Lebenslinien unserer Sterne


Meine lieben,
heute ist mal wieder ein Geschenk der Anlass für einen Artikel.
Vor einiger Zeit fragte mich meine Arbeitskollegin, was ich denn gerne für ein Motiv auf meiner Geburtstagskarte, die wir vom Team immer bekommen, hätte. Sie fragt mich deshalb, weil ganz viele bunte Geburtstagsmotive, vor allem, wenn sie noch 3D-Effekte haben, von blinden Menschen überhaupt nicht ertastet und verstanden werden können.

Neben einiger astronomischen Motiven, die ich gerne mal unter die Finger nehmen möchte, erwähnte ich auch den Gegenstand des heutigen Artikels. Da es zu groß für eine übliche Geburtstagskarte ist, hat meine Kollegin mir diese Grafik im A3-Format extra generiert. So bleibt die Überraschung, was auf meiner Geburtstagskarte sein wird noch bis zur nächsten Team-Sitzung offen.

Es geht quasi um die Lebenslinien von Sternen. Die werden in einem Herzsprung-Russel-Diagramm aufgezeichnet.
Wir erwähnten ja hier schon öfter, dass z. B. sehr massereiche Sterne ihr Leben rascher beenden, weil sie durch den höheren Druck in ihrem Inneren, den Wasserstoff deutlich schneller verbrauchen.
Rote Zwergsterne leben dagegen fast ewig, weil sie so sparsam sind.
Sterne beenden ihr Leben auch sehr unterschiedlich.
All das kann man im diesem Herzsprung-Russel-Diagramm sehr gut sehen, oder in meinem Fall, nun endlich auch ertasten.

Ein Hertzsprung-Russell-Diagramm (oft HR-Diagramm genannt) zeigt, wie Sterne nach Temperatur, Farbe, Leuchtkraft und Entwicklungszustand geordnet sind. Es wurde von Ejnar Hertzsprung und Henry Norris Russell entwickelt.

Und so eines liegt, wie gesagt nun taktil vor mir.
Ich habe ChatGPT so gepromptet, dass sie sich ein taktiles HR-Diagramm vorstellen soll, und dass sie mir das Stück für Stück so erklären soll, dass ich das als blinder Mensch kapiere.
Lassen wir uns also mit Hilfe von ChatGPT durch das taktile Diagramm geleiten.

👉 Schritt 1: Den Rahmen finden
Taste zuerst den äußeren Rand der Grafik ab.
Du solltest eine rechteckige Fläche finden:

unten → horizontale Achse
links → vertikale Achse
Diese zwei Achsen sind das Wichtigste.

👉 Schritt 2: Die untere Achse (Temperatur) erkunden
Fahre mit den Fingern unten von links nach rechts entlang.
Du findest dort Markierungen oder Beschriftungen für die Oberflächentemperatur der Sterne.
links = sehr heiß
rechts = kühl
Das ist genau umgekehrt wie bei normalen Diagrammen.
Typische Orientierung (nicht immer vollständig beschriftet):
ganz links: etwa 30.000–40.000 K → sehr heiße blaue Sterne
Mitte: etwa 6.000 K → Sonne-ähnliche Sterne
rechts: etwa 3.000 K → kühle rote Sterne
👉 Wenn deine Grafik zusätzlich Spektralklassen zeigt (O–B–A–F–G–K–M), liegen sie meist von links nach rechts in genau dieser Reihenfolge.
Diese Buchstabenfolge klassifiziert die Sterne nach ihren Spektren.

Zwei Frauen zeichnen für diese Klassifikation verantwortlich, Williamina Fleming und Annie Jump Cannon. Aber das muss eine andere Geschichte werden.
Der wahrscheinlich berühmteste Merkspruch, sich diese Reihenfolge zu merken lautet:
„Oh Be A Fine Girl/Guy, Kiss Me“
ChatGPT hat mir auch eine deutsche Version vorgeschlagen, die mir astronomisch sehr gut gefällt.
„Ozeanblau am Firmament glüht kosmische Materie.“
Aber weiter mit der Erkundung:

👉 Schritt 3: Die linke Achse
Gehe jetzt an den linken Rand und taste von unten nach oben.
Das zeigt die Leuchtkraft (Helligkeit eines Sterns).
unten = lichtschwach
oben = sehr hell
Manchmal steht dort:
„Leuchtkraft der Sonne = 1“
oder Potenzen wie 0,01 – 1 – 100 – 10.000
Das bedeutet:
👉 Je höher du tastest, desto mehr Energie strahlt der Stern ab.

Ja, stimmt. so stehts auf meinem taktilen Exemplar.
Es ist ja fast so, als könnte die KI mein Exemplar hier sehen…

👉 Schritt 4: Die große schräge Sternspur finden (Hauptreihe)
Jetzt kommt das wichtigste Element.
Suche im Inneren der Fläche nach einer:
✅ dicken oder deutlich fühlbaren Linie / Punktwolke
die schräg von oben links nach unten rechts verläuft.
Das ist die Hauptreihe.
Taste sie langsam ab:
oben links → heiß + sehr hell
Mitte → mittelgroße Sterne (hier liegt unsere Sonne)
unten rechts → kühl + lichtschwach
👉 Etwa 90 % aller Sterne befinden sich hier.
Wenn du die Linie entlanggehst, spürst du praktisch die „Lebensphase normaler Sterne“.

👉 Schritt 5: Oben rechts – Riesensterne finden
Suche jetzt rechts oben im Diagramm.
Dort findest du meist:
eine eigene Gruppe
einen Bereich
oder Beschriftungen wie „Riesen“ oder „Rote Riesen“

Eigenschaften dort:
kühl (rechts)
aber sehr hell (oben)
riesiger Durchmesser
Diese Sterne sind aufgebläht – deshalb hell trotz niedriger Temperatur.
👉 Schritt 6: Unten links – Weiße Zwerge finden
Gehe nun in den unteren linken Bereich.
Dort liegt meist eine kleinere Gruppe:
sehr heiß (links)
aber lichtschwach (unten)
Das sind Weiße Zwerge:
sehr klein
extrem dicht
„Sternreste“

👉 Schritt 7: Die Sonne lokalisieren (falls markiert)

Viele taktile HR-Diagramme markieren die Sonne.

Suche:
ungefähr Mitte der Hauptreihe
Temperatur etwa 6000 K
Leuchtkraft etwa 1
Wenn du dort eine besondere Markierung fühlst → das ist unsere Sonne.

Ja, die Sonne ist bei meinem Exemplar speziell markiert. Um ihre Temperatur genauer ablesen zu können, legte ich die A3-Grafik auf ein großes Zeichenbrett, wo man ein Lineal und einen Anschlag hat. Diesen schob ich bis zur Sonnen-Markierung, stellte ihn dann fest, fuhr mit dem Finger nach unten, und siehe da, ich landete ungefähr bei 6000 Grad.
Aber weiter:

Im Hertzsprung-Russell-Diagramm kannst du das Leben eines Sterns wie einen Weg durch die Fläche verstehen. Ein Stern „wandert“ im Laufe seiner Entwicklung an verschiedene Positionen – je nachdem, wie sich Temperatur, Größe und Leuchtkraft ändern.

Wir nehmen einen Stern wie unsere Sonne als Beispiel (mittlere Masse). Sehr große oder sehr kleine Sterne machen ähnliche Wege, aber extremer oder kürzer.

⭐ Die „Lebensreise“ eines Sterns im HR-Diagramm
👉 Schritt 1: Sterngeburt – Start rechts unten (Vorstufe)
Suche im Diagramm den Bereich:
rechts (kühl)
eher unten (nicht sehr hell)
Hier beginnen Sterne.

Was passiert physikalisch:
Eine Gaswolke zieht sich zusammen.
Der Stern ist noch relativ kühl.
Er wird langsam heißer und heller.

👉 Bewegung im Diagramm beim Entstehen:
von rechts unten → schräg nach links oben
(heißer + heller)
Nicht jede Grafik zeigt diese Phase deutlich.

👉 Schritt 2: Hauptreihe – stabiles Sternleben
Jetzt gehe zur großen schrägen Linie von oben links nach unten rechts (Hauptreihe).
Der Stern „landet“ auf dieser Linie und bleibt dort sehr lange.

Für einen Stern wie die Sonne:
etwa 90 % seines Lebens hier
stabiler Zustand
Wasserstoff wird zu Helium fusioniert

👉 Bewegung:
praktisch keine große Bewegung
nur sehr langsames Wandern entlang der Linie
Du kannst dir vorstellen:
Der Stern „lebt ruhig“ auf dieser Spur.

👉 Schritt 3: Der Stern wird alt → Bewegung nach rechts oben
Wenn der Wasserstoff im Kern verbraucht ist:
der Kern schrumpft
äußere Schichten blähen sich stark auf
Oberfläche wird kühler
Stern wird viel heller

Jetzt taste im Diagramm:

von der Mitte der Hauptreihe nach rechts oben zum Bereich der Riesensterne.

👉 Bewegung:
nach rechts → kühler
nach oben → viel heller

⭐ Roter Riese
Der Stern wird riesig — oft hunderte Male größer.
👉 Schritt 4: Stern verliert seine Hülle → Bewegung nach links Nach der Riesenphase:
äußere Hülle wird abgestoßen
heißer Kern bleibt zurück
Temperatur steigt stark

Im Diagramm:
👉 Bewegung:
von rechts oben → nach links
bleibt zunächst relativ weit oben (sehr heiß)
Der Stern wird wieder heißer, aber nicht dauerhaft groß.

👉 Schritt 5: Sternrest → Weißer Zwerg (links unten)
Am Ende bleibt nur der kleine Restkern.
Suche im Diagramm links unten:
heiß, aber lichtschwach
Das ist der Weiße Zwerg.

Eigenschaften:
extrem heiß
sehr klein
wenig Leuchtkraft wegen kleiner Oberfläche

Danach:
der Stern kühlt langsam weiter ab
bewegt sich immer weiter nach unten rechts (wenn das Diagramm das zeigt).

⭐ Wie sich große Sterne unterscheiden (kurz)

Sehr massereiche Sterne:

starten weiter links oben auf der Hauptreihe

werden zu extrem hellen Überriesen

enden oft in einer Supernova (manchmal nicht vollständig im HR-Diagramm dargestellt)

So, und jetzt, wo ihr ungefähr wisst, wie dieses Diagramm funktioniert, wie man es benutzt, und was man daraus lesen kann, könnt ihr euch ja mal überlegen, wie sich rote Zwergsterne durch das Diagramm bewegen.

Stell Dir vor:
Du bist ein sehr kleiner, kühler roter Stern.

Frage:
Welchen Weg nimmst du durch das Diagramm im Laufe deines Lebens?
Wanderst du zum Riesen?
Explodierst du?
Ziehst du große Schleifen?
Oder passiert etwas völlig anderes?

Denke daran:
Du hast extrem wenig Masse.
Du verbrauchst deinen Brennstoff außergewöhnlich sparsam.
Das Universum ist etwa 13,8 Milliarden Jahre alt.
Was bedeutet das für deine Bewegung im Diagramm?

Ihr dürft mir eure Antworten gerne schreiben.
Und wem das noch nicht reicht, der kann sich ja mal überlegen, wie sich das alles bei einem Doppelsternsystem verhalten kann. Hier gibt es mehrere Lösungen..Kommt darauf an, wer als was startet…

Mein Fazit zu all dem ist:
Die größten Sterne leben kurz und sterben spektakulär.
Sterne wie unsere Sonne führen ein langes, ruhiges Leben.
Die kleinsten Sterne aber überdauern nahezu alles.
Die unscheinbarsten Sterne sind die ausdauerndsten.
Die leisesten sind die beständigsten.

Während gewaltige Sterne entstehen und vergehen, während Galaxien sich verändern und neu ordnen, leuchten diese kleinen roten Sterne weiter — ruhig, sparsam, geduldig.

Das Hertzsprung-Russell-Diagramm ist mehr als eine wissenschaftliche Grafik.
Es erzählt von Wandel und Beständigkeit, von dramatischen Umbrüchen und unvorstellbarer Geduld.

Es zeigt uns:
Energie kann stürmisch sein oder leise.
Entwicklung kann explosiv oder fast unsichtbar verlaufen.
Größe entscheidet nicht über Dauer.

Vielleicht liegt gerade darin eine unerwartete Weisheit des Kosmos:
Nicht alles Bedeutende geschieht laut.
Nicht alles Große vergeht schnell.
Und manchmal besteht die längste Reise darin, einfach weiter zu leuchten.

So, und dann will ich mal nicht so sein. Hier kommt noch ein Foto meines tastbaren HR-Diagramms für euch Gucklinge.

Taktiles HR-Diagramm

Gemeinsam Fasten und feiern in 2026


Meine lieben,
heute geht es mal wieder um etwas verbindendes zwischen Kulturen und Religionen.
Ich habe es ganz zufällig entdeckt, und dachte mir, dass das eine schöne Geschichte für die Rubrik „Kalendarisches“ des großen Newsletters von Eberhard, für den ich schon mehrfach schreiben durfte.
Er war sofort begeistert. Und wenn er begeistert war, dann seid ihr das ja vielleicht auch.
Eberhard schreibt in seinem Newsletter:

Wieder einmal ist es mir eine große Freude, dass uns Gerhard Jaworek einen Beitrag schickt. Wir kennen Gerhard von vielen bisherigen Beiträgen hier im Newletter. Gerhard betreibt seit vielen Jahren einen Astroblog, der sich auch dadurch auszeichnet, dass er als blinder Astronom für blinde und sehende Sternfreunde schreibt. Er ist auch Mitglied der Deutschen Astronomischen Gesellschaft.
Gerhard schreibt: 

Liebe Sternfreundinnen und -freunde,
in 2026 haben wir kalendarisch eine seltene Konstellation:
Die Fastenzeiten fast aller großen Religionen überlappen sich so stark, wie nur selten.
Die christliche Fastenzeit beginnt bekanntlich mit dem Aschermittwoch, in 2026 am 18. Februar, und endet am Karsamstag vor dem Ostersonntag, am 05. April 2026.
In manchen christlichen Zählweisen endet die Fastenzeit bereits am Gründonnerstag mit dem letzten Abendmahl vor der Kreuzigung Jesu.
Der Ostersonntag ist in der Regel der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem astronomischen Frühlingsanfang, der Tag-Nacht-Gleiche.
Ich schrieb darin in einem meiner ersten Artikel überhaupt
Wieso ist Ostern manchmal so früh, und manchmal so spät?

Ostern ist das einzige Fest, das noch primär von astronomischen Gegebenheiten abhängt. Fasching, Chr. Himmelfahrt, Fronleichnam und  Pfingsten leiten sich davon ab.
Bis zum Konzil im Jahre 325 n. Chr. feierten verschiedene Gemeinden das Osterfest an unterschiedlichen Tagen. Dort wurde beschlossen, dass ein einheitlicher Termin gefunden werden muss, an dem alle Brüder und Schwestern der Christenheit gemeinsam das Osterfest, die Auferstehung Jesu, begehen und feiern sollen.
Es fällt ungefähr mit dem Jüdischen Pessach-Fest zusammen.
Somit kann die Auferstehung Jesu frühestens am 22.03. und spätestens am 26.04. stattfinden. Dieses Datum war Papst Gregor in seinem Kalender zu spät. Deshalb führte er eine Regel ein, die den 25.04. als spätesten Termin erlaubt.
Um dieses Problem, der Berechnung des Ostertages zu lösen, gab der Mathematiker und Jesuitenpater Christophorus Clavius im 16. Jahrhundert eine Rechenvorschrift heraus, die allerdings noch sehr unhandlich war.
Der Mathematiker und Astronom Karl-Friedrich Gauß griff diese Rechenvorschrift auf und verfasste im Jahre 1800 eine vereinfachtere Lösung, um den Ostertermin zuverlässig im voraus bestimmen zu können. 

Die Große Fastenzeit der Orthodoxen Kirche beginnt in diesem Jahr  am 23.02. und endet am 12.04 mit dem Pascha-Fest.

Mit diesen Fastenzeiten hatte ich vor einigen Jahren mit einer rumänischen Kollegin, die der orthodoxen Kirche angehört, ein besonderes Erlebnis. Ich wollte sie zur Berechnung ihrer anderen Feiertage und Fastenzeiten befragen. Und mal ganz ehrlich. Wer von uns hat in der Schule mal vernünftig gelernt, wie sich unsere Zeiten berechnen.
Sie antwortete also:
„Wie das genau funktioniert, weiß ich auch nicht. Das hat irgendwie mit dem Mond und einem anderen Kalender zu tun. Und außerdem wollen alle orthodoxen Brüder und Schwestern auf der Welt gemeinsam Ostern feiern können.“ 
In der orthodoxen Kirche wird am Julianischen Kalender festgehalten.
Das ist der Kalender, der vor dem gregorianischen Kalender benutzt wurde.
Er orientierte sich stark nach dem Mond. Da sich aber unser Mond mit seiner Umlaufzeit nicht gut in den Rest des Jahreslaufes mit seinen Jahreszeiten etc. integrieren lässt, musste man manchmal einen dreizehnten Mond einfügen, damit die Feiertage, die Erntezeiten und vieles mehr nicht komplett aus dem Takt gerieten. 
Daher findet der 21. März (im orthodoxen Kalender 20. und 21. Jahrhundert) 13 Tage später statt, als im gregorianischen Kalender. 
Daher findet das orthodoxe Osterfest manchmal eine Mondphase später statt. Außerdem berechnet die orthodoxe Kirche das Osterdatum nach einer bereits in der Antike festgelegten Rechenvorschrift, dem Metonischen Zyklus. Er dauert meistens 19 Jahre. 
Den erklärte ich genauer in
Vollmond an Halloween

Man kann mit ihm beispielsweise berechnen, wann der Vollmond, und natürlich auch der Neumond, wieder auf einen bestimmten Tag, z. B. den Heiligen Abend, oder meinetwegen auch auf eure Geburtstage fällt.
Die Länge des 19-jährigen Mondzyklus wurde damals um ca. 2 Stunden zu lang angenommen, was sich im Laufe von 17 Jahrhunderten zu einigen Tagen addiert hat. 
Aus diesem Grunde können sich die Feierzeiten um bis zu fünf Wochen unterscheiden.
Von diesem Effekt ist übrigens auch der Jüdische Kalender betroffen.

Ramadan 2026 wird je nach regionaler Mondsichtung voraussichtlich am Abend des 17. Februar 2026 beginnen, mit dem ersten Fastentag am 18. Februar 2026. 

Der Fastenmonat Ramadan dauert etwa 29–30 Tage und endet mit Eid al-Fitr, dem Fest des Fastenbrechens. Die meisten Berechnungen gehen von einem Ende des Ramadan am 19. März 2026 aus und Eid al-Fitr fällt dann auf 20. März 2026. 
Ganz besonders daran ist, dass der Koran genau bestimmt, wann Ramadan zu sein hat. In der Bibel sind nirgendwo Fastenzeiten festgelegt, zumindest nicht im neuen Testament.

Den Anfang des Ramadans markiert die Sichtung (ru’ya / رؤية / ruʾya) der neuen Mondsichel (hilal) am Ende des letzten Tages/in der letzten Nacht des Vormonats Scha’ban an. 

Der Grundtypus dieser Traditionen in den kanonischen Hadithsammlungen als Direktive des Propheten lautet:
„Der Monat besteht aus 29 Tagen. Fastet erst, wenn ihr sie (die Mondsichel – hilal) seht, und brecht das Fasten erst, wenn ihr sie (wieder) seht. Und wenn (der Himmel) über euch bedeckt ist, so bestimmt ihn. Vervollständigt die Zahl der Scha’ban-Tage/ auf 30 (Tage).“ 
(Hadith Abu Dawud, Buch 13, Nr. 2312; al-Bukhari, Buch 31, Nr. 130-131.)

Und jetzt sieht man schon, wieso dieses Ereignis recht selten vorkommt, dass die Fastenzeiten so stark überlappen.
Der Ramadan richtet sich komplett nach dem Mond. Das bedeutet, dass sich sein Zyklus durch ein ganzes Jahr ungefähr alle 32 Jahre wiederholt.
In die Berechnung der orthodoxschen Feierzeiten geht der alte julianische Kalender und der 19 jährige Meto-Zyklus ein, der je nach dem, wie die Schaltjahre fallen, sogar doppelt so lang sein kann. 
Und die christlichen Zeiten hängen ja am Bändel des Ostervollmondes. 
Das dauert, bis da mal wieder alle verschiedenen Rhythmen zueinander passen.

Gerade in diesen unruhigen kriegerischen Zeiten ist die Tatsache, dass wir in 2026 miteinander fasten und feiern können, eine gute Gelegenheit, mal wieder auf ein religiöses, kulturelles, friedvolles und respektvolles Miteinander hin zu arbeiten.
In diesem Sinne grüßt euch der Sternenonkel.

Frag, und es wird Tag – Wieso diese Vielfalt?


Meine lieben, heute ist mal wieder eine sehr spannende Frage von euch dran.

Die Frage

Wieso sind nicht alle Sterne gleich?
Müssten doch, weil…
Wenn sich ein Stern aus einer Gaswolke bildet, dann zündet doch die Kernfusion ab einem bestimmten Druck in seinem Inneren. Der Druck und dadurch auch die Zünd-Temperatur für die Kernfusion wird doch durch die Masse des werdenden Sterns erzeugt, oder nicht?
Dann sollten doch alle Sterne gleich sein. Wie kommt es aber, dass es so viele Sterne unterschiedlicher Masse gibt?

Wer darf sich Stern nennen

Dass Druck und Temperatur zur Zündung des Wasserstoff-Brennens immer gleich sind, stimmt schon mal, aber es kommt noch was dazu, wie wir sehen werden.
Stern nennen darf sich nur, wer in seinem Bauch Wasserstoff zu Helium verdauen kann. Und das passiert tatsächlich erst ab einer gewissen Temperatur und Druck im Innern eines werdenden Sternes.

Die Kernfusion legt nicht fest, wie schwer ein Stern wird, sondern nur, ab wann ein Gasball überhaupt ein Stern ist.

Haushaltsbeispiel

Eine solche Druckgrenze, ab wann etwas passiert, kennen wir aus unserer Küche. Das Sicherheitsventil eines Schnellkochtopfes öffnet sich stets ab einem gewissen Druck in seinem inneren. Und das passiert unabhängig davon, wie voll der Topf ist, oder wie viel Feuer man darunter hat. Der Der Öffnungsdruck für das Ventil bleibt immer derselbe. Steigt der Druck danach noch im Topf, weil man die Herdplatte noch an hat, dann zischt es halt später heftiger.
Und wenn der Druck dann noch steigt, geht das Ventil eventuell kaputt, oder der Topf könnte explodieren.
Ist mir zwar nicht bekannt, dass das mit einem normalen Schnellkochtopf schon passiert wäre, aber in der Chemischen Industrie, wo man derlei in groß benutzt, schon.

Das heißt:

Und hier schließt sich der Kreis zu unseren werdenden Sternen. Sterne, die mehr als 150 Sonnenmassen in sich vereinen, kann es nicht geben. Sie werden instabil.
Bei ihnen bläst der Strahlungsdruck und Sternwind alles weitere Material in seiner Umgebung weg, oder die Natur zieht es vor, mehrere kleinere Sterne, als ein großes Sternenmonster, entstehen zu lassen.
„Zünden“ heißt also nur: Jetzt bin ich ein Stern und bin erstmal mindestens so schwer, dass es für die Kernfusion reicht.

Genauer gesagt:

  • Ein Stern entsteht aus einer Gas- und Staubwolke.
  • Die Wolke zieht sich zusammen, wird dabei immer heißer und dichter.
  • Ab einem bestimmten Kerndruck und ~10 Millionen Kelvin kann Wasserstoff zu Helium fusionieren
  • Sternstatus erreicht.

  • Was knapp darunter liegt, reicht zwar nicht zum normalen Stern, aber eventuell zu einem braunen Zwerg.
    Das ist so ein Mittelding zwischen Planet und Stern. So ein brauner Zwerg hat ungefähr zwischen 13 und 80 Jupitermassen. Er kann kurzfristig Deuterium, schweren Wasserstoff, zu Helium3 fusionieren, aber zur richtigen Fusion mit normalem Wasserstoff zu Helium4, reicht der Druck in ihrem Inneren nicht aus. Sie sind aber sehr spannend, weil sie recht häufig vorkommen, und quasi eine Brücke zwischen Planeten und Sternen schlagen. Ja, braune Zwerge können sogar Planeten besitzen. Die frage ist dann nur, wie man solch ein System mit einem Fast-Stern in der Mitte dann nennt. Ich kenne keinen beschreibenden Begriff, und habe für derlei bisher nur immer Umschreibungen gesehen. Es wäre aber wirklich Zeit, dafür ein Wort zu finden, schon alleine deshalb, weil solche Systeme gar nicht selten sind.

    Und noch ein Funfact: Braune Zwerge sind überhaupt nicht braun. Sie leuchten meist im infraroten Bereich, aber die Entdecker fanden Braun irgendwie passend, weil so dazwischen.

  • Was leichter als ein brauner Zwerg ist, kann höchstens noch ein Gasplanet werden. Der legt sich dann, wie Jupiter noch einige Monde und Trojaner zu, oder schmückt sich eitel, wie Saturn mit Ringen.
    Viele Gasplaneten machen einfach auch beides…

Jetzt die Frage

Wieso gibt es aber dennoch so eine große Vielfalt unter den Sternen?

Der entscheidende Punkt ist:
Die Fusion stoppt das weitere Zusammenziehen des werdenden Sterns, aber nicht zwingend das Massensammeln.
Während der Stern „zündet“, passiert Folgendes gleichzeitig:

  • Materie fällt weiter aus der Umgebung auf den Stern
  • Der Stern bläst Materie durch Strahlung und Sternwind wieder weg

Wie schwer er dann am Ende wird, ist ein Wettlauf zwischen:

  • Nachschub von außen
  • Gegenwehr des Sterns

Ist also der Strom von Gas, das auf den Stern prasselt größer, als der Sternwind selbst, dann kann er wachsen, so lange es noch Material um ihn herum gibt, das er sich einverleiben kann. Was dann noch übrig bleibt, kann eventuell noch für Planeten reichen.

Was werden kann

Je nach dem, wie groß und schwer die Gaswolke ist, passiert verschiedenes.

Kleine Sterne: sparsame Minimalisten

Bei massearmen Sternen (z. B. rote Zwerge) befindet sich zum Zeitpunkt seiner Entstehung Wenig Gas in der Umgebung. Es reicht ihm gerade so, dass er Stern sein kann. Somit hat er einen vergleichsweise schwachen Sternwind, und von außen gibt es nichts, woran er wachsen könnte…

Sobald die Fusion einsetzt, ist praktisch Schluss mit weiterem Zuwachs, weil das, was da noch auf ihn prasseln könnte, sehr wenig ist, bzw. von seinem Sternwind verblasen wird.

Aber solch einem „gerade-noch-Stern“ ist ein langes Leben beschieden, weil kleine Sterne sehr gut mit dem wenigen, was sie haben, haushalten können. Die Lebensdauer zwischen Riesensternen und so kleinen roten Zwergsternen, unterscheidet sich um viele Zehnerpotenzen.

Große Sterne: kosmische Vielfraße

Dort, wo sich massereiche Sterne bilden, gibt es reichlich Material um ihn herum.
Er kann viel Material zu sich ziehen (akkregieren).
Dass die Kernfusion bereits eingesetzt hat, hindert ihn nicht daran, weiter zu fressen und zu wachsen.
Er wird immer heißer, immer heller, immer schwerer,
bis seine eigene Strahlung und sein Sternwind das restliche Gas wegblasen.
Das Ergebnis ist dann ein riesiger Stern mit kurzer Lebensdauer, der sehr wahrscheinlich als fulminante Supernova endet.

Solche Riesensterne sind recht selten. Als das Universum vor vielen Milliarden Jahren noch kleiner war, dürften sich zwar viele solche Riesensterne gebildet haben, aber die sind ob ihrer kurzen Lebensdauer schon längst in Supernovae-Explosionen verpufft. Zum anderen kommen Bedingungen, die kleinere Sterne gebären, deutlich häufiger vor.

In aller Kürze

Hier nochmal kurz zusammen gefasst:
Die Intuition ist oft:
Gleicher Fusionsdruck → gleicher Stern
Aber korrekt ist:
Gleicher Fusionsdruck → gleiche Untergrenze für Sterne

Die Masse bestimmt dann:
wie stark die Gravitation ist
wie viel Druck und Temperatur im Kern herrschen
wie schnell die Fusion abläuft
Mehr Masse → mehr Druck → schnellere Fusion → hellerer, kürzer lebender Stern

So, nun hofft der Sternenonkel, dass diese Frage hinreichend beantwortet werden konnte. Bitte fragt weiter. Das freut den Sternenonkel sehr. Es macht es mir auch einfacher, weil ich mir dann keine Themen aus den Fingern saugen muss. Und für euch ist es dann so, dass ihr das erfahrt, was ihr auch wissen möchtet, und nicht das, was z. B. ich als wissenswert erachte…