Wenn die Finsternis nicht mitspielt – ein kleiner Trost für Finsternis-Pechvögel


Meine lieben,
Neben ganz vielen tollen Berichten über die erlebte Sonnenfinsternis in Spanien, gab es leider auch viele traurige Nachrichten, weshalb die Finsternis dann doch nicht geschaut werden konnte. Von Autopannen, Krankheit, Zugproblemen und Fehlplahnungen von Reiseorganisatoren bis hin zu wolkigem Wetter, war alles dabei. Manchmal soll es einfach nicht sein. Grund genug für den Sternenonkel, hier einen kleinen Trostartikel für all jene zu verfassen.
Allen, die diesmal leer ausgingen rufe ich zu:
„Ihr seid damit nicht alleine. Ihr befindet euch in bester Gesellschaft“
aber lest selbst:

Manchmal hat man einfach Pech.
Man plant eine Sonnenfinsternis monatelang. Man sucht sich einen guten Beobachtungsort, organisiert die Reise, verfolgt die Wettervorhersage und freut sich immer mehr auf diesen einen besonderen Tag.

Und dann kommen die Wolken.

Oder der Zug nicht.
Oder die falsche Straße.
Oder gleich die ganze Reiseorganisation.

Nach dem 12. August 2026 habe ich jedenfalls den Eindruck gewonnen, dass eine Sonnenfinsternis zwar astronomisch ziemlich zuverlässig ist, menschliche Finsternisplanung dagegen nicht unbedingt.

Falls ihr also zu denjenigen gehört, die von der Finsternis dieses Jahr nicht so viel mitbekommen haben, möchte ich euch hiermit ein wenig Trost spenden.

Denn ihr seid in bester Gesellschaft.

Zwölf Tonnen gegen eine Wolke

1889 schickten die Vereinigten Staaten eine große Expedition nach Westafrika, um dort eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten.
An Bord der USS Pensacola befanden sich Wissenschaftler, Techniker, Fotografen und ungefähr zwölf Tonnen wissenschaftliche Ausrüstung.
Zwölf Tonnen!
Man hatte also wirklich an alles gedacht.
Dass der Himmel bewölkt sein könnte, hatte man vermutlich verdrängt.

Am Tag der Finsternis war die Sonne tatsächlich hinter Wolken verborgen. Die aufwendige Expedition brachte für ihre wichtigsten Beobachtungen kaum etwas zustande.
Zwölf Tonnen Astronomie waren gegen eine Wolkendecke angetreten.
Die Wolke gewann.
Wer also zur Finsternis unter einer Wolke stand, war schon damals nicht alleine.

Erst Schiffbruch, dann Wolken

Noch härter traf es den britischen Astronomen Norman Lockyer.
1870 reiste er nach Sizilien, um die totale Sonnenfinsternis vom 22. Dezember zu beobachten. Lockyer war inzwischen einer der Pioniere der astronomischen Spektroskopie und interessierte sich besonders für die Sonnenkorona.
Die Reise begann allerdings ausgesprochen unastronomisch.
Das Schiff Psyche, mit dem Lockyer und andere Expeditionsteilnehmer unterwegs waren, lief vor Catania auf einen Felsen und wurde schwer beschädigt. Menschen und Instrumente mussten gerettet werden.
Nach einem solchen Erlebnis sollte man eigentlich meinen, dass das Pech damit aufgebraucht sei.
War es nicht, Denn am Tag der Finsternis machten auch noch die Wolken Probleme. Lockyer selbst beschrieb die Wetterlage sinngemäß mit den Worten:

Wolken in Sizilien, Wolken in Spanien, Wolken in Afrika.

Immerhin gelang anderen Beobachtern in Sizilien noch eine Beobachtung, weil sich der Himmel rechtzeitig öffnete. Ganz umsonst war die Expedition also nicht.

Aber stellt euch die Situation trotzdem einmal vor:
Erst Schiffbruch. Dann eine beschwerliche Expedition. Dann die Finsternis.
Und dann: Wolken.
Wenn Deine Reise zur Finsternis also nicht so gelaufen ist, dann musstest Du wenigstens nicht von einem sinkenden Schiff geborgen werden. Das ist doch tröstlich.
Die Ironie des Schicksals war aber, dass diejenigen, welche mit der Bergung der Instrumente und des Schiffes beschäftigt waren, nachher dann doch noch mehr Finsternis bekamen, als die eigentlichen Wissenschaftler.

Finsternis und Unabhängigkeit

Auch eine Expedition von 1780 zeigt, dass nicht immer das Wetter schuld sein muss.
Eine Gruppe von Astronomen aus Harvard wollte während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges eine totale Sonnenfinsternis beobachten. Dafür begaben sie sich sogar hinter die britischen Linien.
Das klingt nach einer ausgesprochen abenteuerlichen Finsternisreise.
Leider hatten die Astronomen ihren Beobachtungsort falsch berechnet. Ein Fehler bei der Bestimmung des Längengrades führte dazu, dass sie die Totalität verpassten.
Sie hatten also den Krieg überstanden, aber die eigene Geografie war stärker.
Vielleicht sollten wir deshalb neben dem Wetterbericht künftig auch noch unsere Koordinaten überprüfen.

Einstein musste ebenfalls warten

Und dann ist da noch die Geschichte rund um Einstein.
Die berühmte Überprüfung seiner Vorhersage, dass Licht an der Sonne abgelenkt wird, sollte mit Hilfe totaler Sonnenfinsternisse gelingen.

Der erste ernsthafte Versuch fand 1912 statt und scheiterte am Wetter.

1914 wurde ein neuer Versuch unternommen.
Diesmal war das Problem nicht nur das Wetter. Der Erste Weltkrieg brach aus, Expeditionen gerieten in politische und militärische Schwierigkeiten, und wissenschaftliche Geräte und Forscher wurden teilweise festgesetzt.

Erst 1919 gelang schließlich die berühmte Beobachtung, die Einsteins Theorie große Bekanntheit verschaffte.

Aber selbst diese Finsternis war keineswegs eine perfekte Vorführung: Auf Príncipe verhinderten Wolken während der Totalität einen großen Teil der Beobachtungen. Von zahlreichen fotografischen Aufnahmen blieben nur wenige brauchbar.

Manchmal braucht es eben keine perfekte Finsternis.
Manchmal reicht eine kleine Wolkenlücke.

Und dann war da noch Garching

Eine Finsternis darf in dieser Sammlung natürlich nicht fehlen: der 11. August 1999.
Ich habe diese Finsternis selbst erlebt.
Garching war damals ein hervorragender Beobachtungsort, nur hatte auch dort das Wetter seine eigenen Vorstellungen.
Schon am Morgen wechselten Wolken und Aufhellungen. Die partielle Phase war immer wieder zu sehen. Je näher die Totalität kam, desto gespannter wurden die Beobachter.
Und dann wurde der Himmel ausgerechnet zur Totalität wieder dicht.
Die Korona verschwand hinter den Wolken.
Aber die Geschichte hatte wenigstens noch eine kleine Pointe: Kurz nach dem Ende der Totalität riss der Himmel wieder auf. Der zweite Diamantring war zu sehen.
Man hatte also fast die gesamte Show verpasst und bekam zum Schluss noch den Vorhang zu sehen.
Und selbst wenige Kilometer Entfernung konnten damals den Unterschied machen. An manchen Orten in der Umgebung öffnete sich der Himmel rechtzeitig und die Beobachter konnten die Korona tatsächlich sehen.

Das ist eine der Gemeinheiten totaler Sonnenfinsternisse:
Zehn Kilometer weiter kann die Welt völlig anders aussehen.

Meine Finsternisfeier

Und damit komme ich zurück zum 12. August 2026.

Denn auch ich darf mich in die lange Reihe der Finsternis-Pechvögel einreihen.
Es ist mir nicht gelungen, einen Platz „an der Sonne“ auf einem Schiff zu buchen.
Das hatte aber sein gutes. So feierten wir die Finsternis mit guten Freunden und getränken in Bozen, wo wir einen schönen Spezialurlaub für blinde Menshen machten.

Für mich stellte sich deshalb die Frage,
wie ich meinen begeisterten Zuhörer:innen die Finsternis in all ihren Fazetten näher bringen kann. Die meisten von uns sind nämlich blind, so dass Bilder nur wenig nützen. OK, taktile Abbildungen von Sonnen- und Mondfinsternissen hatte ich im Koffer, aber wie erleben wir die Dynamik?

Aus dieser Frage ist das Projekt Audiotellurium entstanden.
Dieses Projekt möchte Phänomene in unserem Sonnensystem hörbar machen, z. B.
die Bewegung des Mondes vor der Sonne, das zunehmende Bedecken der Sonnenscheibe, die Totalität und das anschließende Wiedererscheinen der Sonne.
Oder eben auch, was muss alles erfüllt sein, damit ein Neumond zu einer Sonnenfinsternis wird.
Der Trick besteht ja darin, dass drei Mondphasen genau aufeinander passen müssen. Wie das genau funktioniert, erklärte ich in meinem vorigen Artikel ausführlich.
Wir brauchen unbedingt Neumond. Zusätzlich muss sich der Mond auf dem Schnittpunkt von Mond- und Erdbahn befinden, und nicht zuletzt entscheidet die elliptische Mondbahn darüber, ob die Finsternis total oder nur ringförmig sein wird.
Somit habe ich in meiner Simulation unserem synodischen Zyklus als Ton ein C gegeben. Der drakonistische Zyklus, der mit den Schnittpunkten der Bahnen, bekommt ein E und der Zyklus mit der eirigen Mondbahn erhält ein G.
Wir starten also mit einem Dreiklang, einer Finsternis. Dann hören wir, wie die verschiedenen Zyklen wie Kirchenglocken langsam auseinander driften und sicvh schließlich zu einer neuen Finsternis wieder vereinen. Das bildet dann klanglich einen Saros-Zyklus von 18 Jahren, 11 Tagen und 8 Stunden ab. Auch diesen Zyklus erklärte ich in meinem vorigen Artikel ausführlich.
Hören wir uns also das jetzt mal in Ruhe an.
Audio-Saros-Zyklus

Als nächstes habe ich versucht, den Verlauf einer Sonnenfinsternis hörbar zu machen.
Wir hören zunächst die Sonne mittig im Panorama als harmonischen Klang.
Dieser wird nun langsam von links nach rechts vom Mond, der still ist, verdrängt.
Kurz vor der totalen Bedeckung, also Stille, hören wir noch das Phänomen der Perlenkette. Einzelne Sonnenstrahlen luken noch durch Mondschluchten am rechten Rand. Das hören wir als leises Klimpern.
Die letzte Perle dieser Kette wird Diamantring genannt. Die hören wir deshalb noch extra.
Danach ist der Klang der Sonne verstummt. Er wird nun durch ein zartes Rauschen ersetzt, welches die Korona darstellen soll.
Dann wird die Sonne langsam von links nach rechts wieder vom Mond freigegeben. Wir hören den linken Diamantring, die linke Perlenkette, und wie der Klang der Sonne langsam wieder von links kommend ertönt.
Das klingt dann so:
Audio-Eclipse
Ich weiß schon. Das kann die Sicht auf die Korona nicht ersetzen,
Aber vielleicht macht sie etwas anderes deutlich:

Eine Sonnenfinsternis ist nicht nur das Bild, das man am Himmel sieht.

Sie ist ein Ereignis, das man erleben, erforschen, hören, fühlen und erzählen kann.

Und manchmal bleibt von einer Finsternis am Ende eben nicht das perfekte Foto.

Sondern eine gute Geschichte.

Und davon haben wir Astronomen zum Glück mehr als genug.

Mein Vortrag mit unserer Simulation kam erfreulicherweise ausgezeichnet an.
Das hat mich besonders gefreut. Denn damit wurde aus einer zunächst ziemlich verrückten Idee etwas, das auch für andere Menschen interessant und erlebbar sein kann.

Natürlich ist Audiotellurium noch lange nicht fertig. Im Gegenteil: Die Erfahrungen dieser Finsternis haben uns jede Menge Ideen für die Weiterentwicklung gegeben.

Und vielleicht ist das die schönste Pointe meiner persönlichen Finsternisgeschichte:
Andere hatten Wolken.

Andere hatten Reiseprobleme.

Andere hatten einen falschen Längengrad.

Lockyer hatte ein Schiffswrack.

Die amerikanische Expedition hatte zwölf Tonnen Ausrüstung.

Und ich hatte eine Sonnenfinsternis, die ich ohnehin nicht sehen konnte.

Aber wir alle hatten trotzdem eine Finsternis, eine zum hören.
So, und das muss jetzt für alle als Trostpflaster genügen.
Seid herzlich vom Sternenonkel getröstet.

Wissenspaket Sonnenfinsternis


Meine lieben,

es ist nun so weit. An kommendem Mittwoch, 12.08.2026 werden wir eine in europa mehr oder weniger sichtbare Sonnenfinsternis in den Abendstunden, leider, haben.
Leider deshalb, weil sie einfacher und für mehr Menschen beobachtbar wäre, fände sie beispielsweise in den Mittagstunden statt, wo die Sonne hoch am Himmel steht. An vielen Orten wird die Beobachtung schwierig bis unmöglich, wenn z. B. Berge die Sicht auf den Sonnenuntergang und den Horizont versperren. Aus diesem Grunde werden viele die Finsternis von der Wasserseite hert von Schiffen aus beobachten.
Wünschen wir allen einen klaren Himmel und eine gute Sicht.
Eine Sonneninsternis lässt natürlich den Sternenonkel nicht kalt. Und das, obwohl Sonnen- und Mondfinsternisse gar nicht so selten vorkommen, wie es den Anschein hat. Bis zu sieben Finsternisse können pro Jahr stattfinden, aber nicht in beliebiger Reihenfolge, und nicht nur entweder Sonnen- oder Mondfinsternisse. Dazu kommt, dass Sonnenfinsternisse immer nur auf einem wenige hundert Kilometer breiten Streifen zu sehen sind, und das je nach Standort oft nur wenige Sekunden bis wenige Minuten lang. Nicht zuletzt ist unsere Erde zu 3 Fünftel von Wasser bedeckt, so dass ein Großteil der Finsternisse ins Wasser fallen, bzw. dort stattfinden, wo einem eventuell Krokodile in die Füße zwicken könnten, und wo vor allem keine komfortablen Hotels stehen.

Mondfinsternisse scheinen öfter aufzutreten als Sonnenfinsternisse, aber das kommt einem nur so vor, weil sie viel länger dauern und von deutlich mehr Menschen auf der Erde gesehen werden können.
Die Erde vermag es ob ihrer Größe, den Mond viel länger hinter sich zu verstecken. Und da sie sich in der Zeit der Verfinsterung unter dem Mond hinweg dreht, erhalten viel mehr Menschen die Chance, die Mondfinsternis zu beobachten.

Über vieles, was hier zur Sprache kommen wird, habe ich an anderer Stelle schon geschrieben. Damit ihr nicht mühsam danach suchen müsst, trage ich die wesentlichen Punkte hier zusammen und werde an gegebener Stelle auf diverse Artikel verweisen.

Nichts desto Trotz haben wir diesmal Glück. Lasst mich deshalb nochmal einen Rundumschlag zum Thema Finsternisse machen.

Rückschau

Manche von uns haben die Finsternis vom 11.08.1999 erleben dürfen. Andere von uns fuhren vielleicht im Urlaub einer Finsternis entgegen. Halten wir doch einfach mal kurz inne, und erinnern uns an unsere „finsteren Erinnerungen“. Der Sternenonkel würde sich sehr darüber freuen, einige eurer Geschichten in den Kommentaren zu finden.
Lasst euch mit folgendem Link durch meine Erinnerungen an diese alte Sonnenfinsternis vielleicht inspirieren.
Finstere Erinnerungen

Fahrplan der Finsternis

So, nachdem wir nun alle voll Erinnerungen schwelgend wieder hier zurück sind, schauen wir uns an, wie die bevorstehende Finsternis grob verläuft.
Wundert euch nicht, dass ich mich hier auf Bozen beziehe, aber ich mache zum Zeitpunkt der Finsternis dort Urlaub und werde die Sofi mit unseren Hausgästen gebührend feiern und würdigen.

Verlauf

Der Kernschatten beginnt seine Reise im hohen Norden Russlands, überquert das Nordpolarmeer und Grönland, streift Island und erreicht schließlich Europa. Nach der Überquerung Nordspaniens zieht er weiter über das Mittelmeer. Für viele Beobachter in Deutschland, Österreich und Norditalien bleibt es bei einer sehr tiefen partiellen Sonnenfinsternis – in Bozen beispielsweise werden über 91 % der Sonnenscheibe vom Mond bedeckt, während nur wenige Kilometer weiter südwestlich bereits die vollständige Verdunkelung zu erleben ist.

Was ist in Bozen zu sehen?

Bozen liegt knapp außerhalb der Totalitätszone, bekommt aber eine außergewöhnlich tiefe partielle Finsternis:
Beginn: 19:25 Uhr
Maximum: 20:18 Uhr
Ende: 20:29 Uhr
Magnitude: 0,918
Das bedeutet, dass über 91 % des Sonnendurchmessers vom Mond bedeckt werden. Die verbleibende Sonnensichel ist sehr schmal, dennoch wird es keine Totalität geben – die helle Photosphäre bleibt sichtbar, sodass eine Finsternisbrille während der gesamten Beobachtung erforderlich ist.
Wer den Fahrplan genauer studieren möchte, findet ihn sicher in Wiki und auf einschlägigen Astronomie-Seiten.

Wie funktionieren Sonnenfinsternisse

Lasst uns nun einen Blick darauf werfen, wie Sonnenfinsternisse überhaupt zustande kommen.
Der Trick besteht darin, dass für eine Finsternis gleich drei verschiedene Zyklen des Mondes gleichzeitig nahezu wieder am Anfang stehen müssen.
Es gibt nämlich neben dem typischen Mondzyklus, den wir in unserem Kalender üblicherweise, z. B. zur Berechnung unseres Osterfestes benutzen noch weitere Mondzyklen, die wir zur Erklärung von Finsternissen betrachten müssen.

  1. Der synodische Monat
    Das ist die Zeit von einem Neumond bis zum nächsten Neumond.
    Ein synodischer Monat dauert etwa 29,53059 Tage
    Eine Sonnenfinsternis kann nur bei Neumond stattfinden, eine Mondfinsternis nur bei Vollmond.
  2. Der drakonitische Monat – die Bahnknoten
    Die Mondbahn ist gegenüber der Erdbahn um etwa fünf Grad geneigt. Deshalb läuft der Mond meistens oberhalb oder unterhalb der Sonne vorbei.
    Die beiden Schnittpunkte der Mondbahn mit der Erdbahnebene heißen aufsteigender und absteigender Bahnknoten.
    Der Mond benötigt 27,21222 Tage,
    um wieder denselben Bahnknoten zu erreichen.
    Nur wenn Neumond oder Vollmond in der Nähe eines solchen Knotens auftreten, kommt es überhaupt zu einer Finsternis.
  3. Der anomalistische Monat – der Abstand zur Erde
    Die Mondbahn ist elliptisch. Deshalb ist der Mond einmal etwas näher an der Erde (Perigäum) und einmal weiter entfernt (Apogäum).
    Von Perigäum zu Perigäum vergehen 27,55455 Tage.
    Dieser Zyklus bestimmt unter anderem die scheinbare Größe des Mondes. Daher entscheidet er mit darüber, ob eine Sonnenfinsternis total oder ringförmig wird.
    Ist der Mond zum Zeitpunkt einer Finsternis (Neumond und Mond in Knotenpunkt) gerade etwas weiter entfernt von der Erde, vermag sein Shatten es nicht, die Sonnenscheibe vollständig zu verdecken. Er erzeugt in der Sonnenscheibe ein „Loch“, ein Ring aus Licht bleibt bestehen. Eine ringförmige Finsternis ist entstanden. Bei nahem Mond verdeckt er die komplette Sonnenscheibe, so dass die Finsternis total ist.

Das erstaunliche Zusammentreffen nach einer Sonnenfinsternis im Detail

Nacheiner Sonnenfinsternis nach

  • 223 synodischen Monaten
  • 242 drakonitischen Monaten
  • 239 anomalistischen Monaten

sind fast genau dieselbe Mondphase, dieselbe Knotenlage und nahezu derselbe Abstand des Mondes wieder erreicht.
Rechnet man das aus:

  • 223 mal 29,53059 = 6585,32 Tage (Synodischer Monat)
  • 242 mal 27,21222 = 6585,36 Tage (Drachenmonat)
  • 239 mal 27,55455 = 6585,54 Tage ( (Anomalistischer Monat)

Alle Werte liegen nur wenige Stunden auseinander.
Lässt man nun beginnend bei einer Sonnenfinsternis diese drei Mondzyklen gegeneinander laufen, so dauert es 18 Jahre, 11 Tage und acht Stunden, bis sich alle drei mal wieder treffen, um gemeinsam für eine weitere Sonnenfinsternis zu sorgen.
Das ist der Saros-Zyklus.
Er dauert 6585,32 Tage
also ungefähr
18 Jahre, 11 Tage und 8 Stunden.
Die zusätzlichen acht Stunden bedeuten, dass sich die Erde währenddessen um ein Drittel ihrer Achse weitergedreht hat.
Dadurch findet die nächste Finsternis derselben Saros-Serie etwa 120 Längengrade weiter westlich statt.
Deshalb sieht man zwei aufeinanderfolgende Finsternisse derselben Serie meist nicht vom gleichen Ort aus.

Erst nach drei Saros-Zyklen – dem sogenannten Exeligmos – ist auch diese Verschiebung nahezu ausgeglichen.
Der Exeligmos dauert etwa 54 Jahre und 34 Tage.
Eine einzelne Saros-Serie beginnt, wenn der Mond den Erdschatten oder die Sonne zunächst nur ganz am Rand trifft.
Dann folgen über viele Jahrhunderte immer zentralere Finsternisse.
Später wandern sie wieder zum Rand zurück, bis die Serie endet.
Eine typische Saros-Serie umfasst ungefähr
70 bis 73 Finsternisse
über einen Zeitraum von rund 1200 bis 1300 Jahren.

Mehrere Saros-Serien laufen gleichzeitig nebeneinander.
Ich finde es ganz erstaunlich, dass dieser Zyklus schon den alten Babyloniern bekannt war. Aus solch einem Durcheinander Strukturen und Regelmäßigkeiten zu erkennen ist eine unfassbare Leistung.

Spielarten von Finsternissen

Nun kommen wir dazu, welche verschiedenen Arten von Sonnenfinsternissen es gibt.

  1. Je nach Sonnenstand, Erdenstand und Mondstand ist der Mond perspektivisch ungefähr so groß, wie wir auch die Sonnenscheibe wahrnehmen. Die Sonne ist zwar unvergleichlich viel größer, als der Mond, aber dafür ist sie auch viel weiter von uns weg, 150 Mio Kilometer, wo hingegen der Mond grob nur 380.000 Kilometer von der Erde entfernt ist.
    Schafft es die Mondscheibe, die Sonne zu verdecken, spricht man von einer totalen Sonnenfinsternis. Die gleißend helle Sonne wird vom schwarzen Mond bedeckt. Nun tritt die wunderbare schwach leuchtende Korona hervor, Blüten schließen ihre Kelche, Vögel stellen ihren Gesang ein, bzw. stimmen ihr Morgenlied an, Nachtluft scheint zu wehen
    und Protuberanzen am Rand der Mondscheibe werden sichtbar. So ein Spektakel kann niemals länger als 8 Minuten dauern, weil die gegenseitige Drehung der Körper, deren Abstände zueinander und deren Größenverhältnisse bezüglich des Schattenwurfs nicht mehr zulassen.
    Die Corona und die Flammenzungen kann man bei unverdeckter Sonne nur mit speziellen Instrumenten erblicken, weil sie vom Licht der Sonne überstrahlt werden. Dieser Lichtkranz entsteht durch Plasma-Ballen, die in den Magnetfeldern der Sonne hängen. Wie genau, wäre ein extra Artikel wert.
  2. Die Erde bewegt sich elliptisch um die Sonne. Das bedeutet, dass sie im Jahreslauf mal der Sonne etwas näher (149 Mio km) und mal etwas weiter (152 Mio km) steht.
    Somit erscheint sie uns leicht größer bei nahem Abstand und etwas kleiner bei fernem Abstand.
    Der Mond tut das ebenso. Er bewegt sich elliptisch um die Erde. Auch er erscheint uns bei größerer Entfernung etwas kleiner und bei Erdnähe etwas größer.
    Nun überlegen wir uns die Kombination dieser Tatsachen.
    Ist die Sonne eher fern von uns, also kleiner, und der Mond eher nahe bei uns, also größer, kann er ganz wunderbar die Sonnenscheibe abdecken. Eine totale Sonnenfinsternis findet statt.

    Ist die Sonne erdnah und der Mond erdfern, vermag der perspektivisch kleinere Mond es nicht, die ganze Sonnenscheibe zu verdecken. Er erzeugt lediglich ein Loch in der Sonnenscheibe. Eine ringförmige Finsternis ist entstanden.

  3. Ich schrieb oben über die Tatsache mit der leicht gekippten Mondbahn. So kommt es vor, dass der Mond etwas oberhalb oder unterhalb der Sonne steht. Auch hier vermag er nicht, die ganze Scheibe abzudecken. Er beißt nur quasi ein Stück ab, wie man das ungefähr vom Logo des Apfels her kennt. Das ist dann eine partielle Finsternis, oder in den meisten Fällen ein ganz gewöhnlicher unspektakulärer Neumond.

Jede Sonnenfinsternis beginnt und endet als partielle Finsterniss. Ob sie dann totalitär oder ringförmig im Kern wird, hängt, wie beschrieben von den Abständen, Erde, Sonne Mond, ab.

Es gibt auch Finsternisse, die alle drei Arten durchlaufen (Partiell, Ringförmig und total).

Kurz vor der totalen Bedeckung bei einer totalen Finsternis tritt ein Phänomen auf, das man Perlenkette nennt. Der Mond als Scheibe gedacht ist etwas leicht ausgefranst, weil er ja auch Berge und Täler hat und nicht Rund, wie ein Kreis ist.
Das bedeutet, dass zwischen den Bergen am Rand der Mondscheibe kurz vor der totalen Bedeckung der Sonne perlenartig noch die Sonne durchscheinen kann, bis sich dann der ganze Mond davor schiebt.
Die letzte „Perle“ vor der absoluten Totalität, nennt man den Diamantring.

Klingende Finsternisse

Schon ganz schön verwirrend, diese Mondzyklen und die gemeinsamen Treffen aller zur Finsternis. Ohne Bilder alles nur schwer vorstellbar. Aber bilder gibt es beim Sternenonkel nur selten. Dennoch gibt es eine inklusive Art, sich Finsternisse zu vergegenwärtigen.
Jeder weiß, dass Kirchenglocken sehr chaotisch und unregelmäßig durcheinander klingen. Das liegt daran, dass die großen Glocken langsamer in ihrem Turm schwingen, als das kleine Betzeit-Glöckchen, das ganz aufgeregt auch noch mitbimmeln darf.
Manchmal hört man auch, dass zwei Glocken ab und zu gleichzeitig erklingen, um dann wieder auseinander zu driften.
Im Grunde genommen ist das genau, wie mit den unterschiedlichen Monatslängen, die mehr und mehr auseinander driften, um irgendwann mal wieder für eine Finsternis zusammen zu kommen, gemeinsam zu erklingen.
Versucht einfach mal, wenn ihr das nächste mal ein volles Glockengeläut, am besten eines mit drei Glocken hört, euch vorzustellen, dass jede Glocke einem der drei Mondzyklen gehört. Manchmal erklingen alle drei gemeinsam. Dann habt ihr eine Finsternis im Kirchturm gehört.

Fünf entscheidende Sonnenfinsternisse

So weit, so gut. Das ist ja alles ganz nett, aber nützt das auch jemandem, z. B. der Wissenschaft? Hier rufe ich ein ganz klares und entschiedenes „ja“ aus.

Im vorletzten Jahrhundert fanden mindestens fünf totale Finsternisse statt, die Wissenschaftsgeschichte schrieben.

Finsternis 1

Gehören die schönen Flammenzungen am Mondrand, die Protuberanzen, die bei einer totalen Sonnenfinsternis sichtbar werden, zur Sonne oder zum Mond?

Die Antwort gab die Finsternis vom 18. Juli 1860 in Spanien.
Zwei Gelehrte zogen mit ihren Instrumenten an den Ebro und an die spanische Mittelmeerküste.
Zum ersten Mal wurde die Fotografie, damals hieß sie noch Daguerreotypie, eingesetzt.
Der Engländer Warren de la Rue, 1815 bis 1889, ein reicher Papierfabrikant,
war ein Pionier in der Fotografie astronomischer Objekte.
Der Jesuitenpater Angelo Secki, 1818 bis 1887, Direktor des Collegio Romano,
widmete sich in der zweiten Hälfte seines Lebens dem Studium der Sonne.

Beide fotografierten in Spanien die Protuberanzen von Orten aus, die mehrere hundert Kilometer auseinander lagen.
Die Bilder glichen sich wie ein Ei dem anderen.
Die roten Flammenzungen waren also reell.
Mehr noch, rasch nacheinander aufgenommene Platten zeigten, dass sich der Mond vor den Protuberanzen vorbei bewegt.

Damit wusste man, die Protuberanzen gehören zur Sonne.

2. Die eiserne Finsternis

Die Finsternis vom 7. August 1869 konnte längs eines schmalen Streifens beobachtet werden,
der sich von der Beringstraße quer durch Nordamerika nach North Carolina erstreckte.
Diesmal rückte man der Corona zu Leibe.
Es war nicht leicht, das Spektrum dieses schwachleuchtenden Lichtschleiers zu erhalten.

Anfangs schien es nicht allzu aufregend zu sein. Das Licht war anscheinend über das ganze Spektrum gleichmäßig verteilt.
Die dunklen Fraunhofer-Linien des Sonnenspektrums fehlten.
Doch im grünen Bereich entdeckte man eine helle Linie, die man noch nicht kannte.
Welche Atome waren dafür verantwortlich?
Die genaue Vermessung zeigte, dass bei dieser Wellenlänge kein bekanntes Atomlicht aussendet.
Sollte in der Corona der Sonne ein auf der Erde unbekanntes Element den Sonnenphysikern von seiner Existenzkunde geben?

Ende des vorletzten Jahrhunderts gab man dem unbekannten Stoff den Namen Koronium.
Nicht einmal auf der Sonne selbst schien dieses rätselhafte Element vorzukommen, denn es verriet sich auch nicht durch eine Fraunhofer-Linie im Sonnenspektrum. Lediglich in der Korona tauchte es auf.
Erst Mitte unseres Jahrhunderts gelang es, das Geheimnis der grünen Corona-Linie zu lüften.
Sie rührt von Atomen des Eisens her.
Das Eisengas ist dort so heiß, dass den Atomen, deren Kerne normalerweise von einer Wolke von 26 Elektronen umgeben sind, 13 verloren gegangen sind, sodass nur noch 13 Elektronen den Kern umschwirren.
Das ist nur bei unglaublich hohen Temperaturen möglich.
Wir wissen heute, dass die Sonnen-Corona Millionen von Grad heiß ist.
Doch das hatte zur Zeit der Finsternisse des vorletzten Jahrhunderts niemand geahnt.

3. Die indische Finsternis

Am 18.08.1868 bewegte sich der Kernschatten einer Sonnenfinsternis über die indische und die malaiische Halbinsel.

Der Astronom und Fotograf Pierre Jules César Janssen nahm also die beschwerliche Reise auf sich, um von Guntur in Indien aus diese Finsternis zu beobachten und zu fotografieren.

Während der kurzen Dunkelheit erkannte er im Spektroskop, dass die Protuberanzen hauptsächlich bei den Wellenlängen des Lichtes des Wasserstoffs abstrahlen. Man bedenke, dass es damals durchaus noch nicht klar war, woraus die Sonne hauptsächlich besteht. Das erklärte uns erst die Frau mit dem Sonnenstoff.
https://blindnerd.de/2022/03/08/die-frau-mit-dem-sonnenstoff-weltfrauentag-2022/
Man ging davon aus, dass die Sonne sich in ihrer Zusammensetzung unwesentlich von der irdischen unterscheiden sollte.
Aber Spektralaparate waren bereits erfunden und man entdeckte auch die Lichtsignaturen nahezu aller chemischen Elemente in der Sonne, welche sie sich bei ihrer Entstehung einverleibt hatte.

Als nach kurzer Zeit die Sonne wieder hinter der Mondscheibe hervortrat und die Protuberanzen verblassten, soll Janssen ausgerufen haben:
„Diese Linien will ich auch außerhalb der Finsternisse beobachten.“
Am nächsten Tag richtete er sein mit einem Spektroskop ausgestattetes Fernrohr gleich nach Sonnenaufgang auf die Stelle des Sonnenrandes, an der er während der Finsternis eine besonders helle Protuberanz gesehen hatte.

Wenn janssen in seinem Spektroskop nur auf die Alpha-Linie des
Wasserstoffs schaute, dann war er für nahezu alles andere Licht blind. Sonnenbeobachter bis heute betrachten die Sonne gerne in diesem Licht und blenden alles andere mit Filtern weg.

Tatsächlich konnte er das Licht der Spektrallinien der Protuberanzen auch am hellen Taghimmel ausmachen. Durch den Spalt des Spektroskops
am Fernrohr sah er im Licht der roten Wasserstofflinie einen schmalen Streifen der über den Rand der Sonnenscheibe herausragenden leuchtenden Gasmassen. Wenn er das Fernrohr leicht bewegte, dann verschob sich der Spalt und bot den Anblick eines benachbarten schmalen Streifens der Protuberanz. So konnte janssen am Spektroskop Streifen
für Streifen des Sonnenrandes abtasten, zeichnen und zu einem Bild der gesamten Protuberanz zusammensetzen.
Die beiden konnten zwar Protuberanzen mit ihren Spektrographen und Teleskopen beobachten, die sich am Rand der Sonnenscheibe befanden, aber Protuberanzen auf der hellen Sonnenscheibe blieben einem anderen großen Astronomen vorbehalten.

Der erst 21jährige George Ellery Hale grübelte darüber nach, wie man trotz des störenden Lichtes der Sonne bessere otografien gewinnen und damit mehr auf der Fotoplatte festhalten konnte.

Zur Idee seines neuen Instrumentes soll er gesagt haben, dass sie ihm in der Straßenbahn gekommen sei, als er aus dem Wagen heraus auf die Latten eines Lattenzaunes blickte und sich der dahinterliegende Garten scheinbar an den Zwischenräumen vorbei bewegte. Das war die Geburt des Spektroheliographen, wie Hale das Gerät nannte, das in diesem Augenblick in seinem Kopf entstand.
Siehe: Eine Finsternis, ein Sonnenforscher und ein Lattenzaun

4. Einsteins Finsternis

Am 14.12.1919 brachte die Berliner ilustrierte Zeitung auf ihrer Titelseite das Portrait Albert Einsteins und schrieb:

„Eine neue Größe der Weltgeschichte, Albert Einstein, dessen Forschungen eine völlige Umwälzung unserer Naturbetrachtung bedeutet, und den Erkenntnissen eines Kopernikus, Kepler und Newton gleichwertig sind,“
Dieser Einstein war in das Interesse der Medien gerückt. Schuld daran war eine Sonnenfinsternis.

Wenn es stimmt, dass große Massen den Raum, bzw. die Raumzeit krümmen, sollte sich das anhand von Licht in der Nähe großer Massen, nachweisen lassen.
Gesucht wurde ein Objekt, das eine große Masse besitzt, aber entweder selbst nicht leuchtet, bzw. dessen Licht durch etwas anderes verdeckt wird.

Eine Sonnenfinsternis schien dazu geeignet, weil die Sonne eine große Masse besitzt und der mond manchmal dazu in der Lage ist, ihren alles überstrahlenden Lichterglanz abzudecken, damit zum Vorschein kommt, was in ihrer unmittelbaren Umgebung leuchtet und normalerweise durch ihren Glanz nicht sichtbar ist. Das sind die Korona und die Sterne am Taghimmel.

Ihr eigenes Licht wird zum Zeitpunkt der Totalität komplett vom Mond verdeckt. Aber ihre im Vergleich zur Erde riesige Masse, sollte das Sternenlicht, das in ihrer Nähe vorbei geht, leicht verzerren, weil in ihrer Nähe durch ihre Masse die Raumzeit oder auch der Raum gekrümmt werden sollte.
Einstein schlug diese Idee des Nachweises vor und gab sogar eine Grad-Zahl an, um wie viel Bruchteile einer Bogensekunde die Sterne zu ihrer sonstigen Position verschoben sein sollten. Er gab zunächst 0,875 Bogensekunden an. Betrachtete man ein Eurostück aus einer Entfernung von fünf Kilometern, betrüge sein Winkel von Rand zu Rand ungefähr diesen Wert.

Die erste Möglichkeit der Beobachtung einer Sonnenfinsternis, ergab sich 1912 in Brasilien. Diese viel aber wegen Wolken und Regen ins Wasser.

Die nächste war am 21.08.1914 in Russland. Doch drei Wochen zuvor brach der erste Weltkrieg aus. Die deutschen Astronomen, die mit ihrem Gerät bereits in Russland waren, wurden interniert und deren Geräte beschlagnahmt.

1915 hatte Albert Einstein seine relativitätstheorie vervollkommnet und bemerkt, dass die Ablenkung ungefähr doppelt so hoch sein könnte.

Die Möglichkeit einer Überprüfung, einsteins neuestem Werts ergab sich am 29.05.1919 von der Insel Principe vor der Küste spanisch Guineas aus.
Wenn man bedenkt, dass der deutsche Einstein für die Engländer ein Feind war, ist es um so bemerkenswerter, dass sie diese Expedition vorbereiteten und durchführten.

Unter der Leitung des großen britischen Astronomen Athur Edington, wurde das Sternenfeld, in welchem die Finsternis stattfinden würde, bereits ein halbes Jahr vor dem Ereignis fotografiert, als es noch am Nachthimmel zu sehen war, um Vergleichsaufnahmen für die während der Finsternis gemachten Bilder zu haben.

Eine weitere englische Expedition beobachtete das Ereignis von Brasilien aus.
Beide Expeditionen fanden die Ablenkung des Sternenlichts und somit Einsteins Theorie bestätigt.
Und so war spätestens im November 1919 Einstein ein berühmter Mann geworden, dass sogar die Newyork Times über seine Entdeckung berichtete..

Mythen rund um Finsternisse

Es liegt nahe, dass Finsternisse und Kometen für zahlreiche Geschichten und Mythen sorgten. Und wenn die Daten nicht ganz aufeinander passten, dann wurden sie mit der Zeit eben passend gemacht. Außerdem werden Geschichten immer besser, um so öfter sie erzählt werden. Lassen wir hier einige davon erklingen.

  1. Die Schlacht, die plötzlich im Dunkeln endete – 585 v. Chr.
    Die Meder und Lyder kämpften in Kleinasien bereits seit Jahren gegeneinander. Während einer Schlacht am 28. Mai 585 v. Chr. wurde es plötzlich mitten am Tag dunkel: eine totale Sonnenfinsternis.
    Beide Heere interpretierten das Ereignis offenbar als Zeichen der Götter und stellten den Kampf ein. Schließlich schlossen die verfeindeten Parteien Frieden. Der griechische Philosoph Thales von Milet soll die Finsternis sogar vorhergesagt haben – wobei Historiker heute bezweifeln, dass wir wirklich wissen, wie er das hätte berechnen können.
  2. Der König, der sich vor der Finsternis verstecken musste
    Im alten Mesopotamien waren Sonnen- und Mondfinsternisse besonders gefährliche Omen für den König. Die Priester beobachteten den Himmel und deuteten die Finsternis als mögliche Ankündigung von Tod oder Unheil für den Herrscher.
    Und jetzt wird es ziemlich makaber:
    Wenn eine gefährliche Finsternis bevorstand, konnte ein „Ersatzkönig“ eingesetzt werden. Ein anderer Mann wurde zum König erklärt, bekam königliche Kleidung und sogar eine Königin. Der echte König verschwand währenddessen aus der Öffentlichkeit.
    Nach Ablauf der gefährlichen Zeit wurde der Ersatzkönig getötet – das vorhergesagte Unheil sollte ihn treffen, nicht den wirklichen Herrscher.
    Das ist tatsächlich historisch belegt und keine bloße Legende.
  3. Der chinesische Drache frisst die Sonne
    Eine sehr verbreitete chinesische Vorstellung erzählt von einem Himmelsdrachen, der die Sonne verschlingt.
    Wenn die Sonne während einer Finsternis verschwand, versuchte man, das Ungeheuer zu vertreiben: Man machte Lärm, schlug Trommeln und veranstaltete allerlei Krach.
    Die beiden Hofastronomen Hi und Ho, welche über Trunk und Feiern vergaßen, eine Finsternis anzukündigen, kostete dieses Versäumnis ihre Köpfe.
    Der Drakonistische, Drachenmonat, verdankt seinen Namen dieser Legende.
  4. Die Wölfe der Wikinger
    In der nordischen Mythologie verfolgen die beiden Wölfe Sköll und Hati die Himmelskörper Sonne und Mond.
    Sköll jagt die Sonne, Hati den Mond. Wenn einer der Wölfe sein Ziel erreicht und den Himmelskörper verschlingt, kommt es zur Finsternis.
    Im Zusammenhang mit Ragnarök, dem Untergang der alten Welt, gelingt es den Wölfen schließlich tatsächlich, Sonne und Mond zu verschlingen.
    Man kann sich also eine Sonnenfinsternis als einen kurzen Moment vorstellen, in dem der Wolf die Sonne beinahe erwischt.
  5. Die Bibel: „Die Sonne wurde dunkel“
    Hier wird es besonders interessant, weil die Finsternis direkt in der Passionsgeschichte vorkommt.
    Die Evangelien des Neuen Testaments berichten, dass während der Kreuzigung Jesu von etwa der sechsten bis zur neunten Stunde Dunkelheit über das Land kam. Lukas formuliert sogar, dass die Sonne ihr Licht verlor.
    Das ist allerdings keine normale Sonnenfinsternis: Eine totale Sonnenfinsternis dauert an einem bestimmten Ort höchstens wenige Minuten, nicht drei Stunden.
    Siehe: Die Finsternis an Karfreitag und der zerrissene Tempelvorhang

    Dazu kommen zwei interessante alttestamentliche Stellen:
    Bei Amos 8,9 heißt es sinngemäß, Gott werde die Sonne am Mittag untergehen lassen und die Erde am hellen Tag verdunkeln.
    Und Joel 2,31 sagt:
    Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut.

    Noch eine bemerkenswerte Bibelstelle findet sich im Buch Josua.
    Josua soll bei der Schlacht von Gibeon gesagt haben:
    „Sonne, steh still!“
    und der Mond solle ebenfalls stillstehen.

    Das wurde immer wieder mit einer außergewöhnlichen Himmelserscheinung in Verbindung gebracht. Moderne astronomische Untersuchungen haben sogar versucht, eine konkrete historische Sonnenfinsternis damit zu identifizieren. Eine Forschungsarbeit kommt als Kandidaten auf den 30. September 1131 v. Chr.
    Ob das tatsächlich die historische Grundlage der Erzählung war, ist allerdings keineswegs gesichert.

  6. Kolumbus und der „Blutmond“ von 1504
    Das ist eine der berühmtesten Geschichten über eine Mondfinsternis.
    Christoph Kolumbus saß 1504 auf Jamaika fest. Die dortigen Taíno versorgten die Spanier zunächst mit Nahrung, weigerten sich aber schließlich.
    Kolumbus wusste aus seinen astronomischen Tabellen, dass bald eine Mondfinsternis stattfinden würde. Er soll angekündigt haben, dass sein Gott zornig sei und den Mond verschwinden lassen werde.

    Als der Mond tatsächlich dunkel und anschließend blutrot wurde, sollen die Taíno beeindruckt gewesen sein. Kolumbus konnte die Situation anschließend nutzen, um die Versorgung seiner Männer wieder sicherzustellen.

    Die Geschichte stammt allerdings aus späteren europäischen Berichten und sollte deshalb nicht völlig unkritisch als wortgetreuer historischer Tatsachenbericht erzählt werden. Die astronomische Finsternis vom 1. März 1504 ist dagegen eindeutig. Interessanterweise liegt sie ziemlich genau 521 Jahre vor der Mondfinsternis vom März 2025 – ein Hyper-Saros-Zyklus.
    Siehe: Eine Finsternis als Lebensretterin

Finsternisse in der Literatur

Betrachten wir nun zum Schluss noch einige Finsternisse in unserer Literatur.

Sonnenfinsternis bei Marc Twain

In einer Erzählung ließ Marc Twain einen Amerikaner durch einen Blitzschlag einen Zeitsprung vollführen. Dieser Mensch taucht nun am 19.06. des Jahres 528 in der Zeit des sagenhaften König Artus wieder auf. Durch zahlreiche Verwicklungen gerät dieser Mann schließlich in das Gefängnis und wurde zum Tode verurteilt.

Er verfügt jedoch über ein Wissen der besonderen Art.
Er sagt für den 21.06.528 eine totale Sonnenfinsternis voraus. Hierdurch erlangte er die Gunst des Königs und letztlich dann auch seine Befreiung. Er wird zum astronomischen Berater des Königs ernannt.
So weit, so gut, aber fand an diesem Tage überhaupt eine Sonnenfinsternis statt, die Atus und seine Mannen hätten sehen können?

Um dieses herauszufinden, müssen wir ein Verzeichnis oder einen Katalog bemühen, in welchem alle Finsternisse der letzten 2000 Jahre verzeichnet sind. Am besten eignen sich hier die Kataloge von Opolzer oder der von Mucke. Selbstverständlich kann man heutzutage auch kostenlose Software, wie Stellarium verwenden, obwohl die je früher man in der Zeit zurückgeht, ihre Grenzen hat.

Im Jahre 528 gab es vier Sonnenfinsternisse, am 06.02, 06.03, am 01.08. und am 30.08. Alle waren partieller Natur.
Da am 01.08. neumond geherrscht haben muss, denn ohne Neumond keine Sf war dies auch einen synodischen Monat vorher, also Anfang Juli der Fall. Der 21.06. war somit kurz nach Vollmond. Ein unmöglicher Zeitpunkt für eine Sf. Vermutlich erfand Twain das Datum einfach.
Schön und spannend bleibt diese Erzählung dennoch.

Jules Vernes Sonnenfinsternis

In dem zweibändigen Roman „Im Land der Pelze“ beschreibt Jules Vern, der Vater der Science Fiction Literatur, die Abenteuer einer Reisegruppe, die nach Alaska kommt.
Unter den Mitreisenden befindet sich ein Astronom. Verne beschreibt ihn als Menschen, der außer seine Sternbeobachtungen nichts zuwege bringt. Dieses jedoch macht ihm keiner gleich. Dieser Astronom, Namens Black, schließt sich der Reisegruppe an, um eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten. Diese soll am 18.06.1860 stattfinden. Gegen 09:30 beginnt die totale Phase der Finsternis. Black und seine Reisegefährten sehen die Sichel des Mondes immer dünner werden. Jeden Moment muss die totale Bedeckung anbrechen. Doch dann geschieht etwas ganz anderes. Black sieht, dass die Mondsichel plötzlich wieder breiter wird und somit die Phase der totalen Bedeckung überhaupt nicht stattfand. Was war hier geschehen? Waren die Kataloge und Voraussagen der Astronomen falsch? Keines Wegs. Die Lösung des Problems war entsätzlich.

Die Gruppe befand sich gar nicht an dem Orte, an welchem sie sich wähnte.
Die Reisegruppe hatte nicht bemerkt, dass die Eisscholle, auf welcher sie sich befand, sich vom Festland gelöst hatte und in südlicher Richtung in wärmere Gewässer durch die Beringsee trieb. Diese Drift brachte die Scholle außerhalb des Streifens der Totalität.
Der Rest des Romans handelt dann davon, wie die Gruppe auf dem Eis um ihr Überleben kämpfte.

Was hat es nun tatsächlich mit der Sonnenfinsternis von Verne auf sich?
Tatsächlich gab es an besagtem Tage eine Sonnenfinsternis, deren Streifen der Totalität sich, wie bei Jules Verne beschrieben, von Alaska, über Kanada und den Atlantik ins Mittelmeer erstreckte.Es ist aber nicht verwunderlich, dass Verne im Gegensatz zu Twain eine tatsächlich stattgefundene Finsternis beschrieb. Der Roman erschien 1873, also 13 Jahre nach der Finsternis. Verne musste sich somit nicht auf Vorausberechnungen stützen, sondern konnte sich auf sicher fundamentiertes gewesenes verlassen.

Sonnenfinsternis bei Adalbert Stifter

Wenn man Sonnenfinsternisse literarisch betrachtet, dann kommt man an Adalbert Stifters Beschreibung einer von ihm selbst beobachteten Sonnenfinsternis nicht vorbei. Für mich stellt sie die schönste deutschsprachige Beschreibung einer Sonnenfinsternis dar, die ich kenne.
Siehe: Eine literarische Erinnerung
Anhören könnt ihr euch diesen wunderbaren Text ebenfalls. Siehe untenstehende Linkliste von Eberhard.

Weitere Links zur Sonnenfinsternis

Eberhard, auf dessen Newsletter ich schon mehrfach Gastbeiträge veröffentlichen durfte, hat hier eine ganz wunderbare Linkliste zum Thema Sonnenfinsternis zusammengestellt. Diese teile ich hier gerne mit euch.
Eberhard sagt.
Vor allem der erste Beitrag in der ARTE-Mediathek ist besonders gut:
Die Sofi bei ARTE:
https://www.arte.tv/de/videos/125674-000-A/totale-sonnenfinsternis-europa-im-mondschatten/

Die Sonnenfinsternis wird LIVE übertragen von
https://www.digitalfernsehen.de/news/inhalte/fernsehen/zdf-uebertraegt-totale-sonnenfinsternis-live-aus-mallorca-1184934/

Harald Lesch „Was ist eine Sonnenfinsternis?“ in BR alpha centauri:
https://www.ardmediathek.de/video/alpha-centauri/was-ist-eine-sonnenfinsternis/ard-alpha/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9GMjAxNldPMDExODIzQTA

und seine persönliche Sofi-Beobachtung:
https://www.youtube.com/watch?v=jP84qOF77S0

Sonnenfinsternis beweist Relativitätstheorie, Harald Lesch
https://www.reddit.com/r/de/comments/6ual60/sonnenfinsternis_beweist_relativit%C3%A4tstheorie/

Totale Sonnenfinsternis in der MAUS:
https://youtu.be/pxWb10AZ-NA?is=gNkyd0UJgoMNDH4G

„Die Sonnenfinsternis“ von Adalbert Stifter
Die meisten Sonnenfinsternis-Experten kennen ja die wunderbare Schilderung der Sonnenfinsternis vom
8. Juli 1842 von Adalbert Stifter, die er auf der Aussichtsterrasse des Kornhäuslturms über den Dächern von Wien beobachten konnte.

Das „Schmankerl“ ist nun, dass ich Christian Baumann dafür gewinnen konnte, diesen Text zu lesen.

Christian Baumann ist als Schauspieler und Sprecher seit 1996 auf zahlreichen Theaterbühnen und in TV-Produktionen zu sehen. Er ist bekannt als Sprecher in Funk und Fernsehen, beispielsweise auch bei Bayern 2, sowie aus unzähligen Hörbuchproduktionen.
Seine Filmografie und Produktionsübersicht sind hier zu finden: http://www.baumannchristian.de/
Weitere Infos auch hier:
In Wiki

Seine Lesung von Stifters Text
Dauer: 21 Minuten
Ich empfehle diese Datei vor dem Beginn der Sofi abzuspielen. Das ist die perfekte Einstimmung zur Sofi.

Aus dem Blog des blinden Astronomen Gerhard Jaworek erfahren wir zu dieser Schilderung von Adalbert Stifter Folgendes:
„Der Aufsatz „Sonnenfinsternis“ von Adalbert Stifter erschien zuerst in der „Wiener-Moden-Zeitung und Zeitschrift für Kunst, schöne Literatur und Theater“ 1842 III. Quartal.“