Was ist der Supermond?

Seid herzlich gegrüßt,

da ist es wieder, das Medienereignis des “Supermondes”.

Was soll das überhaupt sein? Darum geht es in diesem Artikel.

Heute, 19.02.2019 um 16:54 ist Vollmond.
Sieben Stunden vorher, um 10:09, passiert der Mond seinen erdnahesten Punkt auf seiner Bahn.

Ja, Vollmond ist astronomisch gesehen nur ein Augenblick, weil der Mond auf seiner Bahn nicht stehen bleibt, um sich von uns feiern zu lassen, sondern weil er für uns unsichtbar sogleich wieder mit dem Abnehmen beginnt.
Wenn er heute also bei uns aufgeht, ist er genau gesehen, schon nicht mehr voll, und auch nicht mehr genau im Perigäum.
Das bedeutet “Supermond”, aber alles der Reihe nach:

Es dürfte niemandem entgangen sein, dass der Supermond immer nur bei Vollmond auftritt. Aber längst nicht jeder Vollmond ist ein Supermond. Der Mond bewegt sich ein mal pro Monat auf seiner elliptischen Bahn um die Erde. Das bedeutet, dass der Mond der Erde einmal pro Monat seinen erdnächsten – und einmal seinen erdfernsten Punkt durchläuft. Die Erde steht in einem der beiden Brennpunkte der Ellipse.

Die Zeitspanne zwischen zweier Durchläufe des Perigäums, nennt man den anomalistischen Monat.
Er spielt in unserem Jahreslauf keine Rolle und wird von Astronomen benötigt, um in Finsternisberechnungen einzufließen.

Die Zeitspanne zwischen zweier Neumonden, nennen wir den synodischen Monat.
Dieser bestimmt sich von Neumond zu Neumond und dauert im Mittel 29,53… Tage.
Er spielt für uns lediglich im Kirchenjahr eine Rolle, indem man mit ihm den Ostertag berechnet, aus welchem sich einige weitere Feiertage ableiten, siehe
Osterbeitrag 2018
Wenn wir Monat sagen, so meinen wir meist unsere kalendarische Einteilung des Erdumlaufes in zwölf Teile um die Sonne. Diese Zeitspanne hat mit dem Mond nichts zu tun, und mit den zwölf Sternzeichen übrigens längst auch nicht mehr.

Nun kann man sich fragen, wieso denn dann nicht jeder Vollmond ein Supermond ist. Kurz gesagt, weil der Mond sich nicht bei jedem Vollmond auf seinem erdnahsten Punkt (Perigäum) befindet. Das liegt daran, dass der synodische Monat nicht gleich lang ist, wie der anomalistische Monat.

Multipliziert man beide Umlaufzeiten und rechnet man sie auf das Datum eines Supermond-Ereignisses, dann sollte man wieder einen Supermond-Tag erwischen, aber es gibt dazwischen noch weitere. So selten sind die gar nicht und kommen quasi jährlich, manchmal sogar mehrfach vor.

Ganz nebenbei; anomalistische Monate gibt es bei allen Planeten, die Monde besitzen, weil auch diese sich auf elliptischen Umlaufbahnen um ihre Planeten bewegen.

Also ist Die Tatsache, dass die Zeitspannen zwischen Neumond und Neumond und Perigäum-Durchgang zu Perigäum-Durchgang nicht gleich lang sind, dafür hauptverantwortlich, dass nicht jeder Vollmond ein Supermond sein kann.
Außerdem bewegt sich das Erd-Mond-System im Jahreslauf um die Sonne, so dass sich der Winkel des Sonnenlichtes täglich um etwa ein Grad nach links verschiebt. Das verlängert den astronomischen Tageslauf etwas über die Zeitdauer einer Erdumdrehung, hinaus.

Wie “super” so ein Supermond sein kann, hängt auch stark davon ab, wo sich der Beobachter auf der Erde befindet.
Der Mond läuft nämlich nicht um den Äquator herum. Seine Bahn läuft fünf Grad gegen die Ekliptik geneigt. Die Ekliptik ist die Ebene, in welcher alle Planeten umlaufen.
Somit befindet er sich die Hälfte des Monats etwas oberhalb und in der anderen Hälfte, etwas unterhalb der Ekliptik.
Die Schnittpunkte zwischen der Mondbahn und der Ekliptik, nennt man Knotenpunkte.
Die daraus sich ergebende Periode nennt man dann den dragonistischen Monat.
Und dieser dragonistische Monat ist zeitlich auch wieder etwas unterschiedlich zu den beiden anderen Monats-Definitionen.

Man kann den Monat auch noch über andere Umläufe definieren. Startet man die Umlaufbahn des Mondes bei einem Stern, und wartet, bis er wieder dort ist, so erhält man z. B. den siderischen Monat.

Kommen wir zurück zu unserem Drachenmonat, der sich über die Knotenpunkte definiert.
Dieser ist dafür verantwortlich, dass nicht jeder Vollmond eine Mondfinsternis und nicht jeder Neumond eine Sonnenfinsternis ist.

Und was hat das nun mit unserem Supermond zu tun? Kommt sofort.

Apropos Sonnenfinsternis. Es gibt auch Super-Neumonde. Davon spricht nur niemand, weil man eben außer bei Sonnenfinsternissen den Neumond nicht sehen kann.

Und hier schließt sich der Kreis zum Supermond:
Nicht immer gelingt es der Mondscheibe, die komplette Sonne bei einer Finsternis abzudecken. Und ich meine jetzt keine partielle Abdeckung, wo der Mond nur die Sonne anbeißt. Diese Erscheinung hat mit dem Beobachtungspunkt des Betrachters im Bezug zum Verlauf der Finsternis zu tun und nichts mit Perigäum oder Aphogäum.
Ich meine eine ringförmige Sonnenfinsternis.
Bei einem derartigen Ereignis ist der Mond auf seiner Bahn erdfern, so dass der Mond aus Sicht der Erde etwas kleiner wirkt.
Ist nun die Erde in ihrem Jahreslauf gerade sonnennah (Perihel), z. B. im Januar, so erscheint die Sonne etwas größer.

Diese Größenunterschiede sind mit bloßem Auge und ohne Messhilfe nicht wahrnehmbar, aber wenn bei einer derartigen Konstellation, Erde im Perihel und Mond im Aphogäum, zufällig eine Sonnenfinsternis stattfindet, vermag der Mondschatten lediglich ein Loch in der Sonnenscheibe zu erzeugen und ein gleißend heller Rand bleibt unverdeckt.

Bei Mondfinsternissen sind diese Dinge nicht von Belang, weil hier der Erdschatten alles dominiert. Im Gegensatz zum Mond ist die Erde so groß, dass sie bei einer Mondfinsternis den Mond immer locker abdecken kann. Höchstens auf die Dauer der Mofi könnte sich Aphogäum oder Perigäum vielleicht auswirken. Das weiß ich aber momentan nicht genau. Bei Erde und Sonne wirkt sich zumindest Sonnennähe im Winter auf der Nordhalbkugel dahingehend positiv aus, dass der Sommer wenige Tage länger ist, weil sich die Erde sonnenfern langsamer auf ihrer Bahn bewegt.

Also. Totale Sonnenfinsternisse können Superneumonde sein…
Bei allen Arten von Vollmonden ist die Distanz Erde-Mond nicht von Bedeutung.
Will sagen, mit dem bloßen Auge ist ein sog. “Supermond” nicht von einem normalen Vollmond zu unterscheiden, denn dieser Unterschied beträgt nur ungefähr 13 %. Das sieht bei so einem kleinen Mondscheibchen und ohne Vergleichsobjekt, niemand.

Steigt der Vollmond am Horizont auf, wird er oft als übergroß empfunden. Das ist ein Phänomen, dass an dieser Stelle irgendwie unser Gehirn ausgetrickst wird. Ganz erforscht ist das Phänomen noch nicht, aber dass es in den Medien den Supermond noch superlativer macht, ist klar.

Und nein. Die Schwankung der Distanz Erde-Mond, zeigt auch keine erkennbare Wirkung auf Ebbe und Flut. Das kann man mit einfachster newtonschen Mechanik und dem Abstand-Quadrat-Gesetz, Schulphysik also, ausrechnen, dass hier keine plötzlichen Superkräfte auftreten, die uns ob positiv oder negativ, beeinflussen könnten.

Ich möchte an dieser Stelle mondfühligen Menschen diese Schlafstörung nicht absprechen. Ich kenne genügend sehr seriöse Menschen, die unter diesem Phänomen, leiden, bzw. davon sprechen.
Die Himmelsmechanik ist daran aber erwiesener maßen nicht schuld.

Und zum Schluss noch.
Ich liebe unseren Supermond, denn der Mond ist immer super.
Hätten wir den Mond nicht, so würde unsere Erdachse unkontrolliert ihre Stellung verändern. Das bedeutet, dass wir längst nicht so regelmäßige Jahreszeiten hätten. “Danke Mond, dass Du unsere Erdachse irgendwie gerade hältst.”

Ebbe und Flut sind ganz wichtig für unsere Meere und unser Klima. “Danke Mond, dass Du jeden Tag Kraftsport mit unserem Wasser treibst”.

und “Danke, Mond, dass Du, indem Du manchmal die Sonne abdeckst, uns die Schönheiten der Korona zeigst, und dass wir dadurch wissen, dass die Masse der Sterne Licht ablenken kann.”
“Danke auch, dass wir in Dir ein Licht in der Nacht haben” Hätte ich als Blinder und durch unsere lichtverschmutzten Städte fast vergessen.

Fazit: “Supermond ist super, Mond.”
Und weil ihr bis hier hin ausgehalten habt, obwohl der Artikel etwas länglich war, bekommt ihr hier noch ein Video mit Mondbildern für die Sehlinge und schöner Klaviermusik, bei der man auch über das gelesene nachdenken kann, wenn man die Mondbilder nicht sieht.
Zum Mondvideo
Jetzt wünsche ich uns heute Abend einen schönen Blick auf den Supermond.

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