Blindnerd-Jahresrückblick mit viel Tiefgang

Prolog

Hiermit begrüße ich euch herzlich im Jahr 2022.
Ich wünsche für uns alle, dass alle das in diesem neuen Jahr erhalten, was am nötigsten gebraucht wird.
Tja, was soll ich euch sagen. Mein erster und einziger Vorsatz dieses Jahres ist mit diesem Artikel schon gebrochen.
Ich hatte großen Gefallen daran gefunden, nur noch kürzere Artikel zu verfassen. Darauf kam ich in meinem Blindnerd-Bladventskalender. Wer den noch nicht gelesen und gehört hat, kann das mit diesem Link oben tun.

Durch diesen Kalender entstand tatsächlich mein Vorsatz, künftig keine Artikel mehr zu veröffentlichen, welche mehr als höchsten 5000 Zeichen umfassen. Den habe ich, wie soll es anders ein, für diesen Jahresrückblick extrem überschritten. Aber ich denke, der Artikel gildet noch nicht, weil der ist ja noch im letzten Jahr entstanden, als es diesen Vorsatz noch nicht gab. OK, ganz unter uns. Letztes Jahr entstanden die Stichworte dazu. Das Werk ist tatsächlich erst in den ersten Tagen des neuen Jahres entstanden. Sagt es aber bitte nicht weiter.
Naja, wenn der Vorsatz nicht klappen sollte, dann habe ich noch immer einen Plan B. Ich habe jetzt ein Jahr Zeit, mir einen Vorsatz für 2023 zu überlegen, der dann vielleicht durchführbarer sein könnte. Trinken, Essen, Rauchen und anderes kommen dafür nicht in Frage, denn das tue ich nich zu oft, nur täglich.
ein sehr streng gläubiger Christ sagte mir einmal, dass gute Vorsätze den Weg zur Hölle pflastern würden. Für ihn und seines Glaubensbrüder mag das zutreffen, aber ich glaube nicht an die Hölle. Keine Ahnung, was dann mit meinen gescheiterten Vorsätzen geschieht.
Ich hoffe natürlich nicht, dass ich mit diesem Plan B in eine Endlosschleife gerate. Deshalb habe ich den Exit-Punkt für diese Schleife zumindest was die funktionale Programmierung betrifft gleich an den Anfang des Programmes gestellt, damit nicht unnötige Gedankenbäume und Rekursionen entstehen.

Also, wie gesagt. Dieser Artikel ist ein Jahresrückblick und deshalb sehr länglich geworden. Ich bitte euch aber trotzdem inständig, den ganzen Artikel zu lesen. Er umfasst schon etwas Astronomie, aber das ist nur der Rahmen. Genauer gesagt beleuchtet er unserer gesellschaftliche Situation momentan. Keine Angst. Er wird kein Corona-Gejammer. Lest ihn aber bitte ganz und kommentiert ihn, denn er enthält ganz vieles, was jeder von uns in seinem Leben gebrauchen kann. Es ist eben ein Artikel des “EAAA” (Des etwas anderen Astronomen.

Den Satz, dass in diesem Jahr alles besser wird, als es im letzten war, verkneife ich mir jetzt, denn der hat sich, zumindest für mich zum letzten Jahreswechsel leider nicht so ganz bewahrheitet.
Aber es gab im letzten Jahr trotz allem einige sehr schöne Highlights, die ich im nun folgenden Jahresrückblick von Blindnerd sehr gerne mit euch teile.

Mein schönstes Weihnachtsgeschenk

Begonnen hatte das Jahr 2021 für mich mit einem sehr schönen nachträglichen Weihnachtsgeschenk von meinem ehemaligen Geschichtslehrer, Mentor und noch Chorleiter.
Er schenkte mir eine taktile wunderschöne Sternenkarte des Nordhimmels. Ich schrieb darüber in Mein Schönstes Weihnachtsgeschenk 2020.
Es ist es Wert, hier nochmal erwähnt zu werden, da ich es ja erst im Januar 2021 erhielt.

Und noch ein Geschenk

Genau so ging es im Februar weiter. Noch im Lockdown1 sprach ich bei Gelegenheit mit meiner Arbeitskollegin darüber, dass man die Figur, welche die Sonne im Laufe des Jahres an einem Punkt über den Himmel beschreibt, ein Analemma nennt. Es sieht ungefähr aus, wie eine schräg gestellte Acht. Meine Kollegin erinnerte sich daran, dass ich mir das gerne einmal vorstellen würde und erzeugte mir eine taktile Version davon, so dass ich es abtasten konnte.
Es ist so großartig, dass ich an einem Ort arbeite, wo ich all diese Dinge mit so vielen wunderbaren Mitarbeitenden erleben darf, und wo mich unsere Leitung in derlei Dingen unterstützt.

Zum Glück; ich war noch nicht ganz vergessen

Im Frühjahr 2021 durfte ich dann dankbar erfahren, dass man mich trotz der Pandemie und allem noch nicht ganz vergessen hatte.
Die Frauengruppe des LBSV-Württemberg (LBSV = Landes blinden- und sehbehinderten verband) an. Sie wollten ganz einfach wissen, wie das so ist, wenn ich mich als blinder Mensch für Astronomie interessiere, weil auch sie dachten, Astronomie wäre nur etwas für Sternengucker.

So trafen wir uns zu einer Telefonkonferenz, da viele vor allem ältere Personen besser mit einem normalen Telefon, als mit einem PC und dessen Online-Software vertraut sind. Gerne hätte ich mich mit den Damen in Stuttgart zu einem guten Mittagessen oder zu Kaffee und Kuchen in Stuttgart getroffen, aber das ließ die Pandemie derzeit leider nicht zu. Viele von uns waren ja auch noch nicht geimpft. Modelle herum reichen ging also auch nicht und auch in der Qualität des Sounds mussten wir wegen Telefon einige Abstriche hin nehmen. Und so verlegte ich mich auf einen relativ frei gehaltenen Vortrag mit Lesungen aus meinem Buch, mit der Erzählung von Geschichten und Beispielen, wie inklusiv Astronomie sein kann. Wir hörten uns tatsächlich auch einige Weltraumsounds, wie ich sie auch hier auf dem Blog schon vorstellte an. Angesetzt war der Vortrag für etwa eine Stunde. Nach fast drei Stunden trennten wir uns schließlich wieder. Nie hätte ich gedacht, das diese meist älteren Damen so viele Fragen zu astronomischen Themen hatten. Sie reichten von eher esoterischen Themen bis hin zu aktuellen Entdeckungen und Weltraummissionen. Ich hatte wirklich den Eindruck, dass diese Damen sehr glücklich darüber waren, endlich mal ihre Fragen los werden zu dürfen. Es war ein wirklich sehr schöner und gelungener Nachmittag. Ich habe Vorträge mit Menschen erlebt, die durchaus naturwissenschaftlich und technisch unterwegs sind, und bei denen widererwarten quasi keine Fragen gestellt wurden. Mag sein, dass die schon alles wussten, was ich aber dahin gestellt lasse.

Um Ostern herum entdeckte mich der DBSV-Jugendclub, Jugendclub des deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes auf Twitter. Ich wurde eingeladen, eine Folge für ihren Podcast zu produzieren, in welcher ich das sprechende Handplanetarium
Universe2Go
präsentieren durfte. Die Folge fand großen Anklang und ich vermute, dass einige dieser jungen Menschen nachher versuchten, in U2G einzusteigen.
Das ist am Anfang durchaus nicht einfach. Ich gratuliere all jenen, die es trotz anfänglicher Start-Schwierigkeiten geschafft haben.
Die Podcast-Folge dazu findet ihr Hier lang.

Nach Ostern dann erhielt ich eine Anfrage der Fachgruppe MINT des deutschen Verbandes für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf (DVBS). Die wollten mal für ihre Treffen etwas anderes geboten bekommen, wie nur Themen über Computer, Bildschirmleser oder Betriebssysteme. Ihr Wunsch war ein Vortrag über schwarze Löcher. Noch nie hatte ich, und schon gar nicht in 90 Minuten über so ein komplexes Thema referiert. Aus diesem Grunde nahm ich diese Herausforderung gerne an. Konnte ich doch daran wachsen und mich entwickeln.
Wir streiften Themen wie

  • Was ist Gravitation,
  • Dichte und Fluchtgeschwindigkeiten,
  • was geschieht am Ende des Lebens eines Sterns,
  • Wie wurden schwarze Löcher zunächst postuliert und schließlich auch entdeckt,

und vieles mehr.
Natürlich reichten auch hier die 90 Minuten nicht aus. Nach drei Stunden war das Interesse noch immer ungebrochen. Das ist eben der Vorteil bei Online-Veranstaltungen.

  • Keiner muss auf den Zug oder Bus,
  • der Vortragsraum muss nicht zu einer bestimmten Zeit geräumt sein,
  • und jeder kann, bei abgeschaltetem Mikrofon versteht sich, nebenbei essen, seine Wäsche aufhängen, oder sich im Garten vergnügen.

Meine Erfahrung ist hier schon, dass es trotz aller sozialer Einbußen, die eine Online-Veranstaltung mit sich bringt, es gerade für uns, die wir doch nicht ganz so mobil sind, viel Entspannung und Erleichterrungen mit sich bringt. Nervige Wege entfallen, man fühlt sich im eigenen Umfeld wohler und man wird nicht beobachtet oder begafft.
Das sollten wir unbedingt im Hinterkopf behalten, wenn einst mal wieder alles erlaubt sein wird.
Am Schluss des Vortrages bat man mich, der Gruppe etwas verschriftlichtes zur Verfügung zu stellen, dass man alles nochmal nachlesen könnte.
Darauf ließ ich mich in meinem jugendlichen Wahnsinn schließlich ein. Mit meiner Stichwortliste war hier nichts zu machen. Darin fand nur ich mich zurecht. Also musste ein Artikel auf dem Blog her. Bald schon merkte ich, dass einer nicht ausreichen würde, um die Leser abzuholen, um alle Grundlagen zu legen, die man schließlich für die Erreichung des Zieles, etwas über schwarze Löcher zu erfahren, brauchen würde. Zurück rudern wollte ich aber jetzt auch nicht mehr. Man hat ja schließlich seinen Stolz. Und so entstand letztlich über mehrere Monate hinweg eine elfteilige Serie zu diesem Thema. Ich kopierte die Artikel nur mal so aus Interesse in die Taschenbuchvorlage, die mir mein Verlag zur Erstellung meines Buches vorgegeben hatte, und siehe da, es waren schon um die 150 Seiten. Das ist zu viel, um es damit nur bei diesen elf Artikeln auf dem Blog zu belassen. Es kann gut sein, dass ich daraus noch mehr machen werde, z. B. ein Buch, ein Hörbuch oder sonst etwas. Das ist alles noch in der Schwebe und muss noch etwas reifen.

Mein Sommerurlaub

Nun lockerte sich zum Sommer hin alles und mein Urlaub in meinem geliebten Erholungszentrum in Schwarzach in Österreich durfte stattfinden. Außerdem verfügte ich genau am Abfahrtstag, 01.08. über den kompletten Impfschutz mit beiden Impfungen und der zweiwöchigen Wartezeit danach. Das war ein gutes Timing. Nebenbei bemerkt fand ich das Impfzentrum in der Messe Karlsruhe ein wirklich sehr spannendes Erlebnis. Die Logistik dort beeindruckte mich sehr. Natürlich nahm ich mir meine Assistenz mit, aber so, wie die aufgestellt waren, hätten die mich auch ohne Begleitperson sicher durch alle Stationen geschleust, so dass ich zu meinem Drachenblut gefunden hätte.
Unerwähnt möchte ich an dieser Stelle auch nicht das unbeschreibliche Glücksgefühl lassen, das ich nach beiden Impfungen empfand. Endlich etwas mehr Sicherheit. Endlich die Legitimation in der Tasche, sich im Rahmen aller Vernunft wieder etwas freier fühlen zu dürfen.
Wie auch immer. Das nur am Rande.
Vor allem ein verregneter Sommerurlaub, wie dies einer war, bietet sich natürlich für eine Veranstaltung zu Astronomie an, die ich mittlerweile schon traditionell in jedem Sommer den Urlaubsgästen anbiete. Das Thema dazu entstand bei Bier, Wein und guten Happen. Der Leiter des Hauses besitzt einige Modelle diverser Raumfahrzeuge aus verschiedenen Serien, wie Enterprise oder Starwars.
Er brachte sie mit und so entstand ein sehr interaktiver Abend, wo die Modelle herum gingen, ich etwas dazu erzählte und wir uns alle über die Serien austauschten. Natürlich kopierte ich auch einige Hörbeispiele zusammen. Danach packte ich dann noch die Gitarre und meine Mundharmonikas aus, so dass wir noch singen konnten. Hierbei sind Tabletts, Smartphones und das Internet immer eine große Hilfe. Ein Sehling ist immer dabei, der die Liedtexte für uns aufrufen und ansagen kann, so dass auch wir Blindfische mitsingen konnten. Das ist schon ein Phänomen. Spielen kann ich die Lieder quasi alle. Auch die Melodien sind in der Regel kein Problem. Selbst die Transponierung in singbare Tonarten stellen für mich keine Hürde dar, aber die Texte. Oft hörts leider nach der ersten Strophe auf. Ich wünsche mir hier eine Möglichkeit, dass ich mit den Händen die Klampfe bearbeiten kann und gleichzeitig den Text irgendwie vermittelt bekomme, so dass ich mit den Zeilen pünktlich in der Melodie bereit wäre.
Also. Das war vor allem vor dem Hintergrund der sozialen Isolation ein ganz wunderbarer und nötiger Urlaub.

So, und jetzt verlassen wir die Chronologie der Ereignisse, denn ich schrieb sie einfach im Laufe des Jahres so zusammen und es ist mir jetzt nicht so wichtig, die nochmal neu zu sortieren.

Sendungsbeitrag Volle Kanne

Ich staunte nicht schlecht, als mich plötzlich ein Anruf einer Reporterin erreichte. Sie wollte sich gemeinsam mit einem Fotografen und einem Tontechniker mit mir treffen, um einen fünfminütigen Beitrag für die Sendung “Volle Kanne” des ZDF zu drehen, und das trotz Pandemie und noch nicht geimpft.
Und so trafen wir uns in meinem Büro, wo die meisten meiner Modelle stehen. Noch nie habe ich ein so sensibles Team beim Fernsehen erlebt. Der Kameramann informierte mich immer, wenn er ein Modell für ein besseres Bild umstellen wollte. Nach der Aufnahme musste ich nicht alles wieder zusammen suchen, wie das leider oft so ist, wenn Sehende einem ungefragt das Büro umgraben. Ich erinnere mich, dass ein kleines USB-Ladekabel für meinen Leuchtmond auf dem Tisch lag. Sogar dieses legte er nach der Aufnahme genau dort hin zurück, wo es vorher lag. Das hat mich tief beeindruckt. Ich wurde auch bei den Aufnahmen nicht irgendwie herum geschoben, oder musste unnatürlich verkrampfte Haltungen und Posen einnehmen. Alles wurde ganz entspannt aufgenommen. Und auch die Fragen in dem Interview waren ausgezeichnet. Somit wurde diese Sendung keine von denen, die letztlich am Ende dann doch wieder die Behinderung hervorheben und alle Klischees erfüllen. Nicht trotz meiner Behinderung mache ich Astronomie, sondern mit ihr. Sie ist fester Bestandteil meiner Arbeit und dafür integral wichtig. Kein Nachteil also, sondern gesamtheitlicher Anteil meiner Person und meiner Mission und Überzeugung, dass Astronomie für alle einen Zugang bereit hält.
Ein kleines muss ich aber doch noch kurz bevor ich euch in die Mediathek führe anmerken. Als die Sendung ausgestrahlt wurde, erzählte mir ein guter Freund, der sich die Sendung angesehen hatte, dass man bei der Großaufnahme gesehen hätte, dass meine weiße Maske, aus welchem Grund auch immer, leider nicht mehr makellos weiß gewesen sei. Das hat mich maßlos verletzt und geärgert, dass mir der Kameramann oder die Reporterin das nicht gesagt hatten. Mein Rucksack und mein Schreibtisch wären voller neuer verpackter weißer Masken gewesen. Auch Ersatzkleidung hätte ich dabei gehabt, wenn sich dort ein Fleck eingestellt hätte. OK, den meisten ist das wohl nicht aufgefallen, aber bitte,

ihr Sehenden, bitte sagt uns Blinden so etwas. Es ist so demütigend, wenn die gute Performance durch so etwas unnötiges und leicht zu änderndes Problem getrübt wird.

Die meisten von uns werden derlei dankbar annehmen und euch freudig für diese Info in die Arme fallen.
Bei vielen wirft so ein Makel z. B. die Frage auf, ob der arme Blinde keine Frau oder sonst niemanden hat, der sich um ihn kümmert… Und das ist nicht nur so dahin gesagt. Manchmal wird man so angesprochen.
Ich für meinen Teil habe daraus gelernt, dass man wirklich jeden Mist vorher abfragen muss.
Für Kleidung, Brille Frisur oder das sonstige Äußere tue ich das bereits, weil es mich die Erfahrung lehrte, aber nun musste ich eben das neue Accessoire, die Maske, die uns wohl noch lange, vielleicht für immer, begleiten wird, in diesen Katalog mit aufnehmen.
Ich bin niemandem dafür böse, wenn so etwas vergessen wird, aber es tut weh, ehrlich, wenn ich so etwas dann von dritten Personen erfahren muss.
Wie auch immer. Ich bin momentan noch in Verhandlung, ob ich zumindest meinen Beitrag hier veröffentlichen darf.
Bis das aber so weit ist, geht es zur Mediathek des ZDF und zur Sendung
hier lang.

Auch Schulen haben meiner gedacht

Ich bin mit zwei Physiklehrern zweier Schulen in Kontakt, die nun vor die Tatsache gestellt sind, einen blinden Schüler, der dort inklusiv beschult wird, in ihrem Astronomie-Kurs unterrichten zu müssen. Diese Lehrer fanden mich im Netz und über mein Buch. In zahlreichen Telefonaten und mit dem austausch von Dateien durfte ich hier unterstützen. Was ich so höre, gehören beide Schüler an ihren jeweiligen Schulen zu den besten in den Astronomie-Kursen. Wir entwickelten auch Gruppenarbeiten, wo beispielsweise sehende Schüler die Aufgabe bekommen, etwas taktiles zu basteln, um dem blinden Schüler den Sternenhimmel näher zu bringen. Das läuft sehr inklusiv an. Oft ist es so, dass blinde Schüler im naturwissenschaftlichen Unterricht lediglich den Versuchen beiwohnen und höchstens noch das Protokoll schreiben dürfen. Das ist äußerst unbefriedigend, denn selber machen ist etwas anderes, als nur davon zu erfahren.
Auch hier zeigt sich wieder, welch wunderbares Potential die Astronomie im inklusiven Unterricht erlangen kann.

Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft

Im Herbst ergriff ich die Chance, mal wieder auf dem Outreach-Workshop der deutschen Astronomischen Gesellschaft einen Vortrag zu halten. Die Tagung fand online statt. Es zeigte sich deutlich an der Zahl der Teilnehmenden, dass sich online deutlich mehr anmeldeten vor dem Hintergrund der ersparten Reise. Da Astronomie oft mit vielen weiten Reisen verbunden ist, steht sie teilweise mit Recht im Verruf, nicht den besten CO2-Fußabdruck zu hinterlassen. Dem wurde auf dieser Tagung eindeutig entgegen gehalten.
Ohne Reise, ohne Assistenz, ohne fremde Umgebung, ohne schwieriges Hotel mit Buffet und allem, ohne in lauter Umgebung Smalltalk führen zu müssen, was mir sehr schwer fällt, weil ich mein Gegenüber nicht sehe, war das ganze Unternehmen für mich sehr entspannt und inklusiv möglich.
Ich durfte darüber berichten, wie sich für mich meine Outreach-Arbeit in der Pandemie verändert hat. Ich erzählte vom Kampf mit diverser Online-Software, sprach über neue Konzepte für Online-Veranstaltungen, berichtete darüber, wie ich mit sehender Assistenz, die für die Kameraführung und das Bildmaterial verantwortlich waren, trotz allen Umständen sogar sehr erfolgreiche Veranstaltungen für Kinder durchführen konnte und vieles mehr.
Es war ein sehr gelungener Vortrag bei dem, wie soll es anders sein, sich mal wieder die Astronomie als besondere Chance für Inklusion bewähren durfte.
Schon im Vorfeld stieß ich bei den Veranstaltern auf großes Verständnis und auch großes Interesse, mich bei so etwas zu unterstützen.
Wir probierten alle Technik im Vorfeld aus und testeten alles durch. Dafür räumten wir uns relativ viel Zeit ein. Und da erhielt ich einen kleinen Ritterschlag. Wir waren im Bruchteil der geplanten Zeit mit allem durch und alles klappte ziemlich auf Anhieb. Der Astronomie-Professor, mit dem ich alles testete meinte, dass er sich wünschen würde, dass alle ihr System so gut im Griff hätten, wie ich das meine. Er versicherte mir, dass solche Tests mit den meisten sehenden Menschen deutlich länger dauerten, manchmal sogar mehrere Termine erforderlich machten. Wir hatten alles in 15 Minuten durch und hatten in der Zeit noch sogar Raum, um über andere Dinge zu quatschen. Das erfüllt mich schon mit einem gewissen Stolz, denn oft erleben wir Blinden, oder wir bilden ihn uns ein, den Kampf, für alles länger zu brauchen und hecheln somit den Sehenden immer hinterher. Zumindest glauben wir das immer, weil uns unsere Erziehung und unsere Leistungsgesellschaft oft behinderter macht, als wir es wirklich sind. Das reicht bis da hin, dass wir uns oft ohne, dass wir das wollen, in eine Opferrolle treiben lassen, in welcher wir dann demutsvoll und für alles dankbar sein zu müssen, zu verharren haben.
Nicht so in der Astronomie. Dort bin ich mit meiner Technik ganz vorne dabei und wurde sogar schon von einer Astronomie-Professorin, die über Jahre die AG leitete, im Rahmen eines Interviews für die deutsche Presseagentur als “Experte” bezeichnet, obwohl ich keinerlei Abschlüsse in diesem Bereich vorweise. Nicht zuletzt, und so viel Bauchpinselei muss erlaubt sein, bin ich Mitglied der Astronomischen Gesellschaft geworden, was ohne Verbindungen oder einen wissenschaftlich- astronomischen Hintergrund quasi unmöglich ist.
Aber genug davon. Wenn ich damit sage, dass die Astronomie auch hier mal wieder zeigt, das …, würde ich mich wiederholen.

Lokalradio Köln 20.10.

Seit Frühjahr 2021 habe ich zu einem Verein von blinden und sehbehinderten Autoren und Autorinnen gefunden. Den Verein gibt es schon seit 1992, aber ich habe vorher noch nie von ihm gehört.
Es ist ganz erstaunlich, wie groß die schreibende Zunft unter uns ist. Von Journalisten, Radiomachern, Autoren von Kriminalromanen über Kurzgeschichten ist quasi alles vertreten. Wir tauschen uns über Bücher, Hörspiele und vieles mehr aus. Wir treffen uns zu Telefonkonferenzen zu Autorenlesungen und anderen Veranstaltungen online und bald hoffentlich auch wieder direkt. Ich wurde in diesem Verein mit meinem etwas exotischen Thema herzlich aufgenommen und durfte im Rahmen dessen gleich einen Vorrtrag und zwei Beiträge in unserer Hörzeitschrift veröffentlichen. Ein weiterer Beitrag wird in die Anthologie, an welcher der Verein gerade arbeitet, welche die Geschichte und Vielfalt des Vereines aufzeigen wird, veröffentlicht werden. Diese Anthologie wird voraussichtlich im Frühjahr erscheinen. Sie wird ein spannendes Buch vom Umfang mehrerer hundert Seiten werden. Wir sind alle darauf sehr gespannt.
Da unser Internetauftritt momentan im Umbruch ist, lasse ich den Link hier erst mal weg.
Durch diesen Verein wurde eine blinde Journalistin auf mich aufmerksam. Sie spannte mich sogleich für ein spannendes Interview mit Weltraumsounds und allem für das Lokalradio Köln ein. Für online, ist die Qualität ganz gut geworden und hat mir sehr viel Freude bereitet.
Zur Sendung geht es hier lang.

Endlich mal wieder eine Reise tun

Sternenpark Havelland 27.10. – 29.10.

Ende Oktober 2021 durfte ich das Zeitfenster der Lockerungen nutzen, um mich mit meinem lieben Freund Martin, dem Entwickler des sprechenden HandplanetariumsUniverse2Go zu treffen. Wir fuhren gemeinsam in den Sternenpark Havelland, wo wir unsere lieben Freunde, Familie Zemlin trafen. Die betreibt dort einige Ferienhäuser und bieten auch Platz und Veranstaltungen über Astronomie an. Ich selbst war schon vor der Pandemie dort, um beratend und testend an der barrierenfreien Gestaltung dieser Häuser mit zu wirken.
Ich schrieb darüber in Urlaub am dunkelsten Ort Deutschlands inklusiv erleben.
Schaut doch mal hier rein. Es lohnt sich wirklich.
Das Auto voll gepackt mit Teleskop, Musikinstrumenten, Lebensmitteln und einer Drohne kamen wir dort an.
Natürlich wurden wir sehr herzlich empfangen. Im Grunde hatten Martin und ich nur einen kompletten Tag dort zur Verfügung, aber selten habe ich erlebt, dass man einen Tag so ausfüllen kann. Am Vormittag machten wir einen langen Spaziergang in die Felder, sahen Astronomen bei ihren Sonnenbeobachtungen zu und ich durfte Martins Drohne steuern und fliegen. Es ist eine richtig gute Drohne, die sehr gut auf sich selbst aufpassen kann. Sie ließ sich akustisch sehr gut hören. Ich nahm genau wahr, was sie tat, wenn ich die Steuerknüppel und das Gas bediente. Ließ ich sie beispielsweise weg fliegen und kam sie trotzdem auf mich zu, dann hörte ich genau, dass sie rückwärts flog. Mit links und rechts verhielt es sich genau so. Als ich sie landen wollte, verweigerte sie die Landung, weil ich sie nicht auf dem Weg landen wollte, sondern auf der Grasnarbe des Weges. Sie sah mit ihrer Kamera, dass eine Graslandung für ihre Rotoren nicht gut sei. Als ich sie etwas versetzte, landete sie ohne Widerspruch.
Also wenn ich durch eine spezielle App etwas mehr Telemetrie-Daten bekommen hätte, dann ist so eine Drohne eine tolle Sache. Das kann man wunderbar gemeinsam mit einer sehenden Person fliegen.
Da es für diese Drohne eine veröffentlichte Programmierschnittstelle gibt, ist so eine App durchaus machbar.

Nach dem allem und einer kleinen Stärkung machten wir uns ans Musizieren, denn wir wollten für das Grillfest am Abend bei den Zemlins nicht mit leeren Händen da stehen. Noch nie habe ich mit Martin und seinem Cello musiziert. Wir fanden uns super zusammen. Und somit entstanden einige Stücke gemischt mit Cello, Gitarre, Mundharmonika und Querflöte. Auch ich durfte mal das Cello streicheln. Die Töne zu finden war für mich als Gitarrist und mit absolutem Gehör kein größeres Problem, aber die Führung des Bogens ist verdammt schwierig.

Auf jeden Fall war dieser musikalische Grillabend wirklich eine Quelle für Kraft nach dieser langen Zeit der sozialen Isolation. Zwei mal mussten wi unser Treffen verschieben. Einmal wegen der Pandemie, und das andere mal wegen eines Luxus-Streikes der deutschen Bahn. Um so schöner und erfüllter war es nun. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die endlosen Gespräche auf unseren Autofahrten.

Freizeit EBS-Baden

Am Wochenende vom 05.11. – 07.11 leitete ich die Freizeit für junge Erwachsene des Evang. Blinden- und Sehbehindertendienstes. Wir hatten diesmal das Thema Wasser. Ich bin noch ganz erfüllt davon. Es tat so gut, sich mal wieder zu treffen, denn zwei mal ist diese Freizeit wegen, ihr wist schon, ausgefallen. Für manche von uns bieten aber derartige Freizeit die einzige Möglichkeit, mal aus der Enge ihres begrenzten Umfeldes, ihrer Behindertenwerkstatt oder ihres Wohnheimes heraus zu kommen.
Ich startete mit einer dreifachen Vorstellungsrunde zum Ankommen, Ballast ablegen und um positive Energie zu bekommen.
Danach gab es dann noch einen Abendsegen einer Teilnehmerin und ein gemeinsames Lied mit Gitarre und Mundharmonika von mir. Dann ging es in die Bar zu schönen Gesprächen und guten Getränken.
Am Samstag näherten wir uns dann dem Thema Wasser in ganz verschiedenen Blogs und Fragen.

  • Wasser in Märchen und Literatur,
  • Wasser in der Bibel
  • Wasser in Musik und Komposition
  • Astrophysikalischer teil: Woher kommt das Wasser auf der Erde, Agrigatzustände des Wassers, Chemie des Wassers, Johannes Keplers Schnee-Geschichte und seine Orangen-Stapel
    * Wassersounds, z. B. Wahlgesänge und andere lärmende Fische

Und vieles mehr.
Es ist mir gelungen, die Gruppe total mit einzubeziehen. Ich stellte viele Fragen, regte die Gruppe an, jeder, auch eine Teilnehmerin mit einer geistigen Einschränkung, konnte sich perfekt beteiligen und einbringen. Sie hat Hendels Wassermusik mit Weihnachtsmusik verglichen. Damit hat sie recht, denn diese Musik wurde für eine große Feier auf der Themse in London geschrieben, die auf verschiedenen Booten gespielt wurde.
Ein Boot fängt mit dem Thema an, das andere greift es auf, dann das dritte Boot mit den Streichern etc. Es ist so, als würde man ein Magnificat von Bach, wo die Instrumente und Chöre sich die frohe Weihnachtsbotschaft zu rufen oder venezianische Vielchörigkeit des 14. Jahrhunderts hören.
Ihr könnt diese beeindruckende Wassermusik hier mit einer Erklärung auch für Kinder hören.

Wir hatten eine Teilnehmerin, die bevor sie erblindet war, alle biblischen Orte besuchte. Sie erzählte uns vom roten, toten und schwarzen Meer, von Gletschern, Wüsten und Wasserfällen. Sie hielt mit uns am Samstag Abend vor dem Gang in die Bar eine wunderbare Andacht zum Thema Wasser des Lebens.
Am Sonntag hatten wir dann noch einen schönen Gottesdienst, die Abschlussrunde und ein super Mittagessen.
Die Freizeit war ein voller Erfolg, obwohl ich sie vor lauter Lockdown-Frust und allem fast nicht vorbereiten konnte. Erst am Mittwoch davor war der Druck dann hoch genug und die Liederhefte druckte ich erst am Freitag zwischen 06:00 und 09:00 Uhr morgens am SZS aus.
Ohne mich loben zu wollen. Es ist nicht gut, so etwas in derart letzter Minute vorzubereiten, aber es zeugt von einer gewissen Genialität, wenn man das kann.
Mir ging es in der Freizeit weniger darum, dass wir danach Expert*innen zum Thema Wasser sein würden. Das Thema galt vielmehr als Rahmen, in dem wir, so lange in Einsamkeit und Abgeschiedenheit, kommunizieren, sozial interagieren und einfach eine gute Zeit haben können. Das ist mir, Dank nach oben, extrem gut gelungen.

Einen Eindruck, der mich sehr verwundert bei blinden Menschen, muss ich hier noch dazu mit euch teilen.
Ich kenne blinde Menschen, die aus ihrer Wohnung twitchen und auch auf Insta und anderen sozialen Medien sehr aktiv sind.
Das verstehe ich einfach nicht. Für unsereins wäre doch etwas akustisches, wie Clubhouse viel interessanter. Ist es tatsächlich auch, aber mir fehlt die Zeit dazu.

Auf der Freizeit wollte auch jemand ein Gruppenfoto, wofür auch immer, machen. Und das Ding war, dass die Person selbst blind war. Dazu bin ich zu überzeugt blind, als dass ich dauernd den visuellen “Scheiß” der “Sehenden” mit mache.
Ich habe das Gruppenfoto als Freizeitleiter unterbunden, weil ich es nicht eingesehen habe, was das soll. Kein Foto hätte darstellen können, was wir gemeinsam auf der Freizeit miteinander erleben durften. Wir wären reduziert als Gruppe auf ein flaches Foto mit zwei Dimensionen gebannt worden. Dabei war unser gemeinsames Erlebnis so viel mehrdimensional, dass man sich so ein eventuell noch verwackeltes und pixelliges Foto auch sparen kann, weil es niemals widerspiegelt, was die Freizeit wirklich ausmacht. Das Medium passt an dieser Stelle einfach nicht.
Das muss man sich immer mal wieder überlegen, in welcher Weise ein gewisses Medium die Botschaft ist, und was es somit zu transportieren vermag. Hätte jemand seine Eindrücke der Freizeit auf eine Leinwand gebracht, ein Gedicht darüber gefunden oder sonst was, dann hätte das gepasst…
Naja, vielleicht sehe ich das alles auch etwas zu eng. Ich bin nicht zeitgemäß, und zeitkonform schon gar nicht. Es ist doch einfach lächerlich, wenn Menschen auf große Konzerte gehen,und die ganze Zeit damit beschäftigt sind, ihre Idole mit dem Handy vor ihren Gesichtern einzufangen. Wir haben uns z. B. vor Pink Floyd einen Joint reingezogen und uns auf eine Wiese gelegt und einfach genossen…
Unabhängig von der Droge hatten wir keine Ablenkung über Bildschirme vor unseren Gesichtern…
Auf jeden Fall werde ich die Hypertrophie des Sehens, das so viele Neurosen in unserer Gesellschaft hervorgerufen hat nicht dadurch unterstützen, dass ich mich an derlei Plattformen, die nur auf das visuelle aus sind und nur auf Selbstdarstellung abzielen, beteilige.

Bezirksgruppe Hessen DBSV 02.11.2021

Für diese Gruppe durfte ich einen ähnlichen Vortrag halten, wie einer oben für die Frauengruppe erwähnt war.
Auch dieser Vortrag wurde überlang, weil er online nach Feierabend stattfand. Auch hier kamen so viele Fragen und das Interesse war unglaublich. Das sollten teilweise meine alten Lehrer an der Blindenschule mal erleben. Die sparten nämlich z. B. das Thema Optik im Physikunterricht mit der Begründung aus, dass Optik mit Licht zu tun habe, und deshalb für Blinde nicht wichtig sei. Ich darf hier am Rande erwähnen, dass ich schon mal einen Vortrag für Einsteiger hielt, als ich ganz neu in einem Astronomieverein eingetreten war. Der Person, die das anfragte, war es, als sie mich vier Wochen danach nochmal anrief äußerst peinlich, dass sie mich als blindes Mitglied um diese Aufgabe bat. Ich musste ihn enttäuschen. Der Vortrag war schon fertig und vorbereitet. Auf der letzten Folie enthüllte ich mein kleines Problem. Der Vortrag kam sehr gut an und zeigte mal wieder, na was wohl, wie … die Astronomie ist.
Auch Leiter gewisser Bezirksgruppen der Blindenverbände lehnten mich wegen angeblich mangelnden Interesses ihrer meist älteren Mitglieder ab. Als ich in selbiger Gruppe an eine andere Türe klopfte, wurde ich vor lauter Interesse, Begeisterung und Fragen fast überrannt.
So viel zum Desinteresse von Blinden an Astronomie und Weltraum und zur Einschätzung derer über die Interessen der Mitglieder der Gruppe, die sie leiten…

Haus der Astronomie 14.12.

So, und nun kommen wir endgültig zum Schluss und Finale unseres Jahresrückblickes.
Ich bin schon seelisch und inhaltlich stets mit dem Haus der Astronomie in Heidelberg verbunden. Immer wollte ich es mal besuchen, was mir vor der Pandemie leider nie gelungen ist, und in Mitten in ihr sowieso nicht mehr. Dennoch hat mich ein Professor dort angefragt, ob ich für eine Serie von Vorträgen einen Beitrag liefern würde. Das ist der Professor, der mich auch immer bei meinen Vorträgen der Astronomischen Gesellschaft unterstützte, mit dem ich auch den erwähnten Online-Vortrag bei der AG durchführte, der mit mir die ganze Technik testete, der mein Buch gelesen hat und der dieses auch öffentlich empfohlen hatte im Outreach-Workshop der AG. Auch diesem Online-Vortrag stand eine technische Prüfung bevor, denn da kam wieder mal eine Software zum Einsatz, die ich bisher noch nicht kannte. Was machen wir, wenn die Software nicht zugänglich sein würde. Ich wollte ja neben meinen Folien auch Sounds einspielen. Das ganze erwies sich aber als weniger problematisch, als wir beide dachten. Wir planten so vieles, z. B. eine Telefonverbindung, einen Zugang zu meinem Rechner über Teamviewer, mit welchem ich ihm dann die komplette Steuerung meines Rechners übergeben hätte, wir planten, wie ich den Chat auf welchem die Fragen rein kommen würden und vieles mehr. Er übernahm den Chat, weil ich ja im Vortrag über deren Studio verbunden war, und der Chat über Youtube rein kam, weil der Vortrag gestreamt wurde. So eine Reichweite hatte ich nur selten, denn bis heute haben sich fast 2000 Besucher den Vortrag über Youtube angesehen. Beim Stream waren es so gegen 100 direkt. Ich hatte große Angst vor diesem Vortrag. Nicht wegen dessen Inhalts, aber wegen der Technik. Meine Arbeitsplatzassistenz wieß ich an, beim Vortrag bei mir im Büro zu bleiben, die Bildschirme zu bewachen, eine Hand an meiner Maus zu haben, wenn etwas passieren sollte. Und was soll ich euch sagen, es geschah nichts, was nicht passieren hätte sollen. Stück für Stück bauten wir angefangen mit einer Telefonverbindung den Kontakt für die Online-Software auf, erst die Sprache, dann das Video, dann die Folien, dann die Anpassung der Bildschirme und dann, welch ein Wunder stand alles, und blieb auch über den ganzen Vortrag hinweg stabil. Da ich relativ frei vortrage und nur einige Notizen in Punktschrift und einen Presenter für das Umschalten der Folien benutze, gerät das manchmal außer Kontrolle. Ich rede, und vergesse die Folie umzuschalten. Mein Professor aus dem Off meldete sich dann gleich bei mir. Das ist nur an einer Stelle passiert, was bei zwanzig Folien vertretbar ist.
Wer mag, kann sich den Vortrag nochmal hier zu Gemüte führen.
OK, manchmal muss man hier etwas andere Wege gehen, aber die Astronomie zeigt uns mal wieder, das … Ich will mich nicht schon wieder wiederholen…

So, meine lieben, das ist mein Jahresrückblick für 2021. Ich danke euch allen, die ihr meinen Blog lest. Ich danke vor allem jenen, die meine länglichen Artikel aushalten.

Ich habe ja einen Vorsatz für dieses Jahr, dass meine Artikel kürzer werden. Aber dieser gildet noch nicht, denn der ist im Laufe des letzten Jahres entstanden.

Bis zum nächsten mal grüßt euch

Euer Blindnerd.

Bladventskalender21, Heilig Abend – Mondweihnacht

So meine lieben, das ist nun das letzte Türchen unseres Blindnerd-Adventskalenders (Bladventskalender).
Ich denke, wir haben viele weihnachtlichen Aspekte und vieles andere mehr gestreift.
Ich hoffe, der Kalender hat etwas Freude bereitet und dass er diese schweren Zeiten etwas weihnachtlicher und heller werden ließ. Das war zumindest mein Anliegen, dieser ganzen Pandemie etwas Freude und Licht entgegen zu halten.

Ich wünsche euch alles, was ihr für das kommende Jahr braucht. Findet viele Sternschnuppen und tankt Kraft, wo ihr könnt.

Kommen wir also zum letzten Türchen dessen Inhalt, wie soll es anders sein, mit Astronomie und Weltraum zu tun hat.

Die Weihnachts-Mond-mission
Vor 53 Jahren, Weihnachten 1968 also, wurde Jules Vernes Roman “Von der Erde zum Mond” Realität: Der Flug der Apollo 8 um den Mond war bis dato die kühnste Mission des gesamten Mondprogramms, weil sich noch keine Apollo aus dem Erdorbit gewagt hatte.
Weihnachtlich ist die Mission deshalb, weil sie sich um die Weihnachtstage von 1968 herum abspielte.

Der erste Gottesdienst im All
Neben hunderten von Fotos, die von der Mondoberfläche gemacht wurden, dürfte den größten Eindruck vermittelt haben, als die Astronauten plötzlich begannen im Wechsel einen Teil der Schöpfungsgeschichte zu zitieren.
Bei Martin Luther liest sich das, was die Astronauten da zitierten in der neuesten Übersetzung, im ersten Buch Mose, Genesis, wie folgt:

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
1. Mose 1,2 Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.
1. Mose 1,3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.
1. Mose 1,4 Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis
1. Mose 1,5 und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.
1. Mose 1,6 Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern.
1. Mose 1,7 Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so.
1. Mose 1,8 Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.
1. Mose 1,9 Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, dass man das Trockene sehe. Und es geschah so.
1. Mose 1,10 Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war.

Im folgenden Hörbeispiel könnt ihr zunächst noch etwas Funkverkehr von Apollo 8 mit der Erde hören, und dann das Bibelzitat auf Englisch. Ich hoffe, es beeindruckt euch so, wie mich. Das ist einfach mal etwas Weihnacht der ganz besonderen Art.
Audio, Lesung aus Genesis

Schon klar. Der Anfang der Schöpfungsgeschichte aus dem Buch Genesis der des alten Testaments unserer Bibel ist nicht unbedingt das, was wir als Weihnachtsgeschichte bezeichnen würden. Aber mal ganz ehrlich. Hätte die Geschichte vom Kindlein im Stall zu der Situation gepasst, dass die drei Astronauten, Frank Bormann, Jim Lovell und Bill Anders, damals am Heiligen Abend 1968 die ersten Menschen in einer Umlaufbahn um den Mond waren?
Ich denke, so etwas extensielles, wie die Schöpfungsgeschichte, war schon geeigneter.
Die Astronauten von Apollo 8, waren gebeten worden, die ersten Live-Bilder vom Mond mit etwas “Angemessenem” zu kommentieren – schließlich würde etwa ein Sechstel der Menschheit das Ereignis an ihren Fernsehern mit verfolgen. Was könnte passender sein, um die vorbeiziehende Mondlandschaft unten zu begleiten, als die ersten Verse des Buches Genesis über Licht und Dunkelheit?

Einige kritisierten den religiösen Charakter der Sendung,
aber jedem, der sich so weit hinaus wagt, sollte erlaubt sein,, dass er sich seines Glaubens erinnert, egal, wie intensiv man ihn auch sonst im Alltag leben mag.

Bladventskalender21, 23.12. Zum Vorabend des Weihnachtsfestes noch eines aus vergangenen Kindertagen

Ja, Ja, wer kennt sie nicht, die Angst vor der Rute und sonstigen Strafen. Zu meiner Zeit war sie zumindest sehr präsent. Ich muss ja zugeben, dass ich eher nicht zu den braven Kindern gehörte, was das auch immer sein soll.
In folgendem Gedicht kommt die sog. “Schwarze Pädagogik” nochmal voll durch, aber der Vater verteidigt seine Kindlein gut und steht somit auch hinter deren Unartigkeiten, was gute Eltern ausmacht. Somit ist ja nochmal am Ende alles gut ausgegangen.
Und wenn wir schon bei Pädagogik und Erziehung sind, dann will ich mal nicht so sein. Wer das Gedicht bis zum Ende gelesen hat, wird damit belohnt, dass es noch eine vorgetragene Version zum Anhören davon gibt.

Hier nun:

Knecht Ruprecht von Theodor Storm
Ruprecht: Habt guten Abend, alt und jung
bin allen wohl bekannt genung.
Von drauß vom Walde komm ich her;
ich muß Euch sagen es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein sitzen;
und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.
Und wie ich so strolcht durch den finsteren Tann,
da rief’s mich mit heller Stimme an:
Knecht Ruprecht, rief es alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
Alt und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
und morgen flieg ich hinab zur Erden,
denn es soll wieder weihnachten werden!
So geh denn rasch von Haus zu Haus.
such mir die guten Kinder aus,
damit ich ihrer mag gedenken
mit schönen Sachen sie mag beschenken.
Ich sprach: O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist.
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s eitel gute Kinder hat.
Hast denn das Säcklein auch bei dir?
Ich sprach: Das Säcklein, das ist hier,
Denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
freßen fromme Kinder gern.
Hast denn die Rute auch bei dir?
Ich sprach: die Rute die ist hier.
Doch für die Kinder, nur die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten.
Christkindlein sprach: So ist es recht.
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!
Von drauß, vom Walde komm ich her,
Ich muß euch sagen es weihnachtet sehr!
Nun sprecht wie ich’s hierinnen find:
sind’s gute Kind., sind’s böse Kind?
Vater: Die Kindlein sind wohl alle gut,
haben nur mitunter was trotzigen Mut.
Ruprecht: Ei, ei, für trotzgen Kindermut
ist meine lang Rute gut!
Heißt es bei Euch denn nicht mitunter:
Nieder den Kopf und die Hosen herunter?
Vater: Wie einer sündigt so wird er gestraft;
die Kindlein sind schon alle brav.
Ruprecht: Stecken sie die Nas auch tüchtig ins Buch,
lesen und scheiben und rechnen genug?
Vater: Sie lernen mit ihrer kleinen Kraft,
wir hoffen zu Gott, daß es endlich schafft.
Ruprecht: Beten sie denn nach altem Brauch
im Bett Ihr Abendsprüchlein auch?
Vater: Neulich hört ich im Kämmerlein
eine kleine Stimme sprechen allein;
und als ich an die Tür getreten,
für alle Lieben hört ich sie beten.
Ruprecht: So nehmet denn Christkindleins Gruß,
Kuchen und Äpfel, Äpfel und Nuß;
probiert einmal von seinen Gaben
morgen sollt ihr was beßeres haben.
Dann kommt mit seinem Kerzenschein
Christkindlein selber zu euch herein.
Heut hält es noch am Himmel Wacht;
nun schlafet sanft, habt gute Nacht.
(Theodor Storm)

Und hier kommt die versprochene Hörversion.

Bladventskalender21, 22.12. Keplers Klingende Planetenbahnen

Wer mal auf einem meiner Workshops oder Vorträge war, wird sich daran erinnern, dass wir uns die verklanglichten Planetenbahnen anhörten. Ich lernte diese Klänge in den Sendungen von Joachim Ernst Behrendt, “Nada Brama” und “Das Ohr ist der Weg”, vor fast dreißig Jahren, kennen.
Glücklicherweise sind diese Klänge auch öffentlich im Internet zu finden, so dass ich sie hier präsentieren kann, ohne Urheberrechte zu verletzen.
Johannes Kepler schrieb ein Buch darüber, wie man die Bahnen der Planeten sich musikalisch vorstellen kann. Er legte die Umlaufbahn des Saturn auf das tiefe G, etwas jenseits des linken Endes einer Piano-Tastatur und verteilte dann die Intervalle der anderen Umlaufbahnen auf die Tastatur.
Wer genau wissem möchte, wie das alles funktioniert, den darf ich einladen, meine Artikel aus der Kathegorie “Mit dem Ohr am Teleskop” zu lesen. Hier geht es mir ganz einfach lediglich um das Klangerlebnis an sich.
Zwei Professoren, Willie Ruff & John Rodgers, haben in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts Keplers Umlaufbahnen und sein Vorschlag, diese musikalisch darzustellen, aufgegriffen und in einen Computer gespeist, der dann die Klänge synthetisch erzeugte.
Sie nutzten sogar noch das Sterio-Panorama, um das ganze noch etwas plastischer werden zu lassen.
Sie legten die Perihels der Planeten eher auf die rechte Seite und die Aphels auf die linke.
Somit entsteht fast der Eindruck von akustischen Kreisbahnen, wenn man sich das ganze über Kopfhörer zu Gemüte führt.
Man ist quasi die Sonne und hört die Planeten um einen herum laufen.
Hier noch einige Hörhinweise, damit ihr euch in dieser Kackophonie zurecht findet.

  1. Wir starten mit dem schnellen sausenden Merkur auf seiner stark elliptischen Bahn. Er pipst sehr hoch, weil er so nahe an der Sonne, und somit sehr schnell unterwegs ist.
  2. Jetzt folgt das Moll-Dur-Duo von Venus und erde, das immer zwischen Moll und Dur variiert. Zuerst kommt die Venus und dann die Erde etwas später. Kepler nannte dieses Intervall in seinem Buch “Das Ewige Lied des Elends der Erde”.
  3. Nun folgt der Mars, dessen bahn stark elliptisch ist, was man im laufe des Stückes deutlich wahrnimmt. Wenn Jupiter dazu kommt, hört man sehr deutlich, wie Mars beschleunigt, weil er sich seinem sonnen nächsten Punkt, dem Perihel, nähert.
  4. Der Sprung über den großen Abstand und den Asteroidengürtel hinweg zum tiefen brummenden Jupiter, ist unüberhörbar.
  5. Nun setzt das ganz tiefe brummen des Saturn ein. Es kann sein, dass manche Lautsprecher oder Headsetz diesen tiefen Ton kaum noch darstellen können.
  6. Die Planeten Uranus, Neptun und Pluto sind nur noch als Rhythmen wahrnehmbar. Der Uranus tickt so vor sich hin.
    Dann folgt der Neptun als tiefere Trommel und ganz zum Schluss ertönt die Basstrommel des Pluto.

Jetzt wünsche ich erfolgreiches Hören.

Klingende Planetenbahnen

Bladventskalender21, 21.12. Des mittellosen Johannes Keplers Geschenk

Das ist hier die Frage. Was soll man schenken, wenn man kein Geld hat. So geht es vielen von uns. Man würde gerne, kann es sich aber nicht leisten. In diesem Dilema befand sich auch einer der größten Astronomen des letzten Jahrtausends, Johannes Kepler. Er fand aber etwas, das ihn nichts kostete, das ihm quasi von oben geschenkt wurde und das ein wunderbares Geschenk abgab.
Es geht um Schneeflocken. Was wäre Kitsch-Weihnachten ohne Schnee…

Faszination Schneeflocke

Die vielfältigen und schönen Formen von Schneekristallen haben Menschen schon immer fasziniert. Schneeflocken sind zum einen sehr regelmäßig und harmonisch und
zum anderen scheint die genaue Form stark vom Zufall abzuhängen. Die Vielfalt der Formen ist so groß, dass man sagen kann: “Keine Schneeflocke gleicht der anderen.” Wie kann es zu einer solchen Mischung aus Vielfalt und Regelmäßigkeit kommen?

  • Welche mathematischen und physikalischen Gesetze bestimmen das Wachstum von Schneekristallen?
  • Können mathematische und physikalische Theorien helfen, die Form von Schneeflocken zu verstehen?

Johannes Kepler war der erste Forscher, der Schneekristalle wissenschaftlich untersuchte.
Er war einer der Pioniere der Schneekristallforschung, und eine in seinen Studien zu diesem Thema formulierte Vermutung konnte erst vor Kurzem bewiesen werden. Kristallwachstum ist auch heute noch ein aktives Forschungsgebiet in Physik, Mathematik und Ingenieurwissenschaften.

Keplers Geschenk

Während seiner Zeit in Prag wird Kepler von seinem Freund und Gönner Matthäus Wacker von Wackenfels vielfältig unterstützt. So leiht ihm Wacker von Wackenfels sein Fernrohr für nächtliche Beobachtungen, er versorgt ihn mit Büchern, und beide diskutieren über Galileis Entdeckungen. Kepler möchte sich zum Neujahrstag des Jahres 1611 nun mit einem Geschenk bedanken.

Auf seinem täglichen Spaziergang durch das winterliche Prag lösen sich alle Ideen für ein Geschenk in nichts auf, da Kepler über keine finanziellen Mittel verfügt.
Kepler schreibt:

Auf der Karlsbrücke schließlich wurde durch einen glücklichen Umstand Wasserdampf und Kälte zu Schnee und einige Schneeflocken fielen da und dort auf Keplers Mantel, alle sechseckig und von gefächertem Aussehen.

Kepler schreibt weiter:

das war die richtige Sache für einen Mathematiker, der nichts hat und nichts erhält, etwas zu überreichen, das vom Himmel
fällt und wie ein Stern aussieht“.

Kepler machte sich also daran, für Wacker eine Abhandlung über die sechseckige Form von Schneekristallen anzufertigen. Wie auch seine
Arbeiten über die Planetengesetze, so enthält auch diese Schrift viele neue Gedanken.

Keplers Schrift für Wacker hatte den Titel “Strena Seu de Nive Sexangula” (Neujahrsgeschenk, oder: Über die
sechseckige Schneeflocke”). Kepler fragte sich, warum Schneekristalle stets eine sechsfache Symmetrie aufweisen. Er schrieb:

Es muss einen bestimmten Grund geben, warum bei Einsetzen des Schneefalls die Anfangsformationen unverändert die Form eines sechseckigen Sternchens haben. Sollte es durch Zufall erfolgen, warum fallen sie dann nicht mit fünf oder sieben Ecken.

Was lernen wir daraus?
Ein Geschenk muss nicht teuer sein.

Bladventskalender21, 20.12., Die Bibel, ein Buch voller Sterne

So, meine lieben,
hinter diesem Türchen verbirgt sich eine ganz wunderbare Tatsache. Unsere Bibel ist voller Sterne.
Vor vielen Jahren leitete ich die Freizeit für junge Erwachsene des Evang. Blinden- und Sehbehindertendienstes Baden. Sie lief unter dem Thema “Die Bibel unterm Sternenzelt”.
Da den meisten in der Regel lediglich der Stern von Betlehem bekannt sein dürfte, lasse ich hier in diesem Text mal die anderen erwähnten Sterne der Bibel hervortreten.
Als Quelle diente mir hier ein Text von Pater Christoph Gerhard OSB, Benediktiner der Abtei Münster/Schwarzach. Dort betreut er mit einem Mitbruder die dortige Klostersternwarte
Außerdem unterstützte mich damals, das weiß ich noch genau, mein guter Freund Volker, der hier auch mitliest und mir als Pfarrer einige Stellen in der Bibel zu diesem Thema zeigen konnte.
Genug der Vorrede:

Die Sterne werden schon auf der ersten Seite der Bibel erwähnt. Gott erschafft im ersten Schöpfungsbericht Himmel und Erde und damit auch Sonne und Mond. Die Sterne werden wie in einem Nachsatz angehängt: „und auch die Sterne“. Sonne, Mond und Sterne sind keine eigenständigen Gottheiten, wie bei den Nachbarvölkern Israels. Sie werden nicht direkt genannt, aber wenn er sie als die „großen Leuchten, die über den Tag und die Nacht herrschen“ bezeichnet, dann klärt der Schöpfungsbericht eindeutig den Vorrang Gottes über die Geschöpfe, die sich am Himmel befinden. Sonne, Mond und Sterne sind ein Teil der sehr guten Schöpfung. Sie haben eine dienende Funktion: die Festzeiten anzuzeigen und Gott zu loben durch ihr Dasein.
Zum Lob Gottes aufgefordert

Die wunderschön leuchtenden Sterne sind da, um in der Nacht Gottes Größe und sein Lob zu verkünden. Im Buch der Weisheit, im Buch Hijob und bei den Propheten treten sie immer wieder auf. Aber vor allem in den Psalmen werden sie zum Lob Gottes aufgefordert. In Ps 148 nimmt der Beter sie direkt mit hinein in seinen Gesang: „Lobt Gott, Sonne und Mond, lobt ihn, all ihr leuchtenden Sterne.“

Sterne werden von Gott immer wieder genutzt, um seine Verheißung an Abraham von einem großen Volk zu verdeutlichen. Die Zahl der Sterne ist in einer faszinierendnächtlichen Vision das sprechende Bild seiner künftigen Fruchtbarkeit (Gen 15). Diese Zusage zieht sich durch die ganze Bibel als Verheißung für das Volk Gottes bis hinein in das Neue Testament im Brief an die Hebräer: Das Versprechen großer Nachkommenschaft („zahlreich wie die Sterne“) hat sich an Abraham und Sarah erfüllt aufgrund ihres Glaubens (Hebr 11). In den Büchern der Propheten wandelt sich die Sprache der Bibel: Sonne, Mond und Sterne haben eine andere Funktion. Sie verkünden, dass der Tag des Herrn angebrochen ist. Sie zeigen an, dass nun Gott selbst an seinem Volk handelt und für es eintritt gegen seine Bedränger. Der Tag des Herrn bricht an: Die Sonne wird sich in Finsternis wandeln und der Mond in Blut (Joel 3,4) und die Sterne werden vom Himmel fallen (Mk 13).

In der Bibel werden verschiedene Sternbilder genannt. Sie sind aber aus den umliegenden Völkern und Kulturen nach Israel „eingewandert“. Am häufigsten werden in der Bibel Orion und das Siebengestirn, die Plejaden, erwähnt. Interessant ist dabei die hebräische Bezeichnung für den Orion, der nicht als Himmelsjäger verstanden wird, sondern als ein „Gefallener“. Die Plejaden werden immer im Zusammenhang mit Orion erwähnt. Ihr hebräischer Name bedeutet so viel wie „Herde“. Darüber hinaus könnten als Sternbilder noch der „Wagen am Himmel“, der Löwe oder der Stier gefunden werden (Hiob 9 und 38). Hinzu kommt eine ganze Gruppe von Sternen, die zur richtigen Zeit aufgehen und mit den Sternbildern des Tierkreises identifiziert werden. Gott fragt Hiob in seiner langen Rede: „Führst du heraus des Tierkreises Sterne zur richtigen Zeit, lenkst du die Löwin samt ihren Jungen?“ (Hiob 38,32). Astronomie oder gar Astrologie gibt es in der Bibel nicht. Vielmehr wird die Verehrung der Sterne durchweg scharf kritisiert und Gottes Missfallen darüber deutlich zum Ausdruck gebracht (2 Chronik, 2 Könige) bis in die neutestamentliche Apostelgeschichte hinein, in der Stephanus vor seinem Martyrium die Untreue und den Dienst an den Sternen anprangert (Apg 7,41f).

Umso bemerkenswerter ist, dass das Matthäusevangelium von den Sterndeutern aus dem Osten berichtet, die den Stern des neugeborenen Königs aufgehen sahen, um ihn zu suchen und ihm zu huldigen. Der entscheidende Hinweis geht allerdings hier nicht nur von der Wissenschaft über die Stellung der Sterne und ihrer Bedeutung aus! Dieser kommt viel mehr aus der Heiligen Schrift und der Verheißung des Messias. Der Stern, dem die Weisen aus dem Osten gefolgt waren, wird zum Diener des göttlichen Kindes in der Krippe, damit es aufgefunden werden kann.
Jesus Christus – der „leuchtende Morgenstern“
Sterne finden sich in der Bibel immer wieder als Bilder und als Auszeichnung für gerechte Menschen. Die Gerechten werden leuchten wie die Sterne am Tag des Endgerichts (Dan 12) und Gott weiß um die „Zahl der Sterne“, die er alle beim Namen ruft (Ps 147). Die sieben Sterne in der Hand Gottes symbolisieren die sieben Gemeinden mit ihren Engeln in der Offenbarung (Offb 1 und 2). Der Titel des „leuchtenden Morgensterns“ für Jesus Christus (2 Petr 1, Offb 22) ist keine Übertragung auf einen realen Stern (Sonne oder Venus). Er ist für die damaligen Hörer und Leser des Evangeliums ein sprechendes Bild gewesen, das sie sehr gut aufnehmen konnten. Der Morgenstern kündet den heraufziehenden Tag des Heils und der Vollendung an. In der Menschwerdung und Auferstehung Jesu ist das Reich Gottes schon angebrochen und für den Glaubenden Realität geworden. Die Symbolik des Morgensterns machte es für die Menschen damals verständlich und in einem sprechenden Bild deutlich. Es ist erstaunlich, wie sich die Sterne von der ersten bis zur letzten Seite in der Bibel finden lassen. Reich an vielerlei Bedeutungen, immer aber im Dienste Gottes, zu seinem Lob und zum Wohl der Menschen.

Bladventskalender21, 17.12., Ein seltenes Himmelsgeschenk, das keiner haben möchte

Sie geben uns Hoffnung, sollen Glück bringen und erfüllen angeblich unsere Wünsche, die Sternschnuppen. Viel haben wir hier im Adventskalender schon über sie gehört. Wass aber, wenn die Teilchen, die kleinen Geschenkchen aus dem All größer als diejenigen sind, die als Leuchtspur in der Atmosphäre als Sternschnuppe uns erfreuen? Dann werden sie genau zu dem, was in der Überschrift steht, zu einem Himmelsgeschenk, das keiner haben möchte.
Dann verglühen sie nicht und zerfallen zu Staub, sondern es kommt noch etwas bei uns unten an. So ein Etwas durfte ich 1987 nach einem Vortrag von Prof. Rudolf Kippenhahn mal betastet. Ein großer tropfenförmiger Eisenstein, ein Meteorit. Spätestens nach diesem Ereignis war ich im Herzen Astronom geworden.
Aber zurück zu unserer Frage. Was passiert, wenn die harmlose Sternschnuppe etwas mehr Gewicht und Volumen auf die Waage bringt?

Das Tunguska-Ereignis bestand aus einer oder mehreren sehr großen Explosionen (daher auch Tunguska-Explosion am 30. Juni 1908 im sibirischen Gouvernement Jenisseisk, der heutigen Region Krasnojarsk, deren Ursache sich bisher nicht zweifelsfrei klären ließ. Das Ereignis fand in der Nähe des Flusses Steinige Tunguska (Podkamennaja Tunguska) im Siedlungsgebiet der Ewenken statt.
Als wahrscheinlichste Ursache gilt der Eintritt eines Asteroiden – des nach der Region benannten Tunguska-Asteroiden – oder eines kleinen Kometen in die Erdatmosphäre, wo er in einigen km Höhe explodierte. Nach neueren Erkenntnissen ist auch eine vulkanische Eruption nicht auszuschließen. Es gab sogar Spekulationen darüber, dass es ein kleines Schwarzes Loch oder gar eine außerirdische Lebensform gewesen sein könnte…

Zum Glück fand das Ereignis in relativ unbewohntem Waldgebiet statt. Aber noch Jahrzehnte danach waren, die Schäden noch sichtbar.

Und noch einer:
Der Meteor von Tscheljabinsk war ein am 15. Februar 2013 um etwa 9:20 Uhr Ortszeit (4:20 Uhr MEZ) weithin sichtbarer Meteor in der Tscheljabinsker Oblast rund um die Stadt Tscheljabinsk im russischen Ural,[4] nachdem ein Meteoroid bzw. kleiner Asteroid in die Erdatmosphäre eingetreten war.
Es handelte sich um den größten bekannten Meteor seit über 100 Jahren. Ein noch größerer Meteor könnte zuletzt beim Tunguska-Ereignis im Jahr 1908 in die Erdatmosphäre eingedrungen sein. Bisher einmalig für einen Meteoritenfall ist auch die hohe Zahl der verletzten Personen von rund 1500 – die meisten allerdings durch splitterndes Fensterglas.

Viele werden schon davon gehört haben, dass vor 65 Mio Jahren ein großer mehrere Kilometer durchmessende Asteroid auf dem Amerikanischen Kontinent auf die Erde aufgeschlagen ist. Durch den Einschlag wurde so viel Staub, Ruß und anderes in die Atmosphäre geschleudert, dass sich die Sonne derart verfinsterte, dass es eine dramatische Klimakatastrophe mit Abkühlung gab, an welche sich die gigantischen Saurier nicht rasch genug anpassen konnten, und vermutlich auch große Teile ihrer Nahrungskette verloren. Man geht von mindestens drei derartiger Katastrophen aus, die entweder einen Neustart des Lebens bedeuteten, quasi ein “Reset Evolution” oder gravierende Veränderungen zeitigten…

Das Nördlinger Ries ist ein Becken, das auch auf einen etwa 2 km großen Asteroiden schließen lässt. Es gibt noch weitere Krater, die diesen Ursprunges sind. Auf der Erde sind die manchmal gar nicht so leicht zu finden. Wind, Wasser, Vulkanismus und sonstige Beben formen die Erde stets um. Ihre Oberfläche ist somit allenfalls verwischte Erdgeschichte.

Nichts desto Trotz zeigen uns obige Ereignisse, dass es durchaus sinnvoll sein könnte, sich mit der Möglichkeit weiterer, vielleicht dann gefährlicherer, Einschläge zu beschäftigen. Jede Sternschnuppe, möge sie die Wünsche des Betrachters erfüllen, ist uns eine ungefährliche Mahnung darüber, dass permanent Staub, Trümmer, Steinchen, auf die Erde fallen. Im Falle der Schnuppe, ist das völlig harmlos und kann entspannt unter “Einfach schön” geführt werden.
Wächst sich so ein Bröckchen allerdings mal in den Bereich so um viele Meter bis gar Kilometer aus, dann wird es, wenn man das Teil nicht vorher mit einem Teleskop entdeckt, um Maßnahmen einzuleiten, eventuell gefährlich.
Andererseits ist es so, dass die Zeit, bis so etwas vielleicht mal in tausenden Jahren geschieht, nicht unbedingt gegen uns arbeitet. Die Teleskope, die Himmelsdurchmusterung und Messgeräte, wie Radar, werden immer empfindlicher und präziser. Schon Brocken mit wenigen Metern Durchmesser können entdeckt werden, in so fern sie sich auf der Nachtseite der Erde befinden, damit sie von der Sonne angestrahlt werden können.
Wird ein Objekt entdeckt das so ein gefährlicher Kandidat sein könnte, dann wird er vermessen und seine Flugbahn genau beobachtet.
Es prägt sich hier dann tatsächlich eine Art Hitparade aus, welche Kandidaten die ersten Plätze belegen. Das ändert sich, desto mehr man über einen Asteroid, sein vermutetes Gewicht und seine Bahn weiß.

Natürlich ist es so, dass ein anfänglich für harmlos befundener Brocken in der Hitliste aufsteigen könnte, weil man merkt, “Hoppla”, der könnte ja doch …
Das geschieht aber sehr selten, weil es einfach im leeren Raum so ist, dass sich zwei Körper sehr selten treffen.

Außerdem bewahrt uns in den meisten Fällen unser “Staubsauger” Jupiter davor, weil er durch seine enorme Gravitations-Wechselwirkung sich der Störenfriede entweder entledigt, indem er sie aus dem Sonnensystem wirft, bzw. sie sich gleich selbst einverleibt oder ihre Bahn so verändert, dass sie nimmermehr uns in die Quere kommen können.
Also, was tun, wenn wir so ein ungewolltes Geschenk erwarten müssen?
Im ersten Schritt sollte sich die Menschheit vereinen, Russland, USA, China, etc. Es geht dann nur noch um ein Ziel, den Asteroiden abzuwehren. Da müssen dann alle anderen Feden hintan stehen.
Es zeigt sich ja, z. B. auf Konferenzen, auf der Raumstation etc. dass dieses auf wissenschaftlicher Ebene durchaus schon sehr erfolgreich funktioniert.

Nun wird jede Weltraumnation im Sinne der Rettung der Welt zunächst mal eine Erkundungsmission hin schicken, bzw. einer macht das stellvertretend, und um die Kosten zu reduzieren, für alle.
Diese Mission wird Klarheit darüber bringen, wie man dem Asteroiden am effektivsten auf den Leib rückt.
Ganz wichtig ist an dieser Stelle, dass man analysiert, wie seine Oberfläche beschaffen, er in seinem Inneren aufgebaut ist, und woraus er im wesentlichen besteht.
Danach kann man dann die geeignete Maßnahme ergreifen, um ihn aus dem Weg zu räumen.
Ist das Objekt stabil und hart, dann könnten einige gleichzeitig mit Raketen abgefeuerte Projektile den Asteroid leicht aus seiner Bahn lenken. Das muss nicht viel sein. Auf die Entfernung summiert sich das und reicht, dass wir verschont bleiben.

Wäre das Objekt eher porös, wie z. B. ein Komet, dann wäre diese Art der Problemlösung vielleicht sogar äußerst kontraproduktiv und würde die Gefahr verschlimmern und unkalkulierbarer machen. Das Objekt könnte in viele Teile zerbrechen, von welchen jedes dann für sich eventuell wieder eine potentielle Gefahr darstellte.

In den meisten Fällen dürfte es günstiger sein, den Asteroid möglichst am Stück zu lassen.

Es gibt Studien der ESA, die erforschten, ob man ein relativ schweres Raumschiff starten könnte, das über Jahre oder Jahrzehnte parallel zum Asteroid fliegen könnte, um ihn nach und nach mittels Gravitation ganz leicht von seiner Bahn weg zu ziehen. Das ist gar nicht so einfach. Die Düsen dieses Raumschiffs dürfen beispielsweise nicht den Asteroid anblasen, weil das ihn ja in die entgegen der gewollten Richtung schieben würde.

Eine weitere spannende Überlegung wäre, ob man den Asteroid zumindest zur Hälfte oder so, anmalen sollte. Das führte dazu, dass sich die Absorbtion des Sonnenlichts veränderte. Dieses übt einen leichten Druck auf den Asteroid aus, der ihn, genügend Zeit vorausgesetzt, etwas aus seiner Bahn drücken sollte.
Wer den Asteroiden anmalen soll und wie man diese Gravity-Aktion durchführen kann, weiß ich jetzt nicht genau.

Es besteht auch die Möglichkeit, dass man den Asteroid mittels von einer Atombombe erzeugten Druckwelle verschiebt. Das bedeutet, dass man die Bombe nicht auf den Körper werfen würde, sondern davor zünden. Auf ihn werfen, könnte ihn ja zerbrechen lassen, was man nicht möchte.

Hoffen wir, dass die Asteroidchen, mit denen wir es zu tun bekommen,, wirklich nur Sternschnuppen sind, die uns erfreuen
und unsere Wünsche erfüllen.

Was lernen wir daraus?
So ein ungewolltes Geschenk kann man nicht einfach beim nächsten Weihnachtsfest bei einem Stammtisch verwichteln, damit wir es los sind.
So etwas könnten wir nur als ganze und geeinigte Menschheit angehen und lösen. Zu Frieden und Gemeinschaft ruft Weihnacht uns jedes Jahr neu auf.

Bladventskalender21, 16.12. Sternschnuppen hören

So, und heute verbirgt sich hinter unserem Türchen mal wieder etwas auf die Ohren. Es wird etwas technisch werden, aber das wichtigste ist das Geräusch selbst. Mögen sich auch diejenigen untereuch daran erfreuen, die normalerweise nicht so technisch unterwegs sind.

Ja, ihr habt richtig gelesen. Sternschnuppen kann man auch hören. Und darum geht es in diesem letzten Kalenderblatt, welches von Sternschnuppen handelt.
Hörbar sind Sternschnuppen tatsächlich zumindest für Amateurfunker, die einen Empfänger und eine passende Antenne besitzen. Empfänger plus Antenne istgleich Radio.
Der Sender steht in Frankreich und das Radioprogramm selbst gestalten die Sternschnuppen selbst.

Wer einen passenden Empfänger und eine Antenne besitzt, kann das Französische Radar-Signal des Weltraumradars GRAVES benutzen. Dieses französische Radarsystem sendet auf 143,050 MHz einen Dauerträger, Dauerton, der über Phasenarray-Antennen den Himmel “abtastet”. Meteoriten, aber auch andere Objekte (Flugzeuge, Satelliten, die ISS, der Mond) reflektieren das Signal und streuen es in alle Richtungen, und diese Reflexionen können dann in Europa gut empfangen werden. Anhand der Doppler-Abweichung erkennt man dann, welches Objekt das Funksignal reflektiert hat: der Mond oder Flugzeuge bewirken eine sich nur langsam ändernde Dopplerabweichung, bei Objekten in Erdumlaufbahn ändert sich die Abweichung schnell, und bei Meteoriten extrem schnell.
Diese Disziplin des Amateurfunks nennt man Meteor Scatter.

Als Einstieg in den Empfang von Signalen des GRAVES Radars empfiehlt es sich, den Aufsatz von Rob Hardenberg, mit Rufzeichen PE1ITR, zu lesen.

Dank @dbsv-jugendclub gibt es hier einen Link, wie sich das anhört.
Ich hoffe, der Sound fasziniert euch ebenso, wie mich.
“Sternschnuppen hören”

Bladventskalender21, 15.12. Noch eine Möglichkeit, etwas zu wünschen

Und hier kommt noch ein Strom von Sternschnuppen, der gerne mal vergessen wird. Würdigen wir ihn also weihnachtlich.

Die Ursiden sind ein Meteorstrom, der in der letzten Dezember-Woche beobachtbar ist. Der Ursprung dieses Meteorstromes ist der Komet 8P/Tuttle. Sein Radiant liegt im Sternbild Ursa Minor (Kleiner Bär)
Im Maximum weisen die Ursiden eine Schnuppenhäufigkeit von 10 Meteoren pro Stunde auf. Jedoch wurden vereinzelt auch deutlich höhere Zahlen beobachtet.
Die Ursiden wurden um 1900 von William F. Denning entdeckt, wurden aber erst mal nur wenig beachtet,weil sie eben nicht so viele Sternschnuppen produzierten, wie andere Ströme.
Am 22. Dezember 1945 beobachteten tschechische Astronomen durch Zufall einen kräftigen Ausbruch des Meteorschauers, wobei eine Häufigkeit von über 100 Schnuppen pro Stunde erreicht wurde.
Aufgrund dieser Tatsache, schauten die Astronomen nun etwas genauer hin. Allerdings ließ das Interesse mit der Zeit wieder nach, weil sich diese Ausbrüche scheinbar nicht wiederholen wollten.
Anfang der 1970er Jahre erfolgten weitere Untersuchungen durch britische Amateurastronomen, die zunächst keinen signifikanten Anstieg feststellen konnten.
Durch Radiobeobachtungen wurde jedoch in den Tagesstunden des 22. Dezember 1973 ein kurzer Ausbruch mit einer Schnuppenrate von etwa 30 Meteoren pro Stunde nachgewiesen.
Im Artikel
“Sternschnuppen Sehen und Hören”
beschrieb ich, dass Sternschnuppen ob ihrer Ionisierung auch Radiowellen erzeugen. Das ist dann eine Messmethode, mit der man Sternschnuppen auch am Tag nachweisen kann, wo das Sonnenlicht fast alles andere am Himmel überstrahlt.
Vergleichbar stark traten die Ursiden am 22. Dezember 1979 in Erscheinung, diesmal waren es norwegische Beobachter, die die Meteore am Nachthimmel sichten konnten.
Seit langem war bekannt, dass es sich bei 8P/Tuttle um den Ursprungskometen der Ursiden handelt. Die Umlaufszeit dieses Schweifsterns beträgt 13,5 Jahre. Interessanterweise fielen die beobachteten Ausbrüche der Ursiden in den Jahren 1945, 1973 und 1986 nicht etwa mit der Sonnennähe, sondern mit der Sonnenferne des Kometen zusammen.
Eigentlich sollte es doch so sein, dass mehr Sternschnuppen fallen sollten, wenn der Komet gerade mal wieder bei uns war, und seine Trümmerspur wieder neu aufgefüllt hat.

Zwei Astronomen, Peter Jenniskens und Esko Lyytinen, entwickelten ein Modell, das diese merkwürdigen Ausbrüche durch die Schwerkraftwirkung des Planeten Jupiter zu erklären versuchte, was nicht abwägig wäre.
In der Regel ist Jupiter der Staubsauger unseres Sonnensystems, weil er viele gefährliche Einschläge von uns fern hält, indem er den Gefahren-Brocken aufsaugt, bevor er uns schaden könnte. Die Frage, ob die Erde ohne ihn genügend Ruhe gehabt hätte, dass Leben entstehen könnte, kann man in diesem Zusammenhang durchaus stellen. Es ist hinlänglich bekannt, dass das Aussterben der Dinos wahrscheinlich durch einen großen Asteroideneinschlag und dessen Folgen, verursacht wurde.
Manchmal kann Jupiter uns aber durch seine Schwerkraft auch etwas entgegen schleudern, was in diesem Fall so zu sein scheint.
Dieselben Autoren sagten für den 22. Dezember 2000 – wieder war der Komet in Sonnenferne – einen erneuten Ausbruch der Ursiden voraus.
Die Ergebnisse waren nicht eindeutig. Vor allem Radioechos deuteten auf verstärkte Meteor-Aktivität hin, aber visuelle Beobachtungen verzeichneten keinen nennenswerten Anstieg.
Dass ein Planet einen Kometen oder Asteroiden, der Sternschnuppen produzieren soll, durch seine Schwerkraft beeinflusst, ist durchaus denkbar und auch nachgewiesen.
Dieser, und noch weitere Effekte führen dazu, dass sich Kometen z. B. um wenige Jahre verspäten können.

So schön Sternschnuppen auch sind, so mahnen sie uns stets, dass wir vor größeren Brocken auf der Hut sein müssen. Schön nach zu lesen in
“Droht Gefahr durch Asteroiden aus dem All?”

Bladventskalender21, 14.12. Das Geschenk der Zwillinge am Himmel

Es ist kein Zufall, dass dieses Kalenderblatt gerade heute veröffentlicht wird, denn für heute Nacht sind Sternschnuppen aus dem Strom der Geminiden zu erwarten. Packt euch also warm ein und legt euch auf die Lauer, sofern das Wetter es erlaubt, und vergesst eure Wünsche nicht mit zu nehmen.

Die Geminiden (aus dem Sternbild Zwillinge und die Ursiden (vom kleinen Bären, Ursa Minor) sorgen im Dezember für viele Sternschnuppen.
Diese beiden Funkenregen im Dezember stehen leider etwas im Schatten der Perseiden im August, obwohl hier eigentlich deutlich mehr Sternschnuppen zu erwarten sind. Das hängt einfach mit dem Wetter zusammen. Im August ist es sommerlich warm und oft nicht so bewölkt.
Bis 1983 war nicht klar, woher die Geminiden eigentlich kommen. Sind sie Reste eines zerbrochenen Kometen oder Trümmer eines Asteroiden, z. B. aus dem Asteroidengürtel.
Als Ursprungskörper der Geminiden gilt der 1983 entdeckte kleine Asteroid 1983 TB, welche später den Namen Phaeton erhielt. Seine Bahn um die Sonne ähnelt stark der eines Kometen, wenn man davon absieht, dass er die Sonne in nur 1,4 Jahren umrundet. Derartig kurze Umlaufzeiten kennt man eigentlich nur von Planeten her.
Es wurde verschiedentlich vermutet, dass Phaeton ein “erloschener” Komet ist, der seine flüchtigen Bestandteile (Gas und Staub) bereits vollständig verloren hat. In diesem Fall gäbe es dann keinen Schweif aus Gas mehr und auch keine Koma, die den nun “nackten” Kometenkern einhüllte.
Eine andere Hypothese besagt, das Phaeton ein Bruchstück des Hauptgürtel-Asteroiden Pallas ist, das bei einem Zusammenstoß mit einem anderen Asteroiden abgetrennt wurde. Dabei sollen dann auch die Geminiden entstanden sein. Allerdings könnten die Geminiden auch die Überreste einer Kollision von Phaeton selber mit einem anderen Objekt darstellen.
Für diese Theorie sprechen die Entdeckungen der beiden kleinen Asteroiden 1999 YC und 2005 UD, welche sich auf ähnlichen Bahnen wie Phaeton bewegen und scheinbar ähnlich zusammengesetzt sind.
Nach Beobachtungen mit Raumsonden ist Phaeton ein “Steinkomet”. Da der Asteroid im Perihel (sonnennächster Punkt) dicht an die Sonne heran kommt, könnten durch die Aufheizung Risse im Fels entstehen, wodurch dann Staub und Steinbrocken freigesetzt werden. Tatsächlich wurde bei zwei Perihelpassagen des Asteroiden in 2009 und 2012 eine schweifartige Struktur beobachtet. Es handelt sich hier dann nicht um den vom Sonnenwind verwehten und stets von ihr weg zeigenden Gas-Schweif, sondern um einen aus Staub und Trümmern.

Wie auch immer. Ich wünsche euch viele Sternschnuppen. Wünsche dafür haben wir gerade in diesen Zeiten alle reichlich.