Bladventskalender22, 07.12. Ein seltsamer Name

Meine lieben,

nach alter Tradition habe ich mir gestern, also am Nikolaustag, beim Bäcker ein badisch traditionelles Weihnachtsgebäck zum Kaffee geholt. Es trägt in Karlsruhe den seltsamen Namen „Dambedei“ und wird auch so ausgesprochen. Schon immer habe ich mich gefragt, wie diese Köstlichkeit zu ihrem seltsamen Namen kam. Das habe ich nun heute endlichmal recherchiert, und möchte das in diesem Türchen gerne mit euch teilen. Bestimmt gibt es auch in eurer Gegend Weihnachtsgebäck mit seltsamen Namen. Wenn ja, dürft ihr das gerne in den Kommentaren vorstellen.

Das Karlsruher Stadtwiki erklärt den Dambedei so:

Mit Dambedei wird in Karlsruhe ein vorweihnachtliches Gebäck aus Hefe in Form eines Männchens (Frontalansicht) bezeichnet. Bei einfacheren Varianten ist nur die Silhouette durch die Form des Hefeteigs dargestellt, bei der eigentlichen und aufwändigeren Variante hat der Dambedeit jedoch auch noch Mund (Mandel), Nase (Nuss), Augen und Jackenknöpfe (jeweils Rosinen).

Ich hatte auch schon welche, die noch eine kleine Tabakspfeife in den Mund gesteckt bekamen. Die konnte man dann natürlich nicht essen, aber als Weihnachtsschmuck fand sie dann bei mir noch ihren Platz.
Das Stadtwiki weiß weiter:

Die Herkunft des Wortes ist nicht zweifelsfrei geklärt.

  • Heidnische Ableitung
    Eine mögliche Wortherkunft leitet Dambedei vom Namen eines rätischen Schutzgeistes namens „Tampada“ ab, der Haus, Vieh und Bewohner vor Schaden bewahrte.
  • Christliche Ableitung
    Dambedei könnte auch die Verballhornung bzw. ein Missverstehen des Segensspruches „in nomine domini dei“ (Im Names Gottes des Herren, „dei“ sprich „de-i“) sein. Mit diesem Segensspruch bzw. dem ähnlichen „ad honorem domini dei“ (zur Ehre Gottes des Herren) segneten Priester Weihnachtsgebäck, das in der Form eines Christkindes gebacken war. „domini dei“ wäre dann über „domnidei“, „damneidei“ schließlich zu Dambedei geworden. Eine Variante, bei der nicht ein Segensspruch, sondern eine lateinische Bezeichnung Ursprung von Dambedei ist, ist die Ableitung von „domini panis dei“ (Brot Gottes des Herrn).
  • Ableitung aus dem Französischen
    Auch aus dem Französischen könnte Dambedei durch Missverstehen der Phrase „dame de dieu“ (Mutter Gottes) entstanden sein. Der Dambedei wäre dann in Wahrheit eine weibliche Dambedei oder hätte beim Überschreiten der Grenze vom Elsass nach Baden auch sein , bzw. ihr Geschlecht gewechselt.
  • Eine zweite französische (bzw. lateinisch-französische) Variante wäre die Ableitung von „d’homme petits“ (kleiner Mensch) oder „dam petit“ (kleiner Herr).
  • Der Dambedei als Trampel?
    Dampelhans bedeutet so viel wie Trampel. Dambedei hätte dann die Bedeutung Trampelgebäck. Hier könnte sich die Ungeschicklichkeit so manchen Hobbybäckers die Gestalt des Dambedeis mehr als grob auszuformen als Charakterattribut auf den Dambedei selbst übertragen haben.
    „Dei“, „Deih“ oder „Deie“ hat bei dieser Ableitung schlicht die Bedeutung „Gebäck, das zu einer bestimmten Jahreszeit oder einem bestimmten Anlass gebacken wird. Im Namen Dambedei wäre somit weder weihnachtliches noch christliches, heidnisches, französisches oder lateinisches enthalten.
  • Bezeichnung in anderen Regionen
    In anderen Regionen Deutschlands gibt es sehr ähnliche Gebäcke, die als Stutenkerl, Weckmann oder Klausenmann bezeichnet werden.

    Im südlichsten Teil Deutschlands und in der deutschsprachigen Schweiz wird die Teigfigur auch manchmal Grättima genannt.

In einem alemannischen Lexikon findeich:

Weckmann (Hefegebäck zum Nikolaustag)
Südbadisch
➔ Grättimann, Grättima, alemannisch und Schweizerdeutsch,

Schwäbisch, ➔ Klausenmann

Elsässisch, ➔ Mannala

Wie er auch immer heißt. Er schmeckt vorzüglich, und gehört zumindest für mich immer zu Nikolaus dazu.

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