Blindnerd Adventskalender, zum ersten Advent

Meine lieben,

sicherlich wundert ihr euch, dass der Blindnerd schon am ersten Advent mit seinen Weihnachtsgeschichten beginnt, obwohl der 01. Dezember doch erst morgen ist.
Ja, das hat seinen Grund.
In diesem Jahr kann es leider keinen Blindnerd-Adventskalender geben, der alle 24 Türchen befüllt.
Viele von euch wissen es, dass ich im letzten halben Jahr sehr gesundheitlich gebeutelt war. Da fehlte mir einfach die Kraft, vierundzwanzig Geschichten zu recherchieren und zu schreiben. An Ideen hätte es mir durchaus nicht gemangelt.

Ganz hängen lassen darf der Sternenonkel aber seine Leserschaft in der Weihnachtszeit, wo Sterne so wichtig sind, doch nicht.
Deshalb werde ich diesmal nur die Eckdaten, alle vier Adventssonntage, Nikolaus und natürlich den heiligen Abend bedienen.

Nun wisst ihr auch, wieso ich zu früh starte. Aber wenn man schon nicht alle Türchen füllt, dann muss wenigstens der erste Advent dabei sein, ob es nun schon Dezember ist, oder nicht.
Ich bitte euch dafür um Verständnis.

Ach ja, die Verlinkung zum Adventskalender des Arbeitskreises BLAutor, gibt es natürlich. Den administriere ich ja nur und bekomme die Geschichten für die Türchen von unseren Schreiberlingen geliefert.
Der startet allerdings, wie es sein soll, erst morgen.
Starten wir also mit meiner Geschichte zum ersten Advent.

Am letzten Wochenende hatten wir unsere Jahresfreizeit des Evang Blinden- und Sehbehindertendienstes Baden diesmal zum Thema Luft. Darüber werde ich noch extra schreiben.
Aber dennoch ist vor allem der Gottesdienst dieser Freizeit Anlass zu diesem Einstieg in die Adventszeit.
Hier nur ganz kurz, worum es in der Freizeit grob ging.

  • Wir erfuhren, woraus Luft besteht, wie sie auf die Erde kam, dass sie nicht immer so war, wie sie jetzt ist, von ihre Geschichte der Entdeckung ihrer Bestandteile, wie sich die Alchemie zur heutigen Chemie entwickelte, und wie man Brot aus Luft gewinnen kann.
    Damit ist natürlich die Herstellung von Düngemitteln aus dem Stickstoff unserer Atmosphäre gemeint, mit
  • deren Hilfe der Welthunger gelindert werden konnte.

  • Unsere Ursula, die mittlerweile dreiundneunzig Jahre auf dem Buckel hat, erklärte uns die Luft aus Sicht der Weltreligionen.
    Da gibt es den Odem, der Gott dem Menschen einhauchte, auf dass er lebe,
    das geistige Atma der buddhistischen Religionen,
    auch den heiligen Geist, der mit Luft verglichen werden kann, und vieles mehr.
    Mich erstaunt hier immer wieder, wie Ursula uns das alles frei erzählt, ohne Notizen oder Skript. Euer Sternenonkel kann das nicht.
  • Nach Kaffee und Kuchen wurde es richtig praktisch. Eine Atemtherapeuting zeigte uns, wie man diesen Lebensstoff richtig einsaugt und bewusst erlebt.
    Richtiges Atmen ist sehr wichtig. Es gibt Entspannung und uns auch die richtige Stimme, wenn wir sie brauchen.
    Also ich finde, da waren einige Übungen dabei, die sich sehr gut in den Alltag integrieren lassen.
  • Als finaler Höhepunkt und Ausklang steht immer der Abschlussgottesdienst am Sonntag.
    Diesmal konnten wir dafür eine Pfarrerin aus dem EOK gewinnen. In ihrer Predigt griff sie auf ganz wunderbare Weise alles nochmal auf, was wir an diesem Wochenende erleben durften.
    Besser konnte man die ganzen losen Fäden nicht zusammenführen.
  • Und dann. Ein König wird meist durch Trompetenstöße angekündigt. Spätestens, als unser lieber Johannes in sein wunderbares Instrument blies, war mir klar, Jetzt ist sie da, die Advents- und Weihnachtszeit. Er, unser König und Heiland kündigt sich an. Er wird kommen. Er ist schon unter uns. Darauf dürfen wir Christen hoffen, glauben und seiner gewiss sein…

Also für mich beginnt die Adventszeit immer mit Musik. Der erste Advent ohne Weihnachtsoratorium von J. S. Bach geht gar nicht. Ich bin nicht besonders religiös, aber dieses Werk gibt mir so viel Hoffnung und Zuversicht, dass ich es sogar in diesem Sommer, als ich wirklich sehr geplagt von Schmerzen war, begeistert angehört habe. Ja, diese Kraftquelle funktioniert auch im Sommer.

Ich hatte das Werk schon mal vor vielen Jahren behandelt, aber gerade nach überstandener Krankheit ist es mir so wichtig, dass ich es hier nochmal erwähne und mit euch teile.

Aus Wikipedia:

Das Weihnachtsoratorium BWV 248 ist ein sechsteiliges Oratorium für Soli (SATB), gemischten Chor und Orchester von Johann Sebastian Bach. Die einzelnen Teile wurden erstmals vom Thomanerchor in Leipzig in den sechs Gottesdiensten zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag 1734 und dem Epiphaniasfest 1735 in der Nikolaikirche und der Thomaskirche aufgeführt. Feierliche Eröffnungs- und Schlusschöre, die Vertonung der neutestamentlichen Weihnachtsgeschichte in den Rezitativen, eingestreute Weihnachtschoräle und Arien der Gesangssolisten prägen das Oratorium. Die sechs Teile werden durch die Freude über die Geburt Christi verbunden. Von der musikalischen Gattung steht das Weihnachts-Oratorium Bachs oratorischen Passionen nahe. Es ist das populärste aller geistlichen Vokalwerke Bachs und zählt zu seinen berühmtesten geistlichen Kompositionen. Das Oratorium wird heute häufig in der Advents- und Weihnachtszeit ganz oder in Teilen aufgeführt. Die Gesamtspieldauer beträgt circa 2½ Stunden.

Es lohnt sich wirklich, sich dieses Werk mal anzuhören. Bei mir ist Weihnachts- und Adventszeit ohne dieses Werk seit Jahrzehnten nicht vorstellbar.
Ihr werdet es sicher in einem Musikanbieter eurer Wahl finden.
Es gliedert sich in folgende Teile:

  1. Teil I: „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“
  2. Teil II: „Und es waren Hirten in derselben Gegend“
  3. Teil III: „Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“
  4. Teil IV: „Fallt mit Danken, fallt mit Loben“
  5. Teil V: „Ehre sei dir, Gott, gesungen“
  6. Teil VI: „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“

Mehr möchte ich euch an dieser Stelle zu diesem Werk nicht verraten, da ich über keine klassische Musikausbildung verfüge. Macht es einfach, wie ich. Hört, vernehmt und genießt.
Und wie gesagt. Ihr findet das Werk bei allen Musikanbietern. Ich werde jetzt an dieser Stelle keine Werbung für eine besondere Aufführung machen, weil es mir fern liegt, diese zu beurteilen. Die beste Inszinierung kann nicht gesucht, sondern muss von jedem für sich gefunden werden.
Wenn ihr mögt, dürft ihr euren Fund gerne in den Kommentaren mit uns teilen.

Lasst mich den Beitrag mit einem Kommentar eines unserer Leser beschließen. Er schrieb damals:

Ja, in der Tat: großartige Musik. Es macht auch nicht viel, dass uns vieles heute nicht mehr so klar ist beim Hören. Beispiel: ganz viel Trompete gleich am Anfang. Wir würden heute sagen: naja klar, schön feierlich eben. Damals hatte das hingegen zugleich eine Aussage; Trompetensignale bedeuten: Da kommt ein König, _der_ Herrscher überhaupt, Christus. Es ist wie bei vielen schönen Dingen: Je mehr wir davon verstehen, desto größer wird das Staunen; also gerade nicht: OK, kapiert, abgehakt; sondern: ach so, wow, stark! So, denke ich, geht es ja auch dem Blogger bei der Beschäftigung mit seinem Fach.

Und jetzt gibt es, wie schon in den letzten Jahren wieder den Querverweis auf den wunderbaren Adventskalender des Arbeitskreises der BLAutoren.
Bitte hier lang.

Startet gut und schön in die Advents- und Weihnachtszeit.
Alles liebe und gute wünscht euch
euer Sternenonkel.

Das verborgene Leuchten


Meine lieben,
morgen ist St. Martin. Das ist zum einen das Fest des Teilens und der Nächstenliebe, zum zweiten, ein Lichterfest mit Laternen, und für einen beachtlichen Teil der Menschheit beginnt etwas, das man die fünfte Jahreszeit nennt, und womit ich leider überhaupt nichts anfangen kann. Nehmen wir uns also zum Anlass ein schönes Licht-Thema vor, das man normalerweise nicht so auf dem Schirm hat.
lasst mich diesen Artikel mit einer Strophe des Liedes „Die sieben Gaben“ von Gerhard Schöne beginnen.
In diesem Lied heißt es:

Wenn ich Dir was wünschen dürfte,
mein liebes Kind,
wünscht ich Dir die sieben Gaben,
die nicht leicht zu haben sind.
Das Geheimnis eines Steines,
außen Grau und unscheinbar,
weiß er doch in seinem Innern
ein Kristall sternenklar.

Ich weiß jetzt nicht mehr genau, ob die folgende Frage von euch oder aus einem Podcast kam.
Die Frage war, ob es denn im Inneren unserer Erde leuchtet, wenn der Erdkern mehrere tausend Grad heiß ist.
Tatsächlich habe ich mir diese Frage auch schon gestellt.
Gehen wir ihr also zu St. Martin 2025 nach.

Ab wann glüht was?

Ein Körper beginnt sichtbar zu glühen, wenn er über ca. 500–600 °C heiß wird. Das beginnt mit rötlichem Glühen (wie bei glühender Kohle).
Ab ca. 1.200 °C wird das Glühen weißlich.
Bei 5.000–6.000 °C wie im Erdkern strahlt ein Körper im sichtbaren Spektrum sehr intensiv, ähnlich wie die Sonne – also weiß-gelblich.
Je heißer ein Körper wird, desto weißer und heller wird das Licht – wie bei der Sonne (etwa 5.500 °C an der Oberfläche).
In der Physik gibt es in diesem Zusammenhang den Begriff des „schwarzen Körpers“. Den schauen wir uns kurz an:
Wie bitte? Ich denke, es geht um etwas leuchtendes. Schwarz ist doch eher dunkel?
Ja, stimmt, und deshalb müssen wir uns damit beschäftigen.

Was ist das?

Ein „Schwarzer Körper“ ist ein ideales physikalisches Modell:
Er absorbiert alle elektromagnetische Strahlung, die auf ihn trifft – egal welche Wellenlänge.
Er reflektiert nichts, daher wirkt er perfekt schwarz.
Gleichzeitig ist er ein perfekter Strahler: Er sendet bei jeder Temperatur genau die Menge und Art von Strahlung aus, die seine Temperatur vorgibt.
Ein Schwarzer Körper ist also wie ein idealer „Lichtofen“, der nichts zurückhält, nichts verliert, aber selbst ein perfektes thermisches Strahlungsspektrum abgibt.
In der Realität kommt z. B. ein glühendes Stück Metall oder ein Stern diesem Modell relativ nahe.
Sonne und Erdkern sind ganz gute Näherungen an einen Schwarzkörper.

Wie ist das also jetzt bei unserer Erde?

Der innere Erdkern hat Temperaturen von ca. 5.000 bis 6.000 °C, also ähnlich heiß wie die Oberfläche der Sonne.
Der Erdkern ist also in diesem Sinne eine Art „Metallsonne unter der Erde“, .
Wir sehen leider nichts davon, weil Erdmantel und Erdkruste nicht lichtdurchlässig sind. Alle Photonen werden dort gestreut, so dass die Lichtenergie lediglich etwas zur Heizung im Innern der Erde beiträgt, denn verloren geht diese Energie natürlich nicht.
Bei solchen Temperaturen beginnt ein Körper thermisch zu strahlen, das ist dann Schwarzkörperstrahlung.
Das bedeutet:
Wäre der Erdkern von einem durchsichtigen oder durchsichtig gemachten Material (z. B. Quarzglas oder Diamant) umgeben, das die Strahlung nicht absorbiert oder streut, dann würden wir ihn als eine gleißend helle Lichtquelle sehen.Die Erde verliert heute ca. 40 bis 45 Terawatt an Wärmeleistung durch ihre Oberfläche – das ist winzig im Vergleich zur Sonneneinstrahlung, aber eben nicht nichts.

Und jetzt, wo wir wissen, dass es im Innern unserer Erde hell sein muss, würdigen wir noch die Personen, die das ganze entwickelten.

  1. Wilhelm Wien (1893):
    Er fand das Wien’sche Verschiebungsgesetz
    Es sagt: Je heißer ein Körper, desto kürzer ist die Wellenlänge, bei der er am meisten strahlt.
  2. Stefan-Boltzmann:
    Josef Stefan (experimentell) und Ludwig Boltzmann (theoretisch) fanden das Stefan-Boltzmann-Gesetz:
    Es beschreibt die gesamte abgestrahlte Leistung P eines Schwarzen Körpers bei einer bestimmten Temperatur T.
  3. Max Planck (1900):
    Er löste das große Problem: Die klassische Physik konnte die gemessene Schwarzkörperstrahlung nicht korrekt berechnen – sie sagte eine unendliche Strahlung bei kurzer Wellenlänge voraus (die sogenannte Ultraviolett-Katastrophe).
    Planck führte deshalb die Idee ein, dass Strahlung nicht kontinuierlich, sondern in Energiepaketen (Quanten) abgegeben wird:
    E=h⋅f
    (mit h = Plancksches Wirkungsquantum)
    Damit war die Quantenphysik geboren.

Und noch mehr Beispiele

Auch unsere Sonne erfüllt viele dieser Kriterien erstaunlich gut:
Die Sonnenstrahlung folgt sehr genau dem Planckschen Strahlungsgesetz.
Ihre Strahlung hat ein Maximum bei etwa 500 Nanometern (grünlich), was einer Temperatur von etwa 5.800 K entspricht – genau das ergibt sich auch aus dem Wien’schen Verschiebungsgesetz.
Das Spektrum ist sehr glatt – ohne große Lücken oder Spitzen.
Die sichtbare Oberfläche der Sonne (die Photosphäre) ist ein heißes, ionisiertes Plasma – das ist dicht genug, um wie ein Schwarzer Körper zu strahlen.
Die Photonen, die dort entweichen, haben eine lange Geschichte hinter sich: Sie wurden im Sonneninneren erzeugt, wanderten jahrhundertelang durch Streuung und Absorption und werden schließlich an der Photosphäre frei – das ist der Ort, von dem die Schwarzkörperstrahlung stammt.
Tja, und das ist es eben, was auf der Erde nicht funktioniert. Das Licht im Innern der Erde kommt nie frei. Außer manchmal, wenn glühend leuchtende Lava entweicht.
Dann, und nur dann verät die Erde sich und gibt uns Kunde vom inneren Leuchten.
Das ganze führt uns aber noch zu einer anderen Frage:

Ist ein schwarzes Loch auch ein Schwarzkörper?
In gewisser Hinsicht schon:
Ein Schwarzes Loch absorbiert tatsächlich alles, was hineinfällt – nicht nur Licht, sondern jede Form von Energie.
Es reflektiert nichts – nicht einmal Informationen (nach klassischer Physik).
Es war lange der Inbegriff eines perfekten Absorbers – also noch „idealer“ als ein klassischer Schwarzer Körper.
Ein Schwarzer Körper strahlt thermische Strahlung ab, ein klassisches Schwarzes Loch nicht, Zumindest nicht in der klassischen Physik.

Dann kam Stephen Hawking (1974):
Hawking zeigte mithilfe der Quantenfeldtheorie in gekrümmter Raumzeit, dass Schwarze Löcher doch eine winzige thermische Strahlung aussenden.
Diese Strahlung entsteht nicht im Loch selbst, sondern direkt am Ereignishorizont, durch sogenannte Quantenfluktuationen.

Dabei entsteht ein Teilchen-Antiteilchen-Paar nahe dem Horizont – eines fällt hinein, das andere entkommt → aus Sicht eines entfernten Beobachters scheint das Schwarze Loch zu strahlen.
Je kleiner das Schwarze Loch, desto heißer ist merkwürdiger Weise die Strahlung.
Für ein Schwarzes Loch mit der Masse der Sonne liegt die Temperatur bei etwa 60 Nanokelvin – also viel kälter als das kosmische Mikrowellen-Hintergrundlicht → praktisch unsichtbar.
Erst sehr kleine Schwarze Löcher (z. B. hypothetische „Primordiale“) würden messbar strahlen – aber sie wurden bisher nicht nachgewiesen.

Fazit

also mich fasziniert es unglaublich, dass es tatsächlich unter unseren Füßen leuchtet.
Ich wünsche mir, dass das Meer z. B. einen Glasboden hat. Dann gäbe es Michael Endes Meeresleuchten aus Jim Knopf tatsächlich.
Wenn man an so Sachen, wie Bergkristalle denkt, dann kann man sich vorstellen, dass es vielleicht im Innern von den Höhlen der Zwerge aus dem Herrn der Ringe, auch leuchtet.
Ich hoffe, dass ihr nun auch etwas von dem Geheimnis spürt, das im Innern unserer Erde schlummert.