Bladventskalender22, 16.12. Weihnachtliche Mundart

meine lieben,
im Bladventskalender21 stellte ich euch vor eine sprachliche Herausforderung, indem ich euch ein alemannisches Krippenspiel hinter ein Türchen packte. Mit der alemannischen Sprache bin ich aufgewachsen. Leider habe ich mittlerweile fast keine Gelegenheit mehr, mit jemandem richtig schönes Alemannisch zu sprechen. Die alten, die es gut konnten, sind inzwischen von uns gegangen, und viele jüngere sprechen eher Hochdeutsch. Um dem Verfall dieses wunderbaren Dialektes zumindest in unserer Familie entgegenzuwirken, veranstalteten wir immer an einem Weihnachtsfeiertag, wenn wir uns alle besuchten, einen kleinen Lesewettbewerb auf Alemannisch. Meine Großmutter entschied dann stets, wer gewonnen hatte, weil sie diesen Dialekt noch komplett beherrschte. Für mich war dieser Wettbewerb nie ein Problem, aber für meine Nichten und Neffen war er durchaus nicht ganz leicht, weil sie durch all die hochdeutschen Medien keinen so großen Bezug zum Dialekt hatten, als wir früher.
Schade, dass es dieses Weihnachtsereignis nicht mehr gibt, weil meine Großeltern inzwischen gestorben sind, und wir uns auch nicht mehr in dieser großen Runde treffen können.
Weil ich gerne an dieses zurück denke, und weil ich meine Muttersprache liebe, gibt es heute die Weihnachtsgeschichte auf Alemannisch. Wer sich noch an das Hörspiel von letztem Jahr erinnert wird merken, dass dieses Alemannisch etwas anders klingt, als hier in der Weihnachtsgeschichte. Das liegt daran, dass der Sprecher vermutlich aus der Gegend von Lahr stammte. Dort klingt der Dialekt etwas weicher. Es fehlen vor allem das schweizerisch klingende kehlige CH, und es ist eher elsässisch gefärbt.
Lasst euch jetzt auf diese schöne Weihnachtsgeschichte ein. Ihr werdet sie verstehen, denn die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium kennen wir alle.

Bladventskalender22, 15.12. der Glockenstern

Meine lieben,
heute geht es darum, dass unsere Sonne durchaus auch mit einer Glocke verglichen werden kann. Und ohne Glocken, keine Weihnacht.
Viele von uns haben es noch in der Schule gelernt:

Die Sonne tönt nach alter Weise,
in Bruder Sphären Wettgesang.
Und ihre vorgeschrieb’ne Reise,
vollendet sie mit Donnergang

Aus Goethes Prolog im Himmel Faust I.

Ist klar. niemand kann die Sonne hören. Schon alleine deshalb nicht, weil 149 Mio Kilometer Vakuum zwischen ihr und uns liegen.
Trotzdem wird an dieser Stelle die Sache etwas absurd. Wir beobachten, dass die Sonne brodelt. Wir sehen, dass die Sonne schwingt. Wir hören leider nicht, wie sie klingt, obwohl der Schall im Stern enorm sein muss und neben der Konvektion für das Wallen, Brodeln, pulsieren und Schwingen des Sterns verantwortlich ist.
Die Sonne ist ein einziger riesiger Resonator.
Die Schwingungsmuster an ihrer Oberfläche verraten den Sonnenforschern viel über das Innere der Sonne, z. B. was sich in ihren Schichten tut, wie innere Schichten rotieren, man kann überprüfen, ob die Modelle des inneren der Sonne, z. B. zur Temperatur etc. ungefähr passen, und vieles mehr.

Da die Ränder der blasen, auch Granulen genannt, kühler sind, leuchtet die Sonne dort stets etwas dunkler. Durch den Dopplereffekt kann man sehen, wenn sich eine Granule auf uns zu bewegt. Dann ist das Licht etwas ins blaue hinein gestaucht. Ins rote, wenn sich eine von uns entfernt, z. B. auflöst.
Die Frage ist nun, ob dieses Geblubber analog zum Sturm im Wasserglas auch den ganzen Stern zum Schwingen bringt.
Ein Kochtopf wird ja auch vom kochenden Wasser in Schwingung versetzt und mit ihm meist auch der ganze Herd samt Arbeitsplatte.
Manche Wasserkocher beginnen regelrecht Melodien zu singen, wenn das Wasser langsam zu kochen beginnt.

Der Schall pflanzt sich in unterschiedlichen Materialien und unterschiedlichen Aggregatzuständen (gasförmig, flüssig, fest) unterschiedlich schnell fort. Das machen Seismologen sich zu Nutze, um das innere der Erde zu erforschen. Plattentektonik, Vulkane erzeugen Schall. Das kann für Frühwarnsysteme unverzichtbar sein. Manchmal erzeugt man auch künstlich Schall, um ihn an anderer Stelle zu empfangen, um Rückschlüsse darüber zu erlangen, ob er beispielsweise durch eine Gasblase oder eine Flüssigkeit gegangen ist.

Das geht so natürlich bei der Vermessung unserer Sonne nicht. Dennoch lohnt es sich, das ganze Geblubbere und Gewabere auf ihrer Oberfläche zu beobachten. Genau das tut die Astroseismologie. So fand man beispielsweise eine Schwingung des ganzen Sterns, die sich alle fünf Minuten wiederholt. Das bedeutet, dass die Sonne sich alle fünf Minuten mal etwas aufbläht, um anschließend wieder zu schrumpfen. Man hat auch noch andere Schwingungsmuster gefunden.

Die Schallwellen in der Sonne verraten uns, wie unterschiedlich schnell sich einzelne Schichten bewegen. Erst tief in ihrem Innern dreht sie sich, wie ein starrer Körper, z. B. die Erde. Die anderen Schichten darüber laufen z. B. dieser Drehung voraus. Als Gasball kann die Sonne das so tun. Ganz erforscht und verstanden ist das aber alles bis heute noch nicht. Die neue Raumsonde, der Solar.Orbiter, wird uns hier sicherlich noch viel neue Erkenntnis bringen.

In diesem Sinne verhält sich unsere Sonne, als wäre sie eine Art Gong. Angeschlagen wird er von den sich stets verändernden Granulen, die wie Regen auf einem Blechdach den ganzen Stern quasi zum “klingen” bringen.
Die Nasa hat das mal sonifiziert, wobei ich jetzt nicht weiß, ob sie den Fünf-Minuten-Rhythmus oder eine andere Eigenschwingung verwendet hat.
https://www.scinexx.de/news/kosmos/so-klingt-unsere-sonne/
Ganz besonders zu Weihnachten ist es doch wunderbar, dass man unsere Sonne und auch alle anderen Sterne als Glocken betrachten kann.
Welch schönes weihnachtliches Gebimmel.

Bladventskalender22, 14.12. Zum Stern von Betlehem

Meine lieben,
im letzten Jahr befassten wir uns mit der Frage, ob der Stern von Betlehem eventuell ein Komet war, weil er oft so gezeichnet wird.
Das ist aber durchaus nicht der einzige Vorschlag, was er gewesen sein könnte.
Hier eine weitere Idee und die Geschichte dazu:

Die Huldigung der Sterndeuter: Matthäus 2, 1–12

  1. Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem
  2. und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.
  3. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.
  4. Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle.
  5. Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten:
  6. Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.
    Micha 5, 1.3; 2. Samuel 5, 2
  7. Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war.
  8. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.
  9. Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.
  10. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.
  11. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.
  12. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

Idee Konjunktions-Theorien

Seit dem Sassanidenreich im 3. Jahrhundert sahen Astrologen in einer großen Konjunktion (Begegnung) der Planeten Jupiter und Saturn Vorzeichen wichtiger historischer Ereignisse, etwa eines neuen Zeitalters, einer neuen Dynastie, der Geburt eines Propheten oder eines gerechten Königs. Jüdische Gelehrte wie Māschā’allāh ibn Atharī, Abraham Ibn Esra und Levi ben Gershon folgten dieser Grundannahme. Manche ihrer Vorhersagen wurden im jüdischen Messianismus auf die Geburt des Messias bezogen.
Der Astronom und Astronomiehistoriker Konradin Ferrari d’Occhieppo wies seit 1964 in mehreren Publikationen auf die bereits von Kepler bemerkte und sehr seltene dreifache Jupiter-Saturn-Konjunktion im Zeichen der Fische hin. Diese schien gut in den ungefähren Zeitraum der Geburt Jesu zu passen. Laut d’Occhieppo musste ein babylonischer Astronom eine solche Konjunktion als Hinweis auf ein Ereignis in Israel (Judäa) verstehen, weil Jupiter der Stern des babylonischen Gottes Marduk gewesen sei, während Saturn als Planet des jüdischen Volkes gegolten habe. Der westliche Teil des Fischezeichens habe unter anderem für Palästina gestanden. Daraus hätten babylonische Astronomen folgern können: Königstern (Jupiter) + Israelschützer (Saturn) = „Im Westen (Sternbild der Fische) ist ein mächtiger König geboren worden.“
Als Einwände werden genannt:

  • Ein dreimaliges Zusammentreffen von Jupiter und Saturn komme selten vor und führe nie zur Verschmelzung beider Lichtpunkte, so dass es sich nicht zwingend auf den einen, in Mt genannten Stern beziehen lasse.
  • Matthäus gebrauche das griechische Wort für „Stern“ und nicht das für „Planet“ oder „Planetenkonstellation“. Man habe damals sehr wohl zwischen Fixsternen und Planeten unterscheiden können. Dieser Einwand setzt voraus, dass der Evangelienautor diese Unterscheidung kannte.
  • Zweifelhaft sei vor allem, ob Saturn für babylonische Astronomen der kosmische Repräsentant des Volkes Israel war. Saturn (akkadisch kewan) wurde nach babylonischer Deutung mit dem Land Syrien verbunden, nach griechischer Deutung mit dem Gott Kronos, der in manchen antiken Zauberbüchern mit dem jüdischen Gott JHWH gleichgesetzt wurde – möglicherweise wegen des jüdischen Sabbat, der mit dem „dies Saturni“ (Saturnstag, englisch Saturday) zusammenfiel. Eine Siebentagewoche mit Planetennamen als Tagesnamen war bei den Babyloniern gebräuchlich. Trotzdem erscheint die Übertragung vom Planeten Saturn auf das Judentum zweifelhaft, da dessen Verehrung im Tanach geradezu als ein Zeichen des Abfalls vom Judentum erscheint
  • Heute sind mindestens vier Keilschrifttafeln bekannt, auf denen die Babylonier die Ephemeriden (Umlaufbahnen) von Planeten wie Saturn und Jupiter im Jahr 7 v. Chr. vorausberechnet haben. Dort spielte deren große Konjunktion keinerlei Rolle. Ob die Babylonier ihr überhaupt Bedeutung beimaßen, ist daher ebenfalls zweifelhaft.

Bis heute hat die Konjunktions-Idee nichts an Faszination eingebüßt. Um die Weihnachtszeit bieten Planetarien immer wieder Reisen in die Vergangenheit zur Geburt Jesu an.
Es gibt noch weitere Konjunktions-Ideen, bei denen Mond und Venus noch eine Rolle spielen, aber die erspare ich uns an dieser Stelle.
Tja, leider sind wir auch mit dieser Idee etwas im unklaren. Macht nichts, denn das Weihnachtsfest bedeutet ja, dass wir dem Stern im Herzen folgen.

Bladventskalender22, 13.12. Weihnachtlich Hörenswertes

Hallo zusammen,

so, jetzt wird das Türchen 13 endlich nachgereicht.
Hier habe ich einige weihnachtliche Hörtipps für euch. Da gibt es die sehr schöne Sendung Radiowissen von Bayern 2, die man auch als Podcast abonnieren kann. Hier habe ich in letzter Zeit einige wunderbare Folgen nachgehört, die im Laufe des Dezembers erschienen sind.

Die Folgen dauern immer so um 20 Minuten.
Ich hoffe, dass ihr sie abspielen könnt. Ich habe mir Radiowissen als Podcast abonniert. Dann geht es einfacher, als in den Mediatheken zu stöbern.

Ich wünsche euch viel Weihnachtsstimmung mit all dem.

Bladventskalender22, 12.12. – Viele Fragen

Meine lieben,
und jetzt ist es mir doch passiert, dass ich mich mit dem Türchen verspäte. Naja, dann gibt es halt das Türchen für gestern jetzt, und das aktuelle im Laufe des Tages.

Also los:
Jemand, der hier auch mit liest und übrigens auch im etwas anderen Singkreis mitsingt, hat mir so viele Fragen zu dem Türchen mit der Raumstation gestellt, dass ich daraus ein weiteres Türchen mache, damit alle, vor allem diejenigen ohne Sehrest, etwas davon haben.

Er sagt:

Es ist sicher schwirig für uns blinde vieles zu beantworten, weil wir uns mit solchen dingen auf andere Menschen verlassen müssen aber vlt hast ja schon mal gelesen oder gehört wie man sich die Station an sich vorstellen muss und klar meine ich damit die ISS.

Mein lieber, wenn Du jetzt bei mir wärst, dann könnte ich Dich die Raumstation aus Lego abtasten lassen. Es ist nämlich tatsächlich so, dass man sie nur schwer beschreiben kann. Ich hatte mir das Modell gekauft, und wollte auch mit sehender Hilfe alle Teile benennen, aber dann kam die Pandemie.
Wer Lego und ISS eingibt, wird sicher bald viele Bilder davon finden.

Die ISS ist ein recht flaches Gebilde aus aneinander geflanschten Modulen. Die größte Fläche machen die Sonnenkollektoren aus, welche die Station mit Strom versorgen. Die sind links und rechts angebracht. Dazwischen ist dann der Körper der Station. Man merkt halt, dass das Ding mit den Jahrzehnten gewachsen ist. Sie besteht quasi aus einer Art Kern, um den immer wieder neue Sachen herum gebaut wurden. Auf jeden Fall sieht sie nicht aus, wie Raumstationen oft beschrieben werden. Sie ist kein Speichenrad mit Narbe in der Mitte, und dreht sich auch nicht so um sich selbst, um künstliche Schwerkraft zu erzeugen.

Auffällig als Modul ist das Forschungsmodul Kolumbus. Das liegt wie eine Tonne quer zum vorderen Ende der Station.
Wie gesagt weiß auch ich nicht, was da alles wo ist. Wenn ich mal jemanden finde, der das weiß und der Zeit hat, dann werde ich die Teile lernen und benennen können.

Es fühlt sich schon etwas chaotisch an, wie das alles zusammen geschraubt ist. Man könnte den Mittelteil vielleicht am ehesten noch mit Dosen beschreiben, die zusammen geschraubt sind.
Im All spielt das Design oder die Form keine Rolle, weil man z. B. nicht windschnittig im Vakuum sein muss.


Weiter fragt er nach Schlaf- und Waschräumen
Es gibt auf der ISS das russische Modul Zvesta, in welchem es etwas ruhiger ist, das als Schlafraum genutzt werden kann. Aber betten braucht man in Schwerelosigkeit nicht. Die Astronauten schlafen in Schlafsäcken, die sie einfach an die Wände hängen können. Das allerdings ist wichtig, wenn sie nicht schlafend irgendwo hin schweben möchten.

Und nein, Bäder mit Dusche, fließend Wasser etc. funktionieren in Schwerelosigkeit nicht. Was ich weiß ist, dass die da oben so feuchte Tücher etc. verwenden, damit kein flüssiges Wasser in der Station herum schwebt.

Die Toilette funktioniert mit Vakuum, das alles absaugt.

Dann währe beispielsweise auch mal interessant zu wissen, was für Geräusche man im Alltag auf einer Raumstation so hört?

Auf der Station ist es zumindest dort, wo die Labore und alles sind, mit unter sehr laut. Es gibt erstaunlich wenige Sounds von der ISS, aber man hört ganz viele Lüfter, Pumpen etc.

Mein Vati meinte malso, es kann durchaus so laut sein wie strraßenverkehr.

Ja, das glaube ich auch.

Es ist noch gar nicht solange her, da hatte ich mal ein Tagesthemeninterview mit einem Astronauten auf der ISS aufgenommen: Alexander… aber da kannst du mir sicher weiterhelfen.

Auf jeden Fall waren da im Hintergrund so gut wie keine Geräusche zu hören.

Auch ich habe schon viele Interviews und Funkkontakte von der ISS gehört. Und ja, mich hat auch erstaunt, wie wenig bis keine Hintergrundgeräusche dort zu hören sind. Es gibt ja ein Modul mit einem großen Aussichtsfenster, die Cupola.
Da das Modul auch viel für Entspannung und Freizeitbeobachtung genutzt wird, ist es dort sicher leiser als sonst wo.

Da die Geräusche auf der ISS recht gleichmäßige Sounds sind, kann man auch einiges mit Geräuschunterdrückung ausfiltern, wie man das von guten Kopfhörern kennt.

Mit dem Alarm, dass kann ich mir schon gut vorstellen. Könnte ja mal ein Druckabfall kommen, was ich mir bei Weltraumtemperaturen ser Extrem vorstelle.

So Alarme auf der ISS sind gar nicht so selten. Und ja, ein Löchlein hatten die ja auch schon, das Astro-Alex dann mit seinem Finger zugehalten hat, bis es repariert war.

Die größte Gefahr stellen Mini-Astroiden oder eben auch Teilchen des von Menschen gemachten Weltraummülls dar. Und gewisse militärische Spielchen mancher Nationen, die z. B. beweisen wollen, dass man Satelliten zerstören kann, machen die Situation nicht besser.

Immer wieder muss dann die ISS ausweichen. Und wenn man so eine große Struktur bewegen muss, benötigt das unglaublich viel Treibstoff.

Es gibt wohl auch Module auf der ISS, die mit Ammoniak gekühlt werden. Wenn das austritt wird es richtig gefährlich.
Zum Glück sind die meisten Alarme dann doch Fehlalarme.

Was Astronauten betrifft, so war mein absolutes Highlight, als ich am 12.07.2019 an einem Vortrag teilnehmen durfte, den Alexander Gerst bei uns an der Uni gehalten hatte.
Siehe Meine Impressionen.

Und nein, eine Liste über Dinge, die auf den Raumstationen schief gegangen sind, habe ich nicht. Wäre mal interessant.

Drei Podcasts darf ich all jenen wärmstens ans Herz legen, die sich für Weltraum interessieren,
Sucht einfach in eurem Podcatcher nach @Raumzeit, @Weltraumwagner und nach @auf Distanz.
Es gibt noch mehr, aber diese drei bieten schon so viel an O-Ton und Interviews, dass man damit mal locker die Zeit zwischen den Jahren verbringen kann.
Wer mich kennt weiß, dass ich Podcasts für eine ganz wichtige Quelle des Wissens halte, weil sie im Gegensatz zu vielen Videos ganz ohne Bilder auskommen müssen. Alles muss erklärt werden, was gerade für unser einen sehr praktisch ist.
Ich empfehle wirklich, vielleicht auch jetzt die Weihnachtszeit dafür zu nutzen, in die Welt von Podcasts einzutauchen.

Bladventskalender22, 11.12. – Etwas auf die Ohren

Meine lieben,
zum dritten Advent gibt es mal wieder etwas für die Lauscherchen.
Im Blatventskalender 2021 veröffentlichte ich die nette weihnachtliche Geschichte vom Esel und der süßen Distel. Der Autor Wagerl hat aber tatsächlich noch vor seinem Tode einige weihnachtliche Geschichten selbst für das Radio eingelesen.
Lehnt euch also am dritten Advent ruhig zurück, nehmt einfach alles zur Hand, was ihr zu eurer vorweihnachtlichen Stimmung braucht, und hört die Geschichten vom Autor selbst gelesen.
Viel Spaß und Weihnachtsstimmung wünscht euch
euer Blindnerd.
Wenn bei euch Werbung am Anfang gespielt wird, dann kann ich das in diesem Fall nicht beeinflussen. Ihr kennt ja Youtube.

Bladventskalender22, 10.12. Etwas zu den langen Winternächten

Meine lieben,
Lasst uns hier die langen dunklen Winternächte mit etwas Astronomie und Sternenschein versüßen.
Heute möchte ich mich hier etwas über die Frage auslassen, weshalb es überhaupt dunkel in der Nacht wird.
Natürlich,. Klar. Dunkel wird es dann, wenn wir uns von der Sonne abwenden, so dass es auf der anderen Seite der Erde Tag werden kann.

Das reicht aber als Erklärung nicht. So viele Sterne stehen am Himmel.
All diese Sterne senden uns ihr Licht.
Wie man in einem Wald stehend nach allen Seiten hin auf mehr oder weniger weit entfernte Bäume blickt, sollte unser Blick in einem einigermaßen homogen mit Sternen und Galaxien angefüllten Universum stets auf Sterne fallen, die ihr Licht zu uns senden.
Natürlich sind sie ungleich viel weiter von uns entfernter als unsere Sonne, deren gleißend helles Licht wir empfangen. Dennoch. Frei nach dem Motto, dass Kleinfieh auch Mist macht, sollten sich diese kleinen, aber sehr zahlreichen Lichtpünktchen zu einem hellen Strahlen addieren, welches der Pracht unserer Sonne in nichts nachsteht.
Somit sollte es Nachts auch hell sein, zumindest längst nicht so dunkel, wie wir das alle Nacht wahrnehmen.

Auf dieses Paradox, dass es nachts eben dunkel ist, stieß 1826 der Arzt und Astronom Heinrich Willhelm Olbers  und wies darauf hin. Seitdem wird dieses Problem als Olbersches Paradoxon bezeichnet.

Viele Lösungsansätze wurden diskutiert, um die nächtliche Dunkelheit zu erklären.
Naheliegend wäre beispielsweise, dass undurchsichtige Staub- und Gaswolken uns die Sicht auf die Sterne verwehren. Dieser Ansatz muss jedoch leider verworfen werden, da diese Wolken die Strahlung der Sterne absorbieren würden. Das führte dazu, dass die Wolken sich aufheizen und mit der Zeit sich selbst zu sichtbaren Strahlern entwickelten.

Die Auflösung liefert unser heutiges Wissen über die Entwicklung unseres Universums.
Immer besser werdende Teleskope erlauben einen immer tieferen Blick in das Innere unseres Universums.
Aufgrund der räumlichen Verteilung von Galaxien, sowie ihrer im Spektrum u .a. von Milton Humason nachgewiesenen Rotverschiebung, postulierte der belgische Priester Georges Lemaître im Juni 1927 die Expansion des Weltalls im Einklang mit Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie. Hubble veröffentlichte zwei Jahre später, 1929, mit zusätzlichen Daten denselben linearen Zusammenhang zwischen der Rotverschiebung und der Verteilung extragalaktischer Nebel, zog jedoch nicht die physikalische Schlussfolgerung einer Expansion des Weltalls und vermutete ein bisher unentdecktes Naturprinzip hinter der Rotverschiebung. Dennoch wird in der öffentlichen Wahrnehmung diese Entdeckung Lemaîtres häufig Hubble zugeschrieben.
Wie auch immer. Das Universum dehnt sich aus, und wie wir seit Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts wissen, sogar beschleunigt.
Für diese Entdeckung gab es vor einigen Jahren sogar einen Nobellpreis.

Zur Erinnerung:
Ich erklärte in anderem Zusammenhang schon, was die Rotlichtverschiebung ist. Aus dem Alltag kennen wir den dafür verantwortlichen Effekt, den Doplereffekt von vorbeifahrenden Krankenwagen her, die sich bei Annäherung höher anhören und deren Sirenen bei der Vorbeifahrt dann wieder tiefer zu klingen scheinen.
Entfernt sich ein leuchtendes kosmisches Objekt, z. B. ein Stern oder eine Galaxie von uns, dann sehen wir sein Licht leicht in das langwelligere rote Licht verschoben. Bei Annäherung ist sein Licht etwas ins Blau-Spektrum verschoben.

Nun aber zurück zu Olbers und seinem Problem.
Das Weltalter, multipliziert mit der Lichtgeschwindigkeit, definiert die Grenze des für uns beobachtbaren Raumes. Objekte, die jenseits dieser Grenze liegen, können wir noch nicht wahrnehmen, da ihr Licht unterwegs zu uns ist, uns aber noch nicht erreicht hat.
Durch die Expansion des Weltalls wird die Energie dadurch verringert, dass die Rotlichtverschiebung die Wellen dehnt.
Somit erreicht uns je weniger Strahlungsenergie, desto weiter die beobachtete Region von uns entfernt ist.
Das prominenteste Beispiel ist die kossmische Hintergrundstrahlung. Kurz nach der Entstehung des Universums aus dem Urknall heraus, erfüllte diese Strahlung gleißend hell das gesamte damals noch sehr kleine Universum.
Heutzutage ist das Universum derart ausgedehnt, so dass diese Strahlung dermaßen in die Länge gezogen ist, dass lediglich eine Strahlung übrig blieb, die unser Universum ungefähr um drei Grad Kelvin erwärmt.
“Früher einmal”, vor 14 Miliarden Jahren, war diese Strahlung dem Auge sichtbar, hätte es eines gegeben, das sie hätte schauen können.
Derzeit ist die Strahlung vom Dopler-Effekt in die Länge von Mikrowellen gedehnt.

Wer sich nun nachts fragt, weshalb es dunkel wird, darf somit messerscharf kombinieren, dass sich das Universum ausdehnt.

Bladventskalender22, 09.12. Weihnacht auf der Raumstation

Meine lieben,
Weihnachten wird in unterschiedlichen Kulturen verschieden gefeiert. Das wissen wir längst.

Abgesehen von einigen regionalen Bräuchen unterscheidet sich das Weihnachtsfest in einem Radius von 400 Kilometern nach Süden, Osten, Westen und Norden kaum.

Wie sieht es aber 400 km über unseren Köpfen aus?
Genauer gefragt;
Wie sieht es also zu Weihnachten für unsere Astronauten auf der Raumstation aus?
Die nämlich befindet sich 400 Kilometer über dem Meeresspiegel.
Den Sternen etwas näher, von Hirten und Königen unerreichbar, ohne Schwerkraft, müssen sie irgendwie ihr Weihnachtsfest verbringen.

Wie betrüblich ist es doch, dass unsere Astronauten Weihnachten nicht im Kreise ihrer lieben mit Baum, Weihnachtsgans etc. verbringen können.

Irgendwie macht sie das der heiligen Familie etwas ähnlicher.
Diese war ebenfalls fern der Heimat und fand Zuflucht in einem Stall, der sie schützend barg.
Also, wie geht es zu Weihnacht auf einer Raumstation zu?

Kein Weihnachten wäre ohne Kerzen denkbar. Sie spenden Licht, schaffen eine warme gemütliche Umgebung und duften auch noch wunderbar. Gemeint sind hier natürlich die Wachskerzen und nicht die Elektrischen. Wenn die mal riechen, dann stimmt etwas nicht und man sollte sich Gedanken machen…

Eine Flamme in Schwerelosigkeit degeneriert zu einem kleinen lächerlichen Feuerbällchen. Grund dafür ist, dass die hier auf der Erde vorhandene Schwerkraft dafür sorgt, dass wärmere Gase nach oben steigen und von unten her kältere und schwerere Luft mit Sauerstoff nachströmen kann.
Nach oben steigende warme Luft zieht die Flamme in die Länge.
Ohne Schwerkraft keine Konvektionsströmung, die auch für den Wärmetransport unbedingt erforderlich ist.

Ein Geld verschlingender Unsinn, der mit Feuer im Weltraum zu tun hatte war, dass zwei
Russische Kosmonauten die Olympia-Fackel ins All getragen haben.
Das war ein Großer PR-Auftritt vor den Winterspielen 2014 in Sotschi;
Zum Auftakt eines “Fackellaufs der Superlative”.
Einziger Makel: die fehlende Flamme.

Ganz davon abgesehen, dass niemand erlaubt hätte, ein Feuerchen in die ISS zu tragen.
Ich brauche nicht zu erwähnen, dass man sie außerhalb der ISS im Vakuum des Alls ohne Sauerstoff nicht hätte entzünden können. Somit war diese Aktion völlig unnötig und ein großer Quatsch.

Man hätte in der ISS eventuell schon eine längliche Flamme hin bekommen
können. Man müsste die Fackel hierfür dann einfach in einem Luftstrom
entzünden. Dann wird der Abtransport der Wärme und die Zufuhr mit
frischem Sauerstoff halt durch die künstliche Luftströmung, und nicht durch die Schwerkraft erzeugt.

Dass Flamen auf Raumstationen ohne Schwerkraft kleine Feuerbällchen sind,
soll aber nicht heißen, dass Feuer in einem Raumschiff ungefährlich seien,
Sie sind zwar kleiner, aber dadurch auch viel heißer.

Auf der russischen Raumstation Mir brach eines am 25.02. 1997 aus, als der Deutsche Astronaut Ulf Merbold an Bord war.
Das Feuer entstand im Zusammenhang mit einer Sauerstoffpatrone. So lange die Sauerstoff nachliefert, fackelt es auch in einer Raumstation ganz schön und wird zur lebensgefährlichen Hölle. Von Apollo1 wissen wir, wie rasch eine Kapsel in welcher ein Feuer ausbricht, zum flammenden Inferno werden kann.

OK, Dann wird es mit Wachskerzen auf der ISS nichts.
Mit elektrischen Kerzen gehts ja auch. Die werden sie dort dann schon haben. Gemütliches Feuer am Kamin gibt es höchstens auf einem Screen als Animation.
Und künstliche Kamine ohne echtem Feuer gibt es auch hier auf der Erde.

Einen echten ausgewachsenen Weihnachtsbaum wird man wohl auch nicht hin fliegen. Wäre sicher unangenehm, wenn mit der Zeit die Nadeln durch die ganze Station schwebten.
Zum Glück gibt es künstliche nicht nadelnde Weihnachtsbäume und elektrische Kerzen. Man muss halt beim Schmücken aufpassen, dass einem die Sachen beim Aufhängen nicht durch die Gegend fliegen.

Zu Weihnachten werden viele krümelige Leckereien verspeist. Wenn diese versehendlich in der ISS frei kommen, dann können die ganz schön Ärger bereiten. Jeder hat schon mal erlebt, wie es sich anfühlt, wenn man Krümel in seinem Bett hat. Außerdem könnten diese auf der ISS in alle möglichen Ventilationsöffnungen fliegen, und dort eventuell sogar Schaden anrichten.

Das Weihnachtsmenü müsste man auf Erden vakuumieren, gefriertrocknen etc. Die Weihnachtsgans müsste in jedem Falle schon entbeint und portioniert werden.

Glühwein etc. wären theoretisch zwar möglich, aber ich glaube nicht, dass je ein Tropfen Alkohol auf der ISS getrunken wurde. Astronauten müssen stets und immer mit einem Alarm rechnen. Und wenn der kommt, muss jeder voll einsatzbereit sein. Aus diesem Grunde kein Alkohol auf der ISS. Naja, Kinderpunsch ist ja auch ganz lecker.

Ich weiß jetzt nicht mehr genau, wann das war, aber einmal verunglückte eine unbemannte Transportkapsel die neben wichtigen Versorgungsgütern auch Weihnachtsgeschenke für die Astronauten enthalten haben soll. Das war sicher dann ein etwas trauriges Weihnachtsfest.

Viele Teile des Weihnachtsbrauches sind aber sicherlich auch auf der ISS gut und fast normal durchführbar.

Das beste dürfte dort oben sein, dass die Engelchen tatsächlich schweben.

So, oder so ähnlich sind die weihnachtlichen Randbedingungen für Astronauten, die das Fest 400 km über unseren Köpfen feiern müssen.

Bladventskalender22, 08.12. Ein Gedicht zum Sonnensystem

Meine lieben,

den Autor des Gedichtes, das ich euch heute schenken möchte, lernte ich im Arbeitskreis der blinden Autorinnen und Autoren (blautoren) kennen.
Hier kommen vorwiegend Menschen zusammen, die sich schreibend oder musisch betätigen, und eine Sehbeeinträchtigung haben.
Es ist mir eine große Ehre, dass er mir erlaubte, sein Werk mit euch zu teilen.
Hier nun sein Gedicht über das Sonnensystem.

Unsere Sonne und ihre Planeten
von Theo Floßdorf

Die Sonne strahlt im Mittelpunkt,
zum Leuchten und Erwärmen.
Planeten kreisen um sie rum,
in zunehmenden Fernen.

Der Merkur läuft den kleinsten Kreis,
will man von klein hier reden.
Zu nah der Sonne, viel zu heiß.
Dort könnte niemand leben.

Die Venus will, man denke bloß,
als Liebesgöttin funkeln.
Ihr Ruf ist nicht ganz tadellos.
Man hört so manches munkeln.

Ihr Spiegel blendet uns von fern,
der Hellste der Planeten.
Als Morgenstern und Abendstern
bezirzt er beinah jeden.

Ganz nebenbei, und das ist schad’,
auch dort wär’s unertröglich.
Bei gut 450 Grad,
da schwitzte man womöglich.

Die Erde zeigt hier viel mehr Fleiß.
Weitab der Sonne, ohne Klage,
braucht sie für einmal rund im Kreis,
365 Tage.

Das Licht der Sonne – bittesehr,
der Weg ist so unglaublich weit –
braucht acht Minuten bis hier her.
Man denke: Lichtgeschwindigkeit!

Hier ist’s gemütlich, wie man weiß.
Wenn Urlauber auch meinen,
mal wär’s zu kalt; mal wär’s zu heiß.
Es passt für unsereinen!

Der Mars ist anders, denn er hat
kein Feuerchen zum Kochen.
Bei minus 85 Grad,
kriegt jeder kalte Knochen.

Bei schönem Wetter sind es zwar
– Und das ist gar kein Unsinn –
plus 20 Grad, schonmal, beinah,
Doch möchte ich nicht umziehn.

Da fröstelt man, ob spät, ob früh.
Ich werde keine Reise buchen.
Von dort kommen die kleinen grü-
nen Männchen, die uns oft besuchen.

Vom Jupiter, ganz weit im All,
weiß ich nichts zu berichten.
Doch kann man gut, in solchem Fall,
mal Wikipedia sichten.

Als sechsten der Planeten muss
ich den Saturn nun bringen.
Durch und durch eitel, Kopf bis Fuß,
behängt der sich mit Ringen.

Der Siebte ist der Uranus.
Als Achter, gegenwärtig
gilt der Neptun. Mit ihm ist Schluss.
Und das Gedicht ist fertig.

Danke, lieber Theo für diese unglaubliche Bereicherung des Adventskalenders.

Wer von euch auch ein schönes Gedicht mit astronomischem oder planetarischem Bezug hat, darf das gerne mit uns teilen.

Bladventskalender22, 07.12. Ein seltsamer Name

Meine lieben,

nach alter Tradition habe ich mir gestern, also am Nikolaustag, beim Bäcker ein badisch traditionelles Weihnachtsgebäck zum Kaffee geholt. Es trägt in Karlsruhe den seltsamen Namen “Dambedei” und wird auch so ausgesprochen. Schon immer habe ich mich gefragt, wie diese Köstlichkeit zu ihrem seltsamen Namen kam. Das habe ich nun heute endlichmal recherchiert, und möchte das in diesem Türchen gerne mit euch teilen. Bestimmt gibt es auch in eurer Gegend Weihnachtsgebäck mit seltsamen Namen. Wenn ja, dürft ihr das gerne in den Kommentaren vorstellen.

Das Karlsruher Stadtwiki erklärt den Dambedei so:

Mit Dambedei wird in Karlsruhe ein vorweihnachtliches Gebäck aus Hefe in Form eines Männchens (Frontalansicht) bezeichnet. Bei einfacheren Varianten ist nur die Silhouette durch die Form des Hefeteigs dargestellt, bei der eigentlichen und aufwändigeren Variante hat der Dambedeit jedoch auch noch Mund (Mandel), Nase (Nuss), Augen und Jackenknöpfe (jeweils Rosinen).

Ich hatte auch schon welche, die noch eine kleine Tabakspfeife in den Mund gesteckt bekamen. Die konnte man dann natürlich nicht essen, aber als Weihnachtsschmuck fand sie dann bei mir noch ihren Platz.
Das Stadtwiki weiß weiter:

Die Herkunft des Wortes ist nicht zweifelsfrei geklärt.

  • Heidnische Ableitung
    Eine mögliche Wortherkunft leitet Dambedei vom Namen eines rätischen Schutzgeistes namens „Tampada“ ab, der Haus, Vieh und Bewohner vor Schaden bewahrte.
  • Christliche Ableitung
    Dambedei könnte auch die Verballhornung bzw. ein Missverstehen des Segensspruches „in nomine domini dei“ (Im Names Gottes des Herren, „dei“ sprich „de-i“) sein. Mit diesem Segensspruch bzw. dem ähnlichen „ad honorem domini dei“ (zur Ehre Gottes des Herren) segneten Priester Weihnachtsgebäck, das in der Form eines Christkindes gebacken war. „domini dei“ wäre dann über „domnidei“, „damneidei“ schließlich zu Dambedei geworden. Eine Variante, bei der nicht ein Segensspruch, sondern eine lateinische Bezeichnung Ursprung von Dambedei ist, ist die Ableitung von „domini panis dei“ (Brot Gottes des Herrn).
  • Ableitung aus dem Französischen
    Auch aus dem Französischen könnte Dambedei durch Missverstehen der Phrase „dame de dieu“ (Mutter Gottes) entstanden sein. Der Dambedei wäre dann in Wahrheit eine weibliche Dambedei oder hätte beim Überschreiten der Grenze vom Elsass nach Baden auch sein , bzw. ihr Geschlecht gewechselt.
  • Eine zweite französische (bzw. lateinisch-französische) Variante wäre die Ableitung von „d’homme petits“ (kleiner Mensch) oder „dam petit“ (kleiner Herr).
  • Der Dambedei als Trampel?
    Dampelhans bedeutet so viel wie Trampel. Dambedei hätte dann die Bedeutung Trampelgebäck. Hier könnte sich die Ungeschicklichkeit so manchen Hobbybäckers die Gestalt des Dambedeis mehr als grob auszuformen als Charakterattribut auf den Dambedei selbst übertragen haben.
    „Dei“, „Deih“ oder „Deie“ hat bei dieser Ableitung schlicht die Bedeutung „Gebäck, das zu einer bestimmten Jahreszeit oder einem bestimmten Anlass gebacken wird. Im Namen Dambedei wäre somit weder weihnachtliches noch christliches, heidnisches, französisches oder lateinisches enthalten.
  • Bezeichnung in anderen Regionen
    In anderen Regionen Deutschlands gibt es sehr ähnliche Gebäcke, die als Stutenkerl, Weckmann oder Klausenmann bezeichnet werden.

    Im südlichsten Teil Deutschlands und in der deutschsprachigen Schweiz wird die Teigfigur auch manchmal Grättima genannt.

In einem alemannischen Lexikon findeich:

Weckmann (Hefegebäck zum Nikolaustag)
Südbadisch
➔ Grättimann, Grättima, alemannisch und Schweizerdeutsch,

Schwäbisch, ➔ Klausenmann

Elsässisch, ➔ Mannala

Wie er auch immer heißt. Er schmeckt vorzüglich, und gehört zumindest für mich immer zu Nikolaus dazu.