Ein großes Stück Dankbarkeit


Meine lieben,
Heute geht es mal nicht um Astronomie, sondern um gefühlte Dankbarkeit.
Ja, ich weiß, dass ich vor vielen Artikeln geschrieben habe, dass das C-Wort nicht mehr auf diesem Blog erscheinen soll, und dabei bleibt es auch. Dennoch möchte ich gerne mit euch etwas positives zum Thema Pandemie teilen.

Immer wieder kommt es vor, dass ich mir vorstelle, was gewesen wäre, wenn die Pandemie in meiner Kindheit ausgebrochen wäre.
Diese Vorstellung löst in mir trotz aller Widrigkeiten große Dankbarkeit aus, dass die Pandemie erst jetzt in unser aller Leben trat. Um diese Dankbarkeit geht es in diesem Artikel.

Aus meinem Buch

Am 21. Februar 1969 wurde ich als fünftes von sechs Kindern in Schopfheim geboren. Da ich zwei Monate zu früh das Licht der Welt erblickte, musste ich zunächst in den Brutkasten. Nach dem damaligen Stand der Medizin wurden Frühgeburten mit reinem Sauerstoff versorgt. Nicht selten, so auch bei mir, führte dies zu einer Augentrübung, die der Grund für meine Blindheit ist. In den Industrienationen war diese Art der Erblindung die häufigste Ursache.

Medizinisch betrachtet galt ich immer als zu 100% erblindet, verfügte aber, bis ich Mitte 20 war, über eine hell-dunkel-Wahrnehmung, die sich dann mit der Zeit verschlechterte und verloren ging. Aufgewachsen bin ich mit meinen zwei Brüdern und drei Schwestern in einer Arbeiterfamilie. Somit führte vor allem mein Vater uns schon als Kinder an technische Dinge heran und lehrte uns den Umgang mit Werkzeug und Werkstoffen wie Holz. Ich erinnere mich noch, dass ich als kleines Kind Zeitungen reißen musste, aus denen anschließend mit Kleister Pappmaschee angerührt wurde, womit mein Vater die Landschaft für seine riesige elektrische Eisenbahn modellierte.

Von meiner Mutter wurden wir schon als Kinder stets zur Arbeit und Mithilfe in Haus, Hof und Garten herangezogen. Jeder musste für alle etwas übernehmen und war dafür verantwortlich. Schon mit vier oder fünf musste ich auf einem Schemel stehend Geschirr abtrocknen. Dabei habe ich übrigens sehr viele Volkslieder gelernt. Später half ich dann auch im Garten bei der Ernte mit.

Aufgrund der Größe unserer Familie konnte auf meine Einschränkung nicht viel Rücksicht genommen werden. Ich war bei allem dabei, musste bei allem helfen und von mir wurde dasselbe wie von meinen sehenden Geschwistern verlangt. Das war nicht immer fair. Es würde in der heutigen Zeit, in welcher blinde Kinder oft überbehütet werden, niemand mehr verlangen, dass ich als blindes Kind beispielsweise auf dem Feld helfe, Kamille zu pflücken. Es dauert einfach länger, wenn man die Blümchen ohne Augen suchen muss, und ich war ob dieser Langsamkeit oft frustriert und entmutigt und verlor das Selbstvertrauen. Andererseits verdanke ich dieser harten Schule eine Selbstständigkeit und Fertigkeit in so vielen Dingen, die ein blindes Kind heutzutage kaum noch erlangen kann, weil Kinder im Allgemeinen meist nicht mehr in diesem Maße im Haushalt mithelfen müssen. Somit kann ich heute retrospektiv große Dankbarkeit für meine nicht immer einfache Kindheit empfinden. Vor dem Hintergrund des Inklusionsgedanken möchte ich hier nicht versäumen zu erwähnen, dass ich für meine klassische Ausbildung in Blindentechniken, wie Blindenschrift, Mobilitätstraining und sonstiger lebenspraktischer Fertigkeiten, die ich in sechzehn Jahren an verschiedenen Blindenschulen und Einrichtungen erlernen durfte, sehr dankbar bin.

All dies ist mir auch in der heutigen Zeit, wo im Blindenwesen viel mehr moderne Technologie Einsatz findet, eine große Hilfe. Der Inklusionsgedanke und dessen Umsetzung ist ein fließender Prozess und muss sich entwickeln. Dabei dürfen aber die unverzichtbaren Blindentechniken nicht auf der Strecke bleiben, was momentan leider in manchen Fällen geschieht. Dies aber nur am Rande.

Meine Kindheit

So wuchs ich also mit meinen Eltern und fünf Geschwistern in einer Sozialwohnung relativ ärmlich auf. Unsere Kinderzimmer waren so klein, dass lediglich zwei Stockbetten und der Kleiderschrank darin Platz fanden. Später, als meine Geschwister schon ausgezogen waren, hatte ich eines dieser kleinen Zimmer dann für mich alleine. Als dann z. B. eine Musikanlage und der Computer dort Einzug hielten, war das zimmer eng voll. Es verblüfft mich noch immer, wie viel Platz ich heute benötige und habe, und wie wenig davon wir als Kinder hatten. Es versteht sich von selbst, dass wir daher die meiste Zeit draußen im Wald, in meiner Oma Garten oder uns sonst wo herum trieben. Telefon hatten wir natürlich keines. Als wir es bekamen, war ich schon fast erwachsen und mit der Hauptschule fertig. Ein Auto, mit dem wir hätten Ausflüge machen können, gab es auch erst, als ich längst schon erwachsen war.

Jeder weiß, dass es natürlich auch kein Internet gab. Das war ja erst langsam vernünftig ab Mitte der neunziger zu benutzen.

Mit all diesen Umständen hatte ich noch Glück, denn ich war in verschiedenen Blindenschulen immer unter der Woche im Internat. Dort war alles modern. Ich hatte mein eigenes Bett, einen Schrank, ein kleines Schließfach und sogar ein eigenes Waschbecken.
Ich erinnerte mich noch ganz genau, dass ich nach dem Feuer und dem Ofen suchte, denn es kamm immer warmes Wasser aus der Leitung. Das war für mich ohne Ofen nicht vorstellbar.
Es gab dort viel Platz, viel Spielzeug und viele Möglichkeiten zu musizieren oder Sport zu treiben.

Es gab in diesem Internat auch eine Krankenstation. Ich erinnere mich auch daran, dass unsere Wohngruppe mal wegen Scharlach oder Masern unter Quarantäne gesetzt wurde. Die schützende Impfung dagegen gab es noch nicht.
Da unsere Gruppe nur aus Erst- und Zweitklässlern bestand, kam die Lehrerin dann halt in die Wohngruppe, um das wichtigste zu unterrichten. OK, wir durften nicht raus, bzw. nur dann, wenn niemand anderes auf dem Spielplatz war. Aber alles in allem war das alles noch zu ertragen, denn wir Kumpels waren ja unter uns und hatten uns. Dass wir an den Wochenenden in der Quarantäne nicht heim durften, war für manche schlimm, aber für mich eher nicht. Wir, die von weiter her kamen, durften sowieso nur alle vierzehn Tage heim und von Heimweh wurde ich glücklicherweise nie sonderlich geplagt.

So war ich also nur an jedem zweiten Wochenende und in den Ferien daheim, was natürlich den Nachteil hatte, dass ich die Kinder im Dorf überhaupt nicht kannte und mich später dann mehr und mehr von unserer Familie entfremdete, weil ich eben eine ganz andere Entwicklung nehmen durfte.

Was wäre gewesen, wenn…

So, und nun stellt euch vor, in diese Zeit wäre eine Pandemie gefallen.

  • Mein geliebtes Internat wäre sofort geschlossen worden und ich hätte nach hause müssen.
  • Ohne Telefon, Computer, Hilfsmittel und Internet wäre an Unterricht absolut nicht zu denken gewesen. Ich hatte damals nicht mal eine eigene Punktschrift-Schreibmaschine. Punktschriftbücher sind groß und sperrig. Ich bin mir nicht sicher, ob unsere Schule die Versorgung auf dem Postweg hätte sicher stellen können.
  • Meine Eltern hatten keine Zeit, uns zu unterrichten. Wenn es in der Schule nicht lief, dann setzte es etwas, aber ansonsten… Naja, das waren noch andere Zeiten.
  • Abgeschnitten von allen Freunden säße ich daheim herum.
  • Meine Geschwister hätten natürlich auch keine Schule. Ich weiß nicht, wie sie mit Material versorgt worden wären. Damals war es ja sogar noch schwierig, Kopien anzufertigen. Wir lernten noch mit Kohlepapier in der Schreibmaschine zu schreiben oder schrieben manchmal in diesem Matrizen-Format für die spätere manuelle Vervielfältigung.
  • Die einzigen Tische, auf welchen Hausaufgaben oft unter Mamas Fuchtel gemacht wurden, standen im Wohnzimmer und in der Küche. Das wäre für uns sechse deutlich zu eng geworden.
  • Mein großer Bruder und meine große Schwester hatten einen kleinen weiteren Tisch in ihrem Zimmer, aber diesen Krieg hätten wir kleinen niemals gewonnen, dieses Zimmer nur ohne Erlaubnis betreten zu dürfen.
  • Wie gesagt. Telefon und Internet gab es nicht. Und für stundenlange Gespräche von der Telefonzelle aus, hätten uns unsere Eltern das Geld niemals gegeben, weil sie es einfach auch nicht hatten.
  • Im ersten Lockdown durfte man ja nicht mal raus. Meine Mutter wäre mit uns in der Wohnung durchgedreht. Sie wurde schon leidlich, wenn es mehrere Tage regnete, und wir nicht raus konnten. Einen eigenen Garten hatten wir nicht, und in die meiner Großeltern oder meines Onkels durfte man ja nicht.
  • OK, mein Vater wäre vielleicht auch daheim. Er war bei Konflikten oft etwas der ausgleichende Pol, aber das hätte er auch nicht ausgehalten. Da bin ich mir sicher.
  • Unsere Familie war auch ohne Pandemie nicht sehr stabil. Es gab recht viel Gewalt und Geschrei. Es wäre alles, aber auch wirklich alles eskaliert bei uns.

Und jetzt?

Aber nun bin ich schon älter und die Pandemie kam.
Gäbe es die heutige Technologie nicht, dann wäre ich, weil ich quasi alleine lebe, hilflos. Es könnte sogar sein, dass ich mich vorübergehend in ein Heim begeben müsste, damit ich wenigstens grundversorgt wäre. Auf jeden Fall hätte ich Hilfe und Unterstützung benötigt.

Natürlich ist vieles schlimm. Natürlich fühle ich mich oft einsam. Natürlich habe ich mit dem Abstandhalten etc. Probleme. Natürlich sitze ich oft auch im Hamsterrad und fühle mich wie der Panther in Rainer-Maria Rilkes Gedicht, das ihr hier anhören könnt. außerdem schrieb ich über all diese negativen Dinge ausführlich in meinem C-Report, um das C-Wort zu vermeiden…

Aber Dank heutiger Technologie und Internet sieht die Situation doch etwas positiver aus:

  • Ich kann arbeiten.
  • Ich kann mich bilden,
  • ich kann mich online mit Lebensmitteln versorgen.
  • ich kann mich mit Menschen online treffen, wenn ich einsam bin.
  • Ich gehöre zu der Gruppe von Arbeitnehmern, die sich all dieses auch noch finanziell leisten kann.

Ihr seht es ja selbst, wie der Blog richtig fett geworden ist.
Ich durfte so vieles auch lernen.
Für all das bin ich unendlich dankbar. Es hilft mir, die dunklen Zeiten besser zu überstehen, wenn ich mir derlei immer mal wieder vergegenwärtige. Ihr könnt das ja auch mal für eure Situation versuchen. Es ist sehr erfüllend, entspannend und tut einfach nur gut.
Denkt auch an die Dinge, die momentan wieder möglich sind. Denkt auch daran, dass die Tage schon wieder länger werden. Wir dürfen auf den Frühling hoffen. Der kommt ganz bestimmt.

Wie riecht der Himmel


Schnüffelnasen aufgepasst, heute geht es mal darum, wie es im Weltall riechen könnte.

Die anderen Sinne

Unser Sehsinn, sofern vorhanden, wird durch einen klaren Sternenhimmel befriedigt. Teleskope können hier dann noch mehr bieten.

Den Tastsinn bediene ich reichlich in meinen Vorträgen, sofern sie nicht online stattfinden MÜSSEN, durch meine zahlreichen Tastmodelle und Grafiken.

Den Hörsinn rege ich stets dadurch an, dass wir uns beispielsweise das Radioprogramm von Sternen, Pulsaren, Planeten, Kometen, verschmelzenden schwarzen Löchern und kollidierenden Neutronensternen anhören. In der Kathegorie Mit dem Ohr am Teleskop gibt es reichlich Hörbeispiele dazu.
Den Geschmacksinn können wir nicht bedienen, denn es ist viel zu wenig Mondstaub oder sonstiges Material aus dem All bisher mitgebracht worden, als dass wir uns ein Pröbchen davon z. B. als Gewürz im Supermarkt kaufen könnten. Allerdings bin ich schon mit einem Kuchen in Form der Himmelsscheibe von Nebra beglückt worden, sowie auf meinem Vortrag, den ich für die Caritas 2017 hielt. Dort gab es Kometenküchlein, Planeten-Frikadellen, Zimtsterne und noch so einiges astro-kulinarisches mehr, was sich die Küche der Lebenshilfe mit ihren eifrigen schwerbehinderten Mitarbeitenden so für mich ausdachte.

Die Autorin Dava Sobel erzählt uns in ihrem Buch „Die Planeten“ davon, dass ihre Freundin, die in einen Forscher verliebt war, der in einem Labor arbeitete, in welchem Mondstaub erforscht wurde , seine Angebetete mit einer winzigen Menge von Mondstaub beglückte, den diese Dame in innigster Liebe zu ihm verspeist haben soll. Der dürfte etwas sandig geschmeckt haben, obwohl die Probe so klein war, dass es fraglich ist, ob überhaupt etwas davon geschmeckt werden konnte. Schade um das Geschenk, denn die Dame hat es leider wieder ausgeschieden, somit ist dieses Pröbchen der Menschheit für immer verloren.
Außerdem ist diese Dame offenbar nicht mehr mit diesem Forscher zusammen.

Den Sehsinn spare ich in meinen Vorträgen meistens etwas aus. Ich werfe nur selten Folien zur Orientierung für Sehende an die Wand, und spektakuläre Videos gibt es bei mir in der Regel auch nicht. Mit derlei würde ich mir ja letztlich mein Konzept von „Blind zu den Sternen“ selbst zerstören.

Nun denn. Bleibt also noch die Nase als Sinnesorgan übrig.

Der Duft am Ende der Luft

Zunächst einmal riecht es im Weltall überhaupt nicht, da es dort keine Luft gibt, die einen Geruchsstoff transportieren könnte. Außerdem ist das Vakuum im All so stark, dass viel zu wenige Teilchen aus dem All in unsere Nase kämen, um einen Geruch zu erzeugen, könnten wir dort auch nur einen Atemzug tun.

Gerüche werden hier auf der Erde durch die Luft transportiert. Pflanzen, Tiere, Müll, Meer, wenn man kocht, alles riecht und wird von uns als gut oder übel empfunden. Wissenschaftlich ist belegt, dass Gerüche in uns sehr starke Erinnerungen auslösen können.
Entfernen wir uns also von der Erde, um die Gerüche des Alls zu empfangen.

Steigen wir durch unsere Atmosphäre auf, dann werden wir erst mal immer weniger Gerüche wahrnehmen, weil unsere irdischen Düfte nicht so hoch gelangen. Es riecht also nach nichts, nach Luft.

Spätestens in der Ozonhülle unserer Atmosphäre würden wir einen leicht süßlichen Geruch wahrnehmen, wenn wir dort noch atmen könnten. Ozon können wir manchmal im Sommer riechen, wenn es sich in Bodennähe durch zu viel Feinstaub und dessen Interaktion mit dem Sonnenlicht und dem Sauerstoff bildet. In manchen Schwimmbädern wird das Wasser neben Chlor auch mit Ozon rein gehalten, weil Ozon eine sehr radikale chemische Verbindung aus drei Sauerstoffatomen ist. Wenn man mit einer Folie sich über die Haare streicht, so dass kleine Funken entstehen und die Haare dann zu Berge stehen, dann kann man manchmal auch einen süßlichen Duft wahrnehmen. Das ist Ozon, was sich dadurch bildet, dass sich Folie und Haare gegeneinander statisch aufladen. In diesem Ladungspotential verliert der Sauerstoff vorübergehend Elektronen und bildet die riechenden Moleküle des Ozon.

Übrigens riecht Sauerstoff oder Luft sicher auch irgendwie, aber das nehmen wir nicht wahr, weil dieser Duft stetig um uns weht. Die Erddrehung nehmen wir auch nicht wahr, weil sie immer da ist und sich nicht verändert.

Mondgeruch

Die ersten Düfte aus dem All brachten wohl die Astronauten der Apollo-Missionen mit. In zahlreichen Berichten kann man von einem Duft lesen, der sich nach der Rückkehr der beiden Astronauten in der Kapsel verbreitet hat, der ungefähr an Schießpulver erinnert.
Die Astronauten waren über und über mit Mondstaub bedeckt, der sich sehr hartnäckig an ihre Raumanzüge heftete. Es ist nicht nur so etwas, wie Sand am Strand. Der Mondstaub ist noch viel feiner, Feiner noch als Mehl oder Puderzucker. Dieser Staub ist nun stetig dem Sonnenwind ausgesetzt, der aus geladenen Teilchen und sonstiger Strahlung besteht. Das verändert diese Staubteilchen chemisch. Sie laden sich auf, was mit ein Grund ist, weshalb sie sich so willig an die Anzüge der Mondfahrer klebten. Als die Astronauten nun völlig „verdreckt“, in ihre saubere und klinisch reine mit Sauerstoff gefüllte Kapsel zurück kamen, begann der Mondstaub chemisch mit dem Sauerstoff zu reagieren und erzeugte wohl diesen brandigen Schießpulvrigen Duft. Ich stelle ihn mir so ähnlich vor, wie es bei der Knallerei zu Silvester riecht. Ein Brand ohne Flamme also. Gut möglich, dass dieser sich auch in den Laboren ausgebreitet hat, als man die Mitbringsel vom Mond auspackte und untersuchte.

Raumschiffmief

In jeder Fragestunde, die Kinder mit Alexander Gerst, Matthias Maurer oder anderen Astronauten und Kosmonauten in der Raumstation führen durften, wird die Frage nach dem Geruch in der Raumstation gestellt. Dass diese Frage immer wieder kommt beweist, wie wichtig Düfte für uns sind. Wie geschmacklos scheint uns unsere Nahrung, wenn wir erkältet sind, wenn also unsere Nase nicht mit genießen kann.

Die Bandbreite der Beschreibungen des typischen Raumschiff-Geruchs reicht von heissem Metall und Ozon über Schmelz- und Schweissbrennergeruch bis zu Grillgeruch und versengtem Steakfleisch.
Die Raumstation selbst hat natürlich bei all der Technik dort drinnen auch ihren Eigengeruch.
Alexander Gersts US-Kollege Reid Wisemann fühlte sich an den Geruch eines Stapels nasser Wäsche erinnert – und Gerst räumte ein:

Da hat er nicht ganz unrecht.

Und ja, wen wundert es, dass der Geruch auch mit feuchter Wäsche in Verbindung gebracht wurde. OK, die treiben dort oben schon auch Körperhygiene und wechseln ihre Wäsche, aber das alles deutlich seltener als wir es hier tun. Das mit dem Duschen wird wohl auch eher funktional geschehen und vermutlich ohne unsere ganzen Deos und sonstigen Düfte.

Wenn eine Raumkapsel an der ISS ankoppelt, dann entsteht so viel Hitze, dass sich in der Raumstation ein metallisch brandiger Geruch entwickelt. Außerdem dürften die Dichtungen den Gestank erzeugen, den Gerst als Bremsbelege interpretiert.

Und wenn wir schon bei Raumfschiff-Mief sind. Ein Raumanzug ist ja ein Kleinstraumschiff mit allem, was eine Astronaut:in so zum Leben braucht. Von Sauerstoff, Heizung, Klina bis Toilette ist dort alles eingebaut.
Ich stelle mir oft die Frage, wie es in so einem Raumanzug wohl riecht.

Der Duft des Alls

Nach jedem Außeneinsatz nehmen die drin gebliebenen Astronaut:innen einen Geruch der Rückkehrer wahr. Draußen, dem Sonnenwind ausgesetzt, ionisiert vermutlich die Oberfläche ihrer Raumanzüge und sie nehmen wohl auch etwas Weltraumstaub auf.

Die Astronautin, Peggy Whitson, die sich auf der Internationalen Raumstation ISS aufgehalten hat, beschreibt es so:

Es ist ein Geruch, wie man ihn riecht, kurz nachdem eine Pistole abgefeuert wurde.

Den Duft kennen wir schon vom Mondstaub her.
Neben der rauchig-verbrannten Note wurden aber auch fast bittere Nuancen wahrgenommen und sogar Anflüge von Himbeere und Rum.

Der Astronaut Scott Kelly, der rund ein Jahr auf der Internationalen Raumstation ISS verbrachte, bemerkte den Geruch erst, als er die Luke einer Versorgungskapsel öffnete, die zuvor in Kontakt mit dem Weltall gewesen war. Ihn erinnerte der Weltraumgeruch an Wunderkerzen.

Alexander Gerst, der deutsche Astronaut, Geophysiker und Vulkanologe, sagte:

Für mich riecht der Weltraum nach einer Mischung aus Walnuss und den Bremsbelägen meines Motorrads.

Jetzt heißt es sich die Nase zuhalten

Ein Chemiker in England hat mal die Chemikalien gemischt, die man auf dem Komet Juri (67P) mit der Raumsonde Rosetta und dem Lander Philae
und vorher mit der Sonde Giotto auf dem Halleyschen Kometen entdeckt hatte. Er präparierte Ansichtskarten damit. Man konnte sich also nach Komet stinkende Karten besorgen.

Sie stinken wirklich,

erzählt Frau Professor kathrin alt-weg in Folge 79 des Podcasts @Raumzeit. Sie musste einen geschenkten Karton dieser stinkenden Karten aus ihrem Büro verbannen. denn z. B. Schwefelwasserstoff riecht nach faulen Eiern, und der wurde auf den Kometen unter vielen anderen übelriechenden Stoffen entdeckt.
Inzwischen wurden mit unterschiedlichen Analysemethoden z. B. des Spektrums von Licht, viele weitere Chemikalien gefunden, die wir hier auf der Erde sehr wohl kennen.
Neben Salz, Zucker, Alkohol und mehr, muss man aber konstanieren, dass viele stinkende und auch ungesunde Substanzen dabei waren. Nun ja, das ist im All kein Problem, weil niemand des anderen Gestank im Vakuum wahrnimmt.

Das Parfum

Und jetzt kommt zum Schluss noch ein Highlight.
Also früher war ich manchmal etwas mittelalterlich unterwegs. Ich besuchte Mittelaltermärkte, hörte derartige Musik, hatte ein Gewand und weil wir manchmal auch etwas düster unterwegs waren, benutzten wir zu solchen Veranstaltungen häufig ein Parfum, das moderig roch. Was liegt da näher, als dass man auch mal versucht, ein Parfum zu kreieren, das nach den Beschreibungen der Astronauten nach Weltall riecht, und das gibt es tatsächlich.

Vor einigen Jahren kreierte die Weltraumorganisation Nasa gemeinsam mit dem Parfümeur Steve Pearce ein Parfum mit dem spezifischen Weltraumgeruch. Die ursprüngliche Idee war mit dem Weltraumparfum Astronaut:innen besser auf ihren Aufenthalt im All vorzubereiten. Seit wenigen Jahren ist das Eau de Space als Unisexparfum im Handel erhältlich. Das Parfum mit synthetisch-rauchiger Note vermittelt zumindest eine Ahnung davon, wie der Himmel riecht.

Also ich würde es mir sehr gerne mal besorgen, obwohl es vermutlich unverschämt teuer sein wird. Ich habe da mal was von 650 Dollar gelesen. Das tut weh.
Vielleicht spendiert es mir ja mal eine unserer Leser*innen…

Eine Lanze für die Space Shuttles


Heute vor 50 Jahren, am 05.01.1972 gab der amerikanische Präsident Richard Nixon bekannt, ein Space Shuttle bauen zu lassen, das die Raumfahrt revolutionieren sollte. Unter anderem sollte es durch seine Wiederverwertbarkeit sehr günstige Weltraumflüge ermöglichen. Es war sogar von Weltraum-Taxi die Rede. Bis zu 100 mal sollte jedes Shuttle fliegen. OK, wir wissen heute, dass:

  • Es wurde alles sehr viel teurer, wie geplant.
  • kein Shuttle flog mehr als 37 Flüge.
  • Es gab zwei Unfälle bei welchen insgesamt vierzehn Menschen ums Leben kamen.

Auf jeden Fall wird das Space Shuttle häufig aus verschiedensten Gründen als historischer Fehlschlag der Raumfahrt bezeichnet. So geschehen in der heutigen Sternzeit-Folge des DLF.

Auch der Countdown Podcast , der momentan nicht mehr produziert, lässt leider kaum ein gutes Haar am Shuttle. Einen schönen Abriss über die Geschichte der Shuttles gibt es bei Weltraumwagner.

Es mag schon sein, dass einige der dort angeführten Argumente zutreffend sind. Hinterher ist man immer schlauer. Ich möchte aber jetzt mal hier kurz eine Lanze für die Shuttles brechen.

Ich kann mich noch sehr gut an den Jungfernflug der Columbia, des ersten ausgelieferten Space-Shuttles, im April 1981 erinnern. Ich glaubte, wie viele andere auch, dass es bald mit den wiederverwendbaren Raumfahrzeugen für jeden möglich sein würde, einen Ausflug ins All zu machen. Unsere ganze Familie saß vor dem Fernseher und meine Mutter versuchte, mir das Raumschiff zu erklären. Besonders merkwürdig erschien mir die Tatsache, dass es an seiner Außenseite gekachelt war. Dann fühlte es sich offensichtlich so an, als ertaste man Fliesen an einer Wand.
Mittlerweile besitze ich ein sehr schönes hölzernes Modell des Spaceshuttles mit dem großen Tank in der Mitte, den seitlichen Boostern und dem kleinen Shuttle auf dem Rücken.

Hier nun kurz meine Erlebnisse zu den Shuttles, die die Liebe in mir für dieses Projekt entfachen ließen.

  • Mir gefiel, dass es trotz des kalten Krieges möglich wurde, dass es durchaus Missionen von Amerikanern und Soviets gemeinsam gab. Das gab Hoffnung. Ich meine mich zu erinnern, dass ein Shuttle sogar mal an eine russische Raumstation angekoppelt wurde.
  • Natürlich war der Unfall von 1986 ein absoluter Tiefschlag für die amerikanische Raumfahrt. Bei der Analyse des Unfalls, mit welcher der Physiker Richard Feynman beauftragt wurde, stellte sich heraus, dass diese Katastrophe durchaus hätte vermieden werden können. Ingenieure warnten, dass die Dichtungsringe in den Boostern eventuell die Kälte des Winters nicht überstehen könnten. Dem war dann leider auch so.
  • Für mich traten die Shuttles Anfang der 90er Jahre wieder in den Vordergrund, als das Hubble-Teleskop damit in den Weltraum gebracht wurde. Wir erinnern uns an das Desaster, dass Hubble zunächst unscharfe Bilder lieferte, was an einem Fehlschliff des Hauptspiegels lag. Schließlich entschloss man sich, Hubble zu reparieren. Ein Shuttle flog hin, zog das Teleskop in seine Ladebucht und es wurde ihm eine Brille verpasst, welche den Fehlschliff ausglich. Bei der Gelegenheit wurden auch noch eine Kamera und ich meine auch Batterien erneuert. Fünf mal insgesammt flog ein Shuttle zu Hubble, um es technisch zu überholen. Nur diesen Flügen verdanken wir, dass Hubble bis heute nach 30 Jahren noch immer zuverlässig arbeitete und unglaubliche Bilder liefert. Hätten wir heute noch ein Shuttle zur Verfügung, dann wäre ein weiteres Update von Hubble vermutlich durchführbar.
  • Legendär war auch der Weltraumspaziergang und der Flug zum Sonnenobservatorium SMM.
    Ich schrieb darüber in Abenteuer der Reparatur von SMM.
  • Der Bau der Raumstation wäre ohne die Shuttles niemals gelungen, denn niemand sonst besaß auf der Welt eine Raumfähre mit einer so großen Ladebucht und einem so starken Antrieb, um derart schwere Nutzlasten ins All zu befördern. Diese Raumstation fliegt nun auch schon seit über zwanzig Jahren über unseren Köpfen.
  • Schon vor der Raumstation wurde die Ladebucht der Shuttles für Versuche in Schwerelosigkeit genutzt. Man baute hierfür einfach ein modulares Labor mit den Versuchen ein.
  • Ein Flug diente zur Kartierung der Erdoberfläche.
  • Zahlreiche Sonden und Satelliten wurden mit den Shuttles ins All gebracht.
  • Selbst die neuesten Raketen, die uns in einigen Jahren wieder zum Mond bringen sollen, enthalten unglaublich viel Technologie, z. B. Triebwerke, aus den alten Shuttles. Somit kann hier von Fehlschlag keine Rede sein. Viele Erkenntnisse und robuste Technologie aus diesem Programm begleiten die Raumfahrt bis heute. Selbst das Aussehen der neuen Raketen ähnelt dem Shuttle, wie oben beschrieben.

Das Ende des Programms mit dem Unfall 2003, bei welchem leider alle sieben Astronauten ums Leben kamen, war sehr traurig und hart.

Sicher kann man, wenn man in die Geschichte der Shuttles geht, Haare in der Suppe finden, aber so schlecht, wie die Shuttles teilweise gemacht werden, waren sie durchaus nicht. Und wenn auch. Sie waren das einzige, was wir hatten…

Wer mehr über die Shuttles wissen möchte, findet auf Wikipedia alles.

Alles Gute zum 450 Geburtstag, Johannes Kepler


Es erfüllt mich als blinden Menschen mit einem gewissen Stolz, dass wir quasi den größten deutschen Astronomen in „unserer“ Gemeinschaft haben: Johannes Kepler sah sehr schlecht. Seine Seheinschränkung beruhte auf einer Pockenerkrankung. Niemand kann heute sagen, wie viel oder wie wenig Kepler vom Sternenhimmel letztlich mit seiner Seheinschränkung gesehen hat.
Seine Situation verbesserte er selbst, indem er Teleskope mit Sammellinsen entwickelte (Keplerteleskop). Eigentlich wollte Kepler beweisen, dass die Planeten sich auf kreisförmigen Bahnen bewegen und dass diese Bahnen einer kosmischen Harmonie gehorchen. Da dies insbesondere mit der Marsbahn, deren Exzentrizität doch sehr stark von der Kreisbahn abweicht, nicht klappen wollte, schloss er letztendlich, dass Planeten sich auf elliptischen Bahnen um ihre Gestirne bewegen. Die drei von ihm gefundenen Gesetze sind:

  1. Keplersches Gesetz:
    Die Planeten bewegen sich auf elliptischen Bahnen, in deren einem Brennpunkt die Sonne steht.
  2. Keplersches Gesetz:
    Eine von der Sonne zum Planeten gezogene Verbindungslinie, genannt „Fahrstrahl“, überstreicht in gleichen Zeiten gleich große Flächen.
  3. Keplersches Gesetz:
    Die Quadrate der Umlaufzeiten zweier Planeten verhalten sich wie die dritten Potenzen (Kuben) der großen Bahnhalbachsen.

Im Zusammenhang mit Johannes Kepler muss leider auch die Tragödie erwähnt werden, dass seine Mutter mit der Inquisition in Konflikt kam und nur mit Keplers Hilfe einem Hexenprozess entgehen konnte.
Kepler hatte in Tycho Brahe einen ganz hervorragenden Beobachter des Himmels. Tycho kannte den Himmel so gut, dass ihm am Abend des 11. November 1572 die Supernova im Sternbild Kassiopeia auffiel. Er prägte auch den Begriff der „Stella Nova“, da er sie für einen neuen Stern hielt. Von da an war klar, dass die Fixsterne gar nicht so unveränderlich sind wie immer angenommen.
Tycho hatte auch eine leichte Einschränkung. Er verlor in einem Duell seine Nase und trug deshalb eine metallene Nasenprothese.
Der Podcast Radiowissen des Bayrischen Rundfunk hat gestern zu ehren des 450 Geburtstages von Johannes Kepler eine sehr schöne Sendung veröffentlicht, die sehr gut zusammenfasst, was Keplers Leistungen waren.
Ihr könnt sie hier herunterladen und anhören.
Ich erwähnte schon oben, dass Keplers Mutter nur knapp einem Hexenprozess entrinnen konnte. Johannes Kepler setzte sich mit all seinen Netzwerken für sie zum Glück erfolgreich ein.
Wer sich für diese Geschichte interessiert, findet hier mehr Informationen.
Wir hatten im Adventskalender in Türchen 21 erfahren, wie er trotz der Tatsache, dass er völlig mittellos war, seinem Unterstützer ein Geschenk machen konnte, dass die Mathematiker noch über vierhundert Jahre beschäftigen sollte. Alles über deren Kopfzerbrechen, über Schneeflocken und gestapelte Orangen findet ihr in diesem Artikel.
In Türchen 22 konnten wir uns einen akustischen Eindruck davon machen, wie Johannes Kepler sich das vorstellte, dass alle Bahnen der Planeten harmonisch musikalischen Gesetzen gehorchen sollten.
Nicht zuletzt war Kepler ein großartiger Vordenker, was die Reise zum Mond betraf.
Vor langer Zeit schrieb ich über diese Keplersche Mondfahrt.
Wünschen wir Johannes Kepler alles gute. Sein Lebenswerk ist bis zum heutigen Tag unverzichtbar in Raumfahrt und Weltraumforschung.

Bladventskalender21, 15.12. Noch eine Möglichkeit, etwas zu wünschen

Und hier kommt noch ein Strom von Sternschnuppen, der gerne mal vergessen wird. Würdigen wir ihn also weihnachtlich.

Die Ursiden sind ein Meteorstrom, der in der letzten Dezember-Woche beobachtbar ist. Der Ursprung dieses Meteorstromes ist der Komet 8P/Tuttle. Sein Radiant liegt im Sternbild Ursa Minor (Kleiner Bär)
Im Maximum weisen die Ursiden eine Schnuppenhäufigkeit von 10 Meteoren pro Stunde auf. Jedoch wurden vereinzelt auch deutlich höhere Zahlen beobachtet.
Die Ursiden wurden um 1900 von William F. Denning entdeckt, wurden aber erst mal nur wenig beachtet,weil sie eben nicht so viele Sternschnuppen produzierten, wie andere Ströme.
Am 22. Dezember 1945 beobachteten tschechische Astronomen durch Zufall einen kräftigen Ausbruch des Meteorschauers, wobei eine Häufigkeit von über 100 Schnuppen pro Stunde erreicht wurde.
Aufgrund dieser Tatsache, schauten die Astronomen nun etwas genauer hin. Allerdings ließ das Interesse mit der Zeit wieder nach, weil sich diese Ausbrüche scheinbar nicht wiederholen wollten.
Anfang der 1970er Jahre erfolgten weitere Untersuchungen durch britische Amateurastronomen, die zunächst keinen signifikanten Anstieg feststellen konnten.
Durch Radiobeobachtungen wurde jedoch in den Tagesstunden des 22. Dezember 1973 ein kurzer Ausbruch mit einer Schnuppenrate von etwa 30 Meteoren pro Stunde nachgewiesen.
Im Artikel
„Sternschnuppen Sehen und Hören“
beschrieb ich, dass Sternschnuppen ob ihrer Ionisierung auch Radiowellen erzeugen. Das ist dann eine Messmethode, mit der man Sternschnuppen auch am Tag nachweisen kann, wo das Sonnenlicht fast alles andere am Himmel überstrahlt.
Vergleichbar stark traten die Ursiden am 22. Dezember 1979 in Erscheinung, diesmal waren es norwegische Beobachter, die die Meteore am Nachthimmel sichten konnten.
Seit langem war bekannt, dass es sich bei 8P/Tuttle um den Ursprungskometen der Ursiden handelt. Die Umlaufszeit dieses Schweifsterns beträgt 13,5 Jahre. Interessanterweise fielen die beobachteten Ausbrüche der Ursiden in den Jahren 1945, 1973 und 1986 nicht etwa mit der Sonnennähe, sondern mit der Sonnenferne des Kometen zusammen.
Eigentlich sollte es doch so sein, dass mehr Sternschnuppen fallen sollten, wenn der Komet gerade mal wieder bei uns war, und seine Trümmerspur wieder neu aufgefüllt hat.

Zwei Astronomen, Peter Jenniskens und Esko Lyytinen, entwickelten ein Modell, das diese merkwürdigen Ausbrüche durch die Schwerkraftwirkung des Planeten Jupiter zu erklären versuchte, was nicht abwägig wäre.
In der Regel ist Jupiter der Staubsauger unseres Sonnensystems, weil er viele gefährliche Einschläge von uns fern hält, indem er den Gefahren-Brocken aufsaugt, bevor er uns schaden könnte. Die Frage, ob die Erde ohne ihn genügend Ruhe gehabt hätte, dass Leben entstehen könnte, kann man in diesem Zusammenhang durchaus stellen. Es ist hinlänglich bekannt, dass das Aussterben der Dinos wahrscheinlich durch einen großen Asteroideneinschlag und dessen Folgen, verursacht wurde.
Manchmal kann Jupiter uns aber durch seine Schwerkraft auch etwas entgegen schleudern, was in diesem Fall so zu sein scheint.
Dieselben Autoren sagten für den 22. Dezember 2000 – wieder war der Komet in Sonnenferne – einen erneuten Ausbruch der Ursiden voraus.
Die Ergebnisse waren nicht eindeutig. Vor allem Radioechos deuteten auf verstärkte Meteor-Aktivität hin, aber visuelle Beobachtungen verzeichneten keinen nennenswerten Anstieg.
Dass ein Planet einen Kometen oder Asteroiden, der Sternschnuppen produzieren soll, durch seine Schwerkraft beeinflusst, ist durchaus denkbar und auch nachgewiesen.
Dieser, und noch weitere Effekte führen dazu, dass sich Kometen z. B. um wenige Jahre verspäten können.

So schön Sternschnuppen auch sind, so mahnen sie uns stets, dass wir vor größeren Brocken auf der Hut sein müssen. Schön nach zu lesen in
„Droht Gefahr durch Asteroiden aus dem All?“

Bladventskalender21, 13.12. Eine Behauptung

Dieser Text grassierte Mitte der 90er Jahre an vielen technischen Universitäten. Wo der Text her kam und wer ihn seiner Zeit verfasste, ist unbekannt.
Es gibt gar keinen Weihnachtsmann! behauptet zumindest die folgende physikalische Abhandlung.
Damit hat der Verfasser vermutlich recht, aber für den Blindnerd ist die Weihnachtszeit mit allem, was dazu gehört eine ganz wichtige und schöne Zeit. Ich glaube, das hat damit zu tun, dass die nächtlich weihnachtlich beleuchteten Straßen, Häuser, der Weihnachtsmarkt und natürlich der hell erstrahlende Weihnachtsbaum zu den stärksten visuellen Eindrücken gehören, die mir von der Zeit mit Sehrest geblieben sind. Seltsamerweise verwaschen diese Eindrücke nicht, wobei das mit anderen visuellen Alltags-Erinnerungen durchaus schon geschehen ist. Ich träume nicht mal mehr mit Sehrest.
Nun aber Themenwechsel. Jetzt geht es ans Eingemachte. Es folgt nun Weihnachtsphysik. Etwas Humor und Nerdismus ist sehr hilfreich zum Verständnis folgender Abhandlung:

Es gibt gar keinen Weihnachtsmann.
Das sagt jedenfalls die klassische Physik!

  1. Keine bekannte Spezies der Gattung Rentier kann fliegen. ABER es gibt 300.000 Spezies von lebenden Organismen, die noch klassifiziert werden müssen, und obwohl es sich dabei hauptsächlich um Insekten und Bakterien handelt, schließt dies nicht mit letzter Sicherheit fliegende Rentiere aus, die nur der Weihnachtsmann bisher gesehen hat.
  2. Es gibt 2 Milliarden Kinder (Menschen unter 18) auf der Welt. ABER da der Weihnachtsmann (scheinbar) keine Moslems, Hindu, Juden und Buddhisten beliefert, reduziert sich seine Arbeit auf etwa 15 % der Gesamtzahl – 378 Millionen Kinder (laut Volkszählungsbüro). Bei einer durchschnittlichen Kinderzahl von 3,5 pro Haushalt ergibt das 91,8 Millionen Häuser. Wir nehmen an, daß in jedem Haus mindestens ein braves Kind lebt.
  3. Der Weihnachtsmann hat einen 31-Stunden-Weihnachtstag, bedingt durch die verschiedenen Zeitzonen, wenn er von Osten nach Westen reist (was logisch erscheint). Damit ergeben sich 822,6 Besuche pro Sekunde. Somit hat der Weihnachtsmann für jeden christlichen Haushalt mit braven Kindern 1/1000 Sekunde Zeit für seine Arbeit: Parken, aus dem Schlitten springen, den Schornstein runterklettern, die Socken füllen, die übrigen Geschenke unter dem Weihnachtsbaum verteilen,
    alle übriggebliebenen Reste des Weihnachtsessens vertilgen, den Schornstein wieder raufklettern und zum nächsten Haus fliegen. Angenommen, daß jeder dieser 91,8 Millionen Stops gleichmäßig auf die ganze Erde verteilt sind (was natürlich, wie wir wissen, nicht stimmt, aber als Berechnungsgrundlage akzeptieren wir dies), erhalten wir nunmehr 1,3 km Entfernung von Haushalt zu Haushalt, eine Gesamtentfernung von 120,8 Millionen km, nicht mitgerechnet die Unterbrechungen für das, was jeder von uns mindestens einmal in 31 Stunden tun muß, plus Essen usw.
  4. Das bedeutet, daß der Schlitten des Weihnachtsmannes mit 1040 km pro Sekunde fliegt, also der 3.000-fachen Schallgeschwindigkeit. Zum Vergleich: das schnellste von Menschen gebaute Fahrzeug auf der Erde, der Ulysses Space Probe, fährt mit lächerlichen 43,8 km pro Sekunde. Ein gewöhnliches Rentier schafft höchstens 24 km pro STUNDE.
  5. Die Ladung des Schlittens führt zu einem weiteren interessanten Effekt. Angenommen, jedes Kind bekommt nicht mehr als ein mittelgroßes Lego-Set (etwa 1 kg), dann hat der Schlitten ein Gewicht von 378.000 Tonnen geladen, nicht gerechnet den Weihnachtsmann, der übereinstimmend als übergewichtig beschrieben wird.
    Ein gewöhnliches Rentier kann nicht mehr als 175 kg ziehen. Selbst bei der Annahme, daß ein “fliegendes Rentier” (siehe Punkt 1) das ZEHNFACHE normale Gewicht ziehen kann, braucht man für den Schlitten nicht acht oder vielleicht neun Rentiere. Man braucht 216.000 Rentiere. Das erhöht das Gewicht – den Schlitten selbst noch nicht einmal eingerechnet – auf 410.400 Tonnen. Nochmals zum Vergleich: das ist mehr als das vierfache Gewicht der Queen Elizabeth.
  6. 410.400 Tonnen bei einer Geschwindigkeit von 1040 km/s erzeugt einen ungeheuren Luftwiderstand – dadurch werden die Rentiere aufgeheizt, genauso wie ein Raumschiff, das wieder in die Erdatmosphäre eintritt. Das vorderste Paar Rentiere muß dadurch 16,6 TRILLIONEN Joule Energie absorbieren. Pro Sekunde. Jedes. Anders ausgedrückt: sie werden praktisch augenblicklich in Flammen aufgehen, das nächste Paar Rentiere wird dem Luftwiderstand preisgegeben, und es wird ein ohrenbetäubender Knall erzeugt.
    Das gesamte Team von Rentieren wird innerhalb von 5 Tausendstel Sekunden vaporisiert. Der Weihnachtsmann wird währenddessen einer Beschleunigung von der Größe der 17.500-fachen Erdbeschleunigung ausgesetzt. Ein 120 kg schwerer Weihnachtsmann (was der Beschreibung nach lächerlich wenig sein muß) würde an das Ende seines Schlittens genagelt – mit einer Kraft von 20,6 Millionen Newton.
    Damit kommen wir zu dem Schluß:
    WENN der Weihnachtsmann irgendwann einmal die Geschenke gebracht hat, ist er heute tot.

(unbekannter Verfasser)

Bladventskalender21, 12.12., Was wäre Weihnacht ohne Glocken

Ja, was wäre Weihnacht ohne Glocken. Einfach unvorstellbar, wenn ihr mich fragt. Aus diesem Grunde habe ich hinter diesem Türchen einige ganz wunderbare Beispiele für Glockengeläute für euch versteckt. Wir dürfen sogar zwei Ereignissen beiwohnen, wo Glocken direkt gegossen werden. Ich durfte auch mal bei so etwas dabei sein. Es ist unfassbar schön, fast wie ein Vulkanausbruch.
Gerne hätte ich euch zum Schluss dann auch noch das präsentiert, was viele von uns noch in der Schule lernen mussten, die Glocke von Friedrich Schiller. Ich habe sie hier in der am schönsten gelesenen Form, von Gert Westphal. Leider darf ich sie nicht hier einstellen, so dass ich nur auf das Kauf-Hörbuch hinweisen kann. Keine Werbung, nein, aber es lohnt sich wirklich. Keiner liest Deutsche Lyrik und Gedichte so gut, wie Gert Westphal.

So, dann starten wir jetzt zunächst mal mit einem Streifzug durch Deutsche Dome, die die Weihnacht einleuten.

Das war doch schon ganz beeindruckend, nicht wahr?
Da in der Aufnahme der Dom zu Köln angeklungen ist, so hören wir nun mal den Dicken Pitter alleine. Ich finde, er klingt ganz schön verstimmt, als hätte er einen Sprung oder so.

Und jetzt, wo wir so viele Glocken gehört haben, wollen wir doch auch hören und sehen, wie sie gemacht werden.
Hier das Video vom Glockenguss für die Marienkapelle Würzburg
Sie wurden in Passau gegossen.

Und jetzt kommt noch der Glockenguss für die Domkirche Lampertheim. Es kann gut sein, dass die in Karlsruhe gegossen wurden, aber das weiß ich nicht genau.

Und da man im Internet alles findet, kommt hier noch eine ganz schön gelesene Version der Glocke von Friedrich Schiller, aber ich bleibe dabei. Eigentlich ist die kostenpflichtige Version, gelesen von Gert Westphal, ungeschlagen die beste.

Große Vortragsankündigung zu „Blind zu den Sternen

seid herzlich gegrüßt,,
hier kommt eine Ankündigung, die ich zwischen den Adventskalender einschieben muss.
Heute lege ich zu meinem Adventskalender auf Blindnerd.de noch einen drauf.

ein großer Traum wird sich erfüllen. An kommendem Dienstag darf ich für die Online-Reihe FasziAstro des Hauses der Astronomie von 19:00 – 19:30 Uhr einen öffentlich gestreamten Vortrag zum Thema „Blind zu den Sternen“ halten. Hiermit lade ich euch dazu herzlich ein. Ihr findet den Link unten in der Ankündigung.
Man kann sich jetzt sogar auf Youtube schon das Häkchen für eine Erinnerung setzen.

Noch nie wurde eine Veranstaltung von mir öffentlich über Youtube gestreamt. Na, immerhin hat die Technikprobe heute mit dem Haus der Astronomie über deren Streamingdienst, den ich bisher noch nicht kannte, schon mal perfekt funktioniert. Alles, was ich brauche, ist dort zugänglich bedienbar. Eine Sorge weniger also.

Aufgeregt bin ich trotzdem.
Inhaltlich werde ich im Vortrag meinen Weg zur Astronomie mit meiner Blindheit aufzeigen. Ich werde einige Geschichten erzählen, es wird für die Gucklinge auch viel zu sehen geben und natürlich werden auch Weltraum-Sounds erklingen.

Ich würde mich freuen, wenn jemand die Gelegenheit nutzen würde, mal auf einen meiner Vorträge zu kommen, ohne, dass man reisen muss. Und wer gerne gekommen wäre, darf ich trösten. Der Vortrag ist unter dem Link unten in diesem Beitrag noch immer verfügbar und darf gerne nachgehört werden.

Hier nun noch der Link, den ihr auch gerne teilen dürft.

Morgen geht es dann in gewohnter Weise mit dem Bladventskalender weiter.
Herzliche Grüße

Bladventskalender21, 10.12, War der Weihnachtsstern vielleicht ein Komet

Kometen waren stets Bringer, meist von Unheil im weitesten Sinne. Sie erschienen unangekündigt und verschwanden wieder. Man wusste nicht, was sie waren und auf welchen Bahnen sie sich bewegten. Darüber schrieb ich in Kometengeschichten 4.
So begann die christliche Theologie, stark vom Hellenismus und griechischer Metaphysik geprägt, nach dem Stern von Betlehem zu fanden. Origenes, Theologe aus der hellenistischen Schule von Alexandria vertrat dokumentiert als einer der ersten die Meinung, der Stern von Betlehem sei ein Komet gewesen, weil sich große Veränderungen und Ereignisse in der Welt häufig durch Kometen ankündigten.

Seit Beginn des 14. Jahrhunderts stellen Künstler den Stern von Betlehem als Kometen dar: so als einer der ersten Giotto di Bondone aus Florenz, nachdem er 1301 den Halleyschen Kometen beobachtet hatte, von dem schon antike Quellen recht oft berichten. Beeindruckt davon malte er zwei Jahre später diesen auf dem Fresko Anbetung der Könige „in der Scrovegni-Kapelle in Padua als Stern von Betlehem.

Es gibt chinesische und koreanische Hinweise über eine derartige Himmelserscheinung des Jahres vier oder fünf n. Chr.
Heute geht man davon aus, dass der chinesische Bericht einen Datierungsfehler enthalten könnte. Man schreibt deren Ereignis aufgrund anderer Hinweise heute eher einer Nova zu.
Gegen die Kometen-Theorie spricht:

  • Der Halleysche Komet war zwischen Oktober 12 v. Chr. und Februar 11 v. Chr. sichtbar, der Erde am nächsten war er am 29. Dezember 12 v. Chr. nach dem gregorianischen Kalender.[5] Die Geburt Jesu wird dagegen zwischen 7 und 4 v. Chr. (Tod des Herodes) angesetzt.
  • Kometen sind irregulär auftauchende Himmelskörper, die nach dem Volksglauben um Christi Geburt meist mit Unheil, nicht mit Heil, verbunden wurden.
  • Die Weisen aus dem Osten hätten nicht wissen können, dass gerade dieser Komet mit der Geburt eines bestimmten Königs in Israel oder Juda zusammenhängt.
  • Die Erscheinung eines Kometen wäre nicht nur den Weisen, sondern auch vielen anderen aufgefallen. Uns sind aber keine außerbiblischen Überlieferungen bekannt.
  • Ein Komet hätte keinen exakten Ort markiert und wäre nicht an einer bestimmten Stelle stehengeblieben.

Der Stern bleibt also ein Mysterium, ein Weihnachtswunder, an welchem wir uns stets neu erfreuen und darüber staunen dürfen.

Bladventskalender21, 07.12, Die Herkunft des Goldes auf Erden

Weihnachtszeit bedeutet Lichtertzeit.

  • Da gibt es Goldengel,
  • in goldenes Stanniol eingepackte Schokoladentaler,
  • goldenes Lametta,
  • Goldstaub,
  • goldene Sterne und vieles goldene mehr.
  • Nicht zuletzt beschenkt man sich gerne auch mal zu Weihnachten mit Goldschmuck.

Gold steht für Glanz, für Licht, für Reinheit und für hohen Wert.
Letzteres deshalb, weil Gold so selten hier auf Erden ist. Es macht viel Mühe, es zu finden und aus der Erde zu holen.
Die Kernverschmelzung von Wasserstoff zu Helium, ist der Prozess, aus welchem wir unsere Sonnenwärme, ihr Licht etc. empfangen.
Vier Wasserstoff-Atome bestehend aus jeweils einem Proton im Kern und einem das Proton “umkreisenden” Elektron werden zu einem Helium-Aton mit zwei Protonen und zwei Neutronen im Kern, und zwei Elektronen, die diesen “umkreisen” verschmolzen.
Das Helium-Atom wiegt etwas weniger, als vier Wasserstoffatome,
Diese kleine Massendifferenz wird als Energie in Form von Neutrinos und dem, was wir letztlich als Sonnenwärme empfangen, davon getragen.
Als unsere Sonne vor etwa viereinhalb Milliarden Jahren ihren Wasserstoff “zündete”, in Anführungszeichen, weil es sich hierbei um kein Feuer handelt, sondern um eine Kernfusion, waren die ersten riesigen Wasserstoff-Sterne schon vergangen und haben ihre Asche, die chemischen Elemente ins Weltall geblasen.
Jedes chemische Element, das eine Vorläufer-Gaswolke, die ein Kandidat für einen Stern sein könnte, eingefangen hat, und das nun in ihm enthalten ist, verrät sich durch sein ganz charakteristisches Licht, sobald er seine Lampe, die Kernfusion in seinem Inneren, eingeschaltet hat. Somit hat jeder Stern, zumindest derselben Generation oder Entstehungsortes, einen quasi eigenen Fingerabdruck, denn Sterne entstehen oft gemeinsam in Gebieten mit den selben chemischen Eigenschaften.
Hat nun beispielsweise ein Stern, der Masse unserer Sonne etwa nach 10 Miliarden Jahren ihren Wasserstoff zu Helium verbacken, dann setzen andere Kernverschmelzungen in diesem Backofen ein.
Hier entsteht dann beispielsweise der Kohlenstoff(C12), der Sauerstoff(O16), Stickstoff(N14), Phosphor und weitere Elemente, die für uns lebensnotwendig sind.
In einem Stern, der mit unserer Sonne vergleichbar ist, kann aber kein schwereres Element, als Eisen entstehen, weil man Energie zuführen müsste, um schwerere Elemente, wie Blei, Wissmut und auch Gold zu erzeugen. Bisher hatten wir immer Glück. Aus Wasserstoff wird Helium und Energie. Daraus wird dann bis zum Eisen hin immer etwas und dazu noch Energie. Ab Eisen wirds dann nicht mehr kostenlos. Will man mehr, muss man Energie hinzu fügen, um schwereres zu bekommen. Die hat unsere Sonne nicht und kann sie sich auch nirgendwo pumpen.

Woher kommt dann das viel schwerere Gold? Wer spendete die Energie dafür?
Dazu müssen wir die alten Riesensterne betrachten, die zwar schon längst vergangen sind, aber deren Licht Milliarden Von Jahren uns von ihrer ehemaligen Existenz kündet.
Ein Riesenstern beendet sein Leben deutlich fulminanter, als es unsere kleine Sonne tun wird. Hat so ein Monster seinen Wasserstoff je nach Größe schon nach einigen Millionen von Jahren verbraten, dann endet er in einer riesigen Explosion, einer Nova oder Supernova. Es gibt verschiedene Szenarien und Typen von Novae, die hier jetzt nicht näher behandelt werden können.
Unsere Sonne ist klüger und geht ob ihres wenigeren Gewichtes gewissenhafter mit ihrem Wasserstoff-Brennstoff um. Sie wird noch mindestens fünf Milliarden Jahre für uns leuchten. Stimmt zeitlich zwar, aber, naja… Ein andermal davon.
Also bei Novae-Explosionen wird so viel Energie frei, dass auch schwerere Elemente über das Eisen hinaus entstehen können.
Es ist allerdings fraglich, ob wirklich alle Elemente so gebacken werden, ob die hier frei werdende Energie dafür ausreicht. Vermutlich nicht. Es sollte also noch einen anderen Mechanismus mit mehr frei werdender Energie geben, der dann das Periodensystem noch mit den schweren fehlenden Elementen, wie Gold anfüllt.

„Jezt sag uns doch endlich, Du geschwätziger Astronom, wo es her kommt!!!“
Die Steinplaneten, wie Merkur, Venus, Erde und Mars enthalten nun alle Elemente, also auch Gold.
Auch unsere Sonne hat etwas Gold mit bekommen. Man hat es inzwischen in ihrem Licht nachgewiesen. Im Verhältnis zu Wasserstoff und Helium ist das wirklich nur in Spuren dort enthalten, aber würde man das Gold der Sonne auf die Erde bringen, dann purzelten die Goldpreise ins Bodenlose und wir würden unsere Pausenbrote vielleicht in Goldfolie verpacken…
Seit wenigen Jahren ist uns noch eine andere Weihnachtsbäckerei bekannt, in welcher vermutlich noch viel effektiver Gold, Platin und andere wertvolle schwere Elemente gebacken werden.
Sehr häufig entstehen Sterne, welcher Größe auch immer, nicht alleine, sondern in Paaren.
Unsere Sonne ist alleine. Es gibt durchaus die Vermutung, dass sie ihre Schwester verloren hat. Man sucht tatsächlich nach Sternen, die den gleichen chemischen Fingerabdruck haben, wie unsere Sonne.
Ist nun ein ausgebrannter Sternrest nach seiner Nova noch etwa das anderthalb fache bis zu etwa dem vier fachen der Sonne schwer, endet er nicht wie sie, als weißer Zwerg, der dann langsam auskühlt und verblasst, sondern ihm ist ein andereres Ende beschieden.
Ein Szenario, wie so ein schwerer Stern enden kann, ist ein Neutronenstern. Er ist so dicht, dass die Elektronen der Atome in die Protonen der Kerne gedrückt werden.
Er besteht nun aus entarteter Materie, die es auf Erden nicht gibt.
Dieser Sternenrest hat vielleicht einen Durchmesser von 30 – 40 Kilometern und ist das anderthalb bis das dreifache unserer Sonne schwer, die einen Durchmesser von 1,4 Mio Kilometer besitzt.
Nur am Rande: Noch schwerere Sternreste enden als schwarze Löcher.
Ich sagte schon, dass Sterne oft zu zweit vorkommen.Somit kann es natürlich auch sein, dass beide, wenn sie ähnlich schwer sind, ihr Leben als Neutronensterne beenden.
Kreisen nun zwei Neutronensterne umeinander, so verliert das System langsam Energie, die in Form von Gravitationswellen davon getragen wird. Diese Wellen sind sehr schwach, aber man kann sie mittlerweile mit riesigen Detektoren messen.
Albert Einstein, der sie postulierte, hätte seine Freude daran, denn er dachte nicht im Traum daran, dass wir sie einst nachweisen können werden.
Über den Nachweis von Gravitationswellen schrieb ich vor einigen Artikeln.
Es ist nun gelungen, die Gravitationswellen eines Zusammenstoßes zweier Neutronensterne zu messen und gleichzeitig mit optischen Teleskopen in diese richtung zu schauen.
Dort fand man, im Lichte des Crashs, , dass diese Bäckerei noch viel effektiver alle chemischen Elemente backen kann, als irgendwelche Novae, seien sie auch noch so heftig.
Die hier frei werdende Energie reicht aus, alle Bausteine des Lebens und des Universums zu erzeugen.
Aus so einem Inferno, wo zwei Neutronensterne zusammenkrachen, entstehen ungefähr drei Erdmassen reinen Goldes. Das scheint viel, ist es aber nicht. Bedenken wir, dass jeder am Crash beteiligter Neutronensterne deutlich mehr, als unsere Sonne wiegt. Und bedenken wir dann auch, dass es sich hier nicht um einen Goldklumpen handelt, der jetzt am Stück durch das Weltall vagabundiert, sondern um Gold-Ionen, oder ganz feinen Goldstaub, der in alle Richtungen kugelförmig um die Unfallstelle herum fast mit Lichtgeschwindigkeit ins All geblasen wird. Nimmt man jetzt noch die riesigen Entfernungen von vielleicht Milliarden Lichtjahren zu uns an, dann dürften die Erwartungen von Spekulanten, Börsenmäklern und Schmuckherstellern bald schwinden, dass wir auf einen “Goldregen” hoffen dürfen. Wie oben schon angedeutet, wäre das Gold schließlich wertlos, wenn es plötzlich in rauen Mengen verfügbar wäre.
Gold ist so selten, weil wir alle Kinder des Feuers sind.
Damit Leben hier auf Erden chemisch überhaupt möglich wurde, dafür mussten bereits einige Sterne der ersten Generation ihr Leben lassen, um das Universum mit ihrer Asche, den chemischen Elementen, zu füllen. Denken wir immer daran, wenn wir uns an Gold erfreuen, das Leben den Tot bringt und umgekehrt.
Ist das nicht auch ein Paradox unserer Christenheit?
Gold könnte vom Anfang des Universums stammen.
Es ist sehr alt, und hat einen weiten Weg bis zu uns hinter sich.
Die sicherste Methode es vor Raub zu schützen ist, es einfach in einem Stern zu verstecken, wie es unsere Sonne tut. Ihr Licht bringt uns die Botschaft: “Ätsch, schaut mal. Ich hab viel davon, aber hole es Dir doch, wenn Du kannst…”