Der Mondhase


So, meine lieben,
auch ich möchte euch natürlich zu Ostern ein kleines Ei in euer Osternest legen. Wobei es heute nicht um Eier gehen wird. Die haben wir vor zwei Jahren behandelt.
Heute geht es um das Tier, ohne welches Ostern nicht denkbar wäre, ein Symbol der Fruchtbarkeit, um den Hasen. Da das hier ein Astro-Blog ist, kann es sich natürlich nicht um irgend einen Hasen handeln, der lustig über Wiesen und Felder hoppelt. Es geht um den Hasen im Mond. Der kommt vor allem in asiatischen Mythen vor und ein chinesischer Rover auf dem Mond trägt seinen Namen. Somit werden wir heute wieder einen großen zeitlichen Bogen spannen, der vermutlich mehrere tausend Jahre abdeckt und in einem höchst modernen Forschungsinstrument auf dem Mond endet.

Die Hauptinhalte dieses Artikels habe ich aus Wikipedia.

Eine kaiserliche Stickerei aus dem 18. Jahrhundert zeigt einen weißen Hasen und noch mehr auf dem Mond. Er zerstampft dort in einem Mörser die Kräuter des Lebenselixiers. Vermutlich die Kräuter der Unsterblichkeit. Wir erinnern uns. Im ersten Band von Harry Potter wurde dieser Stein der Weisen, der Unsterblichkeit ermöglichen sollte, der Hauptgegenstand des ersten Abenteuers von Harry Potter.

Von diesem Hasen auf dem Mond hörte ich das erste mal, als ich mir eine lange Dokumentation der Mondlandung von Apollo 11 anhörte. Er war dort Gegenstand der Funkgespräche.

Die Mythen

Dann schauen wir uns mal diese Geschichten, Mythen und Märchen etwas genauer an:

In China

In der chinesischen Mythologie erscheint der „Mondhase“ (chinesisch 月兔, Pinyin yuètù) bzw. „Jadehase“ (玉兔, yùtù) häufig als Begleiter der Mondgöttin Chang’e, für die er mit seinem Gerät das Lebenselixier stampft. Die früheste Erwähnung eines Hasen auf dem Mond findet sich in den „Chuci“, einer Anthologie chinesischer Gedichte aus der Zeit der Streitenden Reiche der Han, der zufolge ein Hase (Mondhase Yuetu) gemeinsam mit einer Kröte (Fabelkröte Chanchu) (beide uralte Fruchtbarkeitssymbole) auf dem Mond unablässig damit beschäftigt ist, pfundweise Unsterblichkeit verleihende Kräuter zu stampfen. Diese Sichtweise taucht in späteren Texten wie der „Taiping yulan“, einer Enzyklopädie der Song-Dynastie, erneut auf. Dichter der Han-Dynastie nennen den Hasen auf dem Mond „Jadehase“ oder „Goldhase“ (金兔, jīntù); diese Wendungen werden oft stellvertretend für das Wort „Mond“ gebraucht. Im Gedicht „Der Alte Staub“ des bekannten Tang-Dichters Li Bai heißt es „Der Hase im Mond stößt die Kräuter umsonst“.
Die Chinesen verzierten während des Mondfestes die Kuchen mit dem Bild des Hasen. Sie räucherten vor seinen Bronzefiguren und befestigten bei Vollmond ein farbiges Plakat mit seinem Bild, das sie ehrfürchtig grüßten und daraufhin zeremoniell verbrannten.

In Japan

In der japanischen Mythologie wird der Mondhase als Tsuki no Usagi (月の兎) bezeichnet. Dort entspringt der Glaube an den „Mondhasen“ der Shintō-Religion und nimmt Bezug auf die Legenden „Vom Fuchs, dem Affen und dem Hasen“. Der Legende zufolge verband einen Fuchs, einen Affen und einen Hasen eine enge Freundschaft. Während sie am Tage in den Bergen miteinander spielten und gemeinsam jagten, verbrachten sie die Nacht gemeinsam im Wald. Der Herr des Himmels, Taishakuten (帝釈天), erfuhr davon und fand dies ungewöhnlich. Er suchte, als alter Wanderer verkleidet, die drei Freunde auf. Er fand sie des Abends am Lagerfeuer und bat sie um etwas zu essen. Der Affe brachte ihm sogleich Nüsse, der Fuchs gab ihm einen Fisch. Der Hase aber fand nichts, was er dem Wanderer geben konnte. Als der Affe und der Fuchs den Hasen deswegen mit Schmähungen überhäuften, sprang dieser verzweifelt ins Lagerfeuer und rief: „Iss mich!“. Der Herr des Himmels war so gerührt von dieser Geste, dass er den Körper des Hasen wieder herstellte und ihn mit zum Mond nahm. Der Rauch, den der Hase bei seiner Opferung erzeugt hatte, schlug sich auf der glänzenden Mondoberfläche nieder und ahmt noch heute seine Gestalt nach.
Eine Version dieser Geschichte findet sich in der japanischen Anthologie „Konjaku Monogatarishū“, wo ein Fuchs und ein Affe als Gefährten des Hasen fungieren.
Davon abweichend überliefert das Kojiki eine Erzählung vom Hasen, die in ihrem Inhalt mit der Erzählung „Der weiße Hase von Inaba“ (因幡の白兎, Inaba no shirousagi) übereinstimmt.

In Korea

In der koreanischen (dort als RR dal tokki, kor. 달토끼) Überlieferung rührt er lediglich die Zutaten für Reiskuchen (Mochi). Der Mörser symbolisiert dabei den Neumond, der die Mondsichel gebiert.

In Amerika

Ähnliche Legenden begegnen in der mexikanischen Folklore, wo die Muster auf der Mondoberfläche ebenfalls als Hase identifiziert werden. Nach einer aztekischen Legende lebte der Gott Quetzalcoatl eine Zeit lang als Mensch auf der Erde, wo er sich auf Reisen begab und allmählich ermüdete und ihn hungerte. Da weder Essen noch Trinken erreichbar waren, vermeinte er zu sterben. Ein Hase graste in der Nähe und bot sich ihm als Nahrung, um sein Leben zu retten. Quetzalcoatl, gerührt vom großzügigen Angebot des Hasen, erhob ihn auf den Mond, dann brachte er ihn auf die Erde zurück und sagte: „Du vermagst nur ein Hase zu sein, aber jeder wird deiner gedenken, siehe da, dein Bild im Licht, für alle Menschen und alle Zeiten.“

Eine weitere mittelamerikanische Legende schildert die Opfer Nanahuatzins während der Erschaffung der fünften Sonne. Demütig opferte er sich im Feuer, um die neue Sonne zu werden, aber der reiche Gott Tecciztecatl zögerte viermal, bevor er sich schließlich herabließ, ein Mond zu werden. Aufgrund der Feigheit Tecciztecatls beschlossen die Götter, dass der Mond weniger hell als die Sonne scheine, und einer der Götter warf einen Hasen auf dessen Oberfläche, um sein Licht zu dämpfen. Tecciztecatl soll bei seinem Selbstopfer die Gestalt eines Kaninchens angenommen haben, dessen Schatten sich noch heute dort befindet.

Im Buddhismus

In der buddhistischen Śaśajâtaka (Jataka-Erzählung Nr. 316), beschlossen ein Affe, ein Otter, ein Schakal und ein Hase am Tag des Vollmondes (Uposatha) ein Werk der Nächstenliebe zu vollbringen.
Als nun ein alter Mann um Nahrung bettelte, sammelten die Affen Früchte von den Bäumen, der Fischotter Fische, der Schakal stahl eine Eidechse und eine Kanne Milchquark. Aber der Hase, der allein Gras zu sammeln verstand, bot stattdessen seinen eigenen Leib und warf sich in das Feuer, das der Mann entzündet hatte. Jedoch der Hase verbrannte nicht. Der alte Mann offenbarte sich als heiliger Sakka und sprach überaus bewegt von der gezeigten Opferbereitschaft: „Wer sich selbst vergisst, wird, und sei er die niedrigste Kreatur, den Ozean des ewigen Friedens erlangen. Mögen alle Menschen aus diesem Beispiel lernen und sich zu Taten des Mitleids und Erbarmens bewegen lassen.“ Er verlegte, angerührt von der Tugend des Hasen, dessen Bild auf den Mond, dass es jedermann sähe. Es soll noch heute den Rauch zeigen, der aufstieg, als der Hase sich ins Feuer warf.

Wie schon gesagt, habe ich über die Mondlandung von diesem Hasen auf dem Mond gehört. In Europa ist ja eher vom Mondgesicht oder dem Mann im Mond die Rede. Es scheint, dass die Schattierungen, die durch die Mondkrater und Berge vom Mond auf die Erde geworfen werden, viel Raum zu Spekulation oder Interpretation bieten.
Immerhin hat die Kraft dieser alten Geschichten dazu gereicht, einen Rover nach dem Jadehasen zu benennen. Hier nun einiges zu dieser ganz hervorragenden chinesischen Leistung zu Raumfahrt und des neueren Besuch des Mondes.

Geschichte der Mission

Schon seit 1998, also vier Jahre nachdem die Projektgruppe Monderkundung der Chinesischen Akademie der Wissenschaften die erste Machbarkeitsstudie für ein Monderkundungsprogramm vorgelegt hatte, arbeiteten rund ein Dutzend Forschungsinstitute an Prototypen für einen Mondrover. So besaß zum Beispiel das Modell der Fakultät für Informatik der Tsinghua-Universität in Peking sechs einzeln angetriebene Räder und konnte neben der Erhitzung von Bodenproben und spektrographischer Untersuchung derselben auch Proben von Helium-3 entnehmen. Als man 2008, also zwei Jahre vor dem Start von Chang’e 2, mit den Vorbereitungen für die Mission Chang’e 3 begann, erhielt jedoch das Konzept der Chinesischen Akademie für Weltraumtechnologie den Zuschlag. Für die konkrete Entwicklung des Rovers war Jia Yang (贾阳, * 1970) zuständig, unter Ye Peijian stellvertretender Chefkonstrukteur der Sonde.
Eines der größten Probleme waren die Räder. Während irdische Sandkörner von Wind und Wetter rundgeschliffen werden, sind die Regolith-Partikel auf dem Mond messerscharf und würden reguläre Radreifen in kurzer Zeit zerstören. Um mit diesem Problem zurechtzukommen, experimentierte die Gruppe um Jia Yang über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren mit diversen Bereifungen, selbst mit Kettenfahrwerken. Schließlich bespannte man die Felgen der sechs Räder ähnlich wie bei den sowjetischen Lunochod-Rovern mit einer Art Fliegengitter aus Draht, durch dessen Löcher sich die spitzen Regolithkörner hindurchdrücken konnten. Dies reduzierte außerdem das Gewicht der Räder und verlieh der Bereifung eine gewisse Elastizität. Darüber ordnete man in Querrichtung senkrecht stehende Streifen aus Metall an, die wie Klauen für eine bessere Traktion sorgten.
Als der erste Prototyp fertiggestellt war, musste er unter möglichst realistischen Bedingungen getestet werden. Nach einer eingehenden in-situ Inspektion der Wüsten Nordwestchinas entschied man sich für ein nordwestlich von Dunhuang, Provinz Gansu, gelegenes Gebiet in der Kumtag-Wüste, wo aus Baracken eine temporäre Prüfbasis errichtet wurde. Mit auf dem Wüstensand verteilten Steinen wurde das autonome Hindernisvermeidungssystem getestet und dabei das Fahrgestell des Rovers immer weiter verbessert.
Der Name des Rovers wurde in einer Onlineumfrage und anschließender Abstimmung von 3.445.248 Chinesen im In- und Ausland ausgewählt. Das Wort Jadehase (玉兔, yùtù) bezeichnet in der chinesischen Mythologie den Begleiter der Mondgöttin Chang’e (siehe oben.

Ziele der Mission

Wie bei den Raumfahrtprogrammen Chinas üblich, gab es bei der Mission Chang’e 3 sowohl technische Ziele, also die Erprobung von Technologien für die folgenden Missionen, als auch wissenschaftliche Ziele:

  • Technische Ziele waren eine weiche Landung sowie der Einsatz eines Rovers auf dem Mond.
  • Die wissenschaftlichen Ziele für den Rover waren die Erkundung der lunaren Oberflächentopografie und der Zusammensetzung des Oberflächenmaterials sowie Radarmessungen der Struktur des Mondregoliths bis zu einer Tiefe von 140 Metern. So nennt man den Sand, der auf dem Mond sich befindet.

Aufbau des Rovers

Die Maße des Rovers betragen ca. 1,5 × 1 × 1 Meter und das Gewicht 140 kg, davon 20 kg wissenschaftliche Instrumente. Damit ist er kleiner und wesentlich leichter als die russischen Lunochod-Rover. Jadehase erhielt seine Energie durch zwei Solarmodule, die ihm während der 14-tägigen Mondtage den Betrieb ermöglichten. Während der 14-tägigen Mondnächte ging der Rover in Bereitschaftsbetrieb. Dabei erhielt er Wärme durch Radionuklid-Heizelemente mit Plutonium 238 und Zweiphasen-Flüssigkeitsschleifen. Damit konnte die Temperatur im Inneren des Gehäuses zwischen +55 °C und −20 °C gehalten werden, während die Außentemperaturen zwischen +110 °C und −180 °C schwankten.
Die sechs Räder des Rovers wurden von jeweils einem bürstenlosen Gleichstrommotor einzeln angetrieben, die vorderen und die hinteren beiden Räder konnten um eine senkrechte Achse gedreht werden. Dadurch konnte der Rover nicht nur Kurven fahren, sondern sich auch an Ort und Stelle um sich selbst drehen, er konnte „zurückblicken“, um den freigelegten Regolith in seinen Fahrspuren zu spektrografieren.
Bei Tests auf der Erde konnte der Rover Steigungen von bis zu 20° bewältigen und über Hindernisse von bis zu 20 cm hinwegfahren. Die Unterseite des Gehäuses lag bei ebenem Untergrund 30 cm über dem Boden.

Durch die Signallaufzeit von 2,5 Sekunden vom Mond zur Erde und zurück ist eine direkte Fernsteuerung von Mondfahrzeugen schwierig. Die Techniker im Raumfahrtkontrollzentrum Peking gaben dem Rover zwar Zielpunkte vor, den Weg dorthin musste er sich jedoch selbst suchen. Hierfür war er mit zwei Navigationskameras im „Kopf“ an der Mastspitze sowie zwei Hindernisvermeidungskameras unten am Gehäuse ausgestattet, die jeweils Stereobilder lieferten, aus denen sich Jadehase mittels Delaunay-Triangulierung eine topografische Karte seiner Umgebung berechnete. Außerdem besitzt der Rover folgende Nutzlasten:

  • Panoramakamera im „Kopf“ mit zwei 20 cm voneinander entfernten Objektiven für Stereoaufnahmen im Bereich von 3 m – ∞, schwenkbar um 360° in der horizontalen und 90° in der vertikalen Richtung.
  • Auf zwei Frequenzen arbeitendes Bodenradar
  • Infrarotspektrometer
  • Alphapartikel-Röntgenspektrometer (APXS) an einem mechanischen Arm.

Ablauf der Mission

Jadehase wurde, befestigt auf der Oberseite des Landers der Sonde Chang’e 3, am 1. Dezember 2013 um 17:30 Uhr UTC gestartet und landete am 14. Dezember 2013 um 13:11 Uhr UTC, vier Tage nach dem örtlichen Sonnenaufgang, im Mare Imbrium auf der erdzugewandten Seite des Mondes. Dies war die erste weiche Landung auf dem Mond seit 1976 und der erste Einsatz eines Mondrovers, seit Lunochod 2 am 11. Mai 1973 außer Betrieb ging. Gut sieben Stunden nach der Landung, am 14. Dezember 2013 um 20:35 Uhr UTC, rollte der Rover über eine Rampe auf die Mondoberfläche.

Erster Mondtag

An dieser Stelle möchte ich nochmal ausdrücklich sagen, dass die Betonung in dieser Überschrift auf „dem ersten Mondtag“ liegt. Das hat durchaus nichts mit dem Tag auf unserer Erde zu tun. Ein Mondtag dauert ungefähr 14 Erdentage auf einer Mond-Seite. Tag ist es also auf dem Mond, wenn die Sonne die Seite bescheint, auf welcher wir uns befinden. Haben wir beispielsweise Neumond, dann ist die uns zugewandte Seite des Mondes im Erdschatten, also dunkel, also nacht. Vollen Mondtag haben wir nur bei Vollmond. Dazwischen ist Dämmerung etc.

Nachdem der Mondhase um den 17. Dezember 2013 einen kurzen Mittagsschlaf gehalten hatte, war die erste Aufgabe, die Jadehase bis zum 22. Dezember 2014 erfüllte, den Lander von verschiedenen Blickwinkeln aus zu fotografieren, während er selbst umgekehrt auch vom Lander aus gefilmt und fotografiert wurde. Eine Anzahl dieser Bilder wurde veröffentlicht. Anschließend, am 22. Dezember 2013 um 21:00 Uhr UTC, wurde erstmals der mechanische Arm an der Vorderseite des Gehäuses entfaltet und der Sensor des Alphapartikel-Röntgenspektrometers nahe an den Mondboden gebracht. Der Positionierungsvorgang dauerte etwa eine halbe Stunde, dann wurde die Funktionalität des Instruments an einer mitgeführten Kalibrierungsprobe überprüft. Danach wurde der Arm wieder in seine Ruheposition am Gehäuse gebracht. Die erste tatsächliche Messung der Bodenzusammensetzung mit Hilfe des Röntgenspektrometers fand am 25. Dezember 2013 statt.
Die erste Mondnacht verbrachte der Rover etwa 40 Meter südlich des Landers. Er drehte sich mit der Vorderseite nach Süden, sodass das unbewegliche, in Fahrtrichtung linke Solarmodul nach Osten zeigte. Dann klappte der Rover den Mast mit der Parabolantenne und den Kameras nach hinten in sein Gehäuse und klappt den beweglichen Solarzellenflügel darüber, um das Gehäuse zu verschließen und sich vor der nächtlichen Kälte zu schützen. Am 25. Dezember gingen der Lander und am 26. Dezember der Rover in den Schlafmodus über.

Zweiter Mondtag

Als die aufgehende Sonne nach dem Ende der Mondnacht auf das östliche Solarmodul schien, erwachte der Rover am 11. Januar 2014 aus seinem Standby und führte bis zur Mittagspause am 16. Januar eine weitere Inspektion des Mondbodens aus. Am 25. Januar 2014, sechs Wochen nach Beginn des Rover-Einsatzes und nahe dem Ende des zweiten Mondtages, stellten die Techniker im Raumfahrtkontrollzentrum Peking fest, dass sich eines der Räder des Rovers nicht mehr bewegte. Dadurch konnte sich Jadehase nicht nach Süden drehen und seine korrekte „Schlafposition“ einnehmen.

Dritter Mondtag

Als die Sonne am 10. Februar 2014 wieder über der Landestelle aufgegangen war, konnte das Raumfahrtkontrollzentrum zunächst keine Kommunikation mit dem Rover aufnehmen und erklärte ihn deshalb für dauerhaft inoperativ. Nach zweitägigen unermüdlichen „Weckrufen“ der Tiefraumstation Giyamusi konnte jedoch am späten Abend des 12. Februar der Kontakt wiederhergestellt werden. Zunächst wurde nur die Trägerwelle empfangen, später dann auch Telemetriesignale. Es gelang jedoch nicht, das Fahrwerk wieder in Gang zu setzen. Als am 22. Februar 2014 die dritte Mondnacht begann, war klar, dass der Rover zwar unbeweglich war, dass jedoch das Bodenradar, die Panoramakamera und das Infrarotspektrometer normal betriebsfähig waren.

Weiterer Verlauf

Am 18. April 2014 erläuterte Wang Jianyu (王建宇, * 1959) von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften,[29] dass gewisse Komponenten möglicherweise Frostschäden erlitten hätten. Dadurch, dass das rechte Solarmodul nicht in die „Schlafposition“ gefaltet werden konnte, konnte es nicht wie vorgesehen zur Wärmeisolierung der Elektronik während der Mondnacht dienen. Obwohl die wissenschaftlichen Instrumente noch funktionierten – sie waren an sich nur für eine Lebensdauer von drei Monaten ausgelegt – war ihr Nutzen deutlich begrenzt, da der Rover seine Position nicht mehr verändern konnte.
Am 1. August 2016, während der 33. Mondnacht, gab die Nationale Raumfahrtbehörde Chinas bekannt, dass Jadehase am 31. Juli 2016 nach 972 Tagen, also mehr als 31 Erdenmonaten seinen Betrieb endgültig eingestellt hatte. Während dieser Zeit hatte der Rover auf dem Mond insgesamt 114 Meter zurückgelegt.

Abspann

Und hiermit wünsche ich uns allen ein frohes Osterfest. Mögen sich die Zeiten bald wieder bessern.

Alles Gute zum 450 Geburtstag, Johannes Kepler


Es erfüllt mich als blinden Menschen mit einem gewissen Stolz, dass wir quasi den größten deutschen Astronomen in „unserer“ Gemeinschaft haben: Johannes Kepler sah sehr schlecht. Seine Seheinschränkung beruhte auf einer Pockenerkrankung. Niemand kann heute sagen, wie viel oder wie wenig Kepler vom Sternenhimmel letztlich mit seiner Seheinschränkung gesehen hat.
Seine Situation verbesserte er selbst, indem er Teleskope mit Sammellinsen entwickelte (Keplerteleskop). Eigentlich wollte Kepler beweisen, dass die Planeten sich auf kreisförmigen Bahnen bewegen und dass diese Bahnen einer kosmischen Harmonie gehorchen. Da dies insbesondere mit der Marsbahn, deren Exzentrizität doch sehr stark von der Kreisbahn abweicht, nicht klappen wollte, schloss er letztendlich, dass Planeten sich auf elliptischen Bahnen um ihre Gestirne bewegen. Die drei von ihm gefundenen Gesetze sind:

  1. Keplersches Gesetz:
    Die Planeten bewegen sich auf elliptischen Bahnen, in deren einem Brennpunkt die Sonne steht.
  2. Keplersches Gesetz:
    Eine von der Sonne zum Planeten gezogene Verbindungslinie, genannt „Fahrstrahl“, überstreicht in gleichen Zeiten gleich große Flächen.
  3. Keplersches Gesetz:
    Die Quadrate der Umlaufzeiten zweier Planeten verhalten sich wie die dritten Potenzen (Kuben) der großen Bahnhalbachsen.

Im Zusammenhang mit Johannes Kepler muss leider auch die Tragödie erwähnt werden, dass seine Mutter mit der Inquisition in Konflikt kam und nur mit Keplers Hilfe einem Hexenprozess entgehen konnte.
Kepler hatte in Tycho Brahe einen ganz hervorragenden Beobachter des Himmels. Tycho kannte den Himmel so gut, dass ihm am Abend des 11. November 1572 die Supernova im Sternbild Kassiopeia auffiel. Er prägte auch den Begriff der „Stella Nova“, da er sie für einen neuen Stern hielt. Von da an war klar, dass die Fixsterne gar nicht so unveränderlich sind wie immer angenommen.
Tycho hatte auch eine leichte Einschränkung. Er verlor in einem Duell seine Nase und trug deshalb eine metallene Nasenprothese.
Der Podcast Radiowissen des Bayrischen Rundfunk hat gestern zu ehren des 450 Geburtstages von Johannes Kepler eine sehr schöne Sendung veröffentlicht, die sehr gut zusammenfasst, was Keplers Leistungen waren.
Ihr könnt sie hier herunterladen und anhören.
Ich erwähnte schon oben, dass Keplers Mutter nur knapp einem Hexenprozess entrinnen konnte. Johannes Kepler setzte sich mit all seinen Netzwerken für sie zum Glück erfolgreich ein.
Wer sich für diese Geschichte interessiert, findet hier mehr Informationen.
Wir hatten im Adventskalender in Türchen 21 erfahren, wie er trotz der Tatsache, dass er völlig mittellos war, seinem Unterstützer ein Geschenk machen konnte, dass die Mathematiker noch über vierhundert Jahre beschäftigen sollte. Alles über deren Kopfzerbrechen, über Schneeflocken und gestapelte Orangen findet ihr in diesem Artikel.
In Türchen 22 konnten wir uns einen akustischen Eindruck davon machen, wie Johannes Kepler sich das vorstellte, dass alle Bahnen der Planeten harmonisch musikalischen Gesetzen gehorchen sollten.
Nicht zuletzt war Kepler ein großartiger Vordenker, was die Reise zum Mond betraf.
Vor langer Zeit schrieb ich über diese Keplersche Mondfahrt.
Wünschen wir Johannes Kepler alles gute. Sein Lebenswerk ist bis zum heutigen Tag unverzichtbar in Raumfahrt und Weltraumforschung.

Grund zum Feiern – der einhundertundfünfzigste Artikel auf Blindnerd


Seid herzlich gegrüßt,

Prolog

heute feiern wir den 150sten, in Worten, den einhundertfünfzigsten Artikel auf Blindnerd. Den hundertsten Artikel feierten wir letztes Jahr im Lockdown1.
Was soll man da für ein Thema nehmen, dass etwas festlich ist und der Sache irgendwie gerecht wird.
Zum einhundertsten Artikel beschrieb ich euch, wie ich in die Schreibsucht geraten bin und bot euch einige Artikel aus allen Kategorien des Blogs zur Abstimmung an. Leider hat das offenbar obwohl ein Preis hätte winken sollen, nicht bei euch eingeschlagen. Wen wundert es. Wir hatten alle mit dem Lockdown zu kämpfen und damit andere Dinge im Kopf. Ich für meinen Teil kann sagen, dass die Astronomie und dieser Blog oft das einzige waren, was mich durch die Einsamkeit der Lockdowns trug. Keinem hat diese Zeit so gut getan, wie meinem Blog. 56 Artikel sind seit dem Ausbruch der Pandemie entstanden.
Nun aber genug der düsteren Zeiten. Wir wollen doch feiern…

Lasst uns einen Rückblick wagen auf das, was seit dem hundertsten Artikel hier auf Blindnerd.de so los war.

Die letzten Fünfzig

An den letzten Artikel, die Einhundertneunundvierzig, erinnern sich bestimmt noch viele. Wir begaben uns auf Entdeckungsreise zu den Monden des Uranus und wie die Protagonisten aus Williams Shakespeares Stücken als Namensgeber der sehr zahlreichen Saturnmonde her halten mussten. Also ich fand die Geschichte sehr spannend und aufregend.
———
Davor hielt mich fast ein halbes Jahr ein Projekt in Atem. Ihr wisst schon. Die Reise zu den schwarzen Löchern. Hier wurde aus einem etwa dreistündigen Vortrag eine elfteilige Serie. Von Archimedes über Johannes Kepler, Isaac Newton, Cavendish und anderen bis hin zu Albert Einstein durchliefen wir alle Stationen, wie die Gravitation entdeckt, Masse und Volumina zusammen hängen, mit welcher Kraft die Erde alles anzieht, wir wogen den Mond, die Erde und andere Himmelskörper. Nach und nach lernten wir über Einstein, Eigenschaften des Lichtes und des Vakuums dann die heimliche Herrscherin über Raum und Zeit kennen, die Gravitation, die schwächste der vier Grundkräfte des momentan gültigen Standardmodells der Physik. Am Ende mussten wir uns mit sterbenden Sternen beschäftigen, wie sie zu weißen Zwergen, zu Neutronensternen oder gar als schwarze Löcher enden können. Diese untersuchten wir genauer, denn sie waren das Ziel dieser Reise. Nie hätte ich erwartet, dass diese Serie so umfangreich würde, so dass ich eventuell in Betracht ziehe, daraus ein Büchlein zu schreiben. Der Anfang hierzu ist gemacht. Wir werden sehen, wie das sich entwickelt und anläuft. Euch danke ich, dass ihr beim Lesen dieser Serie mehr oder weniger durchgehalten habt, denn an manchen Stellen ging es leider nicht ohne Mathematik und sprengte auch sonst das ein oder andere mal die Vorstellungskraft unserer Spezies.
Ich habe für diese Serie extra eine weitere Kategorie auf dem Blog eingeführt, so dass die betreffenden Artikel besser gefiltert werden können, wenn man nach ihnen sucht.
Sie heißt Den Schwarzen Löchern entgegen.
———
Unterbrochen wurde die Serie lediglich durch ein astronomisches Ereignis, welches ich nicht unerwähnt gelassen haben wollte. Es ging um die ringförmige Sonnenfinsternis vom 10.06.2020.
———
Ein wichtiges Anwendungsgebiet der Astronomie ist die Navigation auf hoher See. Den Breitengrad konnte man anhand der Sonne, des Horizonts und des Mondes einigermaßen mit Sextanten als Instrument bestimmen. Für den Längengrad brauchte man genaue Uhren. Wir beschäftigten uns also mit der berühmteste Schiffsuhr, deren Erfinders und dessen tragischen Lebens.
———-
Vor allem von blinden Menschen wurde und werde ich immer mal wieder darüber befragt, wie es sich denn genau mit Tag und Nacht verhält, ab wann die Sterne zu sehen sind und wie sie wieder verschwinden. Somit griff ich die Frage einer guten Freundin auf und wir taten die Reise durch den
Verlauf von Tag und Nacht.
———–
Wer länger schon hier mitliest weiß, dass ich in meinen Artikeln auch immer wieder den Jahreslauf mit seinen astronomischen Ereignissen und natürlich seinen Feiertagen aufgreife. „Querbeet durch das Jahr“ meinte einmal mein alter Freund und Chorleiter zu mir, wäre ein schönes Motto und ein schöner Inhalt für ein weiteres Buch. Vielleicht wird da mal etwas daraus. Wer weiß. Auf jeden Fall tastete ich mich diesmal ganz anders an Ostern heran, denn den Frühlingsanfang und wie sich daraus Ostern ableitet, hatte ich schon früher ausführlich beschrieben. Diesmal ging es im Zeichen von „Respekt und Toleranz um andere Religionsgemeinschaften, insbesondere um deren Fastenzeiten und was die Astronomie damit zu tun hat. In Zeiten von Querdenkern und Polarisierung sind solche Zeichen wichtig.
———-
Wie Sonnwend abläuft hatte ich auch längst schon abgearbeitet, aber nicht, wie der Sonnenlauf als ganzes funktioniert und welche Figur die Sonne im Laufe eines Jahres an den Himmel zeichnet. All das schilderte ich zur
Der Jahreslauf unserer Sonne.
———–
Was ich mir auch in jedem Jahr nicht nehmen lasse ist, den Weltfrauentag am 08.03. zu würdigen. Noch immer sind Frauen in vielen Belangen und ganz besonders in naturwissenschaftlichen Fächern unterrepräsentiert und benachteiligt. Deshalb widmeten wir uns 2021 der im Schatten ihres berühmten Astronomen Tycho Brahe stehenden Schwester, die unerkannt eine große Himmelskundlerin war.
Zu diesem Artikel geht es bitte hier lang.
———–
Bis dato wusste ich überhaupt nicht, dass es am 10.02. eines jeden Jahres den „Women Science Day“ gibt. Da ich für mehr Frauen in der Wissenschaft brenne, würdigte ich an diesem Tag die ersten Astronautinnen im All.
———–
Und nun stand Weihnachten 2020 vor der Tür. Zu dieser Gelegenheit erhielt ich von meinem geliebten Freund, Chorleiter und Mentor ein unglaublich schönes und astronomisches Weihnachtsgeschenk, eine taktile Sternenkarte.
Sie war in der tat mein schönstes Weihnachtsgeschenk 2020.
———–
Selbstverständlich durfte mein obligatorischer Jahresrückblick 2020 zu meinen Veranstaltungen zum Jahreswechsel ebenfalls nicht fehlen.
————
Immer und immer wieder stellt sich die Frage zur Weihnachtszeit, was denn der Stern von Bethlehem genau gewesen sein könnte. Mitte Dezember 2020 trat ein recht seltenes Astronomisches Ereignis auf, das ein guter Kandidat für diesen Stern abgeben könnte.
Diesen Kandidaten könnt ihr hier kennenlernen.
———–
Die Vorweihnachtszeit hat sehr viel mit Lichtern und auch mit Sternen zu tun. Außerdem empfängt man, zwar nicht in 2020, Gäste und wird auch selbst eingeladen. Auch am Himmelszelt erscheinen dann und wann Sterne, also Himmelsgäste, wo eigentlich keine hin gehören.
Einige dieser Himmelsgäste könnt ihr hier antreffen.
————
Der letzte Sonntag des Kirchenjahres vor dem ersten Advent ist der Totensonntag. Leider hatte ich in dieser Zeit tatsächlich einen Wegbegleiter, ein Vorbild, einen großartigen Autoren und einen wunderbaren Professor verloren. Rudolf Kippenhahn und seine Bücher waren mir stets ein Wegbereiter und begleiten mich bis heute über dreieinhalb Jahrzehnte hindurch.
Würdigen wir ihn erneut in diesem, meinem Nachruf.
———–
Nun verlassen wir die Chronologie der Artikel etwas, weil ich eine Serie, auf die ich später noch zu sprechen komme, dafür unterbrechen musste.

Obwohl ich nicht wollte, ließ ich mich kurz vor Lockdown2 dazu breit schlagen, einen Corona-Report zu schreiben. Das tat ich dann, aber den lesen wir heute zur Feier des Tages besser nicht, aber er ist für die Historie wichtig.
———–
Lesenswerter für den Moment dürfte da mein Artikel zu Halloween sein. Immerhin hatten wir an Halloween 2020 sogar Vollmond, so dass alle Werwölfe pünktlich zum Gruselfest verwandelt waren und ihr Unwesen trieben.
Zum Gruselfest bitte hier lang.
———–
Jetzt wird es schwierig, die weitere Reihenfolge der Artikel einzuhalten, denn ich begann quasi zwei Serien parallel, von denen ich mal die eine, und mal die andere mit Artikeln bediente und noch bedienen werde, denn beide Serien verlangen noch nach weiteren Artikeln.

Mein verehrter Professor Rudolf Kippenhahn war ein großer Erforscher der Sonne. Somit war es gut und recht, eine Serie über die Sonne zu beginnen. Alle Sonnen-Artikel sind in der Kategorie Der Sonne entgegen zu finden.

Ein Schlüsselerlebnis wieso ich im Herzen Astronom wurde, waren Kometen. Wer mein Buch gelesen hat weiß, wie fasziniert ich 1986 am Fernseher verfolgte, als die Raumsonde Giotto durch den Schweif des Halleyschen Kometen flog. Die Nachfolgemission Rosetta ist ebenfalls so ein Meilenstein auf meinem Weg, der hier erwähnt werden muss. Ich schrieb über diese Mission an anderer Stelle.
Grund genug also eine Serie über Kometen zu beginnen. Sechs Kometengeschichten befinden sich bereits momentan in der Kategorie
Kometen.
————
Nun befinden wir uns zeitlich Anfang Juli 2020. Ich meine, dass da die Frage durch Twitter zischte, wie viele Freitage der dreizehnte es eigentlich so gibt. Interessant dachte ich. Ich bin zwar nicht abergläubisch, aber das brachte uns direkt über unseren Ggregorianischen Kalender mit der Astronomie in Verbindung. So griff ich das Thema auf, suchte etwas herum und verarbeitete das gefundene in meinen Gedanken zu Freitag, 13..
————
Viele von uns haben sicher in diesen Zeiten mehr als vorher sich dann und wann mit Pizza ernährt. Pizza gibt es auch im Weltraum.
Schon seit dreißig Jahren fliegt die internationale Raumstation über unseren köpfen in 400 km Höhe hinweg. Das ist schon ein technisches Wunder, dass diese komplexe Maschine den Gefahren des Weltalls bisher immer trotzte. Die Hauptgefahr sind harte Teilchen, kleinste Asteroiden oder Weltraummüll. Um die Raumstation davor zu schützen, packt man sie in eine gedachte Pizzaschachtel. Nähert sich ein Teilchen dieser gedachten Box, dann wird die Raumstation angehoben, so dass das Teilchen an ihr vorbei fliegt.
Das Raumschiff in der Pizzaschachtel erzählt von der astronomischen Verbindung zu diesem wunderbaren Italienischen Essen.
Übrigens hat Italien das durchaus verdient, weil Italien eine großartige astonomische Tradition besitzt.
———–
Ich weiß jetzt nicht mehr genau wann, wie und wo.
Es gab wohl Mitte 2020 eine Sonnenfinsternis. Da ich Finsternisse schon beschrieb, näherte ich mich ihnen diesmal Literarisch. Kindererinnerungen werden wach, wenn man die Namen der Autoren liest, um welche es in Dieser Abhandlung geht.
————
An dieser Stelle wurde es Zeit, eine weitere Serie oder Kategorie einzuführen. In „Dem Mond entgegen“ sammle ich alle Artikel, die zum Thema Mond und dessen Erforschung entstanden und noch entstehen werden. So meine Abhandlung zum Thema „Hat der Mond Einfluss auf uns Menschen“.
———-
Besonders von Kindern bekomme ich immer wieder ganz interessante und spannende Fragen gestellt. So schrieb ich nachdem ich von einem virtuellen Kindergeburtstag zurück kam, auf welchem ich als Gast vortragen durfte, einen Artikel über die wunderschöne Kinderfrage:
Wie sieht der Himmel woanders aus“.
———–
Passend zu dieser Himmelsfrage stellte ich ein romantisches Plätzchen in unserem Sonnensystem, genauer auf dem Merkur vor. Wäre es dort nicht so unvorstellbar heiß, dann wäre dieses Liebesnest vielleicht von Weltraumtouristen überlaufen. Wer diese Liebeslaube kennenlernen möchte, bitte hier lang.
———-
Apropos Weltraumtourismus und Liebeslaube. Wer so wo hin möchte, wird nicht zu Fuß unterwegs sein. Man braucht schon einen Parkplatz für sein Weltraum-Gefährt.
Parken im all sagt ihr ginge nicht? Dann lest mal hier, wie und wo man im All parken kann.
———–
Der Sonntag des Gesanges, Kantate, fiel bekanntlicher Weise im Jahre 2020 ganz besonders anders aus. Dem wollte ich mit meinen Sonnengesängen unbedingt etwas freudiges entgegen halten.
———–
Neben weiteren Sonnen-Artikeln erschien zum Tag der Arbeit, 01.05.2020 einer, der es tatsächlich fertig bringt, die Astronomie mit der Arbeiterbewegung zu verbinden.
Er heißt „ein Stern der Arbeiterbewegung“.

Epilog

und damit sind wir am Ende unserer kleinen Feier, die hoffentlich nicht als Bauchpinselei meinerseitz empfunden wurde. Was mir auf dieser Feier besonders gefallen hat. Man sieht wieder mal sehr genau, wie vielfältig die Astronomie ist. Es ist möglich, sich ihr auf so unterschiedliche Weisen zu nähern, dass ganz viele verschiedene Zugänge entstehen.
Nicht jeder Zugang ist für jeden Menschen geeignet, wie beispielsweise das Teleskop für mich nicht, aber es gibt einen Zugang für jeden Menschen. Das ist meine tiefste überzeugung. Diese wird stets durch weitere Artikel, Vorträge und alles, was ich so mache, rundum erneuert und bestärkt.
Der Himmel ist für alle da.

Nun hoffe ich, dass ihr mir für weitere fünfzig Artikel gewogen bleibt.

Gratulationen, Glückwünsche, oder, was ich natürlich nicht offe, eine Äußerung in die Richtung, dass ich endlich mal wieder mit diesem Astrokram aufhören sollte, sind in den Kommentaren gerne gesehen. Gerne dürft ihr natürlich auch in euren Kreisen Werbung für diesen Blog machen, wenn es dafür auch keine neue Waschmaschine geben wird…

Zum Vollmond an Halloween 2020


Liebe Leser*innen,

heute möchte ich euch einen weiteren Zyklus am Himmel vorstellen. Ich wurde auf ihn aufmerksam, als 2015 der Vollmond auf den 24.12., Heilig Abend, fiel. Ich war neugierig, wie oft sich das wiederholt und forschte nach.

Heute ist zwar kein Heilig Abend, aber der Vollmond fällt auf Halloween. Halloween, wo alle sich verkleiden und alle Geister Hochkonjunktur haben hat in so fern mit dem Mond zu tun, dass dieser durch alle Kulturen hindurch entweder von Göttern bevölkert, aber auch als Auslöser für Böses und Gruseliges steht.
Außerdem ist dieser Vollmond heute ein Bluemoon. Hat ein Monat, wie in diesem Fall der Oktober 31 Tage, und fällt der Vollmond direkt z. B. auf den 01.10., dann fällt ungefähr 29 Tage später ein zweiter Vollmond in den selben Monat. Wir haben also einen Monat mit zwei Vollmonden. Diesen zweiten Vollmond nennt man dann den blauen Mond…
Und noch etwas ist an diesem Halloween-Vollmond 2020 besonders. Wir hatten hier an anderer Stelle schon häufiger den sog. Supermond erwähnt. Das ist ein Vollmond, der dann stattfindet, wenn sich der Mond auf seiner Bahn am erdnächsten Punkt befindet. Weil der Mond uns dann um etwa 13 % größer erscheint, was mit bloßem Auge niemand sehen kann, nennt man diesen „Riesenmond“ einfach Supermond. Wir haben heute aber das Gegenteil von Supermond, „Minimond“ oder „Sub Moon“. Der Mond befindet sich heute auf seinem erdfernsten punkt auf seiner Bahn, dem Apogäum. Das soll uns aber nicht stören. Seine Wirkung auf Halloween-Geister wird er trotzdem haben..

Findet ihr nicht auch, dass ein Vollmond an Halloween, der gleichzeitig noch ein Bluemoon und ein „Minimond“ ist, ein guter Grund ist, sich mal darüber Gedanken zu machen, wie oft ein bestimmtes Datum, kann auch euer Geburtstag sein, auf einen Vollmond fällt?
Ich finde schon, und außerdem kann ich dann endlich meinen Text zum Weihnachtsvollmond 2015, als es diesen Blog noch nicht gab hervor kramen, ihn geschwind umschreiben und euch schenken.

Es wurde schon bei den alten Griechen ein Zyklus gefunden, ab welchem z. B. der Vollmond wieder auf einen bestimmten Tag des Jahreslaufes fällt. Da diese Regelmäßigkeit mehrere hundert Jahre vor Christus gefunden wurde, suchte der Grieche Meton sicherlich nicht danach, wann der Vollmond wieder auf Halloween fallen würde.
Welches Jahresereignis des damals gültigen Kalenders hier mit dem Vollmond in Verbindung gebracht wurde, ist mir nicht bekannt, die Literatur geht von einer Sonnenwende aus. Muss auch gar nicht, denn man kann diesen Zyklus auf jeden beliebigen Tag des Jahres anwenden, z. B. gehorcht dem Zyklus auch die Frage, wann denn mal wieder Vollmond am Neujahrstag sein wird, oder meinetwegen auch am Tag der Deutschen Einheit.
In einem alten Griechischen Text wird erwähnt:

Diodor schreibt, dass Meton im gleichen Jahr, als Apseudes in Athen das Amt des Archon eponymos bekleidete, auf den 13. Tag des Monats Skirophorion den Beginn seines berechneten neunzehnjährigen Kalendersystems legte.

Dieser Monat war der letzte des vierten Jahres der 86. Olympiade, das von 433 bis 432 v. Chr. reichte. Claudius Ptolemäus bemerkte, dass Meton und Euktemon in diesem Zusammenhang die Sommersonnenwende im Jahre 432 v. Chr. beobachteten. Im gleichen Text gibt er als Tag dafür den 21. Phamenoth im ägyptischen Kalender an. Dieser ist im julianischen Kalender der 27. Juni (22. Juni im gregorianischen Kalender) und gilt auch aus heutiger Sicht als verlässliches Datum für die Sommersonnenwende im Jahre 432 v. Chr.

Auf jeden Fall ist dieser Zyklus immer eine gute Möglichkeit, den Mondkalender mit dem Sonnenjahr neu in Übereinstimmung zu bringen. Man darf sich hier von den verschiedenen Kalendern und den anderen Monatsnamen nicht ins Bochshorn jagen lassen, denn es ist leicht verwirrend.
Dieser Zyklus wiederholt sich alle 19 Jahre. Das bedeutet, dass wir im Jahre 2039 wahrscheinlich wieder einen Halloween- und im Jahre 2034 einen Weihnachtsvollmond haben werden.
Wahrscheinlich sage ich deshalb, weil durch Schalttage etc. der Zyklus auch mal 38 Jahre, also das doppelte, betragen kann.
Bei der Bestimmung des jährlich im julianischen (heute im gregorianischen) Kalender anderen Oster-Termins spielt die 19-Jahre-Periode eine wesentliche Rolle.
Die Mathematik dazu erspare ich uns jetzt. Wer es genauer wissen möchte, kann bei
Wikipedia hervorragend seinen Wissensdurst stillen. Hab ich auch so gemacht.

Und jetzt lade ich euch ein, euch diesen Zyklus sogar akustisch vorzustellen.
Starten wir heute, an Halloween 2020 ein Glockengeläut mit zwei Glocken, von denen die eine immer wieder am 31.10. eines jeden Jahres und die andere immer bei Vollmond erklingt.
Dann wird die rasche Vollmondglocke ungefähr alle 29 Tage erklingen und die Halloween-glocke immer am 31.10. eines jeden Jahres. Die sich zwischen durch ergebenden Fehltöne durch Schalttage, lassen wir hier außen vor, da das sich immer wieder alle vier Jahre korrigiert.
Nun werden sich die beiden Glocken am 31.10.. um einige Tage darum verschieben, wie man das Phänomen hören kann, wenn kleine und große Kirchenglocken sich klanglich zeitlich voneinander entfernen, sich dann wieder annähern und plötzlich mal wieder einen Schlag gemeinsam tun dürfen.
Das geschieht nun im Meto-Zyklus alle 19 Jahre.
Für unser Beispiel bedeutet das, dass die Vollmond-Glocke und die Halloween-Glocke heute ihren gemeinsamen Schlag getan haben und den nächsten 2039 tun werden, spätestens aber 2058.

Wäre mal spannend, wie lange die Seile sein müssten, an welchen diese Glocken hängen, bzw. wie hoch der Glockenturm. Ob der dann schon zum Mond reichte? Diese Pendel-Berechnungen sind bei mir verdammt lang her, dass ich das gelernt habe, aber vielleicht mag ja von euch das mal jemand versuchen. Es wäre ein Juvel in unseren Kommentaren…

Wem das Hörbeispiel hier zu abstrakt erscheint, kann es täglich ausprobieren. Hört einfach mal auf zwei Glocken eines Geläutes und beachtet die anderen dabei nicht. Nehmt die höchste und die tiefste Glocke, dann versteht ihr, was ich meine.

Und hier noch ein akustisches Beispiel:
Kann sich jemand von euch noch an die schönen alten Tick-Tack-Wecker erinnern, die man aufziehen musste?
Wenn man sie auseinander baute, und selbstverständlich nimmermehr wieder ans laufen brachte, dann blieben einem immerhin schöne Zahnräder als Kreisel, die Federn und das leuchtende Ziffernblatt.
Ich war stets fasziniert davon, wie die beiden Wecker auf den Nachttischen meiner Eltern gegeneinander tickten, wie der Abstand zwischen ihnen immer größer wurde, dann wieder kleiner und schließlich hatten die Wecker immer wieder mal ein oder zwei aufeinander folgende Ticks gemeinsam, um sich dann wieder voneinander zu entfernen.
Man stelle sich vor. Ich im „Gräble“ zwischen Mama und Papa höre diese Wecker. Schön, nicht wahr?

Und mit diesem weiteren akustischen Beispiel endet mein heutiger Artikel zum Halloween-Vollmond.

Mensch und Mond – Hat der Mond Einfluss auf uns Menschen?


Liebe Leserinnen und Leser,

jeder von uns kennt jemanden, der sein Leben in der ein oder anderen Weise am Mond ausrichtet. Manche schlafen schlecht bei Vollmond, andere pflanzen, sähen und ernten nur bei zunehmendem oder abnehmendem Mond, manche schneiden die Haare nach dem Mond und wieder andere putzen ihre Fenster nach ihm. Vielleicht richtet sich ja von euch auch jemand in irgend einer Weise nach dem Mond, oder hat Erfahrungen mit ihm gemacht, z. B. schlecht Schlafen bei Vollmond, oder so. Es geht mir in diesem Artikel ganz gewiss nicht darum, euch davon zu überzeugen, dass der Mond keinen Einfluss auf den Menschen hat. Dazu kenne ich viel zu viele sehr realistisch und wissenschaftlich denkende Menschen, die mir von ihren Erfahrungen berichteten. So sagte mir vor vielen Jahren beispielsweise unser Trainer, dass er sehen könne, wenn Vollmond ist, an der Art, wie wir spielen. Er meinte, dass wir härter spielten, wenn Turniere zufällig auf einen Vollmond fielen. Er ist ein Mensch, der absolut nicht esoterisch unterwegs ist. Selbiges gilt auch für meine Großeltern. Meine Oma richtete ihre Gartenarbeit zumindest ansatzweise nach dem Mond aus. Neulich unterhielt ich mich mit einem sehr alten und erfahrenen Förster und Landwirt, der mir von seinem Mondholz erzählte. Es wird um Weihnachten herum bei abnehmendem Mond geschlagen und soll resistenter gegen Schädlinge sein, bessere Brennwerte und auch sonst bessere Eigenschaften haben. Auch dieser Mensch ist ein sehr bodenständiger Mann und ein hervorragender Beobachter von Wetter, Sternen, Mond und Natur.

Wissenschaftlich ist scheinbar all diesen Phänomenen nicht bei zu kommen. Deshalb bleibt mir in diesem Artikel nur, das zusammen zu tragen, was die Wissenschaft über die Wechselwirkung des Mondes und über unsere Beziehung zum Mond zu sagen hat. Ich selbst fühle und sehe den Mond nicht. Dennoch kenne ich so viele glaubwürdige Menschen, die irgendwie Monderfahrung machten und machen. Was dran ist, weiß ich nicht, aber ich habe keinen Grund und kein Recht, ihre Erfahrungen in Abrede zu stellen, oder sie für dumm oder abergläubisch zu erklären. Belassen wir es also in diesem Artikel vielleicht bei der Tatsache, dass es viele Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir wissenschaftlich noch nicht begriffen haben und dass,was ein Mensch fühlt und erlebt, ein anderer bezogen auf den Mond nicht unbedingt auch erleben kann oder soll.
Also, nun zur Wissenschaft:

Verbrechen und Selbstmorde bei Vollmond

Immer wieder hört man, dass bei Vollmond die Selbstmordrate und die Anzahl der Verbrechen steigen würde. Dass viele nicht schlafen können, sagte ich schon. Es lohnt sich also, der Frage nachzugehen, ob es nicht vielleicht doch eine rationale Erklärung für die scheinbar periodischen Verhaltensänderungen der Menschen geben könnte. Zunächst mal gehe ich davon aus, dass niemand wirklich glaubt, dass das Mondlicht dem Menschen etwas böses antun kann. Da ist die Sonne mit ihrer Strahlung deutlich gefährlicher. Niemand bekommt im Mondlicht einen „Mondbrand“ auf der Haut und Hautkrebs löst dieses schwache und wunderbare Licht sicher auch nicht aus. Mondlicht ist ja sowieso vom Mond reflektiertes Sonnenlicht, das lediglich etwas polarisiert ist. Somit handelt es sich zumindest für Sonnenanbeter um etwas durchaus vertrautes. Bemerkenswert ist an dieser Stelle, dass die seltsamen Geschehnisse nur bei Vollmond passieren und nur genau in der Vollmondnacht. Das ist seltsam, weil der Mond doch schon ein zwei Nächte vor Vollmond und danach sehr hell ist. Sollte es dann nicht so sein, dass beispielsweise die Verbrechen langsam schon wenige Tage vor Vollmond ansteigen, und wenige Tage nach ihm, wieder sinken? Nein, nur an Vollmond steigt die Rate. Das Argument, die Nacht sei gerade bei Vollmond besonders hell, was zu vermehrter Aktivität, also auch zu mehr Verbrechen führe, ist somit wegen des obigen Argumentes schon hinfällig. Die nächte sind davor oder danach ganz ähnlich hell. Allerdings kenne ich schon auch Menschen, die genau das sagen, dass sie nicht nur bei Vollmond, sondern auch einige Nächte um Vollmond herum schlecht schlafen. Man kann sich natürlich an dieser Stelle auch fragen, ob die scheinbare Wirkung des Mondlichts auch bei bedecktem Himmel oder hinter verschlossenen Läden funktioniert. Nicht zuletzt sollte das Licht unserer Städte eine weitaus größere Wirkung auf uns Menschen haben. Wäre dem so, dann würde man endlich entschiedener und konsequenter gegen die zunehmende Lichtverschmutzung unseres Nachthimmels vorgehen.
Zum Licht wäre noch zu sagen, dass die Menschheit vor 1901 die ultraviolette Strahlung der Sonne noch nicht kannte, und dennoch einen Sonnenbrand bekommen konnte. Vor dieser Entdeckung wussten die Menschen sicherlich, dass man einen Sonnenbrand bekommt, wenn man sich zu lange in ihrem Licht aufhält, ohne die Haut zu bedecken, aber dass es das Sonnenlicht direkt ist, konnte man nur vermuten. Wahrscheinlicher ist an dieser Stelle, dass die Menschen den Sonnenbrand wohl eher ihrer Hitze zuschrieben, als ihrem Licht. In so fern ist es möglich, dass es wie heute beim Mond Menschen gegeben haben mag, die sagten, das Sonnenlicht würde den Sonnenbrand verursachen und andere, die meinten, dass das nicht sein könne, weil bei anderem Licht die Haut schließlich auch nicht verbrenne.
Abschließend ist zum Licht noch anzumerken, dass es nur „Licht“ gibt. Mondlicht ist physikalisch reflektiertes Sonnenlicht…
Wie auch immer. Ich habe die Verbrechens-Statistik nicht studiert. Somit kann es durchaus sein, dass die Rate vor Vollmond langsam zu nimmt und danach wieder langsam abfällt. Ich persönlich bezweifle das zwar, aber lassen wir es mal dabei und sehen weiter.

Fernwirkung des Mondes

Wenn es also möglicherweise nicht das Mondlicht ist, das Menschen bei Vollmond zu Werwölfen macht, dann muss es etwas sein, das subtilerer Art als das Mondlicht ist und auch durch Wolken wirkt. Und ja, da gibt es tatsächlich etwas, das vom Mond her auf die Erde und uns Menschen wirkt und durch alle Wolken und sonstigen Barrieren hindurch geht. Es ist seine Gravitation. Jeder weiß, dass sie für Flut und Ebbe, für die Gezeiten verantwortlich ist. Da die Erde sich unter dem Mond hindurch dreht, wandert die Flut entgegen der Drehrichtung. Ein Wasserberg befindet sich stets ungefähr unter dem Mond und ein weiterer auf der gegenüberliegenden Seite der Erde. Ebbe und Flut hängen auch von der Stellung von Mond und Sonne ab, da auch die Sonne natürlich eine Gravitation auf die Erde ausübt und somit können sich beide Kräfte, die von Sonne und Mond, addieren oder subtrahieren. Bei ersterem kommt es zu Springfluten. Wie die Gezeiten im einzelnen funktionieren, erspare ich uns an dieser Stelle, denn der Artikel wird ohne hin schon etwas länglich werden.

Die Gezeiten sind an den Stränden unserer Weltmeere zu erkennen. Der Mond wirkt also auf riesige Mengen von Salzwasser. Der Mensch besteht auch zu über 70 % aus Salzwasser. Da kann man sich schon die Frage stellen, ob der Mond vielleicht nicht auch „Gezeiten“ in unserem Körper bewirkt. Es könnte doch sein, dass in uns auch eine kleine Ebbe oder Flut stattfindet, die dann unser Verhalten und Leben beeinflussen.

Allerdings erreichen die Gezeiten auch bei Neumond ihren Höchststand. Dann sollten sich die Menschen vielleicht doch auch bei Neumond zumindest tagsüber merkwürdig verhalten, denn nachts gibt es bei Neumond bekanntlich kein Mondlicht. Es wird aber immer nur vom Vollmond gesprochen.

Lasst uns ungeachtet dessen trotzdem mal erforschen, welche Wirkung die Gezeiten auf den menschlichen Körper aus physikalischer Sicht haben.
Die Gezeiten werden durch die Anziehung von Mond und Erde auf der ganzen Welt, also auch in uns im Laufe des Tages hervorgerufen. Die Stärke der Anziehung ist proportional abhängig vom Quadrat des Abstandes, in unserer Betrachtung vom Abstand Erde-Mond. Das bedeutet, dass wenn der Mond doppelt so weit von der Erde entfernt wäre, würde nur noch ein viertel der jetzigen Gravitation wirken. Dann wären auch die Gezeiten deutlich schwächer.
Für die Erde bedeutet das, dass sie der Gravitation des Mondes auf der ihr zugewandten Seite stärker ausgesetzt ist, als die gegenüber liegende. Die Erde hat immerhin einen Durchmesser von etwa 12700 km. Da wirkt sich das im Vergleich Erde-Mond-Abstand von ungefähr 350.000 km schon aus.
Die Erde wird quasi in die Länge gezogen, so dass auf beiden Seiten eine Ausbuchtung entsteht.
Da das Wasser das beweglichste sichtbare Medium auf Erden ist, sehen wir diese Beulen anhand der Flutberge. Es gibt sie auch in der Atmosphäre und sogar das Land hebt und senkt sich nach den Gezeiten. Die Erde wird quasi durchgeknetet, weil sie sich unter dem Mond hindurch dreht. Werden wir auch durchgewalgt, wie ein Teig?

Nehmen wir für die folgende Überlegung einen Menschen von 1,8 m Größe an, der unter dem Mond steht. Seine füße werden somit um eins geteilt durch (Erd-Mondabstand) zum Quadrat weniger vom Mond angezogen als sein Kopf. Der wird um (Erd-Mondabstand minus Körperlänge) zum Quadrat mehr vom Mond angezogen. Die Erde ist über sieben Millionen mal dicker als der Mensch. Wir kommen somit zum Ergebnis, dass die Gezeitenwirkung auf einen Menschen nur ein Fünfzigstel Trillionstel mal so stark ist, wie die, welche für die Dehnung der Erde sorgt.

Bezieht man nun die Erdmasse, die Mondmasse und die Gravitationskonstante mit in die Rechnung ein, so wird aus dem Bruch der Rechnung eine Kraft. Das erspare ich uns jetzt. Auf jeden Fall ist sicher, dass diese Gezeitenkraft extrem winzig ist. Sie reicht sicher nicht aus, um uns zu beeinflussen.
Wer mag, kann das ja mal nachrechnen und das Ergebnis in die Kommentare dieses Artikels posten. Ganz ehrlich. Ich müsste jetzt auch kurz in die Newtonschen Gravitationsgleichungen schauen. Ich erinnere mich aber, dass wir derlei in meinem Fall vor ungefähr 35 Jahren mal im Physikunterricht berechnen mussten. Ich erinnere mich auch noch, dass ich 15 Punkte für diese Physikarbeit bekam. Da ich kein Genie in Mathe bin, kann ich sagen, dass die Berechnung machbar ist. Also, ran ans Werk.

Welch ein Jammer. Das Mondlicht und die Gravitation scheinen also aus wissenschaftlicher Sicht für die Mondfühligkeit und der damit einher gehenden Verhaltensänderungen der Menschen auszuscheiden. Was ist es denn dann?

Die Innere Uhr

Kann es vielleicht sein, dass uns die Evolution eine innere Uhr für den Vollmond mitgegeben hat?

Ich kenne niemanden, der nach Gefühl den Vollmond ansagen kann. Da ich mich viel unter blinden und sehr sensiblen Menschen bewege, sollte mir, wenn es diesen Sensor gäbe, mindestens schon ein Mensch begegnet sein, der den Mond ansagen hätte können. Ich wähle meine blinden Mitmenschen, weil damit die visuelle Wahrnehmung ausgeschlossen ist. Das ist für unsere wissenschaftlichen Betrachtungen äußerst wichtig, damit man sich nicht auf den Sehsinn zurück ziehen kann. Selbst Menschen, die am Meer leben, können Ebbe und Flut ohne Sichtkontakt zur See und ohne Kalender nicht exakt voraussagen. Man könnte erwägen, dass die Evolution uns dennoch einen Mondsensor mitgegeben hat. Sicher ist es so, dass der Mond für die Urmenschen eine wichtige Rolle spielte. Konnte man doch in seinem Licht Früchte sammeln und nachts jagen. Außerdem konnte man eventuell die Dunkelheit bei Neumond für nächtliche überraschende Angriffe nutzen. Am Wasser lebende Menschen könnten eventuell ein Gefühl für Ebbe und Flut ausgebildet haben. Schließlich besitzen wir ja auch noch das Ende unserer Wirbelsäule, was einst ein Schwanz war und den Wurmfortsatz (Blinddarm), den wir schon seit Millionen von Jahren nicht mehr benutzen. Wieso sollte uns dann nicht auch ein Sonnen- oder Mondsensor geblieben sein, obwohl unser Leben heutzutage von ganz anderen Zyklen getaktet werden?

Eine Tatsache ist, dass für ein Leben nach Sonne und Mond der Sehsinn ausreichen sollte, was ein derartiges evolutionäres Überbleibsel einer Sonnen- oder Monduhr in Form eines Organs vermutlich unnötig macht, und dass sich derlei je entwickelt haben soll.
Es braucht wahrscheinlich kein spezielles Organ zur Mondfühlung. Gegen solch eine innere „Monduhr“ spricht auch, dass die Evolution dem Menschen nicht mal eine innere Sonnenuhr verpasst hat. Dabei ist der Tag-Nacht-Rhythmus doch viel entscheidender für uns, als der Lauf des Mondes bei Nacht. Es ist wissenschaftlich hervorragend belegt, dass die biologische Uhr des Menschen auseinander driftet und vom Tag-Nacht-Rhythmus abweicht, wenn man Menschen ständiger Helligkeit oder Dunkelheit aussetzt. Bei manchen läuft die innere biologische Uhr etwas länger als ein Tag, bei anderen etwas kürzer.
Wir synchronisieren uns täglich mit den Augen neu. Bei manchen blinden Menschen, die das nicht können, kommt die Innere Uhr derart durcheinander, dass sich ihre Wach- und Schlaf-Phasen über Tage hinweg verschieben, je nach dem, ob ihre innere Uhr einen längeren oder kürzeren Tag vorgibt. Manche werden krank davon. Diese Menschen muss man dann medikamentös synchronisieren. Glücklicherweise gibt es seit kurzem eine Behandlung und einen Namen, Non-24, für diese Krankheit.
Dass die innere Uhr anders läuft, hat die Evolution sinnvoll eingerichtet, denn nur so sind wir in der Lage, mal wach zur Stelle zu sein, wenn es sein muss und eigentlich nicht in den normalen Rhythmus passt. Kinder müssen nachts gesäugt werden, was den Rhythmus und die biologische Uhr unterbricht.
Und damit sind wir bei unseren Frauen.

Der Mond und unsere Frauen

Man hört oft, dass der monatliche Zyklus unserer Frauen mit den Phasen unseres Mondes verläuft. Ist das wirklich so?

Der weibliche Zyklus ist tatsächlich auffallend nahe am Zyklus unseres Mondes. Immerhin steckt im Wort „Menstruation“ das lateinische Wort „Mensis“ für Monat. Das heißt aber gar nicht viel, wenn es derlei Ähnlichkeiten zweier Wörter gibt. Schließlich nennen wir die Ureinwohner Amerikas auch Indianer, weil Kolumbus glaubte, in Indien gelandet zu sein.
Die Menschenfrau ist eine von ganz wenigen Spezies, die in dieser Weise menstruiert. Einzig Primaten haben eine vergleichbare Regel. Allerdings ist diese bei verschiedenen Arten von Primaten sehr unterschiedlich lang. Alleine bei den Menschenfrauen entspricht der Zyklus der Regel ungefähr einem Monat.
Als erstes fällt beim Vergleich von Mond- und Menstruationskalendern auf, dass bei vielen Frauen zwar der Zyklus von ungefähr 28 Tagen regelmäßig stattfindet, aber alle mit ihrer Menstruation zu verschiedenen Zeitpunkten beginnen und enden. Ein Baum blüht, wenn die Jahreszeit danach ist, und mit ihm tun das dann in einer Gegend alle seine Artgenossen ungefähr zur gleichen Zeit. Das ist seltsam, denn bei den Frauen ist das scheinbar nicht so. Wäre es nicht praktisch, sie würden beispielsweise alle bei Vollmond menstruieren? Das ist aber längst noch nicht alles, was es zu dieser „Seltsamkeit“ zu sagen gibt.
Der Mond umrundet die Erde einmal in ungefähr siebenundzwanzig Tagen. Das kann man messen, indem man beobachtet, wie lange der Mond benötigt, wenn man die Zeit stoppt, bei welcher der Mond vor einem gewissen Stern steht, und beispielsweise voll ist und abwartet, bis er wieder dort angekommen ist. Diese Zeitspanne nennt man den siderischen Monat. Und der ist ungefähr 27 Tage lang. Ja, stimmt. die Erde dreht sich um die Sonne, und somit sollte sich der Winkel zum beobachteten Stern auch ändern. Tut er auch, aber der Abstand Erde-Stern ist so groß, dass man das ohne Hilfsmittel nicht sehen kann.

Von Vollmond zu Vollmond, also auch von Neumond zu Neumond, vergehen etwas mehr als neunundzwanzig Tage. Diese Zeitspanne nennt man den synodischen Monat. Synodisch steht für Zusammenkunft von Erde, Mond und Sonne. Wieso sind diese beiden Monats-Definitionen so unterschiedlich lang? Das ist ganz einfach zu erklären. Indem der Mond einmal um die Erde läuft, also in etwa 27 Tagen, bewegt sich die Erde auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne etwa um 30 Grad weiter nach links. Das bedeutet, wenn der Mond wieder bei unserem Stern angekommen ist, mit welchem wir die Zeit des siderischen Monats starteten, ist der Mond durchaus noch nicht wieder voll. Er muss dafür der Sonne hinterher laufen. Das verlängert die Zeit des synodischen Monats auf ungefähr 29 Tage.
Irgendwo dazwischen liegt die Dauer des Zyklus der Frauen und die fangen, wie gesagt, sehr unterschiedlich und durchaus nicht bei einem bestimmten Mondstand an. Es gibt keinen Tag im Jahr, an dem nicht ungefähr vier Prozent der Frauen mit ihrer Mensis beginnen.
Ich habe davon gehört, dass sich die Mensis von Frauen, die gemeinsam in einem Haushalt wohnen, manchmal angleicht. Das hat aber nichts mit dem Mond zu tun. Möglicherweise ist für dieses Phänomen ein schwacher „Menstruations-Duft“ verantwortlich. Vielleicht ist dieses etwas ganz altes, was die Evolution einrichtete, um die in Horden lebenden Urmenschen zu bevorteilen. Ich bin zu wenig Biologe, um beantworten zu können, nach welcher Frau eines solchen Haushaltes sich die anderen orientieren.
Nun, ich bin ein Mann und habe im Grunde nichts zu dieser Erfahrung beizutragen. Allerdings bin ich Beobachter genug, um erlebt zu haben, wie überrascht Frauen sein können, wenn ihre Regel zu früh einsetzt, bzw. wie entzückt oder erschreckt sie sind, wenn dies um einige Tage zu spät passiert. Der Mond ist aber stets pünktlich. Alleine diese Tatsache drängt die Überlegung auf, dass der weibliche Zyklus vermutlich auch nicht vom Lauf des Mondes abhängt.
Dass er ungefähr mit dem Mondlauf im Gleichschritt geht, ist wahrscheinlich reiner Zufall.

Fazit

Ich möchte an dieser Stelle zum Schluss nochmals betonen, dass ich niemandem seinen Mondglauben nehmen möchte. Eingangs sagte ich, dass ich Monderfahrungen von sehr intelligenten, gebildeten und naturerfahrenen Menschen hören durfte. Ich sage nochmal, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde geben mag, die wir nicht verstehen, bzw. noch nicht verstanden haben. Es sei jeder und jedem ungenommen, weiterhin sein Leben nach dem Mond auszurichten. Es schadet nicht.

So, das war mal wieder ein etwas längerer Artikel. Ich konnte hier nur zusammentragen, was ich wissenschaftlich über die Beziehung „Mond -> Mensch“ finden konnte. Es mag sein, dass ich nicht alles berücksichtigt habe. Sollte ich jemandem zu nahe getreten sein, der sich stark am Lauf des Mondes orientiert, so bitte ich aufrichtig um Entschuldigung. Ich habe diesen Artikel nicht aus missionarischen Gründen gegen den Mondeinfluss geschrieben, sondern weil mich das Thema und die Menschen, die Monderfahrungen haben, schon immer faszinierten.

Es grüßt euch ganz herzlich
euer Blindnerd.

Kinderfrage: Gibt es auch einen Supermond bei Neumond?


Liebe Leserinnen und Leser,
Das folgende und wirklich rührende Erlebnis muss ich unbedingt mit euch teilen.
Ein Familienvater, der mal in einem meiner Vorträge war, fragte mich, ob ich nicht mal für seine Kinder und für Kinder von Freunden zum Zeitvertreib im Rahmen einer Videokonferenz mal etwas zum Thema Astronomie erzählen könnte.

Schwierig, denn meine Modelle sind alle im Büro und ich sitze hier fest in Isolation. Also überlegten wir Thema und Ablauf. Modelle ergänzten wir, indem der Vater es irgendwie schaffte, Fotos und Grafiken aus dem Netz für alle sichtbar einzuspielen. Das Thema moderierte ich.

Es ging zum einen um die Frage, wieso Ostern manchmal so früh, und manchmal so spät sei. Zum anderen durften die Kinder dann frei ihre Fragen zu Weltraumthemen stellen.

Ein kind hatte in dem Medien aufgeschnappt, dass heute, am 08.04. nicht nur Ostervollmond, sondern auch Supermond sei. Es wollte zunächst wissen, was der Supermond eigentlich ist.
Unterstützt von einem Vater, der einen Globus und einen Tennisball in seine Kamera brachte, erklärte ich den Supermond und er bewegte seinen Tennisball um seinen Globus. Ich glaube, er hatte noch was als Sonne im Hintergrund, ein Wasserball oder so. Das weiß ich nicht mehr genau.
Allen, die nochmal genau wissen möchten, was der Supermond ist, und wie er entsteht, darf ich meinen schon gut abgehangenen Artikel, Was ist der Supermond, wärmstens ans Herz legen.

Ich teile mit euch jetzt die Frage, die das Kind stellte, nachdem der Supermond erklärt und verstanden war.

„Wenn Supermond immer bei Vollmond ist, gibt es dann auch einen Super-Neumond?“

Da musste ich erst mal kurz schlucken und nachdenken. Stimmt eigentlich. Wieso haben die Medienmacher nicht auch den Neumond so schön tituliert.

„Ist doch klar“, kann man hier sofort anbringen. Den Neumond sieht man ja nie. „Was sollen wir Journalisten mit etwas anfangen, das niemand sehen kann. Das ist langweilig und bringt keine Verkaufs- oder Einschaltquoten“.

Aber stimmt das wirklich immer?
Wir erinnern uns. Super-Vollmond ist immer dann, wenn der Mond auf seiner elliptischen Bahn um die Erde gleichzeitig zum Vollmond seinen erdnächsten Punkt das Perigäum, durchläuft. Dann zeigt sich uns der Vollmond etwas größer, also super. Dieses „super“ ist aber mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar….

Das kann man sich natürlich jetzt auch für den Neumond denken. Gut, wir sehen ihn zwar nie, aber es spricht ja nichts dagegen, dass es gleichzeitig, wenn der Mond das Perigäum passiert, auch mal Neumond sein kann. So weit, so gut.
Die Frage ist damit beantwortet. Es gibt auch einen langweiligen Super-Neumond, den niemand sieht und der deshalb uninteressant ist.

Ist er das wirklich?
Ich sage entschieden nein!!! Er ermöglicht uns den Blick auf das spannendste Phänomen, das unsere Sonne uns zu bieten hat. Manche menschen stürzen sich in Abenteuer, reisen um die ganze Welt, investieren ein imenses vermögen, nur um den Super-Neumond für wenige Sekunden bis Minuten zu erleben. Sie sind süchtig davon. Es gibt in den USA ein Wort für diesen Menschenschlag. Man nennt sie dort „Eclipse Chasers“.
OK, alle haben es mittlerweile erraten. Es hat mit Finsternissen zu tun.
Der Super-Neumond wird nur selten sichtbar, obwohl er eigentlich eben so oft stattfindet, wie der Super-Vollmond. Er zeigt sich bei einer totalen Sonnenfinsternis.
Es ist schon ein Wunder, dass die Größenverhältnisse und der Abstand zwischen Sonne und Mond gerade so sind, dass der Mond in der Lage ist, die helle Sonnenscheibe abzudecken, damit uns die wunderbare Korona offenbar werde.
Wäre unser Mond der Erde näher, oder wäre er größer, dann würde er mehr als nur die helle Sonnenscheibe verdecken. Dann könnten wir die Korona vermutlich nur sehr kurz vor der totalen Bedeckung oder kurz nach der Bedeckung erhaschen, wie wir jetzt die sog. Perlenschnur erhaschen, wenn die Sonne kurz vor der Totalität noch am Rande der Mondscheibe zwischen einigen Mondgebirgen hindurch lukt.

Unser Mond deckt die Sonnenscheibe vor allem dann so wunderbar ab, wenn Neumond und der Durchgang des Mondes durch sein Perigäum gleichzeitig stattfinden.
Das ist im Grunde dasselbe, wie beim Super-Vollmond. Man muss nur das Voll durch Neu ersetzen.
Ich sagte vorhin, dass man die Super-Eigenschaft des Vollmondes, etwas größer, mit bloßem Auge nicht schauen kann, weil 13 % Unterschied bei der kleinen Mondscheibe nicht wahrgenommen werden können.
Das ist beim Super-Neumond durchaus anders.
Findet der Neumond gleichzeitig mit dem Durchgang des Mondes durch seinen erdfernsten Punkt, das Apogäum statt, dann kann, bei einer Sonnenfinsternis, das Mondscheibchen nicht mehr die ganze Sonne abdecken, weil er für uns kleiner erscheint. Es entsteht eine ringförmige Finsternis. Der Mondschatten bohrt ein Loch in die Sonnenscheibe. Ein heller Rand bleibt stehen, und die Korona bleibt verborgen, weil sie davon überstrahlt wird.
Was einen Neumond zur Sonnenfinsternis, und einen Vollmond zur Mondfinsternis macht, beschrieb ich ausführlich beispielsweise in Finstere Erinnerungen.

Fazit:
Es gibt auch einen Super-Neumond. Der zeigt sich uns bei seltenen Sonnenfinsternissen. Naja, so selten sind die gar nicht, aber man muss halt hin kommen, wo sie stattfindet.
Und es gibt auch das Gegenteil. Der Sub-Vollmond, der uns in Erdferne, dem Apogäum, etwas kleiner als der Supper-Vollmond in Erdnähe erscheint. Fällt nicht ins Gewicht.
Anders beim Sub-Neumond.
Der ist bei ringförmigen Sonnenfinsternissen für das Loch verantwortlich.

Der Vollständigkeit halber muss ich noch erwähnen, dass in dem Fall auch eine Rolle spielt, wo sich die Erde gerade auf der Umlaufbahn um die Sonne befindet. Denn auch dieser Abstand variiert und lässt die Sonne im Perihel etwas größer erscheinen, als im ihrem Aphel. Davon merken wir aber ohne die optischen Schattenwürfe von Finsternissen im alltag nichts.

So, meine lieben, das war der Super-Neumond. Lassen wir ihn auch mitmachen und behandeln wir ihn künftig nicht mehr so stifmütterlich neben seinem Bruder, dem Supermond…
Gehabt euch wohl,
passt auf euch auf
und bleibt gesund.

Es grüßt euch österlich
Euer Blindnerd.

Die Weihnachts-Mondfahrt

Prolog

Seid herzlich gegrüßt,
heute berichtet der Sternenonkel, wie mich manche Kinder nennen, von einem Weihnachtsereignis das sich um den 24. Dezember 1968 zugetragen hat. Es geht um eine Mondreise und um den ersten Gottesdienst im Weltall. Bevor wir aber dazu kommen, soll hier noch ein vielen bekannter Autor gewürdigt werden, der ein maßgeblicher Vordenker des Mond-Programms und ein Inspirator von Generationen von Astronomen, Physikern, Ingenieuren und Astronauten war.
Oft gehen großen Taten lange vorher gedachte und ersponnene Ideen voraus.

Von der Erde zum Mond, von Jules Verne

Vernes Roman, Von der Erde zum Mond, fasziniert mich bis heute.
euch nicht auch? Also mich mindestens ebenso, wie
20.000 Meilen unter dem Meer, oder
die Reise zum Mittelpunkt der Erde.
Es ist ganz erstaunlich, wie nahe Vernes Roman tatsächlich am Ablauf der Apollo8-Mission dran ist.

  • In beiden Fällen gibt es drei Mondreisende. Verne nennt sie Ardan, Barbicane und Nicholl, was unheimlich ähnlich klingt wie Anders, Borman und Lovell.
  • Im Jahr 1865 starten sie von Tampa, etwa 185 Kilometer vom Raumhafen Cape Canaveral entfernt. Ihre Reise dauert zehn an Stelle von sechs Tagen bei Apollo 8 und sie landen im Pazifik, um von einem Marineschiff geborgen zu werden.
  • Und damit der Parallelen nicht genug:
    Wie wäre es mit der Tatsache, dass das von Verne beschriebene Raumschiff etwa die gleichen Abmessungen wie das Befehls- und Servicemodul von Apollo 8 besitzt,
    etwa das gleiche Gewicht hat
    und ebenfalls aus Aluminium gefertigt ist?
  • Beide Schiffe sind mit Filtern zum Absaugen von Kohlendioxid aus der Luft und speziellen Liegen ausgestattet, um den Astronauten beim Abheben die Belastungen durch die sehr hohe Gravitation beim Start zu erleichtern.
  • selbst die Kosten des von Verne geschätzten Programms entsprechen den 14 Milliarden US-Dollar, die bis zur Mission Apollo 8 ausgegeben wurden.

Der Roman basiert vollständig auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die ersten Ausgaben enthielten sogar ein zusätzliches Kapitel mit Mondfakten, Formeln und Berechnungen! Verne kombinierte und extrapolierte diese Fakten und verfolgte zwangsläufig eine ähnliche Denkweise wie die NASA-Ingenieure hundert Jahre später.

  • Wie sie dachte er darüber nach, dass an einem Startplatz in der Nähe des Äquators, d.h. in Florida, die Erdrotation zusätzliche Geschwindigkeit bringen würde und dass die Landung im Meerwasser weicher ablaufen würde.
  • Und genau wie Verne wandten die NASA-Ingenieure die Gesetze von Newton und Kepler an, um die Fluchtgeschwindigkeit von der Erde auf etwa 11 km/s zu berechnen. Alles, das langsamer fliegt, kann das Schwerefeld der Erde nicht verlassen.
  • Auch die Gravitation beim Start, oder die des Mondes und die Schwerelosigkeit dazwischen, mussten berechnet, oder zumindest irgendwie abgeschätzt und bedacht werden.

Es gab aber auch Dinge, wo Verne nicht ganz richtig lag.

Vernes Irrtümer

  • Vernes dachte, dass seine Mondreisenden nur am Lagrange-Punkt I zwischen Mond und Erde schweben würden, an dem die Schwerkraft der Erde und des Mondes sich gegenseitig ausgleichen.
  • Er ließ seine Protagonisten während ihrer Reise zum Mond aus dem Fenster schauen und kümmerte sich nicht um Fallschirme, um ihren Rückfall zur Erde zu bremsen.
  • Die auffälligste Abweichung vom Plan der NASA, zum Mond zu gelangen, ist jedoch die riesige Mondkanone.
    In Verne’s Buch holt der Baltimore Gun Club 60.000 Tonnen Eisen aus dem Boden, um das Columbiad, die Abschusskanone für die Kapsel, zubauen.
    Sie war ein 274 Meter langer Riese von Kanone mit zwei Meter dicken Wänden, die der Explosion von 200 Tonnen Schießpulver widerstehen sollten.

    Glücklicherweise folgten die Apollo-Ingenieure diesem Teil von Vernes Skript nicht, denn ganz offensichtlich würde die Beschleunigung eines Geschosses von Null auf 11 km/s über die Länge des Kanonenrohrs die Piloten zerquetschen, woraufhin sie durch die Luftreibung zu Asche verbrannt würden.

    Verne war sich dieses Problems bewusst, er lässt sogar einen seiner Protagonisten darüber diskutieren

    aber so etwas wie die Saturn V, eine 111 Meter hohe Rakete mit rund 2.700 Tonnen hochexplosivem Treibstoff, zu entwickeln, übertraf selbst Vernes extrem lebhafte Vorstellungskraft.

Viele Ingenieure bezeichnen Jules Verne als ihre Inspiration – trotz des offensichtlichen Versagens mit der Kanone. Im Gegenteil, die Raketenpioniere Konstantin Ziolkowski (Denker des Weltraumaufzuges) und Hermann Oberth sowie die Raumfahrer Juri Gagarin und Neil Armstrong gaben alle zu, dass sie von Jules Vernes Geschichte stark beeinflusst worden waren. Die Besatzung der Apollo 11 nannte ihr Führungs- und Servicemodul sogar „Columbia“ zu Ehren von Vernes riesiger Kanone.
Schließlich, nach einhundert Jahren, war es der Menschheit, den Ingenieuren und allen, die auf den Spuren von Vernes Traum wandelten gelungen, den Mond zu erreichen.
Kommen wir nun also zur Weihnachtsmondfahrt

Die Weihnachtsmondfahrt

Vor 55 Jahren wurde also Jules Vernes Roman „Von der Erde zum Mond“ Realität:
Der Flug der Apollo 8 um den Mond war bis dato die kühnste Mission des gesamten Mondprogramms, weil sich noch keine Apollo aus dem Erdorbit gewagt hatte.

Das Mondprogramm der NASA war ein gut durchdachter, schrittweiser Ansatz, bei dem jede Mission des Merkur-, Gemini- und Apollo-Programms um eine weitere Fähigkeit ergänzt wurde, die für die Landung auf dem Mond erforderlich sein würde.

Da war der Start überhaupt,
das An- und Abkoppeln zweier Raumschiffe,
der Mensch im Weltraum,
das Verlassen des Orbits und vieles mehr.

Die ursprüngliche Mission von Apollo 8 sollte darin bestehen, die Mondlandefähre im Erdorbit zu testen.
Ein vernünftiges Ziel, wenn man bedenkt, dass dies der allererste bemannte Flug der mächtigen Saturn V sein würde, der größten und mächtigsten Rakete, die je gebaut wurde.
Auch das Raumschiff Apollo an der Spitze war ziemlich neu: Nur eine Crew hatte es zuvor geflogen.

Die Montage der Mondlandefähre war jedoch weit hinter dem Zeitplan zurückgeblieben und die NASA stand unter enormem Druck.
Im September 1968 hatten die Sowjets zwei Schildkröten und ein paar Mehlwürmer um den Mond geschickt und sicher auf die Erde zurück gebracht.
Die Befürchtung, die Soviets würden das nun auch zuerst mit Menschen schaffen, war durchaus berechtigt.
Aus diesem Grunde mussten die Missionsplaner das Ziel für Borman, Lovell und Anders leicht ändern: Sie sollten nicht im Erdorbit bleiben, sondern den Weg zum Mond wagen, ihn umkreisen, und wieder sicher auf der Erde wassern.
Die Entscheidung war unglaublich mutig, wenn man bedenkt, dass kein Raumschiff des Mondprogramms jemals die Umlaufbahn der Erde verlassen hatte.

Apollo 6, ein unbemannter Testflug mit Saturn V, sollte um den Mond herumfliegen, aber die dritte Stufe versagte. Sie zündete ihre Triebwerke für die „Trans Lunar Injection“ leider nicht.
Und somit war das Ziel der Mission verloren und sie wurde abgebrochen.

Als Borman, Lovell und Anders am 21. Dezember 1968 an der Küste Floridas vom Pad 39 A des John F. Kennedy Space Centre abflogen, waren sie die ersten Menschen, die die relative Sicherheit der Erdumlaufbahn verließen und 400.000 Kilometer ins Ungewisse wagten.
Als nun die drei Astronauten den Mond erreichten, taten sie etwas, womit wohl niemand gerechnet hatte.

Der erste Gottesdienst im All

Die Astronauten von Apollo 8, waren gebeten worden, die ersten Live-Bilder vom Mond mit etwas „Angemessenem“ zu kommentieren – schließlich würde etwa ein Sechstel der Menschheit das Ereignis an ihren Fernsehern mit verfolgen.

Was könnte passender sein, um die vorbeiziehende Mondlandschaft unten zu begleiten, als die ersten Verse des Buches Genesis über Licht und Dunkelheit zu zitieren?

Bei Martin Luther liest sich das in der neuesten Übersetzung, im ersten Buch Mose, Genesis, wie folgt:
Aus Genesis, Kapitel 1
1. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
2. und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.
3. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.
4. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis
5. und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.
6. Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern.
7. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so.
8. Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.
9. Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, dass man das Trockene sehe. Und es geschah so.
10. Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war.
Bei Apollo8 klingt das so:
https://www.youtube.com/watch?v=AEEpHmC1jzo

Schon klar. Der Anfang der Schöpfungsgeschichte aus dem Buch Genesis des Alten Testaments unserer Bibel ist nicht unbedingt das, was wir als Weihnachtsgeschichte bezeichnen würden. Aber mal ganz ehrlich. Hätte die Geschichte vom Kindlein im Stall zu der Situation gepasst, dass die drei Astronauten, Frank Bormann, Jim Lovell und Bill Anders, damals am Heiligen Abend 1968 die ersten Menschen in einer Umlaufbahn um den Mond waren?
Ich denke, so etwas existenzielleres, wie die Schöpfungsgeschichte, war schon geeigneter.
Einige kritisierten den religiösen Charakter der Sendung zwar, aber jedem, der sich so weit hinaus wagt, sollte erlaubt sein,, dass Mensch sich seines Glaubens erinnert, egal, wie intensiv man ihn auch sonst im Alltag leben mag.

Alleine im All

Am 24. Dezember 1968, verschwand Apollo 8 hinter dem Mond. Kein Mensch hatte jemals die andere Seite des Mondes direkt beobachtet.
Oft wird diese, der Erde abgewandte Seite des Mondes die dunkle Seite oder auch Dark Side genannt. Dunkel ist sie durchaus nicht. Wenn wir Neumond haben, ist diese Seite voll der Sonne ausgesetzt, so dass sie sich auf mehrere 100 Grad Celsius aufheizt.
Leider hatte die Crew nur wenig Zeit, es zu genießen.

Im Mondschatten zu sein bedeutet, im Funkloch zu sein. Durch den Mond hindurch ist kein Funkkontakt zur Erde möglich. Die drei waren also völlig auf sich alleine gestellt.
Völlig heimatlos.
Sie würden nicht mal durch die Gravitation der Erde wieder angezogen, sollten sie mit ihrem Schiff mit ausgefallenen systemen durch das All trudeln.
Selbst bei einem Absturz auf den Mond, wäre keine Rettung möglich. So lange konnte man im Apollo-Schiff nicht überleben, wie es gedauert hätte, eine Rettungsmission zusammen zu stellen, und außerdem hatte man derlei noch nie vorher geprobt.

Sie mussten die Zündung der Triebwerke selbst berechnen, einleiten und kontrollieren.
Zündete das Triebwerk zu kurz, und Apollo 8 würde ins All geschleudert,
zu lang, und sie würde ein weiterer Krater auf dem Mond werden.
Für die Astronauten fühlten sich die vier Minuten und sieben Sekunden, während derer das Triebwerk arbeitete, um sie auf die richtige Bahn zu blasen, wie eine Ewigkeit an.

Einmal im Orbit, gab es wenig zu tun, außer die Bibel zu lesen und Hunderte von Fotos zu machen – darunter das legendäre Bild der fernen Erde, die über dem kargen Mond steht.

Nach 20 Stunden im Orbit war es Zeit zu gehen. Eine weitere kritische Zündung des Triebwerkes, und Borman, Lovell und Anders waren auf dem Weg zurück auf die „gute Erde“.

Am 27. Dezember öffneten sich drei riesige Fallschirme über dem Nordpazifik südlich von Hawaii. Die Apollo 8 wasserte sicher im Meer, und wurde von einem Flugzeugträger aufgenommen.

Epilog

Was für ein Abenteuer, was für eine Geschichte. Eine Geschichte, die bereits hundert Jahre zuvor von dem gewissen Jules Verne erzählt worden war. Die NASA, so schien es, folgte nur seinem Skript.

Ich muss immer an die Frauen und Familien der drei Astronauten denken. Was für ein von Sorgen überschattetes Weihnachtsfest muss das für sie gewesen sein. Und ehrlich gesagt, ist mein Weihnachtsfest leider auch von Sorge getrübt ob all dem, was momentan auf und mit unserer Erde geschieht. Aber das ist es eben, weshalb wir Weihnachten feiern. Wir feiern die Geburt unseres Erlösers. Und das ist neben seiner Auferstehung, was uns Christen Hoffnung, Glaube, Zuversicht und Trost gibt.
Das wünsche ich für uns alle.

Meine Jahres-Mondfeier


Liebe Leserinnen und Leser,

noch ist es nicht ganz zu Ende, das Jubiläumsjahr zu 50 Jahre Mondlandung. Das hat uns alle, bzw. hält vielleicht manche von euch auch noch in Bann.
am 11.12.1972 landeten bisher das letzte mal drei Menschen mit Apollo XVII (17) auf dem Mond. Diesen Tag nehme ich nun zum Anlass, meinen Mond-Artikel, der mich das ganze Jubiläum lang begleitet hat, zu veröffentlichen.

Was ich hier mit euch im wesentlichen teile ist all das, was ich im Laufe des Jahres gehört und gelesen habe, um dieses Ereignis zu feiern und zu würdigen.

Ich selbst lag am 20.07. mit einer Sommergrippe danieder, so dass ich eine Nerd-Veranstaltung zum Thema nicht durchführen konnte. Aber genossen habe ich meine Mond-Videos, Texte und Bücher dennoch und es wurde dann auch im Bett etwas feierlich.

Bereits Anfang des Jahres startete ich meine Mondreise mit einem sehr empfehlenswerten Buch „A man on the Moon“ Das ist in Englisch auf Audible hier verfügbar.
Angefangen vom Mercury- über das Gemini-Programm wird die ganze Geschichte des Apollo-Programms mit Original-Zitaten und allem entrollt.

Man kann schon sagen, dass die meisten Quellen zu Apollo in Englisch besser sind. Was ich leider auch feststellen musste ist, dass meine Haus- und Hof-Blindenhörbücherei und andere auch erstaunlich wenig zum Thema haben. Ich hätte erwartet, dass hier etwas zum Jubiläum aufgelesen würde. Vielleicht tue ich da anderen Hörbüchereien Unrecht, und ich habe etwas übersehen, aber gerade Themen wie Luft- und Raumffahrt und Astronomie sind für meinen Geschmack in unseren Hörbüchereien unterrepräsentiert…

Nach, bzw. Parallel zu diesem Buch hörte ich mir drei phantastische Folgen vom @omegataupodcast an.
The Saturn V launch Vehicle
How Apollo Flew to the Moon
How Apollo explored the Moon
Die Bücher des in den Folgen interviewten Gastes habe ich leider noch nicht gelesen.
Ich finde Ebooks am Computer oder mit einem Player zu lesen ziemlich mühsam.

Lesenswert und hörenswert sind die Riffreporter-Artikel. Manches gibt es kostenfrei, anderes gibts per Abo.
Zugegeben, deren Seiten sind für unsereiner nicht ganz zugänglich, aber nach etwas Gewöhnung gehts.
Hier gehts zu deren wunderbaren Mond-dossier. Leider muss man hier abonnieren, um den ganzen Artikel lesen zu können.
Dossier Mond

Die Idee zum Mond zu reisen ist alt und wurde in den letzten Jahrtausenden immer mal wieder aufgegriffen.
Ich schrieb darüber in Eine Mondgeschichte und Eine Mondfinsternis als Lebensretterin.

Ohne zuviel spoilern zu wollen, kann ich euch verraten, dass noch in diesem Jahr noch ein Artikel dazu erscheinen wird.
Aber wusstet ihr, dass Edgar Allan Poe auch eine Mondgeschichte hat? Also ich nicht.
Edgar Allan Poe – Das unvergleichliche Abenteuer eines gewissen Hans Pfaall

Wie viele von euch wissen, beziehe ich ganz viel Informationen aus Wissenschaftspodcasts.
Einer meiner Favorites ist ohne zweifel der oben schon erwähnte @omegataupodcast, aber ich liebe ebenso den @minkorrekt.
In Folge 148 geht es auch sehr viel und interessant um den Mond.
Es lohnt sich hier auch die Shownotes zu lesen, damit man an die saftigen Mond-Links kommt.

Lars Naber macht den Aufdistanz-Podcast. in Folge 46, Take me to the Moon unterhielt er sich mit Astronauten über die Rückkehr zum Mond.

Nicht alle Gäste, die SWR1-Leute so einlädt finde ich gleichermaßen spannend. Zum Jubiläum hatten die am Tag vorher die beiden Ex-Astronauten, Reinhold Ewald und Ulf Merbold eingeladen, um über die Mondlandung und die Rückkehr zum Mond zu sprechen. Sehr hörenswert Zwei Ex-Astronauten bei SWR1-Leute

Es ist unglaublich, wie früher Life-Sendungen aufgebaut waren. Es wurden im ZDF mehrere Stunden zur Mondlandung life gesendet. Es lohnt sich schon alleine wegen der zu heute völlig unterschiedlichen Sprechweise der Moderatoren, da mal rein zu hören.
ZDF und Mondlandung

Zu meinem Frühstücksprogramm gehören immer kurz vor den Nachrichten die Sternzeit-Folgen des Deutschlandfunks. Sehr hörenswert und kurzweilig.
Zu den Sternzeit-Folgen

Ein Juvel am astronomischen Podcast-Himmel sind die @sternengeschichten von Florian Freistetter.
Es lohnt sich wirklich diesen kurzweiligen Podcast zu abonnieren.
Ich bin sicher, dass sich auch hier einiges zum Mond findet.

Zum Jubiläum hat die BBC sehr aufwändig und pompös einige geschichtliche Folgen zur Mondlandung produziert. Sie sind unbedingt hörenswert, weil ganz viele Zeitzeugen-Interviews im O-Ton von noch lebenden Personen drin sind.
13 Minutes to the Moon

Viele von uns wissen, dass es auch Rückschläge im Apollo-Programm gab. Drei Astronauten verbrannten am Boden beim Test der Kapsel von Apollo I.
Ein weiterer Schlag war Apollo13. Viele kennen wahrscheinlich den Film.
Brady Heywoods schildert in seinem Podcast ab Folge 21
diese Mission so dramatisch gut, dass man Pippi in die Augen und Schnappatmung bekommt. Ein Muss, um auch diese Schattenseite zu würdigen. Die Besatzung hat Apollo13 schließlich überlebt.

Einfach großartig und anrührend sind die Wissenschaft-Shows, die der DLR_Next veranstaltet. Da kommen dann auch sehende Leserinnen und Leser dieses Artikels voll auf ihre Kosten.
Für Kinder sehr lohnenswert, aber auch großartig für Erwachsene ist der Blog von @Astrozwerge. Dort gibt es z. B. ganz viel Mondlandung mit der Lego-Rakete, die ich auch besitze.

Hier kommen nun noch einige Links, die sich rund um die Mondlandung ranken. Ich kommentiere jetzt nicht alle im einzelnen. Selbst hören und sehen ist doch sowieso viel spannender.

Wieso die Mondfahrt kein Fake war

Die Astronauten von Gretzenbach
Englisch: The First Men on the Moon

Ein Video des DLR mit Originaltönen

Das beste der Mondlandung

Als keiner schlafen wollte

Jetzt hoffe ich natürlich, dass alle Links funktionieren.
Viel Freude bei dieser Mondfeier wünscht euch
Euer Blindnerd Gerhard.

Das Gemini-Programm


Liebe Leserinnen und leser,

Zum zweiten Mal hebt sich auf Blindnerd der Vorhang in Richtung Mondlandung.
Im letzten Artikel ging es um das Mercury-Programm. Hier wurden Grundlagen erforscht, die nötig waren, um überhaupt mal Menschen in den Weltraum zu bringen.
Man musste aus medizihnischer Sicht den Menschen neu definieren. Auch die Rakete, die stark genug war, drei Astronauten, ein Service-Modul und den Mondlander zum Mond zu befördern, war noch nicht entwickelt.
Es gab ganz verschiedene Konzepte, wie die Mondmission ablaufen könnte. Man könnte z. B. ein Raumschiff landen, das dann wieder startet. Eine andere Idee war, dass man mit mehreren Flügen alles ins All oder auf den Mond bringt, das dafür benötigt wird. Diese Teile hätte man dann im All koppeln können.
Schließlich entschied man sich für das Konzept mit dreistufiger Rakete, Service-Modul, Landefähre und Rettungsrakete.
Bis es aber dazu kam, mussten weitere Grundlagen erforscht werden, wozu das Gemini-Programm ein unverzichtbarer Schritt auf dem Weg zum Mond war.

Wie der Name schon sagt, hatte das Gemini-Projekt mit Zwillingen zu tun. Es musste getestet werden, wie man zwei Raumschiffe im All koppeln bzw. wieder entkoppeln kann. Das benötigte man, weil z. B. die Mondlande-fähren aus der dritten Stufe der Apollo-Raketen gezogen werden mussten, weil man nach dem Start vom Mond wieder am Service-Modul ankoppelt und weil die Flugmanöver getestet werden mussten.
Außerdem wurden Außenbordeinsätze im Raumanzug geprobt.
Nicht zuletzt sollte die Mercury zu einem zweisitzigen Schiff weiterentwickelt werden.

Zur Unterstützung der bereits ausgebildeten Mercury-Astronauten entschloss sich die NASA am 18. April 1962, fünf bis zehn neue Astronauten zu rekrutieren, worauf 253 Bewerbungen eingingen.
Am 17. September 1962 wurde die Gruppe, bestehend aus neun Astronauten, der Öffentlichkeit vorgestellt. Dies waren Neil Armstrong, Frank Borman, Charles Conrad, James Lovell, James McDivitt, Elliot See, Thomas Stafford, Edward White und John Young.
Die Auswahl der dritten Astronautengruppe begann am 5. Juni 1963 mit einer weiteren Ausschreibung. Die NASA stellte die 14 erfolgreichen Bewerber am 18. Oktober 1963 vor: Edwin Aldrin, William Anders, Charles Bassett, Alan Bean, Eugene Cernan, Roger Chaffee, Michael Collins, Walter Cunningham, Donn Eisele, Theodore Freeman, Richard Gordon, Russell L. Schweickart, David Scott und Clifton Williams.
Damit stieg die Zahl der aktiven Astronauten für die Programme Gemini und Apollo auf 27,
Und dann ging es recht tragisch zu.
Theodore Freeman starb am 31. Oktober 1964 bei einem Flugzeugunglück. Elliot See und Charles Bassett, die als Besatzung für Gemini 9 vorgesehen waren, kamen am 28. Februar 1966 ebenfalls bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Virgil Grissom, Edward White und Roger Chaffee starben am 27. Januar 1967 bei der Apollo-1-Katastrophe, Clifton Williams verunglückte am 5. Oktober 1967.

Die Landekapsel des Gemini-Raumschiffs war 5,8 Meter lang und hatte einen Durchmesser von drei Metern. Die Luken konnten während des Aufenthalts im Weltraum geöffnet und geschlossen werden, so dass Aktivitäten außerhalb des Raumschiffs möglich waren.
Für die Andogmanöver war ein Kopplungsadapter vorhanden.
Die Masse der Landekapsel betrug ca. 3.800 kg. Erstmals wurde bei einem Raumschiff eine Polymerelektrolytbrennstoffzelle als primäre Energieversorgung eingesetzt.
Die haben damals schon Wasserstoff getankt. Ich bin immer wieder von den Konzepten beeindruckt die schon zu dieser Zeit angewendet wurden und über welche wir teilweise noch immer ohne konkrete Lösung diskutieren.
Nicht wiederaufladbare Batterien waren nur für den Wiedereintritt und für Notfälle vorgesehen.

Ein Novum zum Mercury-Programm war auch, dass erstmals ein Bordcomputer,
der Gemini Digital Computer, zur Unterstützung der Besatzung bei Berechnungen eingesetzt wurde. Der Computer aus 5 Platinen mit 510 Modulen hatte einen Speicher von nur 4096 Befehlsworten von jeweils 39 Bit Länge. Da sich dieser als zu klein erwies, wurde er ab Gemini 8 durch ein Magnetbandlaufwerk ergänzt, welches die Speicherkapazität versiebenfachte.
Das erinnert mich stark an meine ersten Gehversuche mit meinem Comodore 64 Anfang der 80er Jahre und meine Datasette. Man speicherte Programme und Daten auf normalen Musik-Casetten ab. Es gab natürlich auch überteuerte andere Datasetten, aber normale billige MCs taten es eben so gut. Später dann hatte ich immerhin schon ein Floppy-Laufwerk. Da kam es z. vor, dass man innerhalb eines Spieles plötzlich die Diskette wechseln musste.

Interessant ist auch der Raumanzug, der von den Gemini-Astronauten getragen wurde.
Er bestand aus 23 Gewebeschichten und wog 13 Kilo.
Er war hauteng auf jeden Astronauten angepasst und gefertigt.
Er konnte 1.465 kJ (= 350 kcal) Körperwärme und 456 ml Schweiß pro Stunde abführen.

Zusätzlich zum Gemini-Raumanzug gab es noch einen Düsenrucksack, die Astronaut Maneuvering Unit. Sie kam allerdings nie aktiv im All zum Einsatz.
Ich meine mich zu erinnern, dass so ein Düsenrucksack zum Einsatz kam, als 1984 das deffekte ‚Sonnenobservatorium SMM eingefangen wurde, um es in der Ladebucht des Space Shuttles zu reparieren.
Ein Astronaut heftete sich mit dem Rucksack an die sich unkontroliert drehende Sonde. Dann stoppte er mit den Düsen diese unerwünschte Drehbewegung ab, so dass die Sonde mit dem Arm des Shuttles in die Ladebucht gezogen werden konnte, ohne z. B. die Sonnenpaddel zu beschädigen.
Bei der mehrfachen Reparatur von Hubble, benötigte man meines Wissens diesen Rucksack nicht, da Hubble sich nicht unkontrolliert drehte.

Nach dem Mercury-Programm, welches nach den ersten Erfolgen der Sowjetunion die prinzipielle Möglichkeit bemannter Weltraumflüge ebenfalls demonstrierte, wurde mit Gemini ein großer Fortschritt erzielt, auch um die für einen erfolgreichen Mondflug nötigen Manöver zu testen, die da waren:
Rendezvous und Kopplung von Raumschiffen,
Außenbordeinsätze,
Bahnänderungen,
sowie die Zusammenarbeit der Bodenstation mit den Piloten.
Konzepte, die die NASA allesamt vorher im Weltall so noch nicht erprobt hatte.
Gemini war somit ein überaus erfolgreiches Programm.

Hier kommt noch zum Schluss eine Übersicht der Gemini-Flüge, deren Besatzungen und Ziele aus Wikipedia.

Wie die Übersicht bei Mercury gilt folgendes Schema:
Mission
Start
Landung
Dauer
Besatzung
Ziele
Bemerkung

Gemini 3
Gemini 3
23. März. 1965
23. Mrz. 1965
4h 52min
Virgil Grissom,
John Young
erster 2-Mann-Flug der Amerikaner

Gemini 4
Gemini 4
3. Jun. 1965
7. Jun. 1965
4d 1h 56min
James McDivitt,
Edward H. White
erster Weltraumausstieg (White) der Amerikaner

Gemini 5
Gemini 5
21. Aug. 1965
29. Aug. 1965
7d 22h 55min
Gordon Cooper,
Charles Conrad
Aussetzen und Rendezvousmanöver mit einem mitgeführten Zielsatelliten
120 vollendete Erdumrundungen

Gemini 6
Gemini 6
15. Dez. 1965
16. Dez. 1965
1d 1h 51min
Walter Schirra,
Tom Stafford
Rendezvous mit Gemini 7
Für Oktober 1965 geplantes Rendezvous mit unbemanntem Agena-Satelliten musste entfallen, da dessen Trägerrakete nach dem Start explodierte.
Start von Gemini 6 wurde auf Dezember, nach dem Start von Gemini 7, verschoben. Dieser Flug läuft auch unter der Nummer 6-A.
Gemini 7
Gemini 7
4. Dez. 1965
18. Dez. 1965
13d 18h 35min
Frank Borman,
James A. Lovell
zweiwöchiger Flug, Rendezvous mit Gemini 6, das einige Tage nach Gemini 7 startete.
Missionsziel: Nachweis für Realisierung eines 14-tägigen Raumflugs

Gemini 8
Gemini 8
16. Mrz. 1966
17. Mrz. 1966
10h 41min
Neil Armstrong,
David Scott
Kopplung mit GATV-Zielsatellit
Probleme mit der Steuerung, Raumschiff gerät während der Kopplung mit Agena in Rotation, Flug abgebrochen

Gemini 9
Gemini 9
3. Jun. 1966
6. Jun. 1966
3d 21min
Tom Stafford,
Eugene Cernan
Rendezvous mit ATDA-Zielsatellit
Geplante Kopplung misslang, weil Verkleidung am Zielsatelliten sich nicht gelöst hatte

Gemini 10
Gemini 10
18. Jul. 1966
21. Jul. 1966
2d 22h 47min
John Young,
Michael Collins
Kopplung mit GATV-Zielsatelliten
erste Kopplung mit Zielsatellit und Nutzung des Antriebs des fremden Raumfahrzeugs; neuer Höhenrekord (763 km)

Gemini 11
Gemini 11
12. Sep. 1966
15. Sep. 1966
2d 23h 17min
Charles Conrad,
Richard Gordon
Kopplung mit GATV-Zielsatellit
neuer Höhenrekord (1374 km)

Gemini 12
Gemini 12
11. Nov. 1966
15. Nov. 1966
3d 22h 35min
James A. Lovell,
Edwin „Buzz“ Aldrin
Kopplung mit GATV-Zielsatellit
bis dahin längster Weltraumausstieg mit 5,5 Stunden
Mit der Landung von Gemini 12 am 15. November 1966 und der offiziellen Schließung des Gemini-Büros am 1. Februar 1967 endete das Gemini-Programm.

Der erste Schritt in Richtung Mond – Das Mercury Programm


Seid herzlich gegrüßt,

die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern, dass wir uns mit riesigen Schritten dem 50jährigen Jubiläum der Mondlandung nähern. Bis da hin ist aber noch etwas Zeit darüber zu sprechen, wie alles begann.
Der Weg zum Mond war Teil des Kalten Krieges und des Wettrüstens.
An dieses unglaubliche Unterfangen der Menschheit musste man sich langsam heran tasten.
Heute soll es mal um die wesentlichen Anfänge gehen. Dazu betrachten wir das Projekt Mercury, das dem Gemini- und schließlich dem Apollo-Projekt voraus ging.

Das Projekt lief von 1958 – 1963. Es war das erste bemannte Raumfahrt-Programm der USA. Satelliten hatte man schon erfolgreich in den Orbit befördert.

Die Frühphase wurde vom National Advisory Committee for Aeronautics (NACA) geplant; durchgeführt wurde es dann von der neugegründeten Nachfolgeorganisation NASA.
Aus Air, Luft, wurde im Namen dann Space für Weltraum.
Und das ist nicht nur so daher gesagt. Man kann sich diese Metamorphose dieser Luftfahrt-Organisation zur Weltraum-Organisation gar nicht genug vorstellen. Die Bedingungen ein Flugzeug zu fliegen unterscheiden sich grundlegend von denen, ein Raumschiff im luftleeren All und mit weniger Schwerkraft zu steuern.
Somit waren die Astronauten bis weit in das Apollo-Programm hinein Militär-Piloten mit viel Flugerfahrung.
Auch wissenschaftlich und technisch vollzog sich diese Verwandlung. Spielte beispielsweise in der Luftfahrt die Airodynamik die dominierende Rolle, so trat nun die Thermodynamik in den Vordergrund, weil beim Wiedereintritt in die Atmosphäre gigantische Temperaturen bis zu 3000 Grad am Schutzschild entstehen.
Dass Menschen über kurze Zeit mal einige G an Beschläunigung ertragen können, war aus der Militärfliegerei hinlänglich bekannt, aber wie ist es bei quasi keiner Schwerkraft?
Wird der Kreislauf noch funktionieren?
Wie kommt das Gleichgewichts-Organ damit zurecht?
Funktioniert der Mensch als ganzes noch so, wie er soll?

Das waren Fragen, die im Rahmen dieses Programmes erforscht wurden und z. B. auf der ISS bis heute noch werden.

Dem zivilen Mercury-Programm ging das militärische Manhigh-Programm der Airforce voraus, in welchem die Wirkung kosmischer Strahlung auf den Menschen mittels Ballonflügen getestet wurde.
Diese Frage wird uns beschäftigen, wenn wir eine Station auf dem Mond errichten wollen, der weder ein Magnetfeld, noch eine schützende Atmosphäre besitzt. Auf dem Mars und vor allem auf dem langen Weg dort hin, wird das Thema sein. Die ISS ist in ihrem Orbit noch weitgehend vom Magnetfeld der Erde geschützt.

Die Hauptziele des Projektes waren
* Umkreisung der Erde im Orbit mit einem bemannten Raumschiff
* Erforschung, wie Menschen im All funktionieren, sowohl medizinisch, biologisch, als auch mental
* Schiff und Mann wieder sicher zu landen

Das erste bemannte Raumschiff der USA war eine kegelförmige Einmann.
Kapsel mit einem darauf montierten Zylinder.
die Höhe ohne Rettungsrakete betrug 3,51 m, der größte Durchmesser 1,89 m.
Eine 5,8 m lange Rettungsrakete wurde an den
Zylinder der Kapselangebaut. Sie sollte die Kapsel möglichst rasch aus der Gefahrenzone bringen, sollte etwas mit der großen Rakete, sein, z. B. ein Feuer, ausbrechen.
Glücklicherweise kamen diese Rettungsraketen nie zum Einsatz.
Getestet werden musste das konzept aber trotzdem.
Das Rettungssystem des Raumschiffs funktionierte beim zweiten Start im April 1959 planmäßig und brachte die Landekapsel vorschriftsmäßig zur Wasserung im Atlantik, so dass das Raumschiff von einem Hubschrauber geborgen werden konnte.
Dieses Konzept mit Rettungsrakete und Schutzschild hat sich bis in das Apollo-Programm gehalten.
Ich denke, die Kapsel meiner Lego-Saturn-V kommt der Mercury recht nahe.
Da es in der Kapsel sehr eng zu ging, sagte man, die Mercury würde nicht geflogen, sondern im Sinne von Kleidung angezogen.
Der Innenraum hatte lediglich ein Volumen von 1,7 M^3.
Der Astronaut konnte die Kapsel über 55 Schalter, 30 Sicherungen und 35 Hebel bedienen.
Er hatte die Möglichkeit, die Kapsel per Hand zu steuern, aber es gab auch eine Vorrichtung zur Fernbedienung vom Boden aus.
Also mich verblüfft derlei immer wieder. Was hatten die damals für eine Technologie und was haben sie damit erreicht.

Am stumpfen Ende des Kegels befand sich der Hitzeschild, der die Kapsel beim Wiedereintritt in die Atmosphäre schützte. An ihm treten Temperaturen bis zu 3000 Grad auf.
Der Astronaut Alexander Gerst u. a. berichteten eindrucksvoll von Feuerwänden, die das Schiff scheinbar durchfliegt.

Das Mercury-Programm verwendete zwei Trägerraketen:
die Redstone für Suborbitalflüge und das Modell Atlas für die vier.
Orbitalflüge.
Das waren Raketen für militärische Nutzung. An der Entwicklung der Redstone war auch der Deutsche Wernher von Braun beteiligt.

Man startete das Programm zunächst mit unbemannten Flügen. Es ging im wesentlichen erst einmal darum, mit der Kapsel und dem Rettungsturm zu arbeiten. Vor allem, um das Schiff in die nötige Höhe zu bringen, um den Wiedereintritt in die Atmosphäre zu üben.
Ebenso begann zu Anfang des Jahres die Entwicklung des Hitzeschilds für die Mercury-Landekapsel. Mehrere Teststarts schlugen im Laufe des Februar und März fehl.

Am 13. Dezember 1958 wurde das Totenkopfäffchen Gordo auf der Spitze einer Jupiter-C-Rakete der U.S. Army in die Schwerelosigkeit befördert, der es 8,3 Minuten ausgesetzt war. Gordo überlebte Start und Landung, versank aber aufgrund eines mechanischen Fehlers der Fallschirmfunktionen mit der Raketenspitze im Ozean und ertrank.
Und das Äffchen war durchaus nicht das einzige Tier des Mercury-Programms.
Mit Hilfe eines Schweins, Gentle Bess, testete McDonnell die Aufschlagssteifigkeit der Landekapsel. Der Test war erfolgreich, das Schwein überlebte. Weitere Tests mit Schweinen lehnte die NASA ab, da Schweine nicht lange in sitzender Position überleben können.
Die beiden Affen Able und Miss Baker wurden am 28. Mai 1959 mittels einer Jupiter-Rakete 480 km in den Weltraum geschossen. Sie landeten 2.735 km von Cape Canaveral entfernt und überlebten den Flug.

Am 4. Dezember 1959 wurde mit der Mission Little Joe 2 der Rhesusaffe Sam gestartet um die Funktionalität des Rettungssystems zu testen. Ebenso sollten medizinische Erkenntnisse beim Flug gewonnen werden. Der Test war erfolgreich, und Sam überlebte ihn. Ein zweiter Test Little Joe 1B mit dem Rhesusaffen Miss Sam verlief am 21. Januar 1960 ebenso erfolgreich.

Nach so vielen Erfolgen konnte man langsam in Betracht ziehen, das ganze mal mit Menschen auszuprobieren.
Die Astronautensuche konnte also beginnen.
Folgende Kriterien mussten die Bewerber erfüllen:
• Alter unter 40 Jahre
• Körpergröße unter 180 cm
• Ausgezeichnete physische Kondition
• Bachelor-Abschluss
• Abschluss als Test- und Jetpilot
• Mindestens 1.500 Stunden Flugerfahrung

Innerhalb der Apollo-Mission erkannte man, dass man z. B. auf dem Mond auch andere Kenntnisse benötigt, um gut Wissenschaft treiben zu können. Deshalb nahm man dann auch Geologen mit.
Ich weiß jetzt leider nicht genau, ob es heute auch noch so einen Anforderungskatalog für Astronauten-Bewerber gibt.
Laut Wiki wurden im Februar 1959 110 Kandidaten für das Mercury-Programm getestet. Am 9. April 1959 wurden auf einer Pressekonferenz in Washington, D.C. die sieben ausgewählten Mercury-Astronauten der Öffentlichkeit vorgestellt. Es waren im Einzelnen:
• Lt. Commander Alan B. Shepard, Jr. (1923–1998) Navy
• Captain Virgil I. Grissom (1926–1967) Air Force
• Lt. Colonel John H. Glenn, Jr. (1921–2016) Marines
• Lieutenant Malcolm Scott Carpenter (1925–2013) Navy
• Lt. Commander Walter M. Schirra, Jr. (1923–2007) Navy
• Captain Donald K. Slayton (1924–1993) Air Force
• Captain Leroy Gordon Cooper, Jr. (1927–2004) Air Force
Die Zahl 7, die an den Namen jedes einzelnen Raumschiffs angefügt wurde und die sich auch im Logo der Mission findet, ist auf diese sieben Astronauten zurückzuführen.
Die Astronauten gaben ihren Kapseln selbst Namen und fügten noch die Ziffer sieben an, denn für das Mercury-Projekt waren zunächst sieben Astronauten ausgewählt worden.

Hier mal die Auflistung aller unbemannten und bemannten Mercury-Starts aus Wikipedia:
Ich vermute, dass es mir die Tabelle zerhauen hat, aber so untereinander ist das vor allem für Screenreader-Nutzer eventuell besser zu lesen.

Die Flüge sind nach folgendem Schema aufgelistet:
Mission
Name des Raumschiffs
Start
Dauer
Besatzung
Bemerkung

Mercury-Little-Joe 1
21. August 1959
20 s
unbemannt
atmosphärischer Flug, Fehlzündung des Rettungssystems vor dem Start

Mercury-Big-Joe 1
9. September 1959
13 min
unbemannt
suborbitaler Flug, teilweise erfolgreich, erste Mercury im Weltraum

Mercury-Little-Joe 6
4. Oktober 1959
5 min
unbemannt
atmosphärischer Flug zur Erprobung der Rettungsrakete

Mercury-Little-Joe 1A
4. November 1959
8 min
unbemannt
atmosphärischer Flug, Fehlstart

Mercury-Little-Joe 2
4. Dezember 1959
11 min
Rhesusaffe Sam
erster amerikanischer Start mit einem Affen, Testflug zum Flugabbruch

Mercury-Little-Joe 1B
21. Januar 1960
8 min
Rhesusaffe Miss Sam
Flugabbruch erfolgreich erprobt

Mercury-Atlas 1
29. Juli 1960
3 min
unbemannt
atmosphärischer Flug, Fehlstart

Mercury-Little-Joe 5
8. November 1960
2 min
unbemannt
atmosphärischer Flug, wenig erfolgreich

Mercury-Redstone 1
21. November 1960
2 s
unbemannt
Fehlstart

Mercury-Redstone 1A
12. Dezember 1960
15 min
unbemannt
suborbitaler Flug

Mercury-Redstone 2
31. Januar 1961
16 min
Schimpanse Ham
suborbitaler Flug, erster Affe im Weltall

Mercury-Atlas 2
21. Februar 1961
17 min
unbemannt
suborbitaler Flug

Mercury-Little-Joe 5A
18. März 1961
23 min
unbemannt
suborbitaler Flug

Mercury-Redstone BD
24. März 1961
8 min
unbemannt
suborbitaler Flug

Mercury-Atlas 3
25. April 1961
7 min
unbemannt
Fehlstart

Mercury-Little-Joe 5B
28. April 1961
5 min
unbemannt
atmosphärischer Flug, teilweise erfolgreich

Mercury-Redstone 3
Freedom 7
5. Mai 1961
15 min
Alan Shepard
suborbitaler Flug, erster Amerikaner im Weltraum

Mercury-Redstone 4
Liberty Bell 7
21. Juli 1961
15 min
Virgil Grissom
suborbitaler Flug, Kapsel versank unbeabsichtigt nach der Wasserung

Mercury-Atlas 4
13. September 1961
1 h 49 min
unbemannt
die erste erfolgreiche Erdumkreisung in diesem Programm

Mercury-Atlas 5
29. November 1961
3 h 20 min
Schimpanse Enos
drei Erdumkreisungen geplant, zwei durchgeführt

Mercury-Atlas 6
Friendship 7
20. Februar 1962
4 h 55 min
John Glenn
erster Amerikaner in der Erdumlaufbahn, mit kleineren Problemen durchgeführt wie geplant, 3 Erdumkreisungen

Mercury-Atlas 7
Aurora 7
24. Mai 1962
4 h 56 min
Scott Carpenter
3 Erdumkreisungen. Einziger Mercury-Astronaut, der die Kapsel über die Spitze verlassen hat, wie es ursprünglich von den Technikern auch geplant war, alle anderen Astronauten nutzten die Sprengluke.

Mercury-Atlas 8
Sigma 7
3. Oktober 1962
9 h 13 min
Walter Schirra
„Raumflug aus dem Lehrbuch“, 6 Erdumkreisungen

Mercury-Atlas 9
Faith 7
15. Mai 1963
34 h 19 min
Gordon Cooper
22 Erdumkreisungen in 34 Stunden 20 Minuten, erstmals Landung am Folgetag

Das Ende des Projekts:
Die Reibungslosigkeit des Fluges von Walter Schirra über 6 Erdorbits mit Mercury 8 führte zu einer vorzeitigen Beendigung der Mercury-Raumflüge und dem vorgezogenen Beginn des Gemini-Programms.[2] Am 12. Juni 1963 wurde das Mercury-Programm offiziell eingestellt. Da Präsident John F. Kennedy in seiner berühmten Kongress-Rede am 25. Mai 1961 die Mondlandung innerhalb des laufenden Jahrzehnts als Ziel ausgegeben hatte, mussten weitergehende Raumfahrt-Programme anvisiert werden, da derart ehrgeizige Planungen mit dem Mercury-Programm nicht zu verwirklichen waren. Dies lag in allererster Linie an der Unmöglichkeit, das Raumschiff zu manövrieren. Das war aber für Kopplungsmanöver im All unabdingbare Voraussetzung. Es folgte das Gemini-Programm, dessen Planungsphase sogar schon 1959 begonnen hatte.

Dieses Projekt wird Gegenstand eines weiteren Artikels hier auf Blindnerd werden.

Hier noch einige sehr lesenswerte Links. Die meisten sind in Englisch, aber es ist auch was Deutsches dabei.

Deutsch
https://dokustreams.de/geschichte-der-raumfahrt-das-mercury-programm/

Englisch:
https://science.ksc.nasa.gov/history/mercury/mercury.html
https://www.nasa.gov/mission_pages/mercury/missions/program-toc.html
https://history.nasa.gov/SP-4407vol7.pdf

Dank an dieser Stelle an meinen Freund und Mitleser Matthias, der mich mit diesen Links „gefüttert“ hat.
Und damit empfehle ich mich für heute. Wir hören und lesen uns dann zum Gemini-Projekt in ungefähr 14 Tagen.