Wir feiern einen alten Schinken


Meine lieben,

wie die Zeit vergeht.
an diesem 01.10.2025 feiern wir den Geburtstag eines inzwischen recht abgehangenen alten Schinkens
Es handelt sich dabei um nichts geringeres, als um mein erstes veröffentlichtes Buch.
Gedruckt ist es im Handel vermutlich nicht mehr zu bekommen, aber als Ebook schon noch. Es ist auch in den Hörbüchereien für blinde Menschen aufgelesen worden, und kann dort ausgeliehen werden.
Und ja, es führt auch auf dem Blog ein Weg zu ihm. Bitte hier lang.
Ich finde, dass ich irgendwie diesen Geburtstag gerne mit euch feiern möchte, weil das Buch der Anfang von etwas ganz großem war, das z. B. in Form dieses Blogs, meinen vielen Vorträgen und sonstigen Beiträgen in den Medien, begann, und bis heute, zum Glück auf etwas kleinerer Flamme, andauert und noch immer sehr lebendig ist.

Es ist nicht unbedingt erforderlich, dass ihr mein Buch gelesen habt, hilft aber eventuell schon zum Lesen dieser kleinen Feierstunde. Ich werde die Feier so gestalten, dass ich am Inhaltsverzeichnis des Buches entlang gehe, und dort mir Dinge herausgreife, die sich verändert haben, die einfach nicht mehr ganz passen oder auch nicht mehr ganz stimmen.
Wie stelle ich es jetzt nur an, mit euch zu feiern, ohne mich selbst dabei zu sehr zu bauchpinseln oder zu wichtig zu nehmen?
Fangen wir also an.

Vorwort …………………………………………………………………. 9

Hinter diesem Vorwort stehe ich nach wie vor. Ich brenne noch immer für die Sache, und solche Beispiele, wie mein Buch werden in heutiger Zeit immer wichtiger.
Vielmals wird das Wort „Inklusion“ über Gebühr strapaziert. In dem Sinne ist mein Buch besser, weil dort drinnen steht, wie das gehen kann.

Mein Forschergeist wird geweckt…………………………15

Hierzu kann ich nur sagen, dass er nie eingeschlafen ist seither. Ich genieße es sehr, dass ich heute so viel Zugang zu Wissenschaft habe.
Ich komme z. B. bei den ganzen Wissenschaftspodcast, die ich gerne hören würde, schon gar nicht mehr hinterher.
Auch das Angebot an Hörbüchern, Blogs und News ist so überwältigend, wenn ich da an früher denke. Wir hatten quasi „nüscht“, wie der Berliner sagen würde. Und heute ergießt sich auch für mich Wissen und Bildung wie das Wasser des Lebens.

Weltraumhelden ………………………………………………15

Natürlich habe ich heute eine etwas andere Sicht auf meine Weltraumhelden der Kindheit. Ich habe aber in der Zwischenzeit mich auch hier schon häufiger, mit den Weltraumhelden unserer Zeit befasst. Ich finde es ganz großartig, wenn Alexander Gerst, den ich sogar schon einmal life am KIT hören durfte, Samantha Cristoforetti, Matthias Maurer mit Büchern, Interviews, Podcasts und vielem mehr uns für Wissenschaft und Weltraum begeistern. Sie sprechen mit unterschiedlichsten Personen und haben sogar von der ISS aus mit Kindern gefunkt.
Zu meinem Erlebnis mit Alexander Gerst geht es hier lang.
Sie sind eindeutig die Weltraumhelden von heute. Ich habe deren Bücher verschlungen…

Super-Oma……………………………………………………….16

Sie konnte mir in Wissenschaft zwar nicht viel beibringen, aber die Neugier für alles pflanzte sie sicher auch mit in mein Herz. Sie versuchte immer meine Fragen zu beantworten. Leider konnte sie mein Buch und den Ruhm, den ich damit hatte, nicht mehr genießen. Aber sie ist darin verewigt.
Selbiges gilt auch für meinen Großvater und einige andere.
Meine Superoma stand mir nie im Wege und förderte mich mit ihrer Liebe und auch materiell, so weit sie konnte.

Frag und es wird Tag ………………………………………..18

Das stimmt einfach. Deshalb haben wir hier auch diese Rubrik eingeführt. Bitte nutzt sie weiter. Versucht immer gute Antworten zu geben, wenn Kinder etwas fragen, oder gebt es unumwunden bitte gleich zu, wenn ihr die Antwort nicht kennt…
Und wenn es auch abgedroschen klingen mag. Dumme Fragen gibt es nicht, weil Dumme in der Regel nichts fragen, und sich mit ihrer freiwillig gewählten Unwissenheit zufrieden geben.

Astronomische Erlebnisse…………………………………….23

Ich hoffe sehr, dass ich es noch erleben darf, dass wir zum Mond zurück kehren.
Bei der ersten Mondlandung war ich erst vier Monate alt.
Leider war ich zur 50jährigen Mondlandung krank, so dass ich nur vom Bett und später mit euch schriftlich feiern konnte.
https://blindnerd.de/2019/12/11/meine-jahres-mondfeier/
Ich wünsche mir sehr, dass unsere Kinder und Jugend die Raumstation und alle sonstigen Bemühungen im Weltall mit so viel Begeisterung und Anteilnahme erleben können, wie ich damals mit Skylab, die Space Shuttles, die Mir-Station oder auch Hubble. Dass die Voyagermissionen noch immer funktionieren, hätte ich mir niemals träumen lassen, wenn mein Buch mal zehn Jahre feiert. Ich habe mal gehört, dass die Ingenieure sich teilweise ihren Vorgesetzten widersetzten, indem sie von manchem Bauteilen die zwar teurere, aber bessere Variante eingebaut haben. Das sollten wir uns bei unserer heutigen Billig-Produktion manchmal zu Herzen nehmen. Ich wundere mich zwar immer, wie robust unsere Smartphones sind, die so gerne mal durch Straßenbahnen, Züge oder Busse geworfen werden, aber trotz ihrer Leistung. Zum Mond, zum Saturn oder wer weiß wo hin, würde ich mit solch einem Computer nicht fliegen wollen, sei er noch so gut geschützt gegen Weltraumstrahlung.
Aber passt doch bitte trotz allem besser auf eure Smartfones und sonstigen Gadgets auf. Mir tut das im ganzen Körper weh, wenn ich hören muss, dass wieder eines zu Boden gefallen ist, und dieser Klang ist typisch und mit nichts anderem zu verwechseln…
Wie auch immer.
Solche großen Weltraumprojekte funktionieren ungeachtet aller Differenzen zwischen Nationen, und sind somit Zeichen des Friedens, Zeichen des möglichen und der Beweis dafür, dass die Menschheit grundsätzlich in der Lage wäre, globale Probleme, wie den Klimawandel anzugehen, wenn wir endlich….

Cassini-Huygens……………………………………………….60

Die im Buch erwähnte Cassini-Huygens-Mission zu Saturn und seinem Mond Titan ist mittlerweile abgeschlossen. Welch eine großartige Mission. 13 Jahre flog sie dort rum, und kurz vor ihrem Ende funktionierte nur eine kleine Antenne nicht mehr, die nicht mal wichtig war. Es war sogar noch Treibstoff für einige riskante Durchflüge der Saturnringe übrig, bevor sie dann ihr Leben in den hoffentlich weichen Gashüllen des Planeten beendete.
Das Highlight für mich war die Episode dazu im Raumzeit-Podcast, in welcher der Fahrtwind erzeugt wurde, den der Lander Huygens bei seinem mehrstündigen Abstieg auf den Saturnmond Titan produzierte.
Raumzeit Podcast, Folge 30
Ja, sie ist nicht die einzige Mission, die ein Mikrofon dabei hat. Der Marsrover mit dem schwierigen Namen und dem Hubschrauber, hat auch eines, und es gibt Aufnahmen dazu, wie der Rover fährt und der Hubschrauber in der dünnen Marsatmosphäre fliegt.
https://mars.nasa.gov/resources/22201/sounds-of-mars-nasas-insight-senses-martian-wind/?site=insight
Es ist so schade, dass es vom Inneren der ISS so wenige Audios gibt.

Da es meinen Blog zum Ende der Cassini-Huygens-Mission noch nicht gab, feierten wir das im Nachgang unter:
Ein schwerer Abschied.

Schulzeit und Studium………………………………………….65

Bei diesem Kapitel hat sich natürlich nichts verändert, da es meine Vergangenheit ist.
Ich kann dazu nur nochmal sagen. Weichen zu Wissenschaft und ganzheitlichem Denken werden dort gestellt. Ich mag mich durch andere Medien und vor allem mittels viel weniger Möglichkeiten, an die Astronomie herangetastet haben, was nicht selten ein mühsamer Weg war. Heutzutage mit den aktuellen Medien, geht das für alle Menschen leichter. Das Wissen steht uns zur Verfügung. Vielleicht eines nur zum Thema Schule. Bitte achtet darauf, das Kinder wieder mehr lesen. Richtige Weltraumhelden entstehen nicht im Video, sondern indem man über sie liest, und sie selbst entstehen lässt. Dass junge Menschen heutzutage nicht mehr viel lesen, könnte uns zu einem großen Problem werden.

Seit Erscheinen meines Buches durfte ich so oft erleben, wie wunderbar Astronomie und Weltraum ganz besonders für Kinder funktioniert. Nichts gegen euch Erwachsene, aber Kinder sind das coolste, das am leichtesten zu begeisternde und das Publikum mit den wenigsten Berührungsängsten. Die Blindheit ist bei Kindern eigentlich nie Thema, wobei sie für euch oft erst mal das wichtigste überhaupt ist…

Hier einige Artikel zu Workshops mit Kindern:
Astronomie für benachteiligte Kinder
Ich kam, sah und siegte
In meinen Jahresrückblicken werden sicherlich noch welche, über die ich nicht explizit Artikel verfasst habe, zu finden sein.

Und noch was:
Ein Land, das über Fachkräftemangel in Technik- und IT-Berufen klagt, kann es sich eigentlich nicht leisten, nahezu bundesweit die Astronomie aus dem Lehrplan zu verbannen, und die ganzen Schulplanetarien und Teleskope auf den Schulen in den neuen Bundesländern verrotten zu lassen. Das beklagen wir von der Deutschen Astronomischen Gesellschaft wirklich sehr.

Mein Weg zur Inklusion………………………………………..85

Dass mein Weg zur Inklusion nicht leicht war, beschrieb ich hier an unterschiedlichsten Stellen, z. B. in: Unter uns.
Spannend ist, dass die Nasa inzwischen ernsthaft darüber nachdenkt, ich glaub es läuft sogar schon ein Pilotprojekt, auch Menschen mit Beeinträchtigung zu Astronauten auszubilden.
Wäre ich noch etwas jünger, und hätte ich doch besser meinen Körper geschont, dann würde ich mich sofort melden…

Freizeiten………………………………………………………….88

Als ich mein Buch begann, hatte ich noch wenige Freizeiten und fast gar keine anderen Veranstaltungen zum Thema. Das kam erst langsam durch meine Autorenlesungen, was übrigens die anstrengendsten Vorträge überhaupt sind. Punktschrift lesen fällt mir nicht ganz leicht, und oft sind vor allem diese Lesungen mit umständlichen Reisen verbunden, die um so schwieriger sind, wenn ich keine Begleitperson habe. Also wenn ich etwas nicht vermisse, dann sind es gerade diese Lesereisen.

Ansonsten habe ich meine Freizeiten sehr mit allen möglichen Medien anreichern können, und oft kann ich die Inhalte auf mehrere Schultern verteilen, was die Sache viel spannender und fielfältiger macht.
Jeder bringt sich mit dem ein, was Mensch kann. Und ja, die Pandemie hat auch mich gelehrt, dass man durchaus auch mal eine Veranstaltung online durchführen kann. Dagegen wehrte ich mich lange, aber irgendwann sagte ich mir dann auch, dass es so besser ist, als würde ich den Menschen überhaupt nichts mehr geben können. Schon klar. Die, welches in dieser Zeit am nötigsten gehabt hätten, habe ich online vermutlich nicht erreicht…
In meinen Jahresberichten könnt ihr viel über derlei Aktivitäten lesen, so dass ich mir das hier jetzt erspare.
Auf jeden Fall ist das etwas, das ich hoffentlich dann auch noch im Ruhestand ausüben werde.
Wer mich mal für eine Freizeit oder Veranstaltung gerne hätte, darf mich gerne danach fragen.
Seit meinem Buch hatte ich bestimmt um 150 Freizeiten und sonstige Veranstaltungen.

Wissenschaftler mit vier Sinnen ………………………….133

Wer in einem meiner Vorträge war weiß, dass dieses Kapitel immer in irgend einer Form dran kommt. Es ist tatsächlich so. Die Astronomie und auch andere Wissenschaften haben eine gute Tradition, auch von Menschen mit einer Beeinträchtigung, erfolgreich betrieben zu werden. Ich nenne hier jetzt bewusst keine Namen, weil ich niemanden auf seine Beeinträchtigung reduzieren möchte. Aber dass es bis in die Gegenwart stimmt, durfte ich z. B. erleben, als ich auf dem Inklusionstag der IAU in Wien sprechen und ausstellen durfte. Da gab es Astronom:innen, die im Laufe ihrer Karriere erblindeten. Aus nahezu allen anderen Berufen hätte es jemanden raus geworfen, der so etwas erleiden muss. Aber in der Astronomie macht man einfach weiter. OK, dann halt nicht mehr am optischen Teleskop, aber es gibt ja noch die Radioastronomie und die Datenanalyse. Derlei geht eben auch akustisch.

Über diese Veranstaltung und die damit verbundene Ehre, die mir dort zu Teil wurde, schrieb ich in Inspiring Stars.

Anhänge …………………………………………………………… 141

In den Anhängen zu meinem Buch, erahnt Mensch, dass die Astronomie eine ganzheitliche Sicht auf die Welt eröffnet. So sind mir bis heute auf dem Blog Lyrik, Gedichte und Geschichten ganz wichtig. Hätten wir im Unterricht, egal in welchem Fach, mehr Geschichten bekommen, dann wäre sicherlich vieles spannender gewesen und vermutlich auch besser hängen geblieben. Und nicht zuletzt, hätten wir die Sinnhaftigkeit so mancher Inhalte begriffen.

Fazit:

Über anderthalb Jahre suchte ich einen Verlagfür mein Buch und erfuhr nur Ablehnungen.

  • Das Thema ist zu speziell,
  • so etwas verkauft sich nicht,
  • Blind und Astronomie kann ja gar nicht gehen…

waren Argumente der Ablehnung.
Den kleine Aquensis-Verlag in Baden-Baden konnte ich dann von meinem Mamuskript überzeugen, und wir machten einen Vertrag. Ein Grund, und da bin ich mir ganz sicher dafür war, dass der mittlerweile verstorbene Leiter selbst durch einen Schlaganfall halbseitig gelämt war, und dessen Sohn eine starke Hörbeeinträchtigung hat. Er war idealist genug…
Und dann kam aber schon mein erster Absturz.
Als mein Buch in der Presse angekündigt wurde, erhielt ich umgehend eine Einladung zur Sendung „Menschen der Woche“ des SWR, moderiert von Frank Elstner.
Das war an sich eine super erfahrung. Aber was macht er, er vergisst einfach mein Buch in die Kamera zu halten, und es zu erwähnen. Es lag vor ihm. Das kann man in der Sendung deutlich sehen.
Ich war am Boden zerstört über Wochen, und die Wunde ist nach all den Jahren noch nicht ganz geschlossen. Da schafft man es trotz aller Widrigkeiten zu einem Buch und in so eine Sendung, und dann …
Am meisten ärgerte ich mich auch darüber, dass ich damals viele Kontakte zu Leuten hatte, die mit Shows und Sendungen viel Erfahrung haben. Die ließen mich alle in das offene Messer laufen. Heute würde ich ganz selbstbewusst mein Buch ungefragt in die Kamera halten.
Aber was solls. Gelernt habe ich bei all dem sehr viel, weil ich im Grunde genommen jeden Fehler gemacht habe, den man bei der Erstellung und Veröffentlichung eines Buches überhaupt machen kann. Und ob ich mehr Bücher verkauft hätte, wenn der gute alte Frank mein Buch in die Kamera gehalten hätte, ist so ungewiss, wie die Antwort auf die Frage, was vor dem Urknall war.

Welche Frage von euch jetzt kommen könnte, und welche mir auch schon oft gestellt wurde ist die, wann denn mein zweites Buch erscheint.
Die Antwort darauf ist: „Ich weiß es nicht.“
Alles in allem habe ich mit dem ersten Buch nicht die besten Erfahrungen gemacht. Mit meinem Verlag hatte ich ein riesiges Glück. Ansonsten hatte ich nur Absagen. Geschrieben habe ich mittlerweile genug, womit ich vielleicht einen Verlag zu einer Buchidee überreden könnte, aber das ist dann auch je nach dem, sehr teuer. Naja, Selbstverlag oder so ein Online-Dienst ginge ja auch.
Meine Themen sind halt so richtige Randthemen. Und dann ist es ja so, dass es wahrlich schon so viele Bücher über Astronomie gibt, dass es schwer ist, ein Alleinstellungsmerkmal, also einen Grund dafür zu finden, wieso gerade mein Buch besonders lesenswert sein soll. Ich würde wenn, dann schon gerne bei meinem Alleinstellungsmerkmal „Blind zu den Sternen“ bleiben, aber damit bedient man halt dann wieder nur eine Randgruppe…
Ein Grund, der auch deutlich gegen ein neues Buch spricht, ist die elende Schlepperei auf Lesereisen. Jeder, der schon mal bei einem Umzug geholfen hat weiß, wie verdammt schwer Bücherkisten sein können…
Und dann ist es leider oft so, dass Sehende bei meinen Vorträgen, wenn es dann an den Buchverkauf geht, es nicht schaffen, die Barriere zu mir in ihrem Kopf zu überwinden.
Wie spreche ich ihn an?
Kann er mir mein Buch auch signieren?
Klappt das mit dem Geld und dem Rausgeben, wenn ich es nicht passend habe?
Nö, da bestelle ich mir das Buch lieber online, oder vergesse es, bis ich wieder daheim bin.

Also momentan fühle ich mich mit euch, meine Leser:innen, meinem Blog, mit dessen Inhalt man mittlerweile auch schon Bücher füllen könnte und meinen anderen Aktivitäten sehr wohl.
Und was ansonsten noch Bücher betrifft, so durfte ich mich an drei Anthologien des Arbeitskreises blinder Autoren (BLAutor) beteiligen. So etwas macht mir auch viel Spaß. Ja, so viel Werbung muss erlaubt sein, weil auch diese Anthologien sehr lesenswert sind. Zeigen sie doch auf unterschiedlichste Weise, welch wunderbares Leben man auch mit einer Beeinträchtigung führen kann. Wir sind durchaus nicht ständig leidend, werden aber gleichzeitig, wie ihr auch, vom Leid nicht verschont und den uns oft angedichteten sechsten Sinn, besitzen wir auch nicht.
Hier also die Links zu diesen weiteren Büchern, in welchen ich vorkomme…

  1. Blind verliebt
  2. Abenteuerliche Anekdoten blind erlebt
  3. Farbenfrohe Dunkelheit

Und was noch?
Großen Dank an all jene, die mich bei diesem mehrjährigen Buchprojekt begleitet und unterstützt haben. So etwas schafft keiner alleine.
Ich sage in aller Bescheidenheit und Demutvoll zu mir selbst:

Herzlichen Glückwunsch, gut gemacht…

Mensagespräche


Meine lieben,

heute geht es um etwas, worüber sich einige Nerds und ich neulich in der Mensa unterhielten.
Der Gegenstand von heute ist sehr flüchtig und kommt bei uns auf der Erde eher selten vor. Kommt es frei, dann haut es sofort ins Weltall ab. Obwohl es das zweithäufigste im Universum ist, ist es hier selten und kostbar.

Wir füllen es in Luftballons, die dann in die Höhe steigen und atmen es ein, damit wir wie die Mickymaus sprechen können.
Nicht zuletzt kühlen wir damit um die Wette, um möglichst nahe an den absoluten Nullpunkt von -273 Grad heran zu kommen, 0 Kelvin also.
Na klar. Ihr habt es längst erraten, dass es um Helium gehen wird.
Also los.

Die Entdeckung

Es ist kaum mehr als einhundert Jahre her, als die Wissenschaft noch davon ausging, dass die Sonne ähnlich aufgebaut sei, als unsere Erde. Nun ja. Immerhin zeigen sich im Sonnenspektrum auch viele Linien bekannter Elemente.
Erst eine Frau, mit Namen Cecilia Payne, räumte damit auf und erklärte uns den Sonnenstoff.
Ich schrieb darüber zum Weltfrauentag 2022 und in meinem Adventskalender in
Die Frau mit dem Sonnenstoff
Sie fand heraus, dass Sterne im wesentlichen aus Wasserstoff und Helium bestehen, und sich somit grundlegend vom Aufbau der Erde unterscheiden.
Also mich verblüfft das sehr, dass man etwas entdecken kann, obwohl man nicht vor Ort ist. Genau so ist das mit dem Helium passiert. Der Name sagt es ja schon. Helium heißt so, weil es eben nicht zuerst auf der Erde, sondern auf der Sonne entdeckt wurde.

Die Entdeckung des Heliums führt uns nach Indien in das Jahr 1868. Dort bewegte sich am 18.08. der Kernschatten einer Sonnenfinsternis über die indische und die malaiische Halbinsel.
Das wollten sich vor allem zwei Astronomen nicht entgehen lassen.

Den einen haben wir schon mal kennengelernt in Ein Sonnenforscher, eine Finsternis und ein Latenzaun
Der Astronom und Fotograf Pierre Jules César Janssen nahm also die beschwerliche Reise auf sich, um von Guntur in Indien aus diese Finsternis zu beobachten und zu fotografieren.
Als nach kurzer Zeit die Sonne wieder hinter der Mondscheibe hervortrat und die Protuberanzen verblassten, soll Janssen ausgerufen haben:
„Diese Linien will ich auch außerhalb der Finsternisse beobachten.“
Und was macht er danach? Er erfindet mal eben den Heliospektrographen.
Damit kann man Sonnenfinsternis auch am Tag und auf der ganzen Sonnenoberfläche erleben.

Den anderen der zwei, hätte diese Reise beinahe sein Leben gekostet.
Joseph Norman Lockyer schiffte sich auf der Psyche ein, um zum Ort des Geschehens zu gelangen. Leider erlitt er mit diesem Schiff Schiffbruch. Er wurde aber irgendwie gerettet, und erreichte mit knapper Not noch sein Ziel.
Ich habe mal irgendwo gelesen, dass er gerade noch drei Sekunden Finsternis beobachten konnte.

Ja, es war schon gefährlich, damals ein Finsternisjäger zu sein. Je nach dem, wo sie stattfindet, ist das bis heute so. Seereisen mögen sicherer geworden sein, und viele Orte kann man per Flugzeug erreichen, aber oft fallen die Finsternisse dort hin, wo einem Krokodile oder Schlangen in die Füße beißen können…

Aber nichts für ungut, fanden beide unabhängig voneinander eine gelbe Linie im Sonnenspektrum, die bisher noch keinem Element auf der Erde zugeordnet werden konnte. Es musste sich also um einen Stoff handeln, den es scheinbar nur auf der Sonne zu geben schien. Grund genug, ihn Helium zu nennen.

Das ist doch absurd. Da versteckt sich unser Heimatstern mal kurz hinter dem Mond, und die beiden finden die gelbe Spektrallinie des Heliums.

Zum Glück passt eben nur der hell leuchtende mittlere Teil der Sonne hinter den Mond, so dass die spannende Korona noch seitlich hervorluggt. Zumindest bei totalen Finsternissen ist das so.
Somit war Helium das erste Element, das nicht zuerst auf Erden entdeckt wurde.
Es dauerte noch ungefähr dreißig Jahre, bis man es auch auf der Erde fand.

Der schottische Chemiker William Ramsay suchte in einem Mineral namens Cleveit (ein Uranerz) nach Argon.
Stattdessen fand er ein Gas mit genau jener geheimnisvollen gelben Spektrallinie – es war das Sonnen-Helium!
Kurz darauf bestätigten die schwedischen Forscher Per Teodor Cleve und Nils Abraham Langlet die Beobachtung und isolierten größere Mengen.

Was ist Helium?

  • Helium ist ein besonderes Element: Es ist ein sogenanntes Edelgas und gleichzeitig das zweitleichteste chemische Element nach Wasserstoff.
  • Ein Edelgas geht mit nichts chemische Reaktionen ein.
  • Es besteht in seinem Kern aus zwei Protonen und zwei Neutronen, der von zwei Elektronen umgeben ist.
  • Es kann nicht wie viele andere Stoffe durch chemische Prozesse hergestellt werden, da es sich um ein reines Atom handelt und nicht um eine Verbindung, die man mischen könnte.
  • Es kommt chemisch quasi einzeln vor, wobei sich die nicht edlen Gase mit ihresgleichen verbinden, wenn sich nichts besseres findet, z. B.
    Wasserstoff als H2,
    Sauerstoff als O2
    Stickstoff als N2
    und Helium eben alleine als He. Das hat zur Folge, dass man es sogar noch schlechter einsperren kann, als Wasserstoff, weil es alleine überall durchrutschen kann.

Das vorhin erwähnte Argon ist übrigens ebenfalls ein Edelgas. Es ist aber deutlich schwerer als Helium. Wenn man das einatmet, dann klingt man tiefer. Da Argon schwerer als Luft ist, muss man nach so einer Aktion einen Kopfstand machen, damit das schwere Gas wieder aus einem herausfallen kann, um wieder Platz für normale Luft in der Lunge zu schaffen.
Bitte besser nicht versuchen. Man könnte dabei ersticken.
Aber zurück zu unserem Sonnenstoff.

Natürliche Entstehung

Helium entsteht hauptsächlich im Inneren von Sternen durch Kernfusion: Wasserstoffkerne (Protonen) verschmelzen zu Helium. Dieser Prozess liefert uns die Energie der Sonne, den wir gerne hier auf Erden nachstellen würden.

Auf der Erde entsteht Helium bei radioaktivem Zerfall schwerer Elemente (z. B. Uran, Thorium). Dabei werden Alphateilchen frei, die im Prinzip Helium-4-Kerne sind. Diese sammeln sich in Gesteinen und reichern sich in Erdgaslagerstätten an. Deshalb wird fast das gesamte Helium, das wir nutzen, aus Erdgas gewonnen.

Künstliche Herstellung

Helium lässt sich, wie gesagt, nicht künstlich herstellen. Man kann es nur gewinnen und abscheiden. Das ist und bleibt zumindest so lange der Fall, bis es uns vielleicht eines Tages doch gelingt, das Sternenfeuer hier auf Erden in einem Kernfusionsreaktor zu zünden und am Leben zu halten. Die magische Zahl, des Versprechens lauten schon mindestens seit fünfzig Jahren, „fünfzig“, dann ist es so weit.

In Kernreaktoren, wo Alpha-Teilchen, also Heliumkerne entstehen, kann man es eventuell auch erzeugen. Aber wer will so radioaktives Zeugs.
Helium künstlich zu gewinnen lohnt sich nicht, weil die Mengen verschwindend klein und die Verfahren extrem teuer sind.
Deshalb nutzt man weiterhin das Helium, das in Erdgasvorkommen gebunden ist.

Es ist in Erdgasen nur in Spuren (0,1–7 %) enthalten, aber weil es extrem leicht und nicht brennbar ist, kann man es durch Trennverfahren isolieren.
Erdgas besteht hauptsächlich aus Methan (CH₄), dazu Ethan, Propan, Stickstoff usw.
Wenn man das Gasgemisch sehr stark abkühlt und unter Druck setzt (Tiefkühlung, „Kryogene Destillation“), werden fast alle Komponenten flüssig – außer Helium, weil es den niedrigsten Siedepunkt hat (−269 °C).
Helium bleibt also gasförmig übrig, während Methan und Co. schon verflüssigt sind.
Danach wird es durch mehrfache Reinigungsschritte (z. B. Aktivkohle, Membranen, Druckwechsel-Adsorption) von Spuren anderer Gase (v. a. Stickstoff, Neon, Wasserstoff) getrennt.
Am Ende erhält man Rohhelium mit ca. 70–80 % Reinheit.
Dieses wird dann noch weiter verflüssigt oder durch spezielle Adsorptionsverfahren auf über 99,999 % Reinheit gebracht, wie es für Labor, Medizin und Raumfahrt gebraucht wird.

Besonderheiten dieses Elements

Jedes andere Gas wird bei genügend tiefer Temperatur von selbst fest.
Helium aber bleibt bei Normaldruck bis zum absoluten Nullpunkt (0 K) flüssig. Ganz nebenbei. Den absoluten Nullpunkt kann man nicht erreichen, aber fast…
Erst wenn man Druck anlegt (ca. 25 bar bei Helium-4), kristallisiert es zu einem Festkörper.
Der Grund dafür sind quantenmechanische effekte.
Helium-Atome sind extrem leicht.
Die Bindungskräfte zwischen ihnen (Van-der-Waals-Kräfte) sind sehr schwach.
Bei tiefer Temperatur würden sie sich zwar normalerweise aneinander „festklammern“, aber:
Wegen ihrer geringen Masse haben die Atome eine hohe Nullpunktsbewegung (Quantenschwankung, die auch bei 0 K nicht verschwindet).
Diese Bewegung ist stärker als die Anziehungskräfte → die Atome können sich nicht an feste Plätze „binden“.
Helium bleibt also flüssig, wenn man keinen Druck anlegt.
Kühlt man Helium Unter 2,17 K (bei Helium-4) passiert dann etwas Magisches: Helium wird superfluid.
Es Fließt ohne Reibung durch feinste Röhrchen.
Es bildet dünne Filme, die Wände hochkriechen.
Es ann Wärmetransport extrem effizient übernehmen, wieso es als Kühlmitten eingesetzt wird, wo sehr tiefe Temperaturen gebraucht werden.
So wird beispielsweise eine Infrarot-Kamera unseres Web-Space-Teleskop mit Helium gekühlt, weil sie ansonsten zu warm wäre, um die Infrarotstrahlung messen zu können. Sie wäre dann dafür blind. Supraleitende Magnete, z. B. die im LHC im Zern, oder in Kernspintomographen kühlt man so weit herunter, bis das Material, aus welchem sie gemacht sind, seinen Widerstand gegen Strom aufgibt, und supraleitend wird. Damit kann man dann so starke Magnetfelder erzeugen, wie das mit nicht-supraleitenden Spuhlen, z. B. gewickelt aus Kupferdraht, niemals möglich ist.

Wenn man Helium einatmet (bitte nur ganz kurz und in sicherer Umgebung!), verändert sich die Stimme.
Der Grund ist nicht, dass die Stimmbänder schneller schwingen, sondern dass Helium viel leichter als Luft ist.
Die Schallgeschwindigkeit hängt von der Dichte des Gases ab:
In Luft: ca. 343 m/s
In Helium: ca. 970 m/s
Die Resonanzräume im Mund und Rachen klingen dadurch höher, weil die Resonanzfrequenzen steigen.
Das ist ein reiner akustischer Effekt, kein biologischer.

Fazit

Helium ist nicht nur im chemischen Sinne edel, sondern auch deshalb, weil es selten und wertvoll ist.

Vor allem seine Kühleigenschaften sind für uns Menschen unverzichtbar geworden. Magnetspintomographen, die in der Medizin verwendet werden, kühlt man gerne mal mit Helium oder Stickstoff.

Bis heute wird um die Wette gekühlt. Da fällt mir der Physiker Wolfgang Ketterle ein. Der war so eifrig dabei, dass er sich ein Feldbett in sein Büro stellte, denn auch er konnte jetzt nicht zu Bett gehen, wenn seine Kollegen und Mitarbeiter um die Wette kühlten.
So etwas nenne ich Beharrlichkeit…

Zum Schluss stelle ich in den Raum, dass es vielleicht nicht die beste Idee ist, unser kostbares Helium in Luftballons zu füllen, die sicher platzen, und somit das Helium in den Weltraum entlassen, weil es so leicht ist, dass unsere Erde es nicht daran hindern kann, zu entfliehen. Wir werden für unsere neuen Technologien, wie z. B. Quantencomputer und die Energiewende viel mehr Helium benötigen, als bisher.

Das Geheimnis des Regenbogens


Meine lieben,
erst mal vielen Dank für eure Rückmeldungen und Kommentare zu meinen Alemannischen Astronomen und natürlich auch zu meinem etwas untypischen Artikel Unter Uns.

Es haben mich jetzt doch einige Fragen zu den Entdeckungen meiner alemannischen Astronomen erreicht. Deshalb greife ich heute nochmal den Balmer auf, und was er gefunden hat. Und keine Sorge, der etwas exzentrische Zwicky soll auch nochmal dran kommen.
Ja, es ist eben etwas ganz besonderes, wenn man nach so vielen Jahren den ersten Auftritt in der Geburtsstadt hat, und die ganze Familie kommt. Damit ist man in einem Artikel noch nicht fertig.
Fangen wir also mal mit Balmer und seiner Formel an. Keine Angst, es wird nicht sehr mathematisch werden. Ich kenn euch doch.

Farben des Lichts

Das farbige Spektrum z. B. das, des Sonnenlichts, entsteht immer dann, wenn es in seine Farben aufgefechert wird.
Lässt man Licht durch ein Prisma, ein Fraunhofergitter mit sehr schmalen Linien, durch eine Regenwand als Regenbogen oder auf eine CD fallen, kann man die bunden Farben des an sich weißen Sonnenlichtes erkennen.
Das Licht sortiert sich zu einem Spektrum (Farbband) weil Licht unterschiedlicher Wellenlängen unterschiedlich stark abgelenkt wird.

Im Falle des Regenbogens muss das weiße Sonnenlicht ähnlich, wie bei einem Prisma durch die Regentropfen hindurch und wird so aufgespalten.
Wir kommen nachher nochmal auf ihn zurück.

Das Lichtwunder

Ein halbes Jahrhundert vor Balmer stand ein junger Glasmacher am Okular eines Teleskops. Joseph von Fraunhofer, ein bayerischer Waisenjunge, der sich mit harter Arbeit zum Optiker und Physiker hochgearbeitet hatte, beobachtete das Sonnenlicht durch ein Prisma. Was er sah, ließ ihn erstarren.

„Was zum Kuckuck… da sind dunkle Streifen im Regenbogen!“,

rief er.

Es waren hunderte, ja tausende dunkle Linien – wie kleine Risse im Farbspektrum. Niemand konnte erklären, warum sie da waren. Fraunhofer katalogisierte sie akribisch, gab ihnen Buchstaben, doch er ahnte nicht, dass er damit die Sprache des Universums aufgeschlagen hatte. Er starb früh, doch seine Linien lebten weiter.

Dann, in Heidelberg, einige Jahre später, brodelte es – wortwörtlich. Robert Bunsen, der mit seinem Assistenten Gustav Kirchhoff am Spektroskop arbeitete, hatte mit Hilfe seines neu erfundenen Gasbrenners herausgefunden, dass jedes chemische Element ganz eigene, bunte Linien ins Spektrum malte. Bunsen, ein Mann mit feinem Schnauzer und wachem Geist, hielt triumphierend ein Glasröhrchen in die Flamme.

„Schau, Gustav! Natrium – immer zwei gelbe Linien. Wie die Fensterläden bei meim Elternhaus!“

Sie erkannten, dass man mit dem Licht die chemische Zusammensetzung erkennen konnte – selbst von Dingen, die man nie anfassen würde.
Nun hatte man also das Werkzeug, die Spektralanalyse in der Hand, mit welchem man Dinge entdecken konnte, ohne dort gewesen zu sein, z. B. das Helium der Sonne. Dies ist aber mal eine eigene Geschichte wert.

Doch die Krönung dieser Reise sollte noch folgen – durch eine Frau, die sich gegen alle Widerstände durchsetzte. Ihr Name: Cecilia Payne. Eine junge Engländerin, die 1925 in Harvard promovierte – als erste Frau, und gleich mit einer Arbeit, die alles veränderte.

Sie hatte das Licht der Sterne durch Spektren analysiert und erkannte, dass sie vor allem aus Wasserstoff und Helium bestanden. Die damalige Wissenschaft hielt das für unmöglich – man glaubte, die Sonne müsse aus denselben schweren Elementen bestehen wie die Erde.

Doch Cecilia ließ sich nicht beirren. Ihre Formeln, ihre Logik, ihre klare Sicht auf das Licht überzeugten später selbst den größten Kritiker: Henry Norris Russell musste eingestehen, dass sie recht gehabt hatte. Damit hatte sie das wahre Wesen der Sterne enthüllt – nicht durch Teleskope, sondern durch Mathematik und Licht.
Das muss man sich mal vorstellen. Mit diesem chemischen Fingerabdruck lassen sich Dinge erforschen, ohne dort hin zu gehen. Sie müssen halt nur leuchten.

Neben der Tatsache, dass Sterne fast nur aus Wasserstoff und Helium bestehen, weiß man heute, dass in Spuren auch fast alle anderen Elemente in der Sonne vorkommen. Die hat sie sich bei ihrer Entstehung einverleibt, weil es vor ihr schon Sterne gab, die in Supernova-Explosionen diese schweren Elemente erzeugten und ins All geblasen haben.

Jedes chemische Element und Molekül besitzt sein eigenes Spektrum, sein eigenes farbiges Band, seine eigene Melodie, wenn man so will, wenn man es zum leuchten, z. B. durch Erhitzung anregt.
Es besitzt also einen ganz ihm eigenen Barcode, bestehend aus hellen und dunklen Linien oder Rissen im Farbspektrum.

Warum?
Weil in jedem Atom die Elektronen nur bestimmte Energiestufen einnehmen können. Wenn sie angeregt werden – zum Beispiel durch Hitze oder Licht –, springen sie auf eine höhere Stufe. Beim Zurückfallen senden sie Licht aus – aber nur in ganz bestimmten Farben. Diese Farben erscheinen im Spektrum als Linien. Für jedes Element anders. So erkennt man Natrium an zwei gelben Linien, Wasserstoff an mehreren Linien im blauen und roten Bereich, und Helium – wie Bunsen und Kirchhoff es entdeckten – an einer besonderen gelben Linie, die vorher unbekannt war.

Balmers Entdeckung

Also war das mit den Wasserstofflinien Balmer schon bekannt.
Bevor ich euch beschreibe, was der Alemanne sah, und wir seine Formel kennenlernen, hier noch etwas zum Verständnis.

Zur Beschreibung einer Welle benötigt man ihre Frequenz und ihre Ausbreitungsgeschwindigkeit. Diese kennen wir für elektromagnetische Wellen, also Licht, im Vakuum genau. Licht breitet sich dort mit einer Geschwindigkeit von 300000 Kilometer pro Sekunde aus. Die Frequenz gibt an, wie oft eine Welle pro Zeiteinheit, z. B. einer Sekunde hin und her schwingt. Sie wird in Herz, oder dessen Vielfachen, z. B. Kiloherz oder Megaherz angegeben. Aus all dem kann man nun berechnen, wie weit sich eine Welle während einer kompletten Schwingung in ihrem Medium ausgebreitet hat. Unsere Lichtwellen schwingen so schnell, dass man ihre Ausbreitung in Nanometern angeben muss, um nicht so kleine Zahlen hinter dem Komma zu erhalten.

Beobachtet man also bis zum leuchten erhitzten Wasserstoff durch ein Prisma oder Fraunhofergitter, dann sieht man folgendes:

  • Bei 656 nm ein kräftiger roter „Ton“
  • Ein wenig weiter rechts, bei 486 nm, ein grünlich-blauer Akzent
  • Dann bei 434 nm ein schwächeres Blau
  • Schließlich bei etwa 410 nm ein zartes Violett

Je weiter man geht, desto enger und blasser werden die Linien, bis sie im Ultravioletten verschwinden.
Diese Linien sind wie Schritte auf einer Treppe des Lichts, wobei jede Linie für einen Quantensprung eines Elektrons steht.
Stellte man sie so akustisch da, dann lägen die Töne sehr nah beieinander. Aber wenn man das ganze etwas dehnte, dann wären die Klänge sicher gut zu unterscheiden.

Die Balmer-Serie endet dann bei einer minimalen Wellenlänge, der sogenannten Balmer-Grenze:
Diese liegt im Ultraviolett – also außerhalb des sichtbaren Bereichs.

Balmers Formel

In Balmers Formel geht es darum, das Spektrum des Wasserstoffs mathematisch zu erklären, also ohne Beobachtung im voraus zu berechnen.

Die Balmer-Formel beschreibt die Wellenlängen des sichtbaren Lichts, das von angeregtem Wasserstoffgas ausgestrahlt wird, wenn Elektronen auf die zweite Schale (n = 2) zurückfallen. Die dabei entstehenden Spektrallinien bilden die sogenannte Balmer-Serie.
Wie das genau funktioniert, erspare ich uns an dieser Stelle, weil wir dazu sogar in die Quantenphysik hinein müssten.

Im sichtbaren Bereich des Wasserstoffatom-Spektrums lassen sich vier Linien beobachten, deren Abstände voneinander mit abnehmender Wellenlänge kleiner werden. Sie werden, beginnend mit der größten Wellenlänge, als H‑α (H‑alpha), H‑β, H‑γ und H‑δ bezeichnet. Ihre Wellenlängen

Balmer nun war davon überzeugt, dass wenn man verschiedene Eigenschaften kennt, z. B. Temperatur, Frequenz etc, dann sollten sich doch diese Lücken auch mathematisch „voraussagen“ lassen. Er wollte wissen, wieso beim Wasserstoff das Spektrum genau so ist, wie es ist.
Wer nun die Formel genau studieren möchte, den darf ich auf den Artikel dazu bei Wikipedia verweisen. Dort wird sie gut und mathematisch erklärt.
Für all jene, welche Formeln in LaTeX lesen können, rate ich, unten auf der Seide in die mobile Ansicht umzuschalten. Dann seht ihr sie im LaTeX-Code.
Andernfalls hängt die Lesbarkeit stark davon ab, was euer Bildschirmleser mathematisch so drauf hat..
https://de.wikipedia.org/wiki/Balmer-Serie

Epilog

So kam es, dass ein Alemann mit Zahlen, ein bayerischer Glasmacher, ein Heidelberger Feuergeist und eine mutige Frau aus England zusammen über Zeit und Raum hinweg das Universum entschlüsselten.
Das Licht der Sterne ist kein bloßes Leuchten – es ist eine Nachricht. In seinen Farben liegt ein Geheimcode, geschrieben in Linien, die von jedem Element anders gezeichnet sind. Das Spektrum ist der Regenbogen des Universums. Und jedes Atom malt darin seine Signatur.

Wer also heute einen Sonnenstrahl durch ein Prisma fallen lässt, der sieht mehr als nur Farben. Er sieht eine uralte Geschichte – von Feuer, von Zahlen, von Mut und Erkenntnis. Und vielleicht flüstert dann der Wind auf Alemannisch:

D’Liecht isch meh als Liecht – es isch dr Klang vom Kosmos, gschriebe mit Farbe!

„Licht ist mehr. Licht ist der Klang des Kosmos, geschrieben mit Farben.“

Zu guter letzt

Hier zum Schluss noch eine Beschreibung eines Regenbogens und ein Gedicht von einer lieben Mitleserin:
Beschreibung:

im Vordergrund bzw dem unteren Drittel: Wiese, Häuser, Bäume, Bildmitte Regenbogen, der fast über den ganzen Himmel geht (nahezu vollständiger Halbkreis also), Drüber Wolken. Mit bloßem Auge (auf dem Foto leider nicht erkennbar) konnte man den spiegelbildlichen „Zwilling“ sehen – außen rot, innen blau der Zwilling mit noch außen blau war zu erkennen (gelb und rot nicht mehr). Aber so selten Regenbogen sind – mit „Doppel“ noch weniger hat mich das extrem begeistert. Hätte jetzt gerne ein passendes Musikstück für dich das mindestens Majestätisch, mit der großen Pauke und ausdrucksstark daher kommt…

Nun nimmt sie Bezug auf unseren Sternenwanderer, der unsere Radiosphären durchkreuzt, Siehe Artikel zu Ostern 2025.

Eigentlich sollten wir unserem Freund, dem Sternenwanderer, echt von dieser Naturschönheit des Regenbogens erzählen.

Und nun teilt sie noch ein Gedicht das sie in der ersten Klasse gelernt und bis heute behalten hat.

Der Regenbogen
von Ruth Hassel.

Ein Regenbogen, komm und schau
rot und orange, gelb grün und blau
So herrliche Farben
kann keiner bezahlen
ihn über den halben Himmel zu malen.
Ihn malte die Sonne
mit Goldener Hand
auf eine wandernde Regenwand.

Ich kann unsere Mitleserin und euch an dieser Stelle trösten. Es ist sicher, dass die Schönheit eines Regenbogens durch Ton und Bild auch schon durch unsere Radiosphären zu unserem Wanderer gelangt ist. Hoffen wir, dass er ihn zwischen all dem anderen Getöse findet…