In der stillen, festlichen Zeit des Jahres, wenn die Nächte am längsten und die Sterne am klarsten leuchten, richtet sich unser Blick oft nach oben – zum funkelnden Himmelszelt. Dort, wie ein silbernes Band aus Licht, zieht sich unsere Milchstraße über das Firmament. Sie wirkt wie ein kosmisches Wunder, ein Geschenk der Natur, das uns in Ehrfurcht und Staunen versetzt.
Ein Band aus Licht
Die Milchstraße, unsere galaktische Heimat, besteht aus Milliarden von Sternen, Planeten, Gaswolken und Dunkler Materie. Was wir am Nachthimmel sehen, ist nur ein kleiner Ausschnitt: das Band ihrer Scheibe, das sich über unsere Köpfe spannt. In dunklen, klaren Nächten wirkt sie wie ein verschneiter Pfad, ein Anblick, der perfekt zur Weihnachtszeit passt.
Die Milchstraße erinnert uns daran, wie winzig wir im Vergleich zu den Weiten des Universums sind und gleichzeitig, wie wertvoll unser Platz in diesem Kosmos ist. Besonders zu Weihnachten, wenn die Geschichten von Frieden, Hoffnung und Wundern lebendig werden, lädt sie uns ein, über die Größe des Universums und die Verbundenheit aller Dinge nachzudenken.
Ja, die Milchstraße ist von zahlreichen Mythen und Geschichten umwoben, die perfekt zur Weihnachtszeit und ihrer Stimmung von Wundern und Lichtern passen. Hier ist eine besonders schöne:
Sternenstraße der Seelen
Die Milchstraße entstand, so heißt es, als die Göttin Hera den kleinen Herakles, das Kind ihres Mannes Zeus mit einer Sterblichen, unwissentlich stillte. Herakles trank so kräftig, dass Hera ihn von ihrer Brust wegstieß und dabei ein Tropfen ihrer Milch in den Nachthimmel spritzte. Aus diesem göttlichen Tropfen wurde die Milchstraße – ein ewiges Band aus Licht, das Götter und Menschen verbindet.
Aber es gibt auch eine andere, universellere Interpretation: Die Milchstraße ist der Weg, auf dem die Seelen von der Erde in die Ewigkeit gelangen. In dieser Vorstellung trägt sie die Hoffnung und das Versprechen, dass das Leben auf der Erde nicht das Ende ist, sondern der Anfang einer kosmischen Reise.
Dieser Mythos fügt sich wunderbar in die Weihnachtszeit ein, die oft mit Licht und Hoffnung in der Dunkelheit assoziiert wird. Wie der Weihnachtsstern in der christlichen Tradition den Weg zu einer großen Veränderung zeigte, so leuchtet die Milchstraße als Sternenstraße der Seele – ein Zeichen dafür, dass wir in einem größeren, universellen Plan eingebettet sind.
Ein kosmisches Wunder feiern
Wenn wir zur Weihnachtszeit die Kerzen am Baum anzünden, können wir uns die Sterne der Milchstraße vorstellen – kleine Lichtpunkte, die zusammen eine größere Geschichte erzählen. Wie die Milchstraße uns als galaktische Gemeinschaft vereint, so erinnert uns Weihnachten daran, dass wir hier auf der Erde eine menschliche Gemeinschaft bilden.
Lasst uns in diesem Jahr das Wunder unserer galaktischen Heimat feiern – eine Einladung, das Leben zu schätzen und die Sterne immer wieder neu zu betrachten. Denn wie die Milchstraße, so ist auch die Weihnachtszeit ein Moment, um innezuhalten und das Licht zu feiern, das selbst die dunkelste Nacht erhellt.
Dunkle Materie: Das unsichtbare Weihnachtswunder des Universums
Die Weihnachtszeit ist eine Zeit der Wunder, des Staunens und der unergründlichen Geheimnisse. Während wir uns über den glitzernden Sternenhimmel und die schimmernden Lichter auf der Erde freuen, liegt über uns ein unsichtbares Wunder, das seit Jahrzehnten die Wissenschaftler in Staunen versetzt: die Dunkle Materie.
Ein unsichtbarer Schleier
Dunkle Materie macht etwa 27 % der gesamten Materie im Universum aus, doch wir können sie weder sehen noch direkt messen. Sie sendet kein Licht aus und reflektiert keines. Wie ein unsichtbarer Schleier durchdringt sie das Universum und hält Galaxien zusammen – ähnlich wie das Weihnachtsgeheimnis, das in der Luft liegt und uns alle auf magische Weise verbindet.
Wissenschaftler wissen, dass Dunkle Materie existiert, weil ihre Gravitationskräfte das Verhalten von Sternen und Galaxien beeinflussen. Ohne sie könnten Galaxien, wie wir sie kennen, nicht existieren, da die sichtbare Materie allein nicht genug Masse hätte, um sie zusammenzuhalten.
Im letzten Blindnerd-Adventskalender stellte ich Vera Rubin vor. Sie wirkte maßgeblich bei der indirekten Entdeckung der dunklen Materie mit.
Der unsichtbare Weihnachtsbaum
Dunkle Materie ist wie ein unsichtbarer Weihnachtsbaum.
Stellen wir uns vor, unser Universum sei ein wunderschön geschmückter Weihnachtsbaum, der sich auf seinem Ständer auch noch dreht. Die Sterne, Planeten und Galaxien sind die leuchtenden Kugeln und Lichter. Doch was diesen Baum stabil hält, ist das unsichtbare Geäst – in unserem Fall die Dunkle Materie. Ohne sie würde der funkelnde Weihnachtsbaum, der funkelnde Kosmos durch die Fliehkräfte seiner sich drehenden Teile, auseinanderbrechen. Alles flöge in alle Richtungen davon.
Ein Wunder zum Staunen
Die Erforschung der Dunklen Materie erinnert uns daran, wie viel es noch zu entdecken gibt. Genau wie ein Kind an Weihnachten, das staunend vor dem Baum steht, blicken Wissenschaftler mit kindlicher Neugier in den Kosmos. Jeder neue Hinweis, jedes Experiment, das einen Schritt näher an die Lösung dieses Rätsels bringt, ist wie das Öffnen eines Türchens im Adventskalender, Ein kleiner Vorgeschmack auf das große Wunder.
Ein weihnachtlicher Gedanke
Vielleicht ist die Dunkle Materie auch eine Erinnerung daran, dass nicht alles, was wichtig ist, mit bloßem Auge zu sehen ist. Liebe, Freude und Hoffnung – all das sind unsichtbare Kräfte, die uns in der Weihnachtszeit bewegen und die Welt zusammenhalten. So wie die Dunkle Materie die Galaxien.
Lasst uns in dieser stillen, heiligen Nacht nicht nur die funkelnden Sterne betrachten, sondern auch an die unsichtbaren Wunder denken, die das Universum – und unser Leben – so außergewöhnlich machen.
es ist nun wieder so weit, und der BlAdventskalender öffnet wieder seine Türchen. In diesem Jahr stelle ich den Kalender ganz ins Zeichen des Staunen und Wunderns. Am Anfang steht immer das Staunen, und dann das Verstehen.
Auch in diesem Jahr administriere ich wieder den Weihnachtskalender des Arbeitskreises BLAutor. Somit bekommt ihr quasi zwei Türchen geboten. Ein Astronomisches und ein Literarisches. Öffnen wir also nun Türchen I des kosmischen Weihnachtskalenders des Staunen und Wunderns.
Der Anfang:
Die Weihnachtszeit ist eine Zeit der Geschichten, des Lichts und der Hoffnung – ein Fest, das uns innehalten lässt, um über den Ursprung von allem nachzudenken. In dieser besinnlichen Atmosphäre lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und die Verbindung zwischen der Geburt des Universums, der Schöpfungsgeschichte und der Geburt Christi zu betrachten.
Der Urknall: Der Beginn von allem
Vor etwa 13,8 Milliarden Jahren begann alles mit dem Urknall – einer Explosion unfassbarer Energie und Materie. Aus diesem winzigen, unglaublich dichten und heißen Punkt entstand das Universum. In den ersten Sekunden wurden die Bausteine des Lebens geschmiedet: Wasserstoff, Helium und ein Hauch Lithium. Diese Elemente bildeten später Sterne, Galaxien und letztendlich uns selbst.
Die Wissenschaft beschreibt den Urknall als den Beginn von Zeit und Raum, als die Geburt eines kosmischen Wunders, das sich seitdem ausdehnt und entfaltet. Doch für viele Menschen bleibt die Frage: Was war vor dem Urknall? War es Gott, der in einem kreativen Akt den Funken des Lebens entzündete?
Die Schöpfungsgeschichte: Glaube und Ursprung
Die biblische Schöpfungsgeschichte erzählt von einem Schöpfer, der in sechs Tagen die Welt formte: Licht und Dunkelheit, Himmel und Erde, Pflanzen und Tiere, und schließlich den Menschen. Während diese Geschichte oft als Gegensatz zur wissenschaftlichen Sicht verstanden wird, sehen manche in ihr eine tiefere Wahrheit. Sie könnte die Frage beantworten, warum es das Universum gibt, während die Wissenschaft erklärt, wie es entstand.
Weihnachten: Eine neue Geburt des Lichts
Weihnachten erinnert uns an die Geburt Christi – ein Ereignis, das symbolisch für einen Neubeginn und Hoffnung steht. Es fällt nicht zufällig in die dunkelste Zeit des Jahres, denn inmitten dieser Dunkelheit leuchtet das Licht am hellsten. So wie der Urknall das Licht in die Dunkelheit des Nichts brachte, erinnert Weihnachten daran, dass aus Dunkelheit neues Leben und Hoffnung entspringen können.
Wissenschaft und Glaube: Ein harmonischer Tanz?
Interessanterweise beginnt das Evangelium nach Johannes mit den Worten: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ Diese Formulierung erinnert an den Anfang des Universums – den Moment, in dem Energie, Information und Ordnung aus dem Chaos entstanden. Könnte der Urknall das „Wort“ Gottes gewesen sein?
Der moderne Kosmologe sieht in der Wissenschaft keine Konkurrenz zum Glauben, sondern eine Möglichkeit, das „Wie“ und „Warum“ gemeinsam zu erkunden. Für manche Astrophysiker wie George Lemaître, den Vater der Urknalltheorie und zugleich Priester, sind die kosmischen Gesetzmäßigkeiten ein Beweis für die Handschrift eines Schöpfers.
Ein kosmisches Weihnachtswunder
In einer sternenklaren Nacht zur Weihnachtszeit spüren wir die Verbindung zum Kosmos besonders intensiv. Jeder Stern, den wir sehen, ist ein Zeugnis des Urknalls, ein Licht, das uns über Millionen Jahre hinweg erreicht. Gleichzeitig erinnern uns die Krippe und das Jesuskind daran, dass jedes Leben einzigartig und wertvoll ist – ein kleines Wunder im großen Universum.
Vielleicht ist es genau diese Dualität – das Unermessliche des Kosmos und die Intimität einer Geburt –, die Weihnachten so besonders macht. Es vereint die großen Fragen des Seins mit der persönlichen Erfahrung von Liebe, Licht und Hoffnung.
Fazit
Ob Du den Stern von Bethlehem als ein kosmisches Phänomen betrachtest, als Symbol für Hoffnung oder als eine Botschaft Gottes – die Weihnachtszeit lädt uns ein, den Blick gen Himmel zu richten und über unseren Platz im Universum nachzudenken. Der Urknall und die Schöpfungsgeschichte mögen auf den ersten Blick unterschiedlich erscheinen, doch beide erzählen von einem Wunder: dem Wunder des Seins.
Macht in diesem Advent einen Moment Pause, blickt in die Sterne, und lasst euch von der Größe des Universums und der Bedeutung jedes einzelnen Lebens inspirieren.
Literarische Zugabe
So, und nun gibt es wieder die Verlinkung zu unserem literarischen Türchen von BLAutor. Zum BLautor-Adventskalender
Meine lieben,
Ihr Abonnenten des Blogs, Bitte nicht wundern, dass die Benachrichtigung und der Link zu diesem Weihnachtsnewsletter vom letzten Jahr erst jetzt kommt. Vor den Adventskalendern und allem kam ich nicht dazu.
Jetzt habe ich ihn hier einfach noch so untergeschoben, als wäre er schon am 24.11.2024 veröffentlicht worden…
Also:
hier teile ich mit euch eine Folge eines Astro-Newsletters, die ich gestalten durfte. Es ist nun schon das zweite mal, dass mir auf diesem Newsletter diese Ehre zu Teil wird.
Dank an Eberhard, den Macher des Newsletters.
Also los:
Astro-Briefing und Jahreszeiten-Newsletter – gültig für die KW 48 vom 21. bis 27. Dezember 2024
4. Jahrgang; Newsletter Nr. 208; Abonnenten: 236
Eberhard sagt:
Liebe Freundinnen und Freunde des Astro-Newsletters,
schon vor einiger Zeit, als ich begann, mich mit Konzepten für „Astronomie für blinde und sehbehinderte Menschen“ zu befassen,
entdeckte ich im Internet zahlreiche Beiträge von Gerhard Jaworek, der als blinder Astronom seine Homepage „Blindnerd“ aufgebaut hat.
Wir haben Kontakt zueinander aufgenommen und wir arbeiten seitdem immer wieder zusammen. Auf diese Weise hat Gerhard schon vor einiger Zeit einen Beitrag für meinen Newsletter geschrieben.
Nun habe ich ihn gefragt, ob er mal eine Newsletterausgabe komplett übernehmen möchte und er hat dieser Idee sofort begeistert zugestimmt. Danke, lieber Gerhard!
Und los gehts – Bühne frei für Gerhard:
1) Zu meiner Person:
Hier nochmal eine kleine Vita für vor allem diejenigen, welche seit meines ersten Gastbeitrages Anfang 2023 noch nicht dabei waren.
Am 21. Februar 1969 wurde ich als fünftes von sechs Kindern in Schopfheim geboren. Da ich zwei Monate zu früh das Licht der Welt erblickte, musste ich zunächst in den Brutkasten.
Nicht selten, so auch bei mir, führte dies zu einer Augentrübung, die der Grund für meine Blindheit ist.
Aufgewachsen bin ich mit meinen zwei Brüdern und drei Schwestern in einer Arbeiterfamilie.
Somit führte vor allem mein Vater uns schon als Kinder an technische Dinge heran und lehrte uns den Umgang mit Werkzeug und Werkstoffen wie Holz.
Von meiner Mutter wurden wir schon als Kinder stets zur Arbeit und Mithilfe in Haus, Hof und Garten herangezogen. Jeder musste für alle etwas übernehmen und war dafür verantwortlich.
Dass ich in einer solchen Umgebung aufwachsen durfte, förderte natürlich mein Interesse an technischen Dingen, und führte mich letztlich zu meinem Lieblingshobby, der Astronomie.
Wie alle Kinder meines Alters wuchs auch ich ganz selbstverständlich im Schatten von Captain Kirk und seiner Enterprise auf.
Star Wars, Raumpatrouille und viele andere beeindruckten mich schon immer sehr. Stets mochte ich Handlungen mit viel technischem Bezug.
Außerdem faszinierten mich die futuristischen Geräusche darin sehr. Und so blieb ich dabei hängen.
Ich veranstalte mittlerweile Freizeiten, Vorträge und Sendungen darüber, wie man als blinder Mensch Astronomie treibt, habe das Buch
„Blind zu den Sternen – Mein Weg als Astronom“ geschrieben und führe den Blog „blindnerd.de“
Nicht zuletzt bin ich seit 2013 das erste und einzige blinde Mitglied der Deutschen Astronomischen Gesellschaft.
Und immer mehr Menschen nennen mich den Sternenonkel…
Mein Buch findet ihr unter
Auf meinen Blog kommt ihr mit
https://blindnerd.de
Portrait von Gerhard
Und hier die Beschreibung des Bildes mit Hilfe von ChatGPT:
Das Bild zeigt einen Mann mit grauem Haar und Bart, der lächelt und die Augen geschlossen hat. Er trägt einen grauen Kapuzenpullover mit der Aufschrift „SUPERIOR QUALITY DIVISION Crafted“.
In seinen Händen hält er ein Buch mit dem Titel „Blind zu den Sternen: Mein Weg als Astronom“ von Gerhard Jaworek. Im Hintergrund sind zwei Poster an der Wand.
Das linke Poster bewirbt eine Veranstaltung mit dem Titel „Blind zu den Sternen“ am 25.11.23 um 18:00 Uhr im Schulzentrum.
Das rechte Poster ist für einen „Literatursalon“ mit Gerhard Jaworek am 12. Februar 2015 um 19:00 Uhr in Hannover.
Frage an GPT: „Siehst Du noch mehr im Hintergrund?“
Im Hintergrund, auf dem linken Poster, sind mehrere kleine Bilder zu sehen, darunter eines mit einem Teleskop und ein weiteres mit einer Person, die durch ein Fernglas schaut. Auf dem rechten Poster ist ein Bild von einer Galaxie oder einem Nebel abgebildet. Beide Poster sind an einer weißen Wand befestigt. Darunter befindet sich ein weißes Regal, in dem einige Ordner oder Bücher stehen.
2) Blind und Astronomie? Wie soll das gehen
Außer unserer Sonne habe ich noch nie einen Stern am Himmel gesehen.
Aber den Mond durfte ich vor etwa dreißig Jahren einmal durch ein Teleskop sehen. Hier ganz kurz die Geschichte dazu:
Ich hatte vor etwa 30 Jahren die Möglichkeit, eine Sternwarte zu besuchen, die auf dem Dach eines Gymnasiums installiert war. Schon aus purem Interesse nahm ich daran teil. Damals verfügte ich zwar noch über einen ganz kleinen Sehrest, konnte etwas hell und dunkel sehen, glaubte aber nicht im Traum daran, dass ich etwas im Teleskop sehen könnte.
Da bei dieser Führung in erster Linie Sehende und Menschen mit Restsehvermögen anwesend waren, öffnete der Astronom das Teleskop und richtete es zunächst auf den Vollmond aus.
Nur aus Neugier, wie es sich physisch anfühlt, durch ein Teleskop zu sehen, legte ich mein linkes Auge mit der Helldunkel-Fähigkeit an. Und da geschah es: Ganz schwach, aber sehr deutlich konnte ich die Scheibe des Mondes erkennen. Ein Aufschrei, ein Hüpfer. Dann verifizierten wir das Ganze. Der Astronom verstellte das Teleskop und ich konnte ihm jeweils sagen, wann der Mond zu sehen war und wann nicht. Einbildung war somit ausgeschlossen.
Nur dieses eine Mal gewährte mir mein Leben den Blick durch dieses Fenster. Diese Mondscheibe liegt noch immer wie ein leuchtender Schatz in meinem Herzen und wird mich das ganze Leben lang begleiten.
Erinnerungen verwischen mit der Zeit. Diese ist aber bisher unverändert klar und deutlich präsent. Schon wenige Monate nach diesem Ereignis verschlechterte sich mein Sehvermögen derart, dass ich den Vollmond mit dem stärksten Teleskop der Welt nicht mehr hätte sehen können.
Und wer sich jetzt fragt, ob ich darüber traurig bin, dem rufe ich ein freudiges „nein“ zu.
Ich habe ihn ja gesehen. Einmal und nie wieder.
Mond hin oder her. Es bleiben genügend Gründe, sich auch als Mensch mit Blindheit mit der Astronomie zu beschäftigen.
Hier nur einige kurz angerissen, denn ausführlicher beschrieb ich diese in Nummer 109 dieses Newsletters, auf meinem Blog und natürlich in meinem Buch.
Zunächst ist die Astronomie etwas für Alle, weil sie sich mit Fragen beschäftigt, die uns alle umtreiben und angehen. Woher kommen wir, wohin gehen wir, war es ein Gott…
Nur etwa vier Prozent dessen, was sich im Universum befindet, ist visuell theoretisch sichtbar. Bei 96 % handelt es sich also um Dinge, die sich den Augen sowieso entziehen. Gleichberechtigung also.
Die meisten Dinge in der Astronomie spielen sich mittlerweile nicht mehr im visuellen Bereich ab.
So müssen Infrarot-Aufnahmen auch für sehende Astronom:innen künstlich eingefärbt und aufbereitet werden.
Das ist mit heutiger Technologie auch taktil möglich, so dass ich derlei ertasten kann. Die NASA stellt aufbereitete Fotos des Hubble-Teleskop für Prägedrucker zum Download bereit.
Auf einer Jahrestagung der IAU in Wien durfte ich diese Modelle im ‚Rahmen eines Inklusions-Tages vorführen. Dort merkte ich, dass es weltweit ganz viele Menschen gibt, die Astronomisches taktil für blinde Menschen aufbereiten.
Einen schönen Artikel und viele Bilder dazu findet ihr auf
3D-Druck und dessen Verfügbarkeit hat die Astronomie für Menschen mit Blindheit deutlich zugänglicher gemacht. Ich habe Modelle von Planeten, Kometen, Raketen und mehr.
Ein Beispiel, wie ich mich auf dem Mond orientieren kann, findet ihr unter
Vieles aus Astronomie und Astrophysik kann sonifiziert (verklanglicht) werden.
Die Idee, dass die Bewegungen von Himmelskörpern, z. B. von Planeten musikalisch- harmonischen Gesetzen gehorchen sollten, geht bis auf Pythagoras und die alten Griechen zurück. Selbst Johannes Kepler versuchte in einem seiner Bücher noch, die Bahnen der Planeten auf Musiknoten abzubilden. Da liegt es doch nahe, dass man diesem Gedanken noch heute, wo wir über Computer und Sound-Systeme verfügen, nochmal auf den Grund gehen wollte.
Im Bereich der Radioastronomie kann man ganz vieles auch hören, z. B. Magnetische Stürme, Sternschnuppen und Polarlichter.
Die großen Raumfahrtagenturen haben die Sonifikation, also die Verklanglichung von Himmelsphänomenen mittlerweile für sich entdeckt.
Sogar der aktuelle Rover auf dem Mars, ja, der mit dem Hubschrauber, hat ein Mikrofon dabei.
das beeindruckendste Geräusch, das ich besitze, ist der Fahrtwind, den der Lander Huygens der Saturn-Mission Cassini-Huygens aufgenommen hatte, als er durch die dicke Atmosphäre des Saturnmondes Titan abstieg.
Die riesigen Staubwolken, die das Hubble-Teleskop „Die Säulen der Schöpfung“ genannt, entdeckte, sind eine wahre Kinderstube neuer Sternentstehung.
Die optischen Daten wurden verklanglicht. Wie sich das anhört, findet ihr leicht auf Youtube.
Auf meinem Blog gibt es die Kategorie „Mit dem Ohr am Teleskop“:
https://blindnerd.de/category/mit-dem-ohr-am-teleskop/
Ich kenne Astronom:innen, die während ihrer beruflichen Laufbahn erblindeten. Aus jedem anderen Beruf wären sie vermutlich herausgeflogen, und die Karriere wäre zu Ende. Nicht so in der Astronomie, die von sich aus inklusiv ist. Sie wechselten einfach von der „Seh-“ in die „Hör-Astronomie“.
Wir merken uns:
Nicht jeder Zugang zur Astronomie ist für jeden geeignet, aber ich versichere euch, dass es für jeden mindestens einen Zugang gibt.
3) Weihnachten auf der ISS
Weihnachten wird in unterschiedlichen Kulturen verschieden gefeiert. Das wissen wir längst.
Abgesehen von einigen regionalen Bräuchen unterscheidet sich das Weihnachtsfest in einem Radius von 400 Kilometern nach Süden, Osten, Westen und Norden kaum.
Wie sieht es aber 400 km über unseren Köpfen aus?
Genauer gefragt;
Wie sieht es also zu Weihnachten für unsere Astronauten auf der Raumstation aus?
Die nämlich befindet sich 400 Kilometer über dem Meeresspiegel.
Den Sternen etwas näher, von Hirten und Königen unerreichbar, ohne Schwerkraft, müssen sie irgendwie ihr Weihnachtsfest verbringen.
Wie betrüblich ist es doch, dass unsere Astronauten Weihnachten nicht im Kreise ihrer lieben mit Baum, Weihnachtsgans etc. verbringen können.
Irgendwie macht sie das der heiligen Familie etwas ähnlicher.
Diese war ebenfalls fern der Heimat und fand Zuflucht in einem Stall, der sie schützend barg. So gesehen ist die Raumstation nicht viel mehr als ein Stall im All, eine Herberge mit viel Technik.
Schauen wir also mal auf dieses Weihnachtsfest der besonderen Art:
Kerzen:
Kein Weihnachten wäre ohne Kerzen denkbar. Sie spenden Licht, schaffen eine warme gemütliche Umgebung und duften auch noch wunderbar. Gemeint sind hier natürlich die Wachskerzen und nicht die Elektrischen. Wenn die mal riechen, dann stimmt etwas nicht und man sollte sich Gedanken machen…
Eine Kerzenflamme in Schwerelosigkeit degeneriert zu einem kleinen lächerlichen Feuerbällchen. Grund dafür ist, dass die hier auf der Erde vorhandene Schwerkraft dafür sorgt, dass warme Luft nach oben steigt und von unten her kältere und schwerere Luft mit Sauerstoff nachströmen kann. Dieser Prozess, auch Konvektion genannt, hält die Flamme am Leben und zieht sie wunderbar und schön in die Länge.
Ohne Schwerkraft also keine Konvektion und keine schönen KerzenFlämmchen.
Ein Geld verschlingender Unsinn, der mit Feuer im Weltraum zu tun hatte war, dass zwei russische Kosmonauten die Olympia-Fackel ins All getragen haben.
Das war ein Großer PR-Auftritt vor den Winterspielen 2014 in Sotschi;
Zum Auftakt eines “Fackellaufs der Superlative”.
Einziger Makel: die fehlende Flamme.
Niemand hätte es schon aus Sicherheitsgründen erlaubt, eine Flamme auch nur in die Nähe der ISS zu bringen.
Ich brauche nicht zu erwähnen, dass man das olympische Feuer außerhalb der ISS im Vakuum des Alls ohne Sauerstoff nicht hätte entzünden können. Somit war diese Aktion völlig unnötig und ein großer Quatsch. Wie auch immer.
Eine längliche schöne weihnachtliche Kerzenflamme bekäme man auf der ISS schon hin, wenn man die brennende Kerze z. B. vor einen Ventilator stellt.
Dann wird der Abtransport der Wärme und die Zufuhr mit
frischem Sauerstoff halt durch die künstliche Luftströmung, und nicht durch die Schwerkraft erzeugt.
Dass Flammen auf Raumstationen ohne Schwerkraft nur kleine Feuerbällchen sind,
soll durchaus nicht heißen, dass Feuer in einem Raumschiff ungefährlich sind,
Sie sind zwar kleiner, aber dadurch auch viel heißer.
Auf der russischen Raumstation Mir brach eines am 25.02. 1997 aus, als der deutsche Astronaut Ulf Merbold an Bord war.
Das Feuer entstand im Zusammenhang mit einer Sauerstoffpatrone. So lange die Sauerstoff nachlieferte, fackelte es in der Raumstation Mir ganz schön und hätte leicht zu einer lebensgefährlichen Hölle für die Astronauten werden können. Von Apollo1 wissen wir, wie rasch eine Kapsel in welcher ein Feuer ausbricht, zum flammenden Inferno werden kann. Und die war nicht mal im All, flog also nicht, als es passierte.
OK, Dann wird es mit Wachskerzen auf der ISS nichts.
Mit elektrischen Kerzen gehts ja auch. Die werden sie dort dann schon haben.
Gemütliches Feuer am Kamin gibt es dann vielleicht auf einem Bildschirm als Animation.
Und künstliche Kamine ohne echtem Feuer gibt es auch hier auf der Erde.
Der Baum:
Einen echten ausgewachsenen Weihnachtsbaum wird man wohl auch nicht hinfliegen. Es wäre sicher unangenehm, wenn mit der Zeit die Nadeln durch die ganze Station schwebten.
Zum Glück gibt es künstliche nicht nadelnde Weihnachtsbäume und elektrische Kerzen. Man muss halt beim Schmücken aufpassen, dass einem die Sachen beim Aufhängen nicht durch die Gegend fliegen.
Das Beste dürfte dort oben sein, dass die Engelchen tatsächlich schweben.
Plätzchen:
Zu Weihnachten werden viele krümelige Leckereien verspeist. Wenn diese versehentlich in der ISS frei kommen, dann können die ganz schön Ärger bereiten. Jeder hat schon mal erlebt, wie es sich anfühlt, wenn man Krümel in seinem Bett hat. Außerdem könnten diese auf der ISS in alle möglichen Ventilationsöffnungen fliegen, und dort eventuell sogar Schaden anrichten oder Luftfilter verstopfen.
Plätzchen sind dort wahrscheinlich einzeln verpackt, so dass ihr Genießer gleich ins Tütchen krümeln kann.
Der Weihnachtsschmaus:
Das Weihnachtsmenü muss auf Erden vorgekocht, vakuumiert oder gefriergetrocknet werden. Die Weihnachtsgans muss in jedem Falle schon entbeint und portioniert werden.
Glühwein etc. wären theoretisch zwar möglich, aber ich glaube nicht, dass je ein Tropfen Alkohol auf der ISS getrunken wurde. Astronauten müssen stets und immer mit einem Alarm rechnen. Und wenn der kommt, muss jeder voll einsatzbereit sein. Aus diesem Grunde kein Alkohol auf der ISS. Naja, Kinderpunsch ist ja auch ganz lecker.
Kein Weihnachten ohne Geschenke:
Es gab tatsächlich einen Vorfall im Jahr 2014, bei dem eine Versorgungskapsel, die unter anderem Weihnachtsgeschenke für die Astronauten der Internationalen Raumstation (ISS) transportierte, verunglückte.
Die Kapsel war eine SpaceX Dragon-Kapsel, die am 16. Oktober 2014 mit einer Falcon 9-Rakete gestartet war. Während des Fluges kam es jedoch zu einem Versagen der Rakete, was dazu führte, dass die Kapsel und ihre Fracht verloren gingen. Die Ladung enthielt neben wissenschaftlichen Experimenten und Vorräten auch persönliche Gegenstände für die Astronauten, darunter Weihnachtsgeschenke und Leckereien, die von ihren Familien geschickt worden waren.
Das war sicher dann ein etwas trauriges Weihnachtsfest.
Geschenke zur ISS dürften auch eher klein ausfallen, weil jedes Gramm, was zur ISS gebracht werden soll gleich mehrere hundert Euros kostet. Und dann die Frage, wohin mit dem ganzen Geschenkpapier-Müll. Dafür ist dort oben kein Platz, und einfach rauswerfen ist verboten und gefährlich.
Feiern geht trotzdem:
Viele Teile des Weihnachtsbrauches sind aber sicherlich auch auf der ISS gut und fast normal durchführbar. Wir erinnern uns, dass bei der Weihnachtsmondfahrt von Apollo8 die Astronauten die Schöpfungsgeschichte vorgelesen haben. Die Bibel hat also auch im All ihre Berechtigung mit der Weihnachtsgeschichte, und Gitarren etc. waren auch schon dort, so dass weihnachtliches Musizieren kein Problem ist.
So, oder so ähnlich sind die weihnachtlichen Randbedingungen für Astronauten, die das Fest 400 km über unseren Köpfen feiern müssen.
Nö, trotz Weltall und allem,, feiert der Sternenonkel lieber daheim im Kreise seiner lieben.
Ich wünsche ein schönes, frohes und gesegnetes Fest für uns alle.
4) Einige Veranstaltungshinweise,
Ja, das muss man schon zugeben. Was seit der Pandemie online so möglich ist, vereinfacht die Durchführung von Veranstaltungen doch enorm.
Natürlich trete ich lieber auf Bühnen mit richtigem Publikum auf, um dort dann die Rampensau zu sein. Aber es ist eben auch gerade für mich mit meiner Sehbeeinträchtigung nicht immer einfach, zu verschiedenen Orten zu reisen.
Oft braucht man dafür eine Begleitperson, die man erst mal finden und eventuell sogar bezahlen muss, oder man muss sogar noch irgendwo, wo man sich nicht auskennt, übernachten.
Selbiges gilt natürlich alles auch für Menschen, die mich zwar hören wollen, es aber aus oben genannten Gründen nicht schaffen, so eine Reise zur Veranstaltung auf sich zu nehmen.
Von da her ist online manchmal auch ein Segen. Im Dezember und Januar habe ich die Möglichkeit über unsere BLAutor-Lesebühne Sendungen auszustrahlen.
Diese können zum einen über ein Web-Radio und zum anderen über die A-Damen von Amazon angehört werden.
Ihr könnt den Sendungen auf zwei Möglichkeiten lauschen. Diese kopiere ich euch hier einmal hin, und nicht unter jede Sendung einzeln.
Zuhören mit dem Web-Radio BLINDzeln eins: Zum Radiostream
Zuhören mit Amazon Echo Assistent Alexa:
Befehl: „Alexa, starte BLINDzeln eins!“
Die Sendungen sind:
Mo, 09.12., 20:00 Astropop
Die Raumfahrt, das Universum und Astronomie haben alle Bereiche von Kunst und Musik stets beflügelt. Lasst uns in dieser Sendung mal hinein hören, was es hier so an Beispielen gibt.
Wir hören gute Musik und erfahren einige Hintergründe über die vorgestellten Stücke.
23.12. Die Weihnachtsmondfahrt
Apollo8 und Jules Vernes.
Viele große Erfindungen werden bevor sie ausgeführt werden, erst mal geträumt und gedacht. So ein Fall ist die Mondfahrt von Jules Vernes. Ihr erfahrt in dieser Sendung, welch unglaubliche Parallelen es zur Weihnachtsmondfahrt Apollo8 1968 gab.
Mo. 13.01.2025 20:00 Der Blindnerd in der Friedensbewegung
Der Ausbruch des Krieges in Europa vor zwei Jahren war mir ein Anlass, einen Artikel zu veröffentlichen, der meine Arbeit in der Friedensbewegung aufzeigt.
Er ist ein gutes Stück Biographie von mir und geht weit über die Friedensarbeit hinaus. Diesen Artikel durfte ich mit passenden Friedensliedern verschiedener Liedermacher anreichern,
so dass daraus eine Sendung entstanden ist. Dieses Friedenszeichen möchte ich gerne im Sinne eines geeinten, gesunden und friedlichen Europas mit euch teilen.
27.01.2025 Kinderträume
Der Traum vom Fliegen, die Eroberung des Alls und viele Abenteuergeschichten haben mich schon als Kind beflügelt.
Diese Träumereien werde ich an diesem Abend mit euch teilen.
Hier nochmal die Zugänge:
Zuhören mit dem Web-Radio BLINDzeln eins: Zum Radiostream
Zuhören mit Amazon Echo Assistent Alexa:
Befehl: Alexa, starte BLINDzeln eins!
5) Ein Adventskalender der besonderen Art
Schon seit drei Jahren veranstalte ich auf Blindnerd einen Adventskalender mit astronomischem Bezug.
Wer vom 01.12. – 24.12. bei mir vorbeischaut, wird jeden Tag ein neues Türchen mit einer spannenden Geschichte vorfinden. Im letzten Jahr hatte ich beispielsweise vierundzwanzig Frauen aus Wissenschaft und Technik zu Gast. Welches Motto ich in diesem Jahr wähle, verrate ich noch nicht.
Ach ja, eines noch. Genau genommen bekommt ihr an jedem Tag quasi eine Doppeltür, denn meinen Adventskalender überkreuze ich mit dem des Arbeitskreises BLAutor, den ich auch administriere. Somit gibt es Wissenschaft und Literatur und Weihnacht in einem…
Und wer jetzt neugierig darauf geworden ist, was der Blindnerd so in seinen älteren Weihnachtskalendern versteckt hatte, kann gerne meine Weihnachtspost besuchen.
https://blindnerd.de/category/weihnachtspost/
Geht einfach jeden Tag auf meinen Blog und lasst euch überraschen.
https://blindnerd.de
6) Geschenktipps
Der Arbeitskreis blinder Autoren (BLAutor) hat drei Anthologien herausgegeben, die auf ganz wunderbare Weise Einblick in die Welt und das Leben von blinden Menschen bieten.
Diese eignen sich ganz wunderbar auch als Weihnachtsgeschenke. Der Erlös aus diesen Büchern fließt ausschließlich unserer BLAutor-Kasse zu.
Dieses Geld ermöglicht es unserem Schreibzirkel, derartige Projekte durchzuführen, unsere Homepage zu finanzieren und Hörbuch-Aufsprachen zu ermöglichen.
Ja, und nicht zuletzt, so viel Werbung muss erlaubt sein. Auch ich durfte mich an allen drei Büchern beteiligen.
Die Bücher heißen:
1. Blind Verliebt
Klappentext
Beinahe jeder mit Lebenserfahrung war schon einmal blind verliebt. Blind verliebt in dem Sinne, dass die neue Partnerin, der neue Partner in einem völlig falschen Licht gesehen wurde. Ihr attraktives Aussehen, sein anziehendes Charisma, ihre geheimnisvollen Augen, seine sonore Stimme, ihr Geschmack fürs Detail, seine beruhigende Gelassenheit waren letztendlich doch nur Fassade. Doch das Wort „blind“ darf auch wörtlich genommen werden. Diese Anthologie wurde von sehbehinderten und blinden AutorInnen mit lebendigen Geschichten gefüllt. Blinde Menschen verlieben sich selbstverständlich auch im doppelten Sinn hin und wieder blind. Die meisten Menschen träumen von der wahren Liebe und verschließen auch dann mal die Augen vor der Wirklichkeit. Können sich eigentlich auch Tiere blind verlieben? Lassen Sie sich überraschen! https://www.blautor.de/blind-verliebt/
2. Abenteuerliche Anekdoten blind erlebt
Jeder Mensch mit Lebenserfahrungen hütet einen Schatz voller Anekdoten, die knisternde Spannung hervorrufen oder aufgrund von Pleiten, Pech und Pannen zum Lachen einladen.
Gerade bei Sehbehinderten und Blinden häufen sich solche Anekdoten anscheinend besonders.
Liebe Sehende, begeben Sie sich mit dieser Anthologie auf verschiedene Abenteuerreisen der 20 sehbehinderten Autor*innen.
Verirren Sie sich in einer Teufelsschlucht.
Füttern und reiten Sie ohne zu sehen einen echten Elefanten.
Versuchen Sie, ohne zu sehen mit einem Gehörlosen zu kommunizieren.
Umarmen Sie blind liebevoll einen völlig fremden Menschen, weil Sie diesen mit Ihrem Partner verwechseln.
Setzen Sie sich aus Neugier blind hinter das Lenkrad eines Autos, das dann plötzlich eine Bergstraße hinabrollt.
Lassen Sie sich überraschen. Jede Anekdote in diesem Buch wird Sie rühren oder amüsieren. https://www.blautor.de/abenteuerliche-anekdoten-blind-erlebt/
3. „Farbenfrohe Dunkelheit“
Von humorvollen Anekdoten, ergreifenden Biografien, niedlichen Tiergeschichten, knallharten Short-Krimis, anspruchsvoller Philosophie bis zu poetischen Versen
streift jeder Leser in diesem Buch mit Gewissheit sein Lieblingsgenre. Die farbenfrohen, fantasiereichen und humorvollen Gedanken der BLAutorinnen und
BLAutoren bewegen sich quer durch alle Gattungen. Das fesselt und verspricht Kurzweil.
Seit 30 Jahren kreieren sehbehinderte und blinde Poeten und Schriftsteller in ihrem
Arbeitskreis BLAutor literarische Texte. Manche von ihnen sind längst im Buchmarkt zuhause. https://www.blautor.de/farbenfrohe-dunkelheit-erste-anthologie-des-arbeitskreises-blautor/
Zu guter Letzt…
drei Interviewfragen von Eberhard an Gerhard:
1. „Lieber Gerhard – was ist dein Lieblingsthema in der Astronomie? Was begeistert Dich am meisten?
Antwort Gerhard: Schwer zu sagen. OK, mit Sternbeobachtung am Teleskop habe ich es jetzt nicht so. Mich begeistert an der Astronomie vor allem die Tatsache, dass man oft von einfacher Haushaltsphysik ins Universum gelangen kann. So ist es für mich beispielsweise ein Wunder, wie schwach doch die Gravitation ist. Die große Erde schafft es beispielsweise nicht, einen kleinen Küchenmagnet trotz ihrer unfassbaren Gravitation von der Kühlschranktür zu Boden fallen zu lassen. Neulich hatte ich ein Erlebnis mit einer Thermoskanne, was uns sofort wieder ins Universum brachte.
Dieses schöne Erlebnis findet ihr auf https://blindnerd.de/2024/09/03/frag-und-es-wird-tag-die-grosse-thermoskanne/
Und genau das ist es, was die Astronomie so inklusiv, nicht macht, sondern weshalb sie so inklusiv von sich aus schon ist.
2. „Mal was ganz Anderes: Wie hast Du Corona erlebt? Wie hast du den Lockdown als blinder Mensch erlebt?“
Antwort Gerhard: „Das war für mich eine schwierige Zeit. Andererseits durfte ich auch sehr viel neues lernen. Fett geworden ist in dieser Zeit mein Blog, denn wenn man einsam ist, dann schreibt man eben.
Das war schon immer meine Therapie. Einmal, und nur einmal habe ich auf Blindnerd einen Corona-Report geschrieben, weil ich das meiner Leserschaft schuldig war. Ansonsten sollte mein Blog, mein Refugium, mein Fluchtweg zum Himmel frei und sauber von dieser Katastrophe bleiben. Wen das interessiert, was ich in dieser Zeit erleben musste und auch durfte, findet den Report unter
3. Lieber Gerhard – wie wirst du heuer Weihnachten verbringen?
Antwort Gerhard: „Ich werde nach Stuttgart zu Freunden fahren. Dort habe ich vor Jahren eine meiner vielen Gitarren geparkt, damit ich keine Schlepperei damit habe.
Wir werden gemeinsam singen, trinken und essen.
Und dann und wann, erzählt dann der blinde Sternenonkel auch mal eine weihnachtlich-astronomische Geschichte.“
Eberhard: Besten Dank, lieber Gerhard, für diesen wunderschönen und interessanten Newsletter und dieses kurze Interview zum Schluss.
Ich wünsche dir eine schöne Adventszeit….
Gerhard: Das wünsche ich auch für uns alle.
Wer übrigens Kontakt mit mir aufnehmen möchte, darf das gerne über das Kontaktformular auf dem Blog tun. https://blindnerd.de/kontakt/
Folgen kann man dem Blog auch entweder per Mail oder Newsfeed. Ich würde mich sehr freuen, wenn meine Leserschaft etwas mehr würde.
Also, lieber Eberhard, vielen Dank, dass ich bei Dir Gast sein durfte. Das war mir wirklich eine große Ehre.
Bitte beachten:
Dieser Newsletter ist ein geschlossener Newsletter und darf nicht weitergegeben werden. Das hier auf meinem Blog ist eine Ausnahme, weil es meine Folge war.
Wen ihr jemanden kennt, der den Newsletter auch haben möchte – einfach bei Eberhard melden – Er hat immer ein paar mehr auf Lager…
einfach eine kurze Mail: e.gruenzinger@gmx.de.
So, meine lieben,
da ist er nun, der Artikel mit der Nummer 300, in Worten, Dreihundert. Was soll man denn zu so einem feierlichen Anlass machen?
Natürlich könnte ich mich jetzt selbst bauchpinseln für die Erfolge, die ich mit diesem Blog und auch sonst so astronomisch feiern durfte.
Aber das liegt mir nicht so. Ich lasse mich lieber bepinseln.
Heute möchte ich mal euch auf dem Blog zu Wort kommen lassen. So feiere ich mit euch, indem ich einige eurer Kommentare nochmal aufleben lasse und eventuell noch etwas dazu sage.
Es geht mir hier nicht darum, die besten heraus zu fischen. Es gibt keine Rangordnung und keine Plätze. Das hier ist keine Hitparade. Ich treffe einfach mit dem Herzen eine Auswahl, weil ich hier nicht alle 250 Kommentare würdigen kann.
Und ja, ich sage es gleich. Selbstverständlich hat dieser Artikel Überlänge und ist auch vielleicht nicht ganz einfach zu lesen, aber das alles kann er sich mit seiner Dreihundert auf dem Rücken glaub auch leisten.
Ich führe, wo es nötig ist immer kurz ein, dann erklingt eure Stimme, und dann kommt noch der Link, wo die Erwähnung her kam.
Sind wir gespannt, wohin uns diese Geschichte führt.
Gehen wir also mal von hinten nach vorne durch.
Mir macht am meisten Freude, wenn ich jemandem etwas erklären kann, und das dann auch verstanden wird.
Schon mehrfach kamen wir hier darauf, dass die Berechnung des Osterfestes nicht ganz leicht ist. Um so mehr hat mich 2018 folgender Kommentar gefreut.
So eine verständliche Erklärung hätte ich mir zu meiner Schulzeit gewünscht. Danke dafür.
In meinem Buch beschrieb ich, wie ein Freund sich die Apollo-Rakete baute und zwar so, dass man alle wichtigen Stellen öffnen konnte, so dass ich den Ablauf des Mondfluges genau nachvollziehen konnte.
Mittlerweile besitze ich eine Apollo mit allem von Lego.
Das hier ist keine Werbeveranstaltung für Klemmbausteine, aber meine Legorakete hat mich schon zu so vielen Vorträgen, vor allem mit Kindern begleitet.
Dank ihr, sind nun auch wir Menschen mit Blindheit dabei, wenn es um den kleinen Schritt, der doch ein großer für die Menschheit war, geht.
Hallo Gerhard,
einfach toll, dass Du die Lego Saturn V gebaut hast! Ich lese Deinen Blog mit Vergnügen 🙂 Das macht Mut, dass es auch andere Blinde schaffen können und zeigt, dass mit Lego noch viele Möglichkeiten realisiert werden können.
Auch wir haben die Lego Saturn V zusammengebaut. Das modulare Konzept fasziniert ganz besonders – so lässt sich die gesamte Mondmission prima veranschaulichen.
Mich freut natürlich sehr, wenn andere, die auch mit Kindern arbeiten, bei mir Ideen finden. Vor allem dann, wenn es sich um benachteiligte Kinder handelt.
Bedient euch gerne, erwähnt mich aber bitte.
Sehr schöner Artikel!
Den werde ich sicher noch ein … zwei Mal lesen. Und dabei sicher noch etliche Idee „klauen“. Fange ja erst an mit den Kindervorträgen, da helfen die Tipps der „gestandenen“ Profis auf jeden Fall.
Könnte mir sogar vorstellen , den Artikel bei uns zu rebloggen. Schließlich geht es ja um AstroZwerge (auch wenn sie teilweise schon etwas größer sind) Was meinst Du?
Dieser Blog ist natürlich nicht nur ein Pool astronomischen Wissens. Ein ganz wichtiger Punkt ist mir die Sensibilisierung für uns Menschen mit einer Beeinträchtigung, was mir offenbar manchmal gelingt.
Vielen Dank für diesen Einblick. Immer wieder überraschend und fast beängstigend, wie blind Sehende und somit ich durch die Welt laufen.
Ich hoffe, immer mal wieder drüber nachzudenken.
….
Ich freue mich mit Dir das Du einen schönen Urlaub genießen kannst. Wir haben ja schon des öfteren darüber gesprochen wie wichtig es ist für Dich auch mal in die Welt der Blinden zurückzuziehen und zum Beispiel einen gemeinsam Urlaub zu manchen. Umso mehr habe ich mich gefreut das Du es dieses Jahr mal wieder gemacht hast. Ich versuche ja immer dich mitzunehmen soweit es mir möglich ist, in die Welt der Sehenden. Aber natürlich ist das nicht annähernd so toll wie in Deinem jetzigen Urlaub. Auf jeden Fall wünsche ich Dir noch sehr viel Spaß und freue mich auf ein Wiedersehn mit Dir. Viele Grüße.
…
Tun, was sich gut und richtig anfühlt. Sollte nicht nur im Urlaub klappen, aber schön, wenn zumindest dort. Eine kleine eigene Insel. Sicher fördert ein Rahmen, in dem die Bedürfnisse des anderen vertraut sind, ein besonders entspanntes Erleben.
Entspannte Kolleg*innen find ich super. 🙂
Schöner Artikel.
Ganz besonders rührt mich natürlich an, wenn andere Menschen mit Blindheit mit mir ihre astronomischen Erlebnisse teilen.
Ich kann mich auch noch sehr gut an den 11.08.1999 erinnern. Meine Geschichte hierzu reicht aber noch mehr als 20 Jahreweiter zurück. Es war in der 5. oder 6. Klasse, damals in der Blinden- und Sehbehindertenschule in Lebach/Saarland. Im Erdkundeunterricht war das Sonnensystem gerade Unterrichtsthema. Damals erfuhr ich im Alter von 10 oder 11 Jahren zum ersten Mal davon, dass die nächste von Deutschland aus zu beobachtende Sonnenfinsternis am 11.08.1999 stattfinden würde. Das war 1977/78. Ich nahm mir damals fest vor, dass ich dieses Ereignis auf keinen Fall verpassen würde. Da die Verfinsterung an meinem Wohnort in Wiesbaden nur 98 % betrug, fuhr ich mit einem völlig überfüllten IC von Mainz nach Karlsruhe, wo ich dann recht gut trotz des nur mäßigen Wettersdas Ereignis verfolgen konnte. Mein Sehrest, der damals noch etwas besser als heute war, gestattete mir es, wenigstens halbwegs auch einen brauchbaren optischen Eindruck zu erhalten. Aber akustisch war es sehr interessant. Mein Führhund, der damals dabei war, wurde etwas unruhig als es mittags plötzlich dunkel wurde. Hinterher war ich übrigens froh, dass ich nicht nach Stuttgar gefahren war, wo die Totalität am längsten dauerte. Dort hat es aber in Strömen geregnet.
Manchmal hilft mir die Astronomie eben auch, schwierige Zeiten durchzustehen. Sie ist mir oft Flucht, Halt und auch Therapie. Sie hat mich wesentlich durch die Einsamkeit der Pandemie getragen. Ja, manchmal kann man durch sie einer an sich schlimmen Sache sogar noch etwas schönes abgewinnen.
Super interessant! Verschafft einen ganz anderen Blick auf Corona 🙂
…
Wenn die Virologen über Corona bald so viel wissen wie die Astrophysiker , dann gibt es Hoffnung !
Puh, das war schon eine Hürde. Es war nicht immer klar, ob ich dieses Projekt vor allem auch durch diese schwere Pandemie hindurch weiter tragen könnte. Aber, die erste Hundert war geschafft.
Ich mag die Vielfalt der Artikel und die vielen Bezüge der Astronomie in diesem Blog. Mit besonders viel Interesse lese ich die Beiträge über Frauen in der Wissenschaft. Es hat sie immer gegeben, in allen Kulturen. Mit viel Mut und Durchhaltevermögen leisteten sie oft selbstlos ihren Beitrag.
Viele Menschen verbinden leider mit der Astronomie auch die Astrologie. Hier aufzuräumen gehört natürlich auch zu meiner Mission, und so habe ich mir mal den Mythos Mond vorgenommen.
Hallo Gerhard, Danke für diesen schönen Artikel 🙂 Es ist sehr interessant sich mal ein paar Gedanken zum Thema Mond zu machen und dazu regt Dein Artikel natürlich an.
Schön geschrieben !!
Anklang bei euch finden oft die Artikel, wo es um Kalenderspielchen geht. Besonders der Freitag, 13, war hier sehr spannend.
Danke für diesen kurzweiligen Artikel Gerhard. Man denkt im Alltag wirklich nicht groß über sowas nach. Aber dann kommst Du um die Ecke und haust einen raus. Prima !! Übrigens bist Du nun schon ein richtiger Rockstar, An der Baustelle in der Nähe des KIT’s hängen Werbeplakate über die Arbeit am KIT. Und an einem Plakat ist riesengroß ein Bild von Dir mir Deiner Astrobrille verwendet worden. Du wirst noch richtig groß rauskommen.
Manche Dinge am Himmel passieren nur selten. Wenn man Pech hat, verpasst man etwas, das man dann nie mehr erleben kann. Vollmond zu Halloween passiert aber so um alle 19 Jahre herum.
Und so konnte ich doch einige auf unseren Vollmond an Halloween vor einigen Jahren aufmerksam machen, der auch noch ein „Supermond“ war.
Ich war am Halloween Abend draußen mit dem Hund und habe den schönen Mond groß und später kleiner gesehen. Ich hätte nicht mal ahnen können, dass man so ein Ereignis vor den Augen hat. Man lernt viel mit deinem Blog Gerhard, danke für die Erklärungen!
Ja, die Pandemie stellte viele von uns vor große Herausforderungen. Einer meiner größten war der Umgang mit all dieser Team-Software, die meistens nicht barrierefrei war.
Natürlich war ich es auch euch schuldig, hier mal einen Report zu schreiben, wie ich diese Pandemie so erlebte.
Vielen Dank für deinen äußerst interessanten Einblick. Da wir hier mit ganz anderen, sicher einfacheren und vor allem selber anzugehenden Problemen kämpften und so die bisherigen Monate recht gut überstanden, hilft es deine Schwierigkeiten so anschaulich beschrieben zu bekommen.
Aber -auch wenn es dir nicht helfen wird- kann ich dir versichern, dass mir einige deiner Probleme sehr bekannt sind und ich zum Beispiel etliche sehende Kollegen kenne, die mit Teams überhaupt nicht klar kommen (wollen) und nur jammern. Die sollten mal diese Berichte lesen, um zu erkennen, wie hoch der Felsen ist, von dem sie herunterjaulen.
Also, nochmals vielen Dank und ganz viel Kraft und Ausdauer.
Leider gesellte sich in dieser Zeit noch ein Todesfall hinzu.
Einer, ohne den ich nicht zum Sternenonkel geworden wäre, war mir Rudolf Kippenhahn mit seinen Büchern. Ich durfte ihn auch persönlich kennen lernen, was mir eine große Ehre war. Er ist vor vier Jahren in einem biblischen Alter von über 90 Jahren von uns gegangen.
Mein Nachruf bewegte auch einige von euch, manche, die zumindest seine Bücher ebenfalls kennen.
Hallo mein Freund Gerhard,
mit Traurigkeit musste ich gerade lesen das Dein großer Yoda oder auch Obi Wan Herr Professor Kippenhahn gestorben ist.
Wir haben oft über seine Arbeit und die Berührung daraus mir deiner astronomischen Tätigkeit gesprochen.
Ich werde nie vergessen als Du uns abends mal eine email von Herrn Professor Kippenhahn vorgelesen hast, die er Dir geschickt hatte.
Diese email war verbal der absolute astronomische Ritterschlag für Dich und Du bist an diesem denkwürdigen Abend endgültig zum Yedi Ritter geworden.
Es war ein für mich unvergesslicher Abend das mit Dir gemeinsam zu erleben, nachdem wir wie gesagt auch oft über Herrn Kippenhahn gesprochen hatten.
Nun möge er in Frieden ruhen.
Die Astronomie verbindet Menschen, weil alle Menschen sich irgendwie nach Kalendern richten. Dazu gehört auch, dass man sich gegenseitig respektiert und sich für die Feste und Feiern des jeweils anderen interessiert.
Dieses tat ich in einem Artikel, der mittlerweile sogar schon mehrfach in einem Internetradio ausgestrahlt wurde.
Hallo Gerhard,
Super interessanter Artikel. Ich gebe zu dass ich selbst nie die genauen Zeiten des Fastens, sowohl bei den Christen als auch bei den Muslimen, richtig verstanden habe. Dementsprechend ein sehr informativer Beitrag. Auch die Intention die gemeinsamen bzw. ähnlichen Feiertage als Zeichen der Toleranz finde ich sehr vorbildlich und auch äußerst wichtig in der heutigen Zeit
Ich danke dir für den Artikel vielmals. Ich hoffe er wird von vielen gelesen
Wenn alte Lehrer fragen stellen, merkt man, dass man nun auch auf deren Höhe ist.
Mein alter Geschichtslehrer, Freund, Mentor und Chorleiter beteiligt sich mit seinen über 80 Jahren noch rege an diesem Blog. Ob er der älteste Leser hier ist, weiß ich nicht, aber der älteste Kommentierer dürfte er fast sein.
Hallo Gerhard,
auch wenn man einst in gymnasialen Schülerzeiten die verschiedenen Atommodelle für die Klassenarbeit gepaukt und später noch ein bisschen Physik studiert hat – es ist einfach toll, was man bei dir immer wieder dazulernt – selbst als ehemaliger Lehrer von dir.
An einer anderen Stelle wird dieser ehemalige Pauker sogar richtig philosophisch. Wieso auch nicht, denn früher waren Astronomie und Philosophie deutlich näher beieinander als heute.
bei deinem Aufsatz wird man an den Spruch von Kant erinnert: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“ – wobei es mir aktuell nicht um das „moralische Gesetz“, sondern ausschließlich um den „bestirnten Himmel“ geht. Dass dieser so viele Geheimnisse beinhaltet und dass deren Entdeckungsgeschichte so spannend ist, war mir bisher nicht bewusst.
Tja, manchmal kann mein Blog eben auch verwirren. Wie auch nicht, denn schwarze Löcher, gekrümmte Raumzeit und alles, sind schon harte nüsse. Manchmal verwirren einen aber auch schon deutlich bodenständigere Dinge.
Hallo Gerhard,
irgendwie ein bisschen verrückt, dass so eine Ticke-Tacke–Uhr in der Lage sein soll, eine Insel im Ozean zu finden, die berühmte Stecknadel im Heuhaufen also. Du merkst, so ganz kapiert habe ich die Navigation auf hoher See noch nicht. Aber ich bin eben auch nur eine arme Landratte, die das Beglückende einer Seefahrt nicht so recht nachvollziehen kann. Spannend hast du aber wieder geschrieben – und so ungefähr erahnen kann ich sie ja, die Problematik des Steuerns eines Schiffs nach Mond und Sternen – oder nun auch nach einer Uhr!
Vor drei Jahren, 2021, startete ich hier auf dem Blog ein großes weihnachtliches Experiment, den Blindnerd-Adventskalender. Das wurde von euch von Anfang an begeistert angenommen und kommentiert, z. B. als es um das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach und um Glockenklang ging.
Ja, in der Tat: großartige Musik. Es macht auch nicht viel, dass uns vieles heute nicht mehr so klar ist beim Hören. Beispiel: ganz viel Trompete gleich am Anfang. Wir würden heute sagen: naja klar, schön feierlich eben. Damals hatte das hingegen zugleich eine Aussage; Trompetensignale bedeuten: Da kommt ein König, _der_ Herrscher überhaupt, Christus. Es ist wie bei vielen schönen Dingen: Je mehr wir davon verstehen, desto größer wird das Staunen; also gerade nicht: OK, kapiert, abgehakt; sondern: ach so, wow, stark! So, denke ich, geht es ja auch dem Blogger bei der Beschäftigung mit seinem Fach.
…
Faszinierend! Beeindruckend auch, wenn man einmal die Gelegenheit dazu hat, nah an eine Glocke heranzukommen und sie einmal händisch an verschiedenen Stellen anzuschlagen; oder in der Nähe einer Glocke (eines Geläuts) zu stehen und die vielen Sekunden vergehen zu lassen bis zu dem Zeitpunkt, da sie ganz verklungen sind. Jetzt im Winter kann es mit Schnee und Eis auch sehr interessante Effekte geben … Ja, und: Noch’n Gedicht: Wilhelm Müller, der Glockenguss zu Breslau; ebenfalls eine echte Ballade, also mit sich dramatisch zuspitzender Handlung.
Inzwischen sind wir bereits im Januar 2022. Die Pandemie hinterließ natürlich in meiner Seele ihre Spuren. Aber dennoch suchte ich einen Weg, mit all dem umzugehen. Und dann empfand ich plötzlich eine große Dankbarkeit dafür, dass die Pandemie in eine Zeit fiel, wenn sie denn schon fallen musste, in welcher ich so viele Möglichkeiten habe, so etwas zu überstehen.
Das Thema ergriff auch viele von euch.
Hallo Gerhard,
deine tief schürfenden Ausführungen machen sehr nachdenklich, aber dankbar – dankbar für das Zeitalter und für das Land, in dem wir leben dürfen – und auch dankbar dir gegenüber, der du das ins Bewusstsein gerufen hast!
Und dann kam dieser verdammte Krieg in Europa, der bis heute andauert. Und nun haben wir zu all dem noch diesen neuen alten amerikanischen Präsidenten.
Vonn all dem sind wir ergriffen und manchmal der Verzweiflung nah. Aber mein Artikel dazu, den ich auch schon im Radio senden durfte, ist absolut aktuell, und ihr habt ihn mit euren Kommentaren gewürdigt.
Mein lieber Freund Gerhard. Vielen herzlichen Dank für Deinen wunderbaren Artikel. Das war jetzt wirklich das Richtige zur Richtigen Zeit. Hoffen und beten wir für uns alle das nun die längste Friendens Epoche in Europa nicht an der Sturheit eines einzelnen zerbricht.
Nun ja, auch die dunkelste Nacht geht einmal zu Ende.
Als ich nach der Pandemie mal wieder einen großen Auftritt hatte, war das für mich unglaublich großartig.
Ich war mir gar nicht sicher, ob ich jemals noch vor vielen Menschen auftreten könnte, aber es klappte auf Anhieb wieder und tat meiner Seele so unglaublich gut.
Auch ihr habt euch sehr mit mir und für mich gefreut, dass es wieder los ging.
Hallo Gerhard,
ich freue mich sehr für dich, dass es so gut geklappt hat. Lass dich feiern – ein dreifaches „Gerhard Alaaf“.
…
Ich war zwar nicht dabei, aber Du schreibst so begeistert, dass ich mir alles total gut vorstellen kann! Herzlichen Glückwunsch zum Come-Back!
Gerade für Menschen mit Behinderung war in den Lockdowns und den Einschränkungen ein großes Problem, das wir keinen Sport mehr machen durften. Um so schöner war es, vor zwei Jahren dann mit meiner Lieblingskollegin im Herbst mal wieder an einem Inklusionslauf teilnehmen zu können. Es war deutlich zu spüren, dass wir uns alle fühlten, als hätte man uns nach zwei Jahren mal wieder aus einem Käfig ins freie gelassen.
Ein guter Freund kommentierte:
Ein großartiger Beitrag Gerhard,
ich bin selber Hobbyläufer und hätte sehr gerne auch als Begleitperson mitgemacht, so viel Lust hat mir dein Artikel bereitet – und wie Du dieses Event in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext einordnest ist einfach Klasse – mach weiter so!
Ein starkes Team für Inklusion
Immer wieder schreibe ich über starke Frauen aus Astronomie und Wissenschaft. Der Blindnerd-Adventskalender 2023 stellte 24 dieser großen Persönlichkeiten vor. Auch zum Weltfrauentag kommt immer eine dran. Ich widme ihnen eine eigene Kategorie auf dem Blog Nicht, um sie vom Rest der Artikel zu isolieren, sondern, damit man sie leichter findet. Ganz besonders freut mich, wenn diese Frauen-Artikel von emansipierten Männern kommentiert werden.
Lieber Gerhard,
lange Rede – kurzer Sinn: Wir sollten es uns eingestehen, dass wir Männer nicht das sog. starke Geschlecht, die Welt Voranbringenden sind. Frauen sind stärker, lebensfähiger und in vielen Dingen intelligenter als Männer.
Schauen wir uns allein die Welt der Politik und der „Mächtigen“ Schwächlinge an: Putin, der Chinese, der Türke, der Koreaner, Bolzonaro oder der Psychopath (Vorgänger) in den USA, die religiösen Verbrecher im Iran… – habe ich jemanden vergessen? Man wird noch einige hinzufügen können. Die Frage wäre angebracht: Was wäre, wenn die Frauen die Posten dieser Männer übernehmen würden? Ich glaube, unsere Welt würde eine positive Veränderung erfahren. Aber dieser Denkansatz ist illusorisch; die Menschheit ist von Steinzeit an dumm (geblieben). Machtbestreben, Religionen und weiter vererbte psychische Dispositionen haben unsere Menschheitsentwicklung negativ geprägt. Die Dummheit zeigt sich auch besonders darin, dass WIR unaufhaltsam auf einen Abgrund zusteuern. Wir (jedenfalls die meisten) wissen darum, aber wir rennen weiter – ohne Bremse und mit dem Fuß auf dem Gaspedal des urbanen SUVs. Gedanken an Weihnachtswünsche? Ich wünsche mir mehr mutige Menschen und mehr Frauen, die entsprechende Entscheidungen zu treffen wagen (selbst gegenüber Falschdenkern, braunen Rechte, u.a.) – Weitblick ist nötiger denn je. Nicht dass wir immer mehr wie Urban Prioll feststellen müssen: Hirn ist aus!
Hach, wie schön es doch ist, wenn meine Artikel alte Erinnerungen aufrufen. Hören wir an dieser Stelle doch nochmal meinem alten Pauker zu:
Hallo Gerhard,
dein schöner Katzenhimmelaufsatz hat mich daran erinnert, dass auch ich von früher Kindheit an das „Vergnügen“ hatte, Eisblumen an meinem Fenster zu bewundern. Ca. vier Jahre lang stand mein Bett unter einer Dachschräge und über meinem Kopf bildeten sich im Winter meiner Erinnerung nach bis zu 2 cm lange Rauhreif-Zotteln. Am Abend wurde das ganze Bettzeug neben den Ofen des Wohnzimmers, dem einzigen geheizten Raums der Wohnung, aufgetürmt, dann in die Dachkammer getragen und mit einer dick eingepackten Kupfer-Bettflasche bestückt, die ihre Wärme bis in die Morgenstunden hielt. Das sind Situationen, die unsere Zentralheizungs-Kinder sich vermutlich schlecht vorstellen können!
Schön ist es, wenn meine Artikel auch anregen, für andere und deren Leid mit zu denken und zu empfinden. Und das gilt natürlich auch für Personen, die es nur in Romanen, wie dem „Anhalter durch die Galaxis“ gibt…
Ach, das wäre Schade, wenn Beteigeuze einer Nova zum Opfer fallen würde. Was macht dann nur Ford Prefect? 🙂 Er müsste allerspätestens dann seine reise zur Erde antreten und Arthur Dent Gesellschaft leisten.
Ganz aus dem Heuschen hat mich ein Kommentar von euch gebracht, als es um Sternschnuppen und dass man die tatsächlich hören kann, ging. So ein Erlebnis, wie gleich beschrieben, hätte ich auch mal gern.
Lieber Gerhard,
ich hatte tatsächlich vor langer Zeit die Möglichkeit, eine Sternschnuppe zu hören – ganz ohne Einsatz von technischen Hilfsmitteln. Bei einem Urlaub in den USA hörte ich auf dem Highway plötzlich ein immer lauter werdendes Kreischen. Ich konnte mir das nicht erklären, bis ich eine Sternschnuppe sah, die über den Highway zog und dann in den Great Salt Lake in Utah fiel. Das war wirklich ein unvergessliches Erlebnis.
Manchmal wollte ich den Blog schon aufgeben, wenn lange keine Kommentare mehr kamen. Aber dann geht mal wieder ein Artikel bei euch so durch die Decke, dass es sich für mich wieder lohnt, dran zu bleiben. So ein Beitrag war die große Thermoskanne.
wieder so ein spannendes Thema verständlich erklärt! Es macht so viel Spaß dir zuzuhören!
…
Wiedermal hoch interessant, lieber Gerhard und mit so gut verständlichen Worten erklärt. Das ist deine Begabung uns Laien diese komplexen Prozesse so zu erklären, dass sie für uns interessant und ein Aha-Erlebnis sind. Ich finde es immer total spannend deine Beiträge zu lesen. DANKE !!!
…
Das ist bestimmt einer der Artikel, der zu den allerbesten dieses Blogs gehört. Vielen Dank dafür.
Ich weiß, ich bin manchmal ein Märchenonkel. Aber die Astronomie hat halt auch so viele Geschichten zu erzählen, die ich unbedingt mit euch teile.
Schön, dass manche von euch auch diese Geschichten spannend finden.
vielen Dank für deinen interessanten Text zum Thema Sterne und Halloween!
Wie immer, habe ich mit großen Interesse und Freude deinen Beitrag gelesen. Ich bin gerade auch bei diesem Beitrag, wirklich erstaunt darüber, was die Menschen von damals alles in den Sternbildern gesehen haben und welche Geschichten sie sich dazu ausgedacht haben.
Ganz davon abgesehen, bin ich auch immer wieder erstaunt , über deinen großen Wissensschatz!
So, das sollen mal für heute eure Stimmen gewesen sein.
Dieses Projekt würde längst schon nicht mehr existieren, hätte ich nicht euch, meine kleine, aber feine Leserschaft, die ihr mir die Treue und die Stange haltet.
Achtzig von euch folgen dem Blog per Mail. Ich denke, dass so um vierzig von euch über den Newsfeed folgen. Von vielen weiß ich aber auch, dass sie gar nicht folgen, aber immer wieder gerne stöbern gehen. All das ist mir recht und freut mich wirklich sehr. Und wenn dann ab und zu ein Kommentar zu einem besonders ansprechenden Beitrag hinterlassen wird, dann bin ich außer mir vor Glück. Ich kommentiere nicht alle kommentare auf dem Blog, weil ich nicht so gerne mag, wenn hier Kommentare zu Kommentaren zu Kommentaren entstehen. Das ist dann für viele von uns etwas anstrengend zu lesen. Oft antworte ich euch direkt, oder mache gleich Beiträge daraus, wenn eure Kommentare Fragen enthalten. Dann haben alle etwas davon. So sind beispielsweise aus der Serie „Frag, und es wird Tag“ schon einige Artikel entstanden. Die läuft noch immer, und darf sehr gerne mit weiteren Fragen von euch am Leben gehalten werden. Traut euch einfach.
Ich freue mich sehr, dass ich diesen Artikel ausgerechnet am Martinstag veröffentlichen kann. Er teilte seinen Mantel, und ich teile gerne meine Freude und mein Wissen.
Nun schließt der Sternenonkel in tiefer Dankbarkeit und Demut diesen dreihundertsten Artikel, und bereitet sich auf weiteres vor.
In tiefer Verbundenheit grüßt euch
der Sternenonkel.
begleitet mich schon seit vielen Jahrzehnten. Wo ich es her habe, weiß ich gar nicht mehr, aber es ist so schön und wahr.
Deshalb möchte ich heute mal etwas neues auf diesem Blog starten, um euch vielleicht noch mehr hier einzubinden. Ich fände es nach wie vor sehr schön, wenn unsere kleine Astro-Gemeinde etwas aktiver im Austausch miteinander würde.
Hintergrund zur Idee
Fragen und Kommentare zu meinen Artikeln konntet Ihr ja über die Kommentar-Funktion und über das Kontaktformular schon immer stellen. Einige von euch machen ja auch immer mal wieder davon Gebrauch. Das freut mich dann immer sehr.
Manchmal passiert es, dass ich von ganz anderer Seite her Fragen zu Weltraum-Themen gestellt bekomme, aus deren Antworten dann auch schon einige sehr schöne Artikel entstanden sind, z. B. Kinderfragen Machen schwarze Löcher Musik?
Viele Fragen werden mir auch über andere Kanäle gestellt, z. B. über Mails. Diese beantworte ich dann natürlich auch direkt, so dass ihr anderen nichts davon mit bekommt. Kommentare zu euren Kommentaren schreibe ich in der Kommentar-Funktion nur sehr selten, weil das, wer nicht ständig in die Kommentare schaut, ja auch nicht mit bekommt.
Egal, wie man es macht. Irgend welche Nachteile bleiben immer.
Das Angebot
Mein Angebot an euch soll sein, dass ihr eure Fragen stellen dürft. Fragt und es wird Tag.
Inhaltlich sollten sich eure Fragen natürlich schon thematisch mit dem beschäftigen, was hier auf dem Blog so besprochen wird. Ich kann nur, und das auch nur vielleicht, auf meine Themen antworten, und das sind nun mal die naturwissenschaftlich-Technischen MINT-Bereiche. Politik, Wirtschaft, Medizin etc. gehen gar nicht. Das können andere besser.
Ganz wichtig ist mir, dass die Fragen durchaus nichts mit aktuellen Beiträgen zu tun haben müssen. Manchmal fällt einem ja unter der Dusche oder, ihr wisst schon wo, etwas ganz besonderes ein. Immer her damit.
Gerne dürft ihr auch solche Fragen stellen, von denen ihr vielleicht die Antwort kennt, aber denkt, dass sie für alle spannend und interessant sein könnte.
Und wenn sich jemand nicht sicher ist, ob Mensch seine Frage hier passt, sollte diese auf jeden Fall stellen. Dann finden wir das gemeinsam heraus.
Ich möchte euch wirklich ermutigen, zu fragen. Den abgedroschenen Satz, dass es keine dummen Fragen gibt, lasse ich hier mal weg.
Beantworten werde ich eure Fragen dann je nach Umfang einzeln, oder gebündelt hier auf dem Blog, selbstverständlich anonym.
Gut möglich, dass ich die ein oder andere Frage an jemanden hier in der Runde weiter leite, von dem ich mir erhoffe, eine bessere Antwort zu bekommen, als ich sie in meinem eventueller Unwissenheit geben könnte.
Für die Fragen schlage ich vor, dass ihr:
Die Fragen über das Kontaktformular stellt,
Die Kommentar-Funktion benutzt,
mir die Frage per Mail schickt
über Whatsapp; Wer möchte, findet mich dort unter „Der blinde Sternenonkel“
Das ist vor allem für diejenigen spannend, welche ihre Frage lieber als Audio schicken möchten.
Von einer Whatsapp-Gruppe, in welcher alles über Sprachnachrichten geht, sehe ich ab, weil man in so einer Gruppe nichts mehr findet und alle Information verloren ist, nachdem man sie einmal gehört hat.
Und bevor jetzt die Diskussion los bricht, wieso Whatsapp, dann sage ich euch, dass ich das ganz alleine und basisdemokratisch entschieden habe.
Kaum einer meiner Freunde benutzt die anderen.
Mastodon und Bluesky sind nicht zumutbar zugänglich.
X ist sowieso raus.
Signal und Threma nutzt quasi niemand, den ich kenne.
Facebook und Insta mag ich dafür nicht nutzen.
So viel zu meiner basisdemokratischen Entscheidung…
Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn sich hier so eine spannende Fragerunde entwickeln würde. Lasst es uns das bitte mal miteinander wagen und ausprobieren.
Und jetzt, ich wäre nicht der Sternenonkel, gibt es natürlich noch zwei kleine Geschichten zu unserer schönen Aufforderung:
Super-Oma
Als ich sechs oder sieben Jahre alt war, hatte ich mit Oma den ersten naturwissenschaftlichen Disput in meinem Leben. Ausgangspunkt war vermutlich mein Problem damit, dass wir doch von der Erde herunterrutschen müssten, wenn sie denn rund sei. Meine Oma wollte mir vereinfachend erklären, dass die Erde uns magnetisch anzieht, damit wir nicht herunterfallen.
Ich fragte mich:
Wie soll uns die Erde magnetisch anziehen, wo wir doch gar nicht aus Eisen sind?
Reichte hierfür das Eisen unseres Blutes aus?
Ich wusste ja aus der Fernsehserie Popeye, dass Spinat deshalb so stark macht, weil er viel Eisen enthalten soll. Auch wenn das heute schon wieder etwas anders gesehen wird.
Vermutlich wurde meine Frage erst in der Schule geklärt. Allerdings erinnere ich mich nicht mehr genau daran, seit wann mir der Unterschied zwischen der Schwerkraft-Anziehung und dem Erdmagnetfeld klar wurde. Meine Oma zumindest kannte diesen Unterschied, wie sich im weiteren Verlauf des Gespräches ergab, wohl nicht, denn sie konnte mir das Problem mit dem Eisen nicht erklären.
Komischerweise bin ich mit dieser Frage nie zu einem Lehrer gegangen. Vermutlich zweifelte ich in letzter Konsequenz nicht an der Richtigkeit dieser Antwort, wurde sie mir doch von meiner Super-Oma geliefert. Die musste einfach stimmen. Alles andere damit war mein Problem.
Dumme Fragen
Ganz besonders möchte ich noch diejenigen erwähnen, die Fragen unterdrückten, Antworten nicht gaben, oder Fragen als dumm hinstellten, um zu verbergen, dass sie selbst die Antworten nicht wussten. Auch an jenen durfte ich wachsen und vieles erkennen.
Mit zwölf Jahren hörte ich in einer Radiosendung die Frage, ob Gott in der Lage sei, einen Stein zu erschaffen, der so schwer wäre, dass er ihn selbst nicht tragen könne. Das war, soweit ich mich erinnere, mein erster Kontakt zur Philosophie. Fasziniert von dieser Frage trug ich sie gleich bei nächster Gelegenheit im Religionsunterricht vor. Den Rest der Stunde musste ich armer Sünder dann vor der Tür verbringen.
Von diesem Augenblick an war auch Philosophie für mich interessant, da es offensichtlich verboten war, derartige Fragen zu stellen.
Meine lieben,
ich bin beeindruckt und gerührt darüber, wie viele Antworten ich von euch entweder über die Kommentarfunktion, per Mail und über Whatsapp bekommen habe. Eure Antworten waren sehr bunt und vielfältig. Alle waren durchweg ermunternd, aufbauend und positiv.
Kritik gab es quasi keine. Außer die Anmerkung, dass meine Artikel manchmal doch sehr länglich sind. Daran arbeite ich. Statistisch gesehen sind sie tatsächlich von manchen Ausreißern abgesehen, tendenziell etwas kürzer geworden. Man sieht sehr deutlich, dass die in der Pandemie entstandenen Artikel quasi immer überlang waren. Schreiben ist halt auch Therapie für mich, die ich offenbar in diesen schweren Zeiten nötig hatte.
Scharlotte von Stein entschuldigte sich einmal bei Johann Wolfgang von Goethe für ihren langen Brief, weil sie für einen kurzen keine Zeit gehabt habe. Und das stimmt tatsächlich. Die Kürze ist es, was oft die meiste Arbeit macht. Ich arbeite also an dem, aber wirklich versprechen kann ich nichts.
Hier kommen einige anonyme Kernaussagen, die ich von euren wertvollen Antworten für mich mitnehmen darf.
Auch Wünsche wurden geäußert, z. B. wünscht sich einer meiner besten Freunde weniger Wissenschaft und mehr biographisches von mir. Auch dieses werde ich im Blick behalten. Es ist aber halt schon so, dass es in diesem Blog darum geht, wie ich Wissenschaft und Technik blind erlebe. Vielleicht gelingt es mir ja, künftig noch mehr Erinnerungen und Erfahrungen von mir, in die Beiträge mit einfließen zu lassen. Aber Vorsicht. Das gerät dann schnell mit dem vorigen Punkt der Überlänge in Konflikt.
Mein alter Schulmeister, der sich sehr im Ehrenamt engagiert baute mich auf, indem er aus seinen Höhen und Tiefen in derLei Dingen erzählte. Das war dann so ein „Willkommen-im-Club-Gefühl“.
Ein weiterer bester Freund erschrak bei der Überschrift des letzten Artikels. Er sprach auch von einem schlechten Gewissen. Das braucht gewiss niemand zu haben. Auch ich kommentiere längst nicht alles, was ich lese. Allerdings habe ich mir fest vorgenommen, die Blogs und Podcasts die ich so lese und höre, doch immer mal wieder zu kommentieren. Auch ich darf mich zum Thema Wertschätzung und Kommentaren an die Nase fassen.
Spannend war für mich auch, dass mein Blog als Teil meines astronomischen Komplettpaketes neben meinen Vorträgen, Workshops Radiosendungen und allem angesehen wird. Dieses Stück würde fehlen.
Es gab auch Antworten, aus welchen klar hervor ging, dass mein Blog gerade in schweren Zeiten oft eine große Hilfe und eine schöne Ablenkung war und ist.
Jemand, der gerade unter Sehverlust leidet gibt der Blog Kraft, weil er zeigt, dass ein Leben und ein Hobby trotz oder besser mit Sehverlust auch möglich sind. Ja, solche Geschichten habe ich auch schon in meinen Veranstaltungen erzählt bekommen. Da hat man dann schon mal einen Klos im Hals.
Das soll erst mal als Beispiele genügen.
Ich kann nur nochmal sagen:
Eure Wertschätzung meiner Arbeit hat mich sehr angerührt.
Es war sehr gut, dass ich mein Problem mit euch geteilt habe.
Sollte jemand mit seinem Projekt in einer ähnlichen Krise stecken, so kann ich nur empfehlen, einfach auch mal so eine wach rüttelnde Frage zu stellen.
Und jetzt bleibt eigentlich nur noch ein Satz zu schreiben, nach dem nichts mehr in diesem Artikel kommen kann.
Auf den ersten Blick ist mein heutiges Thema und Anligen nichts, was mit Ostern zu tun hat. Auf den zweiten Blick aber schon. Ostern hat mit Sterben, Tod und Auferstehung zu tun. Sterben kann bedeuten, dass etwas vergeht, dass etwas zuende geht und etwas neuem Platz machen kann. Die Auferstehung kann genau das bedeuten, dass etwas neues entsteht, das vielleicht sogar aus dem alten erstanden ist. Und dazwischen liegt ein gewisses Leid, eine Ungewissheit, Unsicherheit und auch Traurigkeit.
Kommen wir also nach diesen österlichen Betrachtungen zu meinem sehr ernsten Problem:
ja, wir müssen reden, und zwar über die Zukunft dieses Projektes. Vielleicht könnt ihr mir auch helfen.
Seit sieben Jahren gibt es nun Blindnerd fast schon, und zähle ich die Vorläuferprojekte dazu, komme ich mittlerweile auf mehr als fünfzehn Jahre meines Lebens, in welchen ich diverse Artikel geschrieben habe. Ich kann hier durchaus gemeinsam mit meinem Buch, meinen Vorträgen und allem, auf ein gewisses Lebenswerk zurück blicken. Viele von euch begleiten mich hier schon seit Jahren, und einige wenige sind schon seit Jahrzehnten dabei.
Auch hier kann ich z. B. in den Kommentaren auf einiges an Feedback zurück blicken.
Trotz alledem stecke ich mit diesem Blog aktuell in einer Krise. Kurz gesagt, stelle ich mir die Frage, ob das ganze hier den Arbeitsaufwand noch Wert ist, ob ein Blog überhaupt noch zeitgemäß ist, ob sich überhaupt noch Menschen dafür interessieren, und ob ich mit dem Kram überhaupt noch ankomme und noch Menschen erreichen kann.
Tatsache ist, dass es mir nie gelungen ist, meine Reichweite zu erhöhen. Auch die sozialen Medien, wie Facebook oder X haben hier nur wenig geholfen. Diejenigen, die z. B. über Facebook kommentieren oder liken, sind dieselben, die sich manchmal auch hier über den Blog melden. Euch auf jeden Fall vielen Dank, dass ihr mir die Stange haltet.
Dass ein Blog vielleicht nicht mehr das richtige Medium sein könnte zeigt mir auch, dass nicht mal meine ganzen Veranstaltungen hier die Besucherzahlen etwas ansteigen lassen.
Die Hoffnung, dass ich an diesem Projekt wachsen und mich weiterentwickeln könnte, hat sich höchstens da hin gehend erfüllt, dass ich eben mehr Erfahrung und Übung im Schreiben, Recherchieren etc. erlangen konnte. Dass mir das gelungen ist, sehe ich an alten Artikeln, die ich heute so nicht mehr schreiben würde. Was mir zu diesem Punkt fehlt, ist mehr Austausch mit meinen Leser:innen, z. B. auch in Form konstruktiver Kritik.
All diese Punkte führen momentan leider dazu, dass ich etwas antriebslos bin, was den Blog betrifft. Ich liebe ihn. Er hängt mir am Herzen, und irgendwie brauche ich ihn für meine Seele. Ich möchte nicht, dass dieses Projekt langsam stirbt. Ich möchte aber auch nicht, dass ich hier etwas am leben erhalte, wo ich vielleicht gar nicht mehr mit ganzem Herzen dahinter stehe. Ja, ich gebe schon zu, dass ich über das Ende nachgedacht habe. Der Gedanke, dass alles seine Zeit hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Etwas neues zu beginnen bietet mir auch neue Chancen. Aber was das sein soll, keine Ahnung. Ich dachte schon über einen Potcast nach, aber der wäre noch viel aufwändiger und vermutlich alleine nicht zu stemmen. Außerdem potcastet momentan die ganze Welt zu allen Themen. Da braucht es vielleicht nicht noch einen weiteren von mir.
Und jetzt würde ich gerne mal von euch, natürlich freiwillig, hören, was ihr von all dem denkt. Vielleicht ziehen wir den Karren gemeinsam wieder auf eine glatte Straße.
angeregt durch einen Glücksgruß eines Blautor-Midgliedes und eine Folge der Sternengeschichten von Florian Freistetter, geht es heute mal um ein Glückswesen, den Drachen. Am 10.02.2024 feierte man in China das Neujahrsfest. Dieses Jahr steht dort im Glückszeichen des Drachen. Möge auch etwas von diesem Glück zu uns nach Europa gelangen.
Der Drache ist sowohl mythologisch als auch astronomisch betrachtet ein ganz besonderes Sternbild.
Wo man ihn findet
Man findet ihn im Norden; er windet sich quasi um den kleinen Bären herum, zu dem auch Polaris, der Polarstern, gehört. In Mitteleuropa kann man den Drachen das ganze Jahr über in jeder Nacht sehen und weil er vergleichsweise viele helle Sterne enthält, ist er auch leicht zu erkennen. Wer sehen kann suche einfach den Polarstern und schaut nach einer langen Kette aus Sternen, die sich in seiner Nähe über den Himmel windet. Das ist der Drache. Dieses Sternbild war schon in der Antike bekannt. Es war eines der 48 Sternbilder, die Ptolemäus vor knapp 2000 Jahren in seinen astronomischen Werken aufgelistet hat,
Etwas Mythologie
In der Schöpfungsgeschichte der Babylonier hat man sich dort oben Tiamat vorgestellt; die Göttin des Salzwassers die als eine Art Seeschlange mit Hörnern dargestellt wird. Sie kämpft gegen Marduk, die Hauptgottheit der Babylonier, der Tiamat besiegt, ihren Körper zerteilt und aus den beiden Hälften Himmel und Erde erschafft.
In der griechischen Mythologie gibt es auch jede Menge drachenähnliche Monster, zum Beispiel Ladon, der gleich 100 Köpfe hat und die goldenen Äpfel der Hesperiden bewacht, die Untersterblichkeit verleihen. Hat er auch immer super geschafft, bis Herkules gekommen ist und ihn umgebracht hat.
In den Mythen der arabischen Nomaden hat man hier allerdings ein Kamel gesehen, dass sein Junges beschützt, das gerade von zwei Hyaenen angegriffen wird.
Gemäß der chinesischen Mythologie wird der Drache oft als mächtiges und göttliches Wesen betrachtet, das positive Eigenschaften symbolisiert. Anders als in westlichen Kulturen, in denen Drachen oft als furchteinflößende Wesen dargestellt werden, wird der chinesische Drache als Glücksbringer und Wächter angesehen.
Eine der bekanntesten Legenden, die mit dem chinesischen Drachen verbunden ist, erzählt die Geschichte von Ao Guang, dem Drachenkönig der östlichen Meere. In dieser Legende wird Ao Guang als göttlicher Drachenkönig dargestellt, der über die Ozeane herrscht und die Kontrolle über das Wetter ausübt. Er wird oft als freundlich und hilfsbereit beschrieben, aber auch als mächtiges Wesen, das Respekt verdient.
Der Drache wird auch oft mit Kaiserlichkeit und kaiserlicher Macht in Verbindung gebracht. Nur der Kaiser durfte das Drachenmuster auf seiner Kleidung tragen. Dies verdeutlichte die Vorstellung, dass der Drache eine Verbindung zur göttlichen Macht und zum Schutz des Reiches hatte.
In der chinesischen Astrologie spielt der Drache ebenfalls eine wichtige Rolle. Personen, die im Jahr des Drachen geboren sind, werden als glücklich, mächtig und intelligent betrachtet. Das Jahr des Drachen gilt als besonders günstig und wird mit positiven Energien und Ereignissen in Verbindung gebracht.
Es gibt auch bei uns die Definition des Drachenmonats, die uns zu einer weiteren tragischen chinesischen Geschichte führt.
Die Mondbahn läuft fünf Grad gegen die Ekliptik geneigt. Die Ekliptik ist die Ebene, in welcher alle Planeten umlaufen.
Somit befindet er sich die Hälfte des Monats etwas oberhalb und in der anderen Hälfte, etwas unterhalb der Ekliptik.
Die Schnittpunkte zwischen der Mondbahn und der Ekliptik, nennt man Knotenpunkte.
Die daraus sich ergebende Periode nennt man dann den dragonitischen Monat. Er wird zur Berechnung von Sonnen- und Mondfinsternissen benötigt.
Sein Name leitet sich vom chinesischen Himmelsdrachen her, der von Zeit zu Zeit die Sonne entweder mit seinem Schwanz einfängt, bzw. mit seinem Mund verschluckt.
Die beiden königlichen Hofastronomen, Hi und Ho, sollen geköpft worden sein, als sie im Suff vergaßen, eine Finsternis hervor zu sagen. Somit hatte das Volk keine Gelegenheit, durch seine Rituale mit Trommeln und Pfeifen den Drachen zu vertreiben, damit er die Sonne wieder frei gibt.
Das er dies tatsächlich nach wenigen Minuten tat, konnte die beiden leider nicht mehr retten…
Nun aber genug der Schauergeschichten. Schauen wir uns das Tierchen mal astronomisch an.
Der Glücksbringer
Mit viel Glück lassen sich jedes Jahr um den 09. Oktober vermehrt Sternschnuppen erspähen.
Diese stammen aus dem Meteor-Strom der Draconiden. So heißen sie, weil sie aus dem Sternbild Drachen zu kommen scheinen.
Dann bewegt sich die Erde durch den Staub, den der Komet 21P/Giacobini-Zinner im All hinterlassen hat und wir können sehen, wie jede Menge Sternschnuppen über den Himmel sausen. Leider beschert er uns meistens eher eine geringere ausbeute von ungefähr höchstens einer Handvoll Sternschnuppen pro Stunde. Aber alle paar Jahrzehnte kann es richtig viel werden, wenn nämlich der Komet gerade vorher vorbei gekommen ist und frischen Staub hinterlassen hat. Das war zum Beispiel 1985, 1998 und 2011 der Fall, da konnte man ein paar hundert Sternschnuppen pro Stunde sehen.
Solltet ihr im kommenden Herbst einige erspähen, dann wünscht euch was.
Der alte Nordstern
Der hellste Stern eines Sternbilds wird üblicherweise mit dem griechischen Buchstaben Alpha bezeichnet, gefolgt von lateinischen Namen des Sternbildes. Alpha Draconis ist aber nur der achthellste Stern im Drachen.
Und dennoch war er bis etwa vor 5000 Jahren der wichtigste Stern am Himmel.
Damals war Alpha Draconis nämlich der Polarstern. Die Achse, um die die Erde sich dreht und die in Richtung Himmelsnordpol zeigt, beschreibt im Verlauf von gut 26.000 Jahren einen kleinen Kreis am Himmel, weil die Erde etwas kippelt, wie ein Kreisel. Heute zeigt sie ungefähr dorthin, wo sich Polaris befindet. Damals war sie aber auf Alpha Draconis ausgerichtet. Und um das Jahr 20.000 herum wird sie das wieder tun.
Der hellste
Der tatsächlich hellste Stern im Drachen ist Gamma Draconis mit Namen „Etamin“.
Das bedeutet „Schlange“ und Etamin ist nicht nur hell, sondern hat in der Geschichte der Astronomie auch eine wichtige Rolle gespielt.
Im 16. Jahrhundert setzte sich langsam die Idee durch, dass die Erde sich um die Sonne bewegt und nicht umgekehrt. Wenn dem so ist, dann müsste sich aber auch die Position der Sterne scheinbar verändern, weil wir sie im Laufe eines Jahres von unterschiedlichen Positionen im Sonnensystem aus beobachten. Sie müssten sich in Bezug auf die noch weiter entfernt liegenden Sternen leicht verschieben. Diesen Effekt, die „Parallaxe“ sollte man messen können. Einer der ersten, der das versuchte, war 1725 der britische Astronom James Bradley, und er hat sich Gamma Draconis ausgesucht, weil er jede Nacht am Himmel zu sehen und deshalb gut zu beobachten war. Und Bradley hat tatsächlich eine scheinbare Veränderung der Position gemessen, aber nicht die, die zu erwarten war. Bradley hatte die Aberration entdeckt. Die funktioniert, kurz gesagt, so: Die Erde bewegt sich durchs All. Licht der Sterne bewegt sich zur Erde. Das Licht ist aber nicht unendlich schnell. Stellen wir uns vor, das Licht eines Sterns fällt exakt senkrecht in die obere Öffnung eines Teleskops. Es braucht dann zwar nicht lange, um das untere Ende zu erreichen, aber es ist nicht unendlich schnell. In der kurzen Zeit bis es unten angekommen ist, bewegt sich die Erde ein kleines Stückchen weiter und verschiebt dadurch auch das Teleskop. Wenn das Sternenlicht dann auf unser Auge, oder ein Messgerät trifft, sieht es so aus, als sei das Licht eben nicht senkrecht aufgetroffen, sondern ein winziges bisschen aus der Senkrechten abgelenkt. Wie stark diese scheinbare Positionsänderung ist, hängt davon ab, in welche Richtung sich die Erde gerade bewegt; auf den Stern zu, von ihm weg oder irgendwas dazwischen. Das ändert sich im Laufe eines Jahres und so beschreibt der Stern ebenfalls im Laufe eines Jahres einen scheinbaren Kreis am Himmel.
Die Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit war zwar so noch nicht bekannt, aber immerhin konnte bewiesen werden, dass die Erde sich tatsächlich durch das All bewegt. Und ja, man hätte die Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit aufgrund dieses Versuches durchaus postulieren können.
Planeten
Echte extrasolare Planeten hat der Drache natürlich auch. Zum Beispiel die beiden, die den Stern Kepler-10 umkreisen. Das ist ein sonnenähnlicher Stern in 600 Lichtjahren Entfernung mit mindestens zwei bekannten Planeten. Der eine ist eineinhalb mal so groß wie die Erde und der andere mehr als doppelt so groß. Beide haben aber sehr viel mehr Masse: Der eine die 3fache und der andere die 7fache Masse unseres Planeten. Es gibt noch 18 andere bekannte Sterne im Drachen, die Planeten haben – aber auch am anderen Ende der Größenskala ist dort einiges zu finden.
Ein Auge
1786 hat der Astronom William Herschel dort den Katzenaugennebel entdeckt oder NGC 6543, wie er offiziell heißt.
Es handelt sich um einen über 3000 Lichtjahre entfernten planetaren Nebel. Also das, was entsteht, wenn ein sehr großer und heißer Stern am Ende seines Lebens das Gas aus dem er besteht, Schicht für Schicht ins All hinaus bläst. Beim Katzenaugennebel hat das ein Stern, der ungefähr 10.000 mal heller und knapp 20 mal heißer als unsere Sonne ist, mit Sinn für Ästhetik getan. Der Katzenaugennebel ist einer der komplexesten Nebel die wir kennen und sieht, wenig überraschend, wie ein Katzenauge aus.
Ich schrieb über dieses Katzenauge in Das Galaktische Katzenauge.
Die Galaxie, die nicht sein dürfte
Man findet im Drachen die Draco-Zwerggalaxie. Die ist eine kleine Galaxie. Sie besteht aus circa drei Millionen Sternen, viel weniger als die gut 100 Milliarden in der Milchstraße.
Sie ist nur 280.000 Lichtjahre entfernt und deswegen vergleichsweise gut zu untersuchen. Beobachtungen zeigen, dass sich die Sterne dort viel zu schnell bewegen. Eigentlich sollte sich die Galaxie schon längst aufgelöst haben; die Gravitationskraft der paar Millionen Sterne reicht nicht aus, um sie zusammenzuhalten. Es muss dort also dunkle Materie geben, die die Galaxie mit ihrer Gravitationskraft zusammen hält und die wir nicht sehen können. Es muss sogar überdurchschnittlich viel dunkle Materie sein. Viel mehr als in den anderen Galaxien.
Wenn wir doch mal endlich herausfänden, was diese dunkle Materie ist, denn es besteht kein Zweifel daran, dass sie existiert.
Und noch eine Kaulquappe zum Schluss
Die Kaulquappen-Galaxie ist gut 420 Millionen Lichtjahre entfernt, im Sternbild Drache natürlich und sähe aus wie eine normale Spiralgalaxie, wenn sie nicht einen Schweif aus Sternen hinter sich herziehen würde, der fast 300.000 Lichtjahre lang ist. Die Spiralgalaxie als Kopf und den langen Schwanz aus Sternen geben ihr das Aussehen einer Kaulquappe.
In der Vergangenheit ist sie anderen Galaxien zu nahe gekommen und die zwischen ihnen wirkenden Gezeitenkräfte haben jede Menge Sterne aus den beteiligten Partnern herausgerissen, so dass diese seltsame Form entstanden ist.
Eine Lupe für Beobachter
Und wenn wir noch weiter hinaus schauen, finden wir im Drachen auch noch Abell 2218. So heißt ein Galaxienhaufen, dessen Licht mehr als 2 Milliarden Jahre bis zu uns braucht. Dort befinden sich ungefähr 10.000 Galaxien und diese gewaltige Masse krümmt den Raum enorm und lenkt so das Licht der Galaxien ab, das aus noch weiterer Entfernung zu uns kommt. Oder anders gesagt: Abell 2218 wirkt wie eine Linse, die das Licht von fernen Objekten verstärken kann, so das es für uns sichtbar wird, obwohl wir es eigentlich gar nicht mehr sehen sollten. 2004 hat man durch die Gravitationslinsenwirkung von Abell 2218 eine Galaxie entdeckt, deren Licht fast 13 Milliarden Jahre bis zu uns unterwegs war. Das bedeutet: Wir sehen etwas, das existiert hat, als das Universum gerade mal 750 Millionen Jahre alt war.
Das mit der Krümmung des Raumes und der Ablenkung des Lichts hat mit Einsteins Relativitätstheorie zu tun. Das erspare ich uns jetzt mal.
Ihr seht also, der Drache hat noch einiges mehr, als Glück, Geschichten und Mythologie zu bieten.
Meine lieben,
und hiermit meldet sich der Blindnerd nach einer etwas längeren Sommerpause zurück.
ich weiß, dass viele in meinem Umfeld Katzen mögen oder auch besitzen. Ich habe zwar keine eigene, mag sie aber sehr. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich zum Leidwesen meiner Mutter gerne eine Katze in mein Bett nahm. Unser Kinderzimmer war unbeheitzt und wir hatten im Winter Eisblumen an den Fenstern. Da war so ein kuscheliges warmes schnurrendes Kätzchen schon etwas sehr schönes.
Neulich diskutierten wir über eventuelle Inhalte eines Buches. Da kam die Idee auf, eventuell mal eine Anthologie über Katzengeschichten zu schreiben.
Sollte es tatsächlich mal dazu kommen, dann bin ich am Himmel bestens vorbereitet, denn fast hätte es die Katze tatsächlich als Sternbild an den Himmel geschafft.
Hier kommt also eine astronomische Katzengeschichte.
Die Katze (lat. felis) ist ein Sternbild des Südhimmels, das nicht zu den 88 von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) anerkannten Sternbildern zählt.
Die Katze ist Teil des offiziellen Sternbildes Wasserschlange. Sie liegt südwestlich des Stern μ Hydrae (42 Hya) und besteht nur aus lichtschwachen Sternen bis maximal 5m Größenklasse.
Die Größenklasse ist ein sehr konservatives astronomisches Maß für die Helligkeit der Sterne. Lasst uns kurz darauf eingehen.
Aus babilonischer Tradition heraus, wo die Zahl sechs eine besondere Rolle spielte, teilte man die Helligkeit der Sterne in sechs Größenklassen ein, was Hiparch für seinen Sternenkatalog, in welchem 900 Fixsterne verzeichnet waren, übernahm.
Klasse eins umfasst die hellsten Sterne. und sechs diejenigen, welche man gerade noch so mit bloßem Auge am unverschmutzten Himmel sehen kann.
Bemerkenswert ist, dass unsere Sonne damals nicht als Stern gezählt wurde. Ansonsten hätte man doch wohl ihr die eins zugeordnet.
Spätestens, als man das Teleskop erfunden hatte, und klar war, dass auch die Sonne einen gewöhnlichen Stern darstellt, musste man die Skala nach beiden Seiten hin erweitern, denn mit diesen Instrumenten konnte man nun auch noch Objekte wahrnehmen, die jenseits dessen in der Skala lagen, was man mit bloßem Auge noch sehen konnte. Außerdem gibt es Objekte am Himmel, die deutlich heller, als die Objekte der Klasse eins sind, wie z. B. unsere Sonne eben.
Die Helligkeitsskala wurde 1850 von Norman Pogson logarithmisch so definiert, dass ein Stern erster Größe (1,0 mag) genau hundertmal so hell ist wie ein Stern sechster Größe (6,0 mag), und dieser hundertmal heller als ein Stern elfter Größe
(11,0 mag).
Die Eichung der Skala erfolgte an sogenannten Standardsternen.
Sehr große Teleskope reichen visuell bis etwa zur 22. Größe, moderne Astrofotografie zur 25. Größe. Im Hubble Extreme Deep Field sind noch Galaxien mit einer Helligkeit von 31,5 mag erkennbar.
Hellere Objekte als die 0. Größe erhalten ein negatives Vorzeichen, z. B. die Venus −4,4 mag oder die Sonne −26 mag.
Na so was. Da hat die Sonne tatsächlich ein negatives Vorzeichen. Das meine ich eben mit den konservativen Astronomen. Da benutzen sie einfach die alten Maßeinheiten aus Babylon weiter und wursteln sich damit so durch. Für unsere Katze bedeutet das jedenfalls, dass sie mit bloßem Auge gerade noch so zu sehen ist, wenn man sich auf der Südhalbkugel befindet.
Südlich von der Katze liegt das Sternbild Luftpumpe und westlich von ihr das Sternbild Kompass.
Und diese technischen Namen für Sternbilder, sind geschichtlich sehr spannend.
Im Zusammenhang der Kolonialisierung, Ausbeutung und dem grenzenlosen Glauben an Technik und Fortschritt entrissen wir den auf der Südhalbkugel lebenden indigenen Völkern auch ihren Himmel, ihre Sterne, ihre damit verbundenen Geschichten und somit ihre Kultur. Diese Hybris drückt sich dann in Namen für Sternbilder, wie Luftpumpe, Kompass, Chemischer Ofen, etc. aus. Welch unfassbare abendländische Arroganz.
Aber zurück zur Katze.
Eingeführt wurde das Sternbild „Felis“ von Jérôme Lalande in seiner Himmelskarte von 1799 und es ist unter anderem im berühmten Sternkatalog von Johann Elert Bode zu finden. Eine Motivation dafür mag gewesen sein, den Dichter Voltaire zu ärgern, der keine Katzen mochte und des Öfteren lästerte, dass sie die Aufnahme unter die 33 Sternbild-Tiere nicht geschafft hatten. Lalande jedenfalls nannte als Begründung: Ich mag Katzen. Soll diese Katze an den Himmelskarten kratzen. Der Sternenhimmel hat mich genug Sorgen gekostet, jetzt kann ich auch einen Scherz damit haben.
Ein kleiner Trost zum Schluss:
Wenn auch die Hauskatze heutzutage unter den 88 anerkannten IAU-Sternbildern fehlt, so stellen immerhin drei der IAU-Sternbilder taxonomisch Katzen dar: Löwe, Kleiner Löwe und Luchs. Das muss allen Katzenfreunden genügen.