noch ist es nicht ganz zu Ende, das Jubiläumsjahr zu 50 Jahre Mondlandung. Das hat uns alle, bzw. hält vielleicht manche von euch auch noch in Bann.
am 11.12.1972 landeten bisher das letzte mal drei Menschen mit Apollo XVII (17) auf dem Mond. Diesen Tag nehme ich nun zum Anlass, meinen Mond-Artikel, der mich das ganze Jubiläum lang begleitet hat, zu veröffentlichen.
Was ich hier mit euch im wesentlichen teile ist all das, was ich im Laufe des Jahres gehört und gelesen habe, um dieses Ereignis zu feiern und zu würdigen.
Ich selbst lag am 20.07. mit einer Sommergrippe danieder, so dass ich eine Nerd-Veranstaltung zum Thema nicht durchführen konnte. Aber genossen habe ich meine Mond-Videos, Texte und Bücher dennoch und es wurde dann auch im Bett etwas feierlich.
Bereits Anfang des Jahres startete ich meine Mondreise mit einem sehr empfehlenswerten Buch „A man on the Moon“ Das ist in Englisch auf Audible hier verfügbar.
Angefangen vom Mercury- über das Gemini-Programm wird die ganze Geschichte des Apollo-Programms mit Original-Zitaten und allem entrollt.
Man kann schon sagen, dass die meisten Quellen zu Apollo in Englisch besser sind. Was ich leider auch feststellen musste ist, dass meine Haus- und Hof-Blindenhörbücherei und andere auch erstaunlich wenig zum Thema haben. Ich hätte erwartet, dass hier etwas zum Jubiläum aufgelesen würde. Vielleicht tue ich da anderen Hörbüchereien Unrecht, und ich habe etwas übersehen, aber gerade Themen wie Luft- und Raumffahrt und Astronomie sind für meinen Geschmack in unseren Hörbüchereien unterrepräsentiert…
Nach, bzw. Parallel zu diesem Buch hörte ich mir drei phantastische Folgen vom @omegataupodcast an. The Saturn V launch Vehicle How Apollo Flew to the Moon How Apollo explored the Moon
Die Bücher des in den Folgen interviewten Gastes habe ich leider noch nicht gelesen.
Ich finde Ebooks am Computer oder mit einem Player zu lesen ziemlich mühsam.
Lesenswert und hörenswert sind die Riffreporter-Artikel. Manches gibt es kostenfrei, anderes gibts per Abo.
Zugegeben, deren Seiten sind für unsereiner nicht ganz zugänglich, aber nach etwas Gewöhnung gehts.
Hier gehts zu deren wunderbaren Mond-dossier. Leider muss man hier abonnieren, um den ganzen Artikel lesen zu können. Dossier Mond
Wie viele von euch wissen, beziehe ich ganz viel Informationen aus Wissenschaftspodcasts.
Einer meiner Favorites ist ohne zweifel der oben schon erwähnte @omegataupodcast, aber ich liebe ebenso den @minkorrekt.
In Folge 148 geht es auch sehr viel und interessant um den Mond.
Es lohnt sich hier auch die Shownotes zu lesen, damit man an die saftigen Mond-Links kommt.
Lars Naber macht den Aufdistanz-Podcast. in Folge 46, Take me to the Moon unterhielt er sich mit Astronauten über die Rückkehr zum Mond.
Nicht alle Gäste, die SWR1-Leute so einlädt finde ich gleichermaßen spannend. Zum Jubiläum hatten die am Tag vorher die beiden Ex-Astronauten, Reinhold Ewald und Ulf Merbold eingeladen, um über die Mondlandung und die Rückkehr zum Mond zu sprechen. Sehr hörenswert Zwei Ex-Astronauten bei SWR1-Leute
Es ist unglaublich, wie früher Life-Sendungen aufgebaut waren. Es wurden im ZDF mehrere Stunden zur Mondlandung life gesendet. Es lohnt sich schon alleine wegen der zu heute völlig unterschiedlichen Sprechweise der Moderatoren, da mal rein zu hören. ZDF und Mondlandung
Zu meinem Frühstücksprogramm gehören immer kurz vor den Nachrichten die Sternzeit-Folgen des Deutschlandfunks. Sehr hörenswert und kurzweilig. Zu den Sternzeit-Folgen
Ein Juvel am astronomischen Podcast-Himmel sind die @sternengeschichten von Florian Freistetter.
Es lohnt sich wirklich diesen kurzweiligen Podcast zu abonnieren.
Ich bin sicher, dass sich auch hier einiges zum Mond findet.
Zum Jubiläum hat die BBC sehr aufwändig und pompös einige geschichtliche Folgen zur Mondlandung produziert. Sie sind unbedingt hörenswert, weil ganz viele Zeitzeugen-Interviews im O-Ton von noch lebenden Personen drin sind. 13 Minutes to the Moon
Viele von uns wissen, dass es auch Rückschläge im Apollo-Programm gab. Drei Astronauten verbrannten am Boden beim Test der Kapsel von Apollo I.
Ein weiterer Schlag war Apollo13. Viele kennen wahrscheinlich den Film.
Brady Heywoods schildert in seinem Podcast ab Folge 21
diese Mission so dramatisch gut, dass man Pippi in die Augen und Schnappatmung bekommt. Ein Muss, um auch diese Schattenseite zu würdigen. Die Besatzung hat Apollo13 schließlich überlebt.
Einfach großartig und anrührend sind die Wissenschaft-Shows, die der DLR_Next veranstaltet. Da kommen dann auch sehende Leserinnen und Leser dieses Artikels voll auf ihre Kosten.
Für Kinder sehr lohnenswert, aber auch großartig für Erwachsene ist der Blog von @Astrozwerge. Dort gibt es z. B. ganz viel Mondlandung mit der Lego-Rakete, die ich auch besitze.
Hier kommen nun noch einige Links, die sich rund um die Mondlandung ranken. Ich kommentiere jetzt nicht alle im einzelnen. Selbst hören und sehen ist doch sowieso viel spannender.
Liebe leserinnen und leser,
heute teile ich mit euch mal wieder ein Urlaubserlebnis. Aber keine Angst, bissel Astronomie kommt auch vor, denn ein Urlaub ganz ohne, wäre kein Urlaub für mich…
Urlaub am dunkelsten Ort Deutschlands?
das kann mir doch eigentlich egal sein, wie dunkel es wo ist, denn bei mir ist auch tags über der dunkelste Ort, wo ich mich gerade befinde, weil ich zu 100 % blind bin.
Für Sehende bedeutet Blindheit immer Dunkelheit und Hilflosigkeit. Das ist absolut verständlich und nachvollziehbar.
Aber, wer nie Helligkeit gesehen hat. Wie kann es für so jemanden dunkel sein?
Ich habe Helligkeit gesehen, ohne Farben und doch etwas. Das ist jetzt aber meistens weg, obwohl ich manchmal Tage habe, wo ich noch etwas Licht sehen kann. Nützen tut mir das aber leider meistens nichts mehr. Niemals habe ich mich aber trotz des Verlustes meiner wenigen Sehkraft im Dunkeln gefühlt.
Dennoch hat mir mein früheres Sehen sehr geholfen. Ich sah doch so manches Hindernis, welchem ich ausweichen konnte.
Wie auch immer.
Wir blinden leben nicht in Finsternis. Und aus diesem Grunde bin ich Hobby-Astronom. Und darum ist es mir wichtig, dass es nachts dunkel ist, damit die Tierwelt die Nacht nutzen und ich mit Astronomen Sterne beobachten kann. Damit Ruhe einkehrt, denn Lärm ist letztlich eine negative Seite des Sehens, weil Sehen oft überbewertet wird und unser Ohr zum Hilfsorgan degradiert wird, was wir am erbärmlichen Ton all abendlich erkennen können, indem wir dem extrem schlechten Klang unserer Fußballfeld großen Flachfernsehern lauschen, obwohl wir in einer Zeit höchst entwickelter Hifi-Technologie leben. Beobachtet mal mit den Ohren. Ihr werdet feststellen, dass nahezu alle Statussymbole, die zu ANSEHEn verhelfen, wie Sportwagen und Motorräder extrem viel Lärm produzieren…
Diese Tatsachen sind Grund genug, sich auf das Abenteuer, ohne Begleitperson zu begeben, und an den dunkelsten und auch einer der stillsten Orten Deutschlands zu fahren,
sich auf eine Familie einzulassen, die ich nur per Mail kannte,
sich hinein zu wagen, auf eine ungewisse Reise.
Wird das mit der Umsteigehilfe funktionieren?
Ist Familie Zemlin auch nett, sensibel genug und respektvoll zu mir?
Komme ich im Haus alleine ohne Begleitperson zurecht?
Ja, derlei Fragen und noch viele mehr stellt man sich vor so einem Abenteuer. Da geht dann schon mal der Atem schneller, und trotzdem habe ich es gemacht.
aber alles der Reihe nach.
Wie alles begann
Schon seit vielen Jahren bin ich sehr gut mit dem Entwickler des mittlerweile sprechenden Handplanetariums Universe to Go befreundet.
Ich stehe ihm beratend zur Seite, wenn es darum geht, dieses Handplanetarium so zu entwickeln, dass auch blinde Menschen den Sternenhimmel akustisch erfassen können. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas grafisches für unseren Personenkreis umsetzbar wäre, aber es geht…
Dieser Freund kennt Familie Zemlin aus Lochow bei Rathenow, die einige Ferienhäuser betreiben.
Fam. Zemlin ist es ein Herzensanliegen, auch barrierefreie Angebote für Menschen mit Behinderung vor zu halten. So vermittelte mein Astrofreund Martin den Kontakt zwischen mir und den Zemlins, in der Hoffnung, ich könnte hier vielleicht etwas beratend bei Seite stehen.
Nun wurde ich vor einiger Zeit von Fam. Zemlin eingeladen, bei Ihnen mal einen Probeurlaub sozusagen zu erleben. Ziel war und ist es, herauszufinden, was im Bereich der Barrierefreiheit in meinem Fall für blinde Menschen noch verbessert werden könnte.
Es sind ja oft nur Kleinigkeiten, die nicht viel Geld kosten, die eventuell aus quasi Abfällen gebastelt werden können, die nicht technisch kompliziert sind und die doch manchmal wirkungsvoll, nützlich und im Extremfall vielleicht sogar lebens rettender sein können, als ein hoch technisches unbezahlbares Hilfsmittel.
Ein Aufkleber, um etwas zu kennzeichnen, ein markierter Schalter, Markierungen an Kochherd oder Spülmaschine, ein Läufer auf dem Fußboden, der einem z. B. davor bewahrt, in eine große Pflanze hinein zu laufen, können so hilfreich sein und bedürfen keines besonderen Wissens oder technischer Kunstgriffe.
Um es vorweg zu nehmen. Ich bin der Überzeugung, dass wahrscheinlich 90 % der Barrieren durch Empathie und Brücken der Liebe überwunden werden, weil man sich in dem Fall in sein Gegenüber hinein versetzt und selbst auf Ideen kommt, wie die Welt barrierefreier werden könnte.
Es muss überhaupt nicht perfekt sein. Es muss nur eben gemacht werden.
Bei Fam. Zemlin ist diese Nächstenliebe absolut vorhanden und auch die Beobachtungsgabe und Sensibilität, sein Gegenüber ganzheitlich wahrzunehmen mit allen Eigenschaften, also auch mit der Einschränkung, die lediglich eine Eigenschaft von vielen anderen ist…
Die Ankunft
So organisierte ich also die Fahrt nach Rathenow, wo Detlef mich abholen sollte. Für die Züge hatte ich Umsteigehilfen bei der Bahn gebucht. Großartig, dass das jetzt alles so online geht.
Die Fahrt nach Rathenow war lang, aber nicht langweilig. Viel Zeit für Hörbücher.
Detlef und seine liebe Frau, Liane, standen schon am Gleis und nahmen mich direkt herzlich und liebevoll in Empfang. Überhaupt sind die beiden so, als hätten sie täglich mit Menschen zu tun, die blind sind. Das ist es eben, was ich mit Brücken der Liebe meinte. Es gibt Menschen, die können mit uns von Natur aus umgehen, und solche, die trotz fachlicher Qualifikation, Lehrgängen und Dunkelseminaren, es nie schaffen. Für alle, die Scheu und Berührungsängste mit uns haben, sei gesagt:
Es geht einfacher, als man denkt.
Wenn ihr die drei Punkte, „Fragen, Denken und helfend handeln“ beachtet, könnt ihr nur noch wenig falsch machen.
Zunächst gingen wir erst mal einkaufen, weil man sich in Lochow selbst versorgen muss. Schnell hatten wir uns darüber abgestimmt, was wir frühstücken und zum Abendbrot essen würden.
Es war klar, dass wir unser Mittagessen irgendwo draußen während unserer Ausflüge, einnehmen würden.
Das Angebot, mit Fam. Zemlin gemeinsam essen zu dürfen und nicht alleine im Ferienhaus, nahm ich gerne an. Das machte vieles einfacher und mir blieb kochen, spülen etc. erspart. Von der Ausstattung her wäre es aber kein Problem gewesen, dass man sich als blinder Mensch, bzw. mit einer Gruppe im Haus selbst bekocht. Dazu nachher mehr.
Die Unterkunft
Angekommen an meinem Ferienhaus fand mein Blindenstock gleich tastbare Leitlinien am Boden und eine Rampe als Alternative zur Treppe. Die Rampe hat seitliche Ränder, so dass man nicht daneben treten kann. Vor dem Haus auf Rampe
Die Türklingel ist mit Punktschrift beschriftet, so dass man nicht ausversehen Licht macht, das man nachher zu löschen vergisst, weil man es nicht sieht.
Im Haus fielen mir zunächst die Schiebetüren auf. Ich liebe Schiebetüren. Der Feind eines jeden Blinden sind halb geöffnete Klapptüren oder Fenster, in welche man hinein laufen und sich ernstlich verletzen kann.
Alle Türen waren in der Nähe der Klinken und zusätzlich noch weiter oben, wo in der Regel die Schilder für Sehende angebracht sind, in Punktschrift beschriftet, so dass man weiß, welches Zimmer dahinter liegt.
OK, beim ersten Betreten des Hauses rennt man erst mal in eine Insektentür, weil man die durch ihre feine Netzstruktur nicht hört. Daran tut man sich aber nicht weh, und nach dem ersten mal weiß man es ja dann. Und keine Schnaken im Haus zu haben weiß jeder zu schätzen, der am Wasser wohnt…
Der Grundriss des Hauses ist sehr einfach und ich konnte mich sehr leicht und ohne Barrieren orientieren. Das Haus hat nur ein Stockwerk.
Der Wohnbereich ist super gemütlich.
Ob der Fernseher blind bedienbar ist, weiß ich leider nicht, weil ich ihn nicht benutzt habe.
die Küche ist besser eingerichtet, als die meine.
Der Herd ist ohne Markierungen bedienbar, weil die Knöpfe so geformt sind, dass man ungefähr an deren Stellung erkennt, wie hoch man ihn gedreht hat.
Die Spülmaschine habe ich nicht benutzt. Vermutlich müsste man hier noch Tasten markieren, um sie bedienen zu können.
die Schlafräume sind klasse und das Badezimmer ist vollkommen barrierefrei.
Die Wege zwischen den Häusern und zum Haus der Zemlins sind momentan für blinde Menschen noch schwierig, ohne Begleitung zu gehen, weil man sie nicht wahrnimmt. Das Gehen fühlt sich an, als wäre man am Strand, weil der Boden sehr sandig ist. Ein großartiges Geh-Gefühl.
Das sollte, wenn es wärmer ist, eine wunderbare Barfuß-Erfahrung sein.
Hier könnte man sich z. B. mit einigen Markierungen mit dem Handy und der App Myway behelfen.
Die Außenorientierung ist noch in der Planungs- und Entwicklungsphase.
Die erste Nacht
Überwältigend war für mich die absolute Stille in der Nacht. In der ersten Nacht war es für mich etwas unheimlich. Zum einen deshalb, weil ich eben alleine in diesem Haus war und wusste, dass ich mich draußen nicht auskenne. Naja, es war ein Telefon vorhanden, mit dem ich Fam. Zemlin hätte anrufen können.
Die Stille war wirklich, naja, was soll ich sagen, sehr laut und erdrückend. Wir sind das nicht gewohnt, dass es wo so still sein kann. Ich musste leise Hörbuch an machen, damit ich etwas hören kann. Obwohl ich selbst auf dem Lande wohne, wo es schon sehr still im Vergleich zur Stadt ist, muss ich sagen, dass ich im Gegensatz zu dort, in purem Lärm lebe. In der zweiten Nacht war die Beklemmung dann verflogen. Ich hatte mich daran gewöhnt. Ich zog sogar in Erwägung, die Batterie aus der Wanduhr des Wohnbereichs zu nehmen, weil ihr Ticken durch das ganze Haus „hämmerte“.
Ach ja, in der ersten Nacht hatte ich einen kleinen Störenfried im Haus. Ein Rauchmelder meinte, er müsste mir so ab 04:00 Uhr Morgens mitteilen, dass seine Batterie am Ende wäre. Dieses Geräusch dürften viele von euch kennen. Das kann man nicht voraus sehen. Das kommt halt, wenn es kommt. Detlef schaffte dann am nächsten Morgen diese Unruhe rasch aus dem Haus.
Was ich bei dieser Stille absolut bestätigen kann, ist, was viele Mönche sagen. Man hört die eigenen Gedanken unheimlich laut. Sie springen, will man sie stumm schalten, wie Kinder jauchzend und schreiend ins Schwimbecken des eigenen Kopfes, tummeln sich und machen unglaublichen Lärm. Das wird aber nach einiger Zeit besser. Auch dieses ist ein Grund, sich mal hier in Urlaub zu begeben. Ich kann mir keinen Ort vorstellen, wo man sich besser entschleunigen könnte.
Als ich dann in der zweiten Nacht empfänglich und offen für diese Stille war, hörte ich unheimlich viel.
Das Knistern meiner brennenden Zigarette tönte, wie ein prasselndes Kaminfeuer. Dazwischen hörte ich noch einige Nachtvögel und den Fuchs bellen. Kann sein, dass auch noch ein Marder oder Waschbär raschelte. Zumindest habe ich so was gehört.
Freizeit mit Fam. Zemlin
Neben intensiven Gesprächen über Barrierefreiheit und weitere Themen durfte ich mit Detlef zwei wunderbare Ausflüge machen.
Wir besuchten das Otto-Lilienthal-Museum, die Theodor-Fontane-Ausstellung und ein sehr spannendes Optik-Museum, wo man viel anfassen konnte. Betasten eines Gleiters Gleiter mit Puppe
Lilienthal war der Flugpionier der Menschheit.
Fontane kennen wir noch durch sein Gedicht „Der Birnbaum“ und durch vielleicht den Roman Effi Briest, durch den viele von uns auf dem Gymnasium hindurch sich noch quälen mussten. Für mich war das damals schwer, weil ich mit derlei Literatur so absolut nichts anfangen konnte, aber mit zunehmendem Alter, finde ich das gar nicht mehr so schlimm…
Das Optik-Museum lohnt sich auch sehr. Unglaublich, wie man damals optische Elemente herstellen musste, und wieviel handarbeit alleine schon für eine Brille nötig war. Glasschleif-Maschine von 1915
Mehr will ich aber hierzu nicht verraten, denn ihr sollt ja nach Lochow in Urlaub fahren, und das alles selbst erleben.
Ein Highlight war zweifellos der Besuch eines Sees bei Sonnenuntergang, an und auf welchem tausende Kraniche und Gänse landeten um dort zu nächtigen. Das war ein Geschnatter und Geflatter. Großartig!!! Hört mal, Kraniche über Lochow.
Und so klingen die Gänse: Audio, Gänseeinfall über dem Gülper See
Zu Tränen gerührt war ich, als Detlef mir nachts den Sternenhimmel beschrieb. Alle verdächtigen Sterne waren am Himmel. Die Milchstraße war quasi von Horizont zu Horizont sichtbar. Unglaublich, wie dunkel es hier ist. Ich fühlte mich unter diesen Sternenhimmel mit Detlefs Beschreibungen, wie in einer Kathedrale, Irgendwie der Schöpfung ganz nah und verbunden.
Natürlich kommen hier viele Astronomen genau deshalb her, weil man hier so wunderbar den Sternenhimmel beobachten kann.
Meine große Bitte zu Weihnacht und darüber hinaus
Bitte, liebe Leserinnen und Leser, überlegt euch wirklich, gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit, welche Lichter ihr wirklich die ganze Nacht durch brennen lassen wollt. Es ist absurd, aber ich kenne Sehende, die zur Weihnachtszeit ihr ganzes Anwesen weihnachtlich beleuchten, um dann das eigens erzeugte unnötige Licht mittels Rollläden des nächtens auszusperren. Aber auch ohne Weihnachten. Macht es bitte so dunkel, wie ihr könnt. Tiere, Astronomen, aber auch unsere Gesundheit, werden es uns danken.
Vielen Dank.
Fazit
Momentan würde ich blinden Menschen eher noch nicht empfehlen, ganz ohne Begleitperson dort hin zu reisen. Beim Einkauf etc. sind aber Fam. Zemlin gerne mit dem Auto behilflich, denn manch andere Gäste, auch ohne Einschränkung, kommen auch ohne Auto.
Eine Gruppe von blinden Menschen mit einer sehenden Begleitung könnte sich aber in so einem Ferienhaus sehr wohl fühlen. Man kann viel laufen, kann sich Tandems leihen, kann die Stille genießen und vieles mehr.
Ich bin davon überzeugt, dass sich hier noch etwas ganz wunderbares entwickeln wird und weiß für mich, dass ich nicht zum letzten mal bei den Zemlins war.
Ich möchte dort etwas inklusives zu Astronomie anbieten.
Einige Tage Klausur, um in aller Ruhe Musik zu machen, wäre auch ein denkbarer Urlaub für blinde Menschen.
Wer sich für mehr interessiert, findet hier Befriedigung.
Naja, vielleicht trifft man sich ja mal an diesem wunderbaren Ort.
Bis zum nächsten mal grüßt euch herzlich
Euer Blindnerd Gerhard Jaworek.
Liebe Leserinnen und Leser,
Nein, jetzt kommt kein Artikel über 50 Jahre Mondlandung, aber sie kommt durchaus darin vor. Wieso sollte ich hier wiederholen, was andere schon in Presse, Büchern, Rundfunk, Fernsehen und Podcasts darüber erzählten. Es gibt so wunderbare Quellen zur Mondlandung, die kann man nicht toppen und muss es auch nicht.
Ihr bekommt schon noch was zum Mond, aber heute teile ich etwas anderes mit euch:
Von langer Hand geplant, von der kommunalen Inklusionsvermittlerin Gundelfingen koordiniert und organisiert, von Medien begleitet etc. durfte ich am Vorabend zur Mondlandung einen ganz wunderbaren Vortrag in der Mediathek Gundelfingen halten
Dieses Event lief so beispielhaft inklusiv ab, dass ich darüber schreiben möchte, obwohl ich ansonsten kaum über meine Veranstaltungen schreibe. Das wäre dann auch zu viel Bauchpinselei.
Hier erscheint der Artikel zunächst ohne Bilder. Die werden nach und nach ergänzt. Deshalb lohnt es sich, auch später nochmal auf den Artikel zu gehen.
Aufmerksam wurde die Organisatorin durch eine Radiosendung die der Evang. Rundfunk im Januar um Dreikönig herum ausstrahlte.
Dank an dieser Stelle an meinen blinden Freund, der Journalist ist und dort arbeitet und mir das ermöglicht hat.
Sie rief mich an und fragte mich, ob ich zu einer Veranstaltung bereit wäre. Sofort sagte ich zu, denn meine Erfahrung ist, dass meine Veranstaltungen im ländlicheren Raum tendenziell besser besucht, und organisiert sind und familiärer ablaufen.
Die Organisatorin des ganzen sitzt selbst im Rollstuhl und arbeitet am Max-Plank-Institut in Freiburg.
Schon im Vorfeld des Vortrages wurde mir klar, dass diese Veranstaltung ein Highlight werden könnte.
Es war selbstverständlich, dass ich vom Gleis in Freiburg abgeholt werden muss, weil ich mit Astrokoffer in einer unbekannten Umgebung nicht öffentlich fahren kann.
Die Mutter der Macherin stand mir hier auch über die ganze Zeit meines Aufenthaltes in Gundelfingen zur Seite.
Nun ging es darum, den Vortrag dort zu bewerben. Hierfür wurde organisiert, dass mich eine freischaffende Journalistin anrief, um mit mir ein Telefoninterview für die Badische Zeitung zu führen.
Natürlich mache ich bei so etwas mit, schraube aber meine Erwartungen über die Qualität und den Inhalt der Presseartikel eher nicht so hoch.
Meist geht Presse so, dass man interviewt wird und dann mit schmerzverzerrtem Gesicht in der Zeitung lesen muss, was man gesagt haben soll, welche Meinung man zu etwas angeblich habe und in meinem Fall konnt dann natürlich die Blindheit und die Astronomie dazu. Da passiert es dann schon mal, dass dem Schreiber die Sache entgleist.
Nicht so bei der Badischen Zeitung.
Die Reporterin war sehr sensibel. Sie stellte hervorragende Fragen, war super vorbereitet, hatte gut im Vorfeld recherchiert und wahrnehmbar in mein Buch geschaut.
Ich schreibe das an dieser Stelle, weil ganz besonders über Menschen mit Behinderungen oft respektlos, falsch, bemitleidend oder sonst wie bevormundend geschrieben wird.
Dieser sehr lange Artikel ist so inklusiv und würdig, wie ich das noch niemals erlebt habe, und ich habe viel erlebt. Meine Pressemappe ist mit den Jahren dick geworden.
Ganz besonders war hier auch, dass ich den Text gegenlesen durfte, und Vorschläge oder Korrekturen einbringen durfte.
Leider steht der Artikel verständlicher Weise hinter der Paywall für die Abonnenten, so dass ich ihn hier nicht bringen kann, aber vielleicht hat ja die eine oder andere Person die Gelegenheit ihn zu lesen.
Kurz vor dem Vortrag gab es dann noch eine Ankündigung für die Veranstaltung, bei der im wesentlichen der Klappentext meines Buches zu lesen war.
Nun zur Veranstaltung selbst.
Es lief schon extrem gut an. Meine Züge waren super pünktlich, die Klimaanlagen funktionierten und die Umsteigehilfe lies mich nicht mit Rucksack und Astrokoffer im Regen stehen.
Sogar die Legorakete hat den Transport und den Vortrag überstanden. Ich habe allerdings nicht die ganze Rakete dabei gehabt, sondern nur Brennstufe drei mit Servicemodul, Mondlandefähre und weils schöner aussieht mit der Rettungsrakete an der Spitze, die zum Zeitpunkt der Abtrennung von Stufe II, dort nicht mehr hin gehört.
Wenn man die Kleinteile außen abbaut, kann man die einzelnen Brennstufen wie Dosen mit Blasensack-Folie einschlagen. Klappt super gut.
In Freiburg hat mich die Organisatorin der Veranstaltung mit ihrer Mutter abgeholt. Mutter und Tochter haben ein gemeinsames Auto, was die Rollstuhlfahrerin per Hand lenken, bremsen etc. kann, oder die Mutter auf herkömmliche Art fährt. Ein Roboterarm hilft, den Rollstuhl zu verstauen und auch wieder auszupacken.
Man wünscht sich das nicht, aber es funktioniert richtig cool. Super, dass die Technik heute für die Rollstuhlfahrer so etwas bereit hält.
Zunächst brachten sie mich in meine kleine Pension, damit ich mich einrichten konnte. Die haben nur zwei Zimmer, die sie vermieten. Die Frau des Hauses fragte mich, was ich gerne frühstücken wolle, denn sie geht jetzt einkaufen.
Naja, ich bin da anspruchslos, aber für hausgemachtes Rührei nach quasi „badischer Hausfrauenart“, habe ich mich dann doch entschieden, weil ich das sonst nie bekomme.
Gegen 16:00 Uhr haben mich dann die beiden Damen ohne Auto abgeholt. Die Mutter schob die Tochter im Rollstuhl und ich hing mit dem Astrokoffer hinten dran.
Ich denke, dass das ziemlich cool ausgesehen haben könnte.
Wir sind dann noch was essen gegangen. Habe mir Schweinelendchen gegönnt.
Danach ging es dann zur Gundelfinger Mediatek. Ein Neubau mit allen Vor- und Nachteilen, die ein Neubau so haben kann. Ich will mal ehrlich einen Architekten sehen, der Gebäude plant, die nachher ihren Zweck optimal erfüllen, die man gut belüften kann, wo die Beschallung stimmt, der Sonnenschutz dann zu geht, wenn Sonne da ist etc.
Wir haben uns darüber amüsiert, weil es bei jedem Neubau irgendwie immer dasselbe ist und es irgendwo klemmt.
Mein Saal war wie ein Treibhaus, aber es war genug zum trinken da.
Nachdem ich aufgebaut hatte, füllte sich der Raum auch schon langsam.
Beim Aufbau und auch beim Abbau musste ich leider den Aktionismus mancher „Landfrauen“ bremsen, die meinten, mir helfen zu wollen.
Mir kann man aber am Astrokoffer nicht helfen, weil sonst die Katastrophe ausbricht und ich den Überblick verliere. Stellt euch vor, jemand hätte die Rakete herunter geworfen.
Die bekommt man ohne Handbuch nicht mehr zusammen.
Das tut mir ja dann immer Leid, dass ich so abweisend sein muss, aber es geht wirklich nicht anders.
Und leider ist es aus gut gemeinten Gründen dann oft so, dass durch das Helfersymdrom leider bei manchen, Entschuldigung, dass ich das jetzt so sage, „das Hirn ausfällt“.
Vom Beschützerinstinkt eines Sehenden dann doch zielsicher in das Hindernis und nicht wie der Plan des Helfers war, darum herum geführt zu werden,
Bis hin zu einem Totalschaden einer Gitarre die ein Guckling mir auf der Bühne reichen sollte,habe ich hier schon viele vermeidbare Katastrophen erlebt…
Deshalb hier meine drei Schritte, für ein erfolgreiches Helfen:
Fragen, denken, helfen. So klappts meistens…
Ich vertröste sie dann immer und sage, dass es schon noch genügend gibt, wo ich gerne Hilfe annehme. Nämlich dann, wenn es nur noch darum geht, die Modelle und Bücher zu drapieren.
Kurz vor dem Vortrag war noch Zeit, um mit den ankommenden einen Sekt zu trinken. Ich liebe Sekt vor Auftritten.
Den gab es in der Pause und danach auch noch.
Die Gundelfinger Gemeinde hat die Sektbar etc. gesponsert. Das hat die Veranstaltung unheimlich aufgewertet und verlieh ihr etwas edles und exklusives und für mich etwas wertschätzendes.
Nun ging es also los.
Einführung
Der Raum war mit etwa 50 Personen voll besetzt.
Wahnsinn, und das an einem heißen Freitag Sommerabend. Bild Raumansicht voller Publikum
Wie immer führte ich provokant mit der Frage ins Thema ein, was es überhaupt für einen Sinn macht, sich mit Astronomie zu beschäftigen, wenn man keine Sterne sehen kann.
Es macht einen Sinn, denn man kann sich hier mit Grundsatzfragen beschäftigen, die uns alle angehen.
Selbst dann, wenn man einen Schöpfer zugrunde legt, kann man sich fragen, wie er alles geschaffen hat.
Dann lieferte ich Thesenartig Gründe, wo auch sehende Astronomen nichts sehen können, z. B. dunkle Materie, schwarze Löcher etc.
Daten von Infrarotteleskopen, wie dem Hubble, müssen auch für sehende Astronomen aufbereitet werden. Wieso dann nicht auch akustisch? Ist in dem Fall fast dasselbe.
Erlebnis Astronomie Inklusiv
Nun stieg ich in die Inklusion ein, indem ich Beispiele aufführte, wie ich Astronomie inklusiv erlebe, z. B. Die Sonnenfinsternis vom 11.08.1999wie ich derlei mit Universe2Go, dem sprechenden Handplanetarium erlebe und wie ich einmal eine Einführungsveranstaltung darüber hielt, welches Instrument man sich für welche Beobachtung anschaffen könnte. Ja, da fragte mich mal ein Veranstalter, ob ich so einen Vortrag halten würde. Ich fand es spannend und sagte zu. Ist doch nur bissel Optik, die uns übrigens in der Hauptschule vorenthalten wurde, weil wir Licht nicht sehen könnten. Wie unverschämt, denn in meinem Nebenfach Physik, stellte ich fest, dass Optik super logisch und erklärbar ist, auch wenn man das Licht nicht sieht… Vier Wochen später rief er mich wieder an und entschuldigte sich und bedauerte, was ihm da schlimmes peinliches passiert sei, einen Blinden nach derlei zu fragen.
Ich war noch nicht lange dabei und somit hatte er das nicht auf dem Schirm. Er kannte mich wahrscheinlich nicht mal.
Naja, wass sollte ich ihm sagen. Die Sache war noch schlimmer, denn der Vortrag war schon fertig…
Ich machte mir den Spaß und deckte meine Blindheit erst mit der letzten Folie auf. Inklusiv war das allemal.
Klar habe ich für die Erstellung der Folien, wie immer sehende Hilfe benötigt.
In meinem Buch gibt es noch weitere Beispiele für gelebte Inklusion in der Astronomie. Taktile Sonnenfinsternis ins Publikum halten
Hörastronomie
Nach diesem Lesungsblog wechselte ich das Medium und wir legten unser Ohr ans Teleskop. Über den Erden- oder Sonnenton der alten Völker, der Kakophonie aller verklanglichten Planetenbahnen, das Radioprogramm von Sonnenwind und Polarlichtern bis hin zum Klang des Jupiter, Pulsaren und verschmelzenden schwarzen Löchern, zeigte ich auf, wie viele Dinge im All hörbar gemacht werden können.
Ich schrieb darüber in Mit dem Ohr am Teleskop
und in Klingende Planetenbahnen
Weitere Artikel zu Hörastronomie werden folgen.
Nach dem Ohr am Teleskop kam dann ein Novum, was ich so noch nie gemacht hatte, aber künftig immer tun werde.
Aktivpause
Ich setzte das haptische Erlebnis mit meinen Modellen und den Buchverkauf nicht mehr, wie bisher ans Ende der Veranstaltung, sondern machte quasi eine Aktivpause mit den Teilnehmenden. So können mir die Leute nicht so weg rennen, und der Buchverkauf läuft deutlich besser.
Ich verkaufe mein Buch so, dass jeder gibt, was es ihm wert ist. Größer sieben Euro sollte es aber schon sein.
Der Vorteil ist, dass die Leute die Hemmschwelle nicht haben, sich mit mir und Geld etc. einlassen zu müssen.
Viele hält das vom Buchkauf ab, bzw. sie bestellen es dann bei Amazon, oder gar nicht, wenn man wieder im Alltag steckt.
Der Buchverkauf ist ja nicht das primäre Ziel des Abends, aber diesmal habe ich bei 50 Teilnehmern um 20 Bücher verkauft. Der Schnitt ist genial.
Und die Kasse stimmt auch einigermaßen. Viele geben dann halt nur 10 anstelle von 14 Euro, aber andere auch mehr. Das passt schon.
Dieser etwas anarchistische Buchverkauf funktioniert und ist ganz nach meinem Geschmack. Publikum vor dem Astrotisch
Und noch einen Vorteil hat diese Aktivpause. Das Eis für Fragen und Gespräche nach der Veranstaltung ist dann schon mal gebrochen. So baut man barrieren ab.
Manchmal müssen wir uns halt mit derlei Tricks inkludieren. Das ist OK so.
Nachdem diese Aktivpause vorbei war, fanden wir uns zu einem letzten Block ein.
Astronomie, Wissenschaft in Inklusion
Jetzt zog ich nochmal alle Register zur Inklusion, indem ich das Auditorium damit verblüffte, dass Astronomie traditionell schon immer auch eine wissenschaft für Menschen mit Einschränkungen war.
Johannes Kepler war stark seheingeschränkt. Hätte er nicht die Daten seines Beobachters Tycho Brahe gehabt, ist es fraglich, ob er zu seinen drei keplerschen Gesetzen gefunden hätte, die bis heute in der Himmelsmechanik grundlegend sind.
John Goodricke, der Entdecker hellichkeitsveränderlicher Sterne (Cepheiden) war taub. Diese Dinger spielen eine erheblich wichtige Rolle als Standardkerzen zur Entfernungsbestimmung in der Astronomie.
Da gehörlose Menschen mit visuellen Gesten kommunizieren, sind sie vielleicht tendenziell generell gute Beobachter, was Goodricke am Sternenhimmel zu gute gekommen sein dürfte.
Stephen Hawking war vollständig gelähmt.
„Eingesperrt“ in diesen Körper blieb seinem Geist vielleicht nur die Flucht in die Physik.
Zum Glück hatte er die Infrastruktur für sein inklusives Leben.
Danach berichtete ich vom Inklusionstag der IAU in Wien. Ich schrieb darüber in Inklusionstag der IAU in Wien
Dort lernte ich beispielsweise Astronomen kennen, die sehend in Astronomie promovierten, dann erblindeten, und einfach weiter machten, nur anders.
Aus jedem anderen Beruf hätte es jemanden raus gehauen, der plötzlich mit so einer Einschränkung konfrontiert wird.
Astronomie Inklusiv – Fallbeispiele
Als nächstes brachte ich einige Beispiele, wie ich Inklusion am Himmel treibe.
Blinde lesen sehenden Sternenguckern nachts vor,
Rollstuhlfahrer sind der Mittelpunkt, einer Tanzübung, etc.
ADHS-Kinder werden Ruhig auf einer wiese, bzw. derart in den Vortrag eingebaut, dass sie beschäftigt und wichtig sind.
Manchmal möchte ich bewusst blind sein und es leben dürfen
Beendet habe ich die Lesung dann damit, dass für mich zur Inklusion auch mal gehört, dass ich ein Refugium für mich finde, wo ich ganz bewusst meine Einschränkung leben darf.
Im Kapitel „Mein Weg zur Inklusion“ und hier in Urlaub vor den Sehenden machen
schrieb ich ausführlich darüber.
Nun kamen wirklich viele Fragen. Die neue Struktur mit der Aktivpause, die Grenzen und barrieren überwindet, zeigte ihre volle Wirkung.
An dieser Stelle konnte ich unheimlich vieles einbringen, was Alexander Gerst uns bei seinem
Besuch in Karlsruhe erzählte. Danke @astro_alex. Dein Vortrag bereichert nun auch meine.
Wer mag, kann hier nachlesen, wie eindrücklich diese Veranstaltung für mich war.
So, wie der Vortrag in Gundelfingen lief. Da kann man keine Schaufel mehr drauf packen.
Nicht mal meine sich im Anmarsch befindende Sommer-Erkältung konnte etwas daran ändern. Die Veranstaltung war großartig und Gundelfingen ist es auch.
Bei meiner Gastfamilie
Am Nächsten Tag verbrachte ich dann noch das Frühstück und einen Teil des Vormittages mit meiner Gastfamilie.
Das sind großartige Menschen. Er auch Informatiker und Physiker, der sogar am Retina-Implantat mit entwickelt hat, der auch Gitarre spielte wie seine Frau, die sogar Lieder schreibt und dazu gab es noch einen wunderbaren Enkelsohn.
Der Gastvater kam auch zum Vortrag.
Wir fanden am Frühstück sofort hunderte Themen, über welche wir reden konnten.
Danach spielte ich der Gastfamilie noch etwas auf der Gitarre vor, weil der Herr des Hauses dieses wünschte.
Mit dem Enkel spielte ich dann noch Mondlandung mit der dritten Brennstufe meiner Legorakete.
Der Opa durfte am Tablet die Bilder von der Legorakete, die auf Blindnerd in Auf den Mond und zurück mit Lego
zu finden sind, nicht mehr schließen.
Außerdem war der Opa so begeistert über das Scheeme, das ich bei WordPress für meinen Blog verwende, dass er mich danach fragte.
Ist das alles nicht auch unglaublich inklusion?
So, und dann war es auch schon wieder Zeit. Die Organisatorin des ganzen und ihre Mutter holten mich mit dem Auto ab und fuhren mich nach Freiburg. Dort wurde ich in die Hände des Umsteigeservices der Bahn übergeben und auch diese Zugfahrt klappte
wunderbar.
Und wer jetzt sagt: Klar, hat das mit der Inklusion so gut geklappt, weil die Organisatorin selbst betroffen sei. Dem sage ich, dass das nur zu einem kleinen Teil vielleicht stimmt. Ich kenne Menschen, die tag täglich beruflich z. B. mit Blinden zu tun haben, und die nicht lernen wollen oder können, wie man mit uns umgeht.
Da nützen auch Dunkelseminare etc. nichts.
Und andere kenne ich, die noch nie einen blinden Menschen gesehen haben, und es durch Emphatie, besonnenes Denken und Handeln einfach hin bekommen.
Inklusion ist oft einfach machen. Wer die Wie-Frage zu oft stellt, der wird über die Integration nicht hinaus kommen.
wie viele von euch mitbekommen haben, fand gestern, am 02.07.2019 eine Sonnenfinsternis im südamerikanischen Raum statt. Die bilder der drei Teleskope, die im Kernschatten der Finsternis lagen, müssen atemberaubend gewesen sein. Zumindest hörte sich das in den sozialen Medien so an.
Lasst uns diese Finsternis zum Anlass nehmen, und uns erinnern, wie das 1999 so war, als wir eine totale Sonnenfinsternis über Süddeutschland hatten.
Vielleicht hat ja jemand Lust, z. B. über die Kommentarfunktion des Artikels seine Erinnerungen von damals mit mir zu teilen, worüber ich mich sehr freuen würde.
Nun viel Freude mit meinen Erinnerungen. Es war so:
Nicht jedem ist das Glück beschieden, direkt vor seiner Haustüre eine Sonnenfinsternis erleben zu können. In manchen Kulturen und zu anderen Zeiten waren sie eher Symbole des Unglückes und des Schicksals. Ein Krieg zwischen den beiden Völkern der Meder und Lüder wurde durch die Sonnenfinsternis vom 28. Mai 585 v.Chr. angeblich beendet, und zwar aus Angst, die Götter zürnten ihnen, da die Sonnenfinsternis direkt in das Kampfgetümmel fiel. Auch in der Bibel liest man Geschichten über Verdunkelungen des Himmels am Tage, die auf Sonnen- oder Mondfinsternisse zurückgehen könnten, z. B. bei den Propheten.
Auf jeden Fall waren wir alle schon Monate vorher aufgeregt, wie das wohl sein würde. Ich machte mir umfangreich Gedanken, ob ich als Mensch mit Blindheit überhaupt etwas davon mitbekommen würde. So las ich im Vorfeld viel darüber, wie eine derartige Finsternis funktioniert, was alles innerhalb der kurzen Verfinsterung entdeckt worden war und wie viele Strapazen etliche Astronomen in der Vergangenheit auf sich genommen hatten, um eine Sonnenfinsternis zu erleben. Diese reichten bis hin zu sehr gefährlichen Seereisen auf Segelschiffen.
Als nun endlich der Tag nahte, war die Enttäuschung zunächst groß. Der August war relativ verregnet, sodass nicht klar war, ob wir mehr als eine kurze Finsternis erleben würden. Somit beschloss ich, in jedem Falle die Zeit der Finsternis im Schlosspark von Karlsruhe zu verbringen, denn ich wollte die Stimmung der Menschen einfangen.
Weil mein Sehrest zu diesem Zeitpunkt nicht mehr unbedingt zum reellen Erleben der Finsternis ausreichte, nahm ich einen Lichtdetektor mit. Dieses Gerät verwenden blinde Menschen, um in ihrer Wohnung zu erkennen, ob die Lampen aus sind, zum Beispiel wenn sehende Besucher da waren. Je höher das Gerät piepst, desto mehr Licht ist vorhanden. Ich trug ebenfalls eine Finsternisbrille, die ich bis heute aufbewahre und am 20.03.2016 wieder zum Einsatz kam.
Auch bereits funktionsuntüchtige Augen kann man ohne Finsternisbrille noch schädigen.
Außerdem stattete ich mich mit einem mobilen Funkgerät aus. Mit diesem stand ich mit anderen Menschen in Verbindung, die an anderen Orten die Finsternis betrachten und erleben wollten.
So standen wir und warteten. Das Gefühl war weit stärker als bei einem Jahreswechsel.
Und plötzlich ging ein großer Freudenschrei durch die Menge. Der Himmel meinte es gut mit uns. Ungefähr drei Minuten vor der totalen Bedeckung und damit vor der maximalen Finsternis riss die Wolkendecke auf und der Blick auf die Sonne war frei. Sogar ihre wärmenden Strahlen empfing ich noch.
Ich schaltete den Lichtdetektor ein. Dann geschah es: Während die Leute standen und staunten, wurde der Ton des Gerätes langsam tiefer. Die Verdeckung begann. Während der ungefähr zweiminütigen totalen Finsternis blieb jedes Signal aus, als wäre es völlig Nacht. Das Leuchten der Korona war zu schwach für den Sensor des Lichtdetektors. Dies war für mich die akustische Orientierung. Plötzlich hatte auch ich das Gefühl, von Nachtluft umweht zu werden. Das mag allerdings auch durch das intensive Erlebnis gekommen sein. Besonders warm war der Tag auch vor der Finsternis nicht.
Auf jeden Fall war meine Freude, diese totale Sonnenfinsternis erlebt zu haben, unbeschreiblich groß. Ich fühlte mich in diesem Moment stark mit jenen verbunden, die fast ihr Leben dafür ließen, um etwas Derartiges nicht zu verpassen.
Oft stelle ich mir seither aus purer Freude heraus die Finsternis, die Korona, die Protuberanzen und auch die Magnetfeldlinien, die weit in den Weltraum hineinragen, vor. Dazu denke ich dann häufig an das brodelnde Geräusch, das auf der Sonnenoberfläche zu hören sein muss, da die Oberfläche ähnlich wie ein Teekessel
kocht.
Mit dieser Sonnenfinsternis hatte ich im Januar 2015 noch eine ganz interessante Erfahrung:
Anfang Januar 2015 unternahm ich mit meiner sehenden Arbeitsplatzassistenz
eine Dienstreise nach Istambul.
Folgendes ist dort auf dem Hinflug geschehen:
Der Pilot erklärte die Flugroute, indem er wichtige Länder, Städte und Meere aufführte, die wir nacheinander passieren würden.
Da kam mir die Reihenfolge und Aufzählung der Städte gleich irgendwie bekannt vor.
Und dann durchfuhr es mich wie ein Blitz.
Wir flogen fast exakt die Route entlang derer am 11.08.1999 die totale Sonnenfinsternis beobachtet werden konnte.
Ich fand dieses unglaublich schön. Glücklicherweise hatte ich noch das Buch „Schwarze Sonne, roter Mond“ von Rudolf Kippenhahn zur Sofi 1999 auf meinem MP3-Player als aufgelesenes Hörbuch. So konnte ich gleich noch im Flieger meine Vermutung überprüfen. Ein Blick auf den Fahrplan dieser Sf ergab, dass ich im wesentlichen Recht hatte.
Dieses Heureka erlebte glaube ich der halbe Flieger mit, weil es mich unglaublich freute, in welchem Zusammenhang diese alte Sofi nochmal auftauchte.
Und dann stürzte ich in eine tiefe Finsternis-Krise.
Das Schicksal nahm nach der Dienstreise nach Istambul seinen Lauf.
Jemand stellte mir die Frage, wieso eigentlich von West nach Ost, wo die Erde sich doch von Ost nach West dreht, und der Mond tut das um die Erde ebenso.
Sollten dann die Finsternisse nicht auch von Ost nach West verlaufen?
Stellt euch bitte vor. Da weiß ich alles, was es zu Finsternissen, deren Entstehen etc. zu wissen gibt nur dieses eine kleine Detail hinterfragte ich 20 Jahre lang nicht.
Plötzlich merkte ich, dass ich den Verlauf überhaupt noch nicht begriffen hatte.
Das war eine richtige Klatsche.
Desto mehr ich nachdachte, desto verwirrter wurde ich. So viele Bewegungen, Winkel und Abstände, die sich hier überlagern und die berücksichtigt werden müssen.
Nun wendete ich mich mit meiner unbeschreiblichen Not und Verzweiflung an intelligente Menschen, an welche ich in derlei astronomischen Fragen glaube.
Und siehe da. zwei fanden unabhängig voneinander die Antwort und Erklärung.
Dank an Sebastian und Martin. Ihr seid ja auch Mitglieder unserer kleinen Gemeinde.
Das Problem ist, dass dieses Phänomen sich kaum noch mit Worten beschreiben lässt.
Die adäquate Sprache hierfür ist die Mathematik und keine Prosa.
Deshalb wird die Mail jetzt gleich sehr mathematisch werden. Wer hier aussteigen möchte, dem kann ich das nicht verübeln.
Es ist schwer und kompliziert. Bevor jemand sich darüber ärgert, dass er oder sie untenstehende Mathematik nicht begreift, sollte er oder sie lieber die Finger davon lassen und sich einfach mit kindlicher Freude und Begeisterung an Finsternissen erfreuen.
Wer jedoch die Herausforderung liebt, darf hier gerne weiterlesen.
Und so funktioniert eine Finsternis:
Halten wir den Moment fest, an dem der Mond zwischen Sonne und Erde steht, und der Kernschatten genau auf mittig auf der Erde liegt, und nehmen den Planeten Erde als Bezugssystem für Geschwindigkeit 0km/h.
Die Erde hat am Äquator ca. 12’720km Durchmesser, damit ist der Umfang ca. 40’000km, und die Oberflächengeschwindigkeit durch Rotation beträgt (vereinfacht auf die Sonne bezogen und nicht sidirisch) ca. v_E=1’666km/h.
Der Mond hat einen mittleren Abstand von d_M=384’400km, also eine ungefähre Umlaufbahn von 2’415’256km und eine Umlaufzeit von 27.3d, also bewegt er sich ungefähr mit v_M=3’686km/h in die gleiche Richtung wie die Erde darunter. (Hat natürlich eine viel größere Kreisbahn und überholt deshalb nachts nicht die Erdrotation…)
Die Erde selbst hat einen Abstand von ca. d_S=149’600’000km von der Sonne, also einen Umkreis von ca. 939’965’000km in 365.25 Tagen, bewegt sich also mit 107’228km/h entgegen der Oberflächengeschwindigkeit oben. Da die Erde als 0km/h gewählt ist, bewegt sich also die Sonne scheinbar mit v_S=107’228km/h in Richtung der betrachteten Oberflächengeschwindigkeit der Erde.
Die Geschwindigkeiten von Sonne und Mond superponieren sich, d.h. wir können einzeln die Anteile auf die Kernschattengeschwindigkeit berechnen.
Nach dem Strahlensatz ist die Geschwindigkeit durch die scheinbare Sonnenbewegung v1=(d_M/d_S)*v_S~276km/h.
Nach dem Strahlensatz ist die Geschwindigkeit durch die Mondbewegung v2=d_S/(d_S-d_M)*v_M~3’695km/h.
Da sich Mond und Sonne in die gleiche Richtung bewegen, ist die resultierende Geschwindigkeit des Kernschattens zur Erde v=v2-v1~3’419km/h.
Abzüglich der Geschwindigkeit der mitdrehenden Erdoberfläche erhalten wir in diesem Moment am Äquator die Schattengeschwindigkeit von ca. 1’753km/h. Auf jeden Fall überholt der Schatten die Erdrotation, und damit geht der Schatten tendentiell von Westen nach Osten.
Natürlich wird der Schatten an den Rändern über der Erdoberfläche „viel schneller“- schon alleine wegen der schrägen Projektion und nach Norden und Süden ist die Oberflächengeschwindigkeit geringer. Und da die Bahnen nicht alle in der gleichen Ebene liegen, verläuft der Schatten auch schräg und alles mögliche. Es kann im Extremfall für einen Punkt auf der Erde der Schatten z.B. von Norden oder Süden kommen- der Schatten ist ja nicht ein „Punkt“, sondern die Fläche kann sich bei diesen Kurven auch „reindrehen“, und so scheinbar komplett von Norden oder Süden kommen.
Wenn ich mich nicht verrechnet habe, so ist der Anteil durch die Planetenbewegung v_S nicht sehr ausschlaggebend, und die Beschleunigung der Mondgeschwindigkeit durch die Hebelwirkung durch den Abstand sehr gering, da die Sonne so viel weiter weg ist als der Mond von der Erde.
Zu diesem Thema läuft derzeit eine hoch interessante Blogparade auf dem Blog Anders und doch gleich . An einer Blog-Parade beteiligt man sich, indem man ein zum Thema passenden Artikel auf seinem Blog veröffentlicht, dann auf die Parade verlinkt und dort in der Kommentarfunktion auf den Artikel aufmerksam macht.
Nach der Parade fasst der Veranstalter dann alles zusammen, verlinkt alles und veröffentlicht das Ergebnis.
Das soll dazu führen, dass Blogger sich kennen lernen und dass man eventuell noch mehr interessierte Folger findet. Außerdem fasst so eine Parade die gesammelten Aspekte zum Thema zusammen und hilft beim Netzwerken.
Dieses Thema spricht mich im höchstmaße an, weil Technik, vor allem Hilfstechnologie mein Leben als Mensch mit Blindheit in meinen fünfzig Lebensjahren, vor allem in den letzten dreißig, extrem verändert und gewandelt hat.
Würde ich hier alle Aspekte ansprechen, wo in meinem Leben Hilfstechnologie zum Einsatz kommt, sprengte dieses jeden Blog. Man könnte damit Bücher füllen.
Und außerdem. Die anderen, die sich an der Parade beteiligen, sollen ja auch noch Themen für sich finden.
Ein naheliegendes Blindnerd-Thema ist der Zugang zu Bildung und Wissenschaft.
Schon als Kind, war ich ein kleines wissensdurstiges Wesen. Gerne schnappte ich aus Rundfunk und Fernsehen alles auf, was irgendwie mit Technik und Wissenschaft zu tun hatte. Vor allem Tier-Dokumentationen und der Weltraum sowieso faszinierten mich schon immer. Oft trieb ich Personen meines Umfeldes in Verzweiflung, weil ich sie mit Fragen löcherte.
Leider gab es über Wissenschaft, vor allem über den Weltraum und Astronomie quasi keine Bücher in Punktschrift, die ich mir in den Blindenbüchereien hätte ausleihen können. Bis heute sind diese Themen in der Punktschriftliteratur absolut unterrepräsentiert. Das hängt damit zusammen, dass die Produktion eines Punktschriftbuches sehr kosten- und zeitintensiv ist. Somit muss schon im Vorfeld selektiert werden, was sich lohnt, in Punktschrift aufzubereiten. Da nimmt man dann verständlicherweise Themen, die größere Mehrheiten ansprechen, als blinde Nerds.
Etwas besser sah es in unseren Hörbüchereien aus. Ein Buch aufzulesen ist deutlich einfacher, als es in Punktschrift zu produzieren.
Aber auch hier war für mich bald alles abgegrast.
Ein weiterer Notstand zur inklusiven Teilhabe an Bildungs-Themen war der mangelnde Zugang zu Zeitungen.
Es blieben mir im wesentlichen bis auf wenige Hörzeitschriften oder die vorselektierte Zusammenstellung von Artikeln aus Stern und Zeit in Punktschrift nur Rundfunk und Fernsehen.
Somit war es im Grunde genommen nicht möglich, sich umfassend und gleichberechtigt zu informieren.
Eine Tageszeitung in Blindenschrift oder als Audio aufzubereiten ist zu zeitaufwändig und wäre somit nie aktuell.
Somit war die Situation so.
Man nahm, was man kriegte. Man las und hörte, was andere für einen zusammenstellten und somit auch für gut befanden. Anderes las man nicht, weil gewisse Gruppen meinten, das bräuchten blinde Menschen nicht, bzw. man solle uns doch vor diesem oder jenem bewahren, anderes wurde uns vorenthalten, bzw. war einfach nicht umsetzbar.
Dies änderte sich für mich vor ungefähr fünfundzwanzig Jahren mit einem Schlag und verbessert sich bis heute durch neue Technologien mehr und mehr.
1995 erhielt ich mein erstes Vorlesesystem, mit dem man ein Buch einscannen und sich anschließend per Sprachausgabe vorlesen lassen konnte. Dafür opferte ich ein ganzes Studiensemester, in welchem ich täglich viele Stunden vor diesem Gerät verbrachte und manchmal mehrmals wöchentlich Kunde der Stadtbibliothek war. In diesem halben Jahr las ich quasi nur. Es war, als stünde ich am Brunnen des Wassers des Lebens. Tröpfelte bisher nur wenig Literatur durch unsere Hörbüchereien und noch viel weniger in Blindenschrift zu mir, so ergoss sich nun dieser unerschöpfliche Quell. Ich konnte lesen, was ich wollte. Das war eine Befreiung.
Das machte mich selbstständiger, und deutlich mündiger.
Ich hatte nun Zugriff auf meine Themen. Es gab jetzt nicht mehr ein oder zwei Weltraumbücher in Punktschrift, bzw. vielleicht 20 auf Casette gelesene, sondern gefühlt hunderte.
Lediglich Bilder und Mathematik können derartige Systeme bis heute nicht beschreiben oder vorlesen.
Einen Computer mit Sprachausgabe und Braillezeile hatte ich Anfang der 90er Jahre auch schon. Mit dessen Hilfe konnte ich überhaupt erst studieren, denn die Studienliteratur wurde mir vom Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS) des Karlsruher Institutes für Technologie (KIT) elektronisch umgesetzt.
An diesem Institut bin ich nunmehr seit zwanzig Jahren beschäftigt.
Das Internet verbesserte dann den Zugang noch mehr und tut das bis heute. Ich informiere mich auf den Seiten von Zeitungen, lese und abonniere Blogs und bin begeisterter Hörer von Podcasts.
Besonders Podcasts sind ein wunderbarer Zugang zu Bildung und wissenschaft, weil sie zunächst ohne Bilder auskommen. Alles muss beschrieben werden, was für uns einen enormen Vorteil bietet.
Aktuell ist die Situation so, dass die großen „Datenkraken“ sogar schon versuchen, Bildmaterial automatisch zu beschreiben. Das funktioniert manchmal schon erstaunlich gut und stellt vor allem in sozialen Netzwerken manchmal schon einen großen Mehrwert dar.
Durch moderne Technologien, wie 3D-Druck, Lasercutter, graphikfähige Braille-Drucker und in balder Zukunft hoffentlich auch durch flächige taktile Displays, verbessert sich der Zugang zu Wissenschaft und Bildung mehr und mehr.
Ich habe großes Glück, am SZS zu arbeiten, denn dort halten wir derartige Technologie vor, erforschen und entwickeln sie weiter und setzen sie für unsere Studierenden mit Sehbeeinträchtigung ein.
Insbesondere meine Vorträge, Seminare und Freizeiten zu Themen der Astronomie haben durch derlei Entwicklungen viel an Wert und Qualität gewonnen.
So nutze ich beispielsweise mein Smartphone, um mich mit dem sprechenden Handplanetarium Universe2Go gemeinsam mit sehenden Astros zu orientieren. Ich hab jetzt quasi auch mein eigenes Instrument und kann bei Teleskop-Treffen inklusiv mit dabei sein.
In meinem Buch, „Blind zu den Sternen“ habe ich dem Thema, welche neuen Möglichkeiten neue Technologien für den Zugang zu Astronomie bieten, ein ganzes historisches Kapitel gewidmet.
Das gibt es als Papierversion, Ebook und ist über die Blinden-Hörbüchereien als Daisy-Buch ausleihbar.
So, dann denke ich, dass ich die wesentlichen Punkte beschrieben habe, was den Zugang zu Wissenschaft und Bildung betrifft und wie technologische Entwicklungen diesen stets verbessern und mein Leben verändern und bereichern.
Schaut doch mal auf der Blogparade vorbei. Dort gibt es weitere Artikel zum Thema. Außerdem sind dort alle Informationen, wie Frau oder Mann sich auch an der Blogparade beteiligen können.
Vielen Dank an die Betreiberin dieses Blogs für diese schöne Einladung, mich dort beteiligen zu dürfen. Es war mir eine große Ehre und Freude.
heute möchte ich euch mal wieder etwas für die Lauscherchen anbieten.
Es hat durchaus mit „Das Ohr am Teleskop“ zu tun.
Und das erwartet euch:
Nach einer kurzen Einführung geht es zu einer Podcast-Folge von Merkst.de, die Stephan Merk, der Macher dieses sehr hörenswerten Podcastes, mit mir aufgenommen hat.
„Vielen Dank, lieber Stephan für diese Ehre. Es hat mir sehr viel Freude bereitet.“
Er ist einer der größten Blogger und Podcaster, der mir in der Blinden- und Sehbehindertenwelt, bekannt ist. Meistens podcastet er über Audio- und andere Technologien, aber nun hat er sich entschlossen, mal einige Interviews mit Menschen aus der Community zu führen, die irgendwie etwas außergewöhnliches machen. Da liegt es natürlich nahe, dass er mal auf mich mit meinem seltsamen Hobby stieß.
Eigentlich gehört hier der Link zu Stephans Projekten hin, aber dann lest ihr vielleicht hier nicht mehr weiter, also später…
Bevor es los geht:
Ich möchte an dieser Stelle für alle, die vielleicht nicht so mit dem Format des Podcasts vertraut sind darauf hinweisen, dass ein Podcast etwas viel freieres, als ein Interview ist.
Das werdet ihr beim Hören merken. Da wird manchmal abgeschweift, man hört Gedankensprünge und manchmal werden Sätze vor Begeisterung und im Überschwang vielleicht nicht ganz zuende gesprochen. Aber das ist eben Podcast. Man ist hier nicht in ein enges Korsett einer Radiosendung zwischen Musik, Werbung und Zeitvorgaben gepackt.
Was Podcasts sind und wieso ich sie so sehr liebe, verlinke ich weiter unten nochmal.
Also trafen wir uns virtuell und plauderten über Astronomie.
Als Einführung und Vorspann, als Vorstellungsrunde sozusagen, hört ihr ein Interview, das Stephan im letzten Frühjahr auf der Sightcity 2018 in Frankfurt mit meinem Arbeitskollegen führte. Der erzählt darüber, was unser Studienzentrum für Sehgeschädigte ist, welche Unterstützung wir anbieten, was bei uns studiert wird, und welche Hilfsmittel und Technologien bei uns eingesetzt werden, um ein Studium in Inklusion zu ermöglichen.
Diese Einführung mit meinem Freund und Kollegen ist mir ganz wichtig, denn ohne das Zentrum, an dem ich seit nun mehr zwanzig Jahren tätig bin, könnte ich meine Vorträge, Seminare und Freizeiten niemals in dieser Qualität anbieten.
„Dank an unser ganzes Team, dass ihr mich mit eurer Kraft und Arbeit hier unterstützt.“
Nach diesem Vorspann, der dauert etwa 13 Minuten, geht es dann ungefähr 90 Minuten auf meine Sternenreise mit Stephan.
Unten in dem Blogbeitrag findet ihr dann noch einige Links die die angesprochenen Themen etwas vertiefen und natürlich auch zu Stephans Projekten führen.
Nun Mixe sich wer mag, einen pan galaktischen Donnergurgler, oder auch was anderes,
lehnt euch zurück, klickt auf den Podcast und habt Freude mit dem Interview. Zur Podcast-Folge auf Merkst.de
Interview als herunterladen.
Wer sich für mein Buch interessiert, hier in Kürze die wichtigsten Daten.
Titel:
„Blind zu den Sternen – Mein Weg als Astronom“
Autor: Gerhard Jaworek
Erschienen im Aquensis-Verlag Baden-Baden unter der Rubrik Menschen am 01. Oktober 2015
ISBN: ISBN: 978-3-95457-134-5
Buchrückseite:
Wie kann ein blinder Mensch eine Liebe zur Astronomie entwickeln, ohne je einen Stern gesehen zu haben? Gerhard Jaworek, Diplom-Informatiker am Karlsruhe Institut für Technologie (KIT), gilt medizinisch als vollblind.
Trotzdem ist Astronomie seine Leidenschaft. In diesem Buch beschreibt er lebendig und anschaulich, wie sein naturwissenschaftliches Interesse und seine Neugierde schon im Kindesalter geweckt wurden, wie er sich diese Welt mit seiner Blindheit erobern konnte und welche Chancen die Astronomie für gelebte Inklusion bietet.
Das Buch ist im Handel für 14 Euro erhältlich es gibt es als Papier-Version, als Ebook und für mitglieder der Blindenhörbüchereien wurde es in Marburg aufgelesen.
„Mit dem Ohr am Teleskop“ heißt eine Serie auf meinem Blog die Astronomie unter dem Höraspekt betrachtet.
Mit Mit dem Ohr am Teleskop führte ich allgemein in das Thema ein.
Im Artikel Klingende Planetenbahnen könnt ihr hören, was ich mit dem Klang der Planetenbahnen meinte.
Nun hoffe ich, dass ihr nicht völlig erschlagen seid von dieser Fülle an Informationen.
Alles gute und bis zum nächsten mal grüßt euch
euer Gerhard.
auch in diesem Jahr möchte ich meiner Tradition treu bleiben und zum Weltfrauentag eine der zahlreichen Vorkämpferinnen in Astronomie und Naturwissenschaften würdigen.
Bis heute sind Frauen in naturwissenschaftlich-technischen Berufen leider noch immer unterrepräsentiert. Die Statistiken sprechen hier eine sehr deutliche Sprache. Trotz Frauenbewegung, Emanzipation, Erziehungsurlaub auch für Männer, gesetzliche Gleichberechtigung und dafür aufgeschlossene Männern, ist es noch nicht gelungen, diesen Missstand in den Griff zu bekommen.
Dennoch hat es immer wieder Frauen gegeben, die trotz Benachteiligung, Unterdrückung, Bildungsverbot und Leben in einer streng patriarchaisch dominierten Gesellschaft, großartiges in Wissenschaft, z. B. der Astronomie, geleistet haben. Sie setzten sich in einer harten Männerwelt durch und waren vielleicht sogar öfter, als man denkt, die schlaueren Köpfe. Zumindest zeugen einige Dokumente davon, dass viele starke kluge Frauen die Fäden ihrer Professoren-Männer in Händen hielten…
Bis in biblische Zeiten hinein, kann man diese Phänomene beobachten. Somit scheint der Satz “Der Mann kann noch so viele Dinge bauen – Es steht und fällt ein Volk mit seinen Frauen” mehr Wahrheitsgehalt zu haben, als manchen lieb ist.
So lasst uns den Weltfrauentag 08.03.2019 damit begehen, indem wir die Person und das Lebenswerk von
Maria Mitchell betrachten und würdigen.
Maria Mitchell (* 1. August 1818 in Nantucket, Massachusetts; † 28. Juni 1889 in Lynn, Massachusetts) war eine US-amerikanische Astronomin und Vorkämpferin für die Frauenrechte.
Ich kam auf Maria Mitchell, weil sie mir in der Adventszeit großes Kopfzerbrechen bereitete, denn sie war in einem Weihnachtsrätsel der @Weltraumreporter so gut versteckt, dass sogar Google zumindest am Anfang völlig nutzlos war. Ich fand sie dann im Buch „Die Planeten“ von Dava Sobel. In diesem Buch ist ein ganzes Kapitel ihr und Frau Herschel gewidmet, die zum Frauentag 2018 hier geehrt wurde.
Wer das nochmal nachlesen möchte, kann dies hier gerne tun.
Das Kapitel in Dava Sobels Buch ist in einen wunderschönen Briefwechsel zwischen den beiden Astronominnen eingebettet. Leider konnte ich nicht recherchieren, ob es diesen Briefwechsel tatsächlich gab, oder ob es künstlerische Freiheit der Autorin war. Auf jeden Fall ist es ein sehr gelungenes Kapitel.
Also, wer war nun Maria Mitchel.
Maria Mitchell gehörte zu den Frauen, bei denen viele positive Faktoren zusammen kamen, so dass sie zu den wurde, was sie war, und das sie erreichte, was Frauen in der damaligen Zeit eher unzugänglich war.
Eine der ersten Grundvoraussetzungen, die ihr ihre Laufbahn ermöglichten war, dass ihre Eltern Quäker waren.
Diese Religionsgemeinschaft vertritt, dass Frauen dasselbe Recht auf Bildung haben, als Männer.
Ihr Vater, William Mitchell, war Lehrer und Hobbyastronom. Bald schon bemerkte er die naturwissenschaftliche Begabung seiner Tochter und unterrichtete sie in Astronomie und Mathematik.
Er ermunterte sie auch, eigene Untersuchungen anzustellen.
Normalerweise wurden Töchter aus derlei Elternhäusern höchstens in hauswirtschaftlichen Dingen oder den schönen Künsten, wie Musik, unterrichtet.
Somit stellte Maria Mitschel schon bald eine Ausnahme dar.
Ein weiterer Umstand, der sie quasi zwangsläufig zur Astronomie brachte war, dass ihr Wohnort astronomischer nicht sein konnte.
Sie wurde 1818 auf Nantucket geboren, einer kleinen von Seefahrt geprägten und rund 50 Meilen vor der Küste Massachusetts gelegenen Insel. Hier ankerte die weltweit größte Walfangflotte und von hier aus stachen Seefahrer in See, deren Wissen um den Sternenhimmel als Navigationshilfe unabdingbar war.
Somit gab es in allen Haushalten astronomische Instrumente, wie Sextanden, Efimeriden (Sternkarten), Teleskope und Schiffsuhren.
Letztere durfte sie schon mit vierzehn Jahren eichen. Es ist unglaublich wichtig, dass diese Uhren genau geeicht waren, denn man brauchte sie zur Bestimmung des Längengrades auf hoher See. Alleine mit der Geschichte über diese Uhren, könnte man irgendwann mal einen eigenen Artikel verfassen.
Man kann davon ausgehen, dass die Bedingungen der Sternbeobachtung von dieser Insel aus all nächtlich prächtig gewesen sein sollte. Die Insel war weit genug vom Festland entfernt, so dass keinerlei Lichtverschmutzung vorhanden gewesen sein dürfte.
Der Name der Insel, Nantucket,bedeutet weit entferntes Land. Klarer, schwarzer stockfinsterer Sternenhimmel also.
Bald schon war Maria in der Bedienung nautischer Instrumente besser, als so mancher Seebär.
Aber auch sonst verlief ihr Leben ereignisreich und sehr ungewöhnlich.
Schon mit 14 Jahren kalibrierte sie Chronometer für Seefahrer oder unterwies sie im Gebrauch von Sextanten. Mit 17 Jahren gründete Maria Mitchell auf Nantucket eine Mädchenschule und unterrichtete Mathematik. Mit 18 Jahren wurde sie zur Leiterin der Bibliothek von Nantucket ernannt. Hier liegt auch die Wiege ihrer Bildung. Fast täglich hielt sie sich in dieser Bibliothek auf, in der auch Frauen willkommen waren – anders als in den meisten anderen Bibliotheken der USA.
Berühmt wurde Maria Mitchell mit 29 Jahren durch die Entdeckung eines Kometen:
Am 01. Oktober 1847 entdeckte sie vom Observatorium ihres Elternhauses aus den später nach ihr benannten Mitchell-Kometen.
Bereits ein Jahr später, 1848, wurde sie als erste Frau in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen sowie 1850 in die American Association for the Advancement of Science.
Sie leitete die Bibliothek von Nantucket, bildete sich mit Hilfe der ihr anvertrauten Bücher weiter, arbeitete gemeinsam mit ihrem Vater an astronomischen Fragestellungen und unterhielt umfangreiche wissenschaftliche Korrespondenz mit den großen amerikanischen Universitäten. Maria Mitchell las Deutsch und Französisch im Original und war der Überzeugung, dass der Zugang zur Astronomie durch Mathematik erfolgt.[2] Sie wurde als Rednerin zu vielen Vorträgen und Konferenzen eingeladen und
1865 eröffnete mit dem Vassar College in Poughkeepsie, New York, eine der ersten amerikanischen Frauen-Universitäten. Maria Mitchell erhielt den Ruf und wurde mit 47 Jahren die erste Astronomieprofessorin Amerikas – ohne jemals selbst eine Universität besucht zu haben.
Sie setzte sich dafür ein, dass Frauen die gleichen Rechte erhielten, wie sie die Männer an den Universitäten Yale und Harvardinne hatten und dass die Frauen auch fachlich gleich zogen.
So verteidigte sie ihre Studentinnen gegen herrschende Konventionen, die beispielsweise Frauen untersagten, nach 22 Uhr vom Observatorium aus zu beobachten.
1873 gründete sie die American Association for the Advancement of Women und wurde zwei Jahre später deren Präsidentin. Nicht nur in Vorträgen, sondern in der täglichen Arbeit als Professorin und Direktorin des Vassar-College-Observatoriums setzte sie sich beständig für die Gleichberechtigung von Frauen ein.
Ein Kredo von ihr war:
„We especially need imagination in science. It is not all mathematics, nor all logic, but is somewhat beauty and poetry.
In der Wissenschaft brauchen wir vor allem Fantasie. Es geht nicht nur um Mathematik oder um Logik, sondern auch ein wenig um Schönheit und Poesie“
Es braucht nicht viel Interpretationsgabe, um das Kredo auch so zu lesen“In der Wissenschaft braucht es auch weibliche Faktoren“.
Mitchell war eine der berühmtesten Wissenschaftlerinnen (Männer und Frauen) in den USA des 19. Jahrhunderts.
Mitchell galt als ausgezeichnete Professorin, die sich für ihre Studentinnen einsetzte und sie dabei unterstützte, wirklich gute Wissenschaftlerinnen zu werden, obwohl sie „nur“ Frauen waren.
Praxiserfahrung war ihr ganz wichtig. Mit der Frage „Did you learn that from a book or did you observe it yourself?“, ging sie in die Analen der amerikanischen Wissenschaft ein.
Maria Mitchell beschäftigte sich auch mit grundlegenden mathematischen Fragen, etwa mit dem ´Großen Fermatschen Satz`. Eine harte Nuss, die im 17. Jahrhundert von Pierre de Fermat formuliert, aber erst 1994 von dem britischen Mathematiker Andrew Wiles bewiesen wurde.
Hier noch einige Ehrungen zum Schluss:
Für die Entdeckung des Mitchell-Kometen wurde sie vom König von Dänemark mit einem Orden ausgezeichnet.
1905 wurde sie in die Hall of Fame for Great Americans aufgenommen.
Nach ihrem Tod wurde zu Ehren Maria Mitchells die Maria Mitchell Astronomical Society gegründet.
Der Hauptgürtelasteroid (1455) Mitchella, den der Heidelberger Astronom Alfred Bohrmann (1904-2000) am 5. Juni 1937 entdeckte, ist nach ihr benannt.
Auch auf dem Mond erhielt sie einen Platz.
Schon im Amateurteleskop kann man auf dem Mond den an den Krater Aristoteles grenzenden Einschlagkrater Mitchell erkennen, der 1935 von der Internationalen Astronomischen Union nach der großen Forscherin und Frauenrechtlerin benannt wurde. Sein Durchmesser beträgt etwa 30 Kilometer. Er zeigt deutliche Erosionsspuren und sein Ringwall ist vom später entstandenen, etwa 80 Kilometer großen Krater Aristoteles teilweise überdeckt.
Sie war eine großartige Wissenschaftlerin und Vordenkerin für Frauenrechte. Einige ihrer Themen sind bis heute Aktuell.
Gerade in der heutigen Zeit, wo Raubbau an Natur, Mensch und sozialen Errungenschaften im Namen des Fortschritts getrieben wird, sollten wir uns derer erinnern, die VorkämpferInnen und VorReiterinnen für viele Menschenrechte waren.
Quellen:
Wikipedia
Die Planeten von Dagmar Sobel
Weihnachtsrätsel 2018 der @Weltraumreporter
heute kommt in Blindnerd mal wieder ein Artikel, der nichts direkt mit Astronomie zutun hat.
Allerdings ist das Thema durchaus auch für Astronomie-Schreiber interessant. Es geht um barrierefreie Dokumentengestaltung. Gerade uns Astronomen gelingt wegen der graphischen Eigenschaften der Astronomie, dies leider nicht immer. So habe ich beispielsweise noch nirgendwo so viele unbeschriftete Bilder gesehen, wie in astronomischen Artikeln.
Für die Facebook-Seite meines Arbeitgebers, dem Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS) des Karlsruher Institutes für Technologie (KIT) durfte ich einen Artikel zu diesem Thema schreiben, den ich sehr gerne auch mit Ihnen und euch teile.
Hier ist er:
Einführung
die Allgemeinheit spricht meist von Barrierefreiheit, wenn z. B. ein Ort für Rollstuhlfahrer nicht erreichbar ist, weil ein Aufzug fehlt oder sonstige Unwegsamkeiten dies verhindern.
Manchmal spricht man auch von Sprachbarriere, die irgendwie überwunden werden muss, wenn Menschen die Sprache des anderen nicht sprechen.
Es gibt noch zahlreiche andere Barrieren in unserem Alltag. In diesem Artikel geht es um Barrieren in Dokumenten, welche die Zugänglichkeit für verschiedene Menschengruppen erschweren oder verhindern.
Es soll Sie sensibilisieren und Ihren Sinn dafür schärfen, wie nützlich und wichtig barrierefreie Dokumente für uns alle sind.
Am Beispiel von Menschen mit Blindheit oder Sehbeeinträchtigung werden einige Barrieren und deren Beseitigung näher beleuchtet.
Es gibt noch sehr viel mehr Einschränkungen, die den Zugang zu Print-Medien etc. erschweren. Aus diesem Grunde spricht man häufig von Print-Disability, weil sich das nicht nur auf papierene Dokumente beschränkt.
Papierene Barrieren
Da man es häufig trotz Internet mit papierenen Dokumenten zu tun hat, setzt das Dokument voraus, dass man mit den Augen lesen können muss, um dessen Inhalt zu erfassen. Trotz elektronischer Vorlesesysteme sind somit Menschen mit Blindheit oder Sehbeeinträchtigung eventuell davon ausgeschlossen. Handschrift ist beispielsweise nahezu unzugänglich, auch als Druckschrift. Elektronische Verfügbarkeit hilft, diese Barriere zu überwinden.
Gehen wir nun einen Schritt weiter.
Elektronische Barrieren
Elektronisch verfügbar heißt nicht unbedingt, dass Ihr Dokument dadurch zugänglicher wird, dass es elektronisch verfügbar ist.
Im schlimmsten Fall ist Ihr Text ein digitales Photo. Das verbessert die Situation nicht wirklich.
Für die Hilfstechnologie blinder Menschen unterscheidet sich das Dokument in diesem Falle nicht von jeder anderen Grafik.
Grafiken und Bilder können Bildschirmleser momentan noch nicht beschreiben. Facebook, Google etc. weisen aber in eine Richtung, dass dieses möglicherweise in naher Zukunft funktionieren wird.
Für Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung kann so ein Text in einer Grafik bedeuten, dass die Grafik durch die Vergrößerung pixelig, unscharf und somit ebenfalls unleserlich wird.
Schon besser, aber noch nicht gut
Im nächsten Schritt, der unser Dokument barrierefreier machen soll, geben wir den Text über die Tastatur ein und erzeugen ein elektronisches Dokument in der Textverarbeitung Ihrer Wahl.
Ob Ihr Text nun barrierefrei ist, hängt stark von der Größe des Dokumentes und seiner Struktur ab.
Zumindest kann Ihr Dokument nach diesem Schritt als Fließtext von Hilfstechnologie vorgelesen werden. Auch Vergrößerungsprogramme verpixeln ihn nicht, weil der Font (Schrifttyp) direkt vergrößert wird.
Und wenn wir schon beim Schrifttyp sind. Verschnörkelte, verspielte oder Schriften mit Serifen sind für viele Menschen, vor allem mit Seheinschränkung sehr schwer lesbar. Eine gerade klare Schrift ohne Schnickschnack ist immer barrierefreier.
Als Nudelgericht Spaghetti-Code
Eine Barriere ist für alle, wenn der Text sehr lang ist, und keine Struktur hat. z. B. keine Überschriften, Inhaltsverzeichnis, Abschnitte und Seitenzahlen. Diese Tatsache ist unabhängig vom Inhalt des Textes.
In so einem Spaghetti-Dokument können Sie sich nur zurecht finden, wenn Sie wissen, wonach Sie suchen. Dann finden Sie die Stelle eventuell mit der Suchfunktion ihrer Software.
Trotz Mühe eine Sechs
OK, setzen wir nun Überschriften, indem wir an passender Stelle die Schrift fett darstellen, bzw. eine andere Schriftgröße wählen.
Sehende Menschen finden sich nun schon etwas besser in unserem Dokument zurecht, weil ihnen die Überschriften beim Drehen des Mausrades direkt ins Auge springen.
Für blinde Leser, ändert sich zunächst nichts, weil ein Bildschirmleseprogramm etwas fettgedrucktes nicht als Überschrift erkennt. Ist es auch nicht, denn Fettdruck wird auch an anderer Stelle, z. B. bei Hervorhebungen, eingesetzt.
Das bedeutet, dass der Text für blinde Leser ebenso unstrukturiert und unübersichtlich bleibt, wie zuvor.
Gänende Leere
Was glauben Sie, was passiert, wenn sie mit dieser Art von Dokument von ihrer Textverarbeitung ein Inhaltsverzeichnis erstellen lassen möchten?
Genau. Es passiert nichts. Im günstigsten Fall erhalten Sie eine leere Seite mit der Überschrift „Inhalt“.
Nicht mal ihr Textverarbeitungsprogramm weiß, wo in Ihrem Dokument die Überschriften sind, obwohl es die ganze Zeit „dabei“ war, als der Text entstand.
Zum Layout noch Struktur
Dieses Problem beseitigen Sie, indem Sie Formatvorlagen verwenden. Jetzt weiß plötzlich ihr Textprogramm, wo die Überschriften sitzen, und kann ein navigierbares Inhaltsverzeichnis erstellen.
Auch Bildschirmleser für blinde – und Vergrößerungssoftware für seheingeschränkte Menschen wissen es jetzt, denn sie verstehen die Struktursprache der gängigen Textverarbeiter. Nun kann man im Text springen, man kann sich nur die Überschriften anzeigen lassen, um erst mal in das Dokument hinein zu finden etc.
Das gilt für alle Strukturelemente, die ein Dokument enthalten kann. Überschriften, Aufzählungen, Nummerierungen, Tabellen, Seitenumbrüche, Kopf- und Fußzeilen, etc. können in allen Textprogrammen ausgezeichnet werden. Insbesondere Tabellen, die mittels der Tab-Stop-Taste erzwungen werden, sind keine und treiben Menschen mit Hilfstechnologie in die Verzweiflung.
Dasselbe gilt auch für unbeschriftete Grafiken, Formeln, die nur als Bildchen im Dokument stehen, und vieles mehr.
Desto mehr die Struktur eines Textes vom Text selbst getrennt wird, desto barrierefreier ist ihr Dokument tendenziell auch.
Zum Merken und weiter sagen
Merksatz:
Das Credo eines barrierefreien Textes ist die Trennung von Layout und Struktur.
Dass man eine Überschrift für ein späteres Inhaltsverzeichnis setzen möchte, ist das eine. Wie sie in Schriftgröße, Schrifttyp, Abstand zum Text, Einrückung etc. aussehen soll, ist eine ganz andere Sache.
Bildschirmleser kümmern sich nicht um ihr schönes Layout. Sie transportieren lediglich die Textstruktur und seinen Inhalt. In der Blindenschrift gibt es sowieso nur eine Schriftgröße, weil taktile Braille-Zeilen nur eine Größe ausgeben können.
Wie ist es aber derzeit um die Barrierefreiheit von Dokumenten im Netz bestellt?
In Ebooks beispielsweise, findet man ganz unterschiedliche Qualitäten, von einer nicht navigierbaren Textwurst mit einer Million Zeichen, bis hin zu super navigierbaren Dokumenten mit allen Auszeichnungen, die man benötigt, ist alles drin.
Das gilt für E-Zeitungen, Webseiten und alles, was so als Dokumente im Netz herumschwirrt gleichermaßen.
Wem nützt das
Glauben Sie mir. Es ist kein Hexenwerk, ein Dokument einigermaßen barrierefrei zu gestalten.
Da Sie nie wissen können, wer Ihr Dokument mal lesen wird, sollten Sie für den Fall der Fälle immer die Zugänglichkeit für alle im Hinterkopf behalten.
Ach ja, auch Sie selbst gehen eventuell in ihrem Dokument verloren, wenn es keine Struktur hat.
Folgende Links soll Ihnen den Einstieg in barrierefreie Dokumentengestaltung erleichtern.
Bitte tragen Sie mit dazu bei, dass Wort und Schrift für alle zugänglicher werden.
Die Fähigkeit, lesen und schreiben zu können, hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir hier in Frieden, Freiheit und Demokratie leben können. Dies hat uns zu mündigen Bürgern gemacht, die nicht mehr darauf angewiesen sind, nur glauben zu müssen.
hoffentlich hattet ihr geruhsame und schöne Weihnachtstage.
Weil eine Blogparade zum Thema stattfand, deren Ablaufdatum ich leider verpasste, ist dieser kleine Artikel entstanden, wieso ich Blogger wurde.
Viel Freude damit.
Und so war es bei mir:
Ich bin ganz langsam in die Schreibsucht geraten. Angefangen hat alles mit einem Mailverteiler auf meinem Rechner, der Schöngeister hieß. Hier waren Freunde und Bekannte drin, von denen ich weiß, dass sie sich für meine Dinge interessieren, die ich schön finde. Dort ging es dann um Literatur, Musik und oft auch um Astronomie. Ich glaube, das war so um 2008. Das plätscherte so völlig stressfrei und entspannt vor sich hin. Ich schrieb meine Artikel und chattete mit meinen Freunden darüber. 2013 hatte ich eine schwere berufliche Krise. Ich wusste nicht, ob ich arbeitslos werde, hatte einen neuen Vorgesetzten, alles strukturierte sich um, so dass ich viele Aufgaben verlor und in ein psychisches Loch geriet. Ich wusste das schon aus vergangenen Krisen, dass Schreiben meiner Psyche sehr gut tut. Und diesmal war die Krise offenbar so groß, dass ich mich in ein Schreibprojekt stürzte, das mich zwei Jahre lang beschäftigen sollte. Ich schrieb mein buch „Blind zu den Sternen“, ein autobiographisches Büchlein, das meinen Weg zur Astronomie beschreibt, obwohl ich vollblind bin. Das Buchprojekt war meine Therapie. Es war zu dieser Zeit das einzige, wo ich mich geistig ausgelastet und gefordert fühlte. Von un an ging es aufwärts. Das Buch stimmte mich deutlich positiv, was vielleicht auch dazu führte, dass ich positives anzog. Meine Stelle wurde entfristet, ich fand neue Aufgabenfelder und die Umstrukturierungen und Beben waren vorbei. Zu dieser Zeit schrieb ich eine Initiativbewerbung an die Deutsche Astronomische Gesellschaft, wo ich gerne Mitglied werden wollte. Da kann man nicht einfach eintreten. Man muss für gut befunden werden. Man muss seine Arbeit und Projekte vorstellen, und man muss mindestens zwei Personen davon überzeugen, die für einen bürgen.
Naja, etwas altbacken und freimaurerisch das ganze, aber so ist das halt.
Ich schickte einiges, was meine Vorträge etc. betraf und später dann auch in das Buch eingang fand, und habe da überzeugt.
Mein Konzept der „Inklusion am Himmel“ kam an.
Und so bin ich seit Mai 2013 das erste und einzige blinde Mitglied der Deutschen Astronomischen Gesellschaft.
Nun reichte natürlich auf einen Schlag mein kleiner Mailverteiler nicht mehr aus. Im nächsten Schritt, hob ich den Verteiler in eine richtige ausgewachsene Mailingliste auf einem Mailserver mit allen Sicherheitsmaßnahmen etc.
Die hat derzeit so um 240 Mitglieder und läuft aus historischen Gründen noch parallel zu meinem Blog https://blindnerd.de.
Das reichte irgendwann auch nicht mehr aus. Emails kann man nicht aktualisieren, z. B. zur Fehlerbehebung oder richtigstellung einer astronomischen Fehlinformation.
Und so begann ich im Oktober 2017 meinen Blog. Ich kämpfte bis an die Tränen mit WordPress, denn das ist am Anfang wirklich super komplex. Und wenn man niemanden hat, der sich gut damit auskennt und einem die Kniffe zeigt, dann tut man sich als Blinder damit so schwer, dass ich manchmal aufgeben wollte.
Zum Reinschnuppern begann ich meinen Blog direkt mit der kostenlosen Version von WordPress auf deren Server. Das war der https://blindnerd.wordpress.de.
Nun kann man verständlicherweise auf dieser kostenlosen Version nicht einfach schalten und walten. Ich wollte Dinge, z. B. aHochladen von Audiofiles, was nicht ging, verschiedene Punkte der Barrierefreiheit ließen sich nicht umsetzen etc.
Außerdem störte mich das „WordPress“ im Namen des Blogs.
So mietete ich mir einen eigenen Webspace, richtete mein eigenes WordPress ein und exportierte den Blog.
Jetzt habe ich alles, was ich brauche. Ich liebe meinen Blog. Ich hege und pflege ihn und ja, ich bekenne hier feierlich, dass ich schreibsüchtig und Keyboardabhängig bin.
Lydia ist eine blinde Bloggerin, die ihren Alltag und damit verbundene Themen als blinde Mutter beschreibt.
Es lohnt sich wirklich mal auf diesen Blog zu gehen, wer sich für Probleme und Lösungen interessiert, die blinden Menschen so im Alltag begegnen können.
Für ihren Blog, hatte ich die Ehre, einen Gastbeitrag über „Astronomie für benachteiligte Kinder“ schreiben zu dürfen.
Diesen teile ich mit euch gerne. Ich wünsche euch viel Freude damit. Ihr findet ihn hier: