Meine lieben,
endlich ist es mal wieder so weit. Zeit für einen „Frag, und es wird Tag“.
Diese Rubrik lebt von euch und euren Fragen. Desto mehr fragen kommen, desto voller und spannender wird diese Rubrik. Also, fragt, und es wird Tag…
Hier also nun die Frage aus einem Mailchat mit Eva:
Hallo mein lieber Mondsüchtiger, schon witzig das es soo viele Monde gibt: ehrlich gesagt fasziniert mich vielleicht sogar noch mehr das es eben Monde von Asteroiden gibt. Das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Also wie das zustande kommen kann.
So von wegen Schwerkraft.
Sehr gute Frage. Schauen wir mal, wo hin uns die Antwort führt. Und das sage ich nicht so dahin. Klar weiß ich ungefähr, was ich antworten will, aber wirklich nur ungefähr…
Asteroiden, Monde, Planeten
Monde kennen wir viele hunderte in unserem Sonnensystem.
Ein Mond ist dann ein Mond, wenn er einen Planeten umkreist. Ein Mond kann auch ein Asteroid sein, denn in der Definition Mond heißt es glaub nicht, dass er rund sein muss.
Ein Mond muss nur kleiner als das sein, Planet, Asteroid,was er umkreist.
Die Diskussion darüber, was ein Planet genau ist, erspare ich uns jetzt. Ich erinnere nur nochmal daran, dass Pluto eben aktuell kein Planet mehr sein darf. Der Planet, der keiner mehr sein darf
Auf jeden Fall ist ein Planet so groß und schwer, dass er rund ist. Außerdem braucht ein Planet einen Stern, den er umkreist. Es kommt zwar vor, dass ein Planet dann und wann seinen Stern verliert, aber wahrscheinlich verliert er dann auch seinen Planetenstatus, weil er quasi kein Zuhause mehr hat. Er vagabundiert und meandert alleine durch das All, bis ihn jemand massereiches einfängt.
Wichtig für die Beantwortung unserer Frage ist, dass ab einer gewissen Größe und Form ein Planet kein Planet mehr ist, sondern ein Asteroid.
Und dann stellt sich tatsächlich die Frage, was etwas ist, das einen Asteroiden, der kein Planet ist, umkreist.
Nun ja, wenn der zweite Asteroid kleiner ist, dann geht er als Mond durch.
Würden wir die Definition Mond dahingehend erweitern, dass ein Mond nun auch rund sein muss, dann hätte der Mars plötzlich keine Monde mehr, sondern nur noch zwei Satelliten, die ihn umkreisen.
Es kommt also durchaus vor, das Asteroiden umeinander tanzen. Das stelle ich mir besonders bei einem Pärchen, wo beide ungefähr gleich viel wiegen, sehr spannend vor. Denn es umkreist hier kein Asteroid einen anderen, sondern beide tanzen um ihren Schwerpunkt herum, der in dem schönen Fall in der Mitte zwischen beiden läge.
Ein Beispielpaar
Das prominenteste Beispielpaar sind wohl
die zwei gravitativ miteinander verbundenen Asteroiden
Didymos – der größere, etwa 780–805 m groß und Dimorphos der kleinere , mit einem Durchmesser von etwa 160 m , der Didymos umkreist.
Am 26. September 2022 steuerte die NASA-Raumsonde DART (Double Asteroid Redirection Test) gezielt auf den kleineren Dimorphos zu und krachte mit etwa 6,1 km/s hinein.
Dieses Szenario sollte zeigen, ob es im Falle einer Erdbedrohung durch einen Asteroiden möglich wäre, diesen durch so einen Einschlag derart abzulenken, dass er uns verfehlt.
Und das hat erstaunlich gut funktioniert.
Vor dem Einschlag brauchte Dimorphos für einen Umlauf um Didymos 11 Stunden 55 Minuten. Danach waren es nur noch ungefähr 11 Stunden 22 Minuten.
Die Umlaufzeit wurde also um rund 33 Minuten verkürzt.
Die nach dem Spektakel erzeugte Staubwolke lässt vermuten, dass der Getroffene Asteroid im Grunde ein Geröllhaufen ist.
Genaueres erfahren wir hoffentlich im November, wenn die Raumsonde Hera der ESA dort ankommt, und den Einschlag genauer betrachten wird.
Und das Schöne an der Mission ist: Hera soll nicht einfach nur ein Foto vom Krater machen. Sie soll forensische Arbeit am Tatort leisten. 😄
Sie soll unter anderem herausfinden:
Wie groß und tief ist der von DART erzeugte Einschlag?
Wie viel Masse hat Dimorphos tatsächlich?
Wie ist der Asteroid im Inneren aufgebaut?
Wie stark wurde er durch den Einschlag deformiert?
Und vor allem:
Wie effizient war DART wirklich?
Denn DART hat zwar die Umlaufzeit von Dimorphos deutlich verändert, aber wir wissen von der Erde aus nicht genau, warum die Wirkung so groß war. Ein Teil des Effekts stammt vom ausgestoßenen Material: Der Einschlag schleuderte gewaltige Mengen Gestein ins All, und dessen Rückstoß verstärkte den Impuls.
Hera soll diesen Vorgang im Detail rekonstruieren.
So weit, so gut. Die Frage bleibt natürlich. Wie können sich zwei relativ kleine Massen, wie sie für Asteroiden üblich sind, finden und umkreisen?
Szenario 1 – Die Umarmung
Sie finden sich, strecken sich die Arme entgegen und er bittet sie zum Tanze.
Das ist theoretisch möglich, aber sehr unwahrscheinlich.
Dazu müssten die beiden schon sehr nahe aneinander vorbei fliegen, so dass sie sich überhaupt gravitativ spüren und ihre Herzen für sich entdecken könnten.
Außerdem müssten beide sehr langsam aufeinander zu fliegen, um sich nicht wieder gravitativ zu entschlüpfen und für immer zu verlieren.
Seit wir selbst Sonden auf Asteroiden und Kometen landen lassen, wissen wir es, wie schwer es ist, auf etwas mit so wenig Schwerkraft sauber einzuparken.
Szenario 2 – Autsch
Es passiert etwas ähnliches, wie bei der Entstehung unseres Mondes.
Der besteht aus dem, was ins Weltall geschleudert wurde, als unsere junge Erde von einem etwa marsgroßen Drumm getroffen wurde.
Ein Asteroid kracht analog zu unserer Mondentstehung in einen anderen, Aus diesen Bruchstücken entsteht dann ein kleiner neuer Trabant, der den geschädigten Asteroid dann wie ein Mond umkreist.
So etwas ist tatsächlich auch Nicht unmöglich, und passierte vor allem als das Sonnensystem noch kleiner und die Einschläge häufiger waren, sicher öfters.
Szenario 3 – Zwillinge
Sie könnten aber auch als Paar gleichzeitig entstanden sein.
Ob dem so war, findet man wohl nur heraus, wenn wir hin gehen, auf beiden landen und nach Ähnlichkeiten suchen.
Szenario 4, mein Lieblingszenario
Bei Didymos und Dimorphos geht man heute von folgendem aus:
Didymos hat sich selbst einen Mond „gemacht“
Didymos ist ein relativ kleiner und offenbar locker zusammengehaltener Körper, eher ein „Geröllhaufen als ein kompakter Felsbrocken.
Und er dreht sich sehr schnell, einmal in nur etwa 2,26 Stunden.
Und jetzt kommt ein wunderschöner und spannender Mechanismus ins Spiel: der YORP-Effekt.
Sonnenlicht erwärmt den Asteroiden. Die Oberfläche gibt diese Wärme als Infrarotstrahlung wieder ab. Weil die Oberfläche unregelmäßig ist, geschieht das nicht völlig symmetrisch. Dadurch entsteht über sehr lange Zeit ein winziges Drehmoment.
Das ist lächerlich klein, aber es wirkt Millionen, vielleicht Milliarden Jahre lang. Kleinvieh macht auch Mist.
Also dreht sich unser Geröllhaufen mit der Zeit immer schneller.
Irgendwann wird es für das lockere Geröll am Äquator kritisch. Die Fliehkraft wird dort so groß, dass Material nicht mehr fest auf dem Asteroiden bleibt.
Und dann passiert es.
Didymos verliert Material.
Nicht unbedingt mit einem gewaltigen Knall. Eher still und leise, wie im Weltall erst mal alles leise ist…
ein Steinchen löst sich … noch eines … noch eines …
Diese Brocken bewegen sich zunächst mit sehr geringer Geschwindigkeit relativ zu Didymos. Und weil sie bereits aus demselben Körper stammen, befinden sie sich automatisch in der unmittelbaren Umgebung und teilen im Wesentlichen dessen Bewegung um die Sonne.
Die Gravitation von Didymos hält einen Teil dieses Materials weiterhin fest.
Das Material geht also nicht einfach davon, sondern kann zunächst Didymos umkreisen und sich dabei langsam zusammenballen.
Aus dem Geröll entsteht schließlich, voilà, Dimorphos.
Genau dieses Szenario wird für das Didymos-System inzwischen als sehr plausibel angesehen. Die DART-Untersuchungen sprechen dafür, dass Dimorphos Material von Didymos geerbt hat und wahrscheinlich durch einen größeren Massenauswurf entstanden ist.
Das ist doch eine wunderschöne Geschichte.
Da fliegt irgendwo im Sonnensystem ein ziemlich unscheinbarer Haufen Geröll um die Sonne. Er dreht sich ein bisschen zu schnell, verliert Steinchen, und aus diesem verlorenen Material entsteht nach und nach ein kleiner Begleiter.
Kein großer Knall. Keine kosmische Verabredung. Kein „Wir haben uns gefunden und beschlossen, umeinander zu kreisen“.
Nur Licht, Wärme, ein winziges Drehmoment, ein bisschen Schwerkraft, und sehr viel Zeit.
Fazit:
Und vielleicht ist genau das die schönste Antwort auf Evas Frage.
Schwerkraft muss gar nicht stark sein. Sie muss nur geduldig sein.
Trotz dem ist sie ohne Zweifel die Heimliche Herrscherin im All.
Was für uns wie zwei kleine Asteroiden aussieht, die sich irgendwie gefunden haben, kann das Ergebnis eines Prozesses sein, der über Millionen oder Milliarden Jahre ganz langsam gearbeitet hat.
Das Universum hat eben Zeit.
Wir haben sie nur leider nicht.
es ist nun so weit. An kommendem Mittwoch, 12.08.2026 werden wir eine in europa mehr oder weniger sichtbare Sonnenfinsternis in den Abendstunden, leider, haben.
Leider deshalb, weil sie einfacher und für mehr Menschen beobachtbar wäre, fände sie beispielsweise in den Mittagstunden statt, wo die Sonne hoch am Himmel steht. An vielen Orten wird die Beobachtung schwierig bis unmöglich, wenn z. B. Berge die Sicht auf den Sonnenuntergang und den Horizont versperren. Aus diesem Grunde werden viele die Finsternis von der Wasserseite hert von Schiffen aus beobachten.
Wünschen wir allen einen klaren Himmel und eine gute Sicht.
Eine Sonneninsternis lässt natürlich den Sternenonkel nicht kalt. Und das, obwohl Sonnen- und Mondfinsternisse gar nicht so selten vorkommen, wie es den Anschein hat. Bis zu sieben Finsternisse können pro Jahr stattfinden, aber nicht in beliebiger Reihenfolge, und nicht nur entweder Sonnen- oder Mondfinsternisse. Dazu kommt, dass Sonnenfinsternisse immer nur auf einem wenige hundert Kilometer breiten Streifen zu sehen sind, und das je nach Standort oft nur wenige Sekunden bis wenige Minuten lang. Nicht zuletzt ist unsere Erde zu 3 Fünftel von Wasser bedeckt, so dass ein Großteil der Finsternisse ins Wasser fallen, bzw. dort stattfinden, wo einem eventuell Krokodile in die Füße zwicken könnten, und wo vor allem keine komfortablen Hotels stehen.
Mondfinsternisse scheinen öfter aufzutreten als Sonnenfinsternisse, aber das kommt einem nur so vor, weil sie viel länger dauern und von deutlich mehr Menschen auf der Erde gesehen werden können.
Die Erde vermag es ob ihrer Größe, den Mond viel länger hinter sich zu verstecken. Und da sie sich in der Zeit der Verfinsterung unter dem Mond hinweg dreht, erhalten viel mehr Menschen die Chance, die Mondfinsternis zu beobachten.
Über vieles, was hier zur Sprache kommen wird, habe ich an anderer Stelle schon geschrieben. Damit ihr nicht mühsam danach suchen müsst, trage ich die wesentlichen Punkte hier zusammen und werde an gegebener Stelle auf diverse Artikel verweisen.
Nichts desto Trotz haben wir diesmal Glück. Lasst mich deshalb nochmal einen Rundumschlag zum Thema Finsternisse machen.
Rückschau
Manche von uns haben die Finsternis vom 11.08.1999 erleben dürfen. Andere von uns fuhren vielleicht im Urlaub einer Finsternis entgegen. Halten wir doch einfach mal kurz inne, und erinnern uns an unsere „finsteren Erinnerungen“. Der Sternenonkel würde sich sehr darüber freuen, einige eurer Geschichten in den Kommentaren zu finden.
Lasst euch mit folgendem Link durch meine Erinnerungen an diese alte Sonnenfinsternis vielleicht inspirieren. Finstere Erinnerungen
Fahrplan der Finsternis
So, nachdem wir nun alle voll Erinnerungen schwelgend wieder hier zurück sind, schauen wir uns an, wie die bevorstehende Finsternis grob verläuft.
Wundert euch nicht, dass ich mich hier auf Bozen beziehe, aber ich mache zum Zeitpunkt der Finsternis dort Urlaub und werde die Sofi mit unseren Hausgästen gebührend feiern und würdigen.
Verlauf
Der Kernschatten beginnt seine Reise im hohen Norden Russlands, überquert das Nordpolarmeer und Grönland, streift Island und erreicht schließlich Europa. Nach der Überquerung Nordspaniens zieht er weiter über das Mittelmeer. Für viele Beobachter in Deutschland, Österreich und Norditalien bleibt es bei einer sehr tiefen partiellen Sonnenfinsternis – in Bozen beispielsweise werden über 91 % der Sonnenscheibe vom Mond bedeckt, während nur wenige Kilometer weiter südwestlich bereits die vollständige Verdunkelung zu erleben ist.
Was ist in Bozen zu sehen?
Bozen liegt knapp außerhalb der Totalitätszone, bekommt aber eine außergewöhnlich tiefe partielle Finsternis:
Beginn: 19:25 Uhr
Maximum: 20:18 Uhr
Ende: 20:29 Uhr
Magnitude: 0,918
Das bedeutet, dass über 91 % des Sonnendurchmessers vom Mond bedeckt werden. Die verbleibende Sonnensichel ist sehr schmal, dennoch wird es keine Totalität geben – die helle Photosphäre bleibt sichtbar, sodass eine Finsternisbrille während der gesamten Beobachtung erforderlich ist.
Wer den Fahrplan genauer studieren möchte, findet ihn sicher in Wiki und auf einschlägigen Astronomie-Seiten.
Wie funktionieren Sonnenfinsternisse
Lasst uns nun einen Blick darauf werfen, wie Sonnenfinsternisse überhaupt zustande kommen.
Der Trick besteht darin, dass für eine Finsternis gleich drei verschiedene Zyklen des Mondes gleichzeitig nahezu wieder am Anfang stehen müssen.
Es gibt nämlich neben dem typischen Mondzyklus, den wir in unserem Kalender üblicherweise, z. B. zur Berechnung unseres Osterfestes benutzen noch weitere Mondzyklen, die wir zur Erklärung von Finsternissen betrachten müssen.
Der synodische Monat
Das ist die Zeit von einem Neumond bis zum nächsten Neumond.
Ein synodischer Monat dauert etwa 29,53059 Tage
Eine Sonnenfinsternis kann nur bei Neumond stattfinden, eine Mondfinsternis nur bei Vollmond.
Der drakonitische Monat – die Bahnknoten
Die Mondbahn ist gegenüber der Erdbahn um etwa fünf Grad geneigt. Deshalb läuft der Mond meistens oberhalb oder unterhalb der Sonne vorbei.
Die beiden Schnittpunkte der Mondbahn mit der Erdbahnebene heißen aufsteigender und absteigender Bahnknoten.
Der Mond benötigt 27,21222 Tage,
um wieder denselben Bahnknoten zu erreichen.
Nur wenn Neumond oder Vollmond in der Nähe eines solchen Knotens auftreten, kommt es überhaupt zu einer Finsternis.
Der anomalistische Monat – der Abstand zur Erde
Die Mondbahn ist elliptisch. Deshalb ist der Mond einmal etwas näher an der Erde (Perigäum) und einmal weiter entfernt (Apogäum).
Von Perigäum zu Perigäum vergehen 27,55455 Tage.
Dieser Zyklus bestimmt unter anderem die scheinbare Größe des Mondes. Daher entscheidet er mit darüber, ob eine Sonnenfinsternis total oder ringförmig wird.
Ist der Mond zum Zeitpunkt einer Finsternis (Neumond und Mond in Knotenpunkt) gerade etwas weiter entfernt von der Erde, vermag sein Shatten es nicht, die Sonnenscheibe vollständig zu verdecken. Er erzeugt in der Sonnenscheibe ein „Loch“, ein Ring aus Licht bleibt bestehen. Eine ringförmige Finsternis ist entstanden. Bei nahem Mond verdeckt er die komplette Sonnenscheibe, so dass die Finsternis total ist.
Das erstaunliche Zusammentreffen nach einer Sonnenfinsternis im Detail
Nacheiner Sonnenfinsternis nach
223 synodischen Monaten
242 drakonitischen Monaten
239 anomalistischen Monaten
sind fast genau dieselbe Mondphase, dieselbe Knotenlage und nahezu derselbe Abstand des Mondes wieder erreicht.
Rechnet man das aus:
223 mal 29,53059 = 6585,32 Tage (Synodischer Monat)
242 mal 27,21222 = 6585,36 Tage (Drachenmonat)
239 mal 27,55455 = 6585,54 Tage ( (Anomalistischer Monat)
Alle Werte liegen nur wenige Stunden auseinander.
Lässt man nun beginnend bei einer Sonnenfinsternis diese drei Mondzyklen gegeneinander laufen, so dauert es 18 Jahre, 11 Tage und acht Stunden, bis sich alle drei mal wieder treffen, um gemeinsam für eine weitere Sonnenfinsternis zu sorgen.
Das ist der Saros-Zyklus.
Er dauert 6585,32 Tage
also ungefähr
18 Jahre, 11 Tage und 8 Stunden.
Die zusätzlichen acht Stunden bedeuten, dass sich die Erde währenddessen um ein Drittel ihrer Achse weitergedreht hat.
Dadurch findet die nächste Finsternis derselben Saros-Serie etwa 120 Längengrade weiter westlich statt.
Deshalb sieht man zwei aufeinanderfolgende Finsternisse derselben Serie meist nicht vom gleichen Ort aus.
Erst nach drei Saros-Zyklen – dem sogenannten Exeligmos – ist auch diese Verschiebung nahezu ausgeglichen.
Der Exeligmos dauert etwa 54 Jahre und 34 Tage.
Eine einzelne Saros-Serie beginnt, wenn der Mond den Erdschatten oder die Sonne zunächst nur ganz am Rand trifft.
Dann folgen über viele Jahrhunderte immer zentralere Finsternisse.
Später wandern sie wieder zum Rand zurück, bis die Serie endet.
Eine typische Saros-Serie umfasst ungefähr
70 bis 73 Finsternisse
über einen Zeitraum von rund 1200 bis 1300 Jahren.
Mehrere Saros-Serien laufen gleichzeitig nebeneinander.
Ich finde es ganz erstaunlich, dass dieser Zyklus schon den alten Babyloniern bekannt war. Aus solch einem Durcheinander Strukturen und Regelmäßigkeiten zu erkennen ist eine unfassbare Leistung.
Spielarten von Finsternissen
Nun kommen wir dazu, welche verschiedenen Arten von Sonnenfinsternissen es gibt.
Je nach Sonnenstand, Erdenstand und Mondstand ist der Mond perspektivisch ungefähr so groß, wie wir auch die Sonnenscheibe wahrnehmen. Die Sonne ist zwar unvergleichlich viel größer, als der Mond, aber dafür ist sie auch viel weiter von uns weg, 150 Mio Kilometer, wo hingegen der Mond grob nur 380.000 Kilometer von der Erde entfernt ist.
Schafft es die Mondscheibe, die Sonne zu verdecken, spricht man von einer totalen Sonnenfinsternis. Die gleißend helle Sonne wird vom schwarzen Mond bedeckt. Nun tritt die wunderbare schwach leuchtende Korona hervor, Blüten schließen ihre Kelche, Vögel stellen ihren Gesang ein, bzw. stimmen ihr Morgenlied an, Nachtluft scheint zu wehen
und Protuberanzen am Rand der Mondscheibe werden sichtbar. So ein Spektakel kann niemals länger als 8 Minuten dauern, weil die gegenseitige Drehung der Körper, deren Abstände zueinander und deren Größenverhältnisse bezüglich des Schattenwurfs nicht mehr zulassen.
Die Corona und die Flammenzungen kann man bei unverdeckter Sonne nur mit speziellen Instrumenten erblicken, weil sie vom Licht der Sonne überstrahlt werden. Dieser Lichtkranz entsteht durch Plasma-Ballen, die in den Magnetfeldern der Sonne hängen. Wie genau, wäre ein extra Artikel wert.
Die Erde bewegt sich elliptisch um die Sonne. Das bedeutet, dass sie im Jahreslauf mal der Sonne etwas näher (149 Mio km) und mal etwas weiter (152 Mio km) steht.
Somit erscheint sie uns leicht größer bei nahem Abstand und etwas kleiner bei fernem Abstand.
Der Mond tut das ebenso. Er bewegt sich elliptisch um die Erde. Auch er erscheint uns bei größerer Entfernung etwas kleiner und bei Erdnähe etwas größer.
Nun überlegen wir uns die Kombination dieser Tatsachen.
Ist die Sonne eher fern von uns, also kleiner, und der Mond eher nahe bei uns, also größer, kann er ganz wunderbar die Sonnenscheibe abdecken. Eine totale Sonnenfinsternis findet statt.
Ist die Sonne erdnah und der Mond erdfern, vermag der perspektivisch kleinere Mond es nicht, die ganze Sonnenscheibe zu verdecken. Er erzeugt lediglich ein Loch in der Sonnenscheibe. Eine ringförmige Finsternis ist entstanden.
Ich schrieb oben über die Tatsache mit der leicht gekippten Mondbahn. So kommt es vor, dass der Mond etwas oberhalb oder unterhalb der Sonne steht. Auch hier vermag er nicht, die ganze Scheibe abzudecken. Er beißt nur quasi ein Stück ab, wie man das ungefähr vom Logo des Apfels her kennt. Das ist dann eine partielle Finsternis, oder in den meisten Fällen ein ganz gewöhnlicher unspektakulärer Neumond.
Jede Sonnenfinsternis beginnt und endet als partielle Finsterniss. Ob sie dann totalitär oder ringförmig im Kern wird, hängt, wie beschrieben von den Abständen, Erde, Sonne Mond, ab.
Es gibt auch Finsternisse, die alle drei Arten durchlaufen (Partiell, Ringförmig und total).
Kurz vor der totalen Bedeckung bei einer totalen Finsternis tritt ein Phänomen auf, das man Perlenkette nennt. Der Mond als Scheibe gedacht ist etwas leicht ausgefranst, weil er ja auch Berge und Täler hat und nicht Rund, wie ein Kreis ist.
Das bedeutet, dass zwischen den Bergen am Rand der Mondscheibe kurz vor der totalen Bedeckung der Sonne perlenartig noch die Sonne durchscheinen kann, bis sich dann der ganze Mond davor schiebt.
Die letzte „Perle“ vor der absoluten Totalität, nennt man den Diamantring.
Klingende Finsternisse
Schon ganz schön verwirrend, diese Mondzyklen und die gemeinsamen Treffen aller zur Finsternis. Ohne Bilder alles nur schwer vorstellbar. Aber bilder gibt es beim Sternenonkel nur selten. Dennoch gibt es eine inklusive Art, sich Finsternisse zu vergegenwärtigen.
Jeder weiß, dass Kirchenglocken sehr chaotisch und unregelmäßig durcheinander klingen. Das liegt daran, dass die großen Glocken langsamer in ihrem Turm schwingen, als das kleine Betzeit-Glöckchen, das ganz aufgeregt auch noch mitbimmeln darf.
Manchmal hört man auch, dass zwei Glocken ab und zu gleichzeitig erklingen, um dann wieder auseinander zu driften.
Im Grunde genommen ist das genau, wie mit den unterschiedlichen Monatslängen, die mehr und mehr auseinander driften, um irgendwann mal wieder für eine Finsternis zusammen zu kommen, gemeinsam zu erklingen.
Versucht einfach mal, wenn ihr das nächste mal ein volles Glockengeläut, am besten eines mit drei Glocken hört, euch vorzustellen, dass jede Glocke einem der drei Mondzyklen gehört. Manchmal erklingen alle drei gemeinsam. Dann habt ihr eine Finsternis im Kirchturm gehört.
Fünf entscheidende Sonnenfinsternisse
So weit, so gut. Das ist ja alles ganz nett, aber nützt das auch jemandem, z. B. der Wissenschaft? Hier rufe ich ein ganz klares und entschiedenes „ja“ aus.
Im vorletzten Jahrhundert fanden mindestens fünf totale Finsternisse statt, die Wissenschaftsgeschichte schrieben.
Finsternis 1
Gehören die schönen Flammenzungen am Mondrand, die Protuberanzen, die bei einer totalen Sonnenfinsternis sichtbar werden, zur Sonne oder zum Mond?
Die Antwort gab die Finsternis vom 18. Juli 1860 in Spanien.
Zwei Gelehrte zogen mit ihren Instrumenten an den Ebro und an die spanische Mittelmeerküste.
Zum ersten Mal wurde die Fotografie, damals hieß sie noch Daguerreotypie, eingesetzt.
Der Engländer Warren de la Rue, 1815 bis 1889, ein reicher Papierfabrikant,
war ein Pionier in der Fotografie astronomischer Objekte.
Der Jesuitenpater Angelo Secki, 1818 bis 1887, Direktor des Collegio Romano,
widmete sich in der zweiten Hälfte seines Lebens dem Studium der Sonne.
Beide fotografierten in Spanien die Protuberanzen von Orten aus, die mehrere hundert Kilometer auseinander lagen.
Die Bilder glichen sich wie ein Ei dem anderen.
Die roten Flammenzungen waren also reell.
Mehr noch, rasch nacheinander aufgenommene Platten zeigten, dass sich der Mond vor den Protuberanzen vorbei bewegt.
Damit wusste man, die Protuberanzen gehören zur Sonne.
2. Die eiserne Finsternis
Die Finsternis vom 7. August 1869 konnte längs eines schmalen Streifens beobachtet werden,
der sich von der Beringstraße quer durch Nordamerika nach North Carolina erstreckte.
Diesmal rückte man der Corona zu Leibe.
Es war nicht leicht, das Spektrum dieses schwachleuchtenden Lichtschleiers zu erhalten.
Anfangs schien es nicht allzu aufregend zu sein. Das Licht war anscheinend über das ganze Spektrum gleichmäßig verteilt.
Die dunklen Fraunhofer-Linien des Sonnenspektrums fehlten.
Doch im grünen Bereich entdeckte man eine helle Linie, die man noch nicht kannte.
Welche Atome waren dafür verantwortlich?
Die genaue Vermessung zeigte, dass bei dieser Wellenlänge kein bekanntes Atomlicht aussendet.
Sollte in der Corona der Sonne ein auf der Erde unbekanntes Element den Sonnenphysikern von seiner Existenzkunde geben?
Ende des vorletzten Jahrhunderts gab man dem unbekannten Stoff den Namen Koronium.
Nicht einmal auf der Sonne selbst schien dieses rätselhafte Element vorzukommen, denn es verriet sich auch nicht durch eine Fraunhofer-Linie im Sonnenspektrum. Lediglich in der Korona tauchte es auf.
Erst Mitte unseres Jahrhunderts gelang es, das Geheimnis der grünen Corona-Linie zu lüften.
Sie rührt von Atomen des Eisens her.
Das Eisengas ist dort so heiß, dass den Atomen, deren Kerne normalerweise von einer Wolke von 26 Elektronen umgeben sind, 13 verloren gegangen sind, sodass nur noch 13 Elektronen den Kern umschwirren.
Das ist nur bei unglaublich hohen Temperaturen möglich.
Wir wissen heute, dass die Sonnen-Corona Millionen von Grad heiß ist.
Doch das hatte zur Zeit der Finsternisse des vorletzten Jahrhunderts niemand geahnt.
3. Die indische Finsternis
Am 18.08.1868 bewegte sich der Kernschatten einer Sonnenfinsternis über die indische und die malaiische Halbinsel.
Der Astronom und Fotograf Pierre Jules César Janssen nahm also die beschwerliche Reise auf sich, um von Guntur in Indien aus diese Finsternis zu beobachten und zu fotografieren.
Während der kurzen Dunkelheit erkannte er im Spektroskop, dass die Protuberanzen hauptsächlich bei den Wellenlängen des Lichtes des Wasserstoffs abstrahlen. Man bedenke, dass es damals durchaus noch nicht klar war, woraus die Sonne hauptsächlich besteht. Das erklärte uns erst die Frau mit dem Sonnenstoff. https://blindnerd.de/2022/03/08/die-frau-mit-dem-sonnenstoff-weltfrauentag-2022/
Man ging davon aus, dass die Sonne sich in ihrer Zusammensetzung unwesentlich von der irdischen unterscheiden sollte.
Aber Spektralaparate waren bereits erfunden und man entdeckte auch die Lichtsignaturen nahezu aller chemischen Elemente in der Sonne, welche sie sich bei ihrer Entstehung einverleibt hatte.
Als nach kurzer Zeit die Sonne wieder hinter der Mondscheibe hervortrat und die Protuberanzen verblassten, soll Janssen ausgerufen haben:
„Diese Linien will ich auch außerhalb der Finsternisse beobachten.“
Am nächsten Tag richtete er sein mit einem Spektroskop ausgestattetes Fernrohr gleich nach Sonnenaufgang auf die Stelle des Sonnenrandes, an der er während der Finsternis eine besonders helle Protuberanz gesehen hatte.
Wenn janssen in seinem Spektroskop nur auf die Alpha-Linie des
Wasserstoffs schaute, dann war er für nahezu alles andere Licht blind. Sonnenbeobachter bis heute betrachten die Sonne gerne in diesem Licht und blenden alles andere mit Filtern weg.
Tatsächlich konnte er das Licht der Spektrallinien der Protuberanzen auch am hellen Taghimmel ausmachen. Durch den Spalt des Spektroskops
am Fernrohr sah er im Licht der roten Wasserstofflinie einen schmalen Streifen der über den Rand der Sonnenscheibe herausragenden leuchtenden Gasmassen. Wenn er das Fernrohr leicht bewegte, dann verschob sich der Spalt und bot den Anblick eines benachbarten schmalen Streifens der Protuberanz. So konnte janssen am Spektroskop Streifen
für Streifen des Sonnenrandes abtasten, zeichnen und zu einem Bild der gesamten Protuberanz zusammensetzen.
Die beiden konnten zwar Protuberanzen mit ihren Spektrographen und Teleskopen beobachten, die sich am Rand der Sonnenscheibe befanden, aber Protuberanzen auf der hellen Sonnenscheibe blieben einem anderen großen Astronomen vorbehalten.
Der erst 21jährige George Ellery Hale grübelte darüber nach, wie man trotz des störenden Lichtes der Sonne bessere otografien gewinnen und damit mehr auf der Fotoplatte festhalten konnte.
Zur Idee seines neuen Instrumentes soll er gesagt haben, dass sie ihm in der Straßenbahn gekommen sei, als er aus dem Wagen heraus auf die Latten eines Lattenzaunes blickte und sich der dahinterliegende Garten scheinbar an den Zwischenräumen vorbei bewegte. Das war die Geburt des Spektroheliographen, wie Hale das Gerät nannte, das in diesem Augenblick in seinem Kopf entstand.
Siehe: Eine Finsternis, ein Sonnenforscher und ein Lattenzaun
4. Einsteins Finsternis
Am 14.12.1919 brachte die Berliner ilustrierte Zeitung auf ihrer Titelseite das Portrait Albert Einsteins und schrieb:
„Eine neue Größe der Weltgeschichte, Albert Einstein, dessen Forschungen eine völlige Umwälzung unserer Naturbetrachtung bedeutet, und den Erkenntnissen eines Kopernikus, Kepler und Newton gleichwertig sind,“
Dieser Einstein war in das Interesse der Medien gerückt. Schuld daran war eine Sonnenfinsternis.
Wenn es stimmt, dass große Massen den Raum, bzw. die Raumzeit krümmen, sollte sich das anhand von Licht in der Nähe großer Massen, nachweisen lassen.
Gesucht wurde ein Objekt, das eine große Masse besitzt, aber entweder selbst nicht leuchtet, bzw. dessen Licht durch etwas anderes verdeckt wird.
Eine Sonnenfinsternis schien dazu geeignet, weil die Sonne eine große Masse besitzt und der mond manchmal dazu in der Lage ist, ihren alles überstrahlenden Lichterglanz abzudecken, damit zum Vorschein kommt, was in ihrer unmittelbaren Umgebung leuchtet und normalerweise durch ihren Glanz nicht sichtbar ist. Das sind die Korona und die Sterne am Taghimmel.
Ihr eigenes Licht wird zum Zeitpunkt der Totalität komplett vom Mond verdeckt. Aber ihre im Vergleich zur Erde riesige Masse, sollte das Sternenlicht, das in ihrer Nähe vorbei geht, leicht verzerren, weil in ihrer Nähe durch ihre Masse die Raumzeit oder auch der Raum gekrümmt werden sollte.
Einstein schlug diese Idee des Nachweises vor und gab sogar eine Grad-Zahl an, um wie viel Bruchteile einer Bogensekunde die Sterne zu ihrer sonstigen Position verschoben sein sollten. Er gab zunächst 0,875 Bogensekunden an. Betrachtete man ein Eurostück aus einer Entfernung von fünf Kilometern, betrüge sein Winkel von Rand zu Rand ungefähr diesen Wert.
Die erste Möglichkeit der Beobachtung einer Sonnenfinsternis, ergab sich 1912 in Brasilien. Diese viel aber wegen Wolken und Regen ins Wasser.
Die nächste war am 21.08.1914 in Russland. Doch drei Wochen zuvor brach der erste Weltkrieg aus. Die deutschen Astronomen, die mit ihrem Gerät bereits in Russland waren, wurden interniert und deren Geräte beschlagnahmt.
1915 hatte Albert Einstein seine relativitätstheorie vervollkommnet und bemerkt, dass die Ablenkung ungefähr doppelt so hoch sein könnte.
Die Möglichkeit einer Überprüfung, einsteins neuestem Werts ergab sich am 29.05.1919 von der Insel Principe vor der Küste spanisch Guineas aus.
Wenn man bedenkt, dass der deutsche Einstein für die Engländer ein Feind war, ist es um so bemerkenswerter, dass sie diese Expedition vorbereiteten und durchführten.
Unter der Leitung des großen britischen Astronomen Athur Edington, wurde das Sternenfeld, in welchem die Finsternis stattfinden würde, bereits ein halbes Jahr vor dem Ereignis fotografiert, als es noch am Nachthimmel zu sehen war, um Vergleichsaufnahmen für die während der Finsternis gemachten Bilder zu haben.
Eine weitere englische Expedition beobachtete das Ereignis von Brasilien aus.
Beide Expeditionen fanden die Ablenkung des Sternenlichts und somit Einsteins Theorie bestätigt.
Und so war spätestens im November 1919 Einstein ein berühmter Mann geworden, dass sogar die Newyork Times über seine Entdeckung berichtete..
Mythen rund um Finsternisse
Es liegt nahe, dass Finsternisse und Kometen für zahlreiche Geschichten und Mythen sorgten. Und wenn die Daten nicht ganz aufeinander passten, dann wurden sie mit der Zeit eben passend gemacht. Außerdem werden Geschichten immer besser, um so öfter sie erzählt werden. Lassen wir hier einige davon erklingen.
Die Schlacht, die plötzlich im Dunkeln endete – 585 v. Chr.
Die Meder und Lyder kämpften in Kleinasien bereits seit Jahren gegeneinander. Während einer Schlacht am 28. Mai 585 v. Chr. wurde es plötzlich mitten am Tag dunkel: eine totale Sonnenfinsternis.
Beide Heere interpretierten das Ereignis offenbar als Zeichen der Götter und stellten den Kampf ein. Schließlich schlossen die verfeindeten Parteien Frieden. Der griechische Philosoph Thales von Milet soll die Finsternis sogar vorhergesagt haben – wobei Historiker heute bezweifeln, dass wir wirklich wissen, wie er das hätte berechnen können.
Der König, der sich vor der Finsternis verstecken musste
Im alten Mesopotamien waren Sonnen- und Mondfinsternisse besonders gefährliche Omen für den König. Die Priester beobachteten den Himmel und deuteten die Finsternis als mögliche Ankündigung von Tod oder Unheil für den Herrscher.
Und jetzt wird es ziemlich makaber:
Wenn eine gefährliche Finsternis bevorstand, konnte ein „Ersatzkönig“ eingesetzt werden. Ein anderer Mann wurde zum König erklärt, bekam königliche Kleidung und sogar eine Königin. Der echte König verschwand währenddessen aus der Öffentlichkeit.
Nach Ablauf der gefährlichen Zeit wurde der Ersatzkönig getötet – das vorhergesagte Unheil sollte ihn treffen, nicht den wirklichen Herrscher.
Das ist tatsächlich historisch belegt und keine bloße Legende.
Der chinesische Drache frisst die Sonne
Eine sehr verbreitete chinesische Vorstellung erzählt von einem Himmelsdrachen, der die Sonne verschlingt.
Wenn die Sonne während einer Finsternis verschwand, versuchte man, das Ungeheuer zu vertreiben: Man machte Lärm, schlug Trommeln und veranstaltete allerlei Krach.
Die beiden Hofastronomen Hi und Ho, welche über Trunk und Feiern vergaßen, eine Finsternis anzukündigen, kostete dieses Versäumnis ihre Köpfe.
Der Drakonistische, Drachenmonat, verdankt seinen Namen dieser Legende.
Die Wölfe der Wikinger
In der nordischen Mythologie verfolgen die beiden Wölfe Sköll und Hati die Himmelskörper Sonne und Mond.
Sköll jagt die Sonne, Hati den Mond. Wenn einer der Wölfe sein Ziel erreicht und den Himmelskörper verschlingt, kommt es zur Finsternis.
Im Zusammenhang mit Ragnarök, dem Untergang der alten Welt, gelingt es den Wölfen schließlich tatsächlich, Sonne und Mond zu verschlingen.
Man kann sich also eine Sonnenfinsternis als einen kurzen Moment vorstellen, in dem der Wolf die Sonne beinahe erwischt.
Die Bibel: „Die Sonne wurde dunkel“
Hier wird es besonders interessant, weil die Finsternis direkt in der Passionsgeschichte vorkommt.
Die Evangelien des Neuen Testaments berichten, dass während der Kreuzigung Jesu von etwa der sechsten bis zur neunten Stunde Dunkelheit über das Land kam. Lukas formuliert sogar, dass die Sonne ihr Licht verlor.
Das ist allerdings keine normale Sonnenfinsternis: Eine totale Sonnenfinsternis dauert an einem bestimmten Ort höchstens wenige Minuten, nicht drei Stunden.
Siehe: Die Finsternis an Karfreitag und der zerrissene Tempelvorhang
Dazu kommen zwei interessante alttestamentliche Stellen:
Bei Amos 8,9 heißt es sinngemäß, Gott werde die Sonne am Mittag untergehen lassen und die Erde am hellen Tag verdunkeln.
Und Joel 2,31 sagt:
Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut.
Noch eine bemerkenswerte Bibelstelle findet sich im Buch Josua.
Josua soll bei der Schlacht von Gibeon gesagt haben:
„Sonne, steh still!“
und der Mond solle ebenfalls stillstehen.
Das wurde immer wieder mit einer außergewöhnlichen Himmelserscheinung in Verbindung gebracht. Moderne astronomische Untersuchungen haben sogar versucht, eine konkrete historische Sonnenfinsternis damit zu identifizieren. Eine Forschungsarbeit kommt als Kandidaten auf den 30. September 1131 v. Chr.
Ob das tatsächlich die historische Grundlage der Erzählung war, ist allerdings keineswegs gesichert.
Kolumbus und der „Blutmond“ von 1504
Das ist eine der berühmtesten Geschichten über eine Mondfinsternis.
Christoph Kolumbus saß 1504 auf Jamaika fest. Die dortigen Taíno versorgten die Spanier zunächst mit Nahrung, weigerten sich aber schließlich.
Kolumbus wusste aus seinen astronomischen Tabellen, dass bald eine Mondfinsternis stattfinden würde. Er soll angekündigt haben, dass sein Gott zornig sei und den Mond verschwinden lassen werde.
Als der Mond tatsächlich dunkel und anschließend blutrot wurde, sollen die Taíno beeindruckt gewesen sein. Kolumbus konnte die Situation anschließend nutzen, um die Versorgung seiner Männer wieder sicherzustellen.
Die Geschichte stammt allerdings aus späteren europäischen Berichten und sollte deshalb nicht völlig unkritisch als wortgetreuer historischer Tatsachenbericht erzählt werden. Die astronomische Finsternis vom 1. März 1504 ist dagegen eindeutig. Interessanterweise liegt sie ziemlich genau 521 Jahre vor der Mondfinsternis vom März 2025 – ein Hyper-Saros-Zyklus.
Siehe: Eine Finsternis als Lebensretterin
Finsternisse in der Literatur
Betrachten wir nun zum Schluss noch einige Finsternisse in unserer Literatur.
Sonnenfinsternis bei Marc Twain
In einer Erzählung ließ Marc Twain einen Amerikaner durch einen Blitzschlag einen Zeitsprung vollführen. Dieser Mensch taucht nun am 19.06. des Jahres 528 in der Zeit des sagenhaften König Artus wieder auf. Durch zahlreiche Verwicklungen gerät dieser Mann schließlich in das Gefängnis und wurde zum Tode verurteilt.
Er verfügt jedoch über ein Wissen der besonderen Art.
Er sagt für den 21.06.528 eine totale Sonnenfinsternis voraus. Hierdurch erlangte er die Gunst des Königs und letztlich dann auch seine Befreiung. Er wird zum astronomischen Berater des Königs ernannt.
So weit, so gut, aber fand an diesem Tage überhaupt eine Sonnenfinsternis statt, die Atus und seine Mannen hätten sehen können?
Um dieses herauszufinden, müssen wir ein Verzeichnis oder einen Katalog bemühen, in welchem alle Finsternisse der letzten 2000 Jahre verzeichnet sind. Am besten eignen sich hier die Kataloge von Opolzer oder der von Mucke. Selbstverständlich kann man heutzutage auch kostenlose Software, wie Stellarium verwenden, obwohl die je früher man in der Zeit zurückgeht, ihre Grenzen hat.
Im Jahre 528 gab es vier Sonnenfinsternisse, am 06.02, 06.03, am 01.08. und am 30.08. Alle waren partieller Natur.
Da am 01.08. neumond geherrscht haben muss, denn ohne Neumond keine Sf war dies auch einen synodischen Monat vorher, also Anfang Juli der Fall. Der 21.06. war somit kurz nach Vollmond. Ein unmöglicher Zeitpunkt für eine Sf. Vermutlich erfand Twain das Datum einfach.
Schön und spannend bleibt diese Erzählung dennoch.
Jules Vernes Sonnenfinsternis
In dem zweibändigen Roman „Im Land der Pelze“ beschreibt Jules Vern, der Vater der Science Fiction Literatur, die Abenteuer einer Reisegruppe, die nach Alaska kommt.
Unter den Mitreisenden befindet sich ein Astronom. Verne beschreibt ihn als Menschen, der außer seine Sternbeobachtungen nichts zuwege bringt. Dieses jedoch macht ihm keiner gleich. Dieser Astronom, Namens Black, schließt sich der Reisegruppe an, um eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten. Diese soll am 18.06.1860 stattfinden. Gegen 09:30 beginnt die totale Phase der Finsternis. Black und seine Reisegefährten sehen die Sichel des Mondes immer dünner werden. Jeden Moment muss die totale Bedeckung anbrechen. Doch dann geschieht etwas ganz anderes. Black sieht, dass die Mondsichel plötzlich wieder breiter wird und somit die Phase der totalen Bedeckung überhaupt nicht stattfand. Was war hier geschehen? Waren die Kataloge und Voraussagen der Astronomen falsch? Keines Wegs. Die Lösung des Problems war entsätzlich.
Die Gruppe befand sich gar nicht an dem Orte, an welchem sie sich wähnte.
Die Reisegruppe hatte nicht bemerkt, dass die Eisscholle, auf welcher sie sich befand, sich vom Festland gelöst hatte und in südlicher Richtung in wärmere Gewässer durch die Beringsee trieb. Diese Drift brachte die Scholle außerhalb des Streifens der Totalität.
Der Rest des Romans handelt dann davon, wie die Gruppe auf dem Eis um ihr Überleben kämpfte.
Was hat es nun tatsächlich mit der Sonnenfinsternis von Verne auf sich?
Tatsächlich gab es an besagtem Tage eine Sonnenfinsternis, deren Streifen der Totalität sich, wie bei Jules Verne beschrieben, von Alaska, über Kanada und den Atlantik ins Mittelmeer erstreckte.Es ist aber nicht verwunderlich, dass Verne im Gegensatz zu Twain eine tatsächlich stattgefundene Finsternis beschrieb. Der Roman erschien 1873, also 13 Jahre nach der Finsternis. Verne musste sich somit nicht auf Vorausberechnungen stützen, sondern konnte sich auf sicher fundamentiertes gewesenes verlassen.
Sonnenfinsternis bei Adalbert Stifter
Wenn man Sonnenfinsternisse literarisch betrachtet, dann kommt man an Adalbert Stifters Beschreibung einer von ihm selbst beobachteten Sonnenfinsternis nicht vorbei. Für mich stellt sie die schönste deutschsprachige Beschreibung einer Sonnenfinsternis dar, die ich kenne.
Siehe: Eine literarische Erinnerung
Anhören könnt ihr euch diesen wunderbaren Text ebenfalls. Siehe untenstehende Linkliste von Eberhard.
Weitere Links zur Sonnenfinsternis
Eberhard, auf dessen Newsletter ich schon mehrfach Gastbeiträge veröffentlichen durfte, hat hier eine ganz wunderbare Linkliste zum Thema Sonnenfinsternis zusammengestellt. Diese teile ich hier gerne mit euch.
Eberhard sagt.
Vor allem der erste Beitrag in der ARTE-Mediathek ist besonders gut:
Die Sofi bei ARTE: https://www.arte.tv/de/videos/125674-000-A/totale-sonnenfinsternis-europa-im-mondschatten/
„Die Sonnenfinsternis“ von Adalbert Stifter
Die meisten Sonnenfinsternis-Experten kennen ja die wunderbare Schilderung der Sonnenfinsternis vom
8. Juli 1842 von Adalbert Stifter, die er auf der Aussichtsterrasse des Kornhäuslturms über den Dächern von Wien beobachten konnte.
Das „Schmankerl“ ist nun, dass ich Christian Baumann dafür gewinnen konnte, diesen Text zu lesen.
Christian Baumann ist als Schauspieler und Sprecher seit 1996 auf zahlreichen Theaterbühnen und in TV-Produktionen zu sehen. Er ist bekannt als Sprecher in Funk und Fernsehen, beispielsweise auch bei Bayern 2, sowie aus unzähligen Hörbuchproduktionen.
Seine Filmografie und Produktionsübersicht sind hier zu finden: http://www.baumannchristian.de/
Weitere Infos auch hier: In Wiki
Seine Lesung von Stifters Text
Dauer: 21 Minuten
Ich empfehle diese Datei vor dem Beginn der Sofi abzuspielen. Das ist die perfekte Einstimmung zur Sofi.
Aus dem Blog des blinden Astronomen Gerhard Jaworek erfahren wir zu dieser Schilderung von Adalbert Stifter Folgendes:
„Der Aufsatz „Sonnenfinsternis“ von Adalbert Stifter erschien zuerst in der „Wiener-Moden-Zeitung und Zeitschrift für Kunst, schöne Literatur und Theater“ 1842 III. Quartal.“
was bleibt dem Sternenonkel, als aus der Not eine Tugend zu machen. Es ist brüllend heiß draußen im ganzen Land.
Lasst uns also heute mal etwas auf die Geschichte der Temperaturmessung blicken.
Prolog
Wer heute wissen möchte, ob es draußen warm oder kalt ist, schaut auf das Smartphone, den Wetterbericht oder vielleicht noch auf ein klassisches Thermometer. Die Temperatur wird in Grad Celsius angegeben, und niemand denkt groß darüber nach, warum Wasser bei 0 Grad gefriert und bei 100 Grad kocht. Doch bis wir zu dieser scheinbar selbstverständlichen Skala gelangten, war es ein langer Weg.
Die ersten Anfänge
Schon früh bemerkten Menschen, dass sich Stoffe bei Wärme ausdehnen und bei Kälte zusammenziehen.
Die Vorläufer unserer heutigen Thermometer nannte man Thermoskope. Sie konnten zwar anzeigen, ob es wärmer oder kälter wurde, besaßen aber noch keine Skala mit Zahlenwerten.
Ein typisches Thermoskop des 17. Jahrhunderts bestand aus einer Glaskugel, an die ein langes, dünnes Glasröhrchen angeschmolzen war. Die Kugel wurde zunächst erwärmt, sodass sich die Luft darin ausdehnte und ein Teil aus dem Röhrchen entwich. Anschließend tauchte man das offene Ende des Röhrchens in ein Gefäß mit Wasser.
Kühlte die Luft in der Glaskugel nun ab, zog sie sich zusammen. Dadurch entstand ein leichter Unterdruck, und das Wasser stieg im Röhrchen nach oben. Erwärmte sich die Luft wieder, dehnte sie sich aus und drückte das Wasser nach unten.
Das Gerät zeigte also Veränderungen der Temperatur durch den wechselnden Wasserstand an. Allerdings hatte es einen entscheidenden Nachteil. Es reagierte nicht nur auf die Temperatur, sondern auch auf Änderungen des Luftdrucks. Wenn sich das Wetter änderte, konnte sich der Wasserstand ebenfalls verändern, obwohl die Temperatur gleich geblieben war.
Erst als man später geschlossene Thermometer entwickelte, die mit Alkohol oder Quecksilber gefüllt waren und eine feste Skala erhielten, wurde eine wirklich zuverlässige Temperaturmessung möglich.
Mit den ersten Termoskopen war es ein bisschen so, wie mit Astronomie mit bloßem Auge: Man konnte Veränderungen beobachten, aber noch nicht präzise messen.
Die erste Skala
Einer der ersten, der Ordnung in das Temperaturchaos bringen wollte, war der deutsche Physiker Daniel Gabriel Fahrenheit. Anfang des 18. Jahrhunderts entwickelte er ein Quecksilberthermometer und führte eine Temperaturskala ein, die bis heute vor allem in den USA verwendet wird.
Quecksilberthermometer lassen sich besser ablesen, als Wasserthermometer, weil es sich mehr ausdehnt.
Warum Wasser bei Fahrenheit bei 32 Grad gefriert und bei 212 Grad siedet, wirkt auf uns heute etwas merkwürdig. Tatsächlich orientierte sich Fahrenheit an verschiedenen Referenzpunkten, unter anderem an einer besonders kalten Salzlösung. Aus heutiger Sicht erscheint die Skala etwas exotisch, doch sie hatte einen entscheidenden Vorteil. Sie war für die damalige Zeit erstaunlich präzise.
Das französische Thermometer
Fast zeitgleich entwickelte der französische Naturforscher René Antoine Ferchault de Réaumur seine eigene Skala. Bei ihm lag der Gefrierpunkt des Wassers bei 0 Grad und der Siedepunkt bei 80 Grad. In Teilen Europas war die Réaumur-Skala lange Zeit verbreitet. Heute begegnet sie uns nur noch selten, etwa wenn in alten Kochbüchern oder historischen Dokumenten Temperaturen angegeben werden.
Er verwendete kein Quecksilber, sondern Alkohol als Thermometerflüssigkeit. Alkohol dehnt sich bei Erwärmung stärker aus als Quecksilber, was die Messung erleichterte. Réaumur definierte zunächst den Gefrierpunkt des Wassers als 0°. Anschließend untersuchte er, um wie viel sich ein bestimmtes Volumen Alkohol zwischen Gefrier- und Siedepunkt des Wassers ausdehnte.
Dabei stellte er fest, dass sich das Volumen ungefähr um 8 % vergrößerte.
Jeder Grad Réaumur entsprach also einer Volumenänderung von einem Tausendstel des ursprünglichen Alkoholvolumens.
Mathematisch war das recht elegant:
* Ausgangsvolumen: 1000 Einheiten
* Volumenzunahme bis zum Siedepunkt: etwa 80 Einheiten
* daher: 80 Grad zwischen Gefrier- und Siedepunkt
Die Zahl 80 ergab sich also unmittelbar aus den Eigenschaften seines Thermometers und war nicht primär als allgemeine Temperaturskala gedacht. Erst später wurde daraus eine standardisierte Skala.
Interessanterweise war Réaumurs Skala für die damalige Zeit durchaus praktisch. Die Einteilung in 80 Grade ließ sich leicht halbieren, vierteln oder achteln. Viele Handwerker, Brauer und Käser arbeiteten noch lange mit Réaumur-Angaben. Deshalb begegnet man ihr gelegentlich heute noch in historischen Rezepten oder alten naturwissenschaftlichen Texten.
Für deinen Artikel wäre vielleicht sogar eine kleine Pointe möglich:
> Während Celsius mit einer schön runden Hunderterskala punktete und Kelvin die tiefstmögliche Temperatur suchte, orientierte sich Réaumur ganz pragmatisch an seinem Alkoholthermometer. Seine 80 Grade waren weniger das Ergebnis einer tiefen Naturphilosophie als vielmehr einer geschickten Laborentscheidung.
Das trifft den historischen Sachverhalt ziemlich gut.
Was sich durchsetzte
Den größten Erfolg hatte jedoch eine Skala, die ursprünglich gar nicht Celsius-Skala hieß. Der schwedische Astronom Anders Celsius veröffentlichte 1742 eine Einteilung, bei der Wasser bei 100 Grad gefror und bei 0 Grad kochte. Ja, genau andersherum als heute.
Erst nach seinem Tod wurde die Skala umgedreht. Nun lag der Gefrierpunkt bei 0 Grad und der Siedepunkt bei 100 Grad. Das erwies sich als deutlich intuitiver und setzte sich schließlich weltweit durch. Für Astronomen und Naturwissenschaftler war das ein großer Fortschritt, denn nun konnten Messungen einfacher verglichen werden.
Doch selbst die Celsius-Skala hat einen Nachteil: Sie beginnt nicht bei der tiefstmöglichen Temperatur.
Und dann hängt die Temperatur, bei der Wasser kocht, vom Luftdruck ab. Auf dem Everest kocht Wasser schon bei 80 Grad oder so.
Die absolute
Im 19. Jahrhundert beschäftigte sich der britische Physiker William Thomson, besser bekannt als Lord Kelvin, mit den Grundlagen der Thermodynamik. Er erkannte, dass es eine absolute Temperaturgrenze geben muss, bei der die Bewegung der Teilchen ihr Minimum erreicht.
Dieser Punkt liegt bei minus 273,15 Grad Celsius. Kelvin machte daraus den Nullpunkt seiner Skala. Ein Kelvin hat dieselbe Größe wie ein Grad Celsius, nur der Ausgangspunkt ist ein anderer. Deshalb entsprechen 0 Grad Celsius genau 273,15 Kelvin.
Das ist eine sehr schöne Geschichte, weil Kelvin seine Skala zunächst gar nicht über Atome oder Quantenphysik herleitete. Die gab es damals noch nicht.
Er betrachtete die Ausdehnung von Gasen. Schon im frühen 19. Jahrhundert hatten Forscher wie Jacques Charles und Joseph Louis Gay-Lussac festgestellt, dass sich Gase bei Erwärmung nahezu linear ausdehnen.
Vereinfacht gesagt: Erhöht man die Temperatur eines Gases um 1 °C, nimmt sein Volumen immer um etwa denselben Bruchteil zu.
Stellt man sich nun ein Gas mit einem Volumen von 100 Litern bei 0 °C vor, dann hätte es bei 100 °C ungefähr 136,6 Liter. Zeichnet man diese Beziehung in ein Diagramm und verlängert die Gerade nach unten, gelangt man zu einem bemerkenswerten Punkt: Das Volumen würde bei etwa −273 °C auf Null schrumpfen.
Natürlich kann ein reales Gas nicht tatsächlich auf Nullvolumen zusammengedrückt werden. Lange vorher wird es flüssig oder fest. Dennoch deutete die Extrapolation auf eine fundamentale Grenze hin.
Für Kelvin war dies ein starkes Indiz, dass es eine tiefstmögliche Temperatur geben musste. Er kombinierte diese Überlegung mit den damals neuen Erkenntnissen der Thermodynamik und schlug vor, dort den Nullpunkt einer absoluten Temperaturskala anzusetzen.
Später wurde dieser Wert immer genauer bestimmt. Heute liegt der absolute Nullpunkt bei
−273,15 °C = 0 Kelvin.
Bis heute versuchen Physiker immer mehr an diesen absoluten Nullpunkt heran zu kühlen.
Wettkühlen
Hier ein Beispiel für dieses „Wettkühlen“ nacherzählt aus dem Buch „Das Weltgeheimnis von Thomas de Padova.Das gibt es bei den Blindenhörbüchereien auszuleihen.
Einer der Forscher, der sich besonders intensiv mit solchen ultrakalten Zuständen beschäftigt hat, ist der Physiker Wolfgang Ketterle. In den 1990er Jahren arbeitete er am Massachusetts Institute of Technology an sogenannten Bose-Einstein-Kondensaten – Zuständen der Materie, die nur bei extrem tiefen Temperaturen entstehen.
Die Experimente waren so empfindlich und liefen über so lange Zeiträume, dass man sie kaum „einfach laufen lassen“ konnte. Jede Störung, jede kleine Veränderung konnte das Ergebnis beeinflussen. Deshalb verbrachte Ketterle ungewöhnlich viel Zeit direkt in der Nähe seiner Apparaturen. Überliefert ist sogar, dass er sich zeitweise ein Feldbett in sein Büro stellte, um keine Messreihe zu verpassen und jederzeit reagieren zu können.
So wirkt die Jagd nach dem absoluten Nullpunkt ein wenig wie eine moderne Form der Entdeckungsreisen früherer Jahrhunderte. Nur dass man heute nicht mehr in ferne Länder aufbricht, sondern in Temperaturbereiche, die kaum noch physikalisch vorstellbar sind.
Und vielleicht zeigt gerade das etwas sehr Menschliches in der Physik. Auch dort, wo man weiß, dass man ein Ziel nie ganz erreichen kann, lohnt es sich dennoch, immer ein Stück weiterzugehen.
Das erinnert mich irgendwie an den Ereignishorizont eines schwarzen Loches.
Die letzte Frage
Temperatur, Thermometer, alles klar. Jetzt stellt sich aber zum Schluss noch die Frage, wie man die Temperatur eines Sternes misst, wo man ja kein Thermometer daran halten kann?
Die Antwort ist ebenso verblüffend wie elegant. Man misst nicht die Wärme direkt, sondern das Licht.
Jeder heiße Körper sendet elektromagnetische Strahlung aus. Je heißer er wird, desto stärker verschiebt sich die abgestrahlte Energie zu kürzeren Wellenlängen. Das kann man im Alltag beobachten. Ein Stück Eisen glüht zunächst dunkelrot, dann orange, gelb und schließlich fast weiß.
Genau diesen Effekt nutzen Astronominnen und Astronomen. Das Licht eines Sterns wird mit einem Spektrographen in seine Farben zerlegt – ähnlich wie bei einem Regenbogen. Anschließend untersucht man, bei welchen Wellenlängen der Stern besonders viel Strahlung aussendet.
Ich darf in diesem Zusammenhang an meinen Sommerartikel von vor zwei Jahren erinnern. „Die große Thermoskanne“ ging bei euch total durch die Decke.
Ein relativ kühler Stern erscheint also rötlich. Seine Oberflächentemperatur liegt oft nur bei 3.000 bis 4.000 Kelvin. Unsere Sonne strahlt gelblich-weiß und erreicht etwa 5.800 Kelvin. Besonders heiße Sterne leuchten blauweiß und können Temperaturen von 20.000, 30.000 oder sogar mehr als 50.000 Kelvin besitzen.
Die Farbe eines Sterns verrät bereits viel über seine Temperatur. Astronomen sprechen dabei von der sogenannten Schwarzkörperstrahlung. Ein idealer Schwarzkörper würde Strahlung ausschließlich aufgrund seiner Temperatur aussenden. Reale Sterne weichen zwar etwas davon ab, folgen diesem Prinzip aber erstaunlich gut.
Noch genauer wird die Temperaturbestimmung durch die Analyse der Spektrallinien. Bestimmte chemische Elemente hinterlassen charakteristische Fingerabdrücke im Licht eines Sterns. Die Stärke dieser Linien hängt unter anderem von der Temperatur ab. So können Astronomen oft auf wenige Prozent genau bestimmen, wie heiß die Oberfläche eines Sterns ist.
Natürlich misst man damit nur die Temperatur der sichtbaren Oberfläche, der sogenannten Photosphäre. Im Inneren eines Sterns herrschen ganz andere Bedingungen. Im Zentrum unserer Sonne werden etwa 15 Millionen Kelvin erreicht. Dort verschmelzen Wasserstoffkerne zu Helium, und genau diese Kernfusion liefert die Energie, die schließlich als Sonnenlicht bei uns ankommt.
Epilog
Wenn wir also nachts zu den Sternen aufblicken, sehen wir nicht nur kleine Lichtpunkte am Himmel. Wir sehen gewissermaßen riesige natürliche Thermometer. Allein aus ihrem Licht können wir herausfinden, wie heiß ihre Oberflächen sind, woraus sie bestehen und sogar, wie sie sich im Laufe ihres Lebens entwickeln werden.
Das ist vielleicht eine der schönsten Leistungen der Astronomie: Temperaturen von Objekten zu bestimmen, die so weit entfernt sind, dass wir sie niemals direkt erreichen können. Ein Thermometer braucht man dafür nicht – ein wenig Physik und das Licht der Sterne genügen.
Messen bedeutet nicht immer, etwas direkt wahrzunehmen.
Niemand hat jemals ein Thermometer in die Sonne gehalten. Niemand wird die Oberfläche eines fernen Sterns berühren oder seine Hitze mit der Hand fühlen können. Trotzdem kennen wir seine Temperatur oft erstaunlich genau. Wir beobachten, messen und interpretieren die Spuren, die er hinterlässt.
Eigentlich ist das eine Arbeitsweise, die weit über die Astronomie hinausgeht. Oft erschließen wir uns die Welt nicht durch unmittelbare Wahrnehmung, sondern indem wir Informationen sammeln und richtig deuten. Aus Licht wird eine Temperatur, aus einigen Spektrallinien die Geschichte eines Sterns.
Vielleicht fasziniert mich Astronomie deshalb so sehr. Sie zeigt, wie viel wir über Dinge erfahren können, die scheinbar unerreichbar sind.
Und so führt die Geschichte der Temperaturmessung vom Quecksilberthermometer auf der Fensterbank bis zu den Sternen am Nachthimmel. Die Werkzeuge haben sich verändert, die Neugier dahinter ist dieselbe geblieben.
Aus Licht wird eine Temperatur, aus einigen Spektrallinien die Geschichte eines Sterns.
und letztlich wird beim Sternenonkel oft eine elektromagnetische Welle zum Geräusch oder Weltraumsound.
so, jetzt ist sie dann mit Fronleichnam rum, die schöne Welle der Feiertage. Aber es gibt ja dann die Sommerpause im August.
Aber genießen wir jetzt erst mal Fronleichnam.
vor einigen Jahren schrieb ich bereits einen Artikel zum Thema Fronleichnam. Von da her spare ich uns jetzt alles rund um den Feiertag. Ich werde aber den alten Inhalt teilweise nochmals aufgreifen, und was dann kommt, lasst euch überraschen.
Fangen wir in meiner Jugend an:
Als geborenes Mitglied der evangelischen Kirche, hatte ich zu diesem Feiertag keinen besonderen religiösen Bezug. Meine Großmutter erzählte mir nur immer, dass die evangelischen Christen auf dem einen Berge an diesem Feiertag ganz bewusst als Provokation ihre weiße Bett- und Tischwäsche wuschen und auf die Leine hängten. Das war weit hin sichtbar, bis zum katholischen Berg gegenüber. Die Katholiken taten dann dasselbe am evangelischen Buß- und Bettag im November, den es ja heute nur noch in manchen Bundesländern als evangelischen Feiertag gibt
Nun ja. die protestantische Wäsche dürfte auf jeden Fall besser und rascher getrocknet sein, wobei die katholische im November eventuell sogar schon gefrieren konnte.
Mitte der 90er Jahre wohnte ich gegenüber einer katholischen Kirche. Ich genoss es, von meinem Bett aus die evangelischen Posaunenchöre zu hören, die man sich für diesen heiligen Tag ausgeliehen hatte.
Aber für viele Menschen ist Fronleichnam erst mal ein kirchliches Fest mit Prozessionen, Blumenteppichen und Monstranzen. Für mich als jemand, der sich gerne mit Wissenschaft beschäftigt, ist es aber auch ein Anlass, über eine spannende Geschichte nachzudenken, die zeigt, wie Menschen mit unerklärlichen Phänomenen umgehen – damals wie heute.
Im Mittelalter kam es gelegentlich vor, dass Hostien plötzlich rote Flecken zeigten. Für die Menschen jener Zeit war das eine Sensation. Die Hostie schien zu bluten. Viele sahen darin ein Wunder, einen göttlichen Fingerzeig oder einen besonderen Beweis für die Gegenwart Christi.
Heute wissen wir: Verantwortlich dafür war mitunter ein Bakterium namens Serratia marcescens. Dieses Bakterium bildet einen roten Farbstoff und kann auf feuchten, stärkehaltigen Lebensmitteln wachsen. Das Ergebnis sieht tatsächlich verblüffend nach Blut aus.
Die Beobachtung war also echt: Die Hostie war rot verfärbt.
Die damalige Erklärung war jedoch falsch.
Noch schlimmer.
Immer wieder wurden Juden beschuldigt, Hostien geschändet zu haben. Aus solchen Legenden entstanden Verfolgungen, Vertreibungen und manchmal sogar tödliche Gewalt gegen unschuldige Menschen. Ein natürliches Phänomen wurde zu einem Vorwand für Vorurteile und Hass.
Wenn wir heute auf diese Geschichte zurückblicken, neigen wir vielleicht dazu, den Kopf zu schütteln. Wie konnten Menschen nur so etwas glauben?
Doch Vorsicht mit unserer Hybris vor dem Mittelalter.
Schauen wir lieber mal in die Gegenwart,
Denn das Grundmuster hat sich kaum verändert.
Menschen beobachten etwas Ungewöhnliches und suchen nach einer Erklärung. zum Beispiel:
Jemand erhält eine Impfung und wird wenige Tage später krank. Die Beobachtung ist real. Die Schlussfolgerung, die Impfung müsse die Ursache sein, ist jedoch nicht automatisch richtig.
Jemand sieht einen Kondensstreifen eines Flugzeuges am Himmel. Die Beobachtung stimmt. Daraus folgt aber nicht zwangsläufig, dass geheime Chemikalien versprüht werden.
Jemand stellt fest, dass der Horizont flach aussieht. Auch das ist eine korrekte Beobachtung. Die Erklärung, die Erde müsse deshalb eine Scheibe sein, hält einer wissenschaftlichen Überprüfung jedoch nicht stand.
Oft unterstellt man dem Mittelalter, dass die vorherrschende Meinung war, dass die Erde eine Scheibe sei. Flacherdler gab es und gibt sie bis heute. Aber die Wissenschaft oder Meinung des Mittelalters war, dass die Erde eine Kugel ist. Das zweifelten nur ganz wenige an, wie heute auch.
Darin war sich sogar der gute alte Aristoteles sicher, im Gegensatz zu dem, was er als Zentrum des Sonnensystems wähnte…
In allen hier aufgezeigten Beispielen liegt der entscheidende Unterschied zwischen Beobachtung und Erklärung.
Die Wissenschaft hat im Laufe der Jahrhunderte Methoden entwickelt, um genau diese beiden Dinge voneinander zu trennen. Sie fragt nicht zuerst: „Welche Erklärung gefällt mir?“, sondern: „Welche Erklärung lässt sich überprüfen?“
Das klingt selbstverständlich, ist aber eine der größten geistigen Leistungen der Menschheit.
Die Menschen im Mittelalter hatten keine Mikroskope. Sie konnten das Bakterium nicht sehen. Wir dagegen verfügen heute über Labore, Satelliten, Teleskope, Computer und riesige Datenmengen. Trotzdem sind wir nicht immun gegen vorschnelle Schlussfolgerungen.
Vielleicht liegt das daran, dass unser Gehirn Geschichten liebt. Zufälle fühlen sich unbefriedigend an. Komplexe Zusammenhänge sind anstrengend. Eine einfache Erklärung wirkt oft attraktiver als eine komplizierte.
Genau deshalb verbreiten sich Verschwörungserzählungen so erfolgreich. Sie bieten scheinbar einfache Antworten auf schwierige Fragen. Statt Unsicherheit auszuhalten, liefern sie klare Schuldige und einfache Ursachen.
Die Geschichte der blutenden Hostien erinnert uns in diesem Sinne daran, wie gefährlich das sein kann.
Ein roter Fleck auf einer Hostie war einst Anlass für Wunderglauben, Angst und Verfolgung. Jahrhunderte später stellte sich heraus, dass die Wirklichkeit viel unspektakulärer und zugleich viel faszinierender war: Ein winziges Bakterium hatte die Verfärbung verursacht.
Für mich steckt darin eine wichtige Botschaft.
Wissenschaft bedeutet nicht, alles zu wissen. Wissenschaft bedeutet, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass die erste Erklärung falsch sein könnte.
Vielleicht ist das die eigentliche Lehre aus der Geschichte der blutenden Hostien. Nicht die roten Flecken sind bemerkenswert, sondern die Frage, wie wir auf sie reagieren.
Suchen wir nach Beweisen oder nach Bestätigung unserer Vorurteile?
Sind wir bereit, unsere Meinung zu ändern, wenn neue Erkenntnisse auftauchen?
Oder halten wir an einer Erklärung fest, nur weil sie gut in unser Weltbild passt?
Zwischen einer blutenden Hostie des Mittelalters und mancher Verschwörungserzählung des 21. Jahrhunderts liegen viele Jahrhunderte. Doch die menschliche Neigung, Beobachtung und Interpretation zu verwechseln, ist erstaunlich zeitlos geblieben.
Die gute Nachricht lautetaber: Wir verfügen heute über Werkzeuge, die unsere Vorfahren nicht hatten. Wir können messen, vergleichen, experimentieren und überprüfen.
Nutzen müssen wir diese Werkzeuge allerdings selbst.
Vorsicht also mit der herablassenden Haltung über das Mittelalter. Durch die heutigen Medien, das Internet, Fakenews und KI haben wir viel mehr davon, was manche von uns dem sog. Mittelalter unterstellen.
Bleiben wir also in Sinne von Fronleichnam wachsam.
Seid herzlich gegrüßt,
Heute möchte ich mal wieder versuchen, ein kirchliches Fest mit Astronomie zu finden. Wollen wir doch mal sehen, ob das mit Pfingsten funktioniert.
Pfingsten erzählt eine der eindrucksvollsten Geschichten der Bibel.
Die Jünger sitzen mit vielen Menschen im Tempel zusammen und predigen die neue Botschaft. Jesus ist schon gen Himmel gefahren und ist nicht mehr unter ihnen.
Und dann passiert es, dass plötzlich ein gewaltiger Sturm aufkommt. Feuerzungen erscheinen über den Köpfender versammelten Nenschen, und etwas verändert sich grundlegend:
Aus Unsicherheit wird Mut.
Aus Schweigen wird Sprache.
Aus einzelnen Menschen wird Gemeinschaft.
Die biblische Erzählung berichtet, dass Menschen unterschiedlichster Herkunft die Worte der Jünger plötzlich in ihrer eigenen Sprache verstanden.
Pfingsten wurde damit zum Fest der Verständigung und der Verbindung zwischen Menschen.
Und genau hier beginnt auch eine erstaunlich schöne Verbindung zur Astronomie.
Denn lange bevor Menschen dieselben Worte sprachen, teilten sie bereits denselben Himmel.
Pfingsten selbst trägt die Astronomie noch heute in sich,
denn der Termin dieses Festes entsteht nicht zufällig im Kalender.
Pfingsten liegt fünfzig Tage nach Ostern. Und Ostern wiederum richtet sich nach einem uralten Zusammenspiel von Sonne und Mond:
Dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn.
Damit erinnern uns selbst unsere Feiertage daran, dass der Mensch seit Jahrtausenden zum Himmel blickt, um seinen Platz in der Zeit zu finden.
Bevor es Kalender gab, gab es Mondphasen.
Bevor es Uhren gab, gab es Sonnenaufgänge.
Bevor Menschen Grenzen zogen, standen sie nachts unter denselben Sternen.
In diesem Sinne ist Der Himmel die erste gemeinsame Sprache der Menschheit.
Und wenn schon nicht genau sprache, so doch ein verbindendes Element nachdem man sein Leben und seine Feste ausrichtete.
Die Menschen in Babylon sahen denselben Mond wie die Menschen in China.
Über Afrika spannte sich dieselbe Milchstraße wie über Europa.
Kinder blickten vor tausenden Jahren in denselben Sternenhimmel wie wir heute.
Sie gaben den Sternen andere Namen.
Sie erzählten andere Geschichten.
Und doch verband sie etwas Gemeinsames:
Das Staunen.
Die Astronomie gehört damit zu den wenigen Erfahrungen, die Menschen aller Kulturen und Zeiten miteinander teilen.
In der Pfingstgeschichte erscheinen Feuerzungen und ein mächtiger Wind.
Auch der Kosmos kennt solche Bilder.
Auf der Sonne steigen gewaltige Bögen aus glühendem Plasma empor, größer als unsere Erde.
Teilchenströme rasen z. B. in Form unseres Sonnenwindes durch das Sonnensystem.
Und wenn sie auf das Magnetfeld unserer Welt treffen, beginnt der Himmel zu leuchten.
Polarlichter, Flackernde Schleier aus Licht,
Grüne Feuer am Nachthimmel.
Wunderschön zeigen sich Protuberanzen wie Feuerzungen am Mondrand, wenn der gerade unsere Sonne verfinstert.
Früher deuteten Menschen solche Erscheinungen als Zeichen der Götter oder des Himmels.
Heute verstehen wir ihre physikalischen Ursachen.
Das tut aber der Schönheit der Phänomene keinen Abbruch.
Im Gegenteil:
Je mehr wir über Sterne, Galaxien und kosmische Kräfte erfahren, desto größer wird oft unsere Ehrfurcht vor der Wirklichkeit des Universums.
Die Astronomie erzählt uns auch von unsichtbaren und geisterhaften Kräften und Teilchen.
Von Gravitation, die niemand sehen kann und die dennoch Sterne und Galaxien zusammenhält.
Von Dunkler Materie, die wir nicht direkt wahrnehmen und deren Wirkung dennoch überall beobachtbar ist.
Von Magnetfeldern, Teilchenströmen und kosmischer Hintergrundstrahlung.
Das Unsichtbare prägt das Universum stärker als vieles, was wir unmittelbar sehen können.
Christen glauben an die Kraft des heiligen Geistes, der zu Pfingsten ausgegossen wurde. In Starwars werden ähnliche Kräfte mit „Der Macht“ bezeichnet.
Viele Science Fictions sind voller unsichtbarer Kräfte und strotzen vor religiöser Symbolik
Doch die Astronomie verbindet Menschen nicht nur durch den Blick zu den Sternen.
Sie tut es auch ganz konkret hier auf der Erde.
Kaum ein Symbol zeigt das deutlicher als die Raumfahrt.
Als Menschen begannen, den Weltraum zu erforschen, war dies zunächst stark vom Kalten Krieg geprägt. Raketen entstanden aus militärischer Technik, und Nationen konkurrierten darum, zuerst den Mond zu erreichen. Solch ein Wettlauf zum Mond erleben wir heute wieder.
Aber trotzdem. Heute arbeiten Menschen unterschiedlichster Nationen gemeinsam im All.
Astronautinnen und Astronauten verschiedener Kulturen leben und forschen Seite an Seite.
Sie teilen Verantwortung, Wissen und Vertrauen unabhängig der sonstigen Diferenzen zwischen den Nationen.
Besonders eindrucksvoll zeigt das die Internationale Raumstation.
Die ISS umkreist die Erde alle etwa neunzig Minuten.
Dort oben gibt es keine sichtbaren Landesgrenzen.
Kein Mensch kann vom All aus erkennen, wo Nationen beginnen oder enden.
Viele Astronautinnen und Astronauten berichten nach ihrer Rückkehr von einem tiefgreifenden Erlebnis:
dem sogenannten „Overview Effect“.
Der Blick auf die Erde verändert das Denken.
Unser Planet erscheint plötzlich nicht mehr als Sammlung von Staaten, Konflikten und Grenzen, sondern als zerbrechliche gemeinsame Welt inmitten der Dunkelheit des Kosmos.
Eine kleine blaue Insel des Lebens.
Gerade darin liegt eine der stärksten Botschaften der Raumfahrt:
Wer gemeinsam zu den Sternen aufbricht, erkennt leichter, was Menschen verbindet statt trennt.
Wer unter einem klaren Sternenhimmel steht, begreift unmittelbar, warum Menschen seit Jahrtausenden den Himmel nicht nur als Ansammlung von Lichtpunkten betrachteten.
Der Himmel verändert unseren Blick auf uns selbst.
Er erinnert uns daran, wie klein die Erde im kosmischen Maßstab ist, und gleichzeitig , wie kostbar dieses kleine gemeinsame Zuhause ist.
Was mich an dieser Pfingstgeschichte auch fasziniert ist, dass es im alten Testament quasi das Gegenstück dazu gibt. Ich meine die Geschichte vom Turmbau zu Babel. dort sickt sich die Menschheit an, das technisch unmögliche zu schaffen. Sie will einen Turm, ein technisches Wunder erschaffen, der bis zum Himmel reichen soll. Und Gott vereitelt diesen Plan, indem er durch seinen Geist erreicht, dass niemand mehr die Sprache des anderen versteht. So kann diese Baustelle also nicht durchgeführt werden. Bei den heutigen technischen Möglichkeiten, und was wir damit erreicht haben und noch erreichen wollen, wächst die Zwietracht und wir verstehen einander nicht mehr. Das fühlt sich für mich fast wie dieser Turmbau an.
Ich bin aber davon überzeugt, dass
Ohne ein großes Pfingstwunder der Verständigung und vereinigung der Menschheit, werden wir die Probleme hier auf Erden wahrscheinlich nicht lösen. Und so richtig im Weltraum wird es, wenn wir weiterhin entzweit sind, wohl auch nicht weiter gehen, weil keine Nation, sei sie noch so groß, die Eroberung des Weltalls alleine meistern kann.
Am Tag der Arbeit, wenn weltweit Menschen für bessere Lebensbedingungen, Gerechtigkeit und Teilhabe eintreten, richtet sich der Blick meist auf Fabriken, Straßen und politische Forderungen. Doch es lohnt sich, den Blick ein Stück weiter zu heben – hinauf zum Himmel.
Denn auch die Astronomie erzählt eine Geschichte von Teilhabe. Eine Geschichte davon, wie Wissen seinen Weg aus elitären Zirkeln hinaus in die Hände vieler fand. Eine Geschichte, die überraschend gut zum 1. Mai passt.
Der Himmel gehört nicht nur den Reichen
Noch im 19. Jahrhundert war Astronomie ein Privileg. Große Teleskope standen in den Gärten von Fürsten, Universitäten oder wohlhabenden Privatgelehrten. Wer in den Himmel schauen wollte, brauchte Zugang und der war streng begrenzt.
Mit der entstehenden Arbeiterbewegung änderte sich das langsam.
Arbeiterbildungsvereine begannen, Vorträge über Naturwissenschaften anzubieten. Nicht nur über Maschinen oder Chemie, sondern auch über die Sterne. Der Himmel wurde zu einem Ort der Bildung, und Bildung wiederum zu einem Mittel der Befreiung.
Beispiele hierfür sind
der Leipziger Arbeiterbildungsverein
Einer der frühesten und einflussreichsten Vereine (gegründet 1848).
bot Vorträge über Naturwissenschaften, Politik und Technik
organisierte Bibliotheken für Arbeiter
Astronomie war Teil der „populären Wissenschaften“, die bewusst niedrigschwellig vermittelt wurden
Gerade hier wurde der Gedanke geprägt: Bildung ist kein Luxus, sondern ein Recht.
Ein weiteres Beispiel ist
der Berliner Arbeiterbildungsverein
enge Verbindung zu frühen sozialdemokratischen Strukturen
Vorträge über „Weltbilder“ – oft mit astronomischen Inhalten
Diskussionen über das heliozentrische Weltbild als Symbol für wissenschaftliches Denken
Astronomie war hier nicht nur Wissen, sondern auch ein Gegenentwurf zu religiösen oder autoritären Weltbildern.
In diesem Zusammenhang entstanden auch viele Volkssternwarten.
Ein besonders schönes Beispiel ist die Archenhold-Sternwarte in Berlin. Sie wurde bewusst als Volkssternwarte konzipiert. Kein abgeschotteter Elfenbeinturm, sondern ein Ort, an dem jeder Mensch durch ein Fernrohr schauen konnte.
Der Gedanke dahinter war radikal einfach:
Wissen gehört allen. Auch der Blick ins All.
Ohne Arbeiter keine Sterne
Astronomie wirkt oft wie eine stille Wissenschaft; ein Mensch, ein Teleskop, ein weiter Himmel. Doch dieser Eindruck täuscht.
Hinter jedem Blick durch ein Fernrohr steckt Arbeit:
geschliffene Linsen und Spiegel
feinmechanische Montierungen
präzise Uhren zur Zeitmessung
Infrastruktur wie Eisenbahn und Telegrafie
All das entstand durch die Hände von Arbeitern, Technikern und Handwerkern.
Doch selbst innerhalb dieser „unsichtbaren Arbeit“ gab es Ungleichheiten – und gibt sie zum Teil bis heute.
Unsichtbare Arbeiterinnen des Himmels
Ein oft übersehener Teil der Astronomiegeschichte sind die Frauen, die wesentlich zur Entwicklung der Wissenschaft beigetragen haben und dennoch lange im Schatten standen.
Ihr wisst, dass ich ihnen auf dem Blog eine ganze Kategorie und einen ganzen Adventskalender widmete.
Ende des 19. Jahrhunderts arbeiteten beispielsweise am Harvard-Observatorium zahlreiche Frauen als sogenannte „Computer“. Eine von ihnen war Annie Jump Cannon, die maßgeblich an der heute noch verwendeten Klassifikation von Sternspektren beteiligt war.
eine weitere, Henrietta Swan Leavitt, entdeckte die Beziehung zwischen der Helligkeit und der Periodendauer von Cepheiden – eine Grundlage für die Entfernungsbestimmung im Universum.
Und doch wurden diese Frauen schlechter bezahlt, hatten weniger Anerkennung und oft keinen Zugang zu Teleskopen. Sie analysierten Daten, während andere die Beobachtungen durchführten und den Ruhm erhielten.
Noch in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts zeigte Susan Jocelyn Bell Burnel, dass diese Muster von Ungleichheiten bis heute noch nicht überwunden sind.
Sie entdeckte die ersten Pulsare, doch der Nobelpreis ging an ihren Doktorvater.
Und vergessen wir bitte nicht: Ohne die sog. Rechnerinnen wären wir niemals zum Mond gekommen.
Diese Geschichten sind keine Randerscheinungen in der Wissenschaft. Sie zeigen:
Auch in der Wissenschaft gab und gibt es eine Art Arbeiterklasse – und viele von ihnen sind Frauen.
Bis heute sind Frauen in Astronomie und anderen Wissenschaften unterrepräsentiert, insbesondere in Führungspositionen.
Strukturelle Hürden, ungleiche Bezahlung und fehlende Sichtbarkeit wirken nach.
Der 1. Mai erinnert deshalb nicht nur an Fabrikarbeiter – sondern auch an all jene, die im Hintergrund arbeiten, rechnen, auswerten und entdecken, ohne die Anerkennung zu bekommen, die sie verdienen.
Unter demselben Himmel
Wer in den Nachthimmel schaut, sieht keine Grenzen, Keine Länder, Keine Klassen, Keine Unterschiede zwischen Arm und Reich.
Diese Perspektive erinnert an das, was später unter dem Begriff Pale Blue Dot bekannt wurde: die Erde als winziger, zerbrechlicher Punkt im Kosmos.
Für die Arbeiterbewegung, die von Anfang an internationale Ideen trug, war das kein fremder Gedanke. Menschen in verschiedenen Ländern kämpfen vielleicht unter unterschiedlichen Bedingungen, aber sie leben unter demselben Himmel.
Sogar Denker wie Karl Liebknecht betonten, dass Bildung der Schlüssel zur Freiheit sei. Und zur Bildung gehörte immer auch das Verständnis der Natur – und damit des Universums.
Der Blick ins All kann also etwas lehren, das über Physik hinausgeht:
Er macht uns bescheidener – und gleichzeitig verbundener.
Vom Arbeiter zum Kosmonauten
In der damaligen Sowjetunion wurde die Raumfahrt bewusst als kollektive Leistung inszeniert. Nicht das Genie allein, sondern das Zusammenspiel vieler sollte den Weg ins All ermöglichen.
Als Juri Gagarin 1961 als erster Mensch die Erde umrundete, wurde er nicht nur als Held gefeiert, sondern auch als Sohn einfacher Verhältnisse. Ein Arbeiterkind, das die Grenzen der Erde hinter sich ließ.
Das war mehr als Propaganda. Es verkörperte die Vision, Dass Fortschritt nicht nur wenigen gehört, sondern von vielen getragen wird, und vielen zugutekommt.
Sterne, Freiheit und Würde
Der 1. Mai erinnert uns daran, dass Würde, faire Arbeit und Teilhabe keine Selbstverständlichkeiten sind. Sie mussten erkämpft werden, und werden es noch immer.
Die Astronomie erzählt eine parallele Geschichte.
Eine Geschichte davon, wie Wissen geöffnet wurde. Wie Menschen, die einst ausgeschlossen waren, Zugang zu den Sternen bekamen. Wie der Himmel vom Symbol der Ferne zu einem Ort der gemeinsamen Neugier wurde.
Und sie erinnert uns auch daran, dass dieser Weg nicht für alle gleich verlief und bis heute nicht vollständig abgeschlossen ist.
Vielleicht liegt gerade darin eine stille Verbindung:
Während Menschen am 1. Mai für ihre Rechte eintreten, spannt sich über ihnen ein Himmel, der niemandem gehört – und gerade deshalb allen.
Mein Wunsch für den heutigen Tag der Arbeit
In diesem astronomischen Sinne wünsche ich mir, dass vor allem die Partei, der auch ich angehöre, die SPD, sich wieder mehr für ihre „Arbeiter:innen“ einsetzt, die sie in den letzten Jahren durch Vernachlässigung an andere Parteien verloren hat, die man besser nicht in einer Regierung sehen möchte.
Liebe Genossinnen und Genossen, besinnen wir uns mal wieder auf unsere Wurzeln und unsere Entstehungsgeschichte und setzen wir uns wieder für das ein, was man eine moderne Sozialdemokratie nennen kann.
Und was das Recht auf Bildung angeht, so klafft die Schere immer weiter auseinander.
Und ein Land, das über Fachkräftemangel z. B. im IT-bereich klagt, sollte sich vielleicht mal darüber Gedanken machen, ob es so schlau ist, überall die Astronomie aus den Lehrplänen zu werfen, und die Teleskope und Schulplanetarien verotten zu lassen.
Seid herzlich gegrüßt.
Unsere liebe Eva, die Ihr alle von ihren wunderbaren Kommentaren kennt, hat einen besonderen Spaß daran, für jeden Kalendertag Highlights im Wesentlichen aus Astronomie und Wissenschaft, heraus zu suchen.
Ihr Ergebnis schickt sie mir dann immer, und wir tauschen uns darüber aus.
Das ist manchmal viel zu lesen, aber immer sehr spannend. Andererseits ist es aber zu wertvoll, als dass nur ich diese Ernte habe, und ihr habt nichts von dieser geistigen Nahrung.
Also geht es darum, einen Kompromiss zu finden, der euch nicht überlastet und der noch schön zu lesen ist. Eine Auflistung von Ereignissen wäre ja auch nicht zielführend. So war Geschichtsunterricht früher in der Schule, leider..
Es ist ja auch so, dass nicht alle vermeintlichen Ereignisse, die irgendwann mal zu einem gleichen Datum stattgefunden haben, zusammen passen, ohne dass ihre Gemeinsamkeit an den Haaren herbeigezogen wirkt.
Lasst Eva und mich heute mal einen Testballon steigen, in welchem wir aus einigen Ereignissen der beiden April-Wochen, eine Geschichte machen.
Eine etwas ungewöhnliche Leseerfahrung mag hierbei für manche sein, dass wir manchmal im Kalender vor und zurück springen.
Würden wir uns an die Reihenfolge der Kalenderdaten halten, dann passt die Historie nicht. Von daher gehen wir den Kompromiss ein und leben mit dieser leichten Unruhe im Lesefluss.
Vielleicht finden wir ja auch noch eine bessere Vorgehensweise.
Wenn euch das Format gefällt, würden wir das eventuell einmal im Monat anbieten.
Lasst es mich in den Kommentaren wissen. Kritik und natürlich vor allem Lob sind herzlich willkommen.
Jetzt aber genug des Vorgeplänkels.
Seit es Menschen gibt, heben sie die Augen zum Himmel, um Sterne, Sonne und Mond zu beobachten.
Das war nicht nur Spielerei. Sirius zeigte die Nilflut an, Nach dem Mond wurden Feste berechnet, und vieles mehr. Vor allem, wenn etwas nicht so am Himmel lief, wie normal, wurde es spannend, da solche Ereignisse oft mit schlimmen bevorstehenden Dingen, wie z. B. verlorene Kriege etc. in Verbindung gebracht wurden.
Wir erinnern uns. Die beiden chinesischen Hofastronomen Hi und Ho, fanden den Tod, weil sie im Suff vergaßen, eine Sonnenfinsternis vorauszusagen.
Auf jeden Fall ist für den 07.04.378 v. Chr. eine Mondfinsternis dokumentiert.
Für diesen Tag protokollierten babylonische Astronomen eine totale Mondfinsternis, die aufgrund der Angaben im Keilschrifttext genau zu datieren war. Die Mondfinsternis fiel in ein Schaltjahr des babylonischen Kalenders und begann in Babylonien am 6. April 378 v. Chr. gegen 22:00 Uhr (partielle Phase).
Auch in Mitteleuropa wurde schon 1600 Jahre vor Christus der Mond und die Plejaden beobachtet, wie wir dank der Himmelsscheibe von Nebra wissen.
Na gut. Ihr ahnt wohl schon, dass aktuelle Ereignisse den roten Faden dieses April-Artikels bilden.
Am Anfang war das Wettrennen zwischen den USA und den Soviets. Betrachten wir also die wichtigsten Meilensteine des Aprils.
Der erste Mensch im All war Juri Gagarin.
Das war ein dramatischer erneuter Rückschlag für die USA. Immerhin hatten die Russen zu der Zeit vorher auch schon alle möglichen Lebewesen ins Weltall geschickt. Natürlich war dieser Erfolg dann auch ein gutes Propaganda-Mittel für das kommunistische System, aber das wäre für den Fall, dass die USA vorne gewesen wären, auch kaum anders gewesen. Auf jeden Fall kann man sagen, dass extrem hoch gepokert wurde. Dieser erste Flug war ein Pannenflug. Vor allem, als beim Wiedereintritt sich die Kapsel nicht vom Rest abtrennen wollte, begann das Schiff zu taumeln und hätte sehr leicht verbrennen können.
Nichts desto Trotz. Die Tür zum All war aufgestoßen. Von wem, ist ja letztlich nicht so wichtig.
Die Amerikaner und Russen machten also weiter. Beide wollten zum Mond.
Und so wählte die NASA am 9.4.1959 die ersten sieben Mercury-Astronauten aus und stellte sie der Weltöffentlichkeit vor.
Es handelt sich um Alan Shepard, Gus Grissom, John Glenn, Scott Carpenter, Walter Schirra, Deke Slayton und Gordon Cooper.
Das ist tatsächlich ein spannender Unterschied zur Präsentation der russischen Kosmonauten. Was man mit Gagarin vor hatte, war streng geheim. Nicht mal seine Familie wusste, was er tun würde. Selbiges galt natürlich auch für seinen Ersatzmann und andere.
Das Mercury-Programm klärte die grundlegenden Fragen der bemannten Raumfahrt:
Kann ein Mensch im All überleben und arbeiten?
Funktioniert Steuerung im Orbit?
Ist ein sicherer Wiedereintritt möglich?
Wie reagiert der Körper auf Schwerelosigkeit?
Die Antworten waren entscheidend für die nächsten Programme:
Gemini-Programm und später Apollo-Programm.
Und genau dieses Apollo-Programm startete mit einer tragischen Katastrophe.
Die Raumkapsel sollte am 27.1.1967 am Erdboden getestet werden. Und da brach plötzlich ein Feuer aus, bei welchem alle drei Astronauten ihr Leben verloren. Die Luke ließ sich wegen der großen Hitze nicht mehr öffnen und die Überlebenssysteme ersetzten den vom Feuer verzehrten Sauerstoff rasch durch frischen, so dass das Feuer noch zusätzlich angefacht wurde und seine Temperatur weiter stieg.
Einer der Drei Astronauten war der am 3.4.1926 geborene
Gus Grissom (Virgil I. Grissom)
Er war der erste Mensch, der zweimal in den Weltall flog und starb bei dem Test der Apollo 1.
Die beiden anderen waren
Ed White (Edward H. White II)
und Roger B. Chaffee
Ein tragischer Unfall, der das ganze Projekt gefährdete und in Frage stellte.
Aber auch die Russen wollten zum Mond und hatten bis dato im Weltraum überall die Nase vorn.
Sie waren die ersten, die am 3. April 1966 mit Luna10 eine Raumsonde in eine Umlaufbahn um den Mond brachten. Später folgten weitere Raumsonden und einige Rover. Allerdings das Glück, selbst Menschen zum Mond zu bringen, war ihnen nicht vergönnt. Besser gesagt, sie gaben ihr Mondprogramm auf, als das Rennen verloren war.
Auf jeden Fall startete am 4.4.1968 mit Apollo 6 die letzte unbemannte Raumsonde des Apollo-Programms.
Die Montage der Mondlandefähre lag weit hinter dem Zeitplan zurück und die NASA stand unter enormem Druck.
Im September 1968 hatten die Sowjets zwei Schildkröten und ein paar Mehlwürmer um den Mond geschickt und sicher auf die Erde zurückgebracht.
Die Befürchtung, die Soviets würden das nun auch zuerst mit Menschen schaffen, war durchaus berechtigt.
Aus diesem Grunde mussten die Missionsplaner das Ziel für Borman, Lovell und Anders leicht ändern: Sie sollten nicht, wie für Apollo7 eigentlich geplant, im Erdorbit bleiben, sondern den Weg zum Mond wagen, ihn umkreisen, und wieder sicher auf der Erde wassern.
Apollo7 wurde also übersprungen und es folgte die uns bekannte Weihnachtsmondfahrt. Danach mit Apollo11 die erste Landung, mit Apollo13 die Fast-Katastrophe, und mit Apollo17 war das Strohfeuer zum Mond abgebrannt, und niemand interessierte sich mehr für ihn.
Nun ja, bis jetzt eben. Wir haben mit Artemis2 unseren Ostervollmond, denn ein Aprilscherz war das wahrlich nicht.
Mit einem geplanten Dorf auf dem Mond klingt die ganze Geschichte auf den ersten Blick ambitionierter, als es Apollo je war. Aber für mich, und damit bin ich nicht alleine, fühlt es sich momentan verdammt ähnlich, wie ein zweites Mondrennen, ja, wie eine Wiederholung der Geschichte, an. Nur, dass diesmal der Gegner der USA mit Chi beginnt und mit Na endet.
Unbeirrt testet China seine Sonden, landet dann und wann etwas auf dem Mond, bringt sogar Gesteine von Asteroiden heim, und, und, und. Die NASA ist aus dem Gateway, der Station um den Mond herum, ausgestiegen. Ob diese Entscheidung zugunsten eines Mond-Dorfes richtig war, wird sich weisen.
Aber ich will hier keine Meinung machen. Wir werden es erleben. Und ja, ich habe mich trotz allem über den neuen Aufbruch zum Mond gefreut.
Und so beende ich diesen Artikel mit der Zuversicht, dass wenn es gesundheitlich etc. normal läuft, dann darf ich mindestens den dreizehnten Menschen auf dem Mond erwarten. Und was der dann ist, ist unwichtig, weil wir den Weltraum nur als geeinte Menschheit bezwingen werden und nicht als, was auch immer.
Manchmal kommt es mir so vor, dass wir in Sachen Weltraum längst viel weiter wären, wenn wir die Probleme hier auf Erden gelöst hätten. Vielleicht schützt das Universum sich selbst davor, dass wir alles zerstören, wenn wir etwas entdecken, bevor wir reif dafür sind…
Schlussgedanken von Eva:
Ihr Lieben, jetzt darf ich mich auch noch zu Wort melden. Ich hoffe, die kleine Reise hat euch gefallen. Erstmal herzlichen Dank an Gerhard für die Blumen und erst recht dafür, dass du aus meiner Sammlung an Daten eine schöne Geschichte gemacht hast (und keinen Geschichtsunterricht. Smile).
Mir war aufgefallen, dass vom 3. April bis zum 12. April jeder Tag ein historisches Ereignis rund um den Mond und der Geschichte der Raumfahrt vorhanden war.
Sei es ein Geburtstag wie der von Blanche Stuart Scott an einem 8. April. Sie war die erste weibliche Pilotin eines Flugzeugs in den USA. Sonden die auf Venus, Mars oder Mond landeten oder dorthin gestartet sind oder auch die Rückkehr der letzten Besatzung der MIR oder der Start der Apollo 13.
Ihr merkt, schon allein aus den 14 Tagen hätten wir jede Menge Geschichten erzählen können. Sicherlich kanntet ihr das meiste davon. Aber wer weiß von einem Feiertag am 12. April? Mich jedenfalls hatte es sehr überrascht. Offiziell ist er der “Internationale Tag der bemannten Raumfahrt“ und wurde von der UN Generalversammlung 2001 beschlossen. In manchen Gegenden heißt er schlicht “Juri-Gargarin-Tag” zur Erinnerung an den ersten bemenschten Raumflug am 12.April 1961.
Meine lieben,
ihr kennt das ja schon von mir, dass wenigstens zum internationalen Frauentag eines jeden Jahres eine Frau hier auf Blindnerd vorgestellt und gewürdigt wird. Ihnen habe ich, wie ihr wisst, eine eigene Kategorie und sogar mal einen ganzen Adventskalender gewidmet.
Siehe Kategorie Frauen.
Bis heute ist es so, dass Frauen meist noch den überwiegenden Teil der Hausarbeit erledigen. Vor allem früher, als ich noch Kind war, wurde die Schwere und der Wert dieser von Frauen geleisteten Arbeit, oft noch zusätzlich neben ihrem Beruf, von Männern unterschätzt und nicht angemessen gewürdigt.
1978 nahm sich die Sängerin Johanna von Koczian auf ironische Weise dieses Missstandes an, und veröffentlichte ihr Lied, dessen Titel als Überschrift für diesen Artikel her halten musste. Wir hatten diese Platte, und die lief bei uns rauf und runter. Hört mal rein.
Es wird dann schnell klar, wieso ich diese Überschrift wählte. Etwas passenderes kann es zu dem heutigen Beitrag zum internationalen Frauentag nicht geben.
heute bekommt ihr etwas ganz besonderes geboten. Wir haben eine Gästin. Zum Frauentag wird uns eine Frau eine Frau vorstellen, die etwas erfunden hat, das viele von uns nicht missen möchten.
Außerdem hat sie den Titel dieses Beitrages als Arbeitstitel gewählt. Ich war davon gleich total begeistert.
Und dann gibt es noch kleine passende Geschichten aus des Sternenonkels Leben, passend zum Thema.
Fangen wir damit an, dass Du, liebe Gästin, Dich erst mal kurz vorstellst.
Hallo liebe Freunde und Freundinnen des Sternenonkels,
Ich heiße Eva und bin leidenschaftlich neugierig. Als Bürgerforscherin (Citizen Scientist) bin ich in einer Forschungsgruppe zur Lichtverschmutzung aktiv und engagiere mich aufgrund meiner Hörbehinderung für Barrierefreiheit für alle.
Gerhards Buch hat vor kurzem ja das 10-jährige Jubiläum gefeiert.
Und mich hatte dieser Bericht auf die Idee gebracht, Geburtstage und Jubiläen zu sammeln.
Bevor wir starten: mal eine Frage an euch:
Was sind für euch die bedeutendsten Erfindungen? Muss nichts mit Astronomie zu tun haben.
Um auf unser Thema zu kommen, gibt es jetzt erst mal ein kleines
Rätsel von mir:
Wer es hat, schätzt es.
Aber nicht jeder Haushalt hat es.
Wenn es vorhanden ist, steht es in der Wohnung.
Scherben bringen kein Glück.
Aber Chemie und Physik.
1949 wurde das Gerät als „Haushaltsgerät“ eingeführt, davor war es
bereits in Restaurants und Hotels verbreitet.
Das Gerät wurde schon auf der Weltausstellung 1893 gezeigt und mit
einem Preis für „die beste mechanische Konstruktion, Haltbarkeit und
Zweckentsprechung“ ausgezeichnet.
Dieses Rätsel hatte ich Gerhard geschickt, und so wurde ein kleines Duett für seinen Blog daraus.
Wenn ich. liebe Eva da kurz unterbrechen darf:
„Haltet doch an dieser Stelle mal kurz inne, und versucht das kleine Rätsel zu lösen.“
Also ich kam nicht gleich drauf und musste etwas herum probieren.
zuerst dachte ich, das gesuchte Gerät wäre ein Staubsauger, die Kaffeemaschine oder ein Mixer.
Aber dann kamen die Scherben, die Physik und die Chemie ins Spiel.
All das findet sich doch in einer, na wo schon? Genau, in einer Spülmaschine..
Die Physik für die Temperatur und die Wasserpumpe, und für den Computer für die Programme, gibt es sogar etwas Quantenphysik.
Die Chemie für das Spülmittel und vor allem für die Ionisierung des Wassers durch das Salz, und für den Klarspüler danach.
Und ja, muss man von Hand spülen, geht schon mal was zu Bruch.
Und missen möchte ich meine tatsächlich auch nicht mehr
OCool, dachte ich mir, dass die eine Frau erfunden haben soll. Aber wieso auch nicht.
Und klar, natürlich musste ich mit meiner Vermutung dann ins Netz, um nach der Erfinderin der Haushaltsspülmaschine zu suchen. Und siehe da. Gleich ein Volltreffer.
Um wen es sich bei der Erfinderin handelt, wird uns Eva jetzt erzählen.
Also, bitte. Wir sind gespannt.
Die Frau, die dieses Gerät erfunden hat, wurde am Weltfrauentag geboren.
Gerhard’s Kommentar dazu sinngemäß: Männer haben (früher) ja keine Hausarbeit gemacht und deshalb vielleicht nur wenige Haushaltsgegenstände erfunden.
Mich hatte das ja gewundert – ich bin so daran gewöhnt, dass “wichtige Erfindungen” allesamt von Männern gemacht wurden. Auch wenn das so nicht stimmt, wird das gerne so erzählt. Beispielsweise in der Quantenphysik – oft wird übersehen, dass Johanna van Leeuwen die zweite Person ist, die hinter dem Bohr-van Leeuwen Theorem steckt. Zugegeben, dieses Theorem kenne ich nicht – nur die Namenskombination.
Aber jetzt endlich die Geschichte der Spülmaschine.
Wer hat das jetzt erfunden?
Josephine Cochrane geboren im Jahr 1839 in Ohio. Sie war eine Urenkelin des Erfinders John Fitch.
Die wohlhabende Josephine Cochrane ärgerte sich, dass ihr Personal öfter Geschirr zerbrach. Selbst abspülen war aber auch keine dauerhafte Lösung.
Also entwickelte sie ein Gerät, das ihr diese Arbeit abnahm.
Stellt euch einen großen Kessel vor, in den das Geschirr in Körben rein gestapelt wird. Darüber bewegt sich ein Laufrad, aus dem eine Seifenlauge auf das Geschirr gesprüht wird. Ich stelle mir sowas wie eine Dusche für Geschirr vor.
Das war die erste funktionierende Geschirrspülmaschine, patentiert am 28.12.1886.
Die Spülmaschine funktionierte zunächst im Handbetrieb, später elektrisch.
Josephine Cochrane erhielt bei der Weltausstellung in Chicago 1893 den Preis für „die beste mechanische Konstruktion, Haltbarkeit und Zweckentsprechung“.
Vielen herzlichen Dank, liebe Eva, das war großartig. Schön, dass Du uns diese Maschine auch beschrieben hast. Ist schon noch anders, wie man sie von heute kennt.
Aber was wäre ein Blindnerd-Artikel, ohne Geschichten.
Hier kommen also des Sternenonkels Spülmaschinen-Geschichten.
Faszination Spülmaschine
Spülmaschine ausräumen mussten wir im Internat immer, wenn wir Küchendienst hatten. Das hat mir eigentlich auch Spaß gemacht.
Spülmaschinen haben mich schon immer fasziniert. Da sind beispielsweise die Flügel, die sich durch den Rückstoß des Wassers drehen.
Da ist die Klappe für den Tab, die sich automatisch mit einem hörbaren Knall öffnet.
Da ist der Behälter für das Salz,
sind ihre vielfältigen Geräusche und mittlerweile sind die Dinger ja auch so leise, dass ich das Blubbern in ihrem Inneren als sehr beruhigend und angenehm empfinde.
Aber es gibt die Geräte auch in größer.
Inklusiver Abwasch
Auf unseren unzähligen Chorfreizeiten in verschiedensten Jugendherbergen liebte ich diese riesigen Spülmaschinen mit den großen Geschirrkörben. Die waren auch immer so schnell fertig, und alles war trotzdem sauber.
Ich liebte es, diese Maschinen mit den Körben voller schmutzigen Geschirrs zu beschicken, und am anderen Ende heiß und dampfend wieder in Empfang zu nehmen.
Dazu haben wir immer laut gesungen.
Ja, das war sehr inklusiv, dass wir Blinden hier voll und gleichwertig mit anpacken mussten. Bei den heutigen Vorschriften, würde man uns wahrscheinlich gar nicht mehr in so eine Küche lassen, und die Jugendherbergen sind ja heutzutage eher zu Hotels mutiert.
Der Spülmagnet
Die Spülmaschinen in unserer Uni-Mensa sind ja schon richtige Waschstraßen. Dort wird das Besteck mittels sehr starken Magneten von den Tabletts gezogen. So stark sind die, dass das Besteck manchmal magnetisch bleibt. Wenn man Glück hat, kann man Gabel und Löffel in der Luft aneinander hängen. Seit dreißig Jahren gehe ich jetzt in diese Mensa, und probiere es quasi täglich aus, und freue mich, wenn es klappt.
Magnet wird nie langweilig. Ich spiele gerne damit herum.
Der Spülonaut
Das Wortspiel werdet ihr gleich verstehen.
Mit meiner ersten eigenen Spülmaschine hatte ich mal ein tolles Erlebnis mit dem telefonischen Kundenservice.
Mir war eine Scherbe in das Pumpenrad geraten, sodass die Maschine nicht abpumpte. Das Glas zur fehlenden Scherbe fand ich schnell.
Also rief ich den Service an, und fragte um Rat. Eine neue Pumpe und deren Einbau hätte fast soviel gekostet, wie eine neue Maschine.
Der Kundenbetreuer fragte mich, ob ich mir nach seiner telefonischen Anleitung zutrauen würde, den Schaden selbst zu beheben.
Sofort sagte ich zu. Ein Versuch war es wert. Und wenn der scheitern sollte, könnte ich immer noch einen teuren Monteur kommen lassen.
Er erklärte mir, welche Werkzeuge ich brauchen würde. Die hatte ich alle in meinem Sortiment. Stück für Stück, Schraube für Schraube, Schritt für Schritt, führte er mich telefonisch durch die Reparatur.
Alles funktionierte reibungslos. Klappen wurden abgeschraubt, die Pumpe freigelegt und da war sie, die Scherbe. Dann ging alles wieder rückwärts. Kurz darauf war die Maschine wieder ganz. Ich hatte nichts übrig, und sie pumpte wieder ab und lief dann noch viele Jahre ohne weitere Probleme. Kommen wir jetzt noch kurz zu der merkwürdigen Überschrift dieser letzten Kurzgeschichte.
Habt ihr schon mal life oder vielleicht auch auf Youtube einen Außenbordeinsatz mit verfolgt, wo die Astronauten außen etwas an der Raumstation reparieren, anbringen oder verändern sollen? Das müsst ihr unbedingt mal machen.
Genau so kam ich mir nämlich vor.
Ich schraube an der Raumstation, und am anderen Ende sitzt die Bodenstation und gibt Anweisungen.
Die Astronauten werden bei ihren Außeneinsätzen immer ganz exakt durch ihre Reparaturen durchgesprochen.
Das geht so sehr ins Detail, dass sie sogar gesagt bekommen, wie viele Drehungen sie beispielsweise mit ihrem Werkzeug vollführen sollen. Sind es zu wenige, dann könnte nachher etwas undicht sein, bzw. abfallen…
Ja, genau so fühlte es sich an.
Am Schluss offenbarte ich dem Mitarbeiter am anderen Ende der Telefonleitung, dass er soeben einen komplett blinden Menschen durch die Reparatur geführt hat.
Das konnte er gar nicht glauben. Er war natürlich verblüfft, und ich war sehr stolz und zufrieden.
Oh,ich wusste gar nicht, dass ich spontan so viele ‚Spülmaschinen-Geschichten habe.
Es wird Zeit, dass ich aufhöre, um Eva das Schlusswort zu geben, der ich an dieser Stelle nochmal meinen großen Dank für ihre Geschichte sagen möchte. Es war mir eine große Ehre, Dich heute zu Gast zu haben. Immer gerne wieder.
Wir haben tatsächlich ein paar Haushaltsgeräte gefunden die von Männern “erfunden” wurden:
Der Staubsauger,
die erste mechanische Waschmaschine,
der Standmixer
und der Föhn.
Genauso wie Frauen, die sehr nützliche Produkte entwickelt haben:
Bekannt ist wahrscheinlich der Kaffeefilter von Melitta Bentz.
Bei manchen Erfindungen gab es mehrere Personen, die dazu beigetragen haben oder unabhängig voneinander die gleiche kluge Idee hatten.
So haben das Bügeleisen und die Nähmaschine jeweils mehrere “Mütter”.
entwickelt und ebenso wurde Der Kühlschrank von einer Frau erfunden: Florence Parpart.
Nicht zu vergessen Stofftiere (Margarethe Steiff),
öffentliches Telefon,
Taschenschirm und
Scheibenwischer für das Auto..
Wer hat jetzt mehr Erfindungen für “das bisschen Haushalt” gemacht? Wir können es nicht sagen. So viel steht jedenfalls fest: wir alle haben heute schon ein Gerät berührt, das von einer Frau erfunden wurde.
Meine lieben, heute ist mal wieder eine sehr spannende Frage von euch dran.
Die Frage
Wieso sind nicht alle Sterne gleich?
Müssten doch, weil…
Wenn sich ein Stern aus einer Gaswolke bildet, dann zündet doch die Kernfusion ab einem bestimmten Druck in seinem Inneren. Der Druck und dadurch auch die Zünd-Temperatur für die Kernfusion wird doch durch die Masse des werdenden Sterns erzeugt, oder nicht?
Dann sollten doch alle Sterne gleich sein. Wie kommt es aber, dass es so viele Sterne unterschiedlicher Masse gibt?
Wer darf sich Stern nennen
Dass Druck und Temperatur zur Zündung des Wasserstoff-Brennens immer gleich sind, stimmt schon mal, aber es kommt noch was dazu, wie wir sehen werden.
Stern nennen darf sich nur, wer in seinem Bauch Wasserstoff zu Helium verdauen kann. Und das passiert tatsächlich erst ab einer gewissen Temperatur und Druck im Innern eines werdenden Sternes.
Die Kernfusion legt nicht fest, wie schwer ein Stern wird, sondern nur, ab wann ein Gasball überhaupt ein Stern ist.
Haushaltsbeispiel
Eine solche Druckgrenze, ab wann etwas passiert, kennen wir aus unserer Küche. Das Sicherheitsventil eines Schnellkochtopfes öffnet sich stets ab einem gewissen Druck in seinem inneren. Und das passiert unabhängig davon, wie voll der Topf ist, oder wie viel Feuer man darunter hat. Der Der Öffnungsdruck für das Ventil bleibt immer derselbe. Steigt der Druck danach noch im Topf, weil man die Herdplatte noch an hat, dann zischt es halt später heftiger.
Und wenn der Druck dann noch steigt, geht das Ventil eventuell kaputt, oder der Topf könnte explodieren.
Ist mir zwar nicht bekannt, dass das mit einem normalen Schnellkochtopf schon passiert wäre, aber in der Chemischen Industrie, wo man derlei in groß benutzt, schon.
Das heißt:
Und hier schließt sich der Kreis zu unseren werdenden Sternen. Sterne, die mehr als 150 Sonnenmassen in sich vereinen, kann es nicht geben. Sie werden instabil.
Bei ihnen bläst der Strahlungsdruck und Sternwind alles weitere Material in seiner Umgebung weg, oder die Natur zieht es vor, mehrere kleinere Sterne, als ein großes Sternenmonster, entstehen zu lassen.
„Zünden“ heißt also nur: Jetzt bin ich ein Stern und bin erstmal mindestens so schwer, dass es für die Kernfusion reicht.
Genauer gesagt:
Ein Stern entsteht aus einer Gas- und Staubwolke.
Die Wolke zieht sich zusammen, wird dabei immer heißer und dichter.
Ab einem bestimmten Kerndruck und ~10 Millionen Kelvin kann Wasserstoff zu Helium fusionieren
Sternstatus erreicht.
Was knapp darunter liegt, reicht zwar nicht zum normalen Stern, aber eventuell zu einem braunen Zwerg.
Das ist so ein Mittelding zwischen Planet und Stern. So ein brauner Zwerg hat ungefähr zwischen 13 und 80 Jupitermassen. Er kann kurzfristig Deuterium, schweren Wasserstoff, zu Helium3 fusionieren, aber zur richtigen Fusion mit normalem Wasserstoff zu Helium4, reicht der Druck in ihrem Inneren nicht aus. Sie sind aber sehr spannend, weil sie recht häufig vorkommen, und quasi eine Brücke zwischen Planeten und Sternen schlagen. Ja, braune Zwerge können sogar Planeten besitzen. Die frage ist dann nur, wie man solch ein System mit einem Fast-Stern in der Mitte dann nennt. Ich kenne keinen beschreibenden Begriff, und habe für derlei bisher nur immer Umschreibungen gesehen. Es wäre aber wirklich Zeit, dafür ein Wort zu finden, schon alleine deshalb, weil solche Systeme gar nicht selten sind.
Und noch ein Funfact: Braune Zwerge sind überhaupt nicht braun. Sie leuchten meist im infraroten Bereich, aber die Entdecker fanden Braun irgendwie passend, weil so dazwischen.
Was leichter als ein brauner Zwerg ist, kann höchstens noch ein Gasplanet werden. Der legt sich dann, wie Jupiter noch einige Monde und Trojaner zu, oder schmückt sich eitel, wie Saturn mit Ringen.
Viele Gasplaneten machen einfach auch beides…
Jetzt die Frage
Wieso gibt es aber dennoch so eine große Vielfalt unter den Sternen?
Der entscheidende Punkt ist:
Die Fusion stoppt das weitere Zusammenziehen des werdenden Sterns, aber nicht zwingend das Massensammeln.
Während der Stern „zündet“, passiert Folgendes gleichzeitig:
Materie fällt weiter aus der Umgebung auf den Stern
Der Stern bläst Materie durch Strahlung und Sternwind wieder weg
Wie schwer er dann am Ende wird, ist ein Wettlauf zwischen:
Nachschub von außen
Gegenwehr des Sterns
Ist also der Strom von Gas, das auf den Stern prasselt größer, als der Sternwind selbst, dann kann er wachsen, so lange es noch Material um ihn herum gibt, das er sich einverleiben kann. Was dann noch übrig bleibt, kann eventuell noch für Planeten reichen.
Was werden kann
Je nach dem, wie groß und schwer die Gaswolke ist, passiert verschiedenes.
Kleine Sterne: sparsame Minimalisten
Bei massearmen Sternen (z. B. rote Zwerge) befindet sich zum Zeitpunkt seiner Entstehung Wenig Gas in der Umgebung. Es reicht ihm gerade so, dass er Stern sein kann. Somit hat er einen vergleichsweise schwachen Sternwind, und von außen gibt es nichts, woran er wachsen könnte…
Sobald die Fusion einsetzt, ist praktisch Schluss mit weiterem Zuwachs, weil das, was da noch auf ihn prasseln könnte, sehr wenig ist, bzw. von seinem Sternwind verblasen wird.
Aber solch einem „gerade-noch-Stern“ ist ein langes Leben beschieden, weil kleine Sterne sehr gut mit dem wenigen, was sie haben, haushalten können. Die Lebensdauer zwischen Riesensternen und so kleinen roten Zwergsternen, unterscheidet sich um viele Zehnerpotenzen.
Große Sterne: kosmische Vielfraße
Dort, wo sich massereiche Sterne bilden, gibt es reichlich Material um ihn herum.
Er kann viel Material zu sich ziehen (akkregieren).
Dass die Kernfusion bereits eingesetzt hat, hindert ihn nicht daran, weiter zu fressen und zu wachsen.
Er wird immer heißer, immer heller, immer schwerer,
bis seine eigene Strahlung und sein Sternwind das restliche Gas wegblasen.
Das Ergebnis ist dann ein riesiger Stern mit kurzer Lebensdauer, der sehr wahrscheinlich als fulminante Supernova endet.
Solche Riesensterne sind recht selten. Als das Universum vor vielen Milliarden Jahren noch kleiner war, dürften sich zwar viele solche Riesensterne gebildet haben, aber die sind ob ihrer kurzen Lebensdauer schon längst in Supernovae-Explosionen verpufft. Zum anderen kommen Bedingungen, die kleinere Sterne gebären, deutlich häufiger vor.
In aller Kürze
Hier nochmal kurz zusammen gefasst:
Die Intuition ist oft:
Gleicher Fusionsdruck → gleicher Stern
Aber korrekt ist:
Gleicher Fusionsdruck → gleiche Untergrenze für Sterne
Die Masse bestimmt dann:
wie stark die Gravitation ist
wie viel Druck und Temperatur im Kern herrschen
wie schnell die Fusion abläuft
Mehr Masse → mehr Druck → schnellere Fusion → hellerer, kürzer lebender Stern
So, nun hofft der Sternenonkel, dass diese Frage hinreichend beantwortet werden konnte. Bitte fragt weiter. Das freut den Sternenonkel sehr. Es macht es mir auch einfacher, weil ich mir dann keine Themen aus den Fingern saugen muss. Und für euch ist es dann so, dass ihr das erfahrt, was ihr auch wissen möchtet, und nicht das, was z. B. ich als wissenswert erachte…
Meine lieben,
so, sie ist nun fast vorbei, die Weihnachtszeit mit ihren Feiertagen. Bei uns ist morgen noch Dreikönig.
Ich habe mich einfach mal auf die Suche begeben, weil ich mal wissen wollte, ob es noch mehr zu diesen drei Weisen aus dem Morgenland und Astronomie als nur die bekannte Geschichte mit dem Stern gibt. Und als ich so recherchierte, kam mir plötzlich eine Idee für diesen Artikel hier. Ich denke, weil mein Weihnachtskalender 2025 so dünn war, nehme ich jetzt einfach diesen Feiertag noch mit dazu. Dann hatten wir sieben Türchen, was als Zahl sowieso schöner ist.
Lasst uns heute mal einen Perspektivwechsel vornehmen, indem wir uns in die Zeit dieser drei Morgenländer versetzen. Lasst uns erleben, wie man diese Geschichte auch ganz anders lesen kann.
Ich hoffe, dieses literarische Experiment wird mir so gelingen, dass es euch anspricht.
Also los:
Prolog
Seit Menschen den Kopf heben können, haben sie den Himmel nicht nur gesehen, sondern gefragt, was er ihnen sagen will. Ein Stern ist dann kein Punkt aus Licht, sondern eine Einladung. Manchmal auch eine leise Sehnsucht, ein leises Ziehen.
geh ihm nach.
Folge ihm.
Ich mag diesen Gedanken sehr. Er verbindet Beobachtung mit Bewegung. Erkenntnis entsteht nicht im Sitzen, sondern auf dem Weg.
Die Erzählung von den „Weisen aus dem Osten“, die wir heute oft Könige nennen, ist für mich eine solche Weggeschichte. Im ursprünglichen Text heißen sie „magi“ — Menschen, die den Himmel schauten, ihn deuteten und schließlich aufbrachen. Sie hätten auch sagen können:
Wir bleiben hier, das ist nur ein Zufall am Firmament.
Aber sie machten sich auf und gingen. Weil sie spürten: Wenn etwas Bedeutendes sichtbar wird, darf man nicht stehen bleiben.
Das erinnert uns doch daran, was z. B. Tycho Brahe tat, als er seinen neuen Stern entdeckte.
Man kann diese Geschichte religiös lesen — oder man liest sie als Bild dafür, wie Menschen überhaupt nach Erkenntnis suchen. Wir beobachten. Wir deuten. Wir wagen einen Schritt ins Unbekannte. Wir lassen uns verändern.
Und genau dort wird sie interessant, besonders dann, wenn wir den Blick einmal nicht auf den berühmten Stern richten, sondern auf die Menschen, die ihn gedeutet haben sollen: Wer waren diese magi? Welche Rolle spielte der Himmel in ihrer Welt? Und wie orientierten sich Reisende damals überhaupt, wenn die Nacht zur Straße wurde?
Die Magier als Sternenkundler
Das Wort „magi“ hat im Laufe der Jahrhunderte viel Zauberglanz bekommen, doch ursprünglich meinte es etwas anderes: eine gebildete Schicht im persischen und mesopotamischen Raum. Priester, Gelehrte, Berater. Menschen, die das große Ganze deuten sollten. Und dieses Ganze zeigte sich — so dachten sie — im Lauf der Gestirne.
Sternkunde war dort keine Spielerei, sondern Lebensgrundlage. In Tempeln wurden Mondphasen notiert, Planetenbahnen beobachtet, Sonnenstände mit Festzeiten verknüpft. Landwirtschaft, Verwaltung und Religion griffen ineinander. Wer wusste, wann ein neuer Monat begann, konnte Saat, Verträge und Rituale planen. Der Himmel war Kalender, Ordnungssystem und Orientierung zugleich.
Aus heutiger Sicht bewegten sie sich zwischen Mythos und Beobachtung. Sie erzählten Geschichten, deuteten Symbole, und gleichzeitig schauten sie sehr genau hin. Nacht für Nacht. Geduldig. Wiederkehrende Bewegungen wurden zu Mustern, Muster zu Zeitreihen, und aus ihnen entstand etwas, das man als Vorstufe wissenschaftlichen Denkens verstehen kann.
Mir gefällt dieser Gedanke:
Diese frühen Himmelsbeobachter standen gewissermaßen an einer Schwelle. Noch keine Naturwissenschaft im modernen Sinne — aber auch keine bloße Magie. Ein Suchraum dazwischen. Und auf diesem Zwischenweg beginnt Erkenntnis oft.
Dass die Weisen in der Erzählung ein „Zeichen am Himmel“ wahrnehmen und darauf reagieren, passt genau in dieses Weltverständnis. Für sie war der Himmel nicht dekorative Kulisse, sondern Teil einer lebendigen Wirklichkeit. In ihm spiegelte sich Ordnung. Und wer Ordnung erkannte, konnte sein Leben danach ausrichten.
Wir würden ihre Deutungen heute kritisch prüfen. Und doch sind sie Teil desselben langen Weges, auf dem wir uns immer noch befinden: vom Staunen über das Muster hin zur Frage, warum es so ist. Jede neue Erkenntnis wächst aus älteren Weltbildern heraus, und manchmal lohnt es sich, ihnen mit Respekt zu begegnen.
Reisen mit den Sternen: Orientierung in Wüste und Nacht
Wer durch Wüstengebiete reist, lernt, dass der Tag ein harter Begleiter sein kann. Die Hitze ist gnadenlos, die Luft flimmert, Konturen verschwimmen. Also verlegt man Wege in die Nacht. Dorthin, wo die Erde abkühlt und sich über allem ein weiter Himmel öffnet. Ein Himmel, der nicht nur schön ist, sondern zuverlässig.
Für viele Reisende war er nichts weniger als eine Karte. Der Polarstern hielt den Norden fest. Zirkumpolarsterne zeigten die tägliche Himmelsbewegung. Sternbilder wurden zu Merkhilfen, vertrauten Freunden, die an den Horizontpunkten erscheinen, an denen man sie erwartet. Orientierung entsteht dann nicht nur durch Ort, sondern auch durch Rhythmus und Wiederkehr.
An dieser Stelle muss ich an eine Szene aus Saint-Exupérys Buch „Wind, Sand und Sterne“ denken. Ein alter Pilot zeigt dem jungen Flieger, wie man in der Wüste wirklich navigiert. Nicht mit Lineal und präzisen Karten, sondern mit einer ganz anderen Art von Karte: Darin sind ein einsamer Baum eingezeichnet, ein Bauernhof, ein schmales Bachbett. Orte, an denen Wasser ist, an denen Menschen leben, wo man im Notfall Hilfe findet.
Diese Punkte sind mehr als Geographie. Sie sind Versprechen. Man liest sie nicht mit dem Auge allein, sondern mit der Erfahrung, mit dem Körper, vielleicht auch mit einer stillen Dankbarkeit dafür, dass es sie gibt.
Mir gefällt diese Parallele sehr: Orientierung entsteht nicht nur aus Berechnung, sondern aus Beziehung zur Landschaft und zum Himmel darüber. Auch die Reisenden der Antike trugen solche inneren Karten in sich. Sterne, Düfte, Windrichtungen, Bodenstrukturen, Geschichten über Wege: All das verband sich zu einer Art Wissensgewebe, das sie sicher durch Nacht und Wüste führte.
Ich stelle mir vor, wie still solche Nächte gewesen sein müssen. Wie der Sand unter den Füßen knirscht, wie der Wind leise durch Tücher fährt, und oben dieser ruhige, beständige Himmel. Die Navigation entsteht aus einem Geflecht von Eindrücken: Sternpositionen, Bodenstruktur, Temperatur, Geräusche, Erinnerungen an frühere Wege. Orientierung ist nie nur Sehen — sie ist Wahrnehmen mit dem ganzen Körper.
Das wissen wir blinde Menschen genau…
In diesem Zusammenhang wirkt der Gedanke, dass die Weisen vom Himmel „geführt“ wurden, plötzlich weniger märchenhaft. Der Himmel führte tatsächlich ganz praktisch. Er zeigte Richtung, Zeit, Verlauf. Wer sich an Sternen orientiert, übt Geduld. Man wartet auf den Moment, an dem ein bestimmter Stern den richtigen Punkt erreicht. Man reist im Takt des Kosmos. Und vielleicht prägt gerade das eine innere Haltung: ruhig bleiben, nicht drängen, Schritt für Schritt.
Heute vertrauen wir auf Kompass und GPS. Doch manchmal, an einer klaren Nacht, spürt man noch einen Rest dieses alten Wissens. Man hebt den Kopf, erkennt Orion oder den Polarstern; und für einen Augenblick weiß man, wo Norden ist. Nicht, weil ein Gerät es sagt, sondern weil der Himmel es erzählt.
Epilog – Die Reise nach innen
Die Geschichte der Weisen lässt sich wie eine äußere Reise erzählen — aber sie ist zugleich eine innere. Sie beginnt mit einer Beobachtung, führt durch Unsicherheit, Staub, Zweifel, und endet nicht mit einem Triumph, sondern mit einer Begegnung, die still verändert.
So funktionieren viele Erkenntniswege. Etwas lässt uns nicht los. Wir deuten, korrigieren, zweifeln, fragen neu. Manchmal gehen wir Umwege, manchmal verstehen wir erst spät, was wir unterwegs gelernt haben. Aber wir bleiben in Bewegung, weil Fragen eine Kraft haben, die größer ist als Bequemlichkeit.
Gerade die Astronomie macht das spürbar. Sie erklärt den Himmel und legt dabei gleichzeitig neue Geheimnisse frei. Was einst als Zeichen gedeutet wurde, verstehen wir heute als Physik. Und trotzdem bleibt dieses leise Staunen: Dass wir überhaupt fähig sind, Muster zu erkennen, Zusammenhänge zu begreifen, und uns selbst darin mitzudenken.
Vielleicht sind wir den frühen Himmelsdeutern näher, als wir zugeben. Sie suchten Sinn — wir suchen Verständnis. Aber beides entspringt demselben menschlichen Impuls: Wir möchten wissen, wie wir in dieses große Ganze hineingehören.
Der Himmel begleitet uns weiter. Nicht mehr als Orakel, sondern als offenes Buch, das wir lesen lernen, Zeile für Zeile. Mit Instrumenten, mit Theorien, mit Erfahrung, und mit Demut. Die Reise bleibt unvollendet. Und gerade deshalb hat sie Zukunft.