Kometen waren stets Bringer, meist von Unheil im weitesten Sinne. Sie erschienen unangekündigt und verschwanden wieder. Man wusste nicht, was sie waren und auf welchen Bahnen sie sich bewegten. Darüber schrieb ich in Kometengeschichten 4.
So begann die christliche Theologie, stark vom Hellenismus und griechischer Metaphysik geprägt, nach dem Stern von Betlehem zu fanden. Origenes, Theologe aus der hellenistischen Schule von Alexandria vertrat dokumentiert als einer der ersten die Meinung, der Stern von Betlehem sei ein Komet gewesen, weil sich große Veränderungen und Ereignisse in der Welt häufig durch Kometen ankündigten.
Seit Beginn des 14. Jahrhunderts stellen Künstler den Stern von Betlehem als Kometen dar: so als einer der ersten Giotto di Bondone aus Florenz, nachdem er 1301 den Halleyschen Kometen beobachtet hatte, von dem schon antike Quellen recht oft berichten. Beeindruckt davon malte er zwei Jahre später diesen auf dem Fresko Anbetung der Könige „in der Scrovegni-Kapelle in Padua als Stern von Betlehem.
Es gibt chinesische und koreanische Hinweise über eine derartige Himmelserscheinung des Jahres vier oder fünf n. Chr.
Heute geht man davon aus, dass der chinesische Bericht einen Datierungsfehler enthalten könnte. Man schreibt deren Ereignis aufgrund anderer Hinweise heute eher einer Nova zu.
Gegen die Kometen-Theorie spricht:
Der Halleysche Komet war zwischen Oktober 12 v. Chr. und Februar 11 v. Chr. sichtbar, der Erde am nächsten war er am 29. Dezember 12 v. Chr. nach dem gregorianischen Kalender.[5] Die Geburt Jesu wird dagegen zwischen 7 und 4 v. Chr. (Tod des Herodes) angesetzt.
Kometen sind irregulär auftauchende Himmelskörper, die nach dem Volksglauben um Christi Geburt meist mit Unheil, nicht mit Heil, verbunden wurden.
Die Weisen aus dem Osten hätten nicht wissen können, dass gerade dieser Komet mit der Geburt eines bestimmten Königs in Israel oder Juda zusammenhängt.
Die Erscheinung eines Kometen wäre nicht nur den Weisen, sondern auch vielen anderen aufgefallen. Uns sind aber keine außerbiblischen Überlieferungen bekannt.
Ein Komet hätte keinen exakten Ort markiert und wäre nicht an einer bestimmten Stelle stehengeblieben.
Der Stern bleibt also ein Mysterium, ein Weihnachtswunder, an welchem wir uns stets neu erfreuen und darüber staunen dürfen.
in goldenes Stanniol eingepackte Schokoladentaler,
goldenes Lametta,
Goldstaub,
goldene Sterne und vieles goldene mehr.
Nicht zuletzt beschenkt man sich gerne auch mal zu Weihnachten mit Goldschmuck.
Gold steht für Glanz, für Licht, für Reinheit und für hohen Wert.
Letzteres deshalb, weil Gold so selten hier auf Erden ist. Es macht viel Mühe, es zu finden und aus der Erde zu holen.
Die Kernverschmelzung von Wasserstoff zu Helium, ist der Prozess, aus welchem wir unsere Sonnenwärme, ihr Licht etc. empfangen.
Vier Wasserstoff-Atome bestehend aus jeweils einem Proton im Kern und einem das Proton “umkreisenden” Elektron werden zu einem Helium-Aton mit zwei Protonen und zwei Neutronen im Kern, und zwei Elektronen, die diesen “umkreisen” verschmolzen.
Das Helium-Atom wiegt etwas weniger, als vier Wasserstoffatome,
Diese kleine Massendifferenz wird als Energie in Form von Neutrinos und dem, was wir letztlich als Sonnenwärme empfangen, davon getragen.
Als unsere Sonne vor etwa viereinhalb Milliarden Jahren ihren Wasserstoff “zündete”, in Anführungszeichen, weil es sich hierbei um kein Feuer handelt, sondern um eine Kernfusion, waren die ersten riesigen Wasserstoff-Sterne schon vergangen und haben ihre Asche, die chemischen Elemente ins Weltall geblasen.
Jedes chemische Element, das eine Vorläufer-Gaswolke, die ein Kandidat für einen Stern sein könnte, eingefangen hat, und das nun in ihm enthalten ist, verrät sich durch sein ganz charakteristisches Licht, sobald er seine Lampe, die Kernfusion in seinem Inneren, eingeschaltet hat. Somit hat jeder Stern, zumindest derselben Generation oder Entstehungsortes, einen quasi eigenen Fingerabdruck, denn Sterne entstehen oft gemeinsam in Gebieten mit den selben chemischen Eigenschaften.
Hat nun beispielsweise ein Stern, der Masse unserer Sonne etwa nach 10 Miliarden Jahren ihren Wasserstoff zu Helium verbacken, dann setzen andere Kernverschmelzungen in diesem Backofen ein.
Hier entsteht dann beispielsweise der Kohlenstoff(C12), der Sauerstoff(O16), Stickstoff(N14), Phosphor und weitere Elemente, die für uns lebensnotwendig sind.
In einem Stern, der mit unserer Sonne vergleichbar ist, kann aber kein schwereres Element, als Eisen entstehen, weil man Energie zuführen müsste, um schwerere Elemente, wie Blei, Wissmut und auch Gold zu erzeugen. Bisher hatten wir immer Glück. Aus Wasserstoff wird Helium und Energie. Daraus wird dann bis zum Eisen hin immer etwas und dazu noch Energie. Ab Eisen wirds dann nicht mehr kostenlos. Will man mehr, muss man Energie hinzu fügen, um schwereres zu bekommen. Die hat unsere Sonne nicht und kann sie sich auch nirgendwo pumpen.
Woher kommt dann das viel schwerere Gold? Wer spendete die Energie dafür?
Dazu müssen wir die alten Riesensterne betrachten, die zwar schon längst vergangen sind, aber deren Licht Milliarden Von Jahren uns von ihrer ehemaligen Existenz kündet.
Ein Riesenstern beendet sein Leben deutlich fulminanter, als es unsere kleine Sonne tun wird. Hat so ein Monster seinen Wasserstoff je nach Größe schon nach einigen Millionen von Jahren verbraten, dann endet er in einer riesigen Explosion, einer Nova oder Supernova. Es gibt verschiedene Szenarien und Typen von Novae, die hier jetzt nicht näher behandelt werden können.
Unsere Sonne ist klüger und geht ob ihres wenigeren Gewichtes gewissenhafter mit ihrem Wasserstoff-Brennstoff um. Sie wird noch mindestens fünf Milliarden Jahre für uns leuchten. Stimmt zeitlich zwar, aber, naja… Ein andermal davon.
Also bei Novae-Explosionen wird so viel Energie frei, dass auch schwerere Elemente über das Eisen hinaus entstehen können.
Es ist allerdings fraglich, ob wirklich alle Elemente so gebacken werden, ob die hier frei werdende Energie dafür ausreicht. Vermutlich nicht. Es sollte also noch einen anderen Mechanismus mit mehr frei werdender Energie geben, der dann das Periodensystem noch mit den schweren fehlenden Elementen, wie Gold anfüllt.
„Jezt sag uns doch endlich, Du geschwätziger Astronom, wo es her kommt!!!“
Die Steinplaneten, wie Merkur, Venus, Erde und Mars enthalten nun alle Elemente, also auch Gold.
Auch unsere Sonne hat etwas Gold mit bekommen. Man hat es inzwischen in ihrem Licht nachgewiesen. Im Verhältnis zu Wasserstoff und Helium ist das wirklich nur in Spuren dort enthalten, aber würde man das Gold der Sonne auf die Erde bringen, dann purzelten die Goldpreise ins Bodenlose und wir würden unsere Pausenbrote vielleicht in Goldfolie verpacken…
Seit wenigen Jahren ist uns noch eine andere Weihnachtsbäckerei bekannt, in welcher vermutlich noch viel effektiver Gold, Platin und andere wertvolle schwere Elemente gebacken werden.
Sehr häufig entstehen Sterne, welcher Größe auch immer, nicht alleine, sondern in Paaren.
Unsere Sonne ist alleine. Es gibt durchaus die Vermutung, dass sie ihre Schwester verloren hat. Man sucht tatsächlich nach Sternen, die den gleichen chemischen Fingerabdruck haben, wie unsere Sonne.
Ist nun ein ausgebrannter Sternrest nach seiner Nova noch etwa das anderthalb fache bis zu etwa dem vier fachen der Sonne schwer, endet er nicht wie sie, als weißer Zwerg, der dann langsam auskühlt und verblasst, sondern ihm ist ein andereres Ende beschieden.
Ein Szenario, wie so ein schwerer Stern enden kann, ist ein Neutronenstern. Er ist so dicht, dass die Elektronen der Atome in die Protonen der Kerne gedrückt werden.
Er besteht nun aus entarteter Materie, die es auf Erden nicht gibt.
Dieser Sternenrest hat vielleicht einen Durchmesser von 30 – 40 Kilometern und ist das anderthalb bis das dreifache unserer Sonne schwer, die einen Durchmesser von 1,4 Mio Kilometer besitzt.
Nur am Rande: Noch schwerere Sternreste enden als schwarze Löcher.
Ich sagte schon, dass Sterne oft zu zweit vorkommen.Somit kann es natürlich auch sein, dass beide, wenn sie ähnlich schwer sind, ihr Leben als Neutronensterne beenden.
Kreisen nun zwei Neutronensterne umeinander, so verliert das System langsam Energie, die in Form von Gravitationswellen davon getragen wird. Diese Wellen sind sehr schwach, aber man kann sie mittlerweile mit riesigen Detektoren messen.
Albert Einstein, der sie postulierte, hätte seine Freude daran, denn er dachte nicht im Traum daran, dass wir sie einst nachweisen können werden.
Über den Nachweis von Gravitationswellen schrieb ich vor einigen Artikeln.
Es ist nun gelungen, die Gravitationswellen eines Zusammenstoßes zweier Neutronensterne zu messen und gleichzeitig mit optischen Teleskopen in diese richtung zu schauen.
Dort fand man, im Lichte des Crashs, , dass diese Bäckerei noch viel effektiver alle chemischen Elemente backen kann, als irgendwelche Novae, seien sie auch noch so heftig.
Die hier frei werdende Energie reicht aus, alle Bausteine des Lebens und des Universums zu erzeugen.
Aus so einem Inferno, wo zwei Neutronensterne zusammenkrachen, entstehen ungefähr drei Erdmassen reinen Goldes. Das scheint viel, ist es aber nicht. Bedenken wir, dass jeder am Crash beteiligter Neutronensterne deutlich mehr, als unsere Sonne wiegt. Und bedenken wir dann auch, dass es sich hier nicht um einen Goldklumpen handelt, der jetzt am Stück durch das Weltall vagabundiert, sondern um Gold-Ionen, oder ganz feinen Goldstaub, der in alle Richtungen kugelförmig um die Unfallstelle herum fast mit Lichtgeschwindigkeit ins All geblasen wird. Nimmt man jetzt noch die riesigen Entfernungen von vielleicht Milliarden Lichtjahren zu uns an, dann dürften die Erwartungen von Spekulanten, Börsenmäklern und Schmuckherstellern bald schwinden, dass wir auf einen “Goldregen” hoffen dürfen. Wie oben schon angedeutet, wäre das Gold schließlich wertlos, wenn es plötzlich in rauen Mengen verfügbar wäre.
Gold ist so selten, weil wir alle Kinder des Feuers sind.
Damit Leben hier auf Erden chemisch überhaupt möglich wurde, dafür mussten bereits einige Sterne der ersten Generation ihr Leben lassen, um das Universum mit ihrer Asche, den chemischen Elementen, zu füllen. Denken wir immer daran, wenn wir uns an Gold erfreuen, das Leben den Tot bringt und umgekehrt.
Ist das nicht auch ein Paradox unserer Christenheit?
Gold könnte vom Anfang des Universums stammen.
Es ist sehr alt, und hat einen weiten Weg bis zu uns hinter sich.
Die sicherste Methode es vor Raub zu schützen ist, es einfach in einem Stern zu verstecken, wie es unsere Sonne tut. Ihr Licht bringt uns die Botschaft: “Ätsch, schaut mal. Ich hab viel davon, aber hole es Dir doch, wenn Du kannst…”
Weihnachten ist die Zeit der Freude. Zu Freude gehört manchmal auch etwas Humor.
Mit folgendem Gedicht wünscht euch euer Blindnerd ein schönes Fest zu Nikolaus, auf dass sich eure Stiefel mit Leckereien füllen mögen.
Advent
Von Loriot
Es naut die Blacht . . . Verzeihung!
Advent
Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken
Schneeflöcklein leis‘ herniedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
häuft sich ein kleiner, weißer Zipfel.
Und dort, vom Fenster her, durchbricht
den tunklen Tann ein warmes Licht.
Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer
die Försterin im Herrenzimmer.
In dieser wunderschönen Nacht
hat sie den Förster umgebracht.
Er war ihr bei des Heimes Pflege
seit langer Zeit schon sehr im Wege.
Drum kam sie mit sich überein:
Am Niklasabend muß es sein.
Und als das Rehlein ging zur Ruh‘
das Häslein tat die Augen zu,
erlegte sie – direkt von vorn –
den Gatten über Kimm‘ und Korn.
Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase
zwei, drei, viermal die Schnuppernase
und ruhet weiter süß im Dunkeln
derweil die Sterne traulich funkeln.
Und in der guten Stube drinnen,
da läuft des Försters Blut von hinnen.
Nun muß die Försterin sich eilen,
den Gatten sauber zu zerteilen.
Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen
nach Waidmannssitte aufgebrochen.
Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied,
was der Gemahl bisher vermied,
behält ein Teil Filet zurück
als festtägliches Bratenstück
und packt darauf – es geht auf vier –
die Reste in Geschenkpapier.
Da tönt’s von fern wie Silberschellen,
im Dorfe hört man Hunde bellen.
Wer ist’s, der in so später Nacht
im Schnee noch seine Runden macht?
Knecht Ruprecht kommt mit goldnem Schlitten
auf einem Hirsch herangeritten.
„He, gute Frau, habt Ihr noch Sachen,
die armen Menschen Freude machen?“
Des Försters Haus ist tief verschneit,
doch seine Frau ist schon bereit:
„Die sechs Pakete, heilger Mann,
’s ist alles, was ich geben kann.“
Die Silberschellen klingen leise,
Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.
Im Försterhaus die Kerze brennt,
ein Sternlein blinkt – es ist Advent!
So, meine lieben,
jetzt kommt für viele eine sprachliche Herausforderung. Heute werden wir etwas gemeinsam hören, das in der Sprache gesprochen wird, in welcher ich aufgewachsen bin. Das reine Hochdeutsch, das ich normalerweise zu schreiben und zu sprechen pflege, ist durchaus nicht die Sprache, in welcher ich groß geworden bin. Viele Jahre hatten ich und meine Genoss*innen, die aus der selben Gegend, aus Süddeutschland, nahe der Schweizer Grenze kamen, im Deutschunterricht große Nachteile, weil wir alle alemannisch sprachen.
Lasst euch mit mir ein, auf ein ganz wunderbares alemannisches Krippenspiel aus den 60er Jahren. Ich bin sicher, dass ihr diese Sprache auch verstehen werdet, wenn ihr es euch vielleicht nochmal anhört. Hier anhören!!!
Heute stelle ich euch einen ganz besonderen Chor vor, den etwas anderen Singkreis.
Es gibt ihn als Singkreis seit Mitte der 80er und ungefähr so lange bin ich auch schon Mitglied und singe dort Bass, spiele Gitarre und begleite mit meiner Querflöte.
Er besteht vorwiegend aus ehemaligen Schülerinnen und Schülern der Nikolauspflege Stuttgart, eine berufliche Bildungseinrichtung für Menschen mit Sehbeeinträchtigung. Entstanden ist der DEAS als unser Chorleiter vor fast zwei Jahrzehnten in den Ruhestand ging und den Singkreis der Nikolauspflege in den etwas anderen Singkreis überführte.
Somit wurde dieser Chor nicht wirklich gegründet, sondern ist sozusagen geworden. Er hat auch keinen Heimathafen, denn unsere Mitglieder kommen von ganz Deutschland her. Zwei mal jährlich treffen wir uns zu Chorfreizeiten, wo kräftig geprobt wird und meistens auch ein Auftritt stattfindet. Somit hat dieser Chor in 63 Chorfreizeiten an über 150 Orten in den letzten vierzig Jahren Gemeindenachmittage, Gottesdienste, Weihnachtsfeiern und vieles mehr mit gestaltet. Bevor ich euch aber nun drei unserer schönsten Weihnachtslieder vorstelle, muss noch gesagt werden, wie der Chor zu diesem seltsamen Namen kam.
Ein Herbergsvater sagte einmal zu uns:
Die unterschiedlichsten Gruppen kommen in unsere Jugendherberge – aus Sport-, Wander- und Musikvereinen, aus Kirchen oder Schulen. Ihr Singkreis strahlt dabei die größte Heiterkeit und Fröhlichkeit aus, die uns bisher begegnet ist. Er ist etwas Besonderes, etwas ganz anderes.
Und so war der Name des etwas anderen Singkreises geboren.
Nun aber zu den Kostproben.
Als erstes hören wir ein österreichisches Weihnachtslied,
Neamd hot gwacht (Text und Weise: H. Baumann; Satz: Georg Götsch; 2:03) Hier anhören!!!
Das zweite ist ein wunderschöner Chorsatz, den viele von Ihnen kennen dürften, Maria durch ein Dornwald ging. Hier anhören!!!
Das Finale bringt uns wieder zum ersten Türchen dieses Kalenders, wo es um das Weihnachtsoratorium von J. S. Bach ging.
Hier präsentiere ich euch vom DEAS gesungen den Satz, Ich steh‘ an Deiner Krippe hier von selbigem Komponisten. Hier anhören!!!
Meine lieben, was mir inhaltlich an diesem Kalenderblatt absolut fern liegt ist, an dieser Stelle kitschig zu werden.
Aber die Geschichte, die hier anklingen soll, war für mich, so traurig sie auch ist, eine der weihnachtlichsten Märchen überhaupt. Vielleicht deshalb, weil ich selbst aus einer armen Familie stamme und unser Weihnachtsfest häufig von Streit und Zank überschattet war.
Ihr kennt das Märchen vermutlich alle.
Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern (dänisch: Den lille Pige med Svovlstikkerne) zählt zu den bekanntesten Kunstmärchen von Hans Christian Andersen. Er hat es im Jahre 1845 während eines neuntägigen Aufenthalts auf dem Schloss Gravenstein an der Flensburger Förde geschrieben. Es ist die tragische Geschichte eines kleinen Mädchens, das frierend auf der Straße Schwefelhölzchen verkauft und dabei in den Tod gleitet. In der späteren Rezeption wurde die Erzählung oft als sentimentales Rührstück verkitscht; strenggenommen handelt es sich aber um geschickt verpackte scharfe Sozialkritik.
Ich werde hier nicht das ganze Märchen abdrucken, weil das zu lang für so ein Kalenderblatt wäre, aber vielleicht hat ja jemand Lust, im Keller, auf dem Speicher oder sonst wo, nach alten Märchenbüchern aus der Kindheit zu suchen, um dieses traurig schöne Märchen nochmal zu erinnern. Ihr werdet dann verstehen, warum ich das Märchen so weihnachtlich finde, obwohl die Handlung an Silvester spielt.
Kurz geht es inhaltlich darum:
Ein kleines Mädchen sitzt am Silvesterabend auf der Straße, um seine Schwefelhölzchen zu verkaufen. Es ist dürftig gekleidet und friert; die mit ihren Feiertagsbesorgungen beschäftigten Bürger übersehen das Kind und seine Bettelwaren. Ohne etwas verdient zu haben, wagt sich das Mädchen jedoch nicht nach Hause und harrt frierend zwischen zwei Stadthäusern aus.
Verzweifelt vor Kälte zündet das Mädchen eines der Streichhölzchen an, obwohl ihm dies streng verboten ist. Im Lichtschein des Hölzchens fühlt es sich, als würde es an einem warmen Ofen sitzen, doch dies hält nur an, bis das Schwefelholz erlischt. Nach und nach zündet das Mädchen auch die weiteren Streichhölzer an und gleitet so in immer reichhaltigere Träume. Schließlich begegnet es seiner Großmutter und bittet diese, es in den Himmel mitzunehmen. Die Großmutter nimmt das Mädchen zu sich:
„sie waren bei Gott“.
In der Erzählung wird deutlich, dass das in dieser Welt lebende und leidende Mädchen in der realen Welt einen „sanften“ Erfrierungstod gestorben ist. Gleichzeitig stellt der Erzähler abschließend fest, dass „Niemand wußte, was sie Schönes erblickt hatte, in welchem Glanze sie mit der alten Großmutter zur Neujahrsfreude eingegangen war!“.
Dieses Kalenderblättchen ist vermutlich eher mal was für die Sehlinge unter uns, aber ich finde es immer trotzdem spannend, welche Sternbilder gerade zu sehen sind. Auf die vier wichtigsten Sternbilder des Winterhimmels werde ich noch was für uns alle hinter anderen Türchen verstecken.
Da es im Dezember abends sehr früh dunkel wird, kann man sich ganz gemütlich von den Sommersternbildern Schwan, Leier und Adler verabschieden. Klar, wir haben ja Winter…
für die Zeit, so gegen 22 Uhr zeigt der Himmel dann die Pracht der Wintersternbilder: Orion, Stier, Zwillinge und Fuhrmann sind bereits aufgegangen. Selbst Sirius, der hellste Fixstern am irdischen Himmel, blinkt schon über dem Südosthorizont. Das mit dem Sirius erstaunt mich persönlich sehr, denn der stand doch bei den Ägyptern als Stern, der die Flut im Frühjahr anzeigt, die die Felder wässern soll. Und jetzt ist er im Winter auch zu sehen.
Im Süden und Südwesten halten sich noch die Herbststernbilder auf. Unterhalb des Herbstvierecks (das große Quadrat aus drei Sternen des Pegasus und einem Stern der Andromeda) findet man die ausgedehnten, aber nur aus lichtschwachen Sternen bestehenden Sternbilder Wassermann, Fische und Walfisch. Auch Eridanus, das Sternbild zwischen Walfisch und Orion, ist sehr schwach zu erkennen. In einer klaren Nacht kann man aber einmal versuchen, dem Lauf des Himmelsflusses zu folgen.
Wie auch immer. Die große Müllhalde hält im Netz ganz hervorragende Bilder für die Sehlinge bereit. Mit „Sternenhimmel im Dezember“ solltet ihr leicht fündig werden.
Hier kommt noch ein Link zu einem guten Bekannten von mir, der sich sehr für Astronomie für Kinder engagiert. Sein Artikel dürfte die gewünschten Bilder enthalten, da er für Sehende schreibt. Sternenhimmel im Dezember
Da ist er also nun, mein Blindnerd-Adventskalender.
Er soll uns Licht und Freude in diese dunklen Zeiten Bringen.
Lasst uns also mal ganz fulminant mit einer Weihnachtsmusik einsteigen, die wirklich viel Kraft und Energie in sich birgt, auch für diejenigen unter uns, die ansonsten nicht sehr religiös veranlagt sind. Bin ich übrigens auch nur in gewissen Grenzen.
Wikipedia sagt zu dem Werk, das ich meine:
Das Weihnachtsoratorium BWV 248 ist ein sechsteiliges Oratorium für Soli (SATB), gemischten Chor und Orchester von Johann Sebastian Bach. Die einzelnen Teile wurden erstmals vom Thomanerchor in Leipzig in den sechs Gottesdiensten zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag 1734 und dem Epiphaniasfest 1735 in der Nikolaikirche und der Thomaskirche aufgeführt. Feierliche Eröffnungs- und Schlusschöre, die Vertonung der neutestamentlichen Weihnachtsgeschichte in den Rezitativen, eingestreute Weihnachtschoräle und Arien der Gesangssolisten prägen das Oratorium. Die sechs Teile werden durch die Freude über die Geburt Christi verbunden. Von der musikalischen Gattung steht das Weihnachts-Oratorium Bachs oratorischen Passionen nahe. Es ist das populärste aller geistlichen Vokalwerke Bachs und zählt zu seinen berühmtesten geistlichen Kompositionen. Das Oratorium wird heute häufig in der Advents- und Weihnachtszeit ganz oder in Teilen aufgeführt. Die Gesamtspieldauer beträgt circa 2½ Stunden.
Es lohnt sich wirklich, sich dieses Werk mal anzuhören. Bei mir ist Weihnachts- und Adventszeit ohne dieses Werk seit Jahrzehnten nicht vorstellbar.
Ihr werdet es sicher in einem Musikanbieter eurer Wahl finden.
Es gliedert sich in folgende Teile:
Teil I: „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“
Teil II: „Und es waren Hirten in derselben Gegend“
Teil III: „Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“
Teil IV: „Fallt mit Danken, fallt mit Loben“
Teil V: „Ehre sei dir, Gott, gesungen“
Teil VI: „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“
Mehr möchte ich euch an dieser Stelle zu diesem Werk nicht verraten, da ich über keine klassische Musikausbildung verfüge. Macht es einfach, wie ich. Hört, vernehmt und genießt.
Und wie gesagt. Ihr findet das Werk bei allen Musikanbietern. Ich werde jetzt an dieser Stelle keine Werbung für eine besondere Aufführung machen, weil es mir fern liegt, diese zu beurteilen. Die beste Inszinierung kann nicht gesucht, sondern muss von jedem für sich gefunden werden.
Wenn ihr mögt, dürft ihr euren Fund gerne in den Kommentaren mit uns teilen. Das gilt übrigens für alle Türchen. Alles darf gerne kommentiert und ergänzt werden.
Ankündigung, der Blindnerd-Adventskalender geht online
seid weihnachtlich gegrüßt,
in diesem Jahr darf ich euch ein Novum auf Blindnerd.de ankündigen. Es gibt erstmals den Blindnerd-Adventskalender (Bladventskalender).
Ab Mittwoch, 01.12. werden diejenigen von euch, die meinem Blog via Mail oder Newsfeed folgen, täglich Weihnachtspost bekommen. Ein Türchen, bzw. Kalenderblatt für jeden Tag bis Heilig Abend. Wer dem Blog nicht folgt und sich dennoch für den Adventskalender interessiert, kann sich unter der neu eingeführten Kategorie “Weihnachtspost” alle bis da hin geöffneten Türchen anzeigen lassen. Jeden Tag kommt eins dazu.
Von Musik, Hörspiel, Gedichten, Astronomie und schöne Geräusche ist alles dabei. Ich verspreche euch zwei Sachen.
1. Die Artikel sind schön kurz, und das meine ich wirklich, genau so, dass sie eben auf ein Kalenderblatt passen.
2. Der Kalender wird euch packen und fesseln, so spannend ist er
Selbst ich, der ja weiß, was hinter den einzelnen Türchen verborgen ist, freue mich wie ein kleines Kind, wenn ab Mittwoch automatisch Tag für Tag ein Kalenderblatt veröffentlicht wird.
Ich hoffe, dass alles klappt und dass ich nicht doch noch Hand anlegen muss.
Gerne dürft ihr den Adventskalender auch teilen und kommentieren.
Jetzt lasst euch überraschen. Noch zwei mal schlafen, dann ist es so weit.
endlich ist es so weit. Hier kommt Artikel Nr. 151 auf Blindnerd.
Worum es heute geht:
Sicher habt ihr von der neuen ESA-Mission „Cosmic Kiss“ gehört, zu welcher der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer, vor kurzen zur ISS aufgebrochen ist. Über diese Mission werde ich hier jetzt aber nicht schreiben. Das können andere besser und haben sich auch schon dazu geäußert. Hierzu kann ich die letzte Folge des Podcasts WeltraumWagner vom 25.10.2021 sehr empfehlen.
Diese Folge regte mich zu unserem heutigen Thema an. Matthias Maurer durfte sich den Namen der Mission ausdenken. Er entschied sich eben für „Cosmic Kiss“. Außerdem durfte er das Logo der Mission gestalten.
Dafür ließ er sich von fünf Dingen inspirieren.
Die ersten beiden sind die Raumsonden Pionir1 und Pionier2. Diese hatten Plaketten auf ihrer Außenseite, die anhand von Bildern auf uns Menschen und auf unser Sonnensystem aufmerksam machen sollten, für den Fall, dass die Sonden von außerirdischen Wesen aufgelesen werden sollten.
Die beiden Raumsonden Voyager1 und Voyager2 hatten bebilderte Schallplatten, die „Golden Records“ mit. Diese Platten enthalten irdische Geräusche, die Außerirdische anhören können, sofern sie die Gebrauchsanleitung für den Bau und die Inbetriebnahme des dafür nötigen Plattenspielers verstehen.
Mit der fünften Sache, die ihn zu seinem Logo führten, werden wir uns heute beschäftigen, mit der Entdeckung der Himmelsscheibe von Nebra.
Was ist sie?
Wikipedia sagt:
Die Himmelsscheibe von Nebra ist eine kreisförmige Bronzeplatte mit Applikationen aus Gold, das als die älteste bisher bekannte konkrete Himmelsdarstellung gilt. Ihr Alter wird auf 3700 bis 4100 Jahre geschätzt. Das Artefakt der Aunjetitzer Kultur aus der frühen Bronzezeit Mitteleuropas zeigt astronomische Phänomene und religiöse Symbole.
Längere Zeit nach der Entstehung eingearbeitete Gold-Tauschierungen und die vermutlich bewusste Vergrabung vor etwa 3600 Jahren lassen den Schluss auf einen längeren, möglicherweise religiösen Gebrauch zu. Seit Juni 2013 gehört die Himmelsscheibe von Nebra zum UNESCO-Weltdokumentenerbe in Deutschland.
Ihre Fundgeschichte
Es beginnt, dass kennt ihr ja schon von eurem Astro-Märchenonkel mit einer Geschichte, mit einer Räubergeschichte, einem Krimi.
Versetzen wir uns in das Jahr 1999. Dort machen sich am 04. Juli die beiden Männer Henry Westphal und Mario Renner, auf einen Raub-Zug.
Sie vermuten in der Gegend von Nebra vergrabene alte Gegenstände aus der Bronzezeit. Also gehen sie die Gegend ähnlich, wie zwei Wünschelrutengänger mit einem Metalldetektor ab, der plötzlich ausschlägt und vergrabenes Metall anzeigt.
Und so begannen die beiden zu buddeln und ihr Raubfund konnte sich sehen lassen.
Bereits einen Tag nach der Ausgrabung der Gegenstände erhielten Westphal und Renner 31.000 DM von einem Kölner Händler für den gesamten Hort (Zwei Bronzeschwerter, zwei Beile, ein Meißel und Bruchstücke spiralförmiger Armreifen). Über Mittelsmänner sollte der Fund 1999 in Berlin, später auch in München für eine Million DM verkauft werden, doch es sprach sich herum, dass er rechtmäßig dem Land Sachsen-Anhalt gehörte. Dort galt zu dieser Zeit zumindest noch ein Gesetz für Funde, wonach Bodenfunde nach ihrer Entdeckung Eigentum des Landes werden
Damit war der Schatz für den seriösen Kunsthandel wertlos. Bis 2001 wechselte er mehrmals den Besitzer, zuletzt für über 200.000 DM an ein Hehlerpaar, die Museumspädagogin Hildegard Burri-Bayer und den Lehrer Reinhold Stieber.
Auf Initiative des Kultus- und des Innenministeriums sowie des Landesamtes für Archäologie von Sachsen-Anhalt wurde Kontakt zu den Hehlern, die die Scheibe für 700.000 DM auf dem Schwarzmarkt angeboten hatten, aufgenommen. Der Landesarchäologe Harald Meller traf sich am 23. Februar 2002 als vermeintlicher Kaufinteressent mit ihnen in einem Hotel in Basel. Dort stellte die Schweizer Polizei die Himmelsscheibe sicher. Die Hehler wurden verhaftet. Auch die Begleitfunde wurden gesichert.
Der Wert der Himmelsscheibe ist unschätzbar; ihr Versicherungswert lag 2006 bei 100 Millionen Euro.
Die Raubgräber Westphal und Renner wurden am 10. September 2003 vom Naumburger Amtsgericht zu 4 bzw. 9 Monaten Haft (jeweils auf Bewährung) verurteilt.
Wegen Hehlerei wurden Burri-Bayer und Stieber am 19. September 2003 von einem Schöffengericht am Amtsgericht Naumburg (Saale) zu 12 bzw. 6 Monaten Haft (jeweils auf Bewährung) verurteilt. Als Bewährungsauflage hatte Burri-Bayer 5000 Euro zu zahlen und Stieber 150 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Beide legten Berufung ein, diese wurde im September 2005 von einer kleinen Strafkammer am Landgericht Halle verworfen. Das Revisionsverfahren bestätigte 2007 die Urteile, diese waren damit rechtskräftig.
Nun mag mancher denken, dass die Urteile doch sehr milde ausgefallen waren. Aus heutiger Sicht, wo man weiß, wie wertvoll die Himmelsscheibe nebst ihren Beifunden ist, kann man das tatsächlich so sehen, aber von der Schwere des Verbrechens, einfach mal graben und finden, eben nicht.
So weit erst mal die Geschichte.
Aussehen der Himmelscheibe von Nebra
Die annähernd kreisrunde, geschmiedete Bronzeplatte hat einen Durchmesser von etwa 32 Zentimetern und wiegt ca. 2050 Gramm. Ihre Dicke nimmt von innen nach außen ab, von 4,5 Millimetern in der Mitte bis 1,7 Millimetern am Rand.
Ungewöhnlich für ein archäologisches Artefakt ist die Tatsache, dass an der Scheibe in der Zeit ihrer Nutzung mehrfach Änderungen vorgenommen wurden, was anhand der Überlagerungen von Bearbeitungen rekonstruiert wurde.
Anfänglich bestanden die Goldapplikationen aus 32 runden Plättchen, sowie einer größeren, runden sowie einer sichelförmigen Platte. Sieben der kleinen Plättchen sind etwas oberhalb zwischen der runden und der sichelförmigen Platte eng gruppiert.
Später wurden am linken und rechten Rand die so genannten Horizontbögen angebracht, die aus Gold anderer Herkunft bestehen, wie dessen chemische Begleitbestandteile zeigen. Um Platz für die Horizontbögen zu schaffen, wurde ein Goldplättchen auf der linken Seite etwas zur Mitte versetzt, zwei auf der rechten Seite wurden überdeckt, so dass jetzt noch 30 Plättchen zu sehen sind.
Die zweite Ergänzung ist ein weiterer Bogen am unteren Rand, wiederum aus Gold anderer Herkunft. Diese so genannte Sonnenbarke ist durch zwei annähernd parallele Linien strukturiert, an ihren Außenkanten wurden feine Schraffuren in die Bronzeplatte gekerbt.
Bevor die Scheibe vergraben wurde, war sie ein drittes Mal modifiziert worden: Es fehlte bereits der linke Horizontbogen und die Scheibe war am Rand mit 39 sehr regelmäßig ausgestanzten, etwa 3 Millimeter großen Löchern versehen.
Die Rückseite der Himmelsscheibe enthält keine Applikationen.
Die Himmelsscheibe wurde nicht gegossen, sondern aus einem Bronzefladen kalt geschmiedet, wie aus den Hammerspuren auf der nicht verzierten Rückseite der Himmelsscheibe erkennbar ist. Der Bronzerohling wurde dabei vermutlich wiederholt erhitzt, um Spannungsrisse zu vermeiden bzw. zu beseitigen.
Die ursprüngliche Farbe dürfte nicht grünlich gewesen sein: Die von einer Korrosionsschicht aus Malachit verursachte heutige Grünfärbung ist erst durch die lange Lagerung in der Erde entstanden. Da die goldenen Sterne nur einen geringen Kontrast gegenüber polierter Bronze gehabt hätten, vermutet der Chemiker und Restaurator Christian-Heinrich Wunderlich, dass die bronzezeitlichen Schmiede die Bronze behandelt haben. So zeigen Versuche, dass eine zinnarme Bronze wie die Himmelsscheibe nach einer Behandlung mit einer Lösung aus Urin und Kupferverbindungen eine schwarz-blaue bis schwarz-violette künstliche Patina erhält. Ist die Scheibe vorher poliert, erhält die Patina einen guten Glanz. Die eingelegten Applikationen aus Gold bleiben durch die Behandlung unverändert und bilden einen guten Kontrast.
Und jetzt kommt zum Schluss dieses Kapitels noch ein Bild der Scheibe, damit sich auch die Sehlinge unter uns in etwa vorstellen können, wie sie aussieht. Himmelsscheibe
Was stellt die Scheibe dar
Nach der Interpretation zweier Forscher stellen die goldenen Plättchen Sterne dar, die Gruppe der sieben kleinen Plättchen vermutlich den Sternhaufen der Plejaden, die zum Sternbild Stier gehören. Die anderen 25 sind astronomisch nicht zuzuordnen und werden als Verzierung gewertet. Die auf ihr befindliche große Scheibe wurde zunächst als Sonne, mittlerweile auch als Vollmond interpretiert und die Sichel als zunehmender Mond.
Nach der Meinung mancher Forscher stehen Mond und Plejaden für zwei Termine der Sichtbarkeit der Plejaden am Westhorizont.
Wenn am März-Termin der Mond in Konjunktion mit den Plejaden stand, war er eine schmale Sichel kurz nach dem Neumond. Im Oktober war bei einer etwaigen Konjunktion der Mond voll. Damit könnte die Himmelsscheibe als Erinnerungshilfe (für die Bestimmung des bäuerlichen Jahres von der Vorbereitung des Ackers bis zum Abschluss der Ernte gedient haben.
Eine im Jahr 2006 entwickelte andere Interpretation der ersten Phase vertritt der Astronom Rahlf Hansen vom Planetarium Hamburg. Demnach soll schon in der Bronzezeit der Versuch einer Angleichung des Mondjahres (354 Tage) und des Sonnenjahres (365 Tage) vorgelegen haben, um die beiden Jahre miteinander zu synchronisieren. Damit wäre das Wissen, das auf der Bronzescheibe festgehalten ist, ein weiteres frühbronzezeitliches Äquivalent neben den babylonischen und altägyptischen Schaltmonaten.
Die später hinzugefügten Horizontbögen überstreichen jeweils einen Winkel von 82 Grad, ebenso wie Sonnenauf- und -untergang zwischen Winter- und Sommersonnenwende am Horizont auf dem Breitengrad des Fundorts. Wurde die Scheibe waagerecht so auf dem Mittelberg im Harz positioniert, dass die gedachte Linie vom oberen Ende des linken Bogens zum unteren Ende des rechten Bogens auf die Spitze des etwa 85 km entfernten Brocken zeigt, konnte die Scheibe als Kalender zur Verfolgung des Sonnenjahrs genutzt werden. Vom Mittelberg aus gesehen geht die Sonne zur Sommersonnenwende hinter dem Brocken unter. Für die Vermutung, dass der rechte Bogen der westliche, den Sonnenuntergang markierende sei, spricht seine Nähe zur geneigten Mondsichel, die in der erwähnten Konstellation von der untergehenden Sonne erleuchtet ist. Ob die Scheibe in diesem Zustand als Instrument zur Bestimmung der Sonnenwenden genutzt wurde, oder ob sie das Wissen über diese Bestimmungsmöglichkeiten lediglich darstellt, ist ungewiss.
Als letzte Ergänzung kam ein weiterer goldener Bogen mit zwei annähernd parallelen Längsrillen hinzu, der als Sonnenschiff gedeutet wird, wie man sie aus ägyptischen oder minoischen Abbildungen kennt. Umgeben ist der Bogen an den Längsseiten von kurzen Einkerbungen in der Bronzeplatte, vergleichbar der Darstellung von Rudern auf anderen bronzezeitlichen Schiffsdarstellungen aus Griechenland und Skandinavien. Diese Ergänzung hat vermutlich keine kalendarische Funktion, sie könnte die allnächtliche Überfahrt der Sonne von West nach Ost darstellen. Ob damit auf einen bronzezeitlichen kulturellen Austausch zwischen Mitteleuropa und dem Nahen Osten geschlossen werden kann, ist bislang ungewiss. Der Zweck der Löcher am Rand der Scheibe ist ungeklärt, Wahrscheinlich dienten sie zur Befestigung. Besonders diese letzte Ergänzung legt eine Verwendung der Scheibe auch für kultische Zwecke nahe.
Abspann
Was man auf jeden Fall sagen kann ist, dass die Himmelsscheibe einer Hochkultur entstammt, die regen Handel trieben. Das erkennt man z. B. an den Orten, von welchem die Bronze und das Gold stammen.
Was jetzt noch zu klären wäre ist, woher man das Alter der Scheibe kennt. Dies führt uns aber in dem ohnehin schon länglichen Artikel zu weit. Zum Thema Altersbestimmung wird es bei Gelegenheit einen eigenen Artikel geben, in welchem ich dann die Himmelsscheibe von Nebra gerne als Beispiel erneut aufgreife.