Meine lieben,
beschließen wir am heutigen vierten Advent unseren Reigen der Himmelsgäste mit einem Text von mir, der zehn Jahre alt ist.
Eine Konsequenz aus dem Bericht Tychos war, dass viele Astronomen nun damit
begannen, die Sterne etwas genauer zu beobachten, anstatt sich nur auf die Planeten zu konzentrieren. Die Entdeckung einer Nova, das hatte das Beispiel Tychos
gezeigt, konnte einen berühmt machen. Innerhalb nur einer Generation wurde
deutlich, dass Veränderungen unter den Fixsternen gar nicht so selten waren.
So bemerkte der ostfriesische Astronom David Fabricius , ein
Freund Tychos, im Jahre 1596 im Sternbild Walfisch einen Stern, den er zuvor an
dieser Stelle noch nie beobachtet hatte. Er erwies sich als Objekt der dritten Größenklasse, besaß also nur mittlere Helligkeit, doch die Astronomen waren nicht
mehr gewillt, irgend etwas zu übersehen.
Fabricius und Sohn kennen wir auch von einem anderen Phänomen her. Sie beobachteten akribisch die Sonne und ihre Flecken. Ein Wunder, dass beide bei dieser Aktion ihr Augenlicht nicht verloren.
War es aber wirklich ein neuer Stern? Die Entscheidung war nicht schwer zu
fällen, denn man brauchte das Objekt nur weiterhin zu beobachten. Mit der Zeit
nahm seine Helligkeit ab, und schließlich verschwand der Stern, so dass Fabricius
sich in seiner Meinung bestätigt fühlte und die Entdeckung einer Nova bekannt gab.
Bei der nächsten Nova begegnen wir dem deutschen Astronomen Johannes Kepler
Kepler hatte mit Tycho während dessen letztem Lebensjahr zusammengearbeitet.
Tycho hatte mittlerweile viel Zeit damit verbracht, die wechselnden Positionen
des Mars vor den Hintergrundsternen sorgfältig zu vermessen, in der Hoffnung,
damit eines Tages beweisen zu können, dass sein Modell vom Sonnensystem der
Wirklichkeit entsprach. Tycho glaubte, daß Merkur, Venus, Mars, Jupiter und
Saturn zwar um die Sonne kreisten, diese aber zusammen mit den Planeten um die
Erde lief.
Als Tycho starb, überließ er all seine Aufzeichnungen seinem Schüler Kepler, damit dieser den noch ausstehenden Beweis für das „Tychonische System“ erbringen konnte.
Kepler gelang dieser Nachweis natürlich nicht. Was er aber statt dessen im Jahre
1609 herausfand, war, dass Mars sich nicht auf einem Kreis oder einer Überlagerung aus mehreren Kreisen um die Sonne bewegte, wie Plato gefordert und alle
westlichen Astronomen seither (einschließlich Kopernikus) angenommen hatten.
Mars bewegte sich vielmehr auf einer Ellipse, in deren einem Brennpunkt die
Sonne stand. Kepler machte sich sogleich daran, die Ellipsennatur auch der übrigen Planetenbahnen zu überprüfen.
Dabei schuf er schließlich die heute noch gültige Beschreibung des Sonnensystems, die im Gegensatz zu den Vorstellungen des Kopernikus der Wirklichkeit entsprach. In den beinahe vier Jahrhunderten seit Kepler haben die Astronomen keine wesentlichen Änderungen mehr an diesem Modell vornehmen müssen.
Zwar wurden umfassendere Theorien entwickelt und weitere Planeten entdeckt,
doch die elliptischen Umlaufbahnen sind geblieben und werden mit Sicherheit
auch Bestand haben.
Noch bevor Kepler sein System vollständig entwickelt hatte, leuchtete 1604 im
Sternbild Schlangenträger ein neuer Stern auf. Er war heller als die Nova des
Fabricius, wenn auch bei weitem nicht so hell wie der neue Stern Tychos. Der
Stern im Schlangenträger strahlte etwa so hell wie Jupiter und erreichte damit nur
ein Fünftel der Venushelligkeit.
Dennoch bot der Stern eine prächtige Erscheinung, die nunmehr von mehreren
Astronomen umfassend beobachtet wurde. Kepler und Fabricius machten sorgfältige Positionsmessungen und verfolgten die Helligkeitsentwicklung von Woche
zu Woche. Es dauerte ein ganzes Jahr, bis der Stern wieder verschwand.
Damit waren innerhalb von 32 Jahren oder gut einer Generation drei Novae am
Himmel beobachtet worden, von denen zwei ziemlich hell waren. Alle drei waren
eindrucksvolle Erscheinungen und keineswegs so selten, wie ihre Beobachter zunächst vermuten mochten.
Statistisch gesehen ist unsere Galaxis überfällig für eine neue Supernova. Es sollten etwa alle einhundert Jahre zwei Himmelsgäste aufleuchten.
Einige Riesensterne, wie Eta Carinae im Sternbild Schiffskiel oder Beteigeuze, der Schulterstern des Orion, wären gute Kandidaten, aber die spannen uns momentan noch auf die Folter. Aber vielleicht (mit vielen Fragezeichen) ist uns das Glück schon bald hold.
Einer unserer Leser bemerkte einmal, als ich über das eventuelle nahe Ende von Betaegeuze sprach, dass es doch sehr schade wäre, um den Stern. Fans vom „Per Anhalter durch die Galaxis“ wissen warum. Er ist der Heimatsstern von Fort Prefekt, einem der beiden Hauptfiguren in den Büchern…
Schon seit über einem Jahr erwarten wir sehnsüchtig eine ganz bestimmte Nova im Sternbild „Nördliche Krone“. Sie kündigt sich an, aber kommt noch nicht recht in die Gänge.
Über dieses schrieb ich in
Aufregung um den Kopfschmuck des Königs
Wir sehen also, Gäste am Himmel sind gar nicht so selten. Wir Astronomen heißen sie herzlich willkommen, weil jeder dieser Gäste eine neue Botschaft für uns mitbringt, indem er neue Erkenntnisse liefert und unser astronomisches Wissen erweitert.
So, und was bleibt uns jetzt zu heilig Abend? Genau. Wir packen das Rätsel um die Himmelsgäste aus, und erklären ganz vorsichtig und einfach, wie sie funktionieren.
Und noch etwas.
Vergesst bitte nicht, auch mal auf dem Kalender von unseren BLautoren
vorbei zu schauen. Es lohnt sich.

Gäste am Himmel? Novae sind mindestens genauso spannend wie Kometen und Asteroiden. Das es Menschen gelingt, den Himmel so genau zu kennen, das Veränderungen auffallen!! Heute wie damals: Himmeldurchmusterungen und die Suche nach Neuem. Ich sag nur 3I/Atlas – wer es nicht kennt: ein interstellarer Himmelskörper.
Ich bewundere dieses Wissen, Geduld und Genauigkeit die es braucht um solche Veränderungen am Himmel zu bemerken.
Und danke für Deine Geduld lieber Gerhard, daraus immer wieder Geschichten zu machen!
Liebe Grüße, Eva