Das Geheimnis des Regenbogens


Meine lieben,
erst mal vielen Dank für eure Rückmeldungen und Kommentare zu meinen Alemannischen Astronomen und natürlich auch zu meinem etwas untypischen Artikel Unter Uns.

Es haben mich jetzt doch einige Fragen zu den Entdeckungen meiner alemannischen Astronomen erreicht. Deshalb greife ich heute nochmal den Balmer auf, und was er gefunden hat. Und keine Sorge, der etwas exzentrische Zwicky soll auch nochmal dran kommen.
Ja, es ist eben etwas ganz besonderes, wenn man nach so vielen Jahren den ersten Auftritt in der Geburtsstadt hat, und die ganze Familie kommt. Damit ist man in einem Artikel noch nicht fertig.
Fangen wir also mal mit Balmer und seiner Formel an. Keine Angst, es wird nicht sehr mathematisch werden. Ich kenn euch doch.

Farben des Lichts

Das farbige Spektrum z. B. das, des Sonnenlichts, entsteht immer dann, wenn es in seine Farben aufgefechert wird.
Lässt man Licht durch ein Prisma, ein Fraunhofergitter mit sehr schmalen Linien, durch eine Regenwand als Regenbogen oder auf eine CD fallen, kann man die bunden Farben des an sich weißen Sonnenlichtes erkennen.
Das Licht sortiert sich zu einem Spektrum (Farbband) weil Licht unterschiedlicher Wellenlängen unterschiedlich stark abgelenkt wird.

Im Falle des Regenbogens muss das weiße Sonnenlicht ähnlich, wie bei einem Prisma durch die Regentropfen hindurch und wird so aufgespalten.
Wir kommen nachher nochmal auf ihn zurück.

Das Lichtwunder

Ein halbes Jahrhundert vor Balmer stand ein junger Glasmacher am Okular eines Teleskops. Joseph von Fraunhofer, ein bayerischer Waisenjunge, der sich mit harter Arbeit zum Optiker und Physiker hochgearbeitet hatte, beobachtete das Sonnenlicht durch ein Prisma. Was er sah, ließ ihn erstarren.

„Was zum Kuckuck… da sind dunkle Streifen im Regenbogen!“,

rief er.

Es waren hunderte, ja tausende dunkle Linien – wie kleine Risse im Farbspektrum. Niemand konnte erklären, warum sie da waren. Fraunhofer katalogisierte sie akribisch, gab ihnen Buchstaben, doch er ahnte nicht, dass er damit die Sprache des Universums aufgeschlagen hatte. Er starb früh, doch seine Linien lebten weiter.

Dann, in Heidelberg, einige Jahre später, brodelte es – wortwörtlich. Robert Bunsen, der mit seinem Assistenten Gustav Kirchhoff am Spektroskop arbeitete, hatte mit Hilfe seines neu erfundenen Gasbrenners herausgefunden, dass jedes chemische Element ganz eigene, bunte Linien ins Spektrum malte. Bunsen, ein Mann mit feinem Schnauzer und wachem Geist, hielt triumphierend ein Glasröhrchen in die Flamme.

„Schau, Gustav! Natrium – immer zwei gelbe Linien. Wie die Fensterläden bei meim Elternhaus!“

Sie erkannten, dass man mit dem Licht die chemische Zusammensetzung erkennen konnte – selbst von Dingen, die man nie anfassen würde.
Nun hatte man also das Werkzeug, die Spektralanalyse in der Hand, mit welchem man Dinge entdecken konnte, ohne dort gewesen zu sein, z. B. das Helium der Sonne. Dies ist aber mal eine eigene Geschichte wert.

Doch die Krönung dieser Reise sollte noch folgen – durch eine Frau, die sich gegen alle Widerstände durchsetzte. Ihr Name: Cecilia Payne. Eine junge Engländerin, die 1925 in Harvard promovierte – als erste Frau, und gleich mit einer Arbeit, die alles veränderte.

Sie hatte das Licht der Sterne durch Spektren analysiert und erkannte, dass sie vor allem aus Wasserstoff und Helium bestanden. Die damalige Wissenschaft hielt das für unmöglich – man glaubte, die Sonne müsse aus denselben schweren Elementen bestehen wie die Erde.

Doch Cecilia ließ sich nicht beirren. Ihre Formeln, ihre Logik, ihre klare Sicht auf das Licht überzeugten später selbst den größten Kritiker: Henry Norris Russell musste eingestehen, dass sie recht gehabt hatte. Damit hatte sie das wahre Wesen der Sterne enthüllt – nicht durch Teleskope, sondern durch Mathematik und Licht.
Das muss man sich mal vorstellen. Mit diesem chemischen Fingerabdruck lassen sich Dinge erforschen, ohne dort hin zu gehen. Sie müssen halt nur leuchten.

Neben der Tatsache, dass Sterne fast nur aus Wasserstoff und Helium bestehen, weiß man heute, dass in Spuren auch fast alle anderen Elemente in der Sonne vorkommen. Die hat sie sich bei ihrer Entstehung einverleibt, weil es vor ihr schon Sterne gab, die in Supernova-Explosionen diese schweren Elemente erzeugten und ins All geblasen haben.

Jedes chemische Element und Molekül besitzt sein eigenes Spektrum, sein eigenes farbiges Band, seine eigene Melodie, wenn man so will, wenn man es zum leuchten, z. B. durch Erhitzung anregt.
Es besitzt also einen ganz ihm eigenen Barcode, bestehend aus hellen und dunklen Linien oder Rissen im Farbspektrum.

Warum?
Weil in jedem Atom die Elektronen nur bestimmte Energiestufen einnehmen können. Wenn sie angeregt werden – zum Beispiel durch Hitze oder Licht –, springen sie auf eine höhere Stufe. Beim Zurückfallen senden sie Licht aus – aber nur in ganz bestimmten Farben. Diese Farben erscheinen im Spektrum als Linien. Für jedes Element anders. So erkennt man Natrium an zwei gelben Linien, Wasserstoff an mehreren Linien im blauen und roten Bereich, und Helium – wie Bunsen und Kirchhoff es entdeckten – an einer besonderen gelben Linie, die vorher unbekannt war.

Balmers Entdeckung

Also war das mit den Wasserstofflinien Balmer schon bekannt.
Bevor ich euch beschreibe, was der Alemanne sah, und wir seine Formel kennenlernen, hier noch etwas zum Verständnis.

Zur Beschreibung einer Welle benötigt man ihre Frequenz und ihre Ausbreitungsgeschwindigkeit. Diese kennen wir für elektromagnetische Wellen, also Licht, im Vakuum genau. Licht breitet sich dort mit einer Geschwindigkeit von 300000 Kilometer pro Sekunde aus. Die Frequenz gibt an, wie oft eine Welle pro Zeiteinheit, z. B. einer Sekunde hin und her schwingt. Sie wird in Herz, oder dessen Vielfachen, z. B. Kiloherz oder Megaherz angegeben. Aus all dem kann man nun berechnen, wie weit sich eine Welle während einer kompletten Schwingung in ihrem Medium ausgebreitet hat. Unsere Lichtwellen schwingen so schnell, dass man ihre Ausbreitung in Nanometern angeben muss, um nicht so kleine Zahlen hinter dem Komma zu erhalten.

Beobachtet man also bis zum leuchten erhitzten Wasserstoff durch ein Prisma oder Fraunhofergitter, dann sieht man folgendes:

  • Bei 656 nm ein kräftiger roter „Ton“
  • Ein wenig weiter rechts, bei 486 nm, ein grünlich-blauer Akzent
  • Dann bei 434 nm ein schwächeres Blau
  • Schließlich bei etwa 410 nm ein zartes Violett

Je weiter man geht, desto enger und blasser werden die Linien, bis sie im Ultravioletten verschwinden.
Diese Linien sind wie Schritte auf einer Treppe des Lichts, wobei jede Linie für einen Quantensprung eines Elektrons steht.
Stellte man sie so akustisch da, dann lägen die Töne sehr nah beieinander. Aber wenn man das ganze etwas dehnte, dann wären die Klänge sicher gut zu unterscheiden.

Die Balmer-Serie endet dann bei einer minimalen Wellenlänge, der sogenannten Balmer-Grenze:
Diese liegt im Ultraviolett – also außerhalb des sichtbaren Bereichs.

Balmers Formel

In Balmers Formel geht es darum, das Spektrum des Wasserstoffs mathematisch zu erklären, also ohne Beobachtung im voraus zu berechnen.

Die Balmer-Formel beschreibt die Wellenlängen des sichtbaren Lichts, das von angeregtem Wasserstoffgas ausgestrahlt wird, wenn Elektronen auf die zweite Schale (n = 2) zurückfallen. Die dabei entstehenden Spektrallinien bilden die sogenannte Balmer-Serie.
Wie das genau funktioniert, erspare ich uns an dieser Stelle, weil wir dazu sogar in die Quantenphysik hinein müssten.

Im sichtbaren Bereich des Wasserstoffatom-Spektrums lassen sich vier Linien beobachten, deren Abstände voneinander mit abnehmender Wellenlänge kleiner werden. Sie werden, beginnend mit der größten Wellenlänge, als H‑α (H‑alpha), H‑β, H‑γ und H‑δ bezeichnet. Ihre Wellenlängen

Balmer nun war davon überzeugt, dass wenn man verschiedene Eigenschaften kennt, z. B. Temperatur, Frequenz etc, dann sollten sich doch diese Lücken auch mathematisch „voraussagen“ lassen. Er wollte wissen, wieso beim Wasserstoff das Spektrum genau so ist, wie es ist.
Wer nun die Formel genau studieren möchte, den darf ich auf den Artikel dazu bei Wikipedia verweisen. Dort wird sie gut und mathematisch erklärt.
Für all jene, welche Formeln in LaTeX lesen können, rate ich, unten auf der Seide in die mobile Ansicht umzuschalten. Dann seht ihr sie im LaTeX-Code.
Andernfalls hängt die Lesbarkeit stark davon ab, was euer Bildschirmleser mathematisch so drauf hat..
https://de.wikipedia.org/wiki/Balmer-Serie

Epilog

So kam es, dass ein Alemann mit Zahlen, ein bayerischer Glasmacher, ein Heidelberger Feuergeist und eine mutige Frau aus England zusammen über Zeit und Raum hinweg das Universum entschlüsselten.
Das Licht der Sterne ist kein bloßes Leuchten – es ist eine Nachricht. In seinen Farben liegt ein Geheimcode, geschrieben in Linien, die von jedem Element anders gezeichnet sind. Das Spektrum ist der Regenbogen des Universums. Und jedes Atom malt darin seine Signatur.

Wer also heute einen Sonnenstrahl durch ein Prisma fallen lässt, der sieht mehr als nur Farben. Er sieht eine uralte Geschichte – von Feuer, von Zahlen, von Mut und Erkenntnis. Und vielleicht flüstert dann der Wind auf Alemannisch:

D’Liecht isch meh als Liecht – es isch dr Klang vom Kosmos, gschriebe mit Farbe!

„Licht ist mehr. Licht ist der Klang des Kosmos, geschrieben mit Farben.“

Zu guter letzt

Hier zum Schluss noch eine Beschreibung eines Regenbogens und ein Gedicht von einer lieben Mitleserin:
Beschreibung:

im Vordergrund bzw dem unteren Drittel: Wiese, Häuser, Bäume, Bildmitte Regenbogen, der fast über den ganzen Himmel geht (nahezu vollständiger Halbkreis also), Drüber Wolken. Mit bloßem Auge (auf dem Foto leider nicht erkennbar) konnte man den spiegelbildlichen „Zwilling“ sehen – außen rot, innen blau der Zwilling mit noch außen blau war zu erkennen (gelb und rot nicht mehr). Aber so selten Regenbogen sind – mit „Doppel“ noch weniger hat mich das extrem begeistert. Hätte jetzt gerne ein passendes Musikstück für dich das mindestens Majestätisch, mit der großen Pauke und ausdrucksstark daher kommt…

Nun nimmt sie Bezug auf unseren Sternenwanderer, der unsere Radiosphären durchkreuzt, Siehe Artikel zu Ostern 2025.

Eigentlich sollten wir unserem Freund, dem Sternenwanderer, echt von dieser Naturschönheit des Regenbogens erzählen.

Und nun teilt sie noch ein Gedicht das sie in der ersten Klasse gelernt und bis heute behalten hat.

Der Regenbogen
von Ruth Hassel.

Ein Regenbogen, komm und schau
rot und orange, gelb grün und blau
So herrliche Farben
kann keiner bezahlen
ihn über den halben Himmel zu malen.
Ihn malte die Sonne
mit Goldener Hand
auf eine wandernde Regenwand.

Ich kann unsere Mitleserin und euch an dieser Stelle trösten. Es ist sicher, dass die Schönheit eines Regenbogens durch Ton und Bild auch schon durch unsere Radiosphären zu unserem Wanderer gelangt ist. Hoffen wir, dass er ihn zwischen all dem anderen Getöse findet…

Was? Ihr habt noch keins?

Ja, meine lieben, auch Karlsruhe hatte bis vor kurzem noch keines.
Keines was? Lasst euch überraschen…

Wir erinnern uns

Am 07.05. vor einhundert Jahren wurde im Deutschen Museum in München das erste Planetarium eröffnet.
Es ist zwar so, dass München den Projektor schon zwei Jahre vorher erhielt, aber er war irgendwie noch nicht fertig und ausgereift, und wurde deshalb nochmal zu Zeiss-Jena zurück geschickt.
Vor diesem Hintergrund schrieb ich vor zwei Jahren über
Einhundert Jahre Planetarien
und
Eine Blase voller Sterne
Vielleicht ahnt ihr es schon, wieso ich mich dieser Dinger nochmal annehme.
Dafür gibt es nämlich einen sehr guten und noch schöneren Grund.

Das Himmlische Geschenk für Karlsruhe

Endlich hat Karlsruhe am 07.05.2025 sein eigenes Planetarium bekommen.
Deshalb die Überschrift dieses Artikels „Was, ihr habt noch keins?“

Es kam, wie aus heiterem Himmel. Vor einigen Monaten erfuhr ich plötzlich davon, dass Karlsruhe ein Planetarium bekommen soll. Ein Mensch, der vorher am Deutschen Museum München arbeitete, soll Gründer und Leiter sein.
Derlei rüttelt natürlich den Sternenonkel wach. Wen könnte ich denn da jetzt fragen, wie, was und wo.
Da fiel mir Matthias ein, dessen spannende Geschichte über himmelsmodelle hier auf dem Blog zu Gast war, siehe Das Schauspiel am Himmel im Modell

Außerdem verdanken wir ihm meinen Artikel zur Die Weihnachtsmondfahrt
(Apollo8 und Joules Vernes).
Den entwickelte ich mit einem Englischen Artikel von Matthias als Grundlage. Daraus ist dann später sogar noch eine Radiosendung für ein Internetradio mit der ersten Bibellesung im All geworden.

Nicht zuletzt war Matthias eine tragende Säule des mobilen Planetariums, welches mehrfach in Durlach in der Orgelfabrik gastierte, und wo ich auch schon vortragen durfte.
Also mailte ich ihn an und fragte ihn, was er so davon hält, und wie er die Sache einschätzt.

Und ja, was soll ich sagen. Das Planetarium kam mir etwas klein vor, und es hat nur einen Projektor.
Das Gastplanetarium in Durlach war größer, und hatte mindestens vier Projektoren.
Ich dachte mir „Schauen wir mal, und sind gespannt.“

Die Einladung

Ich vergaß es schon fast wieder, weil mir klar war, dass ich zu dieser Eröffnungsfeier niemals eingeladen werden würde.
Nun bekam ich aber, quasi zwölf Stunden vor der Veranstaltung, von meinem Freund und ehemaligen Kollegen ein Whatsapp, dass ich eingeladen wäre und er mich gerne begleitet.
Durch ihn kam ich so kurzfristig dazu, weil er sich für das Naturkundemuseum engagiert, wo ich auch schon vortragen durfte. Das war kurz vor Weihnachten vor den Lockdowns. Der Vortrag schaffte es damals sogar mit einem vierminütigen Beitrag in die Landesschau.
Bei einer Kommunikation zwischen Planetarium und Naturkundemuseum, fiel scheinbar mein Name, und ich durfte zur Eröffnung kommen.
Dank an Michael, der mir das ermöglichte.

Also holte ich mir von meinen Vorgesetzten die Erlaubnis, da mal für drei Stündchen abzuhauen und sagte ihm zu.

Die Ankunft

Das Planetarium ist nicht weit weg von der Straßenbahnhaltestelle, aber für uns Blindlinge hat der Weg es in sich. Den muss ich sicher noch mehrfach üben, bis ich ihn kann.
Selbst Michael musste Googlemaps bemühen, um den Weg zu finden.
Das Gebäude war vorher ein altes Gaswerk und wurde so um die vorletzte Jahrhundertwende herum gebaut.

Als mein Freund und ich dort ankamen, erlebten wir eine Überraschung.
Was war das für eine Begrüßung und Schulterklopfen. Alle erkannten mich, erinnerten sich an mich, riefen meinen Namen, gaben mir Hände und drückten mich.

Es geht doch hier gar nicht um mich, sondern um unser neues Planetarium

dachte ich mir. Aber vielleicht darf man so etwas einfach auch mal annehmen und genießen.

Ganz ähnlich erging es mir, als wir vor vielen Jahren mal zu einer Preisverleihung des DLR ins Planetarium Mannheim eingeladen waren. Auch dort kannten viele entweder Mein Buch, meinen Blog, waren in irgend einem meiner Vorträge oder wie ich Mitglied der Deutschen Astronomischen Gesellschaft.

Die erste Berührung

Ich betastete es kurz vorsichtig von außen. Die Kuppel fühlte sich stoffig und aufgeblasen an, ähnlich wie die Außenwand einer Hüpfburg oder eine gespannte Zelltwand.
Ich gehe davon aus, dass es doppelwandig ist, und zwischen den Wänden ein Vakuum gezogen wird, damit innen nichts Falten schlägt.
Das ganze wird mit einer Stahlkonstruktion aufgespannt, von welcher ich einen Außenring ertasten konnte.
Auf jeden Fall empfinde ich immer so etwas ganz besonderes, das gläubige Menschen kennen dürften, wenn sie eines ihrer Gotteshäuser betreten, sobald ich unter die Kuppel eines Planetariums, und sei es noch so klein, trete.
Aber noch sind wir nicht beim Betreten. Noch ist das Himmelszelt durch eine große Schleife verschlossen.

Die Eröffnung

Die Feier begann, wie ihr das kennt, mit einigen Reden zur Entstehung des ganzen, und ohne wen es nicht durchführbar wäre, und wer was und wie viel gespendet hat.
Nicht falsch verstehen. Das ist alles ganz wichtig, läuft aber immer ähnlich ab.
Hier war der offizielle Teil der Feier ganz ungezwungen locker und kurzweilig, und vor allem blieben politische Sonntagsreden aus, was sehr angenehm war.
Wir standen alle ungeduldig davor und wollten einfach nur rein.

Der neue Planetariumsdirektor, Björn Wirtjes, hat eine sehr schöne und sympathische stimme. Er spricht sehr flüssig und anschaulich. Man kann ihm sehr gut zuhören.
Nun war alles offizielle gesagt. Es war nun Zeit, das Himmelszelt zu öffnen.
Matthias und der Planetariumsleiter hielten beide ein Ende einer großen Schleife in der Hand, die den Eingang in die Kuppel verschloss.
Nun erklang von Trompete und Piano gespielt, die Titelmusik von Starwars. Zu diesen Klängen wurde die Schleife vorsichtig aufgezogen, so dass sich der Vorhang langsam hob.
„Möge die Macht alle Zeit mit dem Planetarium sein…“

Der Einzug in den Tempel

Feierlich zogen wir ein. Es kam mir vor, wie bei einem Friedensmarsch mit Kerzen in den Händen. Und da war es, das transzendente Gefühl von Ehrfurcht, Demut und Frieden, dass ich vorhin erwähnte.

Unter der Kuppel waren zwei konzentrische Stuhlkreise angeordnet.
In diese Stühle ließen wir uns nieder. Sie erinnern mich an so Stühle, die man im Schwimmbad oder zum Camping benutzt. Für den besseren Blick nach oben, liegt man etwas darin. In den großen Planetarien sind die gepolstert und oft etwas drehbar.

Zunächst unternahmen wir mit dem Leiter eine kleine Reise durch den sichtbaren Teil unseres Sonnensystems begleitet von seiner schönen Stimme und sphärischer Musik.

Anschließend erzählte Matthias uns etwas über die Geschichte der Planetarien. Sehr spannend.
Was mich da irgendwie beeindruckt hatte war, dass seine Folien auch in der gewölbten Planetariumskuppel funktionierten, obwohl sie doch eigentlich für eine flache Leinwand an der Wand gestaltet sind. Offenbar konnten die Sehenden mit der Verzerrung leben.
Dann verließ uns etwas die Technik, so dass wir zum Programmpunkt „Buffet“ übergingen.

Ausklang

am Buffet ging es dann weiter mit Begrüßungen, Händedrücken und lieben bis rührenden Worten an mich.
Ganz besonders ist mir die Begrüßung des Vaters einer Reporterin im Sinn, welche mit mir mitten in den Lockdowns einen Kurzfilm für die Sendung „Volle Kanne“ drehte. Er war nach all den Jahren noch so beeindruckt von mir, meiner Arbeit und meinem Buch, dass mich das sehr berührt hat.
Leider kann ich die Reporteren auf ihrer alten Mailadresse nicht mehr erreichen, weil sie offensichtlich den Job oder die Firma gewechselt hat. Schade, denn ich hätte ihr sehr gerne von dieser Begegnung erzählt. Na ja, ihr Vater wird das sicher tun…
Dieser Beitrag für „Volle Kanne“ war damals tatsächlich eine Folge meines Auftrittes mit dem Naturkundemuseum in der Landesschau. Schade, dass ich das wegen Urheberrechts nicht mit euch teilen darf.
Auch bei diesem Auftritt im Naturkundemuseum war Michael, der mir auch das heutige ermöglichte, meine Begleitperson und Assistenz.

Und noch ein Highlight

Nach der Stärkung mit Sekt und kleinen Leckereien, gab es im Keller noch eine ganz besondere Ausstellung in Schwarzlicht

OK, „davon hat ein blinder Mensch doch eher erst mal nicht viel“ mögen manche denken. Dem war aber durchaus nicht so.

Wir waren mit dem Physiker und Künstler, der diese Ausstellung im schwarzen Licht gestalltete, fast alleine.
Er erklärte uns alles so, dass auch ich es Verstand.
Da war z. B. eine Spiralgalaxie mittels Fäden aufgespannt. An diesen hingen kleine Flauschige Flusen, die die Sterne darstellten. Diese Sternchen waren mit Weißmacher präpariert, so dass sie leuchten, wenn sie von Schwarzlicht angestrahlt werden. Fäden und Schwarzlicht sind im dunkeln unsichtbar.
Als ich noch vor etwa vierzig Jahren einen kleinen Sehrest hatte, besaß ich auch so eine Lampe und liebte ihre Effekte.
Ich gehe auch gerne in Bilderausstellungen, wenn sie gut erklärt werden.

Fazit

  • Für mich war es eine große Freude und Ehre, bei dieser Einweihung dabei gewesen sein zu dürfen.
  • Ich bin sicher, dass ich hier nicht das letzte mal war.
  • Ich bin sicher, dass wenn ich dort auftauche, dann bestimmt nicht immer nur als Besucher…
  • Mit einem Planetarium haben wir eine ganz hervorragende Möglichkeit, schon Kinder und Jugendliche an das Universum, an Technik und Naturwissenschaften, heranzuführen.
  • Ein kleines Planetarium kann größer werden und wachsen. Helfen wir ihm dabei.
  • Und das beste ist auf der Homepage von PLANET-Ka, die Erklärung zur Barrierefreiheit. Oft ist diese nur ein Ort für fadenscheinige Begründungen, wieso man das seit über zwanzig Jahren verschlafen hat, und ein Lippenbekenntnis dafür, dass man, natürlich ohne zeitlichen Horizont, daran arbeite.

    Mich freute neben der Beschreibung der Rampe, der Parkplätze etc. vor allem der Grundgedanke:

    Die Sterne sind für alle da

  • Karlsruhe ist stolz auf seinen KSC, und verzeiht ihm viele Aufs und Abs.
    Und ich bin Stolz auf unser neues Planetarium, und brenne darauf, mich dort bald auch einbringen zu dürfen.

Unser neues Planetarium wird in Würde fortführen, was mit dem anderen Mobilen Planetarium in Durlach und für mich auch in Saarlouis begann, denn der Leiter dieses mobilen Himmelszeltes, Gernot, ist vor anderthalb Jahren von uns gegangen.
Erinnern wir uns und ehren ihn mit unserem neuen Planetarium in Karlsruhe.
Möge die Macht stets mit dem Planetarium sein.
Und wen dieser Artikel jetzt neugierig gemacht hat, schau doch mal auf
PLANET-KA

vorbei.

Ein Anlass und was wäre, wenn…


Meine lieben,
An diesem Ostersamstag, 19.04.2025 wird etwas aus dem Weltall über geeignete Antennen zu empfangen sein. Es ist zwar nichts außerirdisches, es ist von uns Menschen gemacht. Aber dennoch nehme ich das Ereignis zum Anlass für einen schon lange geplanten Artikel.
Ich bin gespannt, wie euch der Stil gefällt, den ich hierfür gewählt habe.
Österlich ist die Geschichte nicht nur deshalb, weil das gleich angekündigte Ereignis an Ostersamstag stattfindet. Sie ist österlich, weil Ostern das Fest der Hoffnung, Liebe, Umkehr und des Neubeginns ist.

Der Anlass

Ich zitiere:

Sehr geehrter Herr Jaworek,
wir erlauben uns, Sie über eine spektakuläre Aktion – zumindest für einen kleinen Verein wie die Simon Marius Gesellschaft – zu informieren.

Der Astronom Simon Marius (1573-1624), der in Ansbach als markgräflicher Hofmathematikus zeitgleich mit Galilei die vier großen Jupitermonde entdeckte, wird mit einer Botschaft aus dem All geehrt. Der Satellit QUBE der Würzburger Forschungsfirma „Zentrum für Telematik“ (ZfT) sendet in seinen freien Minuten zwischen 17. und 23. April in regelmäßigen Abständen eine Passage aus dem Hauptwerk von Simon Marius, „Mundus Iovialis“ (Die Jupiterwelt), wo dieser seine Beobachtung des Jupitersystems vorstellt. Jedes Jahr erweitert sich die Empfangbarkeit um ein Lichtjahr – zumindest im Prinzip. Nach weniger als einer Stunde ist das Signal schon weiter entfernt als Jupiter.

Wer nicht das Equipment für eigene Beobachtung auf der Frequenz 435,600 MHz hat, kann den Empfang durch die Fachgruppe Radioastronomie der Astronomischen Gesellschaft in der Metropolregion Nürnberg (AGN) auf der Regiomontanus-Sternwarte Nürnberg am Ostersamstag, 19. April von 11:30 bis 14 Uhr verfolgen.

Näheres berichtet der Blog auf dem Marius-Portal: https://www.simon-marius.net/index.php?lang=de&menu=8.

Ist das nicht spannend?
Wir senden seit über einhundert Jahren Radiowellen. Einige davon gelangen natürlich auch ins All.
Und das Gesendete entfernt sich natürlich mit Lichtgeschwindigkeit um ein Lichtjahr pro Jahr von uns.
Das bedeutet, dass die ersten Radiowellen der Menschheit theoretisch schon aus einer entfernung von über einhundert Lichtjahren empfangbar wären.
Schon klar. der Empfang dieser ersten Wellen wäre schwierig, da ihre Intensität mit dem Quadrat ihres Abstandes abnehmen. Aber, …

Was wäre, wenn….

Was würde jemand denken, der uns aus der Ferne beobachtet – nicht mit Augen, sondern mit Antennen?
Der Sternenonkel liebt es, mit Radiowellen durch das All zu lauschen.
Doch was, wenn das All zurücklauscht?
Was, wenn eine fremde Intelligenz sich aufmacht, unseren blauen Planeten zu besuchen, und dabei unterwegs all das empfängt, was wir über Jahrzehnte unbedacht ins Universum gesendet haben?
Radiowellen kennen keine Zensur. Sie tragen alles:
Musik, Träume, Angst, Wut, Wissenschaft ,
das ganze chaotische Menschsein eben.
In diesem fiktiven Monolog schlüpfe ich in die Rolle eines Außerirdischen auf interstellarer Lauschreise zur Erde. Was er hört, fühlt und denkt – das lest ihr hier.
Vielleicht erkennt Ihr Euch wieder. Vielleicht denkt Ihr sogar neu.

Der Reisende

Ich bin kein Mensch. Ich bin ein Reisender zwischen den Sternen, eine Intelligenz aus einem fernen System, das Ihr noch nicht kennt. Seit hundert Lichtjahren bewege ich mich in Richtung Eures kleinen, blauen Planeten. Und seit ebenso langer Zeit lausche ich.
Ich lausche dem kosmischen Rauschen, den Signalen, die Euer Planet unaufhörlich in den Äther hinausschreit. Radiowellen. Fernsehsignale. Digitale Datenströme. Alles, was Ihr gesendet habt, seitdem Eure Spezies begann, ihre Gedanken und Träume durch elektromagnetische Wellen zu verbreiten.

1920er: Erste Worte im All

Zuerst war es leise. Morsezeichen, Funksprüche, erste Radiosendungen. Musik aus knisternden Lautsprechern. Stimmen, die sich vorsichtig an ein unsichtbares Publikum wenden. Ich höre die Hoffnung. Die Unsicherheit. Die ersten Versuche, eine globale Stimme zu finden.

1930er–40er: Stimmen des Krieges

Dann wird es laut. Sehr laut. Die Stimme eines Mannes mit Hass in der Kehle übertönt fast alles. Propaganda, Trommeln, Marschmusik. Weltkrieg. Schreie. Gleichzeitig: Widerstand, Mut, Gedichte, Jazz. Diese Spezies kann Hass und Liebe gleichzeitig senden.

1950er–60er: Zwischen Mond und Musik

Ich höre Rock ’n’ Roll. Elvis. Die Beatles. Ich höre Martin Luther Kings Traum. Den Countdown zur Mondlandung. „Ein kleiner Schritt…“ Ich höre Träume. Grosse Träume. Aber auch Rassismus. Krieg in Asien. Atomtests.

1970er–80er: Bunte Wellen

Die Bilder werden farbig.
Disco. Star Wars. Kalter Krieg. Ich empfange Signale voller Fantasie und Technikglauben. Aber auch Ängste. Mauern. Nukleare Drohgebärden. Zugleich beginnt ein neuer Kult: Computer. Bits und Bytes flimmern durch den Raum. Eine neue Sprache entsteht, die Sprache des Internets.

1990er–2000er: Die Welt vernetzt sich

Das Netz beginnt zu summen. Ich höre Modems, Webseiten, E-Mails. Ich höre den Fall der Mauer, die Stimmen vom Tahrir-Platz, „Yes we can“ und auch „Weapons of mass destruction“. Wahrheit und Lüge reisen nun im selben Datenpaket.

2010er: Stimmen im Strom

Jetzt wird es laut. Unendlich laut. Soziale Medien überschwemmen den Raum. Jeder sendet, jeder spricht. Ich sehe Katzenvideos, höre Verschwörungstheorien, Klimademos, Popmusik, Podcasts, Hasskommentare, Gebete. Alles gleichzeitig. Alles gleich laut.
Ich höre Greta. Ich höre Trump. Ich höre Fridays for Future. Ich höre, wie Ihr Euch selbst übertrumft.

2020er: Der Kipppunkt

Dann: Stille. Lockdown. Die Welt hält den Atem an. Ich höre Beatmungsgeräte, klatschende Menschen auf Balkonen. Ich höre Fake News, Impfdebatten, Wissenschaft, Angst. Gleichzeitig steigen Eure Stimmen wieder auf: KI, Marsflüge, neue Kunstformen. Aber auch neue Kriege. Alte Konflikte im neuen Gewand.

Fazit meines Lauschflugs

Ihr seid faszinierend. Widersprüchlich. Ihr singt, liebt, lacht. Ihr tötet, lügt, zerstört. Ihr träumt vom Himmel und vergesst, den Boden zu pflegen.
Ich höre in Euren Wellen eine junge Spezies mit ungeheurer Energie. Ihr seid Kinder mit Laserkanonen. Aber auch mit Geigen. Mit Teleskopen. Mit Gedichten, Liedern und Geschichten.
Ihr seid nicht verloren. Noch nicht. Aber Ihr seid am Wendepunkt.
Wenn Ihr es schafft, Eure Empathie so weit zu senden wie Eure Radiowellen, dann, vielleicht dann, werden wir eines Tages antworten.
Bis dahin lausche ich weiter.
Ende der Übertragung.

Die Eiserne Finsternis


Meine lieben,

heute geht es aus aktuellem Anlass mal wieder um Finsternisse.
Wie sie funktionieren, habe ich in zahlreichen anderen Beiträgen und in meinem Buch schon ausgeführt.
was für eine seltsame Überschrift. Manchmal spricht man von einer bleiernen Finsternis, aber von einer Eisernen? Lasst euch überraschen.

Zunächst erfahrt ihr kurz etwas zur aktuell bevorstehenden partiellen Sonnenfinsternis, und dann wäre ich nicht der Sternenonkel, hätte ich nicht noch eine erhellende Finsternis für euch im Gepäck, die Wissenschaftsgeschichte schrieb.
Also los:

Zur Sofi am 29.03.2025

Die Sonnenfinsternis, die wir an kommendem Samstag, 29.03.2025 erwarten dürfen, ist eine partielle. Das bedeutet, dass der Mond nicht die ganze Sonnenscheibe abdecken wird.
Je nach Standort variiert der Grad der Bedeckung.

In Karlsruhe beginnt die partielle Sonnenfinsternis beispielsweise um etwa 11:18 Uhr und endet gegen 13:00 Uhr. Der maximale Bedeckungsgrad wird um etwa 12:10 Uhr erreicht. Während dieses Maximums wird der Mond rund 15 % der Sonnenscheibe bedecken.

Wer wissen möchte, wie groß die Abdeckung an einem anderen Ort ist, kann das leicht im Internet nachschlagen.
Mit bloßem Auge ist bei so einer geringen Bedeckung nichts zu sehen. Der nicht abgedeckte Teil der Sonne ist so hell, dass nicht auffällt, dass ihr ein Stückchen fehlt.

Achtung!!!!

Lasst euch bloß nicht verleiten, es eventuell doch mal kurz mit einem Blick des ungeschützten Auges in die Sonne zu versuchen. Im schlimmsten Fall müsst ihr danach künftig die Vorlesefunktion hier auf dem Blog benutzen, und das meine ich wirklich sehr ernst.
Es ist vermutlich dem lichtschwachen Teleskop zu verdanken, dass Vater und Sohn Fabricius bei ihrer Beobachtung und Entdeckung der Sonnenflecken nicht erblindet sind.

Beobachtung

Finsternisse beobachtet man entweder durch Finsternis-Brillen, oder man wirft mit einem Teleskop oder Fernglas ein Bild der Sonnenscheibe auf einen Schirm, Profis haben Filter vor ihren Teleskopen, oder man geht in den Wald, wo Lücken zwischen den Blättern, wie eine Lochkamera Sonnenscheibchen auf die Erde werfen.
Wie auch immer. Das wichtigste für optimale Beobachtungen, ist natürlich das Wetter.
Die Wettervorhersage für Karlsruhe am 29. März 2025 prognostiziert kühle Temperaturen mit morgendlichen Schauern und möglichen weiteren Niederschlägen im Tagesverlauf.
Das war am 11.08.1999 auch so, und dann hatten wir doch noch Glück.

Sollte auch bei euch das Wetter eine direkte Beobachtung erschweren, bieten einige Planetarien und astronomische Einrichtungen Live-Übertragungen oder spezielle Veranstaltungen an.

Die Eiserne Finsternis

Die Finsternis vom 7. August 1869 konnte längs eines schmalen Streifens beobachtet werden, der sich von der Behringstraße quer durch
Nordamerika nach Nord-Carolina erstreckte. Diesmal rückte man der
Korona zu Leibe. Es war nicht leicht, das Spektrum dieses schwach
leuchtenden Lichtschleiers zu erhalten. Anfangs schien es nicht allzu
aufregend zu sein. Das Licht war anscheinend über das ganze Spektrum
gleichmäßig verteilt. Die dunklen Fraunhofer-Linien des Sonnenspektrums fehlten. Doch im grünen Bereich entdeckte man eine helle Linie.
Welche Atome waren dafür verantwortlich? Die genaue Vermessung
zeigte, dass bei dieser Wellenlänge kein bekanntes Atom Licht aussendet. Sollte in der Korona der Sonne ein auf der Erde unbekanntes
Element den Sonnenphysikern von seiner Existenz Kunde geben? Ende
des letzten Jahrhunderts gab man dem unbekannten Stoff den Namen
„Coronium“. Nicht einmal auf der Sonne selbst schien dieses rätselhafte Element vorzukommen, denn es verriet sich auch nicht durch eine
Fraunhofer-Linie im Sonnenspektrum. Erst Mitte unseres Jahrhunderts
gelang es, das Geheimnis der grünen Koronalinie zu lüften. Sie rührt
von Atomen des Eisens her. Das Eisengas ist dort so heiß, dass den
Atomen, deren Kerne normalerweise von einer Wolke von 26 Elektronen umgeben sind, 13 verlorengegangen sind, so dass nur noch 13 Elektronen den Kern umschwirren. Das ist nur bei unglaublich hohen Temperaturen möglich. Wir wissen heute, dass die Sonnenkorona Millionen
von Grad heiß ist. Doch das hatte zur Zeit der Finsternisse des letzten
Jahrhunderts niemand geahnt.

Zu guter letzt

Ja, meine lieben, das war sie, die Geschichte.
Es ist schon immer wieder verblüffend, dass man bei so vielen Entdeckungen zur Sonne erst mal darauf warten muss, biss der Mond sie komplett bedeckt.

Es scheint hier auch so, dass man, um etwas zu erkennen, quasi etwas daran vorbei schauen muss.
Und was mich auf verblüfft ist, wie es sein kann, dass die Korona Millionen Grad heiß ist, und die Sonne darunter mit ihren läppischen 6000 Grad direkt eisig ist.
Dieses Wunder bewahren wir uns aber für eine andere Geschichte auf.

Die nächste von Deutschland aus sichtbare partielle Sonnenfinsternis wird am 12. August 2026 stattfinden.

Die nächste totale Sonnenfinsternis, die in Deutschland sichtbar sein wird, findet am 3. September 2081 statt. Die Totalitätszone verläuft unter anderem über den Süden Deutschlands, insbesondere über Teile von Baden-Württemberg und Bayern.

Falls ihr nicht so lange warten wollt:
Die nächste zentrale Sonnenfinsternis, bei der Deutschland zumindest eine ringförmige oder sehr nahe totale Verfinsterung erlebt, ist am 12. August 2026 zu sehen. Sie wird in Deutschland aber nur als partielle Finsternis sichtbar sein, während sie in Spanien als totale Finsternis auftritt.

Fleckige Geburtstagsgrüße


meine lieben,
nun meldet sich der Sternenonkel endlich nach einer etwas längeren schöpferischen Pause zurück.
Nach den aufwändigen Adventskalendern und meinem Jahresrückblick, bin ich dann im Januar und Februar erfahrungsgemäß immer etwas schreibfaul. Die Batterien sind dann halt auch zum Ende des Winters immer etwas leer.
Aber jetzt geht es wieder los mit einem spannenden Thema.

Kleine Vorgeschichte

manchmal dauert es wirklich lange, bis ich eine Frage beantworte.
So lange, dass der Frager sie vielleicht schon wieder vergessen hat.
Mein alter Pauker, der immer mal schöne Kommentare hier schreibt, stellte sie mir vor langer Zeit zum Artikel „Der Sonnenkönig und die Sonnenflecken“.
Und jetzt kommt der Hammer. Dieser Artikel wurde am 22.02.2022 von mir veröffentlicht. Drei Jahre also ohne Antwort…

Wir haben uns halt eher mit den spannenden Geschichten, die sich um diese rätselhaften Dinger ranken, beschäftigt, und andere spannende Inhalte haben mich etwas davon weg getrieben.
Heute, 27.02.2025 erinnerte ich mich an die Frage zurück, weil ich von unserem Team eine tastbare Geburtstagskarte mit dem Gegenstand der Frage erhielt.

Das Foto zeigt eine taktile und farbige Geburtstagskarte mit Sonnenflecken.
Geburtstagskarte mit Sonnenflecken

Diese Karte gab dem Artikel auch seine ungewöhnliche Überschrift.
Dann wollen wir hier vor allem für die Erinnerung des Fragenden seine Frage nochmal wiederholen.

Ich zitiere:

Hallo Gerhard,
eine (vielleicht etwas dumme) Frage: Was sind Sonnenflecken? Was passiert in diesen dunklen Flächen auf der Sonnenoberfläche Anderes als auf der übrigen Fläche? Wahrscheinlich hast du das schon einmal erklärt. Falls Ja: Könntest du es nochmals wiederholen?
Herzliche Grüße

Erst mal ist das keine dumme Frage. Sie ist in der Tat so komplex, dass ein nicht wohlgesonnener Physikprofessor seinen Studenten locker damit durch eine Prüfung rasseln lassen könnte.
Für mich bedeutet das, dass ich das Thema wirklich auf das wichtigste reduzieren muss. Lasst mich genau dieses versuchen.

Zur Wiederholung

Da unsere Beschäftigung mit Sonnenflecken ja nun schon einige Zeit her ist, habt ihr an dieser Stelle die Chance, nochmal einiges zu wiederholen. Es ist aber keine Voraussetzung zum Verständnis dieses Artikels. Hilft aber natürlich.
Die Frage passt ganz wunderbar in die Zeit, weil wir uns momentan um ein Maximum der Sonnenaktivität herum bewegen.
Was so ein Maximum für uns bedeutet erklärte ich in
Droht Gefahr durch unsere Sonne.
Über die Entdeckung der Sonnenflecken überhaut schrieb ich vor einiger Zeit in
Wer war der Erste
Über ihren 11jährigen Zyklus und dass die Sonne sich nicht immer daran hält, referierte ich in
Der Sonnenkönig und die Sonnenflecken
Was die Sonnenforscher über die merkwürdige Rotation der Sonne und mehr durch Sonnenflecken lernen durften, beschrieb ich in
Wanderer mit kurzem Leben.
In Drei Sonnenforscher stellte ich euch drei Persönlichkeiten vor, die sich rund um die Sonnenflecken verdient gemacht hatten.
Und dass man den Sonnenzyklus auch ganz anders nachweisen konnte, erklärte ich in
Weitere Nachweise des Sonnenzyklus.
Dies alles, und noch viel viel mehr über die Entdeckung und Erforschung unseres lebenspendenden Stern findet ihr in der Kategorie
Der Sonne entgegen.

Was wissen wir

  • Die Sonne ist ein Gasball in dessen Innerem Kern Wasserstoff zu Helium fusioniert wird. Von der dadurch freiwerdenden Energie leben wir.
  • Durch die Beobachtung von Sonnenflecken haben wir festgestellt, dass die Sonne sich nicht, wie ein starrer Körper dreht. Merkwürdigerweise drehen sich ihre Äquator-Regionen schneller, als ihre Polregionen. Der Äquator läuft ihr also immer voraus.
  • Erst viele Tausend Kilometer unter der Sonnenoberfläche dreht sie sich, wie ein starrer körper, weil von dort an der innere Druck hoch genug ist, und die Gravitation alles zusammen hält.
  • Die Sonne ist ein Plasma.
  • Die Sonne besitzt ein Magnetfeld, wie die Erde auch.

Was ist ein Plasma

Diesen Begriff kannte ich vorher tatsächlich nur aus der Medizin, wenn es um unser Blut und dessen Bestandteile geht.

Die Sonne befindet sich in einem ganz merkwürdigen Zustand, dem Plasma-Zustand, neben fest, flüssig und gasförmig der vierte sog. Aggregatzustand. In diesem Zustand sind die Elektronen von ihren Atomkernen getrennt. Sie bewegen sich frei durch das Plasma. Jede Gasflamme ist so heiß, dass sie ein Plasma bildet. Das kann man testen, indem man Strom durch eine Gas- oder Kerzenflamme schickt. Sie ist leitend, weil sich ihre Elektronen frei bewegen können. In diesem Sinne sind Metalle, wie Eisen oder Kupfer auch ein Plasma, weil sich sein Elektronengas frei hindurch bewegen kann, und es dadurch leitend ist. Fast 100 % der sichtbaren, auch barionische Materie genannt, des Universums befindet sich in diesem Zustand.
Für unsere Sonnenflecken brauchen wir zum Plasma auch noch ein Magnetfeld.

Magnetfelder in Plasmen

Magnetfelder sind im Universum nichts ungewöhnliches. Ladungstrennungen und bewegte Teilchen bedingen eben Magnetfelder, ob man will oder nicht.
Auch die Erde hat eines wegen ihres Metallenen festen Kerns und dem ihn umfließenden leitfähigen Material. Man spricht hier oft von Dynamo der Erde.
Und ja, beim Dynamo am Fahrrad dreht sich eine Spuhle in einem Magnetfeld oder umgekehrt. Dadurch entsteht ein Strom. Der fließt nun zur Lampe und lässt sie leuchten. Im Gegensatz dazu setzt das System einen Widerstand entgegen, so dass der Dynamo sich schwerer dreht.
Die Tatsache, dass bewegte geladene Teilchen, also fließende Ströme in Magnetfeldern einen Widerstand bilden, kennen wir auch von modernen Hometrainern her. Wir drehen mit unserer Pumperei einen Generator an, der über verschiedene Wiederstände und Verbraucher den entstehenden Strom wieder los werden will. Je nach dem, was da gerade zusammen geschaltet ist, sorgt ein hoher Widerstand für unsere sportliche Ertüchtigung.
Es ist also nicht so einfach, ein Magnetfeld in ein Plasma zu bringen, das vorher noch nicht drin war. Auch heraus bekommt man es schlecht, wenn es vorher schon drin war. Immer gibt es Kräfte, die derlei zu verhindern suchen. Magnetfelder bleiben also in einem Plasma eingefroren und müssen den Bewegungen des Plasmas folgen.
Zerrt man beispielsweise material aus einem Plasma-Ball mit Magnetfeld heraus, dann wird es versuchen seine Magnetfelder mit zu nehmen und gummiartigen Gegenwiderstand leisten.
Was passiert aber nun auf unserer magnetischen Plasma-Sonne, die sich dazu noch so merkwürdig dreht.

Sonnen-Pasta

Stellen wir uns die Sonne für den Anfang wie ein Stabmagnet mit einem Nordpol und unten einem Südpol vor.
Die Magnetfeldlinien treten am Nordpol aus, führen gerade um den Sonnenball herum, um am Südpol wieder in sie einzudringen.

Die Äquator-region der sonne dreht sich, wir sagten es schon, schneller. Das bedeutet, dass sie ihre Magnetfelder, weil Plasma, mitnehmen will und mit der Zeit aufwickelt, wie Spaghetti auf eine Gabel.
Es entstehen nun magnetische Plasmaschläuche, die Spaghetti eben. Diese Schläuche stoßen sich ab, weil ihre Magnetfelder gleich ausgerichtet sind. So kann es passieren, dass ein solcher Schlauch unter der Sonnenoberfläche so viel Auftrieb bekommt, also schwimmt, dass er sich quasi bogenhaft aus der Oberfläche der Sonne erhebt. Wir haben nun eine Schleife, die aus der Sonne herausragt und an einer anderen Stelle wieder in sie eindringt. Genau an solchen Fußpunkten entsteht dann jeweils ein Sonnenfleck. Sie treten also meistens paarweise auf. Der eine Fleck ist stets magnetisch anders polig, wie sein Partner. Manchmal reißen solche aufsteigenden Schläuche viel Material in die Höhe. Es bilden sich dort dann sog. Filamente. Man kann sich diese wie Bettwäsche auf einer Leine vorstellen. Diese kann man bei einer totalen Sonnenfinsternis am Sonnenrand als feurige Zungen erkennen, wenn der Mond die helle Sonne verdeckt. Natürlich stehen solche Filamente auch senkrecht auf der Sonnenscheibe, werden dort aber von der hellen Sonne überstrahlt, so dass man spezielle Instrumente benötigt, um sie auch ohne Sonnenfinsternis am helllichten Tage zu sehen.
Die Sonnenflecken sind Orte, an denen sich in Magnetfeldern gefangen die Teilchen nicht so schnell bewegen können, wie sie es aufgrund ihrer Umgebungstemperatur eigentlich tun sollten. Sie werden gebremst und magnetisch in Schach gehalten.
Somit sind sonnenflecken etwas kühler als ihre Umgebung, und damit auch etwas dunkler. Manchmal kommt es vor, dass das Gewirre der Magnetfelder in fleckigen Bereichen so groß ist, dass sich entgegengesetzte Felder auslöschen. Die unglaubliche Energie, die dabei frei wird, nennt man Flare. Das sind dann die Geburtsstetten von Sonnenstürmen, die uns dann hoffentlich nicht treffen.
Auf der Sonnenoberfläche brodelt und kocht es. Die ganze Oberfläche blubbert und ist in Bewegung, wie kochendes Wasser in einem Topf. Auch dadurch passiert es immer wieder, dass sich Magnetfelder so nahe kommen, dass sie sich auslöschen.
Und so passiert es, dass die Sonne sich alle elf Jahre umpolt und erneut mit dem Aufwickeln von magnetischen Schläuchen beginnt. Somit dauert ein Sonnenzyklus im Grunde 22 Jahre, bis er wieder mit derselben Polung beginnt.

Wie will man wissen, wie magnetisch ein Stern ist

Jetzt stellt sich zum Schluss noch die Frage, ob das alles mit den Magnetfeldern so stimmig ist. Schließlich kann man ja nicht einfach so einen Kompass oder sonst einen Magneten an die Sonne halten. Das wäre schon lustig, wenn man eine Kompassnadel auf den ersten Fleck eines Paares das gerade auf der Sonnenscheibe vorbei zieht und sie würde sich z. B. nach Norden ausrichten. Dann zieht der Nachfolger fleck an der Nadelspitze vorbei, worauf die sich der anderen Polarität dieses Flecks wegen um 180 Grad drehen würde. So gehts sicher nicht, aber so ähnlich.
Die Sonne selbst ist ihr Kompass und verrät uns die Magnetische Ausrichtung ihrer Flecken durch ihr Licht.
Zum Glück gibt es folgenden Zusammenhang und Effekt:

Der Zeemann-Effekt ist eine Aufspaltung von Spektrallinien eines Atoms oder Moleküls, wenn es einem externen Magnetfeld ausgesetzt wird.
Ihr erinnert euch. Jedes chemische Element sendet, wenn es heiß genug ist, sein ganz spezielles farbiges Lichtspektrum aus. Musikalisch könnte man sagen, dass jedes chemische Element seinen eigenen Akkord singt.
Der Zeemann-Effekt tritt auf, weil das Magnetfeld die Energieniveaus der Elektronen beeinflusst.
Dadurch entstehen statt einer einzigen Spektrallinie mehrere Linien mit leicht unterschiedlichen Wellenlängen. Ein Ton des Akkordes teilt sich also nochmal in nahe beieinander liegende Töne auf. Klingt dann vermutlich nicht mehr so schön. Die Art, wie sich das Spektrum verändert verrät uns, wie das Magnetfeld gepolt ist.

Hier für die Nerds ganz kurz, wie der Effekt funktioniert:
In einem Atom sind die Energieniveaus der Elektronen normalerweise durch die Quantenzahlen bestimmt.
Setzt man das Atom einem Magnetfeld aus, wechselwirken die magnetischen Momente der Elektronen mit dem Feld.
Dies führt zur Aufspaltung der Energieniveaus, wodurch sich auch die möglichen Übergänge und damit die Spektrallinien ändern.

Der Zeemann-Effekt ist also eine Art „magnetischer Fingerabdruck“ für Spektren und ein wichtiges Werkzeug in der modernen Physik und Astronomie.

Abspann

Dieser Effekt zeigte uns, dass sich die Sonne in etwa 11 Jahren einmal umpolt. Die Erde tut das auch, aber über Jahrtausende hinweg.
Wie das alles aber im Detaill funktioniert, ist längst noch nicht vollständig erforscht. Vor allem die Tatsache, dass es manchmal längere Zeiträume gibt, in denen überhaupt keine Sonnenflecken entstehen, ist rätselhaft.

Deshalb wird unser Stern von dem wir leben noch viel Stoff für Forschung und viele Entdeckungen liefern.
Sind wir froh, dass wir wenigstens diesen Stern untersuchen können, denn die anderen sind für derlei viel zu weit entfernt. Aber sehr wahrscheinlich besitzen alle Sterne auch Sternflecken, die entstehen und vergehen und ihrem eigenen Fleckenzyklus folgen.

Das Jahr der Schlange


Meine lieben,

gestern, am 29.01.2024, wurde das chinesische Neujahrsfest gefeiert.
Da bei uns einige Asiaten promovieren, bekommt man das meistens mit. Im letzten Jahr stand das chinesische Jahr im Drachen. Über diesen Glücksbringer schrieb ich in
Ein Chinesischer Glücksbringer.
Womit wir uns noch gar nicht befasst haben ist, wie sich dieses Neujahrsfest berechnet.

Wann

Das chinesische Neujahrsfest richtet sich nach dem chinesischen Lunisolarkalender und fällt auf den Neumond zwischen dem 21. Januar und dem 20. Februar.
Es findet immer am zweiten Neumond nach Wintersonnenwende statt.

Wir erinnern uns:

Auch wir benutzen solch einen Kalender, der sich nach Sonne und Mond richtet, zur Berechnung unseres Osterfestes. Daraus leiten sich dann viele andere Kirchenfeste und Feiertage ab.
Damit uns Ostern nicht durch das ganze Jahr läuft, hängen wir es an den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem astronomischen Frühlingsanfang.
Dieses erklärte ich in
Wieso ist Ostern manchmal so früh, und manchmal so spät.
Da der Islan zur Berechnung seines ramadan nur den Mond verwendet, passiert genau das. Mal ist Ramadan im Sommer, und einige Jahre später wieder im Winter.
Darüber sprachen wir in
Eine Ostergeschichte für Respekt und Toleranz

Aber zurück zum chinesischen Neujahrsfest.
Das Chinesische Neujahr fällt, wie gesagt, immer auf den zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende
Die Wintersonnenwende ist immer am 21. oder 22. Dezember.
Der erste Neumond danach tritt meist im Januar auf.
Der zweite Neumond folgt dann zwischen dem 21. Januar und 20. Februar. Genau in diesen Zeitraum fällt also das chinesische Neujahr.

Schaltmonate im chinesischen Kalender

Ein Mondjahr hat etwa 354 Tage, also 11 Tage weniger als das Sonnenjahr.
Um den Kalender mit dem Sonnenjahr zu synchronisieren, wird etwa alle drei Jahre ein zusätzlicher Schaltmonat eingefügt.
Dadurch kann sich das Neujahrsdatum leicht verschieben.

Beispiele

Beispiel für 2024, dem Drachenjahr:
Die Wintersonnenwende war am 22. Dezember 2023.
Der erste Neumond danach war am 11. Januar 2024.
Der zweite Neumond fiel auf den 9. Februar 2024 → Chinesisches Neujahr am 10. Februar 2024.

Wie es dieses Jahr war:
der benötigte Neumond begann bei uns am 29.01. gegen 13:30 Uhr, 12:30 UTC. Peking ist uns ungefähr 7 Stunden, bzw 8 Stunden zur UTC voraus. Diese Zeit wird als Grundlage genommen. Somit begann in Peking der Neumond gegen 20:30 ihrer Zeit.

Das Fest

Das chinesische Neujahrsfest, auch Frühlingsfest (Chūnjié, 春节) genannt, ist das wichtigste traditionelle Fest in China und wird über mehrere Tage hinweg gefeiert. Es beginnt am ersten Tag des chinesischen Mondkalenders und endet mit dem Laternenfest am 15. Tag.
Hier nun die wichtigsten Bräuche zum Fest:

  1. Vorbereitungen (Tage davor)
    Hausputz: Alte und schlechte Energien und Unglück werden entfernt.
    Dekoration: Rote Laternen, Glückssymbole und Spruchbänder mit Segenswünschen werden aufgehängt.
    Einkauf: Geschenke, Speisen, Süßigkeiten und rote Umschläge für das ((Hóngbāo, 红包) werden besorgt.
    In diesen Umschlägen werden Kindern und nichtverheirateten Personen Geld überreicht.
  2. Silvesterabend (Chúxī, 除夕)
    Die Familien kommen zusammen und verspeißen traditionelle Gerichte, wie Jiaozi (Teigtaschen) im Norden und Fisch im Süden Chinas.
    Fernseh-Gala: Die CCTV-Neujahrsgala ist ein TV-Highlight.
    Mitternachtsfeuerwerk: Vertreibt böse Geister und bringt Glück.
  3. Neujahrstag (Chūyī, 初一)
    Besuche bei Verwandten: Man wünscht sich Glück und Gesundheit.
    Rote Umschläge: Kinder und unverheiratete Erwachsene erhalten Hóngbāo mit Geld.
    Kein Putzen und keine negativen Worte: Damit das Glück nicht „weggefegt“ wird.
  4. Folgetage (bis zum Laternenfest)
    Besuche bei Freunden und Ahnenverehrung.
    Tanz der Löwen und Drachen: Bringt Glück und vertreibt böse Geister.
    Verzehr von traditionellen Speisen: Tangyuan (süße Reisbällchen), Reiskuchen (Niangao) und andere Spezialitäten.
  5. Laternenfest (Yuánxiāojié, 元宵节)
    Bunte Laternen werden angezündet.
    Rätselwettbewerbe: Gäste müssen Rätsel auf Laternen lösen.
    Abschluss der Feierlichkeiten.

Das Jahreszeichen

Und nun gibt es noch den astrologischen Schwurbel dazu:
Das Jahr 2025 steht im chinesischen Sternzeichen Schlange (Holz-Schlange). Es beginnt am 29. Januar 2025 und endet am 16. Februar 2026. Demnach sollte der 27.02.2026 Neumond sein.
Die Schlange wird im chinesischen Tierkreis als intelligent, weise und geheimnisvoll beschrieben. Das Element Holz bringt zudem Kreativität, Wachstum und Flexibilität mit sich.

Und hier noch ein Fazit

Das folgende fazit hat mit dem chinesischen Jahr zwar nichts zu tun, aber durchaus mit der Entstehung dieses Artikels.
Dabei hat nämlich die Alexa einen erheblichen Mist zusammengeschwurbelt. Sie behauptete steif und fest, dass es dreizehn Stunden unterschied zwischen Peking und uns wären. Dreizehn Stunden voraus würde doch sowieso niemand sagen, sondern eher elf Stunden zur anderen Richtung.
Das war mir gleich suspekt. Sofort stellte ich mir einen Globus vor, der mit Europa zu mir zeigt. Und wenn ich dort dreizehn Stunden weiter drehe, bin ich ganz auf der anderen Seite, wo China ganz bestimmt licht liegt. Ich kam in meiner Vorstellung irgendwo im Pazifik oder sonst einem Meer heraus. Das habe ich heute im Büro, wo ein 3D gedruckter taktiler Globus steht, ausprobiert, und recht behalten.
Zum Glück kann ich mir einen Globus auch dann 3D vorstellen und ihn drehen, wenn keiner da ist.

Mein Fazit für heute ist also:


Frage die KI niemals etwas, wo von Du überhaupt keine Ahnung hast.

Türchen 24 des Blindnerd-Adventskalenders 2024 – Höhepunkt

Bitte nicht wundern

Meine lieben,
Wundert euch nicht, dass dieses Türchen schon am 23.12. erscheint. Ich bin mir aber nicht sicher, wie das Interne dort funktioniert, wo ich Weihnachten verbringen werde. Sicher ist sicher.

Es ist so weit

wir haben nun den Höhepunkt unseres Lichterfestes erreicht.
Da ist es gar nicht leicht, noch ein Wunder hinzuzufügen, obgleich es derer noch viele gäbe. Versuchen wir also diesen weihnachtlichen Kreis etwas allgemeiner abzuschließen.

Weihnachtskosmos

Am Heiligabend können wir innehalten und den Blick auf die Sterne richten, die wie leuchtende Botschafter des Universums am Himmel stehen. Jeder Stern ist eine ferne Sonne, deren Licht uns nicht nur von unglaublichen Entfernungen erreicht, sondern auch aus tiefster Vergangenheit. Das Licht, das wir sehen, könnte Millionen oder gar Milliarden Jahre alt sein und erzählt uns von der Geschichte des Kosmos.
Doch nicht nur das Licht der Sterne ist ein Geschenk. Wir selbst tragen das Vermächtnis der Sterne in uns. Die Elemente, aus denen unsere Erde, unser Mond und sogar unser Körper bestehen, wurden einst in den Herzen massiver Sterne geschmiedet und durch gewaltige Supernova-Explosionen ins All geschleudert. Wir sind, wie der Astronom Carl Sagan es ausdrückte, „Sternenstaub“ – ein direktes Produkt der kosmischen Schöpfung.
Hinter vielen Türchen dieses Kalenders lernten wir, über das Leben zu staunen. Darüber, wie viele Dinge einfach passen müssen, damit Leben entsteht. Wenn es auch wahrscheinlich ist, dass es noch woanders im Universum Leben gibt, so wird das aber ob seiner Komplexität insgesamt gesehen selten. Da bin ich mir sicher.

Weihnachtsgedanken

Weihnachten, das Fest des Lichts, erinnert uns an die Verbindung zwischen Himmel und Erde. Der Stern von Bethlehem, der der Legende nach den Weg wies, ist ein Symbol dieser Verbindung. Er verkörpert Hoffnung, Orientierung und die Magie des Unbekannten – Eigenschaften, die auch die Erforschung des Kosmos antreiben. Der Nachthimmel ist damit nicht nur ein Ort des Staunens, sondern auch eine Quelle der Besinnung, die uns daran erinnert, wie eng wir mit dem Universum verbunden sind.

Ein kosmischer Weihnachtstrost

Die Entstehung des Mondes, die wir gestern behandelten,
zeigt uns, dass große Veränderungen oft aus gewaltigen Umbrüchen hervorgehen. Was einst wie eine Katastrophe erschien, wurde zur Grundlage für das Leben, wie wir es kennen. Und die Sterne lehren uns, dass Licht selbst die tiefste Dunkelheit durchdringen kann.
und so sind wir an Heilig Abend dazu eingeladen, das Licht des Kosmos zu feiern und uns daran zu erinnern, dass wir Teil eines großen und wunderbaren Universums sind – ein Universum, das uns die Hoffnung schenkt, dass in jedem Chaos ein Neuanfang schlummert.

Mein Geschenk

Meine lieben, im Grunde ist dieser Adventskalender mein spezielles Geschenk an all jene, die es öffnen und lesen.
Gerade in diesem Jahr, ging es vielleicht außergewöhnlich visuell zu für einen Adventskalender eines Menschen mit Blindheit. Ich hoffe natürlich, dass ich keine blinden Menschen damit „draußen vor der Tür“ gelassen habe. Mir hat der Kalender zwar einige hundert Stunden Arbeit bereitet, aber ich kommte jetzt schon durch diverse Rückmeldungen erfahren, dass er bei einigen von euch sehr gut angekommen ist. Das freut mich natürlich sehr. Wer jetzt, wo das letzte Türchen offen steht sich dazu berufen fühlt, einen Kommentar im Rückblick abzusetzen, darf das sehr gerne tun. Ich lese alle. Euer Feedback macht mir mut und gibt mir neue Kraft und Antrieb, damit weiter zu machen.
Lasst mich nun den Kalender mit etwas musikalischem abrunden, einem ganz besonderen Chor.
Es gibt ihn als Singkreis seit Mitte der 80er und ungefähr so lange bin ich auch schon Mitglied und singe dort Bass, spiele Gitarre und begleite mit meiner Querflöte.

Er besteht vorwiegend aus ehemaligen Schülerinnen und Schülern der Nikolauspflege Stuttgart, einer berufliche Bildungseinrichtung für Menschen mit Sehbeeinträchtigung. Entstanden ist der „Etwas Andere Singkreis“, wie unser Chor sich nennt, als unser Chorleiter vor mehr als zwei Jahrzehnten in den Ruhestand ging und den Singkreis der Nikolauspflege in den „etwas anderen Singkreis“ überführte.
Somit wurde dieser Chor nicht wirklich gegründet, sondern ist sozusagen geworden. Er hat auch keinen Heimathafen, denn unsere Mitglieder kommen von ganz Deutschland her. Zwei mal jährlich treffen wir uns zu Chorfreizeiten, wo kräftig geprobt wird und meistens auch ein Auftritt stattfindet. Somit hat dieser Chor in 65 Chorfreizeiten an über 150 Orten in den letzten vierzig Jahren Gemeindenachmittage, Gottesdienste, Weihnachtsfeiern und vieles mehr mit gestaltet.
Viele unserer Mitglieder wohnen in Wohnheimen und arbeiten in geschützten Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Für sie ist dieser Chor in ihrem Alltag etwas ganz besonders wichtiges.
Bevor ich euch aber nun drei unserer schönsten Weihnachtslieder vorstelle, muss noch gesagt werden, wie der Chor zu diesem seltsamen Namen kam.
Ein Herbergsvater sagte einmal zu uns:

Die unterschiedlichsten Gruppen kommen in unsere Jugendherberge – aus Sport-, Wander- und Musikvereinen, aus Kirchen oder Schulen. Ihr Singkreis strahlt dabei die größte Heiterkeit und Fröhlichkeit aus, die uns bisher begegnet ist. Er ist etwas Besonderes, etwas ganz anderes.

Und so war der Name des etwas anderen Singkreises geboren.
Nun aber zu den Kostproben:

  1. Als erstes hören wir ein österreichisches Weihnachtslied,
    Neamd hot gwacht (Text und Weise: H. Baumann; Satz: Georg Götsch; 2:03)
    Hier anhören!!!
  2. Das zweite ist ein wunderschöner Chorsatz, den viele von euch kennen dürften, Maria durch ein Dornwald ging.
    Hier anhören!!!
  3. Als drittes präsentiere ich euch vom „Etwas Anderen Singkreis“ gesungen den Satz, Ich steh‘ an Deiner Krippe hier von Johann Sebastian Bach.
    Und damit wünscht euch der Sternenonkel eine frohe Weihnacht. Möge das neue Jahr für uns alle das bringen, was jeder am dringendsten benötigt.
    Mögen viele schreckliche Dinge, um die wir uns momentan sorgen müssen, um des Himmels Willen nicht eintreffen und wahr werden.
    In diesem Sinne verabschiedet sich der Sternenonkel mit dem letzten Lied und natürlich auch mit der letzten weihnachtlichen Geschichte aus dem BLAutor-Land.

    Hier anhören!!!

Hier nun noch Türchen 24 des BLautor-Adventskalenders.
https://www.blautor.de/der-blautor-adventskalender/

Türchen 23 des Blindnerd-Adventskalenders 2024, Weihnachtswunder Mond


Meine lieben,
nachdem wir gestern verspätet Sonnwend feierten, kommt heute noch jemand ins Spiel, der lebenswichtig für uns ist, den wir alle irgendwie verehren und schätzen, und um den sich so mancher Mythos und leider auch so manche astrologische Schwurbelei rankt. Es geht um das Weihnachtswunders unseres Mondes.

Unser Mond ist weit mehr als ein vertrauter Begleiter am Nachthimmel. Er ist eine Quelle des Staunens, ein Zeuge der Geschichte unseres Sonnensystems und ein unverzichtbarer Teil der Erde. Seine Existenz ist das Ergebnis eines dramatischen kosmischen Ereignisses, und dennoch spielt er eine zentrale Rolle in der Erhaltung des Lebens, wie wir es kennen.

Die dramatische Geburt des Mondes

Die Entstehung des Mondes liegt etwa 4,5 Milliarden Jahre zurück und geht auf eine gewaltige Kollision zwischen der jungen Erde und einem marsgroßen Protoplaneten namens Theia zurück. Dieser Zusammenstoß war katastrophal: Unvorstellbare Mengen an Material wurden ins All geschleudert, Teile der Erdkruste und des Mantels wurden aufgelöst und verteilt. Doch aus diesem Chaos entstand etwas Außergewöhnliches: Die Trümmer formten einen Ring um die Erde, aus dem sich im Laufe von Millionen Jahren unser Mond bildete.
Dieses Ereignis war zugleich Zerstörung und Schöpfung – ein Moment der kosmischen Gewalt, der langfristig zur Stabilität und Balance des Erdsystems beitrug.

Warum der Mond so wichtig ist

Der Mond ist ein wahrer Architekt des Lebens auf der Erde. Seine gravitative Wechselwirkung beeinflusst viele essentielle Prozesse:

1. Stabilisierung der Erdachse: Ohne den Mond würde die Neigung der Erdachse chaotisch schwanken, was zu extremen klimatischen Veränderungen führen könnte. Der Mond sorgt für eine relativ konstante Achsneigung, die stabile Jahreszeiten ermöglicht.

2. Die Gezeiten: Die Anziehungskraft des Mondes verursacht Ebbe und Flut in den Ozeanen. Diese Gezeitenbewegungen sind nicht nur für die maritime Umwelt bedeutend, sondern haben auch die Evolution des Lebens stark beeinflusst, insbesondere in den Übergangszonen zwischen Land und Meer.

3. Verlangsamung der Erdrotation: Durch die Gezeitenreibung wird die Erdrotation allmählich abgebremst. In der frühen Erdgeschichte dauerte ein Tag nur etwa sechs Stunden. Heute haben wir 24-Stunden-Tage, was einen moderaten Lebensrhythmus ermöglicht.

Der Mythos der dunklen Seite des Mondes

Ein faszinierender Aspekt des Mondes ist der Mythos der „dunklen Seite“. Viele glauben, dass die Rückseite des Mondes, die von der Erde aus nie sichtbar ist, in ewiger Dunkelheit liegt. Tatsächlich jedoch erhält auch die Mondrückseite Sonnenlicht – sie wird genauso von der Sonne beleuchtet wie die uns zugewandte Seite. Der Grund, warum wir diese Seite nicht sehen können, liegt in der sogenannten gebundenen Rotation: Der Mond dreht sich synchron zur Erde, sodass immer dieselbe Seite zu uns zeigt.

Dieser Umstand hat die Vorstellungskraft der Menschen seit Jahrhunderten beflügelt. Für viele war die dunkle Seite ein Symbol für das Unbekannte und Mysteriöse. Mit den Raumfahrtmissionen des 20. Jahrhunderts konnten wir jedoch erstmals Bilder dieser verborgenen Seite machen, die eine rauere und von Einschlagskratern geprägte Landschaft zeigt. Dennoch bleibt die dunkle Seite des Mondes ein poetisches Sinnbild für die Geheimnisse des Universums.

Der Mond als Geschenk

Trotz seiner turbulenten Entstehung ist der Mond ein wahres Geschenk für uns. Er hat nicht nur die Bedingungen für Leben auf der Erde geformt, sondern ist auch eine Quelle der Inspiration für Menschheit und Kultur. Von den ersten Mythen und Legenden über den Mond bis zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Mondmissionen – unser Nachthimmel wäre ohne ihn ein leerer und weniger faszinierender Ort.
Gerade in der Weihnachtszeit, wenn die Nächte länger und dunkler werden, fühlt sich der Mond wie ein stiller Begleiter an, der uns durch die kalte Dunkelheit führt. Sein Licht, das die Schneelandschaften erhellt und die Konturen der Welt sanft zeichnet, erinnert uns an die Hoffnung und das Licht, das selbst in der dunkelsten Zeit des Jahres Bestand hat. Der Mond war seit jeher ein Symbol für Besinnlichkeit und Einkehr – ein Himmelskörper, der uns in den stillen Stunden des Winters an das Wunder der Schöpfung erinnert.

Einmal und nie wieder

Auch ich habe eine ganz besonders tiefe Beziehung zu unserem Mond. Gerne teile ich diese mit euch an dieser Stelle.

Ich hatte die Möglichkeit, Anfang der 90er eine Sternwarte zu besuchen, die auf dem Dach eines Gymnasiums installiert war. Damals verfügte ich noch über einen ganz kleinen Sehrest, konnte etwas hell und dunkel sehen, glaubte aber nicht im Traum daran, dass ich etwas im Teleskop erkennen würde.
Bis jetzt hatte ich weder einen Stern, außer natürlich unsere Sonne, noch den hellsten Vollmond am Meer oder in den Bergen sehen können, aber das war mir nicht wichtig. Da bei dieser Führung in erster Linie Sehende und Menschen mit Restsehvermögen anwesend waren, öffnete der Astronom das Teleskop und richtete es zunächst auf den Vollmond aus.
Nur aus Neugier, wie es sich physisch anfühlt, durch ein Teleskop zu sehen, legte ich mein linkes Auge mit der Helldunkel-Fähigkeit an. Und da geschah es: Ganz schwach, aber sehr deutlich konnte ich die Scheibe des Mondes erkennen. Ein Aufschrei, ein Hüpfer. Dann verifizierten wir das Ganze. Der Astronom verstellte das Teleskop und ich konnte ihm jeweils sagen, wann der Mond zu sehen war und wann nicht. Einbildung war somit ausgeschlossen.
Nur dieses eine Mal gewährte mir mein Leben den Blick durch dieses Fenster. Diese Mondscheibe liegt noch immer wie ein leuchtender Schatz in meinem Herzen und wird mich das ganze Leben lang begleiten.
Erinnerungen verwischen mit der Zeit. Diese ist aber bisher unverändert klar und deutlich präsent.
Schon wenige Monate nach diesem Ereignis verschlechterte sich mein Sehvermögen derart, dass ich den Vollmond mit dem stärksten Teleskop der Welt nicht mehr hätte sehen können.

Betrübt bin ich darüber nicht, denn ich habe ihn ja gesehen. Einmal und nie wieder.

Fazit

Der Mond zeigt uns, dass große Veränderungen oft aus gewaltigen Umbrüchen hervorgehen. Was einst wie eine Katastrophe erschien, wurde zur Grundlage für das Leben, wie wir es kennen. Er erinnert uns daran, dass das Universum voller Wunder ist, die unsere Vorstellungskraft übersteigen. Unser Mond ist ein stiller Begleiter, ein Bewahrer des Lebens und ein Symbol dafür, dass aus Chaos etwas Wunderschönes entstehen kann.
Auch heute wartet wieder eine nette weihnachtliche Geschichte auf euch.
https://www.blautor.de/der-blautor-adventskalender/

Türchen 22 des Blindnerd-Adventskalenders 2024, Eine neue Hoffnung


Meine lieben,
Nah, habt ihr die Parallele in der Überschrift erkannt? Genau, so heißt der damals erste Teil von Starwars, der 1979 in die Kinos kam. Keine Ahnung, an welche Position er mittlerweile gerückt ist, nachdem so viele weitere Filme gedreht wurden, die teilweise noch davor spielten. Bei meiner Hörspielserie ist es Folge 11. Diese Hörspielserie kann ich übrigens sehr empfehlen. Ihr bekommt dort die original Deutschen Dialoge, die ganze Filmmusik und Geräusche, etwas Audio-Beschreibungen, wo es nötig ist, und die ausufernden Schlachten sind derart gekürzt, dass die Folgen jeweils nur 75 Minuten lang sind, so dass sie jeweils auf eine Audio-CD passen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir im Internat eine Tonbandaufnahme vom deutschen Kinofilm hatten, also nur den Ton, die in den Wohngruppen viral ging und nachts in den Betten angehört wurde, zum Leidwesen unserer Erzieherinnen. Und fragt nicht, in welcher Qualität. Oft stellte man den Casettenrecorder direkt vor den Fernsehlautsprecher oder nahm einen mit ins Kino, um eine Tonaufnahme zu ziehen. Vorsicht, erst alle Lämpchen und LEDs abkleben, damit man nicht erwischt wird im dunklen Kino.
Aber kommen wir nun, bevor der Sternenonkel noch mehr labert, zu unserem Thema. Schließlich ist ja Weihnachtszeit und keine Science-Fiction-Parade.

was heute zum vierten Advent dran kommt, fand eigentlich schon gestern statt. Es passt aber einfach dazu, dass wir heute die vierte Kerze entzünden, und somit für mehr Licht sorgen. Außerdem findet unser Ereignis oft genug auch erst am 22.12. statt, so dass diese kleine Verspätung hier auch nichts ausmacht.
Wer gestern eine Astronomie-App, z. B. LunaSolCal laufen hatte, dürfte in Deutschland so gegen 10:15 Uhr am Morgen die Nachricht des Moments der diesjährigen Sonnenwende bekommen haben.
Und damit hat das Ding, das wir heute bestaunen, einen Namen, Wintersonnenwende.

Wir wissen, dass Sonnenwenden, eine zum Sommeranfang und eine zum Winteranfang dadurch entstehen, dass zum einen die Erdachse um 23 Grad gegen ihre Bahnebene (Ekliptik) gekippt ist, und sich gleichzeitig die Erde um die Sonne im Jahreslauf bewegt.
Alleine das ist schon Grund zum Staunen genug, weil wir dadurch Jahreszeiten und alles bekommen. Betrachten wir heute, am vierten Advent also mal das Fest der Hoffnung und des Lichts genauer.

Die Wintersonnenwende: Ein Fest der Hoffnung und des Lichts

Die Tage werden kürzer, die Nächte länger, und die dunkle Jahreszeit hat ihren Höhepunkt erreicht: Diesmal Am 21. oder manchmal auch erst am 22. Dezember feiern wir die Wintersonnenwende, den kürzesten Tag und die längste Nacht des Jahres. Doch genau hier, in der tiefsten Dunkelheit, liegt ein Funken Hoffnung, der die Menschen seit Jahrtausenden begleitet.

Die Wende

Die Wintersonnenwende markiert den Wendepunkt: Von nun an werden die Tage wieder länger, das Licht kehrt zurück, und die Natur bereitet sich darauf vor, neu zu erwachen. Dieses uralte kosmische Ereignis hat die Menschen schon immer fasziniert. Es wurde mit Mythen, Ritualen und Festen gefeiert, die die Hoffnung und das Licht in den Mittelpunkt stellen.

Alte Bräuche und ihre Bedeutung

In vielen Kulturen war die Wintersonnenwende ein bedeutendes Fest. Schon die Kelten entzündeten große Feuer, um die Rückkehr der Sonne zu begrüßen. Diese Feuer sollten nicht nur die Dunkelheit vertreiben, sondern auch die Sonne ermutigen, wieder Kraft zu schöpfen. In Nordeuropa feierte man das Julfest, ein Vorläufer unseres heutigen Weihnachtsfestes. Der Julbaum, ein immergrünes Symbol des Lebens, und das Jullicht sind Traditionen, die bis heute fortbestehen.

Auch die Römer ehrten zur Wintersonnenwende den Gott Sol Invictus, die „unbesiegbare Sonne“. Ihre Feiern symbolisierten den Triumph des Lichts über die Dunkelheit. Interessanterweise wurde Weihnachten später bewusst in diese Zeit gelegt, um das christliche Fest mit den bereits existierenden Traditionen zu verbinden.

Ein Fest der Hoffnung in heutiger Zeit

In unserer modernen Welt, in der künstliches Licht die Dunkelheit längst verdrängt hat, mag die Wintersonnenwende an Bedeutung verloren haben. Doch gerade in der hektischen Vorweihnachtszeit kann uns dieses Fest innehalten lassen und daran erinnern, wie kostbar das Licht – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne – für uns ist.

Die Wintersonnenwende ist ein Symbol für den Neuanfang, für die Hoffnung auf bessere Tage und die Kraft, die selbst in den dunkelsten Momenten des Lebens schlummert. Vielleicht können wir diesen Tag nutzen, um zur Ruhe zu kommen, unsere vierte Kerze anzuzünden und uns bewusst zu machen, dass nach jeder Dunkelheit neues Licht entsteht.

Eine persönliche Licht-Feier

Wie wäre es, die Wintersonnenwende dieses Jahr mit einem kleinen Ritual zu begehen? Vielleicht mit einem Spaziergang in der klaren Winternacht, einem Lagerfeuer im Garten oder einer stillen Stunde bei Kerzenschein?
Nur Mut, wenn euch jemand bei eurem Ritual sagen sollte, dass Sonnwend schon gestern war. Unsere eintägige Verspätung macht sich in der Tageslänge hier in Karlsruhe lediglich um drei Sekunden bemerkbar. Alles somit noch im Rahmen, möchte ich meinen.
Du könntest dir auch ein persönliches Ziel für die „Rückkehr des Lichts“ setzen – etwas, das Dir Hoffnung schenkt oder Freude bereitet.
So wird die Wintersonnenwende nicht nur ein astronomisches Ereignis, sondern auch ein Moment, der unser Leben mit Wärme und Zuversicht erfüllt.

Vertiefen könnt ihr das Erlebnis natürlich mit unserer heute sehr passenden literarischen Geschichte aus dem BLAutor-Land.
https://www.blautor.de/der-blautor-adventskalender/

In diesem Sinne: Frohe Wintersonnenwende und eine lichtvolle, hoffnungsvolle Weihnachtszeitwünscht euch zum vierten Advent
euer Sternenonkel Gerhard.

Türchen 21 des Blindnerd-Adventskalender 2024, Wer hat das Geschenk gebracht?

Meine lieben,
habt Ihr das auch schon erlebt?
Plötzlich haltet ihr ein Weihnachtsgeschenk in Händen, und wisst einfach nicht, wer das gebracht hat? Irgendwie ist die Geschenkkarte abgerissen und vermutlich im ganzen Berg Geschenkpapieres, der vor euch auf dem Boden liegt verschwunden.
So ein Mist. Man möchte sich doch schließlich nachträglich bedanken…
Um solch ein Geschenk geht es heute. Es ist bereits ausgepackt, und wir kennen seinen Inhalt genau. Wir kennen ihn, weil wir ihn im gestrigen Türchen untersuchten. Heute geht es um die Suche nach dem Spender, der uns unseren Saft des Lebens gebracht hat.
Woher kommt das ganze Wasser auf der Erde, das uns leben lässt und erhält?

Es scheint, dass uns dieses Geschenk von mehreren Spendern gleichzeitig überbracht wurde, und das schon vor sehr langer Zeit.
Schauen wir doch mal in unseren astronomischen Kontakten nach, wer für diese gute Tat in Frage käme.

1. Der Erdmantel (Primäres Wasser)

Ein Großteil des Wassers könnte aus dem Erdmantel stammen. Während der Bildung der Erde vor etwa 4,6 Milliarden Jahren wurde Wasser in Form von gebundenen Molekülen in Mineralen eingeschlossen. Durch vulkanische Aktivität und Ausgasung gelangte dieses Wasser an die Oberfläche.

2. Kometen )

Kometen bestehen aus Eis und Staub. In der frühen Phase des Sonnensystems könnten Einschläge von Kometen die Erde mit Wasser angereichert haben.
Aber etwas stimmt da nicht. Das Wasser von bisher untersuchten Kometen passt nicht ganz zu dem, was wir hier auf der Erde vorfinden.
Es gibt da nämlich im Universum neben dem normalen Wasserstoff noch einen, der sich zwar chemisch nicht wesentlich unterscheidet, aber der doppelt so schwer ist, als unser normaler Wasserstoff. Dieser deutlich seltenere Wasserstoff (Deuterium) enthält nämlich in seinem Atomkern nicht nur ein einzelnes Proton, sondern auch noch ein Neutron. Das ändert zwar nicht viel an den grundlegenden Eigenschaften, macht ihn aber, wie gesagt schwerer. Ein Mol (Mengenmaß von Atomen oder Molekülen der Chemie), also ein Mol normales Wasser wiegt 18 Gram. Eines mit schwerem Wasser hingegen 20.
Es handelt sich bei Deuterium um ein sehr stabiles Atom. Es zerfällt nicht, z. B. in normalen Wasserstoff und etwas anderes, und ist somit sehr alt. Das bedeutet, dass das Verhältnis von mit Deuterium gebautem Wasser und das mit normalem Wasserstoff entstandene, sich nicht wesentlich verändert haben dürften, seit es Wasser auf der Erde gibt.
Käme das Wasser von Kometen her, dann sollte sich bei den untersuchten Kometen dasselbe Verhältnis von schwerem – und normalen Wassers zeigen.
Dem ist aber nicht so. Käme das Wasser von der Art Kometen her, die wir bereits untersuchten, dann hätten wir hier auf der Erde deutlich mehr Deuterium-Wasser.
Das bedeutete für uns, dass unser gewohnter Liter Wasser etwas mehr als ein Kilo wöge. Möglicherweise hätten wir dann das Urkilo anders definiert. Sicherlich wären die Gefrier- und Koch-Temperaturen auch etwas anders, aber ansonsten dürften wir kaum Unterschiede bemerken.
Ganz ausschließen kann man aber die Kometen nicht, denn wir kennen noch nicht alle und vor allem auch nicht alle Sorten. Es ist absolut möglich, dass es Kometen gibt, bei denen das Verhältnis von normalen zu schwerem Wasser auf die Erde passt. Die wären dann durchaus Kandidaten für unsere wunderbare Schenkung.

2. Asteroiden:

Besonders Kohlige Chondrite (eine Art von Meteoriten) gelten als wahrscheinlichere Quelle. Ihr Wasseranteil und das D/H-Verhältnis stimmen besser mit dem Wasser der Erde überein als das der Kometen.

3. Wasserbildung durch chemische Prozesse

In der Frühzeit der Erde könnten chemische Reaktionen zwischen Wasserstoffgas (aus der solaren Urwolke) und Sauerstoff, das in Silikatmineralen enthalten war, zur Bildung von Wasser geführt haben. Diese Prozesse könnten bei der Entstehung der Erde stattgefunden haben.
Chemische reaktionen, die Wasser bilden, lassen sich auf dem Bau immer wieder beobachten. Löscht man Kalk ab, oder gießt man Beton, dann kann man dort oft mal Wasserpfützen entdecken.

4. Eingefangenes Wasser aus der protoplanetaren Scheibe

Die Erde entstand aus Material der protoplanetaren Scheibe, die die junge Sonne umgab. Diese Scheibe bestand aus Gasen und Staub, die auch Wassereis enthielten. Ein Teil dieses Wassereises könnte direkt in die wachsende Erde eingebaut worden sein.

Alle zusammen

Es wird angenommen, dass das Wasser der Erde aus einer Kombination von den hier angesprochenen Quellen stammt. Während Asteroiden wahrscheinlich den größten Anteil beigesteuert haben, könnte vulkanische Aktivität in der frühen Erdgeschichte eine entscheidende Rolle bei der Freisetzung von Wasser gespielt haben, und der ein oder andere Komet mag auch noch seinen kleinen Teil dazu beigetragen haben.

Dieses Wasser sammelte sich dann in den Ozeanen und blieb durch die relativ stabile Umlaufbahn der Erde in der habitablen Zone unseres Sonnensystems erhalten. Ein schützendes Magnetfeld und die Atmosphäre verhinderten, dass das Wasser vollständig ins All entwich.

OK, bedanken können wir uns bei den Spendern nicht mehr.
Aber freuen wir uns an dem Geschenk und behandeln es gut.

Und jetzt am Vorabend zum vierten Advent noch die übliche Geschichte auf
https://www.blautor.de/der-blautor-adventskalender/