Meine lieben,
heute geht es mal wieder um etwas verbindendes zwischen Kulturen und Religionen.
Ich habe es ganz zufällig entdeckt, und dachte mir, dass das eine schöne Geschichte für die Rubrik „Kalendarisches“ des großen Newsletters von Eberhard, für den ich schon mehrfach schreiben durfte.
Er war sofort begeistert. Und wenn er begeistert war, dann seid ihr das ja vielleicht auch.
Eberhard schreibt in seinem Newsletter:
Wieder einmal ist es mir eine große Freude, dass uns Gerhard Jaworek einen Beitrag schickt. Wir kennen Gerhard von vielen bisherigen Beiträgen hier im Newletter. Gerhard betreibt seit vielen Jahren einen Astroblog, der sich auch dadurch auszeichnet, dass er als blinder Astronom für blinde und sehende Sternfreunde schreibt. Er ist auch Mitglied der Deutschen Astronomischen Gesellschaft.
Gerhard schreibt:
Liebe Sternfreundinnen und -freunde,
in 2026 haben wir kalendarisch eine seltene Konstellation:
Die Fastenzeiten fast aller großen Religionen überlappen sich so stark, wie nur selten.
Die christliche Fastenzeit beginnt bekanntlich mit dem Aschermittwoch, in 2026 am 18. Februar, und endet am Karsamstag vor dem Ostersonntag, am 05. April 2026.
In manchen christlichen Zählweisen endet die Fastenzeit bereits am Gründonnerstag mit dem letzten Abendmahl vor der Kreuzigung Jesu.
Der Ostersonntag ist in der Regel der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem astronomischen Frühlingsanfang, der Tag-Nacht-Gleiche.
Ich schrieb darin in einem meiner ersten Artikel überhaupt
Wieso ist Ostern manchmal so früh, und manchmal so spät?
Ostern ist das einzige Fest, das noch primär von astronomischen Gegebenheiten abhängt. Fasching, Chr. Himmelfahrt, Fronleichnam und Pfingsten leiten sich davon ab.
Bis zum Konzil im Jahre 325 n. Chr. feierten verschiedene Gemeinden das Osterfest an unterschiedlichen Tagen. Dort wurde beschlossen, dass ein einheitlicher Termin gefunden werden muss, an dem alle Brüder und Schwestern der Christenheit gemeinsam das Osterfest, die Auferstehung Jesu, begehen und feiern sollen.
Es fällt ungefähr mit dem Jüdischen Pessach-Fest zusammen.
Somit kann die Auferstehung Jesu frühestens am 22.03. und spätestens am 26.04. stattfinden. Dieses Datum war Papst Gregor in seinem Kalender zu spät. Deshalb führte er eine Regel ein, die den 25.04. als spätesten Termin erlaubt.
Um dieses Problem, der Berechnung des Ostertages zu lösen, gab der Mathematiker und Jesuitenpater Christophorus Clavius im 16. Jahrhundert eine Rechenvorschrift heraus, die allerdings noch sehr unhandlich war.
Der Mathematiker und Astronom Karl-Friedrich Gauß griff diese Rechenvorschrift auf und verfasste im Jahre 1800 eine vereinfachtere Lösung, um den Ostertermin zuverlässig im voraus bestimmen zu können.
Die Große Fastenzeit der Orthodoxen Kirche beginnt in diesem Jahr am 23.02. und endet am 12.04 mit dem Pascha-Fest.
Mit diesen Fastenzeiten hatte ich vor einigen Jahren mit einer rumänischen Kollegin, die der orthodoxen Kirche angehört, ein besonderes Erlebnis. Ich wollte sie zur Berechnung ihrer anderen Feiertage und Fastenzeiten befragen. Und mal ganz ehrlich. Wer von uns hat in der Schule mal vernünftig gelernt, wie sich unsere Zeiten berechnen.
Sie antwortete also:
„Wie das genau funktioniert, weiß ich auch nicht. Das hat irgendwie mit dem Mond und einem anderen Kalender zu tun. Und außerdem wollen alle orthodoxen Brüder und Schwestern auf der Welt gemeinsam Ostern feiern können.“
In der orthodoxen Kirche wird am Julianischen Kalender festgehalten.
Das ist der Kalender, der vor dem gregorianischen Kalender benutzt wurde.
Er orientierte sich stark nach dem Mond. Da sich aber unser Mond mit seiner Umlaufzeit nicht gut in den Rest des Jahreslaufes mit seinen Jahreszeiten etc. integrieren lässt, musste man manchmal einen dreizehnten Mond einfügen, damit die Feiertage, die Erntezeiten und vieles mehr nicht komplett aus dem Takt gerieten.
Daher findet der 21. März (im orthodoxen Kalender 20. und 21. Jahrhundert) 13 Tage später statt, als im gregorianischen Kalender.
Daher findet das orthodoxe Osterfest manchmal eine Mondphase später statt. Außerdem berechnet die orthodoxe Kirche das Osterdatum nach einer bereits in der Antike festgelegten Rechenvorschrift, dem Metonischen Zyklus. Er dauert meistens 19 Jahre.
Den erklärte ich genauer in
Vollmond an Halloween
Man kann mit ihm beispielsweise berechnen, wann der Vollmond, und natürlich auch der Neumond, wieder auf einen bestimmten Tag, z. B. den Heiligen Abend, oder meinetwegen auch auf eure Geburtstage fällt.
Die Länge des 19-jährigen Mondzyklus wurde damals um ca. 2 Stunden zu lang angenommen, was sich im Laufe von 17 Jahrhunderten zu einigen Tagen addiert hat.
Aus diesem Grunde können sich die Feierzeiten um bis zu fünf Wochen unterscheiden.
Von diesem Effekt ist übrigens auch der Jüdische Kalender betroffen.
Ramadan 2026 wird je nach regionaler Mondsichtung voraussichtlich am Abend des 17. Februar 2026 beginnen, mit dem ersten Fastentag am 18. Februar 2026.
Der Fastenmonat Ramadan dauert etwa 29–30 Tage und endet mit Eid al-Fitr, dem Fest des Fastenbrechens. Die meisten Berechnungen gehen von einem Ende des Ramadan am 19. März 2026 aus und Eid al-Fitr fällt dann auf 20. März 2026.
Ganz besonders daran ist, dass der Koran genau bestimmt, wann Ramadan zu sein hat. In der Bibel sind nirgendwo Fastenzeiten festgelegt, zumindest nicht im neuen Testament.
Den Anfang des Ramadans markiert die Sichtung (ru’ya / رؤية / ruʾya) der neuen Mondsichel (hilal) am Ende des letzten Tages/in der letzten Nacht des Vormonats Scha’ban an.
Der Grundtypus dieser Traditionen in den kanonischen Hadithsammlungen als Direktive des Propheten lautet:
„Der Monat besteht aus 29 Tagen. Fastet erst, wenn ihr sie (die Mondsichel – hilal) seht, und brecht das Fasten erst, wenn ihr sie (wieder) seht. Und wenn (der Himmel) über euch bedeckt ist, so bestimmt ihn. Vervollständigt die Zahl der Scha’ban-Tage/ auf 30 (Tage).“
(Hadith Abu Dawud, Buch 13, Nr. 2312; al-Bukhari, Buch 31, Nr. 130-131.)
Und jetzt sieht man schon, wieso dieses Ereignis recht selten vorkommt, dass die Fastenzeiten so stark überlappen.
Der Ramadan richtet sich komplett nach dem Mond. Das bedeutet, dass sich sein Zyklus durch ein ganzes Jahr ungefähr alle 32 Jahre wiederholt.
In die Berechnung der orthodoxschen Feierzeiten geht der alte julianische Kalender und der 19 jährige Meto-Zyklus ein, der je nach dem, wie die Schaltjahre fallen, sogar doppelt so lang sein kann.
Und die christlichen Zeiten hängen ja am Bändel des Ostervollmondes.
Das dauert, bis da mal wieder alle verschiedenen Rhythmen zueinander passen.
Gerade in diesen unruhigen kriegerischen Zeiten ist die Tatsache, dass wir in 2026 miteinander fasten und feiern können, eine gute Gelegenheit, mal wieder auf ein religiöses, kulturelles, friedvolles und respektvolles Miteinander hin zu arbeiten.
In diesem Sinne grüßt euch der Sternenonkel.

Lieber Gerhard, was für ein schöner Gedanke das die Fastenzeiten die Religionen verbinden.
Ich hab mal geschaut, auch in anderen Religionen gibt es Anlässe zu fasten. Die jedoch ziemlich unterschiedlich sein können. Zb fasten Buddisten eher um „besser“ meditieren zu können (sprich, mit vollem Bauch meditiert es sich nicht so einfach und total ausgehungert geht das auch nicht).
Im Hinduismus sind gefühlt ganz viele Richtungen oder Varianten vereinigt und jede hat ihre eigene Interpretation. Eher das Motto „jede/r entscheidet für sich“.
https://www.religionen-entdecken.de/lexikon/f/fasten-im-hinduismus
Am Ende dieses Links werden noch weitere Religionen aufgezählt und man kann deren Fastenzeiten und Anlässe nachlesen. Jedoch meist nicht mit Bezug zum Gregorianischen Kalender so dass ich nicht sagen kann, ob gerade noch weitere gemeinsame Fastenzeiten bestehen.
Ich bin trotzdem erstaunt, das Fasten so weit verbreitet ist!
Liebe Grüße, Eva