Merkur – ein romantischer Ort


Liebe Leserinnen und leser,

in diesen Tagen, Mitte Mai 2020, soll bei guten Bedingungen der Merkur neben der Venus und der Mondsichel sogar bei uns gut zu sehen sein. Das ist nicht so einfach, weil der Merkur sehr klein ist und meistens wie der Mond bei Neumond von der Sonne überstrahlt wird. Deshalb sieht man ihn, wenn überhaupt nur am Morgen- oder Abendhimmel nahe bei der Sonne. Der große Astronom Kopernikus soll einer Legende nach auf seinem Sterbebett gesagt haben, dass es ihm zu Lebzeiten nie vergönnt gewesen wäre, den Merkur zu sehen. Aber der Merkur war schon in der Antike bekannt, weil man ihn eben manchmal mit bloßem Auge sehen kann. Merkur machte auch wegen seiner merkwürdigen elliptischen Bahn auf sich aufmerksam. Erst durch die Relativitätstheorie konnte die sog. Periheldrehung des Merkur erklärt werden. Damit ist gemeint, dass sich die ganze Merkurbahn langsam um die Sonne dreht. Somit verschiebt sich dann auch sein Perihel, sein sonnennächster Punkt. Die Newtonsche Himmelsmechanik reichte nicht aus, diese zu beschreiben.
Heute wollen wir uns mal mit einer Merkwürdigkeit befassen, die es so in unserem Sonnensystem nur auf dem Merkur zu beobachten gibt.

Der Lauf der Sonne auf Merkur

Man würde sich dort sehr über den Lauf der Sonne wundern, wenn man sich denn dort aufhalten könnte. Von einem Sonnenaufgang zum nächsten vergehen auf dem Merkur 176 Tage. Außerdem scheint die Sonne auf dem Merkur bei Sonnenauf- und Untergang aus dem Gang zu geraten. Am Äquator bleibt sie zur Mittagszeit kurz stehen, läuft dann etwas rückwärts, dann hält sie erneut an, um dann wieder ihren normalen Lauf von Ost nach West wieder aufzunehmen. Noch merkwürdiger wird alles, wenn man sich 90 Grad links oder rechts vom Mittagspunkt befindet, wo die Sonne gerade im Begriffe ist, auf- bzw. unter zu gehen. Man würde dort einen doppelten Sonnenauf- oder Untergang erleben. Also wenn die Sonne am Merkur-Morgen erscheint, verschwindet sie nochmal kurz unter dem Horizont, um dann endgültig richtig aufzugehen. Ebenso am Abendhimmel. Dort geht sie zunächst unter, erscheint dann nochmals kurz über dem Horizont, um sich dann zur Nacht zu begeben.
Dieses Kuriosum gibt es nur auf dem Merkur in unserem Sonnensystem. Was geht da vor.

Auf erden ist alles, wie es sein soll

Jeder weiß, dass sich die Erde links herum gegen den Uhrzeigersinn dreht, weshalb die Sonne von Ost nach West über den Himmel zu laufen scheint. Es ist auch bekannt, dass die Erde ungefähr 24 Stunden für eine Umdrehung benötigt. Für ihren Umlauf um die Sonne benötigt sie ein Jahr, ungefähr 365 Tage. Beim Merkur ist das alles anders.

Wie denn?

Bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts dachte man, dass der Merkur uns stets dieselbe Seite zeigt. So ist das bei unserem Mond. Dessen Drehung um sich selbst entspricht genau seiner Umlaufzeit um die Erde, einem synodischen Monat. Deshalb sehen wir seine Rückseite nie. So dachte man sich das eben auch von Merkur. Mit Teleskopen, Radar und Raumsonden, als man Struktur auf dem Merkur ausmachen konnte, fand man heraus, dass er sich doch etwas schneller um sich selbst dreht, als ein Umlauf um die Sonne dauert.
Er zeigt uns eben doch nicht immer dieselbe Seite.

Für eine Umdrehung benötigt Merkur 58,646 Tage. Für einen Umlauf um die Sonne benötigt er 87,969 Tage. Das bedeutet, dass wenn Merkur zweimal die Sonne umrundet, dreht er sich dreimal um sich selbst. Und damit nicht genug. Merkurs bahn ist extrem elliptisch. An seinem sonnenfernsten Punkt, dem Aphel, beträgt sein Abstand zur Sonne rund 70 Millionen Kilometer. In seinem sonnennächsten Punkt, dem Perihel ist er nur noch knapp 46 Millionen Kilometer von ihr entfernt. Dagegen verglichen laufen Erde und Venus fast auf Kreisbahnen.
Das bedeutet, dass Merkurs Winkelgeschwindigkeit auf seiner Bahn sehr stark variiert. Keplers zweites Planetengesetz besagt, dass der Fahrstrahl eines Planeten stehts gleiche Flächen zu gleicher Zeit überstreicht. Der Fahrstrall ist die gedachte Hilfslinie zwischen Stern und Planet. Ist nun unser Merkur an seinem entferntesten Punkt von der Sonne, ist sein Fahrstrahl länger. Wenn der zu gleicher Zeit eine gleiche Fläche überstreichen soll, bedeutet das, dass Merkur sich langsamer auf seiner Bahn bewegen muss, um diese Bedingung zu erfüllen. Das „Kuchenstück“ ist dann zwar länger, aber deutlich schmaler. In Sonnennähe beschreibt der Fahrstrahl dann zur selben gegebenen Zeit ein kürzeres, aber breiteres „Kuchenstück“, ganz davon abgesehen, dass der Kuchenrand keinen Kreis beschreibt, weil es sich um eine elliptische Bahn handelt, aber als Bild geht es so.

Nun haben wir alle Fakten beieinander, um Merkurs Sonnen-Wunder zu erklären.

Von Winkeln und Verhältnissen

Zunächst ist es so, dass ein Beobachter auf dem Merkur die Sonne im Laufe eines Merkur-Jahres immer größer wahrnimmt, so lange Merkur sich auf sein Perihel zubewegt. Entfernt er sich dann wieder von ihr, erscheint die Sonne wieder kleiner. Bei dieser starken Exzentrizität der Merkurbahn würde man das deutlich sehen. Den Effekt hätten wir gern bei unserem Supermond…

Wir haben oben gefunden, dass Merkur drei Umdrehungen innerhalb zweier Merkur-Jahre (Lauf um die Sonne) vollführt.
Die Geschwindigkeit, mit welcher Merkur sich um sich selbst dreht, bleibt konstant. Bei Drehungen spricht man gerne von Winkelgeschwindigkeiten, also von der Änderung des Winkels pro Zeit. Für die Eigendrehung des Merkur ist die konstant.
Beim Lauf um die Sonne auf merkurs extrem elliptischer Bahn ist das durchaus nicht so, denn sonst wäre keplers Gesetz mit den Flächen und dem Fahrstrahl nicht erfüllbar. Man kann also sagen, dass die Winkelgeschwindigkeit der Eigenrotation des Merkur ungefähr 1,5 mal größer ist, als die durchschnittliche Winkelgeschwindigkeit seines Laufes um die Sonne. Betrachtet man aber nun die Position des Merkur auf seiner Bahn, ändert sich dieses Zahlenverhältnis sehr stark. Im sonnenfernsten Punkt ist die Winkelgeschwindigkeit um 0,68 mal kleiner als die mittlere Winkelgeschwindigkeit und im Perihel um den Faktor 1,53 größer. Somit stehen im Aphel die beiden Winkelgeschwindigkeiten 1,5 (Eigendrehung konstant) zu 0,68 und im Perihel 1,5 (Konstante Eigendrehung) zu 1,53 (Bahnumlauf).
Was fällt hier auf:
Je näher der Merkur seinem sonnennächsten Punkt kommt, desto größer wird seine Bahngeschwindigkeit. Das Verhältnis zur konstanten Winkelgeschwindigkeit der Eigendrehung steigt also vom Aphel mit 0,68 bis zum Perihel mit 1,53 an. Nun ist das Verhältnis plötzlich anders herum.

Konsequenzen

Die Winkelgeschwindigkeit der Eigendrehung ist im Verhältnis zur Umlauf-Winkelgeschwindigkeit plötzlich kleiner. Das bedeutet, dass die Sonne für den Beobachter plötzlich rückwärts läuft, denn negatives Geschwindigkeitsverhältnis bedeutet entgegengesetzte Richtung.

Und was passiert an dem Punkt, wo das Verhältnis 1,5 zu 1,5 ist? Dort steht die Sonne kurz still und kehrt ihre Richtung von einem Beobachter aus gesehen entweder wieder in die richtige Richtung um, dass sie wieder von Ost nach west läuft, oder in die falsche.

Und was bedeutet das für den Beobachter an einer der Tag-Nacht-Grenzen? Genau. Die Sonne läuft rückwärts und tut nochmal, was sie schon tun wollte, nämlich auf- oder unterzugehen.

Und wie kommen wir auf die Tageslänge von über 180 Tagen, obwohl die Sonne sich in 54 Tagen um sich selbst dreht? Das liegt am Verhältnis von Merkurtag zu Merkurjahr. Hat die Sonne von ihrer Umdrehung her den Merkurtag beendet, hat sie sich erheblich auf ihrer Bahn weiter gedreht, Wir Erinnern uns Drei Umdrehungen in zwei Umläufen. Deshalb dauert die Zeitspanne so lange.

Liebesurlaub auf dem Merkur

Puh, das war jetzt kompliziert, oder?
Aber für Verliebte wäre das doch wirklich super romantisch mit den zwei Sonnenauf- und Untergängen.
Auch für Sonnenanbeter gibt es auf dem Merkur ein Plätzchen. Sie sollten die Caloris Planitia besuchen. Es ist das Becken der Hitze auf Merkur. Dieser Einschlagskrater hat einen Durchmesser von 1,500 km. Es ist der Ort, bei dem zum Zeitpunkt jedes zweiten Perihel-Durchgangs die Sonne im Zenit steht. Und sie verlängert das Sonnenbad noch etwas, denn sie wandert ja am Perihel kurz rückwärts. Näher kommt man der Sonne so wohl nicht und bei molligen mehreren Hundert Grad und ohne schützende Atmosphäre, dürfte sich die erwünschte Bräune rasch einstellen.

Und eins noch zur Urlaubs-Saison auf Merkur:
Jahreszeiten in dem Sinne, wie wir sie durch unsere um 23 Grad geneigte Erdachse auf der Erde haben, gibt es auf Merkur nicht, da seine Achse nur um 0,01 Grad gekippt ist. Man kann sagen, er steht aufrecht. Seine sehr elliptische Bahn bewirkt aber, dass die Sonneneinstrahlung variiert. Dieser Effekt hat auf Erden wegen der fast kreisförmigen Bahn keine Auswirkung. Allerdings bewirkt die Exzentrizität der Erdbahn, dass unser Sommer ungefähr vier Tage länger als der Winter ist. Es ist noch nicht ausgemacht, ob an den Polem von Merkur Skiurlaub möglich sein könnte. Kann sein, dass es Eis in Kratern an den Polen gibt, wo nie Sonne hin kommt. Möglicherweise muss man dann selbst die Piste beleuchten.
Und auch Kunstkenner kommen auf Merkur durchaus auf ihre Kosten. Besuchen sie doch Rembrandt, den größten Krater des Merkur. Bedenken Sie, dass die Kleiderordnung hierfür durchaus einen veritablen Raumanzug verpflichtend vorsieht. Und ob Sie dort Gemälde finden werden, ist äußerst fraglich. Wie dem auch sei. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.
Naja, ob aber jemals Menschen in diese heiße Wüstenwelt ohne Atmosphäre reisen möchten, sei dahin gestellt.

Jetzt warten wir erst mal, bis in einigen Jahren die Raumsonde BepiColombo am Merkur ihre Forschungsarbeit aufnimmt. Apropos Merkur und Missionen:
Folge 43 des Podcasts Raumzeit beschreibt die Mission sehr hörenswert und in Folge 44 dieses Podcast geht es um den Merkur an sich.
Inspiriert zu diesem Artikel hat mich das Buch Sternstunden des Universums von Harald Lesch, das es bei Audible auch als Hörbuch gibt.
Wie auch immer:
Bis Bepicolombo am Merkur ist, wird es aber noch viele neue Artikel auf Blindnerd geben.

Es grüßt euch herzlich
Euer Blindnerd.

Sonnengesänge und Gedichte zu Kantate 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

Heute 10.05.2020 ist im Kirchenjahr der Sonntag Kantate. Das ist immer der 04. Oder 05. Sonntag nach ostern, je nach dem, auf welches Datum Ostern fällt.
Übrigens ist heute auch Muttertag. Gerade in der Krise sind vor allem Mütter über alle Maßen belastet und werden nun erst sehr zögerlich von der Politik unterstützt. Man muss hier wirklich diskutieren, welches Gesellschaftsbild das dokumentiert.
Die Frauen in unserer Gesellschaft tragen momentan die Hauptlast der Corona-Krise. Seien wir uns dessen bewusst.
Ich möchte diese Problematik nicht unerwähnt lassen, obgleich dieser Artikel nicht Gegenstand dieses Problems sein kann.
Also, kehren wir zurück zu Kantate.

Kantate ohne Kantaten

Ab heute dürfen in Baden-Württemberg wieder Gottesdienste mit Besucherbegrenzung und genügend Abstand stattfinden. Allerdings darf die Gemeinde nicht singen. Das ist insbesondere an Kantate, wo normalerweise viel gesungen wird, eine Situation, mit der man erst mal fertig werden muss. Hier ist nun wirklich viel Phantasie der Pfarrer*innen, Liturg*innen, Chorleiter und allen, die Gottesdienste gestalten, gefragt.
Hautnah erlebe ich es durch meinen Mitbewohner, der Kirchenmusiker und Chorleiter ist, wieviel Arbeit er in den letzten Wochen in die Gestaltung von Online-Gottesdiensten stecken musste. Unglaublich, welche Kreativität hier zutage kam. Zum Glück ist unser Haushalt mit ausreichend hochwertiger Tontechnik ausgestattet, so dass derlei möglich ist.
Gerade in Krisenzeiten ist Gesang und Musik etwas ganz wichtiges. Und gerade dieses darf man jetzt nicht gemeinsam praktizieren. Leider finden in meinem Wohnort bisher noch keine Balkongesänge nach dem Vorbild Italiens statt.
Deshalb habe ich mir, wie soll es anders sein, mal überlegt, welche Gesänge es so mit astronomischem Bezug gibt. Heute wenden wir uns zu Kantate mal Gesängen zu, die das offensichtlichste astronomische Objekt, unsere Sonne, besingen. Manche dieser „Gesänge“ sind auch Gedichte, aber oft werden aus Gedichten oder deren Teilen später Lieder komponiert.

Motivation für Sonnengesänge

Gründe, die Sonne zu besingen, gibt es reichlich. Zunächst verdanken wir ihr unser Leben. Sie spendet Wärme und Licht. Durch ihren Auf- und Untergang erlebte die Menschheit Tag und Nacht. Es kann sein, dass die runde Sonnenscheibe die Erfinder des Rades inspirierte. Schon in der Antike fuhr sie als Sonnenwagen über den Himmel. Erst seit 100 Jahren ungefähr wissen wir, was sie für ein Kraftwerk ist und wie sie funktioniert. Dieses tritt aber in den Hintergrund, wenn man die Gesänge betrachtet, in denen Menschen ausdrückten, wie sie den Stern von dem wir leben empfinden.

Die liebe Sonne

Man könnte sagen, dass die Sonne unsere erste Liebe ist.
In meinem vorigen Artikel „Die Strahlkraft der Sonne“ wird die Solarkonstante erwähnt, die Auskunft über die Intensität der Sonnenbestrahlung der Erde gibt. Daneben könnte man durchaus auch von einer poetischen Solarkonstanten sprechen, einen Heliozentrismus der Begeisterung, eine Anbetung aus hymnischer Sprache.
Durch alle Zeiten hindurch von der Antike bis heute hat die Menschheit nicht davon abgelassen, die Sonne zu besingen, zu loben, ihr zu danken oder sie gar anzubeten.
Die Liebe zur Sonne, das extatische Bekenntnis zu unserem Zentralgestirn, die hymnische Hinwendung zum wärmenden Kern unserer Welt verbindet Völker und Erdteile.

Sonnengesänge

Die Sonnengesänge aller Zeiten bilden quasi einen großen Choral.
Es ist ganz erstaunlich, dass die Sonnengesänge durch alle Epochen hindurch nahezu dieselben sprachlichen Wendungen benutzen.
Hören wir nun etwas in Sonnengesänge hinein, wie sie einander zurufen:

So dichtete Ingeborg Bachman, Dichterin des 20. Jahrhunderts in ihrem Hymnus an die Sonne:

Nichts schöneres unter der Sonne, als unter der Sonne zu sein.

Hier ein Artikel dazu.

Wie ein Echo von vor 3000 Jahren erklingt die Stimme Echnatons, des ägyptischen Sonnengottes:

Schön erscheinst Du im Lichtland des Himmels, Du lebende Sonne, die das Leben bestimmt.

Zum Echnatons Sonnenhymnus

Der wohl bekannteste Sonnengesang des Mittelalters dürfte derjenige des Heiligen Franz von Assisi für viele sein. Es ist ein Lobpreis auf den „Bruder Sonnenstern, der uns den Tag herauf führt und Licht mit seinen Strahlen, der schöne, spendet“.
Entstanden ist dieser Sonnengesang im 12. Jahrhundert, als Franz von Assisi schon krank dem Ende seines Lebens nahe war. Es wird hier nicht die Sonne angebetet, aber sie wird als Bruder bezeichnet.
Hier gehts zum Sonnengesang.
Bis heute werden Teile dieses Gesangs beispielsweise in Taizé gebetet und gesungen.

Der aufgeklärte Skeptiker des 16. Jahrhunderts Michel de Montaigne, beginnt seinen Sonnengesang so:

Dies große Sonnenlicht, dies Auge aller Welten

der frühchristliche Mystiker Melito von Sar- des, der die Sonne mit großer Andacht untergehen sieht, schreibt:

„Sich badend in geheimnisvolle Tiefe jauchzt sie auf gar sehr. Das Wasser ist ihre Nahrung…

Anderthalb Jahrtausende später beklagt Charles Baudelaire den Sonnenuntergang:

Wie ist die Sonne schön, die in ganz frischem Steigen, wie eine Explusion aus gutem Morgen schickt.
Glückselig der, der noch voll Liebe nach ihr blickt.
Sieht er sie wunderbarer als ein Traum sich neigt

Ungeachtet seiner absolutistischen Herrschaft, darf an dieser Stelle neben Echnaton, der oben erwähnt wurde, der Sonnenkönig Ludwig XIV nicht unerwähnt gelassen werden. Er nimmt sich die Sonne als Vorbild und stimmt ein:

Als Bild wählte ich die Sonne. Sie ist ohne Zweifel das lebendigste und schönste Sinnbild eines großen Fürsten. Sowohl deshalb, weil sie einzig in ihrer Art ist, als auch durch den Glanz, der sie umgibt. Durch das Licht, das sie den anderen Gestirnen spendet, die gleichsam ihren Hofstaat bilden
Durch die gerechte Verteilung des Lichts über die verschiedenen Himmelsgegenden der Welt, durch die Wohltaten, die sie überall spendet, durch das Leben, die Freude und die Tätigkeit, die sie überall weckt, durch ihre unaufhörliche Bewegung, bei der sie trotzdem stets in Ruhe zu schweben scheint, durch ihren ständigen und unveränderlichen Lauf, von dem sie niemals abweicht.

Friedrich Leopold Graph zu Stollberg beginnt seinen Sonnengesang mit Jauchzen und loben aus Sicht des Lebens und der Erde. Dann nimmt dieser Gesang eine interessante Wendung. Er lässt, wie in der Schöpfungsgeschichte Gott dem Menschen seine Aufgaben zu wieß, Gott zur Sonne sprechen. Sie soll Leben spenden und muss menschengleich mit dem jüngsten Gerichte rechnen, mit allen Konsequenzen, die das haben könnte. Die Sonne könnte mit anderen Sternen bei Nichtgefallen mückengleich in einen Teich stürzen. Sie wird hier im Grunde vermenschlicht…

Bei Emanuel Kant ist die Sonne ein glühendes Inferno. Ja, solche Sonnengesänge gibt es auch.

Sonnengesänge in der europäischen Klassik

Der englische Komponist Gustav Holst schuf in den Jahren 1914 – 1916 sein Opus 32 „Die Planeten“ suite für Orchester. Hier werden in mehreren Sätzen nahezu alle Körper des Sonnensystems auskomponiert und gehuldigt.
Etwas vergleichbares ist mir von anderen Komponisten so nicht bekannt. Weder Haydns Merkur, noch Mozarts Jupiter hatten etwas vergleichbares versucht.

Unerwähnt darf ich an dieser Stelle unbedingt den gewaltigen C-Dur-Akkord aus Haydns Oratorium Die Schöpfung lassen. Nachdem Gott in der Genesis „Es werde Licht“ sprach, heißt es weiter „und es ward Licht“. Bei diesem Wort „Licht“ bricht dieser Akkord mit einer Gewalt und Klarheit hervor, dass es mir jetzt, wo ich das niederschreibe kalt den Rücken herunter läuft.

Nicht zuletzt dürften einige von uns noch einige Morgenlieder aus der Schule oder dem Kirchengesangbuch kennen, in welchem die Sonne oft gehuldigt wird.

Für all das gibt es Klangbeispiele auf Youtube. Da ich aber nicht beurteilen kann, welche am besten gespielt sind, lasse ich euch an dieser Stelle selbst forschen.

Die Sonne in moderner Musik

Die Gruppe Schiller brachte vor einigen Jahren ein Album Namens Sonne heraus. Somit wird ihrer sogar in heutiger sehr moderner Musik, in Rock, Pop, Tecno etc. gedacht. Ach ja, den Ohrwurm der Beatles „Here comes the Sun“ und das Lied aus dem Film „Hair“ „Let the Sunshine in“ fallen mir da auch noch spontan ein.

Es gibt noch unzählige Sonnengesänge, Gebete an die Sonne und Gedichte über sie. Damit könnte man Bücher füllen.
Ein Buch, was mich zu diesem Artikel inspirierte, war das Buch „Die Sonne“ von Dieter Hildebrandt.
Deshalb schließe ich nun mit einem ganz wunderbaren Sonnengesang von Andreas Gryphius:
Bis zum nächsten Mal grüßt euch
Euer Blindnerd.
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Andreas Gryphius – Morgensonett

Die ewighelle Schar will nun ihr Licht verschließen;
Diana steht erblaßt; die Morgenröte lacht
Den grauen Himmel an, der sanfte Wind erwacht
Und reizt das Federvolk, den neuen Tag zu grüßen.
Das Leben dieser Welt eilt schon die Welt zu küssen
Und steckt sein Haupt empor; man sieht der Strahlen Pracht
Nun blinkern auf der See. O dreimal höchste Macht!
Erleuchte den, der sich jetzt beugt vor deinen Füßen!
Vertreib die dicke Nacht, die meine Seel umgibt,
Die Schmerzensfinsternis, die Herz und Geist betrübt!
Erquicke mein Gemüt und stärke mein Vertrauen!
Gib, daß ich diesen Tag in deinem Dienst allein
Zubring! und wenn mein End und jener Tag bricht ein,
Daß ich dich, meine Sonn! mein Licht! mög ewig schauen!

hier ist noch eine Version in der Orthografie der Barockzeit:

DIe ewig helle schar wil nun jhr licht verschlissen /
Diane steht erblaßt; die Morgenrötte lacht
Den grawen Himmel an / der sanffte Wind erwacht /
Vnd reitzt das Federvolck / den newen Tag zu grüssen.
Das leben dieser welt / eilt schon die welt zu küssen /
Vnd steckt sein Haupt empor / man siht der Stral? pracht
Nun blinckern auf der See: O dreymal höchste Macht
Erleuchte den / der sich jtzt beugt vor deinen Füssen.
Vertreib die dicke Nacht / die meine Seel vmbgibt /
Die Schmertzen Finsternüß die Hertz vnd geist betrübt /
Erquicke mein gemüt / vnd stärcke mein vertrawen.
Gib / daß ich diesen Tag / in deinem dinst allein
Zubring; vnd wenn mein End‘ vnd jener Tag bricht ein
Daß ich dich meine Sonn / mein Licht mög ewig schawen.

Ein „Stern“ der Arbeiterbewegung


Liebe Leserinnen und Leser,
So, die Feier zum einhundertsten Artikel ist vorbei. Heute erscheint nr. 101.
Eines ist aber noch nicht vorbei. Das Gewinnspiel.
Wer mag, darf gerne noch nachfeiern auf
Hundert Artikel auf Blindnerd mit Gewinnspiel
Nun aber zum heutigen zum Tag der Arbeit passenden Thema:

Einleitung

wer mich besser kennt weiß, dass ich immer in meinem Herzen für Freiheit und Gerechtigkeit brenne. Somit stehe ich bis heute für jemanden, dem sozialdemokratisches Gedankengut ein großes Anliegen sind.
Ganz besonders jetzt zeigt sich, dass es im Krisenfall vielleicht nicht die beste Idee war, alles, aber auch wirklich alles, dem Neoliberalismus und einem wildgewordenen Kapitalismus zu überlassen.

Ich bin davon überzeugt, dass ein System, das uns und unserer Welt nachhaltig dienlich sein soll, eher ein sozialdemokratisches linkes System sein muss, denn Kapitalismus betreibt immer Raubbau an der Schöpfung, wird immer in Ausbeutung, Krieg und Ungerechtigkeit münden.
Vielleicht finden wir ja gerade durch die Krise zurück zu wahrer Menschlichkeit, zu einer gesunden nachhaltigen Sozialdemokratie und zurück zu humanistischen Werten. Und vielleicht dient das dann alles auch der Rettung unseres Klimas.
Nun ist dieses Blog aber alles andere als ein politisches Blog. Das können andere besser.
Da aber die Astronomie etwas ganzheitliches ist, lässt sich das nie ganz vermeiden, was auch gut so ist.
So machte ich mich mal auf die Suche nach Astronomen, die sich auch, passend zum Tag der Arbeit, neben ihrer Forschung auch politisch im linken Spektrum engagierten.
Zugegeben. Viel habe ich nicht gefunden, aber das wenige, werde ich nun mit euch teilen.

Die Fundgrube Namens Florian

Jahrelang lese ich schon die Bücher des Astronomen, Buchautors und Science Busters, Florian Freistetter. Er führt auch das Blog Astrodicticum Simplex und publiziert auf allen Medien. Ganz herausragend ist sein Podcast Sternengeschichten.
In der Spektrum der Wissenschaft schreibt er die Serie „Freistetters Formelwelt“. Nicht zuletzt, und das dürfte vor allem den Hörbuchleser*innen die es ja unter uns Menschen mit Sehbeeinträchtigung reichlich gibt, gefallen;
Ganz viele Bücher von ihm gibt es ungekürzt auf Audible, meist sogar von ihm selbst gelesen. Ich kann alle empfehlen.
Gebt einfach seinen Namen auf Audible ein, und ihr werdet fündig.

Aber nicht er ist der gesuchte linke Astronom, oder vielleicht doch auch einer, so wie ich?
Es geht aber hier um einen Facebook-Artikel von ihm.
Zum 01.05.2015 veröffentlichte er einen großartigen Artikel zu einem kommunistischen Astronomen auf Facebook.

Zugänge zum gemeinten Artikel

Da Dokumente auf Facebook für viele von uns mit Hilfstechnologie nicht flüssig zu lesen sind,
folgt nun zunächst der Link zu Florians Artikel in zwei Versionen.
Einmal so, dass sich die große Facebook-seite mit Bildern und allem für Sehende öffnet, und einmal so, dass die mobile FB-Seite erscheint, die für uns Blinde besser zu lesen ist.

Zur großen Facebook-Seite
Zur mobilen Facebook-Seite

Ganz unten im Artikel, unter die Grußformel, kopiere ich den unveränderten und unbebilderten Text rein, damit ihn auch alle, die nicht Facebook machen, ohne Probleme mit ihrer Hilfstechnologie lesen können.

Ich wünsche euch, dass ihr mit mir empfindet, wie großartig die Astronomie hier uns wieder über den Tellerrand blicken lässt.
Wer noch mer über den Astronomen Pannekoek wissen möchte, findet alles auf
Dem Wiki-Eintrag.
Wenn es heute keine Maibummel geben kann, so wenigstens ein zum Anlass passender Artikel mit dem Wunderbaren Text von Florian Freistetter.
Und wenn es heute auch nur Online-Kundgebungen gibt, dann lasst mich jetzt dem Blog zum Trotze doch noch kurz persönlich politisch werden:
Wir müssen darauf achten, dass wir nach der Krise wirklich alle Freiheiten auch wieder zurück bekommen und vor allem, dass wir nicht aufgrund von Überkonsum aufgrund des langen Verzichtes, in unsere alten egoistischen, neoliberalistischen und Kapitalistischen Grundhaltungn und Gewohnheiten verfallen.
Die Hoffnung hege ich durchaus auch, dass unser Staat beispielsweise erkennt, dass es vielleicht doch nicht ganz klug war, alles zu privatisieren, um das Geschehen einem sinnlosen wildgewordenen Neoliberalismus und Kapitalismus zu überlassen. Es wird nun Zeit für eine neue Generation von Politikern. Gefühlte 40 Jahre Konservativismus reichen jetzt wirklich. Wer konservativ in der Vergangenheit lebt, kann nicht in die Zukunft denken. Weg mit diesem ganzen gescheiterten Leerer- und Juristenpack im Bundestag. Für Corona und Klimawandel bräuchten wir ein Drittel Ingenieure und Naturwissenschaftler im Parlament. Es reicht jetzt wirklich. Tragt Masken in der Farbe eurer wahl, aber rot in euren Herzen…

Auf gehts, Genossinnen und Genossen.

In diesem Sinne,
gehabt euch wohl,
passt auf euch und andere auf,
tragt brav eure „roten“ masken
und bleibt gesund.
Euer Blindnerd.

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Anton Pannekoek: Zwischen Astronomie und Kommunismus
Von Florian Freistetter / 1. Mai 2015

Eigentlich muss man sich ja gar keine große Mühe geben um nach Anlässen für Artikel über Astronomie zu suchen. Jeden Tag veröffentlichen Forscherinnen und Forscher neue Erkenntnisse über das Universum. Teleskope, Raumsonden und Satelliten sammeln mehr Daten, als man auswerten oder verstehen kann und wenn man wollte, könnte man rund um die Uhr neue Texte über neue Forschung schreiben. Aber ich lasse mich bei der Recherche nach den Themen für mein Blog auch gerne mal vom Zufall treiben. Und probiere, Verbindungen zu finden, nach denen man normalerweise nicht sucht. Das ist vielleicht nicht immer unbedingt sinnvoll – aber man entdeckt dabei meistens Themen, auf die man sonst nie gestoßen wäre! Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass man von Zwiebelkuchen zur Entstehung des Lebens auf der Erde gelangen kann? Oder vom Tag des deutschen Biers zum Begründer der Mond-Kartografie? Es lohnt sich also (das ist zumindest meine Meinung) auch den absurden Verknüpfungen zu folgen. Das habe ich mir auch an diesem Morgen gedacht und weil ja heute der erste Mai, der “Tag der Arbeit” bzw. “Kampftag der Arbeiterbewegung” ist, habe ich mich mal umgesehen, was das Thema “Astronomie und die Arbeiterbewegung” so hergibt. Und bin dabei auf Anton Pannekoek gestoßen.
Maifeier_Volksstimme_Frankfurt_1901
Pannekoek wurde 1873 in den Niederlanden geboren. Er studierte Astronomie an der Universität Leiden und wie das oft so ist während eines Studiums, begann er sich dabei für Politik zu interessieren. Pannekoek beschäftigte sich um 1900 herum nicht mehr nur mit Astronomie, sondern auch immer mehr mit Marxismus und Sozialismus. Er machte nicht nur seinen Doktor in der Astronomie, sondern entwickelte sich auch zu einem anerkannten marxistischen Theoretiker, dessen Schriften in deutschen und niederländischen Zeitungen publiziert wurden. 1906 ging Pannekoek nach Deutschland, trat in die SPD ein und wurde Dozent an deren Parteischule. Das durfte er aber nur kurz tun; dann wurde es ihm verboten – mit der Drohung, ihn aus Deutschland auszuweisen, wenn er weiter dort unterrichten würde. Pannekoek engagierte sich weiter in der sozialistischen Bewegung, musste bei Ausbruch des ersten Weltkriegs aber zurück in die Niederlande gehen. Dort begann er sich für den Rätekommunismus einzusetzen (das ist – einfach gesagt – eine Gesellschaft, die weder von einem Parlament, noch einer einzigen Partei regiert wird, sondern sich nach basisdemokratischen Prinzipien kollektiv selbstverwaltet und in vielen kleinen Räten organisiert). Damit stand Pannekoek nicht mehr nur im Widerspruch zum Kapitalismus und der parlamentarischen Demokratie, sondern auch zum Marxismus-Leninismus (und zu Stalin sowieso). Er trat verschiedensten linken Vereinigungen und Parteien bei; ebenso oft wieder aus und publizierte seine Theorien zum Rätekommunismus, die in den 1920er Jahren durchaus großen Einfluss auf die politisch linke Szene hatten. In den 1930er Jahren und dann nach dem zweiten Weltkrieg zog er sich aus der politischen Theorie aber immer weiter zurück und veröffentlichte nur noch selten etwas (privat arbeitete und korrespondierte er aber weiter zu diesen Themen).
Seine astronomische Arbeit vernachlässigte Pannekoek bei all der Politik aber keineswegs. In seinen frühen Arbeiten beschäftigte er sich vor allem mit veränderlichen Sternen und publizierte Beobachtungen zu ihren Helligkeitsänderungen. Später ging er dann auch fundamentalere Themen an. 1919 erschien zum Beispiel eine Arbeit mit dem Titel “The Distance of the Milky Way”. Darin ging er der Frage nach, wo sich die Sonne (und mit ihr die Erde) in Bezug auf den Rest der Milchstraße befindet. Das war damals ein wichtiges und vor allem ungeklärtes Problem! Weder wusste man zu Beginn der 1920er Jahre, ob es neben der Milchstraße noch andere Galaxien im Universum gibt oder die Milchstraße das Universum ist, noch war man sich über die Struktur der Milchstraße im klaren. Erst die nächsten Jahre brachten hier Aufklärung, als Edwin Hubble und seine Kollegen zeigen konnten, dass es neben der Milchstraße tatsächlich noch viele andere Galaxien gibt und das wir uns in unserer Galaxis am Rand befinden.

Das war zur Zeit Pannekoeks noch alles andere selbstverständlich. In seinem Artikel schreibt er über Beobachtungen des Astronomen Harlow Shapley, die nahelegen, dass sich die Sonne nicht im Zentrum der Milchstraße befindet:
“Now, Shapley’s result, that in the universe of globular clusters the sun occupies a very eccentric position, is contrary to the common view, which places the sun in our galactic system not far from the center.”
Die Beobachtungen, nach denen die Sonne also eher am Rand der Milchstraße sei, würden – so Pannekoek – der “allgemeinen Ansicht” widersprechen, dass wir in der Nähe des Zentrums beheimatet wären. Pannekoek ist aber von der Korrektheit der Messungen überzeugt und kommt in seiner Arbeit ebenfalls zu dem Schluss, dass wir uns am Rand befinden:
“The sun must then be situated near to the limit of the system in the direction of Perseus.”
Später wechselte Pannekoek von der reinen Beobachtung der Sterne zur Erforschung ihrer Eigenschaften und Entwicklung und war maßgeblich daran beteiligt, diese damals noch neue Disziplin der “Astrophysik” in den Niederlanden zu etablieren. Noch später begann er sich dann auch für die Geschichte der Astronomie zu interessieren und sein Buch auf diesem Gebiet gehörte lange Zeit zur Standardlektüre (und ist immer noch erhältlich*!). Zu seinen vielen Veröffentlichungen über historische Astronomie gehört auch ein interessanter Artikel aus dem Jahr 1930 mit dem Titel “Astrology and its Influence upon the Development of Astronomy”. Darin stellt Pannekoek die Sonderstellung der Astronomie heraus, als Wissenschaft, die im Gegensatz zu den meisten anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen eine viel längere Geschichte hat. Wo die anderen Wissenschaften quasi erst vor ein paar Jahrhunderten in den Universitäten entstanden, so Pannekoek, stammt die Astronomie noch aus einer viel älteren Zeit, in der die Suche nach Erkenntnis von deutlich unwissenschaftlicheren Motiven gesteuert wurde. Die Astronomie musste sich erst mühsam davon lösen und dabei die Astrologie abschütteln. Gleichzeitig betont er aber auch, dass die Astrologie den Babyloniern und später auch noch einmal in der Renaissance als Motivation diente, jede Menge Daten über die Himmelskörper zu sammeln, die dann zur Grundlage großer astronomischer Erkenntnisse wurden. Sein Text endet mit folgenden Worten:
“Astrology did not at once disappear, but its practice and theory are now only possible as a superstition, outside of science and beneath it. The astronomers now see new and other larger aims before them. The principle of which it once was the expression, the conception of the unity of the whole world, had now to take a new form; to find not the connection of universe and man – for man is now only a small and accidental attribute to one small planet – but to find the laws of the universe itself. On this new path astronomy has gone upward during the following centuries.”

Nach Pannekoek wurden ein Krater auf dem Mond und ein Asteroid benannt, er bekam die Goldmedaille der Royal Astronomical Society und das Astronomische Institut der Universität Amsterdam trägt heute seinen Namen.
Pannekoek starb am 28. April 1960 und auch wenn er mit seinen politischen Überzeugungen die Welt nicht verändert hat: Mit seinen wissenschaftlichen Leistungen hat er auf jeden Fall dazu beigetragen, dass wir sie besser verstehen können!
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Das Kosmische Ei


Liebe Leserinnen und Leser,

lange habe ich nach einem Osterthema gesucht. Wie man Ostern berechnet, hatte ich schon geschrieben.
Ich dachte auch über einen Artikel nach, der von jemandem handelt, der für seine moderne Weltanschauung hingerichtet wurde, z. B. Giordano Bruno. Dann hätte man gewisse Parallelen zur Hinrichtung Jesu herstellen können.
Aber irgendwie wollte ich gerade für diese schwierigen Zeiten etwas frölicheres finden. So suchte ich und fand…

Es gibt sie in allen formen. Aus Zucker, Schokolade, mit und ohne Füllung, gekochte, bunte, ausgeblasene und gebastelte. Die Rede ist vom Ei.
Keine Angst. Ich stelle jetzt die Frage nicht, was zuerst da war, das Huhn oder das Ei. Mein Vater stellte sie uns Kindern gefühlt bei jedem Osterfest mindestens ein mal…

Das Ei steht für den Anfang des Lebens, für Fruchtbarkeit und neues. Deshalb ist es für uns ein so wichtiges österliches Zeichen. Jesus überwindet den Tot, ein Symbol für neues und ewiges Leben.
So verwundert es nicht, dass sich zahlreiche Schöpfungsmythen um das Ei ranken. Selbst heutige rational denkende Naturwissenschaftler ziehen gelegentlich das „Kosmische Ei“ als Vergleich heran, wenn die Entstehung des Universums beschrieben werden soll.
Hier nun zunächst einige Mythen zur Entstehung der Welt aus einem Ei von Wikipedia. Danach gehen wir dann noch auf unser Thema, dem modernen kosmischen Eies ein.

Hinduismus

Das Gesetz des ersten indischen Gesetzgebers beginnt mit einem Schöpfungsmythos: „Er (Prajapati) hatte den Wunsch, Wesen aller Art aus seinem eigenen Körper hervorgehen zu lassen. Zu diesem Zweck erschuf er durch einen bloßen Gedanken das Wasser und legte seinen Samen darein. Der Same wurde zu einem goldenen Ei (Hiranyagarbha), leuchtend wie die Sonne, und in diesem Ei wurde er selbst geboren als Brahman, der Schöpfer der Welt … Der Göttliche wohnte ein Jahr lang in diesem Ei, dann teilte er es Kraft seines Gedankens in zwei Hälften, und aus den beiden Hälften formte er Himmel und Erde … Indem er seinen eigenen Körper teilte, wurde er halb männlich und halb weiblich …

Chinesische Mythologie

In einem chinesischen Weltentstehungsmythos enthielt das Urchaos in der Form eines Hühnereis das kosmische Prinzip Yin und Yang (zwei sich ergänzende Pole, die sowohl Ursprung als auch das Wesen aller Dinge sind). Aus diesem Ei wurde Pangu geboren.
Pangu steht als Weltachse im Mittelpunkt von Himmel und Erde. Seine Gestalt muss anfangs zwergenhaft gewesen sein. Nach 18.000 Jahren lichtete sich das Chaos und zerteilte sich in Yin und Yang (Erde und Himmel). Jeden Tag wuchs der Himmel nach oben und die Erde verfestigte sich und sank nach unten. Im selben Maß wuchs Pangu, bis er nach weiteren 18.000 Jahren zu einem Riesen geworden war, dessen Körper von der Erde bis zum Himmel reichte.
Er beschloss sein Leben durch eine Selbstopferung und bildete aus seinem Körper in einer Kosmogonie das Universum. Sein Odem wurde zum Wind, seine Stimme zum Donner, das linke Auge zur Sonne, das rechte bildete den Mond, aus seinem Leib bildeten sich die vier Pole und die fünf heiligen Berge, sein Blut ergab die Flüsse, Zähne und Knochen ergaben die Metalle, sein Haar die Pflanzen, sein Speichel den Regen und das an ihm haftende Ungeziefer die Menschheit. Aus Samen und Knochenmark wurden Perlen und Jade.

Japanische Mythologie

Der japanische Mythos der Weltentstehung ist in den frühesten japanischen Chroniken Kojiki (712) und Nihonshoki (720) festgehalten und besitzt chinesische Wurzeln, die auf die Einführung der chinesischen Kultur wie auch auf Einwanderer zurückgehen. Dem Nihonshoki gemäß war die Welt anfangs ein Chaos in Gestalt eines Ur-Eies, in dem Himmel und Erde (bzw. Yin und Yang) noch nicht getrennt voneinander existierten. Nachdem diese Trennung vollzogen war, trieben fisch- oder quallenartige Gebilde auf dem Wasser umher; aus diesen entstanden schilfartige Sprosse und diese wurden zu den ersten Gottheiten[6]. Es gab sechs Generationen von sehr unbestimmt beschriebenen Urgöttern und erst mit der siebten Generation, dem Geschwisterpaar Izanagi und Izanami, setzt die eigentliche mythologische Erzählung ein.

Griechische und römische Antike

In Griechenland gehört der Mythos vom Welten-Ei zum Dionysoskult. Die heiligen Geschichten dieses Kultes berichten, dass der – mehr oder weniger mit Dionysos identische – Schöpfergott aus einem Ei schlüpfte. So geheimnisvoll sein Wesen ist, so unsicher ist auch sein Name, er heißt Phanes, Protogonos, Eros oder Kronos. Da er selbst unerzeugt ist und vielmehr alles erzeugt, ist er – wie Brahman und wie Amun – mann-weiblich. Als Eigeborener hat er Flügel. In einem orphischen Hymnos wird er angerufen:„ Urwesen, doppelgestaltiger, ätherdurchfliegender Riese, / der du dem Ei entschlüpftest, prangend mit goldenen Schwingen, / brüllend so laut wie ein Stier, du Ursprung der Götter und Menschen …/ seliger, Kluger, an Samen Reicher, besuche voll Freude/ uns, die Kenner der Feiern, zur heiligen, leuchtenden Weihe“ Ähnlich wie der ägyptische Amun gilt auch der orphische Protogonos/Phanes als eine besonders „geheimnisumwitterte Gottheit“. Er zieht den „Kennern der Feier“ den „Schleier der dunstigen Finsternis fort von den Augen“.[9]
Im römischen Mithraskult taucht Mithras in der Erscheinungsform des orphischen Phanes auf. Geflügelt und schlangenumwunden, umgeben von den zwölf Sternbildern des Tierkreises und den aus den vier Himmelsrichtungen blasenden Winden steht er zwischen der unteren und der oberen Hälfte des Welteneies. In der Rechten hält er den herrschaftlichen Donnerkeil, in der Linken die Weltachse.

Das moderne Kosmische Ei

Der Kirchenmann und Astronom Georges Lemaître veröffentlichte 1927 die Idee, dass sich der Kosmos aus einem Uratom entwickelt habe.
Dieser Entstehungsprozess, wenn also quasi die Schale des Eis aufspringt, und das junge Universum frei gibt, nennt man seither in der Kosmologie Urknall oder Big Bang.

Etwas genauer ausgedrückt wird in der Kosmologie der Beginn des Universums, also der Anfangspunkt der Entstehung von Materie, Raum und Zeit als Urknall bezeichnet. Nach dem kosmologischen Standardmodell ereignete sich der Urknall vor etwa 13,8 Milliarden Jahren. Urknalltheorien beschreiben nicht den Urknall selbst, sondern das frühe Universum in seiner zeitlichen Entwicklung nach dem Urknall.
„Urknall“ bezeichnet keine Explosion in einem bestehenden Raum, sondern die gemeinsame Entstehung von Materie, Raum und Zeit aus einer ursprünglichen Singularität. Diese ergibt sich formal, indem man die Entwicklung des expandierenden Universums zeitlich rückwärts bis zu dem Punkt betrachtet, an dem die Materie- und Energiedichte unendlich wird.

Eine Singularität ist ein Zustand, ein Ort, wo unsere physikalischen Gesetze aufhören zu existieren. Masse wird unendlich, Zeit unendlich langsam etc. Weder die Gesetze der Relativitätstheorie, noch diejenigen der Quantenphysik und die Newtonsche Mechanik, greifen hier nicht mehr. Das sog. Standard-Modell, das diese Gesetze und Theorien zu vereinen sucht, versagt an so einem Ort.

Es wird krampfhaft nach einer Theorie, der Quantengravitation gesucht, die alles miteinander verbindet.

Die Bezeichnung des „kosmischen Eis“ wurde von der modernen Wissenschaft in den 1930er Jahren wieder entdeckt. Nach modernen kosmologischen Modellen war vor 13.8 Milliarden Jahren die gesamte Masse des Universums in einer gravitativen Singularität komprimiert, dem sogenannten Kosmischen Ei, von dem aus sich das Universum bis zu seinem heutigen Zustand entwickelte.

So, das waren also jetzt mal einige Mythen über das Ei und die Entstehung von allem bis in die heutige Zeit.

Jetzt wünsche ich euch trotz allem schöne viele bunte Ostereier. Und Vorsicht, daran kann man sich auch überfressen… Ist mir als Kind regelmäßig passiert.

Also, gehabt euch wohl,
feiert schön im Rahmen eurer Möglichkeiten,
passt auf euch auf
und bleibt gesund.
Frohe Ostern wünscht euch

euer Blindnerd.

Mein Astronomischer Jahresrückblick 2019


Liebe Leserinnen und Leser,

wieder liegt ein ereignisreiches Jahr hinter uns. Astronomisch begleitete uns natürlich die Mondlandung mehr oder weniger das ganze Jahr hindurch.
Es gab aber, zumindest für mich, auch noch großartige andere astronomische Erlebnisse.
Wie immer teile ich diese in Form eines obligatorischen Jahresrückblickes gerne mit euch.
Und das gewiss nicht, weil ich mich bauchpinseln wollte, sondern weil diese Arbeit einfach viel Freude bereitet. Ich merke, dass meine Mission der Inklusion am Himmel, langsam immer mehr Anhänger*innen findet.
Dann fangen wir mal an:

Artikel bei Spektrum

Zunächst kommt ein Nachtrag von 2018; eine Überraschung, von der ich erst Anfang 2019 erfuhr und die mich sehr freute.
Es gab im November 2018 einen Artikel über mich in der Spektrum der Wissenschaft. Der ist allerdings hinter einer Paywall
https://www.spektrum.de/magazin/wir-wollen-den-himmel-zu-allen-bringen/1606172
Davon habe ich nur zufällig erfahren. Sollte jemand die Möglichkeit haben, diesen Artikel zu laden, dann wäre ich für eine, ja ich weiß, … Kopie sehr dankbar.
Immerhin habe ich die Spektrum als Hörzeitschrift abonniert. Dort war der Artikel aber nie drin, sondern scheinbar nur online.

Jetzt aber zu den Ereignissen von 2019
Wie wir nachher noch sehen werden, war dieses Jahr für mich irgendwie das Jahr der Medien.

Jahresbeginn mit Big-FM

Der Radiosender BigFm strahlte am 13.01. einen Beitrag mit mir in „Zwischen Himmel und Erde“ aus. Das war eine Wiederholungstat, denn der Artikel wurde vor einigen Jahren schon mal gesendet.
Das macht aber nichts, denn bei den meisten Sachen im All kommt es nicht darauf an, wie abgehangen ein Artikel ist.
Diese Ausstrahlung hatte, wie wir später sehen, weitreichende positive Folgen.
Beitrag anhören

Optic Students

Mein erster Vortrag 2019zu Audio-Astronomie war bei einem Verein am KIT, der sich Optic Students nennt. Diese forschen an allem, was mit Optik zu tun hat. Ob Laser, Linse, Spiegel etc. Ausgerechnet dieser Verein wollte von mir einen Vortrag ohne Optik haben. Ich finde das eine gute Sache, wenn man seine Sensoren mal anders ausrichtet.
Rein zufällig traf ich mal ein Mitglied des Vereins auf der Straße. Ich wurde gefragt, ob ich derjenige blinde sei, der mit Sternen und so…
Vermutlich hatte er was in den Medien aufgeschnappt.
Und dann war die Idee geboren.
Der Vortrag war sehr gut besucht und danach gab es auch noch viel Gespräche und leibliches Wohl. Den Vortrag musste ich auf Englisch halten. Zum Glück habe ich schon teilweise englische Folien, so dass ich nicht alles neu erfinden musste.
Für mich war es der erste Vortrag am KIT. Da ist man zwanzig Jahre beschäftigt, taucht mindestens zwei mal jährlich in einem KIT-Medium zum Thema Astronomie auf, kommt in anderen großen überregionalen Zeitungen etc., und dennoch keine Vorträge.
Es ist schon irgendwie so, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt.
Wie auch immer.

Artikel beim Evang. Pressedienst

Die oben erwähnte Radiosendung schnappte offenbar eine Reporterin des Evang. Pressedienstes auf. Schon am 18.01. durfte ich ein großartiges Interview mit ihr führen.
EPD ist für die Kirche das, was für alle die DPA darstellt. Jede Zzeitung darf sich bei den Artikeln bedienen. Ein super Multiplikator also.
Und tatsächlich. am 06.02. veröffentlichte der EPD einen sehr langen respektvoll geschriebenen großartigen Artikel.
Hier geht es zum Artikel.

Noch am gleichen Tag rief die Landesschau des SWR bei mir an. Die wollten unbedingt, angeregt durch den EPD-Artikel mit mir eine Sendung aufzeichnen.
Das letzte finale Ereignis in diesem jahr war dann diese Sendung. Siehe gaaaanz unten.

Sendung bei SWR4 Baden-Württemberg

Am 07.02. rief mich spontan ein wohl bekannter Reporter, Herr Essig, des SWR4 an. Wenn es etwas am KIT oder vom KSC zu berichten gibt, das für SWR4 interessant sein könnte, ist Herr Essig nicht weit.
Er meinte: „I bin grad uf am Weg zum KSC. I könnt kurz vorbei komme. Mache ma doch e schönes Beiträgle.“
Auch er fand über den EPD-Artikel zu mir.
Baden-württemberg Aktuell

Ambasador-Club Baden-Baden

Von langer Hand geplant war ein Vortrag im Kurhaus Baden-Baden beim Ambasador-Club.
Die waren alle sehr interessiert. Es ist praktisch, auch mal bei so einem Verein einen Vortrag zu haben, denn die haben, was man eventuell mal für ein Astronomie-Projekt brauchen könnte, Geld, das sie gerne für gute Zwecke einsetzen wollen.

Fünfzig, was jetzt schon?

Oh, was hatte ich Glück, wie ich mich um eine große Feier meines fünfzigsten Geburtstags drücken konnte.
Vom 22.02. – 24.02. nahm ich für den Evang. Blinden- und Sehbehindertendienstes Baden an der Jahrestagung des Dachverbandes teil
Das Motto war lustig: „Hast Du schon die App, oder fragst Du noch Menschen“.
Gemeinsam mit einer aus Pfarrern bestehenden Folk-Band durfte ich mich mit zwei kleinen Lesungen am Abendprogramm beteiligen. Ich muss schon sagen. So Folk und Astronomie passen schön zusammen.
Außerdem gab ich zwei mal einen Workshop zum Thema „Wenn Dinge plötzlich denken lernen“. Es ging um Haushaltsroboter, Alexa & Co. Trotz aller Vorteile als Hilfsmittel und Assistenzsystem gab es viele Ängste und Bedenken, die im Workshop ausgesprochen und bearbeitet werden durften.
Die Tagung war wirklich ein ganzheitliches Highlight für mich und hat mich, wie gesagt, über meinen Fünfziger getragen.

Interview beim Evangeliumsrundfunk

Mein großartiger blinder Freund ist Journalist beim Evangeliumsrundfunk Baden. Der ist sprachlich der Hammer und keiner kann Elvis so gut wie er. Für das Bestehen seiner Matheklausuren empfahl ich ihm stets Kerzen zum Gebet…
Er hatte vor einigen Jahren den Take initiiert, der oben von BigFM erwähnt wurde.
Der führte mit mir am 12.03. mal ein richtiges langes Interview mit mehreren Takes durch.
Es war wie in guten alten Zeiten, als wir Brüder im Geiste quasi unter einer roten Fahne die Welt verändern wollten.
Link zur Sendung

Podcasts

Ich schrieb in Podcasts – ein Tor zu Wissen und Bildung darüber, welch ein wunderbares Tor zu Wissen und Bildung insbesondere für mich als Mensch mit Blindheit, Podcasts sind.
Ein in der Community und weit darüber hinaus strahlender Stern am Podcast-Himmel ist der Technikpodcast von Stephan Merk.
Es war mir eine große Ehre, dass er am 29.03. mit mir eine Folge aufzeichnete.
Für alle, die sich für Audiozubehör interessieren, ist dieser Podcast ein Muss.
Zur Folge

Sternenfrühstück

Auf der oben erwähnten Fachtagung des DEBESSwurde mit der Leiterin des Evang. Blinden- und Sehbehindertendienstes Rheinland-Pfalz abends beim Wein die Idee geboren, mich zu deren Frauenfrühstück in die Diakonie als Referent einzuladen, denn man kann ja nicht immer ein medizinisches oder sonstiges Schwurbelthema nehmen.
Das war für mich eine gewisse Herausforderung, denn ich hatte mit so einem Publikum noch wenig Erfahrung.
Hier kam mir dann allerdings die Zeit zu pass. Ostern stand vor der Tür und diesmal sogar noch mit dem
Oster-Paradox
Da lies sich dann was daraus machen.
Die wunderbaren Damen schmierten mir Brötchen und versorgten mich vortrefflich und ich erzählte ihnen von Ostern.

Podcast mit Folgen

Schon lange bin ich mit den freien Journalisten der @Weltraumreporter auf Twitter unterwegs und habe auch deren Flatrate abonniert, um alle Artikel der @Riffreporter lesen zu können.
Und so besuchten mich am 24.06. Karl Urban und Felicitas Mogler in meinem Büro, um gemeinsam eine Sendung aufzunehmen.
Keiner von uns wusste vorher, wer den Weltraumreportern die Sendung abkaufen würde. Es versprach somit, spannend zu werden.
Einige Radiosender kauften dann den Artikel und bastelten sich eigene kurze features daraus.
Zur Podcast-Folge der @weltraumreporter

Inklusion

Aufmerksam geworden durch den EPD-Artikel oder einer anderen Zeitung, die sich dort bediente, rief mich die Inklusionsbeauftragte der Gemeinde Gundelfingen an, und bat mich, in deren Bibliothek einen inklusiven Abend zu gestalten.
Im Vorfeld dafür durfte ich am 02.07. der Badischen Zeitung ein Interview geben.
Ich schrieb gesondert über diese Veranstaltung in

Inklusiv von allen Seiten – mein Auftritt in Gundelfingen

Am selben Tag strahlte DLF-Nova ein Feature aus, welches aus der Sendung extrahiert wurde, das die Weltraumreporter mit mir aufgenommen hatten.

Hatte also diesmal der Große Fisch DLF angebissen. Wahnsinn!!!

Nach gezogen hat dann mit quasi der gleichen Sendung SWR2-Impuls.

Endlich geschafft. Ein Traum ging in Erfüllung. Ich wollte schon immer gerne ins Radio. Lieber, als ins Fernsehen, obwohl man das natürlich auch mit nimmt, wenn es sich anbietet.

Besuch von Alexander Gerst

12.07. Ehrendoktor Alexander Gerst.
Zu gerne hätte ich ihm mein Buch geschenkt, aber er wurde von Großkopferten derart abgeschirmt, dass das nicht möglich war. Dennoch. Es war für mich ein großer Tag, bei dieser Feier dabei gewesen zu sein.
Über diesen ganz besonderen Vortrag berichtete ich bereits in

Alexander Gerst am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – meine Impressionen

Mond verpasst

Ausgerechnet am 20.07.2019, 50 Jahre Mondlandung, lag ich krank zu Bette.
Noch nie musste ich wegen Krankheit eine Astro-Veranstaltung absagen. Eigentlich wollte ich mich mit unseren Studierenden treffen. Wir wolten Mond-Videos schauen, Pizzamond bestellen und Legorakete aufmachen, und auseinander nehmen, um den Flug zu erleben.
Ging nicht. War nix zu machen. So habe ich dann halt meine Videos im Bett geschaut, und irgendwie wurde es dann doch noch ganz feierlich.

Astronomie für die Kirche

Mitten am Tage, als die Sonne hoch am Zenit stand, war ich von den Mitarbeitern des EOK eingeladen, im Rahmen ihrer Mittagspause mal etwas über Astronomie mit vier Sinnen zu erzählen.
Die haben im Sommer so ein Programm, wo entweder Mitarbeitende ihr ungewöhnliches Hobby präsentieren, bzw. in meinem Falle, auch mal jemand von außerhalb eingeladen wird.
Und so hörten wir uns viele Weltraumsounds an, man war sehr an meinen Modellen interessiert, und einige Büchlein wechselten ihre Besitzer.
Am gleichen Tag sendete SWR2-Wissen ein aus dem Podcast der Weltraumreporter abgeleitetes Feature, dem des DLF sehr ähnlich,
Allerdings nur irgendwie online, denn im SWR2-Wissen-Podcast lief es nie.

Am 12.09. veröffentlichten nun die @Riffreporter das ganze Interview als Schriftinterview und auf ihrem Podcast. Weil die anderen Radios Teile vom ganzen verwendeten hier der Link zum ganzen Interview.
Direkt zum Audio auf Blindnerd

Zum Podcast und Schriftinterview auf der Seite der Riff-Reporter

Outreach-Workshop bei der Astronomischen Gesellschaft

Vor vier Jahren stellte ich bei der Deutschen Astronomischen Gesellschaft auf der Jahres-Hauptversamlung in Kiel mein Buch vor. Ich dachte mir, dass die Gelegenheit günstig sei, am 19.09. mal wieder einen Vortrag darüber zu halten, was sich seitdem entwickelt hat. Da die Versammlung diesmal an der Uni Stuttgart stattfand, war es für mich ein Heimspiel.

Vier Jahre, in welchen sich unheimlich viel für mich und die Astronomie getan hat. Über einhundert Veranstaltungen und Vorträge, zahlreiche Berichte und Interviews in den Medien, Entwicklung neuer Modelle und Zugänge zu Astronomie und vieles mehr, nahm ich in diesem Herbst zum Anlass, mal wieder im Outreach-Workshop der Jahreshauptversammlung der Deutschen Astronomischen Gesellschaft, diesmal in Stuttgart, einen Bericht abzuhalten, wie sich meine Öffentlichkeitsarbeit in Sachen inklusiver Astronomie, in den letzten Jahren entwickelte.
Zum Event

Der Ritterschlag

Wie genau weiß ich nicht, aber es hat tatsächlich eine Reporterin der Deutschen Presseagentur zu mir gefunden.
Am 30.09. fand ein Interview mit ihr statt, aus welchem ein großartiger DPA-Artikel entstanden ist.
Hier haben sich bis Mitte Oktober schon das schwäbische Tagblatt, die BNN und das Badische Tagblatt bedient.
Und das sind nur die, von denen ich weiß. Ich bin gespannt, welche Früchte dieser DPA-Artikel noch tragen wird.

Astronomieurlaub Inklusiv

Über meinen Kurzurlaub Ende Oktober im Sternenpark Havelland schrieb ich gesondert.
Ich bin davon überzeugt, dass sich hier etwas sehr schönes entwickeln wird.

Finale zu guter letzt

Und da sind wir zum Schluss wieder beim Anfang, wo der Prophet nichts gilt im eigenen Lande. Vor der Haustüre hatte ich bisher nur extrem wenige Vorträge. Am Rande der Welt dagegen schon.
Mit ungefähr einem Jahr Vorplanung war klar, dass ich am 09.12.2019 um 20:00 Uhr einen Vortrag für die Karlsruher Astronomische Vereinigung im Rahmen ihres monatlichen Programms im Naturkundemuseum halten würde. Das freute mich sehr, weil dann endlich mal meine Freunde hier die Möglichkeit hatten, mich zu besuchen, ohne mir hinterher reisen zu müssen.

Was sich relativ kurzfristig ergab war, dass die Landesschau des SWR dabei sein würde, um einen Beitrag mit mir zu drehen.
Oben erwähnte ich schon, dass ich ob des EPD-Artikels eine Anfrage der Landesschau hatte. Nun ist es aber so, dass nicht jeder Vortrag oder Workshop sich für die großen Medien eignet. Bei Kinder-Workshops dulde ich große Medienanstalten meist nicht. Außer einer kleinen Lokal-Zeitung, die z. B. wichtig für die Schule ist, darf da niemand glotzen.
Menschen mit Einschränkung führe ich auch nicht gerne bei den Medien vor, um eventuell Klischees zu befeuern und zu verstärken.
Dieser öffentliche Vortrag zum Jahresabschluss war für das Fernsehen super geeignet. Es ergab sich, dass ein Früherer Kollege und Freund sich bereit erklärte, mir ab dem Nachmittag den ganzen Abend als Assistenz zur Verfügung zu stehen.

Das erleichtert mir alles so ungemein.
Meinen Beitrag könnt ihr euch hier ansehen.

So, ihr seht, das war ein turbolentes Jahr. Ich bin schon neugierig, was das nächste Jahr bringen wird. Der astronomische Terminkalender füllt sich bereits langsam.
Mit diesem Artikel verabschiede auch ich mich in meinen Weihnachtsurlaub.
Ich wünsche euch allen eine schöne und besinnliche Weihnacht und einen guten Start in das neue Jahr 2020.
Es grüßt euch herzlich
euer Blindnerd Gerhard.
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Die Herkunft des Goldes auf Erden


Die Herkunft des Goldes

Seid weihnachtlich gegrüßt,

Einleitung

Weihnachtszeit bedeutet Lichtertzeit.
Da gibt es Goldengel,
in goldenes Stanniol eingepackte Schokoladentaler,
goldenes Lametta,
Goldstaub,
goldene Sterne und vieles goldene mehr.
Nicht zuletzt beschenkt man sich gerne auch mal zu Weihnachten mit Goldschmuck.
Gold steht für Glanz, für Licht, für Reinheit und für hohen Wert.
Letzteres deshalb, weil Gold so selten hier auf Erden ist. Es macht viel Mühe, es zu finden und aus der Erde zu holen.
Astro-Geologisch betrachtet, gehört das Gold eigentlich gar nicht hier auf die Erde, und dennoch haben wir, wenn auch nicht viel, genug davon, um uns daran zu erfreuen.
Zumindest gehört es deshalb nicht hier her, weil es definitiv nicht in unserem Sonnensystem entstanden ist, was wir noch sehen werden.
Aber alles der Reihe nach.

Der Anfang

Kurz nach dem Urknall, als das Universum entstand, gab es im Wesentlichen nur das Element Wasserstoff, einen kleinen Anteil Helium und etwas Lithium.
Das dem so war, verrät uns das Sternenlicht sehr alter und zumindest teilweise bereits längst vergangener Sterne und gute Simulationen am Computer.

Da das Universum am Anfang noch deutlich kleiner war, als heute, standen die Sterne viel näher beieinander. Außerdem bildeten sich aus diesem Wasserstoff und Helium oft sehr große Sterne, die das zehnfache oder hundertfache unserer Sonne wiegen.
Somit waren die ersten Sterne aus der ersten Generation, die Astronomen nennen sie die dritte, sehr rein und bestanden fast nur aus reinem Wasserstoff, den sie langsam in ihren Kernen zu Helium verschmolzen.

So rechnen die Astronomen von der Gegenwart in die Vergangenheit und summieren die Generationen auf. Aus der Sicht des Universums und seines Lebens, ist die dritte Generation die älteste und erste, und die erste ist die neueste und jüngste im Jetzt.
Welcher Generation ein Stern angehört,
das verrät uns sein Licht. Älteres Licht als das, der Sterne der vom Universum aus gesehenen, aber aus unserer Sicht gesehenen dritten oder ersten Generation, gibt es quasi im Universum nicht.

was unser Sonnenfeuer schürt

Die Kernverschmelzung von Wasserstoff zu Helium, ist der Prozess, aus welchem wir unsere Sonnenwärme, ihr Licht etc. empfangen.
Vier Wasserstoff-Atome bestehend aus jeweils einem Proton im Kern und einem das Proton „umkreisenden“ Elektron werden zu einem Helium-Aton mit zwei Protonen und zwei Neutronen im Kern, und zwei Elektronen, die diesen „umkreisen“ verschmolzen.
Das Helium-Atom wiegt etwas weniger, als vier Wasserstoffatome,
Diese kleine Massendifferenz wird als Energie in Form von Neutrinos und dem, was wir letztlich als Sonnenwärme empfangen, davon getragen.
Alle Sterne funktionieren in derselben Weise.
Deshalb ist für Astronomen häufig der Rest der Chemie gar nicht so wichtig. Sie sagen, es gibt Wasserstoff und Helium, und der Rest ist Metall. Ein Astronom soll einmal gesagt haben, dass ein Stern einfacher funktioniere, als eine Eintagsfliege. Damit hat er vermutlich sogar recht.
Das ist aber genau die Genialität des Aufbaus und der Funktion von Sternen. Wären sie komplizierter, könnten sie nicht Milliarden von Jahren alt werden…
Wir gehen aber hier einen Schritt weiter, und spüren am Beispiel der Goldsuche dem Rest der Chemie nach, die letztlich unser Leben auf Erden ermöglichte.

Viel Brennstoff und nur ein kurzes Leben

Den ersten alten Riesigen Wasserstoff-Gasbällen der für Astronomen der dritten Generation angehörenden Riesensterne, war kein langes Leben beschieden. Desto größer ein Stern ist, desto schneller verbraucht er seinen Wasserstoff-Vorrat, weil er durch seine enorme Masse die Atome in seinem Inneren näher zueinander bringt, so dass es öfter passiert, dass welche miteinander zu schwereren Elementen verschmelzen können.
Wie er allerdings endet, hängt ganz davon ab, wie schwer er war.
Das hat jetzt aber nichts damit zu tun, wie die Menschheit mit Übergewicht und den damit verbundenen Risiken zu kämpfen hat.

Als unsere Sonne vor etwa viereinhalb Milliarden Jahren ihren Wasserstoff „zündete“, in Anführungszeichen, weil es sich hierbei um kein Feuer handelt, sondern um eine Kernfusion, waren die riesigen Wasserstoff-Sterne schon vergangen und haben ihre Asche, die chemischen Elemente ins Weltall geblasen.
Jedes chemische Element, das eine Vorläufer-Gaswolke, die ein Kandidat für einen Stern sein könnte, eingefangen hat, und das nun in ihm enthalten ist, verrät sich durch sein ganz charakteristisches Licht, sobald er seine Lampe, die Kernfusion in seinem Inneren, eingeschaltet hat. Somit hat jeder Stern, zumindest derselben Generation oder Entstehungsortes, einen quasi eigenen Fingerabdruck, denn Sterne entstehen oft gemeinsam in Gebieten mit den selben chemischen Eigenschaften.
Viele dürften noch aus der Schule wissen, dass verschiedene chemische Elemente Flammen unterschiedlich färben. Deshalb sind Feuerwerke so bunt und schön.

Die Elemente entstehen so:

Hat nun beispielsweise ein Stern, der Masse unserer Sonne etwa nach 10 Miliarden Jahren ihren Wasserstoff zu Helium verbacken, dann setzen andere Kernverschmelzungen in diesem Backofen ein.
Hier entsteht dann beispielsweise der Kohlenstoff(C12), der Sauerstoff(O16), Stickstoff(N14), Phosphor und weitere Elemente, die für uns lebensnotwendig sind.
In einem Stern, der mit unserer Sonne vergleichbar ist, kann aber kein schwereres Element, als Eisen entstehen, weil man Energie zuführen müsste, um schwerere Elemente, wie Blei, Wissmut und auch Gold zu erzeugen. Bisher hatten wir immer Glück. Aus Wasserstoff wird Helium und Energie. Daraus wird dann bis zum Eisen hin immer etwas und dazu noch Energie. Ab Eisen wirds dann nicht mehr kostenlos. Will man mehr, muss man Energie hinzu fügen, um schwereres zu bekommen. Die hat unsere Sonne nicht und kann sie sich auch nirgendwo pumpen.

Woher kommt dann das viel schwerere Gold? Wer spendete die Energie dafür?

Dazu müssen wir die alten Riesensterne betrachten, die zwar schon längst vergangen sind, aber deren Licht Milliarden Von Jahren uns von ihrer ehemaligen Existenz kündet.

Ein Riesenstern beendet sein Leben deutlich fulminanter, als es unsere kleine Sonne tun wird. Hat so ein Monster seinen Wasserstoff je nach Größe schon nach einigen Millionen von Jahren verbraten, dann endet er in einer riesigen Explosion, einer Nova oder Supernova. Es gibt verschiedene Szenarien und Typen von Novae, die hier jetzt nicht näher behandelt werden können.
Unsere Sonne ist klüger und geht ob ihres wenigeren Gewichtes gewissenhafter mit ihrem Wasserstoff-Brennstoff um. Sie wird noch mindestens fünf Milliarden Jahre für uns leuchten. Stimmt zeitlich zwar, aber, naja… Ein andermal davon.

Also bei Novae-Explosionen wird so viel Energie frei, dass auch schwerere Elemente über das Eisen hinaus entstehen können.
Es ist allerdings fraglich, ob wirklich alle Elemente so gebacken werden, ob die hier frei werdende Energie dafür ausreicht. Vermutlich nicht. Es sollte also noch einen anderen Mechanismus mit mehr frei werdender Energie geben, der dann das Periodensystem noch mit den schweren fehlenden Elementen, wie Gold anfüllt.
Stets werden alle Elemente, egal wo sie entstehen, mit den Explosionen und somit dem Tot von großen Sternen in den Weltraum verteilt. Das bedeutet, dass die Gaswolken der nächsten Sterngeneration, die zunächst nur aus Helium und Wasserstoff bestanden, nun leicht mit dem Staub, der Asche, der anderen toten Sterne, der schwereren chemischen Elemente, „verunreinigt“ wurden.
Jüngere Sterne sind quasi „schmutzig“, auch unsere Sonne trägt quasi ein Erbe ihrer Vorfahren, das wir heute in unseren Spektrometer an deren Licht erkennen können.
Dazu sei noch angemerkt, dass sich niemals aller Wasserstoff zu schwereren Elementen verbinden wird. Es blieb bisher immer genügend übrig, um die zweite und die dritte Generation zu zünden.

Jezt sag uns doch endlich, Du geschwätziger Astronom, wo es her kommt!!!

Die Steinplaneten, wie Merkur, Venus, Erde und Mars enthalten nun alle Elemente, also auch Gold.
Auch unsere Sonne hat etwas Gold mit bekommen. Man hat es inzwischen in ihrem Licht nachgewiesen. Im Verhältnis zu Wasserstoff und Helium ist das wirklich nur in Spuren dort enthalten, aber würde man das Gold der Sonne auf die Erde bringen, dann purzelten die Goldpreise ins Bodenlose und wir würden unsere Pausenbrote vielleicht in Goldfolie verpacken…

Seit vielleicht zwei Jahren ist uns noch eine andere Weihnachtsbäckerei bekannt, in welcher vermutlich noch viel effektiver Gold, Platin und andere wertvolle schwere Elemente gebacken werden.

Sehr häufig entstehen Sterne, welcher Größe auch immer, nicht alleine, sondern in Paaren.
Unsere Sonne ist alleine. Es gibt durchaus die Vermutung, dass sie ihre Schwester verloren hat. Man sucht tatsächlich nach Sternen, die den gleichen chemischen Fingerabdruck haben, wie unsere Sonne.
Ist nun ein ausgebrannter Sternrest nach seiner Nova noch etwa das anderthalb fache bis zu etwa dem vier fachen der Sonne schwer, endet er nicht wie sie, als weißer Zwerg, der dann langsam auskühlt und verblasst.
Ein Szenario, wie so ein schwerer Stern enden kann, ist ein Neutronenstern. Er ist so dicht, dass die Elektronen der Atome in die Protonen der Kerne gedrückt werden.
Er besteht nun aus entarteter Materie, die es auf Erden nicht gibt.
Dieser Sternenrest hat vielleicht einen Durchmesser von 30 – 40 Kilometern und ist das anderthalb bis das dreifache unserer Sonne schwer, die einen Durchmesser von 1,4 Mio Kilometer besitzt.
Nur am Rande: Noch schwerere Sternreste enden als schwarze Löcher.
Die Neutronensterne sind als Pulsare so interessante Objekte, dass wir uns ihnen unbedingt mal in einem extra Beitrag widmen müssen.
Ich sagte schon, dass Sterne oft zu zweit vorkommen.Somit kann es natürlich auch sein, dass beide, wenn sie ähnlich schwer sind, ihr Leben als Neutronensterne beenden.

Kreisen nun zwei Neutronensterne umeinander, so verliert das System langsam Energie, die in Form von Gravitationswellen davon getragen wird. Diese Wellen sind sehr schwach, aber man kann sie mittlerweile mit riesigen Detektoren messen.
Albert Einstein, der sie postulierte, hätte seine Freude daran, denn er dachte nicht im Traum daran, dass wir sie einst nachweisen können werden.
Über den Nachweis von Gravitationswellen schrieb ich vor einigen Artikeln.

Es ist nun gelungen, die Gravitationswellen eines Zusammenstoßes zweier Neutronensterne zu messen und gleichzeitig mit optischen Teleskopen in diese richtung zu schauen.
Dort fand man, im Lichte des Crashs, , dass diese Bäckerei noch viel effektiver alle chemischen Elemente backen kann, als irgendwelche Novae, seien sie auch noch so heftig.

Die hier frei werdende Energie reicht aus, alle Bausteine des Lebens und des Universums zu erzeugen.
Aus so einem Inferno, wo zwei Neutronensterne zusammenkrachen, entstehen ungefähr drei Erdmassen reinen Goldes. Das scheint viel, ist es aber nicht. Bedenken wir, dass jeder am Crash beteiligter Neutronensterne deutlich mehr, als unsere Sonne wiegt. Und bedenken wir dann auch, dass es sich hier nicht um einen Goldklumpen handelt, der jetzt am Stück durch das Weltall vagabundiert, sondern um Gold-Ionen, oder ganz feinen Goldstaub, der in alle Richtungen kugelförmig um die Unfallstelle herum fast mit Lichtgeschwindigkeit ins All geblasen wird. Nimmt man jetzt noch die riesigen Entfernungen von vielleicht Milliarden Lichtjahren zu uns an, dann dürften die Erwartungen von Spekulanten, Börsenmäklern und Schmuckherstellern bald schwinden, dass wir auf einen „Goldregen“ hoffen dürfen. Wie oben schon angedeutet, wäre das Gold schließlich wertlos, wenn es plötzlich in rauen Mengen verfügbar wäre.

Es scheint nun so zu sein, dass der Teil vieler schwerer chemischen Elemente in Zusammenstößen zweier Neutronensternen entsteht, und der Rest durch Supernova-Explosionen.
Es gibt keine unentdeckten chemischen Elemente mehr. Das Periodensystem ist lückenlos voll.
Alles, was jetzt momentan noch künstlich gebacken wird, zerfällt gleich wieder.
Es kann aber sein, dass man sich künstlich in der Element-Bäckerei einem Punkt annähert, den das Universum nicht erreicht, wo nochmal stabile künstliche Elemente entstehen könnten. Man wird sehen und erleben, ob es uns nützt.

Fazit

Gold ist so selten, weil wir alle Kinder des Feuers sind.

Damit Leben hier auf Erden chemisch überhaupt möglich wurde, dafür mussten bereits einige Sterne der ersten Generation ihr Leben lassen, um das Universum mit ihrer Asche, den chemischen Elementen, zu füllen. Denken wir immer daran, wenn wir uns an Gold erfreuen, das Leben den Tot bringt und umgekehrt.
Ist das nicht auch ein Paradox unserer Christenheit?

Gold könnte vom Anfang des Universums stammen.

Es ist sehr alt, und hat einen weiten Weg bis zu uns hinter sich.

Die sicherste Methode es vor Raub zu schützen ist, es einfach in einem Stern zu verstecken, wie es unsere Sonne tut. Ihr Licht bringt uns die Botschaft: „Ätsch, schaut mal. Ich hab viel davon, aber hole es Dir doch, wenn Du kannst…“

Wieso Gold golden glänzt, liegt an seinem einzigartigen Atomaufbau, der ebenfalls eine ganz seltene Eigenschaft des Goldes ist.

Die Geschichte der Herkunft des Goldes ließe sich sicher auch noch für andere Elemente ganz ähnlich erzählen, die ebenfalls nur im Crash zweier Neutronensterne entstehen können. Und seine Seltenheit im Universum erklärt sich mit dieser Tatsache auch. So, und nur so, kann es entstehen. Die leichteren Elemente, wie Kohlenstoff, Stickstoff etc. entstehen im Laufe des Lebens eines Sternes vermutlich in allen, also viel häufiger.

So, das war jetzt meine Gold-Geschichte. Über Kommentare etc. freut sich, wie immer
Ihr und euer Blindnerd Gerhard.
Ich wünsche Ihnen und euch eine schöne und geruhsame Vorweihnachtszeit.

Die Finsternis an Karfreitag und der zerrissene Tempelvorhang


Seid herzlich gegrüßt,

Nachdem wir uns bereits zu Ostern damit beschäftigten, wie der Ostertag astronomisch und kalendarisch berechnet wird, und nachdem wir 2019 wegen des Osterparadoxons schon wieder so spät Ostern feierten, beschäftigen wir uns diesmal mal etwas spekulativ mit einigen Vorkommnissen, die sich an Karfreitag zugetragen haben wollen.

Es geht mir hier nicht darum, religiöse Ereignisse in Frage stellen zu wollen, aber man kann ja mal schauen, ob so eine Geschichte einen astronomischen Hintergrund hat, oder nicht.
In den Evangelien ist davon die Rede, dass sich zum Zeitpunkt der Kreuzigung der Himmel für mehrere Stunden verdunkelte und der Vorhang des Tempels zerriss.
Bei Mathäus liest sich das so:

Mt 27,45 Und von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.
Mt 27,46 Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Als Jesus schließlich verstarb, heißt es weiter:

Mt 27,50 Aber Jesus schrie abermals laut und verschied.
Mt 27,51 Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus.
Mt 27,52 Und die Erde erbebte und die Felsen zerrissen, und die Gräber taten sich auf und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf
Mt 27,53 und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen

Das sollte es uns Wert sein, sich damit zu beschäftigen, was es vor allem mit dieser Finsternis auf sich hatte.
Das Jüdische Pessach-Fest wurde ähnlich terminiert, wie heute unser Osterfest. Somit lag es stets deutlich nahe an Vollmond.
Sonnenfinsternisse sind stets Neumond-Ereignisse.
Somit ist, wenn man den Evangelisten glauben schenkt, zum Zeitpunkt der Kreuzigung Jesu, keine Sonnenfinsternis möglich.
Es könnte aber sein, dass die Kreuzigung in der Überlieferung fälschlicherweise mit dem Pessach-Fest zusammengelegt wurde.
Ungewöhnlich ist das nicht. Das hat man mit Schlachten und erscheinenden Kometen auch immer mal wieder gemacht, dass man die Ereignisse so terminierte, dass der Komet ein Omen für den Ausgang der Schlacht war…

Der Evangelist Lukas schrieb doch klar und deutlich, dass die Sonne ihren Glanz verlor.

Lk 23,44 Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde,
Lk 23,45 und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei.
Lk 23,46 Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.

Bemüht man einen Katalog der Finsternisse, z. B. den von Oppolzer oder Mucke, kann man herausfinden, welche Finsternisse es um das Jahr 30 herum in Palästina gab.
Vorausgesetzt, es handelte sich wirklich um eine normale astronomische Sonnenfinsternis, und nicht um eine theologisch außer der Reihe stattfindende Finsternis, für welche nicht die Naturgesetze, sondern ein göttlicher Ratschluss verantwortlich war.

Wie dem auch sei, findet man im Jahre zehn vor Christus eine Sonnenfinsternis,
eine weitere am 24.11.29 und eine am 30.04.59. Somit würde allenfalls diejenige des Jahres 29 ungefähr zeitlich auf die Kreuzigung passen.
Sie stimmt auch gut mit anderen Datierungen der Geschichte Jesu überein, der nach heutiger Erkenntnis ungefähr um das Jahr sieben v. Chr. geboren ist. Nur mit dem Pessach-Fest ist sie nicht vereinbar.
Man kann auch mit der kostenlosen Software Stellarium oder Calsky versuchen, die Finsternisse zu finden. Allerdings weiß ich momentan nicht genau, ab welchem Jahrhundert die Software ungenau rechnet.
In dem Buch „Schwarze Sonne, roter Mond“ von Rudolf Kippenhahn ist die Suche nach der Oster-Finsternis sehr schön erklärt.

Seltsam an dieser Finsternis ist, dass sie über drei Stunden gedauert haben soll. Eine Sofi kann im günstigsten Fall nie länger als acht Minuten währen.
Eine Mondfinsternis könnte schon so lange andauern, findet aber bei Nacht statt.

Wir werden es hier nicht lösen, was es wirklich war. Vermutlich von allem ein bisschen.
Sollte die Natur dieses für uns bis heute so wichtige Ereignis mit einer Sonnenfinsternis unterstrichen und markiert haben, können sich auch viele nichtreligiöse Menschen dieser Schönheit nicht entziehen, die das mit sich brächte.
Finsternis, Erdbeben und zerrissener Vorhang könnten aber auch einfach der damals verwendeten Bildersprache entstammen.

Zum Vorhang des Tempels lässt sich wenig sagen. Ich las einmal, dass ein Sturm vermutet wurde. Dieser könnte die Verdunkelung des Himmels mit dem vom Wind zerrissenen Vorhang in Verbindung bringen. Das ist aber sehr spekulativ.
Genau genommen gab es zwei Vorhänge, die wurden jährlich erneuert. Einer vor dem Eingang in das Heiligste als Abgrenzung zum Vorhof und der zweite die Abgrenzung zum Allerheiligsten mit der Bundeslade, wo nur einmal im Jahr der Hohepriester hinein durfte. In 2. Mose 26,31 steht, wie der Vorhang für die Stiftshütte gemacht wurde und für den vorderen Teil eine Decke. Für den Tempel war alles nur größer.
Interessant ist hier folgendes:
Der Vorhang verbarg stets das Allerheiligste des Tempels. Normalerweise konnte und durfte niemand dahinter sehen. Jetzt zerreißt dieser Vorhang, und man könnte mal sehen, was sich dahinter verbirgt, und jetzt ist es, so ein Pech, genau in diesem Moment finster. Somit sieht man auch wieder nichts.
So, oder so ähnlich schlüpft uns das Göttliche und Heilige oft durch die Finger, wenn wir es ergründen wollen.
Die schönste und beeindruckendste Vertonung des zerreißenden Tempelvorhangs gibt es bei Johann Sebastian Bach in seiner Mathäuspassion zu hören. Das lohnt sich wirklich.

Fällt Ostern 2019 aus?


Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen; nein, Ostern fällt in 2019 natürlich nicht aus, aber hat sich nicht jemand von euch auch schon gefragt, wieso man nicht am heutigen Sonntag, 24.03.2019, Ostereier suchen darf? Astronomisch betrachtet, sollte es der Datenlage nach, eigentlich so sein.

Ehrlich gesagt quälte ich mich auch schon einige Tage mit der Tatsache, dass wir astronomisch betrachtet schon heute Ostern haben sollten, und nicht erst einen Vollmond später, also in vier Wochen.
In meinen mindestens dreißig Jahren, in denen ich Astronomie treibe, ist mir das Oster-Paradox nie aufgefallen.
Der astronomische Frühlingsbeginn war am 20.03. kurz vor 23:00 Uhr.
Knapp vier Stunden später, gegen drei Uhr morgens, des 21.03.2019 war der astronomische Moment des Vollmondes.
Kalendarisch fühlt es sich für uns immer so an, als währte der Vollmond einen ganzen Tag einschl. der Nacht. Dem ist astronomisch betrachtet, durchaus nicht so. Der Vollmond verharrt in seiner Fülle nicht auf seiner Bahn um die Erde, um sich von uns in voller Pracht feiern zu lassen. Kaum voll, beginnt er auch schon wieder abzunehmen.
Und dieser Unterschied zwischen kalendarischem – und astronomischem Vollmond führt uns direkt und unweigerlich zum Oster-Paradox, das wir in diesem Jahr und ansonsten alle neunzehn Jahre haben.
Dann will ich, mal versuchen zu erklären, wie das funktioniert:

„Ostern wird immer am ersten Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond gefeiert.“ So steht es in vielen Lexika und so lernt man es in der Schule.
Kalender und astronomische Berechnung fallen aber diesmal auseinander. So kommt es zum „Oster-Paradoxon“, das nur höchst selten auftritt. Das nächste Mal gibt es wieder ein Paradoxon im Jahr 2038. Dass die Sache so kompliziert ist, liegt auch daran, dass die wissenschaftlichen Möglichkeiten zur Berechnung von Frühlingsanfang und Vollmond zur Zeit des frühen Christentums technisch noch nicht so möglich waren, wie heutzutage mit unseren modernen Teleskopen und Messmethoden.

Die Definition des Osterdatums geht nämlich auf das Konzil zurück, das Kaiser Konstantin im Jahr 325 in der kleinen Stadt Nicäa, heute Yznik in der Türkei, einberufen hatte. Dort beendeten die Theologen einen lange schwelenden Streit über die von den frühen Christen sehr wichtig genommene Frage, wann Ostern zu begehen sei. Das Fest wurde vom jüdischen Passahfest abgeleitet, das am ersten Frühlingsvollmond beginnt. Jesus wurde nach den Berichten der Evangelien nach dem Passahmahl verhaftet und hingerichtet.
Die eindeutig klingende Lösung, auf die sich das Konzil von Nicäa verständigte: „Das Osterfest findet am ersten Sonntag nach dem Vollmond statt, der dem Frühlingsanfang folgt“. Demnach sind der 22. März und der 25. April die frühest- und spätestmöglichen Daten, auf die Ostern theoretisch fallen kann.

Allerdings: Die Tag- und Nachtgleiche, die den Frühlingsbeginn astronomisch definiert, kann zwischen dem 19. März vormittags und dem 21. März abends stattfinden. Der Vollmond lässt sich exakt berechnen. Offen ist bei der Festlegung dieser beiden Zeitpunkte jedoch der Ort, auf den sie sich beziehen. Wählt man Greenwich wegen des Nullmeridian, oder Jerusalem wegen religiöser Gründe aus, macht das wegen der Zeitzonen einen Unterschied von immerhin drei Stunden aus. Für das Osterdatum kann das entscheidend sein.
Um diesen Problemen zu entgehen, gab der Mathematiker und Jesuitenpater Christophorus Clavius im 16. Jahrhundert eine Rechenvorschrift heraus, die allerdings noch sehr unhandlich war. Ein wirklich praktisches Verfahren machte daraus im Jahr 1800 der Mathematiker Carl Friedrich Gauß. Seine Osterformel wird in leicht abgewandelter Form noch heute angewendet. Darin wird der Frühlingsanfang unabhängig von den astronomischen Werten einfach prinzipiell auf den 21. März festgelegt, auch die Mondphasen werden nach einer einfachen Formel berechnet. Das Modell ist eindeutig, führt aber gelegentlich dazu, dass das kalendarische Ostern von den astronomischen Vorgaben abweicht.
So wie in diesem Jahr: Weil der Vollmond am Morgen des 21. März noch als Wintervollmond gewertet wird, erscheint der erste Frühlings-Vollmond erst im April und so wird Ostern am 21. April gefeiert.

Das ist das Oster-Paradox, das alle 19 Jahre auftritt.
Wer übrigens nochmal nachlesen möchte, wie sich das alles mit den Frühlingsanfängen verhält, kann das hier tun.
Und wer nochmal genau wissen möchte, wie man das Osterfest berechnet, findet hier das gewünschte.
Es grüßt euch bis zum nächsten mal
Euer Gerhard.

Mein Astronomischer Jahresrückblick 2018


Meine lieben Leserinnen und Leser,

ich hoffe, ihr alle hattet einen schönen Jahreswechsel und ein gutes Weihnachtsfest.

Er kommt zwar etwas spät, mein Jahresrückblick, aber ich hatte über die letzten Tage keinen Rechner. Naja, heute ist ja erst der siebente Januar, so dass man noch auf das vergangene Jahr zurück blicken kann.

Hier nun einige Highlights aus meiner Astronomie-Arbeit. Über einige berichtete ich schon und werde gelegentlich daran erinnern.

Der Ausfall

Zunächst startete das Jahr 2018 nicht besonders gut, denn ausgerechnet mein erstes Astrotreffen fiel wegen Krankheit ins Wasser.
Eigentlich wollte ich mich mit meinem lieben Freund Martin treffen, dem Entwickler von Universe2Go. Das ist die Astrobrille, mit deren Hilfe auch blinde Menschen Objekte am Himmel suchen und erfolgreich finden können.
Wir wollten uns treffen, um unsere Gedanken weiter zu spinnen, damit Astronomie künftig noch inklusiver werden kann. So wollte ich meinen Geburtstag verbringen.
Naja, vielleicht schaffen wir es ja in diesem Februar. Immerhin wäre der Geburtstag dann ein würdiger runder.

Inklusion am Himmel

Im März erschien ein Artikel über meinen Astronomievortrag zum Thema „Inklusion am Himmel“, den ich zum Jubiläum der psychiatrischen Hilfe der Caritas im November 2017 hielt. Ich schrieb darüber im Jahresrückblick Ende 2017.
Dieses Vereinsorgan wird viele tausend fach gelesen. Somit war das für mich schon wichtig.
Hier ein Artikel dazu.
Zum Artikel

An Blindenschulen

Im März und Aprill hielt ich Workshops sowohl an der Berufsbildungs-Einrichtung Nikolauspflege Stuttgart, als auch an der Schule für Menschen mit Sehbehinderung Mannheim.
Vor allem bei, wie auch immer benachteiligten Kindern, funktioniert Astronomie perfekt.
Ich schrieb darüber auf Blindnerd,
Astronomie für benachteiligte Kinder
als auch als Gast auf dem Blog von Lydias Welt
Zum Gastbeitrag bei #Lydiaswelt

Am Bahnhof

Ein weiteres Highlight fand am 13.04.2018 statt. Ich durfte auf dem Kongress der Bahnhofsmissionen Baden-Württembergs einen Sensibilisierungs-Workshop für die Belange von Menschen mit Blindheit halten und mit meiner Gitarre deren Gottesdienst begleiten. Insbesondere für blinde Menschen ist die Bahnhofsmission manchmal der letzte rettende Anker, um an fremden Bahnhöfen weiter zu kommen. Wie oft hat mich so ein netter Mensch von Zug zu Zug gebracht.
Wie oft war ich schon dankbar über einen heißen Kaffee, wenn bei Minustemperaturen Züge ausfielen und stundenlange Wartezeiten die Folge waren.
Manchmal gab es dann sogar einen Teller heißen Eintopf.

Wer schon mal in den Räumen einer Bahnhofsmission über einige Stunden erlebt hat, wer da alles so anklopft, wird sehr schnell merken, wie wichtig und unverzichtbar diese Arbeit ist. Man wird mal wieder in die Realität zurück geführt. Das eigene Problem tritt in den Hintergrund, wenn man die Schicksale dieser betroffenen Menschen erlebt.
So eine Erfahrung erdet mich wieder neu und es wird mir dann klar, wie oft ich auf sehr hohem Niveau jammere.
Es war wirklich unglaublich, wieviel Idealismus, wieviel Liebe, wieviel Empathie ich auf diesem Kongress erleben durfte. Da machte es mir nichts aus, dass ich meinen Workshop gleich sechs mal hintereinander halten durfte.

Jubiläumsmonat Mai

Im Mai hatte ich mal Pause. Dennoch war der Mai 2018 ein ganz besonderer Monat für mich.
Viele Dinge jährten sich im Mai 2018. Ich schrieb darüber in

Mein Jubiläumsmonat Mai

Highlights im Juni

Zwei Highlights gab es im Juni.

Ein ehemaliger Studienkollege von mir bat mich, mal einen Kinderworkshop zu Astronomie für seine Kinder zu halten. Als ich ihm antwortete, dass das nur für zwei Kinder zu aufwändig wäre, mobilisierte er kurzer Hand einige Freunde der Kinder und deren Familien. Also hatten wir dann am Ende mit etwa zwölf Kindern und einigen Eltern einen wunderbaren Astronomie-Nachmittag in meinem überfüllten Büro. Es war großartig. Sogar meine Apollo-Rakete von Lego hat den Mondflug überlebt. Es wurde Helium geatmett, viel gefragt und dann gab es noch eine Anleitung, wie man eine Sonnenuhr selbst basteln kann.

Der zweite Höhepunkt war der Besuch der Mitgliederversammlung des Vereines Andersicht e. V.
Zu Andersicht e. V.

Wie ihr auf deren Homepage sehen könnt, macht dieser Verein so einiges für menschen mit Seheinschränkung zugänglich. Ich ging auf die Versammlung, um Unterstützung zur Verwirklichung meines Planetenweg-Projekts zu erhalten. Die ist mir gewiss. Aus anderen Gründen ist aber das Projekt durchaus nicht so auf dem Weg, wie ich es gerne hätte. Vielleicht zeichnet sich aber hier bald ein Ende des Tunnels ab.

Wir hatten eine phantastische Führung durch die Englischen Gärten von Hannover. Es war ganz beeindruckend, denn unser Guide war selbst so gut, wie blind.
Es gab einen wunderbaren taktilen Plan zur Führung. Bis dahin hatte ich überhaupt keine Vorstellung, wodurch sich verschiedene Gärten, unterschiedlichster Epochen und Stilrichtungen auszeichnen.
Übrigens gibt es in Hannover auch ein ganz wunderbares Modell einer großen Kirche. Bin mir gerade nicht mehr sicher, ob es vielleicht sogar ein Dom oder Münster ist.
Apropos Hannover.
In Hannover hatte ich meinen ersten Vortrag zu meinem Buch im Literatursalon des dortigen Blindenvereines im Februar 2015.
Und Hannover ist die Geburtsstadt einer großen Astronomin. Ich schrieb über sie zum Weltfrauentag am 08.03.2018

Zur großen Hannoverschen Astronomin

Schüler sprechen mit Alexander Gerst

Nicht zuletzt verfolgte ich im Juli mit großer Aufmerksamkeit, wie Amateurfunker halfen, dass der Funkkontakt zu Alexander Gerst für Schulen möglich wurde.
Hätte ich das in meiner Schule erlebt, dann wäre ich entweder durchgedreht, bzw. gleich Astronaut geworden.
Hier zeigte sich mal wieder, wie ganzheitlich Weltall sein kann. Da müssen Fragen auswendig gelernt und sprachlich geübt werden. Da muss Lampenfieber überwunden und Mut erprobt werden. Da lernen Schüler, wie man Kabel zieht, was alles für so eine Verbindung ins All nötig ist, dass Physik und Mathematik vielleicht doch nicht ganz so unnütze Fächer sind, den Umgang mit Werkzeugen und vieles mehr.

Alexander Gerst im Kontakt mit Schulen

Alexander Gerst hielt eine sehr ergreifende Rede an seinen noch nicht vorhandenen Enkel. Das ist es, was über Weltraum und Astronomie eben auch geschehen kann. Betrachtet man die Fragilität unseres Raumschiffes Erde, dann sollte das vor allem bei Kindern das Umweltbewusstsein stärken.
Diese Rede war so ergreifen, dass ich gerührt tatsächlich etwas Wasser in die Augen bekam.
„An meinen Enkel“

Endlich mal

Und das Sprichwort, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt, stimmt sogar teilweise.
am Freitag, dem 13.juli 2018 ermöglichte mir mein Buchverlag endlich nach drei Jahren eine Lesung in einem Buchladen in der Stadt, in welcher alles begann, in Baden-Baden.
Darüber habe ich mich sehr gefreut, auch wenn es dem dort ebenfalls ansässigen Verlag vielleicht auch etwas früher hätte gelingen können, für mich so eine Lesung zu arrangieren.
Ich bin mir nicht im klaren, wieviel Werbung ein Verlag für seine Autoren machen sollte, aber meine Erfahrung geht eher in die Richtung, künftige Bücher selbst zu verlegen, wenn man die ganze Werbung und alles dann doch letztlich selbst machen muss…
Wie auch immer. Der Vortrag war sehr schön. In Buchläden oder Bibliotheken ist es immer unheimlich gemütlich.
Dem Verlag war es terminlich wichtig, die Lesung an ein astronomisches Ereignis zu knüpfen.
Die treffen aber leider nicht immer dann ein, wenn man sie gerne hätte. Immerhin. am 13.06. fand in der Antarktis eine Sonnenfinsternis statt.
Ich kündigte sie auf Blindnerd an.
Finsternisse 2018

Astronomie im Urlaub

Interessanter Weise begann mein Urlaub in Österreich wie 2017, als es Blindnerd.de noch nicht gab, mit einer Finsternis.
2017 war es die Sonnenfinsternis in den USA. Ich hielt einen kleinen Vortrag darüber für interessierte Miturlauber. Dasselbe tat ich 2018 über die Mondfinsternis. Es war eine kleine und feine Gruppe. Immer wieder finden sich Menschen, die sich für so ein Angebot interessieren, ohne, dass man sich aufdrängen müsste.
Auf jeden Fall darf ich nie in Urlaub fahren, ohne wenigstens ein, zwei taktile Astronomie-Mappen dabei zu haben. Einen BT-Lautsprecher und die Weltraumsounds habe ich sowieso immer dabei.

Am 11. August 2018 fand eine partielle Sonnenfinsternis statt, die leider auch nicht zu sehen war.
Eine der schönsten Beschreibungen einer Sonnenfinsternis findet ihr hier:
Beschreibung einer Sonnenfinsternis von Adalbert Stifter

Was man nur einmal im Leben erlebt

Das Highlight des Jahres 2018 war zweifels ohne die Einladung zum Kongress der Internationalen Astronomischen Union. Niemals hätte ich mit dieser Ehre gerechnet, und ich wüsste auf Anhieb einige mehr, deren astronomische Inklusionsprojekte ebenso diesen Ruhm verdient hätten, z. B. die barrierearme Sternwarte in St. Andreasberg und deren Verein,
Zu Sternwarte Barrierefrei St. Andreasberg

bzw. das Weltraum-Atelier in Saarbrücken, die auch unglaublich viel zum Thema Inklusion und Astronomie veranstalten.
Zum Weltraum-Atelier

Schlechte Werbung

Am 24. August hätte ich eigentlich einen Workshop für Kinder eines Ferienprogramms halten sollen. Die Veranstalter, die Junge Union Bad Schönborn, hatten angefragt. Natürlich lasse ich mich grundsätzlich vor keinen politischen Karren spannen, aber in diesem Fall stand wirklich die Arbeit mit den Kindern und das soziale Engagement der Macher im Vordergrund. Für die AFD hätte ich das allerdings trotz bester Absichten niemals getan, das könnt ihr mir glauben.
Leider ist dieser Workshop mangels Anmeldungen ausgefallen. Das ist mir rätselhaft, weil so etwas Kinder immer anzieht. Ich denke, hier wurde falsch beworben. Ganz unschuldig bin ich vermutlich daran auch nicht. Ich denke, meine Einladung war nicht kindgerecht genug. Ich habe gelernt, dass man Veranstaltern einfach wirklich alles vorgeben muss. Ich habe hier zuviel Freiraum gelassen. Leider ist das sogar meine Erfahrung dann, wenn Pädagogen mit im Boot sind, die eigentlich wissen sollten, was eine kindgerechte Einladung sein soll.
Schade, aber vielleicht machen wir das im nächsten Sommer. Dann weiß ich es besser und mir wird der Workshop nicht absaufen.

Vortrag an meiner Alma Marta

Und was den September betrifft, so sind wir wieder bei dem Sprichwort vom Propheten im eigenen Land.
Trotz viel Pressespiegels ist es mir noch nicht gelungen, einen Vortrag am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), meinem Arbeitgeber, zu platzieren.
Das wird sich am 16.01.2019 ändern. Im September 2018 erhielt ich eine Anfrage eines Vereins.
Zu Optic Students
Na, die werden sich wundern, wie wenig optisch es hier dann zugehen wird. Vielleicht ist aber genau dieses interessant für sie und sie haben deshalb angefragt.
Ich glaube, sie stießen über einen Artikel auf mich.
Darauf freue ich mich sehr. Der Vortrag soll zwar Englisch gehalten werden, aber ich habe durch Wien eine gute Grundlage. Man kann halt in der Fremdsprache in der Regel nicht ganz so rampensäuisch daher kommen, wie man das gerne täte…
Glücklicherweise kann ich auf die fertige Englische Übersetzung meines Buchtextes zurückgreifen, ohne den ich schon in Wien gnadenlos abgesoffen wäre.

Versuchs, wenn Du kannst

Im Oktober durfte ich nochmal so eine „Familienfreizeit“ halten, die eine Familie initiierte und dann kamen viele Freunde dazu. Das war, wie mit Kindern immer, super schön.
Was viele dann doch immer verblüfft ist, dass die Kinder niemals ausnützen, dass ich sie nicht sehe. Ich würde das auch merken, und wenn nicht, dann sind sie darin so gut, dass man auch diese Rafinesse würdigen sollte.
Ich kann mich erinnern, dass meine Nachhilfeschülerin das mal versucht hatte. Ich bestand darauf, dass der Fernseher währent des Unterrichts abgeschaltet wird. OK, dem Wunsch wurde zumindest da hin gehend entsprochen, dass der Apparat verstummte.
Der Lautsprecher schon, nicht aber die Elektronik. Die kann man hören. Bei den Flachfernsehern nicht mehr so eindeutig, wie bei den alten Röhren-Fernsehern, die so entsätzlich pipsten, aber Schaltnetzteile etc. pipsen auch. Um ganz sicher zu gehen und sie auf die Folter zu spannen und in Sicherheit zu wähnen, ob es wohl klappen würde, ließ ich mir bis zum Schluss nichts anmerken. Kurz vor Ende der Stunde stand ich dann ohne Vorwarnung auf, ging zum Fernseher, patschte mit der flachen Hand darauf und fragte meine Schülerin, wieso er denn noch immer warm sei, obwohl er doch schon seit mindestens einer Stunde ausgeschaltet wäre.
Naja, den Rest kann man sich denken. Sie hat in den ganzen Jahren danach nie wieder nur im Ansatz versucht, mich mit so etwas auszutriksen. Wie gesagt. Wer’s schafft ist gut und darf sich meiner Anerkennung gewiss sein…

Der Umzug

Der Umzug meines Blogs im Oktober auf meinen eigenen Webspace und mein eigenes WordPress, war ebenfals ein sehr großes Projekt. Manchmal den Tränen nahe und kurz vor dem Aufgeben, kämpfte ich mich durch die Bedienung von WordPress und erlernte mühsam die Bedienung dieses sehr komplexen Systems. Ich weiß längst noch nicht, wie dort alles funktioniert, aber der Anfang ist gemacht, der Knoten geplatzt und ich hege, pflege und liebe meinen Blog sehr. Beharrlichkeit führt eben oft zum Ziel. Auch meiner Arbeitsplatzassistenz brachte dieser steinige Weg sehr viel. Sie lernte sich in mich hinein zu versetzen und versteht jetzt, wie sie mir z. B. einen Bildschirmaufbau oder Bedienkonzepte erklären kann, damit ich es mit meiner Hilfstechnologie verstehen und benutzen kann.

Jahresende

Taugt ein Stern als Navi, um einen Stall zu finden?


Seid weihnachtlich gegrüßt,

Vor vielen Jahren, ich glaube, es war 2013, hatte ich einen kleinen Mailwechsel mit einem Freund, der Pfarrer ist und auch hier mit liest, über das Thema, was denn der Stern von Betlehem überhaupt gewesen sein soll.
Und darum geht es:
„Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. … Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.“

Daraus ist dann ein kleiner Text mit einigen Betrachtungen zum Stern von Betlehem entstanden, den ich hier gerne nochmal aufwärme und mit euch teile.
Bitte nicht wundern, dass der Text in der dritten Person geschrieben ist. Offenbar habe ich vor fünf Jahren so geschrieben. Das schreibe ich jetzt nicht nochmal um, dokumentiert es doch auch die Entwicklung meines Schreibstils.

Mit diesem Beitrag entlasse ich sie und euch in den wohl verdienten Weihnachtsurlaub. Ich melde mich dann zwischen den Jahren nochmal mit meinem obligatorischen astronomischen Jahresrückblick.
Also, los geht es. Was war er denn nun, der Stern von Betlehem?
Eine Supernova war es nicht, denn ansonsten könnten wir ihre Reste als Nebel wahrnehmen, der dann vielleicht sogar einen Neutronenstern in sich bergen würde. Mit viel Glück würde dieser Neutronenstern sich so geschickt drehen, dass seine Radioimpulse uns als tickendes und tackendes Geräusch erreichen würden, das wir mit Radioteleskopen letztlich auch hören könnten.

Eine Sonnenfinsternis oder etwas ähnliches war es wohl auch nicht, denn sonst wäre er anders beschrieben worden. Es gibt Geschichten in der Bibel, welche besser auf Sonnenfinsternisse passen würden.

Viele Planetarien bieten immer wieder eine Zeitreise zurück um das Jahr null herum an, um zu sehen, ob der Stern eventuell sichtbar wird.
Nun ja, nach heutigem Wissensstand war es kein Stern, sondern vermutlich eine besonders helle Konstellation der Planeten Mars und Venus.
Es geht mir hier nicht darum, das Weihnachtswunder zu widerlegen, aber es muss erlaubt sein, zu fragen, wie es war, wie es funktioniert, und ob es so sein kann, wie es erzählt wird.
Die Geschichte ist auch absolut würdig, unter die Lupe genommen zu werden, denn sie ist die einzige mir bekannte Geschichte der Bibel, in welcher der Sternenhimmel als Navigationshilfe benutzt wird.
Ein Kandidat zur Sternen-Navigation wäre der vierzigjährige Marsch des Volkes Israel durch die Wüste gewesen, aber hier wollte Gott offenbar ganz sicher gehen und führte Moses als Feuersäule und als Wolke auf dem richtigen und direkten Weg nach Kanaan.
Für die Schiffsreisen der Bibel brauchte man kaum Sternen-Navigation, denn sie verliefen meist an Küsten entlang, durch Flüsse, oder über Seen. Das ist alles mit Sichtkontakt als Navigationshilfe machbar. Zur zeitlichen Orientierung reichten Sonne und Mond aus.
Somit ist und bleibt die Ankunft der drei Könige die vermutlich einzige Navi-Geschichte der Bibel.
Da Pfarrer hier mitlesen, die es vielleicht besser wissen, bitte sofort widersprechen, wenn dem nicht so ist.

OK, zurück zum Stern von Betlehem.
Das „Was“ bleibt etwas im Nebel der Zeitrechnung verborgen. Für die folgenden Betrachtungen nehmen wir allerdings einen Stern an und nehmen die Geschichte wörtlich.

Wir kommen nun zur Frage, ob ein Stern überhaupt eine derart genaue Navigation ermöglicht, dass es Königen aus dem Morgenland möglich ist, bis ins Abendland, bis in die richtige Stadt, und letztlich punktgenau bis an den richtigen Stall zu navigieren.
Damit wir uns die Sache besser vorstellen können, fangen wir mit der Navigation aus der Nähe an. Es wird nun öfters von Sehen, von Winkeln, von Perspektive etc. die Rede sein. Diese Begriffe sind Begriffe der Sehwelt und für Menschen mit Blindheit eventuell schwer nachvollziehbar.
Sie funktionieren aber auch akustisch. Die zwei Augen werden zu zwei Ohren, eine Sehrichtung mit einem Winkel wird zum Hörerlebnis aus einer Richtung, Nah und Fern bedeuten dann laut und leise, und schließlich wird Helligkeit zur Lautstärke.
Nachdem diese Analogien geklärt sind, kehre ich zu den Begriffen der visuellen Welt zurück.

Navigation hat immer mit Richtung und Entfernung zu tun. Richtung und Entfernung nehmen wir mit unseren Augen wahr. Wohl gemerkt, mit beiden Augen.Die unterschiedliche Sicht beider Augen auf einen Punkt ergeben die Perspektive.

Beispiel:
* Strecken Sie die Hand vor sich aus.
* Halten Sie einen Finger auf Höhe ihres Gesichtsfeldes.
* Bedecken Sie nun abwechselnd ihr linkes und rechtes Auge.
* Nehmen Sie wahr, wie sich ihr Finger, Ihr Punkt gegen den Hintergrund verschiebt.

Mit einem Küchenradio, vor welches Sie sich stellen und den Ohren funktioniert es auch. Verschließen Sie das rechte Ohr, hören Sie das Radio von links, obwohl sie davor stehen und umgekehrt.
Wie auch immer entsteht der Raum durch die unterschiedliche Perspektive beider Organe.

Für Navigation bedeutet das:
Desto näher ein Punkt bei uns ist, desto genauer können wir ihn mit Augen oder Ohren ausmachen und auffinden.

Widerholen Sie das Beispiel z. B. in einer Turnhalle und verlegen ihren Punkt auf die von ihnen gegenüberliegende Wand, werden Sie merken, dass sich ihr akustischer oder vor allem ihr visueller Punkt längst nicht mehr in dem Maße gegen den Hintergrund verschiebt, wie zuvor. Sie sehen ihn zwar noch, nicht aber besonders genau.
seine Position. Verlegen wir den Punkt nach draußen, z. B. dass Sie nachts ein Licht in der Ferne sehen, so können Sie sich sogar leicht drehen, ohne, dass sich ihre Perspektive wesentlich ändert.

Spazieren Sie unter dem Sternenhimmel, so ist die Entfernung so groß, das Sie quasi nicht unter einem Stern, wie unter einer Laterne hindurchlaufen können.
Der Sternenhimmel scheint derselbe zu bleiben. Natürlich ändert sich der Sternenhimmel, indem sich die Erde unter ihm hindurch dreht, aber das lässt sich so nicht direkt erleben.

Sie legen auf ihrem Spazierweg zuwenig Strecke zurück, als dass sich ihre Perspektive zu den Sternen verschieben könnte.
Sie tut es natürlich, aber einen derart kleinen Winkel können Sie mit ihren Augen selbst dann, wenn Sie noch andere Sterne als Referenz zuhilfe nähmen, nicht auflösen.
Meines Wissens nach sind die Insekten diejenigen Wesen mit der besten Winkelauflösung ihrer Augen. Sie können sehen, dass sich die Erde dreht, wenn sie auf einem punkte verharren und in die Sonne schauen.

Das bedeutet, dass es für unser Navi-Problem nicht möglich ist, genau auf einen Stern, oder wenigstens fast genau, zu zu laufen, geschweige denn hinter einem her. Eine Ungenauigkeit sagen wir von ein zwei Kilometern wäre auf freier Fläche vielleicht noch möglich, da man den Stall noch erspähen könnte. Der Blick von einem hohen Berg herab könnte zumindest am Tage, während dessen der Stern von der Sonne überstrahlt worden sein dürfte, die Aussicht zum Stall hinunter ins Tal erleichtern. Wäre der Stern heller als die Sonne, würde ich mir aus astronomischer Sicht langsam Gedanken um unser aller Leib und Leben machen.

Selbst Sonne, Mond und eine gute Kenntnis des Sternenhimmels könnten die Situation nur unwesentlich verbessern.
Durch Himmelskunde könnte man sicherlich das Abendland finden und möglicherweise sogar die ungefähre Breite, auf welcher der Stall liegen soll, aber die Ungenauigkeit wäre dann noch immer so hoch, dass eine Stadt in das Quadrat passen würde, in welchem sich der Stall befinden soll.
Auch Seefahrer lebten mit diesem Dilemma.
Den Weg über den Ozean, von Kontinent zu Kontinent, von Insel zu Insel kann man mit guter nautischer Erfahrung, wozu auch Kenntnisse in Astronomie zählen, noch schaffen.
Nicht selten gingen aber Schiffe verloren. Vor allem funktioniert dieses Navi bei Sturm und Wolken leider nicht.
Auch ein Kompass zeigt nur nach Norden, hilft aber ansonsten nicht weiter.
So setzte die Englische Krone einen sehr hohen Geldbetrag für denjenigen aus, der eine seetaugliche Uhr entwickelte. Dies tat dann Harrison.
Mittels dieser Uhr und dem Sonnenstand konnte man immerhin an der Zeit Englands ausgerichtet den Längengrad bestimmen, auf welchem man sich mit seinem Schiffchen befand.
Zeigte die Uhr nach Englischer Zeit Mittag an und hatte man auf dem Boot dunkle Nacht, so musste man auf der anderen Seite der Erde sein.
Kometen und Meteore rechnete man früher als Erscheinungen der Luft zu, weil sie sich rasch bewegen, mussten sie nahe sein.
Und das muss ein rasches Objekt gewesen sein, denn es zog Laut der Bibel vor ihnen her und blieb dann über dem Stall schließlich stehen.

Erst Tycho Brahe, der wohl größte Beobachter des Himmels des letzten Jahrtausends und Sternbeobachter von Johannes Kepler konnte dies widerlegen.
Er vermaß den Standort eines gut sichtbaren Kometen von seiner dänischen Insel Ven aus. Diese verglich er mit den Daten, die zur gleicher Zeit ein mit ihm befreundeter Astronom in Prag erfasst hatte.
Er wunderte sich, dass die Winkel exakt übereinstimmten, obwohl Prag und Dänemark so weit voneinander entfernd sind. Sollte sich doch die Perspektive entlang einer Kugel auf diese Entfernung doch schon bemerkbar machen.
Daraus schloss Tycho, dass der Komet so weit von uns weg sein müsse, dass der Winkel für die damaligen Messinstrumente nicht auflösbar war.
Schon mit einem verhältnismäßig nahen Kometen wird Navigation derart ungenau, dass man nie ankommen würde. Wie weit müssen denn dann die Sterne entfernt sein?

Ganz ähnliche Versuche wurden im antiken Griechenland gemacht, um den Abstand der Erde zur Sonne zu messen, um ihren Durchmesser zu schätzen und um den Erde-Mond-Abstand zu berechnen. Nicht zuletzt wurde mit dieser Tatsache bewiesen, dass die Erde rund sein muss.

Ich finde es eine ganz wunderbare Geschichte, dass drei Könige unseren Retter besuchen, um ihm zu huldigen.
Sie mögen den Weg mit Gottes Hilfe oder mittels Durchfragen oder sonst wie gefunden haben. Mit Astronomie alleine aber sicherlich nicht.

Ich hoffe, dass sich durch diese für manche vielleicht etwas ketzerisch wirkende Abhandlung dieses Ereignisses, niemand beleidigt fühlt.

Nun hoffe ich, dass euch meine vorweihnachtlich – astronomischen Gedanken etwas Freude bereiten.

Jetzt wünsche ich uns allen eine geruhsame, besinnliche und fröhliche Weihnachtszeit.