Unter uns


Meine lieben,
Vor acht Jahren schrieb ich bereits einmal über das heutige nicht astronomische Thema.
Ich finde, es ist es wert, heute und hier nochmals neu aufbereitet und rezykelt zu werden.
Es geht um Urlaub und die Welt in der wir leben.

Ein Wort ohne Groll an euch Sehende

ihr könnt euch vorstellen, dass das Leben als blinder Mensch in einer Welt, die in erster Linie auf den Sehsinn hin orientiert ist, manchmal ganz schön anstrengend und kompliziert für uns ist.

  • Ihr stellt uns eure leidigen E-Roller in den Weg, so dass wir darüber fallen.
  • Eure Autos versperren die Gehwege, so dass ich bei uns auf dem Dorf nur auf der Straße gehen kann.
  • oft muss ich mir respektlose oder anzügliche Fragen anhören, die ihr euresgleichen niemals stellen würdet.
  • Mitleid heischend muss ich oft um Hilfe bitten, was mich nicht selten in eine gewisse Opferrolle treibt.
  • Dadurch, dass in eurer Welt, in welcher ich auch lebe, der Sehsinn so oft überbewertet wird, schenkt ihr dem Gehör kaum Beachtung. Das führt dazu, dass ihr Kraft, Größe und leider auch Männlichkeit durch Fahrzeuge ausdrückt, die möglichst viel Lärm produzieren.
  • Ihr hängt euch Fußballfeld große flache Fernseher an die Wände, deren Klang trotz des Zeitalters höchster High Fidellity so erbärmlich klingen, dass sich jedes klassische Küchenradio locker damit messen kann.

Noch vieles könnte ich an dieser Stelle aufzählen, aber der Artikel soll ja keine Anklageschrift sein, sondern im besten Falle sensibilisieren.
Wie auch immer.
Dies alles und vieles andere, strengt uns an. Aber euch zum Trost muss hier gereichen, dass wir wissen, dass das alles nicht aus Bosheit gegenüber blinden Menschen geschieht. Der Mensch ist doch im Grunde gut.
Dennoch nehme ich und viele andere blinde Menschen uns dann und wann eine Auszeit von der Welt der Sehenden.
Eine auszeit, um einfach mal ohne Vorbehalte und hemmungslos „blind“ sein zu dürfen.
Ich verbringe daher stets meinen Sommerurlaub mit guten blinden Freunden.
Was das für mich bedeutet, ist Gegenstand dieses Beitrages.

Passe Dich an

„Lebe möglichst, als wärest Du sehend!“

stand vor einigen Jahren auf einem Plakat, das den Studierendenraum unseres Institutes zierte. Das war ein Motto der damaligen Leitung, dass wir unbedingt „Top-Blinde“, das war sein Wort, sein sollten, um vorgezeigt zu werden, um Eindruck zu schinden, und letztlich, um auch zu zeigen, welch tolle Arbeit an unserem Institut gemacht wird.
Da das Poster meinem Vorgesetzten gehörte, durfte ich ihm natürlich kein Leid zufügen.
Ich schwor mir aber, dieses Plakat, sollte ich einst dazu befugt sein, umgehend zu entfernen, un die Vernichtung dieses Satzes zu zelebrieren.
Dieses ist längst passiert. Wir sind sogar in ein neues Gebäude umgezogen und unser jetziger Vorgesetzter ist auch nicht mehr neu bei uns.

„Blinder, Lebe, als könntest Du sehen“,
„Lahmer,  lebe, als köntest Du gehen“,
„Tauber, lebe, als könntest Du hören“

Man merkt hier die Absurdität, die in derlei Sätzen steckt. Es geht schlicht und einfach nicht.
Dennoch. Mein Alltag ist stets der Versuch, zwar nicht so, wie ein Sehender zu leben, aber mich in deren Welt zurecht zu finden und zu bestehen.

Hier soll es aber nicht darum gehen, was Schwierigkeiten bereitet, sondern darum, dass ich es wichtig finde, dass ich ein Mal im Jahr Urlaub von der Blindheit oder der Welt der Sehenden nehme,.
indem ich mich an einem für uns geeigneten Ort mit blinden Menschen treffe.
Der Weg dort hin, also bis ich mich dazu durchringen konnte, war lang.

Mein Weg

Blind unter Sehenden

Als blinder Student unter sehenden Studierenden war es zwar nicht üblich, die Zugehörigkeit zur Gruppe derer, die nicht sehen können, zu verleugnen, aber trotzdem war es mir bis vor etwa dreißig Jahren ein Bedürfnis, mich in irgend einer Weise von der Gruppe der Blinden, abzugrenzen.
Ich wollte nicht zu jenen gehören, die beispielsweise dauernd mit dem Vorurteil belegt werden, neben der körperlichen auch eine geistige Einschränkung zu haben. Ich war beleidigt, wenn mich jemand fragte, ob ich auch in der Werkstadt XY für Menschen mit Behinderung arbeite. Ich hätte mir mein Abiturzeugnis am liebsten an die Stirne geheftet.
Es war sehr schick, zu den „Top-Blinden“ zu gehören.

Blind unter Blinden

Ein blinder Freund warnte mich davor, mich zu sehr der Gruppe der Sehenden anzuschließen, und meinte, dass ich eines Tages noch froh sein würde, ein Refugium zu finden, in dem ich meine Blindheit ausleben dürfe. Er überredete mich, mit ihm zusammen einen Spezialurlaub für Menschen mit Blindheit zu machen. Und da tat sich mir wirklich eine neue Welt auf. Ich merkte, wie anstrengend mein Leben dadurch war, dass ich meinen sehenden Mitmenschen hinterherhechelte. Ich merkte, wie mir die ganzen Jahre die Gespräche unter Blinden, die thematisch oft anders gelagert sind als die mit Sehenden, so sehr fehlten. Sprechen Blinde über Kinofilme, wird kaum über Schauspieler geredet. Den Film erleben wir als ein Hörspiel, bestehend aus der Filmmusik, den Hintergrundgeräuschen, den Stimmen der Synchronsprecher und seit einigen Jahren mehr und mehr der Audiodeskription. Hierbei handelt es sich um Zusatzerklärungen die das erläutern, was für blinde Menschen im Film nicht hörbar ist, z. B. ein entscheidender Blickkontakt, eine wichtige Geste oder eine Beschreibung einer Umgebung. Diese Audiodeskriptionen werden zwischen die gesprochenen Passagen des Films gepackt und können entweder über einen separaten Tonkanal oder über ein Smartphone mit Knopf im Ohr abgehört werden. Manche Menschen mit Blindheit sprechen auch eher über Hörspiele und Radio, über Geräusche und Musik. Einige binden viele Geräusche in ihre Sprache ein und lieben es, Stimmen naturgetreu nachzuahmen.
Ich merkte, wie wohltuend es war, in dieser Umgebung auch mal blind sein zu dürfen. Ja, es war kein Problem, mir hin und wieder ein Brot schmieren oder das Hähnchen vom Knochen schneiden zu lassen. An diesem Ort durfte ich mir bei derartigen Dingen gerne helfen lassen und musste mir oder anderen nichts beweisen.

Was in unserem Urlaub anders ist

Die Anreise

Die Meisten dieser Urlaubshäuser für blinde Menschen verfügen über einen kleinen Fuhrpark. Somit kann man sich direkt vom Haus am Zielbahnhof abholen lassen, ohne, dass lästige Taxikosten anfallen, der Taxifahrer nicht weiß, wo man hin möchte, oder… Schon hier merke ich, dass das Personal geschult ist, so dass die Anreise barrierefrei abläuft.
Schon im Vorfeld stimmt man die An- und Abreise so mit dem Haus ab, dass es für das Personal möglichst effizient abläuft, z. B. das mehrere Personen gleichzeitig abgeholt werden können. Das bedeutet manchmal warten, ist aber kein Problem, weil jeder von uns weiß, wie wichtig eine gute Reise und eine Abholung für uns ist, und somit viel Verständnis und Geduld für die anderen anreisenden entgegen bringt.

Die Ankunft

Im Haus angekommen, finde ich am Boden Leitlinien, Punktschrift an Zimmertüren, Treppen und Einrichtungen. Der Aufzug spricht mit mir und alle Stockwerke sind taktil beschriftet.
Im Zimmer liegen alle Informationsschriften auch in Blindenschrift aus. Speisepläne sind entweder über das Telefon akustisch, als Aushang in Blindenschrift oder online zugänglich.
Das gilt auch für sonstige Listen, oder den Ausflugsplan.

Abenteuer Essen und Trinken

Beim Essen steht Personal am Buffet zur Verfügung, das Essen wird direkt zum Tisch gebracht und ich werde darüber im Uhrzeigersinn aufgeklärt, was sich wo auf meinem Teller befindet, z. B. „Fleisch von 9 – 11 Uhr, Erbsen zwischen 5 und 6 Uhr“, wenn ich das möchte. In manchen Blindenhäusern, gibt es überhaupt kein Buffet. Es gibt zu Mittag eine Menüauswahl, meist ein vegetarisches und ein anderes. Für das Frühstück legt man sich vorher schon fest, was man ungefähr möchte, damit einem das Personal das schon am Platz richten kann, und zu Abend gibt es in dem Fall auch für alle dasselbe Abendbrot.

Zugegeben. Das ist auch für mich manchmal etwas unflexibel und eingeschränkt. Das nervt besonders dann, wenn es mal etwas gibt, das man nicht so mag. Es ist aber möglich, um Ersatz zu bitten.
Ich habe dann halt keine unerschöpfliche Auswahl, wie an einem Buffet in einem Hotel. Das will ich aber u. U. gar nicht. Mich strengt es unheimlich an, wenn meine Begleitung mir erst mal eine halbe Stunde erklärt, was es gibt, und ich weiß, dass das für sehende Begleitpersonen auch so ist. Und wenn ich nachher mit bekomme, dass mir versehentlich eine Speiße nicht genannt wurde, die ich sehr gerne gehabt hätte, dann ist das schade und ärgerlich.

Was den Ablauf des Essens betrifft, so kann ich mir ganz entspannt, mal ein Fleisch schneiden, das Hähnchen entbeinen, den Fisch filetieren oder einfach mal ein Brot schmieren lassen und ein Getränk wird mir eingeschenkt, wenn ich das möchte.
Vieles von dem, was ich hier aufgezählt habe, kann ich natürlich selbst. Dennoch. Ich finde schön und gesellschaftskonform zu essen manchmal nicht so einfach. Eine Pizza z. B., die größer als der Teller ist, lasse ich mir grundsätzlich in der Küche schneiden, weil sonst die Katastrophe ihren Lauf nehmen würde.
Aber das ist es eben. In meinem Spezialurlaub ist das normal. In anderen Lokalen muss ich derlei Unterstützung erst erbitten. Meist erfahre ich hier große Hilfsbereitschaft.  Aber, es passiert schon mal, dass es vergessen wird, der Kelner dann mit meinem Essen nochmal davon rennen muss, was ja irgendwie auch wieder doof aussieht und Blicke auf sich zieht, oder manchmal ist das Personal überlastet. Ein einziges Mal hat mir das ein Kelner mal ehrlich so kommuniziert…
Und wenn wir schon bei Kelnern sind. Vor allem dann, wenn es in einem Lokal sehr laut ist, habe ich keine Chance, ohne sehende Hilfe etwas zu erlangen, das meine durstige Kehle benetzen könnte. Ich höre die Bedienung nicht. Ich kann mit ihr keine Zeichensprache oder Augenkontakt führen. Ich kann doch auch nicht, wie ein Proll durch das ganze Lokal schreien… Und, wenn dann noch eine Fremdsprache, z. B. im Ausland oder eine andere Kultur dazu kommt, wird die Bestellung eines Getränkes eine schier unlösbare Aufgabe, ein Stressfaktor und nervt einfach nur.
Hier, in meinem Blindenhaus,  werde ich gefragt, ob ich noch etwas möchte. Wenn man am Ort dann schon etwas bekannter ist, merkt sich das Personal sogar, was man so für Vorzüge und Vorlieben hat.
Das gibt es aber manchmal in Stammkneipen auch, was ich als sehr angenehm empfinde.

Orientierung und Mobilität

Sollte ich mich einmal auf der Hotelanlage verlaufen, muss ich mich hier nicht mit zwar wohlgemeinten Erklärungen, wie „Sie müssen dort lang“… herumplagen. Entweder ich bekomme eine Erklärung, die ich verstehe, oder werde hin geführt, bzw. wieder auf den richtigen Weg gebracht. Auf einer Hotellanlage für Sehende bekomme ich bevor mir überhaupt mal geholfen wird, eventuell Fragen gestellt, wieso ich überhaupt alleine unterwegs bin. Darf ich das nicht? Wo steht das?

Gaffer

Man wird am Pool, in der Bar oder am Stand nicht angegafft, wenn man sich mal ohne seine Begleitperson alleine dort hin wagt, weil diese mit einem anderen Gast einen Shopping-Nachmittag macht, den blinden Mann daheim läßst, und möglicherweise nur seine Kreditkarte mitgenommen hat. Darüber zerreißen sich Gäste durchaus das Maul, und stellen die wildesten spekulationen an.
Dass ich aber Shopping unerträglich finde, dass es mir alleine mit meinem Hörbuch, meinem Bierchen oder Kaffee ganz hervorragend geht, können viele sich überhaupt nicht vorstellen. Und hier gehört der Pool und die Liegewiese uns alleine, und keiner gafft auf des anderen Körper.

Ausflüge

Was Ausflüge und andere Unternehmungen betrifft, so ist das schon so, dass der Urlaub aus der Sicht vieler sehenden Menschen etwas erlebnisärmer ist wie man es sich vielleicht vorstellt, wenn man beispielsweise mit einer sehenden Reisegruppe unterwegs wäre.
Das liegt daran, dass die personellen Ressourcen der Häuser auch begrenzt sind, und hier auch der Sparzwang und die Wirtschaftlichkeit in immer verherender Weise um sich greifen. Viele Blindenhäuser sind mittlerweile geschlossen.  Somit muss man immer einen Kompromiss finden, was man miteinander unternehmen kann, dass alle auf ihre Kosten kommen. Das bedeutet halt dann auch mal, dass man seine Wünsche zugunsten des Restes der Gruppe zurückstellen muss.

Wenn ich beispielsweise Gleitschirmfliegen möchte, dann können die anderen nur irgendwie dort, wo der Flugplatz ist, wandern oder Kaffeetrinken gehen, weil der Kleinbus warten muss, bis ich wieder gelandet bin, was mit Seilbahnfahrt, Start, Flug und Landung einen ganzen Nachmittag benötigt.
Das bekommt man aber in der Regel ganz gut hin. Ich habe noch keinen Streit deswegen erlebt. Jeder von uns weiß, dass die Welt eines Blinden oft eine Welt des wartens ist.

Oft bieten unsere Urlaubshäuser auch Themenwochen, wie Wandern, Langlauf, Tandem, Basteln etc. an, aber das liegt mir nicht so, eine Woche lang jeden Tag dasselbe zu machen.

Was es letztlich ausmacht

Wir erleben häufig den Urlaub viel stärker in der Gemeinschaft. Wir wollen überhaupt nicht allen Sehenswürdigkeiten hinterher rennen. Ein vertrauter Spazierweg, selbstständig den Pool benutzen, sich ohne sehende Hilfe in der Bar etwas bestellen, aber auch am Abend musizieren und ein sehr kommunikatives geselliges Leben führen, wie ich das so unter sehenden nur extrem selten erlebe, das ist unser Urlaub. Auch einfach mal ein Hörbuch auf dem Balkon hören, gehört dazu. Natürlich kommen auch Highlights, wie mein vorhin erwähnter Gleitschirmflug vor.
Sind Amateurfunker dabei, dann wird schon mal ein Mast mit Antenne aufgespannt, und wir lauschen gemeinsam in den „Äther“.
Und nun kommen wir zu dem Punkt, der vermutlich das wertvollste an einem Spezialurlaub für Blinde ist, und wofür man eventuell bereit ist, gewisse Abstriche zu machen.

Das Miteinander

Was ich hier meine, ist der Umgang, ist die Art der Kommunikation untereinander und die Themen, über welche wir blinden Menschen miteinander sprechen. Außerdem ist es das wohltuende Gefühl, sich auch über die Einschränkung auszutauschen.
Wir sprechen viel über Radio, Hilfsmittel und Apps.
Wir musizieren zusammen, als hätten wir das schon immer getan. Da entstehen spontan und ohne Probe vierstimmige Chorsätze. So musikalisch improvisieren konnte ich bisher nur mit sehr wenigen sehenden Musikern. Entweder sie brauchen Noten, oder müssen Dinge erst üben, die blinde Musiker frei von der Leber weg spielen. Wenn gemeinsam gesungen werden soll, und die Tonart muss transponiert werden, dass jeder mitsingen kann, so passiert das bei blinden Gitarristen, Pianisten oder Akkordeonspielern ganz automatisch.
Bemerkenswert ist die Vielfalt der Personen, die sich in diesen häusern trifft. Vom Menschen, die in einer beschützenden Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeiten, bis hin zum blinden Universitätsprofessor ist alles dabei, und wir finden eine gemeinsame Sprache, gemeinsame Themen und lachen gemeinsam.

Epilog

Ich mache meinen Spezialurlaub nicht, um ungestört, weil die anderen es nicht sehen, „in der Nase bohren zu können.“ Das hören blinde Menschen übrigens… Ich mache das, weil es mir viel Kraft gibt.
Weil es gut tut und richtig ist, dass ich mich auch mal in meiner Gruppe, in meiner Blindenwelt etc. bewege.
Ich tue es, um dann wieder mit neuer Kraft mich in unserer gemeinsamen Welt, der Welt der Sehenden,
zurecht zu finden, auszutauschen unddamit Brücken der Liebe, von Verständnis und Empathie geschlagen werden, die unsere Welten verbinden.
Mich beängstigt tatsächlich, wenn mehr und mehr unserer Häuser schließen, denn wo soll man ohne diese eine der Beeinträchtigung angemessenen Urlaub machen. Solche Häuser besitzen einen Wert, der sich nicht mit Kapital und Wirtschaftlichkeit messen lässt.

Astro-Mundart

Meine lieben,

jetzt melde ich mich endlich mit einem neuen Artikel bei euch zurück.
Und der ist besonders. Man könnte fast sagen, er ist zweisprachig.

Am letzten Dienstag, 08.07.2025 ist ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen. Seit ungefähr zwanzig Jahren halte ich astronomische Vorträge, Workshops und andere Veranstaltungen. In dieser ganzen Zeit ist es nie vorgekommen, dass ich einen Auftritt in meiner Geburtsstadt hatte.
Genau so einen durfte ich nun feiern. Darüber berichte ich aber dann in meinem Jahresrückblick, wie immer. Ich habe aber diesen Vortrag mal als Anlass genommen, mich mal im alemannischen Sprachraum nach Astronomen umzusehen.
Und wie ihr euch denken könnt, wurde ich fündig, obwohl mir GPT am Anfang einiges Geschwurbel lieferte. Sie verlegte z. B. Königsberg ins alemannische. Ja, in Königsberg gab es tatsächlich den berühmten Johann Müller, auch Regiomontanus genannt, der Kolumbus mal mit seinen guten Sternkarten und Voraussagen das Leben rettete.
Aber mit der Zeit hatte ich die Schwurblerin in der Spur. Hier stelle ich euch also heute mal drei Astronomen aus dem alemannischsprachlichen Raum vor.

1. Johann Jakob Balmer (1825–1898) – Der Vater der Spektrallinien

Geburtsort: Lausen bei Basel, Schweiz
Beruf: Mathematiklehrer, nebenberuflicher Physiker
Sprache: Baseldeutsch (alemannischer Dialekt)

Was hat er gemacht?
Balmer war eigentlich ein ganz normaler Lehrer am Gymnasium in Basel, aber ein leidenschaftlicher Mathematiker. 1885 – also relativ spät in seinem Leben – veröffentlichte er eine Formel, mit der sich die Wellenlängen des sichtbaren Lichts im Spektrum von Wasserstoff exakt berechnen lassen.
Diese Spektrallinien waren zwar schon bekannt, aber niemand konnte erklären, warum sie gerade dort auftauchten. Balmer entdeckte, dass sich die Wellenlängen mit einer einfachen Formel berechnen ließen.
Mit dieser Formel konnte man plötzlich exakt die Position der bekannten Linien vorhersagen – rein mathematisch!

Die Balmer-Formel wurde später zur Grundlage für die Entwicklung des Bohrschen Atommodells und damit für die Quantentheorie. Was Balmer also als Lehrer „im stillen Kämmerlein“ entdeckte, führte zu einem Paradigmenwechsel in der Physik.

Neben seiner Lehr- und Forschertätigkeit bekleidete er auch verschiedene öffentliche Ämter: Er sass im Basler Grossen Rat, amtierte als Schulinspektor und Armenpfleger und war Mitglied des Kirchenvorstands.
Er heiratete 1850 Christine Pauline Rinck (1825–1886), die Tochter eines Pfarrers von Grenzach. Das Ehepaar hatte sechs Kinder, darunter den Schweizer Maler Wilhelm Balmer.

Balmer war sehr vielseitig in seinen Interessen. Er beschäftigte sich mit Kabbalistik und Numerologie, so errechnete er zum Beispiel die Stufenanzahl von Pyramiden oder den Grundriss biblischer Tempel. Ausserdem beschäftigte er sich mit Architektur, Sozialhygiene und sozialem Wohnungsbau und darüber hinaus mit den gemeinsamen Grundfragen von Naturwissenschaft, Philosophie und Religion.

An seinen Schriften sieht man, wie vielseitig er war, und wie ganzheitlich er dachte.

  • Ueber Arbeiter-Wohnungen in und um Basel. s. n., Basel 1853 (Digitalisat; mit Plänen und Kostenberechnungen für eine auf der Breite ausgeführte Wohnsiedlung).
  • Des Propheten Ezechiel Gesicht vom Tempel. Riehm, Ludwigsburg 1858 (Digitalisat).
  • Die Naturforschung und die moderne Weltanschauung. Oeffentlicher Vortrag. Bahnmaier, Basel 1868 (Digitalisat).
  • Wohnungsübelstände. Vortrag, gehalten in der Generalversammlung des Basler Bauvereins den 14. September 1878. s. n., Basel 1878.
  • Die Wohnung des Arbeiters. Detloff, Basel 1883 (books.google.at).
  • Notiz über die Spektrallinien des Wasserstoffs. In: Verhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft in Basel. Band 7, Nr. 3, 1885, S. 548–560 (biodiversitylibrary.org); auch in: Annalen der Physik und Chemie. Band 261 (= Neue Folge. Band 25. Nr. 5, 1885, S. 80–87 gallica.bnf.fr).
  • Die freie Perspektive. Vieweg, Braunschweig 1887.
  • Gedanken über Stoff, Geist und Gott. Aphorismen. Werner-Riehm, Basel 1891.
  • Eine neue Formel für Spektralwellen. In: Verhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft in Basel. Band 11, Nr. 3, 1897, S. 448–460 (biodiversitylibrary.org); auch in: Annalen der Physik und Chemie. Band 296 (= Neue Folge. Band 60. Nr. 2, 1897, S. 380–391 gallica.bnf.fr).

Der Mondkrater Balmer und der Asteroid (12755) Balmer sind nach ihm benannt.

2. Johann Heinrich Lambert (1728–1777) – Der Universalgelehrte aus dem Elsass

Geburtsort: Mülhausen (heute Frankreich, damals Teil der Schweiz)
Beruf: Mathematiker, Astronom, Physiker, Philosoph
Sprache: Elsässisch (alemannisch)

Lambert war ein autodidaktisches Genie. Aus einfachen Verhältnissen stammend, arbeitete er sich zum anerkannten Gelehrten hoch. Er war der Erste, der bewies, dass die Kreiszahl $\pi$ (Pi) irrational ist – also niemals als Bruch darstellbar.

In der Astronomie befasste er sich mit der Beleuchtung von Himmelskörpern (das sogenannte Lambert’sche Gesetz beschreibt, wie hell eine Fläche aus verschiedenen Blickwinkeln erscheint), mit Kartenprojektionen und mit der Frage, wie man den Himmel mathematisch beschreiben kann.

Er war auch ein Vorläufer der Nicht-Euklidischen Geometrie, was später für Einsteins Relativitätstheorie wichtig wurde.

Lambert lieferte viele mathematische Werkzeuge, die heute in der Himmelsmechanik, Optik und Physik verwendet werden.

Er hatte ein überraschend modernes Weltbild, in dem er z. B. über unendliche Räume und Welten spekulierte.

benannt wurden der 1878 entdeckte Asteroid (187) Lamberta sowie jeweils ein Krater (Lambert)[4][5] auf dem Erdmond und dem Planeten Mars.

3. Fritz Zwicky (1898–1974)

Und hiermit kommen wir zu einer der meist illustren Persönlichkeiten, die mir in der Astronomie je untergekommen ist.
Er darf an dieser Stelle nicht fehlen.

Er war gebürtiger Schweizer aus dem Kanton Glarus, also eindeutig aus dem alemannischen Sprachraum, und dazu eine außergewöhnliche Figur in der Astronomiegeschichte – ein Freigeist, Pionier und Querdenker.

Fritz Zwicky wurde 1898 in Varna (Bulgarien) geboren, wuchs aber in der Schweiz im Glarnerland auf, wo seine Familie ursprünglich herkam.
Er sprach Schweizerdeutsch, hatte aber durch seine Bildungslaufbahn auch perfekten Zugang zu Hochsprache und Englisch. Sein alemannisches Temperament hat ihn nie verlassen – Zwicky war direkt, unbequem, brillant und dickköpfig.

Er ging in die USA, arbeitete ab 1925 am California Institute of Technology (Caltech) – aber blieb gedanklich eigenständig und unangepasst, oft zum Ärger seiner Kollegen.
Er sprach meistens tiefstes Schweizerdeutsch, und wer damit Probleme hatte, kümmerte ihn nicht. Er fluchte viel und warf mit vielen alemannischen Beschimpfungen um sich, wovon wir nachher noch hören werden.

Zwicky hat in der Astronomie Dinge vorausgesehen und entdeckt, die erst Jahrzehnte später allgemein anerkannt wurden:
1933 (!) beobachtete er Galaxienhaufen (v. a. den Coma-Haufen) und merkte, dass die Galaxien zu schnell um den Haufen kreisen, um nur durch sichtbare Materie zusammengehalten zu werden.
Er sagte:

„Da muss es no öppis Unsichtbars gä. Ich nenn’s mol dunkli Materie.“

Er war der erste, der diesen Begriff prägte und das Konzept wissenschaftlich formulierte – aber kaum jemand glaubte ihm.
Das lag sicherlich an seiner Art, Dinge derart bestimmt in die Welt zu brüllen.

Zwicky war auch Mitentdecker des Supernova-Begriffs und postulierte, dass dabei ein Neutronenstern entstehen könnte – Jahrzehnte bevor das bewiesen wurde.

„E normale Stern macht z’Bumm – und was übrig bleibt, isch kompakter als mir je denked händ.“

Wenn er noch „Und damit Basta“ hinzugefügt hätte, wunderte mich das nicht.

Er entwickelte die „morphologische Analyse“, eine systematische Methode, um kreative Lösungsräume zu erkunden – die auch heute noch z. B. in der Technik- und Innovationsforschung verwendet wird.
Was diese Methode genau beinhaltet, weiß ich gerade nicht.

Ich sagte es schon.
Zwicky war berüchtigt für seine Schärfe. Über Kollegen, die ihn kritisierten, sagte er mal:

„Ich nenn sie spheric bastards – no matter from which direction you look at them, they’re always bastards.“

Ein bisschen viel Pfeffer, aber es zeigt: Er war leidenschaftlich, auch im Konflikt. Sein alemannischer Starrsinn hat ihn zwar isoliert, aber ihm auch erlaubt, radikal anders zu denken.
Ich habe ihn nun im folgenden mal einen alemannischen Monolog halten lassen. Bin gespannt, ob und wie euch das gefällt.
Natürlich ist der frei erfunden, aber so, oder ähnlich wird er dann und wann schon vor sich hin gebruddelt und geschimpft haben. Das ist gut belegt.

I bi dr Zwicky“ – E Monolog uf Glarner-Alemannisch

Stell dir vor, dr Zwicky steht irgendwo z’Caltech im Gang, mit’m Kafi in dr Hand, Blick Richtung Himmel, und schimpft so vor sich hi – halb für sich, halb für d’Nochwelt.

Jo, grüezi mitenand. I bi dr Fritz – dr Zwicky. Glarner. Physiker. Astronom. Erfinder. Wüterich, säge d’Lüt. Aber ich säge: I bi nume ehrlich. Und ehrlich isch hyt nüm modern.

I bi 1898 uf d’Welt cho – i Bulgarie, aber mi Härz, das isch im Glarnerland bliibe. I bin glarnerdütsch gross worde, und drum red i au so. Wär mi nid verstoot, het Pech gha.
I bi denn i d’USA gange – Caltech. Jo, das mit de Rockets und de Nobelpreisträger, das isch guet und recht. Aber weisch, was mir gfehlt het? Gstandeni Lüt mit Rückgrat. Nid nume d’Lätscher, wo einander im Gwitter uf d’Schultere klopfed.
Lueg, 1933 han i öppis entdeckt. I han d’Galaxie gstudiert – und i han gseh: Die beweged sich zu schnäll. So wie wenn im Glarnerland d’Küeh schneller renne als s’Herdmandli – aber kei Hund in Sicht. Das het ke Sinn mache.“

Also han i gseit: S’git dunkli Materie. Es muss öppis Unsichtbars gä, wo d’Galaxie zämehaltet. I han’s vorgrechne. Und was hämmer griegt? Nüt als e Hohnlachä. Hahaha, dr Zwicky spinnt wieder.
Aber i han z’letschte glacht – denn hüt redet alli über d’dunkli Materie, als wär’s es neuis Müsli. Und i? I hock im Archiv. Wo blibt mis Denkmal, he?

Und denn, Supernovä. Jo, die Bumm-Stern. I han d’erst erklärt. Und i han gseit: Da blibt e Neutronenstern. E Ding so dicht, dass dr Verstand glüht. Und d’Lyt? Wieder: ‚Zwicky, jetzt wird’s absurd.‘

Aber heit hei s’feschtstellt. Und wieder heisst’s: ‚Ach, wie faszinierend!‘ – Jo, isch’s, aber i han’s scho vor 30 Jahr gseit, du Blitzmarie!

Lueg, i ha mi au mit Morphologie beschäftigt. Also ned mit Flüügle und Käfer – sondern wie me Probleme systematisch analysiere cha. I han d’morphologische Methode erfunde. Es Werkzüüg für s’Denke.

Aber i bi nid en Schleimer. Drum hei sie mi am Schluss nume halb toleriert. Aber i säge: Liebi Lüt, Wahrheit isch nid zum Kuschele. Sie isch e Hammer. Und i bi dä, wo dr Hammer gschwunge het.

Also wenn ihr das nächsch Mal i d’Sterni lueged, und euch fraget, was das dunkli Zeugs zwüsche d’Galaxie isch – denked an mi. Dr Zwicky. Dr wütige Glarner, wo d’Welt z’früh verstande het.

Und jetzt entschuldiged mi – i ha no e paar Theorien, wo d’Zukunft mir no schuldet.

Fazit

also ich finde, so viel Heimatgefühl muss erlaubt sein. Ich bin etwas stolz auf die drei.
Manche von euch, vor allem kundige Frauen denken jetzt vielleicht daran, dass die Astronomin Vera Rubin die dunkle Materie entdeckt hat. Und das stimmt auch. Sie hat aber andere Methoden benutzt als Zwicky. Und vor allem hat sie ihre Ergebnisse eleganter formuliert und gründlicher bewiesen. Aus diesem Grund muss der nächste Artikel über Vera Rubin und der Gegenüberstellung mit Zwicky handeln. Freut euch darauf.

Ein kleines Land mit großer Wirkung


meine lieben,
was macht ein Sternenonkel in einem fremden Land, einer frenden Stadt und in einem Hotelzimmer, wo er keinen Schlaf findet? Genau. Er beginnt darüber nachzudenken, was es astronomisches an dem Ort gibt, wo er sich gerade befindet.

wie sagt das Sprichwort so schön?

Und wenn man eine Reise tut, dann kann man was erzählen.

Nach langer Zeit, bin ich mal wieder auf einer dreitägigen Konferenz in Amsterdam. Dort geht es um alles rund um tastbare Grafiken, Blindenschrift und neue Technologien dazu. Ich habe u. A. einen sprechenden großen Wagen im Rucksack. Wer mal zu mir in meine Vorträge kommt, kann ihn mal erleben. Für jetzt habe ich mich darauf verlegt, mal zusammen zu tragen, was dem Sternenonkel an fremden Orten in einer schlaflosen Nacht so alles einfallen kann.
was das kleine Ländchen Niederlande so in Sachen Astronomie zu bieten hat. Und schnallt euch an. Das ist nicht wenig, und bestimmt habe ich auch noch einiges vergessen.
Also los:

Vorwort

Die Niederlande – ein kleines Land mit großer Geschichte, besonders wenn es um das Verstehen der Welt und des Himmels geht. Kaum ein anderer Ort hat in den letzten Jahrhunderten so viele Denker, Bastler, Philosophen und Sternengucker hervorgebracht, die in enger Beziehung zueinander standen. Hier treffen sich Astronomie, Navigation, Optik und Geist – eine faszinierende Mischung.

Der neue Weitblick

Um 1608 soll ein Brillenmacher aus Middelburg namens Hans Lipperhey das erste Fernrohr gebaut haben. Ob er tatsächlich der Erste war, darüber streitet sich die Fachwelt. Doch fest steht: Das Prinzip des Fernrohrs wurde in den Niederlanden geboren – und es veränderte alles.

Wenig später richtete Galilei ein verbessertes Modell gen Himmel.
Er entdeckte damit Sonnenflecken, die vier Jupitermonde Europa, Ganimet, Kalisto und IO, das unser Mond Krater besitzt, welche er Meere nannte und dass das Kopernikanische Weltbild stimmen muss.
aber der Impuls und das Instrument dazu kamen von niederländischem Boden. Ohne diese bescheidene Linse hätten wir vielleicht viel später in die Krater des Mondes und in die Ringe des Saturn geschaut.

Straßen, Wellen und Monde

Christian Huygens war das niederländische Universalgenie des 17. Jahrhunderts:. Mit einem selbstgebauten Fernrohr entdeckte er 1655 den größten Mond des Saturn, Titan. Er erkannte die wahre Natur der Saturnringe – kein fester Ring, sondern ein System aus zahllosen Partikeln.

Doch Huygens war nicht nur Himmelsbeobachter. Mit seiner Wellentheorie des Lichts legte er den Grundstein für unser modernes Verständnis von Optik. Und seine Erfindung der Pendeluhr revolutionierte die Zeitmessung – ein entscheidender Fortschritt für Astronomie und Navigation.

Orientierung auf hoher See

Im sogenannten Goldenen Zeitalter eroberten niederländische Schiffe die Weltmeere. Doch ohne Orientierung am Sternenhimmel wäre das gar nicht möglich gewesen. Navigiert wurde mit Jakobsstab, Sextant, Astrolabium – und später, dank präziser Uhren, auch mit Längengradberechnung.

Zwar war es John Harrison, der später mit seinem Chronometer wirklich schiffstaugliche Uhren baute, doch Huygens war der erste, der eine grundsätzlich seetaugliche Uhr mit Federantrieb entwarf. Ich schrieb dazu bereits in meinem Beitrag
Ein Uhrmacher revolutioniert die Seefahrt

Weldkarten

Die Kartografie florierte parallel zur Seefahrt:

  • Gerardus Mercator entwickelte die nach ihm benannte Mercator-Projektion, die Kurslinien zu Geraden machte – ein Meilenstein für die Navigation.
  • Willem Blaeu, Schüler von Tycho Brahe, wurde Hofkartograf der VOC. Er erstellte prächtige Stern- und Seekarten, die bis heute beeindrucken.

Die niederländischen Kartografen verschmolzen Wissenschaft, Kunst und praktischen Nutzen – das war europäische Spitzenklasse.

Struktur des Kosmos

In modernerer Zeit leisteten niederländische Astronomen entscheidende Beiträge zur Struktur des Kosmos:

  • Jacobus Kapteyn modellierte anhand von Sternzählungen die erste realistische Vorstellung der Milchstraße.
  • Der Kuipergürtel, dieses riesige Reservoir eisiger Himmelskörper jenseits der Neptunbahn, ist nach dem niederländisch-amerikanischen Astronomen Gerard Kuiper benannt.
    In ihm befinden sich unzählige kleine, eisige Körper, darunter Zwergplaneten wie Pluto, Haumea, makemake und möglicherweise sogar noch größere Objekte, die noch unentdeckt sind. Wegen dieser Entdeckungen wurde eine neue Definition nötig, was ein Planet überhaupt ist. Ansonsten hätten wir nicht nur acht Planeten zu lernen, sondern vielleicht hunderte..
  • Jan Hendrik Oort zeigte, dass sich die Galaxis dreht – und postulierte die heute so bekannte Oortsche Wolke, ein Kometen-Reservoir am Rande des Sonnensystems.

Beide zeigten: Auch die ferne Milchstraße kann man mit Daten und Logik zum Sprechen bringen.

Die erweiterte Bedeutung einer Linse

Man könnte meinen, Baruch Spinoza habe nur mit Worten gearbeitet. Doch der große Aufklärungsphilosoph war auch Linsenschleifer – und ein herausragender noch dazu. Seine feinen Linsen gingen an Mikroskopbauer, Astronomen und Naturforscher.

Spinoza sah die Welt als ein einziges zusammenhängendes System – seine Philosophie und sein Handwerk spiegeln ein Weltbild, in dem Wahrnehmung, Denken und Materie untrennbar verbunden sind.

Der Astronom mit gesellschaftlichem Blick

Anton Pannekoek war einer der eigenwilligsten niederländischen Denker: Astronom und sozialistischer Theoretiker. Tagsüber erforschte er Sternatmosphären, abends schrieb er über Gesellschaft, Macht und Emanzipation.

Für ihn gehörten Wissenschaft und Gesellschaft zusammen – ein Beispiel dafür, wie Denken über Sterne und Menschen Hand in Hand gehen kann.

🏛️ Forschungseinrichtungen mit Weitblick

Die niederländische Forschung ist auch heute bedeutend:

  • Die Sterrewacht Leiden ist eines der ältesten Observatorien der Welt.
  • Das Institut ASTRON betreibt mit LOFAR eines der fortschrittlichsten Radioteleskope Europas.
  • In Noordwijk sitzt das technische Zentrum der ESA, ESTEC – das Herzstück vieler europäischer Weltraummissionen.

✨ Fazit:

Die Niederlande haben uns nicht nur Tulpen, Käse und Kunst geschenkt – sondern auch neue Augen für das Universum.

Von der ersten Linse bis zur Radiogalaxie reicht ihr Vermächtnis. Ein Land zwischen Deich und Daten, zwischen Philosophie und Fernrohr, das gezeigt hat:

Man kann Himmel und Erde zugleich im Blick haben.

Ihr seht es ja selbst. Alleine in diesem Artikel sind schon wieder so viele Türchen für weitere aufgegangen. Hört denn das niemals auf?

Was? Ihr habt noch keins?

Ja, meine lieben, auch Karlsruhe hatte bis vor kurzem noch keines.
Keines was? Lasst euch überraschen…

Wir erinnern uns

Am 07.05. vor einhundert Jahren wurde im Deutschen Museum in München das erste Planetarium eröffnet.
Es ist zwar so, dass München den Projektor schon zwei Jahre vorher erhielt, aber er war irgendwie noch nicht fertig und ausgereift, und wurde deshalb nochmal zu Zeiss-Jena zurück geschickt.
Vor diesem Hintergrund schrieb ich vor zwei Jahren über
Einhundert Jahre Planetarien
und
Eine Blase voller Sterne
Vielleicht ahnt ihr es schon, wieso ich mich dieser Dinger nochmal annehme.
Dafür gibt es nämlich einen sehr guten und noch schöneren Grund.

Das Himmlische Geschenk für Karlsruhe

Endlich hat Karlsruhe am 07.05.2025 sein eigenes Planetarium bekommen.
Deshalb die Überschrift dieses Artikels „Was, ihr habt noch keins?“

Es kam, wie aus heiterem Himmel. Vor einigen Monaten erfuhr ich plötzlich davon, dass Karlsruhe ein Planetarium bekommen soll. Ein Mensch, der vorher am Deutschen Museum München arbeitete, soll Gründer und Leiter sein.
Derlei rüttelt natürlich den Sternenonkel wach. Wen könnte ich denn da jetzt fragen, wie, was und wo.
Da fiel mir Matthias ein, dessen spannende Geschichte über himmelsmodelle hier auf dem Blog zu Gast war, siehe Das Schauspiel am Himmel im Modell

Außerdem verdanken wir ihm meinen Artikel zur Die Weihnachtsmondfahrt
(Apollo8 und Joules Vernes).
Den entwickelte ich mit einem Englischen Artikel von Matthias als Grundlage. Daraus ist dann später sogar noch eine Radiosendung für ein Internetradio mit der ersten Bibellesung im All geworden.

Nicht zuletzt war Matthias eine tragende Säule des mobilen Planetariums, welches mehrfach in Durlach in der Orgelfabrik gastierte, und wo ich auch schon vortragen durfte.
Also mailte ich ihn an und fragte ihn, was er so davon hält, und wie er die Sache einschätzt.

Und ja, was soll ich sagen. Das Planetarium kam mir etwas klein vor, und es hat nur einen Projektor.
Das Gastplanetarium in Durlach war größer, und hatte mindestens vier Projektoren.
Ich dachte mir „Schauen wir mal, und sind gespannt.“

Die Einladung

Ich vergaß es schon fast wieder, weil mir klar war, dass ich zu dieser Eröffnungsfeier niemals eingeladen werden würde.
Nun bekam ich aber, quasi zwölf Stunden vor der Veranstaltung, von meinem Freund und ehemaligen Kollegen ein Whatsapp, dass ich eingeladen wäre und er mich gerne begleitet.
Durch ihn kam ich so kurzfristig dazu, weil er sich für das Naturkundemuseum engagiert, wo ich auch schon vortragen durfte. Das war kurz vor Weihnachten vor den Lockdowns. Der Vortrag schaffte es damals sogar mit einem vierminütigen Beitrag in die Landesschau.
Bei einer Kommunikation zwischen Planetarium und Naturkundemuseum, fiel scheinbar mein Name, und ich durfte zur Eröffnung kommen.
Dank an Michael, der mir das ermöglichte.

Also holte ich mir von meinen Vorgesetzten die Erlaubnis, da mal für drei Stündchen abzuhauen und sagte ihm zu.

Die Ankunft

Das Planetarium ist nicht weit weg von der Straßenbahnhaltestelle, aber für uns Blindlinge hat der Weg es in sich. Den muss ich sicher noch mehrfach üben, bis ich ihn kann.
Selbst Michael musste Googlemaps bemühen, um den Weg zu finden.
Das Gebäude war vorher ein altes Gaswerk und wurde so um die vorletzte Jahrhundertwende herum gebaut.

Als mein Freund und ich dort ankamen, erlebten wir eine Überraschung.
Was war das für eine Begrüßung und Schulterklopfen. Alle erkannten mich, erinnerten sich an mich, riefen meinen Namen, gaben mir Hände und drückten mich.

Es geht doch hier gar nicht um mich, sondern um unser neues Planetarium

dachte ich mir. Aber vielleicht darf man so etwas einfach auch mal annehmen und genießen.

Ganz ähnlich erging es mir, als wir vor vielen Jahren mal zu einer Preisverleihung des DLR ins Planetarium Mannheim eingeladen waren. Auch dort kannten viele entweder Mein Buch, meinen Blog, waren in irgend einem meiner Vorträge oder wie ich Mitglied der Deutschen Astronomischen Gesellschaft.

Die erste Berührung

Ich betastete es kurz vorsichtig von außen. Die Kuppel fühlte sich stoffig und aufgeblasen an, ähnlich wie die Außenwand einer Hüpfburg oder eine gespannte Zelltwand.
Ich gehe davon aus, dass es doppelwandig ist, und zwischen den Wänden ein Vakuum gezogen wird, damit innen nichts Falten schlägt.
Das ganze wird mit einer Stahlkonstruktion aufgespannt, von welcher ich einen Außenring ertasten konnte.
Auf jeden Fall empfinde ich immer so etwas ganz besonderes, das gläubige Menschen kennen dürften, wenn sie eines ihrer Gotteshäuser betreten, sobald ich unter die Kuppel eines Planetariums, und sei es noch so klein, trete.
Aber noch sind wir nicht beim Betreten. Noch ist das Himmelszelt durch eine große Schleife verschlossen.

Die Eröffnung

Die Feier begann, wie ihr das kennt, mit einigen Reden zur Entstehung des ganzen, und ohne wen es nicht durchführbar wäre, und wer was und wie viel gespendet hat.
Nicht falsch verstehen. Das ist alles ganz wichtig, läuft aber immer ähnlich ab.
Hier war der offizielle Teil der Feier ganz ungezwungen locker und kurzweilig, und vor allem blieben politische Sonntagsreden aus, was sehr angenehm war.
Wir standen alle ungeduldig davor und wollten einfach nur rein.

Der neue Planetariumsdirektor, Björn Wirtjes, hat eine sehr schöne und sympathische stimme. Er spricht sehr flüssig und anschaulich. Man kann ihm sehr gut zuhören.
Nun war alles offizielle gesagt. Es war nun Zeit, das Himmelszelt zu öffnen.
Matthias und der Planetariumsleiter hielten beide ein Ende einer großen Schleife in der Hand, die den Eingang in die Kuppel verschloss.
Nun erklang von Trompete und Piano gespielt, die Titelmusik von Starwars. Zu diesen Klängen wurde die Schleife vorsichtig aufgezogen, so dass sich der Vorhang langsam hob.
„Möge die Macht alle Zeit mit dem Planetarium sein…“

Der Einzug in den Tempel

Feierlich zogen wir ein. Es kam mir vor, wie bei einem Friedensmarsch mit Kerzen in den Händen. Und da war es, das transzendente Gefühl von Ehrfurcht, Demut und Frieden, dass ich vorhin erwähnte.

Unter der Kuppel waren zwei konzentrische Stuhlkreise angeordnet.
In diese Stühle ließen wir uns nieder. Sie erinnern mich an so Stühle, die man im Schwimmbad oder zum Camping benutzt. Für den besseren Blick nach oben, liegt man etwas darin. In den großen Planetarien sind die gepolstert und oft etwas drehbar.

Zunächst unternahmen wir mit dem Leiter eine kleine Reise durch den sichtbaren Teil unseres Sonnensystems begleitet von seiner schönen Stimme und sphärischer Musik.

Anschließend erzählte Matthias uns etwas über die Geschichte der Planetarien. Sehr spannend.
Was mich da irgendwie beeindruckt hatte war, dass seine Folien auch in der gewölbten Planetariumskuppel funktionierten, obwohl sie doch eigentlich für eine flache Leinwand an der Wand gestaltet sind. Offenbar konnten die Sehenden mit der Verzerrung leben.
Dann verließ uns etwas die Technik, so dass wir zum Programmpunkt „Buffet“ übergingen.

Ausklang

am Buffet ging es dann weiter mit Begrüßungen, Händedrücken und lieben bis rührenden Worten an mich.
Ganz besonders ist mir die Begrüßung des Vaters einer Reporterin im Sinn, welche mit mir mitten in den Lockdowns einen Kurzfilm für die Sendung „Volle Kanne“ drehte. Er war nach all den Jahren noch so beeindruckt von mir, meiner Arbeit und meinem Buch, dass mich das sehr berührt hat.
Leider kann ich die Reporteren auf ihrer alten Mailadresse nicht mehr erreichen, weil sie offensichtlich den Job oder die Firma gewechselt hat. Schade, denn ich hätte ihr sehr gerne von dieser Begegnung erzählt. Na ja, ihr Vater wird das sicher tun…
Dieser Beitrag für „Volle Kanne“ war damals tatsächlich eine Folge meines Auftrittes mit dem Naturkundemuseum in der Landesschau. Schade, dass ich das wegen Urheberrechts nicht mit euch teilen darf.
Auch bei diesem Auftritt im Naturkundemuseum war Michael, der mir auch das heutige ermöglichte, meine Begleitperson und Assistenz.

Und noch ein Highlight

Nach der Stärkung mit Sekt und kleinen Leckereien, gab es im Keller noch eine ganz besondere Ausstellung in Schwarzlicht

OK, „davon hat ein blinder Mensch doch eher erst mal nicht viel“ mögen manche denken. Dem war aber durchaus nicht so.

Wir waren mit dem Physiker und Künstler, der diese Ausstellung im schwarzen Licht gestalltete, fast alleine.
Er erklärte uns alles so, dass auch ich es Verstand.
Da war z. B. eine Spiralgalaxie mittels Fäden aufgespannt. An diesen hingen kleine Flauschige Flusen, die die Sterne darstellten. Diese Sternchen waren mit Weißmacher präpariert, so dass sie leuchten, wenn sie von Schwarzlicht angestrahlt werden. Fäden und Schwarzlicht sind im dunkeln unsichtbar.
Als ich noch vor etwa vierzig Jahren einen kleinen Sehrest hatte, besaß ich auch so eine Lampe und liebte ihre Effekte.
Ich gehe auch gerne in Bilderausstellungen, wenn sie gut erklärt werden.

Fazit

  • Für mich war es eine große Freude und Ehre, bei dieser Einweihung dabei gewesen sein zu dürfen.
  • Ich bin sicher, dass ich hier nicht das letzte mal war.
  • Ich bin sicher, dass wenn ich dort auftauche, dann bestimmt nicht immer nur als Besucher…
  • Mit einem Planetarium haben wir eine ganz hervorragende Möglichkeit, schon Kinder und Jugendliche an das Universum, an Technik und Naturwissenschaften, heranzuführen.
  • Ein kleines Planetarium kann größer werden und wachsen. Helfen wir ihm dabei.
  • Und das beste ist auf der Homepage von PLANET-Ka, die Erklärung zur Barrierefreiheit. Oft ist diese nur ein Ort für fadenscheinige Begründungen, wieso man das seit über zwanzig Jahren verschlafen hat, und ein Lippenbekenntnis dafür, dass man, natürlich ohne zeitlichen Horizont, daran arbeite.

    Mich freute neben der Beschreibung der Rampe, der Parkplätze etc. vor allem der Grundgedanke:

    Die Sterne sind für alle da

  • Karlsruhe ist stolz auf seinen KSC, und verzeiht ihm viele Aufs und Abs.
    Und ich bin Stolz auf unser neues Planetarium, und brenne darauf, mich dort bald auch einbringen zu dürfen.

Unser neues Planetarium wird in Würde fortführen, was mit dem anderen Mobilen Planetarium in Durlach und für mich auch in Saarlouis begann, denn der Leiter dieses mobilen Himmelszeltes, Gernot, ist vor anderthalb Jahren von uns gegangen.
Erinnern wir uns und ehren ihn mit unserem neuen Planetarium in Karlsruhe.
Möge die Macht stets mit dem Planetarium sein.
Und wen dieser Artikel jetzt neugierig gemacht hat, schau doch mal auf
PLANET-KA

vorbei.

Das Auge im All


Meine lieben,
bevor es los geht, möchte ich mich einfach mal bei euch für eure tollen Kommentare danken. Über alle Kanäle habe ich z. B. zum letzten Beitrag welche bekommen. Es waren sogar Audiokommentare darunter.
Mir ist jeder Kanal recht, den ihr benutzt, aber wenn ihr direkt auf dem Blog die Kommentarfunktion nutzt, dann hilft es dem Blog bekannter zu werden.
Also, vielen vielen lieben Dank. Ich bin demutsvoll gerührt und ergriffen.
Und jetzt gehts los.

heute möchte ich mal ein Instrument würdigen, das unser Wissen über unser Universum revolutionierte.
Darauf kam ich, weil das Gerät gestern im Zeitzeichen-Podcast gewürdigt wurde.
Vor allem von euch Sehenden wüsste ich gerne, wie der Artikel optisch wirkt, denn ich habe ihn mal mittels KI formatiert.

Hubble – Das Auge im All, das unser Universum neu schrieb

Es gibt Momente in der Menschheitsgeschichte, da wird die Neugier zur Triebfeder des Fortschritts – und ein solcher Moment war der Start des Hubble-Weltraumteleskops. Am 25. April 1990 hob es mit dem Space Shuttle Discovery ab in eine Umlaufbahn rund 570 Kilometer über der Erde. Was dann folgte, war eine Revolution der Astronomie – und eine Geschichte voller Rückschläge, Rettungen und atemberaubender Entdeckungen.

Der Schock nach dem Start – Hubbles verschwommener Blick

Kaum waren die ersten Bilder auf der Erde angekommen, wurde klar: Etwas stimmte nicht. Das Bild war unscharf. Der perfekt geschliffene Hauptspiegel hatte einen winzigen, aber entscheidenden Fehler – ein Rand war um 2,2 Mikrometer zu flach. Das Teleskop war kurzsichtig.

Die Enttäuschung war riesig. Manche nannten Hubble schon das teuerste Missgeschick der Raumfahrtgeschichte. Doch die NASA gab nicht auf – und bereitete eine Rettungsmission vor, wie es sie zuvor noch nie gegeben hatte.

Die erste Reparaturmission – chirurgische Präzision in der Schwerelosigkeit

Im Dezember 1993 startete die Raumfähre Endeavour zur legendären Mission STS-61. Sieben Astronauten wurden monatelang ausgebildet, um hochkomplexe Reparaturen durchzuführen – in sperrigen Raumanzügen, mit Spezialwerkzeugen und unter enormem Zeitdruck.

Nach dem Andocken wurde Hubble in die Ladebucht manövriert. In fünf Weltraumspaziergängen mit insgesamt über 35 Stunden Dauer ersetzten die Astronauten fehlerhafte Bauteile. Sie montierten neue Gyroskope, Kameras – und vor allem: das Korrektursystem COSTAR, eine Art optische Brille, die den Fehler des Hauptspiegels ausglich.

Dann kam der Moment der Wahrheit. Als die korrigierten Bilder auf der Erde eintrafen, hielt die Welt den Atem an. Und dann war es da: Schärfe. Tiefe. Farben. Klarheit. Der Kosmos offenbarte sich in nie dagewesener Schönheit.

Hubbles größte Entdeckungen – ein neues Bild vom Universum

Das Alter des Universums

Durch Beobachtungen entfernter Galaxien und Sternhaufen half Hubble, das Alter des Universums auf etwa 13,8 Milliarden Jahre zu bestimmen. Ein uralter Menschheitstraum wurde Wirklichkeit.

Die dunkle Energie

Hubble maß die Helligkeit weit entfernter Supernovae und fand Hinweise auf die beschleunigte Ausdehnung des Universums – ein Phänomen, das wir heute als dunkle Energie bezeichnen.

Das Hubble Deep Field – Mut zur Leere

1995 wagte Robert Williams, damaliger Direktor des Space Telescope Science Institute, ein riskantes Experiment: Er richtete Hubble für 10 Tage auf ein scheinbar leeres Stück Himmel im Sternbild Großer Bär. Viele hielten das für Zeitverschwendung – denn Teleskopzeit war äußerst kostbar.

Doch das Ergebnis war revolutionär: Über 3.000 ferne Galaxien wurden sichtbar. Später, im Hubble Ultra Deep Field von 2004, sammelte das Teleskop in über 11 Tagen mehr als eine Million Sekunden Licht – und offenbarte Galaxien aus der frühesten Zeit nach dem Urknall.

Hier kannst du das Bild des Ultra Deep Field erkunden (englischsprachig, visuell)

Die „Säulen der Schöpfung“ – Geburt von Sternen in Klang und Bild

Eines der berühmtesten Bilder stammt aus dem Jahr 1995: Die „Säulen der Schöpfung“ im Adlernebel. Sie zeigen riesige Gas- und Staubwolken, in denen neue Sterne entstehen. Das Bild wurde mittlerweile neu aufgenommen und sogar sonifiziert – also in Klänge übersetzt.

Hier kannst du Dir das Deep Field anhören.


Hier das Originalbild in hoher Auflösung

Die Suche nach anderen Welten

Hubble war auch eines der ersten Teleskope, das die Atmosphären von Exoplaneten untersuchte – und so Hinweise auf Wasserdampf und andere Moleküle entdeckte. Damit wurde ein Grundstein für die heutige Suche nach Leben im All gelegt.

Weitere Reparaturmissionen – Wartung in der Umlaufbahn

Nach der ersten Rettung 1993 folgten noch vier weitere Wartungsflüge mit dem Space Shuttle:

  • 1997 (STS-82): Austausch von Spektrografen und Kameras
  • 1999 (STS-103): Reparatur defekter Gyroskope
  • 2002 (STS-109): Einbau der Advanced Camera for Surveys
  • 2009 (STS-125): Letzte Shuttle-Mission zu Hubble – neue Instrumente und Reparaturen

Seitdem sind keine weiteren Wartungen mehr möglich.

Wie lange schaut Hubble noch in die Sterne?

Hubble ist ein Wunderwerk der Technik – aber nach über drei Jahrzehnten im All zeigen sich verständlicherweise Alterserscheinungen.

Einige seiner Gyroskope, die für die exakte Ausrichtung im Raum sorgen, sind inzwischen ausgefallen. Von den ursprünglich sechs Gyroskopen funktionieren aktuell nur noch zwei stabil – eines arbeitet mit Einschränkungen. Bei einem vollständigen Ausfall müsste das Teleskop auf einen Notbetrieb umschalten, in dem es sich langsamer und eingeschränkter bewegt.

Auch einige Kameras und wissenschaftliche Instrumente zeigen mittlerweile sporadische Ausfälle oder benötigen häufige Neustarts. Und das größte Problem: Seit der letzten Shuttle-Mission 2009 ist keine Reparatur im All mehr möglich – es gibt schlicht kein Raumfahrzeug mehr, das Hubble andocken kann.

Doch trotz allem: Hubble liefert weiter beeindruckende Bilder und wissenschaftliche Daten. Die NASA und ESA arbeiten mit Hochdruck daran, den Betrieb so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Mit cleverer Software, ausgeklügelter Redundanz und viel Erfahrung aus jahrzehntelanger Pflege kann das Teleskop auch mit weniger Gyroskopen noch wichtige Aufgaben erfüllen.

Aktuell rechnet man damit, dass Hubble bis mindestens 2030 – womöglich sogar bis 2040 – weiterarbeiten kann. Danach wird es langsam in der Atmosphäre verglühen – es sei denn, eine künftige Mission bringt es kontrolliert zurück.

Ein würdiger Abschied irgendwann – aber kein Abschied von der Faszination

Wenn Hubble eines Tages verstummen wird, bleiben seine Daten, seine Bilder und sein Erbe. Die unzähligen neuen Fragen, die es aufgeworfen hat, werden uns noch Generationen beschäftigen.

Vielleicht ist es am Ende nicht das Licht ferner Galaxien, das uns am tiefsten berührt, sondern der unermüdliche Blick eines Teleskops, das nie aufgab – selbst dann nicht, als man es schon für verloren hielt.


Ein Anlass und was wäre, wenn…


Meine lieben,
An diesem Ostersamstag, 19.04.2025 wird etwas aus dem Weltall über geeignete Antennen zu empfangen sein. Es ist zwar nichts außerirdisches, es ist von uns Menschen gemacht. Aber dennoch nehme ich das Ereignis zum Anlass für einen schon lange geplanten Artikel.
Ich bin gespannt, wie euch der Stil gefällt, den ich hierfür gewählt habe.
Österlich ist die Geschichte nicht nur deshalb, weil das gleich angekündigte Ereignis an Ostersamstag stattfindet. Sie ist österlich, weil Ostern das Fest der Hoffnung, Liebe, Umkehr und des Neubeginns ist.

Der Anlass

Ich zitiere:

Sehr geehrter Herr Jaworek,
wir erlauben uns, Sie über eine spektakuläre Aktion – zumindest für einen kleinen Verein wie die Simon Marius Gesellschaft – zu informieren.

Der Astronom Simon Marius (1573-1624), der in Ansbach als markgräflicher Hofmathematikus zeitgleich mit Galilei die vier großen Jupitermonde entdeckte, wird mit einer Botschaft aus dem All geehrt. Der Satellit QUBE der Würzburger Forschungsfirma „Zentrum für Telematik“ (ZfT) sendet in seinen freien Minuten zwischen 17. und 23. April in regelmäßigen Abständen eine Passage aus dem Hauptwerk von Simon Marius, „Mundus Iovialis“ (Die Jupiterwelt), wo dieser seine Beobachtung des Jupitersystems vorstellt. Jedes Jahr erweitert sich die Empfangbarkeit um ein Lichtjahr – zumindest im Prinzip. Nach weniger als einer Stunde ist das Signal schon weiter entfernt als Jupiter.

Wer nicht das Equipment für eigene Beobachtung auf der Frequenz 435,600 MHz hat, kann den Empfang durch die Fachgruppe Radioastronomie der Astronomischen Gesellschaft in der Metropolregion Nürnberg (AGN) auf der Regiomontanus-Sternwarte Nürnberg am Ostersamstag, 19. April von 11:30 bis 14 Uhr verfolgen.

Näheres berichtet der Blog auf dem Marius-Portal: https://www.simon-marius.net/index.php?lang=de&menu=8.

Ist das nicht spannend?
Wir senden seit über einhundert Jahren Radiowellen. Einige davon gelangen natürlich auch ins All.
Und das Gesendete entfernt sich natürlich mit Lichtgeschwindigkeit um ein Lichtjahr pro Jahr von uns.
Das bedeutet, dass die ersten Radiowellen der Menschheit theoretisch schon aus einer entfernung von über einhundert Lichtjahren empfangbar wären.
Schon klar. der Empfang dieser ersten Wellen wäre schwierig, da ihre Intensität mit dem Quadrat ihres Abstandes abnehmen. Aber, …

Was wäre, wenn….

Was würde jemand denken, der uns aus der Ferne beobachtet – nicht mit Augen, sondern mit Antennen?
Der Sternenonkel liebt es, mit Radiowellen durch das All zu lauschen.
Doch was, wenn das All zurücklauscht?
Was, wenn eine fremde Intelligenz sich aufmacht, unseren blauen Planeten zu besuchen, und dabei unterwegs all das empfängt, was wir über Jahrzehnte unbedacht ins Universum gesendet haben?
Radiowellen kennen keine Zensur. Sie tragen alles:
Musik, Träume, Angst, Wut, Wissenschaft ,
das ganze chaotische Menschsein eben.
In diesem fiktiven Monolog schlüpfe ich in die Rolle eines Außerirdischen auf interstellarer Lauschreise zur Erde. Was er hört, fühlt und denkt – das lest ihr hier.
Vielleicht erkennt Ihr Euch wieder. Vielleicht denkt Ihr sogar neu.

Der Reisende

Ich bin kein Mensch. Ich bin ein Reisender zwischen den Sternen, eine Intelligenz aus einem fernen System, das Ihr noch nicht kennt. Seit hundert Lichtjahren bewege ich mich in Richtung Eures kleinen, blauen Planeten. Und seit ebenso langer Zeit lausche ich.
Ich lausche dem kosmischen Rauschen, den Signalen, die Euer Planet unaufhörlich in den Äther hinausschreit. Radiowellen. Fernsehsignale. Digitale Datenströme. Alles, was Ihr gesendet habt, seitdem Eure Spezies begann, ihre Gedanken und Träume durch elektromagnetische Wellen zu verbreiten.

1920er: Erste Worte im All

Zuerst war es leise. Morsezeichen, Funksprüche, erste Radiosendungen. Musik aus knisternden Lautsprechern. Stimmen, die sich vorsichtig an ein unsichtbares Publikum wenden. Ich höre die Hoffnung. Die Unsicherheit. Die ersten Versuche, eine globale Stimme zu finden.

1930er–40er: Stimmen des Krieges

Dann wird es laut. Sehr laut. Die Stimme eines Mannes mit Hass in der Kehle übertönt fast alles. Propaganda, Trommeln, Marschmusik. Weltkrieg. Schreie. Gleichzeitig: Widerstand, Mut, Gedichte, Jazz. Diese Spezies kann Hass und Liebe gleichzeitig senden.

1950er–60er: Zwischen Mond und Musik

Ich höre Rock ’n’ Roll. Elvis. Die Beatles. Ich höre Martin Luther Kings Traum. Den Countdown zur Mondlandung. „Ein kleiner Schritt…“ Ich höre Träume. Grosse Träume. Aber auch Rassismus. Krieg in Asien. Atomtests.

1970er–80er: Bunte Wellen

Die Bilder werden farbig.
Disco. Star Wars. Kalter Krieg. Ich empfange Signale voller Fantasie und Technikglauben. Aber auch Ängste. Mauern. Nukleare Drohgebärden. Zugleich beginnt ein neuer Kult: Computer. Bits und Bytes flimmern durch den Raum. Eine neue Sprache entsteht, die Sprache des Internets.

1990er–2000er: Die Welt vernetzt sich

Das Netz beginnt zu summen. Ich höre Modems, Webseiten, E-Mails. Ich höre den Fall der Mauer, die Stimmen vom Tahrir-Platz, „Yes we can“ und auch „Weapons of mass destruction“. Wahrheit und Lüge reisen nun im selben Datenpaket.

2010er: Stimmen im Strom

Jetzt wird es laut. Unendlich laut. Soziale Medien überschwemmen den Raum. Jeder sendet, jeder spricht. Ich sehe Katzenvideos, höre Verschwörungstheorien, Klimademos, Popmusik, Podcasts, Hasskommentare, Gebete. Alles gleichzeitig. Alles gleich laut.
Ich höre Greta. Ich höre Trump. Ich höre Fridays for Future. Ich höre, wie Ihr Euch selbst übertrumft.

2020er: Der Kipppunkt

Dann: Stille. Lockdown. Die Welt hält den Atem an. Ich höre Beatmungsgeräte, klatschende Menschen auf Balkonen. Ich höre Fake News, Impfdebatten, Wissenschaft, Angst. Gleichzeitig steigen Eure Stimmen wieder auf: KI, Marsflüge, neue Kunstformen. Aber auch neue Kriege. Alte Konflikte im neuen Gewand.

Fazit meines Lauschflugs

Ihr seid faszinierend. Widersprüchlich. Ihr singt, liebt, lacht. Ihr tötet, lügt, zerstört. Ihr träumt vom Himmel und vergesst, den Boden zu pflegen.
Ich höre in Euren Wellen eine junge Spezies mit ungeheurer Energie. Ihr seid Kinder mit Laserkanonen. Aber auch mit Geigen. Mit Teleskopen. Mit Gedichten, Liedern und Geschichten.
Ihr seid nicht verloren. Noch nicht. Aber Ihr seid am Wendepunkt.
Wenn Ihr es schafft, Eure Empathie so weit zu senden wie Eure Radiowellen, dann, vielleicht dann, werden wir eines Tages antworten.
Bis dahin lausche ich weiter.
Ende der Übertragung.

Zum Weltfrauentag 2025


Seid herzlich gegrüßt,
Ihr kennt das schon. Leider noch viel zu wenig, aber mindestens zum Weltfrauentag am 08.03. eines jedes Jahres stelle ich euch eine aus Astronomie und Wissenschaft vor. 2023 füllte ich mit Ihnen einen ganzen Adventskalender.
Ich darf euch an dieser Stelle unbedingt meine Kategorie „Frauen“ wärmstens empfehlen.

Prolog

Bis heute sind Frauen in naturwissenschaftlich-technischen Berufen leider noch immer unterrepräsentiert. Die Statistiken sprechen hier eine sehr deutliche Sprache. Trotz Frauenbewegung, Emanzipation, Erziehungsurlaub auch für Männer, gesetzliche Gleichberechtigung und aufgeschlosseneren Männern, ist es noch nicht gelungen, diesen Missstand in den Griff zu bekommen.
Dennoch hat es immer wieder Frauen gegeben, die trotz Benachteiligung, Unterdrückung, Bildungsverbot und Leben in einer streng patriarchaisch dominierten Gesellschaft, großartiges in Wissenschaft und Astronomie geleistet haben. Sie setzten sich in einer harten Männerwelt durch und waren vielleicht sogar öfter, als man denkt, die schlaueren Köpfe. Zumindest zeugen einige Dokumente davon, dass viele starke kluge Frauen die Fäden ihrer männlichen Professoren und Vorgesetzten in Händen hielten.

Bis in biblische Zeiten hinein, kann man diese Phänomene beobachten. Somit scheint der Satz:

Der Mann kann noch so viele Dinge bauen – Es steht und fällt ein Volk mit seinen Frauen.

mehr Wahrheitsgehalt zu haben, als Mann lieb ist.
So lasst uns den Weltfrauentag 2025 damit begehen, indem wir eine Frau würdigen, von welcher ich erst Ende 2024 hörte, eine offenbar ziemlich in Vergessenheit geratene Astronomin und deren Tochter.

Wie ich sie kennen lernte

Ich war über Silvester bei meinem besten Freund und seiner Familie, wie jedes Jahr, in Saarbrücken zu besuch. Wir feierten gemeinsam mit der dortigen Pfarrers-Familie. Die Frau brachte ein Kalenderblatt mit, auf welchem die heute vorgestellte Frau kurz portraitiert wurde. Sofort bat ich sie um das Foto dieses Kalenderblattes. Und da sie es mir gab, konnte ich weiter recherchieren und präsentiere euch heute die fast vergessene Astronomin Margareta Kirch nebst ihrer Tochter.
Das foto des Kalenderblattes darf ich euch wegen der Eigentumsrechte nicht zeigen.
Und ja, wir wissen alle, dass die Kirche zu anderen Zeiten sicherlich keine Kalenderblätter gewisser Astronomen, und Astronominnen schon gar nicht, abgedruckt hätte.
Nun aber genug der vorrede.

Margareta Kirch

Margareta Kirch (geborene Winckelmann) war eine deutsche Astronomin des 17. und 18. Jahrhunderts. Sie wurde am 25. Februar 1670 geboren und war eine der ersten bekannten weiblichen Astronominnen in Europa. Sie erlangte Anerkennung für ihre astronomischen Beobachtungen und Berechnungen, insbesondere im Zusammenhang mit der Entdeckung von Kometen und der Berechnung von Kalendern.

Margareta interessierte sich früh für Astronomie und wurde von ihrem Vater und später von Christoph Arnold, einem Amateurastronomen, unterrichtet. Während dieser Zeit lernte sie ihren späteren Ehemann, den Astronomen Gottfried Kirch, kennen. Die beiden heirateten 1692 und arbeiteten fortan als Team an der Berliner Akademie der Wissenschaften.
Margareta war eine talentierte Beobachterin und Mathematikerin. 1702 entdeckte sie als erste Frau einen Kometen, doch die Entdeckung wurde natürlich typisch für diese Zeit, zunächst ihrem Mann zugeschrieben. Obwohl sie einen bedeutenden Beitrag zur Astronomie leistete, wurde sie als Frau nicht offiziell als Astronomin anerkannt. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1710 kämpfte sie vergeblich um eine offizielle Anstellung an der Akademie. Stattdessen durfte sie nur als Assistentin ihrer Söhne weiterarbeiten.

Ihre wichtigste Entdeckung war der Komet von 1702.
Sie war die erste Frau, die selbstständig einen Kometen entdeckte. Allerdings wurde ihr diese Anerkennung, wie gesagt, zunächst nicht offiziell zugeschrieben, da wissenschaftliche Arbeiten in dieser Zeit meist nur Männern zugestanden wurden. Ihr Mann Gottfried Kirch übernahm zunächst die Veröffentlichung, gab aber später zu, dass Margareta die eigentliche Entdeckerin war.

Weiter führte sie zahlreiche astronomische Beobachtungen durch, z. B. zu Planetenkonstellationen, Sonnen- und Mondfinsternissen und beobachtete und dokumentierte Wetterphänomene.

Nach dem Tod ihres Mannes 1710 beantragte sie die offizielle Nachfolge als königlich-preußische Astronomin in Berlin, wurde aber aufgrund ihres Geschlechts abgelehnt.

Sie setzte ihre Forschungen dennoch fort und arbeitete später mit ihrem Sohn Christfried Kirch an der Berliner Sternwarte zusammen.

Margareta Kirch starb am 29. Dezember 1720. Sie wird heute als eine Pionierin der Astronomie anerkannt, die sich in einer von Männern dominierten Wissenschaftswelt behauptete und den Weg für spätere Astronominnen ebnete.

Ihre Tochter

Ihre Tochter, Christine Kirch (1696–1782), wurde ebenfalls Astronomin. Sie wurde von ihrer Mutter und ihrem Vater, Gottfried Kirch, in Astronomie und Mathematik unterrichtet.
Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1710 unterstützte Christine ihre Mutter bei astronomischen Berechnungen und Beobachtungen. Später arbeitete sie an der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin, wo sie sich auf Kalenderberechnungen spezialisierte – eine damals äußerst wichtige und angesehene Aufgabe.

Obwohl Christine Kirch selbst nie offiziell als Akademiemitglied anerkannt wurde, wurde ihre Arbeit durchaus geschätzt. Sie erhielt sogar eine regelmäßige Vergütung von der Akademie, was für eine Frau in der Wissenschaft dieser Zeit bemerkenswert war.

Christine Kirch führte das astronomische Erbe ihrer Familie fort und blieb bis ins hohe Alter in der Kalenderberechnung tätig. Damit trug sie dazu bei, dass das Wissen und die Fähigkeiten ihrer Mutter weiterlebten.

Epilog

ChatGPT hat bei meiner Recherche zu diesem Artikel halluziniert, dass es sich bei Margarete Kirchs entdeckten Kometen um den Halleyschen Kometen gehandelt haben könnte. Zum Glück habe ich ihr das nicht ungeprüft durchgehen lassen.
1986 flog die Raumsonde Giotto durch den Schweif des Halleyschen Kometen. Ich war am Fernseher life dabei. Der Halley besucht uns alle 75 Jahre. War mir doch gleich so, als komme man damit nicht im Jahre 1702 heraus.
Der Halleysche Komet war in den Jahren 1682 (beobachtet von Edmond Halley) und 1758/59 (vorhergesagt von Halley und bestätigt von Johann Georg Palitzsch) sichtbar.
Schade eigentlich, dass er es nicht wahr. Ich hätte ihn ihr von ganzem Herzen gegönnt. Aber das schmälert die großartige Leistung von Margareta Kirch durchaus nicht.

Und wir merken halt mal wieder:
Die KI dreht durch, wenn man sie nicht immer an der kurzen Leine führt, die Zügel in der Hand behält, und genau weiß, wo man hin will. Jedes noch so kleine Faktum das sie liefert, will und muss geprüft werden. Nehmen wir genau dies in unser Leben und prüfen wieder etwas mehr, was so an Schein- und Halbwahrheiten oder gar an Lügen durch unsere Medien geistert.

Das Jahr der Schlange


Meine lieben,

gestern, am 29.01.2024, wurde das chinesische Neujahrsfest gefeiert.
Da bei uns einige Asiaten promovieren, bekommt man das meistens mit. Im letzten Jahr stand das chinesische Jahr im Drachen. Über diesen Glücksbringer schrieb ich in
Ein Chinesischer Glücksbringer.
Womit wir uns noch gar nicht befasst haben ist, wie sich dieses Neujahrsfest berechnet.

Wann

Das chinesische Neujahrsfest richtet sich nach dem chinesischen Lunisolarkalender und fällt auf den Neumond zwischen dem 21. Januar und dem 20. Februar.
Es findet immer am zweiten Neumond nach Wintersonnenwende statt.

Wir erinnern uns:

Auch wir benutzen solch einen Kalender, der sich nach Sonne und Mond richtet, zur Berechnung unseres Osterfestes. Daraus leiten sich dann viele andere Kirchenfeste und Feiertage ab.
Damit uns Ostern nicht durch das ganze Jahr läuft, hängen wir es an den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem astronomischen Frühlingsanfang.
Dieses erklärte ich in
Wieso ist Ostern manchmal so früh, und manchmal so spät.
Da der Islan zur Berechnung seines ramadan nur den Mond verwendet, passiert genau das. Mal ist Ramadan im Sommer, und einige Jahre später wieder im Winter.
Darüber sprachen wir in
Eine Ostergeschichte für Respekt und Toleranz

Aber zurück zum chinesischen Neujahrsfest.
Das Chinesische Neujahr fällt, wie gesagt, immer auf den zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende
Die Wintersonnenwende ist immer am 21. oder 22. Dezember.
Der erste Neumond danach tritt meist im Januar auf.
Der zweite Neumond folgt dann zwischen dem 21. Januar und 20. Februar. Genau in diesen Zeitraum fällt also das chinesische Neujahr.

Schaltmonate im chinesischen Kalender

Ein Mondjahr hat etwa 354 Tage, also 11 Tage weniger als das Sonnenjahr.
Um den Kalender mit dem Sonnenjahr zu synchronisieren, wird etwa alle drei Jahre ein zusätzlicher Schaltmonat eingefügt.
Dadurch kann sich das Neujahrsdatum leicht verschieben.

Beispiele

Beispiel für 2024, dem Drachenjahr:
Die Wintersonnenwende war am 22. Dezember 2023.
Der erste Neumond danach war am 11. Januar 2024.
Der zweite Neumond fiel auf den 9. Februar 2024 → Chinesisches Neujahr am 10. Februar 2024.

Wie es dieses Jahr war:
der benötigte Neumond begann bei uns am 29.01. gegen 13:30 Uhr, 12:30 UTC. Peking ist uns ungefähr 7 Stunden, bzw 8 Stunden zur UTC voraus. Diese Zeit wird als Grundlage genommen. Somit begann in Peking der Neumond gegen 20:30 ihrer Zeit.

Das Fest

Das chinesische Neujahrsfest, auch Frühlingsfest (Chūnjié, 春节) genannt, ist das wichtigste traditionelle Fest in China und wird über mehrere Tage hinweg gefeiert. Es beginnt am ersten Tag des chinesischen Mondkalenders und endet mit dem Laternenfest am 15. Tag.
Hier nun die wichtigsten Bräuche zum Fest:

  1. Vorbereitungen (Tage davor)
    Hausputz: Alte und schlechte Energien und Unglück werden entfernt.
    Dekoration: Rote Laternen, Glückssymbole und Spruchbänder mit Segenswünschen werden aufgehängt.
    Einkauf: Geschenke, Speisen, Süßigkeiten und rote Umschläge für das ((Hóngbāo, 红包) werden besorgt.
    In diesen Umschlägen werden Kindern und nichtverheirateten Personen Geld überreicht.
  2. Silvesterabend (Chúxī, 除夕)
    Die Familien kommen zusammen und verspeißen traditionelle Gerichte, wie Jiaozi (Teigtaschen) im Norden und Fisch im Süden Chinas.
    Fernseh-Gala: Die CCTV-Neujahrsgala ist ein TV-Highlight.
    Mitternachtsfeuerwerk: Vertreibt böse Geister und bringt Glück.
  3. Neujahrstag (Chūyī, 初一)
    Besuche bei Verwandten: Man wünscht sich Glück und Gesundheit.
    Rote Umschläge: Kinder und unverheiratete Erwachsene erhalten Hóngbāo mit Geld.
    Kein Putzen und keine negativen Worte: Damit das Glück nicht „weggefegt“ wird.
  4. Folgetage (bis zum Laternenfest)
    Besuche bei Freunden und Ahnenverehrung.
    Tanz der Löwen und Drachen: Bringt Glück und vertreibt böse Geister.
    Verzehr von traditionellen Speisen: Tangyuan (süße Reisbällchen), Reiskuchen (Niangao) und andere Spezialitäten.
  5. Laternenfest (Yuánxiāojié, 元宵节)
    Bunte Laternen werden angezündet.
    Rätselwettbewerbe: Gäste müssen Rätsel auf Laternen lösen.
    Abschluss der Feierlichkeiten.

Das Jahreszeichen

Und nun gibt es noch den astrologischen Schwurbel dazu:
Das Jahr 2025 steht im chinesischen Sternzeichen Schlange (Holz-Schlange). Es beginnt am 29. Januar 2025 und endet am 16. Februar 2026. Demnach sollte der 27.02.2026 Neumond sein.
Die Schlange wird im chinesischen Tierkreis als intelligent, weise und geheimnisvoll beschrieben. Das Element Holz bringt zudem Kreativität, Wachstum und Flexibilität mit sich.

Und hier noch ein Fazit

Das folgende fazit hat mit dem chinesischen Jahr zwar nichts zu tun, aber durchaus mit der Entstehung dieses Artikels.
Dabei hat nämlich die Alexa einen erheblichen Mist zusammengeschwurbelt. Sie behauptete steif und fest, dass es dreizehn Stunden unterschied zwischen Peking und uns wären. Dreizehn Stunden voraus würde doch sowieso niemand sagen, sondern eher elf Stunden zur anderen Richtung.
Das war mir gleich suspekt. Sofort stellte ich mir einen Globus vor, der mit Europa zu mir zeigt. Und wenn ich dort dreizehn Stunden weiter drehe, bin ich ganz auf der anderen Seite, wo China ganz bestimmt licht liegt. Ich kam in meiner Vorstellung irgendwo im Pazifik oder sonst einem Meer heraus. Das habe ich heute im Büro, wo ein 3D gedruckter taktiler Globus steht, ausprobiert, und recht behalten.
Zum Glück kann ich mir einen Globus auch dann 3D vorstellen und ihn drehen, wenn keiner da ist.

Mein Fazit für heute ist also:


Frage die KI niemals etwas, wo von Du überhaupt keine Ahnung hast.

Mein Jahresrückblick 2024


Meine lieben,
herzlich willkommen im neuen Jahr 2025.
Möge es für uns alle und die ganze Welt ein gutes Jahr werden, wenn auch gewisse Zeichen anderes andeuten.
Nachdem wir die ganze Weihnachtszeit mit unserem Adventskalender anreicherten, melde ich mich nun nach der Pause durch die Rauhnächte hindurch bei euch mit meinem Jahresrückblick zurück. Hier möchte ich einfach demutsvoll mit euch teilen, was ich und andere im letzten Jahr so auf die Beine stellen durften. Es mag manchmal etwas wie Bauchpinselei wirken, aber so ist das nicht gemeint. Fast alle Events, die hier zur Sprache kommen sollen, hätte ich nicht alleine bestreiten können. Es ist beeindruckend, wie viele oft im Hintergrund nötig sind, um Veranstaltungen möglich zu machen. All jenen gilt zunächst mal mein großer Dank.
Und ja, ich weiß. Der Artikel ist etwas länglich geworden, aber in einem Jahr passiert halt unheimlich viel. Und glaubt mir. Ich habe schon gekürzt…
Kommen wir aber nun zu meinen Highlights 2024

17.02. Astro-workshop für den DBSV-Jugendclub

Unser Institut hat vor anderthalb Jahren ein neues barrierefreies Gebäude beziehen dürfen. Dort hatte ich für diesen Tag den Jugendclub des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes Nordbaden zu einem ganzen Tag Astronomie und Weltraum eingeladen.
Mit diesem Gebäude durfte ich eine ganz wunderbare Erfahrung machen.
Diesmal funktionierten die elektronischen Türen zum Glück, sodass ich drei Stunden vor Workshop-Beginn aufbauen konnte. Das musste ich leider alleine tun, weil mir eine Assistenz wegen Krankheit absagte. Es funktionierte perfekt.
Den Sprechertisch benutzte ich für Laptop, Unterlagen und Lautsprecher. Dann benutzte ich die erste Tischreihe, nachdem ich dort die Stühle entfernte für meine Modelle und taktilen Materialien. Dann konnte man von Station zu Station direkt entlang gehen. Das alles war hoch professionell und war mir so an Anderen Vortragsorten, und ich habe derer hunderte besucht, noch nie möglich gewesen.
Selbstständig und blind einen ganzen Raum für einen Tagesworkshop ohne Assistenz vorbereiten geht meistens nicht. Das ist etwas ganz besonderes.
OK, die Audioanlage und den Beamer kann man als blinder Mensch nicht bedienen, aber das war nicht nötig. Folien gibt es bei mir nur selten, weil ich mir ja genau dadurch meine Mission zerstören würde, und Audios spiele ich immer mit meiner eigenen Anlage ab.

Einen kleinen Schatten gab es aber dennoch. Ich musste den Workshop mit relativ hohem Fieber halten. Schon am Freitag davor lag ich krank zu Bett und am Sonntag danach auch noch. Abzusagen war für mich aber niemals eine Option.
Man kann einen Workshop für Menschen mit Behinderungen nicht einfach so absagen. Da hängen Begleitpersonen, Assistenzen, Umsteigehilfen und mehr dran.
Aber mit Ibu als Raketentreibstoff starteten wir pünktlich gegen 11 unseren Streifzug durch das Weltall. Wir waren so um 20 Personen.

Für die Teilnehmenden habe ich eine Liste zusammengestellt, wo sie die Inhalte nochmal nachbearbeiten und vertiefen können.
Diese teile ich jetzt einfach auch mal mit euch, damit ihr ein Bild davon bekommt, was mir in unserem Neubau notfalls auch ohne Assistenz möglich ist.

  • Am Anfang erklärte ich euch, wieso es sich für blinde Menschen lohnen kann, sich mit Astronomie zu beschäftigen. Darüber schrieb ich auf meinem Blog und für einen Newsletter in
    https://blindnerd.de/2023/01/24/astronomie-ohne-sternensicht-2/
  • Nun erzählte ich einige Geschichten und Anekdoten wie mein Interesse für Astronomie und Wissenschaft geweckt wurde. Ich stellte euch meine Superoma, meinen Taxifahrer und meine Religionslehrerin vor, die mich für philosophische Fragen vor die Tür setzte. Das findet ihr alles in meinem Buch
    Blind zu den Sternen – Mein Weg als Astronom
  • Als Beispiel für gelebte astronomische Inklusion erzählte ich euch von der Sonnenfinsternis vom 11. August 1999.
    https://blindnerd.de/2019/07/03/finstere-erinnerungen-die-sonnenfinsternis-vom-11-08-1999/
    Die schönste deutschsprachige Beschreibung einer Sonnenfinsternis ist die von Adalbert Stifter.
    https://blindnerd.de/2022/07/08/eine-literarische-erinnerung/
  • Nun legten wir unsere Ohren an das Teleskop und hörten Weltraumklänge.
    Schon der gute alte Goethe wusste im Prolog zu Faust I, dass die Sonne tönt.
    Diese spannende Thema beschrieb ich in
    https://blindnerd.de/2019/10/08/die-sonne-toent-klingel-oder-orgelpfeife/
  • Wichtig für uns ist auch das Weltraumwetter, das im wesentlichen vom Sonnenwind bestimmt wird. Ein großer Sonnensturm könnte unsere gesamte Kommunikation stören.
    Wie gefährlich die Sonne für uns tatsächlich ist, beschrieb ich in
    https://blindnerd.de/2019/09/03/droht-gefahr-von-unserer-sonne/
  • Der Sonnenwind erzeugt aber auch die schönste Erscheinung, die man in den Polregionen im Winter erleben kann, die Polarlichter.
    Indem der Sonnenwind mit dem Magnetfeld und Teilchen der Atmosphäre interagiert, entsteht ein sehr mystisches Radioprogramm, das man sich mit passenden Antennen anhören kann.
    Auf Youtube kann man sich diese Klänge anhören und auch Bilder dazu ansehen.
    https://www.youtube.com/watch?v=Zcef943eoiQ
  • Etwas, das uns tatsächlich gefährlich werden könnte, wäre ein großer Asteroid oder Komet, davon die Erde getroffen würde.
    Meistens haben wir Glück, und die Dinger verfehlen uns.
    Meistens, aber eben nicht immer. Davon könnten die Dinos ein Lied singen.
    Wie gefährlich sind sie also wirklich?
    https://blindnerd.de/2018/06/29/droht-gefahr-durch-astroiden-aus-dem-all/

    Und die Meteore, welche uns meistens treffen, sind so klein, dass sie als Sternschnuppen in einer Leuchtspur am Himmel verglühen. Der bekannteste Meteor-Strom sind wohl die Perseiden Mitte August.
    https://blindnerd.de/2022/07/19/wuensch-dir-was/
    Und wer jetzt denkt, das wäre ja für blinde Menschen unspannend, irrt. Die Dinger machen tatsächlich während ihres kurzen Lebens Radio. Amateurfunker aufgepasst:
    https://www.youtube.com/watch?v=8GrGDunHPbg

  • Nach dieser geballten Ladung Weltraum-Radio wurde es Zeit für unsere Pizza. Dank eurer sehenden Begleitpersonen lief das super zügig ab. Und ja, auch im Weltraum gibt es Pizza. Ich hab’s euch erzählt. Für eine Kinder-Show wurde mal Pizza auf der ISS gebacken. Außerdem stellt man sich die ISS zu ihrem Schutz in eine Pizza-Schachtel eingepackt vor.
    https://blindnerd.de/2020/06/29/das-raumschiff-in-der-pizza-schachtel/
  • Nach dem Schmecken liegt es nahe, sich mal zu überlegen, wie es wohl im Weltall riecht. Schon klar. Im All, also im Vakuum riecht es zunächst überhaupt nicht. weil keine Luft vorhanden ist, die Richpartikel, welcher Art auch immer,in unsere Nasen tragen könnte.
    Es gibt aber mittlerweile sehr viele Geschichten mit Gerüchen rund um den Weltraum.
    Wie riecht der Himmel also nun?
    https://blindnerd.de/2022/01/11/wie-richt-der-himmel/
  • Beim Essen und zwischendurch hörten wir manchmal etwas Astronomie-Musik, z. B. die Filmmusik von Apollo13 und mehr. Da diese Musiken urheberrechtlich geschützt sind, darf ich diese natürlich hier nicht rein kopieren. Aber:
    Die Idee, dass die Bewegungen von Himmelskörpern, z. B. von Planeten musikalisch- harmonischen Gesetzen gehorchen sollten, geht bis auf Pythagoras und die alten Griechen zurück. Selbst Johannes Kepler versuchte in einem seiner Bücher noch, die Bahnen der Planeten auf Musiknoten abzubilden. Da liegt es doch nahe, dass man diesem Gedanken noch heute, wo wir über Computer und Sound-Systeme verfügen, nochmal auf den Grund gehen wollte.
    Und das wurde tatsächlich gemacht.
    Wie sich beispielsweise die verklanglichten Planetenbahnen anhören findet ihr unter
    https://blindnerd.de/2019/02/15/klingende-planetenbahnen-2/

    Aber auch in Klassik und Pop gab und gibt es immer wieder Kompositionen mit astronomischem Bezug.
    Der strahlende C-Dur-Akkord in Joseph Haydns Schöpfung als Gott „Es werde Licht“ spricht, jagt mir immer wieder eine Gänsehaut über den Rücken.
    Gustav Holst komponierte eine Symphonie über alle Planeten des Sonnensystems. Eine weitere von Mozart (Kv 551) ist nach Jupiter, dem größten unserer Planeten benannt.
    Sehr hörenswert in diesem Zusammenhang ist Folge 26 des Podcasts „Klassik für Klugscheißer“. Die Gruppe Schiller widmete vor vielen Jahren ein ganzes Album unserer Sonne, dem Stern von dem wir leben. Viele Filmmusiken , z. B. Starwars oder Odyssee haben sich reichlich bei den großen Komponisten, wie Wagner etc. bedient. von Boney M gibt es einen Nachtflug zur Venus. Dort sollte man allerdings besser nicht landen. Mit ihrem enormen Treibhauseffekt und bis 450 Grad Celsius am Boden und leckerer Schwefelsäure in der Luft, ist die Venus wirklich eine Scheißgegend, um sich dort zu vergnügen.
    Jeder kennt das Lied Space Oddity von David Bowie oder das wunderbare Album „The Dark side of the Moon“ von Pink Floyd. Nur, dass diese uns abgewandte Seite des Mondes durchaus nicht dunkel ist. Bei Neumond wird sie voll von der Sonne beschienen und ihre Oberflächentemperatur erhöht sich um mehrere hundert Grad.
    Kraftwerk schrieb ein ganz bemerkenswertes Stück über Pulsare und widmete ein ganzes Album der Radioaktivität.
    Keinem anderen Stern, als unserer Sonne wurden so viele Gesänge gewidmet.
    https://blindnerd.de/2020/05/10/sonnengesaenge-und-gedichte-zu-kantate-2020/
    Ich könnte hier noch ewig aufzählen. Damit könnte man alleine mehrere Stunden Vortrag füllen.

  • Nun kehrten wir zu meinem Buch zurück. Wir erfuhren, dass insbesondere die Astronomie eine große Tradition besitzt, inklusiv zu sein. Wie das?
    Ich bin stolz darauf, dass wir blinden und sehbehinderten Menschen keinen geringeren als Johannes Kepler zu uns zählen dürfen.
    Er war stark sehbehindert und hätte ohne den glänzenden Beobachter Tycho Brahe wohl nie zu seinen bahnbrechenden Gesetzen gefunden, die bis heute grundlegend wichtig in der Astronomie und Raumfahrt sind.
    Zu seinem 450 Geburtstag würdigte ich ihn in
    https://blindnerd.de/2021/12/28/alles-gute-zum-450-geburtstag-johannes-kepler/

    Ein ganz besonderes Leckerli ist eine Seite, eine Geschichte von Kepler, die fast niemand mehr kennt. Er war in gewisser Hinsicht ein „Träumer“, Visionär und Mondfahrer.
    https://blindnerd.de/2018/10/23/zum-vollmond-heute-nacht-eine-mondgeschichte/

    Der Astronom John Goodricke war vollständig gehörlos und machte Entdeckungen an Sternen, die ihre Helligkeit verändern. Das ist bis heute wichtig in der Bestimmung von Entfernungen von Himmelsobjekten. Leider wurde er nur 22 Jahre alt.

    Galileo Galilei opferte mit ziemlicher Sicherheit sein Augenlicht, indem er zu oft die Sonne ohne schützende Filter vor den Augen, und noch schlimmer, durch Fernrohre hindurch beobachtete.

    Jeder kennt den Namen Stephen Hawking.Seine Einschränkung brauche ich hier wohl kaum erklären. Will ich auch gar nicht, denn damit würde ich den größten Physiker neben Einstein des letzten Jahrhunderts auf seine Behinderung reduzieren.
    Ich würdigte ihn in
    https://blindnerd.de/2018/03/21/gedenken-an-steeven-hawking/

    Auf einem Kongress der internationalen astronomischen Union, das sind die, welche vor Jahren den Pluto als Planet rausgeworfen haben, durfte ich mehrere blinde oder sehbehinderte Astronom:innen kennen lernen, die im Laufe ihrer Tätigkeiten als Astronom:innen ihre Einschränkung erwarben. Fast alle beruflichen Karrieren finden bei Sehverlust ein sehr abruptes Ende. Nicht so in der Astronomie. Passiert dort so etwas, dann hört man eben auf, die Sterne visuell zu beobachten. Man wechselt in dem Fall einfach z. B. in die Radioastronomie oder versucht Kurven etc. akustisch darzustellen.
    https://blindnerd.de/2018/08/28/inspiring-stars-inklusionstag-auf-dem-kongress-der-internationalen-astronomischen-union-2018-in-wien/
    Astronomische Daten zu sonifizieren haben die großen Raumfahrtagenturen längst für sich entdeckt. Ob man unsichtbares Licht, z. B. Infrarotes in den sichtbaren Bereich transferiert, oder ob man ihm geschickt Töne zuordnet, ist fast dasselbe. Und ganz nebenbei. Sichtbar sind sowieso nur ungefähr vier Prozent dessen, was sich überhaupt im Universum befindet.

    Und noch etwas inklusives aus der Astronomie. Ich glaube, dass keine andere Wissenschaft so sehr von Frauen mit geprägt wurde. Die Mondfahrt wäre ohne die dunkelhäutigen damals noch sehr diskriminierten Rechnerinnen nicht möglich gewesen. In den meisten Natur- und Technikwissenschaften erreichen die Frauen mit Mühe und Not gerade mal um 10 oder 15 %. In der Astronomie sind es fast 50 zu 50 %. Dem Sternenonkel und Blindnerd sind Frauen so wichtig, dass er eine eigene Kategorie für sie eingerichtet hat. 2023 stellte er im Rahmen seines Adventskalenders 24 Frauen aus Astronomie und Naturwissenschaften vor.
    Zu den Frauen-Artikeln kommt ihr mit
    https://blindnerd.de/category/frauen/
    Zur Weihnachtspost mit
    https://blindnerd.de/category/weihnachtspost/

  • Und nun bogen wir auf die Zielgerade ein. Spätestens, wenn der Name Hawking fällt, kommt man nicht mehr an Albert Einstein, der heimlichen Herrscherin (Gravitation), Pulsaren und den schwarzen Löchern vorbei.
    Diese sind so faszinierend, dass ich ihnen eine ganze Serie von Artikeln widmen musste, um sie wenigstens einigermaßen zu erklären.
    https://blindnerd.de/category/den-schwarzen-loechern-entgegen/
  • Zu all dem betrachteten wir Modelle von Planeten, Monden, Mondrakete und Spaceshuttle.
    Hier einige Links zu Artikeln mit schönen Bildern für die Gucklinge.

    https://blindnerd.de/2018/04/06/auf-den-mond-und-zurueck-mit-lego/
    https://blindnerd.de/2018/01/23/ankunft-meiner-taktilen-relief-mondkarte/
    https://blindnerd.de/2018/01/29/sich-blind-auf-dem-mond-orientieren-geht-das/
    Sicherlich verbergen sich auf meinem Blog noch viel mehr Fotos, aber ich weiß nicht mehr genau wo.

So, das ist sie, die Nachbereitung unseres Knalls im All.
Wer das alles durcharbeiten möchte, verdient jetzt schon meine Hochachtung und meinen Respekt.
Ihr ward ein sehr interessiertes und begeisterungsfähiges Publikum.

22.02. Geburtstagskarte Parken im All

Vor einiger Zeit schrieb ich über die sog. Lagrange-Punkte. Das sind fünf Punkte, im Erd-Sonne-System, wo eine Raumsonde relativ kostengünstig mit um die Sonne fahren kann. L1, L2 und L3 liegen auf einer Linie mit der Erde und der Sonne. Aber L4 und L5 liegen so, dass sie mit Erde und Sonne ein Dreieck aufspannen. So ganz sicher war ich mir allerdings nie, wie und wo. Um so mehr freute ich mich, dass ich von unserem Team eine taktile Geburtstagskarte erhielt, die genau diese Punkte veranschaulichte.

Foto Geburtstagskarte
Geburtstagskarte

Jetzt, wo ich das mal unter den Fingern hatte, weiß ich Bescheid. Welch ein Segen, dass ich genau dort arbeite, wo ich arbeite. Nirgendwo sonst hätte ich Zugriff auf solche Materialien.

28.03. Fasten und feiern mit den Sternen

Wie wir wissen, ist die Osterzeit für uns alle astronomisch gesehen eine ganz wichtige Zeit, weil unsere und vieler anderer Kulturen Feste Fasten- und Feier-Zeiten davon abhängen.
Aus dem Artikel, der genau dieses behandelt, und den ich vor vielen Jahren schrieb, durfte ich für die BLAutor-Lesebühne eine Radiosendung produzieren. Das ist gar nicht so einfach. Ich muss lernen mit Studio-Software umzugehen, muss schauen, dass ich flüssig spreche, muss ein Mittelmaß zwischen freier Rede und abgelesenem Stoff finden, weil mir für eine flüssige Lesung die Punktschrift Grenzen setzt, und vieles mehr. Ich freue mich sehr, dass ich meine „Inklusion“ am Himmel nun auch über den „Äther“ senden kann. Daran darf ich wirklich wachsen und mich entwickeln.

09.04. Astronomie vor unserer Haustür

Für die Fachgruppe „Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften“ des Deutschen Vereins für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf (DVBS) darf ich dann und wann mal online einen Vortrag halten. So ist beispielsweise meine riesige elfteilige Serie „Die Reise zu den schwarzen Löchern“ entstanden.
Diesmal haben wir uns quasi mit der Astronomie vor unserer Haustüre befasst. Dort gibt es sehr viele Phänomene, die sehende Menschen wahrnehmen, für uns Blinde aber verborgen bleiben.
Mondphasen, Finsternisse, Flackernde Sterne, Sternbilder, Orientierung und Navigation am Himmel, all das muss für Menschen mit Blindheit veranschaulicht werden. Zum Glück schreibe und rede ich schon viele Jahre lang über derlei Themen, so dass ich hierfür mit der Zeit eine Sprache entwickelt habe, die ohne Bilder von außen auskommt, und die bei jedem das eigene Kopfkino aktiviert.

03.05. Louis-Braille-Festival Interviews und Radio mit Jugendlichen

Alle zwei Jahre findet das Louis-Braille-Festival statt zu Ehren des Erfinders der Blindenschrift. 2024 fand es in Stuttgart statt, so dass es für mich reisetechnisch gut erreichbar war. Neben vielen Angeboten rund um die Blindenschrift und anderer Themen, gab es auch einen Stand des freien Radios Stuttgart, des Radio Querfunks und des Radios der Nikolauspflege Stuttgart, einer Bildungseinrichtung für Menschen mit Sehbeeinträchtigung. Dort gestalteten wir gemeinsam mit Jugendlichen eine Radiosendung mit Musikwünschen und Interviews. Gerade für Jugendliche, die neben ihrer Behinderung auch sonst nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens stehen, ist Radio eine ganz wunderbare Möglichkeit, wo sie ihr Selbstvertrauen stärken können, indem sie etwas ansagen, ein Interview führen, oder die Technik bedienen dürfen. In diesem Rahmen wurde ich von einer Schülerin zum Thema Astronomie interviewt. Diese Schülerin war auf dem oben erwähnten Workshop mit dem DVBS-Jugendclub, so dass sie sich gute Fragen überlegen konnte. Die Freude am Radio war sehr spürbar und hat den mitwirkenden Jugendlichen sehr gut getan.
Ich bin sehr froh, dass ich nun auch mehr und mehr in Radio einsteige. Gerade jetzt, wo vieles online funktioniert, ist das eine ganz wertvolle Erweiterung meiner Möglichkeiten.

10.05. Polarlichter und KI

Wie viele von uns bemerkt haben dürften, bescherte uns die Nacht des 10 Mai wunderbare Polarlichter auch über Deutschland. Natürlich streckte ich meine Fühler aus, und bat um Fotos. Diese ließ ich mir dann von ChatGPT beschreiben. Ich war tief beeindruckt über deren Ergebnisse. Also mir ist die KI ein ständiger Begleiter und ein wunderbares Hilfsmittel geworden. Sie öffnet mir ein weiteres Stück Welt und lässt mich quasi etwas „sehen“, indem sie mir die Welt beschreibt.
Hier so eine beeindruckende Beschreibung und für Sehende das Foto dazu:
Foto Polarlichter über Rheinstetten

Das Bild zeigt einen nächtlichen Himmel, der durch Polarlichter in leuchtenden Farben von Rosa und Grün erleuchtet wird. Diese Lichter erscheinen als breite, wellenförmige Bänder, die sich über den Himmel erstrecken. Unterhalb der Lichter sind die dunklen Silhouetten von Bäumen und die Umrisse eines Gebäudes zu erkennen, was darauf hindeutet, dass das Foto in einer städtischen oder vorstädtischen Umgebung aufgenommen wurde. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Ruhe und der majestätischen Schönheit natürlicher Lichtphänomene.

21.05. Architektur zu Landkarten für blinde Menschen

Eine große Freude ist es mir, wenn ich meine Erfahrungen und mein Wissen an Studierende der Universität weitergeben darf, besonders wenn es Fachrichtungen betrifft, die sich durchaus mal mit Barrierefreiheit etc. beschäftigen sollten.
So durfte ich ein Seminar für Studierende der Architektur mit gestalten. Dabei ging es u. A. darum, wie man taktile Karten von Gebäuden erstellen kann. Den Abschluss des Seminars bildete dann ein praktischer Teil, wo in Kleingruppen taktile Karten aus verschiedenen Materialien gebastelt werden durften.
Neben gewöhnlichen Materialien, wie Holz, Pappe etc. präsentierte eine Gruppe eine auf ein feinmaschiges Fliegengitter gestickte Landkarte. Gestickte Karten gab es tatsächlich in der ehemaligen DDR. Eine Blindenschule besaß eine Stickmaschine. Solche Karten fühlen sich sehr edel an. Man kann sie rollen, falten, bügeln und bei Bedarf sogar waschen. Ich finde das eine sehr reizvolle und nachhaltige Art, solche Karten zu erzeugen.
Auf ein Leintuch passt eine ganze Menge. Sehr stolz bin ich darauf, dass der Chaos Computerclub auf seinem Kongress 2024 genau diese Idee aufgriff, und Grundrisspläne des Veranstaltungsortes stickten, und dass ich diese Karten mit entwickeln und testen durfte.
Leider habe ich momentan noch keine Fotos davon, aber die reiche ich noch nach.

22.06. Generationenhaus Häslach

Ganz besonders spannend finde ich Projekte, die Kunst und Kultur inklusiver gestalten wollen. Als Auftaktveranstaltung für solch ein Projekt durfte ich einen Nachmittag lang am Beispiel der Astronomie zeigen, was da z. B. für Menschen mit Sehbeeinträchtigung möglich ist. Besser kann man solch ein Projekt nicht anstoßen und seine Projektmitarbeiter sensibilisieren. Es war auch mal endlich wieder eine Gelegenheit, wo mich viele Freunde mal wieder life erleben konnten.

30.06. Partnerstadt Rheinstetten und Afrika (Burkina Faso)

Unsere Stadt hat Burkina Faso als Partnerstadt. Eine Delegation besuchte uns, und so überlegte sich der Beirat für Menschen mit Behinderung, wo ich auch Mitglied bin, ein Programm für unsere Gäste. Da gilt es natürlich etwas zu finden, das möglichst die Sprachbarriere überwindet, das keine überhebliche Show von Dingen ist, die sich die armen Menschen dort niemals leisten können, und das aber doch etwas ist, das sie mit nach hause nehmen können, um es dort dann für ihre Menschen mit Behinderung umzusetzen. Bei meinem Auftritt bei der IAU auf ihrem Tag der Inklusion durfte ich vieles kennenlernen, wie man auch in armen Ländern z. B. die Astronomie blinden Menschen näher bringen kann, indem man beispielsweise aus Haushaltsmüll Modelle basteln kann.

Also gestaltete ich mit einer Mischung aus Deutsch, Englisch und ja, auch mein altes verrostetes Französisch kam zum Einsatz, genau einen solchen Vortrag, in welchem ich diese Einfachheit präsentierte. Wie schon gesagt, sind mir Veranstaltung ein Graus, die dann letztlich doch nur wieder unsere abendländische Arroganz und Hybris zur Schau stellen. Da ist die Astronomie mit ihren vielen inklusiven Möglichkeiten genau das richtige.
Die Gäste waren von dieser Veranstaltung sehr inspiriert, so dass ein ganz wunderbarer Geist durch die Halle wehte.

04.11. Evang. Hochschule Freiburg

An der evangelischen Hochschule in Freiburg können Studierende der Sozialarbeit und Sozialpädagogik ein zweisemestriges Seminar zu Themen der Inklusion besuchen und sich das auf ihre Studienleistungen anrechnen lassen. Der Leiter des Evang. Blinden- und Sehbehindertendienstes Baden, wo ich auch im Vorstand mitwirke, leitet als Inklusionsbeauftragter der evangelischen Landeskirche Badens, in diesem Semester das Seminar. Er lud mich ein, mal quasi als praktisches Beispiel mit den Studierenden über Themen der Inklusion zu sprechen, um z. B. Fragen zu beantworten. Als Impulsvortrag wählte ich das inklusivste, was es gibt, die Astronomie. Ich finde es wirklich super, wenn für diese Themen schon in Schule und Studium sensibilisiert wird. Sehr gerne nehme ich derartige Angebote an. Sollte jemand von euch auch einmal so eine Veranstaltung haben, stehe ich als Referent sehr gerne zur Verfügung.

11.11. Die Dreihundert

Dass die 300 genau auf dieses Datum fiel, ist relativ zufällig passiert. Mit Karneval habe ich nichts am Hut, aber mit St. Martin dann schon eher. Der teilte seinen Mantel, und ich teile mit euch meine Inhalte. Außerdem ist der Weg vom Laternenfest zu den Laternen am Himmel nicht weit. Zu diesem Jubiläum habe ich euch in Form eurer Kommentare nochmal sprechen lassen. Seit sieben Jahren mache ich nun diesen Blog, und ihr kommentiert immer mal wieder, was mich sehr freut. Als ich aber den Artikel zusammen kopierte, und quasi eure positive Energie aus sieben Jahren Kommentaren so geballt vor mir sah, war ich doch einigermaßen überwältigt.
Zu Beginn eines jeden Jahres frage ich mich, ob ich genügend spannende Themen für ein weiteres Jahr finden werde, oder ob ich vielleicht mal etwas anderes, als dieses Projekt machen sollte. Die Themen fliegen mir aber immer zu, und bei so vielen schönen Kommentaren geht aufhören gar nicht.
Wir sind zwar relativ wenige, und irgendwie wächst meine Leserschaft nicht, aber sie schrumpft auch nicht, was ja auch schon viel wert ist.
Ich danke euch, die ihr mir die Stange haltet. Blindnerd geht weiter. Und wer sich mal über einen Kommentar hinaus bei mir einbringen möchte, darf das sehr gerne z. B. durch Fragen, Einreichung von Wunschthemen oder gar mit einem Gastbeitrag tun. All das freut mich sehr.

24.11. November Newsletter

Seit einiger Zeit veranstaltet die Sternwarte München gemeinsam mit dem Bayrischen Blindenbund astronomische Abende für blinde Menschen. Das machte mich natürlich hellhörig. Auch der Veranstalter fand mich im Netz, und so kamen wir zusammen.
Der verfasst einen ganz wunderbaren Newsletter, der wöchentlich erscheint.
In diesem Newsletter erfährt man viel zum Jahreslauf, z. B. was es gerade am Himmel zu sehen gibt, es erscheinen schöne Geschichten aus der Mytologie, Phänomene werden erklärt und oft gibt es dann noch ein Video zu einem Thema.
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist, dass alle Bilder extra für uns beschrieben werden. Das ist dem Macher des Newsletters so wichtig, dass er es sogar ausdrücklich erwähnt.
Auf diesem Newsletter war ich nun schon zum zweiten male Gast mit einem Text, der meinen Zugang, den Zugang des Blinden zum All, erklären sollte.
Außerdem bereicherte ich ihn mit einer weihnachtlichen Geschichte, wie man auf der ISS Weihnachten feiert. Nicht zuletzt durfte ich dort dann auch noch Werbung für einige Bücher machen, wo meine Wenigkeit mitwirkte und auf einige Radiosendungen und meine Adventskalender hinweisen.
Eventuell reiche ich die Ausgabe des Newsletters noch hier nach.
So, und jetzt wollt ihr bestimmt noch wissen, wie ihr diesen Newsletter abonnieren könnt.
Da es ein geschlossener Newsletter ist, müsst ihr euch per Mail an
Eberhard Grünzinger e.gruenzinger@gmx.de wenden. Der nimmt euch gerne auf. Und ich kann euch sagen, es ist immer ein sonntägliches Lesevergnügen vor dem schlafen gehen.

30.11. Freizeit Feuer

Ein Highlight für mich ist in jedem Jahr, dass ich die Freizeit des EBS-Baden mit leiten darf. In diesem Jahr beschäftigten wir uns mit allen Aspekten des Themas Feuer. Da kommt natürlich auch mein Hobby nie zu kurz. Da der Freizeitbericht noch nicht fertig ist, schicke ich euch hier meine Einladung zur Freizeit. Hier könnt ihr schon sehen, wie vielfältig das Thema Feuer ist.

Am ersten Adventswochenende von Freitag, den 29.11.2024 (17:00 Uhr) bis Sonntag (14.00 Uhr), den 1.12.2024, findet unsere jährliche Freizeit im Tagungshaus Sankt Bernhard in Rastatt statt.

Nachdem wir uns im letzten Jahr mit Steinen und im Jahr davor mit dem Wasser beschäftigt haben, wollen wir uns auf dieser Freizeit dem Feuer von allen Seiten nähern. Die Nutzung und Beherrschung des Feuers war für die Entwicklung der Menschheit mindestens so wichtig, wie die Erfindung des Rades. Gekochtes und Gebratenes war einfach bekömmlicher. Das Feuer gibt uns Wärme, Licht und Schutz. Jeder kennt das Feuer der Leidenschaft und der Liebe. Feuer kann aber auch außer Kontrolle geraten, wie man es in Schillers Glocke wunderbar nachlesen kann. Dann muss die Feuerglocke warnen, die normalerweise zum Gottesdienst einladen soll. Und damit wären wir dann beim Feuer und seinen verschiedenen Bedeutungen in der Bibel. Moses und das Volk Israel folgte einer Feuersäule des Nachts durch die Wüste. Dem Propheten Daniel und seinen Gefährten konnte das Feuer im Feuerofen nichts anhaben. Das Pfingstwunder wurde von Feuerzungen begleitet und Elias fuhr in einem Feuerwagen in den Himmel ein.

Und da sind wir also am Himmel. Da gibt es in vielen Kulturen die Sonne als Feuerrad. Außerdem wurden die Sterne als Feuer, das durch die verschiedenen Himmelsphären leuchtet, beschrieben. Tatsächlich sind wir alle Kinder des Feuers, denn alles, woraus wir bestehen, wurde im Höllenfeuer sterbender Sterne und anderen Inferna gebacken.

01.12.2024 – 24.12.2024 Der Blindnerd-Adventskalender

Es ist unglaublich, aber diesen Adventskalender gibt es nun tatsächlich schon das vierte Jahr in Folge.
2021 und 2022 waren sehr bunte Kalender mit Geschichten, Liedern, Musik und mehr. In 2023 stellte ich hinter jedem Türchen eine Frau aus Wissenschaft und Astronomie vor.
2024 stand der Adventskalender ganz unter dem Motto kosmischen Staunens und des sich wundern. So ein Kalender macht trotz Unterstützung von KI sehr viel Arbeit, aber die hat sich gelohnt. Eure Rückmeldungen zeigen mir, dass das Thema sehr gut angekommen ist. Das freut mich sehr. Auch der verlinkte Adventskalender zum Arbeitskreis blinder Autoren, den ich ebenfalls administriere, wurde begeistert gelesen.
Ich kann euch jetzt schon verraten, dass das Motto für den Adventskalender 2025 bereitz fest steht, aber bis da hin dauert es noch ein bissel.
Und wer sich jetzt noch dafür interessiert, darf ich herzlich auf meine Kategorie Weihnachtspost einladen. Dort findet ihr alle Kalender (96 offene Türchen).

09.12. Astropop

Manche von euch haben es vielleicht in den Ankündigungen vor dem Adventskalender gelesen, wo ich u. A. diese Radiosendung bewarb. Das war wirklich eine Sendung ganz besonderer Art.
Auch hier die Ausschreibung zur Sendung, damit ihr ein Bild davon bekommt, was ich da so über den Äther blies.

Gerhard, der Sternenonkel präsentiert auf der BLAutor-Lesebühne
„Astropop“
Für alle, die sich, wie ich, nicht nur für das Weltall, sondern auch für Musik interessieren, ist diese Sendung genau das richtige.
Das Weltall hat schon immer auch Musiker aller Sparten inspiriert.
Wir werden uns einige Lieder aus Pop und Rock anhören, die astronomischen Bezug haben. Dazwischen gibt es Hintergründe zu den Stücken und auch etwas Astro-Wissen.
Heben wir also musikalisch ins Weltall ab.

Hier veröffentlichen darf ich die Sendung leider nicht, da GEMA-Pflichtige Musik darin enthalten ist. GEMA-Frei senden durfte ich sie aber im Dezember.
Wer sich für die Sendung dennoch interessiert, darf gerne mit mir Kontakt aufnehmen.

23.12. Die Weihnachtsmondfahrt

Manche erinnern sich vielleicht noch an die Sendung die Weihnachtsmondfahrt Apollo8 von 1968 und den Parallelen zu Jules Vernes Roman „Die Reise um den Mond“. Daraus durfte ich für die Hörzeitschrift des Arbeitskreises blinder Autoren eine Lesung gestalten. Und aus dieser ist die Sendung entstanden, um die es hier geht.
Auch hier die ausschreibung für euch:

Der Sternenonkel präsentiert: Die Weihnachtsmondfahrt
Diese Lesung richtet sich an alle, die sich für Raumfahrt und spannende Weltraumabenteuer interessieren.
Apollo 8 war eine bedeutende Mission des US-amerikanischen Apollo-Programms der NASA und die erste bemannte Raumfahrtmission, die den Mond umkreiste. Der Start erfolgte am 21. Dezember 1968, und das Raumschiff kehrte am 27. Dezember sicher zur Erde zurück. Es war das erste Mal, dass Menschen die Schwerkraft der Erde verließen und sich in die Umlaufbahn eines anderen Himmelskörpers begaben.
Die Idee dieser Mondfahrt ist aber einhundert Jahre älter. Kein geringerer als Jules Vernes beschrieb in seiner „Reise um den Mond“, wie so ein Flug um den Mond herum ablaufen könnte. Es scheint, als habe die Nasa seine Ideen fast eins zu eins umgesetzt. Begebt euch also mit mir auf diese spannende Reise zum Mond.

Die Rakete könnt ihr folgendermaßen besteigen:
Ja, besteigen, denn diese Sendung darf ich mit euch teilen. Hier ein Link zum Download:
Link zur Sendung
So, und damit sind wir am Ende des Jahresrückblicks 2024. Ich hoffe, er war nicht zu lang und etwas spannend für euch.

Jetzt wünsche ich für uns alle ein gutes Jahr. Ich bin gespannt, wie es hier mit Artikeln weiter geht, denn ich weiß es noch nicht, was mir als nächstes ins Auge springt.

Es Grüßt

euer Sternenonkel Gerhard.

Ankündigungen

Meine lieben,
rein Rechnerisch ist das nun die Nummer 301. Aber die zählt nicht. Wir beginnen am ersten Advent mit dem Start mit der 301.
Nichts desto Trotz ist das ein wichtiger Artikel für euch. Er enthält spannende Ankündigungen zur ‚Weihnachtszeit und darüber hinaus. Außerdem gibt es noch spannende Geschenktipps für euch.
Wundert euch nicht über die Sprache, aber ich durfte diese Ankündigungen in einem großen Astro-Newsletter veröffentlichen, was man eben sprachlich merkt.
Also los:

1. Sendungen

Ja, das muss man schon zugeben. Was seit der Pandemie online so möglich ist, vereinfacht die Durchführung von Veranstaltungen doch enorm.
Natürlich trete ich lieber auf Bühnen mit richtigem Publikum auf, um dort dann die Rampensau zu sein. Aber es ist eben auch gerade für mich mit meiner Sehbeeinträchtigung nicht immer einfach, zu verschiedenen Orten zu reisen.
Oft braucht man dafür eine Begleitperson, die man erst mal finden und eventuell sogar bezahlen muss, oder man muss sogar noch irgendwo, wo man sich nicht auskennt, übernachten.
Selbiges gilt natürlich alles auch für Menschen, die mich zwar hören wollen, es aber aus oben genannten Gründen nicht schaffen, so eine Reise zur Veranstaltung auf sich zu nehmen.
Von da her ist online manchmal auch ein Segen. Im Dezember und Januar habe ich die Möglichkeit über unsere BLAutor-Lesebühne Sendungen auszustrahlen.
Diese können zum einen über ein Web-Radio und zum anderen über die A-Damen von Amazon angehört werden.
Ihr könnt den Sendungen auf zwei Möglichkeiten lauschen. Diese kopiere ich euch hier einmal hin, und nicht unter jede Sendung einzeln.

  1. Zuhören mit dem Web-Radio BLINDzeln eins:
    https://live.radio.blindzeln.org/1
  2. Zuhören mit Amazon Echo Assistent Alexa:
    Befehl: „Alexa, starte BLINDzeln eins!“

Die Sendungen sind:

Mo, 09.12., 20:00 Astropop

Die Raumfahrt, das Universum und Astronomie haben alle Bereiche von Kunst und Musik stets beflügelt. Lasst uns in dieser Sendung mal hinein hören, was es hier so an Beispielen gibt.
Wir hören gute Musik und erfahren einige Hintergründe über die vorgestellten Stücke.

23.12. Die Weihnachtsmondfahrt

Apollo8 und Jules Vernes
Manche von euch erinnern sich vielleicht noch daran, dass ich dazu vor einiger Zeit mal einen Artikel geschrieben habe. Genau diesen wärmte ich zu einer Radiosendung (Lesung) auf.
Viele große Erfindungen werden bevor sie ausgeführt werden, erst mal geträumt und gedacht. So ein Fall ist die Mondfahrt von Jules Vernes. Ihr erfahrt in dieser Sendung, welch unglaubliche Parallelen es zur Weihnachtsmondfahrt Apollo8 1968 gab.

Mo. 13.01.2025 20:00 Der Blindnerd in der Friedensbewegung

Der Ausbruch des Krieges in Europa vor zwei Jahren war mir ein Anlass, einen Artikel zu veröffentlichen, der meine Arbeit in der Friedensbewegung aufzeigt.
Er ist ein gutes Stück Biographie von mir und geht weit über die Friedensarbeit hinaus. Diesen Artikel durfte ich mit passenden Friedensliedern verschiedener Liedermacher anreichern,
so dass daraus eine Sendung entstanden ist. Dieses Friedenszeichen möchte ich gerne im Sinne eines geeinten, gesunden und friedlichen Europas mit euch teilen.          

27.01.2025 Kinderträume

Der Traum vom Fliegen, die Eroberung des Alls und viele Abenteuergeschichten haben mich schon als Kind beflügelt.
Diese Träumereien werde ich an diesem Abend mit euch teilen.
Diese Sendung verbindet Träume, Musik und Astronomie auf eine wunderbare Weise miteinander.

Hier nochmal die Zugänge:

  1. Zuhören mit dem Web-Radio BLINDzeln eins:
    https://live.radio.blindzeln.org/1
  2. Zuhören mit Amazon Echo Assistent Alexa:
    Befehl: „Alexa, starte BLINDzeln eins!“

Ein Adventskalender der besonderen Art

Schon seit drei Jahren veranstalte ich auf Blindnerd einen Adventskalender mit astronomischem Bezug.
Wer vom 01.12. – 24.12. bei mir vorbeischaut, wird jeden Tag ein neues Türchen mit einer spannenden Geschichte vorfinden. Im letzten Jahr hatte ich beispielsweise vierundzwanzig Frauen aus Wissenschaft und Technik zu Gast. Welches Motto ich in diesem Jahr wähle, verrate ich noch nicht.
Ach ja, eines noch. Genau genommen bekommt ihr an jedem Tag quasi eine Doppeltür, denn meinen Adventskalender überkreuze ich mit dem des Arbeitskreises BLAutor, den ich auch administriere. Somit gibt es Wissenschaft und Literatur und Weihnacht in einem…
Und wer jetzt neugierig darauf geworden ist, was der Blindnerd so in seinen älteren Weihnachtskalendern versteckt hatte, kann gerne meine Weihnachtspost besuchen.
https://blindnerd.de/category/weihnachtspost/
Kommt einfach jeden Tag bis zum 24. Dezember, und hoffentlich danach auch noch, hier vorbei, und öffnet die Türchen des Blindnerd-Adventskalenders 2024.
Wer den Blog abonniert hat, wird sowieso erinnert.

Geschenktipps

Der Arbeitskreis blinder Autoren (BLAutor) hat drei Anthologien herausgegeben, die auf ganz wunderbare Weise Einblick in die Welt und das Leben von blinden Menschen bieten.
Diese eignen sich ganz wunderbar auch als Weihnachtsgeschenke. Der Erlös aus diesen Büchern fließt ausschließlich unserer BLAutor-Kasse zu.
Dieses Geld ermöglicht es unserem Schreibzirkel, derartige Projekte durchzuführen, unsere Homepage zu finanzieren und Hörbuch-Aufsprachen zu ermöglichen.
Ja, und nicht zuletzt, so viel Werbung muss erlaubt sein. Auch ich durfte mich an allen drei Büchern beteiligen.
Die Bücher heißen:

  1. Blind Verliebt

    Klappentext
    Beinahe jeder mit Lebenserfahrung war schon einmal blind verliebt. Blind verliebt in dem Sinne, dass die neue Partnerin, der neue Partner in einem völlig falschen Licht gesehen wurde. Ihr attraktives Aussehen, sein anziehendes Charisma, ihre geheimnisvollen Augen, seine sonore Stimme, ihr Geschmack fürs Detail, seine beruhigende Gelassenheit waren letztendlich doch nur Fassade. Doch das Wort „blind“ darf auch wörtlich genommen werden. Diese Anthologie wurde von sehbehinderten und blinden AutorInnen mit lebendigen Geschichten gefüllt. Blinde Menschen verlieben sich selbstverständlich auch im doppelten Sinn hin und wieder blind. Die meisten Menschen träumen von der wahren Liebe und verschließen auch dann mal die Augen vor der Wirklichkeit. Können sich eigentlich auch Tiere blind verlieben? Lassen Sie sich überraschen!
    https://www.blautor.de/blind-verliebt/

  2. Abenteuerliche Anekdoten blind erlebt

    Jeder Mensch mit Lebenserfahrungen hütet einen Schatz voller Anekdoten, die knisternde Spannung hervorrufen oder aufgrund von Pleiten, Pech und Pannen zum Lachen einladen.
    Gerade bei Sehbehinderten und Blinden häufen sich solche Anekdoten anscheinend besonders.
    Liebe Sehende, begeben Sie sich mit dieser Anthologie auf verschiedene Abenteuerreisen der 20 sehbehinderten Autor*innen.
    Verirren Sie sich in einer Teufelsschlucht.
    Füttern und reiten Sie ohne zu sehen einen echten Elefanten.
    Versuchen Sie, ohne zu sehen mit einem Gehörlosen zu kommunizieren.
    Umarmen Sie blind liebevoll einen völlig fremden Menschen, weil Sie diesen mit Ihrem Partner verwechseln.
    Setzen Sie sich aus Neugier blind hinter das Lenkrad eines Autos, das dann plötzlich eine Bergstraße hinabrollt.  
    Lassen Sie sich überraschen. Jede Anekdote in diesem Buch wird Sie rühren oder amüsieren.
    https://www.blautor.de/abenteuerliche-anekdoten-blind-erlebt/
    Dieses Buch ist über die Hörbüchereien für blinde Menschen ausleihbar.

  3. „Farbenfrohe Dunkelheit“

    Von humorvollen Anekdoten, ergreifenden Biografien, niedlichen Tiergeschichten, knallharten Short-Krimis, anspruchsvoller Philosophie bis zu poetischen Versen
    streift jeder Leser in diesem Buch mit Gewissheit sein Lieblingsgenre. Die farbenfrohen, fantasiereichen und humorvollen Gedanken der BLAutorinnen und
    BLAutoren bewegen sich quer durch alle Gattungen. Das fesselt und verspricht Kurzweil.
    Seit 30 Jahren kreieren sehbehinderte und blinde Poeten und Schriftsteller in ihrem
    Arbeitskreis BLAutor literarische Texte. Manche von ihnen sind längst im Buchmarkt zuhause.
    https://www.blautor.de/farbenfrohe-dunkelheit-erste-anthologie-des-arbeitskreises-blautor/
    Auch dieses Buch ist bei den Hörbüchereien für blinde Menschen ausleihbar.


So, meine lieben, und jetzt hoffe ich, dass wir uns bei der ein oder anderen Gelegenheit hören. Ich werds ja dann eventuell an den Kommentaren sehen.
Habt eine gute und entspannte Vorweihnachtszeit.
Euer Sternenonke.