Das Bisschen Haushalt – Zum Internationalen Frauentag 2026


Meine lieben,
ihr kennt das ja schon von mir, dass wenigstens zum internationalen Frauentag eines jeden Jahres eine Frau hier auf Blindnerd vorgestellt und gewürdigt wird. Ihnen habe ich, wie ihr wisst, eine eigene Kategorie und sogar mal einen ganzen Adventskalender gewidmet.
Siehe Kategorie Frauen.
Bis heute ist es so, dass Frauen meist noch den überwiegenden Teil der Hausarbeit erledigen. Vor allem früher, als ich noch Kind war, wurde die Schwere und der Wert dieser von Frauen geleisteten Arbeit, oft noch zusätzlich neben ihrem Beruf, von Männern unterschätzt und nicht angemessen gewürdigt.
1978 nahm sich die Sängerin Johanna von Koczian auf ironische Weise dieses Missstandes an, und veröffentlichte ihr Lied, dessen Titel als Überschrift für diesen Artikel her halten musste. Wir hatten diese Platte, und die lief bei uns rauf und runter.
Hört mal rein.
Es wird dann schnell klar, wieso ich diese Überschrift wählte. Etwas passenderes kann es zu dem heutigen Beitrag zum internationalen Frauentag nicht geben.

heute bekommt ihr etwas ganz besonderes geboten. Wir haben eine Gästin. Zum Frauentag wird uns eine Frau eine Frau vorstellen, die etwas erfunden hat, das viele von uns nicht missen möchten.
Außerdem hat sie den Titel dieses Beitrages als Arbeitstitel gewählt. Ich war davon gleich total begeistert.
Und dann gibt es noch kleine passende Geschichten aus des Sternenonkels Leben, passend zum Thema.

Fangen wir damit an, dass Du, liebe Gästin, Dich erst mal kurz vorstellst.

Hallo liebe Freunde und Freundinnen des Sternenonkels,
Ich heiße Eva und bin leidenschaftlich neugierig. Als Bürgerforscherin (Citizen Scientist) bin ich in einer Forschungsgruppe zur Lichtverschmutzung aktiv und engagiere mich aufgrund meiner Hörbehinderung für Barrierefreiheit für alle.

Gerhards Buch hat vor kurzem ja das 10-jährige Jubiläum gefeiert.
Und mich hatte dieser Bericht auf die Idee gebracht, Geburtstage und Jubiläen zu sammeln.

Bevor wir starten: mal eine Frage an euch:
Was sind für euch die bedeutendsten Erfindungen? Muss nichts mit Astronomie zu tun haben.
Um auf unser Thema zu kommen, gibt es jetzt erst mal ein kleines
Rätsel von mir:

  • Wer es hat, schätzt es.
  • Aber nicht jeder Haushalt hat es.
  • Wenn es vorhanden ist, steht es in der Wohnung.
  • Scherben bringen kein Glück.
  • Aber Chemie und Physik.
  • 1949 wurde das Gerät als „Haushaltsgerät“ eingeführt, davor war es
    bereits in Restaurants und Hotels verbreitet.
  • Das Gerät wurde schon auf der Weltausstellung 1893 gezeigt und mit
    einem Preis für „die beste mechanische Konstruktion, Haltbarkeit und
    Zweckentsprechung“ ausgezeichnet.

Dieses Rätsel hatte ich Gerhard geschickt, und so wurde ein kleines Duett für seinen Blog daraus.

Wenn ich. liebe Eva da kurz unterbrechen darf:
„Haltet doch an dieser Stelle mal kurz inne, und versucht das kleine Rätsel zu lösen.“

Also ich kam nicht gleich drauf und musste etwas herum probieren.
zuerst dachte ich, das gesuchte Gerät wäre ein Staubsauger, die Kaffeemaschine oder ein Mixer.
Aber dann kamen die Scherben, die Physik und die Chemie ins Spiel.
All das findet sich doch in einer, na wo schon? Genau, in einer Spülmaschine..

  • Die Physik für die Temperatur und die Wasserpumpe, und für den Computer für die Programme, gibt es sogar etwas Quantenphysik.
  • Die Chemie für das Spülmittel und vor allem für die Ionisierung des Wassers durch das Salz, und für den Klarspüler danach.
  • Und ja, muss man von Hand spülen, geht schon mal was zu Bruch.
  • Und missen möchte ich meine tatsächlich auch nicht mehr

OCool, dachte ich mir, dass die eine Frau erfunden haben soll. Aber wieso auch nicht.
Und klar, natürlich musste ich mit meiner Vermutung dann ins Netz, um nach der Erfinderin der Haushaltsspülmaschine zu suchen. Und siehe da. Gleich ein Volltreffer.
Um wen es sich bei der Erfinderin handelt, wird uns Eva jetzt erzählen.
Also, bitte. Wir sind gespannt.

Die Frau, die dieses Gerät erfunden hat, wurde am Weltfrauentag geboren.
Gerhard’s Kommentar dazu sinngemäß: Männer haben (früher) ja keine Hausarbeit gemacht und deshalb vielleicht nur wenige Haushaltsgegenstände erfunden.
Mich hatte das ja gewundert – ich bin so daran gewöhnt, dass “wichtige Erfindungen” allesamt von Männern gemacht wurden. Auch wenn das so nicht stimmt, wird das gerne so erzählt. Beispielsweise in der Quantenphysik – oft wird übersehen, dass Johanna van Leeuwen die zweite Person ist, die hinter dem Bohr-van Leeuwen Theorem steckt. Zugegeben, dieses Theorem kenne ich nicht – nur die Namenskombination.
Aber jetzt endlich die Geschichte der Spülmaschine.
Wer hat das jetzt erfunden?
Josephine Cochrane geboren im Jahr 1839 in Ohio. Sie war eine Urenkelin des Erfinders John Fitch.
Die wohlhabende Josephine Cochrane ärgerte sich, dass ihr Personal öfter Geschirr zerbrach. Selbst abspülen war aber auch keine dauerhafte Lösung.
Also entwickelte sie ein Gerät, das ihr diese Arbeit abnahm.
Stellt euch einen großen Kessel vor, in den das Geschirr in Körben rein gestapelt wird. Darüber bewegt sich ein Laufrad, aus dem eine Seifenlauge auf das Geschirr gesprüht wird. Ich stelle mir sowas wie eine Dusche für Geschirr vor.
Das war die erste funktionierende Geschirrspülmaschine, patentiert am 28.12.1886.
Die Spülmaschine funktionierte zunächst im Handbetrieb, später elektrisch.

Josephine Cochrane erhielt bei der Weltausstellung in Chicago 1893 den Preis für „die beste mechanische Konstruktion, Haltbarkeit und Zweckentsprechung“.

Vielen herzlichen Dank, liebe Eva, das war großartig. Schön, dass Du uns diese Maschine auch beschrieben hast. Ist schon noch anders, wie man sie von heute kennt.
Aber was wäre ein Blindnerd-Artikel, ohne Geschichten.

Hier kommen also des Sternenonkels Spülmaschinen-Geschichten.

  1. Faszination Spülmaschine
    Spülmaschine ausräumen mussten wir im Internat immer, wenn wir Küchendienst hatten. Das hat mir eigentlich auch Spaß gemacht.
    Spülmaschinen haben mich schon immer fasziniert. Da sind beispielsweise die Flügel, die sich durch den Rückstoß des Wassers drehen.
    Da ist die Klappe für den Tab, die sich automatisch mit einem hörbaren Knall öffnet.
    Da ist der Behälter für das Salz,
    sind ihre vielfältigen Geräusche und mittlerweile sind die Dinger ja auch so leise, dass ich das Blubbern in ihrem Inneren als sehr beruhigend und angenehm empfinde.
    Aber es gibt die Geräte auch in größer.
  2. Inklusiver Abwasch
    Auf unseren unzähligen Chorfreizeiten in verschiedensten Jugendherbergen liebte ich diese riesigen Spülmaschinen mit den großen Geschirrkörben. Die waren auch immer so schnell fertig, und alles war trotzdem sauber.
    Ich liebte es, diese Maschinen mit den Körben voller schmutzigen Geschirrs zu beschicken, und am anderen Ende heiß und dampfend wieder in Empfang zu nehmen.
    Dazu haben wir immer laut gesungen.
    Ja, das war sehr inklusiv, dass wir Blinden hier voll und gleichwertig mit anpacken mussten. Bei den heutigen Vorschriften, würde man uns wahrscheinlich gar nicht mehr in so eine Küche lassen, und die Jugendherbergen sind ja heutzutage eher zu Hotels mutiert.
  3. Der Spülmagnet
    Die Spülmaschinen in unserer Uni-Mensa sind ja schon richtige Waschstraßen. Dort wird das Besteck mittels sehr starken Magneten von den Tabletts gezogen. So stark sind die, dass das Besteck manchmal magnetisch bleibt. Wenn man Glück hat, kann man Gabel und Löffel in der Luft aneinander hängen. Seit dreißig Jahren gehe ich jetzt in diese Mensa, und probiere es quasi täglich aus, und freue mich, wenn es klappt.
    Magnet wird nie langweilig. Ich spiele gerne damit herum.
  4. Der Spülonaut
    Das Wortspiel werdet ihr gleich verstehen.
    Mit meiner ersten eigenen Spülmaschine hatte ich mal ein tolles Erlebnis mit dem telefonischen Kundenservice.
    Mir war eine Scherbe in das Pumpenrad geraten, sodass die Maschine nicht abpumpte. Das Glas zur fehlenden Scherbe fand ich schnell.
    Also rief ich den Service an, und fragte um Rat. Eine neue Pumpe und deren Einbau hätte fast soviel gekostet, wie eine neue Maschine.
    Der Kundenbetreuer fragte mich, ob ich mir nach seiner telefonischen Anleitung zutrauen würde, den Schaden selbst zu beheben.
    Sofort sagte ich zu. Ein Versuch war es wert. Und wenn der scheitern sollte, könnte ich immer noch einen teuren Monteur kommen lassen.
    Er erklärte mir, welche Werkzeuge ich brauchen würde. Die hatte ich alle in meinem Sortiment. Stück für Stück, Schraube für Schraube, Schritt für Schritt, führte er mich telefonisch durch die Reparatur.
    Alles funktionierte reibungslos. Klappen wurden abgeschraubt, die Pumpe freigelegt und da war sie, die Scherbe. Dann ging alles wieder rückwärts. Kurz darauf war die Maschine wieder ganz. Ich hatte nichts übrig, und sie pumpte wieder ab und lief dann noch viele Jahre ohne weitere Probleme. Kommen wir jetzt noch kurz zu der merkwürdigen Überschrift dieser letzten Kurzgeschichte.
    Habt ihr schon mal life oder vielleicht auch auf Youtube einen Außenbordeinsatz mit verfolgt, wo die Astronauten außen etwas an der Raumstation reparieren, anbringen oder verändern sollen? Das müsst ihr unbedingt mal machen.
    Genau so kam ich mir nämlich vor.
    Ich schraube an der Raumstation, und am anderen Ende sitzt die Bodenstation und gibt Anweisungen.
    Die Astronauten werden bei ihren Außeneinsätzen immer ganz exakt durch ihre Reparaturen durchgesprochen.
    Das geht so sehr ins Detail, dass sie sogar gesagt bekommen, wie viele Drehungen sie beispielsweise mit ihrem Werkzeug vollführen sollen. Sind es zu wenige, dann könnte nachher etwas undicht sein, bzw. abfallen…
    Ja, genau so fühlte es sich an.
    Am Schluss offenbarte ich dem Mitarbeiter am anderen Ende der Telefonleitung, dass er soeben einen komplett blinden Menschen durch die Reparatur geführt hat.
    Das konnte er gar nicht glauben. Er war natürlich verblüfft, und ich war sehr stolz und zufrieden.
    Oh,ich wusste gar nicht, dass ich spontan so viele ‚Spülmaschinen-Geschichten habe.

    Es wird Zeit, dass ich aufhöre, um Eva das Schlusswort zu geben, der ich an dieser Stelle nochmal meinen großen Dank für ihre Geschichte sagen möchte. Es war mir eine große Ehre, Dich heute zu Gast zu haben. Immer gerne wieder.

    Wir haben tatsächlich ein paar Haushaltsgeräte gefunden die von Männern “erfunden” wurden:
    Der Staubsauger,
    die erste mechanische Waschmaschine,
    der Standmixer
    und der Föhn.

    Genauso wie Frauen, die sehr nützliche Produkte entwickelt haben:
    Bekannt ist wahrscheinlich der Kaffeefilter von Melitta Bentz.
    Bei manchen Erfindungen gab es mehrere Personen, die dazu beigetragen haben oder unabhängig voneinander die gleiche kluge Idee hatten.
    So haben das Bügeleisen und die Nähmaschine jeweils mehrere “Mütter”.
    entwickelt und ebenso wurde Der Kühlschrank von einer Frau erfunden: Florence Parpart.
    Nicht zu vergessen Stofftiere (Margarethe Steiff),
    öffentliches Telefon,
    Taschenschirm und
    Scheibenwischer für das Auto..

    Wer hat jetzt mehr Erfindungen für “das bisschen Haushalt” gemacht? Wir können es nicht sagen. So viel steht jedenfalls fest: wir alle haben heute schon ein Gerät berührt, das von einer Frau erfunden wurde.

2 Gedanken zu „Das Bisschen Haushalt – Zum Internationalen Frauentag 2026“

  1. Danke liebe Eva und lieber Gerhard für diese aufschlussreiche Geschichte. Damit wird gewürdigt, wie einfallsreich Frauen doch sind. Sie beweisen es jeden Tag mit so vielen größeren und kleineren Dingen, die aber oft als selbstverständlich angesehen werden.

  2. Zu dieser Geschichte und vor allem der Aussage, dass Männer nicht so oft im Haushalt helfen, fällt mir ein Zitat ein, das ich mal irgendwo gelesen habe und das Dagmar Berghoff zugeschrieben wird: Gäbe es Aufsitzstaubsauger, so wie es Aufsitzrasenmäher gibt, würden Männer wohl viel öfter im Haushalt helfen.

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