Bladventskalender21, 03.12. Von Bitterer Armut, Sozialkritik und der Hoffnung auf ein Leben danach

Meine lieben, was mir inhaltlich an diesem Kalenderblatt absolut fern liegt ist, an dieser Stelle kitschig zu werden.
Aber die Geschichte, die hier anklingen soll, war für mich, so traurig sie auch ist, eine der weihnachtlichsten Märchen überhaupt. Vielleicht deshalb, weil ich selbst aus einer armen Familie stamme und unser Weihnachtsfest häufig von Streit und Zank überschattet war.
Ihr kennt das Märchen vermutlich alle.
Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern (dänisch: Den lille Pige med Svovlstikkerne) zählt zu den bekanntesten Kunstmärchen von Hans Christian Andersen. Er hat es im Jahre 1845 während eines neuntägigen Aufenthalts auf dem Schloss Gravenstein an der Flensburger Förde geschrieben. Es ist die tragische Geschichte eines kleinen Mädchens, das frierend auf der Straße Schwefelhölzchen verkauft und dabei in den Tod gleitet. In der späteren Rezeption wurde die Erzählung oft als sentimentales Rührstück verkitscht; strenggenommen handelt es sich aber um geschickt verpackte scharfe Sozialkritik.

Ich werde hier nicht das ganze Märchen abdrucken, weil das zu lang für so ein Kalenderblatt wäre, aber vielleicht hat ja jemand Lust, im Keller, auf dem Speicher oder sonst wo, nach alten Märchenbüchern aus der Kindheit zu suchen, um dieses traurig schöne Märchen nochmal zu erinnern. Ihr werdet dann verstehen, warum ich das Märchen so weihnachtlich finde, obwohl die Handlung an Silvester spielt.
Kurz geht es inhaltlich darum:
Ein kleines Mädchen sitzt am Silvesterabend auf der Straße, um seine Schwefelhölzchen zu verkaufen. Es ist dürftig gekleidet und friert; die mit ihren Feiertagsbesorgungen beschäftigten Bürger übersehen das Kind und seine Bettelwaren. Ohne etwas verdient zu haben, wagt sich das Mädchen jedoch nicht nach Hause und harrt frierend zwischen zwei Stadthäusern aus.
Verzweifelt vor Kälte zündet das Mädchen eines der Streichhölzchen an, obwohl ihm dies streng verboten ist. Im Lichtschein des Hölzchens fühlt es sich, als würde es an einem warmen Ofen sitzen, doch dies hält nur an, bis das Schwefelholz erlischt. Nach und nach zündet das Mädchen auch die weiteren Streichhölzer an und gleitet so in immer reichhaltigere Träume. Schließlich begegnet es seiner Großmutter und bittet diese, es in den Himmel mitzunehmen. Die Großmutter nimmt das Mädchen zu sich:
„sie waren bei Gott“.

In der Erzählung wird deutlich, dass das in dieser Welt lebende und leidende Mädchen in der realen Welt einen „sanften“ Erfrierungstod gestorben ist. Gleichzeitig stellt der Erzähler abschließend fest, dass „Niemand wußte, was sie Schönes erblickt hatte, in welchem Glanze sie mit der alten Großmutter zur Neujahrsfreude eingegangen war!“.

Bladventskalender21, 02.12. Der Sternenhimmel im Dezember

Dieses Kalenderblättchen ist vermutlich eher mal was für die Sehlinge unter uns, aber ich finde es immer trotzdem spannend, welche Sternbilder gerade zu sehen sind. Auf die vier wichtigsten Sternbilder des Winterhimmels werde ich noch was für uns alle hinter anderen Türchen verstecken.

Da es im Dezember abends sehr früh dunkel wird, kann man sich ganz gemütlich von den Sommersternbildern Schwan, Leier und Adler verabschieden. Klar, wir haben ja Winter…
für die Zeit, so gegen 22 Uhr zeigt der Himmel dann die Pracht der Wintersternbilder: Orion, Stier, Zwillinge und Fuhrmann sind bereits aufgegangen. Selbst Sirius, der hellste Fixstern am irdischen Himmel, blinkt schon über dem Südosthorizont. Das mit dem Sirius erstaunt mich persönlich sehr, denn der stand doch bei den Ägyptern als Stern, der die Flut im Frühjahr anzeigt, die die Felder wässern soll. Und jetzt ist er im Winter auch zu sehen.
Im Süden und Südwesten halten sich noch die Herbststernbilder auf. Unterhalb des Herbstvierecks (das große Quadrat aus drei Sternen des Pegasus und einem Stern der Andromeda) findet man die ausgedehnten, aber nur aus lichtschwachen Sternen bestehenden Sternbilder Wassermann, Fische und Walfisch. Auch Eridanus, das Sternbild zwischen Walfisch und Orion, ist sehr schwach zu erkennen. In einer klaren Nacht kann man aber einmal versuchen, dem Lauf des Himmelsflusses zu folgen.
Wie auch immer. Die große Müllhalde hält im Netz ganz hervorragende Bilder für die Sehlinge bereit. Mit „Sternenhimmel im Dezember“ solltet ihr leicht fündig werden.
Hier kommt noch ein Link zu einem guten Bekannten von mir, der sich sehr für Astronomie für Kinder engagiert. Sein Artikel dürfte die gewünschten Bilder enthalten, da er für Sehende schreibt.
Sternenhimmel im Dezember

Bladventskalender21, 01.12. Musik zum Einstieg, Das Weihnachtsoratorium von J. S. Bach

Da ist er also nun, mein Blindnerd-Adventskalender.
Er soll uns Licht und Freude in diese dunklen Zeiten Bringen.
Lasst uns also mal ganz fulminant mit einer Weihnachtsmusik einsteigen, die wirklich viel Kraft und Energie in sich birgt, auch für diejenigen unter uns, die ansonsten nicht sehr religiös veranlagt sind. Bin ich übrigens auch nur in gewissen Grenzen.
Wikipedia sagt zu dem Werk, das ich meine:

Das Weihnachtsoratorium BWV 248 ist ein sechsteiliges Oratorium für Soli (SATB), gemischten Chor und Orchester von Johann Sebastian Bach. Die einzelnen Teile wurden erstmals vom Thomanerchor in Leipzig in den sechs Gottesdiensten zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag 1734 und dem Epiphaniasfest 1735 in der Nikolaikirche und der Thomaskirche aufgeführt. Feierliche Eröffnungs- und Schlusschöre, die Vertonung der neutestamentlichen Weihnachtsgeschichte in den Rezitativen, eingestreute Weihnachtschoräle und Arien der Gesangssolisten prägen das Oratorium. Die sechs Teile werden durch die Freude über die Geburt Christi verbunden. Von der musikalischen Gattung steht das Weihnachts-Oratorium Bachs oratorischen Passionen nahe. Es ist das populärste aller geistlichen Vokalwerke Bachs und zählt zu seinen berühmtesten geistlichen Kompositionen. Das Oratorium wird heute häufig in der Advents- und Weihnachtszeit ganz oder in Teilen aufgeführt. Die Gesamtspieldauer beträgt circa 2½ Stunden.

Es lohnt sich wirklich, sich dieses Werk mal anzuhören. Bei mir ist Weihnachts- und Adventszeit ohne dieses Werk seit Jahrzehnten nicht vorstellbar.
Ihr werdet es sicher in einem Musikanbieter eurer Wahl finden.
Es gliedert sich in folgende Teile:

  1. Teil I: „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“
  2. Teil II: „Und es waren Hirten in derselben Gegend“
  3. Teil III: „Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“
  4. Teil IV: „Fallt mit Danken, fallt mit Loben“
  5. Teil V: „Ehre sei dir, Gott, gesungen“
  6. Teil VI: „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“

Mehr möchte ich euch an dieser Stelle zu diesem Werk nicht verraten, da ich über keine klassische Musikausbildung verfüge. Macht es einfach, wie ich. Hört, vernehmt und genießt.
Und wie gesagt. Ihr findet das Werk bei allen Musikanbietern. Ich werde jetzt an dieser Stelle keine Werbung für eine besondere Aufführung machen, weil es mir fern liegt, diese zu beurteilen. Die beste Inszinierung kann nicht gesucht, sondern muss von jedem für sich gefunden werden.

Wenn ihr mögt, dürft ihr euren Fund gerne in den Kommentaren mit uns teilen. Das gilt übrigens für alle Türchen. Alles darf gerne kommentiert und ergänzt werden.

Ankündigung!!! Der Blindnerd-Adventskalender geht online

Ankündigung, der Blindnerd-Adventskalender geht online
seid weihnachtlich gegrüßt,
in diesem Jahr darf ich euch ein Novum auf Blindnerd.de ankündigen. Es gibt erstmals den Blindnerd-Adventskalender (Bladventskalender).
Ab Mittwoch, 01.12. werden diejenigen von euch, die meinem Blog via Mail oder Newsfeed folgen, täglich Weihnachtspost bekommen. Ein Türchen, bzw. Kalenderblatt für jeden Tag bis Heilig Abend. Wer dem Blog nicht folgt und sich dennoch für den Adventskalender interessiert, kann sich unter der neu eingeführten Kategorie “Weihnachtspost” alle bis da hin geöffneten Türchen anzeigen lassen. Jeden Tag kommt eins dazu.
Von Musik, Hörspiel, Gedichten, Astronomie und schöne Geräusche ist alles dabei. Ich verspreche euch zwei Sachen.
1. Die Artikel sind schön kurz, und das meine ich wirklich, genau so, dass sie eben auf ein Kalenderblatt passen.
2. Der Kalender wird euch packen und fesseln, so spannend ist er
Selbst ich, der ja weiß, was hinter den einzelnen Türchen verborgen ist, freue mich wie ein kleines Kind, wenn ab Mittwoch automatisch Tag für Tag ein Kalenderblatt veröffentlicht wird.
Ich hoffe, dass alles klappt und dass ich nicht doch noch Hand anlegen muss.
Gerne dürft ihr den Adventskalender auch teilen und kommentieren.
Jetzt lasst euch überraschen. Noch zwei mal schlafen, dann ist es so weit.

Vier Raumsonden, ein Astronaut und eine sehr alte Bronze-Scheibe


Liebe Mitlesenden,

endlich ist es so weit. Hier kommt Artikel Nr. 151 auf Blindnerd.

Worum es heute geht:
Sicher habt ihr von der neuen ESA-Mission „Cosmic Kiss“ gehört, zu welcher der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer, vor kurzen zur ISS aufgebrochen ist. Über diese Mission werde ich hier jetzt aber nicht schreiben. Das können andere besser und haben sich auch schon dazu geäußert. Hierzu kann ich die letzte Folge des Podcasts WeltraumWagner vom 25.10.2021 sehr empfehlen.
Diese Folge regte mich zu unserem heutigen Thema an. Matthias Maurer durfte sich den Namen der Mission ausdenken. Er entschied sich eben für „Cosmic Kiss“. Außerdem durfte er das Logo der Mission gestalten.

Dafür ließ er sich von fünf Dingen inspirieren.

  • Die ersten beiden sind die Raumsonden Pionir1 und Pionier2. Diese hatten Plaketten auf ihrer Außenseite, die anhand von Bildern auf uns Menschen und auf unser Sonnensystem aufmerksam machen sollten, für den Fall, dass die Sonden von außerirdischen Wesen aufgelesen werden sollten.
  • Die beiden Raumsonden Voyager1 und Voyager2 hatten bebilderte Schallplatten, die „Golden Records“ mit. Diese Platten enthalten irdische Geräusche, die Außerirdische anhören können, sofern sie die Gebrauchsanleitung für den Bau und die Inbetriebnahme des dafür nötigen Plattenspielers verstehen.
  • Mit der fünften Sache, die ihn zu seinem Logo führten, werden wir uns heute beschäftigen, mit der Entdeckung der Himmelsscheibe von Nebra.

Was ist sie?

Wikipedia sagt:

Die Himmelsscheibe von Nebra ist eine kreisförmige Bronzeplatte mit Applikationen aus Gold, das als die älteste bisher bekannte konkrete Himmelsdarstellung gilt. Ihr Alter wird auf 3700 bis 4100 Jahre geschätzt. Das Artefakt der Aunjetitzer Kultur aus der frühen Bronzezeit Mitteleuropas zeigt astronomische Phänomene und religiöse Symbole.
Längere Zeit nach der Entstehung eingearbeitete Gold-Tauschierungen und die vermutlich bewusste Vergrabung vor etwa 3600 Jahren lassen den Schluss auf einen längeren, möglicherweise religiösen Gebrauch zu. Seit Juni 2013 gehört die Himmelsscheibe von Nebra zum UNESCO-Weltdokumentenerbe in Deutschland.

Ihre Fundgeschichte

Es beginnt, dass kennt ihr ja schon von eurem Astro-Märchenonkel mit einer Geschichte, mit einer Räubergeschichte, einem Krimi.

Versetzen wir uns in das Jahr 1999. Dort machen sich am 04. Juli die beiden Männer Henry Westphal und Mario Renner, auf einen Raub-Zug.
Sie vermuten in der Gegend von Nebra vergrabene alte Gegenstände aus der Bronzezeit. Also gehen sie die Gegend ähnlich, wie zwei Wünschelrutengänger mit einem Metalldetektor ab, der plötzlich ausschlägt und vergrabenes Metall anzeigt.
Und so begannen die beiden zu buddeln und ihr Raubfund konnte sich sehen lassen.

Bereits einen Tag nach der Ausgrabung der Gegenstände erhielten Westphal und Renner 31.000 DM von einem Kölner Händler für den gesamten Hort (Zwei Bronzeschwerter, zwei Beile, ein Meißel und Bruchstücke spiralförmiger Armreifen). Über Mittelsmänner sollte der Fund 1999 in Berlin, später auch in München für eine Million DM verkauft werden, doch es sprach sich herum, dass er rechtmäßig dem Land Sachsen-Anhalt gehörte. Dort galt zu dieser Zeit zumindest noch ein Gesetz für Funde, wonach Bodenfunde nach ihrer Entdeckung Eigentum des Landes werden
Damit war der Schatz für den seriösen Kunsthandel wertlos. Bis 2001 wechselte er mehrmals den Besitzer, zuletzt für über 200.000 DM an ein Hehlerpaar, die Museumspädagogin Hildegard Burri-Bayer und den Lehrer Reinhold Stieber.
Auf Initiative des Kultus- und des Innenministeriums sowie des Landesamtes für Archäologie von Sachsen-Anhalt wurde Kontakt zu den Hehlern, die die Scheibe für 700.000 DM auf dem Schwarzmarkt angeboten hatten, aufgenommen. Der Landesarchäologe Harald Meller traf sich am 23. Februar 2002 als vermeintlicher Kaufinteressent mit ihnen in einem Hotel in Basel. Dort stellte die Schweizer Polizei die Himmelsscheibe sicher. Die Hehler wurden verhaftet. Auch die Begleitfunde wurden gesichert.
Der Wert der Himmelsscheibe ist unschätzbar; ihr Versicherungswert lag 2006 bei 100 Millionen Euro.

Die Raubgräber Westphal und Renner wurden am 10. September 2003 vom Naumburger Amtsgericht zu 4 bzw. 9 Monaten Haft (jeweils auf Bewährung) verurteilt.
Wegen Hehlerei wurden Burri-Bayer und Stieber am 19. September 2003 von einem Schöffengericht am Amtsgericht Naumburg (Saale) zu 12 bzw. 6 Monaten Haft (jeweils auf Bewährung) verurteilt. Als Bewährungsauflage hatte Burri-Bayer 5000 Euro zu zahlen und Stieber 150 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Beide legten Berufung ein, diese wurde im September 2005 von einer kleinen Strafkammer am Landgericht Halle verworfen. Das Revisionsverfahren bestätigte 2007 die Urteile, diese waren damit rechtskräftig.

Nun mag mancher denken, dass die Urteile doch sehr milde ausgefallen waren. Aus heutiger Sicht, wo man weiß, wie wertvoll die Himmelsscheibe nebst ihren Beifunden ist, kann man das tatsächlich so sehen, aber von der Schwere des Verbrechens, einfach mal graben und finden, eben nicht.

So weit erst mal die Geschichte.

Aussehen der Himmelscheibe von Nebra

Die annähernd kreisrunde, geschmiedete Bronzeplatte hat einen Durchmesser von etwa 32 Zentimetern und wiegt ca. 2050 Gramm. Ihre Dicke nimmt von innen nach außen ab, von 4,5 Millimetern in der Mitte bis 1,7 Millimetern am Rand.

Ungewöhnlich für ein archäologisches Artefakt ist die Tatsache, dass an der Scheibe in der Zeit ihrer Nutzung mehrfach Änderungen vorgenommen wurden, was anhand der Überlagerungen von Bearbeitungen rekonstruiert wurde.

  • Anfänglich bestanden die Goldapplikationen aus 32 runden Plättchen, sowie einer größeren, runden sowie einer sichelförmigen Platte. Sieben der kleinen Plättchen sind etwas oberhalb zwischen der runden und der sichelförmigen Platte eng gruppiert.
  • Später wurden am linken und rechten Rand die so genannten Horizontbögen angebracht, die aus Gold anderer Herkunft bestehen, wie dessen chemische Begleitbestandteile zeigen. Um Platz für die Horizontbögen zu schaffen, wurde ein Goldplättchen auf der linken Seite etwas zur Mitte versetzt, zwei auf der rechten Seite wurden überdeckt, so dass jetzt noch 30 Plättchen zu sehen sind.
  • Die zweite Ergänzung ist ein weiterer Bogen am unteren Rand, wiederum aus Gold anderer Herkunft. Diese so genannte Sonnenbarke ist durch zwei annähernd parallele Linien strukturiert, an ihren Außenkanten wurden feine Schraffuren in die Bronzeplatte gekerbt.
  • Bevor die Scheibe vergraben wurde, war sie ein drittes Mal modifiziert worden: Es fehlte bereits der linke Horizontbogen und die Scheibe war am Rand mit 39 sehr regelmäßig ausgestanzten, etwa 3 Millimeter großen Löchern versehen.
  • Die Rückseite der Himmelsscheibe enthält keine Applikationen.

Die Himmelsscheibe wurde nicht gegossen, sondern aus einem Bronzefladen kalt geschmiedet, wie aus den Hammerspuren auf der nicht verzierten Rückseite der Himmelsscheibe erkennbar ist. Der Bronzerohling wurde dabei vermutlich wiederholt erhitzt, um Spannungsrisse zu vermeiden bzw. zu beseitigen.
Die ursprüngliche Farbe dürfte nicht grünlich gewesen sein: Die von einer Korrosionsschicht aus Malachit verursachte heutige Grünfärbung ist erst durch die lange Lagerung in der Erde entstanden. Da die goldenen Sterne nur einen geringen Kontrast gegenüber polierter Bronze gehabt hätten, vermutet der Chemiker und Restaurator Christian-Heinrich Wunderlich, dass die bronzezeitlichen Schmiede die Bronze behandelt haben. So zeigen Versuche, dass eine zinnarme Bronze wie die Himmelsscheibe nach einer Behandlung mit einer Lösung aus Urin und Kupferverbindungen eine schwarz-blaue bis schwarz-violette künstliche Patina erhält. Ist die Scheibe vorher poliert, erhält die Patina einen guten Glanz. Die eingelegten Applikationen aus Gold bleiben durch die Behandlung unverändert und bilden einen guten Kontrast.

Und jetzt kommt zum Schluss dieses Kapitels noch ein Bild der Scheibe, damit sich auch die Sehlinge unter uns in etwa vorstellen können, wie sie aussieht.

Darstellung der Himmelsscheibe
Himmelsscheibe

Was stellt die Scheibe dar

Nach der Interpretation zweier Forscher stellen die goldenen Plättchen Sterne dar, die Gruppe der sieben kleinen Plättchen vermutlich den Sternhaufen der Plejaden, die zum Sternbild Stier gehören. Die anderen 25 sind astronomisch nicht zuzuordnen und werden als Verzierung gewertet. Die auf ihr befindliche große Scheibe wurde zunächst als Sonne, mittlerweile auch als Vollmond interpretiert und die Sichel als zunehmender Mond.

Nach der Meinung mancher Forscher stehen Mond und Plejaden für zwei Termine der Sichtbarkeit der Plejaden am Westhorizont.
Wenn am März-Termin der Mond in Konjunktion mit den Plejaden stand, war er eine schmale Sichel kurz nach dem Neumond. Im Oktober war bei einer etwaigen Konjunktion der Mond voll. Damit könnte die Himmelsscheibe als Erinnerungshilfe (für die Bestimmung des bäuerlichen Jahres von der Vorbereitung des Ackers bis zum Abschluss der Ernte gedient haben.
Eine im Jahr 2006 entwickelte andere Interpretation der ersten Phase vertritt der Astronom Rahlf Hansen vom Planetarium Hamburg. Demnach soll schon in der Bronzezeit der Versuch einer Angleichung des Mondjahres (354 Tage) und des Sonnenjahres (365 Tage) vorgelegen haben, um die beiden Jahre miteinander zu synchronisieren. Damit wäre das Wissen, das auf der Bronzescheibe festgehalten ist, ein weiteres frühbronzezeitliches Äquivalent neben den babylonischen und altägyptischen Schaltmonaten.
Die später hinzugefügten Horizontbögen überstreichen jeweils einen Winkel von 82 Grad, ebenso wie Sonnenauf- und -untergang zwischen Winter- und Sommersonnenwende am Horizont auf dem Breitengrad des Fundorts. Wurde die Scheibe waagerecht so auf dem Mittelberg im Harz positioniert, dass die gedachte Linie vom oberen Ende des linken Bogens zum unteren Ende des rechten Bogens auf die Spitze des etwa 85 km entfernten Brocken zeigt, konnte die Scheibe als Kalender zur Verfolgung des Sonnenjahrs genutzt werden. Vom Mittelberg aus gesehen geht die Sonne zur Sommersonnenwende hinter dem Brocken unter. Für die Vermutung, dass der rechte Bogen der westliche, den Sonnenuntergang markierende sei, spricht seine Nähe zur geneigten Mondsichel, die in der erwähnten Konstellation von der untergehenden Sonne erleuchtet ist. Ob die Scheibe in diesem Zustand als Instrument zur Bestimmung der Sonnenwenden genutzt wurde, oder ob sie das Wissen über diese Bestimmungsmöglichkeiten lediglich darstellt, ist ungewiss.

Als letzte Ergänzung kam ein weiterer goldener Bogen mit zwei annähernd parallelen Längsrillen hinzu, der als Sonnenschiff gedeutet wird, wie man sie aus ägyptischen oder minoischen Abbildungen kennt. Umgeben ist der Bogen an den Längsseiten von kurzen Einkerbungen in der Bronzeplatte, vergleichbar der Darstellung von Rudern auf anderen bronzezeitlichen Schiffsdarstellungen aus Griechenland und Skandinavien. Diese Ergänzung hat vermutlich keine kalendarische Funktion, sie könnte die allnächtliche Überfahrt der Sonne von West nach Ost darstellen. Ob damit auf einen bronzezeitlichen kulturellen Austausch zwischen Mitteleuropa und dem Nahen Osten geschlossen werden kann, ist bislang ungewiss. Der Zweck der Löcher am Rand der Scheibe ist ungeklärt, Wahrscheinlich dienten sie zur Befestigung. Besonders diese letzte Ergänzung legt eine Verwendung der Scheibe auch für kultische Zwecke nahe.

Abspann

Was man auf jeden Fall sagen kann ist, dass die Himmelsscheibe einer Hochkultur entstammt, die regen Handel trieben. Das erkennt man z. B. an den Orten, von welchem die Bronze und das Gold stammen.

Was jetzt noch zu klären wäre ist, woher man das Alter der Scheibe kennt. Dies führt uns aber in dem ohnehin schon länglichen Artikel zu weit. Zum Thema Altersbestimmung wird es bei Gelegenheit einen eigenen Artikel geben, in welchem ich dann die Himmelsscheibe von Nebra gerne als Beispiel erneut aufgreife.

Grund zum Feiern – der einhundertundfünfzigste Artikel auf Blindnerd


Seid herzlich gegrüßt,

Prolog

heute feiern wir den 150sten, in Worten, den einhundertfünfzigsten Artikel auf Blindnerd. Den hundertsten Artikel feierten wir letztes Jahr im Lockdown1.
Was soll man da für ein Thema nehmen, dass etwas festlich ist und der Sache irgendwie gerecht wird.
Zum einhundertsten Artikel beschrieb ich euch, wie ich in die Schreibsucht geraten bin und bot euch einige Artikel aus allen Kategorien des Blogs zur Abstimmung an. Leider hat das offenbar obwohl ein Preis hätte winken sollen, nicht bei euch eingeschlagen. Wen wundert es. Wir hatten alle mit dem Lockdown zu kämpfen und damit andere Dinge im Kopf. Ich für meinen Teil kann sagen, dass die Astronomie und dieser Blog oft das einzige waren, was mich durch die Einsamkeit der Lockdowns trug. Keinem hat diese Zeit so gut getan, wie meinem Blog. 56 Artikel sind seit dem Ausbruch der Pandemie entstanden.
Nun aber genug der düsteren Zeiten. Wir wollen doch feiern…

Lasst uns einen Rückblick wagen auf das, was seit dem hundertsten Artikel hier auf Blindnerd.de so los war.

Die letzten Fünfzig

An den letzten Artikel, die Einhundertneunundvierzig, erinnern sich bestimmt noch viele. Wir begaben uns auf Entdeckungsreise zu den Monden des Uranus und wie die Protagonisten aus Williams Shakespeares Stücken als Namensgeber der sehr zahlreichen Saturnmonde her halten mussten. Also ich fand die Geschichte sehr spannend und aufregend.
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Davor hielt mich fast ein halbes Jahr ein Projekt in Atem. Ihr wisst schon. Die Reise zu den schwarzen Löchern. Hier wurde aus einem etwa dreistündigen Vortrag eine elfteilige Serie. Von Archimedes über Johannes Kepler, Isaac Newton, Cavendish und anderen bis hin zu Albert Einstein durchliefen wir alle Stationen, wie die Gravitation entdeckt, Masse und Volumina zusammen hängen, mit welcher Kraft die Erde alles anzieht, wir wogen den Mond, die Erde und andere Himmelskörper. Nach und nach lernten wir über Einstein, Eigenschaften des Lichtes und des Vakuums dann die heimliche Herrscherin über Raum und Zeit kennen, die Gravitation, die schwächste der vier Grundkräfte des momentan gültigen Standardmodells der Physik. Am Ende mussten wir uns mit sterbenden Sternen beschäftigen, wie sie zu weißen Zwergen, zu Neutronensternen oder gar als schwarze Löcher enden können. Diese untersuchten wir genauer, denn sie waren das Ziel dieser Reise. Nie hätte ich erwartet, dass diese Serie so umfangreich würde, so dass ich eventuell in Betracht ziehe, daraus ein Büchlein zu schreiben. Der Anfang hierzu ist gemacht. Wir werden sehen, wie das sich entwickelt und anläuft. Euch danke ich, dass ihr beim Lesen dieser Serie mehr oder weniger durchgehalten habt, denn an manchen Stellen ging es leider nicht ohne Mathematik und sprengte auch sonst das ein oder andere mal die Vorstellungskraft unserer Spezies.
Ich habe für diese Serie extra eine weitere Kategorie auf dem Blog eingeführt, so dass die betreffenden Artikel besser gefiltert werden können, wenn man nach ihnen sucht.
Sie heißt Den Schwarzen Löchern entgegen.
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Unterbrochen wurde die Serie lediglich durch ein astronomisches Ereignis, welches ich nicht unerwähnt gelassen haben wollte. Es ging um die ringförmige Sonnenfinsternis vom 10.06.2020.
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Ein wichtiges Anwendungsgebiet der Astronomie ist die Navigation auf hoher See. Den Breitengrad konnte man anhand der Sonne, des Horizonts und des Mondes einigermaßen mit Sextanten als Instrument bestimmen. Für den Längengrad brauchte man genaue Uhren. Wir beschäftigten uns also mit der berühmteste Schiffsuhr, deren Erfinders und dessen tragischen Lebens.
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Vor allem von blinden Menschen wurde und werde ich immer mal wieder darüber befragt, wie es sich denn genau mit Tag und Nacht verhält, ab wann die Sterne zu sehen sind und wie sie wieder verschwinden. Somit griff ich die Frage einer guten Freundin auf und wir taten die Reise durch den
Verlauf von Tag und Nacht.
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Wer länger schon hier mitliest weiß, dass ich in meinen Artikeln auch immer wieder den Jahreslauf mit seinen astronomischen Ereignissen und natürlich seinen Feiertagen aufgreife. „Querbeet durch das Jahr“ meinte einmal mein alter Freund und Chorleiter zu mir, wäre ein schönes Motto und ein schöner Inhalt für ein weiteres Buch. Vielleicht wird da mal etwas daraus. Wer weiß. Auf jeden Fall tastete ich mich diesmal ganz anders an Ostern heran, denn den Frühlingsanfang und wie sich daraus Ostern ableitet, hatte ich schon früher ausführlich beschrieben. Diesmal ging es im Zeichen von „Respekt und Toleranz um andere Religionsgemeinschaften, insbesondere um deren Fastenzeiten und was die Astronomie damit zu tun hat. In Zeiten von Querdenkern und Polarisierung sind solche Zeichen wichtig.
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Wie Sonnwend abläuft hatte ich auch längst schon abgearbeitet, aber nicht, wie der Sonnenlauf als ganzes funktioniert und welche Figur die Sonne im Laufe eines Jahres an den Himmel zeichnet. All das schilderte ich zur
Der Jahreslauf unserer Sonne.
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Was ich mir auch in jedem Jahr nicht nehmen lasse ist, den Weltfrauentag am 08.03. zu würdigen. Noch immer sind Frauen in vielen Belangen und ganz besonders in naturwissenschaftlichen Fächern unterrepräsentiert und benachteiligt. Deshalb widmeten wir uns 2021 der im Schatten ihres berühmten Astronomen Tycho Brahe stehenden Schwester, die unerkannt eine große Himmelskundlerin war.
Zu diesem Artikel geht es bitte hier lang.
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Bis dato wusste ich überhaupt nicht, dass es am 10.02. eines jeden Jahres den „Women Science Day“ gibt. Da ich für mehr Frauen in der Wissenschaft brenne, würdigte ich an diesem Tag die ersten Astronautinnen im All.
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Und nun stand Weihnachten 2020 vor der Tür. Zu dieser Gelegenheit erhielt ich von meinem geliebten Freund, Chorleiter und Mentor ein unglaublich schönes und astronomisches Weihnachtsgeschenk, eine taktile Sternenkarte.
Sie war in der tat mein schönstes Weihnachtsgeschenk 2020.
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Selbstverständlich durfte mein obligatorischer Jahresrückblick 2020 zu meinen Veranstaltungen zum Jahreswechsel ebenfalls nicht fehlen.
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Immer und immer wieder stellt sich die Frage zur Weihnachtszeit, was denn der Stern von Bethlehem genau gewesen sein könnte. Mitte Dezember 2020 trat ein recht seltenes Astronomisches Ereignis auf, das ein guter Kandidat für diesen Stern abgeben könnte.
Diesen Kandidaten könnt ihr hier kennenlernen.
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Die Vorweihnachtszeit hat sehr viel mit Lichtern und auch mit Sternen zu tun. Außerdem empfängt man, zwar nicht in 2020, Gäste und wird auch selbst eingeladen. Auch am Himmelszelt erscheinen dann und wann Sterne, also Himmelsgäste, wo eigentlich keine hin gehören.
Einige dieser Himmelsgäste könnt ihr hier antreffen.
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Der letzte Sonntag des Kirchenjahres vor dem ersten Advent ist der Totensonntag. Leider hatte ich in dieser Zeit tatsächlich einen Wegbegleiter, ein Vorbild, einen großartigen Autoren und einen wunderbaren Professor verloren. Rudolf Kippenhahn und seine Bücher waren mir stets ein Wegbereiter und begleiten mich bis heute über dreieinhalb Jahrzehnte hindurch.
Würdigen wir ihn erneut in diesem, meinem Nachruf.
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Nun verlassen wir die Chronologie der Artikel etwas, weil ich eine Serie, auf die ich später noch zu sprechen komme, dafür unterbrechen musste.

Obwohl ich nicht wollte, ließ ich mich kurz vor Lockdown2 dazu breit schlagen, einen Corona-Report zu schreiben. Das tat ich dann, aber den lesen wir heute zur Feier des Tages besser nicht, aber er ist für die Historie wichtig.
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Lesenswerter für den Moment dürfte da mein Artikel zu Halloween sein. Immerhin hatten wir an Halloween 2020 sogar Vollmond, so dass alle Werwölfe pünktlich zum Gruselfest verwandelt waren und ihr Unwesen trieben.
Zum Gruselfest bitte hier lang.
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Jetzt wird es schwierig, die weitere Reihenfolge der Artikel einzuhalten, denn ich begann quasi zwei Serien parallel, von denen ich mal die eine, und mal die andere mit Artikeln bediente und noch bedienen werde, denn beide Serien verlangen noch nach weiteren Artikeln.

Mein verehrter Professor Rudolf Kippenhahn war ein großer Erforscher der Sonne. Somit war es gut und recht, eine Serie über die Sonne zu beginnen. Alle Sonnen-Artikel sind in der Kategorie Der Sonne entgegen zu finden.

Ein Schlüsselerlebnis wieso ich im Herzen Astronom wurde, waren Kometen. Wer mein Buch gelesen hat weiß, wie fasziniert ich 1986 am Fernseher verfolgte, als die Raumsonde Giotto durch den Schweif des Halleyschen Kometen flog. Die Nachfolgemission Rosetta ist ebenfalls so ein Meilenstein auf meinem Weg, der hier erwähnt werden muss. Ich schrieb über diese Mission an anderer Stelle.
Grund genug also eine Serie über Kometen zu beginnen. Sechs Kometengeschichten befinden sich bereits momentan in der Kategorie
Kometen.
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Nun befinden wir uns zeitlich Anfang Juli 2020. Ich meine, dass da die Frage durch Twitter zischte, wie viele Freitage der dreizehnte es eigentlich so gibt. Interessant dachte ich. Ich bin zwar nicht abergläubisch, aber das brachte uns direkt über unseren Ggregorianischen Kalender mit der Astronomie in Verbindung. So griff ich das Thema auf, suchte etwas herum und verarbeitete das gefundene in meinen Gedanken zu Freitag, 13..
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Viele von uns haben sicher in diesen Zeiten mehr als vorher sich dann und wann mit Pizza ernährt. Pizza gibt es auch im Weltraum.
Schon seit dreißig Jahren fliegt die internationale Raumstation über unseren köpfen in 400 km Höhe hinweg. Das ist schon ein technisches Wunder, dass diese komplexe Maschine den Gefahren des Weltalls bisher immer trotzte. Die Hauptgefahr sind harte Teilchen, kleinste Asteroiden oder Weltraummüll. Um die Raumstation davor zu schützen, packt man sie in eine gedachte Pizzaschachtel. Nähert sich ein Teilchen dieser gedachten Box, dann wird die Raumstation angehoben, so dass das Teilchen an ihr vorbei fliegt.
Das Raumschiff in der Pizzaschachtel erzählt von der astronomischen Verbindung zu diesem wunderbaren Italienischen Essen.
Übrigens hat Italien das durchaus verdient, weil Italien eine großartige astonomische Tradition besitzt.
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Ich weiß jetzt nicht mehr genau wann, wie und wo.
Es gab wohl Mitte 2020 eine Sonnenfinsternis. Da ich Finsternisse schon beschrieb, näherte ich mich ihnen diesmal Literarisch. Kindererinnerungen werden wach, wenn man die Namen der Autoren liest, um welche es in Dieser Abhandlung geht.
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An dieser Stelle wurde es Zeit, eine weitere Serie oder Kategorie einzuführen. In „Dem Mond entgegen“ sammle ich alle Artikel, die zum Thema Mond und dessen Erforschung entstanden und noch entstehen werden. So meine Abhandlung zum Thema „Hat der Mond Einfluss auf uns Menschen“.
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Besonders von Kindern bekomme ich immer wieder ganz interessante und spannende Fragen gestellt. So schrieb ich nachdem ich von einem virtuellen Kindergeburtstag zurück kam, auf welchem ich als Gast vortragen durfte, einen Artikel über die wunderschöne Kinderfrage:
Wie sieht der Himmel woanders aus“.
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Passend zu dieser Himmelsfrage stellte ich ein romantisches Plätzchen in unserem Sonnensystem, genauer auf dem Merkur vor. Wäre es dort nicht so unvorstellbar heiß, dann wäre dieses Liebesnest vielleicht von Weltraumtouristen überlaufen. Wer diese Liebeslaube kennenlernen möchte, bitte hier lang.
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Apropos Weltraumtourismus und Liebeslaube. Wer so wo hin möchte, wird nicht zu Fuß unterwegs sein. Man braucht schon einen Parkplatz für sein Weltraum-Gefährt.
Parken im all sagt ihr ginge nicht? Dann lest mal hier, wie und wo man im All parken kann.
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Der Sonntag des Gesanges, Kantate, fiel bekanntlicher Weise im Jahre 2020 ganz besonders anders aus. Dem wollte ich mit meinen Sonnengesängen unbedingt etwas freudiges entgegen halten.
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Neben weiteren Sonnen-Artikeln erschien zum Tag der Arbeit, 01.05.2020 einer, der es tatsächlich fertig bringt, die Astronomie mit der Arbeiterbewegung zu verbinden.
Er heißt „ein Stern der Arbeiterbewegung“.

Epilog

und damit sind wir am Ende unserer kleinen Feier, die hoffentlich nicht als Bauchpinselei meinerseitz empfunden wurde. Was mir auf dieser Feier besonders gefallen hat. Man sieht wieder mal sehr genau, wie vielfältig die Astronomie ist. Es ist möglich, sich ihr auf so unterschiedliche Weisen zu nähern, dass ganz viele verschiedene Zugänge entstehen.
Nicht jeder Zugang ist für jeden Menschen geeignet, wie beispielsweise das Teleskop für mich nicht, aber es gibt einen Zugang für jeden Menschen. Das ist meine tiefste überzeugung. Diese wird stets durch weitere Artikel, Vorträge und alles, was ich so mache, rundum erneuert und bestärkt.
Der Himmel ist für alle da.

Nun hoffe ich, dass ihr mir für weitere fünfzig Artikel gewogen bleibt.

Gratulationen, Glückwünsche, oder, was ich natürlich nicht offe, eine Äußerung in die Richtung, dass ich endlich mal wieder mit diesem Astrokram aufhören sollte, sind in den Kommentaren gerne gesehen. Gerne dürft ihr natürlich auch in euren Kreisen Werbung für diesen Blog machen, wenn es dafür auch keine neue Waschmaschine geben wird…

Götterdämmerung – die Phasen von Tag und Nacht


Liebe Leser:innen,
Und hier melde ich mich aus meinem Osterurlaub. Reisen is momentan nich, aber Astronomie und Artikel gehen immer.

Bevor es los geht, etwas Hausmeisterei

Es zeichnet sich jetzt scheinbar ab, dass sich der Doppelpunkt als Platzhalter für alle geschlechtlichen Orientierungen durchsetzen wird. Bisher habe ich, wenn es nötig war, das Sternchen verwendet. Ab jetzt werde ich den Doppelpunkt einsetzen. Was ich nicht tun werde ist, durch alle vorigen 140 Artikel zu gehen, um das dort überall anzupassen. Das tue ich nur dann, wenn ich sowieso auf einem Artikel, z. B. zur Aktualisierung, vorbei komme.
Ich habe auch den Eindruck, dass manche Sprachausgaben mit dem Doppelpunkt im Lesefluss weniger Probleme haben als mit dem Sternchen.
So, das war’s schon mit der Hausmeisterei.

Einleitung

Die Überschrift „Götterdämmerung“ lässt einiges erwarten. Keines Falls reicht dieser Artikel an Wagners Schauspiel heran. Es geht nicht einmal um Götter, aber um die Dämmerung schon, und die können wir alle beobachten, sogar in Zeiten der Pandemie, wo dieses wagnersche Meisterwerk nicht aufgeführt werden darf. Kurz um. Mir hat die Überschrift einfach gefallen. Das ist der einzige Sinn dahinter…

Wenn sich bei diesem Artikel sehende Leser:innen fragen, wieso der blinde Nerd sich mit Dämmerung beschäftigt, obwohl er sie nicht sieht, dann hat der Artikel mal wieder ein Ziel erreicht. Er hat spätestens dann mal wieder gezeigt, dass Astronomie im höchsten Umfang ein inklusives Hobby ist, das sogar berufliche Perspektiven öffnen könnte…

im vorletzten Artikel beschäftigten wir uns mit dem Jahreslauf der Sonne, der Zu- und Abnahme von Tagen und Nächten und der Figur, dem Analemma, welche die Sonne im Laufe eines Jahres am Himmel beschreibt.
Darin wies ich auf die App „LunaSolCal“ hin, mit der man die Zeiten am Himmel wunderbar beobachten kann. Diese App zeigt auch einige Zeiten, z. B. Beginn und Ende von Goldener – und Blauer Stunde, an, die zumindest mir vor dieser App nicht geläufig waren. Und da haben mich doch tatsächlich einige von euch per Mail angeschrieben, die wissen wollen, was es mit diesen seltsamen Stunden-Begriffen auf sich hat. Jemand von euch wies mich sogar darauf hin, dass es noch weitere seltsame Begriffe gibt, die unterschiedliche Dämmerungen bezeichnen.
Das hat mich sehr gefreut. Ihr dürft aber gerne eure Fragen auch in den Kommentaren stellen. Manche davon kann ich dann direkt für alle Leser:innen sichtbar bearbeiten, da nicht alle Antworten, wie diese hier, einen kompletten Artikel nötig machen.
Keiner braucht sich seiner Fragen schämen, denn bei mir gibt es keine dummen Fragen. Es gibt hier nur ein Motto:

Frag, und es wird Tag.

Dann gehen wir es an, und erklären mal die wichtigsten dieser Dämmerungs-Phänomene.

Generell dürfte klar sein, und das kann man auch an den Zeiten sehen, dass die gleich erwähnten Begriffe und Eigenschaften mit der Tages- und Nachtlänge variieren. Außerdem sind Zeiten und Längen dieser Phänomene auch davon abhängig, auf welchem Breitengrad sich die Beobachter:in befindet.
Es wird gleich viel von Gradzahlen die Rede sein, wie tief die Sonne unter dem Horizont verschwunden sein muss, um die Bedingungen der verschiedenen Dämmerungen zu erfüllen.
Da man sich hier stets auf den Mittelpunkt der Sonnenscheibe bezieht, muss natürlich auch mal erwähnt werden, wie groß ihr Durchmesser in Grad von der Erde aus gesehen ist.
der scheinbare Durchmesser der Sonne beträgt rund 0,5° (31′ 28″ bis 32′ 32″).
Das „bis“ kommt dadurch zu stande, dass die Erde sich auf einer elliptischen Bahn um die Sonne bewegt.

Kleiner Hinweis zu LunaSolCal

Für die Nutzer:innen der erwähnten App: Wenn ihr eine weite Reise tut, dann empfiehlt es sich, die App einmal am Ziel aufzurufen, damit die Daten neu auf euren Standort berechnet werden. Ich bin mir nämlich nicht ganz sicher, ob sie das automatisch tut, da die Zeiten immer für einige Tage im voraus berechnet werden.
Nun zu den Begriffen und Phänomenen:

Sonnen Auf- und Untergang

Grundsätzlich wird per Definition des Sonnenauf- und Unterganges der Moment gemeint, an welchem der obere Rand der Sonnenscheibe über dem Horizont erscheint, bzw. unter ihm verschwindet.
Das bedeutet, dass die Morgendämmerung mit dem Erscheinen der Sonnenscheibe über dem Horizont endet und die Abenddämmerung mit dem Verschwinden des Sonnenrandes unter dem Horizont beginnt.

Im Dämmerungsverlauf lassen sich Phasen unterscheiden und danach abgrenzen, wie tief die Sonne unter dem Horizont steht. Hierfür wird der Sonnenstand unter dem Horizont angegeben als Tiefenwinkel der Sonnenscheibenmitte. Nach der Dämmerungstiefe werden üblicherweise drei Dämmerungsphasen unterschieden, deren Ende jeweils ein bestimmter Winkel terminiert.

Astronomische Abend- und Morgendämmerung

Diese beiden Dämmerungen umrahmen den Teil der Nacht, wo absolut maximale Dunkelheit herrscht. Diese Zeitspanne beginnt und endet bei einem Sonnenstand von minus 18 Grad unter dem Horizont.
Im Grunde wäre dieser Teil der Nacht der optimale Zeitpunkt, um Beobachtungen am Himmel zu machen. Leider ist das wegen der von uns Menschen gemachten Lichtverschmutzung vielerorts nicht mehr möglich. Der Himmel wird durch künstliches Licht aufgehellt und überstrahlt viele Sterne. Ich schrieb darüber in
Im Dunkeln sieht man besser„.

Bürgerliche Morgen- und Abenddämmerung

Die bürgerliche Dämmerung, auch zivile Dämmerung, dauert in Deutschland am Nordende 36 bis 58 Minuten, am Südende 30 bis 40 Minuten, zu den Sonnenwenden am längsten, zu den Tag-und-Nacht-Gleichen am kürzesten. Während die Himmelshelligkeit langsam abnimmt, werden zunächst die hellen Planeten sichtbar, insbesondere Venus und Jupiter. Gegen Ende der bürgerlichen Dämmerung kann ein gutes Auge bereits die hellsten Sterne bis zur 1. Magnitude, ein Maß für die Helligkeit von Sternen, erkennen. Die bürgerliche Abenddämmerung beginnt mit dem Sonnenuntergang und endet nach astronomischer Definition, wenn der Mittelpunkt der Sonnenscheibe 6 Grad unter dem wahren Horizont steht.
Mit der bürgerlichen Morgendämmerung verhält es sich genau anders herum. Innerhalb der bürgerlichen Dämmerung ist Lesen im freien noch möglich.
Das Ende der bürgerlichen Abenddämmerung wird in der Luftfahrt mit dem Kürzel ECET bezeichnet, der Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung mit BCMT.

Die nautische Morgen- und Abenddämmerung

Die nautische Dämmerung oder mittlere Dämmerung dauert länger als die bürgerliche Dämmerung. (Am Nordende Deutschlands 42 Minuten bis fast 5 Stunden, am Südende 35 bis 56 Minuten.) Im Verlauf dieser Dämmerungsphase können bereits Sterne bis zur 3. Helligkeitsklasse (Siehe Magnitude) und so auch die Züge von Sternbildern erkannt werden, während auf See die Kimm, Linie zwischen Wasser und Himmel, als Linie zwischen Meer und Himmel noch deutlich sichtbar ist. Damit sind die Bedingungen für eine nautische Positionsbestimmung mit dem Sextanten , einem Messinstrument zur Bestimmung des Breitengrades gegeben, bei der die Höhe bestimmter Sterne über dem Horizont gemessen wird. Die nautische Dämmerung endet nach astronomischer Definition, wenn der Mittelpunkt der Sonne 12 Grad unter dem wahren Horizont steht.
Und ja, richtig. alleine der Breitengrad genügt natürlich nicht für eine Ortsbestimmung. Es fehlt der Längengrad. Das war auf hoher See in der Tat ein sehr großes Problem. Oft verfranzten sich Schiffe genau deshalb und gingen sogar verloren. Dieses Längengrad-Problem hat eine so spannende Geschichte, dass es ein eigener Artikel wert sein wird.

Die Blaue Stunde

Der Begriff Blaue Stunde bezieht sich auf die Zeitspanne innerhalb der abendlichen oder morgendlichen Dämmerung, während der sich die Sonne so weit unterhalb des Horizonts befindet, dass das blaue Lichtspektrum am Himmel noch bzw. schon dominiert und die Dunkelheit der Nacht noch nicht eingetroffen bzw. schon vorbei ist. Da es sich bei der Blauen Stunde um einen umgangssprachlichen Begriff handelt, existiert keine offizielle Definition – im Gegensatz etwa zu den anderen genannten Dämmerungsphasen. Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Tiefenwinkel der Sonne und der spektralen Zusammensetzung des Himmels. Die charakteristische blaue Färbung entsteht typischerweise, während sich die Sonne zwischen 4 und 8 Grad unterhalb des Horizonts befindet. Damit erstreckt sich die Blaue Stunde sowohl über Teile der Bürgerlichen Dämmerung (Tiefenwinkel der Sonne zwischen 0 und 6 Grad) als auch der Nautischen Dämmerung (Tiefenwinkel 6 bis 12 Grad). Das Blau des Himmels zur Blauen Stunde hat eine andere spektrale Zusammensetzung als das Blau bei Tage, da es auf eine andere physikalische Ursache zurückzuführen ist. Während der Blauen Stunde besitzt der tiefblaue Himmel etwa dieselbe Helligkeit wie das künstliche Licht von Gebäude- und Straßenbeleuchtungen, weshalb die Blaue Stunde in der Fotografie eine besondere Bedeutung hat.
Obwohl dieselbe Färbung auch während der Morgendämmerung zu sehen ist, wird der Begriff vor allem als Synonym für die Abenddämmerung beziehungsweise deren poetischen Umschreibung verwendet. Laut Duden steht die Wendung „blaue Stunde“ dichterisch für die Zeit der Dämmerung. In literarischen Werken wird der Begriff auch noch weiter gefasst und hier häufig mit melancholischen Gefühlen assoziiert.

Die goldene Stunde

Das Sprichwort „Morgenstund hat Gold im Mund“ leitet sich ganz sicher nicht von der „Goldenen Stunde“ ab. Es weiß zum einen jeder, was dieses Sprichwort bedeutet und die „Goldene Stunde“ gibt es auch abends…
Als goldene Stunde wird die „Stunde“ nach Sonnenauf- bzw. vor Sonnenuntergang bezeichnet. Der Begriff stammt meines Wissens nach aus der Fotografie.
Das Sonnenlicht ist während dieser Zeit rötlicher und weicher, als wenn die Sonne höher steht. Sie ist das Pendant zur Blauen Stunde, welche die Zeit vor Sonnenaufgang, bzw. nach Sonnenuntergang bezeichnet, in der der Himmel tiefblau ist.
Mit „Stunde“ ist hier in Wahrheit keine Zeitstunde gemeint, denn die Goldene Stunde definiert sich durch die Farbtemperatur des Lichtes und ist außerdem vom Breitengrad abhängig. Das ist komplizierte Physik, die ich uns an dieser Stelle erspare.

Sonnenhöchststand

Dieser ist Standorts- und Jahreszeit abhängig. Es ist der Zeitpunkt, an welchem die Sonne um Mittag herum ihren Höchststand über dem Horizont erreicht. Sonnenuhren sollten zu diesem Zeitpunkt, wenn sie „richtig gehen“ keinen Schatten werfen, bzw. es sollte eine passende Zeitgleichung vorhanden sein, um den Fehler je nach Datum und Uhrzeit heraus rechnen zu können, da Sonnenuhren in der Regel fest montiert sind und nicht der Sonne nachgeführt werden können.

Gibt es alle Dämmerungen immer und überall auf der Erde?

Bei all diesen Dämmerungen stellt sich natürlich die Frage, ob denn alle Dämmerungen überall und immer auf der Erde stattfinden. Die Antwort ist hier ein klares Nein.
Hier einige Fakten aus Wikipedia dazu:

  • Die Dauer der Dämmerungsphasen hängt von der Schiefe der Sonnenbahn bei Sonnenauf- und Untergang ab. Dieses wiederum hängt vom Breitengrad der Beobachtung und von den Jahreszeiten ab.
  • Am kürzesten währt die Dämmerung, wenn die Sonne senkrecht untergeht. Dies passiert ausschließlich zwischen den Sonnenwendekreisen, beispielsweise zur Tagundnachtgleiche nahe dem Erdäquator.
  • Am 50. Breitengrad (Höhe Frankfurt am Main) dauern die drei Dämmerungsphasen zusammen morgens und abends jeweils mindestens 2 Stunden. Das astronomische Ende wird in den kurzen Nächten um die Sommersonnenwende nicht erreicht: Die abendliche geht in die morgendliche Dämmerung über (Mitternachtsdämmerung bzw. „Weiße Nächte“).
  • In Regionen ab dem Polarkreis (rund 67° Breite), geht die Sonne zu diesem Termin nicht unter (Mitternachtssonne) und ein halbes Jahr später nicht auf (Polarnacht).
  • Die längsten möglichen Dämmerungszeiten werden somit dadurch erreicht, dass die Sonne nach Untergang das entsprechende Niveau unterm Horizont nur erreicht, aber nicht unterschreitet.
  • Am Nordpol dauert der Sonnenuntergang 32 Stunden. Dann folgt 12 Tage bürgerliche Dämmerung (vom 24.9.-8.10.), 16 Tage nautische Dämmerung (8.10.-24.10.), 19 Tage astronomische Dämmerung (24.10.-12.11.). Und für den Zeitraum von 80 Tagen, vom 12.11.-28.1., ist die Polarnacht wirklich Nacht in dem Sinne, dass die Sonne mehr als 18° unterm Horizont steht.
  • Diesseits von 84,5° nördlicher/südlicher Breite geht der Sonnenmittelpunkt jeden Tag höher als 18° unterm Horizont. Es gibt also auch in der dunkelsten Nacht des Jahres außer dunkler Nacht einen hellen Moment astronomischer Dämmerung. Die längste astronomische Dämmerung dauert hier fast 13 Stunden.
  • Diesseits von 78,5° geht der Sonnenmittelpunkt jeden Tag höher als 12° unterm Horizont, auch in der dunkelsten Nacht des Jahres gibt es (neben Nacht und astronomischer Dämmerung) einen hellen Moment nautischer Dämmerung. Jenseits davon geht mindestens einmal die morgendliche astronomische Dämmerung in die abendliche astronomische Dämmerung über, die dann insgesamt fast 9 Stunden dauert.
  • Diesseits von 72,5° geht der Sonnenmittelpunkt jeden Tag höher als 6° unter den Horizont, auch in der dunkelsten Nacht des Jahres gibt es einen hellen Moment bürgerlicher Dämmerung. Jenseits davon geht mindestens an einem Tag die morgendliche nautische Dämmerung direkt in die abendliche nautische Dämmerung über, die dann insgesamt 3 Stunden dauert.

Puh, das war jetzt ganz schön verwirrend, wann wie und wo die Dämmerungen stattfinden oder eben nicht. Ich denke wirklich, dass man es sich an den Polen am besten veranschaulichen kann, wo die Sonne innerhalb eines Jahres entweder nicht auf, bzw. nicht untergeht. Die Situation zwischen den Wendekreisen ist auch noch einigermaßen vorstellbar. Zwischen diesen Extrempunkten ist quasi alles möglich.

Zum Abschluss dieses Artikels stelle ich mal die Frage in den Raum, wie uns bitte die Flacherdler, also diejenigen, welche bis heute glauben, dass die Erde eine Scheibe sei, uns diese ganzen Dämmerungen und ihre Zeiten erklären wollen.

Eine Astronomische Ostergeschichte für Respekt, Verständnis und gegenseitiger Toleranz und Achtung


Liebe Leser*innen,

heute Nacht war die Zeitumstellung auf die Sommerzeit und wir starten in die Karwoche 2021. Heute ist Palmsonntag und gleichzeitig der erste Frühlingsvollmond, der für die Berechnung unseres Osterfestes grundlegend ist.
Nur noch eine Woche lang durchhalten, für all jene, welche die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag nutzten, um auf die eine oder andere Art zu fasten, auf Dinge zu verzichten usw.
Alle Achtung für jene, die es trotz allen sonstigen Widrigkeiten in diesen Zeiten durchgezogen haben.

Um Fasten an sich wird es aber in diesem Artikel nicht gehen, aber es geht darum, wann überhaupt Ostern z. B. auch in anderen Glaubensgemeinschaften gefeiert wird und wie sich andere Feiertage daraus ableiten. Wie Ostern bei uns berechnet wird, beschrieb ich ja schon in „Wieso ist Ostern manchmal so früh, und manchmal so spät„.

Anders und doch gleich

Es gibt aber Glaubensgemeinschaften, die zwar unseren gregorianischen Kalender benutzen, aber für die Feiertage eben nicht.
Im Sinne der anderen Glaubensgemeinschaften soll dieser Artikel ein Beitrag zum gegenseitigen Respekt, Verständnis und einem guten Miteinander werden.
Jeder kennt das, wenn man z. B. zu Weihnachten oder Ostern am Familientisch zusammen sitzt. Da fallen oft mal Sätze wie

Die feiern Weihnachten anders.

oder

Die feiern Ostern an einem anderen Tag.

oder

Die fasten zu anderen Zeiten.

Jeder kennt jemanden, der derlei in seiner Glaubens- oder Religionsgemeinschaft anders und zu anderen Zeiten praktiziert als wir.
„Die“ klingt immer so fremd und exotisch. „Die“ scheinen irgendwie anders zu sein und an etwas ganz anderes zu glauben, an etwas seltsames mystisches oder sonst wie fremdes.
Dem ist aber nicht so. „Die“ leben unter uns. Viele von „Denen“ fühlen sich aber auch dem christlichen abendländischen Glauben verpflichtet. und andere gehören z. B. dem Islam an.
Dann wollen wir diesem Mysterium doch hier mal die Zähne ziehen, damit wir hier aufhören können zu „fremdeln“. Auch das ist Aufklärung und trägt zum Verständnis und zur Akzeptanz anderer Gruppen bei.

Die große allgemeine Unwissenheit

Die allgemeine Frage, um die es hier geht fragt danach, warum die hohen Feste wann oder genau dann gefeiert werden.
Es ist egal, wo und wen man fragt und aus welcher Glaubensgemeinschaft die gefragte Person stammt.
Viele „Christ*innen“, die beispielsweise „meinen Blog“ nicht gelesen haben, wissen nicht wirklich, warum Ostern manchmal so früh und manchmal so spät ist. Bevor ich mich mit Astronomie beschäftigte, wusste ich es auch nicht. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass das in der Schule, z. B. im Religionsunterricht, mal vernünftig und anschaulich erklärt wurde. Ostern kam und ging und wir freuten uns auf die Ferien und die Süßigkeiten…

Genau so unsere türkischen Mitschüler*innen. Sie praktizierten ihren Ramadan, der zu meiner Schulzeit in den 1980ern ungefähr in den Sommer fiel.
Auch sie konnten nie erklären, wieso wann Ramadan ist.
Wie auch immer.
Wir „Christ*innen“ freuten uns dann auf den Sonnenuntergang und darauf, dass wir daran teilhaben durften, was ihre Mütter ihren Kindern so in ihre Koffer gepackt hatten. Schafskäse, Oliven, Melonen, verschiedenste Teigtaschen und papp süße Nachtische wurden dort dargereicht.

Deutlich weniger am Leben dran und weniger praxisorientiert erlebten wir im Internat Kamerad*innen, die nach ihren Erzählungen Ostern und Weihnachten zu anderen Zeiten feierten. Das war für sie manchmal eventuell doof, denn die Schulferien richteten sich ja nach unseren Daten und nicht nach deren aus. So konnte es durchaus sein, dass Kinder dieser Glaubensrichtungen Ostern hatten, obwohl die Osterferien bei uns schon vorbei waren. Manchmal, und das war auch etwas traurig, durften diese Kinder dann auch nicht bei unseren Ritualen, die man so in der Vorweihnachtszeit oder der Osterzeit mit uns im Internat feierte, oder ganz wichtig beim Ritual des Geburtstages, aus Glaubensgründen, von den Eltern verboten, nicht mit machen. Das aber nur am Rande. Ich nenne deshalb auch keine Glaubensgemeinschaft namentlich und verkneife mir den Begriff der Sekte.

Auf jeden Fall fragte ich auch jene neugierig darüber aus, wieso sie an anderen Tagen feierten, und bekam nie eine wirkliche klärende Antwort auf meine Fragen.

Und hier noch ein aktuelles Erlebnis zu unterschiedlichen Feier-Zeiten von mir.
Letztes Wochenende traf ich mich mit meiner Arbeitskollegin, ihrem Mann und den Kindern zu einem Spaziergang durch die Parks von Karlsruhe. Ich wollte ihnen verschiedene Vogelstimmen zeigen, erklären und dass wir sie gemeinsam lernen.
Da kamen wir natürlich auch auf Ostern. Diese Familie stammt aus Rumänien und gehört somit der orthodoxen Kirche an. Und da war es wieder, das Erlebnis. Sie feiern Ostern später. Ich wollte wissen, warum und wie sie Ostern berechnen, und die Antwort war, wie sie auch in meinem Fall früher ausgefallen wäre, sehr wage und ungenau. Sie lautete ungefähr so:

„Wie das genau funktioniert, weiß ich auch nicht. Das hat irgendwie mit dem Mond und einem anderen Kalender zu tun. Und außerdem wollen alle orthodoxen Brüder und Schwestern auf der Welt gemeinsam Ostern feiern können.“

Na, immerhin. Der Mond kam vor. Es ist fraglich, ob ich den früher überhaupt erwähnt hätte. Mir war früher nur klar, dass Ostern mit dem jüdischen Pessachfest zusammen fiel, weil zum Zeitpunkt der Verurteilung von Jesus gerade alles Volk nach Israel pilgerte, um dort zu opfern. So steht es in den Evangelien. Etwas von Frühlingsanfang und Frühlingsvollmond habe ich damals nie gehört und es auch nicht hinterfragt.

Und dann kam in der Antwort noch etwas: „Wir benutzen einen anderen Kalender“.
Das ist äußerst spannend.

Die Zeit des orthodoxschen Osterfestes

Wir benutzen ja schon seit vielen Jahrhunderten den Gregorianischen Kalender mit seinen Schaltjahren, seinen ganzen Schaltregeln und in der Neuzeit sogar mit seinen Schaltsekunden. Dieser Kalender hält unseren Jahreslauf in Takt. Für diese Hauptaufgabe braucht dieser Kalender den Mond nicht, wäre da nicht unser Osterfest. Der Ostersonntag fällt meistens auf den ersten Sonntag nach dem astronomischen Frühlingsbeginn, der Tag-Nacht-Gleiche, die in diesem Jahr am 20.03. war. Daraus leiten sich dann andere kirchliche Feiertage, wie Aschermittwoch, die Fastenzeit, Himmelfahrt, Pfingsten und noch einige nicht bundeseinheitlich geregelte Feiertage ab. Wie schon erwähnt, schrieb ich an anderer Stelle darüber, wie das genau funktioniert. Meistens und nicht immer schreibe ich deshalb, weil es zum einen eine Regel des Gregorianischen Kalenders gibt, die verhindert, dass Ostern später als am 25,04. sein darf. Und noch eine Verschiebung des Osterfestes tritt alle 19 Jahre auf, das sog. Osterparadox.
Das war an Ostern 2019 der Fall. Ich schrieb darüber in „Fällt Ostern 2019 aus?

Wie ist das aber nun bei meiner Kollegin, die der Orthodoxen Kirche angehört.

In der orthodoxen Kirche wird am Julianischen Kalender festgehalten.
Das ist der Kalender, der vor dem gregorianischen Kalender benutzt wurde.
Er orientierte sich stark nach dem Mond. Da sich aber unser Mond mit seiner Umlaufzeit nicht gut in den Rest des Jahreslaufes mit seinen Jahreszeiten etc. integrieren lässt, musste man manchmal einen dreizehnten Mond einfügen, damit die Feiertage, die Erntezeiten und vieles mehr nicht komplett aus dem Takt gerieten. Als der Zeitpunkt des Osterfestes etwa 300 n. Chr. festgelegt wurde, war dieser julianische Kalender noch in Gebrauch.
Daher findet der 21. März (im 20. und 21. Jahrhundert) 13 Tage später statt als im gregorianischen Kalender. (Übrigens war das Zusammenlegen des „liturgischen“ mit dem „astronomischen“ Frühlingsbeginn einer der Hauptgründe für die Einführung des gregorianischen Kalenders). Daher findet das orthodoxe Osterfest manchmal eine Mondphase später statt. Außerdem berechnet die orthodoxe Kirche das Osterdatum nach einer bereits in der Antike festgelegten Rechenvorschrift, dem Metonischen Zyklus
Er dauert 19 Jahre. Es ist der Zyklus, den ich in meinem Artikel zum Vollmond an Halloween beschrieb. Man kann mit ihm beispielsweise berechnen, wann der Vollmond, und natürlich auch der Neumond, wieder auf einen bestimmten Tag, z. B. den Heiligen Abend, oder meinetwegen auch auf eure Geburtstage fällt.
Die Länge des 19-jährigen Mondzyklus wurde damals um ca. 2 Stunden zu lang angenommen, was sich im Laufe von 17 Jahrhunderten zu einigen Tagen addiert hat. Dies ist ein weiterer Effekt, der dazu führen kann, dass das orthodoxe Osterfest eine Woche oder im Extremfall, wenn er sich mit dem obigen Effekt addiert (z. B. 2005), fünf Wochen später stattfindet als das lateinische. Von diesem letzteren Effekt ist übrigens auch der Jüdische Kalender betroffen.
Wie der julianische Kalender im einzelnen funktioniert, würde den Rahmen dieses Artikels vermutlich sprengen.
Eine Konsequenz und Tradition, die sich aber bis heute wegen dieses Kalenders hielt ist, dass die Dreizehn (13) eine Unglückszahl sein soll.
In meinen Gedanken zu Freitag, 13. ist dieses Phänomen ausführlich und hoffentlich auch lesenswert erklärt.
Belassen wir es also dabei und stellen uns für heute die letzte Frage.

Wie berechnen unsere islamischen Freunde ihre zweitwichtigste religiöse Zeit, ihre Fastenzeit, den Ramadan?

Wikipedia sagt dazu:

Der Ramadan (arabisch رمضان, DMG ramaḍān ‚der heiße Monat‘) ist der Fastenmonat der Muslime und neunter Monat des islamischen Mondkalenders. In ihm wurde nach islamischer Auffassung der Koran herabgesandt.
Das Fest des Fastenbrechens (arabisch عيد الفطر id al-fitr / türkisch Ramazan bayramı) im unmittelbaren Anschluss an den Fastenmonat zu Beginn des Folgemonats Schawwal ist nach dem Opferfest der zweithöchste islamische Feiertag.

Im Koran heißt es zur Länge der Fastenzeit:

„Fastet erst, wenn ihr sie (die Mondsichel – Hilal) seht, und brecht das Fasten erst, wenn ihr sie (wieder) seht…“

So ergibt sich das einmonatige Fasten vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang.
Dann heißt es im Koran weiter:

Wer nun von euch während des Monats anwesend (d. h. nicht unterwegs) ist, soll in ihm fasten.“

(Koran: Sure 2, Vers 185)

Dem Gedenken an die Offenbarung des Korans ist auch Sure 97 gewidmet, in der es heißt:

„Wir haben ihn (d. h. den Koran) in der Nacht der Bestimmung hinabgesandt. Aber wie kannst du wissen, was die Nacht der Bestimmung ist? Die Nacht der Bestimmung ist besser als tausend Monate.“

(Koran: Sure 97)

Aufgrund der vorhergehenden koranischen Aussage gilt es als ausgemacht, dass die Nacht der göttlichen Bestimmung (lailat al-qadr / ليلة القدر / lailatu ʾl-qadr) eine Nacht im Monat Ramadan ist. Da man sich also über die genaue Nacht der Offenbarung des Korans nicht im Klaren war, feiert man diese Nacht überwiegend in der Nacht zum 27. Ramadan, aber auch an anderen ungeraden Tagen der letzten zehn Tage des Fastenmonats.
Dem letzten Drittel des Ramadan kommt außerdem deswegen eine besondere Bedeutung zu, weil in dieser Zeit die fromme Übung des Iʿtikāf, der „Absonderung“ in der Moschee, stattfindet.

Welcher Monat ist aber nun gemeint?
Während das tägliche Gebet (salat / صلاة / ṣalāt) und die islamische Pilgerfahrt (haddsch / حجّ / ḥaǧǧ) auf festgelegten Zeiten beruhen, sind der Beginn und das Ende des Fastenmonats Ramadan im islamischen Überlieferungswesen stets widersprüchlich überliefert und diskutiert worden. Den Anfang des Ramadans zeigt die Sichtung (ru’ya / رؤية / ruʾya) der neuen Mondsichel (hilal) am Ende des letzten Tages/in der letzten Nacht des Vormonats Scha’ban an. Der Grundtypus dieser Traditionen in den kanonischen Hadithsammlungen als Direktive des Propheten lautet:

„Der Monat besteht aus 29 Tagen. Fastet erst, wenn ihr sie (die Mondsichel – hilal) seht, und brecht das Fasten erst, wenn ihr sie (wieder) seht. Und wenn (der Himmel) über euch bedeckt ist, so bestimmt ihn /Var. vervollständigt die Zahl der Scha’ban-Tage/ auf 30 (Tage).“

(Hadith Abu Dawud, Buch 13, Nr. 2312; al-Bukhari, Buch 31,Nr. 130-131.)

Ausschlaggebend für den Beginn bzw. für das Ende des Ramadans ist, wie schon gehört, stets jeweils die Sichtung der Mondsichel durch einen oder durch mehrere Zeugen. Umstritten bei der Festlegung des Monatsbeginns ist die Rolle der Astronomen (munadschdschim) und der Mathematiker (ahl al-ma’rifa bil-hisab), die es in der frühislamischen Gesellschaft noch nicht gab und die später allein durch Berechnungen (hisab) ohne Sichtung der Mondsichel den Monatsanfang festzulegen bestrebt waren.

Die Festlegung des Ramadanbeginns gibt in der arabisch-islamischen Welt bis in die Gegenwart hinein jedes Jahr Anlass zu kontroversen Diskussionen. Denn der Verzicht auf die Sichtung der neuen Mondsichel als Anfang des Ramadans und die stattdessen geführte astronomische Berechnung führen zwangsläufig zur Ignorierung des prophetischen Gebots „fastet erst, wenn ihr sie seht“.
In Ägypten bestimmt das erste Neulicht in Assuan den Beginn des Ramadans, wobei das gesichtete Neulicht telefonisch nach Kairo gemeldet wird und anschließend die Ausrufung des Ramadans erfolgt.

Die Berechnung des Ramadan ist also gar nicht so einfach, wie man sieht.
Erstaunlich ist, dass hier das religiöse Buch versucht, den Zeitpunkt und die Länge des Ramadan zu bestimmen, was aus astronomischer Sicht natürlich schwierig ist. Ich kenne keinen vergleichbaren Versuch aus der Bibel. Allerdings kenne ich nicht die ganze Bibel und könnte mir vorstellen, dass sich derlei z. B. in den Büchern Moses, wo viele Regeln festgehalten sind, versteckt.
Wer hier theologisch mehr drauf hat, bitte gerne in die Kommentare für alle lesbar damit. Mein lieber Freund, Pfarrer und Mitleser Volker, könnte hier vielleicht mehr wissen.

Im Islam wird also durch den gregorianischen Kalender konsequent und in viel stärkerem Maße, wie bei uns, ein Mondkalender mit geführt.
Da der Mond nicht sauber unserem Jahreslauf sich unterordnet, wandert der Fastenmonat in etwa 30 Jahren ein mal durch den ganzen Jahreslauf. Ramadan im Winter dürfte etwas leichter zu schaffen sein, aber im heißen Sommer, wenn tagsüber nichts getrunken werden darf, stelle ich ihn mir hart vor.
Weil das den Nomaden in der Wüste etc. durchaus auch bewusst war, schrieb der Prophet Mohammed einige Regeln auf, wie der Ramadan für Kinder, Kranke, Alte, Schwangere und sonstige schwache Menschen abgemildert oder gar ausgesetzt werden kann.

Puh, das war jetzt aber viel Kalender und Erlebnisse.
Ich wünsche mir davon, dass der Artikel wenigstens etwas zum Respekt anderer Glaubensgemeinschaften, und damit meine ich wirklich alle, beitragen kann.

Der Jahreslauf unserer Sonne


Liebe Leser*innen,

heute, 20.03.2021, ist gleichzeitig Frühlingsanfang. und der Tag der Astronomie, bei dem der Mond im Fokus steht. Astronomisch bedeutet Frühlingsanfang, dass Tag und Nacht an diesem Tag gleich lang sind. Da vor allem wegen unseres Schaltjahres sich astronomisch alles um etwa sechs Stunden verschiebt, kann dieser astronomische Zeitpunkt mal auf den 20.03, den 21.03 und sogar auf den 22.03 fallen. Das gleiche gilt natürlich dann auch für den astronomischen Herbstanfang im September und für die Sonnenwenden im Juni und Dezember.

Ich schrieb darüber in Welcher Frühlingsanfang ist der richtige.

Ganz besonders in den Wintermonaten mit Kälte und Schmuddelwetter denkt man sich oft:

„Wieso dauert denn das so lange, bis die Tage wieder merklich länger werden?“

Gegen Ende des Sommers empfindet man das Gegenteil:

„Wieso werden die Tage so schnell wieder kürzer?“

Den größten Sprung unserer Empfindungen erzeugt natürlich die Umstellung auf die Sommerzeit und die Rückstellung auf die Winterzeit , welche eigentlich die normale Zeit ist. Da verschiebt sich der Sonnenauf- und Untergang von einer Nacht auf die andere um eine Stunde nach hinten, wenn die Sommerzeit beginnt. Dafür haben wir es abends, wie jeder weiß, eine Stunde länger hell.

  • Das gefällt uns natürlich, weil zu dieser Zeit, wie wir noch sehen werden, die Tage sowieso schon wieder erheblich länger, das Wetter meist schon wieder besser und wärmer sind und wir uns tendenziell im Frühling und Sommer sowieso eher nach Feierabend länger draußen aufhalten wollen.
  • Nach der Umstellung auf die Winterzeit finden wir es zwar schade, dass es abends wieder eine Stunde früher dunkel wird, andererseits erfreuen wir uns auch, dass es zunächst morgens nicht mehr ganz so dunkel ist, und unsere Kinder eventuell noch etwas Tageslicht haben, wenn sie früh zum Schulgang aufstehen müssen.
  • Wir freuen uns, wenn wir bei der Umstellung auf die Winterzeit eine Stunde „geschenkt“ bekommen.

Nichts desto Trotz handelt es sich dabei um unsere Empfindungen und Wahrnehmungen, die sich durchaus je nach Beruf, Lebenslage und anderen Faktoren stark unterscheiden können. Diese Subjektivität schlägt sich in der jährlich wiederkehrenden Diskussion nieder, ob die Zeitumstellung nun abgeschafft werden soll, oder nicht. Mit Astronomie hat diese von Menschen gemachte Zeitverschiebung aber nichts zu tun. Von daher gehen wir einen Schritt weiter und lassen die Zeitumstellung zunächst mal außen vor. Gehen wir für das folgende davon aus, dass es sie nicht gäbe, wie das bis Anfang der 80er des letzten Jahrhunderts ja auch war.

Wir werden das Phänomen, dass die Tages- und Nachtlänge sich im Jahreslauf verändert nun etwas näher betrachten.
Wer sich etwas auskennt wird mit Recht sagen:

„Na klar. Das liegt an den Jahreszeiten.“

„Volltreffer“ würde ich zu dieser Aussage sagen, denn das stimmt. Aber wie funktioniert das genau. Die Hauptfrage, die uns beschäftigen wird ist, ob z. B. die Tage an beiden Enden, zwischen Sonnenauf- und Untergang gleichmäßig länger oder kürzer werden und wenn nicht, wieso denn nicht?
Die aufmerksame Leser*in merkt schon, dass dem scheinbar nicht so ist. Ansonsten hätte ich diese Frage nicht in den Raum gestellt. Dann versuchen wir sie zu beantworten, was ohne Bilder gar nicht so einfach ist, aber versuchen wir es trotzdem.

Unsere Jahreszeiten entstehen dadurch, dass die Erdachse um etwa 23 Grad gekippt ist. Ich betone hier nochmals ausdrücklich. Sie entstehen nicht dadurch, was manchmal, und gar nicht so selten, angenommen wird, dass die elliptische Umlaufbahn der Erde um die Sonne dafür verantwortlich sei, weil die Erde ja dadurch manchmal etwas näher und dann wieder etwas weiter von der Sonne entfernt ist. Dieser Strahlungsunterschied, den wir dadurch erleben, schlägt nicht zu Buche und reicht auf keinen Fall für die Jahreszeiten. Kurios ist an dieser Stelle, dass ausgerechnet im Winter, Anfang Januar, die Erde ihren sonnennächsten Punkt auf ihrer Bahn durchläuft, wo es ja dann, wenn das stimmen würde, am wärmsten sein sollte. Über dieses Kuriosum werde ich mal extra schreiben.
Halten wir also nochmal fest, dass die gekippte Erdachse für die Jahreszeiten und damit auch für die Veränderungen der Tages- und Nachtlängen verantwortlich ist.

Stellen wir uns nun im nächsten Schritt vor, dass unsere Erdachse aufrecht stünde und dass die Erde sich nicht im Laufe eines Jahres einmal um die Sonne bewegt. Gehen wir sogar so weit, und halten die Erde an, so dass sie sich auch nicht mehr um sich selbst dreht.
Als letztes gehen wir noch davon aus, dass der Abstand der Erde zur Sonne trotz Stillstand immer gleich bliebe, als wären beide mit einer langen Stange verbunden. Normalerweise geht das natürlich nicht, denn so eine lange Stange gibt es nicht und außerdem würde eine Erde, die nicht um die Sonne kreist, also um sie herum fällt, von ihr mit der Zeit angezogen und in einem gewaltigen Inferno in ihr verglühen und verpuffen.

Also, was passiert dann.

  1. Der Erdstillstand bedeutet, dass es keinen Tag-Nacht-Rhythmus mehr gibt. Die Sonne bescheint in dem Fall immer dieselbe Seite der Erde. Dort wäre es immer Tag und auf der anderen Seite wäre es immer Nacht. Das will niemand. Und noch etwas merkwürdiges passierte dann.
    Wir könnten, außer vielleicht nachts durch unseren Mond, den Tag und die Nacht nicht in Zeiteinheiten einteilen. Denken wir uns den Mond mal auch weg, denn er spielt für unsere Betrachtungen keine Rolle. Wir hätten also keine zeitliche Orientierung.
    Im nächsten Schritt geben wir nun der Erde einen seitlichen Schubs, wie man das früher mit einer kleinen Peitsche mit einem Spielzeug-Kreisel tat, so dass sie sich, wie ein solcher beginnt, sich wieder um sich selbst zu drehen. Sagen wir in gewohnter Geschwindigkeit und natürlich wie gewohnt links herum.
  2. Nun dreht sich die Erde wieder. Wir haben wieder Tag und Nacht. Allerdings wäre es so, dass die Tage und auch die Nächte stets gleich lang blieben. Vermutlich wäre es nur an den Polen immer dunkel, weil dort kein Sonnenlicht hin käme. Erinnern wir uns, dass wir noch immer keinen astronomischen Jahreslauf hätten, weil wir alle Nacht den selben Sternenhimmel zur selben Zeit sehen würden. Die Erde würde sich zwar unter dem Sternenzelt drehen, und am Tage wäre die Wanderung der Sonne beobachtbar, aber sie, und auch die Sonne nicht, würden durch keine Sternbilder wandern. Keine gute Vorstellung für Astrologen, aber auch den Astronomen würde das nicht gefallen. Immerhin wäre es jetzt wieder möglich, die Zeit zu messen. Die Sonnenuhr wäre hier bei schönem Wetter sehr zuverlässig und wer weiß. Vielleicht würde man mechanische oder digitale Uhren bauen, die mit dem Tageslauf im Gleichgang gingen. Mit denen wäre eine Zeitmessung zusätzlich zur Beobachtung des Sternenhimmels dann auch wieder bei jedem Wetter möglich. Nebenbei bemerkt wäre es dabei unerheblich, in welche zeitlichen Einheiten die Menschen den Tag und die Nacht einteilen würden. Astronomen fänden vielleicht eine Möglichkeit, aber es könnten alle möglichen Einteilungen werden, z. B. die Einteilung in zehn Tages- und zehn Nachtstunden. Damit ließe sich immerhin ganz gut rechnen.

    Von einem Standort aus könnte man, wie gesagt, natürlich in Ost-West-Richtung die Sonne wandern sehen, was man ebenfalls zur Zeiteinteilung am Tage nutzen könnte, siehe Sonnenuhr.

    Und noch etwas wäre anders als wir es gewohnt sind.
    Wäre die Erde eine auf der Ekliptik stehende Walze und würden wir alle auf ihrer runden Seitenfläche leben, ich glaube man nennt diese Fläche oder Hülle auch Mantel in der Geometrie, dann hätten alle Menschen quasi die gleiche Sicht auf die Sonne. Sie stünde zu jeder Zeit für alle gleich hoch am Himmel,
    Alle würden die Sonne in Ost-West-Richtung wandern sehen.
    Ich denke nicht, dass es einen Unterschied machte, ob man an der Nord- oder Südkante der Walze lebte, weil die Sonne so unfassbar viel größer als die Erde ist.
    je nach Tageszeit natürlich.
    Die Nord- und Südfläche der Walze wären mit Sicherheit unbewohnt, da es dort ohne Sonnenschein ungemütlich kalt wäre, noch kälter vermutlich, als wir das von unseren Polkappen her kennen.

    Da die Erde aber nun mal eine Kugel ist, so stünde für die Äquatorianer die Sonne am höchsten am Himmel. Desto weiter nördlich oder südlich man lebte, desto flacher zöge die Sonne ihren Kreis. Außer vielleicht an den Polen, wo sie vermutlich nie zu sehen wäre, was übrigens bei unserer Walze mit Sicherheit so wäre.

  3. 3) So, es ist so weit. Wir nehmen die vorhin gedachte Verbindungsstange zwischen Erde und Sonne weg und schubsen nun die Erde so an, dass sie sich auf der Kreisbahn um die Sonne bewegt, wie wir das gewohnt sind. Nun kann sie durch ihre Drehung um die Sonne selbst dafür sorgen, dass sie der Anziehung der Sonne trotzt und auf ihrer Bahn bleibt.
    Ja, ich weiß. sie bewegt sich auf einer Ellipse, aber letztlich ist der Kreis ein Sonderfall der Ellipse, bei dem beide Brennpunkte aufeinander liegen, und außerdem ist die Erdbahn auch real fast kreisrund.

    Nun haben wir zwar noch immer Tag-Nacht-Gleiche, können aber zumindest nachts wieder einen astronomischen Jahreslauf betrachten. Wir können natürlich jetzt auch wieder unseren Mond mit einbeziehen. Den haben wir vorhin nicht betrachtet, weil er für unsere Überlegungen keine Rolle spielt. Und deshalb ignorieren wir ihn auch weiterhin.

    Und jetzt wird es langsam etwas unübersichtlich wegen der Erddrehung um sich selbst und der Erdbewegung um die Sonne.

  4. /li>Durch die dazu gekommene Drehung der Erde um die Sonne passiert es, dass wenn man vom selben Standpunkt aus den Mittagspunkt, an dem die Sonne am höchsten steht betrachtet, dass sich die Sonne in einem halben Jahr etwas verspätet und dann wieder verfrüht.

    Das liegt daran, dass die Erde sich auf ihrer Bahn nach jedem Erdentag auch wieder etwas weiter auf ihrer Bahn um die Sonne bewegt hat. Somit ist es so, dass die Sonne, wenn die Erde ihre Drehung um sich selbst komplett vollführt hat, entweder noch nicht aufgeht, weil die Erde ihr hinterher läuft. Ein halbes Jahr später ist es dann umgekehrt. Der Tag beschreibt somit auf unserer ‚Erde mit senkrecht stehender Achse einen Strich, der sich langsam etwas nach links verschiebt und ein halbes Jahr später wieder nach rechts.

    Nun wollen wir aber endlich auch unsere Jahreszeiten wieder zurück haben, damit unser Klima wieder passt.

  5. Im letzten Schritt kippen wir nun unsere Erdachse wieder um 23 Grad. Da die Erde eine Kugel ist und sich nun zusätzlich zu unseren Drehbewegungen auch noch die geometrische Tatsache der Perspektive auf die Sonne, täglich etwas verändert, so beschreibt sie vom selben Standpunkt aus den Mittagspunkt betrachtet, eine schräg liegende Acht, ein Analemma. Dieses sieht je nach Breitengrad etwas anders aus.
    Vor längerer Zeit erwähnte ich mal relativ beiläufig bei meiner Vorgesetzten, dass ich gerne mal ein Analemma taktil ertasten würde. Ich hatte das schon fast vergessen, aber dann kam mein Geburtstag. Bei uns in unserem wunderbaren Team ist es üblich, dass jeder zu seinem Geburtstag eine sowohl bunt als auch taktil gestaltete Karte erhält. Diese liebe Kollegin gestaltete mir zu meiner großen Freude eine Geburtstagskarte mit einem Analemma. Außerdem legte sie noch eine große A4-Darstellung desselben bei, damit auch noch die Beschriftung in Punktschrift darauf passte. Das finde ich wirklich sehr wertschätzend und rührend von ihr, dass sie sich das merkte und umsetzte. Es ist mir halt immer wieder eine große Freude und ein Segen, dass ich an so einem wunderbaren Institut, wie dem Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS) des Karlsruher Institutes für Technologie (KIT) arbeiten darf. Nirgendwo sonst könnte ich Meine Begabungen zu Wissenschaft und Pädagogig so gut einbringen als dort. Außerdem ist am SZS meine Behinderung keine Einschränkung, sondern eine Qualifikation die ich für die Ausübung meiner Aufgaben benötige. Nicht zuletzt unterstützen mich immer wieder, das erwähnte ich schon häufiger, und kann es nicht oft genug tun, alle Mitarbeitenden in meinen inklusiven Tätigkeiten zur Astronomie.
    Dank dafür an alle SZSler.
    OK, zurück zum Thema.
    Am Äquator sollte es sich kaum ausbilden, weil sich auch dort aufgrund des Winkels zur Sonne auch die Jahreszeiten zwischen den Wendekreisen kaum bemerkbar machen.

    Am meisten prägt sich das Analemma natürlich in der Nähe der Polkappen aus, zwischen der Mitternachtssonne und dem langen Winter ganz ohne Sonne. Am Nord- und Südpol ist die Acht wahrscheinlich sogar offen, weil es ja dort jeweils Monate ganz ohne Sonnenlicht gibt.

    Da dieses Analemma schwer in Worten zu beschreiben ist, bitte ich euch sehende Astronom*innen unter euch, die hier mitlesen, dass ihr mich bitte entweder via Mail, oder noch besser in den Kommentaren, mich auf eventuelle Fehler in meiner Vorstellung, aufmerksam macht.
    Ich darf fast zum Schluss natürlich nochmal erwähnen, dass die stärkste Konsequenz dieser gekippten Erdachse unsere Jahreszeiten sind.

  6. zu guter letzt
    wer das mal verfolgen möchte, wie unterschiedlich sich die Länge der Tage und Nächte im Jahreslauf verändern, wie ungleichmäßig die Zeiten der Sonnenauf- und untergänge sich verändern und wie sich die Zeit des Mittagspunktes langsam verspätet, um sich dann wieder zu verfrühen, dem empfehle ich beispielsweise die auch für blinde Menschen recht zugängliche App Lunasolcal für Smartphones. Mit Calsky könnte das auch klappen, obwohl ich momentan nicht genau weiß, ob die noch online sind. Habe was gehört, dass es Calsky eventuell nicht mehr gibt, was sehr schade wäre. Wer es aufwändiger mag und sehen kann, denn für unser eins nicht zugänglich, kann es mit Stellarium versuchen.
    Ein klassischer Papier-Kalender tut es natürlich auch. Er sollte sich aber mit den Daten schon ungefähr auf den Standort beziehen, wo ihr wohnt.

    Da all diese Daten vom Breiten- und Längengrad, von eurem Standort also abhängig sind,
    erspare ich euch für den Moment eine langweilige Tabelle mit den Daten meines Standortes. Achtet einfach mal auf die Veränderungen von Sonnenaufgang, Sonnenhöchststand und Sonnenuntergang. Schreibt etwas mit und ihr werdet das Phänomen selbst erleben, was viel interessanter sein dürfte, als euch durch eine langweilige Tabelle zu wühlen.
    Beobachtet vielleicht auch mal, wenn ihr eine Reise tut, was momentan ja eher schwierig ist, wie sich die Zeiten durch euren Standordswechsel verändern. Von Karlsruhe bis Berlin habe ich Veränderungen von einigen Minuten gefunden. Wer das beobachtet und nachher noch immer behauptet, dass die Erde flach sei, dem ist nicht mehr zu helfen…
    Wie auch immer.
    Wir haben weiter oben schon die Sonnenuhr erwähnt. Die hat es langsam schwer, wirklich genau zu gehen. Aus diesem Grunde steht an vielen Sonnenuhren eine sog. Zeitgleichung. Sie berücksichtigt die Erdkrümmung, Erddrehung und die sich veränderte Perspektive auf die Sonne. Wie sie genau funktioniert, erspare ich uns für den Augenblick.

  7. Und jetzt noch eine Anmerkung zum guten Schlusse
    In diesem Jahr fällt der Tag der Astronomie mit dem Frühlingsanfang zusammen.
    Das Thema dieses Tages ist in diesem Jahr der Mond. Da darf ich es mir natürlich auch nicht nehmen lassen, auch einen zwar schon etwas älteren, aber nicht minder aktuellen und sehr inklusiven Bericht zu diesem Thema bei zu steuern.
    In diesem Artikel geht es um die Frage:
    Sich blind auf dem Mond orientieren, geht das?
    Auch damit wünsche ich euch einen guten Frühlingsanfang und viel Freude bei diesem schönen Motto des Tages der Astronomie 2021.

Jetzt wünsche ich, vor allem auch den blinden Leser*innen viel Erfolg bei euren astronomischen Langzeit-Beobachtungen.
Das ist mal wieder eine sehr inklusive Geschichte, denn als Mensch mit Blindheit eine astronomische Langzeitbeobachtung zu machen, ist äußerst inklusiv.

Großes Finale – Jahresrückblick 2020


Liebe Leser*innen,
Ungewöhnliche Zeiten erzeugen ungewöhnliche Workflows. Noch nie habe ich einen Artikel geschrieben, veröffentlicht, verändert, und aktualisiert, um ihn dann wieder vom Netz zu nehmen, um euch eine komplett neue und überarbeitete Version anzubieten. Genau das ist mit meinem Jahresrückblick 2020 geschehen. Wer also schon den alten Artikel von vor drei Tagen gelesen hat, wird hier, in der neuen Version noch viele schöne weitere Dinge finden.
Also, was lernen wir daraus? Ein Schritt zurück kann manchmal viel bringen.
Genug der vorrede. Auf zum Artikel.

lange habe ich mir überlegt, wie sich mein Jahresrückblick in diesem schwierigen Jahr gestalten soll. Ich musste Ersatz dafür finden, wo ich sonst reichlich von meinen Veranstaltungen berichten konnte. Somit wird dieser Jahresrückblick ein etwas anderer werden, wie so vieles in diesem Jahr anders ist. Keine Sorge, es wird ein positiver Rückblick sein, denn im Rückblick konnte ich genügend Inhalte finden, dass es hoffentlich für einen schönen Jahresabschluss reicht.

Also los:
Das Jahr 2020 fing eigentlich ganz positiv an.
Im Grunde wäre ich bis Ende November 2020 mit ungefähr 20 Workshops und Vorträgen an unterschiedlichsten Orten reichlich ausgebucht gewesen. Geplant war, das 2020 das Jahr der Schulen werden würde. Ganz viele Veranstaltungen sollten in verschiedenen Schulen stattfinden. Nun ja, es kam eben anders, aber einige Lichtblicke gab es doch. Daran muss man sich in schweren Zeiten erfreuen, und mit etwas Übung gelingt das auch, zumindest durfte ich diese Erfahrung machen.

Verpacke mich doch als Geburtstagsgeschenk

Ende 2019 erhielt ich eine besondere Anfrage aus Baden-Baden. Eine ganz liebe Frau wollte ihrem Mann zu seinem 50sten Geburtstag eine besondere Freude bereiten. Sie bat mich, dass ich ihrem Mann einen Abend lang für seine astronomischen Fragen zur Verfügung stünde. Sie meinte, dass er sich so sehr dafür interessiere, und in seinem Umfeld niemanden hätte, mit dem er sich in diesen Dingen austauschen könne. Zunächst konnte ich mir nicht richtig vorstellen, wie das ablaufen soll, aber das war für mich ein Grund, dieses Ereignis zu wagen. Also sagte ich zu. Wir trafen uns somit in relativ kleinem Rahmen in einem Nebenraum im Kurhaus Baden-Baden Wer dort schon mal war weiß, dass das Buffet und der Wein dort legendär sind. Und so fragte mich das Geburtstagskind Kreuz und quer astronomische schwarze Löcher in den Bauch. Das war eine große Herausforderung, denn der Mann wollte sehr schwierige Dinge wissen, die für sich genommen alleine schon ein abendfüllendes Programm gewesen wären. Außerdem musste ich immer wieder mit scheinbaren Zusammenhängen aufräumen, die er sich so gemacht hatte. Das reichte teilweise von Fehlinformation bis hin zu Schwurbel.
Wie auch immer. Ich durfte einen Menschen sehr glücklich machen. Und so konnte ich viele Fragen zwischen den verschiedenen Gängen zum Buffet und reichlich Wein beantworten. Ich sage es ja immer.

Das beste Teleskop des blinden Astronomen ist das Weinglas.

Ein Astronom und ein Mediziner

Ende Januar hatte ich einen Auftritt ganz besonderer Art. Ich durfte gemeinsam mit einem Schlaf-Forscher einen Informationsabend über die zyklische Schlaf-Wach-Störung Non-24, die manche zu 100 % von Geburt an erblindeten Menschen haben, gestalten. Mondphasen gleich verschiebt sich das Wach-Fenster in wenigen Wochen durch den 24 Stunden tag, was das Leben sehr einschränken kann. Und hier konnte ich z. B. mit den Mond-Phasen und anderen zeitlichen Phänomenen anhand der Astronomie die Krankheit gut veranschaulichen. Teil eines medizinischen Vortrages zu sein war wirklich etwas ganz speziell eigenes. Es hat aber sehr gut funktioniert. Der Mediziner und ich ergänzten uns perfekt.
Ich schrieb darüber ausführlich in Wenn alles aus dem Takt gerät.

Was bei Kindern immer geht

Ende Februar war ich zu einem Kindergeburtstag geladen. Das Geburtstagskind ist sehr weltraumbegeistert. Seine Mutter backte eine Donauwelle die so gestaltet war, wie eine Spiralgalaxie. Workshops bei Kindern begeistern mich immer sehr. Es gibt nichts schöneres als Kinderfragen. Außerdem hatten die Kinder im Vorfeld Raketen und Raumschiffe gebastelt. Daraus machten wir dann einen kleinen Wettbewerb. Die Legorakete und mein Leuchtmond wollten sie gar nicht mehr her geben, aber ich konnte sie dann doch überzeugen, dass ich die Sachen ja auch noch anderen Kindern zeigen wolle. Die Kinderfragen waren so zahlreich und so verschieden, dass ich sie hier gar nicht aufzählen kann. Ich bin immer wieder darüber verblüfft, wie viel astronomisches Wissen die Kinder in ihre Kinderwelt einbauen.
Astronomie ist ein fairer und inklusiver Zugang zu Kindern aller Schichten und sonstiger Unterschiede. Alle, die vielleicht mal erwägen, derlei mit Kindern zu versuchen, sei mein Artikel Astronomie für benachteiligte Kinder wärmstens ans Herz gelegt. Astronomie lässt sich auch hervorragend mit Kindern wunderbar mit Sport verbinden. In meinem Artikel Astrosport beschrieb ich, wie Sportstudenten so etwas inklusiv realisierten.
Anmerken möchte ich an dieser Stelle noch, dass es, wenn das vielleicht auch manche vermissen werden, in meinen Vorträgen trotz Einverständnis der Eltern, niemals Kinderfotos geben wird. Das ist mit den heutigen Möglichkeiten einfach zu gefährlich, was damit alles werden kann. Das Internet vergisst nichts und Kinder sind dagegen wehrlos, wenn man sie im Netz präsentiert. Dafür bitte ich um Verständnis.

Ich bin dann mal wech

Dieser Vortrag war dann erst mal der letzte vor Lockdown1.
Der zwang mich natürlich auch zunächst mal in eine gewisse, nennen wir es mal positiv „Kreativ-Pause“. Ich musste die ganzen Konferenz-Tools bedienen lernen. Dann konnte ich mir erst darüber Gedanken machen, ob mein Angebot zumindest in Gewissem Umfang nicht auch online möglich wäre.
Dass mir der Lockdown durchaus nicht nur so leicht von der Hand ging, beschrieb ich ausführlich in meinem Corona-Report.

Gehversuche Rampensau Online

Gesagt, getan. Gemeinsam mit einem befreundeten Astronomen und Familienvater, im Hauptberuf Lehrer, planten wir zu Ostern zwei Kindervorträge. Wir sprachen vor allem darüber, wie Ostern astronomisch funktioniert, über Frühlingsbeginn und vieles mehr. Der Vater unterstützte mich tatkräftig. Er zeigte auf seinem geteilten Bildschirm Fotos, spielte Videos ein und somit hatten wir fast ein kleines Planetarium am Start. Natürlich hielt auch ich Dinge in die Kamera. Leider waren die meisten Modelle im Büro, so dass ich mich mit dem wenigen begnügen musste, was eben gerade verfügbar war. Die Kinder hatten großen Spaß daran, mich mit Richtungsangaben so zu dirigieren, dass das Modell gut für alle zu sehen war. Ich setzte die Anweisungen manchmal absichtlich etwas falsch um. Dann schrien sie durcheinander und es wurde ein lustiges Spiel daraus. Auf jeden Fall war das ganze dann so richtig inklusiv und hat sich wirklich für alle gelohnt.
Aus diesem Vorträgen hier mal als Beispiel eine Kinderfrage:

Gibt es auch das Gegenteil zum Supermond?

Zum Schluss gab es dann auch noch eine virtuelle Ostereier-Sternensuche, die mein Freund vorbereitet hatte.
Um ein Osterei der besonderen Art drehte sich dann schließlich auch mein Oster-Artikel 2020, Das Kosmische Ei.

Geht doch!!!

Sehr bald schon stellte sich heraus, dass der Lockdown meiner Kreativität für den Blog sehr gut tun würde. Ich konnte zu vielen Themen schreiben. Ganz besonders stolz war ich, als ich mit euch den einhundertsten Artikel feiern durfte. Scheinbar hat sich das auch auf große Zeitungen übertragen. Völlig überrascht war ich, als ich plötzlich von einem Freund erfuhr, dass ich einen Artikel in den Badischen Neuesten Nachrichten hatte. Und das in diesen Zeiten, wo an Vorträge etc. nicht zu denken ist. Ich war und bin also trotz aller sozialen Isolation doch noch nicht ganz vergessen. Das hat mir in dem Moment außerordentlich gut getan.

Der große bringer Neowise

Und nun nahte der Sommer. Alles stand im Zeichen des Kometen Neowise. Das war für mich natürlich ein extremer Ansporn, auch mal über Kometen zu schreiben. Artikel um Artikel mit wichtigen Themen rund um Kometen erschienen und es ist längst noch nicht alles über sie erzählt.
Hier meine Kometen-Geschichten in chronologischer Reihenfolge:

  1. Der Jupiter-Crash
  2. Mein erster Kontakt
  3. Kometensuche Inklusiv
  4. Abschied von Neowise
  5. Kometenangst und Kometenbahnen
  6. Kometenschweife und Sternschnuppen

Im Zeichen des Kometen lockerte sich dann langsam wieder alles, und mein wunderbarer Urlaub in Schwarzach, Österreich- Vorarlberg im Haus im Grüne durfte angetreten werden.
Besonders nach dem schweren Lockdown1 war dieser Urlaub um sowichtiger für mich.
Wie wichtig mir dieses Refugium, meinen Urlaub mit blinden Menschen zu teilen ist, beschrieb ich ausführlich in Urlaub von der Blindheit nehmen.
Da ich diesen auf vier Wochen ausdehnte, hielt ich natürlich auch einige Vorträge für die Gäste. Es ging um eine akustische Reise durch unsere Galaxis (Das Ohr am Teleskop)
um Sternschnuppen im Juli (Stichwort Sternschnuppen Hören und Sehen), um die Hundstage im August, über die ich auch
schon ausführlich in (Die Hundstage)
und selbstverständlich auch um den Kometen Neowise. Beim letzten Vortrag brachten die Angestellten des Hauses sogar Kinder mit. Aus Transportgründen gab es diesmal zwar keine Modelle zu bestaunen, weil der mobile Service der Bahn wegen Corona nichts ins Ausland transportieren wollte. Aber dafür fanden sich im Haus noch einige Flaschen mit Resten von Helium, so dass die Kinder wie die Micky Maus sprechen und Ballons fliegen lassen durften. Das war eine großartige Erholungspause für mich. Endlich mal wieder astronomische Rampensau und Liedermacher am Lagerfeuer sein dürfen…

Große Aufregung – Mein erstes Webinar

Im Oktober bahnte sich dann ein hoch offizielles Ereignis an. Ich sollte für ein Seminar zur Fortbildung für Personen, die in der Jugendfortbildung tätig sind, ein Webinar zum Thema Astronomie im inklusiven Unterricht halten. Das war ein spannendes Ereignis, denn für dieses Webinar durfte ich zum ersten mal mein neues Mischpult und meine Studio-Headsets und Mikrofone in Betrieb nehmen. Den Kram hatte ich mir im Lockdown gekauft, weil ich mir einfach mit so etwas schönem was gutes tun wollte. Außerdem verfolge ich noch immer den Traum, diesen Blog hier noch um einen Podcast zu erweitern. Dafür braucht man bissel krasse Technik. Dieses Webinar orientierte sich in erster Linie an meinem Buch. Die Technik funktionierte perfekt. Ich fand heraus, dass Rampensau auch ganz gut online funktionieren kann. Die Veranstaltung wurde sehr gut besucht, sehr gut angenommen und es wurden am Ende sehr viele spannende Fragen gestellt. Ich bin sicher, dass sich hieraus noch weitere Veranstaltungen ergeben werden, wenn wir mal wieder dürfen. Dieses Event hat meinem Netzwerk sehr geholfen. Ich bin schon sehr auf das Video gespannt, wenn das veröffentlicht wird.

Geisterstunde

Vollmond an Halloween, der gleichzeitig noch ein „Supermond“ ist, haben wir auch nicht so oft. Von da her nutzte ich die Gelegenheit, mit oben genanntem Astro-Vater eine kleine Halloween-Party online zu versuchen. Das war sehr lustig. Wir sprachen über das Vollmond-Ereignis an sich, aber auch über Werwölfe etc. Ich führte dann mit den Kindern noch ein kleines Geräusche-Rätsel mit Grusel- und Tiergeräuschen durch.
Letztlich ist dann für uns erwachsene dieser Artikelauf dem Blog entstanden.

Weihnacht online

Normalerweise habe ich von Oktober bis Anfang Dezember die meisten Vorträge und Freizeiten. All dieses musste natürlich auf eine andere Zeit verschoben werden. Ein Highlight gab es aber dennoch Anfang Dezember. Wir entschlossen uns im Vorstand des Evang. Blinden- und Sehbehindertendienstes unsere traditionelle Weihnachtsfeier in diesem Jahr online anzubieten. Das war eine große Herausforderung, denn zum einen sind vor allem unsere älteren Mitglieder*innen technisch nicht so versiert, und zum anderen funktionieren Dinge, wie gemeinsam zu singen, online einfach nicht. Ganz erstaunlich war, dass sich dann doch mit einigen Anfangsproblemen um zehn Personen zu dieser Feier versammelten. Es gab viele zahlreiche Beiträge. Wenn wir gemeinsam singen sollten, dann wurden alle außer ich stumm geschaltet. Ich gab mit der Gitarre, meiner Stimme und auch mit Mundharmonika die Lieder vor, und so konnte jeder für sich im Bewusstsein, dass auch die anderen das tun, mit singen. Erstaunlicher Weise entwickelte sich die Feier auch online ganz wunderbar. Jeder hatte sich seine Weihnachtsumgebung aufgebaut und wir waren uns vielleicht sogar näher, als bei so mancher Feier, die gemeinsam in einem Raum stattgefunden hatte. Natürlich berichtete ich auf dieser Feier über die große Konjunktion und erörterte die Frage, „Was war der Stern von Betlehem„. Somit leuchtete dann auch der Weihnachtsstern über dieser Feier. Sie war ein großer Erfolg und alle loggten sich anschließend voller Weihnachtsstimmung und zufrieden wieder aus.

Fazit

Ansonsten war ja das Jahr 2020 trotz allem ein aufregendes Jahr. Da wurde Staub eines Asteroiden auf die Erde gebracht. Auch die Rückkehr zum Mond glückte, indem eine Sonde um zwei Kilo Mondgestein nach hause brachte und vieles andere mehr.
Pünktlich zu Weihnachten explodierte dann auch noch ein recht ordentlicher Brocken über der chinesischen Mongolei und bildete einen leuchtenden Feuerball.
Das findet ihr alles leicht im Netz, denn die Profis haben hier sehr ausführlich über all diese Dinge geschrieben. Bevor ich etwas nicht ganz richtig schreibe, verweise ich an dieser Stelle lieber auf jene, die das beruflich machen…

Als Fazit kann ich trotz aller Abstriche und Einschränkungen für mich sagen, dass das Jahr 2020 auch seine schönen Seiten hatte. Man muss sich immer ein Fensterchen für Sonnenstrahlen auf halten, um nicht in allem anderen zu ersticken.
Jetzt wünsche ich uns allen, dass das Jahr 2021 wieder etwas mehr Normalität in unser Leben bringen möge. Immerhin werden die Tage wieder Länger, die Welt wird wieder heller und auch bald wärmer.
Bis da hin mag sich vielleicht die eine oder der andere an meinen Artikeln über unseren Lebensstern wärmen.
Zum Sonnenstrahl bitte hier lang.