachtlich?

Hatschi im Universum

Stellen wir uns einen klaren Nachthimmel vor. Sterne funkeln still, seit Millionen oder gar Milliarden Jahren. Alles wirkt unveränderlich. Und doch gibt es Momente, in denen das Universum plötzlich aufschreit, wenn ein Stern stirbt und sich in eine Supernova verwandelt. Für einen Augenblick wird er so hell wie eine ganze Galaxie. Ein kosmisches Drama, das nicht nur vom Ende erzählt, sondern auch vom Anfang von allem, was nach ihm kommt. Einige davon lernten wir ja letzte Woche kennen, und welche Geschichte der neue Stern von Tycho Brahe erzählte, ebenso. Ach ja, Novae werden diese Vorkommnisse seit Tycho genannt. Steht für „neu“. Stella Nova, ein neuer Stern. Und wenn das Phänomen besonders spektakulär auftritt, dann sind diese Novae auch noch „super“.

Supernovae sind keine Explosionen wie auf der Erde. Sie sind Zeitenwenden im Sternenleben. Sie entscheiden darüber, welche Elemente entstehen, welche Wolken aus Gas und Staub sich verdichten, und ob in ferner Zukunft irgendwo Planeten, Ozeane und Lebewesen entstehen können. In gewisser Weise steckt in jedem Atemzug ein Hauch vergangener Sternenexplosionen.

Astronomisch werden Supernovae in zwei große Familien unterteilt:
Kernkollaps-Supernovae, wenn ein Riesenstern unter seinem eigenen Gewicht zusammenbricht, und thermonukleare Supernovae, wenn ein Weißer Zwerg in einem Doppelsternsystem zur Bombe wird.
Hinter diesen Begriffen verbergen sich wahre kosmische Geschichten.
Schauen wir uns diese Familien mal etwas näher an.

Supernovae vom Typ 1a – Die Explosion, die Maßstäbe setzt

Normalerweise werden die Novae-Typen nicht mit Ziffern, sondern mit römischen Zahlen bezeichnet, nicht 1A, sondern IA. Da die meisten Sprachausgaben das aber dann so seltsam lesen, weiche ich von dieser Konvention ab, und benutze Ziffern anstelle von römischen Zahlen.
Das aber nur am rande. Weiter geht’s.

Supernovae des Typs 1A beginnen unscheinbar. Ein „Weißer Zwerg“, der ausgebrannte Rest eines sonnenähnlichen Sterns, kreist eng um einen Begleiter. Er zieht langsam Materie von ihm ab — tropfenweise, geduldig, über Jahrtausende.
Irgendwann erreicht er eine kritische Masse. Sein Inneres gerät aus dem Gleichgewicht. Und dann passiert etwas, das man fast poetisch nennen könnte: Der ganze Stern entzündet sich auf einmal. Kohlenstoff fusioniert wie in einem gewaltigen Flächenbrand, eine thermonukleare Kettenreaktion, die den Weißen Zwerg vollständig zerreißt.
Kein Kern bleibt übrig, kein Neutronenstern, kein Schwarzes Loch — nur eine expandierende Wolke aus Nickel, Eisen und schwereren Elementen. Da viele Sterne als Doppelsternsysteme vorkommen, ist das die häufigste Art, wie ein Stern sein Leben lässt. Aber bedenken wir auch vor dem weihnachtlichem Hintergrund. Sterbende Sterne geben uns das Leben, weil in ihnen die Elemente gebacken werden, die dazu nötig sind.

Außerdem sind diese Art von Novae in wichtiger Hinsicht sehr zuverlässig.
Diese Explosionen beginnen fast immer bei derselben Masse. Dadurch leuchten sie mit sehr ähnlicher Helligkeit. Astronomen nutzen sie als „Standardkerzen“ — gewissermaßen als kosmische Entfernungsbestimmer — und konnten damit beispielsweise zeigen, dass sich das Universum sogar beschleunigt, also mit zunehmender Geschwindigkeit ausdehnt.
Ohne Typ-1a-Supernovae wüssten wir vermutlich nichts von der Dunklen Energie.

Supernovae vom Typ 2 – Ein Riese kehrt heim

Am Anfang steht ein Stern, viel größer als unsere Sonne. Vielleicht zehn, zwanzig oder mehr Sonnenmassen. Solche Giganten leben schnell und verschwenderisch. Sie verbrennen ihren Wasserstoff in ihren Kernen sehr rasch, so dass weitere Kernverschmelzungen einsetzen.
Schicht um Schicht wird erst Wasserstoff, dann Helium, später Kohlenstoff, Neon, Sauerstoff, Silizium und andere Elemente fusioniert.
Der Querschnitt eines solchen „Zwiebelsterns“ sieht nun aus, wie die Jahresringe eines Baumes, nur aus glühender Materie.

Doch irgendwann stößt der Stern an eine Grenze. Bei Eisen ist mit der Weihnachtsbäckerei erst mal Schluss, weil man Energie von woanders her benötigte, um auch noch aus Eisen etwas schwereres zu backen.
Plötzlich trägt der Kern die gewaltige Hülle nicht mehr. Für den Stern gibt es nun kein Gleichgewicht mehr, und er kollabiert.
In Sekundenbruchteilen stürzt der Kern ein, wird zu einem Neutronenstern, einem Objekt so dicht, dass ein Teelöffel seiner Materie Milliarden Tonnen wiegen würde. Die Hülle prallt zurück, schwingt auf, und das Universum blitzt auf.

Im Spektrum dieser Explosion erkennt man deutlich Wasserstoff als Die übrig gebliebene äußere Schicht des Sterns. In gewaltigen Stoßwellen werden Elemente hinausgetragen, die für unser Leben wichtig sind.
Sauerstoff für Luft, Kalzium für Knochen, Eisen für Blut und Werkzeuge. Jedes Staubkorn in einer zukünftigen Welt könnte aus dieser Wolke stammen.

Manchmal bleiben am Ende auch Überreste sichtbar, wie der berühmte Krebsnebel, ein glühender Kokon aus Gas und Staub, in dessen Zentrum ein schnell rotierender Neutronenstern wie ein pulsierender Herzschlag schlägt. Wir empfangen seine Radiowellen und können diesen „Herzschlag“ hören.

Typ 2B und 2c – „nackte“ Sterne

Nicht alle Riesensterne sterben mit voller Hülle. Manche verlieren sie durch starke Sternwinde oder durch die gravitative Nähe eines Partners in einem Doppelsternsystem. Diese Sterne gleichen Tragödienhelden, die schon lange vor ihrem Ende Stück für Stück das verlieren, was sie einst bedeckte.

Fehlt die Wasserstoffhülle, sehen Astronominnen und Astronomen im Spektrum keine Wasserstofflinien mehr. diese Explosion wird dann als Typ 2b klassifiziert.
Ist zusätzlich auch das Helium verschwunden, entsteht Typ 2c.

Im Inneren passiert dasselbe wie bei den Typ-2a-Supernovae.
ein Kern kollabiert. Doch die Umgebung der Explosion ist freier, weil ja keine Hülle mehr weggedrückt werden muss und das Material ist kompakter.
Manche dieser Ereignisse sind so extrem energiegeladen, dass sie mit Gammastrahlenausbrüchen in Verbindung stehen, den hellsten Ausbrüchen des Universums.

Man könnte sagen: Typ 2b und 2c sind „nackte“ Supernovae.
Ihre Spektren zeigen uns nicht die äußeren Schichten, sondern direkt das freigelegte, hochenergetische Herz eines sterbenden Sterns.
Hauptverantwortlich dafür, dass bei der Explosion eines Sterns dieser Familie die Hüllen weggesprengt werden, wenn sie noch zum Zeitpunkt der Explosion vorhanden sind, sind die Geisterteilchen, Neutrinos genannt. Die wechselwirken normalerweise nur sehr selten mit etwas anderem. Aber bei solch einem Kollaps entstehen so viele davon, dass sie bei ihrer „Flucht“ die Hülle mit sich reißen. Woher diese Geisterteilchen kommen und wie man sie nachweisen kann, ist so spannend, dass wir uns dieses für eine weitere aufregende Geschichte aufheben müssen.

Kilonovae

Aber selbst diese gewaltigen Ereignisse der Typ-2-Familie reichen noch nicht aus, um unsere Weihnachtsbäckerei vollständig zu machen, um dort alle bekannten Elemente des Periodensystems zu backen.
Ist ein ausgebrannter Sternrest nach seiner Nova noch etwa das anderthalb fache bis zu etwa dem vier fachen der Sonne schwer, endet er nicht wie sie, als weißer Zwerg, der dann langsam auskühlt und verblasst, sondern ihm ist ein anderes Ende beschieden.
Ein Szenario, wie so ein schwerer Stern enden kann, ist ein Neutronenstern. Er ist so dicht, dass die Elektronen der Atome in die Protonen der Kerne gedrückt werden.
Er besteht nun aus entarteter Materie, die es auf Erden nicht gibt.
Dieser Sternenrest hat vielleicht einen Durchmesser von 30 – 40 Kilometern und ist das anderthalb bis das dreifache unserer Sonne schwer, die einen Durchmesser von 1,4 Mio Kilometer besitzt.
Nur am Rande: Noch schwerere Sternreste enden als schwarze Löcher.

Sterne kommen häufig als Pärchen vor. Somit kann es sein, dass beide, wenn sie ähnlich schwer sind, ihr Leben als Neutronensterne beenden.
Kreisen nun zwei Neutronensterne umeinander, so verliert das System langsam Energie, die in Form von Gravitationswellen davon getragen wird. Diese Wellen sind sehr schwach, aber man kann sie mittlerweile mit riesigen Detektoren messen.
Es ist vor einigen Jahren gelungen, die Gravitationswellen eines Zusammenstoßes zweier Neutronensterne zu messen und gleichzeitig mit optischen Teleskopen in diese richtung zu schauen.
Dort fand man, im Lichte des Crashs, dass diese Weihnachtsbäckerei noch viel effektiver alle chemischen Elemente backen kann, als irgendwelche Novae, seien sie auch noch so heftig.
Die hier frei werdende Energie reicht aus, alle Bausteine des Lebens und des Universums zu erzeugen.
Aus so einem Inferno, wo zwei Neutronensterne zusammenkrachen, entstehen beispielsweise ungefähr drei Erdmassen reinen Goldes, das gerade zu Weihnachten bei uns eine große Rolle spielt. Das scheint viel, ist es aber nicht. Bedenken wir, dass jeder am Crash beteiligter Neutronenstern deutlich mehr, als unsere Sonne wiegt. Und bedenken wir dann auch, dass es sich hier nicht um einen Goldklumpen handelt, der jetzt am Stück durch das Weltall vagabundiert, sondern um Gold-Ionen, oder ganz feinen Goldstaub, der in alle Richtungen kugelförmig um die Unfallstelle herum fast mit Lichtgeschwindigkeit ins All geblasen wird. Nimmt man jetzt noch die riesigen Entfernungen von vielleicht Milliarden Lichtjahren zu uns an, dann dürften die Erwartungen von Spekulanten, Börsenmäklern und Schmuckherstellern bald schwinden, dass wir auf einen “Goldregen” hoffen dürfen. Aber will man viel Gold vor Dieben schützen, versteckt man es am besten in einem Stern…

Die Gärtner des Kosmos

So unterschiedlich Sterne auch sterben, erfüllen alle Supernovae dieselbe große Aufgabe:
Sie sind die Gärtner des Universums.
Sie erzeugen und zerstreuen die Elemente, aus denen Sterne, Planeten und Lebewesen entstehen. Sie drücken Gaswolken zusammen, lösen neue Sternentstehung aus, und sorgen dafür, dass das Universum niemals stillsteht, sondern sich ständig weiter entwickelt.

Vielleicht ist das die schönste Erkenntnis:
Jedes Metall in einer Münze, jeder Tropfen Blut, jeder Stein unter unseren Füßen — all das wurde einst im Herzen eines Sterns geschmiedet und in einer Supernova freigesetzt.

Also ich empfinde das alles höchst weihnachtlich.
Jetzt hoffe ich natürlich, dass ihr ein frohes Fest hattet, dass mein Artikel zu Heilig abend euch auch jetzt noch gefällt, und dass ihr etwas nachvollziehen konntet, wie großartig und weihnachtlich das alles ist.
Ich werde mich bald nochmal mit meinem obligatorischen Jahresrückblick bei euch melden, und bin jetzt schon sehr gespannt, was wir gemeinsam im nächsten Jahr erleben dürfen.
Für den Augenblick bleibt mir nur noch, euch auf das letzte Türchen unseres wunderbaren literarischen Adventskalenders zu schicken.
https://www.blautor.de/der-blautor-adventskalender/

Blindnerd Adventskalender 2025, zum Vierten Advent


Meine lieben,

beschließen wir am heutigen vierten Advent unseren Reigen der Himmelsgäste mit einem Text von mir, der zehn Jahre alt ist.

Eine Konsequenz aus dem Bericht Tychos war, dass viele Astronomen nun damit
begannen, die Sterne etwas genauer zu beobachten, anstatt sich nur auf die Planeten zu konzentrieren. Die Entdeckung einer Nova, das hatte das Beispiel Tychos
gezeigt, konnte einen berühmt machen. Innerhalb nur einer Generation wurde
deutlich, dass Veränderungen unter den Fixsternen gar nicht so selten waren.
So bemerkte der ostfriesische Astronom David Fabricius , ein
Freund Tychos, im Jahre 1596 im Sternbild Walfisch einen Stern, den er zuvor an
dieser Stelle noch nie beobachtet hatte. Er erwies sich als Objekt der dritten Größenklasse, besaß also nur mittlere Helligkeit, doch die Astronomen waren nicht
mehr gewillt, irgend etwas zu übersehen.

Fabricius und Sohn kennen wir auch von einem anderen Phänomen her. Sie beobachteten akribisch die Sonne und ihre Flecken. Ein Wunder, dass beide bei dieser Aktion ihr Augenlicht nicht verloren.

War es aber wirklich ein neuer Stern? Die Entscheidung war nicht schwer zu
fällen, denn man brauchte das Objekt nur weiterhin zu beobachten. Mit der Zeit
nahm seine Helligkeit ab, und schließlich verschwand der Stern, so dass Fabricius
sich in seiner Meinung bestätigt fühlte und die Entdeckung einer Nova bekannt gab.

Bei der nächsten Nova begegnen wir dem deutschen Astronomen Johannes Kepler
Kepler hatte mit Tycho während dessen letztem Lebensjahr zusammengearbeitet.
Tycho hatte mittlerweile viel Zeit damit verbracht, die wechselnden Positionen
des Mars vor den Hintergrundsternen sorgfältig zu vermessen, in der Hoffnung,
damit eines Tages beweisen zu können, dass sein Modell vom Sonnensystem der
Wirklichkeit entsprach. Tycho glaubte, daß Merkur, Venus, Mars, Jupiter und
Saturn zwar um die Sonne kreisten, diese aber zusammen mit den Planeten um die
Erde lief.
Als Tycho starb, überließ er all seine Aufzeichnungen seinem Schüler Kepler, damit dieser den noch ausstehenden Beweis für das „Tychonische System“ erbringen konnte.
Kepler gelang dieser Nachweis natürlich nicht. Was er aber statt dessen im Jahre
1609 herausfand, war, dass Mars sich nicht auf einem Kreis oder einer Überlagerung aus mehreren Kreisen um die Sonne bewegte, wie Plato gefordert und alle
westlichen Astronomen seither (einschließlich Kopernikus) angenommen hatten.
Mars bewegte sich vielmehr auf einer Ellipse, in deren einem Brennpunkt die
Sonne stand. Kepler machte sich sogleich daran, die Ellipsennatur auch der übrigen Planetenbahnen zu überprüfen.
Dabei schuf er schließlich die heute noch gültige Beschreibung des Sonnensystems, die im Gegensatz zu den Vorstellungen des Kopernikus der Wirklichkeit entsprach. In den beinahe vier Jahrhunderten seit Kepler haben die Astronomen keine wesentlichen Änderungen mehr an diesem Modell vornehmen müssen.
Zwar wurden umfassendere Theorien entwickelt und weitere Planeten entdeckt,
doch die elliptischen Umlaufbahnen sind geblieben und werden mit Sicherheit
auch Bestand haben.
Noch bevor Kepler sein System vollständig entwickelt hatte, leuchtete 1604 im
Sternbild Schlangenträger ein neuer Stern auf. Er war heller als die Nova des
Fabricius, wenn auch bei weitem nicht so hell wie der neue Stern Tychos. Der
Stern im Schlangenträger strahlte etwa so hell wie Jupiter und erreichte damit nur
ein Fünftel der Venushelligkeit.
Dennoch bot der Stern eine prächtige Erscheinung, die nunmehr von mehreren
Astronomen umfassend beobachtet wurde. Kepler und Fabricius machten sorgfältige Positionsmessungen und verfolgten die Helligkeitsentwicklung von Woche
zu Woche. Es dauerte ein ganzes Jahr, bis der Stern wieder verschwand.
Damit waren innerhalb von 32 Jahren oder gut einer Generation drei Novae am
Himmel beobachtet worden, von denen zwei ziemlich hell waren. Alle drei waren
eindrucksvolle Erscheinungen und keineswegs so selten, wie ihre Beobachter zunächst vermuten mochten.

Statistisch gesehen ist unsere Galaxis überfällig für eine neue Supernova. Es sollten etwa alle einhundert Jahre zwei Himmelsgäste aufleuchten.

Einige Riesensterne, wie Eta Carinae im Sternbild Schiffskiel oder Beteigeuze, der Schulterstern des Orion, wären gute Kandidaten, aber die spannen uns momentan noch auf die Folter. Aber vielleicht (mit vielen Fragezeichen) ist uns das Glück schon bald hold.

Einer unserer Leser bemerkte einmal, als ich über das eventuelle nahe Ende von Betaegeuze sprach, dass es doch sehr schade wäre, um den Stern. Fans vom „Per Anhalter durch die Galaxis“ wissen warum. Er ist der Heimatsstern von Fort Prefekt, einem der beiden Hauptfiguren in den Büchern…

Schon seit über einem Jahr erwarten wir sehnsüchtig eine ganz bestimmte Nova im Sternbild „Nördliche Krone“. Sie kündigt sich an, aber kommt noch nicht recht in die Gänge.
Über dieses schrieb ich in
Aufregung um den Kopfschmuck des Königs
Wir sehen also, Gäste am Himmel sind gar nicht so selten. Wir Astronomen heißen sie herzlich willkommen, weil jeder dieser Gäste eine neue Botschaft für uns mitbringt, indem er neue Erkenntnisse liefert und unser astronomisches Wissen erweitert.

So, und was bleibt uns jetzt zu heilig Abend? Genau. Wir packen das Rätsel um die Himmelsgäste aus, und erklären ganz vorsichtig und einfach, wie sie funktionieren.
Und noch etwas.
Vergesst bitte nicht, auch mal auf dem Kalender von unseren BLautoren
vorbei zu schauen. Es lohnt sich.